1214/2019
Mdl. Anfrage von SE Carolina Brauckmann zum Bericht über die örtliche Planung nach § 7 Alten- und Pflegegesetz Nordrhein-Westfalen (APG NRW), s. 3909/2018 zur Beantwortung der Anfrage AN/1557/2018
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Anlage 2 Handreichung LGBT
62037 Zeichen
1 Kultursensible Pflege für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender bei der MÜNCHENSTIFT Eine Handreichung Autorinnen: Dr. Jagoda Rošul-Gajić und Andrea Scholz 3 Für wen ist die Handreichung gedacht? Die Handreichung richtet sich an Geschäftsführungen der Langzeitpfl ege, Mitarbeitende der Führungsebene sowie berufl ich Pfl egende und Interessierte. Wie nutzt man die Handreichung? Diese Handreichung ist bewusst keine „Anleitung“. Eine weltoffene und individuelle Pfl ege und Betreuung ist nicht durch universelle Lösungsvorschläge möglich. Der Aufbau umfasst in der rechten Spalte allgemeine, zusammenge- fasste Empfehlungen in Bezug auf die einzelnen Kapitel. Literaturhinweise, weiterführende Hinweise und Informatio- nen sowie Kontaktdaten ergänzen die Handreichung. Was soll mit der Handreichung erreicht werden? Die Prozesse, Meilensteine und Inhalte, die die MÜNCHENSTIFT in diesem Pilotprojekt umsetzte, sollen als Anregung und Information zur Umsetzung in der eigenen Pfl egeeinrichtung genutzt werden. Inhaltsverzeichnis 3 Inhaltsverzeichnis Inhaltsverzeichnis Vorwort ............................................................................................................................................. 4 Grußwort .......................................................................................................................................... 5 1. Umsetzung von kultursensibler Pfl ege und Betreuung für LGBT* im Rahmen der Öffnung der Langzeitpfl ege in München für Lesben, Schwule und Transgender ............................................................ 6 1.1. Kultursensible Pfl ege und Betreuung für LGBT*................................................................. 8 1.2. Struktur des Projekts ...................................................................................................... 11 1.3. Projekthäuser: Häuser der Vielfalt ................................................................................... 13 2. Projektmeilensteine ................................................................................................................. 16 2.1. Erkennen – sichtbare Veränderungen in den Häusern ..................................................... 18 2.2. Fortbildungen ................................................................................................................ 19 2.3. Unternehmenskultur - Sprache, Symbole und Regelwerke .............................................. 21 2.4. Öffentlichkeitsarbeit ....................................................................................................... 24 2.5. Kulturelle Veranstaltungen und Angebote ...................................................................... 27 3. Ausblick: Wir haben noch viel vor! ....................................................................................... 30 4. Danksagung ............................................................................................................................... 31 5. Anhang ........................................................................................................................................ 32 4 5 GrußwortVorwort Grußwort Liebe Leser*innen, mit dem demographischen Wandel wird in den kommenden Jahren der Anteil der Senior*innen in der Bevölkerung deutlich zunehmen. Dies gilt auch für offen lebende lesbische Frauen, schwule Männer und Trans*-Menschen, die auch in Pflegeeinrichtungen nach ihren Gewohnheiten weiter- leben möchten. Eine kultursensible Pflege, Verständnis für individuelle Lebensrealität und diskri- minierungsfreie Räume stehen auch bei der Landeshauptstadt München im Vordergrund. Die Landeshauptstadt München will für alle pflegebedürftigen Menschen da sein und entspre- chende Angebote bieten. Mit dem Stadtratsbeschluss 2014 zur Öffnung der stationären Alten- pflege für gleichgeschlechtliche Lebensweisen hat die Stadt ein klares Signal für die Beachtung der Vielfalt auch in der Altenpflege und eine bunte Stadtgesellschaft gesetzt. Die individuelle Lebensrealität von älteren LGBT* ist zu erkennen und wertzuschätzen. Es ist auch eine Frage der Pflege- und Betreuungsqualität: Ein Pflegeanbieter wie die MÜNCHENSTIFT GmbH als 100%ige Tochter der Stadt München muss in der Lage sein, den individuellen Wünschen und Biografien entsprechend zu pflegen und zu betreuen. Nur ein Unternehmen, das die Vielfalt der Stadtgesell- schaft als Aufgabe sieht und umsetzt ist zukunftsorientiert. Die Angebote müssen zur Stadt und den Menschen passen. Die MÜNCHENSTIFT ist mit dem bundesweit einzigartigen Projekt auf einem guten Weg, allen pflegebedürftigen Menschen unabhängig von Geschlecht, Nationalität, Weltanschauung, sexuel- ler Orientierung oder Identität, ethnischer Herkunft und Religion ein Zuhause zu bieten, in dem sie sich wohlfühlen. Denn das Projekt „Öffnung der vollstationären Altenpflege für LGBT*“ ist ein großer Gewinn für alle Beteiligten. Die vorliegende Dokumentation zieht eindrucksvoll Bilanz der vierjährigen Projektarbeit. Ich wün- sche Ihnen eine angenehme Lektüre! Vorwort Die MÜNCHENSTIFT ist mit neun Häusern in der stationären Altenpflege, vier Häusern des Selbstständigen Wohnens, den Ambulanten Diensten, der Tagespflege und dem Menü-Service mit einem sehr vielfältigen Pflege- und Betreuungsangebot der aktuell größte Dienstleister für die Münchner Senior*innen. Das Unternehmen soll und will als städtische Tochter für alle Münchner*innen da sein. Deshalb ist es uns wichtig, individuell und kultursensibel zu pflegen und genau zuzuhören: Woher kommt ein Mensch und welche Bedürfnisse, Bedarfe und ggf. Ängste hat die Person? Wir möchten für lesbische, schwule und trans* Bewohner*innen und Mitarbeitende diskriminierungsfreie Räume schaffen und so ein Zuhause bzw. einen Arbeitsplatz bieten, in dem man sich wohlfühlt. Während zu Beginn des Projektes noch viel Skepsis – auch seitens der LGBT*-Community vor- herrschte – verbunden mit der Frage „Warum macht die MÜNCHENSTIFT das?“, konnte im Laufe der Zeit ein Annäherungsprozess stattfinden. Zum einen auf der Seite der Pflege: Was ist wichtig und welches Wissen ist notwendig, damit sich ältere und hochbetagte Lesben, Schwule und Transgender in den Altenpflegeeinrichtungen der MÜNCHENSTIFT wohlfühlen? Zum anderen auf der Seite der LGBT*-Community, die gemerkt hat: der MÜNCHENSTIFT ist es mit der Öffnung für LGBT* tatsächlich ernst! Insgesamt kann der bisherige Prozess als ein wirklich erfolgreicher Annä- herungs- und Lernprozess von beiden Seiten betrachtet werden. Elementar war in der gesamten Projektlaufzeit das Mitwirken von unterschiedlichen Akteur*in- nen, ohne die die MÜNCHENSTIFT das Projekt hätte nicht umsetzen können: Das Sozialreferat der Landeshauptstadt München, die Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen, die LGBT*-Community, die LGBT*-Beratungsstellen und die vielen engagierten Mitarbeitenden der MÜNCHENSTIFT. Mit der nun vorliegenden Publikation möchten wir mit anderen Unternehmen, Trägern und Orga- nisationen unsere Erfahrungen teilen und einen Wissenstransfer ermöglichen. Aufbauend auf die vielen Veränderungen und dem Umdenken bei der MÜNCHENSTIFT wandelt sich das Unternehmen seit einiger Zeit zu einem der modernsten und fortschrittlichsten Langzeit- pflegeanbieter in München. Ich freue mich daher, dass wir bei der MÜNCHENSTIFT auch zukünftig an diesem wichtigen Pro- zess arbeiten und diesen Weg dauerhaft weitergehen werden! Christine Strobl Bürgermeisterin der Landeshauptstadt München Vorsitzende des Aufsichtsrates der MÜNCHENSTIFT Siegfried Benker Geschäftsführer 6 7 1. Umsetzung von kultursensibler Pfl ege und Betruung für LGBT* 1. Umsetzung von kultursensibler Pfl ege und Betruung für LGBT* 1. Umsetzung von kultursensibler Pfl ege und Betreuung für LGBT* im Rahmen der Öffnung der Lang- zeitpfl ege in München für Lesben, Schwule und Transgender 1.1 Kultursensible Pfl ege und Betreuung für LGBT* .........8 1.2 Struktur des Projekts ..................................................11 1.3 Projekthäuser: Häuser der Vielfalt .............................13 Um eine gute Pfl ege und Betreuung für alle Münchnerinnen und Münchner leisten zu können und Bewohner*innen mit unterschied- lichen Bedürfnissen ein Gefühl von Zuhause zu vermitteln, ist die MÜNCHENSTIFT seit 2014 auf Grundlage eines Stadtratsbeschlusses auf dem Weg der Öffnung der Langzeitpfl ege im Unternehmen für LGBT*. Kultursensible Pfl ege und Vielfalt heißt, dass die MÜNCHENSTIFT als eine gemeinnützige, hundertprozentige Tochtergesellschaft der Landeshauptstadt München mit Selbstver- ständnis lesbische, schwule, bi- und transse- xuelle (LGBT) Senior*innen betreut und pfl egt. Um der Individualität der Menschen gerecht zu werden und mit Diversität sensibel umgehen zu können, setzt die MÜNCHENSTIFT daher auf einen selbstrefl exiven und kultursensiblen Ansatz. Dieser ist wichtig für offen lebende lesbische Frauen, schwule Männer und Trans- gender, die auch in Pfl egeeinrichtungen nach ihren Gewohnheiten weiterleben möchten. Dabei sollen sich ungeoutete LGBT* ebenfalls in den Häusern der MÜNCHENSTIFT in ihrer gewählten Zurückhaltung wohl fühlen und respektiert werden. Ein Zwangsouting ist zu vermeiden. Die konkrete Umsetzung des Projektes seit 2014 in drei MÜNCHENSTIFT Häusern, beinhal- tete neben Fortbildungen zur Sensibilisierung für Mitarbeiter*innen auch ein breitgefächertes kulturelles Angebot für Bewohner*innen und für externe Besucher*innen u.a. aus der LGBT* Community. Zentraler Bestandteil des kompletten Prozesses war auch die starke Zusammenarbeit mit den hauptamtlichen Beratungsstellen Sub, LeTRa, rosaAlter sowie weiteren Kooperationspart- ner*innen aus der ehrenamtlich organisierten LGBT*-Community wie dem forum homose- xualität München e.V., dem LesbenSalon und Gay&Gray. Die Steuerung des Gesamtprojekts lag beim Sozialreferat der Landeshauptstadt München. Fachlich begleitet wurde die Stabs- stelle Vielfalt der MÜNCHENSTIFT während der Projektlaufzeit von der Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen und vom Sozialreferat der Landeshauptstadt München. Das Sozialreferat förderte im Projektzeitraum die Fortbildungen und unterstützte die MÜN- CHENSTIFT mit einem Personalkostenzuschuss für die Projektleitung LGBT* in der Stabsstelle Vielfalt. Gay&Gray. Die Steuerung des Gesamtprojekts München. Fachlich begleitet wurde die Stabs- München. Fachlich begleitet wurde die Stabs- 7 stelle Vielfalt der MÜNCHENSTIFT während der stelle Vielfalt der MÜNCHENSTIFT während der Projektlaufzeit von der Koordinierungsstelle für Projektlaufzeit von der Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen und vom Sozialreferat der Landeshauptstadt München. Das Sozialreferat förderte im Projektzeitraum die Fortbildungen und unterstützte die MÜN- CHENSTIFT mit einem Personalkostenzuschuss für die Projektleitung LGBT* in der Stabsstelle 8 9 1.1. Kultursensible Pfl ege und Betreuung für LGBT*1.1. Kultursensible Pfl ege und Betreuung für LGBT* Was bedeutet eine kultursensible Betreuung und Pfl ege für ältere LGBT*? Was verstehen wir darunter und warum ist es wichtig den individuellen und vielfältigen Wünschen und Biografi en entsprechend sensibel zu pfl egen und zu betreuen? Kultursensible Pfl ege ist ein Begriff, der im Bereich der interkulturellen Öffnung Verwen- dung fi ndet. Er bedeutet, Ängste abzubauen und dem „Fremden“ zu begegnen, Interesse an der Kultur von Anderen zu äußern, Wissen über diese Kultur zu haben, die kulturellen Besonderheiten zu erkennen und anzuerken- nen sowie den Zugang zur LGBT*-Kultur in unseren Häusern zu ermöglichen. Denn in der lesbischen, schwulen und trans* Kultur sind nicht-heteronormative Rollenvorstellungen, Werte und Normen, Symbole und Netzwerke entstanden, die miteinander geteilt werden. 1.1. Kultursensible Pfl ege und Betreuung für LGBT* Da Symbole und Zeichen ein wichtiger Teil der LGBT*-Kultur sind, war es von Anfang an für die MÜNCHENSTIFT wichtig, diese in den Projekthäusern hervorzuheben. Gezeigt hat sich dies beispielsweise durch das Anbringen von Regenbogen-Aufklebern an den Eingän- gen, Auslegen von Informationsmaterial oder Kunstausstellungen. LGBT*-Symbole, Sprache und Umgangsformen sind Teil der kultursensib- len Pfl ege und Betreuung bei der MÜNCHEN- STIFT. Damit sind diverse Formen lesbischer, schwuler, bi und trans* Kultur auch zugänglich gemacht worden. Warum legt die MÜNCHENSTIFT einen besonderen Wert darauf? Wer heute als LGBT* -Mensch gealtert ist, durchlebte einmalige Wandlungsprozesse: von Stigmatisierung und strafrechtlicher Verfolgung über eine erfolgreiche Lesben- und Schwulen- bewegung bis zu einer mehrheitsverträglichen Akzeptanz. Um diese historischen Wandlungs- prozesse zu verstehen und gut für die Bedürf- nisse der pfl egebedürftigen LGBT*-Menschen in den Pfl egeeinrichtungen vorbereitet zu sein, ist Sensibilisierungsarbeit, ein LGBT*-Fortbil- dungsprogramm und die Zusammenarbeit mit LGBT*-Community notwendig. Geschichte und Kultur verstehen 1.1. Kultursensible Pfl ege und Betreuung für LGBT* Sichtbarkeit nach innen und außen Stigmatisierung und strafrechtlicher Verfolgung Zuhören und nachfragen: Woher kommt ein Mensch und was wünscht sich die Person, wenn sie bei uns einzieht? Das LGBT*-Projekt fügt sich perfekt in das Konzept der kultursensiblen Pfl ege ein, da LGBT*-Lebensweisen wie eine eigene Kul- tur begriffen und verstanden werden kann. Hier ist eben sehr wichtig diese sensibel zu betrachten, um Diskriminierung zu verhindern und Akzeptanz zu schaffen. Abbildung1: Ausstellungseröffnung „Meine große Liebe“ im Haus an der Effnerstraße, 2018 (Foto: ???) Patrick Stepper Hausleitung im Haus St. Maria Ramersdorf 10 11 1.1. Kultursensible Pfl ege und Betreuung für LGBT* 1.2. Struktur des Projekts Die MÜNCHENSTIFT versucht daher einen diskriminierungsfreien Raum für alle pfl ege- bedürftigen Menschen unabhängig kultureller und sozialer Herkunft, der geschlechtlichen und sexuellen Identität, Alter, Behinderung, Weltanschauung und Religion zu schaffen. Würde sich die Langzeitpfl ege für LGBT* und ihre Lebenssituation nicht öffnen, bestünde die Gefahr einer erneuten Traumatisierung oder der Zwang die bisherige Lebensweise in der letzten Lebensphase von Lesben, Schwulen und Transmenschen zu verheimlichen und zu verstecken. Die meisten der älteren Lesben und Schwulen haben bereits ihr Coming-out hinter sich. Mit ihren Gewohnheiten und Identitäten möchten sie weiterhin, auch in einer vollstatio- nären Pfl egeeinrichtung, leben. Es ist daher wichtig, dass die Mitarbeiter*innen in der Pfl ege und Betreuung geschult werden und sensibel im Umgang mit LGBT* sind und somit auf die Bedürfnisse, Bedarfe und Ängste eingehen können, wie z.B. auf den Wunsch nur von einem Mann oder einer Frau gepfl egt zu werden. Weiterhin muss bei Trans*- und intersexuellen Menschen das pfl egerische Wissen vorhanden sein, um die individuel- len Wünsche, Bedarfe und Notwendigkeiten berücksichtigen zu können. Die Sichtbarkeit und Akzeptanz von LGBT* hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt. Die nachfolgenden Generationen von älteren LGBT* werden vermutlich andere Selbstver- ständlichkeiten und Ansprüche an die Pfl ege und Betreuung stellen. Daher ist es ein fort- währender Prozess sich mit den individuellen Bedürfnissen und lebensgeschichtlichen Erfah- rungen auseinanderzusetzen. Den Menschen als Individuum betrachten und individuell auf Bedürfnisse, Bedarfe und ggf. Ängste reagieren 1.2. Struktur des Projekts Uns ist eine vertrauensvolle Zusammenar- beit mit der LGBT*-Community sehr wich- tig, da dieses Thema für uns eine Herzens- angelegenheit ist. Um Diskriminierungen vorzubeugen, bedarf es offenen Umgangs mit dem Thema sowohl auf Seiten der Bewohner*innen als auch der Mitarbei- ter*innen. Insbesondere die Schulungen bezüglich des Themas sorgen für Transpa- renz und Akzeptanz. Selda Ikonomou Hausleitung im Haus St. Martin Sowohl die innere als auch die gesamte Struktur des Projekts spielte eine ganz wich- tige und bedeutende Rolle für die erfolgreiche Umsetzung und Erreichung der Ziele. Bei der MÜNCHENSTIFT ist das Projekt in der Stabs- stelle Vielfalt, die direkt der Geschäftsführung unterstellt ist, angesiedelt. In der Stabsstelle Vielfalt gibt es die Abteilungsleitung, welche in allen internen Führungsgremien vertreten ist. Neben der Abteilungsleitung, ist die Projekt- leitung LGBT* für die operative Umsetzung Anbindung des Projekts organisatorisch bei der Geschäftsführung – dies verleiht dem Thema einen hohen Stellenwert im Unternehmen tige und bedeutende Rolle für die erfolgreiche Vielfalt gibt es die Abteilungsleitung, welche in Klare Strukturen, Ziele, Zuständigkeiten und Ressourcen für das Thema LGBT* im Unternehmen (Projektleitung, Projektgruppe, Projektplan) Diskriminierungsfreie Räume schaffen Kultursensible Pfl ege und Betreuung LGBT* -Medien bereitstellen des Projektes zuständig und befi ndet sich in regelmäßigem Austausch mit der Leitung der Stabsstelle und ist in den Häusern mit diversen Aktivitäten präsent. Diese Struktur ermöglicht sowohl einen „Top-down“ als auch „Bot- tom-up-Effekt“. Auf einer Seite wird dadurch die gesamte Führungsebene beeinfl usst und ist Teil des Umsetzungsprozesses, auf der anderen Seite wird die Basis miteinbezogen. 12 13 1.2. Struktur des Projekts 1.3. Projekthäuser: Häuser der Vielfalt Darüber hinaus waren weitere Akteur*innen und Organisationen am Projekt beteiligt, was sehr wichtig für dessen Umsetzung war. Ohne diese Beteiligung und den damit verbundenen, fruchtbaren Austausch hätte das Projekt nicht erfolgreich umgesetzt werden können. Ein fester Bestandteil des Gesamtprozesses war daher: 1. Die „Große Runde Häuser der Vielfalt (LGBT*)“, mit halbjährlichen Treffen, bestehend aus Vertretungen des Sozial- referats und der Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen der Landeshauptstadt München, den Koopera- tionspartner*innen bzw. dem Dozent*in- nen-Team von Sub, LeTRa und rosaAlter, den Hausleitungen der beteiligten Projekthäuser sowie der Geschäftsführung und der Stabs- stelle Vielfalt wurden die wichtigen Themen zur Umsetzung, Nachhaltigkeit und Zukunft des Projekts diskutiert und entschieden. 2. Die MÜNCHENSTIFT-interne Projektgruppe, bestehend aus den Hausleitungen, der Stabsstelle Vielfalt und weiteren engagierten Mitarbeitenden, traf sich ebenfalls halbjähr- lich und plante weitere Aktivitäten in den Häusern aber auch externe Veranstaltungen wie die Beteiligung am CSD oder Fachtage. 3. Der Steuerungsgruppe kam im Projekt eine große Bedeutung zu. Diese bestand aus der Stabsstelle Vielfalt (Abteilungsleitung sowie Projektleitung), einer Vertreterin des Sozial- referats und einem Vertreter der Koordinie- rungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebens- weisen der Landeshauptstadt München. Die regelmäßigen Treffen entwickelten sich im Laufe des Projektes und zeigten, wie wichtig der regelmäßige Austausch ist. Die Treffen dienten dazu, die Stabsstelle Vielfalt und das Projekt individuell und fachlich zu begleiten, Fortschritte und notwendige Veränderungen zu diskutieren sowie gemeinsame Aktivitä- ten zu planen. 4. Der LGBT* Stammtisch für interessierte Mit- arbeiter*innen entstand auf Initiative einer Mitarbeiterin und war ebenfalls ein wichti- ger Baustein im Projekt. Dort wurden viele Überlegungen (z.B. zum CSD) angestellt und erste Ideen entwickelt. Am Stammtisch und diversen Veranstaltungen im Rahmen des Projekts nahmen nicht nur Mitarbei- ter*innen aus den Projekthäusern, sondern aus fast allen Häusern der MÜNCHENSTIFT teil, was zeigt, dass das Projekt und die Haltung der Mitarbeiter*innen zum Thema LGBT* ein fester Teil der Unternehmenskul- tur geworden ist. Gleichzeitig zeigt sich die MÜNCHENSTIFT als eine LGBT*-freundliche Arbeitgeberin, die Mitarbeitenden unter- schiedlicher sexueller und geschlechtlicher Identitäten diskriminierungsfreie Räume bietet. 1.3. Projekthäuser: Häuser der Vielfalt Zu Beginn des Projektes musste sich durch Gespräche herauskristallisieren, ob und welche Projekthäuser es geben soll. Im Laufe des Jahres 2014 und Anfang 2015 haben sich zunächst drei Häuser bzw. Hausleitungen ent- schlossen, aktiv an der Öffnung der Langzeit- pfl ege für Lesben, Schwule und Transgender in Form von Fortbildungen, kulturellen Veran- staltungen, Arbeitskreisen und vielen weiteren Aktivitäten teilzunehmen. Um alle Häuser der MÜNCHENSTIFT gleich- zeitig in das Projekt einzubinden, wären zu Beginn die Kapazitäten nicht vorhanden gewe- sen. Die MÜNCHENSTIFT hat im Stadtgebiet München insgesamt 13 Häuser: neun Häuser mit Pfl egeleistungen und vier Häuser des selbstständigen Wohnens. Die MÜNCHENSTIFT beteiligt sich nicht nur am Projekt der Öffnung für LGBT*, sondern öffnet sich beispielsweise auch interkulturell für Migrant*innen hat ein Projekthaus für Bezugspfl ege/Primary Nursing. Es wurde die Entscheidung gefällt, dass sich drei Häuser intensiv mit dem Thema LGBT* auseinandersetzen können. Dies bedeutete zunächst, dass neben Finanzi- ellem auch Ressourcen wie Zeit sehr wichtig waren, damit das Projekt beginnen und sich entwickeln konnte. Vor allem Zeit ist in der Pfl ege und Betreuung eine knappe Ressource. Nur durch eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema im gesamten Unternehmen konnte die Öffnung für Lesben, Schwule und Transgender stattfi nden. Insbesondere die Hausleitungen haben eine ganz zentrale Rolle in der Umsetzung des Projektes: Sie fördern das Projekt vor Ort aktiv und leben es den Mit- arbeitenden vor. Durch die Mithilfe engagierter Multiplikator*innen in den Projekthäusern konnten viele kleine Projekte und Veranstaltun- gen umgesetzt werden. Zum Beispiel wurde das Projekt durch Mitar- beitende in der „Heiminternen Tagesbetreu- ung“ für Menschen mit Demenz tatkräftig unterstützt, welche viele kleine Gruppenakti- vitäten oder Veranstaltungen gemeinsam mit der Stabsstelle Vielfalt organisierten oder die „Pfl egeüberleitungen“, die Hausführungen für die LGBT*-Community anboten. Beide Berei- che werden ebenfalls durch das Sozialreferat der Landeshauptstadt München fi nanziert. Für diese Berufsgruppen bietet auch das Sozialre- ferat (Amt für soziale Sicherung, Altenhilfe und Pfl ege) trägerübergreifend regelmäßig Fort- bildungen zum Thema LGBT* in der Langzeit- pfl ege an. Netzwerkarbeit als elemtarerer Bestand- teil des Projektes Ressourcen der Mitarbeitenden aufgreifen und fördern Personalvielfalt durch Diversity-Management Ressourcen wie Zeit, Personal und fi nanzielle Mittel müssen bereitgestellt werden Gemeinsame Erarbeitung von Maßnahmen mit Koopera- tionspartner*innen aus der LGBT*-Community Projekthäuser Gespräche herauskristallisieren, ob und welche zunächst drei Häuser bzw. Hausleitungen ent- schlossen, aktiv an der Öffnung der Langzeit- in Form von Fortbildungen, kulturellen Veran- staltungen, Arbeitskreisen und vielen weiteren Hausleitungen müssen die Öffnung für LGBT* aktiv fördern 14 15 1.3. Projekthäuser: Häuser der Vielfalt Die drei Häuser der Vielfalt (LGBT*) sind: Haus an der Effnerstraße (Bogenhausen) Haus St. Martin (Giesing) Haus St. Maria Ramersdorf (Ramersdorf) Die Häuser befi nden sich in verschiedenen Stadtteilen Münchens und bieten den Bewoh- ner*innen ein vielfältiges Angebot an Pfl ege- und Betreuung an. Das Haus an der Effnerstraße in Bogenhausen bietet Wohnen mit Service sowie Wohnen mit Pfl egeleistungen an und hat Gerontopsychiatri- sche Wohngruppen sowie einen Wohnbereich für neurologisch erkrankte Menschen. Das Haus St. Martin befi ndet sich in Giesing und bietet ebenfalls breitgefächerte Leistun- gen an: Wohnen mit Pfl egeleistungen, geron- Abbildung 3: Wohnen bei der MÜNCHENSTIFT in den Häusern der Vielfalt, 2017 (Foto: MÜNCHENSTIFT) Abbildung 2: Ankündigung einer Veranstaltung, 2016 (Foto: MÜNCHENSTIFT) Maßnahmen überprüfen und anpassen Klare realistische Ziele topsychiatrische Wohngruppen, beschützende Pfl ege und Kurzzeitpfl ege. Das dritte Projekthaus ist das Haus St. Maria Ramersdorf im Stadtteil Ramersdorf. Hier besteht ebenfalls die Möglichkeit des Woh- nens mit Pfl egeleistungen. Weiterhin gibt es Gerontopsychiatrische Wohngruppen und das Angebot der Kurzzeitpfl ege. 1.3. Projekthäuser: Häuser der Vielfalt 16 17 2. Projektmeilensteine2. Projektmeilensteine Alle drei Projekthäuser haben sich vier Jahre intensiv mit der Öffnung für LGBT* beschäftigt. Ziel war es, die Öffnung für Lesben, Schwule und Transgender nicht als eine weitere Auf- gabe in der Pfl ege und Betreuung darzustellen, sondern in den Alltag mit einfl ießen zu lassen. Weiterhin stellt das ein „Mehr“ an vielfältigen Angeboten dar und ersetzt keine bestehenden Angebote. Dies war ein wichtiger Punkt, der sowohl an Bewohner*innen wie auch an Mit- arbeitende stets transportiert worden ist und schließlich auch gelebt wird. 2. Projektmeilensteine 2.1 Erkennen – sichtbare Veränderungen in den Häusern .................18 2.2 Fortbildungen .............................................................19 2.3. Unternehmenskultur – Sprache, Symbole und Regelwerke ...........................21 2.4. Öffentlichkeitsarbeit ..................................................24 2.5. Kulturelle Veranstaltungen und Angebote ..............27 17 Im Laufe der Zeit haben sich immer mehr engagierte Mitarbeiter*innen am Projekt betei- ligt. Während das Projekt noch zu Beginn viel Initiative der Geschäftsführung und Projekt- leitung erforderte, wurde es schließlich immer mehr zu einem Selbstläufer. Wichtige Projektmeilensteine waren die Durchführung der Fortbildungen, die sichtba- ren Veränderungen in den Projekthäusern, das Umdenken in Bezug auf Sprache und Symbole und nicht zuletzt die Öffentlichkeitsarbeit und kulturellen Veranstaltungen. Weiterhin waren auch die vielen Feedbackrun- den gemeinsam mit der LGBT*-Community in Form von Einzel-Gesprächen aber auch in verschiedenen Arbeitskreisen wichtig. Sehr essenziell war außerdem das zunehmende Interesse und der Wunsch nach Mitarbeit am Projekt durch die LGBT*-Community wie bei- spielsweise dem LesbenSalon. Selbstverständlichkeit und Kompetenz Verbesserung der Qualität und Erweiterung des Angebotes für Bewohner*innen und Mitarbeitende Wichtige Kooperation mit der LGBT*- Community, gemeinsames Interesse und wertvoller Austausch 18 19 2.1. Erkennen - sichtbare Veränderungen in den Häusern 2.2. Fortbildungen Während zu Beginn noch viel Zurückhaltung bei Mitarbeiter*innen herrschte, konnte später immer mehr Eigeninitiative bei Mitarbeiten- den, was Ideen und Einzug des Themas LGBT* anbelangte, beobachtet werden. Beispielsweise wurden Vorschläge miteingebracht, welche Veranstaltungsformate für Bewohner*innen organisiert werden könnten. Weiterhin war im letzten Projektjahr die enorme Beteiligung am CSD mit über 65 Mitarbeiter*innen der MÜNCENSTIFT ein Signal, dass die Öffnung für LGBT* auch auf der Seite der Mitarbeiter*in- nen angekommen ist. 2.1. Erkennen – sichtbare Veränderungen in den Häusern 19 Betritt man ein Haus der Vielfalt, ist der Einzug des Projektes in den Alltag sehr sicht- bar: Seien es Veranstaltungshinweise zum LGBT*-Tanznachmittag auf der Pinnwand, der Flyer zum Projekt sowie Zeitschriften aus der LGBT*-Community wie das Leo-Magazin oder L-Mag an den Rezeptionen, vorbeilau- fende Pfl egekräfte mit Regenbogen-Button am Revers der Dienstkleidung – vieles spiegelt das „Willkommen sein“ für Lesben, Schwule und Transgender in den Häusern der MÜNCHEN- STIFT wider und zeigt auf, welche Relevanz das Thema im Unternehmen hat. Damit die Öffnung der vollstationären Pfl ege und Betreuung für Lesben, Schwule und Trans- gender bei der MÜNCHENSTIFT umgesetzt werden kann, war die Fortbildung des Perso- nals ein enorm wichtiger Baustein. Die Sen- sibilisierung der Mitarbeitenden durch Schu- lungsmaßnahmen erfolgte ab 2014. Gefördert wurden die Fortbildungen im Projektzeitraum durch das Sozialreferat der Landeshauptstadt München. Die Schulungsmaßnahmen wurden von den LGBT*-Beratungsstellen und Kooperationspart- ner*innen Sub, LeTRa und rosaAlter durchge- führt. 2.2. Fortbildungen Die Fortbildungen waren zweitägig angelegt und beinhalteten jeweils unterschiedliche Inhalte und Schwerpunkte. Die Inhalte wurden vom Dozent*innen-Team zu Beginn des Projek- tes individuell abgestimmt. Später haben sich die Schwerpunkte der Fortbildungen teilweise auch verlagert oder verändert – weil bemerkt wurde, dass zu einzelnen Themen viele Fragen und starkes Interesse bei den Teilnehmenden besteht. Den ersten Fortbildungstag gestalteten LeTRa und Sub mit den thematischen Schwerpunk- ten: Coming-Out, Lebenswelten und Sozial- räume homosexueller Menschen sowie Diskri- minierungsmechanismen. Der zweite Tag der Fortbildung wurde von rosaAlter durchgeführt und informierte die Teilnehmenden über die Bedürfnisse, Bedarfe und Ängste älterwer- dender und altgewordener Lesben, Schwuler und Transgender inkl. einem umfangreichen Geschichtsteil. Unter anderem wurde auch im zweiten Teil der Fortbildung der Geschichtsteil von rosaAlter weiter ausgebaut und ein kurzer Spaziergang zum Mahnmal der lesbischen und Barbara Mooser Hausleitung im Haus an der Effnerstraße bei Mitarbeiter*innen herrschte, konnte später den, was Ideen und Einzug des Themas LGBT* anbelangte, beobachtet werden. Beispielsweise 2.1. Erkennen – sichtbare Starke Sichtbarkeit des Themas, z.B. durch den Aushang eines Regenbogen- aufklebers an den Eingangs- türen, Veranstaltungshinweise, Buttons, Magazine und Zeitungen Am Anfang hatte ich das Gefühl, das Projekt liegt im Haus auf meinen Schultern, ich muss der Treiber sein. Mittlerweile hat sich das verändert und wir haben eine fest installierte Arbeitsgruppe im Haus, die sich um das Thema LGBT* kümmert und es wird auf immer breitere Füße gestellt. Abbildung 4: Flyer zum LGBT*-Projekt, 2017 (Foto: MÜNCHENSTIFT) München. Fortbildungen von den LGBT*-Beratungsstellen durchführen lassen Einbindung aller Mitarbeitenden in den Projekthäusern 20 21 schwulen Opfer im Nationalsozialismus in der Dultstraße mit in die Fortbildung aufgenommen. Da es durchaus auch Mitarbeiter*innen-Fluk- tuation in den Häusern gibt und auch Mitar- beitende mit Migrationshintergrund bei der MÜNCHENSTIFT arbeiten, in deren Herkunfts- ländern schwul-lesbische Lebensweisen oftmals ein Tabu darstellen, betont die Hausleitung Barbara Mooser: Im Laufe des Projekts passten die Teamer*in- nen durch regelmäßige Refl exion, Evaluation und Rückmeldungen die Fortbildungen für Beschäftige der MÜNCHENSTIFT an und entwi- ckelten passgenaue, bedürfnisorientierte Fort- bildungen, die zu einer Kompetenzerweiterung mit Praxisbezug geführt haben. 2.2. Fortbildungen 2.3. Unternehmenskultur - Sprache, Symbole und Regelwerke Ergänzt wurde das Fortbildungsangebot durch die schwul-lesbischen Stadtrundgänge von forum homosexualität. Diese Form der Wis- sensvermittlung war bei den Mitarbeitenden beliebt, da Mithilfe eines Stadtrundganges viel am konkreten Ort sichtbar gemacht wurde. Dadurch konnten Teilnehmer*innen viel zur lesbisch-schwulen Geschichte, geschichtsträch- tigen Orten, Häusern aber auch zur Geschichte von Verfolgung und Ausgrenzung erfahren. Es hat sich bewährt, die Stadtrundgänge zur Ge- schichte der Lesben und Schwulen in München durch eine LGBT*-sensible Pfl egefachkraft zu begleiten. Somit konnte für die Teilnehmenden gut ein Transfer zwischen Geschichte und Pfl e- gealltag herstellt werden. Außerdem sei an dieser Stelle auch das Archiv von forum homosexualität München e.V. erwähnt. Das forum homosexualität e.V. arbeitet daran, kulturelle und wissenschaftliche Erkenntnisse zu Alltag, Kultur und Geschichte von Lesben und Schwulen zu sammeln und Interessierten im Archiv zur Verfügung zu stellen. Eine aktive, kultursensible Pfl ege für LGBT* bedeutet, dass ältere LGBT*, die auf Unterstüt- zung angewiesen sind, ein Zuhause nach ihren Bedürfnissen bei der MÜNCHENSTIFT fi nden. Die individuelle Lebensrealität von LGBT* zu erkennen und wertzuschätzen ist ein wichtiger Teil unserer Unternehmenskultur. Dies bedeutet auch mehr Offenheit am Arbeitsplatz. Sowohl Bewohner*innen als auch Mitarbeitende, die sich als lesbisch, schwul, bisexuell oder Trans- gender geoutet oder nicht geoutet haben, fi nden ein Zuhause bzw. ein Unternehmen in dem sie sich wohlfühlen. Das Ziel ist dabei, diskriminierungsfreie Räume zu schaffen. Nach über vier Jahren Projektlaufzeit kann gesagt werden, dass kultursensible Pfl ege und Betreuung für LGBT* im Pfl ege- und Betreuungsleitbild/konzept, im Fortbildungs- programm, in der Organisations- und Perso- nalentwicklung, im Kulturprogramm und in 2.3. Unternehmenskultur - Sprache, Symbole und Regelwerke der Zusammenarbeit der MÜNCHENSTIFT mit verschiedenen Zielgruppen abgebildet wird. Damit ist die Öffnung für LGBT* ein integra- ler Bestandteil der einschlägigen Prozesse im Unternehmen. Die MÜNCHENSTIFT hat sich in verschiedenen Gremien und auf verschiedenen strukturel- len Ebenen Gedanken zum Thema LGBT* gemacht. So wurde beispielsweise in einer internen Projektgruppe der Abschlusstext für Stellen- ausschreibungen angepasst. Während es noch zu Beginn des Projektes hieß: „Wir freuen uns über geeignete Bewerbungen von Frauen wie Männern, unabhängig von kultureller und sozialer Herkunft, Alter, Religion, Weltanschau- ung, Behinderung oder sexueller Identität“, hat man sich in der Projektgruppe Gedanken zur Umformulierung gemacht. Schließlich wurde der Abschlusstext bei Stellenausschreibungen geändert in „Wir freuen uns über geeignete Bewerbungen unabhängig von kultureller und sozialer Herkunft, der geschlechtlichen Identi- tät und sexuellen Orientierung, Alter, Behinde- rung, Weltanschauung und Religion“. Überprüfung und Anpassung der Fortbildungsinhalte mit Praxisbezug geführt haben. Verstärkten Bezug zur Berufspraxis herstellen schwulen Opfer im Nationalsozialismus in der Dultstraße mit in die Fortbildung aufgenommen. MÜNCHENSTIFT arbeiten, in deren Herkunfts- ländern schwul-lesbische Lebensweisen oftmals Schwul-lesbische Stadtrund- gänge in der Stadt anbieten und damit Geschichte und Gegenwart in der Realität er- lebbar machen bedeutet, dass ältere LGBT*, die auf Unterstüt- zung angewiesen sind, ein Zuhause nach ihren erkennen und wertzuschätzen ist ein wichtiger Teil unserer Unternehmenskultur. Dies bedeutet auch mehr Offenheit am Arbeitsplatz. Sowohl Unternehmen. Anpassung von Sprache, Flyern und Formularen und damit Signalwirkung erzeugen Diskussion über Werte und Haltung (z.B. Basis der Leitbilder) Die Schulungen, die durch lesbische und schwule Vereine wie LeTRa, rosaAlter, Sub und forum homosexualität angeboten werden, sind essenziell für das Projekt. Die Haltung im Unternehmen ist wichtig. Sensibilisierung der Mitarbeitenden durch Schulungen Kommunikation und Präsenz des Themas innerhalb des Unternehmes (z,B. Mitarbeiter*innen- Zeitung, Intranet) 22 23 2.3. Unternehmenskultur - Sprache, Symbole und Regelwerke Es ist wichtig, dass ein Umdenken in Sprache und Schrift in verschiedenen Schriftstücken wie beispielsweise Flyern, Stellenausschreibungen, Formularen, im Pfl ege- und Betreuungskonzept und vielen mehr stattfi ndet. Schließlich wirkte diese Haltung – welche im Projekt ganz zentral war – nicht nur nach innen, sondern ebenfalls nach außen. Das machte sich u.a. auch in Bewerbungen deut- lich. Es gab vermehrt Bewerber*innen, die in ihrer Bewerbung darauf hinwiesen, dass sie diese Haltung wahrnähmen und sich einen Arbeitgeber wünschten, der offen mit dem Thema sexuelle und/oder geschlechtliche Iden- tität umgeht. Abbildung 5: Pfl ege braucht Vielfalt beim CSD, 2015 (Foto: MÜNCHENSTIFT) Konsequente Veränderungen im externen Auftreten des Unternehmens Öffnung für LGBT* als Bestandteil des Pfl ege- und Betreuungskonzeptes, des Unternehmensleitbildes und damit im Sinne der Nachhaltigkeit als Querschnittsthema verankern Ein ganz wichtiger Schritt war es für uns die LGBT*-sensible Sprache zu erkennen und zu lernen. Eine große Bedeutung hat auch die Regenbogenfahne an den Eingangstüren der Häuser der Vielfalt Ein ganz wichtiger Schritt war es für Eine weitere Entwicklung in Hinblick auf Spra- che, konnte beim Projekttitel beobachtet wer- den. Während das Projekt offi ziell anfangs nach dem Stadtratsbeschluss „Öffnung der vollsta- tionären Altenpfl ege für gleichgeschlechtliche Lebensweisen“ hieß, wurde das im Laufe der Zeit refl ektiert: Trans* war dabei nicht inbe- griffen. Daher wurde der Projekttitel bei der MÜNCHENSTIFT in einem Treffen der „großen Runde“ gemeinsam mit allen Beteiligten in „Öffnung der Langzeitpfl ege in München für Lesben, Schwule und Transgender“ geändert. Barbara Mooser 2.3. Unternehmenskultur - Sprache, Symbole und Regelwerke 24 25 2.4. Öffentlichkeitsarbeit2.4. Öffentlichkeitsarbeit lungen und Hausführungen zu denen u.a. externe Gäste aus der LGBT*-Community oder dem Stadtviertel herzlich eingeladen sind. Die Veranstaltungen wurden hauptsächlich über Flyer-Aushang in der Szene beworben und als Newsletter über den Szeneverteiler der Koordi- nierungsstelle versendet. Ein großer und wichtiger Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit war seit 2014 die jährli- che Teilnahme am Christopher Street Day. Die MÜNCHENSTIFT nahm mit einer Fußgruppe und einem Info-Stand im Stadtzentrum, dem Marienplatz, teil sowie seit 2017 zusätzlich mit einem eigenen LKW. Hierbei war eine deutliche Entwicklung im Projekt zu erkennen: Während zu Beginn des Projektes ein Dutzend Mitarbeiter*innen auf dem CSD waren, kamen 2017 mehr als 65 engagierte Mitarbeitende der MÜNCHENSTIFT in ihrer Freizeit zum CSD, um die MÜNCHEN- STIFT zu repräsentieren. Am Info-Stand konn- ten sich Interessierte zu den Angeboten der MÜNCHENSTIFT und der Öffnung für LGBT* in der Langzeitpfl ege erkundigen. Weiter- hin wurden dort auch viele Give-Aways (z.B. Armbändchen in Regenbogenfarben) verteilt, die bei Besucher*innen viel Anklang fanden. Durch die Teilnahme der MÜNCHENSTIFT am CSD wurde auch das Thema Altenpfl ege und Pfl egebedürftigkeit mehr in den Fokus gerückt, da am CSD viele jüngere Menschen präsent sind. Während der Pride-Week in der Woche Die Öffentlichkeitsarbeit war ein zentraler Bau- stein in der vierjährigen Projektlaufzeit. Damit konnte die MÜNCHENSTIFT auf externen Veranstaltungen über das Projekt informieren und im Austausch mit der LGBT*-Community bleiben. Zur Öffentlichkeitsarbeit zählen hier sowohl Veranstaltungen, die in den Häusern der MÜNCHENSTIFT stattfanden, als auch externe Aktivitäten. Zu den internen Aktivitäten gehören beispielsweise die kulturellen Ver- anstaltungen wie der Tanztee, Kunstausstel- 2.4. Öffentlichkeitsarbeit Abbildung 6: Vortrag während der Fachtagung „Gel(i)ebte Vielfalt“, 2017 (Foto: MÜNCHENSTIFT) Abbildung 7:Info-Stand am CSD, 2017 (Foto: MÜNCHENSTIFT) vor dem Christopher Street Day fanden jährlich Hausführungen in den Projekthäusern mit Fokus auf die Öffnung für LGBT* sowie Aus- stellungseröffnungen, die ebenfalls Kunst zum Thema LGBT* zeigten, statt. In den Jahren 2014 und 2015 war die MÜN- CHENSTIFT außerdem ebenfalls auf dem lesbischen Angertorstraßenfest mit einem Info- Stand vertreten. Als weiterer essenzieller Baustein war die Öffentlichkeitsarbeit in verschiedenen internen und externen Medien. Seit 2014 erschienen immer wieder Beiträge in Fachzeitschriften wie „CareKonkret“ oder „Pfl ege in Bayern“, in denen die Stabsstelle Vielfalt der MÜNCHEN- STIFT berichtete, wie die Öffnung für LGBT* in den Pfl egeeinrichtungen funktioniert und wel- che Bestandteile das Projekt beinhaltet. Dane- ben gab es auch Artikel in Lifestylemagazinen wie beispielsweise im Magazin „Leo“ oder in „Schwulissimo“. Dies führte zu einer stärkeren Wahrnehmung und Präsenz des Projektes – gerade auch außerhalb Münchens –, was sich wiederum in einer stärkeren Nachfrage in Form von Anfragen zu weiteren Interviews oder den Angeboten der MÜNCHENSTIFT spiegelte. bleiben. Nach außen sichtbar und präsent sein (Flyer, Give-Aways, Homepage) nierungsstelle versendet. Veranstaltungen über das Projekt informieren und im Austausch mit der LGBT*-Community Teilnahme an Veranstaltungen der LGBT*- Community (z.B. am CSD) Stand vertreten. Beiträge in Fachzeitschriften und Magazinen der LGBT*- Community 26 27 2.4. Öffentlichkeitsarbeit 2.5. Kulturelle Veranstaltungen und Angebote Rezeption hinterlegt und wiesen zugleich auf die Öffnung des Hauses hin. Die Frauen vom LesbenSalon boten in den Häusern St. Maria Ramersdorf und St. Martin ein Erzählcafé an. Sie erzählten von ihrer Kind- heit, ihrem Coming-Out und ihrem Empfi nden „Alt sein als Lesbe“. Bewohner*innen erzähl- ten anschließend aus ihrem Leben. Das enorme ehrenamtliche Engagement muss an dieser Stelle besonders hervorgehoben werden. Beim Erzählcafé „kommt der LesbenSalon direkt mit den Bewohner*innen in Kontakt und es gibt Möglichkeit zum Austausch“ so Patrick Step- per, Hausleitung. Das bereichert das Projekt sehr. 26 Abbildung 8: Filmvorführung im Haus St. Maria Ramersdorf, 2017 (Foto: MÜNCHENSTIFT) Abgerundet wird die Öffentlichkeitsarbeit durch eine fi lmische Dokumentation des Projektes. Der Ende 2016 fertiggestellte Film „Leben wie Sie lieben – auch im Alter. LGBT in der Altenpfl ege bei der MÜNCHENSTIFT“ zeigt die Annäherungs- und Aushandlungs- prozesse zu Beginn des Projektes, stellt viele Fragen und thematisiert die Bedürfnisse älterer Lesben, Schwuler, Bisexueller und Transmen- schen. Der Film zeigt zudem, wie die Öffnung der vollstationären Pfl ege für LGBT* konkret in den Pfl egeeinrichtungen der MÜNCHENSTIFT gestaltet werden kann. Die Dokumentation wurde mehrmals vor Publikum mit anschlie- ßender Diskussions- und Fragerunde vorge- stellt und ist auch auf dem YouTube-Kanal der MÜNCHENSTIFT abrufbar. Der Film hat die mit Abstand meisten Aufrufe auf dem Kanal der MÜNCHENSTIFT. Der zweite Dokumentarfi lm unter dem Titel „Wir haben noch viele vor - Vier Jahre Öffnung für LGBT* bei der MÜNCHENSTIFT“ zeigt, dass das Projekt bzw. das Thema LGBT* nach vier Jahren Projektzeit bei der MÜNCHEN- STIFT gelebt wird. Er zeigt, warum das Projekt bedeutsam ist und was vorhanden sein muss, um so ein komplexes Vorhaben durch- und umzusetzen. Dennoch ist es immer noch wich- tig das Thema zu verfolgen, um dieses nach- haltig zu verstetigen. Im Jahr 2018 fand außerdem eine Exkursion zum Juli-Roger-Haus in Frankfurt statt. Das Juli- Roger-Haus (Frankfurter Verband) ist ebenfalls eine Pfl egeeinrichtung, die sich für Lesben, Schwule und Transgender öffnet, ist nach dem Regenbogenschlüssel zertifi ziert und hat ähnli- che Ansätze wie die MÜNCHENSTIFT. Obwohl die Fortbildungen ein essenzielles Segment der Öffnung für LGBT* in den Häusern der MÜNCHENSTIFT darstellten, waren die kulturellen Veranstaltungen ebenso relevant. Damit konnte nicht nur ein Angebot für lesbische, schwule oder trans* Bewohner*innen und Interessierte geschaf- fen werden, sondern gleichzeitig auch eine Auseinandersetzung und Sensibilisierung für diejenigen stattfi nden, die mit dem Thema (noch) nicht ganz so offen umgehen kön- nen. Einige Veranstaltungen, welche in den Häusern stattfanden, waren nur den Bewoh- ner*innen des jeweiligen Hauses vorbehal- ten, andere wiederum wurden stark extern in der LGBT* Community und im Stadtteil beworben. Damit wurden die Projekthäuser zu Begegnungsorten der LGBT*-Community, dem Stadtviertel, den Bewohner*innen, den Angehörigen und den Mitarbeitenden. Hier fand gegenseitiges Kennenlernen, Auseinan- dersetzen, „voneinander lernen“ und weitere Vernetzung statt. Insgesamt fand eine bunte Vielfalt an unter- schiedlichen Aktivitäten in den drei Projekt- häusern statt: Tanznachmittage mit einem Tanzlehrer aus der LGBT*- Community, Erzählcafés mit Frauen vom LesbenSalon, Literaturnachmittage an denen aus Romanen vorgelesen wurde oder Filmabende mit Bezug zum Thema LGBT*. Erwähnenswert ist auch die Auslage vom schwul-lesbischen Maga- zinen wie dem LEO-Magazin oder L-MAG. Diese sind zur Ausleihe bzw. Mitnahme an der 2.5. Kulturelle Veranstaltungen und Angebote Filmische Dokumentation des Projektes auf YouTube Austausch und Vernetzung mit anderen geöffneten Einrichtungen Vernetzung statt. Niedrigschwellige, zusätzliche Angebote schaffen, die sich gut in den Alltag integrieren lassen (z.B. Tanztee) die Öffnung des Hauses hin. Zusammenarbeit mit der LGBT* Community in Bezug auf kulturelle Veranstaltungen in den Projekthäusern Abbildung 10: Die Kunstausstellung „Sie war ganz schlimm schön“, 2015 (Foto: MÜNCHENSTIFT) 28 29 Pfl ege & Betreuung bei der MÜNCHENSTIFT 2.5. Kulturelle Veranstaltungen und Angebote Einige der obengenannten Ausstellungen wurden über die Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen ausgelie- hen. Es besteht auch für andere interessierte Einrichtungen die Möglichkeit die Kunstwerke auszuleihen und für einen bestimmten Zeit- raum auszuhängen. Auch der Tanztee in den Projekthäusern fand großen Anklang bei Bewohner*innen, Mit- arbeitenden und externen Besucher*innen. Einige mobilere Bewohner*innen tanzen gerne und freuten sich über das Angebot. Sehr pfl egebedürftige Bewohner*innen konnten gemeinsam mit Betreuungsassistent*innen ein wenig im Rollstuhl zum Takt der Musik bewegt werden oder hörten der Musik zu und sahen anderen beim Tanzen zu. Das Ziel des Tanznachmittages war neben dem Spaß- faktor auch zu zeigen, dass nicht nur Männer mit Frauen tanzen können, sondern auch der gleichgeschlechtliche Tanz sehr gut funktio- niert und nicht mit Tabus belegt sein muss. Schließlich wurde das kulturelle Angebot durch Kunstausstellungen in den Projekthäusern und in der Hauptverwaltung der MÜNCHENSTIFT abgerundet. Durch die Kunst wurde eine weitere Ebene auf der das Thema LGBT* in den Häusern präsent war, geschaffen. Unter anderem wurden folgende Kunstausstellungen gezeigt: die lesbische Ausstellung „Sie war ganz schlimm schön“, „die Verzauberten“ mit Portraits und Lebensgeschichten schwuler Senioren und die Trans*-Ausstellung „Max ist Marie – mein Sohn ist meine Tochter ist mein Kind“. Sehr erfreulich war schließlich, dass zuletzt genannte Ausstellung so gut bei verschiedenen Zielgruppen ankam, dass von einer Hausleitung beschlossen wurde, die Ausstellung in einem „Nicht-Projekthaus“ zu zeigen. So kann ein beginnender Transfer der Öffnung auch auf andere Häuser beobachtet werden. Kulturelles Angebot für Bewohner*innen aus der LGBT*Community in den Häusern schaffen und gleichzeitig Sensibilisierung aller Bewohner*innen Teilhabe und Wertschätzung der LGBT*-Community herstellen und vermitteln Zentrale und dezentrale Orte wählen Bewohner*innen, Angehörige und Nahestehende einbeziehen Abbildung 9: Geschäftsführung Siegfried Benker mit Kurator Michael Härteis im Haus St. Martin bei der Ausstellung „Max ist Marie“, 2017 (Foto: MÜNCHENSTIFT) Abbildung 11:LGBT*-Tanztee im Haus an der Effnerstraße, 2017 (Foto: MÜNCHENSTIFT) Maßgeblich an der Organisation und Durch- führung der kulturellen Veranstaltungen waren die Hausleitungen, die Mitarbeitenden aus den Projekthäusern wie beispielsweise die „Heimin- terne Tagesbetreuung“, die Ehrenamtskoor- dination oder die „Pfl egeüberleitungen“, die Stabsstelle Vielfalt und nicht zuletzt der Kurator beteiligt. Selda Ikonomou, Hausleitung im Haus St. Martin ergänzt: „Die kulturellen Veranstaltungen kommen bei unseren Bewoh- ner*innen so gut an – das muss weitergehen“. faktor auch zu zeigen, dass nicht nur Männer Schließlich wurde das kulturelle Angebot durch Kunstausstellungen in den Projekthäusern und Kind“. Transfer auf weitere Häuser 30 31 3. Ausblick: Wir haben noch viel vor! Danksagung Nichtsdestotrotz wird die Öffnung der Lang- zeitpfl ege für LGBT* nie völlig abgeschlossen sein. Es gilt weiter Sensibilisierungsarbeit zu betreiben, Mitarbeitende zu schulen, das Kulturprogramm für Bewohner*innen anzu- bieten und im stetigen Austausch mit der LGBT*-Community zu bleiben. Außerdem ist wichtig, das Projekt nun noch größer zu den- ken, auf weitere Häuser und die Ambulanten Dienste der MÜNCHENSTIFT auszudehnen und dabei beispielsweise auch neue Zielgruppen in den Augenschein zu nehmen wie Angehörige oder vermehrt Ehrenamtliche. An dieser Stelle auch der Hinweis auf Bekannt- gabe in der Sitzung des Sozialausschusses der Landeshauptstadt München in Bezug auf die bisherige Umsetzung des Projektes und der Weiterführung. Es ist unheimlich wichtig, dass dieser Prozess nun nicht stoppt, sondern sich fortsetzt – denn: Wir haben noch viel vor! Wir haben viel geschafft, dennoch haben wir noch viel vor. Es kann gesagt werden, dass die MÜNCHENSTIFT sich von den Grundsät- zen leiten ließ, Verantwortung gegenüber Individuen und sozialen Gemeinschaften zu übernehmen, denn: Wir pfl egen und betreuen Menschen unabhängig von ethnischer Her- kunft, Geschlecht, sexueller Orientierung und Identität, Weltanschauung und Religion. Der MÜNCHENSTIFT ist es gelungen, der Individualität der Menschen gerecht zu werden und mit einem kultursensiblen Ansatz der Viel- falt Raum zu geben. Die Öffnung für LGBT* fi ndet sich in unserem Pfl ege- und Betreu- ungskonzept, in Fortbildungsprogrammen, in der Organisations- und Personalentwicklung, im Kulturprogramm und in der Zusammenar- beit mit externen Kooperationspartner*innen wieder. Die Öffnung der Langzeitpfl ege für Lesben, Schwule und Transgender ist inzwi- schen Bestandteil der einschlägigen Prozesse im Unternehmen und wird auch als Quer- schnittsaufgabe ernst genommen. Zum Erfolg des Gesamtprojektes haben viele beigetragen: Mitarbeitende, Bewohner*innen, engagierte Menschen aus der LGBT*-Commu- nity, LGBT*-Beratungsstellen, das Sozialreferat und die Koordinierungsstelle für gleichge- schlechtliche Lebensweisen. An dieser Stelle ist hervorzuheben, dass der Wert der gemein- samen Erarbeitung und das gemeinschaftliche Verfolgen eines Ziels ausschlaggebend und zielführend waren. 3. Ausblick: Wir haben noch viel vor! Die MÜNCHENSTIFT blickt auf ein tolles, erfolgreiches Projekt zurück. Viele engagierte Personen, Initiativen, offi zielle Stellen, Vereine, Beratungsstellen uvm. haben zur Durchführung des Projektes beigetragen – dafür möchten wir uns ganz herzlich bedanken! Ohne die tatkräftige Unterstützung hätte die MÜNCHEN- STIFT dieses Projekt nicht umsetzen können. Besonderer Dank gilt an dieser Stelle: • der Geschäftsführung • den Hausleitungen der Projekthäuser • der Stabsstelle Vielfalt • den Mitgliedern der MÜNCHENSTIFT-internen Projektgruppe • den Teilnehmer*innen des LGBT-Stammtischs • den einzelnen Mitarbeiter*innen aus den Projekthäusern, die keinen Projektgrup- pen angehören, aber dennoch mit unglaublich viel Engagement an der Umset- zung beteiligt waren (u.a. Heiminterne Tagesbetreuung und Pfl egeüberleitung) • der Abteilung Marketing • dem Sozialreferat, Amt für Soziale Sicherung, Abteilung Altenhilfe und Pfl ege • der Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen • der Münchner Aids-Hilfe • den externen Projekt-Partner*innen, Referent*innen mit stetiger Unterstützung: • von LeTRa, Sub sowie die Münchner Aids-Hilfe mit rosaAlter • den LesbenSalon • forum homosexualität • Gay & Gray • den Filmemachern für die fi lmische Dokumentation • dem Kurator für die Ausstellungen • und allen anderen, die die MÜNCHENSTIFT bei diesem Projekt unterstützt haben Danksagung Wir haben viel geschafft, dennoch haben wir übernehmen, denn: Wir pfl egen und betreuen 3. Ausblick: Wir haben noch viel vor! In allen Bereichen des Unternehmens die Öffnung für Lesben, Schwule und Transgender mitdenken schnittsaufgabe ernst genommen. Dauerhafte Verankerung des Themas in allen Prozessen Integration der Öffnung für LGBT* in den Alltag des Hauses 32 33 AnhangAnhang Literaturhinweise: Behnje, Heinz: Schwul-lesbisches Leben sichtbar machen, in: Die Schwester, Der Pfleger, 53. Jg. (07/2014), S. 720-723. Braun, Daniel: Es gibt keine Schubladen für Menschen, in: Pflege in Bayern 46 (2.2018), S.16f. forum homosexualität münchen: 1999–2009. Zehn Jahre forum homosexualität münchen e.V. – Lesben und Schwule in Geschichte und Kultur. Materialien zur Geschichte der Homosexuellen in München und Bayern, München 2009 (Splitter Sonderausgabe). Gerlach, Heiko: Wie erleben homosexuelle Männer pflegerische Situationen? in: Pflegezeitschrift 55 (9/10, 2002), S. 2-6. Gerlach, Heiko: Sexualität im Alter: Verbotene Liebe – gleichgeschlechtlich liebende Senioren, in: Altenpflege (07/2011), S. 25-27. Gerlach, Heiko; Schupp Markus: Eine Theorie der Anerkennung von Homosexualitäten in der Altenpflege: Zur Lebenssituation älterer gleichgeschlechtlich liebender Frauen und Män- ner in der Pflegebedürftigkeit, Bremen 2017, Volltext: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:- de:gbv:46-00106258-17 [31.08.2018]. Hessisches Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit: Homosexualität und Alter – Informati- onen für Beschäftigte in der Altenpflege, Wiesbaden 2009. Jungblut, Peter: Ein Streifzug durch die schwule Geschichte Münchens (1813-1945), München 2005 (Splitter Bd. 3, Materialien zur Geschichte der Homosexuellen in München und Bayern, hg. v. forum homosexualität münchen). Knoll, Albert (Hg.): Der Rosa-Winkel-Gedenkstein. Die Erinnerung an die Homosexuellen im KZ Dachau, München 2015 (Splitter Bd. 13, Materialien zur Geschichte der Homosexuellen in Mün- chen und Bayern, hg. v. forum homosexualität münchen). Lottmann, Ralf; Lautmann, Rüdiger; Castro Varela, Maria do Mar (Hg.): Homosexualität_en und Alter(n). Ergebnisse aus Forschung und Praxis, Wiesbaden 2016. Lautmann, Rüdiger: Die soziokulturelle Lebensqualität von Schwulen und Lesben im Alter, in: Lottmann et al. (Hg.), Homosexualität_en und Alter(n), S. 15-51. Mildenberger, Florian: Die Schwulenbewegung in München 1969 bis 1996, München 2000 (Splitter Bd. 5, Materialien zur Geschichte der Homosexuellen in München und Bayern, hg. v. forum homosexualität münchen). Müller, Bernd: Der Regenbogen soll auch im Alter leuchten. Pflege für Lesben, Schwule und Trans, in: BISS (März 2018), S. 16-18 (Interview mit Siegfried Benker: „Ein Plus für alle“, S. 18.). RUBICON e.V., Kultursensible Pflege für Lesben und Schwule in NRW: Kultursensible Pflege für Lesben und Schwule. Informationen für die Professionelle Altenpflege, Köln 2015, S. 26-28. Rošul-Gajić, Jagoda; Scholz, Andrea: Häuser der Vielfalt – ein großer Gewinn für alle Beteiligten, in: Pflege in Bayern 43 (03.2017), S. 10f. Anhang Schäfer, Christine: Zwischen Nachkriegsfrust und Aufbaulust. Lesbisches Leben in München in den 1950er bis 1970er Jahren. Sieben Biographien, München 2010. Schwartz, Michael: Homosexuelle im Nationalsozialismus. Neue Forschungsperspektiven zu Lebenssituationen von lesbischen, schwulen, bi-, trans- und intersexuellen Menschen 1933 bis 1945, München 2014. Unterforsthuber, Andreas; Franz, Heike: Unter`m Regenbogen. Lesben und Schwule in München. Ergebnisse einer Befragung durch die Landeshauptstadt München (hg. v. Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen), München 2004. Unterforsthuber, Andreas: Mittendrin! oder außen vor? Wissenswertes über Lesben und Schwule (hg. v. Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen), München 2009. Vollhardt, Ulla-Britta: ThemenGeschichtsPfad. Geschichte der Lesben und Schwulen in München, hg. v. Landeshauptstadt München, München 2012. Weiterführende Hinweise und Informationen Informationen zur Öffnung der Langzeitpflege für Lesben, Schwule und Transgender in München: www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Sozialreferat/Sozialamt/Alter-und-Behinderung/oeff- nung_altenpflege_lgbt.html [02.08.2018] Dokumentation der Fachveranstaltung „Vielfalt – Öffnung der stationären Pflege für Lesben, Schwule & Transgender“ am 20.10.2017 www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Sozialreferat/Sozialamt/Alter-und-Behinderung/oeff- nung_altenpflege_lgbt/VielfALT.html [02.08.2018] Öffnung der Langzeitpflege in München für Lesben, Schwule und Transgender; Bericht zum Pilotprojekt und Information und weiteren Vorgehensweise zur Implementierung in der Langzeit- pflege in München. Sitzungsvorlage Nr. 14-20 / V 12381. Bekanntgabe in der Sitzung des Sozialausschusses vom 27.09.2018. www.ris-muenchen.de ThemenGeschichtsPfad: Geschichte der Lesben und Schwulen in München zum Download als PDF-Datei www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Kulturreferat/Stadtgeschichte/ThemenGeschichts- Pfade/Lesben-Schwule.html [02.08.2018] Informationen zur Ausstellung „Sie war ganz schlimm schön“ – mit der Möglichkeit der Ausleihe bei der Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Direktorium/Koordinierungsstelle-fuer-gleichge- schlechtliche-Lebensweisen/Lesbenausstellung.html [23.08.2018] 34 35 AnhangAnhang Informationen zur Ausstellung „Die Verzauberten“ – mit der Möglichkeit der Ausleihe bei der Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Direktorium/Koordinierungsstelle-fuer-gleichge- schlechtliche-Lebensweisen/Alte-Lesben-und-Schwule/die_verzauberten.html [23.08.2018] Qualitätssiegel – Regenbogenschlüssel (aus den Niederlanden) www.regenbogenpflege.de/qualitaetssiegel.html oder: https://www.rozezorg.nl/ Der Regenbogenschlüssel (sog. „Roze Loper“) ist ein niederländisches Qualitätssiegel für Pfle- geeinrichtungen, die sich für ältere und hochbetagte Lesben und Schwule gezielt öffnen. Das Qualitätssiegel soll verdeutlichen, dass die Einrichtungen in Bezug auf die Bedürfnisse von LGBT* sensibilisiert sind und sie willkommen sind. Lebensort Vielfalt Das Qualitätssiegel „Lebensort Vielfalt“ ist eine Auszeichnung für Alten-/Pflegeeinrichtungen, die sich nachweislich über verschiedene Ebenen mit dem Thema LGBT* beschäftigen und öffnen. www.schwulenberatungberlin.de/qualitaetssiegel Kultursensible Pflege Kom – zen Kompetenz Zentrum Interkulturelle Öffnung der Altenhilfe Das kom-zen strebt eine Bewusstseinswerdung für die interkulturelle Öffnung in der Altenhilfe an und beschäftigt sich u.a. mit den Themen: Migration, Alter, Pflegebedürftigkeit. http://kom-zen.de/start/willkommen Forum für kultursensible Altenhilfe Das Forum für kultursensible Altenhilfe ist ein Zusammenkommen von unterschiedlichen Verbänden, Migrantenorganisationen und Organisationen aus den Bereichen der Altenhilfe und Migrationsarbeit. Das Forum setzt sich für einen gleichberechtigten Zugang zu Pflege und Betreuung für alle Migrant*innen ein. https://www.kultursensible-altenhilfe.de/ Primary Nursing Primary Nursing ist ein aus den USA stammendes Pflegeorganisationssystem, bei dem u.a. durch eine Pflegende die Übertragung und Übernahme individueller Verantwortung für pflegerische Entscheidungen erfolgt. https://www.dbfk.de/de/expertengruppen/netzwerk-primary-nursing/ https://www.muenchen.de/primarynursing Kooperationspartner*innen und Unterstützer*innen Landeshauptstadt München Sozialreferat Amt für soziale Sicherung Abteilung Altenhilfe und Pflege S-I-AP 4 St.-Martin-Str. 53 81669 München www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Sozialreferat www.muenchen.de/fachinfo-pflege Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen Angertorstraße 7 80469 München kgl.dir@muenchen.de www.muenchen.de/koordinierungsstelle forum homosexualität münchen e.V. Lesben und Schwule in Geschichte und Kultur Bayerstr. 77a RGB III 80335 München Tel: 089/23269794 info@forummuenchen.org www.forummuenchen.org rosaAlter Beratung und Vernetzung für lesbische, schwule, trans* und inter* Senior_innen Lindwurmstr. 71 80337 München Für den lesbischen/bi-Bereich: (089) 54 333-119 Für den schwulen/bi-Bereich: (089) 54 333-120 Für den trans*/inter Bereich: (089) 54 333-124 info@rosa-alter.de www.rosa-alter.de Sub Schwules Kommunikations- und Kulturzentrum München e.V. Müllerstr. 14 80469 München 089/8563464-00 info@subonline.org https://www.subonline.org/ 36 37 Pflege & Betreuung bei der MÜNCHENSTIFT Anhang LeTRa Beratungsstelle des Vereins Lesbentelefon e.V. Angertorstraße 3 80469 München 089/7254272 info@letra.de www.letra.de Gay&Gray München ältere Schwule in München Sub e.V. Müllerstraße 14 80469 München 089/38012185 (AB) info@gayandgray.org www.gayandgray.org LesbenSalon www.rosaalter.de/lesbensalon Interessentinnen können sich bei rosaAlter vorab erkundigen: Telefon: (089) 54 333-119 Mail: info@rosa-alter.de Trans*Inter* Beratungsstelle Lindwurmstraße 71 80337 München 089/54333-130 info@trans-inter-beratungsstelle.de www.trans-inter-beratungsstelle.de MÜNCHENSTIFT GmbH www.muenchenstift.de weiterführende Informationen zum LGBT*-Projekt: https://www.muenchenstift.de/de/projekte/lgbt/70 MÜNCHENSTIFT-YouTube Kanal https://www.youtube.com/user/MUENCHENSTIFT Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen Impressum: Herausgeber: MÜNCHENSTIFT GmbH Severinstraße 4, 81541 München Telefon 089 62020-300 Telefax 089 62020-336 info@muenchenstift.de Verantwortlich: Siegfried Benker Bilder: MÜNCHENSTIFT, Landeshauptstadt München Presseamt, Tristan Galindo, Kerstin Groh Gestaltung/Umsetzung: Gute Botschafter Stand: September 2018 Auflage: XXX Stück Druck: lkjlkjlkjlkjlkjljk 38 www.münchenstift.de
Anlage 1 Dokumentation der Ergebnisse des Reflexionsworkshops vom 29.09.2017
17646 Zeichen
Sozialreferat
Direktorium
„Vieles ist selbstverständlich geworden“
„Es hat sich viel getan und jetzt geht es darum dran zu bleiben“
Öffnung der vollstationären Pflege
für Lesben, Schwule & Transgender
Dokumentation der Ergebnisse des Reflexionsworkshops vom 29. September 2017
Herausgegeben von
Landeshauptstadt München
Sozialreferat
Amt für Soziale Sicherung, S-I-AP4
E-Mail: altenpflege.soz@muenchen.de
Internet: www.muenchen.de/lgbtpflege
Ansprechpartnerin: Felicitas Drubba
E-Mail: felicitas.drubba@muenchen.de
in Kooperation mit
Direktorium
Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen
Ansprechpartner: Thorsten Wiedemann
E-Mail: thorsten.wiedemann@muenchen.de
Moderation & Dokumentation
Zara S. Pfeiffer
E-Mail: zarapfeiffer@gmx.de
Gedruckt auf 100 % Recyclingpapier
HINTERGRUND & ZIELE DES WORKSHOPS
Das Sozialreferat hat in Kooperation mit der Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche
Lebensweisen (KGL) einen Workshop organisiert und ihn gemeinsam mit den Kooperations-
partnerinnen und Kooperationspartner veranstaltet.
Die MÜNCHENSTIFT GmbH hat als erster Träger dieses Pilotprojekt in Kooperation mit dem
Sozialreferat, der Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen sowie einzelnen
Beratungsstellen aus der LGBT*-Community1, dem LesbenSalon, Gay&Gray und dem Forum
Homosexualität durchgeführt.
Dieser Workshop diente zum einen dazu, das Projekt zur Öffnung der vollstationären Pflege für
Lesben, Schwule und Transgender mit den Projektbeteiligten zu reflektieren. Zum Anderen soll das
Ergebnis auch eine Grundlage für die im Frühjahr 2018 geplante Beschlussvorlage für den
Münchner Stadtrat darstellen.
Gefragt wurde: Was haben wir in der Projektzeit erreicht und wo wollen wir hin?
Ziel war es, im Ergebnis strukturelle Bedarfe zu konkretisieren.
TEILNEHMENDE
Forum Homosexualität, Gay & Gray, Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen,
LesbenSalon, LeTRa, Münchner Aidshilfe rosaAlter, MÜNCHENSTIFT GmbH, Sozialreferat Abt.
Altenhilfe und Pflege
RÜCKBLICK
Welche Maßnahmen gab es? Was hat stattgefunden?
1 Der Begriff Community bezeichnet allgemein eine Gruppe von Menschen mit Zusammengehörigkeitsgefühl oder gemeinsamen
Interessen. Im Rahmen des Workshops erklärten einige aus der Gruppe, dass sie sich mit der Verwendung dieses (englischen)
Begriffes nicht angesprochen fühlen.
Die Maßnahmen wurden mit der Methode „Blätterwald“ gesammelt und anschließend in die
Kategorien Struktur, Fortbildungen, Öffentlichkeitsarbeit und Themenspeicher sortiert. Beim
Sortieren wurde festgestellt, dass diese Kategorien nicht alle Bereiche des Projekts abdecken und
es zwischen den Kategorien oft Überschneidungen gibt. Die aufgeführten Maßnahmen geben
einen Eindruck, beschreiben das Projekt aber nicht umfassend.
Gesammelte Maßnahmen
STRUKTUR
• Alter & Pflegebedürftigkeit
• Erarbeitung des Grundlagenbeschlusses
• Stadtratsbeschluss 2014
• „Das Unbekannte aushalten“
• Steuerungsgruppe
• MÜNCHENSTIFT GmbH– Sozialreferat – KGL
• Verstärkte Kooperationen
• Politische Gespräche
• Maßnahmenplanung
• Kooperationsgespräche
• Konfliktbearbeitungen / -lösungen
• Kleine Runde/ Große Runde
• Austausch MÜNCHENSTIFT GmbH / Forum
• Betreuung Azubis
• Formularänderung
• Austausch
• Networking
• Arbeit mit Widerständen
• Lesben Magazin (L-Mag) in den Häusern für Bewohnerinnen, Bewohner und Mitarbeitende
• Regelmäßige Bewohnerinnen und Bewohner- Angebote
• Arbeit mit hochmotivierten Beteiligten
• Fachgespräche
• Netzwerkbesuche
• Hausführungen
• Erzählcafés für Bewohnerinnen/ Bewohner und für Besucherinnen/Besucher
• Einladung an MÜNCHENSTIFT GmbH
• Stabsstelle auf Abteilungsleitungsebene (Hausleitungs-Tagung)
• Pflegeprofession
• Berücksichtigung der Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender (LGBT*) im Pflege-
und Betreuungsleitbild
• neue Kontakte, Vernetzung
• Ressourcen
• Besuch in der MÜNCHENSTIFT GmbH Einrichtung
• Förderprogramme der Landeshauptstadt München
• Qualität anstatt Quantität, keine explizite Erhebung von Zahlen (und damit evtl.
erzwungenes Outing)
• Künstlerische Gestaltung / Kunstwerke von BW zu „was bedeutet Vielfalt für mich?“
• MÜNCHENSTIFT GmbH Projektgruppe
• Erzählcafé für Bewohnerinnen und Bewohner zum Thema Lesben, Schwulen, Bisexuellen
und Transgender (LGBT*)
• Kunstvermittlungsgespräche
• Ausstellung „anders schön“ Thema Vielfalt
• Hausführungen während Prideweek
• Ambulanter Pflegedienst der MÜNCHENSTIFT GmbH
• Ausstellung zu „Die Verzauberten“ und „Sie war ganz schlimm schön“ in der
Hauptverwaltung der MÜNCHENSTIFT GmbH
• LGBT*-Stammtisch für Mitarbeitende der MÜNCHENSTIFT GmbH und Interessierte
• Bericht in der Mitarbeiterzeitung „Rollator“
• Konzeptpapier „Häuser der Vielfalt“
• Annäherung von LGBT*-Community und Altenpflege
FORTBILDUNGEN
• Fachveranstaltungen zu LGBT* für Pflegeüberleitung und Heiminterne Tagesbetreuung
aller am Förderprogramm beteiligten vollstationären Pflegeeinrichtungen in München
• LGBT-Fortbildungen für Mitarbeitende der MÜNCHENSTIFT GmbH
• Forumstag „La vie en rose“ / Münchner Volkshochschule (MVHS), Evangelisches
Bildungswerk (EBW), rosaAlter, Forum Homosexualität, LesbenSalon
• Mitgestaltung der LGBT*-Fortbildungen
• lesbisch-schwule Stadtführung
• Fachtage
• Fortbildungen
• Auszubildende
• Information über die Inhalte für Landesarbeitskreis
Queer-Grün-Bayern
• Information an SPD-Landtagsfraktion
• Erstellen der jährlichen Bescheide zur Förderung
ÖFFENTLICHKEITSARBEIT
Bei dieser Kategorie wurde festgehalten, dass es wichtig wäre sie differenzierter zu betrachten, da
Maßnahmen nach außen und nach innen wirken.
• CSD und Werbematerial
• Archivführung für MÜNCHENSTIFT GmbH
• Filmvorführung im Haus St. Maria Ramersdorf
• Lesung
• Beteiligung am Film „Leben wie Sie lieben“
• Film
• Film vom LesbenSalon und Führung durch das Forum Homosexualität
• Teilnahme an den Interviews für den Film
• LGBT*-Film
• Internetauftritt / Homepage: MÜNCHENSTIFT GmbH zum LGBT*-Projekt
• Internetseite / Internetauftritt
• Aufkleber Regenbogen am Eingang
• Gespräche in und mit der LGBT*-Community
• Kino für Bewohnerinnen und Bewohner: „The Birdcage“
• Projektpräsentation bei der Münchner Pflegekonferenz
• Information an rosa Seniorinnen und Senioren im Beratungskontext
• Fachveranstaltung im Oktober 2017
• Ausstellung „Vielfalt im System“
• „Max ist Marie“-Ausstellung
• Pressemitteilung
• Tanztee
• Leo-Magazin Auslage
• Angertorstraßenfest
• Stellenanzeigen im LEO-Magazin
• Rollator-Artikel
• Bericht im MÜNCHENSTIFT GmbH Magazin
• Schwuler Chor bei Ausstellungseröffnung
• Reden in diversen Kontexten
• Fachartikel in CAREkonkret und in Pflege in Bayern
• Zeitschriften
• Flyer
• Vorführung des Films „Leben wie Sie lieben ...“ bei Gay & Gray Jubiläum
• Diskussion über das Projekt bei rosaAlter mit Teilnahme von Gay & Gray
• Vorstellung des Projekts bei Gay & Gray
HALTUNG
Als zentraler Aspekt des Projekts wurde
die Vermittlung von Haltung benannt:
• Sensibilisierung für die Belange
von „rosa Seniorinnen und Senioren“
mit dem Ziel „Altern in Würde“
• Thema Transgender in die Altenhilfe gebracht
THEMENSPEICHER
• Informationsfluss / Beteiligung / Transfer
• Einbindung von Akteurinnen und Akteuren
• Rollenklarheit?
Stimmungsbild zum Projekt
Alle Teilnehmenden hatten für jeden Bereich einen Punkt, um die eigene Zufriedenheit mit dem
Projekt sowie die Sichtbarkeit und die Organisation des Projektes zu bewerten.
10 (sehr gut, ganz innen) und 1 (schlecht, ganz außen)
Fishbowl-Diskussion zur Reflexion des Projekts
(Mitschrift Thorsten Wiedemann; KGL)
Bericht von den Stadtteilspaziergängen/Archivführung durch das Forum Homosexualität (Fort-
bildung) → mehr Informationen über Teilnehmende und Rückmeldung an das Team vom Forum
Homosexualität wäre wünschenswert. Es war hilfreich, einen „Übersetzer“ (jemand der sowohl den
Hintergrund der Pflege als auch die Geschichte der LGBT* in München kennt) bei einer Führung
dabei zu haben und das „Geschichtliche“ mit der „Pflegepraxis“ in Bezug zu setzen → vorbereitend
die Themengeschichtspfade an die Teilnehmenden weitergeben
Wie können die unterschiedlichsten Gruppen der LGBT*-Community erreicht werden? Was
braucht es noch, damit die „größere Allgemeinheit der LGBT*-Menschen“ aktiv mit einbezogen
werden? → kleine, stetige Aktionen mit LGBT*-Community und Bewohnerinnen / Bewohner →
Öffentlichkeitsarbeit: könnte gesteigert werden; ist aber auch schwierig, da die Erfahrung zeigt,
dass immer nur bestimmte Zielgruppen erreicht werden →es ist ein langwieriger und stetiger
Prozess; → MÜNCHENSTIFT GmbH-Mitarbeitende als Informationsträger (Multiplikatorinnen /
Mulitplikatoren) nutzen, d.h. auch Öffentlichkeitsarbeit innerhalb der Belegschaft machen
(Mitarbeitende wissen zu wenig über Projekt bzw. haben eine zu große Distanz zum Projekt) →
„Pflege“ soll konkrete Fragestellungen an LGBT*-Community richten → Info-Flyer soll bekannter
werden
Hausführungen sind wichtig (für Mund-zu-Mund-Propaganda) → jedoch behutsam und reflektiert,
da der Einblick in stationäre Pflegeeinrichtungen evtl. „erschrecken“ kann (diese Beobachtung ist
nicht LGBT*spezifisch) → die LGBT*-Community ist so vielfältig, das evtl. eine Gruppe vergessen
wird. → Pflegeeinrichtungen müssen allgemein an ihrem „Image“ arbeiten (subjektive
„Gerüchteküche“), negative „Vorfalle“ sind im Bewusstsein → lesbische Frauen sind gut zu
erreichen, da schon lange ein Prozess mit späterer Wohnform/Situation innerhalb der Gruppe
stattfindet, es gilt die bestehenden Strukturen zu nutzen und zu integrieren → Vernetzung ist sehr
wichtig und ein stetiger aufrecht zu erhaltender Prozess
MÜNCHENSTIFT GmbH gibt eigene Finanzmittel in das Projekt → Mitarbeitende bringen
zusätzlich zur „normalen“ Tätigkeit persönliches Engagement zum Projekt ein → „Unruhe“
aufgrund von Personenwechsel innerhalb der Projektlaufzeit (z.B. Stabsstelle, Sozialreferat, KGL,
rosaAlter, etc.) → mit Heiminterner Tagesbetreuung (HIT) und Pflegeüberleitungskräften (PÜ)
finanziert die Stadt zusätzliche Ressourcen, die auch zum Thema (trägerübergreifend)
eingebunden werden
München weist eine Vielzahl an Angeboten und Dienstleistungen (auch in LGBT*-Community) auf,
die genutzt werden können / sollen (→ diese Angebote sind Ressourcen, benötigen aber auch
Ressourcen, um tätig sein zu können) → es ist viel passiert, trotz Widrigkeiten → es ist jedoch
weiterhin intensive Auseinandersetzung notwendig (Wie ist der letzte Stand „Haus der Vielfalt“?)
Wie weit ist das Thema zu den Mitarbeitenden gedrungen? Bisher wenige Fortbildungen →
Mitarbeitende sollen im „großen Stil“ erreicht werden; evtl. muss Fortbildungskonzept
nachgebessert werden (z.B. andere Formate, in andere „Gremien“ einspeisen); andere
Mitarbeiterkreise erreichen, z.B. Auszubildende, Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) als
Ressource / Gremium nutzen; neue Mitarbeitende: es kommt auf die persönliche Haltung der
Mitarbeitenden an; auch bestehende Strukturen nutzen (z.B. ethische Fallbesprechungen →
Thema ist noch nicht überall präsent (bei Schnittstellen schon); kultur- sensible Pflege braucht
sensible Mitarbeitende; → das Thema muss das ganze Unternehmen MÜNCHENSTIFT GmbH
durchdringen → evtl. Bedarf es einer andere Art der Verbindlichkeit der LGBT*-Community (andere
und verbindliche Kooperationsform)
Das Pilotprojekt verläuft ähnlich zu anderen Pilotprojekten mit gleichen Erfahrungen,
Auswirkungen, etc. → das Pilotprojekt ist kein MÜNCHENSTIFT GmbH-Projekt sondern ein
Projekt für München mit dem Ziel, es auf andere Träger übertragbar zu machen
Maßnahmen zur LGBT*-Öffnung fehlen komplett im Vorsystem der vollstationären Altenpflege (z.B.
Alten- und Servicezentren, ambulanter Pflegedienst, andere Pflegeformen, etc.) → Berufsfach-
schulen für Altenpflege müssen dringend beteiligt und miteinbezogen werden → es ist ein
dauerhafter Sensibilisierungsprozess notwendig
Das Sozialreferat ist nicht nur Förderstelle und muss alle 57 vollstationären Pflegeeinrichtungen in
München im Blick haben → das Pilotprojekt hat das Ziel: ausprobieren, Erfahrungen sammeln →
als nächster Projektschritt muss anstehen, das Projekt in eine konzeptionelle Form zu bringen und
für andere nutzbar zu machen
AUSBLICK
In vier kleinen Gruppen wurden folgende Fragen diskutiert. Die Gruppenergebnisse wurden
anschließend im Plenum vorgestellt.
1. Was soll beibehalten werden?
2. Welche Veränderungen sind notwendig?
3. Was hat bisher noch nicht / zu wenig stattgefunden?
4. Wie müssten die nächsten Schritte aussehen?
5. Welche Struktur ist dafür notwendig?
6. Welche nächsten Schritte/Maßnahmen haben Priorität?
7. Wie soll der Öffnungsprozess zur ambulanten und vollstationären pflegerischen
Versorgung für LGBT* in drei bis fünf Jahren sein?
Gruppe A
• Öffentlichkeitsarbeit = Haltung nach innen
• Sensibilisierung
• Schulungsmaßnahmen = Transfer des Konzepts
• Personalentwicklung – Organisationsentwicklung - Implementierung
• Verbindliche Kooperationen zwischen den Trägervertretungen und der LGBT*-Community
• Netzwerkklarheit / Netzwerkkoordination
• Neue Abfrage / Umfrage an die LGBT*-Szene?
• Gütesiegel? Z.B. Rosa Schlüssel oder Indikatoren gemeinsam entwickeln analog der
Jugendarbeit in München
Gruppe B
1. Was soll beibehalten werden?
Zusammenarbeit mit
• der Stadt
• dem Einrichtungsträger
• dem Team der Dozentinnen und Dozenten aus der LGBT*-Community (als Bedingung?)
2. Welche Veränderungen sind notwendig?
Fortbildungen
• Anpassen der Formate / Module
• Zielgruppe erweitern und mehr erreichen
• Angehörigenarbeit / Mitarbeitende / ext. Dienstleister überlegen?
3. Was hat bisher noch nicht / zu wenig stattgefunden?
• Ehrenamtliche aus der LGBT*-Community akquirieren bzw. aktiv einbinden
• Auszubildende in das Projekt miteinbeziehen
• Schulungen ggf. für Angehörige und Bezugspersonen anbieten
• Ambulante Pflegedienste stärker einbinden
4.+ 5. Wie müssten die nächsten Schritte aussehen? / Welche Struktur ist dafür notwendig?
• Ehrenamtliche akquirieren und ggf. schulen
• MÜNCHENSTIFT GmbH und Kooperationspartnerinnen/Kooperationspartner für
Schulungsmaßnahmen → Fortbildungen besprechen / Module neu ordnen
• Bestehende Struktur ist gut, kann aber / sollte weiter ausgebaut werden
• Wissenstransfer sichern
Gruppe C
Was soll beibehalten werden?
• Vielfältigkeit der Projektbeteiligten beibehalten und Ausbau
Was hat bisher noch nicht / zu wenig stattgefunden?
• Bewohnerinnen und Bewohner mehr beteiligen und informieren
Wie müssten die nächsten Schritte aussehen?
• Ressourcen-Klarheit schaffen (Geld, Personal, Struktur, Zeit …)
• Bisher Erarbeitetes in konzentrierte Form bringen und sichern
Welche nächsten Schritte / Maßnahmen haben Priorität?
• Berufsfachschulen für Altenpflege beteiligen und Angebote für Auszubildende ausbauen
Wie soll der Öffnungsprozess zur ambulanten, teilstationären und vollstationären pflegerischen
Versorgung für das Thema LGBT* in 3 bis 5 Jahren sein?
• Übertragbarkeit für andere Träger ermöglichen
• Gesamtes Spektrum der Altenhilfe abdecken
• Niederschwellige Öffentlichkeitsarbeit sicherstellen
• Bedarfe der LGBT*-Community besser kennenlernen
• Differenzierte Wohnformen schaffen (z.B. Wohngemeinschaften)
• Sicherstellen der nachhaltigen Verankerung des LGBT*-Themas
Gruppe D
Was läuft gut (Best Practice)?
Was soll zur Verstetigung beitragen?
• Die Vielfalt der Angebote in den Häusern der MÜNCHENSTIFT GmbH beibehalten
• Vernetzungen ausbauen
• Innerhalb der LGBT*-Community besser (wieder) vernetzen, Infos über Angebote, wie
passt das zusammen
• Erzählcafés aktivieren bzw. ausbauen, Thema „alt werden / sein“, Thema sichtbar machen
• Junge Mitarbeitende sensibilisieren und aktivieren, vernetzen
• Berufsfachschulen für Altenpflege: Kontakte und Kooperationen aufbauen, um zu
sensibilisieren und zu informieren: „Menschenbild, Religion, Ethnie, AIDS, HIV genügt nicht
• Einbezug der Menschen mit Migrationshintergrund stärken
→ Zugangswege finden, aufbauen
• Versammlungen der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) für Vorträge nutzen
• Einrichtungsalltag, Ausbildungsbeauftragte: Honorardozentinnen / Honorardozenten, In-
House-Schulung
• Vorträge
• Pädagogisches Institut der Landeshauptstadt München (LHM) einbinden
• Ängste der Mitarbeitenden vor Coming Out aufgreifen, lindern
• Bestehende Strukturen stärken, Bewusstsein bewahren
• Verpflichtung zur Teilnahme hinterlässt keine Lücke im Pflegebetrieb (Freistellung)
• Fortbildung für Leitungskräfte bleibt
• Verankerung im Pflege- und Unternehmensleitbild
• Formulare und Konzept angleichen
• Angemessener Zeitrahmen (nicht nach der Schicht oder ähnliches) wird zur Verfügung
gestellt
• Kontakte zu Bewohnerinnen und Bewohnern stärken seitens der Gemeinschaft,
z.B. LesbenSalon, Forum Homosexualität
• Ehrenamt in der LGBT*-Community stärken
• Alten- und Servicezentren einbinden
• Thema „Trans“ nicht vergessen
DISKUSSION UM DIE RESSOUREN DES PROJEKTS
Ressourcen des Projekts sind:
• Gemeinsames Ziel / Wissen um die Wichtigkeit des Projekts
• Bereitschaft der Beteiligten, sich aktiv einzubringen und mitzugestalten
• Ehrenamtliches Engagement
• Vorhandene / aufgebaute Strukturen und Netzwerke
• Personelle und finanzielle Ressourcen
• Rolle und Ressource der Pflegeüberleitung und der Heiminternen Tagesbetreuung
• … und Vieles mehr
Ein Teil der Diskussion um Ressourcen befasste sich mit der Frage, wie (und nicht ob) das
Projekt weitergeführt, ausgebaut und dauerhaft verankert werden kann.
Das Alter ist bunt …
Beantwortung einer mündl. Anfrage Ausschuss
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle V/50/503 Vorlagen-Nummer 01.08.2019 1214/2019 Beantwortung einer mündlichen Anfrage aus einer früheren Si tzung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss Soziales und Senioren 05.09.2019 Mdl. Anfrage von SE Carolina Brauckmann zum Bericht über die örtliche Planung nach § 7 Alten- und Pflegegesetz Nordrhein-Westfalen (APG NRW), s. 3909/2018 zur Beantwortung der Anfrage AN/1557/2018 Frau SE Brauckmann bedankt sich für die ausführliche Beantwortung und stellt folgende Nachfragen an die Verwaltung In welcher Weise werden die spezifische Lebensweise und sexuelle Identität berücksichtigt? Wie sind die Mitarbeitenden geschult, jedem Menschen in seinen spezifischen Bedürfnissen wahrzunehmen? Woher wissen die Mitarbeitenden um die Bedürfnisse, da Minderheiten mit Stigmatisierungser- fahrungen ihre Bedürfnisse nur begrenzt artikulieren? Woran misst der SBK die Erfahrungen, dass der Mensch sich in seiner jedwede sexuelle Iden- tität angenommen fühlt? Was genau bedeutet in Ausbildung und Umgang mit älteren/alten lesbisch und schwul leben- den Menschen der Hinweis, dass Vielfalt und Individualität ganz selbstverständlich tolerant ge- lebt werden? Antwort der Verwaltung: Hierzu teilt die Sozial-Betriebe-Köln gGmbH (SBK gGmbH) mit: o Bei Einzug in eine vollstationäre Dauerpflegeeinrichtung werden die Bewohnerinnen/Bewohner oder deren Angehörige zu spezifischen Lebensweisen und besonderen Wünschen und Bedürfnis- sen befragt. Soweit möglich wird das von den Mitarbeiterinnen/Mitarbeitern in der sogenannten Maßnahmenplanung berücksichtigt. Dazu gehören besondere Gewohnheiten, Rituale, Vorlieben, Lebensstile etc. o Die Fachkräfte werden in ihrer Ausbildung und die Hilfskräfte in der Einarbeitung auf die Respek- tierung der Würde und Einzigartigkeit jedes einzelnen Menschen geschult. Sie sollen biographie- und bedürfnisorientiert arbeiten, aktiv zuhören und werden geschult im Beobachten von Menschen mit einer Demenz, die ihre Bedürfnisse nicht mehr verbal artikulieren können. Zusätzlich gibt es z. B. Fortbildungsangebote zum Thema „Sexualität im Alter“. o Die Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter wissen nur das, was die Bewohnerinnen/Bewohner oder deren Angehörige von der jeweiligen Person preisgeben. Pflegefachkräfte sind keine Psychologin- 2 nen/Psychologen und auch keine Therapeutinnen/Therapeuten, d.h. sie sind auf entsprechende Informationen angewiesen. Stigmatisierungs- und Traumatisierungserfahrungen gleich weder Art sind gerade in der jetzigen Generation von Pflegeheimbewohnerinnen/-bewohnern mit Kriegser- lebnissen nicht selten. Sie äußern sich z. B. auch in herausforderndem Verhalten gerade bei den Personen, die an einer Demenz leiden. Hier sind die Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter besonders ge- schult, dieses Verhalten möglichst zu verstehen und damit umzugehen. o In persönlichen Gesprächen z.B. der Sozialen Betreuung, Pflegefachkräfte, Pflegedienstleiterin- nen/-leiter sowie des Einrichtungsleiters mit den Bewohnerinnen/Bewohnern werden das Ange- nommensein und die Zufriedenheit zurückgespiegelt. Durch die Beteiligung von Bewohnerinnen/Bewohnern, Mieterinnen/Mietern sowie Gästen jedwe- der Identität an Festen, Feiern, Veranstaltungen und Betreuungsangeboten wird deutlich, dass man sich bei den SBK wohlfühlt. Im Curriculum der Altenpflegeausbildung ist die Beschäftigung/Berücksichtigung der Lebenswelten und sozialen Netzwerke alter Menschen im altenpflegerischen Handeln ein Lernziel. Hierbei wer- den soziale Netzwerke, spezielle Angebote für Menschen mit unterschiedlichen sexuellen Orientie- rungen, Liebe und Sexualität im Alter, etc. behandelt. Durch die regelmäßigen Zufriedenheitsbefragungen und in persönlichen Gesprächen des Sozialen Dienstes mit Angehörigen und Betreuerinnen/Betreuer erhalten die SBK gGmbH positives Feed- back. Die Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter jeglicher sexueller und kultureller Identität kommen aus vielen ver- schiedenen Ländern und Kulturen und können dementsprechend auf die Bewohnerin- nen/Bewohner individuell eingehen. o Die Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter werden sensibilisiert, dass Menschen unterschiedliche Biogra- phien, Bedürfnisse und Gewohnheiten haben und dass jeder Mensch individuell ist und auch ent- sprechend zu betrachten ist. Darüber hinaus sind gerade in der Pflege sehr viele Menschen völlig unterschiedlicher Kulturen, unterschiedlichster Biographie und sexueller Orientierung tätig. Herr SE Dr. Dr. Mück fragt nach dem in der Anfrage erwähnten Münchner Konzept und bittet die Verwaltung zu ermitteln, ob dieses Konzept bereits verfügbar, einsehbar und dem Ausschuss über- mitteilbar ist. Antwort der Verwaltung: Das Münchener Konzept und alle weiteren Informationen sind auf der Internetseite der Stadt Mün- chen zu finden: https://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Sozialreferat/Sozialamt/Alter-und- Behinderung/oeffnung_altenpflege_lgbt.html Im Rahmen des Münchner Pilotprojektes fand am 29.09.2017 ein Reflexionsworkshop statt, in dem das Projekt zur Öffnung der vollstationären Dauerpflege für Lesben, Schwule und Transgender mit den Projektbeteiligten reflektiert wurde. Die Dokumentation der Ergebnisse des Reflexionsworkshops vom 29.09.2017 ist als Anlage 1 beigefügt. Aus dem Pilotprojekt ist zusätzlich die Handreichung "Kultursensible Pflege für Lesben, Schwule, Bi- sexuelle und Transgender bei der MÜNCHENSTIFT" entstanden, die als Anlage 2 beigefügt ist. Anlage 1 Dokumentation der Ergebnisse des Reflexionsworkshops vom 29.09.2017 Anlage 2 Handreichung LGBT Gez. Dr. Rau
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: zurückgestellt
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 1214/2019
- Typ
- Beantwortung e. mündl. Anfrage (Auss.)
- Datum
- 05.08.2019
- Erstellt
- 01.04.2019 11:22