2015/0222
Industriepolitisches Leitbild der Wissenschaftsstadt Darmstadt gemeinsam mit der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände e.V., Geschäftsstelle Darmstadt und Südhessen, und dem Deutschen Gewerkschaftsbund DGB-Region Südhessen
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INDUSTRIEPOLITISCHES LEITBILD der WISSENSCHAFTSSTADT DARMSTADT PRÄAMBEL International, nachhaltig und zukunftsfähig aufgestellt Die Wissenschaftsstadt Darmstadt, die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände e.V., Geschäftsstelle Darmstadt und Südhessen, und der Deutsche Gewerkschaftsbund DGB- Region Südhessen gehen übereinstimmend davon aus, dass die Industrie mit Forschung und Entwicklung, Produktion sowie das produzierende Handwerk auch in Zukunft eine Schlüssel- stellung für den Standort Deutschland insgesamt und für Darmstadt im Besonderen haben. Dies fördert die Sicherung von vorhandenen und die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen für Menschen mit unterschiedlicher Bildung und Qualifikation in Stadt und Region. Mit der Fortent- wicklung des 1998 zwischen der Wissenschaftsstadt Darmstadt und dem Unternehmerverband Südhessen e.V. erstmals vereinbarten Industriepolitischen Leitbildes und mit der Erweiterung des Kreises um den Deutschen Gewerkschaftsbund DGB-Region Südhessen wollen die drei Partner den Dialog zwischen Politik, Industrie und Arbeitnehmern vertiefen, das gegenseitige Vertrauen in zukunftsorientiertes Handeln erhöhen und den international ausgerichteten, tech- nik- und wissensbasierten Industriestandort Darmstadt weiter profilieren. Dabei werden beson- ders die Vernetzungen zwischen Forschung und Entwicklung, Produktion sowie unterneh- mensbezogenen Dienstleistungen gestärkt, die Zusammenarbeit entlang der Bildungskette mit besonderem Blick auf Forschungseinrichtungen und Fachbereichen der Hochschulen gefördert und die Basis für zukünftige Innovationen erweitert. Anknüpfend an die gemeinsame Verant- wortung für Mensch, Umwelt und Zukunft stehen die drei Säulen nachhaltigen Handelns Öko- nomie, Soziales und Ökologie dabei im Mittelpunkt gemeinsamer Projekte und Standortaktivitä- ten. I Industriepolitisches Leitbild: Ein Beitrag für nachhaltiges Wachstum, Beschäftigung, Wohlstand und Verantwortung Die Wissenschaftsstadt Darmstadt ist ein starker Motor der ökonomischen Entwicklung in der südlichen Metropolregion RheinMain. Die oberzentrale Ausstrahlung wirkt bis in den nördlichen Teil der Metropolregion Rhein-Neckar und umfasst damit den gesamten Wirtschaftsraum Süd- hessen. Die örtlichen Standortbedingungen für Investoren, Verkehrssysteme, Genehmigungs- verfahren, Gewerbe- und Wohnungsbauflächen, Bildungs-, Weiterbildungs- und Kulturangebo- te, Industrieakzeptanz und Technologieförderung haben deshalb eine starke Impulsfunktion für die gesamte Region und die dort ansässigen Unternehmen. Sie sind eine wichtige Grundlage für nachhaltiges Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung. Das Industriepolitische Leitbild muss hierfür eine dynamische Richtschnur bieten, anhand derer die Partner gemeinsam Strategien zur Bewältigung tagesaktueller und perspektivischer Aufga- benstellungen erarbeiten können. Hierzu zählen mit einer langfristigen Perspektive zum Bei- spiel der Umgang mit dem demografischen Wandel und seinen Folgen für den Arbeitsmarkt und die Sozialsysteme. Von besonderer Bedeutung sind die Umsetzung der Beschlüsse zur Energiewende auf Landes- und Bundesebene und die Umstellung von fossilen auf regenerati- ve Energieträger sowie die Steigerung der Energieeffizienz. Hier gilt es, das Innovationstempo bei Speicher-, Steuerungs- und Netztechniken zu beschleunigen. Arbeitsplatz gefährdende Kostenstrukturen müssen vermieden und die Stabilität und Bezahlbarkeit des Stromversor- gungssystems für Bürger und Wirtschaft gesichert werden. Die drei Partner orientieren sich an den Zielen des Hessischen Energiegipfels und des Klimaschutzkonzepts der Wissenschafts- stadt Darmstadt. Dazu zählen zum Beispiel eine deutlich zu steigernde Gebäudesanierungsquote im Bestand, die Deckung des Endenergieverbrauchs möglichst komplett aus erneuerbaren Quellen bis zum Jahr 2050 sowie die Optimierung, Verstärkung und ggf. der Aus- und Neubau von Netzinfra- strukturen. Das Industriepolitische Leitbild orientiert sich an der nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung. Es begleitet sowohl die Ressourcenschonung als auch neue technologische Entwicklungen und hat das Ziel, die gesellschaftliche Akzeptanz zu fördern. Zusätzlich berücksichtigt es den konti- nuierlichen Strukturwandel sowie die Wechselbeziehungen zwischen industrieller Produktion, industrienaher Dienstleistung, wissensbasierter Forschung und Entwicklung sowie steigender Internationalisierung. -2- Mit der Unterstützung von Netzwerken zwischen Unternehmen, Beschäftigten, Bildungs- und Forschungseinrichtungen wird der Weg für eine moderne und innovative Industriepolitik berei- tet. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt, die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände e.V., Geschäftsstelle Darmstadt und Südhessen, und der Deutsche Gewerkschaftsbund DGB- Region Südhessen sehen in dem Bereich „Industrie 4.0“ und „internetbasierte Dienste“ ein großes Innovationspotenzial, das gefördert und weiter entwickelt werden muss. Die Verände- rungen, die mit Industrie 4.0 einhergehen, führen dazu, dass sich Arbeitsplätze und die indust- riellen Strukturen grundlegend wandeln. Die drei Partner sind aufgefordert, Cluster und Netz- werke in diesem Bereich unter Einbeziehung der Beschäftigten zu fördern, auch unter dem Aspekt, dass Darmstadt ein zentraler Standort für die IT-Industrie ist und zentrale Forschungs- institutionen in diesem Bereich aufweist. Dabei ist unter anderem an wissenschaftliche Refe- renzprojekte zu denken, die sich mit Industrie 4.0 auseinandersetzen. Das Industriepolitische Leitbild hat Orientierungsfunktionen für soziale, bildungs- und beschäf- tigungspolitische Fragen sowie deren zukünftige Lösungsansätze. Denn wirtschaftliche Prospe- rität, Nachhaltigkeit, Zukunftstechnologien, ein quantitativ und qualitativ hoher Beschäftigungs- stand und damit einhergehender Wohlstand sind nur in einem von den relevanten gesellschaft- lichen Gruppen akzeptierten Leitbild zu verwirklichen. Ein industriefreundliches Klima erhöht die Resonanz und Akzeptanz der Wirtschaft, insbesondere im öffentlichen Meinungsbild, und för- dert so auch Investitionsentscheidungen. Es stärkt darüber hinaus die Identifikation von Unter- nehmen und Beschäftigten mit dem Standort und verbessert so das Zusammenspiel von An- gebot und Nachfrage auf dem Ausbildungs-, Weiterbildungs- und Arbeitsmarkt. Das Industriepolitische Leitbild fördert im Sinne der Partner die Entwicklung neuer Strukturbe- griffe und Wirtschaftssystematiken, welche die aktuelle Situation in Wirtschaft und Wissen- schaft möglichst objektiv abbilden. Ein gutes Beispiel hierfür ist der IT-Sektor, der sich im Teil- bereich der Software-Entwicklung von einem reinen Dienstleistungsverständnis hin zu einem Protagonisten eines modernen Industriebegriffs entwickelt hat. Unübersehbar ist, dass sich die verschiedenen Facetten des Dienstleistungssektors nur in ei- ner Atmosphäre leistungsfähiger und innovativer Produktionsbetriebe entwickeln können. Des- halb ist es notwendig, die Zusammenhänge zwischen Forschung, Produktion, Dienstleistung und Innovation in der Region zu erkennen und im Sinne einer zukunftsweisenden Clusterbil- dung zu verzahnen. -3- Unternehmen, die Forschung und Entwicklung, Innovationen, Internationalisierung und Netz- werkbeziehungen dauerhaft verknüpfen, sind deutlich erfolgreicher als andere. Um die Innovationskraft von Stadt und Region zu stärken, müssen Beschäftigte in die Cluster- arbeit miteinbezogen werden. Beschäftigte sind entscheidende Träger für Neuerungen, indem sie dazu beitragen, den Strukturwandel und die Veränderungen der Arbeitswelt mitzugestalten. Mitwirkung und eine aktive Rolle der Beschäftigten sind demnach ein wesentlicher Faktor für eine hohe Innovationskraft eines Unternehmens und des Standorts. Insgesamt gilt es, die Rahmenbedingungen für Innovation und Forschung nachhaltig zu fördern. Ein weiterer wichtiger Faktor für die Attraktivität eines Standorts ist das Qualifikationsniveau der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Neben grundlegendem fachlichem Können sind heute zu- nehmend Schlüsselqualifikationen und Kommunikationskompetenzen gefragt. Die Verfügbar- keit von Fachkräften ist das zentrale Schlüsselthema für den künftigen Erfolg der Unternehmen auf regionalen und internationalen Märkten. Vor diesem Hintergrund kommt der frühzeitigen Heranführung von Kindern und Jugendlichen insbesondere an die MINT-Berufe hohe Bedeu- tung zu. Ebenso wichtig sind konkrete Maßnahmen und ein grundsätzliches Verständnis für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, um Fachkräfte an den Standort zu binden und z.B. Mütter und Väter nach einer Elternzeit ohne Hemmnisse zurück ins Berufsleben zu begleiten. Zu einer örtlichen wirtschaftsfreundlichen Kultur zählt auch die Fähigkeit und Bereitschaft, sich auf neue Fragen der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Wissen- schaft einzulassen. Um die vorhandenen wissenschaftlichen und forschenden Kompetenzzen- tren und Cluster in dieses Geflecht mit einzubeziehen, bedarf es der Entwicklung und Pflege von Informationstransfernetzwerken sowie einer nachhaltigen Kommunikation. Damit kann die Umsetzung von wissenschaftlichen Ergebnissen in wirtschaftliche Prozesse und marktfähige Produkte und Verfahren forciert werden. Teil einer solchen Kultur ist auch die verstärkte Einbindung der Gesellschaft in relevante Pro- zesse der Stadtentwicklung und die Schaffung einer hohen gesellschaftlichen Akzeptanz für Planungsprojekte durch Partizipation. Erfolgreiche Unternehmen wissen, dass sie auf eine intakte Region mit guter Infrastruktur und vielfältigen Bildungsangeboten angewiesen sind. Attraktive Regionen setzen umgekehrt auf wettbewerbsfähige und erfolgreiche Unternehmen. Beide Entwicklungen sind wichtige Voraus- setzungen, um das Standortprofil zu stärken und die zentralen gesellschaftlichen Herausforde- rungen wie z.B. Fachkräftebedarf, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Integration von Menschen in die Berufs- und Arbeitswelt zu lösen. -4- Individuelle Verantwortung soll dabei auch jenseits gesetzlicher oder sonstiger Vorgaben wahr- genommen werden, so dass nachhaltig soziale, gesellschaftliche, ökologische und ökonomi- sche Fragen beantwortet werden können. Mit diesen Aktivitäten, die unabhängig von Produk- ten oder Dienstleistungen gestaltet werden können, positionieren sich die drei Partner als ge- sellschaftlich verantwortlich handelnde Akteure und stärken damit ihr Image, ihre Reputation, ihre Innovations- und Zukunftsfähigkeit. Vor diesem Hintergrund bekennen sich die drei Partner auch zu den inklusiven Zielen der UN- Behindertenrechtskonvention und betonen zugleich ihre Ablehnung jedweder Diskriminierung von Menschen gleich welcher Herkunft, Hautfarbe, Alters, Geschlechts oder Konfession. Ein von den gesellschaftlichen Gruppen akzeptiertes Industriepolitisches Leitbild ist mehr als ein ordnungspolitisches Rahmenprogramm. Es enthält Optionen und Chancen für gemeinsame Problemlösungsstrategien, Wissensnetzwerke und zukunftsorientiertes Handeln - eine wichtige Voraussetzung zum weiteren Ausbau einer Kultur der gegenseitigen Wertschätzung und Inno- vation. Um diese Visionen und Zielsetzungen mit Leben und Inhalt zu füllen, bedarf es kontinuierlicher Dialoge, Projekte und Kommunikation der Ergebnisse in und mit der Öffentlichkeit und politi- schen Mandatsträgern. -5- II Bedeutung der Industrie für die Entwicklung von Stadt und Region Die Wissenschaftsstadt Darmstadt ist sich der hohen Bedeutung der industriellen Forschung und Entwicklung sowie Produktion für die wirtschaftliche Prosperität und die Sicherung von Arbeitsplätzen in Stadt und Region bewusst. Die Industrie ist ein starker Motor der wirtschaftlichen Entwicklung, da sie über ihren hohen Exportanteil „Primäreinkommen“ für die Region erzielt und zugleich für eine Belebung der Bin- nennachfrage sorgt. Insbesondere durch die Innovationskraft der Wirtschaft wird die Wettbe- werbs- und Konkurrenzfähigkeit einer Region maßgeblich bestimmt. Sie ist ein wesentlicher Auftraggeber für unternehmensbezogene und arbeitsplatzintensive Dienstleistungen, die insbesondere Wissenschaft, Forschung und Service stärken. Ohne eine leistungsstarke und konkurrenzfähige Industrie ist eine gesunde und krisenresistente Wirt- schaftsstruktur nicht denkbar. In Folge von industriellem Strukturwandel, demografischen Veränderungsprozessen und fort- schreitender Globalisierung hat die Darmstädter Industrie eine verstärkte Orientierung hin zu technologieintensiven, zukunftsorientierten Produktionsverfahren und Produkten umgesetzt – dies auf Basis einer Industriestruktur, die seit jeher durch hohe Qualitätsstandards und einen breiten Branchenmix gekennzeichnet war. Für die Wissenschaftsstadt stellen die Industrieun- ternehmen damit wichtige Anknüpfungspunkte für die zukünftige Entwicklung im Hochtechno- logiebereich, das Leben in der digitalen Wissensgesellschaft und den Wachstumsfeldern der Zukunft dar. Unternehmen müssen am Standort jedoch auch räumliche Entwicklungsmöglichkeiten vorfin- den, um Ideen in konkrete Produkte umsetzen zu können. Die Verfügbarkeit von flexibel ge- schnittenen, unbebauten Gewerbegrundstücken ist unter den speziellen Immobilienmarktbe- dingungen in einer prosperierenden Metropolregion eine wichtige Aufgabe. Dies gilt insbeson- dere vor dem Hintergrund, dass ein weiterer ungebremster Flächenverbrauch minimiert werden muss und der städtebaulichen Innenentwicklung soweit als möglich der Vorzug einzuräumen ist. Deshalb wird die Wissenschaftsstadt Darmstadt in den westlichen Konversionsflächen Kel- ley-Barracks, Nathan-Hale-Depot und Airfield eine Entwicklung mit gewerblichem Schwerpunkt planungsrechtlich absichern, um so der lokalen Wirtschaftsentwicklung neue Impulse geben zu können. Der Standortausbau bestehender Unternehmen wird dabei ebenso begleitet, wie die Neuansiedlung von Unternehmen. -6- Diese Handlungsfelder sind Teil einer nachhaltigen Stadtentwicklung, die verstärkten Flächen- und Nutzungskonkurrenzen als Moderator zu begegnen hat. Dabei hat sie die Entwicklung von Wohnstandorten mit der zugehörigen Versorgungs- und sozialen Infrastruktur ebenso wie die gewerbliche Entwicklung im Fokus, um das Konzept einer Stadt der kurzen Wege zwischen Wohnen und Arbeiten zu stärken. Dies gilt nicht zuletzt auch mit Blick auf die Bedürfnisse der Beschäftigten in Zeiten von sich rapide verändernden Familienstrukturen und dem Ziel, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter zu erhöhen. -7- III Industriepolitische Handlungsfelder Die Wissenschaftsstadt Darmstadt verfügt über eine Vielzahl von Handlungsfeldern und An- satzpunkten, um mit direkten und indirekten Maßnahmen der Stadtentwicklung und der Wirt- schaftsförderung die industrielle Produktion am Standort zu sichern und weiter auszubauen. Ebenso nimmt die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände e.V., Geschäftsstelle Darmstadt und Südhessen, im Auftrag der Mitgliedsunternehmen ihre gesellschaftliche Ver- antwortung wahr, gestaltet Projekte und kooperiert mit der Wissenschaftsstadt Darmstadt sowie anderen Partnern im regionalen Netzwerk. Ein wichtiges Aufgaben- und Handlungsfeld des Deutschen Gewerkschaftsbundes und seiner Mitgliedsgewerkschaften ist der Erhalt, die Sicherung und der Ausbau qualitativ hochwertiger industrieller Arbeits- und Ausbildungsplätze in Darmstadt und Südhessen. Zur Erreichung dieses Zieles arbeitet der DGB zusammen mit anderen Akteuren am Arbeits- und Ausbildungsmarkt in regionalen Netzwerken und Kooperationszusammenhängen. Die folgenden Themenbereiche sollten Kernpunkte des zukünftigen gemeinsamen Dialogs sein. Die Fortschreibung und Erneuerung ist ein permanenter Prozess. Von besonderer Bedeutung sind dabei folgende Schlüsselbereiche: 1. Standortsicherung und Ausbau des Standorts • Kontinuierlicher industriepolitischer Dialog mit Unternehmensbesuchsprogrammen, Bran- chentreffs, Wirtschaftsgesprächen etc. unter Beteiligung der Betriebs- und Personalräte • Vorrangige Sicherung der betrieblichen Weiterentwicklung am Standort • Bereitstellung von Erweiterungsmöglichkeiten • Begleitung von Umstrukturierungen in Unternehmen • Planungsrechtliche Absicherung des Standorts • Räumliche Steuerung des großflächigen Einzelhandels durch Einzelhandels- und Zentren- konzepte 2. Standortmarketing • Beste Standortbedingungen für Unternehmen und Investoren • Werbung für den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Darmstadt • Pflege einer Willkommenskultur als Teil des Stadtprofils, z.B. für Beschäftigte, ihre Familien -8- und Studierende, auch unter dem Aspekt der Internationalität des Standorts • Kooperation mit Wirtschaftsförderern der Metropolregion und des Landes Hessen • Nutzung des Instruments internationaler Städtepartnerschaften zur Vernetzung und für das Standortmarketing • Gesellschaftliche Industrieakzeptanz • Stärkung des Branchenmix 3. Genehmigungsverfahren • Effiziente Verfahren • Zügige Behandlung industrieller Vorhaben • Planungssicherheit • Gesellschaftliche Akzeptanz auf Basis geeigneter Bürgerbeteiligung • Schaffung von Verlässlichkeit bei umweltrechtlichen Fragestellungen 4. Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf • Betreuungsangebot • Quantitativ ausreichende und qualitativ hochwertige Kinderbetreuung in den Bereichen U3 und Ü3 sowie in der Schulkindbetreuung • Offenheit für betriebsnahe Betreuungsangebote, Förderung betrieblicher Kinderbetreuung • Förderung der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf 5. Schulen • Attraktive Schulprofile • Moderne Schulbauten • Gute Lehrerversorgung • Quantitativ ausreichender und qualitativ hochwertiger Ausbau der Schulkindbetreuung und der Ganztagesangebote • Verlässliche Anschlussfähigkeit am Übergang Schule, Studium, Beruf • Zukunftsweisende Schulentwicklung zur Bewältigung des demografischen Wandels • Förderung der Zusammenarbeit mit anderen Schulträgern als Impuls zur Schaffung einer Bildungsregion Südhessen • Aufbau von Kompetenzzentren im allgemeinbildenden und beruflichen Schulbereich, auch in Bezug auf IT-Kompetenz und digitales Lernen -9- 6. Aus- und Weiterbildung • Berücksichtigung industrieller Erfordernisse bei der Aus- und Weiterbildung • Förderung neuer Ausbildungsberufe • Ausbau dualer kooperativer und berufsbegleitender Studiengänge • Transparenz der Bildungsangebote • Fachkräftebedarfsorientierte Förderung 7. Wissens- und Technologietransfer • International attraktiver Standort • Know-how von Wissenschaftlern, Studierenden und Beschäftigten regional binden • Forschung, Entwicklung und Innovation in Unternehmen fördern • Innovationsfähigkeit der Beschäftigten heben, fördern und weiterentwickeln, Innovationsklima verbessern • Förderung und Einbeziehung arbeitnehmerorientierter Technologieberatung und Bildungsein- richtungen sowie deren Projekte • Ganzheitliches Verständnis von Innovation: Neben technologischer Innovation sollen auch soziale Innovationen berücksichtigt werden, um so die Beteiligung gesellschaftlicher Akteure stärker ins Zentrum zu rücken • Zusammenarbeit mit den wissenschaftlichen Einrichtungen • Stärkung der Innovationskraft (auch über Akademiker aus dem Ausland) • Unterstützung von Existenz- und Unternehmensgründungen • Förderung der Netzwerkarbeit mit Technischer Universität Darmstadt, Hochschule Darm- stadt, Evangelischer Hochschule sowie übergreifend der gesamten Hochschullandschaft in der Rhein-Main- und Rhein-Neckar-Region • Aufbau von Wissensclustern durch Wissenschaft und Wirtschaft • Verknüpfung von Industrie und Dienstleistung • Austausch von Personen und Ideen zwischen Industrie und Hochschulen • Engagement von Unternehmern und Unternehmen für wissenschaftliche Initiativen • Mitwirkung von Wirtschaft an Drittmittelprojekten und Stipendien • Mitarbeit im Arbeitskreis Schule-Hochschule-Wirtschaft 8. Verkehrsinfrastruktur • Förderung der regionalen Verkehrsinfrastruktur und Attraktivität • Verbesserung der Erreichbarkeit der Industriestandorte • Berücksichtigung industrieller Erfordernisse bei der Verkehrsplanung -10- • Sicherung von Industriegleisen zum Massen- und Gefahrgütertransport • Bereitstellung ausreichender Logistik-Services für die Unternehmen • Ausbau des regionalen ÖPNV-Netzes insbesondere für die Pendler-Zielgruppen • Hinreichende und preislich angemessene Parkplätze • Fortführung von Maßnahmen zur Entlastung des innerstädtischen Verkehrs • Begleitung innovativer Mobilitätsmanagement-Konzepte in Wirtschaft und Verwaltung • Bereitstellung einer leistungsfähigen ICE- und Güterverkehrsanbindung 9. Energie und Umwelt • Nachhaltige Umweltpolitik • Bereitstellung eines lebenswerten Arbeits- und Wohnumfeldes • Versorgung und Entsorgung • (Stadt-)Klimaschutz • Lärmschutz • Umweltschutz • Förderung regenerativer, klimaneutraler Energien • Verlässliche und bezahlbare Energieversorgung • Sicherung und Ausbau der Energienetze • Ausbau der Infrastruktur für Elektromobilität • Förderung betrieblicher Energieeffizienzkonzepte 10. Gewerbeflächen • Ausgleich der sich verschärfenden Flächen- und Nutzungskonkurrenzen • Ausweisung von gewerblichen Flächen, bevorzugt als Innenentwicklung • Berücksichtigung des Gewerbeflächenbedarfs neben der Wohnflächenentwicklung in der militärischen und industriellen Flächenkonversion 11. Arbeitsmarkt • Stärkung des regionalen Arbeitsmarktes • Begleitende Maßnahmen zur Anwerbung neuer Arbeitskräfte (auch aus dem Ausland) • Ausbildungsplätze • Förderung und Aktivierung bildungsbenachteiligter Bevölkerungsgruppen • Abbau funktionaler Grundbildungsdefizite -11- 12. „Weiche“ Standortfaktoren • Stärkung des Wohnungsmarkts, Schaffung von zusätzlichem Wohnraum, Schaffung von mehr sozialem Wohnraum und mehr studentischem Wohnraum • Berücksichtigung des Wohnflächenbedarfs neben gewerblichen Ansprüchen in der Flächen- konversion • Kultur und Kunst • Freizeit und Erholung • Stärkung der Willkommenskultur, z.B. auch zur Gewinnung von ausländischen Fachkräften • Sicherung eines funktionierenden sozialen Umfelds durch Prävention und Inklusion • Unterstützung von CSR-Initiativen, die ökonomische und gesellschaftliche Verantwortung gleichermaßen abbilden • Stärkung des Vertrauens in wirtschaftliche und politische Entscheidungen durch transparente Entscheidungsverfahren -12- IV Zusammenarbeit Die Wissenschaftsstadt Darmstadt, die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände e.V., Geschäftsstelle Darmstadt und Südhessen, und der Deutsche Gewerkschaftsbund DGB- Region Südhessen vereinbaren den begonnenen Weg des vertrauensvollen Dialogs fortzufüh- ren und damit zur Sicherung einer zukunftsorientierten Entwicklung der industriellen Produktion am Standort Darmstadt beizutragen. Zielsetzung ist es, nicht nur einzelne Sachthemen zu erör- tern und weiter zu entwickeln, sondern auch Erreichtes zu evaluieren und Erfolgsgeschichten fortzuschreiben. Hierzu treffen Vertreterinnen und Vertreter der Vereinigung der hessischen Unternehmerver- bände e.V., Geschäftsstelle Darmstadt und Südhessen, des Deutschen Gewerkschaftsbunds DGB-Region Südhessen und Mitglieder des Magistrats mindestens einmal jährlich zusammen. Auf der Fachebene erfolgt eine permanente Abstimmung in den konkreten Fragen der industri- ellen Entwicklung am Standort auch in Kooperation mit weiteren wirtschafts- und wissen- schaftsrelevanten Partnern. Anhand der skizzierten industriepolitischen Handlungsfelder sollen gemeinsam kontinuierlich Projekte identifiziert und umgesetzt werden. Dies gilt ebenso für Veranstaltungen, welche sich an eine breitere Fachöffentlichkeit richten. Auch hierbei wollen die Wissenschaftsstadt Darm- stadt und die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände e.V., Geschäftsstelle Darm- stadt und Südhessen, regelmäßig kooperieren. Darmstadt, den xx.xx 2015 ................................................ ................................................ Jochen Partsch Vorstand und Geschäftsführung Oberbürgermeister Vereinigung der hessischen Wissenschaftsstadt Darmstadt Unternehmerverbände e.V., Geschäftsstelle Darmstadt und Südhessen ................................................ Geschäftsführung des DGB-Region Südhessen -13-
2015/0222
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Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
24.06.2015
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat I an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Amt: Amt für Wirtschaft
und Stadtentwicklung OBW bei abschl. B e-
schlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2015/0222
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.: 571010
Kostenstelle: 015-001-1000 Investitionsnummer:
Kostenträger: 5710-11 Sachkonto:
Betreff: Industriepolitisches Leitbild der Wissenschaftsstadt Darmstadt gemeinsam mit der
Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände e.V., Geschäftss telle Darmstadt
und Südhessen, und dem Deutschen Gewerkschaftsbund DGB -Region Südhessen
Vorlage vom: 12.06.2015
Beschlussvorschlag :
Der Magistrat stimmt dem Entwurf eines gemeinsamen Industriepolitischen Leitbildes der Wisse n-
schaftsstadt Darmstadt mit der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände e.V., G e-
schäftsstelle Darmstadt und Südhessen, und dem Deutschen Gewerkschaftsbund DGB -Region
Südhessen zu.
Anlagen: Industriepolitisches Leitbild 2015
Datenblatt zum Industriepol. Leitbild Stand 06/ 15
Datenschutzrelevante Anlage:
- 2 -
Folgekosten: Ja Nein
Beschluss des Magistrats vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 12.06.2015
Im Jahr 2000 hatte die Wissensc haftsstadt Darmstadt gemeinsam mit dem Unternehmerve r-
band Südhessen e.V. ein Industriepolitisches Leitbild aufgestellt und beschlossen (s. Vorl.
0757/2000). Da seine Zielsetzungen in wesentlichen Punkten einerseits noch akt uell sind
und andererseits seithe r Themenfelder wie nachhaltiges Wirtschaften, Ressourcen - und Ener-
gieeffizienz, der Fachkräftebedarf, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder die Intern a-
tionalisierung eine erhöhte Bedeutung erlangt haben, wurde das Industriepolitische Leitbild
im vergangenen Jahr novelliert (vgl. Vorl. 0097/2014). Daraufhin hatte der Deutsche Ge-
werkschaftsbund DGB -Region Südhessen Kontakt zu den beiden Partnern aufg enommen und
angeboten, sich ebenfalls in den Industriepolitischen Leitbildprozess einzubringen. Di eses
Angebot wurde sowohl von der Stadt als auch vom Unternehmerverband gerne aufgeno m-
men. Es stellt eine maßgebliche Erweiterung des Kreises um die Vertret ung der Interessen
der Arbeitnehmerinnen und A rbeitnehmer und damit eine neue Qualität für das Leitbild dar.
Das nun erneut zur Beschlussfassung vorgelegte Industriepolitische Leitbild stellt mithin eine
zwischen der Wissenschaftsstadt Darmstadt, der Vereinigung der hessischen Unternehme r-
verbände e.V., Geschäftsstelle Darmstadt und Südhessen, sowie dem Deutschen Gewerk-
schaftsbund DGB -Region Südhessen gemeinsam erarbeitete Grundlage des weiteren indus t-
riepolitischen Dialogs dar. Gleichzeitig greift es die älteren Beschlussfassungen bewusst auf
und bejaht, dass Darmstadt sich – im Gegensatz zu anderen forschungsgeprägten Stando r-
ten, die hier weniger stark bzw. breit aufgestellt sind – zu seinem wichtigen produzierend-
industriellen Kern ausdrücklich bekennt.
Beiliegend wird außerdem ein Datenblatt mit Kennzahlen zum Wirtschaftsstandort zur
Kenntnis gegeben. Dieses ist nicht formell Teil des Leitbilds und kann mit den Partnern ko n-
tinuierlich aktualisiert un d erweitert werden.
Darmstadt, den 12.06.2015
Dezernat I Dezernat II
Jochen Partsch Rafael Reißer
Oberbürgermeister Bürgermeister
Dezernat III Dezernat IV
Cornelia Zuschke André Schellenberg
Stadträtin Stadtkämmerer
Dezernat V
Barbara Akdeniz
Stadträtin
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Datenblatt zum Industriepolitischen Leitbild für die Wissenschaftsstadt Darmstadt: ● Wirtschaftskraft: - Erwerbstätige: 127.400 Personen (2012) Anstieg 2006-2012: +7,7% - Stabiler industrieller Kern: 19.700 Erwerbstätige im produzierenden Gewerbe (2012) - Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte: 94.837 Personen (Juni 2014, SVB) Anstieg 2005-2014: +12,2% - Arbeitslosigkeit: 6,4% (Stadt Darmstadt, Ende 2014) Rückgang 2005-2014: −6,3%-Punkte - atypische Beschäftigung: Teilzeit bei Frauen 52,6%, bei Männern 10,5% (2014) Mini-Jobs: 14.083 Personen, bei Frauen 7.537, bei Männern 6.546 Personen (2014) Personen in Leiharbeit: 2,5% (2014) - Bruttowertschöpfung: 7.285 Mio. € (2012, BWS) Anstieg 2000-2009: 17,0% = 0,8% über Bundesdurchschnitt - Einpendler: 64.250 Personen (30.06.2013, nur SVB) Auspendler: 24.168 Personen (30.06.2013, nur SVB) ● Innovationskraft: - Anteil der hochqualifizierten SVB: 23,0% (2011) = dritthöchster Anteil unter allen Kreisen und kreisfreien Städten in Deutschland - Anteil der SVB in der Softwareindustrie: 6,12% (2011) = gegenüber dem Bundesdurchschnitt im Faktor 3,5 erhöht Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit Hochqualifikation 25.850 Personen (2014) - Prognos-Zukunftsatlas 2013: Dynamikfaktor Platz 8 unter allen Kreisen und kreisfreien Städten in Deutschland; Stärkefaktor Platz 8; Gesamtergebnis Platz 6; beste Stadt außerhalb Bayerns und Baden-Württembergs im Ranking ● Fachkräfteverfügbarkeit: - Studierende gesamt: 40.586 (WS 2013/14) davon Anteil ausländischer Studierender 7.052 - Schülerinnen und Schüler an beruflichen Schulen: 12.604 (Schuljahr 2013/14) - Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden Schulen: 18.816 (Schuljahr 2013/14) - Einwohner: 154.002 (31.12.2014) Anstieg seit 1998-2014: +13,8% - Bevölkerungsprognose 2013-2030: +6,1% (HessenAgentur 2015) Bevölkerungsprognose 2013-2050: +10,2% (HessenAgentur 2015) Land Hessen im Vergleich: 2013-2050: -5,9% - Anteil der unter 20-Jährigen an der Gesamtbevölkerung in Darmstadt bis 2030: Tendenz steigend (HessenAgentur 2015)
Beratungsverlauf (4)
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2015/0222
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 12.06.2015
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00