2244/2020
Verbraucherberatungsstelle Köln: Jahresbericht 2019
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Anlage Jahresbericht 2019 VB-Köln
9596 Zeichen
Was waren zentrale Verbraucheranliegen 2019?
Untergeschobene Verträge, intransparente Rechnungen,
Abofallen und unberechtigte Forderungen waren nur einige Bei-
spiele täglicher Verbraucheranliegen. Rechtliche Fallstricke traten
oftmals gepaart mit finanziellen und sozialen Problemlagen auf.
Dies erforderte eine interdisziplinäre Bearbeitung der komplexen
Sachverhalte und präventiv angelegte Hilfestellung.
Was konnten Sie für Ratsuchende erreichen?
Neben der Stärkung der Selbsthilfekompetenzen waren die
rechtliche Vertretung gegenüber Anbietern und der wirtschaftli-
che Rat dauerhaft gefragt. Unsere Intervention trug dazu bei, dass
Rechte durchgesetzt, passende Anbieter und Tarife gefunden, For-
derungen reduziert oder gänzlich abgewendet wurden. Auch der
Schutz der Bürger vor Übervorteilung durch unseriöse Geschäfts-
praktiken gehörte zum Kerngeschäft.
Gibt es übergreifende Ansätze in der Verbraucherarbeit?
Wir setzen auf kollektiven Verbraucherschutz, sei es über
praxistaugliche Informationspakete im Internet, über gebündelte
Rechtsdurchsetzung per Musterfeststellungsklage oder schnel-
le Hilfen bei Unternehmensinsolvenzen wie zuletzt bei Thomas
Cook. Mit Aktionen und Kampagnen greifen wir gesellschaftlich
relevante Fragestellungen auf und setzen uns z.B. für einen effek-
tiven Klimaschutz ein.
Was macht Ihren Stellenwert in der Kommune aus?
Unsere Kooperationspartner schätzen die mehrfachen Sy -
nergien für die Hilfs- und Unterstützungsstrukturen vor Ort. Den
Verbrauchern geben wir eine Stimme und wir bringen uns aktiv in
kommunale und landesweite Handlungsprogramme ein. Wir pfle-
gen einen kontinuierlichen Austausch mit politisch Verantwortli-
chen und zivilgesellschaftlichen Akteuren.
Worüber haben Sie sich 2019 am meisten gefreut?
Über die Vertragsverlängerung für weitere fünf Jahre und
die zusätzliche Einrichtung einer 0,6 Servicestelle für die Ein-
gangsbearbeitung von Verbraucheranfragen per Telefon und E-
Mail. Dadurch können wir Kölner Bürgerinnen und Bürgern einen
noch schnelleren Zugang zu Rat und Recht bieten.
Unsere Arbeit für die Kölner Bürgerinnen und Bürger wird durch Lan-
des- und kommunale Mittel ermöglicht. Wir bedanken uns für die
finanzielle Unterstützung sowie die gute Zusammenarbeit bei der
Kommune, Politik und unseren vielen Kooperationspartnern vor Ort.
KÖLN
UNSERE ARBEIT IM JAHR 2019
WIR SIND FÜR SIE DAWIR DANKEN
Verbraucherzentrale NRW I Beratungsstelle Köln
Frankenwerft 35 ∙ 50667 Köln
Tel.: (0221) 846188-01 ∙ Fax: (0221) 846188-33
www.verbraucherzentrale.nrw/koeln
Im Interview mit Diana Meschke,
Leiterin der Beratungsstelle
Zum Weltverbrauchertag zeigte die Verbraucherzentrale, wie
Kunden darauf pochen können, dass Händler ihren gesetzlichen
Informationspflichten vor Abschluss eines Handyvertrages auch
nachkommen. Denn vorgeschrieben ist, dass die wesentlichen
Vertragsinhalte im Produktinformationsblatt ausgehändigt wer -
den müssen. Bei einer Stichprobe hatten jedoch neun von zehn
Shops das Papier nicht rausgegeben. Häufig schilderten Ratsu-
chende, dass sie überrumpelt worden waren und Verträge unter -
schrieben hatten, die sie nicht überblicken konnten.
WELTVERBRAUCHERTAG
ZEIT FÜR ENTSCHEIDUNGEN
ENERGIEVERSORGER-PLEITE
FAIR AUFGEBRÜHT
Nach TelDaFax, FlexStrom und Care Energy ging mit der Bayeri-
schen Energieversorgung BEV erneut ein Energieversorger mit
fragwürdigem Geschäftsmodell Pleite. Die Beratungsstelle infor -
mierte nicht nur über die Entwicklungen des Insolvenzverfahrens,
sondern erläuterte Schritte, um offene Forderungen wie Boni und
Guthaben gegen die BEV durchzusetzen und gegebenenfalls an-
zumelden. Zudem ging die Verbraucherzentrale gegen den Ver -
such einer unzulässigen Preisanpassung kurz vor der Pleite des
Unternehmens vor.
Viele Menschen wollen selbst etwas gegen den Klimawandel
tun – etwa durch sparsamen Umgang mit Strom und Heizwärme.
Doch nur wer gut informiert handelt, holt mit der Investition für
sich selbst und das Klima das Beste raus. In der Kampagne „(Kei-
ne) Zeit für (falsche) Entscheidungen“ hat die Verbraucherzentrale
Entscheidungshilfen gegeben. Soll ich auf eine Wärmepumpen-
heizung setzen? Lohnt es, den alten Kühlschrank auszutauschen?
Durch Vorträge, Aktionsstände und Beratungen wurden Ratsu-
chende vor Fehlentscheidungen gefeit.
Jede 20. Tasse Kaffee, die hierzulande getrunken wird, stammt be-
reits aus Bohnen aus Fairem Handel. Zur Fairen Woche hat die Ver-
braucherzentrale das Interesse für die Vorzüge des Wachmachers
weiter geweckt. Denn für Kaffeebauern und Klimaschutz bringen
die fairen Anbaubedingungen in den Ländern des Südens echten
Gewinn. Garantierte Mindestpreise, verbesserte Lebensbedingun-
gen, Verzicht auf Pestizide, nachhaltiger Anbau – mit jeder Bohne
wächst das Plus für existenzsichernde Löhne und Entwicklung. Für
den fairen Kaffeekauf gab es außerdem eine „Labelkunde“.
Verbraucherzentrale NRW • Beratungsstelle Köln 2019
HIGHLIGHTS
IM JAHR 2019
KONSUMIEREN WILL GELERNT SEIN
INKASSO-ABZOCKE
DIGITALES ERBE
20 JAHRE INSOLVENZVERFAHREN
STEUERERKLÄRUNG FÜR RENTNER
Zwar werden Verträge per Mausklick abgeschlossen und in sozi-
alen Netzwerken sind Nutzer aktiv. Aber wie man Daten schützt
oder was mit Fotos, Onlinekonten und Profilen nach dem Tod
passiert, ist meist unbekannt. So wissen nur wenige, dass in der
Onlinewelt Verträge weiterlaufen und Kosten verursachen oder
Guthaben drohen zu verfallen, wenn der digitale Nachlass nicht
geregelt ist. In Vorträgen informierte Berater Uwe Humbert-Kuku-
lady, wie die richtigen Vorkehrungen für das Online-Erbe getroffen
werden.
Ob Wissenswertes rund um die Smartphone-Nutzung oder das
kleine Einmaleins bei Geldgeschäften – in Veranstaltungen für
Jugendliche und junge Erwachsene verschaffte die Verbraucher -
zentrale Durchblick im Konsumalltag. Stark nachgefragt wurden
die Lerneinheiten zum Umgang mit Geld. Zudem wurden die
Trainings zu internetfähigen Handys gern gebucht. Wie Verträge
zustandekommen und welche Widerrufsmöglichkeiten es gibt,
wurde in weiteren Veranstaltungen thematisiert.
1999 eröffnete der Gesetzgeber mit der neuen Insolvenzordnung
erstmals für Privatleute die Chance auf einen Neuanfang. Bedeute-
te Überschuldung bis dahin ein lebenslängliches Dasein am Exis-
tenzminimum, bestand seither die Aussicht, von der Schuldenlast
befreit zu werden. Zum 20-Jährigen des Verbraucherinsolvenzver-
fahrens hat die Verbraucherzentrale Erfolgsbilanz gezogen: Rund
700 Verfahren wurden mit ihrer Unterstützung eingeleitet. Auch
konnten durch Verhandlungen mit Gläubigern für Betroffene trag-
fähige Rückzahlungen erreicht werden.
Bei drei kostenfreien Veranstaltungen erklärte Steuerexpertin Ga-
briele Waldau-Cheema in der Beratungsstelle, wann Rentner und
Pensionäre überhaupt eine Steuererklärung abgeben müssen. Die
Autorin eines Ratgebers der Verbraucherzentrale zu diesem The-
ma informierte über neue steuerliche Regelungen, erläuterte die
Einkunftsarten und gab hilfreiche Steuerspartipps. Anschließend
konnten Teilnehmende offene Fragen klären – nach dem Aus-
tausch mit der Fachfrau war die Steuererklärung für die insgesamt
90 Interessierten kein Buch mit sieben Siegeln mehr.
Wenn etwas schiefläuft, wo eigentlich gezahlt werden sollte, folgt
alsbald Post eines Inkassobüros – die Ankündigung oft hoher Ge-
bühren inklusive. Die Beratungsstelle verzeichnete viele Anfragen,
weil vermeintliche Außenstände eingetrieben und Adressaten mit
Hinweis auf drohende Mahnbescheide oder Zwangsvollstreckung
verunsichert wurden. Sie gab Hilfestellungen für den Check der
Forderungen und fürs Zurückweisen unzulässiger Kosten. Um mas-
senhafter Abzocke zu begegnen, fordert die Verbraucherzentrale
eine gesetzliche Begrenzung von Inkassokosten.
Bürokraft Energieberatung 0,35
Zusätzlich zu diesen kommunal geförderten Angeboten bietet
die Verbraucherzentrale NRW auch in Köln weitere Spezialbe-
ratungen und Bildungseinheiten für verschiedene Zielgruppen.
Leitung und Verbraucherberatung 5,00
Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung 1,00
Beratung Energiearmut 0,50
Energieberatung 1,00
Bürokraft Verbraucherberatung 0,50
IHR TEAM IN KÖLN
IMPRESSUM: Herausgeber: Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen e. V. • Mintropstraße 27 • 40215 Düsseldorf • Tel: 0211 38 09 0
www.verbraucherzentrale.nrw • Gestaltung: lav.ka kreative agentur, Düsseldorf, www.lav-ka.de © Fotos: fotolia® LLC, New York, sowie
Verbraucherzentrale NRW e. V. Düsseldorf.
UNSERE ARBEIT IN ZAHLEN
* Die Anschlussfähigkeit an die Statistikdaten der Vorjahre ist durch eine bundesweit einheitliche Veränderung in der Erfassungssyste-
matik nicht gegeben. Aufgrund der sukzessiven Umstellung auf die neue Erfassungssoftware konnten die Verbraucheranliegen nicht zu
einem Jahreswert addiert werden und mussten für das erste Halbjahr hochgerechnet werden. Zeitgleich kam es bei der Einführung der
neuen Software zu länger andauernden Problemen bei Technik und Performance und hierdurch bedingt zu unvollständiger Erfassung
der Verbraucheranliegen.
Vier Verträge, ein Smartphone und Kosten von über 3.000 Euro in den nächsten 24 Monaten – damit verließ
ein junger Syrer einen Mobilfunkshop in Köln. Die Beratungsstelle erreichte, dass alle Verträge beendet und
die Kosten nach Rückgabe des Smartphones erlassen wurden.
EINER UNSERER ERFOLGE 2019
VERBRAUCHERANLIEGEN*
VERANSTALTUNGEN
VERANSTALTUNGSKONTAKTE
RECHTSBERATUNGEN UND -VERTRETUNGEN*
DIE HÄUFIGSTEN VERBRAUCHERPROBLEME*
11.357
210
3.867
5.152
29%Dienstleistungen
7%Konsumgüter
13%Energie
8%Telefon
27%Finanzen
Mitteilung Ausschuss
3013 Zeichen
Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle V/50/503 Vorlagen-Nummer 03.08.2020 2244/2020 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss Soziales und Senioren 20.08.2020 Ausschuss für Umwelt und Grün 27.08.2020 Verbraucherberatungsstelle Köln: Jahresbericht 2019 Die Verwaltung gibt in der Anlage den Jahresbericht 2019 der Verbraucherberatungsstelle Köln in Trägerschaft der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen e.V. zur Kenntnis (Download unter https://www.verbraucherzentrale.nrw/beratungsstellen/koeln/koeln-jahresbericht2019). Der Jahresbe- richt zur Verbraucherberatung im Quartier für 2019 wird als gesonderte Mitteilung vorgelegt (2245/2020). Die Verbraucherzentrale NRW hat 2019 290.000,00 € aus dem städtischen Haushalt für die laufende Arbeit der Kölner Beratungsstelle vom Amt für Soziales, Arbeit und Senioren erhalten. Ebenso betei- ligte sich das Land Nordrhein-Westfalen an der Finanzierung der dort stattfindenden allgemeinen Kölner Verbraucherschutzarbeit sowie an der Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung. Außerdem förderte die Koordinationsstelle Klimaschutz der Stadt Köln 2019 das Projekt „Energiebe- ratung in Privathaushalten“ mit 57.500,00 €. Der Jahresbericht 2019 ist in allen 61 Kommunen als kompakter Vierseiter entworfen worden. In kur- zer knapper Form wurden rückblickend lokale und kommunale Highlights dargestellt, damit sie in der heutigen Informationsflut wahrgenommen werden. Weniger Text, mehr Faktencheck war das Ziel. Das neue Format führt gleichzeitig durchschnittlich zu einer 50-prozentigen Kostenersparnis für Kommune und Land. Der Gesamtbericht 2019 der Verbraucherzentrale NRW greift eine ausführlichere Darstellung der relevanten Verbraucherthemen auf und ist flankierend zu den Jahresberichten der Beratungsstellen zu verstehen. Dieser kann im Internet auf der Homepage der Verbraucherzentrale NRW eingesehen und heruntergeladen werden: https://www.verbraucherzentrale.nrw/. Auch aktuelle Informationen werden auf der Seite regelmäßig eingestellt und zu inhaltlichen Themen gibt es ausführliche Texte, Verbrauchertipps, verbraucherpolitische Forderungen etc. Im Beirat der Beratungsstelle Köln berichtet die Verbraucherzentrale darüber hinaus in der Regel zweimal jährlich zu aktuellen Themenschwerpunkte und/oder lokalen verbraucherpolitischen Beson- derheiten. Da 2020 aufgrund der Corona-Pandemie von einem Präsenztreffen abgesehen werden musste, wurde Ende Juni ein mehrseitiger Newsletter mit den Highlights der Verbraucherberatung sowie der Quartiersberatung des ersten Halbjahres 2020 an die Beiratsmitglieder versandt. Auf Seite 4 des Jahresberichtes 2019 wird für Köln über „Unsere Arbeit in Zahlen“ berichtet. Bei „Verbraucheranliegen“ und „Rechtsberatungen und Vertretungen“ ist die Anschlussfähigkeit an die Statistikdaten der Vorjahre durch eine bundesweit einheitliche Veränderung in der Erfassungssys- tematik nicht gegeben (siehe Bericht Seite 4). 2 Gez. i.V. Greitemann
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 2244/2020
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 03.08.2020
- Erstellt
- 22.07.2020 08:27