SV-2016/0065
Antrag der Fraktionen UFFBASSE und Die Linke. vom 25. November 2016 betr. TTIP, CETA, TISA
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Erklärung von Barcelona Wir, die BürgermeisterInnen und gewählten lokalen VertreterInnen, die wir an dem ersten Paneuropäischen Treffen „Kommunen und die neue Generation von Freihandelsabkommen“ teilgenommen haben, erklären: Die Europäische Kommission hat auf Grundlage eines Mandats der Mitgliedstaaten die Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten von Amerika über ein transatlantisches Handels- und Investitionsabkommen (TTIP), mit Kanada über ein umfassendes Wirtschaftshandelsabkommen (CETA), und über das Handels- und Dienstleistungsabkommen (TISA), aufgenommen. Diese Verträge werden intransparent ausgehandelt und erfüllen damit nicht die europäischen demokratischen und partizipativen Standards. Wir glauben, dass Transparenz nicht Handelsgeheimnissen geopfert werden darf. Lokale und regionale EntscheidungsträgerInnen müssen als integraler Bestandteil bei der Aushandlung der Mandate beteiligt sein. Heute befindet sich Europa an einem Scheideweg. Die Krisen, die die EU gerade erlebt, erfordern eine politische Lösung. Daher sind wir der Meinung, dass Europa zentrale Werte wie Solidarität, die Achtung von Freiheit und Rechtsstaatlichkeit in den Mittelpunkt seiner Politik stellen muss. Es ist anzuzweifeln, dass diese neue Generation von Handelsabkommen für die Gesellschaft als Ganzes von Nutzen ist. Europa darf seine Wirtschaft nicht nur auf Freihandel aufbauen, sondern muss auch soziale und ökologische Rechte, ebenso wie Rechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern stärken. Wir sind zutiefst darüber besorgt, dass diese Verträge unsere legislativen Handlungsspielräume und unsere Möglichkeiten öffentliche Mittel einzusetzen (einschließlich der öffentlichen Beschaffung) beschränken, und uns außerdem stark in unserer Kernaufgabe behindern, Menschen in Fragen der Daseinsvorsorge zu unterstützen: Wohnen, Gesundheit, Umwelt, soziale Dienste, Bildung, lokale wirtschaftliche Entwicklung oder Ernährungssicherheit. Darüber hinaus sind wir über die Tatsache beunruhigt, dass diese Abkommen demokratische Prinzipien gefährden, indem sie den politischen Rahmen wesentlich reduzieren und die öffentliche Entscheidungsfreiheit einschränken. Die Durchsetzung einer ganzen Reihe von Maßnahmen wird tiefgreifende Auswirkungen auf die kommunale Selbstverwaltung haben. Das betrifft insbesondere Instrumente wie das Investor-Staat Streitschlichtungsverfahren (ISDS) oder das Internationale Gerichtssystem (ICS), die Regulatorische Kooperation in TTIP, sowie Änderungen bei der Regelung öffentlicher Dienstleistungen und des öffentlichen Beschaffungswesens. Wir erkennen die Bedeutung des Handels von Waren und Dienstleistungen für das Wohl der Bevölkerung an, aber wir betonen, dass Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftswachstum nicht die einzigen Kriterien bei der Verhandlung von Freihandelsabkommen wie TTIP, CETA und anderen (wie TISA) sein dürfen. Wir glauben, dass internationaler Handel auf Kriterien basieren muss, die nicht bloß auf die Ausweitung von Freihandel beschränkt sind. Wir müssen einen Handel verteidigen, der fair und nachhaltig ist, und der ArbeitnehmerInnenrechte wahrt. Wir halten es für unsere Pflicht als gewählte VertreterInnen, lokale Gemeinschaften und demokratische Institutionen als Räume für Debatten und Entscheidungsfindungen zu erhalten, die öffentliche Verwaltung zum Wohle unserer Bürgerinnen und Bürger zu stärken, die Umwelt zu schützen, sowie kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und die lokale Wirtschaft zu unterstützen. Wir fordern, dass die derzeitigen Verhandlungen über TTIP und TiSA so lange ausgesetzt werden, bis den Anliegen von lokalen und regionalen Gebietskörperschaften bei der Ratifizierung eines jeden dieser Verträge in vollem Umfang Rechnung getragen wird. Wir beglückwünschen die sozialen Bewegungen, die diese europäische Debatte ermöglicht haben, drücken unsere Anerkennung für ihren Beitrag aus und laden sie ein, ihre Arbeit fortzusetzen. Vor diesem Hintergrund fordern wir, dass die derzeitigen Verhandlungen über TTIP und TISA ausgesetzt werden und ein neues Mandat unter Berücksichtigung der Forderungen derjenigen, die bisher nicht befragt worden sind, ausgehandelt wird. Des Weiteren fordern wir das Europäische Parlament, den Europäischer Rat und die nationalen Regierungen auf, CETA nicht zu ratifizieren. Diese Erklärung ist von allen anwesenden Städten verabschiedet worden und kann zukünftig von allen Kommunen und Landkreisen unterzeichnet werden, die sie unterstützen. Sie wird den Verantwortlichen in der Europäischen Union, den nationalen Regierungen und zuständigen Institutionen und Organisationen übergeben. Barcelona, den 21. April 2016
SV-2016/0065
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Vorlage-Nr. SV-2016/0065 Antrag der Fraktionen UFFBASSE und Die Linke. vom 25. November 2016 betr. TTIP, CETA, TISA Darmstadt, den 25. November 2016 Antrag UFFBASSE und DIE LINKE – TTIP , CETA, TiSA Im Namen und als Mitglieder des Bündnisses Stopp TTIP & Co. beantragen wir, die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen, 1. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt schließt sich der von 2110 europäischen Kommunen unterzeichneten "Erklärung von Barcelona" der Initiative "TTIP free Zones" an. 2. Der Magistrat wird aufgefordert, im Namen der Wissenschaftsstadt Darmstadt a) sich beim Hessischen Städtetag und dem Deutschen Städtetag sowie bei der Hessischen Landesregierung, der Bundesregierung und bei den Hessischen EU-Abgeordneten gegen die anstehende Ratifizierung des europäisch-kanadischen Handelsabkommens CETA seitens des EU Parlaments und der Bundesregierung Deutschland zu positionieren, b) sich beim Hessischen Städtetag und dem Deutschen Städtetag sowie bei der Hessischen Landesregierung, der Bundesregierung und der EU-Kommission gegen das geplante Transatlantische Freihandelsabkommen mit den USA (TTIP) sowie das Abkommens über den Handel mit Dienstleistungen zwischen der EU und weiteren 23 Staaten (TiSA) schriftlich zu positionieren, c) den Beschluss in Punkt 1 zur Unterzeichung der "Erklärung von Barcelona" durch die Wissenschaftsstadt Darmstadt umzusetzen. Begründung Die Stadtverordneten der Wissenschaftsstadt Darmstadt befürchten, dass Freihandelsabkommen wie TTIP , CETA und TiSA in ihre legislativen Handlungsspielräume eingreifen und die Möglichkeiten, öffentliche Mittel einzusetzen, einschränken. Demokratische Beschlüsse von Stadtparlamenten wie Mietpreisbremsen, Subventionen für gemeinnützige Einrichtungen oder ökologische Auflagen können nach Abschluss der Verträge Gegenstand von Investitionsschutzklagen mit hohen Schadensersatzforderungen werden, sei es über ein Investor-Staat Streitschlichtungsverfahren (ISDS) oder ein Internationales Handelsgericht (ICS). Aufträge zur Beschaffung von Waren, Dienst- und Bauleistungen müssten bei niedrigen Schwellenwerten 2 transatlantisch ausgeschrieben und an den billigsten Anbieter vergeben werden. Ökologische Vergabekriterien wären nur noch eingeschränkt möglich. Regionale oder soziale Kriterien (Tariftreue, Verwendung lokaler Produkte, Bevorzugung lokaler KMU) würden unzulässig oder angreifbar. Davon wären insbesondere kleinere regionale Unternehmen und Träger sozialer Dienste betroffen. Handlungsprinzipien der "Darmstädter Stadtwirtschaftsstrategie 2010" wie ökologische Nachhaltigkeit, Tariftreue und eine regional ausgerichtete Wirtschaftpolitik wären erheblich erschwert. Zudem unterliegen gemäß dem ausverhandelten CETA-Vertrag Leistungen der Daseinsvorsorge, die nicht ausschließlich in öffentlicher Hand liegen oder Wettbewerbsanteile aufweisen ̶ wie etwa soziale Dienste der freien Träger der Wohlfahrtspflege oder Angebote der VHS ̶ einer transatlantischen Marktöffnungspflicht gegenüber kommerziellen Anbietern, die weder gemeinnützig noch an inländische soziale oder ökologische Standards gebunden sind. Dadurch wird die Privatisierung öffentlicher Leistungen forciert. Aufgrund von Stillstands- und Ratchet-Klauseln könnten Privatisierungen nie mehr rückgängig gemacht werden. Rekommunalisierungen wie der Rückkauf des HSE-Aktienanteils wären dann nicht mehr möglich. Auch Zuschüsse für nicht gewinnorientierte Anbieter öffentlicher Leistungen würden juristisch angreifbar und könnten als „indirekte Enteignung“ oder als Erschweren des Marktzutritts von kommerziellen Anbietern der Kultur-, Bildungs- und Gesundheitswirtschaft Gegenstand von Klagen werden. Insgesamt sind die Stadtverordneten in Sorge, dass diese Abkommen demokratische Prinzipien gefährden, indem sie die Gestaltungsfreiheit gewählter Parlamente einschränken. Zur weiteren Begründung siehe "Erklärung von Barcelona" vom 21.04.2016 im Anhang. Dieser Erklärung haben sich bisher 2110 europäische Kommunen angeschlossen, darunter Städte wie Madrid, Amsterdam, Rom, Oxford, Zürich, Metz und Köln (vgl. www.ttip-free-zones.eu/). Fraktion DIE LINKE Karl-Heinz Böck, Martina Hübscher-Paul, Werner Krone, Kris Hartmann, Katharina Grabietz Fraktion UFFBASSE Kertin Lau, Marc Arnold, Jürgen Barth, Georg Hang, Florence Tafesse
Beratungsverlauf (1)
Details
- Vorlagen-Nr.
- SV-2016/0065
- Typ
- Antrag
- Datum
- 25.11.2016
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00