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A-R/0028/2022

Gesundheit für Alle – der Gesundheitskiosk und die Gesundheitsleeze für Münster

Antrag an den Rat 10.05.2022

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Nächste Beratung: Rat, Sitzung am 18.05.2022, TOP 38.9

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Antrag an den Rat Nr.: A-R/0028/2022 
 
 
 
 
 
 
 
Münster, 05.05.2022 
 
 
 
Antrag an den Rat 
 
Gesundheit für Alle – der Gesundheitskiosk und die Gesundheitsleeze 
für Münster 
 
Der Rat der Stadt Münster möge beschließen: 
 
1.) Die Verwaltung wird beauftragt, die Einrichtung eines Gesundheitskioskes in 
Verbindung mit einer Gesundheitsleeze zu prüfen.  
 
2.) In enger Abstimmung mit den Kliniken in Münster, den Ärztenetzwerken und 
unter Einbeziehung weiterer Akteure aus dem Gesundheits- und dem sozialen 
Bereich sowie den in Münster ansässigen Krankenkassen und der 
Kassenärztlichen Vereinigung (KV) soll ein entsprechender Konzeptentwurf 
entwickelt und die entstehenden Kosten dargestellt werden.  
 
3.) Zur Finanzierung soll die Einbeziehung der Kassen und Träger gesundheitlicher 
Einrichtungen angestrebt werden. 
 
4.) Die Verwaltung berichtet im 4. Quartal 2022 über den Stand der Planungen. 
 
Begründung: 
Warum ein Gesundheitskiosk notwendig ist: 
Es ist oft nicht einfach, als Lai*in einen ärztlichen Befundbericht korrekt zu verstehen. 
Dies stellt allzu oft viele Menschen vor Probleme, den Therapieplan zu befolgen, wenn 
sie diesen nicht in vollem Umfang verstehen. Menschen, insbesondere die, die aufgrund 
ihrer Migrationsgeschichte und -biografie kein bzw. nur wenig Deutsch verstehen oder 
sprechen, haben hierdurch einen erschwerten Zugang zu unserem Gesundheitssystem.  
Auch für Menschen, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, stellt sich 
dieses Problem, unabhängig vom Bildungsgrad. Folge ist nicht selten, dass der von 
Ärzt*in und Patient*in gewünschte Behandlungserfolg ausbleibt und die Patient*innen 
erneut bei den Ärzt*innen vorstellig werden. Hierdurch werden die ohnehin schon stark

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überlasteten Sprechstunden – insbesondere der Hausärzt*innen – häufiger besucht, als 
dies eigentlich notwendig ist. Auch die Notaufnahmen der Krankenhäuser in Münster 
werden oft als Anlaufstelle genutzt, obwohl kein medizinischer Notfall vorliegt. 
 
Aufgaben eines Gesundheitskiosks: 
Der Gesundheitskiosk stellt eine niedrigschwellige und unterstützende Gesundheits-
institution dar, die die Menschen vor Ort in der jeweiligen Muttersprache bei 
Gesundheits- und Versorgungsfragen berät und schult. Der Gesundheitskiosk bildet 
somit eine wichtige organisatorische Schnittstelle zwischen der medizinischen 
Versorgung und dem Sozialraum. Der Begriff Kiosk eignet sich dabei besonders, um das 
Konzept für viele Sprachen verständlich auf den Punkt zu bringen. So ist ein Kiosk ist im 
deutschen, englischen, französischen, türkischen sowie persischen Sprachraum als 
Anlaufpunkt für informative Angebote und Dienstleistungen bekannt. Um die 
Mehrsprachlichkeit als Stärke des Gesundheitskioskes zu gewährleisten, wird bei den 
Einstellungsverfahren besonderes Gewicht auf fremdsprachliche sowie kulturelle 
Kompetenzen zu legen sein. Daneben sollten die Gesundheitsberater*innen durch eine 
Berufsausbildung bzw. Berufserfahrung in medizinischen bzw. pflegenden Berufen die 
fachliche Kompetenz mitbringen. 
Im Gesundheitskiosk helfen Gesundheitsberater*innen den Kund*innen – nach 
Möglichkeit in deren Muttersprache - bei der Vor- und Nachbereitung der Arztbesuche, 
indem Befunde und Therapien besprochen und erklärt werden. Erfolgt eine Überweisung 
an Fachärzt*innen, helfen die Gesundheitsberater*innen bei der Suche. Bei speziellen 
Fragen zu Medikamenten kann an umliegende Apotheken verwiesen werden. 
Allgemeine Kurse zu gesunder Ernährung oder zur Rauchentwöhnung können direkt im 
Kiosk veranstaltet werden, oder es erfolgt eine Vermittlung in Angebote z.B. der 
Volkshochschule oder freier Träger, die in diesem Gebiet tätig sind. 
 
Barrierefrei und niedrigschwellig: 
Der Gesundheitskiosk soll von Anfang an auch inklusiv ausgereichtet sein. Deshalb 
muss die Immobilie, in welcher der Gesundheitskiosk eingerichtet wird, barrierefrei 
zugänglich sein. Wichtig für das Konzept ist ein niedrigschwelliger Zugang.  
Ergänzend zu den medizinischen und gesundheitlichen Angeboten in zentraler Lage und 
den Stadtbezirken sollen die Ortsteile durch das mobile aufsuchende Angebot der 
“Gesundheitsleeze” angebunden werden. Hierzu sollte bspw. mit einem 
Fahrradanhänger auf das Angebot des Gesundheitskiosk u.a. auf den lokalen 
Wochenmärkten in den Stadtteilen aufmerksam gemacht werden. Kleinere Anfragen 
können direkt vor Ort geklärt werden. Bei aufwändigeren Fragen wird ein Termin im 
Gesundheitskiosk vereinbart. 
Dieses zusätzliche Angebot soll verstärkt, aber nicht ausschließlich, in den Stadtteilen 
angeboten werden, in denen viele Menschen mit Migrationsgeschichte wohnen. Eine 
Einbindung in das Projekt der “Sozialen Stadt” wie auch bei anderen Stadtteil- und 
Quartiersprojekten wäre zu begrüßen. 
 
Finanzierung und Kooperationen:

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Zur Finanzierung soll das Gespräch mit den in Münster ansässigen Krankenkassen, 
Kliniken sowie Ärztenetzwerke, Arztpraxen gesucht, sowie weitere Fördermöglichkeiten 
genutzt werden. Insbesondere die Techniker Krankenkasse bietet sich als 
Gesprächspartnerin an, da sie mit der Einführung der e-Gesundheitskarte in Münster die 
Versorgung der meisten Geflüchteten übernommen hat. Durch den Gesundheitskiosk 
werden die Arztpraxen und die Notaufnahmen der Kliniken sowie mittelbar die 
Krankenkassen durch die Reduzierung unnötiger Arztbesuche entlastet.  
Zudem verbessern der Gesundheitskiosk und die Gesundheitsleeze den 
Gesundheitszustand der Kund*innen, sodass die Krankenkassen auch bei zukünftigen 
Aufwendungen Einsparungen erzielen. Langfristig wird eine vollständige 
Gegenfinanzierung durch das sog. “shared savings”-Modell angestrebt. Zudem gilt es 
den Gesundheitskiosks in ein umfangreiches Netzwerk von Einrichtungen und Akteuren 
des örtlichen Gesundheitswesens einzubinden. 
 
Vorbild und weitere Entwicklungen: 
Das Konzept des Gesundheitskiosks wird seit 2020 in dem Hamburger Bezirk 
Billstedt/Horn erprobt. Hier ist der erste Gesundheitskiosk Deutschlands an den Start 
gegangen. In weniger als einem Jahr wurden bereits mehr als 3.000 45-minütige 
Beratungstermine durchgeführt. Beratungen werden in fünf Fremdsprachen sowie auf 
Deutsch durchgeführt. Zuvor wurde bereits ein patientenorientiertes und 
sektorenübergreifendes Gesundheitsnetzwerk aufgebaut. Mit dem Projekt INVEST, das 
durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses gefördert wurde, 
startete 2017 in den Hamburger Stadtteilen Billstedt und Horn der Aufbau eines 
regionalen, integrierten Gesundheitsnetzwerks, das den Fokus auf Prävention, 
Gesundheitsförderung und -erhaltung richtet. Einen Schwerpunkt bildet dabei der 
Gesundheitskiosk. Die Wirksamkeit dieses niedrigschwelligen Angebotes wurde zudem 
wissenschaftlich bestätigt.  
Nach diesem Hamburger Vorbild wurde nun kürzlich auch im Essener Norden ein 
Gesundheitskiosk eröffnet. In weiteren Städten ist die Einrichtung eines 
Gesundheitskiosk angedacht oder in Planung. 
In Münster hat die Ratskoalition aus GRÜNEN, SPD und VOLT vereinbart, 
„zielgruppenspezifische und aufsuchende Hilfen auszubauen. Hierzu gehören auch das 
Projekt „Gesundheitskiosk“ sowie Gesundheits- und Pflegenetzwerke in den Stadtteilen“. 
 
 
gez.    gez.    gez. 
Sylvia Rietenberg   Marius Herwig  Helene Goldbeck 
Harald Wölter   Maria Winkel   Tim Pasch 
und Fraktion   und Fraktion

Beratungsverlauf (1)

18.05.2022 Rat
TOP 38.9 Antrag Entscheidung

Beschluss: verwiesen

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Details

Aktenzeichen
A-R/0028/2022
Typ
Antrag an den Rat
Datum
10.05.2022
Erstellt
10.05.2022 16:17