1732/2017
Räumliche Erweiterung des NS-Dokumentationszentrums durch Anmietung des dritten und vierten Obergeschosses im EL-DE-Haus zur Einrichtung eines "Hauses für Erinnern und Demokratie“
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Beschlussvorlage Rat
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle VII/4520 Vorlagen-Nummer 1732/2017 Freigabedatum 21.06.2017 Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung Betreff Räumliche Erweiterung des NS-Dokumentationszentrums durch Anmietung des dritten und vierten Obergeschosses im EL-DE-Haus zur Einrichtung eines "Hauses für Erinnern und Demokratie„ Beschlussorgan Rat Gremium Datum Beschlussvorschlag: Der Rat stimmt der räumlichen Erweiterung des NS-Dokumentationszentrums um das dritte und vier- te Obergeschoss des EL-DE-Hauses mit zusätzlichen Mietkosten in Höhe von 240.000 EUR p. a. ab dem Haushaltsjahr 2019 zu. Dadurch werden mit dem Konzept eines „Hauses für Erinnern und De- mokratie“ ein modernes Angebot zur Demokratieförderung entwickelt und die pädagogische Arbeit sowie die Bildungsangebote des NS-Dokumentationszentrums ausgebaut. Darüber hinaus beauftragt der Rat die Verwaltung mit der Herrichtung der Räumlichkeiten und be- schließt hierfür eine einmalige Mittelbereitstellung für 2019 in Höhe von 450.000 EUR im Teilplan 0410 – NS-Dokumentationszentrum. Die Mittel wurden bei der Haushaltsplananmeldung 2018 für das Jahr 2019 berücksichtigt. Alternative: Der Rat lehnt die Anmietung ab. Ausschuss Kunst und Kultur 27.06.2017 Finanzausschuss 10.07.2017 Rat 11.07.2017 2 Haushaltsmäßige Auswirkungen Nein Ja, investiv Investitionsauszahlungen 50.000 € Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja % Ja, ergebniswirksam Aufwendungen für die Maßnahme 400.000 € Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja % Jährliche Folgeaufwendungen (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr: a) Personalaufwendungen € b) Sachaufwendungen etc. 240.000 € c) bilanzielle Abschreibungen € Jährliche Folgeerträge (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr: a) Erträge € b) Erträge aus der Auflösung Sonderposten € Einsparungen: ab Haushaltsjahr: a) Personalaufwendungen € b) Sachaufwendungen etc. € Beginn, Dauer Begründung 1. Das NS-DOK als alleiniger Nutzer des EL-DE-Hauses als Schlussstein einer geschichtlichen Entwicklung Das NS-Dokumentationszentrum hat in den letzten Jahren eine weit über die Grenzen Kölns hinaus anerkannte positive Entwicklung nehmen können. Stark gestiegene Besucherzahlen und die hohe Zahl von über 2.200 geführten Gruppen haben jedoch erhebliche räumliche Engpässe zur Folge. Um die pädagogische Arbeit und die Bildungsangebote zu stärken und das Konzept eines „Hauses für Erinnern und Demokratie“ umzusetzen, benötigt das NS-Dokumentationszentrum die beiden oberen Etagen im EL-DE-Haus, die derzeit noch vom Rechtsamt und dem Örtlichen Personalrat für das De- zernat Kunst und Kultur genutzt werden. Dass das ehemalige Gestapogebäude dem NS-DOK voll- ständig für seine Zwecke zur Verfügung gestellt wird, kann als ein logischer Endpunkt und als ein Schlussstein einer langen Geschichte des EL-DE-Hauses nach dem Ende Gestapozeit angesehen werden. In das ehemalige Gestapohaus zogen nach dem Krieg städtische Dienststellen ein. Ausge- rechnet dort, wo die Gestapo ihre Opfer verhört und malträtiert hatte, wurden Jahre lang das Stan- desamt und die Rentenstelle untergebracht. Bereits in den letzten Jahren hat das NS- Dokumentationszentrum sich im EL-DE-Haus vergrößern können, nunmehr soll es zukünftig das EL- DE-Haus komplett nutzen. Das 1934/35 errichtete Gebäude erhielt nach den Initialen seines Bau- herrn Leopold Dahmen den Namen EL-DE-Haus und befindet sich nach wie vor im Privatbesitz der Familie Dahmen. 2. „Haus für Erinnern und Demokratie“ Durch die Anmietung des dritten und vierten Obergeschosses möchte das NS- Dokumentationszentrum vor allem ein modernes Angebot zur Demokratieförderung entwickeln und seine Bildungsarbeit verstärken. Inhaltlich ist die Idee eines „Hauses für Erinnern und Demokratie“ eine Weiterentwicklung der bisherigen Arbeit des NS-Dokumentationszentrums, die sich nie alleine 3 mit der Erinnerung und der Geschichte beschäftigt hat, sondern auch stets über Gefährdungen der heutigen Demokratie durch aktuelle rechtsextremistische Gruppierungen aufklären wollte. Denn, wer die Zeit des Nationalsozialismus erforscht und vermittelt, setzt sich auch zum Ziel, alles zu tun, dass eine solche Diktatur nie wieder zur Macht gelangen kann. In Zeiten wie diesen, in denen Demokratie gefährdeter erscheint, als es sich viele bis vor kurzem vorstellen konnten, ist eine Initiative zur Förde- rung der Demokratie ein wichtiger und notwendiger Beitrag. Das Erinnern an die NS-Zeit verstärkt mit der Förderung unserer Demokratie zu verzahnen, stellt eine wesentliche Weiterentwicklung der er- folgreichen Arbeit des NS-DOK dar. Die einzelnen Teile des Konzeptes sind: 2.1 Erlebniswelt Demokratie: Tristan da Cunha – Abenteuer Demokratie auf einer Insel Ein wesentlicher Teil des „Hauses für Erinnern und Demokratie“ wird das Erlebnismuseum sein, in dem eine Erlebniswelt Demokratie geschaffen werden soll. Das Erlebnismuseum unterscheidet sich von dem emotional berührenden Gedenkort Gestapogefängnis und der dokumentarisch-informativen Dauerausstellung, knüpft eher an das Geschichtslabor im Pädagogischen Zentrum des Hauses an. Das Erlebnismuseum eröffnet einen eigenen, auf Erlebnis und Erfahrung, nicht primär auf Kognition ausgerichteten Zugang zum Themenfeld Demokratie. Unter weitgehender Beibehaltung der bisheri- gen Raumstruktur soll auf der dritten Etage eine handlungsorientierte Rauminstallation geschaffen werden. Es ist ein Angebot, das sich in erster Linie an Jugend-Gruppen richtet. Die Teilnehmenden werden aktiv in die Aushandlung demokratischer Prozesse und die Konstruktion demokratischer Strukturen einbezogen. Sie sollen nicht nur aktiv demokratische Strukturen (mit)konstruieren, sondern sich zudem selbstreflexiv mit der Gesellschaftsorganisation auseinander- setzen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist ein erlebnis- und erfahrungsorientierter Handlungsraum vor- gesehen, der Elemente der „Escape-Room-Idee“ aufnimmt. Auf einer weit abgelegenen Insel werden die Teilnehmenden als letzte Überlebende einer globalen Katastrophe eine neue Gesellschaft be- gründen und vor typische Probleme und Herausforderungen im Aushandeln gesellschaftlicher Syste- me geraten. Dabei wird es um grundsätzliche Themen wie „Arbeit“, „Wohnen“, „Ernährung“, „Kultur“ und „Sicherheit“ gehen. Die Teilnehmenden konstruieren auf der Grundlage einer Ausgangsgeschich- te auf dieser Insel ihre eigenen Gesellschaftsverträge und werden schließlich über diese auch in ei- nem demokratischen Abstimmungsprozess entscheiden. Eine solche Insel existiert auch real. Sie heißt Tristan da Cunha, die entlegenste bewohnte Insel mitten im Atlantischen Ozean. Deswegen wird das neue Erlebnismuseum auch den Namen tragen: Tristan da Cunha – Abenteuer Demokratie auf einer Insel. Somit bietet dieses erlebnis- und erfahrungsorientierte Konzept einen vielschichtigen Zugang zum Thema Demokratie und regt die Auseinandersetzung mit grundsätzlichen Fragen des Zusammenle- bens in unserer Gesellschaft an. Diese Vermittlungspraxis berücksichtigt als ein zeitgemäßes Ange- bot die Freizeit-, Konsum- und Rezeptionsgewohnheiten der Teilnehmenden als auch aktuelle lern- und erlebnistheoretische Erkenntnisse. In einer ästhetisch ansprechenden Rauminszenierung erfolgt mithilfe von Handlungs-, Unterhaltungs- und Bildungselementen eine direkte Ansprache der Teilneh- menden mit allen Sinnen. Das kritische Auseinandersetzen mit unserer eigenen Gegenwart im An- schluss an das Spiel ist ebenso Teil des Gesamtkonzepts, sodass die Erfahrungen der fernen Insel auch für unser reales Zusammenleben reflektiert werden. 2.2 Stärkung der pädagogischen Arbeit „Erzählcafés“ zur Nachbesprechung von Gruppen: Mit über 80.000 Besucherinnen und Besuchern sowie über 2.200 geführten Gruppen im Jahr ist das NS-DOK schon längst an seine Kapazitätsgrenze gestoßen. Immer wieder müssen Gruppen wegen Überfüllung abgewiesen werden. Die meisten Führungen sind mit 60 Minuten zeitlich sehr knapp bemessen. Es ist bedauerlicherweise eine Art Drehtür-Effekt entstanden, d. h. eine Gruppe verlässt relativ kurz nach dem Eintreten das Haus bereits wieder, ohne sich austauschen zu kön- nen. Dringend notwendig und von Lehrkräften sehr erwünscht sind daher Räume, in denen sich 4 Gruppen nach einer Führung zurückziehen und das Gesehene reflektieren und vertiefen können. Daher sind drei Gruppenräume vorgesehen, die vor allem der Nachbesprechung und Vertiefung von Inhalten im Anschluss an Führungen durch die Ausstellung und Gedenkstätte dienen sollen. Diese Gruppenräume werden zu „Erzählcafés“ gestaltet und unterschiedliche Angebote bieten. In kleinen Tischgruppen werden z.B. einzelne weiterführende Themen besprochen und später auf einer kleinen Bühne präsentiert. Somit entstehen locker arrangierte Arbeitsbereiche, ohne dabei eine Klassenraumsituation herzustellen. Arbeitsmaterialien in diesem Café werden dementspre- chend auf die Inszenierung bezogen angepasst werden – so dienen Papiertischdecken als Schreibunterlagen und vertiefende Informationen können über die „Speisekarten“ dieses Cafés bezogen werden. Als eine weitere Möglichkeit wird eine neue museumspädagogische App als Er- gebnissicherung im Anschluss an Führungen eingesetzt. „Kindersprechstunde“: Familienführungen und Angebote für Kinder werden in der pädagogischen Arbeit des NS- Dokumentationszentrums seit langem sehr erfolgreich eingesetzt und stoßen auf ein reges Inte- resse. Daher sollen zwei Räume hergerichtet werden, die für die „Kindersprechstunde“ genutzt werden. In einer Werkstatt mit einem großen Pool von Materialien und Medien können die Fragen der Kinder beantwortet werden. Das Angebot richtet sich an Schülerinnen und Schüler im Klas- senverband (bis Klasse 6) und ist für auch für Familienführungen geeignet. 2.3 Stärkung der Info- und Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus: Die Info- und Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus hat seit ihrer Gründung im Jahr 2008 eine sehr erfolgreiche Arbeit geleistet und gilt weit über die Grenzen Kölns als ein wichtiger Ansprechpart- ner zum Thema Rechtsextremismus sowie zur Förderung eines Bewusstseins für eine lebendige Demokratie. Die ibs ist in den letzten Jahren durch die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus und das Projekt „Qualifizierung und Begleitung“ auch personell stark gewachsen und benötigt daher neue, zusätzliche Räumlichkeiten. Auch den zivilgesellschaftlichen Akteuren in dem Netzwerk gegen Rechtsextremismus werden im „Haus für Erinnern und Demokratie“ Tagungsräumlichkeiten und Räume für die Durchführung von Projekten geboten. 2.3 Stärkung der Bildungsangebote: Das NS-DOK benötigt Räumlichkeiten für große Bildungsangebote. Der bisherige Versammlungs- raum im Pädagogischen Zentrum fasst lediglich rund 90 Personen. Auf der dritten Etage soll ein gro- ßer Veranstaltungsraum für 200 bis 300 Personen geschaffen werden. Auf der vierten Etage entste- hen weitere Gruppen- und Workshopräume. 2.4 Erweiterung von Bibliothek und Dokumentation: Dank der Erweiterung erhalten die Bibliothek und die Dokumentation für ihre Bestände bzw. Samm- lungen weiteren Platz. 3. Finanzierung: Für die zusätzlichen Mietaufwendungen stehen ab dem Haushaltsjahr 2019 im Teilplan 0410 – NS- Dokumentationszentrum – in der Teilplanzeile 16 (sonstige ordentliche Aufwendungen) Mittel in Höhe von 240.000 EUR zur Verfügung. Die Mittel in Höhe von 450.000 EUR für die notwendigen Umbauten werden nach investiven und kon- sumtiven Sachverhalten aufgeteilt. Hierfür stehen im Haushaltsjahr 2019 einmalig 400.000 EUR im Haushaltsjahr 2019 beim Teilergebnisplan 0410 – NS-Dokumentationszentrum – in der Teilplanzeile 13 (Aufwendungen für Sach- und Dienstleistungen) sowie 50.000 EUR im Teilfinanzplan 0410 – NS- Dokumentationszentrum – in der Teilplanzeile 9 – Auszahlungen für den Erwerb von beweglichem Anlagevermögen – zur Verfügung. 5 Die Mittel wurden bei der Haushaltsplananmeldung 2018 für das Jahr 2019 berücksichtigt. 4. Raumplanung (siehe Anlage) 5. Zeitplan Juli 2017 bis Ende 2018: Suche nach neuen Räumlichkeiten für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Rechtsamts und des Örtlichen Personalrats für das Dezernat Kunst und Kultur und Umzug in die neuen Räumlichkeiten. Januar bis November 2019: Vollständige Durchführung der Umbaumaßnahmen. Begründung der Dringlichkeit: Der verwaltungsinterne Abstimmungsprozess konnte nicht früher abgeschlossen werden. Dennoch wird wegen der besonderen Dringlichkeit auf Aufnahme in die Tagesordnung der Sitzung des Aus- schusses für Kunst und Kultur gebeten, weil der Zeitplan nur eingehalten werden kann, wenn mög- lichst bald mit der Suche nach neuen Räumlichkeiten für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Rechtsamts und des Örtlichen Personalrats für das Dezernat Kunst und Kultur begonnen werden kann. Anlagen
Haus-für-Erinnern+Demokratie_3.Etage (2)
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Tristan da Cunha – Abenteuer Demokratie auf einer Insel (Erlebnismuseum) Erweiterung des NS-Dokumentationszentrums im EL-DE-Haus zum »Haus für Erinnern und Demokratie« 3. Etage ERINNERN DEMOKRATIE HAUS FÜR und ERINNERN und ERINNERN DEMOKRATIE und DEMOKRATIE
Haus-für-Erinnern+Demokratie_4.Etage
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ERINNERN DEMOKRATIE HAUS FÜR und ERINNERN und ERINNERN DEMOKRATIE und DEMOKRATIE ibs Info- und Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus Magazin Bibliothek / Dokumentation Projektbüros für Initiativen Pädagogisches Zentrum II Kindersprechstunde Erweiterung des NS-Dokumentationszentrums im EL-DE-Haus zum »Haus für Erinnern und Demokratie« 4. Etage Workshops Erzählcafé Nachbesprechung für Gruppen Erzählcafé Nachbesprechung für Gruppen Erzählcafé Nachbesprechung für Gruppen
Beratungsverlauf (3)
Beschluss: ohne Votum in nachfolgende Gremien
Zur SitzungBeschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 1732/2017
- Typ
- Beschlussvorlage Rat bzw. Hauptausschuss
- Datum
- 21.06.2017
- Erstellt
- 03.08.2017 00:27