2024/0038
Waldzustandsbericht 2023 für den Stadtwald Darmstadt (WZB 2023)
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2024/0038
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Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
07.02.2024
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat III an die Stadtverordne tenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Amt: Grünflächenamt
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2024/0038
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.: 555010
Kostenstelle: 067-030-1100 Investitionsnummer:
Kostenträger: 5550-11 Sachkonto: diverse Sachkonten
Betreff: Waldzustandsbericht 2023 für den Stadtwald Darmstadt (WZB 2023)
Vorlage vom: 25.01.2024
Beschlussvorschlag :
Der Waldzustandsbericht 2023 wird zur Kenntnis genommen.
Anlagen: Waldzustandsbericht 2023
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
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Zusätzlich für alle Vorlagen aus dem Bereich des Hochbaus anzugeben:
Klimarelevanz des Vorhabens:
Auswirkungen auf Stadtklima: ja nein
Auswirkungen auf THG -Emissionen: gering1) mittel/groß 2)
Beteiligung Amt f. Klimaschutz & Klimaanpassung: ja nein
Zusätzlich bei Beschlüssen zur Baufreigabe:
Wurden Optimierungspotentiale ausgeschöpft? ja nein
Falls nein, Kompensationsmaßnahmen festgelegt? ja nein
1) bis 10 Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente (CO2e) pro Jahr, 2) über 10 Tonnen CO2e pro Jahr.
Beschluss des Magistrats vom
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Begründung zur Magistratsvorlage vom 25.01.2024
Hitze und Trockenheit, hervorgerufen durch die Folgen de r Klimakrise setzen unserem
Stadtwald deutlich zu. Als Teilergebnis des Runden Tisches Wald, dessen Einrichtung durch
Magistrat und Stadtverordnetenversammlung im Sommer 2019 beschlossen wurde und
dessen Abschlussbericht der Magistrat (13.01.2021) und die Stadtverordn etenversammlung
am 27.05.2021 zugestimmt haben, soll für den Stadtwald Darmstadt jährlich ein
Waldzustandsbericht erstellt werden. Darin soll der Waldzustand erfasst und dauerhaft
dokumentiert werden. Diese Erhebung des Waldzustands gehört zur grundlegende n Analyse
des Zustands unseres West - und Ostwaldes und liefert differenzierte, kleinräumige
Erkenntnisse, welche im weiteren Prozess ermöglichen sollen, die richtigen Maßnahmen zum
Schutz des Ökosystems Wald ableiten zu können.
In Anlehnung an die landes weite Waldzustandserhebung und in Zusammenarbeit mit der
Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen wurde vor einigen Jahren ein
Stichprobendesign für den Waldzustandsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt
erarbeitet. Zwischen dem 24. Jul i und dem 18. August 2023 wurde schon zum vierten Mal
eine dezidierte, engmaschige Erhebung des Waldzustands im Stadtwald Darmstadt
durchgeführt. Das dichte Aufnahmeraster (250 m x 250 m) garantiert eine hohe Auflösung
der Ergebnisse und berücksichtigt etw a die standörtlich unterschiedlichen Gebiete des West -
und Ostwaldes. Der Waldzustandsbericht 2023 für den Stadtwald Darmstadt ist in der
Anlage beigefügt.
Die Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2023 belegen den schlechten Zustand des
Darmstädter Stadtwa ldes. Zwar ging die mittlere Kronenverlichtung der Bäume im Vergleich
zum außergewöhnlich heißen und trockenen Jahr 2022 leicht zurück, jedoch bleibt der
Schädigungsgrad auch dieses Jahr auf einem sehr hohen Niveau. Während im Westwald erste
Verjüngungspro zesse sowie an einzelnen Bäumen eine Stagnation hoher Kronenschäden zu
beobachten sind, zeigt sich im Ostwald auch dieses Jahr eine Zunahme der Waldschäden,
wenngleich das Schadensausmaß hier im Vergleich zum stark geschädigten Westwald
deutlich geringer i st. Allein der sehr hohe Anteil an stehendem Totholz ist im Westwald mit
knapp 10 % weiterhin außergewöhnlich hoch.
Im Vergleich zur Landeserhebung der hessischen Wälder zeigen die Ergebnisse der
Waldzustandserhebung im Stadtwald Darmstadt einen erhöhten Schädigungsgrad. Während
der landesweite Durchschnitt des Nadel -/Blattverlusts im hessischen Waldzustandsbericht
2023 mit 29 % angegeben wird, liegt das Verlustprozent im Stadtwald um mehr als 10
Prozentpunkte darüber (41,2 %). Gleichfalls sind der Anteil stärkerer Kronenschäden sowie
die Mortalitätsrate im Darmstädter Stadtwald erheblich höher. Verglichen mit der
Sondererhebung in der Rhein -Main-Ebene nähern sich die Kennzahlen des Waldzustandes an,
so dass sich nur geringe Unterschiede zum Schädigungsgrad des Darmstädter Stadtwaldes
ergeben. Im Westwald hingegen sind die Baumschäden so groß, dass im Vergleich zur Rhein -
Main-Ebene, mit Ausnahme der Mortalitätsrate, alle Kennzahlen des Waldzustandes
übertroffen werden.
Die Witterung hat einen großen Einflus s auf den Zustand der Wälder. Starker Wind und
Orkanböen, Spätfrost sowie langanhaltende sommerliche Trocken - und Hitzephasen machen
sich häufig unmittelbar im Zustand der Bäume bemerkbar. In jüngerer Vergangenheit führten
insbesondere die überwiegend sehr heißen und trockenen Jahre 2018, 2019, 2020 und 2022
zu einer erheblichen Belastung der Wälder mit starken Kronenschäden und einer hohen
Mortalität. Das Jahr 2023 begann ausgesprochen mild. Sowohl im Januar als auch Februar
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lag die Lufttemperatur deutlich über dem langjährigen Mittel. Dabei war es im Februar
deutlich zu trocken. Die Monate März und April waren dagegen wiederum sehr
niederschlagsreich bei durchschnittlichen bzw. leicht unterdurchschnittlichen Temperaturen.
Ab Mai bis etwa Mitte Juli setzte sich eine sehr trockene und weitgehend warme Witterung
durch. Im Mai fiel lediglich knapp 50 % der durchschnittlichen Niederschlagsmenge. Die
Trockenstressbelastung der Bäume verschärfte sich im Juni weiter, indem gerade einmal 12
mm Niederschlag registri ert wurden, was lediglich etwa einem Fünftel der üblichen
Regenmenge entspricht. Gleichzeitig war es im Juni mit im Mittel über 20 °C sehr warm, so
dass mit steigender Transpiration der Wasserbedarf der Bäume anstieg. Das warm -trockene
Wetter setzte sich a uch in der ersten Julihälfte weiter fort und führte in den Wäldern – trotz
zuvor gut befüllter Bodenwasserspeicher – zu ersten Trockenstressreaktionen. Allerdings
setzten Mitte Juli glücklicherweise starke Niederschläge ein, die zu einem abrupten Ende der
Dürrephase führten. Im August war es in Darmstadt wo nass wie schon lange nicht mehr. An
der Wetterstation „Rosenhöhe“ wurden für den Monat August 175 mm Regen gemessen, was
weit über das Doppelte über die übliche Regenmenge hinausgeht. Dabei blieben die
Temperaturen im August vergleichsweise mild.
Der September und Oktober 2023 zeichneten sich dagegen wieder mit sehr sommerlichen
und im Mittel überdurchschnittlichen Temperaturen aus. Die Niederschlagsmengen gingen
im Vergleich zum August stark zurück und insbesondere der Oktober war mit lediglich 6 mm
Niederschlag erheblich zu trocken.
Für eine erfolgreiche Waldverjüngung sind angepasste Wildbestände eine wichtige
Voraussetzung. Die aktuellen Erhebungen zeigen einen unterschiedlich starken Einf luss des
Wildverbisses auf einzelne Waldgebiete sowie auf einzelne Baumarten. So konnte gezeigt
werden, dass derzeit sowohl im West - als auch im Ostwald Areale mit erhöhtem Wildverbiss
auftreten und dass dabei in großer Anzahl die Baumart Hainbuche betroff en ist. Durch
wilddicht umzäunte Probeflächen, sogenannte Weiserzäune, kann die Waldverjüngung ohne
Wildeinfluss zusätzlich standortsbezogen erhoben und quantifiziert werden, wobei –
sozusagen als Nebenprodukt – innerhalb weniger Jahre für die Bestandsstru ktur wichtige
Verjüngungskegel entstehen können. Bedeutend hierfür sind kontinuierliche Kontrollen der
Zäune durch die städtischen Forstwirte und eine regelmäßige Aufnahme der aufkommenden
Waldvegetation.
Auch wenn die Baumschäden in Teilen des Stadtwald es derzeit gravierend sind, bieten sie
auch eine Chance für die biologische Vielfalt. Zerfallsphasen und Kalamitäten gehören zu
einem natürlichen Ablauf der Waldentwicklung. Absterbende Bäume, stehendes Totholz oder
umstürzende Stämme, stellen für viele Ti er- und Pflanzenarten – darunter oft seltene, vom
Aussterben bedrohte Arten – einen wichtigen Lebensraum dar. Zudem kann ein erhöhter
Totholzanteil am Boden zu einem verbesserten Wasserhaushalt und langfristig zu einem
verbesserten Bodenzustand der Wälder beitragen.
Seit dem Jahr 2023 finden auf den Stichprobenpunkten der Waldzustandserhebung
umfangreiche Begleitstudien der Technischen Universität Darmstadt (TU Darmstadt) statt,
um die natürliche Entwicklung der Wälder zu untersuchen. Dieser begleitenden F orschung ist
im aktuellen Waldzustandsbericht 2023 ein eigener Absatz gewidmet. Vorrangiges Ziel dieser
Forschung ist es dabei, langfristige Zusammenhänge zwischen der Waldentwicklung in Bezug
auf die Insekten - und Bodenfauna darzustellen. Hierzu werden au f ausgewählten
Aufnahmepunkten mittels verschiedener Methoden regelmäßig Tier - und Pflanzenarten
erhoben sowie abiotische Faktoren wie Temperatur und Feuchtigkeit gemessen. Besonders
wertvoll erscheint dabei der Vergleich zwischen den beiden klimatisch und standörtlich stark
unterschiedlichen Bereichen des West - und Ostwaldes.
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Die Waldzustandserhebung 2023 dokumentiert die aktuellen Waldschäden und beschreibt
die zeitliche und räumliche Entwicklung der Wälder im Stadtwald Darmstadt. Infolge der
derzeit dynamischen Veränderung ist ein detailliertes, kontinuierliches Monitoring der Wälder
durch die jährlichen Waldzustandsberichte von großer Bedeutung, um daraus geeignete
Maßnahmen zur langfristigen Walderhaltung ableiten zu können. Die Waldzustandserhebung
kann dabei neben der reinen Dokumentation gleichzeitig auch zur Bewertung und Anpassung
eingeleiteter Maßnahmen genutzt werden. Sie liefert damit einen wichtigen Beitrag zur
Entwicklung widerstandsfähiger und klimaangepasster Wälder.
Dezernat III
Michael Kolmer
Stadtrat
anlage 2
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Im Auftrag der: Bearbeitung: Wissenschaftsstadt Stadt Stefan Meining Der Magistrat Büro für Umweltüberwachung Grünflächenamt www.stefanmeining.de Waldzustandsbericht 2023 für den Stadtwald Darmstadt Inhaltsverzeichnis 1 Methodik ..................................................................................................................................... 3 Durchführung 2023 ............................................................................................................................................... 7 Auswertung ........................................................................................................................................................... 8 Qualitätssicherung ................................................................................................................................................ 8 2 Ergebnisse .................................................................................................................................... 9 Stadtwald Darmstadt ............................................................................................................................................ 9 Nadel-/Blattverlust........................................................................................................................................................ 9 Vergilbung ................................................................................................................................................................... 12 Schadstufen ................................................................................................................................................................. 12 Stehend tote Bäume und Mortalitätsrate................................................................................................................... 13 Einordnung der Ergebnisse ......................................................................................................................................... 14 Fruktifikation ............................................................................................................................................................... 14 Buche .......................................................................................................................................................................... 15 Kiefer ........................................................................................................................................................................... 16 Eiche ............................................................................................................................................................................ 16 Sonstige Laubbäume ................................................................................................................................................... 17 Sonstige Nadelbäume ................................................................................................................................................. 18 Westwald ............................................................................................................................................................ 19 Ostwald ............................................................................................................................................................... 21 3 Witterung .................................................................................................................................. 23 Das Jahr 2022 ...................................................................................................................................................... 23 Das Jahr 2023 ...................................................................................................................................................... 24 Witterungstrend.................................................................................................................................................. 24 4 Bestandes- und Verbisserhebung ................................................................................................ 25 Bestandeserhebung ............................................................................................................................................ 25 Verbisserhebung ................................................................................................................................................. 27 5 Wissenschaftliche Begleitforschung im Stadtwald Darmstadt (von Dr. Katja Wehner, Technische Universität Darmstadt) ................................................................................. 29 Basisarbeiten ....................................................................................................................................................... 29 Faunistische Untersuchungen ............................................................................................................................. 30 Klimadaten .......................................................................................................................................................... 31 6 Fazit ...................................... ….…………………………………………………………………………………………………33 7 Glossar ....................................................................................................................................... 35 8 Literatur- und Fotoverzeichnis .................................................................................................... 36 3 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 1 Methodik Die Waldzustandserhebung ist ein bunde sweit abg e- stimmtes Verfahren zur Beurteilung der Gesundheit von Wä ldern. Die Erhebung beruht auf der visuellen Beurteilung des Kronenzustandes der Bäume, der als einfacher und nachvollziehbarer Indikator für den Vitalitätszustand der Waldbäume dient. Durch die jährlichen Erhebungen kann der aktuelle Zustand des Waldes beschrieben und sowohl zeitliche als auch räumliche Entwicklungen aufgezeigt werden. Auf der Grundlage der Waldzustandserhebung können Anpa s- sungsstrategien zum Schutz des Waldes entwickelt und bereits ei ngeleitete Maßnahmen regelmäßig auf deren Wirksamkeit überprüft werden. Abb. 1: Stichprobenpunkte der Waldzustandserhebung i m Stadtwald Darmstadt getrennt nach Westwald (orange) und Ostwald (blau) (Kartenhintergrund: OpenStreetMap). Darmstadt 4 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 In Deutschland wird die Waldzustand serhebung seit 1984 durchgeführt. Im Bundesland Hessen fi ndet die Erhebung jährlich auf dem weitmaschigen 8x8 km - Raster statt, um repr äsentative Ergebnisse über den Vitalitätszustand der Wälder auf Landesebene zu e r- halten. In der stark belasteten Rhein -Main-Ebene ist die Aufnahme auf das etwas dichtere 4x4 km -Netz erweitert. Um den Vitalitätsz ustand der Wälder im Stadtwald Darmstadt zu b ewerten, werden die jährl i- chen Ergebnisse der hessischen Waldzustandserh e- bung als Vergleich herangez ogen. Dies ist möglich, da das Aufnahmeverfahren nach gleicher Methodik und in enger Abstimmung mit der für die landesweite E r- hebung zuständige n Nordwestdeutschen Versuchsan- stalt (NW-FVA) stattfindet. Im Stadtwald Darmstadt wird die Waldzustandserh e- bung seit dem Jahr 2020 auf einem Raster mit einem Abstand von 250x250 Metern durchgeführt. Dadurch ist eine ausreichende Genauigkeit der Ergebnisse für die standörtlich und klimatisch sehr unterschiedlichen Waldgebiete des West - und Ostwaldes sichergestellt (Abb. 1). An jedem Stichprobenpunkt werden nach einem systematischen Auswahlverfahren acht Bäume des herrschendes Bestandes (Kraft´sche Klasse 1 bis 3) bestimmt und auf den Gesundheitszustand hin unte r- sucht. Die Probebäume werden am Stamm eindeutig nummeriert, damit sie jährlich wieder aufgefunden und bewertet werden können (Abb. 2). 0 - 10 % 11 - 25 % 26 - 60 % 61 - 100 % 0 - 10 % 0 0 1 2 11 - 25 % 1 1 2 2 26 - 60 % 2 2 3 3 61 - 99 % 3 3 3 3 100% 4 Schadstufe 0 Schadstufe 1 Schadstufe 2 Schadstufe 3 Schadstufe 4 mittelstark geschädigt deutlich geschädigtstark geschädigt abgestorben Kronen- verlichtung Vergilbung ungeschädigt schwach geschädigt Warnstufe Tab. 1: Herleitung der Schadstufen. Abb. 2: Stichprobenpunkt der Waldzustandserhebung im Stadtwald Darmstadt. 5 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 An jedem Aufnahmepunkt der Waldzustandserhebung wird der Kronenzustand der a usgewählten Bäume eingehend untersucht und bewertet. Ein wesentlicher Aufnahmeparameter ist dabei der Nadel -/Blattverlust (NBV), der den Verlust an Nadeln bzw. Blätter im Ve r- gleich zu einer ungeschädigten Baumkrone angibt (Abb. 4) . Zudem wird die Vergilbun g der Blattorgane an jedem Baum bestimmt. Beide Parameter werden in Fünf-Prozentstufen erhoben und zur besseren Übe r- sicht anschließend zu Schadstufen verrechnet (Tab. 1). Neben den beiden Hauptkriterien Nadel -/Blattverlust und Vergilbung werden im Rahmen einer ausführl i- chen Differenzialdiagnose für jeden Baum alle weit e- ren vitalitätsmindernden Schadsymptome aufgeno m- men. Hieru nter fallen insbesondere Schäden durch Insekten, Witterungsereignisse, wie Trockenheit oder Spätfrost, sowie sichtbare Schäden durch mangelnde Nährstoffversorgung der Bäume. Scheiden Bäume aus der Stichprobe der Waldzustan d- serhebung aus, z. B. durch Sturmwurf oder forstliche Nutzung, werden sie am gleichen Punkt durch direkte Nachbarbäume ersetzt. Stehend tote Bäume verble i- ben solange in der Stichprobe bis sie in der Oberkrone kein Feinreisig mehr aufweisen. Das gesamte Aufna h- meverfahren im Stadtwald Darmstadt wird gemäß dem bundesweit abgestimmten „Leitfaden zur Wal d- zustandserhebung in Deutschland“ durchgeführt (WELLBROCK ET AL. 2018). Das Baumalter hat einen großen Einfluss auf den Kr o- nenzustand der Bäume. Während jüngere Bäume meist eine dichtere und vitalere Krone aufweisen, zeigen sich bei älteren Bäumen in der Regel häufiger Schadsymptome und dementsprechend lichtere Baumkronen. Langjährige Untersuchungen der Wal d- zustandserhebung in Deutschland zeigen, dass die Kronenverlichtung bis zu einem Baumalter von etwa 60 Jahren stark ansteigt, danach jedoch mit anste i- gendem Alter nur noch eine geringe Erhöhung der Kronenverlichtung zu ver zeichnen ist. Daher werden die Ergebnisse der Waldzustandserhebung getrennt nach den Altersgruppen „bis 60 Jahre“ und „über 60 Jahre“ dargestellt. Abb. 3: Stark geschädigter Waldbestand mit abgestorbenen Kiefern. 6 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 Abb. 4: Verschiedene Stadien der Kronenverlichtung jeweils von links nach rechts: Buche (oben):0, 30 und 70 % Blattverlust. Kiefer (Mitte): 15, 40 und 75 % Nadelverlust. Eiche (unten): 5, 25 und 95 % Blattverlust (aus: Arbeitsgemeinschaft Kronenzu- stand, 2007). 7 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 0 10 20 30 40 50 1-20 21-40 41-60 61-80 >80 Antiel der Bäume in % Brusthöhendruchmesser (cm) West Ost Abb. 5: Anteil der gemessenen Brusthöhendurchmesser (BHD) im West- und im Ostwald. Durchführung 2023 Die Waldzustandserhebung im Stadtwald Darmstadt wurde im Zeitraum vom 24. Juli bis 18. August 2023 durch Forstsachverständige mit langjähriger Erfahrung in der Waldzustandserhebung durchgeführt. Insg e- samt wurden im gesamten Stadtwald 297 Stichpr o- benpunkte mit 2.376 Bäumen untersucht (Tab. 2). Ein Stichprobenpunkt im Westwald konnte dieses Ja hr wegen akuter Gefahr u mstürzender Bäume von den Aufnahmetrupps nicht aufgenommen werden. Die Buche ist mit 33 % die häufigste Baumart der Waldzustandserhebung im Stadtwald Darmstadt. D a- hinter folgt mit geringem Abstand die Gruppe der sonstigen Laubbauma rten (30 %), die sich aus vielen verschiedenen Baumarten, wie z. B. Ahorn, Spätbl ü- hende Traubenkirsche oder Roteiche, zusammensetzt. Die Kiefer und die Eiche sind mit jeweils 17 % in der Stichprobe vertreten. Einen sehr geringen Anteil (3 %) nehmen dagegen die sonstigen N adelbaumarten ein. Auf die Altersgruppe bis 60 Jahre entfallen 45 % aller Probebäume. Dagegen sind 55 % der Altersgruppe über 60 Jahre zuzuordnen. Im Westwald wurden dieses Jahr 164 Stichprobe n- punkte und insgesamt 1.312 Bäume im Rahmen der Waldzustandserhebung untersucht. Die häufigste Baumartengruppe stellen hier mittlerweile die sonst i- gen Laubbaumarten (33 %), ihr Anteil ist in den letzten Jahren stetig angestiegen. Dagegen nimmt im Wes t- wald der Anteil der Kiefer weiter ab. Aktuell sind j e- weils 27 % der Probebäume der Kiefer bzw. der Buche zuzuordnen. Der Eichenanteil ist mit 12 % dagegen gering. Sonstige N adelbaumarten sind im Westwald nur marginal vertreten. Im Ostwald wurden dieses Jahr 133 Stichprobenpun k- te mit insgesamt 1.064 Bäumen auf ihren Vitalitätszu- stand hin untersucht. Mit großem Abstand ist hier die Buche (40 %) die am häufigsten vorkommende Bau m- art. Dahinter folgen die sonstigen Lau bbaumarten (25 %) und die Eiche (24 %). Die sonstigen Nade l- baumarten und die Kiefer sind im Os twald mit 6 bzw. 5 % relativ gering vertreten. Im Zuge der Waldzustandserhebung wird der Stam m- durchmesser an jedem Probebaum in der Höhe von 1,30 m (Brusthöhendurchmesser) gemessen. Die Ve r- teilung zeigt, dass im Westwald vor al lem dünnere Bäume bis 40 cm und nur sehr wenige Bäume über 60 cm zu finden sind (Abb. 5). Im Ostwald liegt der Schwerpunkt ebenfalls auf Bäumen mit einem Durc h- messer von bis zu 40 cm, jedoch sind auch dickere Bäume über 60 cm in der Stichprobe der Waldz u- standserhebung enthalten. Tab. 2: Anzahl untersuchter Stichprobenbäume. Anzahl Prozent Anzahl Prozent Anzahl Prozent Aufnahmepunkte 297 100% 164 55% 133 45% alle Baumarten 2.376 100% 1.312 55% 1.064 45% bis 60 Jahre 1.077 45% 583 44% 484 45% über 60 Jahre 1.299 55% 719 55% 580 55% Buche 788 33% 359 27% 429 40% Kiefer 411 17% 356 27% 55 5% Eiche 414 17% 159 12% 255 24% sonstige Nadelbaumarten 60 3% 1 0% 59 6% sonstige Laubbaumarten 703 30% 437 33% 266 25% Westwald OstwaldGesamt 8 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 Auswertung Die Daten der Waldzustandserhebung werden sowohl für den gesamten Stadtwald als auch für die Teilgebi e- te West- und Ostwald getrennt ausgewertet. Für den Westwald können aufgrund der spezifischen Bauma r- tenzusammensetzung Kiefer, Buche, Eiche und di e sonstigen Laubbaumarten einzeln dargestellt werden, während im Ostwald die Baumarten Buche und Eiche sowie die sonstigen Nadelbaumarten und die sonst i- gen Laubbaumarten einzeln auswertbar sind. Dabei werden die selten vo rkommenden Kiefern im Ostwald der G ruppe der sonstigen Nadelbaumarten zugeor d- net. Der Vertrauensbereich des mittleren Nadel -/Blatt- verlusts wird durch die Anzahl der Stichprobenbäume und der Streuung der Einzelwerte bestimmt. Mit dem so berec hneten Konfidenzintervall wird ein Bereich definiert in dem der wahre Wert mit einer Wah r- scheinlichkeit von 95 % liegt (Tab. 3). Je größer das Konfidenzintervall ist, desto unsicherer sind die Aussa- gen zum Vitalitätszustand der Waldbäume. Auf den gesamten Stadtwald Darmstadt bezogen ist der Ve r- trauensbereich mit ± 1,1 relativ nah am Mittelwert. Dagegen zeigt sich insbesondere bei den sonstigen Nadelbaumarten aufgrund der geringen Anzahl eine sehr große Streuung um den Mittelwert. Qualitätssicherung Maßnahmen zur Qualitätssicherung spielen bei der Waldzustandserhebung seit Beginn der Erhebungen eine en tscheidende Rolle. Auf Bundesebene finden jährlich Abstimmungskurse zur Bewertung von Bau m- kronen statt und in den Ländern werden alle Aufna h- meteams vor der Erhebung intensiv geschult. Zudem finden regelmäßige Foto-Vergleichstests statt, um eine einheitliche Bewertung der Baumkronen zu gewäh r- leisten (MEINING ET AL . 2019). Bei der Waldzustandse r- hebung im Stadtwald Darmstadt wird großen Wert darauf gelegt, dass nur entsprechend geschultes Pe r- sonal zum Einsatz kom mt, so dass regelmäßig eine hohe Datenqualität erreicht wird. Region Baumart Anzahl 95%-Konfidenz- intervall (+/-) Gesamt Gesamt 2376 1,1 Gesamt Bu 788 1,9 Gesamt Ei 414 2,2 Gesamt Kie 411 2,8 Gesamt sLb 703 1,9 Gesamt sNb 60 7,3 West Gesamt 1312 1,6 West Kie 356 3,1 West Ei 159 3,9 West Bu 359 2,3 West sLb 437 2,6 Ost Gesamt 1064 1,4 Ost Ei 255 2,4 Ost Bu 429 2,3 Ost sLb 266 2,4 Ost sNb 59 7,1 Tab. 3: 95%-Konfidenzintervalle für die Kronen verlichtung der Baumartengruppe n nach Regionen im Stadtwald Darmstadt. 9 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 2 Ergebnisse Stadtwald Darmstadt Die Wälder Darmstadts und des gesamten Ballung s- raums der Rhein -Main-Ebene gehören seit langem zu den am stärksten geschädigten Waldgebieten Deutschlands. Belastungen, wie Stoffeinträge aus der Luft, Zerschneidung durch enges Verkehrswegenetz, Grundwasserabsenkung in Kombination mit trockenen und substratarmen Stan dorten und nicht zuletzt ein fortschreitender Klimawandel mit einer zunehmend trocken-warmen Sommerwitterung führen seit Jahren zu einer massiven Destabilisierung der Wä lder. Hinzu kommen biotische Schäden durch Maikäfer, verschi e- dene Schmette rlingsraupen oder Belastungen durch massiven Mistelbefall. Nach den extremen Trocke n- jahren von 2018 bis 202 0 hat sich das Schadensau s- maß in den Wäldern noch einmal verstärkt. Insbeso n- dere im Darmstädter Westwald, der sich entlang der Rheinebene erstreckt, ist der Wald in einem nach wie vor sehr kritischen Zustand (Abb. 6). Nadel-/Blattverlust Die Waldbäume im D armstädter Stadtwald weisen auch dieses Jahr einen schlechten Kronenzustand auf. Dabei zeigen sich räumlich unterschiedliche Entwic k- lungen: I m Westwald, wo der Schäd igungsgrad sehr hoch ist, fallen mittlerweile vermehrt Bäume aus, so dass an einzelnen Waldorten die häufig besser belaub- ten Bäume des Zwischenstandes oder der Verjüngung bestandesbildend werden. Im Ostwald führt dagegen die hohe Belastung der Wälder auch aktuell zu einer Zunahme der Kronenschäden. Gegenüber dem Vorjahr verringert sich der mittl ere Nadel -/Blattverlust über alle Bäume leicht um 1,8 Prozentpunkte auf 41,2 %. Er bleibt damit aber weiterhin über den Werten der er s- ten beiden Inve nturen aus den Jahren 2020 und 2021 (Abb. 7). Der Schädigungsgrad der Waldbäume ist stark vom Baumalter ab hängig. Junge Bäume sind in der Regel vitaler und wüchsiger als ältere Bäume und weisen daher im Mittel einen geringeren Nadel -/Blattverlust auf. Im Ve rgleich zum Vorjahr ergeben sich allerdings Abb. 6: Häufiges Bild im Darmstädter Westwald: stark geschädigte und stehend abgestorbene Bäume. 10 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 weitere Unterschiede: Während bei den älteren Bä u- men (über 60 Jahre) dieses Jahr nur eine gerin gfügige Verbesserung des Kronenzustandes festz ustellen ist, zeigt sich bei den jüngeren Bäumen (bis 60 Jahre) eine deutliche Erholung gegenüber dem Vorjahr. Im tr o- cken-heißen Sommer 2022 gerieten vor allem junge Bäume aufgrund ihrer geringen Durc hwurzelungstiefe im Boden schnell unter Trockenstress und zeigten dementsprechend einen erhöhten Schäd igungsgrad. Im Sommer 2023 sorgten hohe Niederschläge dagegen teilweise für eine Erh olung (Abb. 8) , wenngleich der mittlere Nadel -/Blattverlust der ju ngen Bäume noch nicht wieder den Wert von 2021 erreicht hat. In der räumlichen Verteilung der mittleren Nadel - /Blattverluste zeigt sich vor allem im südlichen Wes t- wald ein Schwerpunkt der Waldschäden (Abb. 9). Zahl- reiche Aufnahmepunk te weisen hier einen deutlich erhöhten Schädigungsgrad auf, mit einer Kronenve r- lichtung von über 60 bzw. über 80 %. Dagegen sind im nördlichen Westwald und in weiten Teilen des Os t- waldes die Wal dschäden geringer. Im Ostwald lassen sich erhöhte Nadel -/Blattverluste vor allem an Stic h- probenpunkten im nördlichen Teil entlang der Diebu r- ger Landstraße feststellen, während im südlichen Waldabschnitt (südlich der B26) die Waldschäden geringer ausfallen. Abb. 8: Vitale, junge Eichenkrone. Abb. 7: Entwicklung des mittleren Nadel -/Blattverlustes (mNBV) aller Bäume sowie der Altersgruppen „bis 60 Jahre“ un d „über 60 Jahre“. 11 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 Abb. 9: Mittlere Kronenverlichtung der Stichprobenpunkte alle Altersstufen in Prozent (Kartenhintergrund: OpenStreet - Map). Darmstadt 12 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 In Bezug auf die unterschiedlichen Altersgruppen e r- geben sich deutliche Unterschiede in der räumliche Verteilung der mittleren Nadel -/Blattverluste (Abb. 10). Während bei den jüngeren Bäumen mehrhei tlich Stichprobenpunkte mit geringer Kronenverlic htung zu erkennen sind, überwiegt bei den älteren Bäumen der Anteil stärker geschädigter Aufnahm epunkte. Sowohl für die jüngere als auch für die ält ere Altersstufe lässt sich wiederum ein eindeut iger Schadensschwerpunkt für den Westwald feststellen. Vergilbung Vergilbungssymptome spielen in der Bewertung der Waldschäden im Darmstädter Stadtwald derzeit so gut wie keine Rolle. Im Jahr 2023 weisen weniger als ein Prozent aller Bäume eine stärkere Vergi lbung in den Baumkronen auf. Auch sonstige Verfärbu ngen der Nadeln und Blätter, wie sie häufig nach trocken - heißen sommerli chen Witterungsphasen zu beobac h- ten sind, waren dieses Jahr aufgrund der einsetzenden Niederschläge ab Mitte Juli nur selten aufzufinden. Eine Vergilbung von Nadeln und Blättern deutet in der Regel auf einen akuten Nährstoffmangel der Bäume hin. Insbesondere ein Mangel an dem Makronährel e- ment Magnesium führt häufig zu einer typischen Gelbverfärbung der Blattorgane. Nährstoffmangel kann durch Verarmung der Böden infolge von Bode n- versauerung durch eingetragene Luftschadstoffe ve r- ursacht werden oder tritt nac h längeren Trockenper i- oden auf, wenn nur noch unzureichend Nährstoffe mit dem Bodenwa sser über die Wurzeln aufgenommen werden können. Schadstufen Nachdem der Anteil der ungeschädigten Bäume (Schadstufe 0) im letzten Jahr erheblich auf nur noch 7 % zurückgegangen ist, ist dieses Jahr wieder eine leichte Erhöhung der Schadstufe auf 12 % zu verzeich- nen (Abb. 11). Dies ist im Wesentlichen auf die Reg e- neration jüngerer Bäume in diesem Jahr zurückzufü h- ren. Der Anteil an schwach geschädigten Bäumen (Schadstufe 1) verringert sich gegenüber dem Vorjahr leicht auf aktuell 23 % (-1 Prozen tpunkte). Ebenfalls verringert hat sich der Anteil der mittelstark gesch ä- digten Waldbäume (Schadstufe 2) um -3 Prozentpunk- te und der stark geschädigten Waldbäume (Schadstufe 3) um -1 Prozentpunkt. Dagegen bleibt der Anteil der abgestorbenen Bäume (Schadstufe 4) im Stad twald mit 7 % im Vergleich zum Vorjahr konstant. Abb. 10: Mittlere Kronenverlichtung je Stichprobenpunkt getrennt nach jüngeren und älteren Bäumen. Je Stichprobenpunkt mindestens vier Bäume der Altersstufe „bis 60 Jahre“ bzw. „über 60 Jahre“ (Kartenhintergrund: OpenStreetMap). Darmstadt Darmstadt 13 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 Die Bäume der Schadstufen 2 bis 4 werden zur bess e- ren Übersicht bei der Darstellung der Ergebnisse als „deutlich geschäd igte Bäume“ zusammengefasst. Demnach gelten derzeit im Stadtwald Dar mstadt 65 % aller Bäume als deutlich geschädigt, das entspricht insgesamt vier Prozentpunkten weniger als bei der letztjährigen Erhebung. Stehend tote Bäume und Mortalitätsrate Der Anteil an stehendem Totholz im Stadtwald Dar m- stadt bleibt im Vergleich zum Vorjahr nahezu unve r- ändert (Abb. 13). Zwar ist gegenüber dem Jahr 2021 eine Abnahme festzustellen, jedoch ist der Totholza n- teil mit 7,1 % weiterhin sehr hoch (2022: 7,2 %). In stark geschädigten Beständen ist auch in diesem Jahr ein Zusammenbrechen einzelner toter Bäume zu b e- obachten. Jedoch wird der Ausfall der Bäume durch das Absterben we iterer Bäume kompensiert, so dass insgesamt der A nteil des stehenden Totholzes in der Stichprobe nahezu gleich bleibt. Den größten Anteil an abgestorbenen Bäumen nimmt weiterhin die Kiefer ein, die vor allem auf den trocken -heißen Standorten des Westwaldes großflächig ausfällt (Abb. 12) . Hier sind 9,7 % aller Bä ume stehend tot. Dagegen ist im Ostwald der Anteil mit 3,9 % deutlich geringer. Aus der Anzahl der Bäume, die seit der letztjährigen Erhebung stehend abgestorben sind, wird die jährliche Mortalitätsrate berechnet. Entgegen dem gesamten stehenden Totholz sind hier also nur die jährlich frisch abgestorbenen Bäume enthalten. Im Jahr 2023 liegt die Mortalitätsrate für den Stadtwald Darmstadt bei Abb. 12: Frisch abgestorbene, stehende Kiefer. 15 19 7 12 27 26 24 23 38 35 46 43 13 11 16 15 7 9 7 7 0% 20% 40% 60% 80% 100% 2020 2021 2022 2023 ungeschädigt schwach geschädigt mittelstark geschädigt stark geschädigt abgestorben Abb. 11: Entwicklu ng der Schadstufenverteilung der Jahre 2020 bis 2023 im Stadtwald Darmstadt. 0 5 10 15 2020 2021 2022 2023 Stehend toter Bäume in % Gesamt West Ost Abb. 13: Zeitliche Entwicklung des s tehenden Totoholzes von 2020 bis 2023 i m Vergleich zwischen gesamtem Stadtwald, Westwald und Ostwald. 14 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 2,6 % und damit etwas höher als im Vorjahr (1,6 %), was als Reaktion auf den letztjährigen trocken -heißen Sommer zurückgeführt werden kann. Während im Westwald die Mortalitätsrate mit 3,7 % weiterhin auf sehr hohem Niveau liegt und im Vergleich zum Vorjahr leicht ansteigt, ist im Ostwald die Absterberate mit 1,2 % deutlich kleiner, wenn auch hier in diesem Jahr ein Anstieg zu verzeichnen ist. Einordnung der Ergebnisse Im Vergleich zur Landeserhebung der hessischen Wä l- der zeigen die Ergebnisse der Waldzustandserhebung im Stadtwald Darmstadt einen deutl ich erhöhten Schädigungsgrad (Tab . 4). Während der landesweite Durchschnitt des Nadel -/Blattverlusts im hessisch en Waldzustandsbericht 2023 mit 29 % angegeben wird, liegt das Verlustprozent im Stad twald um mehr als 10 Prozentpunkte darüber (41,2 %). Gleichfalls sind der Anteil stärkerer Kronenschäden sowie die Mortalität s- rate im Darmstädter Stadtwald erheblich höher. Verglichen mit der Sondererhebung in der Rhein - Main-Ebene nähern sich die Kennzahlen des Waldz u- standes an, so dass sich nur geringe Unterschiede zum Schädigungsgrad des Darmstädter Stadtwaldes erg e- ben. Im Westwald hingegen sind die Baumschäden so groß, dass im Vergleich zur Rhein -Main-Ebene, mit Ausnahme der Mortalität srate, alle Kennzahlen des Waldzustandes übertroffen werden. Fruktifikation Eine starke Blütenbildung und Fruktifikation kann e i- nen großen Einfluss auf die Belaubungsdichte der Bäume ausü ben, da hierfür hohe Energie - und Näh r- stoffvorräte benötigt werden, die so dem vegetativen Wachstum nicht mehr in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. In starken Fruktifikationsjahren, sogenannten Mastjahren, bilden sich daher häufig deutlich lichtere Baumkronen, mit kleineren Nadeln bzw. Blättern und einer geringeren Seitenve rzweigung aus. Im Jahr 2023 zeig ten vor allem die sonstigen Lau b- bäume, wie z. B. Hainbuche, Bergahorn und Ro teiche, eine stärkere Fruchtausbildung. An über 50 % der Bäume dieser Baumartengruppe wurde dieses Jahr eine mi ttelstarke bis starke Fruktifikation festgestellt (Abb. 14). Ebenfalls stark fruktifiziert hat die Kiefer, bei der an über 40 % der Bäume im blühfähigen Alter mit- telstarker bzw. starker Zapfenbehang registriert wu r- de. Dagegen fiel bei der Buche und den sonstigen N a- Tab. 4: Kennzahlen der Waldzustandserhe bung im Vergleich. Mittlerer Nadel -/Blattverlust (NBV), Anteil stärkerer Schäden und Mortalitätsrate im Stadtwald Darmstadt ( Gesamt, West - und Ostwald) gegenüber Hessen ( Gesamt und Rhein -Main- Ebene) (NW-FVA 2023a, NW-FVA 2023b). Gesamt Westwald Ostwald Rhein-Main- Ebene Hessen gesamt mNBV 41,2% 46,0% 35,4% 43% 29% mNBV bis 60 Jahre 31,2% 34,9% 26,5% 29% 18% mNBV über 60 Jahre 49,5% 55,0% 42,7% 44% 33% stärkere Schäden 22% 31% 12% 24% 11% Mortalitätsrate 2,6% 3,7% 1,2% 5,5% 1,4% HessenStadtwald Darmstadt 0 20 40 60 80 100 Buche Kiefer Eiche sNb sLb mittel stark Abb. 14: Anteil der mittel stark und stark fruktifizierenden Bäume nach Baumart bzw. Baumartengruppe. 15 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 delbaumarten die Fruktifikation etwas geringer aus. Bei der Eiche konnte dieses Jahr kein Fruchtbehang mit stärkerer Intensität festgestellt werden. Buche Der Kronenzustand der Buchen hat sich gegenüber dem Vorjahr nochmals verschlechtert (Abb. 17). Nach dem starken Anstieg 2022 ist der mittlere Blattverlust dieses Jahr um weitere 2,0 Prozentpunkte auf 51,3 % angestiegen. Damit hat sich die mittlere Kronenve r- lichtung der Buchen in den letzten zwei Jahren um knapp 10 Prozen tpunkte erhöht. Mittlerweile gelten fast 80 % aller Buchen im Stadtwald Darmstadt als deutlich geschädigt und damit so viel wie bei keiner anderen Hauptbaumart (Abb. 18). Besonders auffällig ist allein mit 30 % der sehr hohe Anteil stark ge schä- digter Buchen. Die Buche leidet seit Jahren unter den sich veränder n- den Klimabedingungen. Hohe Lufttemperaturen sowie lange Trockenphasen der ve rgangenen Jahre führten bei der Buche gebietsweise zu einer erheblichen B e- lastung. Bei zahlreichen Buchen konnten die Bau m- kronen nicht mehr ausreichend mit Wasser versorgt werden, so dass die oberen Partien der Baumkronen in großen Teilen abstarben (Abb. 15). Infolge des sehr trockenen und heißen Sommers des letzten Jahres sind im Jahr 2023 auffallend viele dieser vorgeschädig- ten Buchen vollends abgestorben. Zwar fiel dieses Jahr der Juli und vor allem der August ausgesprochen nass aus, jedoch hatte dies zumindest für die Altbuchen nur noch einen geringen Einfluss auf den Kronenzustand. Dagegen konnten junge B uchen mit geringerer Durchwurzelungstiefe von den einsetzenden Niede r- schlägen in diesem Sommer sichtlich profitieren. Der hohe Totastanteil in mittelalten und alten B u- chenbeständen führt zunehmend zu einer akuten G e- fährdung der Arbeits - und Verkehrssicherheit. Zudem ist zu befürchten, dass es in den nächsten Jahren zu einer verstärkten Ausbreitung verschiedener , sekun- därer Schadinsekten, wie z. B. dem Buchenborkenk ä- fer oder dem Buche nprachtkäfer, kommt. Dies könnte die Vitalität der Buchen weiter verschle chtern und zu einer zunehmenden Erhöhung der Mortalitätsraten führen. Abb. 15: Buche mit teils abgestorbenen Kronenpartien. 16 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 Kiefer Die Kiefer wurde in der Vergangenheit vorwiegend auf sandigen, trockenen und nährstoffarmen Standorten der Rheinebene angebaut, auf denen sie infolge der fortschreitenden Klimaän derung mittlerweile zune h- mend hohen Belastungen ausgesetzt ist und flächig ausfällt. Im Gegensatz zur Buche ist bei der Kiefer ein schnelles Absterben innerhalb eines Jahres zu b e- obachten, nachdem der Kronenzustand des Vorjahres häufig noch als vital einge stuft wurde. Dementspr e- chend hoch ist die Mortalitätsrate der Kiefern im Stadtwald Darmstadt. Mittlerweile fallen viele stehend tote Kiefern vor allem durch Windwurf aus der Stic h- probe der Waldzustandserh ebung heraus, wodurch sich der Kronenzustand der ve rbleibenden Kiefern im Mittel verbessert. Durch diesen Effekt hat sich die durchschnittliche Kronenverlichtung in den letzten beiden Jahren maßgeblich verringert. Aktuell liegt der mittlere Nadelverlust aller aufgenommenen Kiefern bei 41,9 % und damit 4,6 P rozentpunkte niedriger als noch im Vorjahr (Abb. 17). Der Anteil stehend toter Kiefern ist mit insgesamt 17 %, verglichen mit allen anderen Hauptbaumarten, zwar weiterhin sehr hoch (Abb. 18), gegenüber den vorhergehenden Jahren jedoch rückläufig. Die Vita litätsschwäche der Kiefer ist im Wesentlichen auf klimatische Faktoren wie sommerliche Hitze und Trockenheit zurückzuführen. Durch eine längere Vege- tationszeit und eine verkürzte Winterruhe wird die Belastung der immergrünen Baumart zusätzlich e r- höht. Die massive Ausbreitung der Kiefernmistel in der Rheinebene führt zudem zu einem erhöhten Wasse r- bedarf der Bäume, da die halbparasitäre Mistel dem Baum Wasser und darin gelöste Nährsalze entzieht (Abb. 16). Insbesondere in sommerlichen Trockenph a- sen, wenn die Kiefer ihre Spal töffnungen der Nadeln bereits weitgehend geschlossen hat, kann die Mistel über ihre Blätter weiter Wasser ve rdunsten und somit akuten Trockenstress auslösen. Derzeit weisen 38 % der Kiefern im Stadtwald Darmstadt einen Befall durch Misteln in der Baumkrone auf. Geschwächte Kiefern sind grundsätzlich einer erhöhten Anfälligkeit gege n- über sekundären Schadorganismen wie dem pilzlichen Erreger des Diplodia -Triebsterbens oder Kiefer n- prachtkäfern ausgesetzt, die ein schnelles Absterben der Bäume bewirken können. Eiche Der Kronenzustand der Eiche hat sich gegenüber dem Vorjahr kaum verändert. Der mittlere Blattverlust e r- höht sich geringfügig um 0,2 Prozentpunkte auf 36,0 Prozent (Abb. 17). Damit zeigt sich die Eiche weitaus vitaler als die Buche. Der Anteil an stark geschädigten und abgestorbenen Bäumen ist bei der Eiche gege n- über allen anderen Hauptbaumarten zudem am g e- ringsten ausgeprägt (Abb. 18). Vitalitätsfördernd für die Eichen wirkt sich dieses Jahr die sehr geringe Fruktifikation aus. Zudem wurden während der diesjährigen Erhebung deutlich weniger Fraßschäden durch Schmetterlingsraupen an den E i- chenblättern fes tgestellt. Allerdings stieg der Befall durch Eichenmehltau stark an. In den Baumkronen von knapp zwei Drittel aller Eichen wurde das weiße Myzel des Blattpilzes festgestellt, wenn auch meist in einer geringen Intensität (Abb. 19). Abb. 16: Kiefernkrone mit Mistelbefall. 17 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 Trotz ihrer höheren Trockenheitstoleranz sind auch zahlreiche Eichenkronen von den vergangenen tr o- cken-heißen Jahren gezeichnet. Oftmals verringert sich d ie Seitenverzweigung der Äste oder es sterben einzelne As tpartien in der Oberkrone ab. Durch die hohe Regenerationsfähigkeit der Eiche kann dies j e- doch unter günstigen Witterungsbedingungen durch Austrieb zahlreicher sekundärer Triebe in der Bau m- krone häufig wieder ausgeglichen werden. Sonstige Laubbäume Nachdem sich der Kronenzustand der sonstigen Lau b- bäume im letzten Jahr aufgrund der hohen Trocke n- stressbelastung stark verschlechtert hat, ist dieses Jahr eine teilweise Verbesserung festzustellen, wenngl eich das ursprüngliche Niveau von 2021 bisher nicht wieder erreicht wird. Der mittlere Blattverlust verringert sich um 5,2 Prozentpunkte auf 33,2 % (Abb. 17). Insgesamt gelten knapp 50 % der sonstigen Laubbäume als deu t- lich geschädigt, wobei der Anteil an stark geschädigten Bäumen mit 11 % vergleichsweise hoch ausfällt (Abb. 18). Zu den sonstigen Laubbäumen gehört eine Vielzahl an unterschiedlichen Baumarten. Am häufigsten kommen hierbei mit nahezu gleichen Anteilen der Bergahorn und die Spätblühende Traubenkirsche vor, gefolgt von der Roteiche. Mit kleineren Anteilen folgen Hainb u- che, Linde, Roterle und Birke sowie zahlreiche weitere Baumarten. In der Baumartengruppe der sonstigen Laubbäume sind überproportional viele junge Bäume enthalten, die als Pionier baumarten als erstes freiwerdende Fl ä- chen besiedeln. Infolge der weitgehenden Austroc k- nung des Oberbodens während des letzten Sommers waren es insbesondere diese, noch flachwurzelnden, jungen Bäume, die stark unter Trockenstress gerieten. In diesem Jahr profitieren dagegen viele Arten von den einsetzenden Niederschlägen im Verlauf des Sommers und zeigen einen deutlich verbesserten Kronenz u- stand. Abb. 17: Entwicklung der mittleren Kronenverlichtung nach Baumarten bzw. Baumartengruppen. 0 20 40 60 80 Buche Kiefer Eiche sNb sLb Anteil der Bäum in % Abb. 18: Anteil deutlich geschädigter Bäume im Stadtwald Darmstadt (orange: mittelstark geschädigt, rot: stark g e- schädigt, grau: abgestorben). Abb. 19: Eichenblätter mit weißem Myzel des pilzlichen Erregers des Eichenmehltaus auf der Blattoberseite. 18 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 Deutliche Schäden sind dagegen beim Bergahorn zu erkennen, der seit mehreren Jahren unter den extr e- men Witterungsbelastungen leidet. Nach den Trocken- jahren 2018 bis 2020 ist an geschwächten Bäumen vermehrt der Befall des aus Nordamerika stamme n- den, pilzlichen Erregers der Ahorn-Rußrindenkrankheit zu beobachten. Der Pilz ist ein ausgesprochenes S e- kundärpathogen, welcher unter der Rinde vorgesch ä- digter Ahorne eine Holzfäule verursacht, die die Bä u- me in kurzer Zeit zum Absterben bringt. Sonstige Nadelbäume Der Kronenzustand der sonstigen Nadelbaumarten hat sich gegenüber dem Vorjahr etwas verschlechtert. Der mittlere Nadelverlust erhöht sich um 1,7 Prozentpunk- te auf 34,7 % (Abb. 17). Allerdings ist die Anzahl der Bäume dieser Baumartengruppe mit 60 Individuen sehr klein, so dass sich Veränderungen an Einzelbä u- men sehr stark auf das Ergebnis auswirken. Insgesamt 55 % der sonstigen Nadelbäume sind deutlich gesch ä- digt, wobei allein 12 % als stehend tote Bäume aufg e- nommen wurden (Abb. 18). Die Baumartengruppe der sonstigen Nadelbaumarten setzt sich im Gegensatz zu den sonstigen Laubbaumar- ten nur aus wenigen verschiedenen Baumarten z u- sammen. Die Lärche ist dabei mit Abstand die häufig s- te Baumart, dahinter folgen mit gleichgroßen Anteilen Douglasie und Fichte sowie wenige Weymouthskiefern (Abb. 20). Abb. 20: Lärche mit Totästen in der Oberkrone (links) und junge Douglasie (rechts). 19 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 Westwald Der Westwald, der rund 57 % der gesamten Waldfl ä- che des Stadtwald es von Darmstadt ausmacht, e r- streckt sich in der hessischen Rheinebene. Auf den Terrassensanden des Rheins haben sich meist tiefe und weitgehend stei nfreie Braunerden gebildet. Die Versorgung der Böden mit Nährstoffen ist im Allg e- meinen begrenzt und wird n ur oberflächennah durch kalkhaltige Flugsandauflagen verbessert. Der Wes t- wald ist zudem von einer großen Ze rschneidung durch ein dichtes Netz aus Verkehrs - und Versorgungsadern, wie Autobahnen, Bundesstraßen, Zu gstrecken und Versorgungsleitungen gekennzeichnet. Das Ausmaß der Waldschäden im Westwald ist ä u- ßerst alarmierend und in weiten Teilen unübersehbar hoch. Geprägt wird das Waldgebiet seit mehreren Jah- ren durch eine massive Schädigung und ein großflächi- ges Absterben zahlreicher Bäume (Abb. 21). Die A us- breitung gebietsfremder Baumarten erschwert zudem in weiten Teilen einen Aufbau ökologisch wertvoller Waldbestände mit standortsangepassten Baumarten. Der mittlere Nadel -/Blattverlust der Bäume im Wes t- wald hat sich in diesem Jahr zwar um 4,5 Prozen t- punkte auf 46,0 Prozent verringert, liegt jedoch weiter auf einem ausgesprochen hohen Schadniveau (Abb. 23). Die Abse nkung der mittleren Kronenverlichtung lässt sich im Wesentlichen durch das Au sscheiden vormals stehend toter Bäume erklären, die mittlerwei- le z usammenbrechen und somit nicht mehr Bestan d- teil der Erhebung sind. Als Ersatzbäume we rden in vielen Fällen jüngere Bäume der nächsten Baumgen e- ration ausgewählt, die nach dem Ausfall des Altb e- standes volle Lichteinstrahlung genießen und häufig einen besseren Kronenzustand aufweisen. Der Anteil an deutlich geschädigten Bäumen hat sich 2023 im Westwald um 10 Prozentpunkte auf insg e- samt 69 % verringert (Abb. 24). Mit 10 % abgestorbe- nen und 23 % stark geschädigten Bäumen bleibt der Anteil starker Schäden aber w eiterhin sehr hoch. D a- gegen hat sich der Anteil der ungeschädigten Bäume auf 12 % und der schwach geschädigten Bäume auf 19 % erhöht. Abb. 21: Abgetrocknete und großteils abgestorbene Buchen im Westwald. 20 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 Die Buche ist die Baumart mit dem schlechtesten Kr o- nenzustand im Westwald. Der mittlere Blattverlust erhöht sich dieses Jahr leicht auf 61,6 % (Abb. 25). Insgesamt gelten 96 % aller Buchen als deutlich g e- schädigt, wobei insbesondere der sehr hohe Anteil an stark geschädigten Bäumen ins Auge fällt (Abb. 26). Der mittlere Nadelve rlust der Kiefern verringert sich auf 42,1 %, im Wesentlichen bedingt durch den Ausfall zahlreicher stehend toter Bäume. Aktuell gelten 68 % der Kiefern im Westwald als deutlich geschädigt, w o- bei 18 % der Kiefern stehend tot sind. Der Kronenz u- stand der Eiche ist dagegen als sehr stabil zu bezeic h- nen, m it nur geringen Veränderungen seit dem Jahr 2020. Der mittlere Blattverlust erhöht sich geringfügig auf 42,6 %. Insgesamt gelten 77 % aller Eichen als deutlich geschädigt. In diesem Jahr sichtlich verbessert hat sich der Kronenzustand der sonstigen Laubbäu me. Nach der erheblichen Verschlechterung im Vorjahr verringert sich der mittlere Blattverlust auf 33,4 %. Mit 44 % ist bei dieser Baumartengruppe auch der Anteil an deutlich geschädigten Bäumen am geringsten. Abb. 22: Lichter Kiefernbestand im Westwald. Abb. 23: Entwicklung der mittleren Kronenverlichtung nach Altersgruppen – Westwald. Abb. 25: Entwicklung der mittleren Kronenverlichtung der Hauptbaumarten bzw. Baumartengruppen – Westwald. Abb. 26: Anteil deutlich geschädigter Bäume – Westwald (orange: mittelstark geschädigt, rot: stark geschädigt, grau: abgestorben). 0 20 40 60 80 100 Buche Kiefer Eiche sLb Antei der Bäume in % Abb. 24: Verteilung der Schadstufen – Westwald (Werte in der Klammer geben die Veränderung zum Vorjahr an). 12% (+6) 19% (+4) 38% (-7) 21% (-3) 10% (+-0) ungeschädigt schwach geschädigt mittelstark geschädigt stark geschädigt abgestorben 21 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 Ostwald Der Darmstädter Ostwald umfasst un gefähr 43 % der gesamten Waldfläche des Stadtwaldes und erstreckt sich auf zwei größere Waldkomplexe im nördlichen Odenwaldvorland. Das Grundgestein besteht größte n- teils aus rötlich gefärbten, wasserstauenden San d- steineinlagen, dem sogenannten Rotliegendem . Die Standorte sind meist tief - bis mittelgründig, oftmals tonreich und je nach Höhe der anstehenden Sta u- schicht teilweise wechselfeucht geprägt. Im Gegensatz zum Westwald zeichnet sich der Os t- wald durch einen weitgehend geschlossenen und stabilen Laubmischwald aus, der im Wesentlichen von Buche und Eiche geprägt wird (Abb. 31) . Der Schäd i- gungsgrad der Wälder ist mit 35,4 % mittlerer Kronen- verlichtung im Ostwald deutlich geringer als auf den nur wenige Kilometer entfernten , warm-trockenen Standorten der Rheinebene (Abb. 27). Gegenüber dem Vorjahr zeigen sowohl die jüngeren als auch älteren Bäume eine leichte Erhöhung des mittleren Nadel-/Blattverlusts. Der Anteil an deutlich geschädigten Bäumen liegt im Ostwald bei insgesamt 60 % (Abb. 28). Im Vergleich zum Westwald ist vor allem der Anteil an stark g e- schädigten und abgestorbenen Bäumen mit 8 bzw. 4 % im Ostwald spürbar kleiner. Die ungeschädigten Bä u- me nehmen 12% und damit etwas mehr als im Vorjahr ein, während der Anteil der schwach gesch ädigten Bäume dieses Jahr auf 28 % abnimmt. Der mittlere Blattverlust der Buchen ist seit dem Jahr 2021 von ursprünglich 27,1 % auf derzeit 38,5 % ange- stiegen (Abb. 29). Insgesamt 65 % aller Buchen gelten mittlerweile im Ostwald als deutlich geschädigt (Abb. 30). Als s tark geschädigt werden 13 % eingestuft, so- viel wie bei keiner anderen Hauptbaumart im Ostwald. Dagegen ist der Schädigungsgrad der Eichen mit einem gegenüber dem Vorjahr unveränderten Blattverlust Abb. 27: Entwicklung der mittleren Kronenverlichtung nach Altersgruppen – Ostwald. Abb. 29: Entwicklung der mittleren Kron enverlichtung der Hauptbaumarten bzw. Baumartengruppen – Ostwald. Abb. 30: Anteil deutlich geschädigter Bäume – Ostwald (orange: mittelstark geschädigt, rot: stark geschädigt, grau: abgestorben). 0 20 40 60 80 100 Buche Eiche sNb sLb Anteil der Bäume in % Abb. 28: V erteilung der Schadstufen – Ostwald (Werte in der Klammer geben die Veränderung zum Vorjahr an). 12% (+3) 28% (-6) 48% (+-0) 8% (+2) 4% (+1) ungeschädigt schwach geschädigt mittelstark geschädigt stark geschädigt abgestorben 22 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 von 31,8 % geringer. Während 53 % der Eichen als deutlich g eschädigt gelten, kommen vergleichsweise wenig stark geschädigte bzw. abgestorbene Eichen vor. Die sonstigen Nadelbaumarten weisen einen mitt- leren Nadelverlust von 37,6 % auf; 48 % dieser Baum- artengruppe ist deutlich geschädigt. Dagegen ist die Kronenverlichtung der sonstigen Laubbäume mit 32,8 % etwas geringer, wenn auch der Anteil deutl i- cher geschädigter Bäume mit knapp über 60 % etwas höher ausfällt. Abb. 31: Laubholzreicher Waldrand im Ostwald. 23 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 3 Witterung Die Witterung hat einen großen Einfluss auf den Z u- stand der Wälder. Starker Wind und O rkanböen, Spät- frost sowie langanhaltende sommerliche Trocken- und Hitzephasen machen sich häufig unmittelbar im Z u- stand der Bäume bemerkbar. In jüngerer Vergange n- heit führten insbesondere die überwiegend sehr he i- ßen und trockenen Jahre 2018 bis 2020 zu ein er e r- heblichen Belastung der Wälder mit starken Krone n- schäden und einer hohen Mortalität. Das Jahr 2022 Mit 10,7 °C war das Jahr 2022 das wärmste Jahr seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 in He s- sen (DWD 2023 ). Insbesondere die Sommermonate Juli und August führten mit sehr heißen Temperaturen und einer ausgeprägten Trockenheit auch im Stad t- wald Darmstadt für eine wiederholt hohe Belastung der Bäume (Abb. 32). Ab September sorgte einsetze n- der Regen mit rekordverdächtigen Niederschlagsme n- gen für eine Entspannung der Situation. Während der Herbst- und Wintermonate 2022 konnten sich die 0,0 5,0 10,0 15,0 20,0 25,0 0,0 5,0 10,0 15,0 20,0 25,0 Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Monatsmitteltemperatur Mittel 2004-2023 20232022 0 20 40 60 80 100 120 140 160 180 200 0 20 40 60 80 100 120 140 160 180 200 Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Niederschlagssumme Mittel 2004-2023 20232022 Abb. 32: Temperatur- und Niederschlagsverteilung der Station Darmstadt (Quelle: DWD 202 3) im Vergleich zum Mittel der Jahre 2004 bis 2023. Temperatur in Grad Celsius, Niederschlag in mm. 24 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 Bodenwasserspeicher bei meist überdurchschnittl i- chen Niederschlagsmengen weiter füllen. Das Jahr 2023 Das Jahr 2023 begann ausgesprochen mild. Sowohl im Januar als auch Februar lag die Lufttemperatur deu t- lich über dem langjährigen Mittel. Dabei war es im Februar deutlich zu trocken. Die Monate März und April waren dagegen wiederum sehr niederschlag s- reich bei durchschnittlichen bzw. leicht unterdurc h- schnittlichen Temperaturen. Ab Mai bis etwa Mitte Juli setzte sich eine sehr tr o- ckene und weitgehend warme Witterung durch. Im Mai fiel lediglich knapp 50 % der durchschnittlichen Niederschlagsmenge. Die Trockenstressbela stung der Bäume verschärfte sich im Juni weiter, indem ge rade einmal 12 mm Ni ederschlag reg istriert wurden, was lediglich etwa einem Fünftel der üblichen Regenme n- ge entspricht. Gleichzeitig war es im Juni mit im Mittel über 20 °C sehr warm, so dass mit steigender Transp i- ration der Wasserbedarf der Bäume anstieg. Das warm-trockene Wetter setzte sich auch in der ersten Julihälfte weiter fort und führte in den Wäldern – trotz zuvor gut befüllter Bodenwasserspeicher – zu ersten Trockenstressreaktionen. Allerdings setzten Mitte Juli glücklicherweise starke Niederschlä ge ein, die zu e i- nem abrupten Ende der Dürrephase führten. Im A u- gust war es in Darmstadt wo nass wie schon lange nicht mehr. An der Wetterstation „Rosenhöhe“ wu r- den für den Monat August 175 mm Regen gemessen, was weit über das Doppelte über die übliche Reg en- menge hinausgeht. Dabei bli eben die Temperaturen im August vergleichsweise mild. Der September und Oktober 2023 zeichneten sich dagegen wieder mit sehr sommerlichen und im Mittel überdurchschnittlichen Temperaturen aus. Die Ni e- derschlagsmengen gingen im Vergleich zum August stark zurück und insbesondere der Oktober war mit lediglich 6 mm Niederschlag erheblich zu trocken. Witterungstrend In Abbildung 33 sind die mittlere Temperatur und die Niederschlagssumme für die Vegetationszeit (April bis September) an der Wetterstation „Darmstadt Rose n- höhe“ dargestellt. Die Witterungsdaten zeigen für die Jahre 2005 bis 2023 einen langfristigen Trend steige n- der Temperaturen und abnehmender Niederschläge. Im Temperaturve rlauf ergibt sich ein ansteigender linearer Trend um knapp eine n Grad Celsius in diesen 19 Jahren . Deutlich zu warm war es vor allem in der Vegetationszeit 2018, aber auch in den letzten beiden Jahren 2022 und 2023 lag die mittlere Temperatur über dem langjährigen Trend. In der Niederschlagssumme zeigt sich dagegen für den gleichen Zeitraum ein abnehmender Trend. Seit 2005 haben sich die Niederschlagssummen in der Vegetat i- onszeit im Mittel um etwa 150 mm verringert. Die trockensten Jahre fallen dabei auf 2015 und 2018. Dagegen war die Vegetationszeit 20 23 aufgrund der hohen Niederschlagsmengen im Juli und August ve r- gleichsweise nass. Eine Verringerung der Niederschlagsmengen in der Vegetationszeit bei gleichzeitigem Anstieg der Temp e- ratur und damit steigender Transpirationsleistung führt bei den Waldbä umen zu eine r deutlichen Z u- nahme der Gefährdung durch Trockenstress. Aktuelle Klimamodelle prognostizieren eine weitere Zunahme von sommerlicher Trockenheit und Hitze ( HLNUG 2023). 15 16 17 18 19 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 mittlere Temperatur (°C) 100 200 300 400 500 600 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 Niederschlagssumme (mm) Abb. 33: Verlauf der mittleren Temperatur und der Ni e- derschlagssumme der Wetterstation Darmstadt in der Vegetationszeit (April bis September) in den Jahren 2005 bis 202 3. Die gestrichelte Linie stellt jeweils den linearen Trend dar (Quelle: DWD 2023). 25 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 4 Bestandes- und Verbisserhebung Neben der Erhebung des Vitalitätszusta ndes werden die Aufnahmen an den Stichprobenpunkten der Wal d- zustandserhebung seit 2021 genutzt, um zusätzliche Informationen über die Bestandessituation, die En t- wicklung der Verjüngung und den Wildverbiss im Stadtwald Darmstadt zu erhalten. Hierzu werden verschiedene Probekreise an den Mi t- telpunkten der Aufnahmepunkte angelegt. Die B e- standeserhebung wird in einem Radius von 10 Metern durchgeführt. Neben Haupt - und Zwischenbestand wird dabei für jede Baumart der Deckungsgrad der Verjüngung ab einer Oberhöhe von 60 cm erhoben. Bei der Verbisse rhebung werden in einem Radius von zwei Metern alle Bäume zwischen 8 und 20 cm sowie zwischen 21 und 100 cm Höhe getrennt nach der Baumart aufgenommen und auf etwaigen Wildverbiss untersucht. Bestandeserhebung In den ver gangenen Jahren ist an zahlreichen Waldo r- ten im Stadtwald Darmstadt eine zunehmende Aufl ö- sung des ehemaligen Hauptbestandes zu beobachten. Durch die hohe Mortalitätsrate ausgelöst durch Klim a- stress fallen Altbäume aus dem Bestandesgefüge aus, so dass die Bestände zunehmend lichter werden. Besonders im Westwald, dort wo die Mortalitätsrate in den vergangenen Jahren am höchsten ausfiel, ist der Deckungsgrad des Hauptbestandes an vielen Standorten mittlerweile deutlich herabgesetzt (Abb. 34). An über 25 % der Aufnahmepunkte finden sich hier lichte Bestände (Deckungsgrad bis 25 %) und an über 40 % der Punkte lockere Bestände (Deckungsgrad 26 bis 50 %). Dagegen kommen geschlossene (D e- ckungsgrad 51 bis 75 %) bzw. dichte Bestände (D e- ckungsgrad >75 %) in deutlich geringerer Anzahl vor. Im Ostwald liegen nur 16 % der Aufnahmepunkte in lichten und 31 % in lockeren Baumbeständen. Die meisten Bestände bilden im Ostwald ein weitgehend geschlossenes Kronendach. Allein 40 % der Aufna h- mepunkte sind in geschlossenen und 14 % in dichten Wäldern zu finden. Durch das einfallende Licht bieten aufgelichtete B e- stände der Waldverjüngung die Möglichkeiten , sich zu entwickeln und den neu entstandenen Standraum für sich zu erschließen. Dabei ist es von Vorteil, wenn bereits Verjü ngung im Bestand etabliert ist, so dass neu entstandene Lücken möglichst schnell wieder geschlossen werden kö nnen. Besonderes Augenmerk liegt daher auf den potentiellen Baumarten, die die zukünftige Waldgeneration bilden könnten. Im Westwald, in dem sich der Deckungsgrad des Hauptbestandes innerhalb der letzten Jahre stark he r- abgesetzt hat, zeigt die Spätblühende Traubenkirsche in der Verjüngung eine hohe Konkurrenzkraft (Abb. 35 Foto). An etwa zwei Drittel aller Aufnahmepunkte ist die aus Nordamerika stammende Baumart an der Ve r- jüngung mit einer Höhe >60 cm beteiligt . Die Erh e- bungen der letzten drei Jahre zeigen an den Stichpr o- benpunkten im Westwald zudem eine zunehmende Ausbreitung der Spätblühenden Traubenkirsche. D a- gegen finden sich heimische Bau marten wie Buche, Bergahorn, Linde oder Kiefer an deutlich weniger Au f- nahmepunkten. Im Ostwald ist die nächste Baumgeneration mit einer Höhe >60 cm stark von der Buche geprägt. An mehr als ein Drittel aller Aufnahmepunkte ist sie an der Ve r- jüngung beteiligt und dies in den letzten Jahren mit leicht steige nden Anteilen. Dagegen kommen andere Baumarten wie Hainbuche, Bergahorn, Spätblühende Traubenkirsche und Linde nur an deutlich weniger Aufnahmepunkten vor. 0 10 20 30 40 50 licht locker geschlossen dicht Stichprobenpunkte in % Deckungsgrad West Ost Abb. 34: Deckungsgrad Hauptbestand getrennt nach West- und Ostwald. 26 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 Bezieht man in die Betrachtung der Waldverjüngung auch die jüngeren Baumpflänzchen zwischen 8 und 20 cm ein, die im Rahmen der Verbisserhebung aufg e- nommen wurden, so zeigt sich für den Westwald e r- neut das starke Vorkommen der Spätblühenden Tra u- benkirsche (Abb. 36). Dagegen sind im Ostwald die Eiche und der Bergaho rn am häufigsten vertreten. Bemerkenswert ist, dass derzeit einige Bauma rten, wie Eiche, Stechpalme (Ilex), Spitzahorn oder Rote i- che, in der jüngsten betrachteten Baumschicht teils zwar zahlreich auftreten, sie aber in der höheren Baumschicht ( >60 cm) nich t oder nur mit marginalen Anteilen vertreten sind. Neben Lichtmangel in weitg e- hend geschlossenen Beständen, geringer Konkurren z- kraft gegenüber anderen Baumarten oder vermeh r- tem Absterben jüngerer Bäume nach Austroc knung des Oberbodens, kann für den Aufwuch s der Jun g- pflanzen zudem der Faktor Wild eine entscheidende Rolle spielen. 0 10 20 30 40 50 60 70 TrKir Bu BAh Li Kie Stichprobenpunkte in % 2021 2022 2023 0 10 20 30 40 50 60 70 Bu Hbu BAh TrKir Li Stichprobenpunkte in % 2021 2022 2023 Abb. 35: Anteil der Stichprobenpunkte mit Verjüngung (>60 cm) der Hauptbaumarten bzw. Baumartengruppen jeweils für Westwald (oben) und Ostwald (unten). 0 10 20 30 40 50 60 TrKir BAh Ei Ilex SAh Anteil der Bäume in % 2023 0 10 20 30 40 50 60 Ei BAh Bu REi Anteil der Bäume in % 2023 Abb. 36: Anteil an Bäumen mit einer Oberhöhe von 8 bis 20 cm für Westwald (oben) und Ostwald (unten). Nur Baum- arten mit mindestens 50 Individuen in der Stichprobe. 27 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 Verbisserhebung Die Verbisserhebung im Stadtwald Darmstadt zeigt, dass an den Stichprobenpunkten der Waldzustandse r- hebung 23 % der vorhandenen jungen Bäume zw i- schen 8 und 20 cm sowie 41 % der Bäume zwischen 21 und 100 cm Wildverbiss aufweisen (Abb. 38). Im W e- sentlichen ist dies auf Verbiss durch Rehwild zurückzu- führen. Während im Westwald der Verbiss der höh e- ren Verjüngung mit 34 % etwas geringer ausfällt, weist im Ostwald jede zweite Jungpflanze von 21 bis 100 cm Verbissspuren auf. Dagegen liegt der Ve rbiss bei den jüngeren Bäumen mit einer Höhe von 8 bis 20 cm so- wohl im West- als auch im Ostwald etwas geri nger bei 23 %. Unter den einzelnen Baumarten unterliegt die Hainbu- che dem höchsten Verbissdruck. Der Anteil an geschä- digten Hainbuchen durch Wildverbiss ist s owohl bei den Bäumen bis 20 cm als auch bis 100 cm am größten (Abb. 39). Stärkerer Verbiss wurde auch bei den Baumarten Bergahorn, Eiche, Buche und Spätblühe n- de Traubenkirsche festgestellt. In der räumlichen Betrachtung zeigen sich dieses Jahr höhere Wildverbis sschäden vor allem in Teilgebieten des nördlichen Westwaldes sowie im nördlichen Os t- wald (Abb. 40). Aber auch auf anderen einzelnen Stichprobenpunkten des Darmstädte r Stadtwaldes lässt sich ein hoher Anteil an geschädigter Verjüngung erkennen. Hierbei wurden nur Stichprobenpunkte mit einer Anzahl von mindestens vier Bäumen in der Höhe von 8 bis 100 cm einbezogen und in drei unterschiedli- che Klassen von gering, mittel bis stark dargestellt. Alle anderen Punkte sind als weiße Kreise in der Karte markiert. 23 23 23 41 34 50 0 10 20 30 40 50 Gesamt West Ost Anteil der Bäume in % 8 bis 20cm 21 bis 100cm Abb. 38: Anteil der Bäume mit Verbiss im Gesamtwald, Ost - bzw. Westwald getrennt nach den Hö henstufen 8 bis 20cm und 21 bis 100 cm. 85 36 27 14 14 98 45 37 32 46 0 20 40 60 80 100 HBu BAh Ei Bu TrKir Anteil der Bäume in % 8 bis 20cm 21 bis 100cm Abb. 39: Anteil der Bäume mit Verbiss für die häufigsten vorkommenden Baumarten getrennt nach den Höhenst u- fen 8 bis 20 cm und 21 bis 100 cm. Nur Baumarten mit mindestens 50 Jungpflanzen in der Stichprobe. Abb. 37: Dichte Eichenverjüngung in einem Weise rzaun. Außerhalb des Zauns ist die Verjüngung deutlich spärl i- cher vorhanden. 28 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 Abb. 40: Verbissschäden aller Bäume von 8 bis 100 cm Oberhöhe je Stichprobenp unkt in den Stufen gering, mitte l und stark. Keine Angabe: es waren keine bzw. weniger als vier Jungpflanzen am Stichprobenpunkt vorhanden (Kartenhinte r- grund: OpenStreetMap). 27% 16% 15% 42% 29 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 5 Wissenschaftliche Begleitforschung im Stadtwald Darmstadt (von Dr. Katja Wehner, Technische Universität Darmstadt) Im Sommer 2020 hat die Wissenschaftssta dt Dar m- stadt eine eigenständige Waldzustandserhebung ei n- gerichtet. In einem Raster von 250x250 m sind da - durch markierte Stic hprobenpunkte entstanden, auf denen jährlich der G esundheitszustand der Bäume erhoben wird. Die Arbeitsgruppen Ökologische Net z- werke (Prof. Dr. Nico Blüthgen) und Evolutionäre Tie r- ökologie (Prof. Dr. Michael Heethoff) am Fachbereich Biologie der Tec hnischen Universität Darmstadt (TU Darmstadt) begleiten diese Waldzustandserhebung wissenschaftlich. Da der Stadtwald Darmstadt derzeit aus der forstwirtschaftlichen Nutzung herausgeno m- men wurde, besteht aus wissenschaftlicher Sicht die Möglichkeit, die natürliche Waldentwicklung langfri s- tig zu begleiten. Besonders wertvoll ist der Vergleich zwischen den Wäldern der Rheinebene und des Odenwaldvorlandes (West - versus Ostwald), die ein unterschiedliches Maß an Schädigung zeigen und sich zusätzlich durch den Bodenwasserhaushalt und die Hauptbaumarten im Bestand unterscheiden: Werden sich im trockeneren Westwald andere Baumarten langfristig durc hsetzen als im feucht e- ren Ostwald? Wie wirken sich unterschiedliche Baumbestände auf die Insekten- und die Bodenfauna aus? Wie beeinflussen sich unterschiedliche Tiergemein- schaften und Pflanzengesellschaften auf den Fl ä- chen gegenseitig? Durch die Langfris tigkeit des Projekts lassen sich ko n- tinuierliche Datenreihen erstellen, die durch ein mult i- faktorielles Design die natürliche Waldentwicklung in den nächsten Jahren beleuchten können. Basisarbeiten Aus den 298 Stichprobenpunkten der Waldzustand s- erhebung wu rden basierend auf der Hauptbaumart und dem Feuchtigkeitsgrad des Bodens 74 Flächen ausgewählt, von denen sich 33 im Westwald und 41 im Ostwald befinden (Abb. 41). Beginnend im April 2023 wurden diese 74 Untersuchungsplots um den Mittelpunkt d es Stichprobe npunktes auf 30x 30 m erweitert. Auf diesen Flächen wurden alle B äume ab einem Durchmesser von 7 cm vermessen sowie die Baumart notiert. Ein großer Teil des Ist -Zustandes im Jahr 2023 wurde durch studentische Abschlussarbeiten bestimmt. Zum einen wurde das Totholzvolumen der e ingerichteten Plots vermessen: F ür das stehende Totholz wurde der Durchmesser in Brusthöhe gemessen und zusätzlich die Gesamthöhe bestimmt. Für liegendes Totholz wurden alle abgestorbenen Teile ab einem Durchme s- ser von 25 cm erfasst sow ie jegliches Totholz una b- hängig der Größe auf den beiden Plot -Diagonalen. Weitere grundlegende Parameter wie die prozentuale Bodendeckung von Laubstreu, Moos, Steinen und Offenboden sowie der Wildverbiss und der Blattfraß von Insekten (die Herbivorie) an J ungbäumen wurden ebenfalls erhoben. Abb. 41: Schwarze Punkte zeigen die 74 Untersuchungsplots für die wissenschaftlichen Begleitforschungen durch die TU Darmstadt. 30 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 Faunistische Untersuchungen Mehrere studentische Abschlussa rbeiten und eine Doktorarbeit im interdisziplinären Projekt „WaldDi s- kurs“ haben sich mit der Untersuchung ve rschiedener Organismen-Gruppen beschäftigt. Durc h das Ausbri n- gen von Bode nfallen mit und ohne Köder (Kuhdung) wurden Dung - und Laufkäfer sowie weitere bodenl e- bende Tiere (u. a. Spinnen, Schaben) gesammelt (Abb. 42). Mittels Handfängen wurden Gehäuse - und Nack t- schnecken sowohl auf den Flächen als auch au s einer definierten Laubmenge im Labor erfasst. Für Flugi n- sekten wurden im April Kreuzfensterfallen auf den Flächen aufgehängt und alle drei Wochen geleert (Abb. 44). Im Mai und September 2023 wurden je drei Bodenproben genommen und a nschließend im Labor die sogenannte Bodenm esofauna – z. B. Raubmilben, Hornmilben, Springschwänze – mittels Hitze extrahiert (Abb.43). Weiterhin wurden Totholzbewohner und mit Totholz assoziierte Tiere untersucht. Abb. 43: Mithilfe eines Blumenzwiebelstechers wurden im Mai und September je 3 Bodenkerne pro Versuchsplot entno m- men. Die im Boden lebende mobile Fauna (z. B. Raubmilben, Hornmilben und Springschwänze; unten von links nach rechts) kann mittels eines Temperatur-Feuchtigkeits-Gradienten extrahiert werden (oben rechts). Abb. 42: Eine ebenerdig in die Laubstreu vergrabene B o- denfalle ohne Dungköder. Die sogenannte Barber -Falle wurde mit einem Plastikdach gegen Regen und herabfa l- lendes Laub geschützt. 31 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 Klimadaten Zur Erfassung des plotspezifischen Mikroklimas w ur- den gleich zu Beginn der Arbeiten im April zwei Kl i- malogger ausgebracht und kontinuierlich ausg elesen (Abb. 45). Wä hrend der eine Logger die bodennahe Temperatur und Feuchti gkeit in der Laubstreu misst, liefert der andere Bodenlogger Temperatur und B o- denfeuchtigkeit in 6 cm Tiefe sowie die Temperatur an der Bodenoberfläche und in 15 cm Höhe. Erste Auswertungen des Loggers auf dem Boden de u- ten d arauf hin, dass im Westwald deutlich höhere Maximaltemperaturen erreicht werden als im Ostwald (Abb. 46 und 47). Die mittlere Temperatur am Wal d- boden lag im Zeitraum von April bis September 2023 bei 21,4 °C im Westwald und bei 17,7 °C im Ostwald. Während im Ostwald die Max imaltemperaturen am Boden „nur“ knapp über 40 °C steigen, erreichten einige Ve rsuchsplots im Westen Temperaturen von über 60 °C (Abb. 47). Das umgekehrte Bild wurde für die Feuchtigkeit am Waldboden beobachtet: i m Westwald lag die mittle re Feuchtigkeit bei 60,8 % und im Ostwald bei 76,4 % (Abb. 47). Sowohl in Bezug auf die Temp eratur als auch die Fe uchtigkeit waren die Schwankungen im Westwald größer als im Ostwald. Abb. 44: Eine Kreuzfensterfalle hängt an einer Leine zw i- schen zwei Bäumen aufgespannt. In der oberen und unt e- ren Sammeldose befindet sich jeweils eine Fangflüssigkeit. Abb. 45: Ein Logger (1) misst Temperatur und Feuchtigkeit an der Bodenoberfläche und ist je nach Plo tbeschaffenheit mehr oder weniger mit Laubstreu bedeckt. Der Bodenlogger (2) steckt im Boden und liefert I nformationen zu Temperatur und Bodenfeuchtigkeit in 6 cm Tiefe sowie Temperaturdaten an der Bodenobe rfläche und in 15 cm Höhe. Beide Logger werden kontinuierlich im Feld ausgelesen. 32 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 Abb. 46: Mittels ihrer GPS -Koordinaten sind die Untersu- chungsplots (=roter Kreis) im West - und Ostwald darg e- stellt. Die Größe der roten Kreise gibt dabei die Höhe der maximalen Temperatur wieder. Abb. 47: Die Temperatur- und Feuchtigkeitsdaten spiegeln den Zeitraum von April bis September am Waldboden wieder und sind in West- und Ostwald unterschieden. Innerhalb des Kastens liegen 50% aller Werte, die rote Linie innerhalb des Katens stellt den Median dar. Die Minimum- und Maximum-Werte (maximal 1,5 fache des Interquartilsabstands) sowie die Ausreißer lassen sich an den senkrechten schwarzen bzw. roten Linien erkennen. 33 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 6 Fazit Der Darmstädter Stadtwald ist mit seinen knapp 2.000 Hektar ein bedeutender Naturraum, der neben der Erholungsfunktion für die Bevölkerung weitere wichtige Ökosystemleistunge n erbringt. Der Wald wirkt u nter anderem ausgleichend auf das Klima und reinigt die Luft von Schadstoffen und Feinstäuben, er bindet klimaschädliche Stoffe wie Kohlendioxid im Holz und Methan im Waldboden, er reguliert den Wasserhaushalt und filtert das Tr inkwasser, er schützt vor Lärm und Immissionen und trägt nicht zuletzt w e- sentlich zum Biotop- und Artenschutz bei. Doch diese Ökosystemleistungen des Darmstädter Stadtwaldes sind durch den hohen Schädigungsgrad der Wälder gefährdet. Die Wälder rund um Dar mstadt zählen schon seit längerem zu den am stärksten g e- schädigten Waldgebieten Deutschlands, deren Z u- stand sich nach den Trockenjahren von 2018 bis 2020 nochmals verschärft hat. Besonders der in der Rhei n- ebene verlaufende Westwald, mit seinen wenig wa s- serspeichernden, sandigen und weitgehend nährstof f- armen Standorten ist seit mehreren Jahren deutlich durch Witterungsextreme geschädigt und in einem sehr kritischen Zustand. Die Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2023 bel e- gen den schlechten Zustand des Darm städter Stad t- waldes. Zwar ging die mittlere Kronenverlichtung der Bäume im Vergleich zum außergewöhnlich heißen und trockenen Jahr 2022 leicht zurück, jedoch bleibt der Schädigungsgrad auch dieses Jahr auf einem sehr h o- hen Niveau. Während im Westwald erste Verjün- gungsprozesse sowie an einzelnen Bäumen eine Sta g- nation hoher Kronenschäden zu beobachten sind, zeigt sich im Ostwald auch dieses Jahr eine Zunahme der Waldschäden, wenngleich das Schadensausmaß hier im Vergleich zum stark geschädigten Westwald deutlich geringer ist. Allein der sehr hohe Anteil an stehendem Totholz ist im Westwald mit knapp 10 % weiterhin außergewöhnlich hoch. Angesichts der zunehmend aufgelichteten Bestände kommt dem Walderhalt und der Wiederbewaldung eine besondere Rolle zu. Gemäß dem aufgestellten Leitbild der Stadt Darmstadt soll für längere Zeit keine Holznutzung im Stadtwald mehr durchgeführt werden, um so die Stabilität und die Naturnähe der Wälder zu fördern. Zudem soll die zukünftige Baumartenzusa m- mensetzung weitgehend den n atürlichen Waldgesel l- schaften entsprechen, d. h. aus baumartenreichen, laubholzgeprägten Mischwäldern bestehen, die deu t- lich widerstandsfähiger gegenüber Schädlingen und Klimastress sind. Lediglich in Bereichen , in denen ke i- ne heimischen Baumarten etablier t werden können, ist das aktive Einbringen von gebietsfremden Arten nach sorgfältiger Abwägung zu prüfen. Die Waldverjüngung steht dabei insbesondere im Rheintal vor großen Herausforderungen, da in Folge des Klimawandels auf den sandigen Standorten der Oberboden häufig derart austrocknet, dass ein A n- wachsen noch flachwurzelnder Jungpflanzen erheblich erschwert wird. Zudem breiten sich an vielen Waldo r- ten invasive, nicht -heimische Arten aus, die eine Ve r- jüngung anderer Baumarten beeinträchtigen. Hier ist vor allem die bereits heute weit verbreitete Spätbl ü- hende Traubenkirsche, die Kermesbeere oder der Japanische Knöterich zu nennen. Neben regelmäßigen Befall durch den Maikäfer, dessen Larven die Wurzeln von jungen Bäumen massiv schädigen können, e r- schwert auch die hohe Rehwilddichte im Darmstädter Stadtwald die Etablierung ökologisch wertvoller Mischbestände. Durch den selektiven Verbiss des Rehwildes kommt es zu einer Entmischung der B e- stände, so dass vorzugsweise abgefressene Baumarten wie Hainbuche, Eiche o der Elsbeere weniger Chancen haben ungestört aufzuwachsen. Seit diesem Jahr finden auf den Stichprobenpunkten der Waldzustandserhebung umfangreiche Begleitst u- dien der Technischen Universität Darmstadt (TU Darmstadt) statt, um die natürliche Entwicklung de r Wälder zu untersuchen. Vorrangiges Ziel ist es dabei, langfristige Zusammenhänge zwischen der Walden t- wicklung in Bezug auf die Insekten - und Bodenfauna darzustellen. Hierzu werden auf ausgewählten Au f- nahmepunkten mittels verschiedener Methoden r e- gelmäßig Tier- und Pflanzenarten erhoben sowie abio- tische Faktoren wie Temperatur und Feuchtigkeit g e- messen. Besonders wertvoll erscheint dabei der Ve r- gleich zwischen den beiden klimatisch und standör t- lich stark unterschiedlichen Bereichen des West - und Ostwaldes. Im Hinblick auf die Walderhaltung und das zukünftige Management des Stadtwaldes sind detaillierte Info r- mationen über den aktuellen Waldzustand, die z u- künftige Waldentwicklung und das bestehende Ver- 34 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 jüngungspotential von großer Bedeutung. Die unter- schiedlichen Untersuchungen im Stadtwald Darmstadt stellen hierfür eine wichtige und breite Datengrundla- ge zur Verfügung , um die dynamische Waldentwic k- lung mit all ihren unterschiedlichen Facetten aufzuze i- gen. Zudem können auf dieser Basis geeignete Ma ß- nahmen zur Stärkung der Widerstandskraft der Wä l- der entwickelt und diese im Rahmen der jährlich durchgeführten Erhebungen regelmäßig kontrolliert und ggf. angepasst werden. 35 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 7 Glossar Abiotisch: ohne Beteiligung von Lebewesen. Biotisch: mit Beteiligung von Lebewesen. Brusthöhendurchmesser: Durchmesser eines stehe n- den Baumes in der Brusthöhe von 1,30m. Deutlich geschädigte Bäume: Nach der Definition der Waldzustandserhebung gelten alle Bäume mit einem Nadel-/Blattverlust größer als 25% als deutlich g e- schädigt (Zusammenfassung der Schadstufe 2 bis 4). Deckungsgrad: Anteil der Bestandesfläche, die durch Baumkronen überdeckt ist. Disposition: Anfälligkeit/Empfänglichkeit eines Ba u- mes für bestimmte Krankheiten bzw. Schädlinge. Fruktifikation: Fruchtbildung einer Pflanz e/eines Baumes. Invasive Arten: Tier- und Pflanzenarten, die mit ihrer Ausbreitung Lebensräume, Arten oder Ökosysteme beeinträchtigen und der ökologische n Vielfalt sch a- den. Kraft´sche Klasse: Einteilung der Bäume in Baumklas- sen nach ihrer soziologischen S tellung innerhalb eines Bestandes nach G. Kraft. Kraft´sche Klassen 1 bis 5: vorherrschend, herrschend, gering mitherrschend, beherrscht und ganz unterständig. Konfidenzintervall: statistisch berechneter Vertrau- ens- oder Erwartungsbereich, innerhalb der die Werte mit einer definierten Wahrscheinlichkeit liegen. Oft wird der 95%-Vertrauensbereich angegeben. Mortalität: Absterberate der Bäume, die in einem Jahr (seit der letzten Erhebung) abgestorben sind. Nadel-/Blattverlust: eingeschätzter Verlust der B e- nadelung bzw. der Belaubung. Der Nadel -/Blattverlust wird in 5 -Prozentstufen am Einzelbaum geschätzt und zum mittleren Nadel-/Blattverlust (mNBV) verrechnet. Resilienz: Widerstandsfähigkeit gegenüber Belastu n- gen. Schadstufen: Zusammenfassung der Nadel -/Blatt- verluststufe und der Vergilbungsstufe. Schadstufe 0 = ungeschädigt, 1 = schwach geschädigt, 2 = mittelstark geschädigt, 3 = stark geschädigt, 4 = abgestorben. Sukzession: zeitliche Abfolge der an einem Standort aufeinanderfolgenden Pflanzengesellschaften. Trockenreisig: dünne, abgestorbene, trockene Äste in der Baumkrone Verjüngung: Nachwuchs von Bäumen (natürliche Ve r- jüngung, Saat oder Pflanzung). Vitalität: „Lebenskraft“, Gesundheit, gutes Wachstum, Widerstandskraft gegenüber Stressfaktoren. Weiserzaun: Kontrollzaun, der eine begrenzte Fläche wilddicht umschließt und so eine Beurteilung des Wildeinflusses im Vergleich zu einer nicht umzäunten Fläche ermöglicht. 36 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 8 Literatur- und Fotoverzeichnis Literatur: Arbeitsgemeinschaft Kronenzustand (2007): Waldbäume – Bilderserien zur Einschätzung von Kronenverlichtungen bei Waldbäumen. BMVEL (Hrsg.), 130 S. DWD 2023: https://www.dwd.de/DE/presse/pressemitteilungen/DE/2022/20221230_deutschlandwetter_ jahr2022.pdf?__blob=publicationFile&v=3 (Stand: 01.12.2023). HLNUG 2023: https://klimaportal.hlnug.de/klima-der-zukunft (Stand: 01.12.2023). NW-FVA (202 3a): Waldzustandsbericht 202 3. Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Hrsg.), 39 S. NW-FVA (2023b): schriftliche Auskunft der NW-FVA. 28.11.2023. Wellbrock, N., Eickenscheidt, N., Hilbrig, L., Dühnelt, P -E., Holzhausen, M., Bauer, A., Dammann, I., Strich, S., E n- gels, F., Wauer, A. (2018): Leitfaden und Dokumentation zur Waldzustandserhebung in Deutschland. Brau n- schweig: Johann Heinrich von Thünen -Institut, 97 S., Thünen Working. Paper 84, DOI: 10.3220/ WP1513589598000. Fotos: Alle Fotos der Kapitel 1 bis 4 sowie das Titelbild stammen von: Stefan Meining (Büro für Umweltüberwachung) Alle Fotos des Kapitels 5 stammen von: Dr. Katja Wehner (Technische Universität Darmstadt)
anlage 3
10163 Zeichen
- 2 -
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
07.02.2024
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat III an die Stadtverordne tenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Amt: Grünflächenamt
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
III 67
Stvv
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2024/0038
Magistratsbeschluss -Nr.
61
Internetfähig
Produkt-Nr.: 555010
Kostenstelle: 067-030-1100 Investitionsnummer:
Kostenträger: 5550-11 Sachkonto: diverse Sachkonten
Betreff: Waldzustandsbericht 2023 für den Stadtwald Darmstadt (WZB 2023)
Vorlage vom: 25.01.2024
Beschlussvorschlag :
Der Waldzustandsbericht 2023 wird zur Kenntnis genommen.
Anlagen: Waldzustandsbericht 2023
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
- 3 -
Zusätzlich für alle Vorlagen aus dem Bereich des Hochbaus anzugeben:
Klimarelevanz des Vorhabens:
Auswirkungen auf Stadtklima: ja nein
Auswirkungen auf THG -Emissionen: gering1) mittel/groß 2)
Beteiligung Amt f. Klimaschutz & Klimaanpassung: ja nein
Zusätzlich bei Beschlüssen zur Baufreigabe:
Wurden Optimierungspotentiale ausgeschöpft? ja nein
Falls nein, Kompensationsmaßnahmen festgelegt? ja nein
1) bis 10 Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente (CO2e) pro Jahr, 2) über 10 Tonnen CO2e pro Jahr.
Beschluss des Magistrats vom 14.02.2024
Der Magistrat nimmt die Vorlage zur Kenntnis.
- 4 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 25.01.2024
Hitze und Trockenheit, hervorgerufen durch die Folgen de r Klimakrise setzen unserem
Stadtwald deutlich zu. Als Teilergebnis des Runden Tisches Wald, dessen Einrichtung durch
Magistrat und Stadtverordnetenversammlung im Sommer 2019 beschlossen wurde und
dessen Abschlussbericht der Magistrat (13.01.2021) und die Stadtverordn etenversammlung
am 27.05.2021 zugestimmt haben, soll für den Stadtwald Darmstadt jährlich ein
Waldzustandsbericht erstellt werden. Darin soll der Waldzustand erfasst und dauerhaft
dokumentiert werden. Diese Erhebung des Waldzustands gehört zur grundlegende n Analyse
des Zustands unseres West - und Ostwaldes und liefert differenzierte, kleinräumige
Erkenntnisse, welche im weiteren Prozess ermöglichen sollen, die richtigen Maßnahmen zum
Schutz des Ökosystems Wald ableiten zu können.
In Anlehnung an die landes weite Waldzustandserhebung und in Zusammenarbeit mit der
Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen wurde vor einigen Jahren ein
Stichprobendesign für den Waldzustandsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt
erarbeitet. Zwischen dem 24. Jul i und dem 18. August 2023 wurde schon zum vierten Mal
eine dezidierte, engmaschige Erhebung des Waldzustands im Stadtwald Darmstadt
durchgeführt. Das dichte Aufnahmeraster (250 m x 250 m) garantiert eine hohe Auflösung
der Ergebnisse und berücksichtigt etw a die standörtlich unterschiedlichen Gebiete des West -
und Ostwaldes. Der Waldzustandsbericht 2023 für den Stadtwald Darmstadt ist in der
Anlage beigefügt.
Die Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2023 belegen den schlechten Zustand des
Darmstädter Stadtwa ldes. Zwar ging die mittlere Kronenverlichtung der Bäume im Vergleich
zum außergewöhnlich heißen und trockenen Jahr 2022 leicht zurück, jedoch bleibt der
Schädigungsgrad auch dieses Jahr auf einem sehr hohen Niveau. Während im Westwald erste
Verjüngungspro zesse sowie an einzelnen Bäumen eine Stagnation hoher Kronenschäden zu
beobachten sind, zeigt sich im Ostwald auch dieses Jahr eine Zunahme der Waldschäden,
wenngleich das Schadensausmaß hier im Vergleich zum stark geschädigten Westwald
deutlich geringer i st. Allein der sehr hohe Anteil an stehendem Totholz ist im Westwald mit
knapp 10 % weiterhin außergewöhnlich hoch.
Im Vergleich zur Landeserhebung der hessischen Wälder zeigen die Ergebnisse der
Waldzustandserhebung im Stadtwald Darmstadt einen erhöhten Schädigungsgrad. Während
der landesweite Durchschnitt des Nadel -/Blattverlusts im hessischen Waldzustandsbericht
2023 mit 29 % angegeben wird, liegt das Verlustprozent im Stadtwald um mehr als 10
Prozentpunkte darüber (41,2 %). Gleichfalls sind der Anteil stärkerer Kronenschäden sowie
die Mortalitätsrate im Darmstädter Stadtwald erheblich höher. Verglichen mit der
Sondererhebung in der Rhein -Main-Ebene nähern sich die Kennzahlen des Waldzustandes an,
so dass sich nur geringe Unterschiede zum Schädigungsgrad des Darmstädter Stadtwaldes
ergeben. Im Westwald hingegen sind die Baumschäden so groß, dass im Vergleich zur Rhein -
Main-Ebene, mit Ausnahme der Mortalitätsrate, alle Kennzahlen des Waldzustandes
übertroffen werden.
Die Witterung hat einen großen Einflus s auf den Zustand der Wälder. Starker Wind und
Orkanböen, Spätfrost sowie langanhaltende sommerliche Trocken - und Hitzephasen machen
sich häufig unmittelbar im Zustand der Bäume bemerkbar. In jüngerer Vergangenheit führten
insbesondere die überwiegend sehr heißen und trockenen Jahre 2018, 2019, 2020 und 2022
zu einer erheblichen Belastung der Wälder mit starken Kronenschäden und einer hohen
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Mortalität. Das Jahr 2023 begann ausgesprochen mild. Sowohl im Januar als auch Februar
lag die Lufttemperatur deutlich über dem langjährigen Mittel. Dabei war es im Februar
deutlich zu trocken. Die Monate März und April waren dagegen wiederum sehr
niederschlagsreich bei durchschnittlichen bzw. leicht unterdurchschnittlichen Temperaturen.
Ab Mai bis etwa Mitte Juli setzte sich eine sehr trockene und weitgehend warme Witterung
durch. Im Mai fiel lediglich knapp 50 % der durchschnittlichen Niederschlagsmenge. Die
Trockenstressbelastung der Bäume verschärfte sich im Juni weiter, indem gerade einmal 12
mm Niederschlag registri ert wurden, was lediglich etwa einem Fünftel der üblichen
Regenmenge entspricht. Gleichzeitig war es im Juni mit im Mittel über 20 °C sehr warm, so
dass mit steigender Transpiration der Wasserbedarf der Bäume anstieg. Das warm -trockene
Wetter setzte sich a uch in der ersten Julihälfte weiter fort und führte in den Wäldern – trotz
zuvor gut befüllter Bodenwasserspeicher – zu ersten Trockenstressreaktionen. Allerdings
setzten Mitte Juli glücklicherweise starke Niederschläge ein, die zu einem abrupten Ende der
Dürrephase führten. Im August war es in Darmstadt wo nass wie schon lange nicht mehr. An
der Wetterstation „Rosenhöhe“ wurden für den Monat August 175 mm Regen gemessen, was
weit über das Doppelte über die übliche Regenmenge hinausgeht. Dabei blieben die
Temperaturen im August vergleichsweise mild.
Der September und Oktober 2023 zeichneten sich dagegen wieder mit sehr sommerlichen
und im Mittel überdurchschnittlichen Temperaturen aus. Die Niederschlagsmengen gingen
im Vergleich zum August stark zurück und insbesondere der Oktober war mit lediglich 6 mm
Niederschlag erheblich zu trocken.
Für eine erfolgreiche Waldverjüngung sind angepasste Wildbestände eine wichtige
Voraussetzung. Die aktuellen Erhebungen zeigen einen unterschiedlich starken Einf luss des
Wildverbisses auf einzelne Waldgebiete sowie auf einzelne Baumarten. So konnte gezeigt
werden, dass derzeit sowohl im West - als auch im Ostwald Areale mit erhöhtem Wildverbiss
auftreten und dass dabei in großer Anzahl die Baumart Hainbuche betroff en ist. Durch
wilddicht umzäunte Probeflächen, sogenannte Weiserzäune, kann die Waldverjüngung ohne
Wildeinfluss zusätzlich standortsbezogen erhoben und quantifiziert werden, wobei –
sozusagen als Nebenprodukt – innerhalb weniger Jahre für die Bestandsstru ktur wichtige
Verjüngungskegel entstehen können. Bedeutend hierfür sind kontinuierliche Kontrollen der
Zäune durch die städtischen Forstwirte und eine regelmäßige Aufnahme der aufkommenden
Waldvegetation.
Auch wenn die Baumschäden in Teilen des Stadtwald es derzeit gravierend sind, bieten sie
auch eine Chance für die biologische Vielfalt. Zerfallsphasen und Kalamitäten gehören zu
einem natürlichen Ablauf der Waldentwicklung. Absterbende Bäume, stehendes Totholz oder
umstürzende Stämme, stellen für viele Ti er- und Pflanzenarten – darunter oft seltene, vom
Aussterben bedrohte Arten – einen wichtigen Lebensraum dar. Zudem kann ein erhöhter
Totholzanteil am Boden zu einem verbesserten Wasserhaushalt und langfristig zu einem
verbesserten Bodenzustand der Wälder beitragen.
Seit dem Jahr 2023 finden auf den Stichprobenpunkten der Waldzustandserhebung
umfangreiche Begleitstudien der Technischen Universität Darmstadt (TU Darmstadt) statt,
um die natürliche Entwicklung der Wälder zu untersuchen. Dieser begleitenden F orschung ist
im aktuellen Waldzustandsbericht 2023 ein eigener Absatz gewidmet. Vorrangiges Ziel dieser
Forschung ist es dabei, langfristige Zusammenhänge zwischen der Waldentwicklung in Bezug
auf die Insekten - und Bodenfauna darzustellen. Hierzu werden au f ausgewählten
Aufnahmepunkten mittels verschiedener Methoden regelmäßig Tier - und Pflanzenarten
erhoben sowie abiotische Faktoren wie Temperatur und Feuchtigkeit gemessen. Besonders
wertvoll erscheint dabei der Vergleich zwischen den beiden klimatisch und standörtlich stark
unterschiedlichen Bereichen des West - und Ostwaldes.
Die Waldzustandserhebung 2023 dokumentiert die aktuellen Waldschäden und beschreibt
die zeitliche und räumliche Entwicklung der Wälder im Stadtwald Darmstadt. Infolge der
derzeit dynamischen Veränderung ist ein detailliertes, kontinuierliches Monitoring der Wälder
durch die jährlichen Waldzustandsberichte von großer Bedeutung, um daraus geeignete
Maßnahmen zur langfristigen Walderhaltung ableiten zu können. Die Waldzustandserhebung
kann dabei neben der reinen Dokumentation gleichzeitig auch zur Bewertung und Anpassung
eingeleiteter Maßnahmen genutzt werden. Sie liefert damit einen wichtigen Beitrag zur
Entwicklung widerstandsfähiger und klimaangepasster Wälder.
Dezernat III
Michael Kolmer
Stadtrat
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Punkt 7: Waldzustandsbericht 2023 für den Stadtwald Darmstadt (WZB 2023) (V-Nr. 2024/038) - Kenntnisnahme - Der Ausschuss für Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Umwelt und Stadtplanung nimmt von der Vorlage Kenntnis.
Beratungsverlauf (2)
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2024/0038
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 25.01.2024
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00