Mandari Insight

2020/0249

Leitlinien zur Förderung der geschlechterreflektierten Jungen*arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe

Magistratsvorlage 25.08.2020

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1 
 
 
 
 
‚Jungen werden nicht als 
Jungen geboren, sondern zu 
Jungen gemacht!‘ 
(in Anlehnung an Simone de Beauvoir, 1949) 
 
 
 
Leitlinien zur geschlechterreflektierten Jungen*arbeit in der 
Wissenschaftsstadt Darmstadt und im Landkreis Darmstadt-Dieburg

2 
 
Leitlinien zur geschlechterreflektierten Jungen*arbeit  
im Landkreis Darmstadt-Dieburg  
und der Wissenschaftsstadt Darmstadt 
 
 
Grußworte der Jugend- und Sozialdezernentinnen   
 
1. Vorwort 
 
2. Die Arbeitsgemeinschaft Jungenarbeit in der Wissenschaftsstadt 
Darmstadt und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg 
 
3. Ausgangslage  
 
3.1 Gesellschaftlicher Hintergrund 
 
3.2 Lebenswelten von Jungen* 
 
3.3 Rechtliche Bezüge 
 
3.3.1 Europäische Union 
 
3.3.2 Bundesrepublik Deutschland 
 
3.3.3 Bundesland Hessen 
 
3.3.4 Lokale Ebene 
 
 
4. Was ist geschlechterreflektierte Jungen*arbeit? 
 
 
5. Ziele der geschlechterreflektierten Jungenarbeit    
 
5.1 Zielgruppen 
 
5.2 Ziele auf der Ebene der Jungen  
 
 
6.  Qualitätsmerkmale 
 
6.1 Selbstverständnis der Jungenarbeit – Was macht die pädagogische Arbeit 
mit Jungen zur geschlechterreflektierten Jungen*arbeit?  
        
6.2 Zur Rolle der Fachkraft als männliches Orientierungsmodell – eine Frage 
der Haltung! 
 
6.3 Fachliche Standards von geschlechterreflektierter Jungen*arbeit 
 
6.4 Fachkräftequalifikation 
 
 
7.  Methodeneinsatz

3 
 
 
  
8. Kooperation & Vernetzung 
       
8.1 Kooperation mit der Mädchenarbeit 
 
8.2 Mädchen- und Jungenarbeit in der Stadt Darmstadt und im Landkreis 
Darmstadt-Dieburg 
 
8.3. Überregionale Vernetzung 
 
9. Evaluation der geschlechterreflektierten Jungen*arbeit 
 
10. Ausblick 
         
 
Anhang 1: 
Literatur 
 
Anhang 2: 
Definition und Erklärung der Fachbegriffe  
 
Anhang 3: 
Übersicht der AGJ-Mitglieder

4 
 
Leitlinien zur geschlechterreflektierten Jungen*arbeit  
in der Wissenschaftsstadt Darmstadt 
und im Landkreis Darmstadt-Dieburg 
 
Die vorliegenden Leitlinien zur geschlechterreflektierten Jungen*arbeit sind das Ergebnis aus 
mehreren Jahren Geschlechterdiskurs, des gemeinsamen Austausches von Fachkr äften in 
der Jungen *arbeit sowie der Dialoge zwischen Hauptberuflichen der Mädchen *- und 
Jungen*arbeit in der Wissenschaftsstadt Darmstadt und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg.  
 
Eingeflossen sind ebenso Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen unterschiedlichster 
Geschlechter, Gespräche mit Eltern, mit Lehrer*innen und weiteren Akteur*innen sowohl in 
formalen als auch non-formalen Bildungskontexten. 
 
Diese Leitlinien stellen eine Weiterentwicklung bisheriger Konzeptentwürfe der 
Arbeitsgemeinschaft Jungenarbeit (AGJ) dar. Gemeinsam ist diesen bereits vorliegenden 
Entwürfen, dass sie auf der Grundlage binär wahrgenommener Geschlechtlichkeit 
argumentieren. Hier ist sowohl die gegenwärtige Genderdebatte von Diversity of Gender 
and Sex aufgenommen als auch feministische Forderungen, die teilweise noch aus den 70er 
Jahren des letzten Jahrhunderts stammen, jedoch nichts an Brisanz verloren haben. Darüber 
hinaus sind auch die Einflüsse aktueller gesellschaftlicher Debatten wie beispielsweise 
#metoo zu spüren. 
 
Grundlegend für diese Leitlinien ist die Auffassung, dass idealisierte Männlichkeitsbilder auf 
den Prüfstand gehör en. Dies findet auch seinen Ausdruck in der AG Jungenarbeit der 
Wissenschaftsstadt Darmstadt und des Landkreises Darmstadt-Dieburg. Bereits 1996 wurden 
vom damaligen Arbeitskreis Jungen Darmstadt „Leitlinien zur Förderung der Jungenarbeit in 
der Kinder - und Jugendhilfe“ entwickelt. Es ging darum, prägende identitätsbildende 
Momente in der Jungenarbeit zu schaffen und gleichzeitig Artikel 3  des Grundgesetzes 
umzusetzen. Später kam die Verbindung mit der Europäischen Charta für die Gleichstellung 
von Frauen und Männern auf lokaler Ebene und auch die Charta für Vielfalt hinzu. Seit vielen 
Jahren gibt es darüber einen regelmäßigen Austausch zwi schen Mädchen *- und 
Jungen*arbeit in der Fachgruppe Gender. 
 
Ziel dieser Leitlinien ist es, ein verantwortungsvolles Bewusstsein junger Menschen im Blick 
auf geschlechtliche Identität und sexuelle Orientierung zu unterstützen. Vor dem 
Hintergrund einer ges ellschaftlichen ‚Rollback -Bewegung‘ und einem Erstarken des 
Rechtspopulismus stellt dies eine der entscheidenden politischen Herausforderungen dar.  
 
Die hier dargestellten Ansätze verstehen sic h als inklusiv und nachhaltig und können zur 
Befreiung aus den  Zwängen tradie rter Geschlechtlichkeit beitragen. Sie können als 
Orientierungshilfe zu einer mod ernen Jugendhilfepolitik verstanden  werden mit ihren 
schutzpolitischen, befähigungspolitischen, teilhabepolitischen und gerechtigkeitspolitischen 
Aspekten. Damit sind sie auch ein Beitrag zur Demokratiebildung junger Menschen.

5 
 
Wir möchten uns bei allen Akteur*innen, die bei der Erstellung dieser Leitlinien mitgewirkt 
haben bedanken, insbesondere der AG Jungenarbeit  und der Redaktionsgruppe  für die 
fachlichen und praxisbezogenen Impulse.  
 
Danke auch an die Autorengruppe der Bremer Leitlinien Jungenarbeit, die mit ihren 
Leitlinien eine wichtige Inspiration für die Erstellung der hier vorgelegten Ausarbeitung 
waren. 
 
 
 
 
 
Barbara Akdeniz      Rosemarie Lück 
Sozialdezernentin      Jugend- und Sozialdezernentin des 
der Wissenschaftsstadt Darmstadt     Landkreises Darmstadt-Dieburg 
 
 
Mai 2020

6 
 
Vorwort 
 
Die Arbeitsgemeinschaft Jungenarbeit (AGJ) 1 der Wissenschaftsstadt Darmstadt und des 
Landkreises Darmstadt -Dieburg entwickelte n die vorliegenden Leitlinien zur 
geschlechterreflektierten Jungen *arbeit2 in einem g emeinschaftlichen Prozess , um eine 
Basis für verbindliche Standards für geschlechterreflektierte Jungen*arbeit in der Jugendhilfe 
und Jugendverbandsarbeit zu schaffen. Die Leitlinien zur geschlechterreflektierten 
Jungen*arbeit richten sich an alle Personen und Personengruppen, die mit Jungen* arbeiten. 
Sie bieten fachliche Unterstützung und Orientierung zur Umsetzung 
geschlechterreflektierter Jungen*arbeit, zum Beispiel in  Kindertagesstätten, in der offenen 
Kinder- und Jugendarbeit, der außerschulischen Jugendbildung, in Schulen, Kirchen und 
Vereinen. Die AGJ führt in diesen Leitlinien praktische Erfahrungswerte, fachliche Standards 
und wissenschaftliche Erkenntnisse zusammen, mit dem Ziel,  diese verbindlich in der  
qualitativen, sozialräumlichen und regionalen Jungenarbeit zu verankern.  
 
Die Leitlinien zur geschlechterreflektierten Jungen*arbeit basieren auf der Grundlage 
gesetzlicher Aufträge für die Kinder- und Jugendhilfe sowie fachlicher Anforderungen an die 
Kinder- und Jugendhilfe im Hinblick auf Gleichstellung, Gleichberechti gung und 
Gleichwertigkeit von Frauen* und Männern*. 
 
Die vorliegenden Leitlinien sowie die Begleittexte wurden vo n einer Redaktionsgruppe der 
AGJ ers tellt. Diese Gruppe besteht aus Gernot Bach -Leucht (Landesjugendpfarrer der 
Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau), Jan Reiners (Genderpädagogischer Fortbildner, 
Darmstadt), Frank Schrödel  (Dipl. Sozial arbeiter, Kinder- und Jugendförderung Pfungstadt ) 
und Lars Richter  (Jugendbildungsreferent im Jugendbildungswerk  des Landkreises 
Darmstadt-Dieburg). Die Leitlinien wurden im Auftrag und in enger Kommunikation mit der 
AGJ entwickelt und mit den Mädchenarbeitskreisen der Wissenschaftsstadt Darmstadt 
(MAK) und des Landkreises Darmstadt -Dieburg (AKPM) abgestimmt. Am inhaltlichen 
Austausch und der Entwicklung war auch die Fachstelle Jungenarbeit in Hessen (Fokus Jungs) 
beteiligt.  
 
Wir verwenden das Zeichen * ( Gendersternchen), um auf die Konstruk tion de r Begriffe 
„Junge“ und „Mädchen“ sowie „Mann“ und „ Frau“ hinzuweisen. Damit verdeutlichen wir, 
dass wir diese Begriffe nicht als biologische, sondern sozial konstruierte Kategorie innerhalb 
eines hierarchischen Geschlechterverhältnisses interpretieren. Wenn wir zum Beispiel von 
„Junge*“ sprechen, meinen wir damit alle Menschen, die sich selbst als Junge * 
wahrnehmen. Das Gendersternchen weist ferner darauf hin, dass es keine determinierte 
Form von  Junge* oder Mädchen* gibt, sondern  jedes Individuum das Recht auf eine 
selbstbestimmte Entwick lung einer geschlechtlichen Identität und sexuellen Orientierung 
besitzt. 
 
Zum besseren Verständnis der im Folgenden verwendeten Fachbegriffe werden diese im 
Anhang 2 „Definition und Erklärungen von Begriffen“ erläutert.  
                                                           
1 Siehe Kapitel 2 „Die Arbeitsgemeinschaft Jungenarbeit in der Wissenschaftsstadt Darmstadt und dem 
Landkreis Darmstadt-Dieburg“. 
2 Siehe Anhang 2 „Definition und Erklärungen von Begriffen“

7 
 
2. Die Arbeitsgemeinschaft Jungenarbeit in der Wissenschaftsstadt 
Darmstadt und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg 
 
Die Arbeitsgemeinschaft Jungenarbeit (AGJ) ist ein Gremium von Männern *3, die 
vornehmlich im haupt - oder nebenberuflichen pädagogischen Kontext in der Kinder - und 
Jugendarbeit innerhalb der Gebietskörperschaften der Stadt bzw. des Landkreises arbeiten. 
Die Mitglieder der AGJ wirken in kirchlichen, verbandlichen, freien und kommunalen Kinder- 
und Jugendeinrichtungen und Verantwortungsbereichen.  
 
Die Aufgaben und Ziele der AGJ sind: 
 Die AGJ fördert Geschlechtergerechtigkeit. 
 Die AGJ nimmt Bedürfnisse von Jungen* wahr und vertritt deren Interessen.  
 
 Die AGJ gibt Orientierung und fachliche Unterstützung zu geschlechterreflektierter 
pädagogischer Arbeit mit Jungen*. 
 
 Die AGJ engagiert sich für vielfältiges Jungesein und Manns ein und entlastet Jungen* 
und Männer * von angestaubten und rigiden Männerbildern, ohne neue 
Ausgrenzungen zu bewirken.  
 
 Die AGJ fördert die Vorbildfunktion ihrer Mitglieder gegenüber Kindern und 
Jugendlichen.  
 
 Die AGJ steht im regelmäßigen Austausch mit den Arbeitskreisen zur Mädchenarbeit 
der Stadt Darmstadt (Mädchenarbeitskreis , MAK) und des Landkreises Darmstadt -
Dieburg (Arbeitskreis Parteiliche Mädchenarbeit , AKPM) und bildet gemeinsam mit 
diesen die Fachgruppe Gender (FGG).  
 
Die Mitarbeit in der AGJ basiert auf Freiwilligkeit. Sie bietet für Fachkräfte kollegiale n 
Austausch zu Fragen der pädagogischen Arbeit mit Jungen * und zur Geschlechterthematik. 
Weitere Möglichkeiten:  Diskurs, Gestaltung und Durchführung gemeinsamer Aktionen für 
vielfältiges Jungesein, Koordination von Vernetzungs- und Begegnungsmöglichkeiten für die 
jeweiligen Zielgruppen, Exkursionen zur Anregung und Aneignung neuer Perspektiven in der 
persönlichen Arbeit sowie gemeinsame Qualifizierung und Weiterbildung.  Für Einladungen, 
Planungen und Termine ist eine von der AGJ beauftragte Geschäftsführung zuständig.  
 
Die seit 1994 bestehende Arbeitsgemeinschaft trifft sich alle 6  bis 8 Wochen zu einem 2 - bis 
3-stündigen Treffen. Diese Treffen werden regelmäßig von 12 bis 15 Personen besucht. 
Eine Besonderheit der AGJ ist die Zusammenarbeit ihrer Mitglieder über die Stadt - bzw. 
Landkreisgrenze hinaus. Der dadurch erweiterte Blick auf verschiedene Kontexte, in denen  
geschlechterreflektierte Arbeit als Querschnittsthema aufgegriffen und umgesetzt wird, 
kommt den Mitgliedern als Reflexionsmöglichkeit zugute. 
                                                           
3 Seit Mai 2019 für Fachkräfte aller Geschlechter geöffnet

8 
 
Willkommen sind in der AGJ alle Personen, die in der haupt - und nebenberuflichen Arbeit 
mit Jungen* tätig sind, sich mit den hier genannten Themen beschäftigen oder beschäftigen 
werden und sich grundsätzlich mit geschlechterreflektierter Jungen *arbeit 
auseinandersetzen wollen.  
Eine Übersicht der aktuellen und ehemaligen Mitglieder findet sich im Kapitel „Übersicht der 
AGJ-Mitglieder“.

9 
 
3. Ausgangslage 
 
3.1 Gesellschaftspolitischer Hintergrund 
 
Seit den 1970er-Jahren – mit der neuen Frauenbewegung – haben sich in den Gesellschaften 
der westlichen Welt einige Strukturen und gesellschaftliche Verhältnisse  verändert. Frauen* 
haben seither mehr Rechte und Gestaltungsmöglichkeiten für ihr Leben gewonnen. 
Gleichberechtigung ist ein öffentliches und nach wie vor viel diskutiertes Thema geworden, 
das Leitbild Gender Mainstreaming hat sich in der Politik etabliert. Sogenannte 
Männerberufe öffnen sich immer öfter auch für Frauen* und die Vereinbarkeit von Familie 
und Beruf ist nicht mehr ein e Forderung, die allein von  Frauen* gestellt wird . Dennoch 
bestehen in der deutschen Gesellschaft immer noch patriarchale Strukturen. Das zeigt sich 
unter anderem  in der hohen Zahl körperlicher, häuslicher und sexueller Gewalt durch 
Männer*, in der höheren Bewertung von ‚Männlichkeit‘ , zum Beispiel bei der Entlohnung 
von Arbeit und in der Wertschätzung von vermeintlich männlichen Eigenschaften und 
Fähigkeiten. Traditionell weiblich konnotierte Eigenschaften, wie die Fähigkeit zur Empathie, 
Reflexion, Offenheit, Konfliktbewältigung, Fürsorge oder Vermittlung, erhalten eine höhere 
Anerkennung, sofern sie gesellschaftlich auch als männliche Attribute gelten und nicht allein 
weiblichen Personen zugeschrieben werden4.  
 
Die Rollenbilder von Frauen * und Männern * haben sich in den letzten Jahrzehnten stark 
verändert. Durch die neuen gesellschaftlichen Anforderungen an Frauen * und Männer* hat 
sich auch die Vorstellung von Männlichkeit verändert . Das hat Auswirkungen auf alle 
gesellschaftlichen Bereiche wie Familie, Beruf oder das soziale Umfeld, die sich zum Beispiel 
in einer höheren Präsenz von Frauen * im öffentlichen Leben un d eine r höheren 
Verantwortung von Männern* für Haushalt und Kindererziehung zeigen. 
 
Männlichkeitsbilder verändern  sich durch Männer *, die sich nicht mehr auf die tradierte 
hegemoniale Männlichkeit reduzieren lassen wollen. Den Männern* zugeschriebene 
tradierte Rollenbilder haben eine hohe Wirksamkeit in unserer Gesellschaft, diese stimmen 
mit den komplexen und  differenzierten Lebensentwürfen von Männern * jedoch immer 
seltener überein. Die tradierte Männerrolle – geprägt von Härte, Leist ung, „Pokerface“, 
Besitztum und Konkurrenz – verlangt von Männern* ständige Anstrengung und andauernde 
Selbstbehauptung. Männer*, die diese Rolle kritisch reflektieren und ablehnen, befreien sich 
vom Druck hegemonialer Männlichkeit und erfahren dadurch eine Vielzahl von  
Gestaltungsmöglichkeiten für ihr Leben , die ihnen ein tradiertes Mannsein bis dahin 
verwehrte. Um die eigene Rolle als Mann * reflektieren zu können, braucht es die 
Auseinandersetzung mit sich selbst und de n eigenen Vorstellung en von Männlich keit. Das 
schließt die Reflexion der eigenen Partizipation an Machtstrukturen ein. Und es bedeutet, zu 
erkennen, dass Mannsein eine Vielzahl von Lebensentwürfen eröffnet.  Diese Erkenntnis gilt 
es, Jungen* vorzuleben. 
 
Männlichkeitsbilder verändern sich durch eine erhöhte Akzeptanz vielfältiger Lebensmodelle 
und eine sich verändernde und erweiterte Wahrnehmung von Geschlechtsidentität. 
                                                           
4  beispielsweise wenn von sogenannten „Soft Skills“ als wichtigem Erfolgsfaktor für Beruf und Karriere 
die Rede ist – insbesondere in männlich dominierten Management- und Führungspositionen

10 
 
Hegemoniale Männlichkeit versteht und beschreibt sich im Kontext von Homophobie und 
Heteronormativität. Diese tradi erte Wahrnehmung wird zunehmend überwunden, zum 
Beispiel durch die gesetzliche Regelung der „Ehe für Alle“. 
 
Eine Differenzierung der Geschlechterzuweisung in „männlich“ oder „weiblich“ wird 
zunehmend in Frage gestellt, weil damit nur ein kleiner Teil der Fülle des Lebens 
wiedergeben wird. Die Wahrnehmung von Transidentität und Intersexualität in unserer 
Gesellschaft zeigt, dass sich hier Vorstellungen von einer zwingenden Verknüpfung von 
Geschlecht und Identität aufzulösen beginnen bzw. sich erweitern und ausdifferenzieren.5 
 
3.2 Lebenswelten von Jungen* 
 
Hegemoniale Männlichkeit und Geschlechterkonstruktion fordern von Jungen *, eine 
Vorstellung von Mannsein bzw. Jungesein zu entwickeln . Darüber hinaus muss jeder Junge * 
zur Identitätsentwicklung eine persönliche Antwort auf die Frage finden, was ein „richtiger 
Mann“ ist, um beweisen zu können, dass er ein „richtiger Mann“ ist.  
 
Im Folgenden werden die Voraussetzungen zur Veränderung von Männlichkeit sbildern 
beschrieben.  
 
 Veränderungen durch neue gesellschaftliche Anforderungen. 
Neben den Anforderungen an Männlichkeit , wie Schmerz ertragen zu können, sich 
gegen (körperliche) Angriffe wehren oder sich gegen Konkurrenz durchsetzen zu 
können, stehen Jungen* immer wieder vor neuen, widersprüchlichen Anforderungen . 
So sollen sie zum Beispiel  rücksichtsvoll und fürsorglich sein, zuhören können oder sich 
selbstlos für andere engagieren . Das führt teilweise zu einer V erunsicherung. 
Männlichkeit verliert so außerdem an Eindeutigkeit.  
 
 Veränderungen durch Männer *, die sich nicht mehr auf die tradierte hegemoniale 
Männlichkeit reduzieren lassen wollen. 
Während Jungen* früherer Generationen wussten, was ein Mann* ist und wie er zu sein 
hat, erleben Jungen* heute Männer* als diejenigen, die entweder dem Bild der 
tradierten hegemonialen Männlichkeit entsprechen oder dieses kritisch hinterfragen 
und bewusst ein Gegenbild oder alternative Lebensmodelle entwickeln. Mit der 
Ausweitung der Männlichkeitsvorstellungen und –praxen hin zu einer Vielzahl von 
identitätsstiftenden Modellen, werden die Schnittmengen zwischen  den Geschlechtern 
immer größer. Jungen* stehen somit vor der Aufgabe, sich in einem breiteren Spektrum 
von Möglichkeiten zu orientieren . Gleichzeitig sehen sie sich aber  nach wie vor mit 
Hierarchisierungen und einer gesellschaftlichen Höherbewertung männlich konnotierter 
Werte und Normen konfrontiert. 
 
 Veränderung durch eine erhöhte Akzeptanz vielfältiger Lebensmodelle und eine sich 
verändernde und erweiterte Wahrnehmung von Geschlechtsidentität. 
Die Optionen auf verschiedene Lebens modelle erhöhen sich in der Gesellschaft. 
Einzelne Aspekte hegemonialer Männlichkeit geraten zwar zunehmend in die Kritik, 
werden aber weiterhin durch gesellschaftliche Strukturen (z.B. Medien, Peergroups, 
                                                           
5  Vgl. Butler, Judith: Das Unbehagen der Geschlechter. 1991.

11 
 
öffentliche und private Arbeitsteilung) weiter an Jungen* herangetragen, währe nd 
neue, alternative Männlichkeitsentwürfe oftmals nach wie vor abgewertet werden. Die 
Ausweitung an Optionen geht einher mit dem Druck, das persönliche Lebensmodell 
rechtfertigen zu müssen. Diese Situation überfordert viele Jungen*. Jungen* haben zwar 
vielfältige Möglichkeiten , ihr Leben zu gestalten , sind aber gleichzeitig der Bedrohung 
eines Angriffs auf ihren individuellen Lebensentwurf ausgesetzt. 
 
3.3 Rechtliche Grundlagen 
 
Geschlechterreflektierte Jungen*arbeit bewegt sich im Rahmen gesetzlicher und rechtlicher 
Bestimmungen, die auch für andere pädagogische Kontexte in der Kinder - und Jugendhilfe 
grundlegend sind. Im Folgenden eine Auswahl der Gesetzestexte, Richtlinien und 
Verordnungen, die im Besonderen relevant sind: 
 
 
3.3.1 Europäische Union 
 
→ Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) 
Art. 8: Bei allen ihren Tätigkeiten wirkt die Union darauf hin, Ungleichheiten zu beseitigen und 
die Gleichstellung von Männern und Frauen zu fördern. 
Art. 10: Bei der Festlegung und Durchführung ihrer Politik und ihrer Maßnahmen zielt die 
Union darauf ab, Diskriminierungen aus Gründen des Geschlechts, der Rasse, der ethnischen 
Herkunft, der Religion oder der Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der 
sexuellen Ausrichtung zu bekämpfen. 
 
Die Gemeinschaftsverträge stellen die grundlegenden Weichen für Geschlechterpolitik in 
Europa. Bei allen zu treffenden Entscheidungen, haben sich die Europäische Union und die 
Bundesregierung verpflichtet, das Prinzip des Gender Mainstreaming zu berücksichtigen. Das 
bedeutet, alle europäischen Organe haben die verbindliche Vorgabe, Gleichstellung immer 
und in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens mitzudenken bzw. aktiv zu fördern. Des 
Weiteren wird verdeutlicht, dass es bei Gender immer um Frauen* und Männer* in ihrer 
Verschiedenheit und Vielfalt geht. 
 
→ Rat der Gemeinden und Regionen Europas (RGRE) - Europäische Charta für die 
Gleichstellung von Frauen und Männern auf lokaler Ebene  
Die Charta beinhaltet sowohl europäische als lokale Aspe kte. Eine Darstellung folgt unter 
3.3.4 Lokale Ebene. 
 
3.3.2 Bundesrepublik Deutschland 
 
→ Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland (GG) 
Art. 3 
(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. 
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung 
der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender 
Nachteile hin. 
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes (...) benachteiligt oder bevorzugt werden (...).

12 
 
Bereits im Grundgesetz  der Bundesrepublik Deutschland ist die Auseinandersetzung mit 
bestehenden oder möglichen Nachteilen, die sich allein aus der Geschlechtszugehörigkeit 
ergeben, sowie der Abbau solcher Benachteiligung durch die Politik gefordert. 
 
→ Sozialgesetzbuch (SGB) – Achtes Buch (VIII) – Kinder- und Jugendhilfe 
§ 9 Grundrichtung der Erziehung, Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen 
Abs. 3: Bei der Ausgestaltung der Leistungen und der Erfüllung der Aufgaben sind (…) die 
unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen und Jungen zu berücksichtigen, 
Benachteiligungen abzubauen und die Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen zu 
fördern. 
 
Das SGB VIII ist die wichtigste gesetzliche Grundlage des Kinder- und Jugendhilferechts. Der § 
9 Abs. 3 fordert im pädagogischen Planen un d Handeln grundsätzlich zu beachten, dass 
Lebenslagen von Kindern allein durch Geschlechtszugehörigkeit beeinflusst werden und hier 
der Abbau jeweiliger Benachteiligungen, mit dem Ziel der Gleichberechtigung, zu verfolgen 
ist. Dies schließt auch Benachteiligungen durch Geschlechterstereotype mit ein. 
 
§ 74 Förderung der Freien Jugendhilfe 
(2) Soweit von der freien Jugendhilfe Einrichtungen, Dienste und Veranstaltungen geschaffen 
werden, um die Gewährung von Leistungen nach diesem Buch zu ermöglichen, kann die 
Förderung von der Bereitschaft abhängig gemacht werden, diese Einrichtungen, Dienste und 
Veranstaltungen nach Maßgabe der Jugendhilfeplanung und unter Beachtung der in § 9 
genannten Grundsätze anzubieten. 
 
Für alle Kinder - und Jugendhilfeträger und Fachkräfte bedeutet dies, ihre Maßnahmen  
daraufhin zu überprüfen und entsprechend fortzuentwickeln. Es gilt zu überlegen, wie dieser 
Prozess gefördert und entsprechende Angebote nach §9 Abs. 3 SGB VIII bereitgestellt werden 
können. Dieser Paragraph kann die Förderung freier Träger davon abhängig  machen, 
inwieweit deren Angebote auch eine geschlechterreflektierte und geschlechtergerechte 
Ausrichtung beinhalten. 
 
→ Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und  Jugend (BMFSFJ) - Kinder- und 
Jugendplan des Bundes (KJP) 
I.  Aufgaben des Kinder- und Jugendplans des Bundes (KJP) 
(6) Ziele der Förderung sind die Sicherstellung der Zukunftsfähigkeit der Kinder - und 
Jugendhilfe und die Qualitätsentwicklung ihrer Aufgabenwahrnehmung in sämtlichen 
Handlungsfeldern. Maßgebliche Aspekte hierbei sind insbe sondere die Stärkung der Rechte 
von Kindern und Jugendlichen auf Schutz, Förderung und Beteiligung. Das gleichberechtigte 
Zusammenleben und die gesellschaftliche Teilhabe aller Kinder und Jugendlichen in ihrer 
jeweiligen Lebenslage soll gestärkt werden. Au f den Abbau spezifischer Benachteiligungen 
soll hingewirkt werden. 
 
Anlage 1 - Kinder- und Jugendplan des Bundes (KJP) - Leitbild 
B. Leitziele der Kinder- und Jugendhilfe 
5. Teilhabe - Gender Mainstreaming 
Die Berücksichtigung unterschiedlicher Belange der Geschlechter mit dem Ziel der 
tatsächlichen Gleichstellung ist Querschnittsaufgabe in allen Handlungsfeldern der Kinder - 
und Jugendhilfe. Der Abbau von Benachteiligungen aufgrund sexueller Orientierungen u nd

13 
 
geschlechtlicher Identität werden bei allen Maßnahmen besonders berücksichtigt. Es bedarf 
auch weiterhin starker Impulse zum Ausbau einer geschlechtergerechten, 
diskriminierungsfreien Kinder - und Jugendhilfe sowie der gezielten Berücksichtigung des 
Gender Mainstreaming in allen Angeboten. 
 
Der Kinder - und Jugendplan ist das zentrale Förderinstrument der Kinder - und Jugendhilfe 
auf Bundesebene und der größte Haushaltsansatz der Förderprogramme des Bundes -
jugendministeriums. Das „Leitbild“ beinhaltet die z entralen Zielfestlegungen für die KJP -
Förderung und legt die fachlichen und politischen Rahmenbedingungen und Perspektiven 
fest. Die aus dem KJP geförderten Organisationen der Kinder - und Jugendhilfe sind 
verpflichtet, Gender Mainstreaming und den Abbau be stehender Ungleichheit en 
umzusetzen. Der KJP fordert geschlechterreflektierte Auseinandersetzung im Hinblick auf die 
konkrete praktische Arbeit und die Bereitstellung geschlechterreflektierte Angebote in allen 
Leistungsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe. 
 
 
3.3.3 Bundesland Hessen 
 
→ Hessisches Kinder- und Jugendhilfegesetzbuch (HKJGB) 
§1 Jugendhilfe 
(2) Unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen und Jungen sind 
Maßnahmen zu treffen, die die Verwirklichung der Chancengleichheit von  Frauen und 
Männern zum Ziel haben. 
§ 35 Inhalte und Aufgaben der außerschulischen Jugendbildung 
(1) (…) Außerschulische Jugendbildung soll junge Menschen in die Lage versetzen, ihre 
persönlichen und gesellschaftlichen Lebensbedingungen wahrzunehmen und an  der 
Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens mitzuwirken. Sie wirkt auch auf den Abbau von 
gesellschaftlichen Benachteiligungen hin und befähigt zu Eigenverantwortung, Eigeninitiative 
und gemeinsamem Engagement. 
(2): (…) Bei der Ausgestaltung der Angebote  haben die Träger der außerschulischen 
Jugendbildung die Gleichstellung von Mädchen und Jungen sowie jungen Frauen und jungen 
Männern als durchgängiges Leitprinzip zu beachten (Gender Mainstreaming). Mit den 
Bildungsangeboten sollen zu gleichen Teilen weibliche und männliche junge Menschen bis zur 
Vollendung des 27. Lebensjahres erreicht werden. Die Bildungsangebote sollen gemeinsam 
mit den jungen Menschen entwickelt werden. 
 
Im Hessischen Kinder - und Jugendhilfegesetzbuch sind die Gleichstellung von Frauen * und 
Männern*, Mädchen* und Jungen* als Ziel und zudem Gender Mainstreaming als 
durchgängiges Leitprinzip verankert. 
 
→ Hessisches Ministerium für Soziales und Int egration (HSM) - Bildungs- und 
Erziehungsplan für Kinder von 0 bis 10 Jahren in Hessen (BEP) 
Leitgedanken: 
(…) Was es bedeutet, männlich oder weiblich zu sein , ist (…) weitgehend beeinflusst von der 
jeweiligen Kultur und Gesellschaft, in der ein Kind aufwächst, und den damit verbundenen 
geschlechterspezifischen Erfahrungen.(...) 
Bildungs- und Erziehungsziele 
Mädchen und Jungen entwickeln ihre eigene Geschlechtsidentität, mit der sie sich sicher und

14 
 
wohl fühlen. Mit zunehmendem Alter sind sie in der Lage, einengende 
Geschlechtsstereotypien zu erkennen und traditionelle sowie kulturell geprägte Mädchen- 
und Jungenrollen kritisch zu hinterfragen und sich durch diese nicht in ihren Interessen, 
Spielräumen und Erfahrungsmöglichkeiten beschränken zu lassen. Sie erwerben ein 
differenziertes und vielfältiges Bild von den möglichen Rollen von Männern und Frauen. 
 
Geschlechtsstereotypen zu erkennen und traditionelle sowie kulturell geprägte 
Geschlechterrollen kritisch zu hinterfragen und sich durch diese nicht in ihren Interessen, 
Spielräumen und Erfahrungsmöglichkeiten beschränken zu lassen, sind explizit im Hessischen 
Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder von 0 -10 Jahren benannte Ziele. Dazu gehören 
insbesondere folgende Punkte: 
 Das andere Geschlecht als gleichwertig und gleichberechtigt anerkennen. 
 Unterschiede zum anderen Geschlecht wahrnehmen und wertschätzen. 
 Eigene Interessen und Bedürfnisse über die Erwartungen und Vorgaben anderer 
stellen, wie eine Person sich als Junge oder Mädchen zu verhalten hat. 
 Grundverständnis darüber erwerben, dass im Vergleich der Geschlechter die 
 Gemeinsamkeiten hinsichtlich Begabungen, Fähigkeiten, Interessen und anderen 
 Persönlichkeitsmerkmalen größer als die Unterschiede sind. 
 Erkennen, dass eigene Interessen und Vorlieben nicht an die Geschlechtszugehörigkeit  
gebunden sind. 
 Geschlechterbezogene Normen, Werte,  Traditionen und Ideologien (zum Beispiel 
Mädchen interessieren sich weniger für Technik, Jungen spielen nicht mit Puppen) 
kritisch hinterfragen. 
 Andere nicht vorrangig aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit beurteilen, sondern 
sie in ihrer individuellen Persönlichkeit wahrnehmen. 
 Die eigenen geschlechtsstereotypen Erwartungen an sich und andere kritisch 
hinterfragen. 
 Mit Widersprüchen zwischen der eigenen Geschlechtsidentität und Erwartungen von 
anderen umgehen. 
 Kulturell geprägte Vorstellungen über Gesch lechtsidentität erkennen, hinterfragen 
und respektieren. 
 
→ Hessisches Kultusministerium (HKM) - Lehrplan zur Sexualerziehung an den 
allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in Hessen 
Ziel der Sexualerziehung ist, Schülerinnen und Schülern ein offenes, diskriminierungsfreies 
und wertschätzendes Verständnis für die Verschiedenheit und Vielfalt der partnerschaftlichen 
Beziehungen, sexuellen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten in unserer 
Gesellschaft zu vermitteln. Die Sexualerziehung soll überdies die gesellschaftlichen Realitäten 
berücksichtigen und wertegebunden sein. Gegenstand der Sexualerziehung in Schulen soll die 
Vermittlung von Wissen über die Existenz unterschiedlicher  Partnerschaftsformen und 
Verständnisse von Familie, sexuellen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten und 
deren Akzeptanz sein.   
 
Sexualerziehung ist für alle Schüler*innen verbindlich. Zur Erfüllung des 
Sexualerziehungsauftrags sind an Hessische n Schulen altersgerecht in den Altersstufen 6 -10, 
10-12, 13 -16, 16 -19 Jahre verbindlich festgeschriebene Themen aufzugreifen. Inhalte sind 
unter anderem Prävention sexuellen Missbrauchs, Geschlechterrollen, unterschiedliche

15 
 
sexuelle Orientierungen und gesc hlechtliche Identitäten sowie das Recht auf sexuelle 
Selbstbestimmung. 
  
 
3.3.4 Lokale Ebene 
 
→ Rat der Gemeinden und Regionen Europas (RGRE) - Europäische Charta für die 
Gleichstellung von Frauen und Männern auf lokaler Ebene 
Art. 13 – Bildungswesen und lebenslanges Lernen 
(...)  
(3) Die Unterzeichnerin/der Unterzeichner anerkennt die Notwendigkeit, stereotype 
Rollenkonzepte von Frauen und Männern in allen Bereichen der Bildung zu beseitigen. Zu 
diesem Zweck verpflichtet sie/er sich, folgende Maßnahmen durchzuführen bzw. zu fördern: 
• Prüfung von Lehrmitteln an Schulen und anderen Bildungseinrichtungen sowie von 
Lehrmethoden, um sicherzustellen, dass diese stereotypen Haltungen und Praktiken 
entgegenwirken; 
• Durchführung spezieller Aktionen zur Förderung nichttraditioneller Entscheidungen in der 
Berufswahl; (...) 
 
Ziel der Europäischen Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern auf lokaler 
Ebene sind flächendeckende Handlungsansätze der Gleichstellungspolitik, um 
Gleichstellungspolitik zu stärken und dieser gegenüber mehr Verbundenheit zu erreichen. 
Anders als bei den Rechtsvorschriften der EU, zu deren Einhaltung alle Mitgliedstaaten 
verpflichtet sind, muss die Gleichstellungs-Charta der EU auf lokaler Ebene von den 
Verantwortlichen der jeweiligen Städte und Gemeinden unterzeichnet werden. Für die 
Wissenschaftsstadt Darmstadt trat diese Rechtsgrundlage im Jahr 2015 in Kraft - deren 
Umsetzung begann mit dem „1. Gleichstellungsaktionsplan der Wissenschaftsstadt 
Darmstadt 2018 – 2020“.

16 
 
4. Was ist geschlechterreflektierte Jungen*arbeit? 
 
Der nicht geschützte Begriff „Jungenarbeit“ hat eine über 30 Jahre lange Geschichte.  Hinter 
diesem Begriff zeigen und verbergen sich viele verschiedene Ansätze zur Jungenarbeit im 
pädagogischen Kontext . Dazu gehören zum Beispiel Konzepte zur antifaschistischen 
Jungenarbeit, zur bewussten oder geschlechtsbewussten Jungenarbeit, zur 
patriarchatskritischen oder profeministischen Jungenarbeit, aber auch Konzepte zur 
biologistischen oder essentialistischen Jungenarbeit.    
 
Die A GJ hat sich bewusst dafür entschiede n, die vorliegenden Leitlinien als 
„geschlechterreflektierte Jungen*arbeit “ zu bezeichnen. Ein wesentliches Merkmal der 
geschlechterreflektierten Jungen*arbeit ist die erforderliche achtsame Haltung der 
pädagogischen Fachkr äfte bezüglich der Bedeutung von Geschlecht sidentität für Kinder, 
Jugendliche und Erwachsen e. Diese achtsame Haltung weitet einerseits den Blick auf 
Jungen* und ermöglicht Fachkräften außerdem, das Verhalten, die Wünsche und Meinungen 
von Jungen* vor dem Hintergrund ihrer eigenen Entwicklung von Geschlechtsidentität 
innerhalb der gesellschaftlichen Geschlechterhierarchie n zu reflektieren und zu 
interpretieren. Geschlechterreflektierte Jungen*arbeit unterstützt dabei  Fachkräfte, 
stereotypes Rollenverhalten zu hinterfragen  und geschlechtsbezogene 
Handlungskompetenzen von Kindern und Jugendlichen zu erweitern . Zu diesem Zweck 
initiiert geschlechterreflektierte Jungen*arbeit Angebote zum Thema „Jungesein“. 
 
Neben der Mädchenarbeit, der reflexiven Koedukation und Crosswork ist Jungenarbeit eine 
von vier Säulen geschlechterreflektierter pädagogischer Praxis, eine Professionalisierung von 
qualitativ hochwertiger Kinder- und Jugendarbeit und ein Beitrag auf dem Weg  zu einer 
geschlechtergerechten Gesellschaft.  
 
Das wichtigste Element der Jungenarbeit ist die pädagogische Fachkraft in Person.  Ob 
bewusst oder unbewusst, Erwachsene sind für Kinder und Jugendliche immer auch Modelle, 
die ihnen Orientierung bieten. Jungen* suchen häufig Männer*, mit denen sie sich 
auseinandersetzen können , an denen sie sich orientieren können und von denen sie sich  
abgrenzen können . Allerdings ist ein Mann * nicht allein aufgrund seiner 
Geschlechtszugehörigkeit dazu befähigt, in der pädagogischen Jungenarbeit zu arbeiten. Die 
Intensität und Qualität der professionellen Beziehung ist hier vorrangig.  
 
Wertvolle pädagogische Arbeit für und mit Jungen* kann von allen Geschlechtern geleistet 
werden. In Einrichtungen der Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit sind es häufig Frauen*, 
die geschlechterreflektiert mit Jungen * arbeiten. Geschlechterreflektion bedeutet, die 
soziale Kategorie Geschle cht bei Zielsetzung, Planung, Durchführung und Auswertung 
pädagogischer Prozesse durchgängig im Blick zu behalten.

17 
 
5. Ziele der geschlechterreflektierten Jungen*arbeit 
 
Das Kinder - und Jugendhilfegesetz (SGB VIII, § 9, Abs. 3) besagt, dass bei der 
Aufgabenerfüllung im Bereich der Kinder - und Jugendhilfe die unterschiedlichen 
Lebenslagen von Mädchen und Jungen berücksichtigt, Benachteiligungen abgebaut und die 
Gleichberechtigung gefördert werden müssen. In der Realität erfahren Mädchen* und 
Jungen* j edoch aufgrund ihres Geschlechts unterschiedlichste Einschränkungen ihres 
jeweiligen Handlungs - und Entwicklungspotentials. Die geschlechterreflektierte 
Jungen*arbeit zielt darauf ab, diesen Einschränkungen entgegenzuwirken. Sie zeigt Jungen* 
eine Vielfalt  von positiven Lebensentwürfen auf, befähigt sie dazu, ihre eigenen 
Geschlechterbilder zu reflektieren, und bestärkt Jungen*, individuelle Vorstellungen vom 
Jungesein zu entwickeln. Die Identitäts - und Persönlichkeitsbildung steht damit im 
Vordergrund der geschlechterreflektierten Jungen*arbeit. 
 
 
5.1 Zielgruppen  
 
Zu den Zielgruppen der geschlechterreflektierten Jungen*arbeit gehören zunächst alle 
Jungen* in unterschiedlichen Entwicklungsphasen: Kinder, Jugendliche und junge Männer* 
bis 27 Jahre in Kindert agesstätten und Schulen, in Einrichtungen der Jugendhilfe und in 
Vereinen. Zielgruppe sind Jungen* mit und ohne Migrationsgeschichte, heterosexuelle, 
schwule, bisexuelle und unentschiedene sowie Transjungen*, ebenso Jungen* mit 
körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung, Jungen*, die von Armut und sozialer 
Ausgrenzung betroffen sind, sowie Jungen* mit sozial privilegiertem Hintergrund. 
Ausgangspunkt für geschlechterreflektierte Jungen*arbeit ist immer der einzelne Junge* 
bzw. eine Gruppe von Jungen*, mit dem oder denen pädagogische Fachkräfte arbeiten. Die 
individuellen Ressourcen, Interessen, Wünsche und Nöte bilden die Basis für die bewusste 
Auseinandersetzung im Sinne einer geschlechterreflektierte Jungen*arbeit. 
 
 
5.2 Ziele auf der Ebene von Jungen* 
 
Die folgenden formulierten Ziele 6 beschreiben Bedarfe und Entwicklungspotentiale von 
Jungen*. Sie sind als Orientierungshilfe und Anregungen für pädagogische Fachkräfte zu 
verstehen, insbesondere für diejenigen, die neu in der geschlechterreflektierten 
Jungen*arbeit arbeiten.  
 
Jungen* von rigiden und tradierten Männlichkeitsvorstellungen entlasten. 
Der Zweifel oder die Angst, kein richtiger Junge* oder Mann* zu sein, beschäftigt viele 
Jungen*. Die Sorge um die eigene Geschlechtsidentität ist daher für viele ein ständiger 
Antrieb, um sich selbst oder andere abzuwerten sowie Homophobie und Transphobie zu 
entwickeln. Jungen* davon zu entlasten, ist ein Anliegen von geschlechterreflektierten 
Jungen*arbeit. Diese schafft die Voraussetzungen dafür, dass Jungen* unterschiedliche 
Facetten des Jung e*-seins kennenlernen, bewusst zu diesem Thema Fragen stellen, sich 
austauschen und mit ungewohnten Verhaltensweisen experimentieren.  
 
                                                           
6  Vgl. Bremer Leitlinien Jungenarbeit (2012)

18 
 
Jungen* bei der Aneignung einer selbstbestimmten geschlechtlichen Identität begleiten. 
Die Aneignung einer geschlechtlic hen Identität ist ein Prozess, der durch tradierte 
Rollenbilder vielfach Einschränkungen mit sich bringt. Geschlechtergerechte Jungen*arbeit 
ermutigt und befähigt Jungen* dazu, sich kritisch mit geschlechtlicher Identität 
auseinanderzusetzen, zu entdecken,  auszuprobieren, zu entwickeln und wertzuschätzen - 
unabhängig von geschlechtszuweisenden Kategorisierungen und Bewertungen. 
 
Geschlechtergerechtigkeit fördern und Vielfalt anerkennen. 
Geschlechtergerechte Jungen*arbeit ermöglicht die reflektierte Wahrnehm ung der eigenen 
und anderer geschlechtlicher Identitäten. Dabei werden weder bestimmte Identitäten als 
„normal“ definiert noch andere als „unnatürlich“ bewertet. Normierende und hierarchische 
Vorstellungen von Geschlecht sind bei Jungen* zu hinterfragen un d starre geschlechtliche 
Identitätskonzepte aufzulösen. Daher gilt es, eine Atmosphäre zu schaffen, bei de r Jungen* 
sich mit diesem Thema angstfrei auseinandersetzen können – im Sinne der Förderung einer 
Kultur von gegenseitiger Anerkennung und Respekt. 
 
Jungen* für eigene Gefühle und Bedürfnisse sensibilisieren. 
Viele Jungen* lernen früh, Gefühle wie Angst, Traurigkeit und Hilfebedürftigkeit zu 
unterdrücken und gleichzeitig, ihre Männlichkeit durch Wut und Aggression auszudrücken.  
Es ist daher ein grundle gendes Anliegen von geschlechtergerechter Jungen*arbeit Jungen* 
zu ermutigen, ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse in ihrer ganzen Bandbreite 
wahrzunehmen, zu benennen und zu zeigen. Dieser verantwortungsvolle Umgang mit sich 
selbst geht dem verantwortlich en Umgang mit anderen voraus. Dazu gehören auch die 
Fähigkeiten Hilfe zu holen und Hilfe anzunehmen. 
 
Eigene und fremde Grenzen wahrnehmen und Grenzen respektieren. 
Jungen* erleben täglich Grenzüberschreitungen , e igene sowie von anderen. 
Geschlechtergerechte Jungen*arbeit schafft für Jungen* Möglichkeiten, eigene und fremde 
Grenzen wahrzunehmen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen und mit ihnen einen 
respektierenden Umgang zu lernen. 
 
Verbale und non-verbale Kommunikationsfähigkeit von Jungen* stärken.  
Hegemoniale Männlichkeit erzeugt Kommunikationsmuster, die Jungen* suggerieren, es 
wäre gut und richtig, anderen nicht zuzuhören, sich besser cool zu verhalten und zu 
schweigen oder einen Monolog zu halten statt mitei nander zu reden. Tradierte Männlichkeit 
folgt überholten und konfliktreichen Vorstellungen wie zum Beispiel „Ein Mann, ein Wort“ 
und „Wer am lautesten schreit, hat recht“.  Geschlechtergerechte Jungen*arbeit un terstützt 
Jungen* dabei, gleichberechtigt – zwischen allen Geschlechtern - miteinander zu 
kommunizieren, anstatt sich mit  wechselseitiger Abwertung und Dominanzgehabe  zu 
begegnen. Diese Kommunikationsform schließt die Sensibilisierung für die oft unbewussten 
wechselseitigen Signale durch Körperhaltung,  Gestik und Mimik ein. Außerdem fördert 
geschlechtergerechte Jungen*arbeit die Fähigkeit, Kritik wertschätzend und annehmbar zu  
formulieren. 
 
Jungen* ein positives Körpererleben ermöglichen. 
Das Verhältnis zum eigenen Körper bestimmt häufig bewusst und unb ewusst den Alltag von 
Jungen*. Der eigene Körper bietet ihnen die Möglichkeit, sich zum Beispiel durch Bewegung, 
aber auch bei Entspannung zu erfahren und dabei verschiedene Sinne anzusprechen.

19 
 
Geschlechtergerechte Jungen*arbeit vermittelt Jungen* Sicherhe it im Erleben des eigenen 
Körpers und in der Wahrnehmung ihrer körperlichen Bedürfnisse. Sie bietet ihnen die 
Gelegenheit, in spielerischer Form die positiven Aspekte von körperlicher 
Auseinandersetzung (zum Beispiel im Spaß miteinander ringen) zu erleben.  
 
Mit Jungen* körperliche Normen und Ideale thematisieren 
Der Körper wird häufig zum Gegenstand verletzender Ausgrenzung und Abwertung aufgrund 
gesellschaftlicher und medialer Idealvorstellungen. Geschlechtergerechte Jungen*arbeit 
bietet eine kritische Au seinandersetzung mit Körpernormen und Körperidealen. Die 
Vermittlung eines achtsamen und sensiblen Umgangs mit dem eigenen Körper ist die 
Voraussetzung dafür, den eigenen Körper und seine körperliche Entwicklung positiv und 
damit identitätsfördernd zu erleben. Dabei wird gleichzeitig das Ziel unterstützt, Jungen* für 
die Wahrnehmung eigener und fremder Grenzen zu sensibilisieren. 
 
Konkurrenz und Hierarchien unter Jungen* und gegenüber Mädchen* problematisieren. 
Konkurrenz- und Hierarchiestrukturen in Form v on Abwertung, Machtausübung und 
Dominanzgebaren sind in unserer Gesellschaft und damit für viele Jungen* so alltäglich, dass 
sie dieses Verhalten als normal wahrnehmen. Geschlechtergerechte Jungen*arbeit befähigt 
Jungen*, diese „Normalität“ und die damit v erbundenen Vorstellungen von Ungleichheit 
kritisch zu hinterfragen und aktiv zu einer Veränderung beizutragen.  
 
Mit Jungen* Gewalt thematisieren. 
Viele Jungen* erleben im Alltag Gewalt in unterschiedlichen Facetten und Ausprägungen, als 
Opfer*, Täter*, Beobachter*, aber auch in Form von struktureller Gewalt. Gewalt begegnet 
ihnen häufig: auf dem Schulweg, in der Schule, in der Familie, in der Freizeit oder in Form 
von staatlicher Gewalt. Oft haben sie keinen Ort, an dem ihren Erfahrungen Aufmerksamkeit 
geschenkt wird. Geschlechtergerechte Jungen*arbeit bietet die Möglichkeit, über Gewalt zu 
sprechen, Erfahrungen auszutauschen und Alternativen zu tradierten Verhaltensmustern zu 
entwickeln und einzuüben. Von anderen Jungen* zu hören, dass es ihnen ähnlich e rgeht, 
entlastet viele Jungen*.  
 
Entscheidungsfähigkeit von Jungen* stärken. 
Die Männlichkeitsentwürfe und Lebenswelten von Jungen* sind in den letzten zehn Jahren 
differenzierter und optionsreicher geworden. Traditionelle und moderne 
Männlichkeitsbilder vermischen sich, Jungen* sehen sich mit vielfältigen, teils 
widersprüchlichen Anforderungen konfrontiert. Diese Situation eröffnet Jungen* zwar neue 
Möglichkeiten der Lebensgestaltung jenseits tradierter Muster, sie führt häufig aber auch zu 
Verunsicherungen. Geschlechtergerechte Jungen*arbeit bietet Jungen* die Möglichkeit, 
gesellschaftlich angebotene Männlichkeitsentwürfe zu reflektieren und eigene 
Entscheidungsspielräume zu erkennen. Sie stärkt Jungen* darin, persönliche Entscheidungen 
zu treffen und die se selbstbewusst zu vertreten, zum Beispiel gegenüber diskriminierenden 
und stereotypisierenden Anfeindungen. Ein selbstbestimmter und selbstverantwortlicher 
Umgang mit dem eigenen Jungesein wird dadurch gefördert. 
 
Empathie von Jungen* fördern.  
Jungen* f ällt es häufig schwer sich in andere Menschen einzufühlen und die Sichtweise 
anderer Personen nachzuvollziehen. Dieses Verhalten entspricht der gesellschaftlichen 
Erwartung an hegemoniale Männlichkeit. Geschlechtergerechte Jungen*arbeit fördert die

20 
 
Empathiefähigkeit und bietet Jungen* die Möglichkeit, die Gefühle anderer nach zufühlen 
(nicht mitzufühlen) und sich in die Situation anderer Menschen hinein  versetzen zu können. 
Diese Fähigkeit ist auch die Voraussetzung, um durch Austausch mit anderen die eigene  
Gefühlswelt besser zu verstehen um rücksichtsvoll mit sich und anderen zu handeln.  
 
Verantwortung für eigenes Handeln übernehmen. 
„Ich war das nicht“, hören Eltern, Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte häufig von 
Jungen*, wenn es darum geht, Konflikte zu klären oder konflikthafte Handlungen zu 
hinterfragen. Tradierte Rollenbilder üben einen enormen Druck auf Jungen*aus und  
verstärken damit die Angst vor Ehr - und Gesichtsverlust und die Angst zu versagen.  
Geschlechtergerechte Jungen*arbeit ermöglicht Jungen*, ehrlich zu sich selbst zu sein, 
vermeintliche Fehler nicht als Schwäche anzusehen, eigene Unvollkommenheiten nicht auf 
andere zu projizieren, persönlich Verantwortung zu erkennen und neue Verhaltensweisen zu 
entwickeln.

21 
 
6. Qualitätsmerkmale 
 
6.1 Selbstverständnis der Jungenarbeit – was macht die pädagogische Arbeit mit Jungen * 
zur geschlechterreflektierten Jungen*arbeit? 
 
Geschlechterreflektierte Jungen*arbeit versteht sich als Teilbereich der 
geschlechtsbezogenen Pädagogik. Sie basiert auf einer kritischen Analyse patriarchaler 
Geschlechterverhältnisse und stereotyper Geschlechterbilder. Sie hat das Ziel, 
Geschlechterhierarchien abzubauen und die selbstbestimmte Entwicklung einer 
geschlechtlichen Identität zu unterstützen. 
 
Die Tatsache, dass ein männlicher Pädagoge * mit Jungen* arbeitet, besagt noch nicht, dass 
es sich um geschlechterreflektierte Jungen*arbeit im Sinne de r hier vorgestellten Leitlinien 
handelt. Damit  sich die pädagogische Arbeit mit Jungen * als geschlechterreflektierte 
Jungen*arbeit qualifiziert, müssen die hier vorgestellten Qualitätsmerkmale erfüllt werden. 
 
Geschlechterreflektierte Jungen*arbeit bezieht sich auf die Lebenslagen von Jungen *. Sie 
rückt die vielfältigen Fähigkeiten und Möglichkeiten von Jungen* in das pädagogische  
Blickfeld, ebenso die Einschränkungen und Begrenzungen, die sich für Jungen * durch die 
aktuellen gesellschaftlichen Rahme nbedingungen ergeben. Geschlechterreflektierte 
Jungen*arbeit zielt darauf  ab, Vielfalt zu erkennen, wertzuschätzen und zu fördern. 
Gleichzeitig bezieht geschlechterreflektierte Jungen*arbeit eine kritische Haltung gegenüber 
den herrschenden Geschlechterverhältnissen und Ordnungsmustern, die „Männlichkeit“ und 
„Weiblichkeit“ als eindeutig und unveränderbar voraussetzen. Geschlechterreflektierte 
Jungen*arbeit unterstützt Jungen* bei der selbstbestimmten Entfaltung ihrer Persönlichkeit, 
ohne dass sie dabei durch Geschlechterbilder eingeschränkt werden. 
 
Geschlechterreflektierte Jungen*arbeit orientiert sich an den Interessen, Themen und 
Bedürfnissen von Jungen* und wird Jungen * in ihrer Vielseitig keit und Unterschiedlichkeit 
gerecht. Fachkräfte setzen sich mit Jungen * über deren Themen und Wünsche auseinander, 
bringen ihnen Empathie und Wertschätzung entgegen, bieten ihnen Orientierung, bestärken 
und fördern sie . Sie zeigen ihnen auch die Grenzen d es eigenen Handelns auf (z.B. bei 
Eingriff in die Persönlichkeitsrechte Anderer), konfrontieren sie mit diesen 
Überschreitungen, irritieren möglicherweise durch das Aufzeigen alternativer Sicht - und 
Denkweisen und ermöglichen es so, die eigenen Verhaltensmuster zu hinterfragen.  
 
6.2 Zur Rolle der Fachkraft als männliches Orientierungsmodell: eine Frage der Haltung! 
 
Für eine gelingende geschlechterreflektierte Jungen*arbeit ist die Haltung de r 
Jungenarbeiter* entscheidend. Notwendig ist die Bereitschaft von Jungenarbeiter*, sich mit 
den gesellschaftlichen Geschlechterverhältnissen, der eigenen Sozialisation zum Mann * und 
mit den eigenen Geschlechterbildern auseinanderzusetzen.  Die Anerkennung vielfältiger 
geschlechtlicher Lebensentwürfe ist dabei unerlässlich.  
 
Ein Bewusstsein der persönlichen Grenzen und Möglichkeiten in der pädagogischen Arbeit 
mit Jungen * ist ebenso wichtig wie die Reflexion darüber, wie sich das eigene 
Rollenverhalten, das persönliche Auftreten und die eigene, möglicherweise männlich

22 
 
dominierte Sprache in der Arbeit mit Jungen * auswirken, um nicht hegemoniales 
Männlichkeitsverhalten zu reproduzieren oder hervorzurufen. 
 
Dieser Anspruch erfordert von Jungenarbeitern* die Bereitschaft zur Selbstreflexion in Bezug 
auf die eigene Sozialisation und Biographie, persönliche Einstellungen  und 
Verhaltensweisen, auch in Bezug auf die tägliche pädagogische Arbeit. 
 
Jungenarbeiter* stellen für Jungen * ein erwachsenes männliches Rollenm odell dar, das 
ihnen Orientierung bietet und mit dessen Haltung, Auftreten und Einstellungen sie sich 
kritisch auseinandersetzen können.  Jungenarbeiter* verhalten sich Jungen* gegenüber 
zugewandt und wertschätzend. 
 
Neben der Bereitschaft zur Selbs treflexion benötigen Jungenarbeiter* e inen offenen Blick 
gegenüber Jungen*. Offenheit und Neugier helfen dabei, das Verhalten von Jungen* aus 
verschiedenen Perspektiven wahrzunehmen und verschiedene Interpretationen zuzulassen.   
Das Verhalten muss im Kontext von  Entwicklungsstand, (Selbst -)Bildungsprozessen, 
Lernbereitschaft, persönliches Wohlbefinden und soz iale Bezüge zu anderen Kindern und 
Jugendlichen bzw. zu Bezugspersonen wahrgenommen und einbezogen werden, um daraus  
entsprechende Handlungsoptionen  abzuleiten. Der Jungenarbeiter* nimmt dabei zunächst 
die Rolle des professionellen Beobachters und Zuhörers ein.  
 
Die darauf folgenden Schritte umfassen  Interaktionen, in denen die Fachkraft auf den 
Jungen* zugeht, Interesse äußert, aktiv zuhört, empathisch reagier t und Wertschätzung 
zeigt. Jungenarbeiter* müssen in der Lage sein, Verhalten der Jungen* aus verschiedenen  
Blickwinkeln zu betrachten und verschiedene Deutungen zuzulassen. Auch vermeintlich 
störende und anstrengende Verhaltenswei sen der Jungen* (wie z.B. Kontaktvermeidung, 
Impulsivität und aggressives Verhalten) sollten nicht per se unterbunden werden, sondern 
als Chance für pädagogisches Handeln gesehen werden. 
 
6.3. Fachliche Standards von geschlechterreflektierter Jungen*arbeit 
 
Die Qualität von Jungenarbeit entwickelt sich nicht allein aus der persönlichen Haltung der 
Jungenarbeiter* und ihrer Fachkompete nz. G elingende geschlechterreflektierte 
Jungen*arbeit benötigt außerdem gute Arbeitsbedingungen: Gestaltungsspielräume, 
Partizipation, Geld, Personal, Zeit, Material, Räum e, Fortbildung, Supervision sowie 
Vernetzung (in lokalen und regionalen Netz werken, auch über Arbeitsfelder hinweg). 
Geschlechterreflektierte Jungen*arbeit muss in Zusammenarbeit mit Mädchenarbeit und 
koedukativer Kinder- und Jugendarbeit ein fest verankerter Teil d er Kinder- und Jugendhilfe 
sein.  
 
Folgende Rahmenbedingungen und Qualitätsmerkmale sind für die Umsetzung von 
geschlechterreflektierter Jungen*arbeit erforderlich. Sie orientieren sich weitgehend an den 
Bremer Leitlinien Jungenarbeit.  
 
Strukturqualitäten 
 
Die Strukturqualitäten beziehen sich auf die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen der 
Einrichtung und der Träger* und Trägerinnen*.

23 
 
 
 Geschlechterreflektierte Jungen*arbeit benötigt Kontinuität in Form von 
verbindlichen und langfristigen Aufträgen , die mit einer langfristigen 
Personalstruktur ausgestattet sind. 
 Geschlechterreflektierte Jungen*arbeit benötigt ausreichend quali fiziertes 
männliches Personal (siehe 6.4 Fachkräftequalifikation). 
 Angebote der geschlechterreflektierten Jungen*arbeit werden (in der Regel) 
im Team durchgeführt. Jungen * erleben dadurch die Vielfalt geschlechtlicher 
Selbstentwürfe. 
 Es müssen eine a usreichend finanzielle Ausstattung sowie angemessene 
Räumlichkeiten zur Verfügung stehen. 
 Die Fort- und Weiterbildung von Jungenarbeitern * muss sichergestellt 
werden. 
 Geschlechterreflektierte Jungen*arbeit muss als verpflichtende Aufgabe bei 
Trägern* und Trägerinnen* implementiert und für alle Leitungsebenen 
verbindlich sein. 
 Geschlechterreflektierte Jungen*arbeit wird inhaltlich begleitet und 
unterstützt durch Formen der kollegialen Beratung und Supervision sowie 
durch einen einrichtungsübergreifenden fachlichen Austausch und die 
Vernetzung von Einrichtungen und ihren Trägern* und Trägerinnen*. Dafür 
werden den Jungenarbeitern* die nötigen Zeitressourcen bereitgestellt. 
 Die Mitarbeite r* benötigen den Diskurs innerhalb des „männlichen“ 
Geschlechts. Die AGJ bietet dafür eine Plattform. 
 Geschlechterreflektierte Jungen*arbeit benötigt den Diskurs zwischen 
Männern* und Frauen* sowie den Dialog, Austausch, die kritische 
Auseinandersetzung und die Kooperation mit der Mädchenarbeit, die durch 
den MAK und den AKPM vertreten ist. 
 
Konzeptqualitäten 
 
Die Konzeptqualitäten beziehen sich  auf die Festlegung der Ziele und Bedarfe in der 
geschlechterreflektierten Jungen*arbeit. 
 
 Konzepte der  geschlechterreflektierten Jungen*arbeit berücksichtigen die 
allgemeine gesellschaftliche Situation von Jungen * und leiten daraus Ziele ab, 
welche die pädagogische Arbeit mit Jungen* grundsätzlich erreichen will. 
 Die Ausformulierung des konkreten Bedarfs an geschlechterreflektierter 
Jungen*arbeit basiert auf einer sozialräumlichen und zielgruppenspezifischen 
Analyse und auf der Erhebung der subj ektiven Bedürfnisse und Interessen von 
Jungen*. 
 Geschlechterreflektierte Jungen*arbeit berücksichtigt bei der Findung der 
eigenen Identität nicht nur das Geschlecht, sondern bezieht andere Kategorien in 
ihrer gegenseitigen Beeinflussung (Intersektionalität) immer mit ein, zum Beispiel 
sexuelle Orientierung, Migration, Nationalität, Kultur, Ethnizität, Hautfarbe, 
Religion/Weltanschauung, soziale Lage, familiäre Situation, Gesundheit, Alter.

24 
 
 Bedarfe und Ziele werden regelmäßig überprüft und zwischen Fachkräften und 
den Trägern* und Trägerinnen* kommuniziert. Konzepte werden kontinuierlich 
weiterentwickelt und neuen Bedarfen angepasst. 
 
Prozessqualitäten 
 
Die Prozessqualitäten beziehen sich  auf Planung, Durchführung, Reflexion und Auswertung 
der Angebote. 
 
 Angebote der geschlechterreflektierten Jungen*arbeit werden auf 
konzeptioneller Grundlage entwickelt, geplant und durchgeführt, bei 
gleichzeitiger Prozess - und Ergebnisoffenheit für die Bedarfe und akt uellen 
Themen von Jungen*.  
 Die Jungen * werden bei de r Entwicklung und Ausgestaltung von Angeboten 
beteiligt. 
 Dem Personal wird die regelmäßige Praxisreflexion im unmittelbaren Anschluss 
an die Durchführung pädagogischer Angebote ermöglicht, z um Beispiel  im 
Hinblick auf die eigene Haltung, angewandte Methoden und die Überprüfung von 
Zielen. 
 
Ergebnisqualitäten  
  
Die Ergebnisqualitäten beziehen sich  auf die Wirkungen, die die pädagogischen Angebote 
der geschlechterreflektierten Jungen*arbeit erzielen. 
  
 Die Wirkung und die Ergebnisse von pädagogischen Angeboten 
geschlechterreflektierter Jungen*arbeit werden regelmäßig evaluiert und 
dokumentiert (quantitativ und qualitativ). 
 
 Die Evaluation erfolgt auf der Basis der ausformulierten Bedarfe und Ziele (siehe  
Konzeptqualitäten). 
 
 Von den beteiligten Jungen* werden Rückmeldungen eingeholt, wie sie die Angebote 
der geschlechterreflektierten Jungen*arbeit bewerten und welche Bedarfe, 
Vorstellungen und Wünsche die Jungen* an eine geschlechterreflektierte 
Jungen*arbeit haben. 
 
 Die Sicherstellung der Prozess - und Ergebnisoffenheit (siehe Prozessqualitäten) hat 
Vorrang vor der Erfüllung von Zielen und qualifiziert die pädagogischen Angebote der 
geschlechterreflektierten Jungen*arbeit als non-formalen Bildungsprozess. 
 
 
6.4 Fachkräftequalifikation 
 
Geschlechterreflektierte Jungen *arbeit setzt eine reflektierte pädagogische Haltung von 
männlichen Fachkräften voraus. Auf dieser Grundlage entwickeln Fachkräfte ein 
professionell gestaltetes pädagogisches Angebot für Jungen *. Ob die Fachkräfte in der

25 
 
geschlechterreflektierten Jungen*arbeit  „männlich“ sein müssen, wird in Fachkreisen 
allerdings aktuell noch diskutiert.  
 
Neben der beschriebenen geschlechterreflektierten Haltung und allgemeinen pädagogischen 
Kompetenzen sind für eine geschlechterreflektierte Jungen *arbeit spezifische 
Qualifikationen, Kenntnisse und Kompetenzen notwendig. 
 
Voraussetzungen für die geschlechterreflektierte Arbeit der Fachkräfte sind: 
 
 Eine reflektierte und kritische Haltung zu sich selbst sowie die Bereitschaft und Fähigkeit 
zur Selbstreflexion in Bezug auf Geschlechtersozialisation und die eigene Biographie, 
persönliche Einstellungen, Geschlechterbilder und Verhaltensweisen . Es reicht nicht, 
einer geschlechterreflektierten Pädagogik nur wohlwollend gegenüberzustehen, da eine 
unqualifizierte und fachlich nicht fundierte geschlechtsspezifische Arbeit dazu führen 
kann, dass stereotype Verhaltensweisen und Rollenbilder verstärkt statt abgebaut 
werden. 
 Kenntnisse über Ziele, Inhalte, Bedeutung und Methoden der  geschlechtergerechten 
Jungen*arbeit. Damit verbunden ist auch die Fähigkeit, vorhandene Methoden auf ihre 
Anwendbarkeit auf die pädagogische Arbeit mit Jungen * und das jeweilige Setting 
bedarfsorientiert prüfen zu können. 
 Fachkenntnisse aus dem Bereich der Geschlechterforschung sowie die Bereitschaft und 
Fähigkeit, sich mit geschlechtstypischen Rollenzuweisungen auseinanderzusetzen und 
diese kritisch zu hinterfragen. 
 Eine zugewandte und wertschätzende Grundhaltung gegenüber Jungen*, verbunden mit 
der Fähigkeit, sich reflektiert als männliche Bezugsperson Jungen* anzubieten, mit ihnen 
in einen Dialog zu treten, Grenzen und Perspektiven auf zuzeigen und dabei ein 
ausgewogenes Nähe-Distanz-Verhalten zu beachten. 
 
In der geschlechterreflektierten Jungen*arbeit tätige Hauptberufliche sollten über eine 
qualifizierte pädagogische Ausbildung verfügen . Zudem sind  Praxiserfahrungen und 
Fachkenntnisse im Bereich geschlechterreflektierter Jungen*arbeit oder 
geschlechterbezogener pädagogischer Arbeit sowie Offenheit und Bereitschaft zur 
Auseinandersetzung mit geschlechterreflektierter Sozialarbeit wertvoll. Bei 
Stellenausschreibungen und Bewerbungsverfahren ist darauf zu achten, entsprechende 
Qualifikationen zu fordern. 
 
Neben haup tberuflichen Fachkräften sind in der geschlechterreflektierten Jungen*arbeit 
häufig nebenberufliche Fachkräfte, Honorarkräfte und Ehrenamtliche  tätig. Diese verfügen 
über unterschiedliche Ausbildung en und Qualifikation, Erfahrungen und Motivation. Die 
Träger* und Trägerinnen* müssen dies e unterschiedlichen Hintergründe  berücksichtigen, 
indem sie ihr Personal  praxisnah qualifizieren und entsprechende Fort - und 
Weiterbildungsangebote bereitstellen, um im jeweiligen Arbeitsfeld mit Jungen * 
geschlechterreflektiert arbeiten  zu können . Ebenso müssen Ressourcen zum fachlichen 
Austausch mit anderen Fachkräften und zur Auseinandersetzung mit aktuellen 
Entwicklungen im Bereich Jungenarbeit bereitgestellt werden. 
 
In der Zusammenarbeit mit Honorarkräften und Ehrenamtlichen ist seitens der 
Einrichtungen und der Träger* und Trägerinnen* darauf zu achten, dass sie ihr

26 
 
konzeptionelles Selbstverständnis und ihre Zielsetzungen zur Jungenarbeit gegenüber allen 
Beteiligten transparent machen.  Honorarkräfte und Ehrenamtliche benötigen eine klare 
Vorstellung davon, was die Ziele sind, w elche pädagogischen Aufgaben sie haben und was 
dazu benötigt wird, um die se Aufgaben qualifiziert umzusetzen. Darüber hinaus müssen sie 
genaue Kenntnis davon haben,  in welchen Bereichen die Anforderungen  einer 
geschlechterreflektierten Jungen*arbeit liegen.

27 
 
7. Methodeneinsatz 
 
Für die geschlechterreflektierte Jungen*arbeit gibt es (noch) keine spezifischen Methoden. 
Die Entwicklung spezieller Methoden ist aktuell nicht notwendig, da grundsätzlich alle 
Methoden der Sozialen Arbeit unter Berücksichtigung einer geschlechtergerechten 
Anwendung für die ges chlechterreflektierte Jungen*arbeit herangezogen werden können. 
Methoden bezeichnen planvolles Handeln, um kognitiv, emotional, biographisch oder auf 
der körperlichen Erfahrungsebene ein vorab festgelegtes pädagogisches Ziel zu erreichen. 
Beim Einsatz sozialpädagogischer Methoden in der ges chlechterreflektierten Jungen*arbeit 
geht es jedoch vorrangig um die lebendige Auseinandersetzung mit den Teilnehme rn* und 
um den Prozess, den eine Gruppe oder eine Einzelperson innerhalb der Lernfelde r d er 
gewählten Methode durchläuft. Methoden sind in diesem Sinne ein Hilfsmittel,  um einen 
Zugang zur g eschlechterreflektierten Jungen*arbeit zu schaffen und einen Prozess zur 
Auseinandersetzung damit anzuregen. 
 
Menschen eignen sich Themen durch unterschiedliche Strategien und über verschiedene 
Wege an. Eine Methode ist dann sinnvoll, wenn sie an den Ressourcen der Teilnehmenden 
anknüpft, da sie dann in der Regel besser verstanden und umgesetz t werden kann. Da 
Menschen unterschiedlich lernen, ist es zudem sinnvoll, verschiedene Methoden zu nutzen, 
um den unterschiedlichen Lernformen gerecht zu werden. Dadurch haben die 
Teilnehmenden die Möglichkeit, sich auf unterschiedliche Art und Weise neues Wissen 
anzueignen. Daher eignen sich auch für die ges chlechterreflektierte Jungen*arbeit der 
Einsatz von Methoden aus verschiedenen Bereichen,  zum Beispiel  erlebnisbezogene, 
theaterpädagogische, medienpädagogische, verantwortungsübertragende oder 
kampfeslustige Methoden. Der einfache Austausch, das miteinander Reden und Zuhören ist 
zwar eine selten beschriebene , aber ebenfalls sinnvolle und jederzeit einsetzbare M ethode 
der Einzel- oder Gruppenarbeit. 
 
Werden in der geschlechterreflektierten Jungen*arbeit offene Treffs, Freizeiten, 
Ferienspiele, Projekttage, Termine mit einer Jungen *gruppe bzw. mit einzelnen Jungen * 
oder andere Veranstaltungen geplant, ist zunächst eine Klärung der the matischen Ziele 
(siehe Kapitel 5 .2) sowie die Auswahl der Methoden wichtig. Dabei sollte bedacht werden, 
worin die Interessen der Gruppe liegen, anhand welcher Inhalte das jeweilige The menfeld 
bearbeitet werden kann und welche Kompetenzen und Erfahrungsschätze bei Fachkräften 
und Teilnehmern* vorhanden sind. 
 
Mögliche Fragestellungen zum Methodeneinsatz bei der Projektplanung für Fachkräfte: 
 
• Was soll mit der Methode erreicht werden? Ist sie themenbezogen? 
• Bauen die ausgewählten Methoden sinnvoll aufeinander auf? 
• Ist die Methode an den Interessen von Jungen* orientiert? 
• Haben Jungen* die Möglichkeit, voneinander zu lernen und andere Jungen * in ihrer 
Vielfalt kennenzulernen?

28 
 
• Mit welchem Ziel oder welcher Absicht wird Geschlecht dramatisiert 7? Ist eine 
Auflösung und Ent-Dramatisierung bzw. Ausdifferenzierung vorgesehen?   
• Spreche ich mit meinen Methoden unterschiedliche Lerntypen an? 
• Was kann mit dieser Methode in dieser Gruppe passieren? Erfordert die gewählte 
Methode Mut zum Ausprobieren? Sind Widerstände zu erwarten? 
• Wurde folgender Grundsatz bedacht? Gleiche Methoden können mit 
unterschiedlichen Gruppen anders wirken, gleiche Methoden können mit gleichen 
Gruppen anders wirken.  
 
Prinzipien zum Methodeneinsatz 
 
• Durch Methodenvielfalt werden unterschiedliche Interessen angesprochen. 
• Methoden sollen dazu verhelfen, das eigene Rollenbild als Junge * bzw. Mann* zu 
reflektieren. 
• Methoden sollen gesellschaftliche Mythen  von Männlichkeit hinterfragen, um  
Jungen* zu entlasten. 
• Methoden sollen vorrangig prozessorientiert sein. Es gilt, die Wahrnehmungen und 
Lebenswelten der Teilnehmenden gemeinsam zu erforschen und den Prozess 
ergebnisoffen zu gestalten anstatt zuvor fest gelegte Ergebnisse oder Ziele zu 
verfolgen. 
• Methoden sollen sich an der Lebenswelt der Jungen * orientieren und Jungen * dazu 
ermutigen, diese kritisch zu reflektieren und mitzugestalten. 
• Methoden dürfen Jungen * nicht bloßstellen oder zu persönlichen Kränkungen 
führen. Fragen sollten offen gestellt sein, sodass es den Teilnehme rn* möglich ist, 
sich von Stereotypen zu distanzieren.  
• Medien, die eingesetzt werden, repräsentieren die Vielfalt von Lebensentwürfen u nd   
-realitäten. 
• Die Person, die eine Methode anwendet, benötigt eine reflektierte und differenzierte 
Haltung zur Geschlechtergerechtigkeit. 
 
Rolle der Fachkraft beim Einsatz von Methoden  
 
• Kann ich die von mir gewählten Methoden glaubhaft und motivierend einbringen? 
• Kenne ich die von mir gewählten Methoden? (Ausprobieren im Vorfeld  ist hilfreich, 
da Literatur nicht die realen Bedingungen wiedergibt.) 
• Bin ich in meiner Haltung zur Geschlechtergerechtigkeit für  Jungen* als kongruent 
und authentisch erkennbar?  
• Arbeite ich mit Jungen * auf Augenhöhe und lasse ich mich auf einen gemeinsamen 
Prozess ein? Gespräch suchen und eigene Sichtweisen begründen vs. „richtige“ und 
„falsche“ Lösungen oder Belehrungen anbieten. 
• Wie gelingt mir die Gratwanderung  zwischen dem Vorstellen von Themen und der 
Eigenmotivation der Jungen*? 
 
  
                                                           
7 Vgl. Debus Katharina/Stuve, Olaf/Budde, Jürgen: 2.2 Jungenbilder pädagogischer Fachkräfte. 2013; Debus, 
Katharina: Dramatisierung, Entdramatisierung und Nicht-Dramatisierung in der geschlechterreflektierten 
Bildung. 2012; Faulstich-Wieland Hannelore: Abschied von der Koedukation? 1996.

29 
 
8. Kooperation und Vernetzung  
 
8.1 Kooperation mit Mädchenarbeit  
 
Geschlechterreflektierte Jungen*arbeit ist wie die Mädchenarbeit, die reflexive Koedukation 
und das Crosswork ein Teil der geschlechterreflektierenden Pädagogik. Alle vier Ansätze 
halten die Kategorie Geschlecht möglichst „offen“ und verweisen damit zugleich a uf ihre  
Kritik an Geschlechterdualismus und Heteronormativität. In diesem Sinne bilden der Dialog 
und eine  gelingende Kooperation von Mädchen - und Jungenarbeit eine grundlegende 
Voraussetzung dafür, die Kategorie Geschlecht vielseitiger und damit realitätsgetreuer als in 
Abgrenzung zu einem vermeintlich „anderen“ Geschlecht zu verhandeln . Im Sinne einer an 
der Gleichstellung der Geschlechter orientierten Kinder - und Jugendhilfe  erarbeiten wir 
dadurch außerdem gemeinsam koedukative Ansätze. 
 
Worüber wir uns bewusst sind: 
 
 In der Mädchen - und Jungenarbeit treffen politische Bewegungen aufeinander, die 
oft persönlich motiviert sind. 
 Die Mädchenarbeit verfügt über eine mehr als 30-jährige Entwicklungsgeschichte und 
hat faktisch sämtliche Aufbau - und Sensibilisierungsarbeit für geschlechterbewusste 
Kinder- und Jugendhilfe geleistet.  
 Die Jungenarbeit ist ursprünglich als Ergänzung bzw. Unterstützung zur 
Mädchenarbeit entwickelt worden und ent wickelte sich  nicht aufgrund einer  
Benachteiligung und gesellschaftlichen Unterdrückung von Männern *. Das  System 
der hegemonialen Männlichkeit benachteiligt zwar auch Jungen*, dieser Aspekt 
rückte aber erst später in das Blickfeld der Jungenarbeit.  
 Das Geschlechterverhältnis ist in unserer Gesellschaft noch immer durch , teilweise 
auch verdeckte, hierarchische Strukturen zu Gunsten von Männern * geprägt. Diese 
üben als soziale Gruppe strukturelle und direkte Gewalt aus ( zum Beispiel in Form 
von Nichtanerkennung von Jobs, die mehrheitlich von Frauen * ausgeführt werden, 
Unterbezahlung von Frauen *, Ausschluss von Frauen* aus Führungspositionen, 
Abwertung von weiblich zugeschriebenen Eigenschaften, Behandlung von Frauen* als 
Sexualobjekt, Vergewaltigung) 
 Die geschlechterreflektierte Jungen*arbeit profitiert von den entwickelten Wegen, 
Strategien und Konzepten der Mädchenarbeit und – als Arbeit von Männern * mit 
Jungen* – zudem oft vom patriarchalen System (zum Beispiel, weil vor allem 
Männer* Entscheidungsträger für finanzielle Mittel sind).  
 Gefahren der Konkurrenz bestehen im Besonderen auch beim „Verteilungskampf von 
begrenzten Ressourcen, die derzeit noch reduziert werden – in welchem Jungenarbeit 
aktuell gefragt, gefördert, gestützt ist („Jungs als Bildungsverlierer“ vs. 
Mädchen*arbeit ein „alter Hut“)“. 8 In diesem Zusammenhang  bedeutete die 
Einführung von Gender Mainstreaming (seit 1999) für Jungenarbeit tendenziell eine 
Aufwertung (vor allem auf Führungs- und Entscheidungsebene) , während die 
Mädchen*arbeit durch Einbußen bei der  öffentlicher Anerkennung und teilweise 
sogar durch die Reduzierung der finanziellen Förderung abgewertet wurde. 
                                                           
8 Rauw, Regina/Ottemeier-Glücks, Franz Gerd, 2009: S. 25.

30 
 
Eine auf Geschlechtergerechtigkeit abzielende  Kinder- und Jugendhilfe braucht eine 
kooperierende Mädchen *- und Jungen *arbeit und ihre Unterstützung auf ganzer Linie. Es 
gilt, gemeinsam darauf hinzuwirken und dafür einzustehen, gute Bedingungen für eine 
Kooperation zu schaffen. Hierbei ist die strukturelle (und konzeptionelle) Verankerung von 
Mädchen*- und Jungen *arbeit auf kommunaler Ebene die Voraussetzung, um der 
Konkurrenz um Ressourcen entgegenzuwirken. Neben allen kooperativen Herausforderungen 
muss im Blick behalten werden, wie die Kooperation von Mädchen *- und Jungen *arbeit 
Mädchen* und Jungen* zugutekommen kann.  
 
Für gelingende geschlechterbewusste Arbeit  ist nicht nur ein regelmäßiger Austausch über 
den Stand de s jeweiligen Arbeitsbereiches, sondern auch eine Auseinandersetzung über die 
Wirkungen von Mädchen *- und Jungen *arbeit auf das herrschende Geschlechterverhältnis 
notwendig. 
 
8.2 Mädchen *- und Junge n*arbeit in der Stadt Darmstadt und im Landkreis Darmstadt -
Dieburg 
 
Hinsichtlich der Vernetzung und des Zusammenwirkens im Sinne gleichstellungsorientierter 
Jugendhilfe entstand im Jahr 2012 als gemeinsames Austauschgremium der beiden 
Arbeitskreise zur Mäd chenarbeit (AKPM und MAK) und der Arbeitsgemeinschaft 
Jungenarbeit (AGJ) der Stadt Darmstadt und des Landkreises Darmstadt -Dieburg die 
Fachgruppe Gender (FGG). Inhaltlich ging es anfänglich um den Austausch und das 
Kennenlernen der bestehenden Strukturen in den jeweiligen Arbeitskreisen. Zunehmend 
wurden in der Fachgruppe Gender gemeinsame Absprachen über das Zusammenwirken 
getroffen. Dazu gehören: 
 
 3 Austauschtreffen im Jahr 
 4–5 Delegierte aus den jeweiligen Arbeitskreisen 
 Austausch über Leitlinien 
 Austausch über aktuelle Entwicklungen geschlechterrelevanter Themenstellungen mit 
Einflüssen auf die Kinder- und Jugendarbeit 
 Planung und Durchführung gemeinsamer Fachtage, Veranstaltung und Aktionen 
 
Bis heute besteht in der Fachgruppe Gender eine kontinuierliche Zusammenarbeit . Diese 
veranstaltete neben den Austauschtreffen 2014 einen Fachtag zum Thema „Homo – oder 
was!?“, bei dem sich 60 Teilnehmerinnen* und Teilnehmer* über klassische Vorurteile, 
Stereotypen und konservative Rollenvorstellungen sowie d ie Vielfalt geschlechtlicher 
Identitäten fachlich austauschten . Die Veranstaltung fand in Kooperation mit dem Verein 
Vielbunt e.  V. statt. Außerdem führte die Fachgruppe Gender 2015 mit der 
Impulsveranstaltung „Das sagt man doch so!“ einen Erfahrungsaustausch zu sexistischen und 
diskriminierenden Kommunikationskulturen in der Praxis der Kinder- und Jugendarbeit mit 
30 Teilnehmenden durch.  Im Jahr 2016 organisierte sie den Workshop „ Trans*Basics – was 
ihr schon immer mal über Trans* wissen wolltet! “. Schwerpunkt der Veranstaltung war die 
Auseinandersetzung mit alltäglichen Erfahrungen und Konflikten v on Trans*Personen sowie 
die Informationsvermittlung über die Bedeutung von  Trans* und von Supportmöglichkeiten 
für betroffene Personen. 
 
8.3. Überregionale Vernetzung

31 
 
 
In vielen Bundesländern haben sich Jungenarbeiter * zu Landesarbeitsgemeinschaften (LAGs) 
für Jungenarbeit zusammengeschlossen. In Hessen besteht eine solche LAG nicht, seit 2009 
besteht jedoch die Fachgruppe Jungenarbe it in Hessen. D iese hat es sich zur Aufga be 
gemacht, jährlich einen Fachtag mit Fortbildungs- und Austauschcharakter für Fachkräfte, die 
im pädagogischen Kontext mit Jungen* arbeiten,  zu veranstalten. In dieser Fachgruppe ist 
derzeit eine Person der AG J vertreten, um sich über inhaltliche sowie aktuelle 
Themenschwerpunkte zu informieren und die Praxis der regionalen Basisarbeit in die 
Fachgruppenarbeit einfließen zu lassen.  Darüber hinaus wurde Ende 2015 die Fachstelle 
„Fokus Jungs “ des Paritätischen Bildungswerkes  Bundesverband installiert. Die durch die 
Aktion Mensch geförderte Fachstelle wird zunächst über einen Zeitraum von 3 Jahren 
gefördert. Schwerpunkt der Fachstelle ist die Förderung einer landesweiten Vernetzung 
sowie Fachkräfte praxisnah und zielgruppenorientiert bei ihrer geschlechtsbezogenen Arbeit 
mit Jungen* zu unterstützen.

32 
 
9. Evaluation der geschlechterreflektierten Jungen*arbeit 
 
Für die Evaluation der geschlechterreflektierten Jungen*arbeit sind für die Jungen*arbeit 
geeignete Werkzeuge, Kriterien und Methoden heranzuziehen . Dabei ist vorab zu ermitteln, 
ob von den Trägern* und Trägerinnen* standardisierte Evaluierungsmethoden gefordert 
werden oder es Fachkräften möglich ist, Evaluierungsmethoden aus den Maßnahmen heraus 
zu entwickeln.  Jede Form der Evaluation muss die Ziele von Maßnahmen oder Projekten 
beschreiben und darlegen, welche davon erreicht wurden und welche nicht. Gleichzeitig 
muss in Kooperation mit der Mädchenarbeit * beschrieben werden, was mit der Maßnahme 
im Blick auf Gendergerechtigkeit bewirkt bzw. erreicht wurde.  Die Evaluation der 
geschlechterreflektierten Jungen*arbeit erschließt sich in mehreren Dimensionen und 
Formen: 
 
 Als Auswertung einer Maßnahme oder eines Projekts mit den teilnehmenden 
Jungen*. Es geht dabei um das Teilnehmer *feedback. Formate dazu können im 
Austausch zwischen Jungenarbeit ern* weiterentwickelt, Inhalte untereinander 
kommuniziert werden. 
 Als Selbstevaluierung der Jungenarbeiter* zur Dokumentation der eigenen Arbeit. Es 
sind dabei die Fragen zu beantworten: Waren die Maßnahme oder das Projekt 
erfolgreich? Wie ist Erfolg zu definieren? Wer hat die Definitionshoheit? 
 Als Auswertung mit Fachkräften. Diese erfolgt in der jeweiligen Einrichtung , und im 
Austausch mit Kolleg*innen, beispielsweise in der Arbeitsgemeinschaft Jungen*arbeit 
und der Fachgruppe Gender. 
 Darüber hinaus wird eine kooperative Evaluation zusammen mit der Mädchen*arbeit 
in der Fachgruppe Gender angestrebt. 
 
Als Evaluationszeiträume empfehlen wir: 
 Für die Auswertung mit den teilnehmenden Jungen *, diese jeweils am Ende einer 
Maßnahme durchzuführen. 
 Für die Selbstevaluation, diese unmittelbar nach der Maßnahme, aber spätestens am 
Ende einer Woche durchzuführen. 
 Für die Auswertung mit Fachkräften einer Einrichtung oder in Kooperation mehrerer 
Einrichtungen, diese mindestens monatlich durchzuführen. 
 Für die Auswertung in der AGJ, diese mindestens einmal im Jahr durchzuführen. 
 Für die Trägerinnen* und Träger*, diese alle 5 Jahre durchzuführen.

33 
 
10.  Ausblick 
 
Es scheint paradox: In den Leitlinien zur geschlechterreflektierten Jungen*arbeit bedienen 
wir uns konstruierter Kategorien (Jungen* und Mädchen*), um gleichzeitig deren Bedeutung 
auflösen zu wollen. Doch so lange junge Menschen von der Annahme ausgehen, bestimmte 
Verhaltensweisen ausprägen zu müsse n, um sich der Kategorie ‚Junge‘  zugehörig fühlen zu 
können und als Junge* gesellschaftlich anerkannt zu werden, ist die geschlechterreflektierte 
Jungen*arbeit hilfreich, um die Wirkmächtigkeit der Kategorie „Geschlecht“ zu reduzieren 
und geschlechtliche Vielfalt zu fördern.   
 
Geschlechterreflektierte Jungen*arbeit erhält somit ihre  Berechtigung, bis in einer 
zukünftigen Welt die freie Wahl möglich und die Vielfalt der Geschlechter ohne 
gesellschaftlich konstruierte und eingrenzende Zuweisungen akzeptiert ist. 
 
Wie sieht die Zukunft der geschlechterreflektierten Jungen*arbeit aus? 
 
 Wirkung entfalten in andere Arbeitsfelder, zum Beispiel in Kindertageseinrichtungen, 
Schulen oder Ausbildungsstätten sowie in die Qualifizierung von Pädagoginnen * und 
Pädagogen*. 
 Stärkere Vernetzung mit den Fac hkräften aus den genannten Arbeitsfeldern (zum 
Beispiel in der AGJ). 
 Digitale Welten als  einen Ort der geschlechterreflektierten Jungen*arbeit begreifen 
und berücksichtigen. 
 Weiterhin mit der Mädchenarbeit kooperieren und sich gemeinsam stark machen für 
Geschlechtergerechtigkeit. 
 Die Zielgruppe von geschlechterreflektierter Jungen*arbeit muss unter 
Berücksichtigung der Spannung zwischen einem zugewiesenen und dem selbst 
wahrgenommenen Geschlecht stetig überprüft und diskutiert werden. 
 Hinwirkung auf die E rschließung weiterer Zielgruppen über J ungen* und Mädchen* 
hinaus, zum Beispiel transsexuelle oder intergeschlechtliche Kinder und Jugendliche. 
 Gesellschaftspolitische Entwicklungen müssen weiterhin gleichzeitig beachtet 
werden, zum Beispiel Flucht und Migration, Generationengerechtigkeit.

34 
 
Literatur 
 
Quellen und Weiterführende Literatur 
 
Bitzan, Maria: Geschlechtshierarchischer Verdeckungszusammenhang. Überlegungen zur 
sozialpädagogischen Mädchen - und Frauenforschung. In: Lemmermöhle, Doris/Fischer, 
Dietlind/Klika, Dorle/Schlüter, Anne (Hrsg.): Lesarten des Geschlechts. Zur De -
Konstruktionsdebatte in der erziehungswissenschaftlichen Geschlechterforschung. Op laden: 
Leske und Budrich Verlag; 2000: S. 146–160. 
 
Bremer Leitlinien Jungenarbeit. Bremen; 2012 
 
Budde, Jürgen: Dramatisieren – Differenzieren – Entdramatisieren. In: Kilian, Jörg/Pfeiffer, 
Joachim/ Schlobinski, Peter/Staiger, Michael (Hrsg.): D er Deutschunterricht, H. 1. 2006 . 
Seelze: Friedrich Verlag; 2006: S. 71–83.  
 
Butler, Judith: Das Unbehagen der Geschlechter. 19. Aufl. F rankfurt a. M.: Suhrkamp Verlag; 
1991. 
 
Debus, Katharina: Dramatisierung, Entdramatisierung und Nicht -Dramatisierung in der 
geschlechterreflektierten Bildung. Weiterentwicklung des Kurzvortrags vom Fachtag 
„Geschlechterreflektierte Arbeit mit Jungen in Schule und Jugendarbeit. Konzepte – 
Erfahrungen – Perspektiven“, Workshop 3 „Wenn Methoden nach hinten losgehen – 
Dramatisierung und Entdramatisierung in Methoden zu Geschlechterbildern. Berlin: 
Sozialpädagogisches Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg; 2012.  
 
Debus, Katharina/Stuve, Olaf/Budde,  Jürgen: 2.2 Jungenbilder pädagogischer Fachkräfte. In: 
Kompetenzzentrum Technik -Diversity-Chancengleichheit e.  V. (Hrsg.): Eine 
Praxishandreichung für die Schule. Erweiterung der Perspektiven für die Berufs - und 
Lebensplanung von Jungen. Bielefeld; 2013: S. 10–12. 
 
Faulstich-Wieland, Hannelore: Abschied von der Koedukation? In: Kleinau, Elke/Opitz, 
Claudia (Hrsg.): Geschichte der Mädchen - und Frauenbildung Band 2 – Vom Vormärz bis zur  
Gegenwart. Frankfurt/Main: Campus-Verlag; 1996: S. 386–400. 
 
Gesetze: 
 
Bundesministerium für Familie, Senioren,  Frauen und Jugend (BMFSFJ) - Richtlinien über 
die Gewährung von Zuschüssen und Leistungen zur Förderung der Kinder - und Jugendhilfe 
durch den Kinder- und Jugendplan des Bundes (KJP). 
Im Internet: 
www.bmfsfj.de/blob/111964/2f7ae557daa0d2d8fe78f8a3f9569f21/richtlinien-kjp-2017-
data.pdf, Stand 15.02.2019 
 
Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland - Art. 3. 
Im Internet: www.gesetze-im-internet.de/gg/art_3.html, Stand 15.02.2019

35 
 
Hessisches Kinder- und Jugendhilfegesetzbuch (HKJGB).  Im Internet: 
www.soziales.hessen.de/sites/default/files/media/hsm/hkjgb_geaendert_am_151014.pdf, 
Stand 15.02.2019 
 
Hessisches Kultusministerium (HKM) - Lehrplan zur Sexualerziehung an den 
allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in Hessen. Im Internet: 
www.kultusministerium.hessen.de/sites/default/files/media/hkm/lehrplan_sexualerziehun
g_formatiert_neu.pdf, Stand 15.02.2019 
 
Hessisches Ministerium für Soziales und Integration (HSM): Bildungs - und Erziehungsplan 
für Kinder von 0 bis 10 Jahren in Hessen (BEP). Im Internet:  
kultusministerium.hessen.de/sites/default/files/media/hkm/bildung_von_anfang_an_2014
.pdf, Stand 15.02.2019 
 
Rat der Gemeinden und Regionen Europas (RGRE) - Europäische Charta für die 
Gleichstellung von Frauen und Männern auf lokaler Ebene. Im Internet:  
www.rgre.de/fileadmin/redaktion/pdf/resolutionen/charta_gleichstellung.pdf, Stand 
15.02.2019 
 
Sozialgesetzbuch (SGB) - Achtes Buch (VIII) - Kinder- und Jugendhilfe - § 9 Grundrichtung 
der Erziehung, Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen. Im Internet: www.gesetze -
im-internet.de/sgb_8/__9.html, Stand 15.02.2019 
 
Sozialgesetzbuch (SGB) - Achtes Buch (VIII) - Kinder- und Jugendhilfe - § 74 Förderung der 
Freien Jugendhilfe. 
Im Internet: www.gesetze-im-internet.de/sgb_8/__74.html, Stand 15.02.2019 
 
Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) - Erster Teil - Grundsätze 
 (Art. 1 – 17) - Titel II - Allgemein geltende Bestimmungen (Art. 7 – 17). Im Internet: 
www.dejure.org/gesetze/aeuv, Stand 15.02.2019 
 
Wissenschaftsstadt Darmstadt, Frauenbüro (HG): 1. Gleichstellungsaktionsplan  
Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 – 2020. Europäische Charta zur Gleichstell ung von  
Frauen und Männern auf lokaler Ebene. Darmstadt 2017. Im Internet:  
www.darmstadt.de/fileadmin/PDF-Rubriken/Gleichstellungsaktionsplan_Darmstadt.pdf, 
Stand 15.02.2019 
 
Jähningen, Roland: Über den Blick auf Jungen in einem Kinderhaus im Stuttgarter  Stadtteil 
Botnang. In: Sturzenhecker, Benedikt/Winter, Reinhard (Hrsg.): Praxis der Jungenarbeit. 
Modelle, Methoden und Erfahrungen aus pädagogischen Arbeitsfeldern. Weinheim und 
München: Juventa Verlag; 2002. 
 
Krabel, Jens et al.: Müssen Jungen aggressiv  sein? Eine Praxismappe für die Arbeit mit 
Jungen. Mühlheim an der Ruhr, Verlag An der Ruhr; 1998. 
 
Landesarbeitsgemeinschaft Mädchenarbeit in NRW e.V./Landesarbeitsgemeinschaft 
Jungenarbeit in NRW e.V. (Hrsg.): Müssen, Können, Dürfen – gelingende Kooperat ion von 
Mädchen- und Jungenarbeit. Dokumentation der Fachtagung vom 24.9.2009 in Essen.

36 
 
 
Mädchenzentrum MABILDA e.V. Duisburg/Jungs e.V. Duisburg/Landesarbeitsgemeinschaft 
Mädchenarbeit in NRW e.V./Landesarbeitsgemeinschaft Jungenarbeit in NRW e.V. (Hrsg.) : 
Kooperation von Mädchen - und Jungenarbeit – kommunal, regional, landesweit. 
Reflexionen, Erfahrungen, Ausblicke. Dokumentation der Fachtagun g vom 22. Mai 2014 in 
Duisburg. 
 
Rauw, Regina/Ottemeier-Glücks, Franz Gerd: Erlebte Geschichte – gewonnene Erkenntnisse 
– Reflexionen aus der Praxis. Kooperation als Fachmänner und Fachfrauen. In: 
Landesarbeitsgemeinschaft Mädchenarbeit in NRW  e.V./Landesarbeitsgemeinschaft 
Jungenarbeit in NRW e.V. (Hrsg.): Müssen, Können, Dürfen – gelingende Kooperation von 
Mädchen- und Jungenarbeit. Dokumentation der Fachtagung am 24.09.2009 in Essen, S. 25. 
 
Wallner, Claudia: Vertrauensbildende Maßnahmen im Auge des Orkans oder: wie es 
gelingen kann, dass Mädchenarbeit und Jungenarbeit kooperieren. In: Kunert -Zier, 
Margitta/Krannich, Margret (Hrsg.): Vom Geschlechterquatsch zum Genderparcours. 
Geschlechtergerechte Bildung und Erziehung vom Kindergarten bis zum Jugendtreff. 
Schriftenreihe der Heinrich-Böll-Stiftung Hessen e. V., Band 19. Essen 2008, S.133–149. 
 
Wallner, Claudia: Chancen und Stolpersteine in der Kooperation zwischen Mädchen - und 
Jungenarbeit. Fachvortrag in der FUMA Fachstelle Gender NRW zum jährlichen 
Vernetzungstreffen „Gender Mainstreaming bei Trägern der Jugendhilfe in NRW“. Essen ,  
2009.  
 
Winter, Reinhart/Neubauer, Gunter: Dies und Das! Das Variablenmodell „balanciertes Junge 
und Mannsein“ als Grundlage für die pädagogische Arbeit mit Jungen und Männern. 
Tübingen: Neuling Verlag; 2001.

37 
 
Definition und Erklärung von Fachbegriffen 
 
 
AGJ  Abkürzung für Arbeitsgemeinschaft der Jungenarbeiter* 
aus der Wissenschaftsstadt Darmstadt und dem 
Landkreis Darmstadt -Dieburg, trifft sich monatlich, 
verantwortet u.  a. die Jungenleitlinien und den 
Jungentag in Darmstadt, besteht seit 1996. 
 
Coming-Out  Das freiwillige  oder erzwungene öffentliche Bekenntnis 
zur Homosexualität, Transidentität oder Intersexualität. 
 
Crosswork Mit Crosswork ist die geschlechterreflektierte  
pädagogische Arbeit von Männern* mit Mäd chen* und 
von Frauen* mit Jungen * gemeint . Zwei Geschlechter , 
Zwei Geschlechter, die sich gefühlt gegenüberstehen 
und gesellschaftlich unterschiedliche Eigenschaften 
zugeschrieben bekommen,  begegnen sich in diesem 
Setting und lernen etwas voneinander oder 
miteinander. Bei Crosswork wird eine 
geschlechterdichotome Setzung vorgenommen, die erst 
einmal nur von  Männern*/Jungen* und 
Frauen*/Mädchen* ausgeht.9 
  
Fachkraft  Pädagogisch qualifizierte *r Mitarbeiterin* oder 
Mitarbeiter*, die oder der zusätzlich eine spezielle 
Qualifikation für Jungen *arbeit (oder Mädchenarbeit) 
besitzt. 
 
Gender Mainstreaming  Politische Strategie zum Sicherstellen von Gleichstellung 
von Frauen* und Männern* auf allen gesellschaftlichen 
Ebenen, seit 1997/1999 ist Gender Mainstreaming ein 
erklärtes Ziel der Europäischen Union , ursprünglich 
entstammt Gender Mainstreaming nicht dem Kontext 
der Mädchen*- und Jungen*arbeit. 
 
Gendersensibel   Synonym für geschlechterreflektiert. 
 
Geschlechterkonstruktion   Eine gesellschaftliche Zuschreibung, mit der  Jungen* zu 
Jungen, Männer* zu Männern, Mädchen* zu Mädchen 
und Frauen* zu Frauen gemacht werden, vermittelt 
durch einen Anpassungsdruck an gesellschaftliche 
Normen und Werte. 
                                                           
9 (Busche, Mart: Crosswork: Vom Sinn und Unsinn der pädagogischen Arbeit mit dem „Gegengeschlecht“. In: 
Dissens e.V. (Hrsg.): Geschlechterreflektierte Arbeit mit Jungen an der Schule: Texte zu Pädagogik und 
Fortbildung rund um Jungen, Geschlecht und Bildung. Berlin 2013, S . 160-168.)

38 
 
 
Geschlechterreflektiert  Das eigene Denken und Handeln reflektiere n in Bezug 
auf die Vielzahl von  Geschlechtern und die patriarchal 
geprägte Zuschreibung zum binären Geschlecht. 
 
Gleichberechtigung  Forderung nach einer rechtlichen Gleichbehandlung von 
Mädchen* und Jungen*, Frauen* und Männern*, im 
Grundgesetz verankert. 
 
Gleichstellung   Gesetzlich geforderte einheitliche Behandlung von 
Mädchen* und Jungen*, Frauen* und Männern* in allen 
Belangen, wird durch das Instrument des Gender -
Mainstreamings überprüft. 
 
Gleichwertigkeit   Moralisch-ethische Kategorie für die Beschreibung und 
Bescheinigung des gleichen Wertes von Mädchen* und 
Jungen*, Frauen* und Männern*. 
 
Hegemoniale Männlichkeit   Gesellschaftliche Praxis, welche die dominante 
(hegemonial-übergeordnete) Position von Männern und 
eine untergeordnete Position von Nichtmännern 
garantieren soll. 
 
Heteronormativität  Die Vorstellung, dass Heterosexualität die „normale“ 
und damit richtige Form der Sexualität sei, während 
weitere sexuelle Orientierung en Abweichungen von 
dieser Norm darstellen würden. 
 
Homophobie  Angst vor Homosexualität und Homosexuellen. Die 
Folgen von Homophobie sind Verachtung, Lächerlich 
machen, Ausgrenzen oder Verleugnen von 
Homosexualität und Homosexuellen. 
 
Intersexualität  Geschlechtlichkeit, bei der genetisch und/oder 
anatomisch gleichzeitig weibliche und männliche 
Geschlechtsmerkmale bestehen, bis 2015 war für 
intersexuelle Menschen per Gesetz eine eindeutige 
Geschlechtszuweisung, in der Regel durch Operation, 
gefordert. 
 
Jungen*arbeit   Pädagogische geschlechterreflektierte Arbeit mit 
Jungen* durch männliche* Fachkräfte, siehe auch  
Kapitel 3. 
 
Jungenarbeit Sammelbegriff für pädagogische Arbeit mit Jungen, die 
auch geschlechterreflektierte Ansätze beinhalten kann.

39 
 
Jungen*arbeiter  Männliche* pädagogische Fachkraft in der Sozialen 
Arbeit für geschlechterreflektierte Arbeit mit Jungen*. 
 
Jungenpädagogik  Pädagogische geschlechterreflektierte Arbeit mit 
Jungen* sowohl durch weibliche* und männliche* 
Fachkräfte, siehe auch Kapitel 3. 
 
Koedukative Jugendarbeit Pädagogische Arbeit von, mit und für Kinder(n) und 
Jugendliche(n), die Mädchen und Jungen gleichermaßen 
zur Zielgruppe hat. 
 
Neue Frauenbewegung  Auch „Zweite Frauenbewegung“ genannt, die nach der 
Ersten Frauenbeweg ung Ende des 19. Jahrhunderts 
Mitte der 1970er-Jahre als Protestbewegung der Frauen 
in den westlichen Industrieländern für mehr 
Emanzipation kämpfte. Bedeutende Protagonistin in 
Deutschland war u. a. Alice Schwarzer. 
 
Outing Öffentliches Bekanntmachen der Homosexualität, 
Transidentität oder Intersexualität einer Person ohne 
deren Zustimmung oder gegen deren Willen. 
 
Patriarchat, patriarchale Strukturen  Herrschaft des männlichen Prinzips, das Männern einen 
Vorrang gegenüber Frauen einräumt. 
 
Tradiertes Mannsein  Wird synonym zu „hegemoniale Männlichkeit“ 
verwendet. 
 
Transidentität   Menschen mit einer Selbstwahrnehmung in einem – in 
der Regel binären – Geschlecht, das nicht dem Körper 
entspricht 
 
Transfrau   Frau, die mit einem männlichen Körper geboren wird. 
 
Transmann  Mann, der mit einem weiblichen Körper geboren wird. 
 
Transphobie  Angst vor Transidentität und Transmenschen. Die Folgen 
von Transphobie sind Verachtung, Lächerlich machen, 
Ausgrenzen oder Verleugnen von Transidentität und 
Transmenschen.

40 
 
Übersicht der AGJ-Mitglieder  
 
Die derzeit aktiven Mitwirkenden arbeiten in folgenden Institutionen: 
 Jugendcafé „Chillmo“, Darmstadt-Kranichstein 
 Jugendclub Kranichstein 
 Jugendring Darmstadt 
 Jugendhaus Messeler Straße, Darmstadt-Arheilgen 
 Jugendförderung Griesheim 
 Jugendcafé Reinheim-Georgenhausen 
 Kinder- und Jugendförderung Ober-Ramstadt 
 Kinder- und Jugendförderung Erzhausen 
 Aktivspielplatz Herrngarten, Darmstadt 
 Jugendförderung Mühltal 
 Jugendförderung Reinheim            
 Kinder- und Jugendförderung Alsbach-Hähnlein 
 Nachbarschaftsheim Darmstadt e. V. 
 Kinder- und Jugendförderung Wissenschaftsstadt Darmstadt 
 Kinderhaus Paradies, Darmstadt-Eberstadt 
 Jugendbildungswerk Landkreis Darmstadt-Dieburg 
 Kinder- und Jugendförderung Landkreis Darmstadt-Dieburg 
 Kinder- und Jugendförderung Pfungstadt sowie Stadtteile 
 Kinder- und Jugendförderung Bickenbach  
 Jugendhaus *huette, Darmstadt 
 Sportkreisjugend Darmstadt-Dieburg 
 Jugendhaus Penthaus, Wixhausen 
 Jugendförderung Weiterstadt 
 Evangelisches Stadtjugendpfarramt Darmstadt 
 Jugendhaus Kiste, Darmstadt-Eberstadt 
 Pro Familia Darmstadt

anlage 3

198 Zeichen

Punkt 5: Leitlinien zur Förderung der geschlechterreflektierten Jungen*arbeit in der Kinder - 
und Jugendhilfe 
 (V-Nr. 2020/0249) 
- Kenntnisnahme - 
 
Der Ausschuss nimmt von der Vorlage Kenntnis.

2020/0249

3727 Zeichen

Magistratsvorlage 
 
Eingang Magistrats - 
geschäftsstelle:  
09.09.2020 
an den Magistrat  
   zur Kenntnis 
   zur Beschlussfassung  
 
Beteiligt vor 
Magistratsbeschlussfassung:  
Dezernat V an die Stadtverordnetenversammlung  
   OBW zur Befassung  
   zur Kenntnis 
   zur Beschlussfassung  
   zur abschließenden Beschluss - 
       fassung Fachausschuss  
 
 
Amt: Jugendamt 
 OBW bei abschl. 
Beschlussfassung Magistrat  
Behandlung in  
öffentl. Sitzung  
Ja 
 
Nein 
 
Verteiler:  
 
 
Ja 
 
Nein  
 
Vorlage-Nr. 2020/0249 
 
Magistratsbeschluss -Nr. 
  
 
Internetfähig     
 
Produkt-Nr.: 362000 
Kostenstelle:  6179840 Investitionsnummer:        
Kostenträger:  051-004-1000 Sachkonto:       
 
Betreff: Leitlinien zur Förderung der geschlechterreflektierten Jungen* arbeit in der Kinder - 
und Jugendhilfe  
 
Vorlage vom: 25.08.2020  
 
Beschlussvorschlag : 
Der Magistrat beschließt die Umsetzung der in der AG Jungenarbeit der Wissenschaftsstadt 
Darmstadt und des Landkreises Darmstadt -Dieburg erarbeiteten Leitlinien zur 
geschlechterreflektierten Jungen*arbeit.  
 
 
 
Anlagen: Leitlinien zur geschlechterreflektierten Jungen*arbeit in der Wissenschaftsstadt 
Darmstadt und im Landkreis Darmstadt -Dieburg 
 
Datenschutzrelevante Anlage:   
 
Folgekosten:    Ja    Nein

- 2 - 
 
Beschluss des Magistrats vom

- 3 - 
Begründung zur Magistratsvorlage vom 25.08.2020 
 
„Leitlinien zur geschlechterreflektierenden Jungen*arbeit“  
 
Die Arbeitsgemeinschaft Jungenarbeit (AGJ) der Wissenschaftsstadt Darmstadt und des 
Landkreises Darmstadt -Dieburg ist ein Zusammenschluss der Kinder - und Jugendförderung 
im Jugendamt der Wissenschaftsstadt Darmstadt und des Jugendbildungswerks des 
Landkreises Darmstadt -Dieburg, des Sportkreises Darmstadt -Dieburg sowie mehreren 
Kinder- und Jugendhäuser in beiden Gebietskörperschaften.  
 
Die vorliegenden Leitlinien wurden in den letzten Jahren durch eine Redaktionsgruppe in 
enger Zusammenarbeit mit der AGJ verfasst und sind eine Weiterentwicklung der bisher 
bestehenden Konzeptentwürfe  der unterschiedlichen Einrichtungen.  
 
Die Leitlinien sollen nicht nur Grundlage des pädagogischen Handelns innerhalb der 
Jungen*arbeit, sondern auch ein wichtiger Beitrag zum Diskurs über 
geschlechterreflektierendes und –sensibles Arbeiten mit Jungen* sei n.  
 
Die vorliegenden Leitlinien betrachten sowohl die Rolle der pädagogischen Fachkräfte in der 
Jungen*arbeit als auch die besonderen Herausforderungen, mit denen Jungen* heute 
konfrontiert sind. Sie nehmen die pädagogischen Fachkräfte als Rollenmodelle i n den Blick 
und bieten Unterstützung bei der kritischen Auseinandersetzung mit rigiden und tradierten 
Männlichkeitsvorstellungen .  
Die Aneignung einer selbstbestimmten gesch lechtlichen Identität, frei von vorherrschenden 
Rollenklischees, ist eine der wichtigsten Herausforderungen für heranwachsende Jungen*. 
Die Leitlinien greifen dieses Thema auf und bieten Ansatzpunkte für die praktische, 
pädagogische Arbeit mit Jungen*.  
Insbesondere tabuisierte Themen wie der Umgang mit persönlichen Gewalterfahrungen , 
positiven Körpergefühlen und Emotionen werden von den Leitlinien aufgegriffen und geben 
Orientierung für die Jungen*arbeit in der Wissenschaftsstadt Darmstadt.  
 
Mit diesen Leitlinien wird ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Herstellung von 
Geschlechtergerechtigkeit umgesetzt. Die Leitlinien sind dabei nicht als Abschluss zu 
verstehen, sondern als Impuls für das zukünftige Handeln der AGJ.  
 
Eine gemeinsame Veröffentlichung der Leitlinien zur geschlechterreflektierten Jungen*arbeit 
mit dem Landkreis Darms tadt-Dieburg ist geplant.  
 
Darmstadt, 09.09.2020 
 
 
Dezernat V 
 
 
 
 
 
Barbara Akdeniz  
Stadträtin

anlage 2

3761 Zeichen

- 2 - 
 
Magistratsvorlage 
 
Eingang Magistrats- 
geschäftsstelle: 
09.09.2020 
an den Magistrat 
   zur Kenntnis 
   zur Beschlussfassung 
 
Beteiligt vor 
Magistratsbeschlussfassung: 
Dezernat V an die Stadtverordnetenversammlung  
   OBW zur Befassung 
   zur Kenntnis 
   zur Beschlussfassung 
   zur abschließenden Beschluss- 
       fassung Fachausschuss 
 
 
Amt: Jugendamt 
 OBW bei abschl. 
Beschlussfassung Magistrat  
Behandlung in  
öffentl. Sitzung 
Ja 
 
Nein 
 
Verteiler: 
V 51 
 
Stvv 
 
 
 
Ja 
 
Nein  
 
Vorlage-Nr. 2020/0249 
 
Magistratsbeschluss-Nr. 
256 
 
Internetfähig     
 
Produkt-Nr.: 362000 
Kostenstelle: 6179840 Investitionsnummer:       
Kostenträger: 051-004-1000 Sachkonto:       
 
Betreff: Leitlinien zur Förderung der geschlechterreflektierten Jungen* arbeit in der Kinder- 
und Jugendhilfe 
 
Vorlage vom: 25.08.2020 
 
Beschlussvorschlag: 
 
Der Magistrat beschließt die Umsetzung der in der AG Jungenarbeit der Wissenschaftsstadt 
Darmstadt und des Landkreises Darmstadt -Dieburg erarbeiteten Leitlinien zur 
geschlechterreflektierten Jungen*arbeit.  
 
 
Anlagen: Leitlinien zur geschlechterreflektierten Jungen*arbeit in der Wissenschaftsstadt 
Darmstadt und im Landkreis Darmstadt -Dieburg 
 
Datenschutzrelevante Anlage:

- 3 - 
 
Folgekosten:    Ja    Nein 
 
Beschluss des Magistrats vom 16.09.2020 
 
Der Vorlage wird zugestimmt.

Begründung zur Magistratsvorlage vom 25.08.2020  
 
„Leitlinien zur geschlechterreflektierenden Jungen*arbeit“  
 
Die Arbeitsgemeinschaft Jungenarbeit (AGJ) der Wissenschaftsstadt Darmstadt und des 
Landkreises Darmstadt-Dieburg ist ein Zusammenschluss der Kinder - und Jugendförderung 
im Jugendamt der Wissenschaftsstadt Darmstadt und des Jugendbildungswerks des 
Landkreises Darmstadt-Dieburg, des Sportkreises Darmstadt -Dieburg sowie mehreren 
Kinder- und Jugendhäuser in beiden Gebietskörperschaften.  
 
Die vorliegenden Leitlinien wurden in den letzten Jahren durch eine Redaktionsgruppe in 
enger Zusammenarbeit mit der AGJ verfasst und sind eine Weiterentwicklung der bisher 
bestehenden Konzeptentwürfe der unterschiedlich en Einrichtungen. 
 
Die Leitlinien sollen nicht nur Grundlage des pädagogischen Handelns innerhalb der 
Jungen*arbeit, sondern auch ein wichtiger Beitrag zum Diskurs über 
geschlechterreflektierendes und –sensibles Arbeiten mit Jungen* sein.  
 
Die vorliegenden Leitlinien betrachten sowohl die Rolle der pädagogischen Fachkräfte in der 
Jungen*arbeit als auch die besonderen Herausforderungen, mit denen Jungen* heute 
konfrontiert sind. Sie nehmen die pädagogischen Fachkräfte als Rollenmodelle in den Blick 
und bieten Unterstützung bei der kritischen Auseinandersetzung mit rigiden und tradierten 
Männlichkeitsvorstellungen.  
Die Aneignung einer selbstbestimmten gesch lechtlichen Identität, frei von vorherrschenden 
Rollenklischees, ist eine der wichtigsten Herausforderu ngen für heranwachsende Jungen*. 
Die Leitlinien greifen dieses Thema auf und bieten Ansatzpunkte für die praktische, 
pädagogische Arbeit mit Jungen*.  
Insbesondere tabuisierte Themen wie der Umgang mit persönlichen Gewalterfahrungen, 
positiven Körpergefühlen und Emotionen werden von den Leitlinien aufgegriffen und geben 
Orientierung für die Jungen*arbeit in der Wissenschaftsstadt Darmstadt.  
 
Mit diesen Leitlinien wird ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Herstellung von 
Geschlechtergerechtigkeit umgesetzt. Die Leitlinien sind dabei nicht als Abschluss zu 
verstehen, sondern als Impuls für das zukünftige Handeln der AGJ.  
 
Eine gemeinsame Veröffentlichung der Leitlinien zur geschlechterreflektierten Jungen*arbeit 
mit dem Landkreis Darmstadt-Dieburg ist geplant. 
 
Darmstadt, 16.09.2020 
 
 
Dezernat V 
 
 
 
 
 
Barbara Akdeniz 
Stadträtin

Beratungsverlauf (3)

TOP 5
TOP 16
TOP 256

Orte (1)

  • Messeler Straße

Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.

Details

Vorlagen-Nr.
2020/0249
Typ
Magistratsvorlage
Datum
25.08.2020
Erstellt
29.09.2026 00:00