0609/2026
Beantwortung einer Anfrage gem. § 4 der Geschäftsordnung des Rates der FDP/KSG-Fraktion zum Stellenabbau bei RTL
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Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
8799 Zeichen
Dezernat, Dienststelle IX/IX/3 Vorlagen-Nummer 03.03.2026 0609/2026 Beantwortung einer Anfrage nach § 4 der Geschäftsordnung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss für Wirtschaft und Digitalisierung 05.03.2026 Beantwortung einer Anfrage gem. § 4 der Geschäftsordnung des Rates der FDP/KSG- Fraktion zum Stellenabbau bei RTL Beantwortung einer schriftlichen Anfrage der FDP/KSG-Fraktion zur Sitzung des Wirt- schaftsausschusses am 05.03.2026 (AN/0265/2026) betreffend „Stellenabbau bei RTL: Sachstand zu freiwerdenden Flächen in Köln-Deutz“ Die FDP/KSG-Fraktion bittet um die Beantwortung der folgenden Fragen: 1. Welche konkreten Kenntnisse hat die Stadt Köln über den Umfang und den zeitlichen Ab- lauf der geplanten Stellenstreichungen sowie der damit verbundenen Flächenreduzierung am Standort Köln-Deutz? 2. Steht die Verwaltung bereits im Austausch mit RTL Deutschland sowie mit dem Eigentü- mer der Immobilie, um drohenden Leerstand frühzeitig zu vermeiden und Perspektiven für eine Nachnutzung zu entwickeln? 3. Gibt es nach Kenntnis der Verwaltung bereits Interessenten oder Nutzungskonzepte für die freiwerdenden Flächen, insbesondere aus dem Bereich der Medien-, Digital- oder Kre- ativwirtschaft? 4. Welche konkreten Maßnahmen plant die Stadt beziehungsweise die KölnBusiness Wirt- schaftsförderung, um den Medienstandort Köln in dieser Situation aktiv zu stärken, Unter- nehmen anzusiedeln und qualifizierte Arbeitsplätze in der Stadt zu sichern? 5. Sieht die Verwaltung in den freiwerdenden Flächen Potenzial für die Entwicklung eines In- novations- oder Gründerzentrums, insbesondere für Start-ups und Unternehmen aus der Medien- und Kreativwirtschaft, und wird eine solche Option geprüft? Stellungnahme der Verwaltung: Zu 1.: Nach derzeitiger Kenntnis ist ein Stellenabbau von rund 600 Vollzeitäquivalenten sowie etwa 150 Teilzeitkräften am Standort Köln-Deutz geplant. Die betroffenen Mitarbeiter*innen wurden per E-Mail informiert und in Gesprächen mit der Personalabteilung (HR) über ein Abfindungs- angebot mit Wechsel in eine Transfergesellschaft unterrichtet. Im Zusammenhang mit dem Personalabbau ist davon auszugehen, dass am Standort Flächen frei werden, die gekündigt und an den Vermieter zurückgegeben werden. Konkrete Informatio- nen zur Ausgestaltung der Flächenreduzierung liegen derzeit nicht vor. 2 Zu 2.: Die Verwaltung steht im kontinuierlichen Austausch mit zentralen Akteuren des Medienstand- orts. Aktuell liegen keine konkreten Informationen darüber vor, ab wann welche Flächen am Stand- ort Köln-Deutz frei werden und wie RTL oder der Vermieter mit diesen Flächen umzugehen beabsichtigt. Entsprechend findet derzeit noch kein konkreter Austausch zu Nachnutzungsop- tionen für freiwerdende Flächen statt. Zu 3.: Aktuell liegt kein Szenario vor, ab wann und in welchem Umfang Flächen am Standort Köln- Deutz vakant werden. Entsprechend existieren aktuell auch keine konkreten Nutzungskon- zepte für diese noch undefinierten Flächen. Grundsätzlich findet in der Fernseh- und Medienbranche zurzeit ein umfassender Transforma- tionsprozess statt, insbesondere vor dem Hintergrund der Verschiebung von linearen TV-An- geboten hin zu digitalen Geschäftsmodellen. Aktuelle Daten zur Beschäftigungsentwicklung zeigen, dass der Medien- und IT-Standort Köln im Zeitraum 2016 bis 2025 insgesamt deutlich gewachsen ist. Auch die im Rahmen der jüngst veröffentlichten Studie des Landes zu „Film- und Fernsehproduktion in NRW im Vergleich zu anderen Bundesländern 2023 und 2024“ (nachfolgend: „Produktionsminutenstudie“) ausge- werteten Produktionsvolumina belegen, dass Köln weiterhin zu den führenden Produktions- standorten in Deutschland zählt. Insbesondere die IT-Dienstleistungen, digitale Informations- dienstleistungen sowie neue digitale Wertschöpfungsmodelle sind in Köln stark gewachsen. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Konvergenz von Medien- und Digitalwirtschaft be- steht Potenzial, freiwerdende Kapazitäten perspektivisch für innovationsgetriebene Unterneh- men aus den Bereichen digitale Produktion, Postproduktion, Content-Entwicklung, Plattfor- mökonomie oder Creator Economy nutzbar zu machen. Dies ist jedoch marktgetrieben und nicht primär kommunal steuerbar. Zu 4.: Die Stadt Köln verfolgt einen strategischen Ansatz zur Stärkung des Medienstandorts. Ziel ist es, frühzeitig Entwicklungen zu identifizieren, Handlungsbedarfe abzuleiten und den Standort strategisch weiterzuentwickeln. Zentrale Bausteine sind: die Durchführung eines Medienpolitischen Dialogs mit den prägenden Marktakteuren des Standorts, um Transformationsprozesse aktiv zu begleiten, die Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen für Film- und TV-Produktionen in Köln (u. a. Genehmigungsprozesse, Entgeltstrukturen, Serviceorientierung), die enge Abstimmung mit Förderinstitutionen und Landesakteuren, die Stärkung der Produktionsinfrastruktur. Darüber hinaus unterstützt die KölnBusiness Wirtschaftsförderung die Unternehmen am Standort Köln insgesamt mit ihrem umfassenden, kostenfreien Serviceangebot– von Grün- dung über Wachstum bis Ansiedlung – und leistet somit unter anderem einen wesentlichen Beitrag zur Stabilisierung und Weiterentwicklung der Kölner Medienwirtschaft. Die KölnBusiness Wirtschaftsförderung setzt mehrere konkrete Maßnahmen um, um den Me- dienstandort Köln zu stärken, Unternehmen zu unterstützen und qualifizierte Arbeitsplätze zu sichern, wie beispielsweise: 1. Gründungsförderung („get your creative business started“) Mit Formaten wie dem Gründungsevent „get your creative business started“ unterstützt KölnBusiness Gründungsinteressierte in der Kreativ- und Medienwirtschaft bei der Ent- wicklung und Umsetzung ihrer Geschäftsmodelle und trägt so zur Entstehung neuer Unternehmen und Arbeitsplätze bei. 2. Talent Media Day Cologne Mit dem „Talent Media Day Cologne“ vernetzt KölnBusiness gemeinsam mit der Fach- kräfteoffensive des Landes NRW und der Stadt Köln Schüler*innen, Student*innen, Wechselwillige/-gezwungene und Quereinsteiger*innen direkt mit Unternehmen der Kölner Medienbranche, um Zugänge zu Ausbildung, Praktika und Beschäftigung zu schaffen. 3. Kollaboration Mediengründerzentrum NRW Die Stadt Köln ist Minderheitsgesellschafterin des Mediengründerzentrum NRW, Köln- Business ist in der Gesellschafterversammlung als inhaltlicher Counterpart zur Stadt 3 vertreten und zudem an der jährlichen Jurysitung für das MGZ Start-Stipendium betei- ligt, wodurch Gründungen im Medienbereich inhaltlich eng begleitet und gestärkt wer- den. 4. Jahreskonferenz „twin.peaks“ Die Jahreskonferenz „twin.peaks“ bietet der Kölner Kultur- und Kreativwirtschaft – ein- schließlich Medien-, Digital- und Contentbranchen – eine zentrale Plattform für Aus- tausch, Vernetzung und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, Projekten und Ko- operationen. 5. Unterstützung von Branchenformaten (z.B. Seriencamp, VideoDays) Durch die Unterstützung etablierter Branchenformate wie bspw. dem Seriencamp oder dem VideoDays Festival stärkt KölnBusiness die Sichtbarkeit Kölns als Standort für Bewegtbild-, Streaming- und Creator-Inhalte und damit die Ansiedlungs- und Bleibe- perspektive von Medienunternehmen. 6. Fördermittel für die Medienwirtschaft: Projekte der Medienwirtschaft werden durch das Förderprogramm Kultur- und Kreativwirtschaft unterstützt (2025 mit rund 55.000 Euro), welches bei der Stabsstelle Wirtschaftsförderung betreut wird. Diese Maßnahmen tragen in ihrer Gesamtheit dazu bei, Fachkräfte im Medienbereich in Köln zu halten, neue Talente für den Standort zu gewinnen, Unternehmensgründungen zu fördern und die Attraktivität des Medienstandorts Köln insgesamt zu stärken. Zu 5.: Aus Sicht von KölnBusiness wäre die Entwicklung eines Innovations- oder Gründerzentrums für Start-ups und Unternehmen aus der Medien- und Kreativwirtschaft auf perspektivisch frei- werdenden Flächen grundsätzlich denkbar. Eine konkrete Prüfung eines solchen Modells ist jedoch erst dann sinnvoll möglich, wenn belastbare Informationen zu Umfang, Zeitpunkt und Verfügbarkeit der Flächen vorliegen. Grundsätzlich besteht in Köln eine dynamische Gründungs- und Innovationslandschaft im digi- talen und kreativen Bereich. Ob und in welchem Umfang konkrete Flächen hierfür geeignet sind, ist jedoch in erster Linie eine markt- und eigentümerseitige Entscheidung. Unabhängig davon wird im Rahmen des Medienpolitischen Dialogs auch die Frage diskutiert, wie neue Geschäftsmodelle, Start-ups und technologiegetriebene Produktionsformen stärker am Standort verankert werden können. Ziel ist es, strukturelle Veränderungen nicht bloß zu begleiten, sondern aktiv neue Wertschöpfungspotenziale zu erschließen. Gez. Haack
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 0609/2026
- Typ
- Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
- Datum
- 03.03.2026
- Erstellt
- 02.03.2026 09:39