2023/0167
Förderprogramm des Bundes: Modellprojekte Smart Cities Die Smart-City-Strategie für unsere Stadt Schlaues Wasser Darmstadt
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VIVARIUM INFO STADT MOBIL STADT MOBIL NS W O N VIVARIVIVARIVIVARVIVARVIVARVIVARIVVIVAARAR UMUMMUMUMUMUUMUMMUMMMUMMMMMMUUMMMMUMUMMMMMMM VIVARIUM SSTASTASSSSS TTTTTT OOOBILLLLLLL SSTATSTASTADSTADSTADSSTADTADSS TTTTTTTTTT STADT MMMMOBILOBILOBILOBILLLBIILLILILILILLLILILLLLILLIILILLLLLILILLLLILLLLLLL MOBIL TSTADT S ADTSTADT STADT MOBIL MOMOMMMMMMMMM BILLLLLL MOBIL N N N W W O O O NFO O NFO NFO NFO NFO NFO NFO NFO INININNININININININININIINININNN IN INININNNNN IN NNN N N N N N NNN N DIE SMART-CITY-STRATEGIE FÜR UNSERE STADT DIE SMART-CITY-STRATEGIE FÜR UNSERE STADT 4 Vorwort LIEBE BÜRGERINNEN UND BÜRGER, LIEBE DARMSTÄDTERINNEN UND DARMSTÄDTER, die Erde dreht sich. Schon immer. Das Leben unterliegt ständigem Wandel. Schon immer. Und Wasser fasziniert. Schon immer. Seit jeher besitzt Wasser neben seiner essenziellen Bedeutung für alles Leben auf unserem Planeten eine mystische Wirkung auf uns Menschen. Seine Oberflächenstruktur befindet sich im ständigen Wandel, sein Korpus fließt oder steht, peitscht oder wiegt, transportiert oder trägt, verbindet oder trennt, schenkt Leben, nimmt Leben und hält jeden Blick für einen Moment – ob kurz oder lang – fest. Vorwort 5Smart-City-Strategie „Schlaues Wasser wird uns weg- weisende Schritte zeigen, wie wir unsere Ressource Wasser dem Klima angepasst und nachhaltig nutzen können. Im Spannungsfeld zwischen zu viel und zu wenig Wasser setzen wir an und schauen mit jeder einzelnen Maßnahme, wie wir für Mensch und Natur die Resilienz erhöhen können. Mit unserer Strategie ebnen wir so den Weg in die Zukunft unserer wassersensiblen Smart City.“ „Wir haben uns zur Aufgabe gemacht, Wasser in die Stadt zu bringen und sichtbar zu machen. Mithilfe von Sensorik, Datenerfas- sung und -auswertung lassen sich wertvolle Rückschlüsse ziehen und die ergriffenen Maßnahmen noch gezielter und effizient steu- ern – zum Beispiel, um in heißen Sommern durch Wasser ein ange- nehmeres Klima zu gestalten.“ Michael Kolmer Dezernent für Planung, Umwelt und Mobilität Holger Klötzner Dezernent für Bildung und Digitalisierung Neben der Luft zum Atmen ist uns Menschen kaum ein Element so ver- traut, so nah wie Wasser , bei kaum einem anderen ist seine Bedeutsam- keit im Bewusstsein so sehr verankert. Und dennoch bedarf es eines Bewusstseinswandels. Denn das blaue Element, unser Lebenselixier , durchlebt gemeinsam mit uns den Wandel der Zeit, den Wandel der Gezei- ten und ist trotz seiner Macht auf unsere Hilfe angewiesen, so wie wir auf seine Verfügbarkeit, von der wir bisher wie selbstverständlich umgeben und verwöhnt waren. Denn der stetige Wandel hat sich gewandelt. Aus dem Klima, dem ehemals unauffälligen Begleiter , mal mehr , mal weniger , aber stets erträglich, ist inzwischen ein unangenehmer , anstrengender Gefährte geworden, im Klimawandel ist er nicht mehr derselbe. Auch die Wissenschaftsstadt Darmstadt ist schon lange nicht mehr die- selbe. Seit 25 Jahren Wissenschaftsstadt, seit 2017 Digitalstadt Deutsch- lands und seit September 2020 Modellprojekt Smart City Deutschland. Als eine von inzwischen 73 Kommunen erhielten wir einen klaren Auftrag für die kommenden Jahre: die Entwicklung von modellhaften, übertrag- baren Smart-City-Lösungen mit Fokus auf das blaue Element. Die Erde dreht sich. Schon immer . Das Leben ändert sich, alles ändert sich. Schon immer . In der Wissenschaftsstadt Darmstadt gelingt das Schritthalten mit Veränderungen sehr gut. Schon immer . Sogar so gut, dass wir nicht nur schritthalten, sondern teilweise vorangehen. In man- chen Bereichen schon immer . In Darmstadt gegründete Firmen belegen dies, wie die Firma Merck. Mit ihren 350 Jahren fast schon immer . Es folgten weitere Gründungen, wie die von Röhm Plexiglas, Goldwell, Wella oder der Software AG. Dank der exzellenten Lehre der hiesigen Hochschulen, der wissenschaft- lichen Institutionen wie drei Fraunhofer-Instituten, des IWU, der ESA/ ESOC, Eumetsat und vieler weiterer Einrichtungen durchströmt die Wis- senschaftsstadt Darmstadt seit jeher ein Fluss an Innovationen. Darm- stadt befindet sich sozusagen schon immer im Flow und verfügt über ein Meer an technischen und innovativen Kreationen, mit denen wir voller Dynamik kraftvoll an neue Ufer schwimmen und andere auf unserer Reise in die Zukunft im positiven Sinne mitreißen oder zumindest mitnehmen. Und genauso ist dieses Strategiepapier zu verstehen: als Einladung. Denn in der Wissenschaftsstadt Darmstadt nehmen wir unsere Bürgerinnen und Bürger beim Gestalten des Wandels mit. Schon immer . Steigen Sie ein, kommen Sie an Board, schwimmen Sie mit. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt ist gut aufgestellt und bereit, den er- teilten Auftrag zu erfüllen, um gemeinsam mit Ihnen in den kommenden Jahren den Spieß umzudrehen: Nicht der Klimawandel begleitet uns, son- dern WIR begleiten ihn, begegnen ihm, führen, leiten und gestalten ihn, den Klimawandel, mit all unseren Möglichkeiten. Welche wir bisher identi- fiziert haben, erfahren Sie fürs Erste hier , in diesem Strategiepapier , einer für uns richtungweisenden Momentaufnahme. Und wie das Leben selbst unterliegt auch di eses Strategiekonzept einem stetigen Wandel, dessen Entwicklung wir mit positiver Spannung und Zuversicht entgegensehen. Wie immer . Jochen Partsch Oberbürgermeister der Wissenschaftsstadt Darmstadt 6 Inhaltsverzeichnis Einführung Ausgangssituation 18 Stadtentwicklungs politische Ziele 20 Vorhandene R essourcen 30 Urban Foresight 33 Handlungsbedarfe und Potenziale Das Darmstädter Netzwerkmodell 38 Der Strategieprozess 40 Partizipative Strategieerstellung und Beteiligungsformate 44 Ideenaufruf Vision und Darmstädter Zukunftsbild 47 Die Vision: Wie stellen wir uns Darmstadt als wassersensible Smart City vor? 48 Das Fundament der Vision: Die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen und die Werte der Smart City Darmstadt 50 Das Darmstädter Zukunftsbild – Wassersensible Smart City Anwendungsfelder 54 Die Anwendungsfelder für Schlaues Wasser Darmstadt 54 Monitoring und Messung der Ziele 56 Wasserkreisläufe in Quartier und Stadt Anwendungsfeld 1 62 Wasserdaten: Grundlagen, Potenziale und Nutzung Anwendungsfeld 2 68 Wasserkommunikation und bewusstes Handeln Anwendungsfeld 3 7 4 Umgang mit Digitalisierung und Daten Inhalt 7Smart-City-Strategie Ab Seite 112 finden Sie ein Glossar mit Fremdwörtern und FachbegriffenRoad Map 80 Blaues Band – blau-grüne Infrastruktur für multifunktionale Stadträume Maßnahme 1 82 (Wasser-)Stadtlabor Maßnahme 2 83 Wassersensible Quartiere und Gebäude Maßnahme 3 84 Datenstrategie und -management Maßnahme 4 85 Hitzevorsorge durch Wasser Maßnahme 5 86 Vivarium als Showroom für grün-blaue Orte Maßnahme 6 87 Smarte Bewässerung von Stadtgrün Maßnahme 7 88 Blaue Orte – Bausteine einer blauen Infrastruktur in den Stadtteilen Maßnahme 8 90 Räumliche Verortung der Maßnahmen in Darmstadt 92 Smart-Water-Toolkit Verankerung in Stadt und Verwaltung 96 Governance in der Smart City Darmstadt 99 Wissenstransfer und Austausch 102 Monitoring und Evaluation 104 Ausblick Anhang 108 Quellenverzeichnis 112 Glossar 122 Endnoten 125 Impressum 8 Zusammenfassung Dieses Strategiepapier zum Schlaues-Wasser-Projekt zeigt Ihnen, wie alles begann, wie die Ausgangssituation heute ist, welche Voraus - setzungen erfüllt werden müssen, welche Vision samt den Maßnahmen erreicht werden soll und wie diese Ziele umgesetzt werden. Zusammenfassung 9Smart-City-Strategie Im September 2020 erhielt die Wissenschaftsstadt Darmstadt vom damaligen Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat den Titel „Modellprojekt Smart City“. Als eine von inzwischen 73 Kommunen war die Wissenschaftsstadt Darmstadt in der zweiten Staffel erfolgreich. Ziel dieser Ausschreibung war und ist es, gemein- sam mit ausgewählten Kommunen modellhafte und vor allem übertragbare Smart-City-Strategien zu entwickeln. Auf diese Weise soll den typischen He- rausforderungen repräsentativer stadtentwicklungs- politischer Probleme wie dem demografischen Wandel, der Energie- und Mobilitätswende, Migration und Inklusion oder der doppelten Innenentwicklung begegnet werden. Insgesamt standen zwei Jahre für die Erstellung der Strategie zur Verfügung. Nun geht es im Anschluss daran für fünf Jahre in die Umset- zung der konzipierten Lösungsvorschläge und Maß- nahmen. Ein weiteres wichtiges Anliegen und Herzstück des Programms Modellprojekt Smart City (MPSC) ist der Anspruch eines neuen Verständni sses de s Gemein- wohls, denn die von den Städten entwickelten Lösun- gen sollen für alle zugänglich, verständlich und nach- haltig nutzbar sein. Auch nach Ablauf der Förderzeit. Der erfolgreich bewilligte Antrag behandelte die Wissenschaftsstadt Darmstadt ursprünglich als voll- ständig entwickelte und transparente Netzwerkstadt, denn nach der Gründung der Digitalstadt GmbH im Rahmen des 2017 gewonnenen Wettbewerbs des Bitkom e. V. waren viele Lösungen entwickelt worden, Folglich erhielt unser Smart-City-Projekt den Titel: die es nun intelligent und vor allem transparent zu vernetzen galt, um den Bürgerinnen und Bürgern einen besseren Zugang zu ermöglichen. Wie für kom- plexe Projekte und Prozesse üblich blieb es nicht bei der ursprünglichen Ausgangssituation. Weitere wich- tige Erkenntnisse wurden bei genauerer Betrachtung und einer Bestandsaufnahme lokaler Gegebenheiten hinzugewonnen. Es galt daher , den Fokus auf die Dringlichkeit und Relevanz von in Darmstadt zu lösenden Herausforde- rungen zu legen, um so den größtmöglichen Nutzen aus der bewilligten Fördersumme im Sinne des Ge- meinwohls zu schöpfen. Die immer häufiger auftre- tenden Extremwetterereignisse wie Starkregen und Hitze sowie die immer länger andauernden Trocken- perioden identifizierten die Wissenschaftsstadt Darm- stadt schlussendlich als wasserarme Stadt. Somit wurde der ursprüngliche Antragsgegenstand um ein wichtiges Handlungsfeld erweitert: das Element Was- ser als neuer Schnittstellenschwerpunkt auf der Me- taebene, um von dort aus in alle relevanten Bereiche der Stadtentwicklungsprozesse integriert zu werden, auf schlaue Art und Weise mitgedacht, berücksichtigt und, wo möglich, mitgeplant. Gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern möch- ten wir im Verlauf der kommenden Jahre ein neues, schlaues Bewusstsein, einen schlaueren Umgang und ein besseres, schlaueres Verständnis von Wasser eta- blieren, um am Ende im Ergebnis im gesamten Stadt- gebiet von „schlauem Wasser“ umgeben zu sein. 1 Einführung 12 Einführung ZUKUNFT ZU GESTALTEN, IST UNSERE TRADITION „Darmstadt ist eine wasserarme Stadt.“ Mit dieser Aussage des im Juni 2020 gestellten Antrags, mit diesem Narrativ, war das Schlaues-Wasser-Projekt angestoßen und eine weitere Gestaltungsreise Richtung Zukunft stand bevor. Auf den ersten Blick keine für die Wissenschaftsstadt Darmstadt unübliche Situation, denn „Zukunft zu gestalten, ist unsere Tradition“ – so die für Darmstadt passende Überschrift auf der Titelseite des ursprünglichen Antrags. Der Titel bezieht sich nicht nur auf die jahrzehntelange Entwicklung zahlreicher Innovationen und Produkte in Darmstadt. Auch die Gründung vieler Unterneh- men aller Branchen und ein enormer Zuwachs in der Bevölkerung allgemein sowie an Studierenden, Fach- bereichen und wissenschaftlichen Einrichtungen sind zu verzeichnen. Die Stadt kann zahlreiche wissen- schaftliche wie wirtschaftliche Erfolge vorweisen und verfügt über einen hohen Internationalisierungsgrad. Ziel des ursprünglichen Antrags war es deshalb, die vielfältigen Akteure und Leitbranchen samt all den Digitalisierungsprojekten, die sich im Lauf der Zeit in einer schier unglaublichen Komplexität am Standort angesiedelt hatten, in Beziehung zueinander zu set- zen und die vielen Insellösungen auf smarte Art und Weise miteinander zu vernetzen – transparent und für alle erkennbar , verständlich und vor allem nutzbar . Dank der existierenden Vielfalt, der positiven Dyna mik und eines starken Netzwerks, dessen Ver netzungsgrad seinesgleichen sucht, erhielt und gewann die Wissen- schaftsstadt Darmstadt diverse Titel und wurde fünf- mal in Folge zur Zukunftsstadt Deutschlands gewählt. Die Ausgangsbedingungen waren aufgrund der bereits existierenden Digitalstadtstrategie, des Master plans 2030 und der vorhandenen digitalen Infrastruktur sehr gut, denn der Akteurskreis ist seit Jahren ein ein- gespieltes Team. Gegenseitiges Vertrauen und eine wohlwollende Haltung prägen das Miteinander . Ein wahrlich buntes und reges Treiben mit vielen pul- sierenden Leitbranchen und einem quirligen, agilen, impulsiven Geschehen, wohin man blickt. Es tut sich was in dieser Stadt der Vielfalt, in dieser Schwarm- stadt. Sie ist ein Ort voller Leben in Bewegung, mit zahlreichen Grünanlagen und kurzen Wegen. So viel zur Wahrnehmung auf den ersten Blick. Dieser ändert sich üblicherweise bei genauerem Hinsehen. Ist die Bewältigung einer digitalen Komplexität tat- sächlich die wichtigste Herausforderung, die wir dank der Förderung nun angehen können? Natürlich nicht. Attraktivität zieht alles an. Nicht nur Aufmerksamkeit, Interesse, Menschen und Unternehmen. Nein, wirt- schaftliche Prosperität konfrontiert Stadtentwicklung auch mit einem hohen Bedarf an knappen R essour- cen: ausreichend Platz für Wohnen, Lernen, Arbeiten, Spielen, Verweilen, Mobilität, Leben und Freizeit- gestaltung im Grünen. Doch Moment. Der zweite Blick zeigt: So grün ist die Wissenschaftsstadt Darmstadt gar nicht mehr . Die Sommer der letzten Jahre haben es gezeigt, der Klimawandel ist auch bei uns angekommen. Er zeigt sich in zunehmenden Wetterextremen. Darmstadt ist durch seine Lage im Oberrheingraben besonders von Klimawandelfolgen wie Hitze und Trockenheit betrof- fen. Die Sommer werden heißer , Dürreperioden neh- men zu und die Winter werden trockener . Einführung Doch Moment. Der zweite Blick zeigt: So grün ist die Wissenschafts stadt Darmstadt nicht mehr. . 13Smart-City-Strategie Der Deutsche Wetterdienst konstatiert, dass Darm- stadt die wärmste Stadt in Hessen im Jahr 2021 war .1 Die Folgen des Klimawandels sind längst spürbar und sichtbar in vertrockneten Bäumen im Westwald, Hitze- Hotspots in der Innenstadt, Starkregen und Über- schwemmungen im Luisencenter . Wie viele andere Kommunen liegt die Wissenschafts- stadt Darmstadt nicht an einem großen Fluss. Das Trinkwasser bezieht Darmstadt aus dem Grundwasser im Hessischen Ried. Von dort erhalten auch andere Großstädte und Landwirte der Rhein-Main-Region ihr Trinkwasser . In langen Trockenzeiten sinkt der Grundwasserspiegel, dies kann zu Nutzungskonflikten führen. Sinkende Grundwasserstände, eingeschränk- te oder unterbrochene Wasserversorgung, Wasser- verschmutzung und -verschwendung, Gewässer , die wegen zu hoher Temperaturen zu kippen drohen: Darmstadt steht mit der Herausforderung, einen Um- gang mit Wasser zu finden, der die Folgen des Klima- wandels abfangen kann, nicht alleine da. Einen bewussten, schlauen Umgang mit der Ressource Wasser zu etablieren und alle Bürgerinnen und Bürger dazu zu befähigen, ein wassersensitives Verständnis im Alltag anzuwenden, wird die grundlegende Aufgabe aller Städte sein und erst recht derer , die wie Darm- stadt wasserarme Städte sind. Diese sinnstiftende Erkenntnis ist ein weiterer Ansporn, der vorliegenden Aufgabe gerecht zu werden, denn das Ergebnis hilft nicht nur dem eigenen Standort, sondern auch allen anderen Kommunen. Wasser ist neben der Luft zum Atmen die wichtigste Ressource und Grundlage allen Lebens. Aus diesem Grund ist ein nachhaltiger , umsichtiger Umgang mit Wasser unausweichlich und die Entwicklung von Lö- sungen erforderlich, durch die eine Stadt im Umgang mit dem Klimawandel gut aufgestellt, vorbereitet und agil genug ist, um den Wandel nicht nur weitest- gehend folgenfrei zu begleiten, sondern diesem auch entgegenzusteuern. Mit dem Projekt Schlaues Wasser Darmstadt über- nimmt die Wissenschaftsstadt Darmstadt das Steuer , setzt die Segel und nimmt das Ruder in die Hand, in- dem die Potenziale der Digitalisierung, Wasserstruk- turen schlau und zukunftsfähig zu gestalten, genutzt werden, statt die Wasserentwicklung dem Klima- wandel zu überlassen. Darmstadt wird zur Smart City mit schlauem Wasser . Der Begriff „Smart Water“ (zu Deutsch „Schlaues Wasser“) steht für intelligente Wassertechnologien. Ihre Einführung ermöglicht es, Wasserversorgungs- systeme dem Klimawandel anzupassen. Eine wasserschlaue Smart City braucht also schlaue (Infra-)Strukturen und innovative Lösungsansätze. Durch die Nutzung von Daten und moder- nen Technologien, wie Künstlicher Intelligenz (KI), maschinellem Lernen, Apps und Sensorik/Aktorik, können das urbane Wassermanagement und Wasserdienstleistungen (als Teil der Daseinsvorsorge) verbessert werden. Wasserkreisläufe ganzheitlich zu be- trachten, um sie nachhaltiger und effizienter gestal- ten zu können, das ist der Ansatz der vorliegenden Strategie. 14 Einführung Die vorliegende Smart-City-Strategie mit dem Ti- tel Schlaues Wasser Darmstadt zeigt auf, wie dies in Darmstadt gemeinsam mit allen Partnern und der Bürgerschaft gelingen kann. Gemeinsam werden wir zu wasserschlauen Bürgerinnen und Bürgern und ent- wickeln einen kompetenten und bewussten Umgang mit der Ressource Wasser samt neuen technischen Anwendungen. Die Strategie stellt Wasser als verbindendes Element auf die Metaebene, um bestehende Ansätze im Be- reich der Stadtentwicklung mithilfe moderner Tech- nologien und innovativer Ansätze im Sinne einer klima resilienten Funktion zusammenzubringen und zu erweitern. Im dritten Teil … werden dazu schließlich Maßnahmen vorgestellt, die bis Ende 2027 umgesetzt werden sollen. Dabei spielt die Einbindung der gesamten Stadtbevölkerung von Beginn an eine wichtige Rolle. Spürbare Mehrwerte sollen nicht erst am Ende der Projektlaufzeit, sondern über den gesamten Prozessverlauf generiert, fort- gesetzt und weiterentwickelt werden, um auf diese Weise die Resilienz nachhaltig und kontinuierlich zu steigern. Im zweiten Teil … wird die Vision vorgestellt, die das zukünftige Darm- stadt skizziert. Aus der Vision werden Anwendungs- felder entwickelt, die konkrete Ziele aufzeigen, um sich der Vision anzunähern. Kriterien werden darge- stellt, die die Ziele greifbar und messbar machen. Aus Zielen sollen erreichbare Meilensteine werden. Der erste Teil … blickt auf die aktuelle Ausgangs- situation, identifiziert Handlungs- bedarfe und Potenziale und stellt das methodische Vorgehen der Strategieerstellung vor . Ziel dieser Strategie ist es daher aufzuzeigen, wie die Wissenschaftsstadt Darmstadt die Potenziale der vorhandenen Digitalisierung anpassen, erweitern und einsetzen kann: a. um die Lebensqualität für ihre Einwohnerschaft auch in Zukunft zu erhalten und zu verbessern b. um die Herausforderungen im Bereich einer klimaresilienten Stadtentwicklung schlau zu bewältigen c. um sich Gestaltungsfreiheit in einer sich rapide verändernden Welt zu bewahren Die Strategie ist in drei Teile gegliedert: Ausgangssituation und abgeleitete Handlungsbedarfe Darmstadt – die Wissenschafts-, Digital- und Netzwerkstadt 2 16 Ausgangssituation Von der Schwarmstadt zur Schwammstadt Bürgerevent zum Projekt Schlaues Wasser Darmstadt in und vor der Centralstation Darmstadt. Quelle: Digitalstadt Darmstadt GmbH / J. Mai 17Smart-City-Strategie Ein weiteres Ziel dieser Smart-City-Strategie ist es, zur Erfüllung der Stadtentwicklungsziele der Stadt Darm- stadt beizutragen. Darmstadt soll sich lebenswert und zukunftsfähig entwickeln. Die Strategie leistet diesem Anspruch Folge, indem sie aufzeigt, welchen Beitrag digitale Maßnahmen und clevere Ansätze zur Errei- chung der Ziele leisten können. Um zu ermitteln, welche Herausforderungen und Auf- gaben eine Smart-City-Strategie adressieren soll und welche Anforderungen digitale Maßnahmen erfüllen müssen, bedarf es einer Analyse der Ausgangssituation. Das vorliegende Kapitel beschreibt diese und greift da- für die übergeordneten stadtentwicklungs politischen Ziele auf, identifiziert vorhandene Ressourcen und zeigt, wo bereits Digitalisierungsmaßnahmen unter- stützend eingesetzt werden. Anschließend werden mittels der Urban-Foresight-Methodik zukünftige Entwicklungen und Trends beleuchtet. Diese werden wie ein Filter über die Erkenntnisse der Ausgangs- situation gelegt, um aufzuzeigen, welche Herausfor- derungen und Potenziale die vorliegende Smart- City- Strategie besonders adressieren sollte, um aus der Schwarmstadt Darmstadt eine Schwammstadt mit Modell charakter werden zu lassen. Das übergeordnete Ziel des Modellprojekts Smart City ist es, mit dieser Strategie dem mit der Förderbewilligung erhaltenen Auftrag im Sinne des Gemeinwohls aller Kommunen durch modellhafte Smart-City-Lösungen mit Fokus auf Smart Water gerecht zu werden. Ausgangssituation Abbildung 1: Vorgehen zur Analyse der Ausgangssituation Herausforderungen und Potenziale der Smart-City-Strategie Ausgangssituation Ressourcen und stadtentwicklungspolitische Ziele Konzepte und Strategien Akteure und Fachkompetenzen Infrastrukturen (IKT + Wasser) Städtische Daten und Architekturen Bestehende Digitalisierungs- maßnahmen TECHNOLOGISCH Künstliche Intelligenz, Informations- Sicherheit ÖKOLOGISCH Klimawandel, Ressourcen- knappheit GESELLSCHAFTLICH Demografischer Wandel, vielfältige Gesellschaft WIRTSCHAFTLICH New Work, Start-up- Kultur, Kreislauf- Wirtschaft POLITISCH Bürgerzentrierte Stadt, Smart City Urban Foresight (Zukunftstrends) 18 Ausgangssituation 1 Stadtentwicklungs - politische Ziele Die Smart-City-Strategie nutzt die stadtentwicklungs- politischen Ziele als Referenzrahmen. In Darmstadt sind diese Ziele unter anderem im Masterplan 2030+ festgehalten. Dieser zeigt die integrierte gesamtstädtische Strategie für die zukünftige Entwicklung Darmstadts auf. Drei Kernziele werden in Form von Handlungsfeldern identifiziert. Die drei Kernziele werden mit zusätzlichen untergeordneten Zielen weiter ausdefiniert. Die the- matisch relevanten Unterziele werden im Folgenden im Masterplan 2030+ zusammengefasst. Kernaussagen der drei stadtentwicklungs- politischen Ziele aus dem Masterplan 2030+ • Entwicklung, Vernetzung und Verdichtung grüner Infrastrukturen und Wasserflächen • Stadtnatur und Waldbestand erhalten und stärken (Hitzeinseln vermeiden, wassersensible Flächen- entwicklung ausbauen, blaue Infrastruktur für gutes Stadtklima und Biodiversität, Gewässer- schutz stärken, Wasserbecken, Brunnenanlagen und Fassaden/Dachbegrünung nutzen) • Stadtraum mehrfach nutzbar machen (Grünraum- offensive starten und alle Flächen nutzen) • Wassersensible Stadtentwicklung (Schwammstadt) Räumliche Verortung Ganzstädtisch, Schlüsselraum Südband (Bessungen- Süd): Vernetzung und Verdichtung von grüner und blauer Infrastruktur um die Kernstadt, Grünzüge und Wasser schützen und entwickeln, Hitze-Hotspots ver- meiden und Kaltluftbahnen erhalten. Für die Smart-City-Strategie bedeutet dies: Digitalisierung kann helfen, um Informationen zu erheben, zu analysieren und sichtbar zu machen. Dazu braucht es Informationen zu: • benötigten Daten/Informationen, Stadtnatur und Klima zu schützen • Orten mit dringendem Handlungsbedarf • benötigten Daten, um Handlungsbedarfe zu bedienen • der Art und Weise, wie moderne Technik bürger- freundlich und gerecht eingesetzt werden kann Stadtnatur und Klima nachhaltig schützen Darmstadt nutzt seine Ressourcen und Flächen verantwortungsvoll Masterplan 2030+ Für die Smart-City- Strategie relevante stadtentwicklungs- politische Ziele 19Smart-City-Strategie 2 3 Kernaussagen der drei stadtentwicklungs- politischen Ziele aus dem Masterplan 2030+ • Förderung und Nutzung digitaler Infrastrukturen • Vernetzung von Daten stärken • Nutzbarmachung der Daten für Bürger • Datensouveränität über eigene Daten und dazu Aufklärung der Bevölkerung • Stadtwirtschaft der Zukunft entwickeln • Räume für Kunst und Kultur sicherstellen: Verbin- dung Wissenschaft und Kreativwirtschaft stärken Räumliche Verortung Ganzstädtisch, Schlüsselraum Rheinstraße: Erhalt der Platanenallee als grüner Korridor vom Westwald in die Innenstadt sowie Erhalt/Entwicklung der Grün- räume auf der Südseite der Rheinstraße bis Albert- Schweitzer-Anlage. Kernaussagen der drei stadtentwicklungspolitischen Ziele aus dem Masterplan 2030+ • Frei- und Grünflächen in Quartieren aufwerten • Gemischte Sozialstrukturen und Teilhabe fördern • Quartierszentren stärken und zu neuen Ankern im Quartier gestalten durch Aufwertung der Aufenthaltsqualität durch grüne und blaue Infra- strukturen • Gewässer- und Waldgebiete erlebbar machen • Darmstadts Qualitätsstandards für Quartiere um- setzen Räumliche Verortung Ganzstädtisch, Schlüsselraum Pallaswiesenviertel: sys- tematische Begrünung und Entsiegelung, Vernetzung der Grünräume und Wasserflächen, Verminderung der Hitzeinseln, vielfältige Angebote für Bürgerschaft. Digitalstadt: Chancen nutzen, Risiken minimieren, Daten sichern Darmstadt stärkt Wissenschaft, Wirtschaft und Technologie Für die Smart-City-Strategie bedeutet dies: Verschiedene Daten werden in Darmstadt bereit- gestellt. Im Sinne der Datensparsamkeit gilt es heraus- zufinden, welche Daten es braucht und wie diese in Verbindung gebracht werden sollen, um einen Mehr- wert zu kreieren. Des Weiteren gilt es darauf zu blicken, welche Daten den Bürgerinnen und Bürgern wirklich offen zur Ver- fügung gestellt werden können. Zusätzlich sollten Bedenken aus der Bevölkerung zur Nutzung der Daten identifiziert und adressiert werden. Mehrwerte für die Stadt und die Gesellschaft schaffen Darmstadts Quartiere sichern Lebensqualität und Teilhabe Für die Smart-City-Strategie bedeutet dies: Wie kann Digitalisierung im Quartier eingesetzt werden, um die Lebensqualität zu verb essern? Die Strategie soll darauf durch folgende Aspekte eine Antwort geben: • soziale Entwicklungen (wie bspw. den Digital Divide) berücksichtigen • aufzeigen, wie digitale Technologien eingesetzt werden können, um die Teilhabe der Bürgerschaft zu stärken • Werte festlegen, die den Menschen in den Mittel- punkt digitaler Maßnahmen stellen 20 Ausgangssituation Konzepte aus dem Bereich Stadtentwicklung • Masterplan 2030+ • Stadtwirtschaftsstrategie 2025 • Koalitionsvertrag Konzepte zum Klimaschutz • Klimaschutzplan 2035 • Zukunftsplan Wasser des Landes Hessen Vorhandene Ressourcen Darmstadt ist zugleich Kulturstadt, Wissenschaftsstadt, Digitalstadt und Netzwerkstadt. Aus diesem Nährboden speisen sich vorhandene Ressourcen in Form von Konzepten, Strategien, Akteursnetzwerken und (Fach-)Kompetenzen. Hinzu kommen bestehende relevante Infrastrukturen und Digitalisierungsmaßnahmen. Gemeinsam bilden sie die tragenden Säulen, auf denen nun die Smart-Water- Strategie aufbaut. Die wichtigsten Ressourcen werden im Folgenden überblicksartig vorgestellt. Konzepte aus dem Bereich Digitalisierung • Digitalstrategie der Digitalstadt Darmstadt • Open-Data-Strategie • Ethische Leitlinien zur Entwicklung Darmstadts zur Digitalstadt KULTURSTADT, WISSENSCHAFTSSTADT, DIGITALSTADT UND NETZWERKSTADT Vorhandene Konzepte und Strategien Abbildung 2: Übersicht über bestehende relevante Konzepte; Quelle: eigene Darstellung 21Smart-City-Strategie 2022 beschlossen Magistrat und Stadtverordneten- versammlung den Klimaschutzplan 2035 und einen Maßnahmenkatalog. Der Klimaschutzplan stellt drei Ziele auf: CO 2-Neutralität, Klimaneutralität und Treibhausgas-Neu tralität. Zusätzlich wird ein Fokus auf die Notwendigkeit der Klimawende – bzw. „die vier Wenden“ bestehend aus der Energiewende, der Wär- mewende, der Verkehrswende und der Konsumwende – gelegt. Schließlich werden zielführende Maßnahmen dargestellt. Anknüpfungspunkte bzw. mit der Smart- City-Strategie übereinstimmende Ziele lassen sich im Bereich der Wärmewende z. B. in der Umweltwärme- nutzung aus Grundwasser oder Abwasser und dem Transformationsziel „Klimagerechte Stadtplanung/ Stadtentwicklung“ identifizieren. Aus Sicht des Magistrats der Wissenschaftsstadt Darmstadt gilt grundsätzlich Klimaschutz vor Klima- anpassung. Dennoch kommt auch der Klimaanpas- sung eine immer größere Rolle in der Stadtplanung und Stadtentwicklung zu. Die Klimaanpassung wird u. a. durch ein in den kommenden Jahren aufzustel- lendes integriertes Klimaanpassungskonzept verfolgt. Das Klimaanpassungskonzept und die Smart-City- Strategie verfolgen gemeinsame Zielsetzungen. Sie sollen sich gegenseitig ergänzen und positive syn- ergistische Effekte erzeugen, wobei die Smart-City- Strategie insbesondere das Themengebiet Wasser in den Fokus stellt. Der Zukunftsplan Wasser des Landes Hessen konsta- tiert, dass durch Klimawandel und Demografie die Bewirtschaftung und Sicherstellung der Wasserver- sorgung vor große Herausforderungen gestellt wird. Durch den Klimawandel bildet sich weniger Grund- wasser, die Verfügbarkeit der Ressource Wasser und Konflikte darum werden sich verschärfen. Der Zukunftsplan formuliert Anforderungen und Maß- gaben des vorsorgenden Schutzes der Wasser- ressourcen sowie Rahmenbedingungen für die lang- fristige Sicherstellung der Wasserversorgung und einer effizienten Wassernutzung. Dazu werden Handlungsschwerpunkte mit den jewei- ligen Maßnahmen benannt. Zu diesen gehören die Sicherung und Verbesserung der Ressourcenquali- tät, die Sicherstellung einer eff izienten Ressourcen- nutzung und -verwendung sowie ein länderüber- greifendes Ressourcenmanagement (z. B. über eine Verbesserung der Datengrundlage zum länderüber- greifenden Wass erressourcen-Management sowie Aufbereitung und Bereitstellung von Informationen zu Wasserressourcen für Behörden, Wassernutzende und Fachöffentlichkeit). Konzepte zum Klimaschutz Die städtischen Betriebe sind relevant für die Erbrin- gung der kommunalen Daseinsvorsorge und die Erhal- tung der Lebensqualität in Darmstadt. Gemeinsam mit ihren Beteiligungen entwickelte die Wissenschaftsstadt Darmstadt die Stadtwirtschaftsstrategie 2025. Kern der Strategie ist das Leitbild der Stadtwirtschaft mit den Zielen 2: • Sicherstellung von Kernleistungen der Daseinsvorsorge • Minimierung der Kosten für die Stadt • Selbstverständnis als erfolgreiche Unternehmen • verantwortungsvoller Arbeitgeber • Wissenschaftsnähe und Innovation • Transparenz gegenüber Bürgerinnen und Bürgern • Beitrag zur sozialen Stabilität • Wertschöpfung für die Bürgerschaft in Stadt und Region • Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit Die benannten Ziele stehen in Übereinstimmung mit den Zielen der Stadtentwicklung sowie mit der Ziel- setzung der Transparenz und Nachhaltigkeit der Smart-City-Charta 3 (siehe dazu das Kapitel „Das Fundament der Vision“, S. 46 f.). Für Informationen zum Masterplan 2030+ siehe Kapitel „Stadtentwick- lungspolitische Ziele“, S. 18 f. Darüber hinaus wurde der Koalitionsvertrag für die Legislaturperiode 2021–2026 von den Koalitionspar- teien Bündnis 90/Die Grünen Darmstadt, CDU sowie Volt Partei verabschiedet. Als Kernaufgabe wird die Gewährleistung der Zukunftsfähigkeit durch einen holistischen Klimaschutzansatz beschrieben. Klima- schutzaktivitäten sollen weiter gestärkt und ausge- baut werden. Digitalisierung wird in Darmstadt nicht den Großkonzernen überlassen, sondern – sofern möglich – selbst gestaltet. Zugleich soll der Einsatz der Digitalisierung für mehr Nachhaltigkeit in der Um- welt- und Klimapolitik sorgen. Konzepte aus dem Bereich Stadtentwicklung 22 Ausgangssituation Ein relevanter Strategiebaustein ist die Digitalstrategie der Digitalstadt Darmstadt (2020).4 In dieser wird ein Handlungsrahmen entwickelt, der alle digitalen Vor- haben in einem Gesamtkonzept integriert. Vor allem das Handlungsfeld „Umwelt“ beschreibt mit der Maß- nahme „Smart Water“ (Einsatz von Sensorik zur Mes- sung von Überflutungsgefahr , Abwasser und Wasser- qualität) bereits sehr relevante Ansätze. Diese werden innerhalb der Strategie Schlaues Wasser aufgegriffen und weiterentwickelt. Auch im Handlungsfeld „Gesellschaft“ werden mit den Projekten „Bürgerbeteiligungsplattform“, „Digi- tales Stadtlabor“, „Digital für alle“ und „Datenvisua- lisierung“ wichtige Grundbausteine gelegt, auf denen diese Strategie aufbauen wird. Zusätzlich behandelt die Digitalstrategie einige grundlegende Digitalisie- rungsthemen wie Cybersicherheit und digitaler Kul- turwandel, die die Strategie Schlaues Wasser auf- greift, jedoch nicht selbst ausführlich behandelt. Wie geht Darmstadt mit seinen Daten um? Darm- stadts Open-Data-Strategie (2020) 5 ist ebenfalls von großer Bedeutung für die vorliegende Smart-City- Strategie, da sie eine Grundlage für die systematische Bereitstellung von Daten in Darmstadt schaffen soll. Darin werden unter anderem elf Open-Data-Grund- sätze für den Umgang mit offenen Daten festgelegt. Darmstadt setzt auf Datensparsamkeit. Es sollen nicht einfach möglichst viele Daten veröffentlicht werden, sondern genau diejenigen, die einen Mehrwert bringen. Die Datenplattform der Wissenschaftsstadt, 6 das Open-Data-Portal und das Geo-Informationssystem (GIS) 7 werden als zentrale Elemente für den Um- gang mit und das Bereitstellen von Daten identifiziert (siehe Kap. „Die vorhandenen (IKT- und Wasser-)Infra- strukturen“, S. 25 ff.). Ein verantwortungs- und sinnvoller Umgang mit Daten spielt für die Strategie Schlaues Wasser eine große Rolle. Die Open-Data-Grundsätze aus der Open- Data-Strategie werden daher berücksichtigt. Konzepte aus dem Bereich Digitalisierung Open-Data-Grundsätze • Keine dem Datenschutz unterliegenden / keine personenbezogenen Daten werden veröffentlicht • Die Datensätze sollen so vollständig wie möglich veröffentlicht werden (im Rohformat inkl. Metadaten) • Die Datensätze sollen der Öffentlichkeit innerhalb eines angemessenen Zeitraums zugänglich gemacht werden • Die Datensätze sollen ohne physische und technische Hürden barrierefrei zugänglich sein • Informationen sollen in etablierten Dateiformaten abgespeichert werden, die maschinenlesbar sind • Jede Person soll zu jedem Zeitpunkt Zugriff auf die Daten haben, ohne sich dabei identi- fizieren/registrieren oder eine Rechtferti- gung für ihr Handeln abgeben zu müssen • Verwendung offener Standards • Die Daten werden für die Allgemeinheit ohne Restriktionen oder Barrieren zugäng- lich gemacht • Die online gestellten Informationen sollen über eine längere Zeit hinweg verfügbar sein • Es werden keine Nutzungskosten für den Zugriff oder die Verwendung der Daten erhoben • Die Daten sollen in hochwertiger Qualität erfasst und veröffentlicht werden 23Smart-City-Strategie Welche Daten aus dem Wasserbereich offen zur Ver- fügung gestellt werden können, um einen Mehrwert für Darmstadt zu erzeugen, ohne Sicherheitsrisiken für kritische Infrastrukturen zu offenbaren, wird im Rahmen der Smart-City-Strategie geklärt und mit der Konzipierung und Umsetzung der Maßnahmen regel- mäßig überprüft. Die „Ethischen Leitplanken für die Entwicklung Darm- stadts zur Digitalstadt“ (2019) wurden vom Ethik- und Technologiebeirat der Digitalstadt Darmstadt verab- schiedet. Sie beschreiben, wie digitale Technologien zum Nutzen der Menschen entwickelt und eingesetzt werden sollen. Die Strategie Schlaues Wasser baut auf diesen Grund- sätzen auf und folgt ihnen. Zusätzlich ergänzt sie, wo es möglich ist, den Ansatz des Open Knowledge. Ins- besondere im Bereich Schlaues Wasser gilt es heraus- zufinden, wie Datenschutz und Veröffentlichung von Daten bzw. Transparenz vereinbart werden können. Ethische Leitplanken für die Entwicklung Darmstadts zur Digitalstadt (2019) • Gemeinwohlverpflichtung • demokratische Kontrolle • Verantwortung und Transparenz • diskriminierungs- und barrierefreier Zugang zu Dienstleistungen • Souveränität von Stadt und Bürgerschaft • Datenschutz • Veröffentlichung von Daten • Technikfolgenabschätzung und Nachhaltigkeit • Gewährleistung der Infrastruktursicherheit 24 Ausgangssituation Die Akteure und (Fach-) Kompetenzen der Wissenschafts- und Netzwerkstadt Mit mehr als 30 wissenschaftlichen Einrichtungen und forschenden Unternehmen trägt Darmstadt seinem Namen als Wissenschaftsstadt Rechnung. 8 Neben den wissenschaftlichen Einrichtungen spielen auch Unternehmen, die Verwaltung und organisierte Akteure der Bürgerschaft eine wichtige Rolle. Sie ver- fügen nicht nur über relevantes Wissen und Kompe- tenzen, sie stellen auch die Brücke zu den Bürgerin- nen und Bürgern her . Sie gilt es zusammenzubringen und ihre Kompetenzen in die Gestaltung der Smart City einfließen zu lassen. Dafür wurden Akteure mit relevanten Kompetenzen identifiziert 9 und in die Strategie erstellung einbezogen. Die Fokusgruppen beraten zu den Themen rund um Schlaues Wasser Darmstadt. Quelle: Digitalstadt Darmstadt GmbH Abbildung 3: Akteure und Fachkompetenzen Darmstadts DIE AKTEURE Wirtschaft Städtische Betriebe und VerwaltungZivile Interessen- vertretung Wissenschaftliche Einrichtungen 25Smart-City-Strategie Die vorhandenen (IKT- und Wasser-)Infrastrukturen der Wissenschafts- und Netzwerkstadt Darmstadt ist bereits in vielen Bereichen im Vergleich mit anderen deutschen Städten überdurchschnittlich gut aufgestellt. Im Smart City Index 2022 aller deut- scher Großstädte des Bitkom e. V. belegt Darmstadt den zehnten Rang. 10 In diesem Abschnitt soll ein kurzer Überblick über die technische Ausgangssituation hin- sichtlich IKT-Infrastruktur , Dateninfrastruktur , Um- gang mit Daten und Smart-City-Anwendungsfällen gegeben werden, auf die Schlaues Wasser aufbaut. Darmstadt verfügt über eine überdurchschnittlich stark ausgebaute IKT-Infrastruktur . Glasfasernetze sind sowohl als öffentliche Kommunikationsnetze als auch als internes städtisches Netz sowie für die An- bindung von Ampelanlagen umfangreich vorhanden. Laut Breitbandatlas stehen im Festnetz für 91 % der Haushalte Übertragungsgeschwindigkeiten von über 200 MBit/s und für 81 % der Haushalte sogar über 1.000 MBit/s zur Verfügung. 11 Zudem ist Darmstadt als 5G-Teststadt mit dem neuesten Mobilfunkstan- dard bereits fast flächendeckend ausge- stattet. Auch ein kostenfreies öffent- liches WLAN („Wifi Darmstadt“) ist im gesamten innerstädtischen Be- reich, in Kranichstein, Eberstadt und an einigen weiteren Stand- orten eingerichtet. Ein flächendeckendes kommunales LoRaWAN (Long Range Wide Area Network) wurde bereits implemen- tiert und steht somit für die Datenübertragung von Sensoren aus verschiedensten Anwendungsfällen zur Verfügung. Dieses zeichnet sich durch sehr hohe Reichweiten bei geringem Energieverbrauch für kleine Datenmengen, wie sie durch Smart-City- Sensoren typischerweise erzeugt werden, aus. Da- rüber können in Zukunft auch Sensoren aus dem Bereich Smart Water ihr e Mess daten senden. Den Kern der Dateninfrastruktur in Darmstadt bildet die städtische Datenplattform 12, die Anfang 2021 in Betrieb ging. Hier sind städtische Daten öffentlich zugänglich und werden für alle interessierten Akteu- rinnen und Akteure visualisiert. Ein modulares und offenes Konzept mit unterschiedlichen Schnittstel- len in Kombination mit einem hohen Datenschutz, Datenverschlüsselung und IT-Sicherheit bildet die Grundlage der Datenplattform. , n einigen wei teren S tand - eingerichtet. Abbildung 4: Datenplattform der Wissenschaftsstadt und Digitalstadt Darmstadt 26 Ausgangssituation Zahlen, Daten, Fakten Aktuell sind auf der Datenplattform z. B. Daten zu Ver- anstaltungen, Abfallentsorgung, Verkehr oder Umwelt öffentlich einsehbar (siehe Abbildung 4). Ein freier Download ganzer Datensätze ist aktuell nur für Mobi- litätsdaten möglich. Eine zusätzliche Open-Data-Platt- form für diese Funktionalität ist allerdings bereits ge- plant und soll Mitte 2023 in Betrieb gehen. Hier sollen statische Daten zur Verfügung stehen, während der Fokus der Datenplattform auf Echtzeitdaten liegt. Des Weiteren werden die Füllstände von Müll- und Alt- glascontainern und die Sichttiefe im Badesee Großer Woog per Sensorik erfasst. Hinsichtlich des Umgangs mit Daten und Digitalisie- rung legt Darmstadt großen Wert darauf, die eigene Souveränität zu erhalten. So liegen die Rechte an den erhobenen Daten bei der Stadt. Beim Einsatz von Software-Lösungen hält man sich an allgemein an- erkannte Standards. Die Datenplattform wurde nach dem Referenzarchitekturmodell für offene urbane Plattformen Din SPEC 91357 entwickelt. Der Um- gang mit offenen Daten wurde 2020 im Rahmen der Open-Data-Strategie festgelegt. Um digitale Themen weiter voranzutreiben, wurde 2017 die Digitalstadt Darmstadt GmbH als hundertprozentige Tochter der Wissenschaftsstadt Darmstadt gegründet. Exkurs: Der urbane Wasserkreislauf Beim Trinkwasserkreislauf wird Grundwasser , Quellwasser oder Wasser aus Seen/Flüssen ge- fördert und ins Wasserwerk geleitet, gereinigt, kontrolliert und anschließend über ein Rohrsys- tem (das Trinkwassernetz) zu Haushalten und Produktionsstätten geleitet. Bereits genutztes Trinkwasser , das Abwasser , wird von den Haushalten und Produktions- stätten über die Kanalisation in ein Klärwerk geleitet. Fäkalienhaltiges Wasser wird als Schwarzwasser bezeichnet. Abwasser , das fäka- lienfrei und wenig verschmutzt ist (z. B. aus dem Waschbecken, der Dusche oder der Waschma- schine), wird Grauwasser genannt. Es kann we- nig aufwendig aufbereitet werden zu Brauch-/ Betriebswasser und könnte anschließend z. B. für die Toilettenspülung genutzt werden. Außerhalb des Haushalts wird Betriebswasser für spezifische technische, landwirtschaftliche oder gewerbliche Aufgaben genutzt. Das Ab- wasser wird über Rohrsysteme, die Kanalisa- tion, zum Klärwerk geleitet. Dort wird es in ver- schiedenen Stufen gereinigt und anschließend in Seen und Flüsse zurückgeführt oder dem Grundwasser über Versickerung und Verriese- lung zugeführt. Regenwasser , das nicht direkt im Boden versi- ckert, wird entweder vermischt mit häuslichem/ gewerblichem Abwasser als Mischwasser oder separat im Trennsystem über die Kanalisation abgeleitet. Das vermischte Regenwasser wird in die Kläranlage geleitet und gereinigt. Bei starken Regenereignissen kann das dazu füh- ren, dass fäkalienhaltiges Mischwasser aus der Kanalisation austritt, was eine Gefahr darstellt. Separiertes Regenwasser kann oft weniger auf- wendig in speziellen Behandlungsanlagen von Schmutz- und Schadstoffen befreit werden und in ein Gewässer abgegeben oder zum Versi- ckern bereitgestellt werden. An 13 Standorten sind Umweltsensoren über die Stadt verteilt, die verschiedene Umweltparameter wie Feinstaubbelastung, CO 2-Gehalt, Temperatur und Luftfeuchtigkeit messen In vielen typischen Smart-City-Anwendungsfällen werden in Darmstadt kontinuierlich Daten erhoben. So wird der Verkehrsfluss (Zähldaten) im gesamten Stadtgebiet durch Kamerasysteme erfasst, um diesen zu optimieren. Zudem sind an 13 Standorten Umwelt- sensoren über die Stadt verteilt, die verschiedene Umweltparameter wie Feinstaubbelastung, CO 2-Gehalt, Temperatur und Luftfeuch tigkeit m essen. A uch im Zoo Vivarium wird das Klima per Sensorik überwacht. 27Smart-City-Strategie 400 km lang ist das Kanalnetz Darmstadts Über ca. 50 km Fließgewässer verfügt Darmstadt 80 Hektar künstlich angelegte Seen und Teiche befinden sich in Darmstadt In 40–100 Metern Tiefe entnimmt die Hessenwasser GmbH Grundwasser aus dem Hessischen Ried, aus dem das Trinkwasser für Darmstadt gewonnen wird Da sich die vorliegende Smart-City-Strategie mit dem Fokus Wasser beschäftigt, soll an dieser Stelle im Über- blick auf die relevanten Infrastrukturen im Wasser- bereich eingegangen werden. Zur Wasserinfrastruktur Darmstadts zählen beispielsweise die Versorgungs- infrastrukturen wie Wasser- und Abwasser- leitungsnetze, Wasserförder- und Aufbereitungs- anlagen, Wasserwerke und -speicher . Darmstadts Kanalnetz ist mehr als 400 km lang. Zur Kanalisation zählen 365 km Mischwasserkanäle, in denen Schmutz- und Regenwasser in einer gemeinsa- men Leitung vermischt abgeführt werden, sowie 43 km Schmutzwasser- und 48 km Regenwasserkanäle. Hinzu kommen acht Regenüberlauf- und neun Regen- rückhaltebecken. 13 Darmstadt liegt nicht an einem Fluss, verfügt jedoch über mehrere (kleine) Gewässer . Dazu zählen ca. 50 km Fließgewässer: der Darmbach, die Modau, der Ruthsenbach und die Silz. Hinzu kom- men künstlich angelegte Seen und Teiche mit einer Oberfläche von 80 Hektar , darunter der Große Woog, das Arheilger Mühlchen, der Backhaus-Teich und der Steinbrücker Teich. 14 Sein Trinkwasser bezieht Darmstadt aus dem Hessi- schen Ried über den Versorger Hessenwasser GmbH. Dieser entnimmt Wasser aus dem Grundwasser des Rieds in 40–100 Metern Tiefe. Das Wasser wird über ein Rohrleitungsnetz zur Aufbereitung ins Wasser- werk geleitet. Von dort erreicht es nach strenger Qua- litätskontrolle über das Trinkwassernetz die Verbrau- cherinnen und Verbraucher in Darmstadt. 28 Ausgangssituation Digitale Zähler und Abbilder Neben digitalen Wasserzählern verfügt Darmstadt über eine digitale Nachbildung des Kanalsystems. Dafür wurde der Kanalbestand digitalisiert und in ein Geo-Informationssystem (GIS) 15 übertragen. Das städtische Unternehmen ENTEGA arbeitet mit einem vollständigen digitalen Abbild des Wasserversor- gungsnetzes, u. a. für Wartungsprozesse, Berechnung der hydraulischen Leistungsfähigkeit und Netzpla- nungsprozesse. Betriebsdaten wie Versorgungsdruck, Durchflussmengen, Füllstand der Hochbehälter und Wassertemperatur werden an den M essstellen digi- tal und in Echtzeit erhoben und an die ENTEGA AG übermittelt. Bestehende Digitalisierungsmaßnahmen und ausgewählte Smart-City-Anwendungsfälle Digitale Bewässerung Im Zuge der Sanierung des Platanenhains auf der Mathildenhöhe wurde ein innovatives Bewässerungs- konzept mittels digitaler Sensorik umgesetzt. Dabei werden Sensoren im Boden verbaut, die die Wasser- spannung im Boden in Echtzeit messen. Die Sensoren liefern Informationen über den Zustand des verfügba- ren Wassers im Boden. Mithilfe dieser Informationen kann gezielt gewässert werden, wenn die Bäume wirk- lich Wasser benötigen. 16 Begründung und Entsiegelung Des Weiteren bietet die Stadt Darmstadt ein Informa- tionsportal für Begrünungspotenziale und Entsiege- lung an. 17 Das Gründach- und Entsiegelungskataster informiert mittels einer Online-Kartenanwendung da- rüber , wo Potenziale zur Entsiegelung und zur Dach- begrünung auf einem Grundstück vorhanden sind. Weitere Informationen wie eingesparte Abwasser- gebühren oder Feinstaubbindevermögen können ebenso angezeigt werden. Abbildung 5: Informationsportal für Begrünungspotenziale Das Mobile Stadtlabor tritt mit den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort in Kontakt und informiert über Themen rund um Digitalisierung. Digitalstadt Darmstadt GmbH / J. Mai 29Smart-City-Strategie Digitales Stadtlabor Das Digitale Stadtlabor 18 als analoge und digitale Plattform soll Digitalisierung in Darmstadt erlebbar machen. Verschiedene Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Kultur sind hier vernetzt und arbeiten an gemeinschaftlichen Projekten zur Visuali- sierung und Vermittlung der digitalen Transformation in Darmstadt. Die Angebote des Stadtlabors richten sich an alle interessierten Bürgerinnen und Bürger , Initiativen, Institutionen, die Stadtverwaltung und die Stadtwirtschaft. Aktuell fehlt für das digitale Stadt- labor noch eine stationäre Heimat, als E-Lastenbike ist es allerdings bereits in Darmstadt unterwegs. App Darmstadt im Herzen Ein weiteres Werkzeug für digitale Teilhabe stellt die „Darmstadt im Herzen“-App 19 der HEAG Holding AG dar . Ziel der „Darmstadt im Herzen“-App ist es, einen nachhaltigen Lebensstil der Darmstädter Bürgerin- nen und Bürger zu unterstützen und eine Plattform zur Vernetzung und Interaktion im Quartier bereitzu- stellen. Dazu stehen bereits verschiedene Funktionen wie eine Fahrgemeinschaftslösung, eine Tauschplatt- form und aktuelle Informationen zu Veranstaltungen sowie Sensordaten (Temperatur , Luftfeuchte etc.) zur Verfügung. Von besonderem Interesse für die hier dargestellte Strategie ist der Gamification-Ansatz in Darmstadt in Form der Klimaherzen der „Darmstadt im Herzen“-App. Dieser Ansatz soll im Rahmen der Umsetzungsphase der Smart-City-Strategie durch verschiedene Challenges ergänzt werden, die zu einer Sensibilisierung der Bürgerinnen und Bürger für das Thema Wasser/Wassersparen mittels verschiedener Challenges führen sollen. LAB e. V. Um Innovationen zu fördern und neue Technologien kennenzulernen, wurde der gemeinnützige Verein LAB 3 e. V. gegründet.20 In seinen Räumlichkeiten kön- nen Vereinsmitglieder , Start-ups und interessierte Bürgerinnen und Bürger z. B. Workshops durchführen oder auch Unterstützung bei Gründungen oder Pro- jekten erhalten und dabei von dem großen Kompe- tenznetzwerk des Vereins profitieren. Auch stehen in verschiedenen Laboren zahlreiche Möglichkeiten zum Experimentieren (u. a. zu den Themen EDV, Proto- typing und Logistik) zur Verfügung. 30 Ausgangssituation Unter Urban Foresight (dt. städtische Zukunftserschließung) werden Methodiken verstanden, mittels derer sich zu erwartende Technologieentwicklungen und Stadtszenarien erarbeiten und beschreiben lassen. Aus den gewonnenen Erkenntnissen lassen sich Best- und Worst-Case-Szenarien bestimmen, erste Stellschrauben für frühzeitige Handlungen identifizieren und Anforderungen an die zukünftige Ausrichtung der Stadtentwicklung ableiten. WIR HABEN DIE ÜBER GEORDNETEN TRENDS IM BLICK Urban Foresight STEEP Gesellschaft (Socienty) Technologie (Technology) Wirtschaft (Economy) Umwelt (Environment) Politik (Politics) Wissenskultur Green Tech Ress ourcenknappheit Folgen des Klimawandels Smart City Ausdifferenzierung der Gesellschaft Mensch-Maschine- Interaktion Kreislaufwirtschaft / alternative Wirtschaft Ressourcenknappheit Digitale/Smarte Demokratie Digitale Mündigkeit / Digital Literacy Informations- & Cybersicherheit Start-up-Kultur Kreislaufwirtschaft Condensed Spaces Mensch-Maschine- Interaktion K. I. New Work und Sinn- Ökonomie Zero Waste Soziale Kohäsion Lebenslanges Lernen Data Commons / Open Data Corporate Social/Eco- logical Responsibility Post-Wachstum Bürgerzentrierte Stadt Gender Shift Augmented und Virtual Reality Work-Life-Blending Urban Farming Silver Society / alternde Gesellschaft Everything as a Service Business-Ökosysteme (Vernetzung von Unternehmen) Daten als Grundwasser Start-up-Kultur Work-Life-Blending Stadtentwicklungsziel Stadtnatur und Klima nachhaltig schützen Stadtentwicklungsziel Digitalstadt: Chancen nutzen, Risiken minimieren, Daten sichern Stadtentwicklungsziel Mehrwerte für die Stadt und die Gesellschaft schaffen 31Smart-City-Strategie Die STEEP-Methode wirft einen strukturierenden Blick auf Trends, wichtige Faktoren und Entwicklungen in den Kategorien Gesellschaft (S – Society), Technolo- gie (T – Technology), Ökonomie (E – Economy), Umwelt (E – Environment) und Politik (P – Politics). Aus diesen lässt sich ableiten, welche Trends in Zukunft für einen bestimmten STEEP-Aspekt relevant werden, welche Zusammenhänge entstehen, wo sich Synergien er- geben und welche möglichen Auswirkungen damit einhergehen können. Für Darmstadt wurden in einer STEEP-Analyse die wichtigsten Trends analysiert. Beim Abgleich dieser Trends mit den Stadtentwick- lungszielen ergibt sich eine Auswahl an Trends, die für Darmstadt besondere Priorität haben. Die wichtigsten Entwicklungen werden in Abbildung 6 vorgestellt. 21 STEEP-Methode Eine Methode für Urban Foresight Abbildung 6: Trends und Entwicklungen nach STEEP-Kategorien 32 Ausgangssituation Die Folgen des Klimawandels prägen auch die Entwicklungen in den anderen STEEP-Kategorien. Geringere Ressourcenverfügbarkeit, insbesondere im Wasserbereich, kann durch Nutzungskonflikte zu öko- nomischen Herausforderungen und sozialen Span- nungen führen. Für Darmstadt als Stadt ohne Fluss, die ihr Trinkwasser aus dem Umland bezieht, ist diese Entwicklung besonders relevant. Werden Ressourcen aufgrund knapper Vorkommen rar , steigt oft der Preis für die Ressource. Menschen mit geringerem Einkom- men könnten dadurch in prekäre Situationen geraten. Konzepte der Kreislaufwirtschaft, effizientere Nut- zung und ein bewusster Umgang bieten hier Hand- lungsansätze. Die Digitalisierung ist längst ein globaler Trend, der weiter Fahrt aufnimmt. Digitalisierung kann ein- gesetzt we rden, um R essourcen einzusparen bzw. effizienter zu nutzen. 22 Smart Citys nutzen Digitali- sierungsvorhaben, um das Leben der Menschen zu verbessern. Daten nehmen dabei eine Schlüsselrolle ein. Denn Daten sind das „Grundwasser“ der Smart City. Sie können Informationen und Zusammenhänge sichtbar machen, Prognosen ermöglichen und Men- schen dabei unterstützen, ihr Verhalten zu ändern. Die offene Bereitstellung von Daten kann die Start-up- Kultur befeuern und dazu beitragen, neue Geschäfts- felder zu erschließen. Der informierte und strategi- sche Umgang mit Daten wird zum ökologischen und ökonomischen Erfolgsfaktor einer Stadt. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) wird zentral, wenn es darum geht, große Datenmengen zu verarbeiten, Prozesse zu optimieren und Muster vorherzusagen. Auch die Gewährleistung verlässlicher und moderner Informations- und Cybersicherheitsstrukturen wird an Bedeutung weiterhin zunehmen. Sie stellen die Basis der Smart City dar und schaffen Vertrauen zwischen Bürgerschaft und Stadt. Cyberangriffe nehmen kon- tinuierlich zu, daher werden gut geschützte Systeme und grundlegende Kompetenzen bei Nutzenden zur Notwendigkeit. Smarte Städte brauchen eine smarte Bürgerschaft. Die Fähigkeit, kritisch und souverän mit (eigenen) Daten und Informationen umzugehen (Digital/Infor- mation Literacy), wird zu einer der wichtigsten Kom- petenzen im 21. Jahrhundert. SMART CITYS NUTZEN DIGITALISIERUNGSVORHABEN, UM DAS LEBEN DER MENSCHEN ZU VERBESSERN Im Rahmen der STEEP-Kategorisierung wurde der Klimawandel als eine der relevantesten Entwicklungen identifiziert, die die Wissenschaftsstadt Darmstadt in Zukunft prägen werden. Zu den Folgen des Klimawandels zählen ein Anstieg der Temperaturen, Starkwetterextreme, aber auch geringere Ressourcenverfügbarkeit und Migrationsbewegungen aus dem globalen Süden nach Deutschland. 33Smart-City-Strategie Handlungsbedarfe und Potenziale Die wichtigsten Handlungs- bedarfe lassen sich grob in drei Bereiche unterteilen: 1. Auswirkungen des Klimawan- dels begegnen, insbesondere Wasserressourcen schützen und Wasserwirtschaft zukunfts- fähig machen 2. Potenziale der Digitalisierung nutzen 3. Stadt und Gesellschaft: Lebensqualität erhalten, Bürgerschaft stärken Um die für die Strategie relevanten Handlungsbedarfe und Potenziale zu identifizieren, wurden die Trends aus der STEEP-Analyse anhand der Ziele der Stadtentwicklung gewichtet und anschließend mit den vorhan- denen Ressourcen abgeglichen. Es ergibt sich ein komplexes Bild einer Stadt, in der es bereits zahlreiche Ansätze für eine zukunftsorientierte Smart City sowie ein aktives und kompetentes Akteursnetzwerk gibt. Gleichzeitig bestehen Herausforderungen und Handlungsbedarfe, denen Darmstadt in den kommenden Jahren begegnen muss. Auswirkungen des Klimawandels begegnen Auch in Darmstadt ist der Klimawandel längst mess-, spür- und sichtbar . Darmstadt ist durch seine Lage im Oberrheingraben besonders von Klimawandelfolgen wie Hitze und Trockenheit betroffen. Die Folgen des Klimawandels zeigen sich durch vertrocknete Bäume im Westwald und im Stadtgebiet, ausgetrocknete Grün- flächen und Parks, trockengefallene Gewässer oder überhitzte Stadtquartiere, was auch zu zunehmenden gesundheitlichen Belastungen für die Bewohnerinnen und Bewohner führen kann. Starkniederschläge tre- ten hin und wieder auf und führen im Stadtgebiet zu lokalen Überschwemmungen (z. B. Luisencenter). Im Vergleich zu anderen Regionen Deutschlands ist die Vulnerabilität gegenüber Starkregen jedoch als etwas geringer einzuschätzen. Dennoch können Starknie- derschläge allerorten niedergehen, weshalb auch hier entsprechende Vorkehrungen und Anpassungen vor- genommen werden müssen. Um die Lebensqualität in Darmstadt trotz Klimawandel zu erhalten, müssen Smart-City-Lösungsansätze beide Extreme (zu wenig Wasser bzw. zu viel Wasser) berücksichtigen und ab- mildern können. Abbildung 7: Zeitliche Entwicklung der Lufttemperatur in Darmstadt 1996–2022; Quelle: Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie; online unter: https://klimaportal.hlnug.de/?id=21338 34 Ausgangssituation Darmstadt liegt nicht an einem größeren Fluss oder Gewässer . Sein Wasser bezieht Darmstadt aus dem Hessischen Ried. Aktuelle Untersuchungen des Hessischen Landesamts für Natur , Umwelt und Geologie zeigen, dass auch der Grundwasserspiegel im Ried sukzessive absinkt. Die bisherigen Regenerationszyklen des Grund- wassers verändern sich. 23 Es dro- hen Nutzungskonflikte um das verbleibende Wasser zwischen Städten, landwirtschaftlichen Betrieben und gewerblichen Akteuren. 24 Denn Darmstadt ist wie andere Großstädte auch gekennzeichnet durch einen hohen Versiegelungs- und Bebauungsgrad. Grüne und blaue Infrastrukturen Besonders während heißer Sommermonate heizen sich dicht bebaute Städte wie Darmstadt auf, Hitze- inseln entstehen, der Wasserverbrauch steigt. Zur Klimaanpassung braucht es mehr „grüne und blaue Infrastrukturen“, sprich Stadtgrün und sichtbares Wasser . Bleibt, wie in den letzten Sommern, ausrei- chender Regen aus, muss das Stadtgrün vermehrt bewässert werden. Dies wiederum kann die o. g. Nutzungskonflikte um das verfügbare Wasser befeu- ern. Um Trockenperioden bzw. Starkregenereignisse zu entschärfen, soll das Sammeln und Rückhalten von Regen- und Grauwasser in Darmstadt Standard werden. Dafür fördert die Stadt die Anschaffung, den Einbau und die Installation von Zisternen für das Sammeln und Verwenden von Dachflächenablaufwas- ser sowie von Grauwasser im Stadtgebiet innerhalb ihres Förderprogramms Zisternen. Klimaschutz wurde in Darmstadt als sehr relevantes Themenfeld erkannt. Es ist im Koalitionsvertrag ver- ankert, es wurde ein Amt für Klimaschutz und Klima- anpassung gegründet, ein Klimaschutzkonzept wurde 2022 verabschiedet und ein Klimaanpassungskonzept ist in Planung. Ebenso werden bereits zahlreiche Maß- nahmen mit dem Klimaschutzplan in Angriff genom- men. Dennoch braucht es weitere Maßnahmen und Verhaltensänderungen, um das Klima zu schützen und die Stadt resilient gegenüber den Veränderungen aufzustellen. Dies gilt insbesondere für die Ressource Wasser. Die Verfügbarkeit des Wassers ist ein Schlüssel- element für die Lebensqualität in Darmstadt. Sie gilt es durch ein zukunftsfähiges, nachhaltiges Wasser- management auch in Dürreperioden zu gewährleis- ten. Neben der Verfügbarkeit ist ebenso die Qualität des Wassers relevant. Dazu zählt auch der Erhalt der Wasserqualität in den Oberflächengewässern, d. h. in Seen, Teichen (wie der Grube Prinz von Hessen, dem Woog oder dem Arheilger Mühlchen) und Bächen (wie dem Darmbach oder der Modau). Verschlechtert sich die Wasserqualität, z. B. durch zu wenig Sauerstoff oder durch Schadstoffe im Gewässer , geht dies auch mit negativen Auswirkungen für Menschen, Tiere und Pflanzen einher . 25 Hier gilt es Maßnahmen zu treffen, um die Verfügbarkeit und Qualität des Wassers auf- rechtzuerhalten. Schmutz- und Regenwasser trennen Weitere Handlungsbedarfe ergeben sich hinsicht- lich der städtischen Wasserinfrastruktur . In alten Be- standsgebieten gibt es häufig Mischsysteme, in denen Schmutz- und Regenwasser in einer gemeinsamen Leitung vermischt abgeführt werden. Ein Trennsys- tem, in dem Schmutz- und Regenwasser in getrenn- ten Kanälen abgeführt werden, ist nur in ca. 20 % der Stadt vorhanden. 26 Das Regenwasser steht somit für eine Nutzung oder Versickerung nicht zur Verfügung. Eine Hürde be- steht in den begrenzten Einflussmöglichkeiten der öffentlichen Hand in Bestandsgebieten und auf priva- ten Grundstücken. Die Stadt kann in diesen Gebieten z. B. keine Zisternen oder Versickerungsanlagen vor- schreiben. Dennoch versucht die Stadt, durch finan- zielle Anreize (u. a. Förderprogramm Zisternen bei Bestandsgebäuden) und Sensibilisierungskampagnen (u. a. geplante Baubroschüre), das Thema in die Be- völkerung zu tragen. Für neue Bauvorhaben stellt sich die Situation anders dar , weil es hier mittlerweile kon- krete Vorschriften z. B. bezüglich Versickerung gibt. Potenziale der Digitalisierung sinnvoll nutzen Cyber-Infrastruktur schützen Zusätzlich zur physischen Infrastruktur stehen der Schutz und die Resilienz der Cyber-Infrastruktur im Fokus. Die Gewährleistung von Informations- und Cybersicherheit ist ein kontinuierlicher Prozess. Im kommunalen Kontext geht es nicht nur um die Ge- währleistung der drei Schutzziele Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit, sondern auch um den sparsamen und kompetenten Umgang mit Bürgerda- ten. Cybersicherheit und Datenethik wurden in Darm- stadt bereits in ihrer Relevanz erkannt. Die Digitalstrategie greift das Thema Cybersicherheit als durchdringendes Querschnittsthema auf, ethische Leitlinien zum Umgang mit Daten wurden formuliert (vgl. Kap. „Vorhandene Konzepte und Strategien“, S. 20). Mit dem Fraunhofer-Institut für sichere Informations- technologie und dem nationalen Forschungszentrum 35Smart-City-Strategie für Cybersicherheit ATHENE gibt es in Darmstadt zu- dem zwei hochrangige Einrichtungen mit Experten- wissen auf diesem Feld. Durch die Bündelung von Informationen und die Be- reitstellung von Daten hilft Digitalisierung, Stadtent- wicklungsprozesse eff izienter und ressourcenscho- nender zu gestalten. Dies wird strategisch für die gesamte Stadt geplant und mit bereits vorhandenen Instrumenten in Einklang gebracht. Darmstadt konnte in den letzten Jahren bereits viel- fältige Digitalisierungsmaßnahmen umsetzen. Bei- spielhaft sei hier die Datenplattform genannt, die Informationen einiger Umweltsensoren abbildet (z. B. zur Luftqualität, siehe Kap. „Die vorhandenen (IKT- und Wasser-)Infrastrukturen“, S. 25 ff.). Die Smart- City-Strategie kann auf dieser Basis aufbauen, um gezielt Mehrwerte in den Bereichen Klimaresilienz und Wasser zu generieren. Die Potenziale der Digita- lisierung gilt es umfassend zu nutzen, um Ressourcen zu sparen (bspw. durch die Früherkennung von Lecka- gen), Ressourcen effizienter einzusetzen (z. B. durch Informationen zum Wasserbedarf von Stadtgrün) und um die Entscheidungsfindung zu unterstützen (bspw. durch Prognosen und Visualisierungen). Darmstadt zeichnet sich aus durch einen fortgeschrit- tenen Umgang mit Daten (siehe Kap. „Die vorhande- nen (IKT- und Wasser-)Infrastrukturen“, S. 25 ff.). Es gilt, die Nutzung und Vernetzung von Daten für Pla- nungs- und Steuerungszwecke weiter auszubauen und benötigte Kompetenzen in Verwaltung und Stadt aufzubauen. Insbesondere im Verwaltungskontext kann von einem strategischen Umgang mit Daten, de- ren Vernetzung und offenem Zugang profitiert werden. Stadt und Gesellschaft – Lebensqualität erhalten, Bürgerschaft stärken Eine weitere Herausforderung ergibt sich aus dem an- steigenden Bevölkerungswachstum. Di eses geht ein- her mit steigendem R essourcenverbrauch und Nut- zungskonflikten um Wasser und Flächen in der Stadt. Denn einerseits bedarf es bezahlbaren Wohnraums, andererseits steht dies im Widerspruch zum klima- resilienten Stadtumbau mit zahlreichen Grün- und Gewässerflächen. Durch den demografischen Wandel ergeben sich zu- sätzliche Handlungsbedarfe. So stellen beispiels- weise Hitzewellen besonders für ältere Menschen ein Gesundheitsrisiko dar . 27 Diese haben daher andere Bedürfnisse als jüngere Menschen. Eine ähnliche Problematik geht mit der Ausdifferenzierung der Ge- sellschaft einher: Stadtentwicklung muss die unter- schiedlichen Bedarfe, Lebensvorstellungen, Sprach- kenntnisse und digitalen Kompetenzen verschiedener Personengruppen erkennen und berücksichtigen. Die digitalen Kompetenzen von Menschen sind unter- schiedlich ausgeprägt. Wenngleich die Digitalisierung erhebliche Mehrwerte für Darmstadt erzeugen kann, stellt der Einsatz bzw. die Nutzung digitaler Technik für einige Personengruppen eine große Herausforde- rung dar . Auch der kritische und kompetente Umgang mit Daten erfordert grundlegende Datenkompetenzen (Data Literacy), sowohl aufseiten der Nutzenden, die Daten preisgeben, als auch aufseiten der Personen, die Daten verarbeiten. Dies wird mit zunehmender Geschwindigkeit der Digitalisierung immer relevanter . Den Spagat zwischen zukunftsgerichteter Entwick- lung und der Bereitstellung von (digitalen) Angeboten der Daseinsvorsorge, die für alle Menschen gleich zu- gänglich sind, zu schaffen, ist für alle Kommunen her- ausfordernd. Bestehende Potenziale, auf denen aufge- baut werden kann, gibt es bspw. mit den Bildungstools der Digitalstadt GmbH oder dem Programm „Digital für alle“ des Amts für Soziales und Prävention. Es gibt viel zu tun in Darmstadt und es gibt viele gute Voraussetzungen und Potenziale, auf denen aufgebaut werden kann. Um die Handlungsbedarfe aufzugreifen und in konstruktive Aktivitäten zu über- führen, ist ein s trukturiertes Vorgehen nötig. Dieses wird im folgenden Kapitel beleuchtet. Das Darmstädter Netzwerkmodell Wie sind wir zu unserer Strategie und den Maßnahmen gekommen? 3 38 Darmstädter Netzwerkmodell Die Ausgangslage ist klar, doch wie kann sichergestellt werden, dass die Strategie die „Heinerinnen und Heiner“28 wirklich in den Mittelpunkt stellt? Darmstädter Netzwerkmodell IM FLOW ZUR STRATEGIE Der Strategieprozess Der Strategieprozess besteht aus einem Gesamt- prozess mit verschiedenen Teilproz essen (siehe Ab- bildung 8). Um den Gesamtprozess strategisch zu steuern, zu strukturieren und zu koordinieren, wur- de ein Smart-City-Projektteam (SCP) gegründet. Das SCP, bestehend aus dem Amt für Stadtentwicklung und Wirtschaft (Projektleitung), dem Amt für Digita- lisierung und IT, dem Amt für Klimaschutz und Klima- anpassung, der Digitalstadt Darmstadt GmbH, der HEAG Holding AG und der Programmbegleitung durch die City & Bits GmbH, brachte zudem eigene Expertise ein, vernetzte unterschiedliche Akteure und bündelte das Wissen der unterschiedlichen Akteure an wichti- gen Knotenpunkten des gesamten Strategieprozesses. Die Teilprozesse wurden, abhängig vom Inhalt, itera- tiv gestaltet und unter Einbindung der Bürgerschaft, betroffener Akteursgruppen und von Expertinnen und Experten durchlaufen. Parallel dazu wurden die Ergebnisse der Teilprozesse durch das SCP und eine wissenschaftliche Begleitung – bestehend aus der Hochschule Darmstadt (h_da), der TU Darmstadt (TU) und dem Ingenieurbüro Infrastruktur und Umwelt (IU) – qualitätsgesichert. Als Netzwerkstadt verfügt Darmstadt über ein breites Akteursnetzwerk, das untereinander und mit dem Konzern Stadt (Stadtverwaltung und städtische Betriebe) gut v erbunden ist. Dieses Potenzial sollte genutzt, darauf sollte aufgebaut werden. Daher wurde ein Vorgehen gewählt, das die unterschiedlichen Akteure der Stadt von Anfang an mit einbindet. So konnten unterschiedlichste Sichtweisen und Expertisen zusammenge- bracht und die Arbeit auf vielen Schultern verteilt werden. 39Smart-City-Strategie 7 1 4 5 2 3 6 Phasen der Strategieerstellung Grundlagen schaffen • Aufbau Projektteam und Arbeitsstrukturen • Erarbeitung einer partizipativen Vorgehensweise • Identifikation relevanter Akteure • Aufbau der Fokusgruppen • Information und Kommunikation nach außen (Bürgerschaft und andere Kommunen) Maßnahmen auswählen und konkretisieren • Informationsveranstaltungen • Durchführung eines Ideenaufrufs • Erstellung eines Ideenspeichers • Auswahl von Maßnahmen zur Umsetzung • Konkretisierung der Maßnahmen Verankerung von Schlaues Wasser in Darmstadt • Verstetigung der Maßnahmen • Vernetzung der diversen Akteure • Verankerung der Strategie im Darmstädter Ökosystem • Workshop Strategiekommentierung • Kommentierung durch Lenkungsgremium • Kommentierung durch Fokusgruppen • Kommentierung durch Bürgerschaft Verabschiedung in Magistrat und Stadtverordnetenversammlung • Finalisierung der Strategie • Verabschiedung im Magistrat • Beschluss in der Stadtverordnetenversammlung Vision und Ziele festlegen • Erarbeitung einer Vision für Darmstadt • Entwicklung von Zielen und Zielkriterien • Durchführung von Workshops • Bürgerevent Ausgangssituation beleuchten • Analyse der aktuellen Ausgangslage • Identifikation relevanter Themen und Herausforderungen • Durchführung von Workshops Abbildung 8: Phasen der Strategieerstellung für die Darmstädter Smart-City-Strategie 40 Darmstädter Netzwerkmodell Kern des Darmstädter Netzwerkmodells war es, zum einen die Bürgerschaft, zum anderen Akteure aus den Schlüsselbereichen Verwaltung und städtische Betrie- be, Wissenschaft, Wirtschaft sowie Verbände und Ver- eine in die Strategieerstellung einzubinden. Ziel war es, die Darmstädter Stadtgesellschaft selbst zu Wort kommen zu lassen. Ermöglicht wurde dies durch das Konstrukt der Fokus- gruppen. Dafür wurden Darmstädter Akteurinnen und Akteure eingeladen, sich zu beteiligen und ihr Wissen einzubringen. In drei Fokusgruppen organisierten sich schon bald Vertreterinnen und Vertreter der o. g. Schlüsselbereiche, um gemeinsam Strategieinhalte zu erarbeiten, zu diskutieren und zu kommentieren. Unterstützt wurden die Fokusgruppen vom SCP und der wissenschaftlichen Begleitung. Die Bürgerschaft wurde nicht nur über die Fokus- gruppen, sondern auch über verschiedene andere Formate aktiv in den Prozess einbezogen. Dazu zählte bspw. eine repräsentative Umfrage. Um möglichst vie- le Bürgerinnen und Bürger direkt an der Strategie zu beteiligen, gab es zudem die Möglichkeit, Kernstücke der Strategie zu kommentieren. Die durchgeführten Formate werden in Abbildung 9 dargestellt. Partizipative Strategieerstellung und Beteiligungsformate (2020–2023) 41Smart-City-Strategie Mitwirkung an der Strategie durch Fokusgruppen und Bürgerschaft Abbildung 9: Mitwirkung von Fokusgruppen und Bürgerinnen und Bürgern an der Strategie Ausgangssituation, Herausforderungen, Vision Fokusgruppen Expertise/Fachwissen, Erfahrung, Sichtweise, Einbringen lokalen Wissens / lokaler Anpassung Projektteam Sammeln, Clustern, Zusammen- führen der Erkenntnisse + Abstimmung und Einarbeiten der Erkenntnisse Bürgerinnen und Bürger (inkl. Fokusgruppen-TN) Kommentierungsmöglichkeit Gremien und Wissenschaft, Projektteam Reviewprozess und Qualitäts- sicherung + Finalisierung Vorstellung der finalen Strategie Ziele und Anwendungs- felder Maßnahmen und Verankerung in Stadt und Verwaltung Entwurf Strategie- dokument Teil 1 Entwurf Strategie- dokument Teil 2 Entwurf Strategie- dokument Teil 3 Workshopreihe 1 Workshopreihe 2 Workshopreihe 3 Bürgerevent zum Projekt Schlaues Wasser Darmstadt in und vor der Centralstation Darmstadt. Quelle: Digitalstadt Darmstadt GmbH / J. Mai 42 Darmstädter Netzwerkmodell Hackathon „Darmstadt hackt für Wasser und Umwelt“ Zeitraum: 05.–06. November 2021 Zielgruppe: Bürgerschaft, Wissenschaft, Start-ups Inhalt: In der co-kreativen Konzeptionsphase des digitalen Stadtlabors Darmstadt wurde ein Hackathon unter dem Titel „Darmstadt hackt für Wasser und Umwelt“ durchgeführt. Etwa 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beschäf- tigten sich über 2 Tage hinweg mit Challenges zu „Wassersensibler Stadtentwicklung“, „Grün- blauen Infrastrukturen“ und „Gebäudebegrü- nung“. Unterstützt wurden Sie dabei von Exper- tinnen und Experten aus der Verwaltung und Stadtwirtschaft, wie beispielsweise aus dem Stadtplanungsamt, dem Grünflächenamt, dem Mobilitätsamt und der Statistik. Zuvor stellte die Planungsgruppe den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein vielfältiges Angebot an Infor- mationen zum Thema bereit. Entstanden ist ein Reader mit den Projektideen. Eine Jury lobte drei Gewinnerinnen bzw. Gewinner aus, denen ein Platz in der Fokusgruppe „Zivile Interes- senvertretungen“ sowie Unterstützung bei der Weiterentwicklung ihrer Idee angeboten wurde. Bürgerevent Datum: 11. Juli 2022 Zielgruppe: gesamte Darmstädter Bürgerschaft Inhalt: Im Anschluss an die Erarbeitung von Vision, Handlungsfeldern und Zielen durch die Fokusgruppen fand ein erstes Bürgerevent statt. Dort wurde das Projekt Schlaues Wasser Darmstadt vorgestellt und es fand ein Einstieg in den Dialog zu den Handlungsfeldern und ersten Projekten statt. In die Gestaltung des Programms wurden auch die Fokusgruppenmit- glieder involviert, sodass die Akteursvielfalt des Projekts auch in Richtung Bürgerschaft deutlich wurde. Durch Impulsvorträge und die Vorstel- lung erster Projektideen wurden die jeweiligen Handlungsfelder mit Expertinnen und Experten vor Ort konkretisiert. Somit waren nicht nur die Verwaltungseinheiten vertreten, sondern eben- so die Technische Universität, die Hochschule, der BUND, das Bioversum, die Entega AG, die HEAG, Hessenwasser , Ingenieure ohne Grenzen und verschiedene zivilgesellschaftliche Initiati- ven. Zusätzlich zum Dialog wurden Meinungen, Anregungen und Ideen zum Projekt auf Meta- planwänden festgehalten. DIE DARMSTÄDTERINNEN UND DARMSTÄDTER MACHEN MIT „Darmstadt im Herzen“-Stand beim Bürgerevent zum Projekt Schlaues Wasser Darmstadt in und vor der Centralstation Darmstadt. Quelle: Digitalstadt Darm- stadt GmbH / J. Mai 43Smart-City-Strategie Repräsentative Bürgerumfrage Zeitraum: März/April 2023 Zielgruppe: 5.000 repräsentativ ausgewählte Darmstädterinnen und Darmstädter Inhalt: Über eine im März und April 2023 mit 5.000 Bürgerinnen und Bürgern durchgeführte Online-Bürgerumfrage wurde ein repräsentati- ves Meinungsbild aus der Bevölkerung zu The- men rund um Wasser in Darmstadt erhoben. Der Fragenkatalog bezog sich u. a. auf Einspar- potenziale im Trinkwasserverbrauch, Bedenken bezüglich der Nutzung von Brauchwasser für bestimmte Anwendungszwecke, geeignete In- formationskanäle zu Wasserthemen sowie be- sonders interessante Wasserdaten. Zusätzlich wurde über Erläuterungen zu den Fragen was- serspezifisches Wissen vermittelt. Zum Ende der Umsetzungsphase des Projekts soll eine weitere Bürgerumfrage durchgeführt werden, sodass Änderungen in Verhalten und Meinun- gen zum Thema Wasser in der Darmstädter Be- völkerung analysiert werden können. Strategiekommentierung Datum: 25. Januar 2023 Zielgruppe: Bürgerschaft und Fokusgruppen Inhalt: Auf der Homepage des Projekts 29 wur- den Kernstücke der Strategie zur Kommentie- rung veröffentlicht. Gestartet wurde der Pro- zess mit einer Online-Veranstaltung, in der die Vision, Anwendungsfelder und Ziele der Strate- gie vorgestellt wurden und ein erster Dialog mit den entsprechenden Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern der Strategieerstellung möglich war . Anschließend konnte die gesam- te Bürgerschaft dazu Stellung beziehen und eigenen Input einbringen. Dieser wurde geprüft und, sofern möglich, in der Strategie und den Maßnahmen berücksichtigt. 44 Darmstädter Netzwerkmodell Ideenaufruf Ideenaufruf für die Fokusgruppen Um die Expertise der zahlreichen Akteurinnen und Akteure in Darmstadt nicht nur in die Erarbeitung der Strategie, sondern auch in deren Umsetzung im Rahmen von Projekten einzubeziehen, fand ein an die Fokusgruppen gerichteter Ideenaufruf statt. Im Rah- men des Wettbewerbs wurden die Fokusgruppenmit- glieder aufgerufen, ihre Projektideen in Form einer Projektskizze einzureichen. Dabei sollten die Projekt- idee inkl. Ausgangssituation sowie Projektziele, Ziel- gruppe, Mehrwerte für die Darmstädter Bürgerschaft, Nachhaltigkeit, Innovationskraft und Digitalisierungs- bezug dargelegt werden. Im Vorfeld wurde durch eine wissenschaftliche Be- gleitung ein Scoring-Modell für die Bewertung der Projektideen entwickelt, das nach Abschluss der Ideeneinreichung dabei half, die Ideen zu prüfen und zu bündeln. So wurden zusammenpassende Projekt- ideen ausgewählt, zu Maßnahmen geclustert und im Lenkungskreis verabschiedet. Diese sollen im Laufe der Umsetzungsphase verwirklicht werden. Ideen, die nicht direkt ausgewählt wurden, werden in einem Ideenspeicher festgehalten. Eine detaillierte Darstel- lung der ausgewählten Maßnahmen findet sich im Kapitel „Road Map“, S. 77 ff.). Bürgerbudget – während der Umsetzungsphase Zur Sensibilisierung der Bürgerschaft und Stärkung bürgerschaftlichen Engagements soll im Laufe der Umsetzungsphase ein Bürgerbudget i. H. v. 100 TEUR eingerichtet werden. Über di eses Bürgerbudget kön- nen Projekte aus der Bürgerschaft in eigener Verant- wortung umgesetzt werden. Die rechtliche Grundlage dafür bildet die Zuschussrichtlinie der Wissenschafts- stadt Darmstadt. Über eine Informationsveranstal- tung und entsprechende Öffentlichkeitsarbeit wird zur Einreichung von Projektideen aufgerufen, die im Rahmen eines Ideenwettbewerbs anhand eines Scoring-Modells ausgewählt und durch den Lenkungs- kreis beschlossen werden. Gefördert werden Projektideen, die auf Vision und Ziele des Projekts einzahlen. Der Einsatz digitaler Technologien steht dabei eher im Hintergrund. Die Bürgerschaft soll vor allem angeregt werden, sich mit dem Thema Wasser auseinanderzusetzen und die Entwicklungen in Darmstadt aktiv mitzugestalten. Die Verwaltung sorgt für die Begleitung der Projekte in Form eines Patenschaftssystems. Um einen kontinu- ierlichen Austausch zu ermöglichen und eine Commu- nity zu entwickeln, sollen quartalsweise stattfindende Stammtische etabliert werden. Das Bürgerbudget ist Teil der Maßnahme (Wasser-) Stadtlabor (siehe Seite 82). Vision und Darmstädter Zukunftsbild 4 46 Vision WASSERBEWUSSTSEIN FÜR ALLE Im Kapitel „Ausgangssituation“ (S. 15 ff.) wurden Handlungsbedarfe und Potenziale identifiziert. Das Kapitel „Darmstädter Netzwerkmodell“ (S. 37 ff.) zeigte auf, welche strategischen Schritte im Prozess folgen würden. Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der Frage, wie die Handlungsbedarfe in einem Best-Case- Szenario gelöst werden könnten. Wie können wir den Herausforderungen des Klimawandels in Darmstadt begegnen und die vorhandenen Potenziale nutzen? Und wie kann der Umgang mit Wasser zukünftig nachhaltiger gestaltet werden? Um diese Fragen zu beantworten und die Ausrichtung der Strategie wie eine Art Leitstern zu lenken, wurde diese Vision für Darmstadt entwickelt. Der Anspruch der Vision ist es, mutig das Darmstadt der Zukunft zu skizzieren. Vision Wasser in der Stadt: Der Brunnen auf dem Marktplatz Darmstadt. Quelle: Wissenschaftsstadt Darmstadt 47Smart-City-Strategie Darmstadt wird zur wassersensiblen Smart City Aufbauend auf dem Fundament aus Nachhaltigkeitszielen und Smart- City-Charta diskutierten die drei Fokusgruppen Darmstädter Werte und wünschenswerte Zukunftsszenarien. Ihre Beiträge wurden zusammen- gefasst und in einer gemeinsamen Darmstädter Vision für das Projekt Schlaues Wasser zusammengeführt: Wir nutzen unser Wasser nachhaltig und erhöhen die Lebensqualität in Darmstadt durch den Einsatz zukunftsfähiger , digitaler Technologien. Wir machen Wasser sichtbar , fühlbar und erlebbar . Gemeinsam entwickeln wir unsere Netzwerkstadt weiter und stärken unsere Bürgerinnen und Bürger im eigenen Umgang mit Wasser . Die Vision beschreibt das zukünftige Darmstadt als wassersensible Smart City. Darmstadt als Stadt ohne Oberflächengewässer darf gerade wegen der Klima- krise nicht über seine ökologischen Verhältnisse leben. Vielmehr soll Wasser als wertvolle Ressource neu er- kannt und begriffen werden, um auf diese Weise ein neues Verständnis für einen sorgsamen und bewuss- ten Umgang mit Wasser zu etablieren. Diese Anregungen und Möglichkeiten sollen sich aber nicht nur auf das Einsparen und einen möglichen Ver- zicht auf Wasser konzentrieren, sondern vielmehr aufzeigen, wie ein wertschätzender Umgang mit Wasser aussehen kann. Um das vorhandene Wasser nachhaltig zu nutzen, sollen in Darmstadt insbesonde- re digitale Technologien und innovative Ansätze auf- gegriffen werden. Dabei liegt der Fokus nicht auf der Digitalisierung selbst, sondern auf den Potenzialen, die die Digitalisierung bietet, um die Lebensqualität der Darmstädter und Darmstädterinnen zu erhöhen. Die Kosten digitaler Lösungen sollen daher immer mit dem Nutzen für Darmstadt abgewogen werden. Damit Wasser zukünftig im Bewusstsein der Darm- städter Bürgerschaft präsenter ist, wird es sichtbarer , fühlbarer und erlebbarer gemacht. Dies soll vor allem durch mehr „blau-grüne Infrastrukturen“ wie unter- einander vernetzte Wasser- und Grünflächen ermög- licht werden. Zusätzlich werden mithilfe eines um- fassenden Beteiligungsprogramms Wasser-Themen seitens der Stadt und der Stadtwirtschaft ausführlich und für alle verständlich auf allen möglichen Kommu- nikationskanälen aktiv thematisiert. Die zahlreichen Akteure aus Bürgerschaft, Wirtschaft, Verwaltung, Politik und Wissenschaft nutzen in Zu- kunft die vielen Potenziale der smarten Netzwerk- stadt, um sektorübergreifend die Themen Wasser und Digitalisierung miteinander zu verknüpfen, zu informieren und zu aktivieren. Dadurch werden in Darmstadt alle Bevölkerungsgruppen im Umgang mit Wasser gestärkt und Ressourcen geschont. Auf diese Weise entstehen spürbare Mehrwerte für Mensch und Natur . Die Vision Wie stellen wir uns Darmstadt als wassersensible Smart City vor? 48 Vision Das Fundament der Vision Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle gewährleisten Eine widerstandsfähige Infrastruktur aufbauen, breitenwirksame und nachhaltige Industrialisierung fördern und Innovation unterstützen Städte und Siedlungen inklusiv, sicher , wider- standsfähig und nach- haltig gestalten Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen Umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, Wüsten- bildung bekämpfen, Bodendegradation beenden und umkehren und dem Verlust der biologischen Vielfalt ein Ende setzen Partnerschaften zur Erreichung der Ziele Das Fundament der Vision bilden die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Darmstadt hat sich den Nachhaltigkeitszielen der UN (Sus- tainable Development Goals, SDG) verpflichtet. 30 Die Strategie Schlaues Wasser trägt besonders zur Erreichung der Ziele bei, die in Abbildung 10 aufgelistet sind. Bei der Entwicklung zur Smart City orientiert sich Darmstadt an den Werten der Smart-City-Charta. 31 Damit wird sichergestellt, dass das Darmstädter Smart-City-Vorhaben die Bürgerschaft wohlwollend in den Mittelpunkt stellt. Die Grafik auf der rechten Seite (Abbildung 11) veran- schaulicht die Werte, die Darmstadt bei seiner Entwicklung verfolgt. Abbildung 10: Auswahl der unterstützten Sustainable Development Goals Die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen 49Smart-City-Strategie Die Werte der Smart City Darmstadt Abbildung 11: Werte der Smart City Darmstadt nach der Smart-City-Charta Sicher und raumgebend Bei allen Digitalisierungsvorhaben müssen Bedenken aus der Bürgerschaft ernst genommen und den Darmstädterinnen und Darmstädtern Freiräume und Freiheiten zur eigenen Gestaltung ihrer Stadt gegeben werden. Aufgeschlossen und innovativ Um sinnvolle Innovationen zügig voranzubringen, ist Kooperation gefragt. Alle Akteure der Darmstädter Netzwerke sind dazu angehalten, mutig zu handeln und sich dabei gegenseitig zu unterstützen. Netzwer- ken hat in Darmstadt Tradition und ist Grundlage vielfältiger Aktivitäten. Responsiv und sensitiv Die Digitalisierung bietet zahlreiche neue Möglichkeiten wie Sensorik, Datenanalyse oder digitale Kommunikationskanäle, die genutzt werden sollen, um z. B. Wasserkreisläufe nachhaltiger zu gestalten. Vielfältig und offen Darmstadt als Netzwerk- und Wissenschaftsstadt ist sehr facettenreich. Darmstadts Bevölkerung ist international, die Einwohnerschaft kommt aus über 150 Ländern. Mehr als 30 wissenschaftliche Einrichtungen und forschende Unternehmen sind hier angesiedelt. Dies gilt es im Sinne vielfältiger Innovationen ohne Ausgrenzung zu nutzen. Partizipativ und inklusiv An zukünftigen Stadtentwicklungspr ozessen sollen möglichst viele Darmstädterinnen und Darmstädter teilhaben. Dabei werden insbeson- dere benachteiligte Bevölkerungsgruppen berücksichtigt. Alle sollen Mehrwerte durch das Projekt spüren. Klimaneutral und Ressourcen-effizient Darmstadt handelt verantwortlich und nachhaltig und möchte seinen Teil zur Klimaneutralität Deutschlands beitragen. Auch im Sinne einer höheren Klimaresilienz ist der Umgang mit der knapper werdenden und lebenswichtigen Ressource Wasser neu zu denken. Wettbewerbsfähig und florierend Die bereits zahlreich vorhandenen innovativen wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Institutionen bieten eine hervorragende Grundlage, um innovative Geschäftsmodelle zu entwickeln, die Nachhaltigkeit und Digitalisierung verknüpfen. Liebenswert und lebenswert Die Entwicklung zur Smart City soll im Sinne einer höheren Lebensqualität für alle Darmstäd- terinnen und Darmstädter geschehen. Digitalisierung dient dabei als Werkzeug und nicht als Selbstzweck. Sie soll helfen, nachhaltig mit Ressourcen umzugehen und durch den Schutz der Grün- und Blauflächen die Lebensqualität zu erhöhen. 50 Vision Das Darmstädter Zukunftsbild veranschaulicht, mit welchen Schritten die Vision in Darmstadt Wirklich- keit werden kann. Dafür lassen sich in der Vision grob drei Kernpunkte identifizieren. Für die wassersensible Smart City gilt: 1. Ressourcen werden nachhaltig genutzt 2. Daten werden digital vernetzt 3. Es wird mit den Menschen gemeinsam etwas geschaffen In unserer Stadt werden Ressourcen nachhaltig genutzt Darmstadt geht nachhaltig mit seiner Ressource Was- ser um, sodass das vorhandene Wasser mehrfach genutzt wird und vielerlei Einsatz findet. Naturnahe, regenerative Wasserkreisläufe werden gestärkt, um die Wasservorkommen weiter zu schonen, das Stadt- grün zu erhalten und das Stadtklima zu verbessern. Moderne Technologien stärken die städtischen Was- serkreisläufe und ermöglichen höhere Einsparpoten- ziale. So können beispielsweise intelligente Regen- speicher Niederschlagswasser auffangen, speichern und in Abstimmung mit Wetter- und Bodensensoren bei Bedarf das Regenwasser als Gießwasser in umlie- gende Grünflächen und Baumrigolen (unterirdisches Auffangbecken für Regenwasser) ableiten. Über Sen- soren im Kanalnetz könnten Wasserverluste durch Leckagen frühzeitig erkannt und behoben werden. Ressourcen werden eingespart. Wassersensible Smart City Das Darmstädter Zukunftsbild 51Smart-City-Strategie Abbildung 12: Die wasser- sensible Smart City 52 Vision In der wassersensiblen Smart City werden Daten digital vernetzt Daten werden aus unterschiedlichen Quellen erho- ben, analysiert, ausgewertet, in Beziehung gestellt und – wenn möglich – geteilt. Dies ermöglicht es, rele- vante Informationen sichtbar zu machen und greifbar zu vermitteln. Die Nutzung von Daten ist immer mit einem konkreten Zweck verbunden und findet unter Beachtung ethischer Grundsätze statt. So können die Daten genutzt werden, um Steuerungs- und Stadtpla- nungsprozesse sinnvoll zu unterstützen. Beispielswei- se können Sensoren Hitze-Hotspots identifizieren. In einer digitalen Abbildung der Stadt (digitaler Zwilling) könnten anschließend Gegenmaßnahmen simuliert und ausgewählt werden. Mit digitalen Visualisierungs- tools, wie 3-D-Planungstischen, ließen sich die ge- planten Maßnahmen verständlich darstellen und mit Entscheidungsträgerinnen und -trägern oder betrof- fenen Akteurinnen und Akteuren diskutieren. Über die offene Bereitstellung von Daten kann Transparenz hergestellt, die lokale Wirtschaft gestärkt und die ge- meinsame Gestaltung der Stadt durch ihre Bürgerin- nen und Bürger gefördert werden. In der wassersensiblen Smart City wird mit den Menschen gemeinsam geschaffen Im Darmstadt der Zukunft ist Wasser in der Stadt in vielfältiger Form sichtbar , fühlbar , erlebbar und wird so ins Bewusstsein gerückt. Aus Daten gewonnene Erkenntnisse werden genutzt und anschaulich vermit- telt, um die Bürgerinnen und Bürger im nachhaltigen Umgang mit Wasser zu unterstützen und sie zum Mit- machen zu aktivieren. Wichtige Informationen – bspw. zu Wasserständen, Notsituationen, aber auch zum nachhaltigen Umgang mit Wasser oder der Anwen- dung neuer Technologien – werden zielgruppenge- recht und zeitnah vermittelt. Die Bürgerinnen und Bürger wissen, wie sie verant- wortungsvoll mit diesen und ihren eigenen Daten im Zusammenhang mit Wasser umgehen. Sie können anhand der Daten wichtige Informationen erkennen und Handlungen daraus ableiten. Die Darmstädter Bürgerschaft wird zur wassersmarten Gesellschaft. Beispielhaft kann hier die Erprobung neuer Ansätze zur Wiederverwendung von Grauwasser über spiele- rische Anwendungen (Serious Games) genannt wer- den. Auch innovative Formate zur Beteiligung und In- formationsvermittlung, z. B. über Apps, Real-Labore, Wasserlehrpfade, Zukunftswerkstätten oder Citizen- Science-Projekte, bringen die gemeinsame Stadtent- wicklung voran. Um diese drei Kernpunkte – Ressour cen nachhaltig nutzen, Daten digital vernetzen und mit den Men- schen gemeinsam etwas schaffen – in konkrete Hand- lungen und Veränderungen zu überführen, wurden drei Anwendungsfelder (AF) identifiziert. Die Anwendungsfelder beschreiben die wichtigsten Aspekte und formulieren konkrete Ziele für die Stadt- entwicklung der Smart City. Um festzustellen, wie stark sich die Stadt der Vision angenähert hat, benen- nen die Anwendungsfelder auch Kriterien zur Bemes- sung des Erfolgs. Im folgenden Kapitel werden diese drei Anwendungsfelder im Detail beschrieben. 5 Anwendungsfelder Wo genau setzen wir mit Schlaues Wasser an? 54 Anwendungsfelder Die Anwendungsfelder für Schlaues Wasser Darmstadt Um Darmstadt zu einer wassersensiblen Smart City zu entwickeln, werden in Darmstadt die Potenziale ausgeschöpft, die sich durch digitale Instrumente und Methoden ergeben. Dabei findet Digitalisierung nicht als Selbstzweck statt, sondern verfolgt immer stadt- entwicklungspolitische Ziele. Zu diesen Zielen zählen u. a. die nachhaltige Bewirt- schaftung des vorhandenen Wassers, die Erlebbarkeit des Wassers sowie die effektive Nutzung und Wieder- verwendung des Wassers. Die nachfolgend darge- stellten Anwendungsfelder bilden den Rahmen aller Aktivitäten, Maßnahmen und Projekte für die wasser- sensible Smart City Darmstadt. Sie dienen somit der Konkretisierung der Vision (siehe Kapitel „Vision“, S. 45 ff.). Jedem der Anwendungsfelder sind mehre- re konkretisierende Ziele zugeordnet. Dabei sind die Anwendungsfelder nicht als vollständig voneinander abgrenzbar zu betrachten, sondern vielmehr als mit- einander verknüpfte Schwerpunkte für die weitere Strukturierung der Strategie. Die Darmstädter Vision einer wassersensiblen Smart City wird anhand von drei partizipativ entwickelten Anwendungsfeldern konkretisiert. Diese werden im Folgenden dargestellt und die jeweils zugehörigen Ziele erläutert. Monitoring und Messung der Ziele Wie stellen wir sicher, dass die Ziele der jeweiligen Anwendungsfelder erreicht werden? WIR SETZEN DEN RAHMEN Der Begriff „Monitoring“ (dt.: Überwachung) beschreibt in diesem Zusammenhang die Messbarkeit bzw. die Auswertung des oben beschriebenen Zielsystems. Mithilfe des Monitorings soll sichtbar gemacht und dokumentiert werden, wann und wie Ziele teilweise oder vollständig erreicht werden. Damit wird im Um- setzungsprozess auch die Möglichkeit geschaffen, ggf. Maßnahmen nachzusteuern, um Defizite in der Zieler- reichung zu beheben. Die Zielerreichung wird anhand von Kriterien verfolgt und beschrieben. Dafür wurden für jedes Ziel Kriterien entwickelt. Im Anschluss an die unten beschriebenen Anwendungsfelder und deren Ziele werden die jeweiligen Kriterien kurz erläutert. Anwendungsfelder 55Smart-City-Strategie Darmstadt wird zur wassersensiblen Smart City. Wir nutzen unser Was- ser nachhaltig und erhöhen Lebensqualität in Darmstadt durch den Ein- satz zukunftsfähiger , digitaler Technologien. Wir machen Wasser sichtbar , fühlbar und erlebbar . Gemeinsam entwickeln wir unsere Netzwerkstadt weiter und stärken unsere Bürgerinnen und Bürger im eigenen Umgang mit Wasser .“ Unsere Vision Wasserkreisläufe in Quartier und Stadt Wasserdaten: Grundlagen, Potenziale und Nutzung Wasserkommunikation und bewusstes Handeln: Information, Sensibilisierung, Austausch und Erlebnis Ziele der Anwendungsfelder Dateninfrastruktur unter Berück- sichtigung der Grundsätze der Smart-City-Charta ausbauen Monitoring und Wasserbilanzen als Grundlage für wassersensible Smart City weiterentwickeln Prognosefähigkeit für den künfti- gen Wasserbedarf und die künftige Wasserverfügbarkeit verbessern Wasserqualität und -quantität, Was- sertemperatur und weitere Para- meter der Darmstädter Gewässer erfassen und für Bürgerinnen und Bürger verfügbar machen Stadtnatur dürre- und klima- resilient machen Blau-grüne Infrastruktur in der Stadt ausbauen Schmutz- und Regenwasser aufbereiten und in Betriebswasser- kreisläufen wiederverwenden Stadtentwicklung und Wasser bei Neubau und in der Bestands- entwicklung eng und smart mit- einander verknüpfen Wasser rückhalten, speichern, versickern oder verdunsten lassen durch Maßnahmen der Stadtent- wicklung und der Wasserbewirt- schaftung Gemeinsam Vorzeigestadt werden (Haltung) Wasser erlebbar machen u. a. in den Bereichen Bildung, Kunst, Kultur & Events (Früh-)Warnsysteme (Starkregen, Hitze, Dürre) etablieren und verbreiten Transparenz der Wasserprojekte für Akteure u. Öffentlichkeit gewährleisten Über Wasserverbrauch und Einspar potenzial informieren und für individuelle Schonung des Wassers sensibilisieren Vernetzung und Zusammen- arbeit aller relevanten Akteure intensivieren Abbildung 13: Von der Vision über die Anwendungsfelder bis zu den Zielen Anwendungsfeld 1 Anwendungsfeld 2 Anwendungsfeld 3 56 Anwendungsfelder Mit der Bewilligung des Fördermittelgebers erhielt die Wissenschaftsstadt Darmstadt den Auftrag, mo- dellhafte, digitale Lösungen mit Fokus auf das Thema Wasser zu entwickeln. In Darmstadt wurde jahrzehn- telang nach dem Prinzip geplant und gebaut, dass Wasser in der Stadt auf schnellstem Wege in die Ka- nalisation und von dort möglichst rasch in abführende Gewässer fließen sollte. Dadurch leidet die Stadtnatur und es fehlt Wasser für die Bewässerung. Fehlendes Wasser in der Stadt beeinträchtigt zudem viele gesell- schaftliche und ökologische Funktionen. Zusätzlich hat der Klimawandel einerseits zunehmende Hitze und Trockenheit und andererseits häufigere und in- tensivere Starkregenereignisse mit möglichen Über- flutungen zur Folge. Die Auswirkungen sind in Städten wie Darmstadt wegen hoher Versiegelungsraten und wenig Raum für Wasser deutlich zu spüren. Hier setzt das Projekt Schlaues Wasser Darmstadt an. Im Gegensatz zu der bisher gängigen Praxis einer möglichst raschen Ableitung von Regenwasser in die Kanalisation verfolgt die wassersensible Stadtent- wicklung das Ziel, die Wasserkreisläufe in der Stadt oder besser noch direkt im Quartier zu schließen und so Wasser im Quartier und in der Stadt zu halten. De- zentrale Lösungen zur Versickerung, Verdunstung, Nutzung sowie zur Speicherung und gedr osselten Ableitung von Regenwasser müssen verstärkt um- gesetzt werden. Damit versickert das in bebauten Ge- bieten anfallende Regenwasser entweder gezielt und reichert das Grundwasser an oder es wird gesammelt und gespeichert und somit für die Vegetation und die Verdunstung (und damit Kühlung) verfügbar ge- macht. Gleichzeitig sollen so die potenziellen Schäden infolge von Starkregenereignissen minimiert werden. Ein Kernziel innerhalb des Projekts Schlaues Wasser Darmstadt ist die möglichst weitgehende Annähe- rung an den natürlichen Wasserkreislauf mithilfe di- gitaler Tools. Der Weg dorthin ist auch auf kleinräu- miger Ebene zu beschreiten. Der Wasserkreislauf auf Quartiers- und Stadtebene ist durch entsprechende technische Maßnahmen zu stärken, anzugleichen und klimaresilient zu gestalten. Durch die Stärkung der natürlichen Funktionen von Wasser , Vegetation und Boden wird das Stadtklima positiv beeinflusst. Wasserkreisläufe in Quartier und Stadt Anwendungsfeld 1 57Smart-City-Strategie Abbildung 14: Anwendungsfeld 1 – Wasserkreisläufe 58 Anwendungsfelder Ziel 1.1: Wasser rückhalten, speichern, versickern oder verdunsten lassen – durch Maßnahmen der Stadtentwicklung und der Wasserbewirtschaftung Um die Resilienz Darmstadts gegenüber Wetterextre- men wie Hitze, Trockenheit oder Starkregen zu stär- ken, werden smarte Maßnahmen der nachhaltigen, dezentralen Regenwasserbewirtschaftung umgesetzt. Urbane Sturzfluten können durch den Rückhalt von Oberflächenwasser gemindert werden. Versicke- rungsanlagen stärken dazu den natürlichen Wasser- haushalt. Verdunstungsflächen wie städtisches Grün wirken sich positiv auf das Mikroklima aus und das Speichern von Wasser kann in Trockenzeiten den Verbrauch von Trinkwasser für Bewässerungszwecke mindern. Maßnahmen wie das Zurückhalten, Speichern oder Verdunstenlassen von Wasser sind auf Gebäudeebene sowie auf Freiflächen realisierbar . Beispiele für Maß- nahmen, die diesem Ziel dienen, sind die Regenwas- sersammlung in Zisternen, gezielte Versickerung in Versickerungsmulden, Schächten oder Sickerbrunnen und die gezielte Erhöhung der Verdunstung in Hitze- perioden über Vegetation, Verregnungssysteme oder bewässerte Oberflächen. Auch Gründächer oder Re- tentionsgründächer können dem Rückhalt und der Speicherung sowie der Verdunstung von Regenwasser dienen. Digitale, smarte Lösungen werden eingesetzt, um diese Ziele zu erreichen. Beispielhaft lässt sich hier die Identifikation von Potenzialflächen durch die auto- matisierte Auswertung von Satellitendaten nennen. Ziel 1.2: Stadtentwicklung und Wasser bei Neubau und in der Bestandsentwicklung eng und smart miteinander verknüpfen Städtebauliche Planungen und blau-grüne Lösungs- ansätze werden zukünftig noch stärker integriert betrachtet. Bei Neuplanungen in Darmstadt ist dies bereits weitgehend der Fall. Die große Herausforde- rung liegt in der Bestandsentwicklung bzw. bei Sa- nierungsmaßnahmen. Hier gilt es, die Belange von Wasserressourcenmanagement, Klimaschutz und Klimaresilienz stärker in die städtebauliche Entwick- lung einzubeziehen. Das Projekt Schlaues Wasser verfolgt das Ziel, ein Stadtentwicklungskonzept interdisziplinär und modellhaft mit dem Thema Wasser als Querschnitts- aufgabe zu entwickeln. Die Beteiligung anderer Ressorts erfolgt oft nach den Maßgaben des ver- antwortlichen R essorts im Rahmen einzelner Pla- nungsverfahren. Daher sollten künftig bereits zu Planungsbeginn gemeinsame Visionen und Ziele mit Blick auf wassersensible Lösungen entwickelt werden. Sektorübergreifende Arbeitsstrukturen, Prozesse und Ressourcen sollten effektiv durch digitale Werkzeu- ge koordiniert werden. Auch in der Planung können smarte Tools (wie z. B. Modellierungen) genutzt und es kann auf digital vorliegende Daten zurückgegriffen werden, um die Ziele der Stadtentwicklung und der Wasserwirtschaft smart zu verknüpfen. WASSER- KREISLAUF! Der zweite Blick zeigt: So grün ist die Wissenschafts stadt Darmstadt nicht. 59Smart-City-Strategie Ziel 1.3: Schmutz- und Regenwasser aufbereiten und in Betriebswasserkreisläufen wiederverwenden Der Stadt steht nur wenig Oberflächenwasser für Be- wässerungszwecke zur Verfügung. Da die Integration von Betriebswasserkreisläufen, dezentralem Regen- wassermanagement oder Notabflusswegen hohe An- forderungen an die Flächennutzung und -gestaltung stellt, müssen diese frühzeitig berücksichtigt werden. Andernfalls können wassersensible Lösungen nicht systematisch eingeplant und die damit verbundenen Gestaltungspotenziale nicht genutzt werden. Hier können digitale Lösungen die Integration von Syste- men und die integrierte Planung unterstützen. Die zur Verfügung stehenden Wasserressourcen, insbesondere für Trinkwasser , schwinden. Diese zu schonen ist das Gebot der Stunde. Betriebswasser ist aufbereitetes Regen- oder Grauwasser , das zwar nicht der Trinkwasserqualität entspricht, dieser aber je nach Aufbereitung sehr nahekommt. Es kann im All- tag u. a. für Toilettenspülung, Bewässerung und Wä- schewaschen oder im industriellen Bereich, z. B. für Kühlzwecke, verwendet werden. 32 Ziel ist es, diese Potenziale zu nutzen und dadurch Trinkwasser einzusparen. Die Nachrüstung eines städtischen Betriebswassernetzes ist ein langfristiges Ziel, das gerade bei Neuplanungen beachtet werden sollte. Auch aufbereitetes Schmutzwasser aus der Kläranlage kann Wasserbedarfe substituieren. Hier gilt es langfristig, Kläranlagen zu optimieren, um das Wasser mindestens für Bewässerungszwecke nutzbar zu machen. Ziel 1.4: Blau-grüne Infrastruktur in Darmstadt ausbauen Hinter dem Begriff „blau-grüne Infrastruktur“ steckt der Gedanke, dass Ökosysteme und ihre Leistungen ebenso wie „graue“ (also technische) In frastruktur für eine nachhaltige Entwicklung unverzichtbar sind. Großprojekte wie DELTA 33 dienen dem Ziel, blau- grüne Infrastrukturen in Darmstadt smart mitein- ander zu verknüpfen. Die Kombination grüner und blauer Infrastruktur , also von Stadtnatur und Wasser , trägt zum menschlichen Wohlergehen – z. B. durch Klimaregulation, Erholung und Erleben von Natur und Landschaft – und zum Erhalt der biologischen Vielfalt bei. Vor allem im Hinblick auf den Klimawandel und seine negativen Auswirkungen wie Hitzesommer , Tro- pennächte und Starkregen spielt die blau-grüne Infra- struktur eine zentrale Rolle. Während sich Steine und Asphalt stark aufheizen, kühlen Pflanzen ihre direkte Umgebung, wenn sie ausreichend mit Wasser ver- sorgt sind. Zugleich spenden sie Schatten und lassen Wasser über ihre Blätter verdunsten (Verdunstungskühlung). Wo versie- gelte Oberflächen zu Überschwem- mungen führen können, bieten offe- ne Böden Versickerungsflächen und entlasten die Kanalisation bei immer häufiger auftretenden Starkregen- fällen. Darüber hinaus sind sie Teil wichtiger Frischluftschneisen, die eine Luftzirkulation innerhalb der Stadt er- möglichen und auf diese Weise klima- regulierend wirken. Vorhandene Elemente der blau-grünen Stadt sind deshalb zu erhalten, zu stärken und zu vernetzen. Synergien zwischen blauen, grünen und auch grauen Infrastrukturen sind zu nutzen, wie z. B. die smarte Bewässerungsanlage auf der Mathildenhöhe. Smarte Bewässerungssysteme für städtisches Grün und eine intelligente, vorausschauende Starkregenvorsorge sollen in Zukunft einen Beitrag zur blau-grünen In- frastruktur leisten. Digitale Anwendungen können etwa zur Messung und Steuerung der Bodenfeuchte, zur Bewässerung von Stadtgrün und zum Monito- ring blau-grüner Infrastruktur genutzt werden (siehe auch Anwendungsfeld 2). Ein konkretes existieren- des Darmstädter Beispiel dafür ist etwa der Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur Vorhersage von Was- serhochständen oder zu erwartenden Leckagen in Wassernetzen. Moderne Technologien zielen darauf ab, die Resilienz von Pflanzen und Bäumen zu stärken 60 Anwendungsfelder Ziel 1.5: Stadtnatur dürre- und klimaresilient machen Darmstadts Stadtnatur besteht aus einem Mosaik kleinteiliger Flächen, die über das Stadtgebiet verteilt sind. Diese bieten Lebensraum für unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten. In der Wissenschaftsstadt Darmstadt sind dies Orte wie der Steinbrücker Teich, die Bessunger Kiesgrube oder der Woog. Die aktuellen klimatischen Entwicklungen zeigen schon heute, dass wasserarme Städte wie Darmstadt verstärkt unter Überhitzung leiden. Bei dem Bestre- ben, Stadtnatur mittels digitaler Lösungen dürre- und klimaresilient zu machen, liegt der Fokus auf der Versorgung und dem Erhalt städtischer Vegetation. Der Einsatz weiterer moderner Technologien zielt in Darmstadt darauf ab, die Resilienz von Pflanzen und insbesondere Bäumen zu stärken. Neben ihrer Verdunstungsleistung spenden Bäume Schatten. Sie leisten damit einen wertvollen Beitrag, um die Folgen von Hitze und Dürreperioden abzumil- dern. Durch den Einsatz digitaler Tools und smarter Technologie können Standortbedingungen verbes- sert werden. So kann etwa mittels satellitengestützter Bildgebung die Dimensionierung von Baumscheiben 34 optimiert, Bodenverdichtung reduziert und eine kon- tinuierliche Wasserversorgung gewährleistet werden. Die kontinuierliche Wasserversorgung ist besonders für junge Bäume und Flachwurzler von Bedeutung, da diese nicht vom Grundwasser zehren können. Kriterien zum Erreichen der Ziele in Anwendungsfeld 1 Das Anwendungsfeld 1 behandelt die Integration der smarten, wassersensiblen Stadtentwicklung in die städtische Gesamtplanung sowie das Schließen lo- kaler Wasserkreisläufe durch Sammeln, Speichern, Versickernlassen und Wiedernutzen von Wasser in der Stadt. Für die Zielerreichung beziehen sich die Erfolgskriterien somit auf folgende Aspekte: • Vorhandensein von entsprechenden Flächen und Anlagen • Begrenzung von Versiegelung und Verschwendung von Regenwasser • Schaffung und Nutzung von Wasserkreisläufen (Wiederverwendung) • Qualität von integrativen Planungs- und Beteiligungsprozessen • Stärkung der Bewirtschaftung durch Nutzung von Digitalisierungswerkzeugen 61Smart-City-Strategie Abbildung 15: Kriterien zur Zielerreichung in Anwendungsfeld 1 Wasserkreisläufe in Quartier und Stadt Anwendungsfeld 1 Planung und Realisierung von Anlagen/Einrich- tungen zum gezielten Rückhalt, zur Speicherung und zum Versickern- bzw. Verdunstenlassen im Quartier (im Rahmen von Neuplanungsprojekten und im Bestand) Einsatz digitaler Plattformen für integrierte Planung, Datenaustausch, Dokumentation Entsiegelung von Flächen und Abkopplung vom Kanalnetz Planung und Realisierung von Betriebswasser- systemen für Neubaugebiete Einsatz digitaler Mess- und Steuerungssysteme für die Optimierung von Retentionsvermögen, Versickerung und Bewässerung (geplante und realisierte Systeme) Förderung des Einsatzes von Betriebswasser- systemen in Bestandsgebieten Systematische Integration von Schlaues-Wasser- Elementen (Wasserwirtschaft, Stadtgrün, Digitalisierungsoptionen etc.) von Beginn an in städtebauliche Planungen/Strategien Planung und Realisierung blau-grüner Projekte im Bestand und bei Neuplanungen (z. B. Stadtgrün mit Wasserspeichern, Verschattung, Verdunstungs-/ Abkühlungselemente) Explizite Dokumentation von integrierten Planungen Wasser + Stadt und Aufbereitung als Beispiel Einbau von Projektbausteinen „Stadtnatur + Wasserspeicherung“ bei Umbau von Verkehrs- infrastruktur Wahl von Pflanzenarten mit geringem Wasserbedarf (Optimierung von Verschattung und Standorten), digitale Steuerung einer optimierten Bewässe- rung, Verbindung Stadtnatur u. Wasserspeicher) Wasser rückhalten, speichern, versickern und verdunsten lassen durch Maßnahmen der Stadt entwicklung und der Wasserbewirtschaftung Stadtentwicklung und Wasser bei Neubau und in der Bestands- entwicklung eng und smart miteinander verknüpfen Schmutz- und Regenwasser aufbereiten und in Betriebs- wasserkreisläufen wieder- verwenden Blau-grüne Infrastruktur in der Stadt ausbauen Stadtnatur dürre- und klima- resilient machen Ziele Kriterien zur Zielerreichung 62 Anwendungsfelder Dieses Anwendungsfeld umfasst die auf wasserbezo- gene Datenerhebung und -bereitstellung ausgerichte- ten Ziele. Dies bezieht sich vor allem auch auf Daten und Informationen, die für an wassersensibler Stadt- entwicklung beteiligte Akteure und die Öffentlichkeit von Inter esse sind. Entsprechende Daten können Wassermengen und -qualität von Grund- und Ober- flächengewässern in Darmstadt sein. Wasserbilanzen, Grundwasserneubildung, Verfügbarkeit von Wasser für verschiedene Zwecke in der Stadt und auch In- formationen über Wasserknappheit, Verbrauch in Stadtteilen oder Quartieren usw. sind für die Stadt- entwicklung wichtige Kennwerte. Dafür wäre eine Bestandsaufnahme zur Erfassung der Standortge- gebenheiten und existierender Projekte dienlich, um allen Fachämtern einen transparenteren Zugang zu Informationen und Daten zu ermöglichen. Diese Form der Transparenz unterstützt die Zusammenarbeit der verschiedenen Fachämter und trägt dafür Sorge, dass Aktivitäten und Handlungen b esser miteinander ab- gestimmt und koordiniert werden können. Im Fokus stehen das Monitoring der urbanen Wasser- ressourcen und das öffentliche sowie private Manage- ment von Extremwettersituationen wie Niedrigwasser und Trockenperioden einerseits und Starkregen und Überschwemmungen andererseits. Dafür bedarf es flächendeckender , laufender Aufzeichnungen und kurzfristiger Auswertungen von Daten als wichtiger Grundlage für Analysen und Vorhersagen. Für die Be- wusstseinsbildung über das sensible Umweltgut Was- ser in der Stadt (siehe auch Anwendungsfeld 3) ist eine intensive Vermittlung von Kennzahlen und aktu- ellen Trends zu den Wasserdaten von großem Nutzen. So können Verbraucherinnen und Verbraucher zur Eigenvorsorge und zum sparsamen bzw. bewussten Umgang mit Wasser in der Stadt angehalten werden. Wasserdaten: Grundlagen, Potenziale und Nutzung Anwendungsfeld 2 63Smart-City-Strategie Abbildung 16: Anwendungsfeld 2 – Wasserdaten 64 Anwendungsfelder Ziel 2.1: Dateninfrastruktur unter Berücksichtigung der Grundsätze der Smart-City- Charta ausbauen Um digitale Lösungen für die Aufgabenfelder der was- sersensiblen Stadt nutzbar und effektiv zu machen, ist eine einheitliche und standardisierte Dateninfrastruk- tur erforderlich. Das bezieht sich auf die Sensorik für die Datenerhebung, die verschiedenen Netze für die Datenübertragung, die Datenspeicherung, -verarbei- tung und -veröffentlichung sowie die Schnittstellen zwischen den einzelnen Komponenten. Dies gilt an- gesichts der aufgezeigten Interdisziplinarität der Auf- gaben der wassersensiblen Stadtentwicklung auch für alle verwandten Aufgabenfelder der Planung in Stadt, Umwelt, Sozialem etc. Auch besteht ein Ziel darin, den freien Zugang zu Daten und Open-Source-Dateninfrastruktur auszu- bauen, wie es in Darmstadt über das Dashboard, die Datenplattform oder das Open-Data-Portal bereits getan wird. Inwieweit dies möglich ist, richtet sich al- lerdings auch nach den Regeln für die Datensicherheit und den Datenschutz bzw. den Schutz von Personen und Infrastruktur . Klare Grenzen gelten daher z. B. für die kritischen Infrastrukturen (KRITIS), zu denen ver- schiedene wasserbezogene Einrichtungen zählen. So sind beispielsweise Daten über die Details der Trinkwasserversorgung, Förderstellen und Verteil- systeme zum Schutz der Bevölkerung vor Anschlägen sicherheitsrelevant und dürfen nicht ohne Weiteres veröffentlicht werden. Für alle digitalen Lösungen in diesem Anwendungs- feld ist die Smart-City-Charta zu beachten: „Freie Nut- zung von Daten (Open Data) abwägen und weitgehend ermöglichen: Kommunen prüfen, wie sie ihre Daten entsprechend den Open-Data-Prinzipien allgemein freigeben können. Dabei ist abzuwägen zwischen dem Gemeinwohlinteresse an einem offenen Daten-Öko- system, zuwiderlaufenden Belangen des Gemeinwohls und den Rechten und Inter essen betroffener Perso- nen (u. a. Datenschutz) …“. Viele Informationen und Daten können im Sinne einer wassersensiblen Smart City veröffentlicht werden: Hochwasser- und Über- flutungsrisikokarten, Wasserqualitäten oder Abfluss- mengen von Oberflächengewässern etwa fallen nicht unter die sensiblen Daten. Ziel 2.2: Monitoring und Wasserbilanzen als Grundlage für wassersensible Smart City weiterentwickeln Der Überwachung des Grundwassers kommt eine zentrale Bedeutung zu, um kritische Entwicklungen zu erkennen und Defiziten in der Qualität und Menge des Grundwassers entgegenzuwirken. Solche Daten werden in der Regel von staatlichen Umweltbehörden, aber auch von Kommunen erhoben und veröffentlicht. Für ein Klimafolgen-Monitoring im Bereich urbaner Wasserressourcen sind Grundwasser- und Oberflä- chenwasserdaten aufgrund der starken klimatischen Veränderungen in Darmstadt von besonderer Wich- tigkeit. Dabei ist ein flächendeckend hoher Detailgrad das Ziel: Dafür sorgen dauerhaft installierte Sensoren im Stadtgebiet, z. B. an ausgewählten Baumstandor- ten wie auf der Mathildenhöhe, die den Feuchtegrad im Boden messen und damit zu einer bedarfsgerech- ten Bewässerung beitragen sollen. Diese ermöglichen über einen automatisierten Datenabruf zeitnahe Auswertungen und Prognosen. Für eine nachhalti- ge Grundwasserbewirtschaftung – darunter versteht man die Regulierung des Grundwasserstands – sind regionale oder lokale Wasserbilanzen erforderlich. Sie sind als Entscheidungsgrundlage notwendig, um zu- künftig Grundwassererschließungen und -entnahmen, Wasserrechtsverfahren, konkurrierende Nutzungs- interessen etc. ressourcengerecht beurteilen zu können. Digitale Anwendungen dienen der Erhebung und Ver- breitung von Echtzeitdaten, Langzeitbeobachtungen und der Erstellung von Statistiken, z. B. zu Grundwas- serständen. Diese können als Open Data innerhalb und außerhalb der Verwaltung einen Beitrag zur was- sersensiblen Stadtentwicklung in Darmstadt leisten. STRUKTUR – DER FELS IN DER BRANDUNG 65Smart-City-Strategie Ziel 2.3: Prognosefähigkeit für den künftigen Wasserbedarf und die künftige Wasserverfügbarkeit verbessern Schon jetzt gilt Darmstadt als wärmste Stadt Hessens. Aufgrund des Klimawandels werden sich im jahres- zeitlichen Verlauf die Bodenfeuchte und die Grund- wasserneubildung sowie die Wasserverfügbarkeit im Grundwasser und in den Gewässern verändern. Auch bei den Wassertemperaturen werden deutliche Ände- rungen eintreten. Über regionale Wasserhaushalts- modelle und Wasserbilanzen lässt sich dies lokal ana- lysieren und prognostizieren. Für die wassersensible Planung in der Wissenschaftsstadt sind höher aufge- löste Analysen und Vorhersagen erforderlich, die z. B. auf einzelne Stadtteile bezogen werden können. Wasserbedarfe ergeben sich aus der Prognose spe- zifischer privater , gewerblicher und öffentlicher Be- darfs- bzw. Verbrauchsmengen und der Siedlungs-, Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung. Diese sind wiederum von den Folgen des Klimawandels für Was- serressourcen und Niederschlagsentwicklung, von re- gulatorischen Anforderungen sowie dem technischen Fortschritt abhängig. Digitale Anwendungsmöglichkeiten für dieses Ziel lie- gen vor allem in der Verarbeitung, Verknüpfung und Analyse von erhobenen und aktuellen statistischen Daten zur Bevölkerung, zum Wasserverbrauch, zur Stadtentwicklung und zur Erstellung von entspre- chenden Prognosen. Für Prognosen und Auswertun- gen digitaler Daten sowie deren Automatisierung können bspw. selbstlernende Systeme (Künstliche Intelligenz) eingesetzt werden. Ziel 2.4: Wasserqualität und -quantität, Wassertemperatur und weitere Parameter der Darmstädter Gewässer erfassen und für die Bürgerschaft verfügbar machen Um kritische lokale und regionale Entwicklungen rechtzeitig erkennen zu können und das Bewusstsein in der Bevölkerung für das empfindliche Schutzgut Wasser zu stärken, sollen Daten von Abflussmessun- gen und Wasserqualität sowie weitere Parameter der Bürgerschaft verfügbar gemacht werden. Dabei könn- ten Trendanalysen und Vorhersagen integriert wer- den. Digitalisierung spielt nicht nur bei der Erfassung, sondern auch bei der Veröffentlichung der Daten eine entscheidende Rolle. Solche serviceorientierten Dienstleistungen adressieren auch mehrere Ziele in Anwendungsfeld 3. Kriterien zur Erreichung der Ziele in Anwendungsfeld 2 Im Fokus des zweiten Anwendungsfeldes steht der Einsatz bzw. die Bereitstellung von digitalen Anwen- dungen, die Daten zu verschiedenen wasserbezoge- nen Fragestellungen zur Verfügung stellen. Daher beziehen sich die Erfolgskriterien auf die folgenden Aspekte: • Qualität, Vollständigkeit und Verfügbarkeit der Dateninfrastruktur • Datensicherheit, IT-Sicherheit • Qualität eines wasserwirtschaftlichen Monitoring- systems und von Prognoseinstrumenten • Qualität der Zugänglichkeit von wasserbezogenen Informationen Ziele Kriterien zur Zielerreichung Abbildung 17: Kriterien zur Zielerreichung in Anwendungsfeld 2 66 Anwendungsfelder Dateninfrastruktur unter Berücksichtigung der Grund- sätze der Smart-City-Charta ausbauen Monitoring und Wasserbilanzen als Grundlage für wasser- sensible Smart City weiter- entwickeln Prognosefähigkeit für den künftigen Wasserbedarf und die künftige Wasserverfügbar- keit verbessern Wasserqualität und -quantität, Wassertemperatur und weitere Parameter der Darmstädter Gewässer erfassen und für Bürgerinnen und Bürger verfügbar machen Bild rechts: Smarter Hochwasserschutz wird in einem Pilot- projekt im Naturfreibad Großer Woog Darmstadt mit einem Wassermanagementboot von e.Ray Europa getestet. Quelle: Digitalstadt Darmstadt GmbH Wasserdaten: Grundlagen, Potenziale und Nutzung Anwendungsfeld 2 Aufbau und Pflege einer gemeinsamen, ämter- übergreifenden Dateninfrastruktur (einschließlich einheitlicher Datenformate zur Sicherstellung des Datenaustausches) und der gemeinsamen, integrierten Planung Aufstellung und Fortschreibung einer Wasser- bilanz für die Stadt Darmstadt Nutzung von Open-Access- und Open-Source- Möglichkeiten im Rahmen gesetzlicher Grenzen Erstellung, Aktualisierung und Veröffentlichung von Prognosen zum Wasserbedarf und zur Wasserverfügbarkeit, Ermittlung potenzieller Engpässe Gewährleistung einer nutzerinnen- und nutzer- orientierten Struktur / Nutzerinnen- und Nutzer- freundlichkeit aller digitalen Systeme Qualitätssicherung (Umfang, Aktualität, Zugäng- lichkeit) des Monitoring- u. Prognosesystems Gewährleistung von Datensicherheit/ Cybersicherheit Aufbau und Betrieb eines Onlineportals und weiterer digitaler Medien für die öffentliche Information über Wasserqualitäten, -quantität, -temperaturen sowie andere Parameter und Informationen Entwicklung und Einsatz eines städtischen Monitoring-Konzepts für den Zustand des urbanen Wasserhaushalts und die Klimawandelfolgen für den Wasserhaushalt (sowie Folgewirkungen) 67Smart-City-Strategie 68 Anwendungsfelder Information, Sensibilisierung, Austausch und Erlebnis Das dritte Anwendungsfeld ist querschnittsorientiert und ergänzt die überwiegend auf die Entwicklung von (technischer) Infrastruktur bezogenen Ziele der vor- herigen beiden Anwendungsfelder . Es zielt darauf ab, das Element Wasser im Stadtalltag wahrzunehmen, wertzuschätzen und zu schützen. Die Basis ist eine zielgruppengerechte Kommunikation unter Nutzung sämtlicher digitaler und analoger Kommunikations- kanäle. Darüber sollen Informationen vermittelt, eine Sensibilisierung für das Thema Wasser als wertvolle Ressource erreicht und Anreize für wassersensible Handlungen gesetzt werden. Dabei muss auch eine emotionale Sensibilisierung über Austausch und Erlebnisse stattfinden. Wasserkommunikation und bewusstes Handeln Anwendungsfeld 3 69Smart-City-Strategie Abbildung 18: Anwendungsfeld 3 – Wasserkommunikation und Handeln 70 Anwendungsfelder Ziel 3.1: Über Wasserverbrauch und Einsparpotenzial informieren und für individuelle Schonung des Wassers sensibilisieren Vielen Menschen ist nicht bewusst, wie viel (Trink-) Wasser sie täglich nutzen und wofür . In Darmstadt liegt der Pro-Kopf-Wasserverbrauch für Trinkwasser mit 155 Litern am Tag deutlich über dem aktuellen Bundesschnitt (128 Liter am Tag) (destatis 2022). Wie sich dieser Verbrauch zusammensetzt und wo Ein- sparmöglichkeiten bestehen, sollte daher genauso vermittelt werden wie Informationen über den ver- steckten Wasserverbrauch (sog. virtuelles Wasser) 35. Dieser spielt u. a. beim Konsum von Lebensmitteln oder Kleidung eine große Rolle. Vielfältige, leicht ver- ständliche und leicht zugängliche Informationen über den Wasserverbrauch sind eine wichtige Basis für eine künftige wasserbewusste Stadtgesellschaft. Ne- ben der reinen Informationsvermittlung gilt es aber auch ganz praktisch aufzuzeigen, wie der individuelle Wasser-Fußabdruck 36 schon mit einfachen Maßnah- men reduziert werden kann. Gleichzeitig sind auch Unternehmen gefragt, ihren Wasser-Fußabdruck in ihrer gewerblichen Tätigkeit auf Einsparpotenziale hin zu überprüfen. Daher rich- ten sich die folgenden Beispiele nicht nur an Privat- haushalte, sondern ebenso an die lokal ansässigen Unternehmen. Digitale Anwendungen können dazu beitragen, sys- tematisch und regelmäßig (auch in Echtzeit) den Wasserverbrauch für unterschiedliche Bedarfe in Gebäuden sichtbar zu machen. In telligente Messsys- teme für Strom- oder Wasserverbrauch (engl. Smart Meter) können dazu genutzt werden. Diese gekoppelt mit passenden Anreizen und Vorschlägen (bspw. über Serious Games oder über die Nutzung der „Darmstadt im Herzen“-App) für den nachhaltigeren Umgang mit der Ress ource Frischwa sser können beträchtliche Einsparpotenziale erreichen. Das zeigen auch Erfah- rungen im Pilotprojekt „PassivhausSozialPlus“ in der Lincoln Siedlung. Um den Bürgerinnen und Bürgern die Nutzung der genannten Möglichkeiten zur individuellen Wasser- einsparung möglichst konkret aufzeigen zu können, sollen zukünftig auch spezifische Beratungsangebote geschaffen werden. Ziel 3.2: Transparenz über Wasserprojekte für Akteure und Öffentlichkeit gewährleisten Dieses Ziel stellt die Sichtbarkeit der vielfältigen Was- serprojekte in der Wissenschaftsstadt Darmstadt in den Vordergrund. Im Sinne der Netzwerkstadt sollen die Akteure der ve rschiedenen Inte ressengruppen (Politik, Verwaltung, städtische Betriebe, Wirtschaft und Wissenschaft) und die Öffentlichkeit künftig noch besser miteinander vernetzt werden. Die Transparenz über Wasserprojekte eröffnet somit Möglichkeiten für neue Kooperationen und fördert den Wissenstransfer . Smarte Maßnahmen zur Zielerreichung können im Bereich der Projekterfassung z. B. über ein Online- portal oder in der Projektdarstellung auf der Projekt- website 37 und über verschiedene Social-Media-Kanäle kommuniziert werden. Um alle Bürgerinnen, Bürger und Interess engruppen in Darmstadt zu erreichen, sollten digitale Medien aber auch gezielt mit analogen Medien kombiniert werden. Unabhängig von den Kom- munikationswegen ist zwingend auf eine zielgruppen- gerechte Sprache (z. B. leichte Sprache, Fremdspra- chen) zu achten. 71Smart-City-Strategie Ziel 3.3: (Früh-)Warnsysteme (Starkregen, Hitze, Dürre) etablieren und verbreiten Die Auswirkungen vieler Naturkatastrophen (wie Wet- teranomalien, Erdbeben etc.) können in ihrem Scha- densausmaß gemildert werden, wenn die Bevölkerung rechtzeitig über die drohende Gefahr und angemes- sene Schutzmaßnahmen informiert wird. Warnungen über Apps oder SMS können die bewährten Instru- mente des Bevölkerungsschutzes wie den klassischen Sirenenalarm und Warnungen über Fernseh- und Ra- dioprogramme zielführend ergänzen. Nicht nur für den akuten Katastrophenfall bieten di- gitale Warnsysteme einen Mehrwert. Insbesondere das frühe Erkennen potenzieller Risiken z. B. auf Ba- sis eines engmaschigen digitalgestützten Messnetzes (Umweltsensorik) oder geeigneter Modellierungen, wie z. B. des Dürremonitors des UFZ 38, muss voran- getrieben werden. Im Kontext von Schlaues Wasser Darmstadt sind es vor allem die von zu viel oder zu wenig Wasser geprägten Ereignisse, wie Starkregen, Hitze, Dürre, die hier im Fokus stehen und deren Be- wältigung durch smarte Anwendungen erleichtert werden soll. Dafür können einerseits neue digitale lo- kal spezifische Tools entwickelt, andererseits bereits (z. B. von Bund, Land Hessen) entwickelte Tools eta- bliert werden. Ziel 3.4: Wasser erlebbar machen u. a. in den Bereichen Bildung, Kunst, Kultur & Events Darmstadt ist arm an Wasser und eine der wärmsten Städte Hessens. Der Grundwasserspiegel liegt in wei- ten Teilen des Stadtgebiets mehr als 20 m unter der Geländeoberfläche. Von den drei Badeseen der Stadt liegen zwei weit entfernt vom Zentrum. Einen Fluss gibt es nicht im Stadtgebiet. Der Darmbach als kleines und im Sommer trockenfallendes Fließgewässer wird kurz vor der Innenstadt in die Kanalisation geleitet und ist im Stadtbild nicht bemerkbar . Wasser sichtbar und erlebbar zu machen und damit auf die besondere Relevanz dieser Ress ource hin- zuweisen ist daher ein Kernanliegen des Projekts Schlaues Wasser . Um die Sinne und Emotionen der Einwohnerinnen und Einwohner anzusprechen, sind vielfältige Ansätze in den Bereichen Bildung, Kunst, Kultur und Veranstaltungen gefragt. Analoge Maßnahmen der Stadtgestaltung mit Was- ser (z. B. künstliche Wasserläufe und Wasserflächen, Wasserspielplätze, Springbrunnen, Trinkbrunnen, Ne- beldüsen etc.) sollen daher um digitale Tools ergänzt werden: Über entsprechende Infoseiten im Internet, per App oder über dynamische und ggf. interaktive Infoboards im Stadtbild kann die Wissensvermittlung unterstützt werden (vgl. auch Ziele 2.4 und 3.1). Insbe- sondere spielerische Anwendungen wie Touchtables, Virtual Reality und Serious Games können den Men- schen neue Zugänge zum Thema erschließen. Wichtig ist, dass hierbei nicht nur kostenpflichtige Anwendun- gen, sondern bei den analogen wie den digitalen Maß- nahmen erschwingliche und auch kostenfreie Ange- bote zum Thema „Wasser erleben“ entstehen. 72 Anwendungsfelder Ziel 3.5: Gemeinsam Vorzeigestadt werden (Haltung) In Darmstadt zeigt sich über Jahre hinweg ein Wan- del der Beteiligungskultur von der früher einseitig ausgerichteten reinen Information der Bürgerschaft (in Form von Pressemitteilungen und Informations- veranstaltungen) hin zu einer zunehmend gemein- schaftlichen Entwicklung von Lösungen für Stadt- entwicklungsfragen (z. B. in Stadtentwicklungsforen, Zukunftswerkstätten und anderen Formaten). Als eine der ersten Großstädte in Deutschland hat Darmstadt Leitlinien für die Bürgerbeteiligung entwickelt und verabschiedet, die „die Vorbereitung, Umsetzung und Nachbereitung von freiwilliger Bürgerbeteiligung ver- bindlich regeln, damit Bürgerbeteiligung dauerhaft in Darmstadt verankert wird“. 39 Diesem Anspruch folgend adressiert das Ziel „Ge- meinsam Vorzeigestadt werden“ verschiedene Aspek- te. Unter dem Stichwort „gemeinsam“ geht es darum, die zuvor geschilderte Beteiligungskultur zu pflegen und zu leben. Das Stichwort „Vorzeigestadt“ schreibt Darmstadt eine Vorreiterrolle im Hinblick auf urba- ne Digitalisierungsproz esse und das Thema Wasser in der (wasserarmen) Stadt zu. Dafür gilt es, auch im Sinne von Ziel 3.6, künftig die Akteure noch b esser zu vernetzen und ein gemeinsames Verständnis für die Relevanz des Themas Wasser in der Stadtentwick- lung zu etablieren. So soll letztendlich die Haltung zur Ressource Wasser bei allen Akteuren gestärkt wer- den. Wie in anderen Politikbereichen bereits etabliert (bspw. Klimavorbehalt) 40 gibt es in Darmstadt nun ein klares politisches Bekenntnis zum Stellenwert des Themas Wasser in der Stadtentwicklung Darmstadts. Ziel 3.6: Vernetzung und Zusammenarbeit aller relevanten Akteure intensivieren Dieses letzte Ziel soll nicht nur für das Projekt Schlaues Wasser Darmstadt gelten: Eine intensivierte Vernet- zung und Zusammenarbeit aller relevanten Akteure ist in allen Bereichen der Stadtentwicklung erstre- benswert. Mit dem Verständnis als Netzwerkstadt löst sich Darmstadt weiter von früheren Top-down-Ansät- zen der Stadtentwicklung. Dabei kann die Metapher der Netzwerkstadt im Rahmen von Schlaues Wasser breit interpretiert werden und sowohl analoge (z. B. Kanalnetz, Wasserversorgungsnetz) als auch digitale (z. B. Telekommunikation, LoRaWAN) Netzwerke mei- nen. Ebenso wird die Vernetzung von grün-blauer Infrastruktur (vgl. Ziel 1.4) adressiert. Die Digitalisie- rung kann zu diesem Ziel einen weitreichenden Bei- trag leisten. Es geht darum, die relevanten Akteure zu identifizieren, zur Zusammenarbeit zu motivieren und diese zu organisieren (vgl. auch Ziel 3.2). Kriterien zum Erreichen der Ziele in Anwendungsfeld 3 Die Erfolgskriterien im dritten Anwendungsfeld bezie- hen sich vor allem auf die Information und Beteiligung der Öffentlichkeit: • Vorhandensein und Qualität von Veranstaltungen, Kampagnen und Bildungsangeboten sowie ande- ren Werkzeugen zur Öffentlichkeitsinformation und Teilhabe • Vorhandensein und Qualität von smarten Informations- und Beteiligungs-Plattformen • Etablierung und Nutzung von Frühwarnsystemen 73Smart-City-Strategie Über Wasserverbrauch und Einsparpotenzial informieren und für individuelle Schonung des Wassers sensibilisieren Transparenz der Wasserprojekte für Akteure u. Öffentlichkeit gewährleisten (Früh-)Warnsysteme (Stark- regen, Hitze, Dürre) etablieren und verbreiten Wasser erlebbar machen u. a. in den Bereichen Bildung, Kunst, Kultur & Events Gemeinsam Vorzeigestadt werden (Haltung) Vernetzung und Zusammen- arbeit aller relevanten Akteure intensivieren Konzeption und Umsetzung einer Informations- kampagne zum Thema Wassernutzung (Wassermengen, -herkunft, Einsatzzweck, Einsparpotenzial, Substitutionspotenzial …) Einsatz von Smart Meter auch im Wasserbereich Verbreitung von konkreten Verhaltenstipps für wasserbewusstes Handeln Über bestehende (Früh-)Warnsysteme informieren bzw. für diese werben Abfrage von Wasserwissen in der Bevölkerung über regelmäßige Bürgerumfragen Integration von Frühwarnelementen auf Service- seiten/Apps der Stadt(-Wirtschaft) Aufbau einer Informations- und Beteiligungsplatt- form für Wasserprojekte Entwicklung von Bildungsangeboten zum Thema Wasser für unterschiedliche Zielgruppen Einrichtung von Wasserläufen, Wasserflächen, Wasserspielplätzen, Spring- und Trinkbrunnen Konzeption und Umsetzung von Kunst- und Kulturevents mit Bezug zum Thema Wasser Proklamation für wasserbewusstes Handeln durch StaVo Einbezug der Fokusgruppen in der Umsetzungs- phase Sichtbarmachen von Wasserprojekten im digitalen Stadtatlas Abbildung 19: Kriterien zur Zielerreichung in Anwendungsfeld 3 Ziele Kriterien zur Zielerreichung Wasserkommunikation und bewusstes Handeln: Information, Sensibilisierung, Austausch und Erlebnis Anwendungsfeld 3 74 Anwendungsfelder ? Digitale Souveränität und Datensouveränität Prioritär strebt Darmstadt als Smart City eine mög- lichst hohe digitale Souveränität an. Dafür müssen sowohl innerhalb als auch außerhalb der Stadtverwal- tung ausreichend digitale Kompetenzen aufgebaut werden. Auch die Berücksichtigung von Themen wie Cybersicherheit, Open Source und offene Schnittstel- len (s. u.) ist essenziell. Digitale Souveränität ist not- wendig, um mit Kooperationspartnern auf Augenhöhe interagieren zu können. Abhängigkeiten müssen dafür möglichst vermieden werden. Es wird angestrebt, die Datensouveränität bei der Stadt Darmstadt und der Stadtwirtschaft zu verorten. Die Rechte an kommunal erhobenen Daten bleiben somit bei der Stadt und wer- den nicht an externe Dienstleister übertragen. Umgang mit Digitalisierung und Daten Umgang mit Digitalisierung und Daten Für die beschriebenen Anwendungsfelder (1) „Wasserkreisläufe: in Quartier und Stadt“, (2) „Wasserdaten: Grundlagen, Potenziale und Nutzung“ und (3) „Wasserkommunikation und bewusstes Handeln: Information, Sensibilisierung, Austausch und Erlebnis“ wurden bereits die konkreten Zielsetzungen für eine wassersensible Smart City Darmstadt formuliert. Darüber hinaus gilt es aber auch, sich übergreifend auf einen nachhaltigen, souveränen, offenen und gleichzeitig sicheren Umgang mit Digitalisierung und Daten zu verständigen. Die im Folgenden dargestellten Prinzipien sind somit nicht nur für das Projekt Schlaues Wasser Darmstadt relevant, sondern auch darüber hinaus. Cybersicherheit In den letzten Jahren waren Kommunen und städ- tische Betriebe zunehmend insbesondere Ransom- ware-Angriffen ausgesetzt. Diese Bedrohungen werden voraussichtlich immer relevanter und insbe- sondere kritische Infrastrukturen müssen besonders geschützt werden. Um eine umfassende Cybersicher- heit zu gewährleisten, gilt es, aktuelle und zukünftige digitale Vorhaben systematisch unter Berücksichti- gung folgender Fragestellungen aufzusetzen: • Welche Systeme sind mit lediglich einem Authenti- fizierungsmerkmal zugänglich? • Wie viel Schaden könnten Angreifende, die sich Zugang zu einem Netzwerk verschafft haben, maximal dort anrichten? • Auf welche Weise und wie früh können Angreifen- de identifiziert werden? • Wie kann die Ausbreitung eines potenziellen Einbruchs in IT-Systeme präventiv verhindert werden? • Wie kann im Vorhinein eine möglichst schnelle Wiederherstellung der Systeme im Falle eines erfolgreichen Angriffs gewährleistet werden? 75Smart-City-Strategie Die neue Architektur und die zu verfolgenden Maß- nahmen für Cybersicherheit sollten diese Fragen so adressieren, dass kleinteilige Betrachtungen von Sys- temen abgelöst werden. Es geht um die systematische Verfolgung eines Designparadigmas für Cybersicher- heit, wie z. B. (Elemente einer) Zero-Trust-Architektur . Zusätzlich wird empfohlen, Daten dezentral zu orga- nisieren, z. B. über die Bildung von Außenstellen. Um die Angriffsfläche zu verringern, hilft es ebenso, alte Daten („Datenfriedhöfe“) aufzuräumen. Auch (KI-ge- stützte) Detect-and-Response-Software kann bei un- üblichen Aktivitäten im Netzwerk frühzeitig Alarm schlagen. War ein Angriff erfolgreich, könnte ein mobiles Re- aktionsteam schnelle, kompetente Hilfe bieten. Mit dem Amt für IT und Digitalisierung, der Digitalstadt GmbH, dem Fraunhofer SIT, Count+Care und dem Athene Forschungszentrum verfügt Darmstadt über ein breites und tiefgehendes Expertenwissen. Darm- stadt steht bereits im Austausch mit anderen Kom- munen, um Fachwissen zu teilen und sich gemeinsam weiterzuentwickeln. Bei der Ausgestaltung der Smart-City-Maßnahmen im Projekt Schlaues Wasser wird die Bedeutung von Cybersicherheit als Schnittstellenelement besonders bedacht. Open Source Der Einsatz von Open-Source-Software in deutschen Kommunen nimmt zu. Darunter wird Software ver- standen, deren Quelltext öffentlich einsehbar ist. Auch Darmstadt setzt verstärkt auf Open Source. So befindet sich aktuell u. a. eine Open-Data-Plattform auf Basis der Open-Source-Software DKAN in der Um- setzung (zum Thema Open Data siehe S. 98). Im Rahmen des Projekts Schlaues Wasser Darmstadt soll ebenfalls möglichst immer auf Open-Source-Soft- ware zurückgegriffen werden (siehe Anwendungsfeld 2, Ziel 1: „Dateninfrastruktur unter Berücksichtigung der Grundsätze der Smart-City-Charta ausbauen“). Dabei sind gerade im Hinblick auf kritische Infrastruk- turen wie Wasserversorgungssysteme aber auch im- mer Sicherheitsaspekte zu berücksichtigen. Neben dem Einsatz von Open-Source-Software soll in Darmstadt zusätzlich durch die Verwendung offener und standardisierter Schnittstellen die Unabhängig- keit von externen Anbietern gestärkt werden. Die Anwendungs- und Querschnittsfelder zeigen auf, entlang welcher Kernaspekte sich Darmstadt auf dem Weg zur wassersensiblen Smart City entwickeln muss. Die identifizierten Ziele und Kriterien geben Auf- schluss da rüber , welche Schritte und Veränderungen erfolgen sollten. Mit welchen konkreten Maßnahmen die identifizierten Ziele erreicht werden sollen, be- schreibt das nächste Kapitel. STADT MOBIL 2 5 5 5 5 5 SSSSSSSSSSSS M STADT SSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAADDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTT STADT OBIL MMMMMOOOOOBBBBIIIIIIILLLLLLLLL MOBIL 2 2 2 2 Road Map Maßnahmen zur wassersensiblen Smart City 6 78 Road Map Dafür wurde bereits im Laufe der Strategiephase mit der Umsetzung sogenannter Quick-win-Projekte be- gonnen, die erste Mehrwerte für den schlauen Um- gang mit Wasser in Darmstadt bewirken: 41 • Erweiterung der „Darmstadt im Herzen“-App zur Stärkung von gesellschaftlichem Miteinander und Klimaschutz • smarte Bewässerung von Stadtbäumen durch den Einsatz von Feuchtesensoren • Erweiterung und Neustrukturierung des Darm- städter 3-D-Stadtmodells für den Einsatz in den Bereichen Stadt- und Raumplanung, Bürgerbeteili- gung und Klimaschutz • smarter Hochwasserschutz durch netzunabhängi- ge Echtzeitinformationen zu extremen Hochwasser- ereignissen • smarte Schwimmbäder und Badeseen durch Aus- bringung von Sensoren und Bereitstellung der Messwerte über verschiedene Medien und Platt- formen • innerstädtisches „Urban Gardening“ mithilfe intel- ligenter Nutzung von Wasser aus Zisternen • Prüfung der Reaktivierung des HEAG-Tiefbrunnens zur Minimierung des Einsatzes von Trinkwasser für die Bewässerung von Stadtgrün • smartes Kanalnetz durch den Einsatz von Pegel- und Wärmesensoren • Einsatz eines 3-D-Scanners für eine digitale Ver- messung des Kanalnetzes Darüber hinaus wurden deutlich umfangreichere Maßnahmen ausgewählt, die in den kommenden fünf Jahren im Rahmen des Förderprogramms in Darm- stadt umgesetzt werden sollen. Alle Maßnahmen tra- gen explizit dazu bei, dass Darmstadt sich zu einer wassersensiblen Smart City entwickelt, und sind der Vision, den Anwendungsfeldern und den zugehörigen Zielen untergeordnet. Die Auswahl der Maßnahmen fand innerhalb eines um- fangreichen und komplexen Prozesses statt. Zunächst wurden die drei Fokusgruppen dazu aufgerufen, ihre Ideen für das Projekt Schlaues Wasser einzureichen. Die über 70 eingereichten Projektideen wurden an- schließend hinsichtlich zahlreicher Kriterien (u. a. Mehrwerte für die Menschen in Darmstadt, Modell- haftigkeit, Skalierbarkeit, Nachhaltigkeit, Innovati- onspotenzial, Machbarkeit) geprüft und ein Großteil wurde für die Umsetzung als Maßnahme ausgewählt. Anschließend wurden die einzelnen Projektideen zu übergreifenden Maßnahmen zusammengefasst und gemeinsam mit den Ideengebern bzw. -geberinnen und den jeweils zuständigen Ämtern ausgearbeitet. Zuletzt wurden diese Maßnahmen aufgrund des be- grenzten Budgets priorisiert. Das Ergebnis sind die folgenden Maßnahmen • Maßnahme 1: Blaues Band – blau-grüne Infrastruk- tur für multifunktionale Stadträume • Maßnahme 2: Wasser-Stadtlabor • Maßnahme 3: Wassersensible Quartiere und Gebäude • Maßnahme 4: Datenstrategie und -management • Maßnahme 5: Hitzevorsorge durch Wasser • Maßnahme 6: Vivarium als Showroom für grün- blaue Orte • Maßnahme 7: Smarte Bewässerung von Stadtgrün – effiziente und bedarfsgerechte Bewässerung mit unterschiedlichen Wasserressourcen • Maßnahme 8: Blaue Orte – Bausteine einer blauen Infrastruktur in den Stadtteilen Nachdem die strategische Ausrichtung in Form von Vision, Anwendungsfeldern und Zielen festgelegt wurde, geht es nun darum, diese mit Leben zu füllen. WIR SIND AUF DEM WEG Road Map 79Smart-City-Strategie Abbildung 20 stellt die Verknüpfung zwischen Anwendungsfeldern, den zugehörigen Zielen und den ausgewählten Maßnahmen dar. Es wird deutlich, dass im Sinne eines sektorübergreifenden integrierten Projekts jedem Anwendungsfeld und jedem Ziel mehrere Maßnahmen zugeordnet sind. Gleichzeitig trägt jede Maßnahme auch zur Erfüllung mehrerer Ziele bei. Abbildung 20: Verknüpfung von Anwendungsfeldern, Zielen und Maßnahmen Wasserkreisläufe in Quartier und Stadt Wasserdaten: Grundlagen, Potenziale und Nutzung Wasserkommunikation und bewusstes Handeln: Information, Sensibilisierung, Austausch und Erlebnis Ziele und Maßnahmen der Anwendungsfelder Dateninfrastruktur unter Berück- sichtigung der Grundsätze der Smart-City-Charta ausbauen Monitoring und Wasserbilanzen als Grundlage für wassersensible Smart City weiterentwickeln Prognosefähigkeit für den künfti- gen Wasserbedarf und die künftige Wasserverfügbarkeit verbessern Wasserqualität und -quantität, Was- sertemperatur und weitere Para- meter der Darmstädter Gewässer erfassen und für Bürgerinnen und Bürger verfügbar machen Stadtnatur dürre- und klima- resilient machen Blau-grüne Infrastruktur in der Stadt ausbauen Schmutz- und Regenwasser aufbereiten und in Betriebswasser- kreisläufen wiederverwenden Stadtentwicklung und Wasser bei Neubau und in der Bestands- entwicklung eng und smart mit- einander verknüpfen Wasser rückhalten, speichern, versickern oder verdunsten lassen durch Maßnahmen der Stadtent- wicklung und der Wasserbewirt- schaftung Gemeinsam Vorzeigestadt werden (Haltung) Wasser erlebbar machen u. a. in den Bereichen Bildung, Kunst, Kultur & Events (Früh-)Warnsysteme (Starkregen, Hitze, Dürre) etablieren und verbreiten Transparenz der Wasserprojekte für Akteure u. Öffentlichkeit gewährleisten Über Wasserverbrauch und Einspar potenzial informieren und für individuelle Schonung des Wassers sensibilisieren Vernetzung und Zusammen- arbeit aller relevanten Akteure intensivieren Anwendungsfeld 1 Anwendungsfeld 2 Anwendungsfeld 3 87654321 87654321 87654321 87654321 87654321 87654321 87654321 87654321 87654321 87654321 87654321 87654321 87654321 87654321 87654321 80 Road Map Mit Blick auf die zunehmenden Hitze- und Trockenpe- rioden verfolgt diese Maßnahme ein multifunktionales Konzept, das auch für jeden anderen Standort mit ge- ringen Wasservorkommen aufzeigt, wie vorausschau- ende, klimaresiliente Stadtentwicklung funktionieren kann. Die Funktionalität und den Wirkungsbereich des Systems Woog-Darmbach mithilfe digitaler Technolo- gien modellhaft weiter zu v erbessern und unterhalb des Großen Woogs auszubauen, ist zentrales Anliegen dieser Maßnahme. Durch seine Größe und seine Funk- tionen stellt dieses System mit den angebundenen Grünflächen den wichtigsten zusammenhängenden blau-grünen Infrastrukturkomplex im Innenstadtbe- reich von Darmstadt dar . Die Weiter- und Wiederentwicklung des Woog- Darmbach-Systems soll durch die folgenden vier Komponenten erreicht werden: • Innovatives Regenwassermanagement zur Erhö- hung der Wassermenge in Gewässern: Um sowohl die Gewässer als auch das städtische Kanalsystem resilienter gegenüber Wetterextremen zu machen, wird durch ein intelligentes Regenwassermanage- ment die gezielte Abkopplung von Niederschlags- wasserabflüssen, dezentraler Zwischenspeiche- rung und verzögerter Einleitung in die Gewässer erfolgen. Konkret soll dadurch im Maßnahmenge- biet dem zunehmenden Trockenfallen des Darm- bachs und des Großen Woogs in Sommermonaten entgegengewirkt, das Überleben von Flora und Fau- na sichergestellt sowie die Biodiversität verbessert werden. Digitalisierungselemente werden zur intel- ligenten Messung, Steuerung und Visualisierung dieser Transformation eingesetzt. • Intelligente, vernetzte und KI-gestützte Mess- und Steuerungstechnik zur intelligenten Spei- cherbewirtschaftung: Der Woog und seine Zu- und Abflüsse werden mit intelligenter , vernetzter Mess- und Steuerungstechnik zur kontinuierlichen Was- serquantitätsmessung, Wasserqualitätsmessung, Klimabilanzierung sowie KI-gestützten Steuerung der Zu- und Abflüsse ausgestattet. Dadurch können diese Gewässer u. a. als inte grale Klimawandelin- dikatoren zur Früherkennung von Hoch- und Nied- rigwasser oder Blaualgenblüten genutzt werden. Zugleich kann durch Ab flusssteuerung eine multi- funktionale Nutzung des Woogs und der sich an- schließenden Darmbachabschnitte erreicht werden. Blaues Band – blau-grüne Infrastruktur für multifunktionale Stadträume Im Folgenden werden die Maßnahmen dargestellt, die in der Umsetzungsphase bis Mitte 2027 realisiert werden sollen. Maßnahme 1 81Smart-City-Strategie Kosten Personalressourcen • Steuerung und Koordination Regenwasser- management • Betreuung und Weiterentwicklung KI- gestützter Mess- und Steuerungstechnik • Vernetzung und Aufbereitung der gewonne- nen Daten Sachleistungen und Investitionen • Programmierung von Anwendungen und Schnittstellen • Fachliche Unterstützung und Gutachten • Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerinformation • Ingenieurleistungen für Planung und Bau- ausführung • Rechtsberatung • Sensoren, Messtechnik und digitale Schau- tafeln • Technische Anlagen • Baumaßnahmen für Offenlegung Darmbach • Baumaßnahmen zur Schaffung multifunktio- naler blaugrüner Infrastruktur Gesamtkosten 2,9 Mio € • Offenlegung des Darmbachs – blaues Band vom Woog bis zum Herrngarten: Ein neuer und zu- kunftsfähiger Darmbachverlauf wird im nördlichen Bereich der Rudolf-Mueller-Anlage geschaffen und anschließend offengelegt. Mithilfe getrennter Beckenabschnitte mit geringstmöglichem Gefälle wird ein kaskadenförmiger Gewässerverlauf ge- schaffen, d essen einzelne Abschnitte mit steuer- baren Schiebern sowie Sensoren/Messtechnik (Wasserstand, Abflüsse, Wassertemperatur etc.) versehen werden, die smart miteinander kommuni- zieren und den Füllstand der Becken untereinander ausgleichen. • Aktivierung eines zentralen Gewässers zur Wei- terentwicklung multifunktionaler blau-grüner Infrastruktur: Durch die demonstrative, multifunk- tionale Gestaltung des neuen Darmbachverlaufs in einem ausgewählten Abschnitt werden verschie- dene soziale und ökologische Funktionen eines urbanen Fließgewässers erlebbar . Die variierende Gestaltung des Gewässerbetts, Ufergestaltung und Wasserstand werden die klimaregulierende, ökolo- gische, umweltbildende und soziale Naherholungs- funktion eines Gewässers in der Stadt erfahrbar machen. Die Funktionen des Gewässers werden an- hand digitaler Technik quantifiziert und visualisiert. Alle vier Komponenten sind über digitale Kommuni- kations- und Visualisierungsmaßnahmen miteinander verbunden. Dies soll unter anderem über digitale Ta- feln und Augmented Reality vor Ort sowie über die zentrale Datenplattform der Stadt geschehen. Der Naturbadesee Großer Woog in unmittel- barer Nähe zur Darmstädter Innenstadt. Quelle: Digitalstadt Darmstadt GmbH/Knaak STSTSTSTSTSSSTSTSTSTSSSTSTSTSTTTS AAADADDDAAADADDADAADDADADADA TTTTTTTTTTTTTTT STADT SSSSSSSSSSSSSS S TTTTTTTTTTTTTTTTAAAAAA TA TTTAAAAAAAAA TA DDDDDDDDDDDDDD D TTTTTTTTTTTT T MMMMOBOBOBOBBBILILILILILILILIILILILILIILL MOBIL MMMM M OOOO O BBBB B ILIIIIIII IL LLLILLLLLILLLILILLLL IL 82 Road Map (Wasser-)Stadtlabor Mit dem (Wasser-)Stadtlabor wird ein Ort des Dia- logs geschaffen, der dazu dient, gemeinsam mit ver- schiedenen Akteuren aus Bürgerschaft, Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Kultur Wissen zu generieren, Transparenz zu ermöglichen und für stadtentwick- lungspolitische Themen zu sensibilisieren. Zudem steht es als Ideenwerkstatt zur Verfügung. Das Stadtlabor wird ein vielfältiges Programm anbie- ten, das sich aus drei Säulen zusammensetzt: • Aktivitäten im stationären, begehbaren (Wasser-) Stadtlabor • Angeboten in den Darmstädter Stadtteilen („mobiles Stadtlabor“ bereits vorhanden) • Online-Formaten (erste Formate wurden bereits durchgeführt, wie der Hackathon zu Wasser und Umwelt) Das stationäre Stadtlabor soll sich möglichst im Zen- trum Darmstadts befinden und dort als eine Mischung aus Event-, Ausstellungs-, Werkstatt-, Schulungs- und Vortragsort eine möglichst hohe Sichtbarkeit des Projekts Schlaues Wasser Darmstadt erzielen. Die verschiedenen Veranstaltungsformate werden sich z. B. mit Themen rund um den verantwortungsvollen Umgang mit der wertvollen R essource Wasser und den Einsatz zukunftsfähiger , digitaler Technologien befassen. Auch werden 3-D-Stadtplanungstische als Infrastruktur für Bürgerbeteiligung in Stadtplanungs- prozessen angeschafft. Um die Digitalisierung für möglichst viele Darmstäd- terinnen und Darmstädter anschaulich und erlebbar zu machen, wird das stationäre Stadtlabor im Stadt- zentrum durch ein mobiles Stadtlabor ergänzt, das in den verschiedenen Stadtteilen unterwegs ist. Die mobile Einheit trägt Stadtentwicklungsthemen hinaus in die Stadt und verwandelt ausgewählte Orte (wie bspw. Seniorinnen- und Senioren-Einrichtungen, Kin- der- und Jugendhäuser oder öffentliche Plätze) für einen Moment in einen Schauplatz des Stadtlabors, um so auch die Menschen zu erreichen, die selbst nicht mobil oder mit solchen Angeboten schwer er- reichbar sind. Außerdem sollen bestimmte Formate des Stadtlabors online als Videokonferenzen oder vir- tuelle Begegnungsorte angeboten werden, um noch mehr Menschen anzusprechen. Im Kontext des Stadtlabors soll zudem ein Ideen- wettbewerb stattfinden, in dem die Bürgerinnen und Bürger Darmstadts nicht nur eigene Ideen in das Pro- jekt Schlaues Wasser Darmstadt einbringen, sondern entsprechende Maßnahmen auch selbst durchführen können. Dafür wird ein Budget von 100.000 Euro zur Verfügung gestellt, das über die Zuschussrichtlinien der Stadt Darmstadt (analog zum Bürgerhaushalt der Stadt Darmstadt) abgewickelt wird. Die Digitalstadt Darmstadt übernimmt dabei Patenschaften für die je- weiligen Projekte, um die Bürgerinnen und Bürger bei der Umsetzung zu begleiten. Kosten Personalressourcen • Betreuung Stadtlabor und Bürgerberatung • Veranstaltungsmanagement • Konzeption, Organisation und Durchführung Ideenwettbewerb • Abwicklung der Bezuschussung der Projekte • Begleitung bei der Umsetzung der Projekte Sachleistungen und Investitionen • Moderation und Vortragshonorare • Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerbeteiligung • Miete und Nebenkosten • Ausstattung und Technik Stadtlabor Gesamtkosten 0,8 Mio € Maßnahme 2 3 83Smart-City-Strategie Diese Maßnahme soll exemplarische Projekte ent- wickeln und durch beispielhafte Umsetzungen nach- weisen, dass Quartiere bzw. Gebäude (Bestand und Neubau) durch Schaffung lokaler Wasserkreisläufe und gleichzeitige Nutzung von digitalen Werkzeugen zu einer wassersensiblen und nachhaltigen Stadt- entwicklung beitragen können. Dadurch soll auch deutlich werden, welche positiven Auswirkungen grüne Infrastrukturen im Zusammenwirken mit einer Niederschlagswassernutzung entfalten können. Eine Machbarkeitsstudie wird untersuchen, in welchen Anwendungsfällen und wo in Darmstadt eine Brauch- wassernutzung im Bestand und im Neubau realisier- bar ist. Zentraler Leitgedanke der Maßnahme ist die Entwicklung und Anwendung von zukunftsfähigen und übertragbaren Smart-Meter-Technologien, mit denen Nutzerinnen und Nutzer ihre Verbräuche ein- sehen können und für einen bewussten Umgang mit Trinkwasser sensibilisiert werden. Im Wohnungsneubau soll eine umfassende Konzept- entwicklung für eine integrierte digital gemonitorte Grau- und Niederschlagswassernutzung erfolgen. Dabei wird die Wärmerückgewinnung aus Grauwas- ser ebenfalls berücksichtigt. Demgegenüber sind Veränderungen in Bestandsbauten deutlich heraus- fordernder , doch auch hier können digitale Tools eine nachhaltige Niederschlags- und Grauwassernutzung unterstützen. Im öffentlichen Raum ist vor allem eine smart gesteuerte verstärkte Nutzung von Regen- wasser des Straßenraums und von Dachflächen unter Berücksichtigung von Wetter- und Bodenfeuchte- daten geplant. Kosten Personalressourcen • Projektentwicklung und Koordination Sachleistungen und Investitionen • Wissenschaftliche Begleitung und Machbar- keitsstudie • Schnittstellenanbindung • Öffentlichkeitsarbeit • Ingenieurleistungen für Planung und Bau- ausführung • Sensoren, Messtechnik und technische An- lagen • Baumaßnahmen für Regenwassernutzungs- anlagen Gesamtkosten 1,5 Mio € Wassersensible Quartiere und Gebäude Um insbesondere Kinder und Familien als zentrale Ziel- gruppe für einen nachhaltigen Umgang mit Wasser zu sensibilisieren, soll außerdem in einer sozialen Einrich- tung mit Publikumsverkehr auf Quartiersebene eine Regenwassernutzungsanlage implementiert werden. Diese sammelt und speichert Regenwasser und über- führt dieses in eine Kreislaufbewirtschaftung (Toiletten- spülung, Waschmaschinennutzung, Bewässerung). Maßnahme 3 84 Road Map In der Verwaltung der Wissenschaftsstadt Darmstadt liegt eine Vielzahl von Daten unterschiedlicher Art und Qualität vor . Im Zuge der fortschreitenden Digi- talisierung wächst dieser Datenbestand kontinuierlich (auch im Zuge des Projekts Schlaues Wasser Darm- stadt). Das Wissen über den Umgang mit Daten ist in den einzelnen Verwaltungsstellen jedoch sehr unter- schiedlich ausgeprägt. Zudem besteht innerhalb der Stadtverwaltung kein zentraler Überblick über die vorhandenen Datenbestände oder Projekte. Dadurch entsteht ein uneinheitlicher und somit ineffizienter Umgang mit Daten. Gleichzeitig verfügt Darmstadt bereits heute über um- fassende Instrumente zur Datenerzeugung, -bereit- stellung und -nutzung. Dazu gehört insbesondere die städtische Datenplattform, die die Verarbeitung und Visualisierung von Daten ermöglicht. Darüber hinaus arbeitet die Wissenschaftsstadt Darmstadt bereits da- ran, ein Open-Data-Portal (DKAN) zur Verfügung zu stellen, und ist eine der ersten Städte Deutschlands gewesen, die eine Open-Data-Strategie politisch ver- abschiedet haben. Auch die Bereitstellung von offe- nen Geodaten mittels eines Geoportals ist bereits in einem Strategiepapier der Wissenschaftsstadt Darm- stadt festgeschrieben. Um das Zusammenspiel der verschiedenen digita- len Systeme und die zahlreichen datengetriebenen Prozesse zu optimieren, ist eine umfassende Daten- strategie inkl. Umsetzung von technologischen und organisatorischen Maßnahmen eine zentrale Voraus- setzung. Die Datenstrategie für Daten mit Bezug zum Thema Wasser und Klima wird als Blaupause für den Umgang mit Daten innerhalb der Stadtverwaltung entwickelt und besitzt modellhaften Charakter . Durch die thematische Eingrenzung und die schrittweise Operationalisierung und Implementierung können Lerneffekte und Korrekturbedarfe zeitnah identifi- ziert und umgesetzt werden. Kosten Personalressourcen • Projektsteuerung und Koordination • Strategieentwicklung • Entwicklung und Definition von USER-Story zur Weiterentwicklung von Daten im Kontext des Projekts Schlaues Wasser Sachleistungen (Dienstleistungen) • Durchführung von strategiebegleitenden Workshops • Begleitung von „Marketing“-Kampagnen • Begleitung der Strategieentwicklung Gesamtkosten 0,64 Mio € Datenstrategie und -management Die Strategieentwicklung soll in zwei Phasen realisiert werden: 1. Konzeptionsphase (Bestandsaufnahme, Erstellung eines Datenkatalogs, Definition von Standards und Rahmenbedingungen) 2. Implementierungsphase (Optimierung der Daten- flüsse, Bereitstellung offener Daten, Einführung eines verbindlichen Umgangs mit unterschied- lichen Datentypen, Aufbau einer Data Governance) Maßnahme 4 555555555 2 85Smart-City-Strategie Die Wissenschaftsstadt Darmstadt leidet aufgrund ihrer räumlichen Lage im Oberrheingraben vermehrt unter Hitzestress. Daher sollen lokale smarte Kühl- oasen errichtet werden. Zunächst wird dies pilothaft auf dem Ernst-Ludwigs-Platz geschehen. Dafür sind sogenannte erlebbare Sprühnebelanlagen geplant, die begehbar sind und durch das Versprühen kleinster Wassertropfen zur Abkühlung während sommerlicher Hitzephasen genutzt werden können. Gesteuert wer- den sollen die Nebelduschen über eine zentrale Steu- erung sowie über mobile Anwendungen vor Ort (u. a. Apps, wie die „Darmstadt im Herzen“-App). Zusätzlich zu den Sprühnebelanlagen sollen ein smart gesteuer- ter Trinkwasserspender integriert und mobile Nebel- duschen eingesetzt werden. Der Platz wird zudem mit Stadtbäumen begrünt, die ebenfalls Schatten spenden und zur Kühlung beitragen. Die Eindeckung des Plat- zes soll, falls möglich, mit sog. Klimasteinen erfolgen, die Regenwasser zwischenspeichern und verdunsten lassen können. Zudem verfügen die Steine über eine helle Deckschicht und können so einen Großteil der Sonneneinstrahlung reflektieren. Sie wirken so eben- falls hitzeregulierend. Außerdem wird eine digitale Vi- deowall die Passantinnen und Passanten in Echtzeit über die Kühlwirkung informieren. Zur Sicherung der Hygiene und zur Aufbereitung des Stadtwassers sollen smarte Techniken für UV-Desin- fektion, Enthärtung, Chlorzusatz und Entsalzung zur Anwendung kommen. Die Wasserqualität wird konti- nuierlich digital überwacht und gesichert. Die Tempe- raturabfrage des Wassers mittels Anlegefühler sowie eine automatisierte Alarmierung bei Grenzwertüber- schreitungen soll zusätzlich digital integriert werden. Nach erfolgreicher Umsetzung des Pilotprojekts ist die Entstehung weiterer stationärer sowie mobiler Kühloasen im Stadtgebiet geplant. Insgesamt ver- spricht die Maßnahme neben einer Erhöhung der Auf- enthaltsqualität in der Innens tadt eine Verbesserung der lokalen Klima- bzw. Hitzeresilienz und dient durch die integrierten Trinkwasserspender auch der Gesund- heitsvorsorge, insbesondere an heißen Sommertagen. Kosten Personalressourcen • Wartung der Sprühnebelanlage und der Trinkwasserbrunnen (Beprobung, Sicht- prüfung, In- und Außerbetriebnahme) • Projektsteuerung und Koordination • bauliche Maßnahmen • Pflanzarbeiten Sachleistungen und Investitionen • Entwicklung und Programmierung Schnitt- stelle und Steuerungsfunktionalität • Konzeption digitale Videowall • Planungsleistungen • Netzwerktechnik und Displays • technische Anlagen und Material • Nebelduschen • Trinkwasserbrunnen • Klimasteine • mobile Nebelduschen Gesamtkosten 0,25 Mio € Hitzevorsorge durch Wasser Maßnahme 5 VIVARIUM VI VI VA VA RIUM R I IUM UM 6 86 Road Map Gegründet als Schulvivarium im Jahr 1956, bietet der Zoo Vivarium heute viele verschiedene bildungs- politische Inhalte für Jung und Alt an. Die Maßnahme „Vivarium als Showroom für grün-blaue Orte“ soll in Zukunft weitere Bildungsmöglichkeiten erhalten. Eine nachhaltige Wasserwirtschaft des Zoos Viva- rium und deren erlebbare Digitalisierung ist das Hauptziel der Maßnahme „Vivarium als Showroom für grün-blaue Orte“. Durch Maßnahmen wie die Ein- richtung von Retentionsflächen, die Speicherung von Regenwasser in einem Zisternennetzwerk oder die Einrichtung einer kreislauffähigen wasserlosen Toi- lettenanlage wird ein nachhaltiger Umgang mit der Ressource Wasser gewährleistet. Die Erfassung von Wasserdaten und anderen Stoffströmen per Senso- rik ermöglicht ein optimiertes Wassermanagement und ist die Grundlage für weitere Maßnahmen wie die intelligente Steuerung einer Beregnungsanlage. Eine Visualisierung der Daten trägt zu der Vermittlung der Mehrwerte digitaler Lösungen bei. Der Zoo Vivarium wird der Ort für die Erlebbarkeit von Maßnahmen aus dem Förderprogramm Schlaues Wasser Darmstadt, an dem Bürgerinnen und Bürger die verschiedensten Aspekte der Fördermaßnahme erleben Kosten Personalressourcen • Projektsteuerung und Koordination • Personalkosten für Workshops/Führungen Sachleistungen und Investitionen • Entwicklung und Programmierung Schnitt- stellen • Konzeption und Planung Beregnungsanlage • Konzeption und Entwicklung Datenvisuali- sierung • Sensoren und Displays • Anschaffung und Montage Beregnungs- anlage • Kosten für die Planung und Anlage der Zisternen • Kosten für eine temporäre Außenanlage Gesamtkosten 0,75 Mio € Vivarium als Showroom für grün-blaue Orte Sensoren liefern Echtzeit-Daten zu Luft- feuchte und Temperatur in Gehegen, Aquarien und Terrarien – wie hier bei den Riesenschildkröten. Quelle: Zoo Vivarium Darmstadt/Schuebeler und verstehen können. Er wird zu einem „Smart Place“ und verbindet digitale Lösungen mit den Themen Wasser , grün-blaue Infrastruktur und Nachhaltig- keit. Durch die Vorortung an einer zentralen Stelle in Darmstadt bietet der Zoo Vivarium auch interessier- ten Kommunen und Städten die Möglichkeit, sich ge- zielt über die Smart-City-Aktivitäten Darmstadts zu informieren und in den Austausch zu treten. Maßnahme 6 7 87Smart-City-Strategie Effiziente und bedarfsgerechte Bewässerung mit unterschiedlichen Wasserressourcen Die Maßnahme „Smarte Bewässerung von Stadtgrün“ beinhaltet ein Bündel von smarten Lösungsansätzen und Einzelprojekten für die effiziente und vor allem bedarfsoptimierte Bewässerung von Stadtgrün. An- gesichts der Folgen des Klimawandels ist anhaltende Dürre für die Stadtvegetation eine enorme Belastung, die wiederum Folgewirkungen für Hitze, mangelhafte Verdunstungskühlung und damit die menschliche Ge- sundheit hat. Herkömmliche Bewässerung ist oft in- effizient, da zum einen der Aufwand und zum anderen der Wasserverbrauch oftmals hoch und nicht auf den „Mindestbedarf“ ausgerichtet ist. Im Zuge der Maßnahme wird über stadtweit ausge- brachte Sensoren in unterschiedlicher Bodentiefe die Bodenfeuchte gemonitort. Auf Basis dieser Daten ist eine bedarfsgerechte Bewässerung von Stadtbäumen möglich, die durch optimierte Routenplanung und di- gitale Gießtechnik ergänzt wird. Weiterhin unterstüt- zen verschiedene Datenquellen, die mit den Boden- feuchtesensoren verknüpft werden, die Entscheidung zur Bewässerung, z. B. Wetter- und Satellitendaten. Bei der optimierten Routenplanung werden natür- liche Wasserquellen, wie zentrale Rückhaltekörper , eingebunden. Die bereits existierende Datenplattform stellt dabei den zentralen Ort zur Visualisierung der Daten dar , indem sie die verschiedenen Datenquellen zusammenführt. Um kostbares Trinkwasser einzusparen, wird der Trinkwasseranteil bei der Bewässerung durch den Ein- satz von Brunnenwasser , Regenwasser und ggf. Grau- wasser stark reduziert. Mit digitalen Tools werden die Wasserverfügbarkeit und die Wasserqualität aus den verschiedenen Quellen fortwährend überwacht. Als Ergänzung und zum Vergleich der Effektivität von sensorgestützten Messprojekten wird ein KI-basiertes Modell für die nachhaltige Grünbewässerung entwi- ckelt. Die digital optimierte Bewässerung spart nicht nur Wasser und andere Ressourcen, sondern gewährleis- tet eine nachhaltig effiziente und bedarfsgerechte Versorgung des Stadtgrüns. Auf diese Weise werden die blau-grünen Infrastrukturen in Darmstadt im Sin- ne einer klimagerechten und wassersensiblen Stadt- entwicklung resilienter , was einen spürbaren Effekt auf die Aufenthaltsqualität in Darmstadt hat und einen wichtigen Beitrag zur Klimaanpassung leistet. Kosten Personalressourcen • Steuerung und Koordination der smarten Bewässerung • Beratung zur Entwicklung eines Bewässe- rungskonzepts • Betreuung und Weiterentwicklung KI- gestützter Mess- und Steuerungstechnik • Vernetzung und Aufbereitung der gewonne- nen Daten Sachleistungen und Investitionen • Programmierung von Anwendungen und Schnittstellen • fachliche Unterstützung und Gutachten • Entwicklung und Programmierung eines KI-basierten Modells für die nachhaltige Grünbewässerung • Sensoren und Messtechnik • Anlegen/Reaktivierung von stadtweiten Wasserquellen Gesamtkosten 1,25 Mio € Smarte Bewässerung von Stadtgrün Maßnahme 7 INFO IN INF NFO FO 88 Road Map Blaue Orte – Bausteine einer blauen Infrastruktur in den Stadtteilen Mit dieser Maßnahme entwickelt die Wissenschafts- stadt Darmstadt modellhaft die Ansprache sowie Ein- bindung aller Bürgerinnen und Bürger (insbesondere Menschen mit Migrationshintergrund und Familien) weiter . Darmstadts Wasserflächen werden als „Blaue Orte“ für Bewohnerinnen und Bewohner stärker er- lebbar und in ihrer stadtökologischen Wirkung be- greifbar gemacht. Die Maßnahme ist ein innovatives, mehrsprachiges Informations- und Visualisierungs- konzept und bindet verschiedene Bevölkerungs- gruppen aktiv ein. Dabei werden Oberflächengewässer und Wasserspiel- plätze in ihrer Funktion für die Stadtentwicklung und die Stadtnatur mithilfe digitaler Werkzeuge resilienter und zugleich für die (multikulturelle) Bevölkerung als Netz von Wasserorten (Blaue Orte) sichtbar und er- fahrbar . Mit Sensoren erfasste Werte zur Wasserbilanz und Wasserqualität werden ausgewertet und auf eine App sowie mittels QR-Codes auf Infotafeln übertra- gen. Auf diese Weise wird der Zugang zum Thema „Wasser in der Stadt“ den unterschiedlichen Zielgrup- pen bedarfsgerecht ermöglicht. Drei zentrale Orte wurden für diese Maßnahme ausgewählt: 1. der multikulturelle Stadtteil Kranichstein mit seinen landschaftsprägenden Wasserflächen 2. der urban geprägte, stark frequentierte Hauptbahnhof mit Fokus auf nachhaltige Wasserkreisläufe 3. der Wolfskehlsche Garten als skalierbare Blaupause für Wasserspielplätze Durch intelligentes Regenwassermanagement können dort neue Wasserflächen geschaffen werden, so z. B. in Form eines Regenwassersammelteichs aus Dach- flächenwasser vor dem historischen Fürstenbahnhof (Hauptbahnhof). Dieser dient als Wasserspeicher , stärkt aber auch das Stadtklima und die Aufenthalts- qualität. Über QR-Codes können Wasserinformatio- nen über die Blauen Orte standortübergreifend ab- gerufen werden. Der partizipative, spielerische und künstlerische Ansatz, über die Blauen Orte neue „Wasserwege“, „Wasserlehrpfade“, Wasserspeicher oder Wasserspielplätze zu schaffen und über eine Karten-APP mit integrierter Augmented Reality abzu- bilden, stellt die Verbindung zwischen physischer und digitaler Welt her . Kosten Personalressourcen • Projektsteuerung und Koordination • Strategieentwicklung • Konzeption und Durchführung von Bürger- informationsveranstaltungen Sachleistungen und Investitionen • Entwicklung und Programmierung Schnitt- stellen • Entwicklung und Programmierung App • Konzeption und Anschaffung Infotafeln • Moderation • Hardware und technische Anlagen • Planungs- und Bauleistungen Gesamtkosten 0,95 Mio € Maßnahme 8 89Smart-City-Strategie Die Kosten für die Maßnahmen in der Umsetzungsphase stellen sich wie folgt dar: Investitionen und Maßnahmen (Umsetzungsphase) 773.970 € 2.055.000 € 2.355.000 € 2.355.000 € 1.505.000 € 9.043.970 € Hitzevorsorge durch Wasser 30.000 € 60.000 € 60.000 € 60.000 € 40.000 € 250.000 € Vivarium als Showroom 50.000 € 200.000 € 200.000 € 200.000 € 100.000 € 750.000 € Smarte Bewässerung von Stadtgrün 50.000 € 340.000 € 340.000 € 340.000 € 180.000 € 1.250.000 € OW 1 (Oberflächenwasser 1) „Blaues Band“ 300.000 € 700.000 € 700.000 € 700.000 € 500.000 € 2.900.000 € OW 2 (Oberflächenwasser 2) „Blaue Orte“ 50.000 € 250.000 € 250.000 € 250.000 € 150.000 € 950.000 € (Wasser-)Stadtlabor 100.000 € 195.000 € 195.000 € 195.000 € 115.000 € 800.000 € Wassersensible Quartiere und Gebäude 150.000 € 150.000 € 450.000 € 450.000 € 300.000 € 1.500.000 € Datenstrategie 43.970 € 160.000 € 160.000 € 160.000 € 120.000 € 643.970 € 2024 2025 2026 2027 Summe 2023 INFO IN INF NFO FO 90 Road Map Räumliche Verortung der Maßnahmen in Darmstadt Blaue Orte – Bausteine einer blauen Infrastruktur in den Stadtteilen Smarte Bewässerung von Stadtgrün Vivarium als Showroom für grün-blaue Orte Hitzevorsorge durch Wasser Datenstrategie und -management Wassersensible Quartiere und Gebäude (Wasser-)Stadtlabor Blaues Band – blau-grüne Infrastruktur für multifunktionale Stadträume 8 7 6 5 4 3 2 1 3 7 8 NS W O S W O VIVARIUM VI VI VA VA RI RI IUM UM STADT S TA TA D T MOBIL M O B IL IL STADT S TA TA D T MOBIL M O B IL IL NNNN N N SSS S S WWWWWWWW W W O O 91Smart-City-Strategie 1 5 6 7 2 4 92 Road Map Smart-Water- Toolkit Als Ergebnis des Projekts Schlaues Wasser Darmstadt wird das Smart-Water-Toolkit entwickelt. Es stellt die Vernetzung der Prozesse, Projekte, Outputs und Outcomes aller Maßnahmen dar und organisiert das interne und externe Wissensmanagement und Moni- toring sowie die Fortschreibung der innovativen und übertragbaren Outputs. Das Toolkit dient somit der Dokumentation und lang- fristigen Nutzbarmachung der Erkenntnisse und Umsetzungsmodule für eine smarte wassersensible Stadtentwicklung. Abbildung 21 stellt di eses Toolkit schematisch dar . Auf der Basis des (Wasser-)Stadtla- bors und unter dem „Dach“ der zu entwickelnden Da- tenstrategie werden die in den anderen Maßnahmen entstehenden Smart-City-Anwendungen (Outputs) zu- sammengefasst. Durch das Monitoring-Konzept wer- den die Outcomes der Maßnahmen messbar gemacht. Dies trägt dazu bei, die Zielerreichung nachzuvollzie- hen und der Vision für das Projekt Schlaues Wasser Darmstadt schrittweise nahe zu kommen. Ergänzend zu diesem digitalen Instrumentenkoffer werden die Pr ozesse und Gremien, die den Darm- städter Weg im Projekt Schlaues Wasser ausmachen, auch als Teil des Toolkits dargestellt. Die Auswahl der zu beteiligenden Akteurinnen und Akteure aus unter- schiedlichen Zielgruppen, die Organisation des Be- teiligungsprozesses, die Abstimmungsroutinen in der Projektsteuerung etc. sind ebenso wie die konkreten entwickelten und erprobten digitalen Anwendungen interessant für andere (MPSC-)Kommunen, die vom Darmstädter Prozess und den Ergebnissen lernen wollen. Verfügbar gemacht wird das Toolkit perspektivisch über die Webseite Schlaues Wasser Darmstadt: smartwater .darmstadt.de 93Smart-City-Strategie An der Schnittstelle zwischen den Prozessen und den konkreten Outputs erhält das Toolkit daher auch eine Sammlung an Good-Practice-Beispielen. Darin wird an Fallbeispielen ausführlicher dargestellt, mit welchen Tools welche Probleme gelöst werden und welcher Nutzen für die Bürgerinnen und Bürger dadurch ent- steht. Weiterführende Informationen, Erfahrungsbe- richte und die Nennung von Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern für eventuelle Rückfragen komplettieren das Angebot für den Transfer . Dach Datenstrategie Schlaues Wasser Darmstadt Monitoring-Konzept für Controlling der Zielerreichung (Outcome) Konkrete Outputs aus den Maßnahmen in der Umsetzungsphase Maßnahmen Good-Practice-Beispiele aus Darmstadt (Fallbeispiele) in unterschiedlichen Themen- feldern und Maßstäben (mit Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern) Basis (Wasser-)Stadtlabor Darmstadt Prozesse/Gremien • Akteursmapping • Fokusgruppen • Partizipation • Gremien der Beratung und Entscheidung im Projekt • Interne Verwaltungs- prozesse • Umsetzungsplan • Rollout von Maßnahmen • Öffentlichkeitsarbeit N W O W VIVARIUM VI VI VA VA R I IUM UM INFO IN INF NFO FO STADT S TA TA D T MOBIL M O B IL IL STADT S TA TA D T MOBIL M O B IL IL N N W W W O O Abbildung 21: Schematische Darstellung des Smart-Water-Toolkits 1 3 5 6 7 8 4 2 7 Verankerung in Stadt und Verwaltung 96 Verankerung in Stadt und Verwaltung Governance in der Smart City Darmstadt Damit unsere Strategie echte Wirkung entfalten kann, wird sie im Gefüge der Stadt verankert und politisch beschlossen. Dafür braucht es den Austausch mit der Bürgerschaft und die Einbeziehung von Akteuren aus Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und zivilen Interessenvertretungen. Aufs eiten der städtischen Verwaltung und Stadtwirtschaft bedarf es klarer Zu- ständigkeiten, Rollen, Organisation und Verantwort- lichkeiten. Um die Smart-City-Themen im Rahmen von Schlaues Wasser Darmstadt bestmöglich mit den gesamtstäd- tischen Zielsetzungen in Einklang zu bringen und die Kollaboration zwischen den verschiedenen Akteuren der Stadt zu stärken, gibt es das Smart-City-Projekt- team (SCP). Das SCP ist ein beratendes Gremium mit Vertreterinnen und Vertretern der städtischen Ver- waltung – des Amts für Stadtentwicklung und Wirt- schaft, des Amts für Klimaschutz und Klimaanpassung, der IT – sowie der Stadtwirtschaftsbetriebe, vertreten durch die HEAG und die Digitalstadt GmbH, als bera- tender Mitglieder . Einige Mitglieder des SCP agieren ebenso als Leitungen der Fokusgruppen, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern von Wissenschaft, Wirtschaft und zivilen Interessenvertretungen. Zu den Aufgaben des SCP gehören: • Abstimmung fachlicher Zusammenhänge mit querschnittsorientierter Wirkung zwischen Fach- abteilungen und Stadtwirtschaft mit Blick auf Synergien • Beratung zur Überwachung des Erreichungsgrads der strategischen Ziele • Beratung von Entscheidungsträgerinnen und -trägern und Unterstützung bei der Entscheidungs- findung • Stakeholder-Management und insbesondere In- volvierung der Fokusgruppenmitglieder • Kommunikation nach innen und außen und Ein- bindung der Bürgerinnen und Bürger Das Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung leitet das Projekt Schlaues Wasser Darmstadt und kann auf bestehende Strukturen der Stadt aufbauen: Smart Citys stehen im Zeichen der Vernetzung von Akteu- ren, Informationen/Daten und Handlungsfeldern. In diesem Kontext kann Darmstadt sein volles Poten- zial als Netzwerkstadt nutzen. Für die Stärkung und Steuerung von Smart-City-Themen und gesamtstäd- tischen Digitalisierungsvorhaben wurde nach dem Gewinn des Bitkom-Wettbewerbs 2017 bereits die Digitalstadt Darmstadt GmbH gegründet. Als 100-pro- zentige Tochtergesellschaft der Wissenschaftsstadt Darmstadt bündelt die Digitalstadt Darmstadt GmbH fachliche Expertise, vernetzt Akteure innerhalb und außerhalb der Verwaltung und treibt Digitalisierungs- projekte voran. Die fachliche Expertise der Digitalstadt Darmstadt GmbH zu Themen wie Cybersicherheit, Da- tenplattform, Kommunikation oder Bürgerbeteiligung hilft beim Wissenstransfer in das Projek tteam und in die entsprechenden Maßnahmenbausteine. Für die anstehende Umsetzungs- phase werden je geplanter Maß- nahme eigene Projektstrukturen und Verantwortlichkeiten für eine erfolgreiche Realisierung aufgebaut, die von der Projektleitung sowie dem SCP betreut werden. Die Aktivitäten des Smart-City-Projektteams werden vom Lenkungskreis beaufsichtigt und die Leitung des Gremiums obliegt dem Oberbürgermeister oder der Oberbürgermeisterin. Der Lenkungskreis ist mit dem Planungsdezernenten und dem Digitalisierungsdezer- nenten, dem Amt für Wirtschaft und Stadtentwick- lung, der Digitalstadt GmbH und der HEAG AG besetzt. Der Lenkungskreis dient der kritischen und strategi- schen Betrachtung der Vorgehensweise sowie dem Erfahrungs- und Wissensaustausch. Zudem ermög- licht er ein koordiniertes, transparentes Vorgehen und eine querschnittsorientierte Arbeitsweise. Er stellt die höchste Instanz für Entscheidungen innerhalb des Projekts Schlaues Wasser dar . WIR SETZEN DEN ANKER 97Smart-City-Strategie Organisation digitaler Vorhaben in Darmstadt Eine Smart City braucht eine smarte Verwaltung. Um die wachsenden Anforderungen der wassersensiblen Smart City zu erfüllen, bedarf es einer modernen und digitalen Verwaltung. Dafür werden in Darmstadt vier Entwicklungen vorangebracht: 1. Klärung von Zuständigkeiten und Verantwort- lichkeiten. Die Fachämter setzen die modellhaften Maßnahmen gemeinsam mit weiteren Akteuren aus dem Darmstädter Ökosystem um. Die Fachämter werden jeweils unterstützt durch die Expertise des SCP, insbesondere der Digitalstadt, der Stadtwirt- schaft und – je nach Möglichkeit – weiterer stadt- gesellschaftlicher Akteure (siehe Kapitel „Wissens- transfer und Austausch“, S. 99 ff.). Das Netzwerk wird weiter ausgebaut. 2. Auf- und Ausbau der verwaltungsinternen Infra- strukturen und Leitlinien. Die (Netz-)Infrastruktu- ren und die IT-Ausstattung werden den wachsenden Anforderungen eines datenintensiveren Arbeitens (bspw. durch virtuelle Kommunikation und ver- mehrte Datenverarbeitung) angepasst. Die Voraus- setzungen für modernes, zukunftsfähiges Arbeiten werden sukzessive geschaffen. Dabei werden auch Möglichkeiten des Einsatzes von KI und des ma- schinellen Lernens betrachtet. Schnittstellen für die Zusammenarbeit mit anderen Fachämtern und externen Akteuren werden geprüft und geschaffen. Informationssicherheit und Datenschutz werden weiterhin großgeschrieben. Die bestehende IT-Si- cherheits- und Datenschutzrichtlinie wird fort- schreitend durch weitere Maßnahmen ergänzt und aktualisiert. Die Sensibilisierung der Mitarbeiten- den für IT-Sicherheit und den Umgang mit Daten soll stets auf dem aktuellen Stand sein, was durch spezifische Schulungen gewährleistet wird. 3. Stärkung der Digitalisierung der Verwaltung, der Rollen und Digitalkompetenzen der Mit- arbeitenden. Für die Verwaltung ergeben sich in einer Smart City Anforderungen aus der Bürger- schaft an moderne, medienbruchfreie Service- und Kommunikationsangebote. Zusätzliche Anforde- rungen entstehen durch das wachsende Volumen erhobener Daten einer vernetzten Stadt (bspw. von Umweltsensoren). Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, bedarf es neben IKT-Infrastruk- turen standardisierter , IT -unterstützter Proz esse sowie ausreichender Digitalkompetenzen aufseiten der Mitarbeitenden. Die IT nimmt hier eine zentrale Position ein: Zum einen stellt sie die Basis-Infra- strukturen bereit, zum anderen unterstützt sie mit ihrer fachlichen Expertise als „interner Berater“ die Gest altung von (digitalen ) Arbeitspr ozessen und Workflows. Eine ebenso wichtige Rolle nimmt die Qualifizierung der Mitarbeitenden ein. Ziel ist es, ein grundlegendes Verständnis für den Umgang mit Daten (Data Literacy), neuen Anwendungen und digitalen Prozessen herzustellen. Um das Digi- talisierungs-Know-how in die Fachbereiche zu tra- gen, wird das Konzept der Digitalen Lotsen eruiert. Zusätzlich könnten ausgewählte Mitarbeitende als Smart-City-Managerinnen und -Manager ausgebil- det werden und das Smart-City-Projektteam auf Ebene der Fachämter weiter unterstützen. Zusätz- liche (Open-)Data-Koordinatorinnen und -Koordi- natoren können auf Fachebene dafür Sorge tragen, dass die Daten der Stadt aktuell, integer und für alle Mitarbeitenden (unter Beachtung von Daten- schutz und Sicherheitsaspekten 42) zugänglich sind. 4. Ausbau der Kollaboration. Die Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltung wie auch mit externen Akteuren wird unterstützt und vereinfacht, z. B. durch den einheitlichen Einsatz digitaler Kollabo- rationstools und die Schaffung von Schnittstel- len. Die Kompetenzen verschiedener Abteilungen können so gebündelt werden, um den komplexen Herausforderungen im Smart-City-Kontext zu be- gegnen. Der Querschnittscharakter der Smart-City- Maßnahmen erfordert ebenso die Einbindung der städtischen Unternehmen und Akteure außerhalb des Stadtkonzerns. Das Smart-City-Projektteam unterstützt die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure und wirkt einem Steuerungsdefizit ent- gegen. Eine neue Art der Zusammenarbeit löst das Silo- denken ab. Daten und Informationen werden innerhalb der Verwaltung geteilt und querschnittsorientiert ge- nutzt. Transparenz vorhandener Daten, eine zentrale Dateninfrastruktur , Datenstandards und Schnittstel- len ermöglichen es, Synergien zu schaffen und die ab- teilungsübergreifende Zusammenarbeit auszubauen. Datenschutz und Sicherheitsaspekte werden dabei beachtet. Um die Datenhoheit in kollaborativen, querschnittsorien- tierten Smart-City-Projekten zu behalten, regeln klare Leitlinien und rechtliche Vorgaben die Be- reitstellung von Daten durch Dritte bzw. den Datenaustausch zwischen Verwaltung, kommunalen Unter- nehmen und Privatwirtschaft. 98 Verankerung in Stadt und Verwaltung Vernetzte Daten in Darmstadt In Darmstadt als Smart-City-Modellkommune wurden bereits in der Vergangenheit und werden im Verlauf der Umsetzungsphase viele digitale Projekte umge- setzt. Im Rahmen dieser Maßnahmen fallen unter- schiedlichste Daten bei verschiedenen Akteuren an. Darmstadt versteht sich als Netzwerkstadt. Die Ver- waltung ist ein Teil davon, doch gerade wenn es um den Austausch von Daten geht, sind die Kanäle zu externen Akteuren wie Dienstleistern oder Wissen- schaft ebenso wichtig. Die Digitalstrategie 43 und die Open-Data-Strategie44 Darmstadts setzen für einen effizienten und klar geregelten Datenaustausch be- reits den strategischen Rahmen (siehe auch Kapitel „Vorhandene Ressourcen“, S. 20 ff.). Ein wichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang ist Open Data. Dass die bereits vorhandenen Ansätze weiter ausgebaut werden sollen, wurde bereits im Ka- pitel „Wasserdaten“ ausgeführt (insbesondere Ziele 1 und 4, S. 64 ff.). Mit Fragestellungen zu Open Data beschäftigt sich innerhalb der Verwaltung in Darm- stadt an erster Stelle die AG Open Data. Diese wird geleitet von dem oder der Open-Data-Beauftragten aus der Abteilung Statistik und Stadtforschung im Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung. Außerdem beteiligt sind das Amt für Digitalisierung und IT, die Organisationsabteilung des Amts für Interne Dienste sowie die bzw. der Datenschutzbeauftragte der Wis- senschaftsstadt. Darüber hinaus sind die Fachämter in Darmstadt dazu aufgerufen, (Open-)Data-Koordi- natorinnen und -Koordinatoren zu benennen, die als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für das Thema innerhalb ihres Amts zur Verfügung stehen. Den Kern der infrastrukturellen Ebene bilden in Darmstadt die bereits vorhandene Datenplattform 45 und das Geo-Informationssystem sowie das geplan- te Open-Data-Portal (siehe auch Kap. „Konzepte aus dem Bereich Digitalisierung“ (S. 22). Während die Da- tenplattform aktuell insbesondere visualisierte Daten in Form von Dashboards bereitstellt, sollen über das Open-Data-Portal zukünftig auch sehr viel umfangrei- chere Datensätze aus verschiedensten Anwendungs- bereichen für den Export bereitgestellt werden. Ein Beispiel für umfangreiche offene Daten, die in Darm- stadt bereits seit mehreren Jahren in Echtzeit digital über eine eigene Webseite verfügbar sind, sind die Verkehrszähldaten, die über zahlreiche Sensoren und Kamerasysteme an den Darmstädter Kreuzungen er- hoben werden. 46 Je mehr Daten in Darmstadt miteinander vernetzt werden, desto wichtiger ist dabei die Standardisie- rung. Dies betrifft zum einen Softwarearchitekturen, z. B. für die Datenplattform. Diese wurde anhand der DIN SPEC 91357 „Referenzarchitekturmodell Offene Urbane Plattform“ konzipiert, die offene städtische Datenplattformen als eine auf lokale Gegebenheiten angepasste Implementierung einer Architektur zur Integration bestehender städtischer Infrastrukturen, Datenspeicher und Services aus dem öffentlichen und privaten Bereich definiert. Zum anderen muss auch die Datenhaltung etwa in Form von standardisierten Metadaten vereinheitlicht werden. In Darmstadt werden unterschiedliche Daten erhoben und auf einer allgemein zugänglichen Datenplattform transparent zur Verfügung gestellt. Quelle: Digitalstadt Darmstadt GmbH 99Smart-City-Strategie Gute Kommunikation ist die Grundlage für den Erfolg eines jeden Netzwerks Wissenstransfer und Austausch Eine zentrale Rolle bei der Verankerung der Strategie Schlaues Wasser spielt der Wissenstransfer und der Austausch mit anderen Akteuren. Einerseits soll ein Austausch mit Expertinnen bzw. Experten und der Bürgerschaft institutionalisiert werden, um vonein- ander zu lernen, Akzeptanz zu schaffen, gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln und ein transparentes, bürgerschaftsorientiertes Vorgehen zu ermöglichen. Andererseits soll das gewonnene Wissen auch ande- ren Kommunen und interessierten Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung gestellt werden. Verstetigung der Fokusgruppen Wie bereits in Kapitel „Partizipative Strategie- erstellung“ (S. 40 ff.) beschrieben, wurden im Rah- men des Projekts Schlaues Wasser Fokusgruppen mit Vertreterinnen und Vertretern der Darmstädter Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft und zivilen Interessenvertretungen gegründet. Diese haben be- reits im Laufe der Strategiephase sehr umfangreichen Input geliefert und ihre eigenen Projektideen für die Umsetzungsphase im Rahmen des Ideenaufrufs ein- gebracht (siehe Kapitel „Road Map“ (S. 77 ff.)). Das Mitwirken der Fokusgruppen während der Strategiephase hat sich als sehr wertvoll erwiesen. Das Projekt Schlaues Wasser profitiert enorm von dem großen Wissensschatz und den unterschied- lichen Perspektiven der Akteurinnen und Akteure sowie von der Vernetzung, die durch das Format der Fokusgruppen ermöglicht wird. Daher sollen die Fo- kusgruppen auch in der Umsetzungsphase eine wich- tige Rolle spielen. Um eine noch einfachere Vernetzung zwischen den Fokusgruppenmitgliedern zu ermöglichen, soll in der Umsetzungsphase die Trennung der Fokusgruppen (ehemals [1] Verwaltung und städtische Betriebe, [2] Wirtschaft und Wissenschaft und [3] zivile Interessen- vertretungen) aufgehoben we rden. Stattdessen wird eine Zusammenführung dieser drei Fokusgruppen angestrebt. Aus dieser Gesamtgruppe können dann jeweils für konkrete Themen kleinere Untergruppen besetzt werden, die z. B. in die Umsetzung bestimmter Maßnahmen einbezogen werden. Darüber hinaus soll die zusammengeführte Fokus- gruppe in regelmäßigen Abständen auch während der Umsetzungsphase zusammenkommen, um Einblicke in den Fortschritt des Gesamtprojekts zu erhalten und sich in diesen auch proaktiv einbringen zu können. Diese Treffen sollen durch das Smart-City-Projekt- team koordiniert werden. Das langfristige Ziel besteht in einem Fortbestand der Fokusgruppe auch über die Umsetzungsphase des Schlaues-Wasser-Projekts hinaus, sodass die geschaffenen Strukturen und Ko- operationsprojekte nachhaltig in Darmstadt wirken können. So können die Themen des Projekts Schlaues Wasser in die Darmstädter Stadtgesellschaft getragen und die Verankerung im Lokalen wirkungsvoll unter- stützt werden. Gleichzeitig findet über die Fokusgrup- pe ein Erfahrungs- und Wissensaustausch statt. Interkommunaler Austausch Neben der Einbindung lokaler Expertise soll auch ein Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch auf regionaler und nationaler Ebene ermöglicht werden. Dafür wurden während der Strategiephase Kontakte geknüpft und Netzwerke aufgebaut. Insbesondere die Vernetzung mit anderen Kommunen des Förderwett- bewerbs Modellprojekte Smart Citys wurde genutzt, um sich fachlich auszutauschen; beispielhaft soll hier der Austausch mit Berlin, Konstanz und Mannheim ge- nannt werden. Die Arbeitsgemeinschaften der Koor- dinierungs- und Transferstelle helfen zudem, sich zu spezifischen Themen auszutauschen und Erfahrun- gen zu teilen. Auch auf der Smart Country Convention in Berlin 2022 und dem Smart City Expo World Con- gress in Barcelona war das Projekt Schlaues Wasser Darmstadt vertreten. Zusätzlich wurden fachliche Netzwerke und Veran- staltungen auf nationaler Ebene für einen weiteren Austausch genutzt, darunter das Kompetenzzentrum Wasser (u. a. in Form eines Vortrags und einer Diskus- sionsrunde mit Dr . Andreas Matzinger während eines Fokusgruppen-Workshops), das Netzwerk Digitale Da- seinsvorsorge, die Ausschüsse und Fachgruppen des Deutschen Städtetags, der Digitalgipfel der Bundes- regierung oder der Austausch mit dem KI Zentrum Kaiserslautern. Zusätzlich findet ohnehin ein stetiger Austausch mit dem hessian.AI statt. Speziell über die Themen Schwammstadt und Klimabeobachtung wur- de überdies insbesondere mit den Städten Bad Belzig, Mönchengladbach, Regensburg und Dresden diskutiert. Auf regionaler Ebene fanden Vernetzungs- und Kol- 100 Verankerung in Stadt und Verwaltung laborationstreffen über den Verbund kommunaler Unternehmen sowie den hessischen Städtetag statt. Auch auf lokaler Ebene wurden Erfahrungen ausge- tauscht, etwa im Rahmen eines Runden Tischs der Wissenschaft oder in öffentlichen Netzwerkveranstal- tungen zur Vorstellung gemeinsamer Projekte von Unternehmen der Stadtwirtschaft und wissenschaft- lichen Organisationen. Darüber hinaus nimmt die Wissenschaftsstadt Darm- stadt seit Jahren an den vom Hessischen Wirtschafts- ministerium angebotenen Treffen des Interkommu- nalen Arbeitskreises teil, bei denen die jeweiligen Kommunen mit einem bestimmten Thema als Gastge- ber die anderen Kommunen einladen. Diesen Rahmen kann die Wissenschaftsstadt Darmstadt im Rahmen des Projekts Schlaues Wasser Darmstadt nutzen und das Projekt den in diesem Netzwerk vertretenen Kom- munen vorstellen. In der Umsetzungsphase ist vorge- sehen, diese Kontakte strategisch auszubauen und in das institutionalisierte Format eines „Smart-Water- Clusters“ zu überführen (siehe folgenden Abschnitt). Der interkommunale Austausch soll als Grundlage da- für dienen, vorhandene Lösungsansätze für die Bür- gerschaft kontinuierlich zu verbessern und neue Lö- sungsansätze zu finden, die von anderen Kommunen übernommen werden können. Nach Fertigstellung der Strategie ist geplant, im Rahmen der Modellprojekte Smart Citys eine Regionalkonferenz in Darmstadt zu organisieren. Die Zusammenfassung der Ergebnisse und Erkenntnisse aus dem Projekt Schlaues Wasser Darmstadt wird darüber hinaus im Rahmen des er- wähnten Smart-Water-Toolkits für den Transfer auf andere Kommunen bereitgestellt (siehe auch Kapitel „Smart-Water-Toolkit“, S. 92 f.). Smart-Water-Cluster Eine der Anforderungen an die im Rahmen des Mo- dellprojekts Smart-City-Strategien entwickelten Maß- nahmen und Lösungsansätze ist die Gewährleistung des Fortbestands der innerhalb der Förderphase an- gestoßenen Projekte auch nach Auslauf der Förderpe- riode. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt hat sich mit der Findung eines solchen Ansatzes intensiv beschäf- tigt und das folgende Konzept entwickelt, um dieser Anforderung nachhaltig und langfristig nachzukom- men. Schon heute, zum Ende der Strategiephase, wur- den viele neue Kontakte, Einrichtungen und wichtige, längst im Markt erfolgreich etablierte Akteure iden- tifiziert, kontaktiert und zum Teil im Projekt bereits als Partner eingebunden. Die Anzahl dieser Kontakte steigt im Verlauf der Projektlaufzeit. Fast wöchentlich kommen neue hinzu. Diesen wertvollen Fundus an auf Wasser spezialisierten Netzwerken wird die Wis- senschaftsstadt Darmstadt als weiteres zertifiziertes Cluster über das „go-cluster“-Programm des Bundes- ministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz anmelden. Schon heute erfüllt die Wissenschaftsstadt Darmstadt mit ihrer Vielzahl an Wasserexpertinnen und -exper- ten und KMU die Voraussetzungen für einen Antrag. Auf diese Weise wird nicht nur ein zentraler Ort der Begegnung zum Thema Wasser geschaffen, sondern eine Vernetzungsplattform ins Leben gerufen, auf der alle am Cluster Interessierten Kooperationen ein- gehen und Aktivitäten sowie Services in Anspruch nehmen können. Das Smart-Water-Cluster Darmstadt wird – ähnlich wie bei der „Houses of“-Strategie des Landes Hessen – in Form eines Private-Public-Partner- ship-Konstrukts zum Austausch, Vernetzen, Weiterbil- den und Bilden von neuen Konsortien zur Verfügung stehen. Gemeinsam mit den Hochschulen, Wasserex- pertinnen und -experten und den Unternehmen wird so eine Schnittstelle für das Element Wasser zwischen der Kommune, der Wirtschaft und der Wissenschaft geschaffen. Jährlich stattfindende K ongresse, Events, Vorträge sowie Vorlesungen werden die vielen, bisher in einem losen Austausch stehenden Akteure miteinander ver- binden und Deutschland mit einem professionellen und gezielten Matchmaking auf internationaler Ebene neu und stark positionieren. Das Smart-Water-Cluster Darmstadt ermöglicht so nicht nur den Zugang zu und die Kenntnis von Innovationen, sondern fördert auf diese Weise zugleich das Unternehmertum und steigert die Attraktivität und globale Sichtbarkeit Deutschlands für Investoren. Aber nicht nur die Wett- bewerbsfähigkeit wird durch die Existenz von Cluster- strukturen gestärkt, sondern auch die Möglichkeit, dem so wichtigen Thema des sensiblen Umgangs mit dem Element Wasser eine weitaus größere Sichtbar- keit zu verschaffen. Projekte oder Branchen erhalten in Form eines organisierten Clusters die Fähigkeit, unabhängig und eigenständig zu agieren. Mithilfe der Clusterorganisation Smart Water Darmstadt wird die notwendige Infrastruktur geschaffen, um der An- forderung an eine nachhaltige Existenz und Lebens- dauer der Projekte nach der Projektlaufzeit gerecht zu werden. Darüber hinaus wurde bereits von Fokusgruppenteil- nehmerinnen und -teilnehmern und vielen anderen Beteiligten der Wunsch geäußert, weiterhin Teil die- ses Netzwerks zu sein. Es wurde nach Möglichkeiten gefragt, wie eine solche Verstetigung eines regelmä- ßigen Austauschs und ein gemeinsamer Ort der Be- gegnung in diesem Kontext aussehen könnten. Die Entwicklung des Smart-Water-Clusters ist daher der richtige nächste Schritt im Anschluss an das Schlaues- Wasser-Projekt. 101Smart-City-Strategie Partizipationsformate in der Umsetzungsphase Die Bürgerinnen und Bürger sind das lebendige Herz Darmstadts. Sie stehen im Fokus dieser Strategie. Um die Kernideen der Strategie in die Stadt einzupflanzen, braucht es die aktive Unterstützung der Bürgerschaft. Die Beteiligung der Bürgerschaft wurde während der Strategiephase begonnen (siehe Kap. „Partizipative Strategieerstellung“, S. 40 ff.) und wird in der Umset- zungsphase weitergeführt. Denn wie die Vision zeigt, wird in Darmstadt gemeinsam geschaffen. Gemein- sam werden co-kreativ Lösungen entwickelt, gemein- sam begibt man sich auf die Reise, Darmstadt zur wassersensiblen Smart City werden zu lassen. Dafür ist vorgesehen: • Bürgerprojekte zu ermöglichen, die durch Patenschaften be- gleitet werden, um das Wasserthema stärker ins Bewusstsein zu rücken • zur Aktivierung und Sensibilisierung der Bürgerschaft Mitmach- projekte für unterschiedliche Zielgruppen durchzuführen, z. B. interaktive wasserbezogene Stadtführungen und Schulprojekte zum Urban Gardening • Wettbewerbe wie Hackathons auszurufen • mit Bürgerinnen und Bürgern Pilotprojekte und Prototypen zu testen, z. B. wasserspezifische Urban-Gardening-Modelle mit re- silienten Pflanzen • Citizen-Science-Projekte zu initiieren, z. B. zu Wasserverbräu- chen oder zur Nachnutzung von Brauchwasser • die Bürgerinnen und Bürger Darmstadts per repräsentativer Umfrage in die Evaluierung der Strategie einzubinden • die Bürgerschaft an der Überarbeitung dieser Strategie nach fünf Jahren teilhaben zu lassen Quelle: Digitalstadt Darmstadt GmbH / J. Mai 102 Verankerung in Stadt und Verwaltung Monitoring und Evaluation Die im Kapitel „Road Map“ (S. 77 ff.) vorgestellten Maßnahmen sollen dazu dienen, Darmstadt zur was- sersensiblen Smart City weiterzuentwickeln. Um zu überprüfen, ob die ausgewählten Maßnahmen die be- absichtigte Wirkung erzielen, sollen die Maßnahmen überwacht (Monitoring) und ihre Wirkung kritisch be- wertet werden (Evaluation). Die Ziele des Monitorings im Rahmen der Umset- zung der Strategie Schlaues Wasser sind: • periodische Überprüfung der (a) Umsetzung und (b) Wirkung der ausgewählten Maßnahmen, um die Erreichung der Strategieziele zu monitoren • Überprüfung und Überarbeitung bzw. Fortschrei- bung der Strategie, z. B. zur Anpassung an neue Potenziale im Zusammenhang mit smarten Wasser- projekten in der Stadt Darmstadt oder mit Blick auf das Nachjustieren der Umsetzungsstrategie Unter Federführung der Verwaltung ist dazu die Etablierung und Fortführung folgender Monitoring- Prozesse vorgesehen: • Abschließende Anpassung und Vereinbarung der Monitoring-Kriterien nach finaler Auswahl der Maß- nahmen und Förderzusage (es können nur die für die ausgewählten Maßnahmen relevanten Kriterien herangezogen werden und diese müssen bei den Maßnahmen messbar sein). Ausgangspunkt sind die im Kapitel „Anwendungsfelder“ (S. 53 ff.) be- schriebenen Kriterien. • Ermittlung eines Ausgangszustands („Baseline- Performance“) im Hinblick auf die Monitoring- Kriterien zum Zeitpunkt des Beginns der Maßnah- menumsetzung. • Periodische Zusammenstellung der Fortschritte bei der Umsetzung der ausgewählten Maßnahmen mit Betrachtung der Einzelaktivitäten, Vorbereitungs- und Umsetzungsmaßnahmen oder des Abschlus- ses der Maßnahmen (Feststellung des Umsetzungs- status z. B. nach „nicht begonnen“, „in Planung/ Vorbereitung“, „in Umsetzung“, „in fortlaufendem Betrieb“, „abgeschlossen“). Dies erfolgt durch Ab- frage bei den federführenden und mitwirkenden Institutionen der Verwaltung oder den damit Be- auftragten. • Periodische Zielkontrolle: Analyse und Dokumen- tation der Fortschritte bei der Zielerreichung auf der Grundlage der ermittelten Maßnahmenumset- zungen. Dabei wird für die Ziele analysiert, welche Maßnahmenum setzungen in welchem Umfang die angestrebte Zielerreichung beeinflussen. • Regelmäßiger Austausch zur periodischen Aus- wertung der Monitoring-Zwischenstände und zur Erörterung von Schlussfolgerungen für die Um- setzung der Strategie. Unter Beteiligung relevanter Akteure auf städtischer und gesellschaftlicher Ebe- ne (z. B. der Fokusgruppen) werden die Ergebnis- se des Maßnahmen- und Zielmonitorings erörtert und Schlussfolgerungen für die Strategie gezogen. So wird im Umsetzungsprozess die Möglichkeit ge- schaffen, Maßnahmen anzupassen, um Defizite in der Zielerreichung zu beheben. • Fortschrittsbericht zur Information der politischen Akteurinnen und Akteure und der interessierten Öffentlichkeit. In diesem Bericht werden die Moni- toring-Zwischenergebnisse und die Schlussfolge- rungen zusammengefa sst. Z udem werden die im SCP erarbeiteten Handlungsempfehlungen im Rah- men des Toolkits dargestellt und bei Bedarf not- wendige Weiterentwicklungen der Strategie (z. B. Zielsetzungen und Maßnahmenplanung) überlegt. • Als periodisches Monitoring wird eine regelmäßige Durchführung der oben genannten Schritte ange- strebt. Das periodische Monitoring beginnt mit der Maßnahmenumsetzung und einem ersten Monito- ring ein Jahr danach. Zur Erhebung des Umsetzungsstands ist die Zusam- menarbeit verschiedenster Akteure notwendig. Die Projektleitung trifft mit dem SCP Vereinbarungen über die Abläufe und die Beteiligung der Akteure. Nachfolgend werden einige prinzipielle Kriterien auf- geführt (vgl. Kap. Anwendungsfelder“, S. 53 ff.), an- hand derer die erfolgreiche mittel- und langfristige Umsetzung der Maßnahmen erhoben werden kann. Die Kriterien sind nach Anwendungsfeldern geordnet. 103Smart-City-Strategie Wasserkreisläufe in Quartier und Stadt • Vorhandensein von entsprechenden Flächen und Anlagen • Begrenzung von Versiegelung und der Verschwendung von Regenwasser • Schaffung und Nutzung von Wasserkreis- läufen (Wiederverwendung) • Qualität der integrativen Planungs- und Beteiligungsprozesse • Stärkung der Bewirtschaftung durch- Nutzung von Digitalisierungs-Werkzeugen Wasserdaten: Grundlagen, Potenziale und Nutzung • Qualität, Vollständigkeit und Verfügbarkeit der Dateninfrastruktur • Datensicherheit, IT-Sicherheit • Qualität eines wasserwirtschaftlichen Monitoringsystems und von Prognose- instrumenten • Qualität der Zugänglichkeit von wasserbezogenen Informationen Wasserkommunikation und bewusstes Handeln: Information, Sensibilisierung, Austausch und Erlebnis • Vorhandensein und Qualität von Veranstal- tungen, Kampagnen und Bildungsangeboten sowie anderen Werkzeugen zur Öffentlich- keitsinformation und Teilhabe • Vorhandensein und Qualität von smarten Informations- und Beteiligungs-Plattformen • Qualität von Frühwarnsystemen Die Wirkungsüberprüfung anhand der aufgeführten Kriterien soll objektive und verlässliche Informa- tionen zum Erfolg und zur Wirkung der Maßnahmen ermöglichen. Da es auch Ziel der Strategie ist, spür- bare Mehrwerte für alle „Heinerinnen und Heiner“ zu schaffen, soll auch dieser Aspekt anhand einer weite- ren Bürgerumfrage geprüft werden. Im Kapitel „Partizipative Strategieerstellung“ (S. 40 f.) wurde die repräsentative Bürgerumfrage im Rahmen der Strategiephase in Darmstadt beschrieben. Da- bei wurde etwa nach möglichen Bedenken bezüglich verschiedener Nutzungsszenarien von Brauchwasser gefragt. Um evaluieren zu können, ob sich durch das Projekt Schlaues Wasser der Informationsstand, die Einstellung und das Verhalten der Bürgerschaft zum Themenbereich verändert hat und ob die Wirkung der Maßnahmen von den Darmstädterinnen und Darm- städtern wahrgenommen wird, soll am Ende der Um- setzungsphase eine zweite repräsentative Umfrage durchgeführt werden. Ziel ist es, die Perspektive der Bürgerschaft offenzulegen, um Maßnahmen auch bür- gerzentriert anzupassen und weiterzuentwickeln. Erfolgskriterien der Anwendungsfelder Anwendungsfeld 3 Anwendungsfeld 2 Anwendungsfeld 1 WIR WOLLEN SPÜRBARE MEHRWERTE SCHAFFEN 104 Verankerung in Stadt und Verwaltung Ausblick Darmstadt hat sich auf den Weg gemacht, eine wasser sensible Smart City zu werden. Damit begeg- net es den Herausforderungen und Folgen des Klima- wandels, schützt Wasserr essourcen und macht die Wasserwirtschaft zukunftsfähig, während die Lebens- qualität in der Stadt wächst und die Bürgerschaft ge- stärkt wird. Darmstadt nutzt dabei sein Potenzial als Netzwerkstadt, Digitalstadt und Wissenschaftsstadt. Als Netzwerkstadt geht Darmstadt die Transforma- tion zur wassersensiblen Smart City gemeinsam und co-kreativ mit seiner Bürgerschaft an. Als Digitalstadt nutzt Darmstadt die Potenziale der Digitalisierung, um seine Ziele zu erreichen. Als Wissenschaftsstadt nutzt Darmstadt sein Potenzial, modellhafte Lösungen zu entwickeln und objektiv zu evaluieren. Darmstadt er- möglicht so eine zukunftsgerechte und klimaresilien- te Stadtentwicklung im Dienste der Bürgerinnen und Bürger . Im Laufe der Umsetzungsphase werden die im Kapitel „Road Map“ (S. 77 ff.) dargestellten Maßnahmen um- gesetzt. Währenddessen wird ein reger Austausch bei der Erstellung des Klimaanpassungskonzepts ange- strebt. So sollen erste Erfahrungen des Projekts in die Erstellung des Konzepts einfließen. Ebenso sind nicht aufgegriffene Ideen aus dem Ideenspeicher in den nächsten Jahren weiter zu berücksichtigen und idea- lerweise zu einem späteren Zeitpunkt umzusetzen. Im Rahmen verschiedener Partizipationsformate sol- len zusätzlich auch die Darmstädterinnen und Darm- städter kontinuierlich für Schlaues Wasser sensibili- siert und in das Projekt einbezogen werden. Gegen Ende der Umsetzungsphase ist geplant, die Strategie zu überarbeiten und auch die umgesetzten Maßnahmen auf ihre Wirkung hin zu evaluieren, so- dass eine Fortführung und Übertragbarkeit geprüft werden kann und auch andere Kommunen möglichst von den Darmstädter Erfahrungen profitieren kön- nen. Die Strategie soll damit als Grundlage für weitere Meilensteine der gelebten Smart City in Darmstadt gesehen werden. 105Smart-City-Strategie Dieses Strategiepapier beenden wir mit einem aufrichtigen Dank an alle mitwirkenden Personen aus dem mittelbaren und unmittelbaren Projekt- umfeld, an die Begleitforschung sowie die externen Partner aus Wissen- schaft und Wirtschaft. Ein ganz besonderes Dankeschön sprechen wir den sehr engagierten Fo- kusgruppenmitgliedern aus, die mit unermüdlichem Einsatz und bemer- kenswertem Ideenreichtum die Erstellung des Strategiepapiers wesent- lich unterstützt haben. WIR SAGEN DANKE ZUKUNFT ZU GESTALTEN, IST UNSERE TRADITION. SCHON IMMER. Anhang ~ Quellenverzeichnis ~ Glossar ~ Endnoten ~ Impressum 108 Anhang • Amt für Klimaschutz und Klimaanpassung (2023). https://www.gpm-webgis-13.de/geoapp/kataster/ darmstadt/ (abgerufen am 20.03.2023). • BBSR. (2017). Smart City Charta – Digitale Trans- formation in Kommunen nachhaltig gestalten. Bonn. https://www.bbsr .bund.de/BBSR/DE/ veroeffentlichungen/sonderveroeffentlichun- gen/2017 /smart-city-charta-de-eng-dl.pdf;jsessio- nid=02E350E595C8CAB56FC96B3411C22FFE. live11312?__blob=publicationFile&v=1 (abgerufen am 22.03.2023). • Bitkom e. V. (2020, 24. November). Digitalisierung kann fast die Hälfte zu den deutschen Klima- zielen beitragen. https://www.bitkom.org/Presse/ Presseinformation/Digitalisierung-kann-fast-die- Haelfte-zu-den-deutschen-Klimazielen-beitragen (abgerufen am 22.01.2022). • Bitkom e. V. (2021). Klimaeffekte der Digitalisie- rung [PowerPoint-Folien]. https://www.bitkom.org/ sites/default/files/2021-10/20211010_bitkom_stu- die_klimaeffekte_der_digitalisierung.pdf (abgeru- fen am 04.04.2023). • Bitkom e. V. (2021). Klimaeffekte der Digitali- sierung. https://www.bitkom.org/sites/main/ files/2021-10/20211010_bitkom_studie_klima- effekte_der_digitalisierung.pdf (abgerufen am 20.03.2023). • BMU (2017). Wasserwirtschaft in Deutschland. https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/ files/medien/1410/publikationen/uba_wasserwirt- schaft_in_deutschland_2017_web_aktualisiert.pdf (abgerufen am 22.01.2022). • Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebens- mittelsicherheit (BVL) (ohne Datum). Wasser – ein besonders streng kontrolliertes Lebensmittel. https://www.umweltbundesamt. de/themen/wasser/wasser-bewirtschaften/was- serfussabdruck#was-ist-der-wasserfussabdruck (abgerufen am 04.04.2023). • Bundesministerium für Digitales und Verkehr (2023). Breitbandatlas Karte. https://gigabitgrund- buch.bund.de/GIGA/DE/Breitbandatlas/Vollbild/ start.html;jsessionid=FFFAE8FCBC80281EF5A- FA1EA4FDA6DD1 (abgerufen am 22.08.2022). Quellenverzeichnis • Correctiv (2023). Ausgetrocknet. https://correctiv. org/aktuelles/klimawandel/2022/06/14/klimawan- del-konflikt-um-wasser-in-deutschland/ (abgerufen am 22.08.2022). • Darmstadt im Herzen (2023). Das Stadtwirt- schaftsportal. https://www.darmstadtimherzen.de/ (abgerufen am 20.03.2023). • Datenplattform der Wissenschaftsstadt Darmstadt (2023). https://datenplattform.darmstadt.de/#!/ tiles/ (abgerufen am 20.03.2023). • DELTA (2023). https://delta-darmstadt.de/ (ab- gerufen am 22.08.2022). • Deutscher Städtetag (2019). Anpassung an den Klimawandel in den Städten – Forderungen, Hin- weise und Anregungen. 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Hacker wollte Wasser in Florida vergiften. https://www.spiegel. de/netzwelt/florida-hacker-greift-oeffentliche-was- serversorgung-an-a-696425a7-5ea4-4b7a-9c69- 38016e09a5ae (abgerufen am 04.04.2023). • Stadtatlas Darmstadt (2023). https://stadtatlas. darmstadt.de/ (abgerufen am 20.03.2023). • Statistisches Bundesamt (2023). Wasserwirtschaft. https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaf- tUmwelt/Umwelt/Wasserwirtschaft/_inhalt.html (abgerufen am 22.08.2022). • technologieland-hessen (2021, 30. November). Landkreis Fulda erhält über 800.000 Euro für innovatives Starkregen-Frühalarmsystem. https:// www.technologieland-hessen.de/news/39615 (ab- gerufen am 04.04.2023). • UBA (2019). Digitalisierung nachhaltig gestalten – Ein Impulspapier des Umweltbundesamtes. Dessau-Roßlau: Umweltbundesamt. https://www. umweltbundesamt.de/sites/default/files/me- dien/376/publikationen/uba_fachbroschuere_digi- talisierung_nachhaltig_gestalten_0.pdf (abgerufen am 04.04.2023). • Umweltbundesamt (2013, 25. Juli). Beobachteter Klimawandel. https://www.umweltbundesamt.de/ themen/klima-energie/klimawandel/beobachteter- klimawandel (abgerufen am 04.04.2023). • Umweltbundesamt (2014, 26. November). Zu erwartende Klimaänderungen bis 2100. https:// www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/ klimawandel/zu-erwartende-klimaaenderungen- bis-2100 (abgerufen am 04.04.2023). • Umweltbundesamt (2016, 23. Februar). Grundlagen des Klimawandels. https://www.umweltbundesamt. de/themen/klima-energie/klimawandel (abgerufen am 22.01.2022). • Umweltbundesamt (2019). Digitalisierung nachhal- tig gestalten. Dessau-Roßlau: Umweltbundesamt. 110 Anhang • Umweltbundesamt (2021). Wasserfußabdruck. https://www.umweltbundesamt.de/themen/ wasser/wasser-bewirtschaften/wasserfussab- druck#was-ist-der-wasserfussabdruck (abgerufen am 04.04.2023). • Umweltwirtschaft (2023). Neues smartes Scala 1 System für die Regenwassernutzung. https://www. umweltwirtschaft.com/news/wassergewinnung- und-nutzung/Grundfos-GmbH-Neues-smartes-Sca- la1-System-fuer-die-Regenwassernutzung-26041 (abgerufen am 22.08.2022). • Vereinte Nationen. Sustainable Development Goals. https://sdgs.un.org/goals (abgerufen am 22.08.2022). • WBGU (2019). Hauptgutachten – Unsere gemeinsa- me digitale Zukunft. Berlin: WBGU. • WBGU. (2019). Unsere gemeinsame digitale Zu- kunft. WBGU. https://www.wbgu.de/de/publikatio- nen/publikation/unsere-gemeinsame-digitale-zu- kunft (abgerufen am 04.04.2023). • Wissenschaftsstadt Darmstadt (2018). Digital- strategie der Digitalstadt Darmstadt. https://www. digitalstadt-darmstadt.de/wp-content/uploads/ Strategieentwurf_compressed.pdf (abgerufen am 20.03.2023). • Wissenschaftsstadt Darmstadt (2020). Masterplan DA 2030+ – Räumliche Entwicklungsstrategie für Darmstadt. https://www.darmstadt.de/fileadmin/ PDF-Rubriken/Rathaus/Aemter_und_einrichtun- gen/61-Stadtplanungsamt/Masterplan2030/Bu- ergerforum__5/DA2030_Abschlussbericht_End_ oeff.pdf (abgerufen am 22.03.2023). • Wissenschaftsstadt Darmstadt (2021). Leben in Darmstadt. Vielfalt. https://www.darmstadt.de/ standort/vielfalt-und-internationale-beziehungen/ vielfalt (abgerufen am 20.03.2023). • Wissenschaftsstadt Darmstadt (2021). Open Data Strategie. https://www.darmstadt.de/fileadmin/ Bilder-Rubriken/Open_Data_Strategie_Internet.pdf (abgerufen am 20.03.2023). • Wissenschaftsstadt Darmstadt (2022). Klima- schutzplan 2035. https://www.darmstadt.de/ fileadmin/Bilder-Rubriken/Leben_in_Darmstadt/ Klimaschutz/Klimaschutzplan/Klimaschutz- plan_2035_online_Version.pdf (abgerufen am 20.03.2023). • Wissenschaftsstadt Darmstadt (2023). Abwasser . https://www.darmstadt.de/leben-in-darmstadt/ umwelt/abwasser (abgerufen am 20.03.2023). • Wissenschaftsstadt Darmstadt (2023). Wasser . https://www.darmstadt.de/leben-in-darmstadt/ umwelt/wasser-1(abgerufen am 20.03.2023). • Wissenschaftsstadt Darmstadt, IFOK, TU Darm- stadt (2015). Damit alle mitmachen können. Leit- linien zur Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger in der Wissenschaftsstadt Darmstadt. https://da- bei.darmstadt.de/static/domain/2/Leitlinien_final. pdf (abgerufen am 22.08.2022). • Zentrum für Wirtschafts- und Innovationsfor- schung (2012). Strategische Vorausschau für Städ- te. Policies Working Paper Nr . 62-2012. Joanneum Research Forschungsgesellschaft. https://www. joanneum.at/fileadmin/user_upload/imported/ uploads/tx_publicationlibrary/WP62_STRATEGI- SCHE_VORAUSSCHAU_FUER_STAEDTE.pdf (ab- gerufen am 18.08.2022). 111Smart-City-Strategie 112 Anhang 15-MINUTEN-STADT In einer Viertelstundenstadt soll der Raum so segmentiert und dezen- tralisiert werden, dass alle notwendigen Bereiche des alltäglichen Lebens innerhalb von 15 Minuten mit dem Fahrrad oder zu Fuß erreicht werden können. Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte, Bildungseinrichtungen, Behörden, sportliche Einrichtungen, Naherholungsflächen und öffentliche Ver- kehrsmittel sollen von jedem Punkt aus in kurzer Zeit erreichbar sein. AKTORIK Aktorik ist der Überbegriff für technische Wirkelemente, sogenannte Aktoren, die in der Lage sind, eine Bewegung oder Verformung auszu- führen. Ein Aktor ist also im Allgemeinen ein Element, das aktiv eine Veränderung herbeiführen kann. Beispiele dafür sind Antriebselemente, die elektrische Signale und Strom in mechanische Bewegung oder Licht transformieren. AUGMENTED REALITY Die Technologie der Augmented Reality (AR) beschreibt eine computer- gestützte Verknüpfung der realen mit der virtuellen Welt. Die reale Um- gebung wird mittels digitaler Anwendungen in Echtzeit mit Grafiken, au- ditiven oder Textinformationen überlagert. BAUMRIGOLEN Eine Baumrigole ist eine Kombination aus einer Versickerungsfläche für den temporären Wasserrückhalt und einer unterirdischen Rigole (unter- irdisches Auffangbecken für Regenwasser), wobei Teile der Rigole als Wurzelraum für einen Baum dienen. BETRIEBSWASSER Betriebswasser ist aufbereitetes Regen- oder Grauwasser , das zwar nicht der Trinkwasserqualität entspricht, dieser aber je nach Aufbereitung sehr nahekommt. Es kann im Alltag u. a. für Toilettenspülung, Bewässerung und Wäschewaschen oder im industriellen Bereich z. B. für Kühlzwecke verwendet werden. BIG DATA Big Data bezeichnet die Sammlung, Verarbeitung und Analyse großer Mengen computergenerierter Daten: individualisierter und personenbe- zogener ebenso wie öffentlicher und geostationärer Daten. Um relevante Informationen und Einblicke in menschliche Bedürfnisse zu generieren, sind neue technische Tools und Skills erforderlich. BIODIVERSITÄT Als Biodiversität wird die Vielfalt aller lebenden Organismen, Lebensräu- me und Ökosysteme auf dem Land, im Süßwasser , in den Ozeanen sowie in der Luft beschrieben. Der Begriff wird oft synonym zu Artenvielfalt verwendet. BLAU-GRÜNE INFRASTRUKTUR Unter blau-grüner Infrastruktur versteht man eine Verbindung der städ- tischen grünen Infrastruktur , des Stadtgrüns, und der städtischen blauen Infrastruktur , der wasserbezogenen Ökosysteme, als strategisch geplan- tes Netz, das sich durch die Stadt zieht. Da blaue und grüne Infrastruk- turen stark miteinander verflochten sind, spricht man von blau-grüner Infrastruktur . Glossar 113Smart-City-Strategie BUSINESS ECOSYSTEMS Der Begriff des Business-Ökosystems beschreibt die zunehmende Ver- netzung von Unternehmen und Branchen – und damit auch das Ver- schwimmen ihrer Grenzen – unter den Vorzeichen der Digitalisierung. Ab einem gewissen Vernetzungsgrad und einer damit einhergehenden Auto- matisierung laufen ökonomische Netzwerke teil- bis selbstorganisiert, wodurch sich eigene Ökosysteme bilden. CITIZEN-SCIENCE- PROJEKTE Citizen Science beschreibt eine Form der offenen Wissenschaft, bei der Bürgerinnen und Bürger in verschiedenen Forschungsdisziplinen zu For- schenden werden. Die Digitalisierung ermöglicht dabei neue Partizipa- tionsmöglichkeiten, wobei ortsunabhängig Daten erhoben (z. B. über Smartphone-Apps), diese über eigens programmierte Webseiten aus- gewertet und neue Forschungsfragen entwickelt werden können. Auch dienen Stadtlabore, Bürgerwerkstätten, Hackathons oder der Bau von Prototypen oder Reallaboren zum Aufbau einer Bürgerwissenschaft. Sie unterstützt den Wandel der Dienstleistungs- zur Wissensgesellschaft. CO2-NEUTRALITÄT Der Begriff CO2-Neutralität beschreibt das Gleichgewicht zwischen dem CO2-Ausstoß in die Atmosphäre und dem CO 2, das aus der Atmosphäre entfernt wird, wobei CO2 einerseits emittiert wird und die CO2-Emissionen andererseits auch vollständig kompensiert werden. CONDENSED SPACES Condensed Spaces sind innerstädtisch-urbane Räume mit hoher Bevöl- kerungs-, Bebauungs-, Infrastruktur- und Mobilitätsdichte. Auf engstem Raum finden sich hier die meisten Menschen, der meiste Wohnraum und der meiste Verkehr . CYBERSICHERHEIT Cybersicherheit bezeichnet alle technischen und nichttechnischen Si- cherheitsaspekte der Informations- und Kommunikationstechnik. Dabei geht es besonders um den Schutz vor virtuellen Gefahren, die beispiels- weise in Form von Angriffen auf mit dem Internet verbundene Dinge und Systeme (Computer , Server , Mobilgeräte, Daten, Sensoren etc.) und da- rauf basierende Anwendungen und Informationen abzielen. DASHBOARD Der englische Begriff Dashboard bedeutet wörtlich übersetzt „Armatu- renbrett“. In der IT handelt es sich bei Dashboards um grafische Benutzer- oberflächen, also eine Anordnung verschiedener grafischer Elemente, die der Visualisierung von Daten oder der Verwaltung von Systemen dienen. DATENPLATTFORMEN Eine Datenplattform, auch UDP (Urbane Daten-Plattform) oder OUP (Offene Urbane Daten-Plattform) genannt, ermöglicht die intelligente Vernetzung von Daten und damit das Monitoring und die Kontrolle von Infrastruktur und cyberphysischen Systemen in Städten (Sensoren und Aktoren z. B. im Internet-of-Things-Kontext). Sie ermöglicht damit, dass bessere und neue Services für die gesamt e Stadtgesellschaft entstehen können. DATENSOUVERÄNITÄT Die Datensouveränität bezeichnet den souveränen Umgang mit perso- nenbezogenen oder nicht personenbezogenen Daten im Digitalen. Ex- plizit geht es um die Autorität und die Kontrolle über eigene, oftmals digitale Daten, besonders im Internet. 114 Anhang DATENSPARSAMKEIT Der Grundsatz der Datensparsamkeit und Datenvermeidung ist im Bun- desdatenschutzgesetz und in der Datenschutz-Grundverordnung fest- gelegt und gilt für Behörden und Unternehmen. Gleichzeitig bezeichnet Datensparsamkeit auch eine von Datenschützerinnen und -schützern ge- forderte Zurückhaltung seitens der Verbraucherinnen und Verbraucher , persönliche Daten jenseits von notwendigen Informationen preiszuge- ben, etwa im Internet und bei Gewinnspielen. DEMOGRAFISCHER WANDEL Der demografische Wandel beschreibt die Bevölkerungsentwicklung und ihre Veränderungen insbesondere im Hinblick auf die Altersstruktur , die Entwicklung der Geburtenzahl und der Sterbefälle, die Anteile von in- und ausländischen Personen und Eingebürgerten sowie die Zuzüge und Fort- züge. DETECT-AND-RESPONSE- SOFTWARE Detection and Response bezeichnet eine Software, die Unternehmen dabei hilft, Cyberbedrohungen zu erkennen, die präventive Abwehrmaß- nahmen überwinden konnten, und mit Gegenmaßnahmen darauf zu re- agieren. DIGITAL DIVIDE Der Digital Divide, auch digitale Kluft, beschreibt Unterschiede im Zugang zu und in der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechno- logien, insbesondere dem Internet, sowie Unterschiede in den Fähig- keiten zur Nutzung dieser Technologien. Solche Unterschiede bestehen zwischen Volkswirtschaften und zwischen verschiedenen Bevölkerungs- gruppen aufgrund von technischen und sozialen Faktoren. DIGITAL LITERACY Digital Literacy bezeichnet einen souveränen Umgang mit den Heraus- forderungen der Digitalisierung. Die Fähigkeiten, die dafür die Basis bil- den, sind kognitiver , sozialer und auch kultureller Natur und umfassen die Verarbeitung des digitalen Wandels und die generelle Bereitschaft, sich für die neuen Anforderungen digital vernetzter Kommunikation zu öffnen. DIGITALE DASEINSVORSORGE Generell beruht Daseinsvorsorge auf dem Gedanken, dass durch die Kom- munen Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen, um den Einzel- nen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen und deren Grundrechte zu verwirklichen. Die digitale Daseinsvorsorge fokussiert dabei auf die Frage, welche Infrastrukturen und Dienste für das Leben und Wirtschaften in der digitalen Gesellschaft von solcher Bedeutung sind, dass sie nicht ökonomischen Eigengesetzlichkeiten überlassen blei- ben dürfen, sondern in öffentlicher Verantwortung errichtet, betrieben und weiterentwickelt werden. Hierbei gilt es zu klären, unter welchen Rahmenbedingungen und Betriebsformen eine öffentliche Aktivität statt- finden soll. Beispiele für wesentliche digitale Produkte und Dienstleistun- gen sind kommunale Online-Services (OZG), digitale Bildung, technische Netze und Infrastrukturen (z. B. WLAN, Breitband und Datenplattformen) und weitere Dienste, die ein digitales Abbild der analogen Welt ermög- lichen und damit neue Wege und Nutzergruppen niedrigschwellig (Abbau von Barrieren) erschließen. 115Smart-City-Strategie DIGITALER ZWILLING Ein digitaler Zwilling stellt materielle oder immaterielle Objekte, Produk- te, Prozesse oder Dienstleist ungen aus der realen Welt als ein digitales Modell dar . Digitale Zwillinge bauen auf Daten und Algorithmen auf und werden über Sensoren in Echtzeit an die reale Welt gekoppelt. Digitale Zwillinge ermöglichen es, Szenarien und Planungen weitestgehend ohne Einsatz von physischen Ressourcen, beispielsweise durch digitale Simu- lationen, anzugehen, um En tscheidungsprozesse zu unte rstützen oder adäquate Maßnahmen im Umgang mit Risiken oder Problemen zu finden. DIGITALES STADTLABOR Ein digitales Stadtlabor beschreibt einen kollaborativen Raum zum Ex- perimentieren, Testen und Tüfteln, der allen Interessierten offensteht. Die Nutzung digitaler und analoger Werkzeuge, wie beispielsweise 3-D- Drucker , kann vor Ort selbst erlernt und ausprobiert werden. DOPPELTE INNENENTWICKLUNG Doppelte Innenentwicklung meint die Bebauung mit Gebäuden im Inneren von bestehenden Siedlungen statt auf wertvollen Flächen am Siedlungs- rand. Um in den Siedlungen dabei aber nicht die letzten Grünflächen zu verlieren, wird das Modell der „doppelten Innenentwicklung“ implemen- tiert. Dabei werden unbebaute – und meist bereits erschlossene – Flächen noch bebaut, gleichzeitig aber Grünflächen beibehalten und weiterent- wickelt. ENTSIEGELUNG Entsiegelung bezeichnet das Rückgängigmachen der Flächenversiege- lung, um wieder natürliche Gegebenheiten zu schaffen. Ziel dabei ist es, die natürlichen Bodenfunktionen und die Versickerungsfähigkeit wieder- herzustellen. EVERYTHING AS A SERVICE Everything as a Service bezeichnet den Ansatz, „alles“ als Service zur Verfügung zu stellen und zu konsumieren. Nachdem es bereits Software und Hardware als Service gibt, kommen immer mehr Dienste, Plattfor- men und Infrastrukturen hinzu, die „as a service“ angeboten werden. GAMIFICATION(-ANSATZ) Gamification ist die Anwendung spieltypischer Elemente in einem spiel- fremden Kontext. Es ist eine Ableitung von dem englischen Wort „Game”, das übersetzt „Spiel“ bedeutet. Prozesse oder Ideen können mithilfe der Gamification exemplarisch durchgespielt werden. GENDER SHIFT Die tradierten sozialen Rollen, die Männern und Frauen in der Gesell- schaft zugeschrieben werden, verlieren an gesellschaftlicher Verbind- lichkeit. Das Geschlecht verliert seine Bedeutung und bestimmt somit weniger über den Verlauf individueller Biografien. GEO-INFORMATIONSSYSTEM (GIS) Ein geografisches Informationssystem (GIS) bezeichnet ein System zur Erfassung, Verwaltung und Analyse von Daten. Die Wurzeln des GIS lie- gen in der Geografie, doch im GIS werden neben Geodaten noch viele weitere Datentypen verarbeitet. GLOBAL MIGRATION In einer globalisierten Welt weisen viele Länder kontinuierliche Ströme von Ein- und Auswandernden auf. Vor allem für Gesellschaften mit einer alternden Bevölkerung, niedrigen Geburtenraten und gleichzeitig hoher Arbeitskräftenachfrage ist Zuwanderung eine enorme Chance. Die He- rausforderung liegt darin, kulturelle Diversität kreativ und konstruktiv zu gestalten. GRAU-/BRAUCHWASSER Als Grau-/Brauchwasser bezeichnet man Abwasser , das gering ver- schmutzt und frei von Fäkalien ist, wie den Abfluss von Bade- und Dusch- wanne, Waschtisch oder Waschmaschine. Grauwasser lässt sich durch den Einsatz von Recyclingsystemen aufbereiten und kann dadurch ein zweites Mal genutzt werden. 116 Anhang GREEN TECH Green Tech bezeichnet Technologien, die Belastungen für die Umwelt von vornherein zu vermeiden versuchen, sie verringern oder bereits entstan- dene Schäden beheben. Der Einsatz von Green Tech kann Unternehmen dabei unterstützen, mit knappen und teurer werdenden Rohstoffen effi- zienter zu wirtschaften. HACKATHON Hackathons stellen kreative und kollaborative Veranstaltungen dar , bei denen gemeinsam Soft- und Hardwareprodukte entwickelt oder Lösun- gen für Software-Probleme erarbeitet werden können. Hackathons kön- nen auch in der Stadtentwicklung zur Lösung kommunaler Problemstel- lungen genutzt werden. HITZEINSELN Die Ausbildung einer städtischen Hitzeinsel beschreibt das Phänomen, dass sich innerhalb von Städten Wärme- und Hitzebelastungen unter- schiedlich stark bemerkbar machen und Städte im Allgemeinen stärker betroffen sind als das unbebaute Umland. Je mehr Fläche die Städte be- anspruchen und je dichter sie bebaut sind, desto größer fällt der Wärme- inseleffekt typischerweise aus. IKT(-INFRASTRUKTUR) IKT steht für Informations- und Kommunikationstechnologien. INSELLÖSUNG Ein technisches System, das nur innerhalb seiner eigenen Grenzen wirk- sam und mit anderen Systemen der Umgebung nicht kompatibel ist. Ein Beispiel für Insellösungen können ein oder mehrere Rechner sein, die in einer betrieblichen IT-Infrastruktur eine eigenständige Problemlösungs- plattform bilden und nicht mit anderen Systemen verbunden sind. INTERNET OF THINGS Als IoT (Internet of Things, Internet der Dinge) werden miteinander ver- netzte Maschinen, Anlagen und Geräte bezeichnet, die über das Inter- net verbunden sind. Diese Vernetzung ermöglicht durch verschiedene Informations- und Kommunikationstechniken eine Zusammenarbeit von physischen und virtuellen Gegenständen. Zum Beispiel: Auf Grundlage von Sensoren zur Luftqualität wird die Ampelschaltung gesteuert und bestimmte Straßen werden für den Verkehr freigegeben oder gesperrt. KLIMANEUTRALITÄT Klimaneutralität bezeichnet den Gleichgewichtszustand zwischen der Emission von Treibhausgasen und deren Aufnahme aus der Atmosphäre. Das bedeutet, Klimaneutralität ist erreicht, wenn die Menge der emittier- ten Treibhausgase nicht über die Menge hinausgeht, die durch die Natur oder sonstige „Senken“ (Aufnahmemedien) aufgenommen werden kann. KLIMARESILIENTE STADTENTWICKLUNG Eine klimaresiliente Stadt ist eine Siedlung, die über Mechanismen ver- fügt, um etwa Hitzewellen, Stürme, Überschwemmungen und weitere Klimakatastrophen zu bewältigen, ohne dass essenzielle Infrastrukturen wie Energiebereitstellung, Güterversorgung, Verkehr oder Gesundheits- wesen zusammenbrechen. KREISLAUFWIRTSCHAFT Die Kreislaufwirtschaft ist ein Modell der Produktion und des Verbrauchs, bei dem bestehende Materialien und Produkte so lange wie möglich ge- teilt, wiederverwendet, repariert, aufgearbeitet und recycelt werden. Auf diese Weise wird der Lebenszyklus der Produkte verlängert. KÜNSTLICHE INTELLIGENZ (KI) Künstliche Intelligenz (KI) ist ein Teilgebiet der Informatik, das sich mit der Automatisierung „intelligenten“ Verhaltens und dem Maschinenler- nen befasst. Meist wird dabei versucht, Computer so zu programmieren, dass sie eigenständig Probleme bearbeiten können. KI zählt heute zu den wegweisenden Treibern der Digitalisierung. 117Smart-City-Strategie LORAWAN Ein Long Range Wide Area Network ist ein Low-Power-Wireless-Netzpro- tokoll (LPWAN). LoRaWAN ist eine Spezifikation der LoRa Alliance für das LPWAN-Protokoll. Dabei erfüllt LoRaWAN zentrale IoT-Voraussetzungen wie etwa bidirektionale Kommunikation, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, Mobilität und Lokalisierungsfunktionen. MASCHINELLES LERNEN „Maschinelles Lernen“ ist ein Teilbereich der Künstlichen Intelligenz. Mit- hilfe des maschinellen Lernens werden IT-Systeme in die Lage versetzt, auf Basis vorhandener Datenbestände und Algorithmen Muster und Ge- setzmäßigkeiten zu erkennen und Lösungen zu entwickeln. Es wird sozu- sagen künstliches Wissen aus Erfahrungen generiert. Die aus den Daten gewonnenen Erkenntnisse lassen sich verallgemeinern und für neue Pro- blemlösungen oder für die Analyse von bisher unbekannten Daten ver- wenden. MIKROKLIMA Mit Mikroklima ist das spezielle Klima eines Areals gemeint, das sich in den bodennahen Luftschichten ausbildet und stark von den vorhandenen Oberflächen (Untergrund, Bewuchs, Bebauung), z. B. deren Rauigkeit und thermischen Eigenschaften, beeinflusst ist. MISCHWASSER Mischwasser setzt sich aus Schmutz- und Regenwasser zusammen und entsteht, wenn die beiden Wasserarten in einem Kanalsystem geführt bzw. zusammengeleitet werden. MOBILITÄTSPLATTFORM Mobilitätsplattformen sind als virtuelle Marktplätze definiert, auf denen verschiedene Mobilitätsanbietende und -nachfragende in einer digitalen Anwendung zusammengebracht werden. Mobilitätsplattformen stellen einen wesentlichen Baustein intelligenter Mobilität dar und können sich in ihrem modalen, geografischen und funktionalen Umfang unterschei- den. MONITORING Ein Monitoring-System prüft die Verfügbarkeit, Auslastung, Funktionali- tät sowie Reaktionszeit eines Services. Überschreitet eine Messung einen bestimmten Wert, wird der Fehlerzustand umgehend gemeldet. Sämtli- che Messdaten werden archiviert und ermöglichen somit die Aufstellung von Prognosen. NEW WORK Das Konzept New Work beschreibt eine neue Arbeitsweise der heuti- gen Gesellschaft im globalisierten und digitalen Zeitalter . Zudem wird New Work als Sammelbegriff für zukunftsweisende und sinnstiftende Arbeit angesehen. Dabei gilt es seitens der Führungskräfte, Vertrauen zu schenken, dass die Mitarbeitenden bewusste positive und sinnvolle Entscheidungen treffen. Es geht nicht mehr nur um das Gewinnen von neuen Talenten, vielmehr steht die Intention im Mittelpunkt, diese auch im Unternehmen zu halten. OPEN (GOVERNMENT) DATA Offene Daten (Open Data) sind Datensätze des öffentlichen Sektors, die von Behörden und öffentlichen Unternehmen ohne Einschränkung zur freien Nutzung, Weiterverwendung oder Weiterverarbeitung der Allge- meinheit zur Verfügung gestellt werden. OPEN-DATA-PLATTFORM Plattform für offene Verwaltungsdaten (vgl. Open Data). Datensätze kön- nen beispielsweise umfassen: Kartendienste, digitalisierte Bilder bis hin zu Sensor- und Statistikdaten. Aufbauend auf diesen Daten können so- wohl Städte als auch interessierte Bürgerinnen und Bürger Anwendun- gen entwickeln, die einen Mehrwert für die Stadt bieten. 118 Anhang OPEN-SOURCE-SOFTWARE Open Source (wörtlich übersetzt: „freie Quelle“) bezeichnet eine Soft- ware, deren Quellcode frei verfügbar ist und von unabhängigen Dritten eingesehen werden kann. Je nach zugrundeliegender Open-Source- Lizenz lässt er sich auch mehr oder weniger frei verwenden, verändern und weitergeben. OPEN KNOWLEDGE In der Informationsgesellschaft und der Wissensökonomie wird zuneh- mend das Ziel verfolgt, den Prozess der Wissensproduktion sowie den Zugang zu Informationsquellen und -ressourcen zu öffnen. Forschungs- ergebnisse, Daten, Software, technologische Entwicklungen und vieles mehr werden vielfach frei verfügbar , sodass alle an ihnen partizipieren, sie nutzen und daran weiterarbeiten können. OZG Das ,,Gesetz zur Verbesserung des Onlinezugangs zu Verwaltungsleistun- gen‘‘ (OZG) verpflichtet Bund, Länder , Kommunen und verwaltungsnahe Einrichtungen und Kammern dazu, Verwaltungsleistungen bis Ende des Jahres 2022 nutzerfreundlich online und leicht auffindbar anzubieten. Die Verwaltungsleistungen wurden auf 14 Themenfelder aufgeteilt. PUBLIC-PRIVATE- PARTNERSHIP Als Pu b lic-pri vate-Part ner ship (zu Deutsch „öffentlich-private Partner- schaft“) wird eine Kooperation öffentlicher Einrichtungen mit der priva- ten Wirtschaft bezeichnet. QR-CODES Der Quick-Response- oder kurz QR-Code ist eine zweidimensionale Versi- on des Barcodes, die in der Lage ist, über den Scan mit einem mobilen Ge- rät eine Vielzahl von Informationen übersichtlich zu verpacken, schnell auszulesen und fast unmittelbar zu übertragen. RANSOMWARE Ransomware ist Schadsoftware, die darauf abzielt, den Zugriff auf Datei- en oder Systeme zu blockieren, um Lösegeld von den Opfern zu fordern. RESILIENZ Resilienz ist die Widerstandskraft, schwierige Situationen ohne bleibende Schäden zu überstehen. Bezogen auf die Wirtschaft müssen auch Kom- munen resilient sein – damit bleiben sie beweglich und passen sich in Krisen bestmöglich an. RETENTIONSGRÜNDACH Retentionsgründächer dienen dazu, Regenwasser zu speichern und an- schließend kontrolliert weiterzuleiten. Vor allem bei Starkregen halten begrünte Dächer große Wassermengen zurück, um Kanalisationssysteme zu entlasten und Überschwemmungen entgegenzuwirken. SCHWAMMSTADT Die Schwammstadt beschreibt das Konzept der Stadtplanung, anfallen- des Regenwasser in Städten lokal aufzunehmen und zu speichern, statt es lediglich zu kanalisieren und abzuleiten. Das Ziel der Schwammstadt ist, das Niederschlagswasser dort zwischenzuspeichern, wo es fällt. Ein Großteil kann über „grüne Elemente“ wie Mulden, Baumrigolen, Gründä- cher und -fassaden verdunsten und vor Ort versickern, was den Abfluss stark reduziert. SCHWARZWASSER Bei Schwarzwasser handelt es sich um fäkalienhaltiges Abwasser aus Toi letten oder Urinalen. SCORINGMODELL Der Begriff Scoringmodell beschreibt Punktebewertungsmodelle. SENSORIK Sensorik bezeichnet in der Technik die Wissenschaft und die Anwendung von Sensoren zur Messung und Kontrolle von Veränderungen in umwelt- bezogenen, biologischen oder technischen Systemen. 119Smart-City-Strategie SILVER SOCIETY Weltweit werden Menschen älter und bleiben dabei länger fit. Der Me- gatrend Silver Society beschreibt die vielfältigen Auswirkungen dieses demografischen Wandels, der die Gesellschaft vor enorme Herausforde- rungen stellt – aber auch große Chancen für eine neue soziokulturelle Vitalität eröffnet. SINN-ÖKONOMIE Im Rahmen der Sinn-Ökonomie werden neue Dimensionen der Wert- schöpfung abseits des Denkens in Wachstum und Profitmaximierung re- levant. Dabei rücken der soziale Mehrwert, die Nachhaltigkeit, eine glück- liche Mitarbeiterschaft und der gesellschaftliche Fortschritt immer mehr in den Vordergrund. Unternehmen, die in Zeiten erfolgreich sein wollen, die dem Wachstum zunehmend kritisch gegenüberstehen, müssen diese neuen Wertvorstellungen der Sinn-Ökonomie selbst leben und vorantrei- ben. SMART CITY Der Sammelbegriff „intelligente Stadt” (engl.: „Smart City“) steht für ein gesamtheitliches Stadtentwicklungskonzept, das Städte effizienter , nach- haltiger und lebenswerter macht. Dabei geht es um die intelligente Ver- netzung aller Bereiche einer Stadt: Mobilität, Energie, Umwelt, Ver- und Entsorgung, Bildung, Verwaltung, Wirtschaft, Handel etc., z. B. mithilfe von Sensoren und IoT. Im Zentrum einer Smart City steht der Umgang mit Daten und deren Verknüpfung. Trotz der Anwendung neuer Techno- logien stehen die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen im Zentrum der Entwicklung der smarten Stadt. Die Technologie wird in den Dienst der Bürgerschaft gestellt. SMART GOVERNMENT Unter Smart Government wird die Abwicklung geschäftlicher Prozesse im Zusammenhang mit dem Regieren und Verwalten (Government) mithilfe von intelligent vernetzten Informations- und Kommunikationstechniken verstanden. Ein intelligent vernetztes Regierungs- und Verwaltungshan- deln nutzt die Möglichkeiten intelligent vernetzter Objekte und cyberphy- sischer Systeme zur effizienten wie effektiven Erfüllung öffentlicher Auf- gaben. Dies schließt das Leistungsportfolio von E-Government und Open Government einschließlich Big Data und Open Data mit ein. SMART METER Der Begriff Smart Meter bezeichnet intelligente Messsysteme für Strom- oder Wasserverbrauch, die die digitale Infrastruktur für ein zukünftiges, auf erneuerbaren Energien basierendes Energiesystem bilden. SMART WATER Smart Water (zu Deutsch „Schlaues Wasser“) beschreibt den Einsatz von Technologien wie Sensorik zur Messung von Überflutungsgefahr , Abwas- ser und Wasserqualität. STAKEHOLDER Unter Stakeholdern versteht man Interessengruppen einer Organisation. Dabei werden alle Personen, Personengruppen oder Unternehmen zu- sammengefasst, die von den Belangen der Organisation betroffen sind, Interesse an diesen Belangen haben und/oder Einfluss auf die Organisa- tion ausüben können. Stakeholder in der öffentlichen Verwaltung können je nach Zugehörigkeit zu der Gebietskörperschaft in interne und externe Stakeholder gegliedert werden. Dabei sind interne Stakeholder u. a. die Verwaltungsspitze, politische Mandatsträgerinnen und -träger oder die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung. Als externe Stakehol- der werden u. a. Verbände, Parteien/Wählervereinigungen, Bürgerinnen und Bürger sowie ansässige Unternehmen eingeordnet. 120 Anhang START-UP CULTURE Start-up Culture umfasst die Gruppe der Freischaffenden, Gründerin- nen und Gründer , die das Angestelltendasein zugunsten eines Start-ups aufgeben. Mittels Interdisziplinarität, Geschäftsideen sowie der Art, zu arbeiten und an Probleme heranzugehen, übernehmen sie eine Vorbild- funktion in Hinsicht auf Arbeitskultur und setzen etablierte Unternehmen und Branchen unter Innovationsdruck. TREIBHAUSGAS- NEUTRALITÄT Treibhausgasneutralität bedeutet, dass keine Treibhausgase in die Atmo- sphäre gelangen beziehungsweise entstehende Emissionen vollständig kompensiert werden. URBAN FARMING Immer öfter werden brachliegende und andere Flächen in Städten zum lokalen Anbau von Lebensmitteln umgenutzt. Oft spielen dabei neue Technologien wie Vertical Farming eine Rolle. Während beim Urban Gar- dening Lebensqualität und Erholung im Vordergrund stehen, geht es beim Urban Farming darum, einen Teil der Lebensmittelproduktion in die Stadt zu verlagern, um die Lebensmittelversorgung regionaler und resi- lienter zu gestalten. URBAN FORESIGHT Urban Foresight ermöglicht die Abbildung zu erwartender Stadtszena- rien und Technologieanwendungen. Durch Einbindung der Nutzerakzep- tanz, räumlicher Wechselwirkungen und Technologiesysteme können damit neue Erkenntnisse für Kommunen, Unternehmen und Beteiligungs- formate im Kontext der Stadtentwicklung generiert werden. URBAN GARDENING Bei Urban Gardening handelt es sich um verschiedene Arten von urba- ner Gärtnerei in Form von städtischen Gemeinschaftsgärten. Diese Arten reichen von interkulturellen Gärten über Community Gardens, City Farms bis hin zu Nachbarschaftsgärten oder auch Guerilla Gardening. URBANE DATENPLATTFORM Vgl. Datenplattform URBANES WASSERMANAGEMENT Wassermanagement ist ein wichtiges Konzept zum Schutz der Um- welt, Natur und Bevölkerung. Es bedeut et, Wasserressourcen mithilfe von technischen und baulichen Maßnahmen und Verfahren so effizient wie möglich zu nutzen. Beispielsweise ist es eine Aufgabe des Wasser- managements, sich mit dem Auffangen, der Nutzung oder der Versicke- rung von Regenwasser an speziell ausgewählten Standorten und Grund- stücken zu befassen. VERRIESELUNG In der Abwassertechnik spricht man von Verrieselung, wenn das Abwas- ser zur Reinigung kontrolliert in den Untergrund sickern gelassen wird. VERSICKERUNG Versickerung ist die Sickerung von Bodenwasser aus der wurzelbeein- flussten Zone in tiefere Schichten. An Standorten mit Grundwasser ent- spricht die versickernde Wassermenge im Wesentlichen der Grundwas- serneubildung. VIRTUAL REALITY Eine Realität, die nur virtuell existiert, in der man sich aber bewegen, die man sogar erfahren und erfühlen kann, bezeichnet man als „Virtual Rea- lity“ (VR). Mit modernen Darstellungsgeräten, z. B. einer speziellen Brille, und -methoden wird erreicht, dass Nutzerinnen und Nutzer geradezu in die computergenerierten Welten eintauchen können („Immersion“). Die Einsatzmöglichkeiten von VR reichen von der Unterhaltungsbranche bis hin zum Einsatz in Prozessen der produzierenden Wirtschaft. So können Produkte und Fertigungsprozesse schon vorab geprüft werden, was die Anfertigung teurer physikalischer Prototypen deutlich reduzieren kann. Auch im Bereich der Bildung und Ausbildung sind unzählige Anwendun- gen denkbar . 121Smart-City-Strategie WASSERDIENSTLEIS- TUNGEN (ALS TEIL DER DASEINSVORSORGE) Wasserdienstleistungen umfassen alle Dienstleistungen, die für die Was- serversorgung und Abwasserentsorgung von Haushalten, öffentlichen oder wirtschaftlichen Einrichtungen sorgen. WORK-LIFE-BLENDING Die Verbindung von Privat- und Berufsleben, zum Beispiel durch Home- office-Modelle und Mobile-Office-Lösungen, wird zur großen Aufgabe der Zukunft. Work-Life-Blending steht für einen neuen Ansatz, mit dem Arbeitgeber und Arbeitnehmende Lösungen finden, ein räumlich und zeitlich selbstbestimmteres Arbeiten zu ermöglichen, das aber nicht in Selbstausbeutung umschlagen sollte. ZERO-TRUST-ARCHITEKTUR Als Zero-Trust-Architektur wird eine Sicherheitsarchitektur bezeichnet, die speziell darauf ausgelegt ist, die Angriffsfläche des Netzwerks zu mi- nimieren, die laterale Ausbreitung von Bedrohungen zu verhindern und das Risiko von Sicherheitsverletzungen zu reduzieren. ZERO WASTE Die Weltwirtschaft ist in ihrer jetzigen Form hinsichtlich der verfügbaren Ressourcen langfristig nicht tragfähig. Neben Angeboten wie Bio-Pro- dukten, Fair-Trade-Strategien und Sharing-Lösungen ist Zero Waste ein weiterer zukunftsweisender Ansatz nachhaltigen Konsumierens. Die Idee dahinter: Statt beispielsweise Verpackungsabfall aufwendig zu entsorgen und wiederzuverwerten, ist es besser , erst gar keinen Müll zu produzieren. ZISTERNE Eine Zisterne ist ein unterirdischer Sammelbehälter für Brauchwasser , in einigen Fällen auch für Trinkwasser . Hauptbaustoffe zur Errichtung wa- ren früher überwiegend große Steinblöcke und Mauerwerk, später auch Beton. Heutzutage kommen neben wasserdichtem Beton auch Kunststof- fe zum Einsatz. 122 Anhang 1 Siehe: https://www.echo-online.de/lokales/ darmstadt/darmstadt-ist-die-heisseste-stadt-hes- sens_24753771 2 https://www.stadtwirtschaftsstrategie.de/strate- gie-darmstadt/leitbild/ 3 Die Smart-City-Charta identifiziert Leitlinien und Handlungsempfehlungen zur nachhalti- gen Gestaltung digitaler Transformation von Kommunen. Sie wurde in einem kooperativen Dialogprozess zwischen Bund, Ländern und Kommunen entwickelt. Mehr Informationen dazu hier: https://www.bbsr .bund.de/BBSR/DE/ veroeffentlichungen/sonderveroeffentlichun- gen/2017 /smart-city-charta-de-eng-dl.pdf;jses- sionid=1DE872501C0F4AB88441612D4C9AA61A. live21301?__blob=publicationFile&v=1 4 https://www.digitalstadt-darmstadt.de/wp-con- tent/uploads/Strategieentwurf_compressed.pdf 5 https://www.darmstadt.de/fileadminz/Bilder-Ru- briken/Open_Data_Strategie_Internet.pdf 6 https://datenplattform.darmstadt.de/#!/tiles/ 7 https://stadtatlas.darmstadt.de/ 8 Wissenschaftsstadt Darmstadt (2021): Leben in Darmstadt. Vielfalt. https://www.darmstadt.de/ standort/vielfalt-und-internationale-beziehun- gen/vielfalt 9 Aufgrund des umfangreichen Akteursnetzwerks in Darmstadt kann hier nur eine begrenzte Aus- wahl aufgeführt werden. 10 https://www.bitkom.org/smart-city-index 11 https://gigabitgrundbuch.bund.de/GIGA/DE/ Breitbandatlas/Vollbild/start.html;jsessio- nid=FFFAE8FCBC80281EF5AFA1EA4FDA6DD1 12 https://datenplattform.darmstadt.de/#!/tiles/ 13 Stand 2012: siehe https://www.darmstadt.de/ leben-in-darmstadt/umwelt/abwasser 14 Siehe auch: https://www.darmstadt.de/leben-in- darmstadt/umwelt/wasser-1 15 Geo-Informationssysteme sind Informations- systeme zur Erfassung, Bearbeitung, Analyse und Darstellung räumlicher Daten. Endnoten 16 Vgl. https://www.darmstadt.de/leben-in-darm- stadt/stadtgruen/historische-parkanlagen/mat- hildenhoehe/platanenhain 17 https://www.gpm-webgis-13.de/geoapp/kataster/ darmstadt/ 18 https://www.digitalstadt-darmstadt.de/projekte/ stadtlabor-darmstadt/ 19 https://www.darmstadtimherzen.de/ 20 https://www.lab3.org/ 21 Alle weiteren aufgeführten Begriffe werden im Glossar erklärt. 22 Siehe dazu Bitkom (2021): Klimaeffekte der Digitalisierung. Online unter: https://www.bitkom. org/sites/main/files/2021-10/20211010_bitkom_ studie_klimaeffekte_der_digitalisierung.pdf 23 Siehe: https://www.hlnug.de/themen/was- ser/grundwasser/aktuelles (abgerufen am 22.08.2022). 24 Vgl. zur Grundwasserproblematik in Hessen: https://rp-darmstadt.hessen.de/umwelt-und- energie/gewaesser-und-bodenschutz/grundwas- ser-und-wasserversorgung/hessisches-ried und zu Konflikten um Wasser: https://correctiv.org/ aktuelles/klimawandel/2022/06/14/klimawandel- konflikt-um-wasser-in-deutschland/ 25 Beispielsweise haben bestimmte Algen gesund- heitsschädigende Auswirkungen auf Menschen und Fische. 26 Mischkanäle leiten Regenwasser von Grundstü- cken und Verkehrsflächen und das aus den Haus- halten anfallende Abwasser in einer gemeinsa- men Mischwasserleitung in das Klärwerk, wo es gereinigt wird, bevor es in ein natürliches Gewäs- ser geleitet wird. Dadurch wird – im Gegensatz zu Trennsystemen – auch wenig verschmutztes Regenwasser erst aufwendig gereinigt, bevor es an ein Gewässer abgegeben wird. Aufgrund der großen Mengen müssen Mischsysteme zudem sehr groß dimensioniert werden. Trotz großer Di- mensionierung kann es bei extremen Starkregen- ereignissen dazu kommen, dass das Mischwasser aus der Kanalisation austritt und im schlimmsten Fall nicht gereinigtes Abwasser in natürliche Ge- wässer gelangt und diese verschmutzt. In Zeiten 123Smart-City-Strategie geringer Niederschläge besteht die Gefahr , dass die geringen Wassermengen in groß dimensio- nierten Kanälen Feststoffe nicht mehr bewegen können und sich Ablagerungen bilden. Siehe auch „Exkurs: Der urbane Wasserkreislauf“ auf S. 26. 27 Für mehr Informationen siehe bspw.: https:// gesund.bund.de/hitze-pflegebeduerftigkeit 28 Lokale Darmstädter Bezeichnung für Darmstäd- terinnen und Darmstädter . 29 https://smartwater .darmstadt.de/ 30 https://sdgs.un.org/goals 31 Die Smart-City-Charta identifiziert Leitlinien und Handlungsempfehlungen zur nachhalti- gen Gestaltung digitaler Transformation von Kommunen. Sie wurde in einem kooperativen Dialogprozess zwischen Bund, Ländern und Kommunen entwickelt. Mehr Informationen dazu hier: https://www.bbsr .bund.de/BBSR/DE/ veroeffentlichungen/sonderveroeffentlichun- gen/2017 /smart-city-charta-de-eng-dl.pdf;jses- sionid=1DE872501C0F4AB88441612D4C9AA61A. live21301?__blob=publicationFile&v=1 32 Beispiel: https://www.umweltwirtschaft.com/ news/wassergewinnung-und-nutzung/Grundfos- GmbH-Neues-smartes-Scala1-System-fuer-die-Re- genwassernutzung-26041 33 Für Informationen siehe: https://delta-darmstadt. de/ 34 Der Bereich, der um einen Straßenbaum herum frei bleibt. 35 Der Begriff „virtuelles Wasser“ beschreibt die Wassermenge, die zur Herstellung eines Produkts – in allen Fertigungsschritten zusammengenom- men – eingesetzt werden muss. Nur ein Bruchteil davon ist im Endprodukt tatsächlich enthalten. 36 Analog zum Begriff des Klima-Fußabdrucks (der beschreibt, welche Menge an Treibhausgasemis- sionen ein Mensch mit seinem Lebensstil ver- ursacht), umfasst der Wasser-Fußabdruck eines Menschen die Gesamtmenge an direktem und indirektem Wasserverbrauch im Privathaushalt. 37 https://smartwater .darmstadt.de/ 38 Das Umweltforschungszentrum (UFZ) Leipzig ermittelt tagesaktuell auf Basis von Simulationen mit einem hydrologischen Modell die Boden- feuchte für ganz Deutschland ( https://www.ufz. de/index.php?de=46506). 39 Zit. aus der Präambel der Beteiligungsrichtlinie „Damit alle mitmachen können. Leitlinien zur Be- teiligung der Bürgerinnen und Bürger in der Wis- senschaftsstadt Darmstadt!“, verfügbar unter: https://da-bei.darmstadt.de/static/domain/2/ Leitlinien_final.pdf 40 Seit einem Beschluss der Stadtverordneten- versammlung im September 2019 haben der Klimaschutz und die Anpassung an die Folgen des Klimawandels höchste Priorität bei allem städtischen Handeln. 41 Ausführlichere Informationen sind unter https:// smartwater .darmstadt.de/massnahmen/ zu finden. 42 Um aussagekräftige Anwendungsfälle aus den erhobenen Daten zu erstellen, braucht es im Smart-City-Kontext häufig keinen Personenbezug von Daten. Jedoch sind die erhobenen Daten häufig anwendergeneriert – also durch Nutzer- verhalten erstellt. Würden Daten direkt bei der Erhebung anonymisiert, könnten Daten auch ohne Personenbezug Mehrwerte generieren. 43 https://www.digitalstadt-darmstadt.de/wp-con- tent/uploads/Strategieentwurf_compressed.pdf 44 https://www.darmstadt.de/fileadmin/Bilder-Ru- briken/Open_Data_Strategie_Internet.pdf 45 https://datenplattform.darmstadt.de/#!/tiles/ 46 https://datenplattform.darmstadt.de/verkehr/ apps/opendata/#/ 124 125Smart-City-Strategie Impressum Herausgeberin Der Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung Im Carree 1 64283 Darmstadt www.darmstadt.de Konzeption, Redaktion Der Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung Im Carree 1 64283 Darmstadt www.darmstadt.de City & Bits GmbH Schreinerstraße 56 10247 Berlin www.cityandbits.de Gestaltung SCHUMACHER Brand + Interaction Design GmbH Julius-Reiber-Straße 22 64293 Darmstadt www.schumacher-design.de Darmstadt, Mai 2023 FLÄCHENENTSIEGELUNG UND INTELLIGENTES WASSERMANAGEMENT IM SINNE DER NATIONALEN WASSERSTRATEGIE
anlage 2
294 Zeichen
Punkt 4: Förderprogramm des Bundes: Modellprojekte Smart Cities Die Smart-City-Strategie für unsere Stadt Schlaues Wasser Darmstadt (V-Nr. 2023/0167) Einstimmig empfiehlt der Ausschuss für Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz der Stadtverordnetenversammlung, der Vorlage zuzustimmen.
anlage 4
288 Zeichen
Punkt 17: Förderprogramm des Bundes: Modellprojekte Smart Cities Die Smart-City-Strategie für unsere Stadt Schlaues Wasser Darmstadt (V-Nr. 2023/0167) Der Haupt- und Finanzausschuss empfiehlt der Stadtverordnetenversammlung, der Vorlage zuzustimmen. Stimmenthaltung: Die Linke.
2023/0167
5123 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
11.05.2023
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat I an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Dezernat III
Dezernat IV
Dezernat V
Amt: Amt für Wirtschaft
und Stadtentwicklung OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2023/0167
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.:
Kostenstelle: 015-000-7002 Investitionsnummer:
Kostenträger: Sachkonto:
Betreff: Förderprogramm des Bundes: Modellprojekte Smart Cities
Die Smart-City-Strategie für unsere Stadt
Schlaues Wasser Darmstadt
Vorlage vom: 05.05.2023
Beschlussvorschlag :
1. Der Magistrat beschließt die Smart City Strategie der Wissenschaftsstadt Darmstadt „Schlaues
Wasser Darmstadt“ Für Wasser in der Stadt, integrierte Stadtentwicklung und Klimaresilienz
2. Die Verwaltung wird beauftragt, die beschlossene Strategie bei der Kreditanstalt für
Wiederaufbau (KFW) fristgerecht bis zum 30.06.2023 zur Genehmigung vorzulegen.
Anlagen: SchlauesWasserDarmstadt_Strategie_final_
Datenschutzrelevante Anlage:
- 2 -
Folgekosten: Ja Nein
Beschluss des Magistrats vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom
Im September 2020 erhielt die Wissenschaftsstadt Darmstadt vom damaligen
Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat den Titel „Modellprojekt Smart City“. Als
eine von inzwischen 73 Kommunen war die Wissenschaftsstadt Darmstadt in der zweiten
Staffel unter dem Titel „Gemeinwohl und Netzwerkstadt / Stadtnetzwerk“ erfolgreich.
Ziel dieser Ausschreibung ist es, gemeinsam mit ausgewählten Kommunen modellhafte und
vor allem übertragbare Smart-City-Strategien und Maßnahmen der integrierten
Stadtentwicklung zu konzipieren. Das Förderprogramm verfolgt städtebauliche Ziele und ist
kein reines Digitalisierungsprogramm.
Magistrat und Stadtverordnetenversammlung haben mit ihren Beschlüssen zur
Magistratsvorlage Nr. 2021/0216 die Grundlagen zur Co-Finanzierung des Bundeszuschusses
von 13,2 Mio Euro für eine Strategie- und eine Umsetzungsphase geschaffen.
Zum Abschluss der Strategiephase, die bis zum 30.06.2023 läuft, muss bei der KFW, die für
den Bund die Förderung abwickelt, eine von der Stadt beschlossene Strategie vorgelegt
werden. Die Genehmigung der Strategie durch die KFW ist notwendig, um den Zuschuss für die
Umsetzungsphase zu gewährleisten.
Das übergeordnete Ziel des Darmstädter „Modellprojekts Smart City“ ist es, auf Basis der
Strategie dem mit der Förderbewilligung erhaltenen Auftrag durch modellhafte Smart-City-
Lösungen mit Fokus auf „Schlaues Wasser“ gerecht zu werden und damit zum Gemeinwohl
auch anderer Kommunen beizutragen.
Die vorliegende Smart-City-Strategie mit dem Titel „Schlaues Wasser Darmstadt“ zeigt auf, wie
dies in Darmstadt gemeinsam mit allen Partnern und der Bürgerschaft gelingen kann.
Zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern soll ein kompetenter und bewusster Umgang mit der
Ressource Wasser entwickelt werden, der sich durch neue technologische Anwendungen
auszeichnet.
Ziel dieser Strategie ist es daher auch aufzuzeigen, wie die Wissenschaftsstadt Darmstadt die
Potenziale der Digitalisierung nutzen, erweitern und einsetzen kann:
a) um die Lebensqualität für ihre Einwohnerschaft auch in Zukunft zu erhalten und zu
verbessern
b) um die Herausforderungen im Bereich einer klimaresilienten Stadtentwicklung schlau
zu bewältigen
c) um sich Gestaltungsfreiheit in einer sich rapide verändernden Welt zu bewahren
Schließlich ist es eine Anforderung an die Strategie, Maßnahmen zu beschreiben, die in den
kommenden fünf Jahren im Rahmen des Förderprogramms in Darmstadt umgesetzt werden
sollen. Alle Maßnahmen tragen explizit dazu bei, dass Darmstadt sich zu einer
wassersensiblen Smart City entwickelt, und sind der Vision, den Anwendungsfeldern und den
zugehörigen Zielen der Strategie untergeordnet.
Die Auswahl der Maßnahmen fand innerhalb eines umfangreichen und komplexen Prozesses
statt. Zunächst wurden die drei Fokusgruppen dazu aufgerufen, ihre Projektideen für das
„Schlaues Wasser“ Projekt einzureichen. Die Fokusgruppen setzen sich zusammen aus
- 4 -
Vertreterinnen und Vertretern von Verwaltung und städtischen Betrieben, Wirtschaft und
Wissenschaft sowie ziviler Interessenvertretungen. Die über 70 eingereichten Projektideen
wurden hinsichtlich zahlreicher Kriterien geprüft, die durch die Ausschreibung und die KFW
vorgegeben waren. Die qualifizierten Projektideen wurden zu übergreifenden Maßnahmen
zusammengefasst, die in der Strategie beschrieben sind.
Dezernat I Dezernat III
Jochen Partsch Michael Kolmer
Oberbürgermeister Stadtrat
Dezernat IV Dezernat V
Andre Schellenberg Holger Klötzner
Stadtrat Stadtrat
anlage 3
355 Zeichen
Punkt 4: Förderprogramm des Bundes: Modellprojekte Smart Cities Die Smart-City-Strategie für unsere Stadt Schlaues Wasser Darmstadt (V-Nr. 2023/0167) Der Ausschuss für Wirtschaftsförderung, Wissenschaft und Digitalisierung empfiehlt der Stadtverordnetenversammlung, der Vorlage zuzustimmen. Stimmenthaltungen: Fraktionen Die Linke. und UFFBASSE
Beratungsverlauf (4)
Orte (5)
- Julius-Reiber-Straße 22
- Marktplatz
- Ernst-Ludwigs-Platz
- Rheinstraße
- Im Carree 1
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2023/0167
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 05.05.2023
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00