AN/0993/2026
Ersetzungsantrag zum Beschluss über die Vorgaben zur Ausarbeitung des Bebauungsplan-Entwurfes (vorhabenbezogener Bebauungsplan) Nr. 70453/02 Arbeitstitel: Kalker Hauptstraße/Barcelona-Allee in Köln-Kalk
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Änderungsantrag (Die Linke BV8)
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Kalker Hauptstraße 247 – 273 51103 Köln Linke-BV8@stadt-koeln.de Eingang bei der Bezirksbürgermeisterin: 15.06.2026 AN/0993/2026 Änderungs- bzw. Zusatzantrag gem. § 13 der Geschäftsordnung des Rates Gremium Datum der Sitzung Bezirksvertretung 8 (Kalk) 18.06.2026 TOP 8.2.1 Ersetzungsantrag zum Beschluss über die Vorgaben zur Ausarbeitung des Bebauungsplan-Entwurfes (vorhabenbezogener Bebauungsplan) Nr. 70453/02 Arbeitstitel: Kalker Hauptstraße/Barcelona-Allee in Köln-Kalk Sehr geehrte Frau Bezirksbürgermeisterin, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, bitte setzen Sie folgenden Ersetzungsantrag zu TOP 8.2.1 - Anhörung der Bezirksvertretung 8 (Kalk) zu den Ergebnissen der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung und Beschluss über die Vorgaben zur Ausarbeitung des Bebauungsplan-Entwurfes (vorhabenbezogener Bebauungsplan) Nr. 70453/02 Arbeitstitel: Kalker Hauptstraße/Barcelona-Allee in Köln -Kalk – auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung der BV 8 am 18.06.2026 Beschluss: Die Bezirksvertretung Kalk empfiehlt dem Rat der Stadt Köln, den Text des Beschlussvorschlags wie folgt zu ersetzen: 1. die Aufstellung und Einleitung des Bebauungsplans "Kalker Hauptstraße/ Barcelona-Allee in Köln-Kalk" wird abgelehnt 2. Die Verwaltung wird beauftragt, Maßnahmen zu ergreifen, um die von dem Bebauungsplan-Vorhaben umfasste Fläche notfalls über eine Enteignung gem. Frau Bezirksbürgermeisterin Claudia Greven-Thürmer Herrn Oberbürgermeister Torsten Burmester - 2 - Art. 14 Abs. 3 GG in öffentlichen Besitz zu überführen 3. Die Verwaltung wird mit der Neuplanung für diese Fläche in einem kooperativen Prozess inklusiver Quartiersentwicklung beauftragt, in deren Fokus die Entwicklung von im Stadtteil Kalk erforderlichen Maßnahmen zur Sicherung der Daseinsvorsorge liegen. Dazu gehören insbesondere a. preisgedämpfter Wohnraum b. Maßnahmen zur Abmilderung der Klimawandel-Folgen und zur Erhöhung des Grünflächen-Anteils im Stadtteil c. soziale Infrastruktur wie Begegnungsräume und nichtkommerzielle Freizeitangebote d. quartiersübergreifende Stadtteilentwicklung zum Abbau städtebaulicher Fehlentwicklungen, z.B. der kontrollierte Rückbau der Köln Arcaden und der dem motorisierten Individualverkehr gewidmeten Flächen und die Herstellung von fuß- und radverkehrsfreundlichen Wegebeziehungen zwischen den Quartieren Begründung Die Köln Arcaden sind aus Sicht des Stadtteils Kalk eine Fehlentwicklung. Die Einkaufspassage hat maßgeblich zur Erosion des Einzelhandels auf der Kalker Hauptstraße beigetragen. Die Schaffung der vierspurigen Zufahrtstraßen hat den Rad- und Fußverkehr im Stadtteil nachhaltig beeinträchtigt, und die Architektur der Mall konstituiert einen städtebaulich grotesk anmutenden. kaum überwindbaren Riegel zwischen dem Quartier Kalk Post und dem Bürgerpark. Aufgrund der Veränderungen der Einkaufsgewohnheiten ist zudem absehbar, dass auch die Köln Arcaden in ihrer jetzigen Form keine Zukunft haben. Auch aus diesem Grund hat die Eigentümerin der Köln Arcaden nun eine Entwicklung angestoßen, um die an die Mall angrenzende und aktuell im Wesentlichen für PKW- Stellplätze genutzten Flächen ertragreicher zu verwerten und so die absehbar schwindenden Erträge aus der Bereitstellung von Einzelhandelsflächen zu kompensieren. Geplant ist die Herstellung von Büro- und Wohnflächen in Gebäuden von bis zu 60 m Höhe unter Inkaufnahme einer erheblichen Verdichtung und Verschattung. Nicht geplant sind Maßnahmen, die die aufgrund dieser Planung entstehende zusätzliche Benachteiligung der Einwohner*innen Kalks ausgleichen. Köln befindet sich im Klimanotstand, der Stadtteil Kalk ist davon in besonderer Weise betroffen. Kalk ist ein in vielerlei Hinsicht strukturell benachteiligter Stadtteil. Erforderlich für eine gedeihliche Entwicklung des Stadtteils sind öffentliche Investitionen in soziale und bauliche Infrastruktur der Daseinsvorsorge und die Herstellung preisgedämpften Wohnraums. Schädlich sind Verdrängung und Gentrifizierung durch Luxusmieten, weitere Verdichtung und Versiegelung und die Schaffung absehbar leerstehender Büro- Kapazitäten und Neubau-Ruinen. Schon mit Bekanntwerden des Vorhabens durch die am 28.11.24 eingebrachte Beschluss-Vorlage formierte sich deutlich geäußerter Widerstand insbesondere gegen das vorgesehene Höhenkonzept im direkt anliegenden Quartier Colonia. Die Stadtteil- - 3 - Konferenz Kalk hat am 09.04.2025 auf die resultierende nicht tolerable Bebauungsdichte, den unsinnig hohen Anteil an Büroflächen, das trickreiche Aushebeln von Vorgaben des kooperativen Baulandmodells und den Verzicht auf Einrichtungen für die Allgemeinheit hingewiesen. Der Bürgerverein Kalk hat in einem offenen Brief vom 19.10.2025 auf die eklatanten Mängel des geplanten Nutzungsmix, der verkehrlichen Erschließung und der geplanten Grün- und Freiraumqualität hingewiesen Die nun vorliegende Erörterung der im Beteiligungsverfahren sehr zahlreich eingegangenen Stellungnahmen der Bevölkerung weist im Ergebnis alle Einwände gegen für den Stadtteil nachteiligen Aspekte des Vorhabens zurück bzw. verspricht lediglich die ergebnisoffene "Prüfung" im weiteren Verfahrensverlauf. Beschlossen werden sollen nun keine Reduktion der Büroflächen keine Mietpreis-Deckelung keine Entsiegelung keinerlei Festlegungen zur Behandlung von (Mikro-) Klimafolgen keinerlei Festlegungen zur Schaffung zusätzlicher Grünflächen keinerlei Festlegungen zur frühzeitigen Berücksichtigung verkehrlicher Auswirkungen, keine Planung zur Entlastung bereits jetzt vollständig überlasteter Verkehrs-Infrastruktur keinerlei Festlegungen zur Schaffung zusätzlicher öffentlicher, unkommerzieller Freizeitangebote kein Verzicht auf Hochpunkte keine Schaffung einer direkten Durchwegung von Kalk Post Entstehen soll offenbar also ein dicht bebautes und weitgehend unzugängliches und unbelebtes, vom Rest des Stadtteils abgeschottetes Quartier mit Luxus-Wohnungen und Büros, die absehbaren Folgen einer weiteren Verdichtung und überhöhter Mietpreise werden hingenommen. Die Verwaltung der Stadt Köln unternimmt erhebliche Anstrengungen, um den Investor bei der Realisierung seines Renditeziels zu unterstützen, das Wohl der Bevölkerung in Kalk muss dahinter zurückstehen. Die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit darf (auch) in diesem Vorhaben als folgenlose Pflichtübung angesehen werden. Wenn in Kalk weitreichende stadtentwicklungspolitische Maßnahmen geplant werden, muss der Abbau bestehender und die Vorbeugung absehbarer struktureller Benachteiligung erste Priorität haben. Um den von Kalker*innen klar geäußerten Bedarfen gerecht zu werden schlägt die LINKE. in der Bezirksvertretung Kalk daher vor, die von der Union Invest vorgelegte Planung zu verwerfen und stattdessen die Flächen in städtischen Besitz zu überführen und eine integrative Quartiersentwicklung aufzunehmen, die die Bedürfnisse der Menschen vor Ort und nicht das Kapitalverwertungs-Interesse eines Investors berücksichtigt. Mit freundlichen Grüßen Bezirksvertreter Badorf Bezirksvertreterin Leu Fraktionsvorsitzender Fraktion Die LINKE. stellv. Fraktionsvorsitzende Die LINKE. - 4 -
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: endgültig abgelehnt
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- AN/0993/2026
- Typ
- Änderungsantrag BV8 (Linke)
- Datum
- 16.06.2026
- Erstellt
- 15.06.2026 08:47