AGS/002/2026
Prüfantrag Verlagerung der Drogenszene Düsseldorf in das Hafengebiet Düsseldorf-Reisholz - Willkommenskultur nach dem Züricher Modell
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Antrag
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AGS/002/2026 X öffentlich nicht öffentlich Düsseldorf, 08.01.2026 Ratsherr Dr. Uwe Bresztowszky An die Vorsitzende des Ausschusses für Gesundheit und Soziales Ratsfrau Antonia Frey Antrag des Ratsherrn Dr. Bresztowszky zur Sitzung des Ausschusses für Gesundheit und Soziales am 27.01.2026 Betrifft: Prüfantrag Verlagerung der Drogenszene Düsseldorf in das Hafengebiet Düsseldorf- Reisholz - Willkommenskultur nach dem Züricher Modell Sehr geehrte Frau Frey, ich bitte Sie, folgenden Antrag auf die Tagesordnung des Ausschusses für Gesundheit und Soziales am 27. Januar 2026 zu setzen und zur Abstimmung zu bringen: Antrag: Die Verwaltung wird beauftragt zu prüfen, wie eine umfassende Verlagerung der offenen Drogenszene vom Hauptbahnhofsumfeld in das Hafengebiet Reisholz unter konsequenter Anwendung des Züricher Modells mit dem Schwerpunkt auf Willkommenskultur für alle Beteiligten realisiert werden kann. Konkret soll geprüft werden: 1. die Einrichtung eines integrierten Hilfszentrums im Hafengebiet Reisholz nach dem Vorbild der Züricher Kontakt- und Anlaufstellen mit würdevoller, einladender Ausstattung und Atmosphäre 2. die Schaffung dezentraler Drogenkonsumräume mit hochwertiger Ausstattung, medizinischer Versorgung, Wasch- und Duschmöglichkeiten, Aufenthaltsräumen und Beratungsangeboten 3. die rechtlichen Voraussetzungen zur Duldung von Kleinsthandel unter registrierten Abhängigen innerhalb der Einrichtungen bei gleichzeitiger konsequenter Verfolgung außerhalb 4. die Implementierung eines Sicherheits- und Sozialdienstes nach dem Vorbild Zürichs (Sicherheit, Intervention, Prävention) zur Betreuung und Konfliktvermittlung Seite 2 5. die Sicherstellung der Verkehrsanbindung durch ÖPNV-Shuttleverkehr zum Hafengebiet für die betroffenen Personen 6. die schrittweise Rückgewinnung des Hauptbahnhofsumfelds als repräsentatives Entree unserer Landeshauptstadt 7. die Einbindung aller relevanten Akteure (Polizei, Staatsanwaltschaft, Sozialeinrichtungen, Hafengesellschaft) in ein Gesamtkonzept 8. die Finanzierung und einen konkreten Zeitplan für die Umsetzung Begründung: 1. Das Kernproblem: Fehlende Willkommenskultur für alle Der wichtigste Erfolgsfaktor des Züricher Modells ist die Willkommenskultur. Drogenabhängige sind Opfer krimineller Strukturen und Patienten, die einer lebensbedrohlichen Substanz wie Crack ausgesetzt sind. Nur wenn sie sich in den Hilfseinrichtungen willkommen und sicher fühlen, werden sie diese nutzen und die Straße verlassen. In Düsseldorf erleben wir das krasse Gegenteil: Der bestehende Drogenkonsumraum liegt in einer albtraumhaften Umgebung ohne jede Willkommensatmosphäre Der Gipfel der Verachtung: Container mit eingelassenen Fenstern am Immermannhof, wo das allgemeine Publikum wie im Zoo die Drogenabhängigen in ihrem Elend besichtigen kann Seit den 1980er Jahren breitet sich die Drogenszene rund um den Worringer Platz aus, soll sich laut aktuellen Planungen nun bis zur Eisenstraße ausdehnen Massive Polizeipräsenz wird der Lage nicht Herr und schafft eine Atmosphäre der Verfolgung statt der Hilfe Das Hauptbahnhofsumfeld als Entree unserer Landeshauptstadt befindet sich in einem erschreckenden Zustand Die Zustände verstoßen gegen die Menschenwürde der Betroffenen und gegen das Recht der Düsseldorfer Bürgerinnen und Bürger sowie der Besucher unserer Stadt auf ein würdevolles, sicheres Stadtumfeld. Nicht nur die Drogenopfer verdienen eine Willkommenskultur, sondern auch alle Menschen, die in unserer Stadt leben oder sie besuchen. 2. Das Züricher Modell: Willkommenskultur als Schlüssel zum Erfolg Zürich hat verstanden, dass Drogenabhängige nur dann die Straße verlassen, wenn die Einrichtungen attraktiver sind als der öffentliche Raum. Die Züricher Kontakt- und Anlaufstellen sind daher entsprechend ausgestattet: Würdevolle, saubere Räumlichkeiten mit professionellem Ambiente Umfassende Infrastruktur: Wasch –und Duschmöglichkeiten, Kleider- und Schuhbörse, Aufenthaltsräume Medizinische und soziale Beratung vor Ort Respektvolle Behandlung durch qualifiziertes Personal Duldung von Kleinsthandel innerhalb der Einrichtungen, sodass Betroffene nicht auf der Straße beschaffen müssen Das Ergebnis: Die offene Drogenszene in Zürich ist nahezu verschwunden. Die Betroffenen nutzen die Einrichtungen freiwillig, weil sie dort Sicherheit, Respekt und Hilfe finden. Seite 3 Das Vier-Säulen-Modell (Prävention, Therapie, Schadensminderung, Repression) kann nur funktionieren, wenn die Säule der Schadensminderung mit echter Willkommenskultur ausgefüllt wird. 3. Das Hafengebiet Reisholz: Chance für einen Neuanfang Das Hafengebiet Reisholz bietet die einmalige Chance, einen Neuanfang zu wagen und diesmal wirklich entsprechend dem Züricher Modell eine Willkommenskultur zu etablieren: Ausreichend Platz für ein integriertes Hilfszentrum mit allen notwendigen Einrichtungen unter einem Dach oder in räumlicher Nähe Industriegebiet mit geringer Wohnbevölkerung (ca. 3.600 Einwohner), daher weniger Konflikte mit Anwohnern Möglichkeit, hochwertige, würdevolle Räumlichkeiten zu schaffen, ohne die Beengung der Innenstadtlage Gute Verkehrsanbindung, die durch Shuttle-Service ergänzt werden kann Räumliche Distanz zum Hauptbahnhof, die aber überbrückbar ist Verfügbarkeit von Industriebrachen, die entwickelt werden können Der entscheidende Punkt: Wenn sich die Drogenabhängigen im Hafengebiet Reisholz aufgenommen und willkommen fühlen, werden sie das Areal um den Hauptbahnhof freiwillig verlassen. Zwang und Verdrängung haben 40 Jahre lang nicht funktioniert. Ein attraktives, respektvolles Alternativangebot ist der einzige Weg. 4. Willkommenskultur für alle: Ein ganzheitlicher Ansatz Eine moderne Drogenpolitik muss alle Beteiligten im Blick haben: Für die Betroffenen: Würdevolle Behandlung als Patienten, nicht als Kriminelle. Zugang zu sicheren Konsumräumen, medizinischer Versorgung, Hygiene, Beratung und Perspektiven. Schutz vor Ausbeutung durch kriminelle Dealer. Für die Bürgerinnen und Bürger: Rückgewinnung des Hauptbahnhofsumfelds als repräsentatives Entree der Landeshauptstadt. Sicherheit und Sauberkeit im öffentlichen Raum. Ein Umfeld, in dem sich alle Menschen willkommen fühlen können. Für die Gewerbetreibenden: Entlastung der Innenstadt, sodass Geschäfte und Gastronomie wieder aufblühen können. Im Hafengebiet: klare Kommunikation, professionelles Management und Einbindung in Sicherheitskonzepte. Für die Stadt Düsseldorf: Ein positives Image als moderne, humane Stadt, die innovative Lösungen sucht statt jahrzehntelang gescheiterte Verdrängungsstrategien fortzusetzen. 5. Notwendigkeit eines neuen Ansatzes Die aktuelle Strategie ist gescheitert: Seit über 40 Jahren breitet sich die Drogenszene am Hauptbahnhof aus Crack hat Heroin als dominierende Droge abgelöst und die Situation verschärft Polizeimaßnahmen verlagern das Problem nur, lösen es aber nicht Die aktuelle Ausweitung bis zur Eisenstraße zeigt, dass die Szene wächst statt schrumpft Es ist an der Zeit, bei der Behandlung der Drogenproblematik einen neuen, humanen Seite 4 und erfolgreichen Ansatz zu wählen. Zürich hat es vorgemacht. Düsseldorf kann und sollte folgen. Mit freundlichen Grüße Dr. Uwe Bresztowszky
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: mehrheitlich abgelehnt
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- AGS/002/2026
- Typ
- Antrag AfD
- Datum
- 16.01.2026
- Erstellt
- 08.01.2026 09:48