1070/2026
Beantwortung einer Anfrage gem. § 4 der Geschäftsordnung des Rates der Stadt Köln der SPD-Fraktion zur Wirtschaftlichen Bedeutung des Cologne Pride (AN/0092/2026)
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Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
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Dezernat, Dienststelle IX/IX/3 Vorlagen-Nummer 21.04.2026 1070/2026 Beantwortung einer Anfrage nach § 4 der Geschäftsordnung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss für Wirtschaft und Digitalisierung 30.04.2026 Beantwortung einer Anfrage gem. § 4 der Geschäftsordnung des Rates der Stadt Köln der SPD-Fraktion zur Wirtschaftlichen Bedeutung des Cologne Pride (AN/0092/2026) Die SPD-Fraktion bittet um die Beantwortung der folgenden Fragen: 1. Welche Erkenntnisse liegen der Verwaltung zum wirtschaftlichen Gesamteffekt des Co- logne Pride für die Stadt Köln vor, insbesondere im Hinblick auf Tourismus, Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel und sonstige Dienstleistungen? 2. Wie hoch waren die Einnahmen aus der Kulturförderabgabe (Bettensteuer) in den ver- gangenen Jahren jeweils an den Wochenenden des Cologne Pride, konkret im Zeitraum von Donnerstag bis Montag, und wie unterscheiden sich diese Einnahmen im Vergleich zu durchschnittlichen Wochenenden ohne Großveranstaltungen? 3. Liegen der Verwaltung Schätzungen oder Auswertungen zur Anzahl der auswärtigen Besucherinnen und Besucher des Cologne Pride sowie zu deren durchschnittlicher Auf- enthaltsdauer und zu deren Ausgabeverhalten vor? 4. Welche Bedeutung misst die Verwaltung dem Cologne Pride im Kontext der Positionie- rung Kölns als vielfältiger, offener und international attraktiver Wirtschaftsstandort bei? 5. Inwiefern werden Großveranstaltungen mit einem expliziten Diversity- und Inklusionsbe- zug wie der Cologne Pride in wirtschaftsstrategischen Überlegungen der Stadt, im Standortmarketing oder in Tourismuskonzepten berücksichtigt? Stellungnahme der Verwaltung: Zu 1.: Die wirtschaftlichen Gesamteffekte der Cologne Pride sind erheblich, auch wenn es keine jährlich veröffentlichten vollständigen volkswirtschaftlichen Gesamtbilanzen gibt, wie etwa beim Karneval. Aus Besucherzahlen, Sponsoring-Strukturen und typischen Event-Effekten lässt sich aber ein recht klares Bild ableiten. Die Cologne Pride entfaltet für die Stadt Köln eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung, die sich in kurz-, mittel- und langfristigen Effekten ausdrückt. Der unmittelbar größte ökonomische Nutzen ergibt sich aus der hohen Zahl an Besucherinnen und Besuchern. Mit rund 1,2 Millio- nen Teilnehmenden an der Parade und insgesamt etwa 1,4 Millionen Gästen über das Veran- staltungswochenende hinweg entstehen deutliche Nachfrageimpulse, insbesondere im Be- reich des Tourismus, der Gastronomie, des Einzelhandels sowie der Veranstaltungswirtschaft. Dies gilt in besonderem Maße vor dem Hintergrund des internationalen Zustroms, der zusätz- liche Hotelübernachtungen, Ausgaben für private Unterkünfte, Besuche in Restaurants, Bars 2 und Clubs, Einkäufe im Einzelhandel sowie die Inanspruchnahme von Transport- und Event- angeboten auslöst. Derartige Großveranstaltungen führen regelmäßig zu starken kurzfristigen Nachfragespitzen und zählen in vielen Städten zu den wichtigsten Tourismustreibern eines Jahres. Über diese direkten Konsumausgaben hinaus ergeben sich weitere wirtschaftliche Effekte ent- lang der lokalen Wertschöpfungskette. So profitieren unter anderem Eventdienstleister, Si- cherheitsunternehmen, Gastronomiebetriebe, Technikfirmen, Catering, Logistik und Werbe- wirtschaft von der Durchführung der Veranstaltung. Die mit der Cologne Pride verbundenen Ausgaben verbleiben somit nicht allein im unmittelbaren Konsumbereich, sondern erzeugen zusätzliche Umsätze in vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereichen. Hieraus resultieren zu- gleich Beschäftigungseffekte sowie Steuer- und Abgabeneinnahmen für Kommune und Land. Von besonderer strategischer Relevanz sind darüber hinaus die langfristigen Standort- und Imageeffekte. Als eines der größten Pride-Events Europas verfügt die Cologne Pride über eine hohe internationale Sichtbarkeit und stärkt die Wahrnehmung Kölns als offene, diverse, kreative und touristisch attraktive Metropole. Diese Außenwirkung kann sich nachhaltig positiv auf den Städtetourismus, die Gewinnung von Fachkräften, die Attraktivität für Unternehmen sowie auf Investitionsentscheidungen auswirken. Derartige immaterielle Standortvorteile sind in ihrer langfristigen wirtschaftlichen Wirkung vielfach ebenso bedeutsam wie die unmittelbar messbaren Umsätze während des Veranstaltungszeitraums. Hinzu kommt die Bedeutung der Cologne Pride für Sponsoring, Unternehmensbeteiligung und Netzwerkeffekte. Die Mitwirkung zahlreicher Unternehmen, Organisationen und Institutionen führt dazu, dass Marketingbudgets in die lokale Infrastruktur und Eventproduktion fließen. Zu- gleich entstehen Möglichkeiten der Markenpräsenz, der wirtschaftlichen Vernetzung sowie der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Stadtgesellschaft und Verwaltung. Dass der Rückzug einzelner Sponsoren unmittelbare Auswirkungen auf die Finanzierung haben kann, verdeut- licht zugleich die Relevanz dieser Säule für die Gesamtstruktur der Veranstaltung. Nicht zuletzt ist die Cologne Pride auch als bedeutender Impulsgeber für die Kultur- und Krea- tivwirtschaft zu bewerten. Das mehrtägige Veranstaltungsprogramm mit Bühnenformaten, Straßenfesten, kulturellen und politischen Beiträgen sowie begleitenden Show-, Party- und Clubveranstaltungen stärkt die örtliche Veranstaltungswirtschaft, Technikdienstleister sowie die lokale Künstler- und Musikszene. In die Gesamtbetrachtung einzubeziehen sind zugleich die mit der Durchführung verbundenen öffentlichen Aufwendungen, insbesondere für Sicherheitsmaßnahmen, Reinigung, Infrastruk- tur, Verkehrsmanagement und Verwaltungsleistungen. Derartige Kosten sind für Veranstaltun- gen dieser Größenordnung typisch. Sie werden jedoch regelmäßig zumindest teilweise durch die erzeugten Steuereinnahmen sowie die touristischen und wirtschaftlichen Folgewirkungen kompensiert. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Cologne Pride für Köln in mehrfacher Hinsicht einen bedeutsamen wirtschaftlichen Faktor darstellt. Neben erheblichen kurzfristigen Umsatz- und Beschäftigungseffekten trägt sie mittelfristig zur Stärkung der Event- und Kulturwirtschaft sowie wirtschaftlicher Netzwerke bei und leistet langfristig einen wichtigen Beitrag zur interna- tionalen Sichtbarkeit und Standortattraktivität der Stadt Köln. Zu 2.: Zur Höhe der Erträge an den Wochenenden (auch des Cologne Pride) liegen dem Steueramt keine entsprechenden Daten vor. Die Beherbergungsbetriebe melden die Übernachtungssteuer (Kulturförderabgabe) quartals- weise, jeweils zum 15. Tag nach Ende des Quartals, beim Steueramt an. In der Steueranmel- dung geben die Betriebe die Einnahmen des gesamten Quartals in einer Summe an. Eine Dif- ferenzierung bzw. Verteilung auf einzelne Tage erfolgt nicht. Zu 3.: 3 In Bezug auf die Ankünfte und Übernachtungen, die in Köln getätigt werden, erhält die Köln- Tourismus GmbH monatlich Informationen durch das statistische Landesamt IT.NRW. Für den Monat Juli 2025 sind es 352.034 Ankünfte sowie 613.244 Übernachtungen (61,2% aus dem Inland, 38,8% aus dem Ausland). Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt 1,7 Tage. Es lassen sich aus diesen Daten keinerlei Rückschlüsse auf bestimmte Tage des Monats, die Aufenthaltsdauer auf einzelne Tage etc. ziehen. Was die Hotelraten angeht, so kann die KölnTourismus GmbH derzeit auf zwei Quellen zu- rückgreifen: Laut MKG Consulting lag die Durchschnittsrate für Hotels im Juli bei 95 €, der RevPar (Erlös pro verfügbarem Zimmer) bei 65,7 €. Die Firma Lighthouse bietet ein Tool an, welches auch Auskunft über einzelne Tage liefert. Hier werden für den 04.07. eine durchschnittliche Rate von 179 €, für den 05.07. 208 € und für den 06.07. 139 € ausgewiesen. Diese liegen somit um einiges über dem durch MGK ermittelten Durchschnitt und lassen darauf schließen, dass die Auslastung zu diesem Zeitpunkt hoch war. Über das Ausgabeverhalten zu bestimmten Events und Veranstaltungen wie hier zum Co- logne Pride liegen leider keine Erhebungen vor. Zu 4.: Die Stadt Köln misst der Cologne Pride im Kontext der Positionierung Kölns als vielfältiger, of- fener und international attraktiver Wirtschaftsstandort eine erhebliche strategische Bedeutung bei. Die Veranstaltung geht dabei über ihre Funktion als gesellschaftliches und kulturelles Großereignis hinaus und ist zugleich als sichtbares Signal für die Weltoffenheit, Diversität und urbane Modernität der Stadt zu bewerten. Vor dem Hintergrund des internationalen Wettbe- werbs um Fachkräfte, Investitionen, Unternehmen und Besucherinnen und Besucher trägt Co- logne Pride dazu bei, Köln als toleranten, inklusiven und zukunftsorientierten Standort zu pro- filieren. Die hohe nationale und internationale Sichtbarkeit der Veranstaltung stärkt das Image Kölns als lebenswerte, kosmopolitische Metropole und ist auch vor dem Hintergrund der wirt- schaftlichen Effekte als bedeutend einzustufen (siehe Frage 1). Zu 5.: Großveranstaltungen mit ausdrücklichem Diversity- und Inklusionsbezug werden in den wirt- schaftsstrategischen Überlegungen der Stadt Köln zunehmend nicht allein als Kultur- oder Gesellschaftsereignisse, sondern auch als instrumentelle Bestandteile einer modernen Stand- ort- und Wirtschaftspolitik betrachtet. Sie entfalten ihre Bedeutung auf mehreren strategischen Ebenen und tragen dazu bei, wirtschafts-, standort- und gesellschaftspolitische Zielsetzungen miteinander zu verbinden. Ein wesentlicher Aspekt liegt in ihrer Funktion als Bestandteil der Standortmarkenstrategie. Die Stadt kann entsprechende Veranstaltungen gezielt zur Profilbildung im internationalen Wettbewerb der Städte nutzen. Hierdurch wird Köln als offene, kosmopolitische und vielfältige Metropole positioniert und zugleich eine Differenzierung gegenüber anderen Wirtschaftsstan- dorten ermöglicht. Diese Außenwirkung unterstützt nicht nur das Stadtmarketing, sondern auch die internationale Vermarktung des Standortes im Hinblick auf Tourismus, Investitionen und die Gewinnung von Fachkräften. Veranstaltungen mit Diversity-Bezug sind damit nicht ausschließlich kulturpolitisch einzuordnen, sondern auch als Element der Außenwirtschafts- und Standortstrategie zu verstehen. Darüber hinaus kommt ihnen im Wettbewerb um qualifizierte und mobile Fachkräfte eine er- hebliche Bedeutung zu. Kommunale Wirtschaftsförderung berücksichtigt zunehmend, dass bei Standortentscheidungen neben klassischen ökonomischen Faktoren auch Lebensqualität, ge- sellschaftliche Offenheit und inklusive Arbeits- und Lebensumfelder eine wichtige Rolle spie- len. Großveranstaltungen mit Diversity- und Inklusionsbezug können hierbei als sichtbarer Ausdruck gelebter Offenheit und Vielfalt wahrgenommen werden und somit einen weichen, zugleich aber strategisch relevanten Standortfaktor darstellen. Zudem stehen solche Veranstaltungen im Zusammenhang mit der Förderung von Innovati- 4 ons- und Kreativökosystemen. In vielen kommunalen Entwicklungsansätzen wird kulturelle Of- fenheit als förderlich für kreative Milieus, Innovation und wirtschaftliche Dynamik angesehen. Veranstaltungen dieser Art stärken kreative Szenen, ziehen internationale Netzwerke an und erhöhen die urbane Attraktivität insbesondere für wissensintensive Branchen. Dies betrifft in Köln in besonderem Maße die Medien-, Kultur- und Digitalwirtschaft, die für den Standort von erheblicher Bedeutung sind. Auch für die Tourismus- und Eventwirtschaft besitzen entsprechende Großveranstaltungen eine strategische Funktion. Sie können gezielt in touristische und eventbezogene Strategien eingebunden werden, da sie zur Auslastungssteigerung in Hotellerie und Gastronomie beitra- gen, internationale Besuchermärkte ansprechen, die Aufenthaltsdauer von Gästen verlängern und saisonale Nachfrageimpulse setzen. Aufgrund ihrer Planbarkeit und Reichweite gelten sie zugleich als relevante Nachfragegeneratoren mit messbaren fiskalischen und wertschöpfungs- bezogenen Effekten. Ein weiterer Gesichtspunkt ist ihre Rolle für Public-Private-Partnerships und wirtschaftliche Netzwerke. Die Planung, Förderung und Begleitung solcher Veranstaltungen erfolgt häufig im Zusammenwirken von Stadt, Unternehmen, Verbänden, Kulturinstitutionen und zivilgesell- schaftlichen Akteurinnen und Akteuren. Hierdurch entstehen Netzwerkeffekte zwischen Wirt- schaft, Politik und Stadtgesellschaft, die über das eigentliche Veranstaltungsereignis hinaus- reichen und wirtschaftlich relevante Kooperationen, Sponsoringstrukturen sowie die Bindung von Unternehmen an den Standort fördern können. Zugleich werden soziale Inklusion und gesellschaftliche Offenheit in modernen Stadtentwick- lungsstrategien zunehmend als Faktoren langfristiger ökonomischer Stabilität verstanden. Eine integrative und vielfältige Stadtgesellschaft kann zu geringeren sozialen Spannungen, höherer Lebenszufriedenheit, besseren Rahmenbedingungen für die Integration internationa- ler Arbeitskräfte sowie insgesamt zu einer nachhaltigen Attraktivität des urbanen Raums bei- tragen. Diversity-bezogene Großveranstaltungen unterstützen diese Zielsetzungen sowohl in symbolischer als auch in praktischer Hinsicht. Schließlich zeigt sich ihre Relevanz auch darin, dass sie in unterschiedliche strategische Pla- nungsinstrumente integriert werden können, etwa in Tourismus- und Eventstrategien, Leitbil- der internationaler Stadtentwicklung, Programme der Wirtschaftsförderung, Kulturentwick- lungspläne sowie Nachhaltigkeits- und ESG-bezogene Positionierungen der Kommune. Sie sind insofern als Querschnittsinstrument zwischen Kultur-, Wirtschafts- und Standortpolitik zu verstehen. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Großveranstaltungen mit Diversity- und Inklusi- onsbezug in der kommunalen Wirtschaftsstrategie nicht isoliert betrachtet werden, sondern als Marketinginstrument, als Faktor im Wettbewerb um Fachkräfte und Investitionen, als Impuls- geber für Tourismus und Kreativwirtschaft, als Netzwerkplattform zwischen Wirtschaft und Ge- sellschaft sowie als Beitrag zur langfristigen Stabilität und Attraktivität des Standortes. Sie stellen damit ein strategisch bedeutsames Instrument einer modernen, wissens- und dienstleistungsorientierten Stadtentwicklung dar und gehen in ihrer Funktion deutlich über die eines reinen Kulturereignisses hinaus. Gez. Haack
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 1070/2026
- Typ
- Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
- Datum
- 21.04.2026
- Erstellt
- 15.04.2026 11:51