SV-2026/0062
Antrag der Fraktionen CDU, UFFBASSE, FDP und SPD vom 26. August 2026 betr. Modulbau bei Darmstädter Schulneubauten
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Antrag der Fraktionen CDU, UFFBASSE und FDP
zur Magistratsvorlage: 2026/0181 -Kommunale Infrastruktur Ludwigshöhviertel,
Bildungscampus, Baubeschluss Grundschule Ludwigshöhviertel-
Modulbau bei Darmstädter Schulneubauten
Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:
1. Neu begonnene Schulbauprojekte der Wissenschaftsstadt Darmstadt sollen
künftig grundsätzlich im Wege einer funktionalen Ausschreibung und unter
Anwendung modularer bzw. systematisierter Bauweisen geplant und realisiert
werden. Ziel ist es, Planungs- und Bauzeiten deutlich zu verkürzen, Kosten zu
reduzieren und eine höhere Kosten- und Terminsicherheit zu erreichen.
2. Die Vergabe soll dabei grundsätzlich so ausgestaltet werden, dass Planung und
Ausführung gebündelt an einen General- oder Totalübernehmer vergeben
werden können. Anstelle einer detaillierten Vorgabe einzelner baulicher Lösungen
sollen insbesondere die funktionalen, pädagogischen, räumlichen, qualitativen,
energetischen und wirtschaftlichen Anforderungen an das zu errichtende
Schulgebäude definiert werden.
3. Von diesem Grundsatz soll nur abgewichen werden, wenn der Magistrat
nachvollziehbar darlegt, dass eine modulare bzw. systematisierte Bauweise oder eine
funktionale Ausschreibung für das konkrete Schulbauprojekt aus technischen,
städtebaulichen, denkmalrechtlichen oder wirtschaftlichen Gründen nicht sinnvoll ist.
Eine entsprechende Abweichung ist dem zuständigen Ausschuss vor Beginn des
Vergabeverfahrens zu begründen.
4. Der Magistrat wird beauftragt, hierfür einen standardisierten Anforderungskatalog
für Darmstädter Schulneubauten zu entwickeln. Dieser soll insbesondere
pädagogische Anforderungen, Raumprogramme, Barrierefreiheit, Nachhaltigkeit,
Energieeffizienz, Aufenthaltsqualität, Flexibilität der Gebäudenutzung sowie
Anforderungen an Außenanlagen berücksichtigen. Dabei soll zugleich geprüft
werden, welche Bauteile, Raumtypen und Ausstattungsstandards schulübergreifend
standardisiert werden können.
5. Bei der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung sind neben den reinen Errichtungskosten
insbesondere Planungsdauer, Bauzeit, Kosten- und Terminsicherheit sowie die
Kosten über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes zu berücksichtigen.
6. Der Magistrat berichtet der Stadtverordnetenversammlung, bei welchen anstehenden
Schulbauprojekten dieses Verfahren erstmals angewendet werden kann und welche
Auswirkungen auf Baukosten und Realisierungszeiten gegenüber einer
konventionellen Planung und Vergabe erwartet werden.
Begründung
Darmstadt steht in den kommenden Jahren vor erheblichen Investitionen in seine
Schulinfrastruktur. Gleichzeitig zeigen die derzeit laufenden und zuletzt geplanten
Schulbauprojekte, dass die bisherige Form der Planung und Realisierung zunehmend an
finanzielle und zeitliche Grenzen stößt. Die Baukosten erreichen Größenordnungen, die
angesichts der angespannten Haushaltslage der Wissenschaftsstadt auf Dauer nicht mehr
leistbar sind. Gleichzeitig vergehen von den ersten Planungen bis zur tatsächlichen Nutzung
neuer Schulgebäude oftmals viele Jahre.
Darmstadt braucht gute Schulen – aber gute Schulen müssen auch bezahlbar und
rechtzeitig fertig sein.
Andere Kommunen zeigen, dass Schulgebäude durch modulare und systematisierte
Bauweisen erheblich schneller und wirtschaftlicher errichtet werden können. Moderne
Modulbauten haben dabei mit den früher häufig mit diesem Begriff verbundenen Provisorien
oder Containerlösungen nichts gemein. Sie können architektonisch hochwertig, langlebig,
energieeffizient und auf die konkreten pädagogischen Anforderungen einer Schule
zugeschnitten werden.
Ein wesentlicher Vorteil liegt in der Verbindung von funktionaler Ausschreibung,
standardisierten Bauweisen und der Bündelung von Planungs- und
Ausführungsverantwortung. Die Stadt beschreibt dabei nicht jedes bauliche Detail,
sondern definiert, was das Gebäude leisten muss: Welche Räume werden benötigt? Welche
pädagogischen Konzepte müssen möglich sein? Welche Anforderungen bestehen an
Qualität, Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Gestaltung? Die konkrete technische
Umsetzung wird anschließend im Wettbewerb entwickelt.
Durch die Vergabe an einen General- oder Totalübernehmer können Schnittstellen zwischen
Planung, Ausschreibung und Bauausführung erheblich reduziert werden. Gleichzeitig besteht
bereits zu einem deutlich früheren Zeitpunkt eine größere Sicherheit hinsichtlich Kosten und
Fertigstellungstermin.
Hinzu kommt die Möglichkeit, wiederkehrende Anforderungen an Schulgebäude stärker zu
standardisieren. Nicht jede neue Schule muss in allen Bereichen von Grund auf neu geplant
werden. Klassenräume, Fachräume, Sanitärbereiche, Verwaltungsbereiche oder technische
Lösungen weisen zahlreiche wiederkehrende Anforderungen auf. Eine intelligente
Standardisierung kann deshalb Planungsaufwand und Kosten reduzieren, ohne die
pädagogische oder architektonische Qualität einzuschränken.
Dabei geht es ausdrücklich nicht um eine Absenkung der Standards für unsere Schulen.
Im Gegenteil: Die Stadt soll weiterhin hohe Anforderungen an Aufenthaltsqualität,
Pädagogik, Barrierefreiheit, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz stellen. Entscheidend ist
jedoch, diese Anforderungen so zu formulieren, dass Anbieter im Wettbewerb die
wirtschaftlichste und schnellste Lösung entwickeln können.
Angesichts der finanziellen Situation Darmstadts kann die Antwort auf steigende Baukosten
nicht darin bestehen, notwendige Investitionen in Schulen immer weiter aufzuschieben.
Vielmehr müssen wir die Art und Weise verändern, wie wir bauen.
Modulares und systematisiertes Bauen, funktionale Ausschreibungen sowie eine stärkere
Bündelung der Verantwortung bieten die Chance, notwendige Schulgebäude schneller,
planbarer und wirtschaftlicher zu errichten – bei gleichbleibend hoher Qualität.
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt sollte diese Möglichkeiten künftig konsequent nutzen.
Darmstadt, den 26.08.2026
Dr. Annette Brunert, Caroline Groß CDU Fraktion
Kerstin Lau UFFBASSE Fraktion
Sven Beißwenger FDP Fraktion
SV-2026/0062
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Vorlage-Nr. SV-2026/0062 Antrag der Fraktionen CDU, UFFBASSE und FDP vom 26. August 2026 betr. Modulbau bei Darmstädter Schulneubauten
Beratungsverlauf (11)
Details
- Vorlagen-Nr.
- SV-2026/0062
- Typ
- Antrag
- Datum
- 27.08.2026
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00