AN/0803/2022
Kostenlose Toiletten in Köln für alle – unabhängig vom Geschlecht
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Sachstandsbericht Rat /Ausschuss
4235 Zeichen
Dezernat, Dienststelle
VIII/VIII
Vorlagen-Nummer
AN/0803/2022
Stand: 27.08.2024
Sachstandsbericht
Kostenlose Toiletten in Köln für alle – unabhängig vom Geschlecht
Beschluss gemäß Anderungsantrag (AN/0881/2022):
Wir bitten die Verwaltung zu prüfen und Wege aufzuzeigen, wie die kostenlose Nutzung be-
stehender öffentlicher Toilettenanlagen in Köln auch für Frauen und Mädchen gewährleistet
werden kann (z. B. auch unter Einbezug von Best Practice Beispielen aus anderen Städten
und Ländern).
Zudem bitten wir die Verwaltung,
zu prüfen an welchen Standorten ein erhöhter Bedarf an öffentlichen Toiletten vorhan-
den ist und sie finanziell zu beziffern (Anschaffung und Unterhaltung).
alle betroffenen Ämter (insbesondere das Liegenschaftsamt) mit in die Prüfung einzu-
beziehen.
Status in Bearbeitung
erledigt
Aktueller Bearbeitungsstand:
Seit Juli 2022 ist der Abfallwirtschaftsbetrieb der Stadt Köln für die Umsetzung des Toiletten-
konzepts verantwortlich. Das Toilettenkonzept wurde dahingehend weiterentwickelt, dass ent-
weder für alle Geschlechter ein nutzbares kostenpflichtiges oder ein kostenfreies Angebot be-
steht. Eine dahingehende Ungleichbehandlung der Geschlechter wird künftig daher vermie-
den.
Die im April 2023 eröffnete Toilettenanlage am Wilhelmplatz soll künftig zum neuen Standard
werden. Sie besteht aus einem für alle kostenpflichtigen, barrierefreien und behindertenge-
rechten City-WC (CWC) und einer für alle kostenlosen Unisex-Kabine. Andere bestehende
CWC-Anlagen verfügen statt der kostenlosen Unisex-Kabine über ein kostenfrei nutzbares
Urinal für Männer. Letzteres wird künftig nicht mehr verbaut. Die bestehenden Kombinationen
werden aufgrund des Bedarfs, der Aufrechterhaltung eines nutzbaren Angebots und aus fi-
nanziellen Gründen nicht zurück- oder umgebaut.
Ab 2024 resultiert aus der Unisex-Kabine ein neuer Toilettentyp, das Sitzen-Hocken-Stehen-
Modell (SHS). Das SHS reagiert auf die standortspezifischen Anforderungen in besonderen
Lagen wie z. B. am Neumarkt oder im Domumfeld. Es ist für alle Geschlechter kostenfrei. De-
tails zum SHS können in der Mitteilung 3125/2023 nachgelesen werden.
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Das städtische Happy Toilet Programm wurde systematisch ausgeweitet. Im Rahmen des
Programms wird teilnehmenden Betrieben eine Aufwandsentschädigung gezahlt, die ihre Toi-
lette der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Sie sind unter www.toiletten.koeln gelistet und
ergänzen das Toilettenangebot in Bereichen, wo eine städtische Toilettenanlage nicht möglich
ist. In den vergangenen 12 Monaten haben sich die Kooperationen verdoppelt auf über 60 teil-
nehmende Betriebe. Die Betriebe sind frei, ein Entgelt bis zu einem 1 Euro für die Benutzung,
ungeachtet des Geschlechts, zu erheben. Darüber hinaus wird den Happy Toilet Partnern ab
2024 eine zusätzliche Aufwandsentschädigung für Unisex-Kabinen gewährt, die die Wartezei-
ten vor Damentoiletten verkürzt und Gender-Gerechtigkeit unterstützt.
Der seit November 2023 im Volksgarten getestete neue Toilettentyp der Trockentoilette ist
mittels Unisex-Urinal für alle Geschlechter kostenlos nutzbar. Eine zweite Holy Shit Toilette
wird voraussichtlich noch im Laufe 2024 aufgestellt.
Ein ausführlicher Sachstand zur Umsetzung des städtischen Toilettenkonzepts ist unter der
Mitteilung 3829/2024 nachzulesen.
Sofern Entgelte für die Toilettennutzung erhoben werden, dient dies der Aufrechterhaltung der
Nutzbarkeit des Toilettenangebots und einem höheren Nutzungskomfort. Die Entgeltpflichtig-
keit hemmt zudem Vandalismus und schützt vor missbräuchlicher Nutzung.
Das Toilettenkonzept überprüft laufend aktuelle Bedarfe im Stadtgebiet. Dies geschieht u.a.
durch Eingaben, Anregungen und Beschwerden von Bürger*innen, Anfragen und Anträgen in
politischen Gremien der Stadt Köln sowie durch Evaluierungen der AWB Abfallwirtschaftsbe-
triebe Köln GmbH. Somit strebt die Verwaltung ein bedarfsgerechtes und gender-gerechtes
Toilettenangebot an. Je nach Standort werden stets sämtliche relevante städtische Dienststel-
len einbezogen, um die erfolgreiche verwaltungsinterne Abstimmung zu gewährleisten.
Nächste Schritte:
Der nächste Sachstandsbericht ist geplant für den:
SPD Antrag nach § 3
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An die Vorsitzende des Ausschusses für die Gleichstellung von Frauen und Männern Frau Teresa De Bellis -Olinger An Frau Oberbürgermeisterin Henriette Reker SPD-Fraktion im Rat der Stadt Köln Rathaus, Spanischer Bau 50667 Köln fon 0221. 221 259 50 fax 0221. 221 246 57 mail fraktion@koelnspd.de web www.koelnspd.de Eingang beim Amt der Oberbürgermeisterin: 07.04.2022 AN/0803/2022 Antrag gem. § 3 der Geschäftsordnung des Rates Gremium Datum der Sitzung Ausschuss für die Gleichstellung von Frauen und Männern 25.04.2022 Kostenlose Toiletten in Köln für alle – unabhängig vom Geschlecht Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, sehr geehrte Frau Ausschussvorsitzende, die SPD-Fraktion bittet Sie, folgenden Antrag in die Tagesordnung des Ausschusses am 25.04.2022 aufzunehmen: Der Ausschuss für die Gleichstellung von Frauen und Männern beschließt: 1. Die Verwaltung wirkt zeitnah darauf hin, dass alle Gebühren für die Nutzung öffentlicher Toilettenanlagen in Köln entfallen. Neben den kostenlosen Urinalen stehen damit zukünftig auch die öffentlichen Sitz-Toiletten kostenlos zur Verfügung. Bereits installierte Toiletten sol- len umgerüstet werden, geplante bzw. neue City-WC Anlagen (CWC) und sogenannte „Stein- auf-Stein“-Anlagen (SAS) sollen von vornherein ein kostenloses Angebot bieten. 2. Die Verwaltung wird gebeten, alle Möglichkeiten der Refinanzierung des Einnahmeausfalls in Höhe von ca. 200.000 Euro zu prüfen und umzusetzen. Begründung: Kritik daran, dass es in Köln allgemein zu wenige öffentliche Toilettenanlagen gibt, hat es in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder gegeben, weswegen der Rat bereits am 17.12.2013 das Strategiepapier für ein ganzheitliches Toilettenkonzept in Köln beschlossen hat. Allerdings geht aus dem Evaluierungsbericht zum Strategiepapier von 2017 hervor, dass sehr wenige feste Toilettenanlagen neu gebaut wurden – insbesondere mangelt es in Köln stark an im ganzen Jahr verfügbaren Toilettenanlagen, die von allen Menschen unabhängig vom Geschlecht genutzt werden können. Laut Antwort auf die Anfrage der SPD-Fraktion „Sachstand der Umsetzung des Toilettenkonzeptes Köln“ vom 21.06.2021 wurden seit dem Evaluierungsbericht nur vier neue Standorte in Betrieb genommen: Marktplatz Brück, Jahn- - 2 - wiese, Severinswall sowie Turkuplatz. Öffentliche Pissoirs wurden hingegen an vielen Stellen errichtet, um den Klagen über „Wildpinkler" entgegenzuwirken. So kommt es, dass schon vor der Pandemie eine deutlich geringere Versorgung von öffentlichen Toiletten für Frauen und Mädchen gegenüber Jungen und Männern in Köln zementiert wurde. Hinzu kommt, dass öffentliche Pissoirs in der Stadt Köln kostenlos genutzt werden können, jedoch für die Nutzung der öffentlichen Sitztoiletten eine Gebühr von 50 Cent erhoben wird. Dadurch werden Menschen benachteiligt, denen die Nutzung von Pissoirs nur schwer mög- lich ist – vor allem Frauen, aber auch Trans* sowie intergeschlechtliche und nichtbinäre Menschen. Die Verwaltung verteidigt die Einrichtung von kostenfreien Anlagen für Männer und Jungen, weil sie als ordnungspolitische Maßnahme in Kauf genommen werden müssten. Ein kosten- pflichtiges Urinal würde nicht angenommen und das Problem „Wildpinkeln" somit nicht be- seitigt. Dieses Konzept habe sich bewährt, „um das persönliche Fehlverhalten in der Öffent- lichkeit einzudämmen und in Teilen sogar zu verhindern“. Das heißt mit anderen Worten: Die Personen, denen die Nutzung von Pissoirs unmöglich ist, finanzieren über die einseitigen Toilettengebühren das Fehlverhalten der Männer. Doch dadurch, dass das Problem einem spezifischen Geschlecht zugeordnet werden kann, kann nicht von einem bloß „persönlichen Fehlverhalten“ ausgegangen werden. Immerhin benachteiligt die einseitige Gebührenerhebung eine ganze Geschlechtsgruppe. Zudem kommt das Wildpinkeln bei allen anderen Geschlechtern prinzipiell auch vor. Das Vorhalten von spezifischen Männertoiletten widerspricht der tragenden Idee zur zunehmenden Ein- richtung von Unisextoiletten. Diese „verwandelten“ sich dadurch tendenziell in „Alle-außer- Männer“-Toiletten. Um die Ungleichbehandlung der Geschlechter in der öffentlichen Toilettenfrage zu beenden, nannte die Verwaltung zwei Lösungen: Die Gebührenerhebung für alle oder für niemanden. Letzteres sei deswegen problematisch, weil sich das Konzept dann nicht mehr selbst finan- ziere sowie Zweckentfremdungen der frei zugänglichen Räume und daraus abzuleitende Fol- gekosten nach sich ziehe. Doch auch das rechtfertigt keine Ungleichbehandlung der Geschlechter. Eine berechtigte Frage ist auch, warum die öffentliche Bereitstellung von Toiletten als Finanzierungsproblem gesehen wird, statt diese als selbstverständlich und als öffentliche Daseinsvorsorge aufzufas- sen. Der Einnahmeausfall von rd. € 200.000 könnte zudem mit den Aufwandsersparnissen durch Wegfall des Personalaufwands zum Bereithalten, technischen Betreuen der Einnah- meautomaten und der Verwaltung und Abwicklung der Münzeinnahmen gegengerechnet werden. Die Erhebung der Gebühr ist nach alledem nicht nur eine ungerechtfertigte Diskriminierung, sondern sie kann im schlimmsten Fall auch dazu beitragen, dass die betroffenen Personen sich aus dem öffentlichen Raum zurückziehen, auch weil es für sie sowieso schon zu wenige öffentliche Toiletten gibt. Deshalb fordern wir die Bereitstellung von sicheren und hygienischen öffentlichen Toiletten zur kostenlosen Nutzung für alle Menschen, unabhängig von ihrem Geschlecht. - 3 - Mit freundlichen Grüßen Gez. Mike Homann SPD-Fraktionsgeschäftsführer
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Sache ist erledigt
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- AN/0803/2022
- Typ
- SPD Antrag nach § 3
- Datum
- 07.04.2022
- Erstellt
- 07.04.2022 16:12