A-R/0014/2010
Modellversuch: Bürgerbeteiligung bei der Vergabe der frei verfügbaren Mittel in einer Bezirksvertretung ermöglichen
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Originalantrag
6479 Zeichen
Antrag an den Rat Nr. A-R/0014/2010 F DP - RATSFRAKTION MÜNSTER – DIE LIBERALEN Die FDP - Fraktion im Internet: http://www.fdp-ms.de Email: fraktion@fdp-ms.de FDP - Ratsfraktion Geringhoffstraße 48 48163 Münster Tel.: 0251 - 987 30 60 Fax: 0251 - 987 30 61 Email: fraktion@fdp-ms.de Münster,11. Januar 2010 Antrag: Modellversuch: Bürgerbeteiligung bei der Vergabe der frei verfügbaren Mittel in einer Bezirksvertretung ermöglichen Der Rat möge beschließen: Die Verwaltung wird beauftragt zu klären, ob in ein er der aufgrund der Einwohneranzahl ge- eigneten münsterschen Bezirksvertretungen ein Inter esse daran besteht, modellhaft ein Kon- zept für eine Bürgerbeteiligung bei der Vergabe der frei verfügbaren Mittel des BV-Haushaltes 2011 umzusetzen. Ferner wird die Verwaltung beauftragt, im Falle ein er festen Interessenbekundung durch eine Bezirksvertretung im Rahmen eines Modellversuchs ei n solches Konzept für eine Beteiligung der Bürger bei der Vergabe der frei verfügbaren Mit tel in dieser Bezirksvertretung vorzulegen. Bei den in Frage kommenden Bezirksvertretungen bewe gen sich die Etatansätze der frei ver- fügbaren Mittel im Haushaltsplanentwurf 2010 zwisch en 74.300 Euro (Bezirksvertretung Ost) und 130.850 Euro (Bezirksvertretung West). Im Rahmen dieses Konzepts soll die umfassende Information und Einbindung der Bürgerinnen und Bürger in die Beratung und Entscheidung über di e Vergabe der frei verfügbaren Mittel erreicht werden. Soweit der Modellversuch erfolgrei ch verläuft, kann das Konzept einer Bür- gerbeteiligung bei der Vergabe der frei verfügbaren Mittel einer BV dann unter Berücksichti- gung der unterschiedlichen räumlichen Gegebenheiten der einzelnen Bezirksvertretungen auf die anderen Bezirksvertretungen in Münster übertrag en werden, wenn diese dem Konzept zustimmen. Begründung: Der kommunale Haushalt und auch die Haushalte der B ezirksvertretungen werden von vielen Bürgerinnen und Bürgern als kompliziertes, undurchs chaubares Regelwerk betrachtet. Das hat zur Folge, dass diese sich nicht näher damit au seinandersetzen, was sich nicht zuletzt auch daran zeigt, dass nur wenige Bürgerinnen und B ürger in den letzten Jahren von ihrem Recht Gebrauch gemacht haben, den kommunalen Haushaltsentwurf einzusehen. Dabei könnten der kritische Blick von außen und die kreativen Ideen der Bürger den politisch Verantwortlichen nützlich sein, wie die Bertelsmann -Stiftung in ihren Studien wiederholt her- vorhebt. Gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen hat die Bertelsmann-Stiftung daher das Projekt "Kommunaler Bürgerhaushalt NRW" ins Leb en gerufen. Darin haben sich die sechs Projekt-Städte Castrop-Rauxel, Emsdetten, Ham m, Hilden, Monheim und Vlotho der Aufgabe gestellt, ihre Aufgaben und Ausgaben transp arent zu machen und die Bürger und ihre Anregungen stärker in die Haushaltsentscheidungen einzubeziehen. - 2 - Ziel des Projektes ist es, den Bürgern zu ermöglich en, sich aktiv in die Aufstellung des Haus- halts einzubringen. Dadurch können auch die Zwänge von Ein- und Ausgaben eines kommu- nalen Haushalts besser nachvollzogen und so möglicherweis e der vielfach monierten Politik- müdigkeit aktiv begegnet werden. In Deutschland gibt es bereits auf verschiedenen Eb enen Ansätze, einen Bürgerhaushalt zu erproben und die Bürger in die entsprechenden Entsc heidungsprozesse einzubinden. Auf der einen Seite gibt es dabei größere Gemeinden und Stä dte, die nach Sachgebieten differenziert einen Teil ihres Haushalts in Form eines Bürgerhaus haltes für die Diskussion öffnen, auf der anderen Seite gibt es insbesondere kleine und klein ste Gemeinden und Stadtteile, die ihren Gesamthaushalt im Bereich der freiwilligen Leistung en den Bürgern vor- und zur Diskussion stellen. Die Erfahrungen und Auswertungen der bisherigen Bür gerhaushalte anderer Kommunen zei- gen, dass die Umsetzung eines Bürgerhaushaltes und die Größe der jeweiligen Gemeinde oder Stadt in enger Verbindung zueinander stehen: Je kleiner die Gemeinde oder der Stadtteil ist, deren Haushalt diskutiert werden soll, desto e infacher ist die Umsetzung eines Bürger- haushaltes. Dies betrifft nicht nur die auf Seiten der Verwaltung benötigten personellen Res- sourcen und Sachmittel, sondern auch die Möglichkei ten und Formen der direkten Kommuni- kation und Information. Wo in kleinen Gemeinden meist schon in einer Vor-Or t-Veranstaltung alle interessierten Bür- gerinnen und Bürger erreicht werden, muss in größer en Städten ein deutlich höherer Aufwand eingeplant werden, um eine entsprechende und gut fu nktionierende Kommunikationsstruktur zu schaffen. So waren beispielsweise in Groß-Umstad t (22.000 Einwohner in neun einge- meindeten Dörfern) eine zentrale Informationsverans taltung und mehrere Bürgersprechstun- den als Informationsplattform ausreichend. In größe ren Städten wie Köln musste hingegen neben einer breit angelegten Informationskampagne u nd Bürgerversammlungen auch eine Internetplattform geschaffen werden, die rund um di e Uhr erreichbar ist und an sieben Tagen in der Woche im Mehrschichtbetrieb moderiert wird. Beim ersten Kölner Bürgerhaushalt 2008 entstanden dabei Kosten in Höhe von 200.000 Euro fü r die Infrastruktur und die mediale Be- gleitung des Bürgerhaushaltes und daneben weitere P ersonalkosten. Aufgrund der ver- gleichsweise sehr hohen Anzahl der Einwohner hält d ie FDP-Fraktion die BV Mitte hinsichtlich eines Modellversuches für nicht geeignet. Inhaltlich hat sich gezeigt, dass die Bürgerinnen u nd Bürger in allen Kommunen mit Bürger- haushalten wesentlich mehr Ausgaben als Einsparunge n vorgeschlagen haben. Hier wird die Politik für einen entsprechenden Ausgleich sorgen müssen. Organisatorisch haben die bisherigen Erfahrungen ge zeigt, dass sich ein Bürgerhaushalt mit einem vertretbaren personellen und sächlichen Aufwand am ehesten in einem kleineren Raum umsetzen lässt. Die FDP-Fraktion schlägt daher vor, in einem Modellversuch zunächst in einer münsterschen Bezirksvertretung ein solches Konzept für eine Beteiligung der Bürger bei der Vergabe der frei verfügbaren Mittel in dieser Bezir ksvertretung umzusetzen. Im Erfolgsfall kann dieses Modell dann auf die anderen Bezirksvertretungen ausgeweitet werden. gez. Carola Möllemann-Appelhoff Hans Varnhagen Jürgen Reuter Dr. Karin Obst Sebastian Steinzen Gisela Geschkewitz Jens Lenski
Beratungsverlauf (1)
Orte (1)
- Geringhoffstraße 48
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Details
- Vorlagen-Nr.
- A-R/0014/2010
- Typ
- Antrag an den Rat
- Datum
- 26.01.2010
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37