2021/0007
Bericht des Runden Tisches Wald und Bürger*innenbefragung zum Stadtwald Darmstadt
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9705 Zeichen
- 2 -
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats-
geschäftsstelle:
07.01.2021
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat V an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss-
fassung Fachausschuss
Dezernat I
Dezernat IV
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
I IV
V 56 67
Stvv
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2021/0007
Magistratsbeschluss-Nr.
24
Internetfähig
Produkt-Nr.: 555010
Kostenstelle: 067-030-1100 Investitionsnummer:
Kostenträger: 555011 Sachkonto: div. Sachkonten
Betreff: Bericht des Runden Tisches Wald und Bürger*innenbefragung zum Stadtwald
Darmstadt
Vorlage vom: 06.01.2021
Beschlussvorschlag:
1. Der Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung nehmen den Abschlussbericht des
Runden Tisches Wald zum Stadtwald Darmstadt zur Kenntnis.
2. Der Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung beschließen das Leitbild und stimmen
den vorgeschlagenen Leitlinien und Handlungsempfehlungen des Abschlussberichtes zu.
3. Maßnahmen von besonderer finanzieller Bedeutung werden in gesonderten Magistratsvorlagen
beschlossen.
4. Das vorliegende Leitbild und die Leitlinien und Handlungsempfehlungen sollen Grundlage der
nächsten Forsteinrichtung für 2023 – 2033 werden.
5. Die Bürger*innenbefragung zum Darmstädter Stadtwald wird zur Kenntnis genommen
- 3 -
Anlagen: Bericht Runder Tisch Wald 2020-01-05
BürgerInnenumfrage Stadtwald 2020 - Abschlussbericht
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
Beschluss des Magistrats vom 13.01.2021
Der Vorlage wird zugestimmt.
- 4 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 06.01.2021
Darmstadt wurde und wird „die Stadt im Walde“ genannt, da noch im 19. Jahrhundert die
Siedlungsfläche fast vollständig von Wald umschlossen war . Heute ist nahezu die Hälfte der
Fläche der Stadt mit 5.752 Hektar Wald bestockt, die größten Flächenanteile sind
Staatswald, der Stadtwald der Wissenschaftsstadt Darmstadt umfasst eine Fläche von ca.
2000 Hektar und ist geteilt in den „Westwald“ ( 57 % des Stadtwaldes) westlich des
Siedlungskörpers und den „Ostwald “ (43 %) im Osten.
Der Stadtwald erbringt integrale Waldfunktionen, die Teil der unverzichtbaren
Ökosystemdienstleistungen sind. Hierzu zählen Boden -, Schadstoff-, Klima-, Lärm- und
Wasserschutzfunktionen aber auch Umweltbildungs - und Erholungsfunktion für die
Bevölkerung sowie Naturschutzfunktionen. Den Stadtwald zeichnet hierbei besonders aus,
dass die meisten Bestände gleich mehrfache Ö kosystemdienstleistungen auf den jeweiligen
Flächen erbringen.
Durch den Klimawandel, Zerschneidungen, Schädlinge un d andere Kalamitäten ist der
Stadtwald – wie nahezu alle Waldgebiete in Hessen, Deutschland und Mitteleuropa – teilweise
stark geschädigt. Gerade die heißen und extrem trockenen Sommer in 2018, 2019 und 2020
haben zu großen Schäden im Stadtwald – vor allem im Westwald – geführt.
Dies ist zum Beispiel an Blattverfärbungen, vorzeitigem Blattfall, Dürrästen, abplatzenden
Baumrinden, Astbruch bis hin zum Absterben ganzer Bäume oder Baumgruppen für alle
Bürger*innen erkennbar. Auf die Frage: „Wie schätzen Sie d en Zustand/die Gesundheit des
Darmstädter Stadtwaldes insgesamt ein?“ antworteten 75 % der in der Bürger*innen-
Umfrage 2020 Befragten, dass sie seine Existenz als gefährdet oder eher gefährdet
einschätzen. Diese Einschätzung ist nach dem vorliegenden Waldz ustandsbericht
(Magistratsvorlage 2021/0005) zutreffend, in welchem der Waldzustand als
besorgniserregend eingeschätzt wird (s.u.).
Hierfür ist in erster Linie die Klimakrise ursächlich. Messdaten des letzten 10-Jahres-
Zeitraums (2010-2019) aus Darmstadt zeigen, dass im Sommerhalbjahr (April -September)
tendenziell weniger Niederschläge fielen und zugleich signifikant höhere Temperaturen (und
damit Wasserverdunstung) zu verzeichnen waren (vgl. Kapitel 1.3.1 des Berichtes des
Runden Tisches Wald). Die Schere zwischen beiden Klimafaktoren geht immer weiter
auseinander. Dies führt in der für Bäume entscheidenden Vegetationszeit zu einem
zunehmenden Wasserdefizit in den Böden und damit zu Dürrestress im Waldökosystem.
Gleichzeitig bedeutet den Stadtwald zu sch ützen, zu sanieren und zu erhalten aber auch die
Erhaltung der für die Bevölkerung der Wissenschaftsstadt Darmstadt so wichtigen
Ökosystemdienstleistungen. Aus diesem Grund wollen der Magistrat und die Darmstädter
Stadtverordnetenversammlung Wege finden, d en gesamten Stadtwald als komplexes
Ökosystem für die gegenwärtige und zukünftige Bevölkerung zu stabilisieren und zu erhalten.
Hierzu hat die Darmstädter Stadtverordnetenversammlung am 29.08.2019 die Errichtung
eines Runden Tisches Wald beschlossen (MV-2019/0198). Dieses Gremium, welches aus
Vertretungen von Naturschutzverbänden, Umweltbildung, der Wissenschaft, der Politik und
der Fachverwaltung besetzt ist und externe Referent *innen hinzuziehen kann, hatte sich unter
dem Vorsitz von Frau Stadträtin Akdeniz am 17.10.2019 konstituiert und in der gemeinsam
erarbeiteten Geschäftsordnung (MV -2019/0360) als Ziel die Erstellung des hier vorgelegten
Berichts gesetzt, welcher dann dem Magistrat, der Stadtverordnetenversammlung bzw. der
- 5 -
Bürgerschaft der Stadt Darmstadt zur Verfügung gestellt werden soll, um politische und
Verwaltungsentscheidungen vorzubereiten und zu unterstützen.
Neben der Entwicklung eines Leitbildes für den Stadtwald soll ten auch Vorschläge erarbeitet
werden, wie ausgehend vom heutigen Zus tand dieses Leitbild verwirklicht werden kann.
Dabei sollen Empfehlungen zum Waldmanagement gegeben werden, aber auch zur Erhaltung
des Waldes und zur Reduktion von externen Stressfaktoren.
Den Sitzungen des Runden Tisches Wald ging eine öffentliche Auftaktveranstaltung am
23.09.2019 voraus. Parallel zur Arbeit des Runden Tisches wurde vom Grünflächenamt in
Zusammenarbeit mit der Hochschule Darmstadt sowie dem Amt für Wirtschaft und
Stadtentwicklung eine Bürger*innenbefragung zum Stadtwald Darmstadt durchgeführt. Im
Januar 2020 wurden insgesamt 5.000 Fragebögen an repräsentativ ausgewählte Bürgerinnen
und Bürger der Stadt Darmstadt versandt. Von den 5.000 versendeten Fragebögen wurden
1.094 zurückgesendet, was einem Rücklauf von 22 % entspricht. Der Abschlussbericht der
Bürger*innenbefragung Darmstädter Stadtwald 2020 ist in Anlage 2 beigefügt.
In insgesamt 11 Sitzungen mit zahlreichen Fachvorträgen u.a. externer Referent*innen zu den
Themen Waldzustand, naturnahe Waldbewirtschaftung, Biodiversität, Wasser, Jagd, externe
Stressoren, Naturverjüngung, u.v.m. wurde über 14 Monate lang gemeinsam mit ca. 25-30
Teilnehmenden intensiv geprüft welche Konzepte sich im Stadtwald umsetzen lassen, welche
Randbedingungen zu beachten sind und wie Prioritäten zu setzen sind.
Mit der vorliegenden Magistratsvorlage wird der "Bericht des Runden Tisches Wald zum
Stadtwald Darmstadt" dem Magistrat, der Stadtverordnetenversammlung und der Öffentlichkeit
vorgelegt. Der Bericht beinhaltet eine Zustandsbeschreibung des Stadtwaldes Darmstadt, ein
Leitbild sowie Leitlinien und Handlungsempfehlungen für die künftige Behandlung des
Stadtwaldes Darmstadt.
Das Leitbild, das im Runden Tisch Wald unter Beteiligung von Zivilgesellschaft, Politik,
Verwaltung und Wissenschaft erstellt wurde, ist Grundkonsens für alle Beteiligten und
gemeinsame Basis im Umgang mit dem Stadtwald und soll nach Beschlussfassung die
Grundlage für ein breit fundiertes, abgestimmtes Vorgehen in den kommenden Jahren sein.
Aus diesem Grund wurde der vorliegende Abschlussbericht in den Sitzungen am 29.
September sowie am 6. und 25. November 2020 ausführlich diskutiert und abgestimmt.
Hierbei wurde jede Kernaussage diskutiert und abgestimmt, eingebrachte Änderungs- oder
Ergänzungsanträge wurden vorgestellt und zur Abstimmung gestellt sowie die demokratischen
Abstimmungsergebnisse transparent dokumentiert.
Nach Überzeugung des Runden Tisches Wald könnte die Wissenschaftsstadt Darmstadt mit
dem vorliegenden Leitbild vorbildhaft auch für andere Waldbesitzer*innen sein. Insbesondere
könne das Modell auch für den großen Flächenanteil des auf dem Gebiet der Stadt Darmstadt
stehenden Staatswalds Vorbildcharakter erzeugen, um ein einheitliches Waldökosystem-
Management des gesamten „Darmstädter Waldes“ zu erzielen.
Die Ergebnisse des Berichts des Runden Tisches zum Stadtwald Darmstadt, insbesondere das
Leitbild sowie die Leitlinien und Handlungsempfehlungen, die Erkenntnisse aus dem
Waldzustandsbericht 2020 sowie die Ergebnisse der Bürger*innenbefragung Darmstädter
Stadtwald 2020 sollen nach Beschlussfassung in die Planung der gesetzlich vorgeschriebenen
nächsten Forsteinrichtung (= 10 jährige Betriebsplanung) für die Planungsperiode 2023 - 2033
- 6 -
einfließen. Dafür müssen die notwendigen organisatorischen, personellen und finanziellen
Mittel bereitgestellt werden.
In zwei weiteren den Stadtwald der Wissenschaftsstadt Darmstadt betreffenden Vorlagen
werden die aktuellen Bestrebungen zu Bannwaldausweisung (MV2020/0086) zur Erhaltung
und Stärkung der Waldbereiche gerade im Westen der Wissenschaftsstadt Darmstadt –
welche durch die sich aktuell dramatisch verschärfende Klimakrise besonders betr offen sind
– und die Waldzustandserhebung (MV2021/0005) behandelt.
Darmstadt, 06.01.2021
Dezernat I Dezernat IV Dezernat V
Jochen Partsch André Schellenberg Barbara Akdeniz
Oberbürgermeister Kämmerer Stadträtin
anlage 4
310 Zeichen
Punkt 6: Bericht des Runden Tisches Wald und Bürger*innenbefragung zum Stadtwald Darmstadt (V-Nr. 2021/0007) Aufgrund der Abwesenheit des Magistrats wird die Vorlage aus dem Ausschuss für Umweltschutz und Nachhaltigkeit an den Haupt- und Finanzausschuss am 20.05.2021 zur fachlichen Beratung verwiesen.
2021/0007
9663 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
07.01.2021
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat V an die Stadtverordnete nversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Dezernat I
Dezernat IV
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2021/0007
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.: 555010
Kostenstelle: 067-030-1100 Investitionsnummer:
Kostenträger: 555011 Sachkonto: div. Sachkonten
Betreff: Bericht des Runden Tisches Wald und Bürger*innenbefragung zum Stadtwald
Darmstadt
Vorlage vom: 06.01.2021
Beschlussvorschlag :
1. Der Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung nehmen den Abschlussbericht des
Runden Tisches Wald zum Stadtwald Darmstadt zur Kenntnis.
2. Der Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung beschließen das Leitbild und stimmen
den vorgeschlagenen Leitli nien und Handlungsempfehlungen des Abschlussberichtes zu.
3. Maßnahmen von besonderer finanzieller Bedeutung werden in gesonderten Magistratsvorlagen
beschlossen.
4. Das vorliegende Leitbild und die Leitlinien und Handlungsempfehlungen sollen Grundlage der
nächsten Forsteinrichtung für 2023 – 2033 werden.
5. Die Bürger*innenbefragung zum Darmstädter Stadtwald wird zur Kenntnis genommen
Anlagen: Bericht Runder Tisch Wald 2020 -01-05
BürgerInnenumfrage Stadtwald 2020 - Abschlussbericht
- 2 -
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
Beschluss des Magistrats vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 06.01.2021
Darmstadt wurde und wird „die Stadt im Walde“ genannt, da noch im 19. Jahrhundert die
Siedlungsfläche fast vollständig von Wald umschlossen war . Heute ist nahezu die Hälfte der
Fläche der Stadt mit 5.752 Hektar Wald bestockt, die größten Flächenanteile sind Staatswald,
der Stadtwald der Wissenschafts stadt Darmstadt umfasst eine Fläche von ca. 2000 Hektar
und ist geteilt in den „Westwald“ ( 57 % des Stadtwaldes) westlich des Siedlungskörpers und
den „Ostwald“ (43 %) im Osten.
Der Stadtwald erbringt integrale Waldfunktionen, die Teil der unverzichtbare n
Ökosystemdienstleistungen sind. Hierzu zählen Boden -, Schadstoff-, Klima-, Lärm- und
Wasserschutzfunktionen aber auch Umweltbildungs - und Erholungsfunktion für die
Bevölkerung sowie Naturschutzfunktionen. Den Stadtwald zeichnet hierbei besonders aus,
dass die meisten Bestände gleich mehrfache Ö kosystemdienstleistungen auf den jeweiligen
Flächen erbringen.
Durch den Klimawandel, Zerschneidungen, Schädlinge und andere Kalamitäten ist der
Stadtwald – wie nahezu alle Waldgebiete in Hessen, Deutschland und M itteleuropa – teilweise
stark geschädigt. Gerade die heißen und extrem trockenen Sommer in 2018, 2019 und 2020
haben zu großen Schäden im Stadtwald – vor allem im Westwald – geführt.
Dies ist zum Beispiel an Blattverfärbungen, vorzeitigem Blattfall, Dürrä sten, abplatzenden
Baumrinden, Astbruch bis hin zum Absterben ganzer Bäume oder Baumgruppen für alle
Bürger*innen erkennbar. Auf die Frage: „Wie schätzen Sie den Zustand/die Gesundheit des
Darmstädter Stadtwaldes insgesamt ein?“ antworteten 75 % der in der Bürger*innen-Umfrage
2020 Befragten, dass sie seine Existenz als gefährdet oder eher gefährdet einschätzen. Diese
Einschätzung ist nach dem vorliegenden Waldzustandsbericht ( Magistratsvorlage 2021/0005)
zutreffend, in welchem der Waldzustand als b esorgniserregend eingeschätzt wird (s.u.).
Hierfür ist in erster Linie die Klimakrise ursächlich. Messdaten des letzten 10 -Jahres-
Zeitraums (2010 -2019) aus Darmstadt zeigen, dass im Sommerhalbjahr (April -September)
tendenziell weniger Niederschläge fielen und zug leich signifikant höhere Temperaturen (und
damit Wasserverdunstung) zu verzeichnen waren (vgl. Kapitel 1.3.1 des Berichtes des Runden
Tisches Wald). Die Schere zwischen beiden Klimafaktoren geht immer weiter auseinander.
Dies führt in der für Bäume entsche idenden Vegetationszeit zu einem zunehmenden
Wasserdefizit in den Böden und damit zu Dürrestress im Waldökosystem.
Gleichzeitig bedeutet den Stadtwald zu schützen, zu sanieren und zu erhalten aber auch die
Erhaltung der für die Bevölkerung der Wissenscha ftsstadt Darmstadt so wichtigen
Ökosystemdienstleistungen. Aus diesem Grund wollen der Magistrat und die Darmstädter
Stadtverordnetenversammlung Wege finden, den gesamten Stadtwald als komplexes
Ökosystem für die gegenwärtige und zukünftige Bevölkerung zu stabilisieren und zu erhalten.
Hierzu hat die Darmstädter Stadtverordnetenversammlung am 29.08.2019 die Errichtung eines
Runden Tisches Wald beschlossen (MV-2019/0198). Dieses Gremium, welches aus
Vertretungen von Naturschutzverbänden, Umweltbildung, der Wissenschaft, der Politik und der
Fachverwaltung besetzt ist und externe Referent *innen hinzuziehen kann, hatte sich unter dem
Vorsitz von Frau Stadträtin Akdeniz am 17.10.2019 konstituiert und in der gemeinsam
erarbeiteten Geschäftsordnung (MV -2019/0360) als Ziel die Erstellung des hier vorgelegten
Berichts gesetzt, welcher dann dem Magistrat, der Stadtverordnetenversammlung bzw. der
Bürgerschaft der Stadt Darmstadt zur Verfügung gestellt werden soll, um politische und
Verwaltungsentscheidungen vorzubereiten und zu unterstützen.
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Neben der Entwicklung eines Leitbildes für den Stadtwald soll ten auch Vorschläge erarbeitet
werden, wie ausgehend vom heutigen Zustand dieses Leitbild verwirklicht werden kann. Dabei
sollen Empfehlungen zum Waldmanagement gegeben werden, aber auch zur Erhaltung des
Waldes und zur Reduktion von externen Stressfaktoren.
Den Sitzungen des Runden Tisches Wald ging eine öffentliche Auftaktveranstaltung am
23.09.2019 voraus. Parallel zur Arbeit des Runden Tisches wurde vom Grünflächenamt in
Zusammenarbeit mit der Hochschule Darmstadt sowie dem Amt für Wirtschaft und
Stadtentwicklung eine Bürger*innenbefragung zum Stadtwald Darmstadt durchgeführt. Im
Januar 2020 wurden insgesamt 5.000 Fragebögen an repräsentativ ausgewählte Bürge rinnen
und Bürger der Stadt Darmstadt versandt. Von den 5.000 versendeten Fragebögen wurden
1.094 zurückgesendet, was einem Rücklauf von 22 % entspricht. Der Abschlussbericht der
Bürger*innenbefragung Darmstädter Stadtwald 2020 ist in Anlage 2 beigefügt.
In insgesamt 11 Sitzungen mit zahlreichen Fachvorträgen u.a. externer Referent*innen zu den
Themen Waldzustand, naturnahe Waldbewirtschaftung, Biodiversität, Wasser, Jagd, externe
Stressoren, Naturverjüngung, u.v.m. wurde über 14 Monate lang gemeinsam mit ca. 25-30
Teilnehmenden intensiv geprüft welche Konzepte sich im Stadtwald umsetzen lassen, welche
Randbedingungen zu beachten sind und wie Prioritäten zu setzen sind.
Mit der vorliegenden Magistratsvorlage wird der "Bericht des Runden Tisches Wald zum
Stadtwald Darmstadt" dem Magistrat, der Stadtverordnetenversammlung und der Öffentlichkeit
vorgelegt. Der Bericht beinhaltet eine Zustandsbeschreibung des Stadtwaldes Darmstadt, ein
Leitbild sowie Leitlinien und Handlungsempfehlungen für die künftige Behandlung des
Stadtwaldes Darmstadt.
Das Leitbild, das im Runden Tisch Wald unter Beteiligung von Zivilgesellschaft, Politik,
Verwaltung und Wissenschaft erstellt wurde, ist Grundkonsens für alle Beteiligten und
gemeinsame Basis im Umgang mit dem Stadtwald und soll nach Beschlussfassung die
Grundlage für ein breit fundiertes, abgestimmtes Vorgehen in den kommenden Jahren sein.
Aus diesem Grund wurde der vorliegende Abschlussbericht in den Sitzungen am 29. September
sowie am 6. und 25. November 2020 ausführlich diskutiert und abgestimmt. Hierbei wurde jede
Kernaussage diskutiert und abgestimmt, eingebrachte Änderungs- oder Ergänzungsanträge
wurden vorgestellt und zur Abstimmung gestellt sowie die demokratischen
Abstimmungsergebnisse transparent dokumentiert.
Nach Überzeugung des Runden Tisches Wald könnte die Wissenschaftsstadt Darmstadt mit dem
vorliegenden Leitbild vorbildhaft auch für andere Waldbesitzer*innen sein. Insbesondere könne
das Modell auch für den großen Flächenanteil des auf dem Gebiet der Stadt Darmstadt
stehenden Staatswalds Vorbildcharakter erzeugen, um ein einheitliches Waldökosystem -
Management des gesamten „Darmstädter Waldes“ zu erzielen.
Die Ergebnisse des Berichts des Runden Tisches zum Stadtwald Darmstadt, insbesondere das
Leitbild sowie die Leitlinien und Handlungsempfehlungen, die Erkenntnisse aus dem
Waldzustandsbericht 2020 sowie die Ergebnisse der Bürger*innenbefragung Darmstädter
Stadtwald 2020 sollen nach Beschlussfassung in die Planung der gesetzlich vorgeschriebenen
nächsten Forsteinrichtung (= 10 jährige Betriebsplanung) für die Planungsperiode 2023 - 2033
einfließen. Dafür müssen die notwendigen organisatorischen, personellen und finanziellen Mittel
bereitgestellt werden.
- 5 -
In zwei weiteren den Stadtwald der Wissenschaftsstadt Darmstadt betreffenden Vorlagen werden
die aktuellen Bestrebungen zu Bannwaldausweisung (MV2020/0086) zur Erhaltung und
Stärkung der Waldbereiche gerade im Westen der Wissenschaftsstadt Darmstadt – welche
durch die sich aktuell dramatisch verschärfende Klimakrise besonders betroffen sind – und die
Waldzustandserhebung (MV2021/0005) behandelt.
Darmstadt, 06.01.2021
Dezernat I Dezernat IV Dezernat V
Jochen Partsch André Schellenberg Barbara Akdeniz
Oberbürgermeister Kämmerer Stadträtin
anlage 1
84368 Zeichen
Bericht des Runden Tisches zum Stadtwald Darmstadt
Seite 1
Bericht des Runden Tisches
zum
Stadtwald Darmstadt
Bestandsaufnahme – Leitbild – Leitlinien & Handlungsempfehlungen
Bericht des Runden Tisches zum Stadtwald Darmstadt
Seite 2
PRÄAMBEL 4
1 UNSER STADTWALD – EINE BESTANDAUFNAHME 7
1.1 Die natürlichen Waldgesellschaften 7
1.2 Waldgeschichte 8
1.3 Heutiger Zustand des Stadtwaldes 9
1.3.1 Baumschäden 9
1.3.2 Flächenumfang und Zerschneidungen 11
1.3.3 Baumartenzusammensetzung 11
1.3.4 Baumalter und Waldphasen 12
1.3.5 Holzvorrat 12
1.3.6 Baumverjüngung, Rehwilddichte und Pflanzungen 13
1.3.7 Biologische Vielfalt 13
1.3.8 Schadstoffe 14
1.3.9 Waldinnenklima 14
1.3.10 Waldböden 14
1.3.11 Grundwasser 15
2 LEITBILD FÜR UNSEREN STADTWALD 17
2.1 Der Stadtwald bleibt in seinem gegenwärtigen Flächenumfang dauerhaft erhalten. 17
2.2 Der Stadtwald besteht aus biologisch vielfältigen und funktionsfähigen, naturnahen Waldökosystemen. 18
2.3 Der Stadtwald ist stabil und anpassungsfähig. 18
2.4 Der Stadtwald erbringt heute und künftig für die Menschen unverzichtbare Ökosystemdienstleistungen 18
3 LEITLINIEN UND HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN 20
Leitlinie 1: Die Baumartenzusammensetzung soll den natürlichen Waldgesellschaften entsprechen. 20
Leitlinie 2: Die natürliche Verjüngung des Waldes soll gefördert werden. 22
Leitlinie 3: Im Stadtwald sollen eine hohe Vielfalt an naturnahen Strukturen, ein ho her Holzvorrat und natürliche
Waldentwicklungsprozesse gefördert werden. 23
Leitlinie 4: Die biologische Vielfalt wird gefördert und die Vernetzung von Waldlebens- sowie Landschaftsräumen
verbessert. 25
Leitlinie 5: Der Bodenschutz soll stärker berücksichtigt werden. 26
Leitlinie 6: Das Waldinnenklima soll geschützt werden. 27
Leitlinie 7: Erfahrenes forstliches Fachpersonal soll das ganzheitlichen Waldökosystem -Management systematisch
umsetzen. 28
Leitlinie 8: Die reguläre Holznutzung soll zunächst ausgesetzt werden. 28
Leitlinie 9: Erholungsnutzung & Umweltbildung sollen gefördert werden. 29
Leitlinie 10: Umsetzung und Begleitung 30
Bericht des Runden Tisches zum Stadtwald Darmstadt
Seite 3
4 WICHTIGE RAHMENBEDINGUNGEN 32
Handlungsfeld 1: Der Stadtwald soll in seinem Flächenumfang vollumfänglich erhalten werden. 32
Handlungsfeld 2: Beitrag zum Stopp der globalen Klimaerwärmung leisten. 33
Handlungsfeld 3: Luftschadstoffe reduzieren. 33
Handlungsfeld 4: Sorgsamer Umgang mit Wasser. 34
5 FAZIT 35
GLOSSAR 36
ANLAGE 39
Hinweis für Leser/innen:
Wörter, die mit einem * gekennzeichnet sind, werden im Glossar ab Seite 36 kurz definiert.
Bericht des Runden Tisches zum Stadtwald Darmstadt
Seite 4
Präambel
Ohne die vielfältigen Wirkungen des Menschen wäre das Stadtgebiet von Darmstadt nahezu
gänzlich von Wald bedeckt. Noch im 19. Jahrhundert war die Siedlungsfläche fast vollständig vom
Wald umschlossen. Man nannte Darmstadt daher „die Stadt im Walde“. Heute ist noch knapp die
Hälfte der Fläche der Stadt mit 5.752 ha Wald bestockt. Der Wald ist vornehmlich in öffentlicher
Hand. Von der Gesamtwaldfläche entfallen 63 % auf das Land Hessen (in Abb. 1 hellgrün darge-
stellt), 36 % auf die Wissenschaftsstadt Darmstadt (in Abb. 1 dunkelgrün dargestellt, im Folgen-
den Stadtwald genannt) und nur ca. 1 % befinden sich in Privatbesitz.
Das größte Waldareal (57 % des Stadtwaldes) erstreckt sich als „Westwald“ etwa westlich der B3;
einen weiteren Waldkomplex (43 %) bildet der „Ostwald“:
Abbildung 1: Waldflächen im Eigentum der Stadt Darmstadt = Stadtwald Darmstadt
(Eine detaillierte Stadtwaldkarte ( Forstwirtschaftskarte Stadtwald Darmstadt (2013) findet sich im Anhang, S. 40)
Bericht des Runden Tisches zum Stadtwald Darmstadt
Seite 5
Diese außergewöhnlich großen Waldungen sind ein Naturkapital von unermesslichem Wert für
die Menschen unserer Stadt. Die Darmstädter Bevölkerung hat sich einer Befragung dazu be-
kannt, den Stadtwald intensiv als Bewegungsraum zu nutzen. Die Bandbreite reicht vom ent-
spannten Spazierengehen über sportliche individuelle und Gruppen-Trainingsprozesse bis hin zu
Wegenutzung durch Reiter*innen und Radfahrer*innen mit unterschiedlichen Interessen.
Nahezu der gesamte Wald (97 %) erbringt besondere Schutzfunktionen, die Teil der sogenannten
Ökosystemdienstleistungen* sind. Während im Westwald Schadstoff-, Klima-, Lärm- und Wasser-
schutzfunktionen dominieren, hat der Ostwald vorrangig Bedeutung für Erholung und Natur-
schutz. Die meisten Bestände erbringen gleich mehrfache Ökosystemdienstleistungen* (im Mittel
4,3 Funktionen pro ha); das zeichnet unseren Stadtwald aus. Damit erweist er sich als ein Schatz,
den es zu bewahren gilt – daraus resultiert aber auch eine große Verantwortung.
Diese ist uns in den letzten Jahren in aller Deutlichkeit vor Augen geführt worden, denn zuneh-
mend mehr Bäume sind geschädigt, was man zum Beispiel an Blattverfärbungen, vorzeitigem
Blattfall, Dürrästen, abplatzenden Baumrinden, Astbruch bis hin zum Absterben des ganzen Bau-
mes erkennen kann. Diese schon lange auftretenden Baumschäden haben inzwischen ein teilwei-
se flächiges Ausmaß angenommen, vornehmlich im Westwald. Aber auch im Ostwald haben die
Schäden drastisch zugenommen. Auf die Frage: „Wie schätzen Sie den Zustand/die Gesundheit
des Darmstädter Stadtwaldes insgesamt ein?“ antworteten 75 % der in einer Bürger*innen-
Umfrage 2020 Befragten, dass sie seine Existenz als gefährdet oder eher gefährdet einschätzen.
Diese dramatische Situation erschreckt und beunruhigt Bürgerschaft, Stadtpolitik und -
verwaltung, Forstleute und Naturschutzverbände gleichermaßen.
Im Juni 2018 wurde durch Vertreter des BUND und weiterer Naturschutzverbände und Bürgerini-
tiativen im Rahmen der Bürger*innensprechstunde des Umweltausschusses1 der Wissenschafts-
stadt Darmstadt, der sich unter anderem mit dem Wirtschaftsplan des Stadtwaldes Darmstadt für
das Forstwirtschaftsjahr 2018 beschäftigte, ein Moratorium für die weitere Waldbewirtschaftung
und die Nutzung von Holz aus dem Stadtwald vorgeschlagen.
Dieses Moratorium beinhaltet ab 2019 einen generellen Verzicht auf Nutzung gesunder Bäume
im Stadtwald Darmstadt. Ausschließlich Bäume, welche aus Gründen der Verkehrssicherung ge-
fällt werden mussten, wurden zur weiteren Nutzung zugelassen. Darüberhinausgehende not-
wendige größere Pflegemaßnahmen wurden vom Forstamt Darmstadt in Abstimmung mit dem
Umweltdezernat und Stadträtin umgesetzt.
1 https://darmstadt.more-rubin1.de/sitzungen_top.php?sid=ni_2018-UmweltA-
128&suchbegriffe=&select_koerperschaft=&select_gremium=&datum_von=2018 -06-01&datum_bis=2018-12-
09&entry=60&sort=&kriterium=si
Bericht des Runden Tisches zum Stadtwald Darmstadt
Seite 6
In den sich anschließenden Überlegungen wurde deutlich, dass die Einrichtung eines Runden Ti-
sches Wald zielführend ist, welcher mit Magistrats- und Stadtverordnetenbeschluss im August
2019 etabliert wurde (MV-2019/0198) und dessen Ziel die Erstellung des hier vorgelegten Be-
richts war.
Die Mitglieder des Runden Tisches teilen die Besorgnis um den Stadtwald und kommen zu dem
Ergebnis, dass dringender Handlungsbedarf besteht, um alles Mögliche und Sinnvolle zur Erhal-
tung des so wertvollen Waldes zu tun. Auch wenn dies eine teilweise Abkehr von bisher Gewohn-
tem bedeutet und erhebliche Anstrengungen verlangt.
In der Öffentlichkeit wurde sogar schon vom „toten Stadtwald“ gesprochen. Vor solchen vor-
schnellen Urteilen muss eindringlich gewarnt werden. Aus Baumschäden, auch wenn sie massiv
auftreten, kann man nicht auf den Zustand des Gesamtsystems Wald schließen. Ein Wald ist erst
dann tot, wenn eine langfristige Regeneration ausgeschlossen ist. Das lehren uns viele Beispiele,
wie z.B. ausgedehnte Flächen mit toten Fichten nach Borkenkäferschäden im Nationalpark Baye-
rischer Wald, die inzwischen von vitalen Jungwäldern besiedelt werden. Allerdings: solche Rege-
nerationsprozesse brauchen in Wäldern Jahrzehnte oder länger – Zeitspannen, die die Geduld der
Menschen auf die Probe stellen.
Es geht aber nicht nur um Baumschäden. Der Wald ist mehr als die Summe seiner Bäume, näm-
lich ein Ökosystem*, das aus vielen Arten von Lebewesen besteht, aber auch unbelebte Bestand-
teile wie Waldinnenklima und Böden einschließt. Diese Bestandteile müssen alle unseren Schutz
genießen. Sie wirken zusammen und hängen voneinander ab. Nur wenn das gesamte Ökosystem
funktionsfähig und stabil ist, können Baumschäden vermieden und Ökosystemdienstleistungen*
erbracht werden. Im Vordergrund des Handelns müssen deshalb Maßnahmen stehen, die das
Ökosystem Wald insgesamt stärken.
Nur wer die Vergangenheit und Gegenwart kennt, kann die Zukunft gestalten. Deshalb gilt es zu-
nächst, sich den derzeitigen Zustand und seine Entwicklung anzuschauen (vgl. Kap 1.2 und Kap.
1.3). Man muss sich aber auch klar darüber werden, wie die Zukunft aussehen soll und welche
Prioritäten gesetzt werden (vgl. Kap. 2, S. 17). Erst dann lassen sich folgerichtige Handlungsemp-
fehlungen ableiten (vgl. Kap. 3, S. 20).
Bericht des Runden Tisches zum Stadtwald Darmstadt
Seite 7
1 Unser Stadtwald – eine Bestandaufnahme
1.1 Die natürlichen Waldgesellschaften
Wie sähe unser Wald aus, wenn es kein Einwirken des Menschen gäbe? Dieser „natürliche Zu-
stand“ ist eine wichtige Bezugsgröße bei der Einschätzung des aktuellen Zustands. Darmstadt
liegt in einer naturräumlich vielgestaltigen Umgebung, die viele ganz unterschiedliche Lebens-
räume hervorbringt. Es gibt also nicht den natürlichen Wald, sondern je nach Standort eine Viel-
zahl verschiedener natürlicher Waldgesellschaften. Sie bestehen aus einer Mischung vieler
Baumarten, die in unserem Gebiet heimisch sind.
Im Westen der Stadt (etwa westlich der B3) herrschen Böden aus Terrassen- und Flugsanden vor.
Diese haben von Natur aus ein sehr geringes Wasserspeichervermögen und sind überdies nähr-
stoffarm. In Kombination mit dem trocken-warmen Klima unserer Region handelt es sich um aus-
gesprochene Trockenstandorte, die von Natur aus das Wachsen von Bäumen erschweren. Hier
bestehen die natürlichen Waldgesellschaften überwiegend aus wärmeliebenden Eichen-Misch-
wäldern (vor allem aus Stiel-, aber auch Traubeneiche). Auch die Waldkiefer kommt hier von Na-
tur aus vor und kann auf den trockensten Standorten, wie etwa Dünenkuppen, sogar zur Vorherr-
schaft gelangen. Wenn die Standorte hingegen etwas mehr Bodenfeuchte haben, treten die
Hainbuche und seltener die Rotbuche mit hinzu.
Ganz anders ist das natürliche Waldbild im Osten der Stadt: Auf den von Silikatgesteinen gepräg-
ten, vorwiegend lehmigen Böden ist die wasserhaltende Kraft höher und auch die Niederschläge
nehmen am Odenwaldrand zu; im nördlichen Bereich des Ostwaldes steht hingegen das soge-
nannte „Rotliegende“ als Sperrschicht an, was insbesondere der Buche bei Trockenheit Probleme
bereitet. Daher sind hier Rotbuchen-Mischwälder anzutreffen, an denen sich je nach Standort vor
allem Eichen und Hainbuchen beteiligen. In geringerem Maße bereichern viele weitere Baumar-
ten die natürliche Artenzusammensetzung. In Geländemulden, Bachauen und auf stau- oder
grundwasserbeeinflussten Böden sind Stieleichen-Hainbuchen-Wälder verbreitet. Bei noch höhe-
rer Bodenfeuchtigkeit gehen diese in Auen-, Bruch- und Sumpfwälder über, in denen sich u.a.
Esche und Schwarzerle finden.
Ähnlich wie ein einzelner Organismus durchlaufen auch Waldbestände Phasen des Heranwach-
sens, Alterns, Zerfallens und Verjüngens. Rotbuchen können 300 Jahre und Eichen bis 1.000 Jahre
alt werden, sterben dann aber irgendwann einen natürlichen Alterstod, fallen Schädlingen oder
Naturkatastrophen wie Stürmen zum Opfer. Zu einem intakten Wald gehören daher unbedingt
auch abgestorbene Bäume, vielfältiges Totholz und Lichtungen. Hier finden dann auch Pionier-
baumarten wie Birke, Zitterpappel und Salweide ihren Platz. So entsteht auf der Gesamtfläche
Bericht des Runden Tisches zum Stadtwald Darmstadt
Seite 8
eines natürlichen Waldes eine hohe strukturelle Vielfalt mit abwechslungsreichen Waldbildern. In
der Gesamtheit dieser Waldentwicklungsphasen finden dann außer den Bäumen sehr viele wei-
tere Lebewesen eine natürliche Heimstatt und bilden zusammen die biologische Vielfalt.
Die beschriebenen Waldgesellschaften kennzeichnen unseren Stadtwald vor Beginn des Klima-
wandels. Sie verändern sich in dem Maße wie Temperaturen, Dürreperioden, Stürme und allge-
mein Extremwetterlagen zunehmen. Welche Waldgesellschaften sich unter diesen Bedingungen
ohne Einwirken des Menschen genau einstellen würden, ist schwer zu bestimmen und zu prog-
nostizieren. So werden z.B. Eichen künftig klimabedingt gegenüber Rotbuchen begünstigt. Im
Westwald werden die ohnehin schon trockenen Standorte noch ungünstiger für Waldbäume.
Allgemein lässt sich ein zunehmendes Auftreten sowohl von Zerfalls- wie auch Pionierphasen
erwarten.
1.2 Waldgeschichte
Der Mensch hat in unserem Gebiet schon seit der Jungsteinzeit Wälder gerodet und die verblie-
benen Waldreste stark geprägt. Im Mittelalter waren große Flächen ihres natürlichen Waldklei-
des beraubt und die Restflächen durch Waldweide und andere Nutzungsformen stark beeinträch-
tigt. Landschaftsökologisch blieb das nicht ohne Folgen. Sandverwehungen bis in das Gebiet der
Stadt sind dokumentiert. Auch wurde insbesondere nach der Gründung der Landgrafschaft Hes-
sen-Darmstadt 1576 der Wald im Nordosten von Darmstadt als barockes Jagdrevier genutzt. Da-
bei wurden die Wildbestände so hochgehalten, dass im Wald nur noch wenige alte „Hutebäume“
überlebten, während die Verjüngung ausblieb. Das schachbrettartig angelegte Wegesystem mit
seinen „Schneisen“ ist ein Relikt dieser Zeit. Die beginnende nachhaltige Forstwirtschaft im 19.
Jahrhunderts schuf durch systematische Aufforstungsprogramme neue Wälder. Die Bestände
wurden teilweise durch Kahlschlagwirtschaft bewirtschaftet; beeinflusst durch die Forstästhetik
wurde diese im 20. Jahrhundert aber stark eingeschränkt und der Wald im Schutz von „Überhäl-
tern“ (d. h. einzelnen, auf der Fläche verbleibenden sehr großen Bäumen) verjüngt.
Im Westwald wurde bei Wiederaufforstungen auf vielen Flächen die Waldkiefer verwendet, auch
im Bereich der natürlichen Eichen-Mischwaldgesellschaften. Als zusätzliche Baumarten wurden
im Unterstand besonders Rotbuche und Bergahorn gepflanzt. Der erhöhten Brandgefahr der Kie-
fernforste wollte man durch Anpflanzung von nordamerikanischen Roteichen begegnen. Noch bis
ins 20. Jahrhundert wurden den Waldökosystemen durch Streunutzung und Waldweide Nährstof-
fe entzogen und natürliche Waldarten zurückgedrängt. Infolge dieser naturfernen Bewirtschaf-
tung wurde schon Mitte des letzten Jahrhunderts vor erhöhter Krankheitsanfälligkeit der Kiefern
gewarnt und Bodenverschlechterung befürchtet. Im Unterwuchs stellten sich schon damals
schwer bekämpfbare Vergrasungen ein.
Bericht des Runden Tisches zum Stadtwald Darmstadt
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Im Vergleich dazu sind die Wälder des Ostwaldes in der Baumartenzusammensetzung aus Rotbu-
chen und Eichen deutlich naturnäher geblieben. Nutzungen wie Waldweide und Streurechen hat
es sicher auch hier gegeben. Vor allem viele große, alte Eichen in den heutigen Beständen bezeu-
gen frühere Wirtschaftsformen mit Auflichtungen sowie die Verjüngung mit der Überhälterwirt-
schaft.
Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts kam es zu erheblichen Waldrodungen für Truppenübungs-
plätze, Kasernen, Industrieansiedlungen, Bahnlinien, Autobahnen, Straßen, Energietrassen und
Waldsiedlungen. Der Landschaftsplan 2003 der Wissenschaftsstadt Darmstadt belegt, dass allein
von 1945 bis 1995 192 ha der städtischen Waldflächen verschiedenen Zwecken zum Opfer fielen.
In einzelnen Gebieten haben Grundwasserabsenkungen früherer Jahrzehnte den Wald geschädigt
(vgl. Kap. 1.3.11, S. 15).
1.3 Heutiger Zustand des Stadtwaldes
Bei der Frage „Wie ist der Zustand des Stadtwaldes?“ denken viele Menschen zuerst an die oben
erwähnten, erschreckenden Baumschäden. Zweifellos ist der Zustand der Bäume für einen Wald
von grundlegender Bedeutung. Für eine umfassende Zustandsbeschreibung sind aber weitere
Kennzeichen wichtig.
1.3.1 Baumschäden
Auf die besorgniserregende Schadsituation der Bäume wurde schon oben hingewiesen. Ein Gut-
achten, das vom Runden Tisch angeregt und von der Stadt umgehend beauftragt wurde, wird
diese ab 2020 jährlich erfassen. Es ergänzt die seit 1986 vom Forstamt im Rahmen der regelmäßi-
gen Waldzustandserhebung erstellten Waldschadensberichte, insbesondere auch durch seine
höhere Stichprobendichte.
Baumschäden wie in unserem Stadtwald sind kein lokales Problem. Sie treten seit den 1970er
Jahren deutschlandweit auf und machten als „Waldsterben“ Schlagzeilen. Die Wälder des Rhein-
Main-Gebietes wiesen dabei seit Beginn der Waldzustandserhebungen 1984 hessenweit über-
durchschnittliche Schäden auf. Überregional zeigt die wissenschaftliche Forschung komplexe Ur-
sachengefüge auf, in welchen Luftschadstoffe eine wichtige Rolle spielen.
Seit dem Trockensommer 2018 erreichen die Schäden im Stadtwald wie in ganz Deutschland ei-
nen neuen Höchststand. Daran ist der Klimawandel eindeutig wesentlich beteiligt. Messdaten des
letzten 10-Jahres-Zeitraums (2010-2019) aus Darmstadt zeigen, dass im Sommerhalbjahr (April-
September) tendenziell weniger Niederschläge fielen und zugleich signifikant höhere Temperatu-
ren (und damit Wasserverdunstung) zu verzeichnen waren (vgl. Abbildung 2). Die Schere zwi-
schen beiden Klimafaktoren geht immer weiter auseinander. Dies führt in der für Bäume ent-
Bericht des Runden Tisches zum Stadtwald Darmstadt
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scheidenden Vegetationszeit zu einem zunehmenden Wasserdefizit in den Böden und damit zu
Dürrestress im Waldökosystem. Klimamodelle sagen eine Verstärkung dieses Trends voraus.
Abbildung 2: Verlauf der Niederschlagssumme (blau) und mittleren Temperatur (°C) im Sommerhalbjahr (April – September) von
2010 – 2020 in Darmstadt (162 m NN) nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes. Der Trend für die Temperaturzunahme ist
statistisch signifikant; besonders extrem war der Sommer 2018. (erstellt von: Christian Storm, Patrick Voos)
Diese klimatischen Extremfaktoren wirken nicht nur direkt auf Bäume ein, sondern begünstigen
indirekt eine steigende Zahl an Krankheitserregern oder Schädlingen. Hier sei beispielhaft der
Maikäfer genannt, dessen Larven besonders in Pflanzungen im Westwald erhebliche Schäden
verursachen; zunehmend spielen aber auch andere Insekten und Pilze eine Rolle.
Eindeutig ist aber auch festzustellen, dass der Klimawandel nicht die alleinige Ursache für die
Baumschäden ist. So haben vielfältige Vorbelastungen insbesondere im Westwald, dazu beige-
tragen, dass der Klimawandel auf geschwächte Ökosysteme trifft.
Eine fundierte Ursache-Wirkungs-Analyse stellt eine große Herausforderung dar, die einer wis-
senschaftlichen Bearbeitung bedarf. Die Aufgabe des Runden Tisches war es nicht, eine solche
Forschungsarbeit zu leisten, sondern die aktuell verfügbaren (lokalen und überregionalen) Er-
kenntnisse zu sichten und auf dieser Basis Handlungsempfehlungen zu geben, was durchaus mög-
lich ist, da die Schäden überregional auftreten.
Bericht des Runden Tisches zum Stadtwald Darmstadt
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1.3.2 Flächenumfang und Zerschneidungen
Der Stadtwald Darmstadts umfasst heute eine Fläche von etwa 1973 ha. Dass diese Fläche kleiner
und zerstückelter ist als noch vor 150 Jahren, ergibt sich aus der Waldgeschichte (vgl. Kap. 1.2,
S. 8). Die verbliebenen Gebiete sind überdies durch linienförmige Trassen vielfach zerschnitten.
Dazu gehören nicht nur Autobahnen, Straßen und Eisenbahnlinien, sondern auch Stromtrassen,
Gasleitungen, Forstwirtschaftswege und das in Darmstadt „überaus dichte Wegenetz“ (vgl. Forst-
einrichtung* aus dem Jahr 2013). Über 8 % des Stadtwaldes bestehen aus Nebenflächen, wie z. B.
Wegen.
Diese Zerstückelungen und Zerschneidungen:
stören das waldtypische Innenklima, teilweise bis 100 m weit in die Bestände hinein,
führen durch Randeffekte zu erhöhten Einträgen an Luftschadstoffen und Sonnenbrand*
an Bäumen,
sind Einfallstore für die Ausbreitung walduntypischer oder gebietsfremder Arten (z. B.
Götterbaum),
sind Ausbreitungsbarrieren für waldtypische Arten,
vermindern den Wurzelraum der angrenzend stehenden Bäume und erhöhen so den Dür-
restress,
erschweren eine effektive Jagd,
führen zu Verkehrssicherungsmaßnahmen im angrenzenden Bestand, d.h. das Waldgefü-
ge wird weiter gestört.
Insgesamt führen diese Gefügestörungen durch Zerschneidungen zu einer starken Destabilisie-
rung der Wälder.
1.3.3 Baumartenzusammensetzung
Bedingt durch Standortsbedingungen und Waldgeschichte unterscheiden sich im Stadtwald die
aktuellen Baumartenzusammensetzungen in den beiden Waldgebieten: Nach den Daten der letz-
ten Forsteinrichtung* dominiert im Westwald die Waldkiefer 55 % die Bestände, im Ostwald sind
hingegen die Baumartengruppen Buche (38 %) und Eiche (34 %) prägend.
Im Stadtwald sind darüber hinaus zahlreiche weitere heimische Baumarten vorzufinden; in vielen
Beständen weicht die Artenzusammensetzung aber von der natürlichen Waldgesellschaft ab. Ins-
gesamt ist die Baumartenzusammensetzung im Westwald als überwiegend naturfern, im Ostwald
als weitgehend naturnah zu bezeichnen. Da viele standortgemäße heimische Baumarten deutlich
Bericht des Runden Tisches zum Stadtwald Darmstadt
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zu selten vorkommen und darüber hinaus selektiv vom Rehwild verbissen werden, ist die Anpas-
sungsfähigkeit des Waldes an Stressfaktoren und besonders den Klimawandel beträchtlich ge-
schmälert.
Außerdem kommen nicht-heimische (gebietsfremde) Baumarten (insbesondere Arten wie Spät-
blühende Traubenkirsche, Götterbaum und Robinie) inzwischen an vielen Stellen im Stadtwald
vor. Sie erreichen teilweise ein Ausmaß, das die biologische Vielfalt zu gefährden droht und be-
reits jetzt ein Hemmnis für die Verjüngung der heimischen Baumarten darstellt.
1.3.4 Baumalter und Waldphasen
Insgesamt ist der überwiegende Teil des Stadtwalds sehr jung; es gibt kaum Bestände mit über
140-jährigen Bäumen. Die Altersphasen sind also im Vergleich zu einem natürlichen Wald stark
unterrepräsentiert. Dies ist zum einen eine Folge von Sturmwürfen: 1990 führte der Orkan
Wiebke zu großen Sturmschäden. Zum Zweiten lassen die Schäden viele Bäume vorzeitig abster-
ben. Hinzu kommt, dass noch bis zum Moratorium 2018 (vgl. Präambel, S. 5) alte Bäume geerntet
wurden, unter anderem auch um die Verjüngung von Waldbeständen einzuleiten.
Leider sind zur Altersverteilung der Einzelbäume keine genauen Zahlen verfügbar, da bislang dazu
keine Daten erfasst wurden. Der Mangel an Altbäumen ist jedoch offenkundig und höchst be-
denklich, da diese eine unschätzbar wichtige ökologische Funktion einnehmen.
1.3.5 Holzvorrat
Der Holzvorrat ist das Holzvolumen der lebenden Bäume, das auf einer Fläche vorhanden ist. Er
ist eine wichtige Maßzahl um zu erfassen, wie dicht bestockt ein Wald ist. Es ist für ein intaktes
Waldökosystem von entscheidender Bedeutung, einen angemessenen Holzvorrat aufzuweisen,
weil nur dann viele waldtypische Ökosystemfunktionen bereitgestellt werden können, wie bei-
spielweise Kohlenstoffspeicherung. Außerdem kann ein dichter Wald den Klimawandel besser
abpuffern (vgl. Kap. 1.3.9, S. 14).
Die letzte Forsteinrichtung* 2013 hat einen Holzvorrat von 235 Vfm*/ha im Ostwald festgestellt.
Dies sind nur etwa 70 % des sogenannten Normalvorrates von 320 Vfm/ha (Holzvorrat bei voll-
ständig geschlossenem Kronendach, gleichmäßigem Altersaufbau und gegebener forstlicher Nut-
zung, die festlegt, in welchem Alter die Bäume gefällt werden). Dies zeigt, dass im Ostwald ein
erhebliches Defizit im Volumen lebender Bäume besteht, selbst wenn man den gegenwärtigen
Zustand mit einer Kennzahl für genutzte Wälder vergleicht. Bei forstwirtschaftlich ungenutzten
Bericht des Runden Tisches zum Stadtwald Darmstadt
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Buchennaturwäldern in Deutschland kann der Vorrat bei bis zu 700 bis 1000 Vfm/ha liegen. Auch
wenn standörtlich bedingt der Wert im Ostwald niedriger angesetzt werden muss, wird deutlich,
dass 235 Vfm/ha einen recht niedrigen Vorrat bedeuten. Ursächlich sind wiederum die in Kap.
1.3.4 genannten Faktoren.
Im Vergleich dazu war der Westwald bereits 2013 mit 154 Vfm/ha geradezu dramatisch „ausge-
dünnt“ (Normalvorrat wird hier wegen der ungünstigeren Wuchsbedingungen mit 214 Vfm/ha
angegeben). Bedingt durch die jüngsten Baumschäden ist der aktuelle Wert noch deutlich niedri-
ger anzusetzen. Hier liegen Substanzverluste vor, die nicht nur als naturfern zu kennzeichnen
sind, sondern auch einen stark destabilisierenden Faktor darstellen.
1.3.6 Baumverjüngung, Rehwilddichte und Pflanzungen
Entscheidend für ein intaktes Waldökosystem ist seine Fähigkeit, Baumjungwuchs aus eigener
Kraft hervorzubringen („Naturverjüngung“). Im Stadtwald ist diese entscheidend geschwächt.
Hauptursache sind zu hohe Rehwilddichten. Dazu liegen leider keine genauen Daten vor. In der
jüngsten Forsteinrichtung* von 2013 wird jedoch betont, dass Wildverbiss die natürliche Baumar-
tenvielfalt einschränkt und das Ziel gefährdet, Mischbestände aufzubauen. Besonders die – im
Klimawandel sehr wichtigen – Eichen, aber auch seltene Mischbaumarten leiden darunter. Bei
Pflanzungen werden deshalb im Stadtwald kostenaufwändige Zäunungen oder Einzelschutzmaß-
nahmen durchgeführt. In den vergangenen Jahren wurden viele Pflanzungen angelegt, die aus
vielfältigen Gründen nur teilweise erfolgreich waren.
1.3.7 Biologische Vielfalt
Es liegen einige Daten zum Vorkommen geschützter Arten und zur biologischen Vielfalt aus
Schutzgebieten vor, die bereits zehn bis zwanzig Jahre alt sind. Darüber hinaus existieren floristi-
sche Kartierungen, die für einige Arten im Wald deutliche Rückgänge festgestellt haben, welche
u. a. auf das Einbringen oder Vordringen von gebietsfremden Baumarten und vermehrte Stick-
stoffeinträge zurückgeführt werden könnten. Von besonderer Bedeutung für die Artenvielfalt
sind im Wald kleinflächig vorkommende Sonderstandorte, wie sumpfige oder zeitweise überflu-
tete Gebiete einerseits und trockene Dünenzüge und Flugsandstandorte andererseits, denn dort
kommen eine Reihe seltener und bedrohter Arten vor. Insgesamt besteht aber auch zur Einschät-
zung der biologischen Vielfalt ein eklatanter Mangel an direkten Erfassungsdaten.
Indirekt kann man auch ohne direkte Erfassungsdaten den Zustand der waldtypischen biologi-
schen Vielfalt beispielsweise aus dem Reichtum an alten Bäumen, einer langen natürlichen Wald-
Bericht des Runden Tisches zum Stadtwald Darmstadt
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kontinuität und einem geringen Zerschneidungsgrad erschließen. In diesen Punkten schneidet
der Stadtwald, wie oben ausgeführt, eher schlecht ab. Ein weiterer wichtiger Indikator insbeson-
dere für Pilze, Käfer sowie höhlenbrütende Vögel und Fledermäuse ist die Menge und die Vielfalt
an Totholz. Die letzte Forsteinrichtung* nennt hier äußerst geringe Werte. Durch die zuletzt zu-
nehmend beobachtbaren Baumschäden dürfte sich dieser Wert allerdings verbessert haben. Dies
macht deutlich, dass Baumschäden nicht einseitig als negativ für den Gesamtzustand des Ökosys-
tems bewertet werden dürfen.
1.3.8 Schadstoffe
Seit Beginn der Industrialisierung stehen die Wälder unter dem starken Einfluss vieler Luftschad-
stoffe wie Säurebildner, Ozon und vor allem Stickstoff-Verbindungen, die zu erheblichen Nähr-
stoffungleichgewichten in den Böden führen. Während sich die Situation bei den Säurebildnern
verbessert hat, sind die Einträge an Stickstoff nach wie vor viel zu hoch und führen zu einer De-
stabilisierung des Waldes. Dies lässt sich aus überregionalen Studien schließen; konkrete Mess-
werte aus dem Stadtwald liegen nicht vor.
1.3.9 Waldinnenklima
Charakteristisch für Waldökosysteme in den mittleren Waldentwicklungsphasen ist, dass sie
durch die Beschirmung mit Bäumen ein eigenes Waldinnenklima ausbilden. Dieses ist durch ver-
ringerte Sonneneinstrahlung und Temperaturextreme, erhöhte Luftfeuchtigkeit und verringerte
Windgeschwindigkeit gekennzeichnet. Es schützt den Wald bis zu einem gewissen Grad vor dem
Klimawandel und ist deshalb außerordentlich wichtig. Auflichtungen und Baumschäden stören
das Waldinnenklima in den jüngeren und mittleren Waldphasen teilweise erheblich.
1.3.10 Waldböden
Zu einem naturnahen Wald-Ökosystem gehören nicht zuletzt intakte Böden. Aktuelle Bodenda-
ten aus dem Stadtwald, insbesondere zur Bodenchemie, sind derzeit nicht verfügbar. Aufgrund
verschiedener Einwirkungen kann man aber davon ausgehen, dass mehr oder weniger große Be-
einträchtigungen vorliegen, besonders durch erhöhte Schadstoffeinträge, Nadelbaumanbau (Kie-
fer im Westwald) und Bodenverdichtungen infolge der Befahrung mit schweren Forstmaschinen.
Die Störungen des Waldinnenklimas (vgl. Punkt 1.3.9) führen zwangsläufig auch zu verstärktem
Humusabbau und erhöhten Stickstoff-Freisetzungen. Möglicherweise bestehen Gräben oder
Drainagen in Wäldern, die zu einem erhöhten Wasserabfluss führen. Alles bis hierher Genannte
wirkt ausgesprochen destabilisierend auf die Wälder.
Bericht des Runden Tisches zum Stadtwald Darmstadt
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1.3.11 Grundwasser
In Bereichen des nördlichen Westwaldes (Täubcheshöhle, nördlich des Waldfriedhofs) gab es zur
Mitte des letzten Jahrhunderts hohe Grundwasserstände (vgl. Abb. 3, S. 16). „Noch zu Beginn der
sechziger Jahre waren die hier stockenden äußerst wertvollen Waldbestände mit Flurabständen
von 1 - 5 m an das Grundwasser angeschlossen. Durch den Bau von Entnahmebrunnen, Galerien
und massiver Grundwasserförderung … kam es zu einer Absenkung des Grundwassers auf 5-7 m
teilweise sogar auf 7-10 m unter Flur. Die Waldbestände verloren jeglichen Grundwasseran-
schluss, was mittlerweile zu einem flächenhaften Absterben früher intakter Waldbereiche geführt
hat.“ (Landschaftsplan 2004).
Dieser Sachverhalt ist nicht auf die Gebiete südlich des Waldfriedhofs (Darmstädter und Eber-
städter Tanne) übertragbar und damit nicht auf den größten Teil des Darmstädter Westwaldes.
Wie die Karte zeigt, waren hier die Grundwasserstände bereits 1957 mindestens 7,5 m unter Flur.
Sie konnten daher nicht zur Wasserversorgung der Wälder beitragen. Dies ergibt sich aus boden-
kundlichem Wissen über den Grenzflurabstand*. Dieser beträgt in den vorliegenden Flugsandbö-
den 2,5 - 3 m und geht selbst in Schluffböden nicht über 4 m hinaus. Selbst wenn man annimmt,
dass Bodenwasser bis 5 m Tiefe für Baumwurzeln erreichbar ist, können die auch in diesem Teil
des Stadtwaldes zweifellos bestehenden Grundwasserabsenkungen nicht in Zusammenhang mit
den Baumschäden stehen.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Stadtwald nicht nur aufgrund der eklatanten Baum-
schäden, sondern auch in Hinsicht auf weitere Aspekte als teilweise naturfern, belastet, beein-
trächtigt und geschädigt zu bezeichnen ist. Dies ist nicht nur an und für sich beklagenswert, son-
dern führt auch dazu, dass der Wald zusätzlichen Belastungen nicht gewachsen ist. Er weist nicht
die erforderliche Stabilität auf. Dies ist in Zeiten des Klimawandels geradezu fatal. Diese Defizite
weisen aber auch den Weg, wenn es um Maßnahmen geht, die Baumschäden künftig zu mindern
und Regenerationsprozesse in Gang zu setzen (vgl. Kap. 3, ab S. 20).
Am Ende der intensiven Beratungen stimmen Frau Deutschler (UWIGA) und Herr Krone (Die Linke) als
einzige Mitglieder des Runden Tischers dafür, den folgenden Satz mit aufzunehmen. Er bildet damit eine
absolute Minderheitenmeinung ab: „Zusätzlich wurden auch die Wasserentnahmen durch Wasserwerke
Darmstadt und Pfungstadt der Hessenwasser GmbH & Co. KG so exzessiv gesteigert, dass sich inzwischen
schwerste Waldschäden auch in die Darmstädter und die Eberstädter Tanne flächig ausgebreitet haben.“
Bericht des Runden Tisches zum Stadtwald Darmstadt
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Abbildung 3: Karte Grundwasserflurabstand (Abstand der Grundwasseroberfläche zur Geländeoberfläche) im April 1957 © HLNUG
(https://www.hlnug.de/themen/wasser/grundwasser/grundwasserkarten/grundwasserkarten-hessische-rheinebene-
hessisches-ried/niedriggrundwasser-untere-grenzgrundwasserstaende-.flurabstand.html)
Bericht des Runden Tisches zum Stadtwald Darmstadt
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2 Leitbild für unseren Stadtwald
Es gilt das Ökosystem Wald in unserem Stadtwald in seinem Flächenumfang zu erhalten, in seiner
Qualität nachhaltig zu verbessern und wo notwendig zu sanieren bzw. zu stabilisieren. Der Runde
Tisch Wald schlägt daher vier Kriterien vor, die zusammen das Leitbild bilden.
2.1 Der Stadtwald bleibt in seinem gegenwärtigen Flächenumfang dauerhaft erhalten.
Grundbedingung für die Umsetzung des Leitbildes und unbedingte Voraussetzung für alles Weite-
re ist die Sicherung der Flächen, auf denen heute Waldökosysteme vorkommen, gegen Nut-
zungsänderungen, insbesondere Rodungen. Der Darmstädter Stadtwald ist grundsätzlich im Sinne
des Leitbildes als unersetzliches Naturkapital zu behandeln und nicht als Flächenreserve für wei-
tere Inanspruchnahme. Dies gilt auch für kleinere Flächeninanspruchnahmen, da sich solche in
der Summe über viele Jahre letztlich zu einem irreparablen Verlust summieren können. Dieser
kann auch durch Ersatzaufforstungen kaum ausgeglichen werden, da sich diese nur sehr langsam
zu neuen Waldökosystemen mit ihren vielfältigen Funktionen und Leistungen entwickeln und
außerdem zur Aufforstung geeignete Flächen im dichtbesiedelten Darmstädter Raum kaum zur
Verfügung stehen.
Bereits in der Vergangenheit wurden die Waldökosysteme besonders im Westwald durch vielfa-
che Zerschneidungen und Verkleinerungen stark destabilisiert – dies ist einer der Hauptgründe
für den jetzigen, vom Leitbild stark abweichenden Zustand (vgl. Kap. 1.2, S. 8 und Kap. 1.3.2, 11).
Jede weitere Flächenverkleinerung, Zerschneidung oder Fragmentierung könnte – gerade in der
sich verschärfenden Klimakrise – unkontrollierbare Waldauflösungsprozesse nach sich ziehen.
Auch Pionier- und Zerfallsphasen erfüllen mannigfache Ökosystemdienstleistungen und sind ent-
sprechend wertvoll. Daher muss klar sein, dass gemäß dem hier vorliegenden Leitbild jedes
Waldökosystem erhaltenswert ist und vor Eingriffen und Nutzungsänderungen bewahrt werden
soll, unabhängig davon, welche Waldentwicklungsphase es repräsentiert.
Gleichzeitig ist es - gerade im Kontext der essentiellen Bekämpfung des globalen Klimawandels
(vgl. Handlungsfeld 2, S. 33) – dennoch notwendig hier Abwägungen und Einzelfallentscheidungen
zu treffen. Dies gilt insbesondere bei Fragen überregionaler Bedeutung bspw. in der nachhaltigen
Mobilität zur Erreichung der ökologischen Verkehrswende, zu deren Gelingen auch die Wissen-
schaftsstadt Darmstadt ihren Beitrag leisten will und muss. Bei diesen notwendigen Abwägungs-
entscheidungen soll der Erhaltung der Waldflächen, die Minimierung des Eingriffs sowie insbe-
sondere der Vermeidung weiterer Zerschneidungen gegenüber anderen Abwägungskriterien eine
herausgehobene Bedeutung beigemessen werden.
Bericht des Runden Tisches zum Stadtwald Darmstadt
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2.2 Der Stadtwald besteht aus biologisch vielfältigen und funktionsfähigen, naturna-
hen Waldökosystemen.
Biologische Vielfalt (Biodiversität) besteht aus Artenvielfalt, genetischer und phänotypischer*
Vielfalt und der Vielfalt an Lebensräumen. Biologische Vielfalt ist angesichts des rasant fortschrei-
tenden Verlusts als Wert an sich anzustreben, aber auch als unverzichtbare Voraussetzung zur
Erreichung der anderen Ziele.
Die Funktionsfähigkeit der Waldökosysteme beinhaltet insbesondere die Fähigkeit zur Produkti-
on (und damit auch Kohlendioxidbindung), zum Stoffabbau, zu Nährstoffkreisläufen, zu einem
waldtypischen Wasserhaushalt, zur Schaffung eines typischen Waldinnenklimas, zur Bodenbil-
dung und -erhaltung und zur natürlichen Verjüngung der Waldbäume.
Naturnähe besteht in einem hohen Grad an Übereinstimmung mit einem natürlichen Waldöko-
system, das sich im selben Lebensraum ohne Eingriffe des Menschen bilden würde. Dies gilt nicht
nur für die Lebewesen, sondern auch für das Waldinnenklima und die Waldböden. Naturnähe
schließt weder gewisse menschliche Einflüsse zur Nutzung von Ökosystemdienstleistungen aus,
noch ein gezieltes Management, das gerade zur Erzielung höherer Naturnähe in einem gestörten
System erforderlich sein kann. Naturnähe ist ebenso ein Ziel wie auch ein Mittel zur Erreichung
der anderen Ziele.
2.3 Der Stadtwald ist stabil und anpassungsfähig.
Stabilität zeigt sich in der Fähigkeit eines Ökosystems, trotz der Einwirkung von Stressfaktoren
unverändert weiter zu bestehen (Resistenz) oder zumindest nach einer zeitweisen Veränderung
wieder zum ursprünglichen Zustand zurückzukehren (Resilienz). Diese Eigenschaften sind beson-
ders wichtig im Klimawandel oder unter Einwirkung äußerer Stressfaktoren wie von Luftschad-
stoffen. Gleichzeitig ist aber auch Anpassungsfähigkeit gefordert, denn sofern sich die Klimaver-
hältnisse stark verändern, muss sich notwendig auch die natürliche Waldgesellschaft daran an-
passen (vgl. Kap. 1.1, S. 7).
2.4 Der Stadtwald erbringt heute und künftig für die Menschen unverzichtbare Öko-
systemdienstleistungen
Wälder erfüllen für uns Menschen vielfältige Funktion, die sich als Ökosystemdienstleistungen*
beschreiben lassen. Diese sind gerade in einem Stadtwald besonders wichtig und sollen auch für
zukünftige Generationen erbracht werden können. Gleichwohl darf die Nutzung einzelner Funk-
tionen nicht das Ziel der Erhaltung des Waldes mit den vorgenannten Eigenschaften gefährden.
Bericht des Runden Tisches zum Stadtwald Darmstadt
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Bei Zielkonflikten schlägt der Runde Tisch Wald eine Priorisierung in folgender Reihenfolge vor:
Priorität 1: Lokale Schutzfunktionen
Schutz und Regulation der Umwelt
Regulation des Wasserhaushalts, Grundwasserbildung und Sicherung der Trink-
wasserversorgung
Klimaschutz (lokal), z. B. durch Frischluftbildung, Windschutz und Regulation des
Klimas in angrenzenden Siedlungsgebieten
Boden- und Erosionsschutz (z. B. gegen Flugsandbewegungen)
Schutz der biologischen Vielfalt
Förderung der Biodiversität, z. B. durch Arten- und Biotopschutz, Bewahrung ge-
netischer Vielfalt
Schutz vor anthropogenen Schadfaktoren
Luftreinigung (Immissionsschutz)
Lärmschutz
Schutz des Landschaftsbildes
Priorität 2: Soziale und kulturelle Funktionen
Angebot eines vielfältigen Erholungsraumes
Beitrag zur physischen und psychischen Gesundheit der Menschen
Beitrag zur Naturerfahrung und zum gesunden Heranwachsen von Kin-
dern/Jugendlichen
Beitrag als Natur- und Kulturerbe und Identifikationsobjekt (Heimat)
Bildungsfunktion und Arbeitsstätte
Funktion für die wissenschaftliche Forschung
Priorität 3: Beitrag zu nationalen und globalen Zielen
Abmilderung des Klimawandels durch CO2-Bindung
Erhaltung der regionalen und überregionalen Biodiversität
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3 Leitlinien und Handlungsempfehlungen
Wie die Bestandsaufnahme (vgl. Kap. 1, S. 7) gezeigt hat, ist der derzeitige Zustand unseres
Stadtwaldes in vielen Punkten nicht in Übereinstimmung mit dem Leitbild (vgl. Kap. 2, S. 17).
Teilweise müssen gravierende Zielabweichungen festgestellt werden, ja das Ausmaß der Baum-
schäden gefährdet unseren Wald sogar fundamental. Es ergibt sich deshalb dringender Hand-
lungsbedarf, der hier in Form von Leitlinien konkretisiert wird.
Unser Einfluss auf die Rahmenbedingungen und Stressfaktoren (vgl. S. 18), die den Wald von au-
ßen beeinträchtigen, ist sehr begrenzt (vgl. S. 32). Deshalb ist es umso wichtiger, alles Mögliche
zu tun, um die Wälder von innen heraus zu stärken und zu stabilisieren. Dazu ist es erforderlich,
neue Wege einzuschlagen. Wir gehen davon aus, dass eine umfassend definierte Naturnähe2 der
Schlüssel für die Erhaltung, Stabilisierung und Wertsteigerung des Waldes im Sinne des Leitbildes
ist. Deshalb schlagen wir vor, im Stadtwald Darmstadt das vorhandene Waldökosystem-
Management im ganzheitlichen Sinne weiterzuentwickeln und mit neuen Akzenten zu versehen.
Dieses kann dazu beitragen, dass sich der Stadtwald aus eigenen Kräften regenerieren und stabi-
lisieren kann. Ganzheitlich bedeutet hierbei, dass es nicht nur um die Frage geht, welche Bäume
gepflanzt oder entnommen werden, sondern darum, alle Bestandteile und Prozesse im Ökosys-
tem einzubeziehen. Diese Umstellung von einer herkömmlichen Waldbewirtschaftung zu einem
ganzheitlichen Waldökosystem-Management erfordert eine grundlegend neue Sichtweise.
Der Runde Tisch Wald schlägt zehn Leitlinien mit entsprechenden Handlungsempfehlungen vor:
Leitlinie 1: Die Baumartenzusammensetzung soll den natürlichen Waldgesellschaften
entsprechen.
Laubwälder (zum Beispiel aus Buche oder Eiche) haben einen anderen Charakter als Nadelwälder
(zum Beispiel aus Kiefer, Fichte oder Douglasie). Wir gehen davon aus, dass eine naturnahe
Baumartenzusammensetzung den Zielen des Leitbildes am besten dient. So kann beispielsweise
die künstliche Anpflanzung von Nadelbäumen an Standorten, die von Natur aus mit Laubbäumen
bewachsen wären, durch die versauernd wirkende Nadelstreu, erhöhte Wasserverdunstung und
verstärkte Einträge von Stickstoff und Säuren die Böden zusätzlich belasten und die im Klima-
wandel wichtigen Wasservorräte vermindern. Eine naturnahe Baumartenzusammensetzung führt
zu baumartenreichen Wäldern, die anders als Monokulturen weniger anfällig für Schädlinge sind
2 Im folgenden Text bezieht sich der Begriff „Naturnähe“ immer auf die allgemeine Definition nach Kap. 2.2. Die
Bedeutung wird in den folgenden Leitlinien konkretisiert. Er geht über bereits vorhandene Konzepte wie „naturnaher
Waldbau“ oder „naturgemäße Forstwirtschaft“ hinaus.
Bericht des Runden Tisches zum Stadtwald Darmstadt
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und den Wald gegen den Klimawandel und andere Stressfaktoren stärken. Für die heimischen
Baumarten (vgl. auch Kap. 1.1, S. 7) ist nach derzeitigem Wissensstand anzunehmen, dass sie zu-
mindest unter den prognostizierten Auswirkungen des Klimawandels existieren können, wenn die
Ziele des Pariser Klimaabkommens erreicht werden. In Bereichen des Stadtwaldes, in denen sich
durch die natürlichen Regenerationsprozesse keine klimawandeltolerante Baumartenzusammen-
setzung etabliert, ist das aktive Einbringen von gebietsfremden Baumarten zu erwägen. Hierbei
ist das Prinzip der vorausschauenden Anpassung an den Klimawandel zu berücksichtigen.
Das Einbringen von weiteren Baumarten führt hierbei einerseits zu einer Risikostreuung, ist aber
auch mit ökologischen Risiken verbunden. Derartige Maßnahmen sollten nur nach einer sorgfälti-
gen interdisziplinären Abwägung von Nutzen und Risiken vorgenommen werden. Besonders
nachteilig kann das Einbringen von Baumarten sein, die aus anderen Erdteilen stammen, denn
diese vermehren sich teilweise unkontrolliert und können heimische Arten verdrängen, wie das
Beispiel der Spätblühenden Traubenkirsche in Bereichen des Westwaldes zeigt.
Handlungsempfehlungen:
Baumarten, die nicht Bestandteil der natürlichen Waldgesellschaften des Darmstäter Stadt-
walds sind, werden in der Regel nicht eingebracht. Umgekehrt werden Arten, die sich durch
natürliche Prozesse einstellen, belassen. Dazu gehören auch Pionierbaumarten wie Salweide,
Birke und Zitterpappel.
Das Einbringen von Herkünften (sog. Provenienzen) heimischer Baumarten aus anderen Ge-
bieten (z. B. Rotbuche aus Polen) ist zu prüfen. Dies ist jedoch aktuell nur auf modellhaften
Flächen durchführbar, da das forstliche Saat- und Pflanzgutgesetz dem in seiner derzeitigen
Form entgegensteht.
Das Einbringen von Baumarten, die zwar in (Mittel-)Europa heimisch, aber nicht regionalty-
pisch sind (z.B. Esskastanie, Flaumeiche, Zerreiche) kann nach dem Prinzip der vorausschau-
enden Anpassung nach einer ausführlichen Abwägung der Chancen und Risiken eine Ergän-
zung der heimischen Baumarten darstellen.
Vom Einbringen von Baumarten aus anderen Erdteilen ist im Stadtwald Darmstadt grundsätz-
lich abzusehen.
Dort, wo bereits heute Baumarten vorkommen, die nicht den genannten Kriterien entspre-
chen, sind diese – wo möglich und sinnvoll – zurückzudrängen. Nötig ist das vor allem dann,
wenn die unkontrollierte weitere Ausbreitung dieser Arten die erwünschten Baumarten des
naturnahen Waldes beeinträchtigt (vgl. auch Kap. 1.1, S. 7).
Bericht des Runden Tisches zum Stadtwald Darmstadt
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Leitlinie 2: Die natürliche Verjüngung des Waldes soll gefördert werden.
Das heißt, dass der „Wald-Nachwuchs“ möglichst nicht durch die Pflanzung von jungen Bäumen
aus Baumschulen im Stadtwald eingebracht wird, sondern auf natürliche Weise aus den Samen
des vorhandenen Baumbestandes entsteht. Wichtig ist, dass sich alle Baumarten, die erwünscht
sind (vgl. Leitlinie 1, S. 20), auf natürlichem Wege in ausreichendem Maß verjüngen können. Dies
stellt sicher, dass die jungen Bäume an den lokalen Standort angepasst und zugleich genetisch
vielfältig sind. Dadurch erhöht sich die Stabilität des Waldes auch unter den Bedingungen des
Klimawandels.
Der Stadtwald ist durch die zu hohe Rehwild-Dichte weit von einer Erfüllung dieser Zielvorstellung
entfernt (vgl. Kapitel 1.3.6, S. 13). Durch den Verbiss der Knospen und Blätter der jungen Bäume
werden diese nicht nur geschädigt und im Heranwachsen behindert, sondern oft sogar völlig ver-
nichtet. Diese Problematik ist besonders im Westwald relevant, da dort die anderen Stressfakto-
ren bereits zu hohen Ausfällen führen.
Wildbiologische Untersuchungen zeigen überdies, dass das Rehwild einzelne Baumarten bevor-
zugt verbeißt, dazu gehören insbesondere seltene heimische Baumarten wie Elsbeere oder Eibe.
Aber auch die Knospen wichtiger bestandbildender Baumarten, wie z.B. der Eichen, werden im
Winter und frühen Frühjahr gerne gefressen. Diese Arten können gerade auch für die Klimawan-
delanpassung und damit Zukunftsfähigkeit des Waldes entscheidend sein. Es ist daher von höchs-
ter Dringlichkeit, die derzeit zu hohe Rehwild-Dichte im Stadtwald zu reduzieren. Durch ein effizi-
entes Wildtiermanagement muss künftig sichergestellt werden, dass die Rehwildpopulation den
Bedingungen eines naturnahen Waldes entspricht.
Handlungsempfehlungen:
Die Naturverjüngung aller erwünschten Baumarten (vgl. Leitlinie 1, S. 20) wird zugelassen.
Die Verjüngung des Waldes ist durch angepasste Schalenwildbestände zu sichern, daher sind
effektive und gut organisierte Jagkonzepte zu erarbeiten und umzusetzen. Diese müssen das
Ziel einer naturnahen, stabilen und vielfältigen Waldentwicklung sicherstellen. Solange dies
nicht der Fall ist, müssen Jungbäume vor Verbiss geschützt werden.
Weitere Weiserflächen werden angelegt, um den Wildverbiss systematisch zu erfassen und
zu beurteilen. Die Ergebnisse derartiger Erhebungen sollen zur Steuerung des Abschusses
durch die Untere Jagdbehörde herangezogen werden.
Sofern für die Erreichung einer naturnahen Baumartenzusammensetzung die natürliche Ver-
jüngung nicht ausreicht, wird diese vorzugsweise durch Saat (auch durch die sog. „Häher-
saat“* durch den Eichelhäher; nur wo nötig durch Pflanzung) ergänzt.
Die Gewinnung und Pflanzung von heimischen Wildlingen* stellt eine wichtige ergänzende
Strategie zur Förderung der Naturnähe dar.
Bericht des Runden Tisches zum Stadtwald Darmstadt
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Zur Förderung der Naturverjüngung kann es erforderlich sein, konkurrierende Pflanzen zu-
rückzudrängen. Dies betrifft insbesondere unerwünschte Baumarten (vgl. Leitlinie 1, S. 20),
aber auch einen zu dichten Unterwuchs aus Kräutern, Gräsern oder Brombeeren. Hier soll
kontrollierte, fachgerechte Beweidung z.B. mit Eseln oder Schafen als neuartige Methode er-
probt werden. Auch leichte, handgeführte Technik zum Entfernen der Pflanzen kann einge-
setzt werden.
Leitlinie 3: Im Stadtwald sollen eine hohe Vielfalt an naturnahen Strukturen, ein hoher
Holzvorrat und natürliche Waldentwicklungsprozesse gefördert werden.
Zu einem naturnahen Wald gehört, dass er vielfältige Strukturen aufweist. Dazu müssen alle
Waldentwicklungsphasen in ausreichenden Anteilen vertreten sein (vgl. Kap. 1.3.4., S. 12). Dies
sichert nicht nur die Stabilität des gesamten Waldökosystems, sondern bietet auch vielen Tier-
und Pflanzenarten eine Heimat und erhöht den Erlebnis- und Erholungswert. Im Stadtwald sind
nach der Bestandsaufnahme (vgl. Kapitel 1.3.4) vor allem die Altersphasen mit dicken, alten Bäu-
men stark unterrepräsentiert. Wie neue Forschungen zeigen, sind aber alte Bäume besonders
wichtig für das Gesamtsystem, wirken sie doch durch vielfältige Prozesse stabilisierend, fördern
die biologische Vielfalt und tragen in hohem Maße zur Kohlenstoffbindung bei. Deren Anteil muss
daher vordringlich in den nächsten Jahrzehnten erhöht werden.
Strukturell sehr wichtig ist außerdem Totholz. Dieses kommt in naturnahen Wäldern in vielfälti-
ger Weise vor: als stehender, abgestorbener Baum, als umgestürzter Stamm am Waldboden, als
vermodernde und zerfallende Äste und Zweige. Die verschiedenen Stadien werden von vielen
Tier- und Pflanzenarten, vor allem auch von Pilzen, als Nahrungsquelle und Wohnstätte genutzt,
darunter sind viele bedrohte Arten. Totholz kann auch Wasser speichern wie ein Schwamm und
so die Luftfeuchtigkeit sowie den Wasserrückhalt im Wald erhöhen – dies ist wichtig um die le-
benden Bäume in Dürrephasen zu schützen. Die letzten Reste des Totholzes werden zu Humus im
Waldboden. Dieser erhöht die Wasserspeicherung und bindet Kohlenstoff – ein vielfach unter-
schätzter Beitrag gegen den Klimawandel. Im Gegensatz zur manchmal geäußerten Meinung zei-
gen tote Bäume also keineswegs einen „toten Wald“ an, sondern sind ein wichtiger Bestandteil
eines lebendigen Waldökosystems.
Ein naturnaher Wald ist nicht nur durch seine Bestandteile (wie Bäume, Tiere, Böden) gekenn-
zeichnet, sondern auch durch natürliche Prozesse, die ablaufen, ohne dass der Mensch eingreift.
Der Darmstädter Stadtwald wurde über Jahrhunderte von Menschen geprägt und verändert. Ein
naturnaher Stadtwald lässt sich daher nicht von heute auf morgen „herstellen“, sondern ist das
Ergebnis einer langwährenden Entwicklung, weitgehend ohne Zutun des Menschen. Es gilt der
Leitsatz „Natur Natur sein lassen“. Auch künftig wird der Mensch aber eine Rolle spielen, etwa
um Erholungsnutzung zu ermöglichen, Maßnahmen der „vorausschauenden Klimaanpassung“
Bericht des Runden Tisches zum Stadtwald Darmstadt
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durchzuführen, die Stabilität des Waldökosystems zu erhöhen, (vgl. Leitlinie 1, S. 20) oder die
Wirkungen von Stressfaktoren zu mindern. Wichtig ist jedoch, dass auf einem Teil der Waldfläche
natürliche Prozesse ungestört ablaufen können. Solche Referenzflächen dienen dem Beobachten
und Lernen, um zu verstehen, wie sich das Ökosystem natürlich entwickelt.
Daraus lassen sich dann Empfehlungen für Maßnahmen auf den übrigen Flächen ableiten. Zu-
gleich bieten diese Flächen einen Ort, an dem sich Lebewesen ungestört entwickeln können. Sie
unterstützen insbesondere auch die natürliche Anpassung und Evolution von Waldökosystemen.
Handlungsempfehlungen:
Alle Waldentwicklungsphasen werden zugelassen und wertgeschätzt, auch die Alters-, Zu-
sammenbruchs- und Verjüngungsstadien gehören phasenweise zu einem naturnahen Wald.
Ältere Bäume (über 120 Jahre) werden nicht gefällt (sofern dies nicht aus Gründen der Ver-
kehrssicherung zwingend nötig ist), bis ein Zielwert für den Anteil von Altbäumen im Stadt-
wald erreicht ist (vgl. Leitlinie 8, S. 28).
Für die Bestandspflege sind Konzepte notwendig, welche die Ziele dieses Leitbildes in kon-
krete forstliche Maßnahmen umsetzen und nach dem Minimumprinzip durchgeführt wer-
den: „So viel wie nötig, so wenig wie möglich“. Grundsätzlich ist jede Maßnahme im Wald auf
ihre Notwendigkeit hin zu prüfen und zu begründen. Ein Verzicht auf Sommereinschläge so-
wie die Nutzung alter Buchen- und Eichenbestände ist zu prüfen.
Angestrebt werden soll, den Holzvorrat dauerhaft auf mindestens 70 bis 80 % des natürli-
chen Vorrats entsprechender Standorte anzuheben. Die nachhaltige Anhebung des Holzvor-
rates soll bei allen waldbaulichen Entscheidungen eine wichtige Zielsetzung sein.
Totholz (abgestorbene oder aus Verkehrssicherungsgründen gefällte Bäume) wird im Stadt-
wald nicht entfernt, sondern in den Beständen belassen, bis ein festzulegender Zielwert er-
reicht ist.
• Im Darmstädter Stadtwald sollen künftig 10 % der Fläche als Referenzflächen ausgewiesen
werden; eine Mindestgröße soll festgelegt werden, angestrebt wird eine Mindestgröße von
20 ha. Diese sollen sich ohne menschlichen Einfluss natürlich entwickeln. Diese „stillgelegten
Flächen“ werden rechtlich dauerhaft gesichert und stehen der Forschung zur Verfügung.
• Bereits heute gibt es, insbesondere im Westwald, viele Flächen mit hohen akuten Baum-
schäden bis hin zu flächigen Zerfallsphasen. Diese können auch künftig immer wieder ent-
stehen, z. B. bei Stürmen. Konventionell werden diese geräumt (Entfernung von Schad- und
Totholz, gegebenenfalls Bodenbearbeitung und Neubepflanzung). Hier wird künftig natürli-
chen Prozessen Raum gegeben (Sukzession), die von selbst früher oder später zu einer Ver-
jüngungsphase führen. Dieser Prozess kann, wo erforderlich, durch unterstützende, kleintei-
lig abgestimmte Maßnahmen gefördert werden (vgl. Leitlinie 2, S. 22).
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Leitlinie 4: Die biologische Vielfalt wird gefördert und die Vernetzung von Waldlebens-
sowie Landschaftsräumen verbessert.
Biologische Vielfalt (Biodiversität) umfasst drei Ebenen:
1. Der Darmstädter Stadtwald soll Lebensraum für eine natürliche Vielfalt von Lebewesen sein,
denn zu einem naturnahen Waldökosystem gehören nicht nur die Bäume, sondern eine unüber-
sehbare Zahl an Arten – Pflanzen, Tiere, Pilze und Mikroorganismen. Wichtig ist aber nicht eine
möglichst große Zahl an Arten, sondern das Vorkommen von solchen, die für den Naturraum, das
Ökosystem Wald und den jeweiligen Standort typisch sind. Diese Artenvielfalt ist nicht nur ein
Wert an sich, sondern für die Stabilität der Waldökosysteme entscheidend; sie erhöht auch die
Anpassungsmöglichkeit an sich verändernde Klimabedingungen. Dazu müssen Lebewesen und
Arten allerdings auch wandern können. Dies erfordert eine Vernetzung von Wäldern mit ausrei-
chenden Korridoren für den Austausch.
2. Zur biologischen Vielfalt gehört auch die Vielzahl an genetischen Typen unterhalb der Artebe-
ne. Auch diese bildet eine wichtige Grundlage für die Anpassung von Ökosystemen. Ganz beson-
ders wichtig ist eine hohe Vielfalt an lokal angepassten, genetischen Typen der Baumarten.
3. Schließlich muss auch die Vielfalt an standortangepassten Waldökosystemen einbezogen wer-
den, also die ganze Palette an natürlichen Waldgesellschaften. Kleinflächig gehören auch Ökosys-
teme von Sonderstandorten im Waldbereich dazu (z. B. Sandrasen auf Dünen im Westwald oder
Sumpfflächen im Ostwald).
Handlungsempfehlungen:
Störungen von Tieren während der sensiblen Brut-, Setz- und Aufzuchtzeiten sind von allen
Waldnutzern, insbesondere auch von Waldbesuchern, zu vermeiden. Forstliche Maßnahmen,
insbesondere Fällungen, Läuterungen und Durchforstungen, sind – mit Ausnahme von Ver-
kehrssicherungsmaßnahmen und Kulturpflege – nur außerhalb der Brut- und Setzzeiten zu-
lässig bzw. werden auf ein absolut notwendiges Maß beschränkt.
Fakultative Habitatbäume werden unabhängig von der bereits vorhandenen Anzahl in den
Wäldern erhalten.
Es gibt keinen Einsatz von Pestiziden, gemäß Nr. 19 des Maßnahmenprogramms „25 Schritte
zur biologischen Vielfalt“ (2013). Wo nötig und sinnvoll ist der Einsatz von biologischen Be-
kämpfungsmethoden zulässig.
Die Mahd von Wegrändern soll auf ein Mindestmaß reduziert werden.
Lebensräume für besondere Arten (z.B. Rote Liste-Arten) sollen auch außerhalb gesetzlich
definierter Schutzgebiete erhalten und gepflegt werden, um einen bestmöglichen Arten-
schutz zu ermöglichen.
Bericht des Runden Tisches zum Stadtwald Darmstadt
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Der Erfolg der Maßnahmen und die Entwicklung der Flora und Fauna sind regelmäßig zu er-
heben, um rechtzeitig zielgerichtete Maßnahmen zum Schutz ergreifen zu können.
Die Anlage von kleinen Senken in feuchteren Gebieten des Ostwaldes und in Teilen des Eber-
städter Waldes, in denen sich – auch temporär – Wasser sammelt, kann Amphibien die Mög-
lichkeit zur Entwicklung geben und soll gefördert werden.
In Waldgebieten, deren Baumbestand überwiegend aus jungen Bäumen besteht, sind künst-
liche, sichere Nistmöglichkeiten für Fledermäuse, Singvögel und Eulen anzubieten, um den
Mangel an Baumhöhlen auszugleichen.
Waldökosysteme sollen über größere Räume hinweg vernetzt werden. Dazu wird ein Bio-
topverbundkonzept erstellt. Fragmentierungen von Wäldern werden wo möglich zumindest
punktuell überbrückt.
Leitlinie 5: Der Bodenschutz soll stärker berücksichtigt werden.
Natürliche Böden bilden das stabile Fundament des Stadtwalds. Zu einem naturnahen Wald ge-
hören vom Menschen nicht beeinträchtigte Böden, die von waldtypischen Bodenlebewesen
durchsetzt sind. Der Boden mit seinen Poren und dem Humus dient den Bäumen nicht nur zur
Verankerung, sondern liefert auch Nährstoffe und speichert das Wasser nach Regenfällen, so
dass Trockenperioden überbrückt werden können. Wurzelpilze (Mykorrhiza) im Waldboden ge-
hen eine enge Partnerschaft mit den Bäumen ein und unterstützen diese bei der Wasser- und
Nährstoffaufnahme ganz entscheidend.
Die Befahrung mit Maschinen zerstört das Porengefüge des Bodens, führt zu einer Verminderung
des Wasserspeichervermögens und schädigt die empfindliche Mykorrhiza. Entwässerung durch
Grabensysteme entzieht dem Wald das nötige Wasser. Der Eintrag an Schadstoffen beeinträch-
tigt die Bodenlebewesen und selbst die Zufuhr des Nährstoffs Stickstoff über die Luft bringt im
Übermaß die natürlichen Verhältnisse aus dem Gleichgewicht. Die negativen Folgen des Anbaus
standortfremder Nadelbäume wurden bereits erwähnt (vgl. auch Kap. 1.3.10, S. 14). All diese Fak-
toren wirken destabilisierend auf die Waldökosysteme und sind daher auf ein Minimum zu redu-
zieren.
Handlungsempfehlungen:
Verzicht auf den Einsatz schwerer Forstmaschinen (besonders Forwarder, Harvester) außer-
halb der Forstwirtschaftswege. Da bis zur Erreichung der Zielwerte von Altbäumen, Holzvor-
rat und Totholz auf die Entnahme von Bäumen aus dem Stadtwald ohnehin verzichtet wird
(vgl. Leitlinie 3, S. 23 und Leitlinie 8, S. 28), erübrigt sich deren Einsatz auf absehbare Zeit.
Bericht des Runden Tisches zum Stadtwald Darmstadt
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In Ausnahmefällen, wenn die Entnahme aus dem Bestand zwingend erforderlich ist (Ver-
kehrssicherung) und es z. B. aus Arbeitsschutzgründen nicht anders möglich ist, kann der Ein-
satz im Einzelfall zugelassen werden, wenn das Arbeiten von Forstwirtschaftswegen aus (z. B.
mit Fällbagger, Seilzugkran) unmöglich ist. Auch dann sind möglichst bodenschonende Ver-
fahren und Zeitpunkte zu wählen.
Wenn nach Stabilisierung der Wälder künftig wieder Holznutzung möglich ist (vgl. Leitlinie 8,
S. 28), ist ein Konzept für die Bodenschonung (Rückegassen bzw. Rückeverfahren, Befahrun-
gen) zu entwickeln. Befahrungen außerhalb eines festgelegten, weitmaschigen Erschlie-
ßungssystems sind nicht zuzulassen. Alternativen zum Maschineneinsatz – wie das Rücken
mit Pferden oder Seilwinden – sind wo immer möglich zu bevorzugen. Auf die Anlage von
weiteren Holzlagerplätzen und LKW-fähigen Forstwegen ist zu verzichten.
Entwässerungseinrichtungen im Wald, sofern vorhanden, die Wasser aus dem Ökosystem
transportieren (Gräben), werden verschlossen. Die Entwässerung von Forstwirtschaftswegen
erfolgt in den Waldbestand.
Die Umsetzung der Waldökosystem-Managementmaßnahmen und andere menschliche Ein-
griffe dürfen den Landschaftswasserhaushalt nicht stören.
Leitlinie 6: Das Waldinnenklima soll geschützt werden.
Ein wichtiges Kennzeichen naturnaher Wälder ist das typische Waldinnenklima: Durch eine ge-
schlossene Baumschicht und naturnahe Waldränder sind die Temperaturen im Wald ausgegli-
chen, die Luftfeuchtigkeit ist hoch und die Windgeschwindigkeit vermindert. Im Hochsommer
kann man die angenehme Kühle im Wald bei einem Spaziergang unmittelbar erfahren. Ein stabi-
les Innenklima kommt auch den Bäumen unmittelbar zugute und stärkt das Ökosystem gegen die
Folgen des Klimawandels.
Handlungsempfehlungen:
Verzicht auf Kronendachöffnungen in den Beständen. Auch bei notwenigen Baumfällungen
sollen keine Lücken entstehen, die größer als eine Baumlänge sind.
Förderung der Verjüngung. Auch Pionierbaumarten wie Pappeln und Birken und sogar Sträu-
cher können einen Beitrag zum Aufbau eines waldtypischen Klimas leisten und den Boden
beschatten und werden daher nicht entfernt.
Aufbau von naturnah strukturierten Waldrändern im Stadtwald. Zusätzlich wird empfohlen,
private Grundstückseigentümer*innen bei Neuanlage bzw. Förderung von artenreichen, na-
turnahen Waldrändern zu unterstützen.
Die Notwendigkeit aller Wege im umfassenden Wegenetz (vgl. Kap. 1.3.2, S. 11) ist zu über-
prüfen und ggf. der Rückbau bestehender Wege vorzunehmen.
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Leitlinie 7: Erfahrenes forstliches Fachpersonal soll das ganzheitliche Waldökosystem-
Management systematisch umsetzen.
Erfahrenes und gut ausgebildetes Fachpersonal ist der Schlüssel für eine effektive Maßnahmen-
planung und einer am Leitbild orientierten Maßnahmenumsetzung, Pflege und Entwicklung der
Waldbestände hin zu einem naturnahen Stadtwald. Die gesetzlichen Vorgaben des Arbeitsschut-
zes für alle im Wald Beschäftigten sind selbstverständlich zu beachten.
Handlungsempfehlungen:
Die Reviergrößen sind an die Anforderungen eines ganzheitlichen Waldökosystemmanage-
ments anzupassen.
Waldarbeiten werden vorrangig mit eigenem, geschulten und ortskundigen Personal oder
von erfahrenen, bekannten und mit den Anforderungen eines ganzheitlichen Waldökosys-
tem-Management vertrauten Dienstleistern durchgeführt.
Die Anzahl der Forstwirte soll im Abgleich der hier vorgeschlagenen Maßnahmen erhöht bzw.
anpasst werden.
Eine wertschätzende Personalführung und -entwicklung wird sichergestellt, damit das quali-
fizierte Personal die Ziele des Leitbilds aktiv unterstützt.
Leitlinie 8: Die Holznutzung soll zunächst ausgesetzt werden.
Solange die im Rahmen des ganzheitlichen Waldökosystem-Managements angestrebten Ziele
noch nicht erreicht sind (vgl. Kap. 2.2 und 2.3, S. 18 und Leitlinie 3, S. 23), wird der aktuelle Ver-
zicht auf die Holznutzung fortgeführt und regelhaft auf die Nutzung von Schadholz und Holz aus
Verkehrssicherungsmaßnahmen ausgedehnt. Dieses Nutzungsmoratorium der Wissenschafts-
stadt Darmstadt ist im Rahmen der Forsteinrichtung* regelmäßig, d.h. alle 10 Jahre, zu über-
prüfen (vgl. S. 5).
Die reguläre Nutzung des wertvollen natürlichen Rohstoffs Holz kann wieder aufgenommen wer-
den, wenn der Biomassevorrat im Wald das gewünschte Zielniveau erreicht hat, der Anteil von
waldstabilisierenden Altbäumen und Altersphasen das angestrebte Zielniveau erreicht hat und
ausreichend vitale Bäume für die Naturverjüngung vorhanden sind. Die Nutzung von Schadholz
und Holz aus Verkehrssicherungsmaßnahmen setzt voraus, dass die Funktionen von Totholz im
Waldökosystem ausreichend erbracht werden, insbesondere für die Biologische Vielfalt (vgl. Leit-
linie 4, S. 25), Humusbildung und Nährstoffrückführung (vgl. Leitlinie 5, S. 26) und Wasserbindung
(vgl. Leitlinie 6, S. 27).
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Handlungsempfehlung für etwaige Holznutzung
Die Holzernte soll boden- und bestandsschonend durchgeführt werden, die Auswirkungen
auf das waldtypische Mikroklima sind so gering wie möglich zu halten.
Das genutzte Holz soll aus Klimaschutzgründen in langfristige stoffliche Nutzungen gehen,
um möglichst lange Kohlendioxid zu binden.
Die Holznutzung soll grundsätzlich in einem tragbaren Verhältnis von Aufwand und Ertrag
stehen.
Sollten die Voraussetzungen für eine reguläre Holznutzung wieder erfüllt sein, soll eine Zer-
tifizierung gemäß den Naturland-Kriterien geprüft werden.
Leitlinie 9: Erholungsnutzung & Umweltbildung sollen gefördert werden.
Die Verwirklichung dieses Leitbildes wird nur gelingen, wenn die Beziehung der Menschen zu
ihrem Stadtwald erhalten bleibt und weiter gestärkt wird. Wie die Bürger*innenumfrage zum
Stadtwald in 2020 gezeigt hat, verbinden Bürgerinnen und Bürger mit dem Stadtwald Erholung
und Entspannung und halten sich dort oft und gerne auf. Sie sorgen sich um ihren Wald und wol-
len gut über den Wald informiert werden.
Die Erschließung des Stadtwaldes mit Spielplätzen, Waldlehr- und Erlebnispfaden, die Kennzeich-
nung alter liebenswerter Bäume, Abteilungsschilder mit Flurnamen oder Wegebezeichnungen,
auch Schneisensterne und spannende Sichtbeziehungen/-achsen machen den Stadtwald zu ei-
nem attraktive Erholungsort in unmittelbarer Nähe zur Stadt und ihren Menschen.
Für die Erholung und den Sport sollen die Bürger/innen die bestehenden Waldwege nutzen. Ein
Ausbau des Wegenetzes wird aus Gründen einer naturnahen Waldentwicklung nicht verfolgt.
Vielmehr ist ein stellenweiser Rückbau – dort wo möglich – zu prüfen (vgl. Leitlinie 6). Eine erho-
lungsorientierte Besucherlenkung fördert nicht nur den Naturgenuss, sondern trägt aber auch
zum Naturschutz bei.
Die Benutzung des Waldes geschieht grundsätzlich auf eigene Gefahr. Dies gilt insbesondere für
waldtypische Gefahren. Verkehrssicherungsmaßnahmen werden auf ein absolutes rechtliches
Minimum beschränkt.
Handlungsempfehlungen
Moderne Angebote der Waldpädagogik für alle Generationen, begleitet von einer regelmäßi-
gen Öffentlichkeitsarbeit, sollen das Informationsbedürfnis der Stadtbevölkerung erfüllen
und dazu beitragen, das Wissen rund um den Wald zu stärken und die Wertschätzung des
Stadtwalds zu fördern.
Bericht des Runden Tisches zum Stadtwald Darmstadt
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Ein Konzept zur Umweltbildung, mit z.B. Lehrpfaden und Infotafeln soll den Bürger*innen die
Funktionen des Stadtwaldes, aber auch seine Entwicklung (Vergangenheit und Zukunft) nä-
herbringen und erklären. Dabei sollen bestehende Angebote (Bioversum, HessenForst, Na-
turfreunde etc.) eingebunden werden.
Die bewegungsinduzierte Stadtwaldnutzung im Besonderen auch mit sport- und trainings-
spezifischen Zielsetzungen soll gemeinsam mit forstlichen wie auch sportlichen Organisatio-
nen und Vereinen koordiniert werden, da der Stadtwald ein wichtiger, nicht normierter
Sport- und Bewegungsraum für alle Menschen aller Altersgruppen ist und eine Funktion als
Ausgleichs- und Dialogfläche für den urbanen Raum Darmstadts erfüllt.
Die Erhöhung des Totholzanteils verändert die gewohnten Waldbilder; hier braucht es spezi-
fische Aufklärungsarbeit, um die Akzeptanz der Maßnahme in der Bevölkerung zu erhalten
bzw. zu gewinnen.
Forstwirt*innen und Förster*innen stehen den Menschen für Fragen rund um den Stadtwald
und dessen Entwicklung hin zu einem naturnahen Wald zur Verfügung.
Über die naturbedingten Gefahren beim Aufenthalt im Wald und ihre Eigenverantwortung
sollen die Waldbesucher*innen aufgeklärt werden.
Leitlinie 10: Umsetzung und Begleitung
Zur Erreichung des Leitbildes sind flankierende Maßnahmen erforderlich, ohne die die vorge-
schlagen Leitlinien 1 bis 9 nicht konkretisiert, umgesetzt und fortentwickelt werden können.
Nicht alle Maßnahmen des Waldökosystem-Managements lassen sich in ihren Wirkungen im Vo-
raus beurteilen; dies gilt umso mehr bei sich fortlaufend ändernden Klimabedingungen.
Handlungsempfehlungen:
Die regelmäßige Erhebung von Grundlagen-Daten (Monitoring) ist erforderlich, um den Zu-
stand der Waldökosysteme und ihrer Standortbedingungen umfassend zu erfassen und ge-
messen am Leitbild zu bewerten. Die Bestandsaufnahme (vgl. Kap. 1., S. 7-16) hat gezeigt,
dass hier noch erhebliche Kenntnislücken bestehen.
Es soll ein Expertengremium eingerichtet werden, welches die Verantwortlichen bei der Er-
arbeitung konkreter Maßnahmen des Waldökosystem-Managements unterstützt und berät.
Es wird empfohlen, dass bei Unsicherheiten verschiedene Vorgehensweisen experimentell
erprobt werden. Diese Versuche sollten nach wissenschaftlichen Standards geplant, begleitet
und ausgewertet werden. Als Beispiel seien die bereits erwähnten Experimente zur Bewei-
dung genannt (vgl. S. 23).
Bericht des Runden Tisches zum Stadtwald Darmstadt
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Die Darmstädter Erfahrungen und Erkenntnisse sollen in der wissenschaftlichen und forstli-
chen Fachöffentlichkeit veröffentlicht und ein interdisziplinärer Austausch angestoßen wer-
den.
Der Runde Tisch Wald soll verstetigt werden, um die Umsetzung des ganzheitlichen
Waldökosystem-Managements zu begleiten und um den Magistrat und die Stadtverordne-
tenversammlung bei Zielkonflikten zu beraten. Den Mitgliedern dieses Gremiums obliegt es,
die sie entsendenden Institutionen, Verbände oder Fraktionen regelmäßig zu informieren.
Mit der Entwicklung und Einrichtung eines GIS-basierten stadtwaldspezifischen Qualitätsma-
nagementsystems sollen die Umsetzung aller Maßnahmen und deren Effekte regelmäßig ge-
prüft werden, so dass – wo notwendig – eine zeitnahe Anpassung von Maßnahmen möglich
ist.
Die Öffentlichkeit soll regelmäßig über ihren Stadtwald und alle vorgenannten Aktivitäten
informiert werden.
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4 Wichtige Rahmenbedingungen
Der Zustand des Stadtwaldes wird durch unterschiedliche äußere Rahmenbedingungen negativ
beeinflusst. Diese können durch das ganzheitlichen Waldökosystem-Management allein nicht
beeinflusst oder verändert werden, sondern müssen durch ein globales, nationales, regionales,
aber auch lokales Engagement verändert werden. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt und ihre
Bürger*innen können hier Einfluss nehmen, um positive Effekte für den Stadtwald herbeizufüh-
ren. Dazu gehören insbesondere vier Handlungsfelder:
Handlungsfeld 1: Der Stadtwald soll in seinem Flächenumfang vollumfänglich erhalten
werden.
Zerschneidungen, Zerstückelungen und Verkleinerungen des Darmstädter Stadtwaldes beein-
trächtigen seine Funktionen als stabiles Waldökosystem erheblich, bringen die Stabilität der
Waldbestände in Gefahr und können zu Waldauflösungen führen (vgl. Kap. 2.1, S. 17). Auf die
Rodung von bestehenden Waldflächen ist deshalb gemäß des Leitbildes zu verzichten.
Es ist wichtig und richtig, alle Flächen des Stadtwaldes zu erhalten und den Waldbestand zu stabi-
lisieren. Daher wird die Bestrebung des Magistrats der Wissenschaftsstadt Darmstadt ausdrück-
lich unterstützt, dass zeitnah eine Ausweisung möglichst großer Teile des Westwaldes zum
Bannwald durch das Regierungspräsidium Darmstadt vorgenommen wird. Es wird außerdem be-
grüßt, dass die Stadtverordnetenversammlung im Zuge des Masterplanprozesses durch einen
Grundsatzbeschluss abgesichert hat, dass keine neuen Wohn- und Gewerbegebiete auf Flächen
des Stadtwaldes entstehen sollen.
Grundsätzlich ist der Bahnverkehr eine weniger klimaschädliche Alternative zum motorisierten
Individualverkehr. Sein Ausbau ist daher im Prinzip - gerade auch für den langfristigen Wald-
schutz - zu befürworten. Dennoch sollte bei jeder konkreten Planung Rücksicht auf bestehende
Wälder genommen werden. Dies gilt in besonderem Maße für den Darmstädter Westwald mit
seinen überragenden Schutzfunktionen und vielfachen Vorbelastungen. So plant derzeit z.B. die
DB Netz AG eine ICE-Neubaustrecke. Aus Gründen des Waldschutzes empfiehlt der Runde Tisch
eine Trassenvariante, die zu keinen Waldrodungen im Stadtwald Darmstadt führt oder diese zu-
mindest absolut minimiert. Er unterstützt deshalb die Forderung des Magistrats, die ICE-Trasse in
einem bergmännischen Tunnel zu führen.
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Handlungsfeld 2: Beitrag zum Stopp der globalen Klimaerwärmung leisten.
Die Ökosysteme im Stadtwald haben sich über lange Zeiträume an die klimatischen Bedingungen
in der Region angepasst. Der schnell voranschreitende Anstieg der Jahresdurchschnittstempera-
tur erzeugt Stress bei den Bäumen, aber auch bei allen anderen Tier- und Pflanzenarten. Dadurch
verschieben sich Prozesse und Interaktionen im Ökosystem Wald, was sich negativ auf die Wider-
standsfähigkeit auswirken kann. Auch die inzwischen gehäuft auftretenden Wetterextreme – wie
Hitze, Dürre, Starkregen, Hagel und Sturm – führen zu Schäden im Stadtwald.
Die klimaschutzrelevanten Beschlüsse des Magistrats bzw. der Stadtverordnetenversammlung in
2019 und 2020, dienen daher nicht nur dem globalen Klimaschutz, sondern sind auch ein wichti-
ger Beitrag zum Schutz des Stadtwaldes. Diese Beschlüsse sind in eine Klimaschutz-Strategie ein-
gebettet und verfolgen das ambitionierte Ziel, die Wissenschaftsstadt Darmstadt bis 2035 – da
wo der Magistrat Handlungsoptionen und Einfluss hat – klimaneutral zu machen, die Klimarele-
vanz zukünftiger Projekte und Entscheidungen zu bewerten sowie die Öffentlichkeit für den Kli-
maschutz zu sensibilisieren.
Aus Sicht des Waldschutzes sind diese Maßnahmen zu begrüßen und konsequent umzusetzen.
Aber auch alle anderen Akteure und Menschen in der Stadt sind aufgerufen, sich entschieden für
den Klimaschutz einzusetzen und in ihrem Bereich alles Mögliche zu tun, um Treibhausgasemissi-
onen drastisch zu reduzieren.
Handlungsfeld 3: Luftschadstoffe reduzieren.
Seit langem ist bekannt, wie sehr Luftverunreinigungen Bäume schädigen und damit Wälder de-
stabilisieren können. Gerade Schadstoffe, die aus der näheren Umgebung kommen, haben eine
größere negative Wirkung auf den Darmstädter Stadtwald. Dafür sind zahlreiche Verursacher
verantwortlich: Verkehr, Wohngebäudeheizungen, Industrie und auch die Landwirtschaft.
Mit dem in 2018 erstellten und verabschiedeten Green City-Plan, der Radstrategie inklusive des
sog. „4x4 Programms“ und zahlreichen weiteren Investitionen in ÖPNV, Infrastruktur und nach-
haltige urbane Mobilität sowie weiteren Maßnahmen zur Stärkung des Umweltverbundes hat die
Wissenschaftsstadt Darmstadt bereits wichtige Schritte zur Verbesserung der Luftqualität im
Stadtgebiet eingeleitet – diese helfen auch dem Wald. Die bereits heute deutlich erkennbaren
positiven Auswirkungen auf die Belastungen mit Schadstoffen wie mit bspw. Stickstoffdioxid
(starker Rückgang im Siedlungsbereich) zeigen, dass die ergriffenen Maßnahmen Wirkung entfal-
ten. Dazu gehört auch, die Bevölkerung über die Auswirkungen von Luftschadstoffen zu informie-
ren und individuelle Vermeidungsstrategien aufzuzeigen. Auch die Landwirtschaft ist mit einzu-
beziehen, um z.B. den Eintrag von schädlichen Stickstoffverbindungen in Luft und Wasser zu mi-
nimieren.
Bericht des Runden Tisches zum Stadtwald Darmstadt
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Gleichzeitig liegen zahlreiche Ursachen für Immissionsbelastungen nicht im direkten Einflussbe-
reich der Wissenschaftsstadt Darmstadt – so zum Beispiel die Emissionen des motorisierten Ver-
kehrs auf Bundesstraßen und Autobahnen, welche teilweise direkt durch sensible Bereiche des
Stadtwaldes führen. Ein Tempolimit auf Bundesstraßen und Autobahnen würde dem Darmstäd-
ter Stadtwald, aber auch anderen stadtnahen Wäldern, helfen. Es wird angeregt, hier gesetzliche
Änderungen voranzubringen. Bis dahin ist jede*r Autofahrer*in aufgefordert, das Tempo zum
Schutz des Waldes zu reduzieren.
Handlungsfeld 4: Sorgsamer Umgang mit Wasser.
Eingriffe in den Grundwasserkörper sind in Waldbereichen, in welchen eine Grundwasserversor-
gung des Waldes besteht, unbedingt zu unterlassen. Da wo notwendig und möglich ist der natur-
raumtypische Wasserhaushalt wiederherzustellen. Außerdem sollten Fließgewässer renaturiert
und die Versickerung von Regenwasser bzw. das Regenwassermanagement gefördert werden.
Insbesondere an waldnahen Grundstücken sollte die Regenentwässerung nur über den Boden
(Sickerschächte/-flächen oder ähnliches) und nicht über die Kanalisation durchgeführt werden,
damit das Wasser der Vegetation zur Verfügung stehen kann. Langfristig sollte durch getrennte
Wasserleitungsnetze (Trink- und Brauchwasser bzw. Ab- und Regenwasser) im Stadtgebiet die
Regenwassernutzung bzw. eine schonendere Verwendung von Trink- und Brauchwasser erfolgen.
Bericht des Runden Tisches zum Stadtwald Darmstadt
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5 Fazit
Das Leitbild, das im Runden Tisch Wald unter Beteiligung von Zivilgesellschaft, Politik, Verwaltung
und Wissenschaft erstellt wurde, ist Grundkonsens für alle Beteiligten und gemeinsame Basis im
Umgang mit dem Stadtwald und bildet so die Grundlage für ein breit fundiertes, abgestimmtes
Vorgehen in den kommenden Jahren.
Der Runde Tisch ist überzeugt, dass mit diesem Bericht die Grundlage geschaffen ist, politische
Entscheidungen einzuleiten, die den Stadtwald nicht nur erhalten und stabilisieren, sondern im
Sinne des Leitbildes weiterentwickeln.
Dafür müssen die notwendigen organisatorischen, personellen und finanziellen Mittel bereitge-
stellt werden. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt könnte hier vorbildhaft auch für andere Wald-
besitzer sein. Es wäre wünschenswert, wenn in der regionalen und bundesweiten Diskussion
künftig das hier beschriebene DARMSTÄDTER MODELL zu einer festen Größe wird. Insbesondere kann
das Modell auch für den großen Flächenanteil des auf dem Gebiet der Stadt Darmstadt stehen-
den Staatswalds Vorbildcharakter erzeugen, um ein einheitliches Waldökosystem-Management
des gesamten „Darmstädter Waldes“ zu erzielen.
Bericht des Runden Tisches zum Stadtwald Darmstadt
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GLOSSAR
Forsteinrichtung
Die Forsteinrichtung dient in der Forstwirtschaft als Betriebsplanung. Sie beinhaltet die Erfassung
des Waldzustandes, die mittelfristige Planung und die damit verbundene Kontrolle der Nachhal-
tigkeit im Betrieb. In Hessen schreibt das Waldgesetz vor: „Die Waldbesitzerinnen und Waldbesit-
zer von Wald mit einer Forstbetriebsfläche ab 100 Hektar haben ihre Ziele der Waldbewirtschaf-
tung in Betriebsplänen festzulegen. Die Betriebspläne sind in der Regel für zehn Jahre aufzustel-
len. Dabei bleibt die Wahl der Betriebsform, die Festlegung zur Holzproduktion und ihrer Nach-
haltsbestimmungsgrößen der Waldbesitzerin und dem Waldbesitzer überlassen, soweit hierdurch
die Erfüllung der Grundpflichten nicht gefährdet wird.“ Die letzte Forsteinrichtung im Stadtwald
fand 2013 statt.
Grenzflurabstand
„Für viele praktische Fragen, z. B. die Beurteilung der Auswirkungen von Grundwasserabsenkun-
gen, ist es wichtig die Tiefenlage des Grundwasser zu kennen, bis zu der noch eine für das Pflan-
zenwachstum wirksame Menge Wasser kapillar in den effektiven Wurzelraum aufsteigt bzw. von
der ab keine wirksame Nachlieferung mehr erfolgt. Diese Tiefenlage wird Grenzflurabstand ge-
nannt.“ (Bodenkundliche Kartieranleitung). Er ergibt sich aus der Addition der zwei Größen „ka-
pillare Steighöhe“ und „effektive Durchwurzelungstiefe“:
1. kapillare Steighöhe: Durch Kapillareffekte saugt ein porendurchsetzter Boden vom Grundwas-
serspiegel Wasser an. Je feiner die Poren sind, desto höher ist diese Saugspannung und damit die
Steighöhe. In einem schwach schluffigen Sandboden liegt sie (wegen der vorherrschenden
Grobporen) bei ca. 1,6 m.
2. effektive Durchwurzelungstiefe: Auch diese ist abhängig von der Bodenart und beträgt in ei-
nem schwach schluffigen Sandboden mittlerer Dichte für Laubbäume 1,1 m.
Für typische Flugsandböden im Darmstädter Stadtwald ergibt sich demnach ein Grenzflurabstand
von 2,7 m.
Hähersaat
Die heimischen Eichen (Stiel-, Traubeneiche) verjüngen sich vielfach nicht oder nur in einem zu
geringen Umfang. Eine Methode, die natürliche Verjüngung der Eiche zu fördern, ist die soge-
nannte „Hähersaat“. Dabei macht man sich das Verhalten des Eichelhähers zunutze, im Herbst
Eicheln und andere Baumfrüchte zu sammeln und sie als Wintervorrat im Boden zu verstecken.
Dabei wird nur ein Teil der Eicheln von den Eichelhähern wiedergefunden; die übrigen Früchte
keimen im nächsten Jahr und fördern so die natürliche Verjüngung des Waldes. Dieser mit „Hä-
hersaat“ bezeichnete Prozess der Naturverjüngung kann durch ein künstliches Eichelangebot un-
terstützt werden. Hierzu werden dem Eichelhäher auf „Hähertischen“ Eicheln angeboten, die von
ihm in den angrenzenden Wald „gepflanzt“ werden.
Bericht des Runden Tisches zum Stadtwald Darmstadt
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Ökosystem
Ein Ökosystem besteht aus einer Lebensgemeinschaft (Biozönose aus Pflanzen, Tieren, Pilzen und
Mikroorganismen) und einem Lebensraum (= Biotop oder Standort, d.h. Boden, Klima, Relief,
Gestein). Lebensgemeinschaft und Lebensraum wirken in vielfältigen Wechselbeziehungen aufei-
nander ein und schaffen einen besonderen Ökosystemcharakter. Im Wald sind charakteristische
Kennzeichen ein Reichtum an Schichten (z. B. Baum-, Strauch- und Krautschicht), ein spezielles,
ausgeglichenes Waldinnenklima und ein belebter, humusreicher Waldboden. Neben den beson-
deren Strukturen sind es die damit verknüpften Funktionen, die ein Ökosystem kennzeichnen.
Charakteristisch für natürliche Waldökosysteme ist, dass sie Waldentwicklungsphasen durchlau-
fen: vom Jungwuchs über eine Reifephase zu Alters- und schließlich Zerfallsphasen. Alle diese
Phasen gehören zu einem Waldökosystem dazu und sind miteinander verbunden, d. h. nach dem
Zerfall setzt wieder eine Verjüngung ein.
Ökosystemdienstleistungen
Funktionen, die Ökosysteme zum Wohle des Menschen erbringen. Dazu gehört die Bereitstellung
von Ressourcen, regulierende Funktionen (z. B. des Klimas, der Wasserqualität), unterstützende
Dienstleistungen (z. B. Bodenbildung, Erhaltung der biologischen Vielfalt) und kulturelle Funktio-
nen (z. B. Erholung, Bildung).
phänotypisch
Mit phänotypisch wird in der Genetik die Menge aller Merkmale eines Organismus bezeichnet.
Der Phänotyp bzw. das Erscheinungsbild bezieht sich nicht nur auf morphologische, sondern auch
auf physiologische Eigenschaften und wird durch das Zusammenwirken von Erbanlagen und Um-
weltfaktoren bestimmt.
Sonnenbrand
Bäume müssen sich wie alle Lebewesen gegen hohe Temperaturen und übermäßige UV-
Strahlung schützen. Als Schutzschirm fungiert bei den Bäumen deren Rinde. Wenn bislang im
Waldverband stehende, beschattete Bäume durch Windwurf, Schadereignisse oder forstliche
Maßnahmen freigestellt werden und Schatten fehlt, kann es bei sehr hohen Temperaturen und
starker Sonneneinstrahlung zu einem Absterben von Teilen des Baumstammes kommen – die
Bäume erleiden Sonnenbrand. Im Gefolge eines solchen Sonnenbrands tritt oft Pilzfäule auf. Hö-
here Sommertemperaturen und Trockenstress als Folgen des Klimawandels begünstigen das Auf-
treten von Sonnenbrand.
Bericht des Runden Tisches zum Stadtwald Darmstadt
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Wildlinge
Von Wildlingen spricht man, wenn aus Naturverjüngung stammende junge Bäume ausgegraben
und an einer anderen geeigneten Stelle im Wald, an der die jeweilige Baumart noch nicht oder
nur in geringem Umfang vorkommt, wieder eingepflanzt werden. Wildlinge können eine kosten-
günstige Alternative zu Baumschulpflanzen darstellen. Sofern sie im eigenen Wald zur Eigenver-
wendung gewonnen werden, unterliegen sie im Gegensatz zu Baumschulpflanzen nicht dem
Forstvermehrungsgutgesetz (FoVG).
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ANLAGE Forstwirtschaftskarte Stadtwald Darmstadt (2013)
Dargestellt sind die Abteilungen des Stadtwaldes mit ihren Nummern und farblich den Baumarten und dem
Alter der Hauptbestockung.
anlage 2
63304 Zeichen
BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ ABSCHLUSSBERICHT PROF. DR. YVONNE HAFFNER HOCHSCHULE DARMSTADT DARMSTADT, 31.08.2020 BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ – 2020 ABSCHLUSSBERICHT ZUR BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ PROF. DR. YVONNE HAFFNER | HOCHSCHULE DARMSTADT 1 INHALT Abbildungsverzeichnis ............................................................................................................... 2 Zusammenfassung ..................................................................................................................... 3 Aufbau des Berichts ........................................................................................................... 4 Auftrag und Vorgehen ....................................................................................................... 4 Stichprobendesign und Ausschöpfung .............................................................................. 5 Beschreibung der Stichprobe............................................................................................. 6 TEIL 1: DESKRIPTIVE DARSTELLUNG UND ANALYSE VON ZUSAMMENHÄNGEN Deskriptive Darstelllung der der Antworten zu einzelnen Fragen .................................... 9 5.1 Allgemeines zum Darmstädter Stadtwald.................................................................. 9 5.2 Nutzung des Darmstädter Stadtwaldes ................................................................... 10 5.3 Zustand des Darmstädter Stadtwaldes .................................................................... 11 Analyse von Zusammenhängen ....................................................................................... 14 6.1 Allgemeines zum Darmstädter Stadtwald................................................................ 14 6.2 Nutzung des Darmstädter Stadtwaldes ................................................................... 16 6.3 Zustand des Darmstädter Stadtwaldes .................................................................... 19 TEIL 2: ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE Ausgewählte themenbezogene Ergebnisse ..................................................................... 24 7.1 Darmstädter Stadtwald – ein beliebtes Freizeitziel ................................................. 24 7.2 Vielfältige Gründe, den Darmstädter Stadtwald aufzusuchen ................................ 25 7.3 Bedeutung des Darmstädter Stadtwaldes als Naherholungsraum .......................... 25 7.4 Mehr Informationen über den Darmstädter Stadtwald sind gewünscht ................ 26 7.5 Sorgen um den Gesundheitszustand des Darmstädter Stadtwaldes ...................... 26 7.6 Pflege des Waldes als wichtige forstwirtschaftliche Aufgabe ................................. 27 7.7 Auf den Punkt gebracht ........................................................................................... 28 Anhang Fragebogen BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ – 2020 ABSCHLUSSBERICHT ZUR BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ PROF. DR. YVONNE HAFFNER | HOCHSCHULE DARMSTADT 2 ABBILDUNGSVERZEICHNIS Abbildung 1: Wohndauer in Darmstadt ................................................................................ 7 Abbildung 2: Gewünschte Informationen zum Darmstädter Stadtwald .............................. 9 Abbildung 3: Gewöhnliche Aufenthaltsdauer im Darmstädter Stadtwald ......................... 10 Abbildung 4: Zweck des Waldbesuchs ................................................................................ 10 Abbildung 5: Störung durch andere Nutzer*innen ............................................................. 11 Abbildung 6: Einschätzung des Gesundheitszustandes des Darmstädter Stadtwaldes ..... 12 Abbildung 7: Maßnahmen zur Verbesserung des allgemeinen Zustandes des Darmstädter Stadtwaldes ................................................................................................... 13 Abbildung 8: Wichtigste Aufgaben von Förster*innen ....................................................... 13 Abbildung 9: Informiertheit über wichtige Aspekte des Darmstädter Stadtwaldes nach Altersgruppen ................................................................................................ 14 Abbildung 10: Gewünschte Informationen ........................................................................... 15 Abbildung 11: Störung durch andere Nutzer*innen nach Alter ........................................... 17 Abbildung 12: Häufigkeit der Aufenthalte in den Sommer- und Wintermonaten nach Vorhandensein von Kindern .......................................................................... 18 Abbildung 13: Besuche der verschiedenen Waldgebiete nach Stadtteil .............................. 20 Abbildung 14: Einschätzung des Gesundheitszustandes des Darmstädter Stadtwaldes nach Stadtteilen ..................................................................................................... 21 Abbildung 15: Pflegegrad des Waldes zur Erfüllung seiner Aufgaben nach Alter ................ 22 BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ – 2020 ABSCHLUSSBERICHT ZUR BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ PROF. DR. YVONNE HAFFNER | HOCHSCHULE DARMSTADT 3 ZUSAMMENFASSUNG Der Darmstädter Stadtwald ist ein beliebtes, wohnortnahes Freizeitziel und wird von allen Bevölkerungsgruppen häufig und regelmäßig für verschiedene Aktivitäten auf gesucht. Während ihres Aufenthalts kommen sich die verschiedenen Nutzer*innengruppen wenig in die Quere – die meisten fühlen sich nicht durch andere Nutzer*innen gestört. Der Darmstädter Stadtwald scheint mit der Attraktivität der vielfältigen anderen Freizeitangebote durchaus mithalten zu können. Zwar kommen die Befragten aus unterschiedlichen Gründen in den Stadtwald, jedoch sucht ein Großteil der Besucher*innen Erholung und Entspannung. Es zeigt sich, dass die Befragten die Zusammenhänge rund um den Darmstädter Stadtwald verstehen möchten und vor allem über Maßnahmen, die auf ihn Einfluss nehmen könnten, informiert sein wollen. Das große Interesse daran lässt auf eine besondere Verbundenheit der Befragten mit „ihrem“ Wald schließen und drückt die Wertschätzung des Waldes durch die Befragten aus. Über den Gesundheitszustand des Darmstädter Stadtwaldes machen sich die meisten Befragten große Sorgen und ein Großteil der Befragten sieht ihn in seiner Existenz gefährdet. In erster Linie verursachen nach Meinung der Befragten Klimaveränderungen diesen als relativ schlecht eingeschätzten Zustand des Waldes. Dementsprechend erhoffen sie sich durch mehr Umwelt - und Naturschutzmaßnahmen eine Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustandes und schätzen hierfür auch forstwirtschaftliche Maßnahmen als hilfreich ein. Die befragten Darmstädter*innen kommen gerne in „ihren“ Stadtwald, verbinden besondere Orte und Erlebnisse mit ihm und sind an seiner Gesunderhaltung besonders interessiert. Für sie hat der Darmstädter Stadtwald in erster Linie eine Erholungsfunktion, die es zu erhalten gilt. Insgesamt kann festgestellt werden, dass die beiden Vorstellungen Natur und Erholung gegenüber anderen Faktoren wie beispielsweise Schutz oder Nutzung deutlich dominieren. Wald ist für die meisten Befragten der Inbegriff von Natur, an eher wirtschaftliche Nutzungsaspekte denken die wenigsten Befragten. BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ – 2020 ABSCHLUSSBERICHT ZUR BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ PROF. DR. YVONNE HAFFNER | HOCHSCHULE DARMSTADT 4 AUFBAU DES BERICHTS Nachdem in Kapitel 2 der Hintergrund und das Vorgehen der Untersuchung dargestellt wurde, folgt in K apitel 3 ein Überblick über das Stichprobendesign und die Ausschöpfungsquote . Daran anschließend erfolgt in Kapitel 4 eine allgemeine Beschreibung der Stichprobe. Die Ergebnisse der Untersuchung werden in zwei Teilen präsentiert: Im ersten Teil werden i n Kapitel 5 zunächst die Antworten der Befragten auf die einzelnen Fragen der Bürger*innenbefragung Darmstädter Stadtwald beschreibend dargestellt. Hierfür werden sämtliche Fragen ausgewertet und die Erg ebnisse dargestellt. Die Darstellung beschränkt sich dabei auf eine reine Beschreibung der Verteilungen und es wird konsequent und absichtlich auf Interpretationen verz ichtet. Zur besseren Übersicht sind die Fragen innerhalb dieses deskriptiven Berichts thematisch gruppiert und entsprechen nicht immer der Reihenfolge im Fragebogen. Darauf aufbauend werden in Kapitel 6 Analysen von Zusammenhängen vorgestellt. Es wird hierbei differenziert nach Alter, Geschlecht, Migrationshintergrund, Haushalte mit Kindern, Erwerbstätigkeit und Wohndauer. Beziehen sich die Fragen auf bestimmte räumliche Gebiete des Darmstädter Stadtwaldes, erfolgt auch eine Auswertung nach Stadtteilen. Es werden die Aspekte dargestellt, die nennenswerte Unterschiede oder auffällige Gemeinsamkeiten vorweisen. Auch in diesem Teil ist die Auswertung thematisch gruppiert und entspricht der Reihenfolge des deskriptiven Teils und nicht immer der Reihenfolge im Fragebogen. Im zweiten Teil werden i m abschließenden Kapitel 7 ausgewählte themenbezogene Erkenntnisse dargestellt. Hierfür werden die zentralen Erkenntnisse der vorangegangenen Auswertungen zusammengefasst und ihr Bedeutungsgehalt herausgearbeitet. Die einzelnen Fragen werden dabei zu verschiedenen Themengebieten zusammengefasst und kommentiert. Hierbei handelt es sich um eine erste Annäherung an die jeweiligen Aspekte. VORGEHEN DER UNTERSUCHUNG 2019 erteilte das Grünflächenamt der Wissenschaftsstadt Darmstadt den Auftrag, eine Bürger*innenbefragung zur Einstellung der Darmstädter Bürger*innen zum Thema Darmstädter Stadtwald durchzuführen. Mit dieser Befragung sollen fundierte Grundlagen über Einstellungen und Ansichten verschiedener gesellschaftlicher Gruppen in Darmstadt zum Darmstädter Stadtwald und zur Forstwirtschaft erarbeitet werden. Neben der Erfassung der Einstellungen zum Darmstädter Stadtwald und dessen Nutzung durch die Bevölkerung sollten die Einschätzung der Bevölkerung zum allgemeinen Zustand des Darmstädter Stadtwaldes und zu den zu ergreifenden Maßnahmen zu seinem Schutz erfasst werden. Prof. Dr. Yvonne Haffner von der Hochschule Darmstadt wurde d ie Verantwortung für die Ausgestaltung des Fragebogens und die Auswertung der Erhebung übertragen. Die BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ – 2020 ABSCHLUSSBERICHT ZUR BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ PROF. DR. YVONNE HAFFNER | HOCHSCHULE DARMSTADT 5 Datenerhebung wurde vom Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung der Wissenschaftsstadt Darmstadt durchgeführt. Der in dieser Befragung verwendete schriftliche Fragebogen (siehe Anhang) wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Grünflächenamt der Stadt Darmstadt und einem Vertreter von HessenForst, Forstamt Darmstadt konzipiert und gestaltet. Der gemeinsam erarbeitete Fragebogen enthält – neben Fragen zur Sozialstatistik – Fragen zu folgenden drei Bereichen: 1. Allgemeine Fragen zum Darmstädter Stadtwald 2. Fragen zur Nutzung des Darmstädter Stadtwaldes 3. Fragen zum Zustand des Darmstädter Stadtwaldes Nachdem im Herbst 2019 zwei Pretests durchgeführt wurden, erfolgte im Januar 2020 die schriftliche Befragung. Eine deskriptive Auswertung der Antworten zu den einzelnen Fragen wurde dem Auftraggeber bereits in einem ersten Zwischenbericht im Mai 2020 vorgelegt, eine Analyse von Zusammenhängen erfolgte mit einem zweiten Zwischenbericht im Juli 2020 und mit Vorlage dieses Abschlussberichts und der Zusammenfassung der Ergebnisse ist der Auftrag abgeschlossen. STICHPROBENDESIGN UND AUSSCHÖPFUNG Grundgesamtheit der Befragung ist die Bevölkerung der Wissenschaftsstadt Darmstadt ab 18 Jahren. Es wurden 5.000 Fragebögen an repräsentativ ausgewählte Bürgerinnen und Bürger verschickt. Die Altersstruktur, die Geschlechterverteilung und die Verteilung über die Stadtteile waren der repräsentativen Auswahl zugrunde gelegt. Von den 5.000 versendeten Fragebögen wurden 1.094 Bögen zurückgesendet, was einem Rücklauf von 22 % entspricht. Die Rücklaufquote verteilt sich auf die einzelnen Stadtteile wie folgt: BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ – 2020 ABSCHLUSSBERICHT ZUR BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ PROF. DR. YVONNE HAFFNER | HOCHSCHULE DARMSTADT 6 Stadtteil Versendete Fragebögen Rücklauf Fragebögen Rücklaufquote DA-Arheilgen 537 100 19 % DA-Bessungen 455 130 29 % DA-Eberstadt 657 174 27 % DA-Kranichstein 371 74 20 % DA-Mitte 702 131 19 % DA-Nord 1031 220 21 % DA-Ost 466 112 24 % DA-West 574 119 21 % DA-Wixhausen 207 34 16 % Gesamt 5.000 1.094 22 % Tablle 1: Rücklauf der Fragebögen nach Stadtteilen Betrachtet man den Rücklauf nach Stadtteilen gibt es lediglich geringe Abweichungen. Die Stadtteile Eberstadt und Bessungen sind etwas stärker vertreten, der Stadtteil Wixhausen etwas geringer. BESCHREIBUNG DER STICHPROBE Über ein Drittel der Befragten is t 46 bis 65 Jahre alt, fast ein weiteres Drittel ist zwischen 26 und 45 Jahre alt, etwa ein Fünftel ist über 65 Jahre alt und 9 % sind jünger als 26 Jahre. Knapp über die Hälfte der Befragten ist weiblich, knapp unter der Hälfte männlich und ca. 1% hat den Personenstand divers. Bei einem Viertel der Befragten lebt im Haushalt mindestens ein Kind unter 18 Jahren. Zwei Drittel der Befragten sind erwerbstätig. 88 % der Befragten sind in Deutschland geboren, 12 % sind nicht in Deutschland geboren und bei 19 % der Befragten ist wenigstens ein Elternteil nicht in Deutschland geboren. Die Mehrheit der Befragten lebt seit mehr als 20 Jahren in Darmstadt, 14 % seit 11 bis 20 Jahren, 10 % seit 6 bis 10 Jahren, 15 % seit 1 bis 5 Jahren und 2 % kürzer als 1 Jahr (Abbildung 1). BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ – 2020 ABSCHLUSSBERICHT ZUR BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ PROF. DR. YVONNE HAFFNER | HOCHSCHULE DARMSTADT 7 Abbildung 1: Wohndauer in Darmstadt n = 1.065 2% 15% 10% 14% 60% unter 1 Jahr 1-5 Jahre 6-10 Jahre 11-20 Jahre über 20 Jahre BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ – 2020 ABSCHLUSSBERICHT ZUR BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ PROF. DR. YVONNE HAFFNER | HOCHSCHULE DARMSTADT 8 TEIL 1: DESKRIPTIVE DARSTELLUNG UND ANALYSE VON ZUSAMMENHÄNGEN BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ – 2020 ABSCHLUSSBERICHT ZUR BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ PROF. DR. YVONNE HAFFNER | HOCHSCHULE DARMSTADT 9 DESKRIPTIVE DARSTELLUNG DER ANTWORTEN ZU EINZELNEN FRAGEN 5.1 ALLGEMEINES ZUM DARMSTÄDTER STADTWALD Assoziationen zum Begriff ‚Stadtwald‘ Wenn die befragten Darmstädter Bürger*innen das Wort ‚ Stadtwald‘ hören, assoziieren sie dies mehrheitlich mit Erholung und Entspannung . Aber auch der (schlechte) Zustand des Waldes und Wald als Lebens- bzw. Naturraum wird häufig genannt. Auffällig ist, dass häufig auch konkrete Orte (Fasanerie, Waldkunstpfad, Oberwaldhaus etc.) genannt werden. Lediglich 8 % der Befragten fühlen sich über alle Aspekte des Darmstädter Stadtwaldes informiert, immerhin 49 % teilweise und 43 % fühlen sich nicht ausreichend informiert. 82 % der Befragten möchten daher mehr über den Darmstädter Stadtwald erfahren (Abbildung 2): Jeder*r Zweite möchte Informationen zu aktuellen Maßnahmen, aber auch Informationen zu Flora, Fauna und ökologischen Zusammenhängen werden häufig gewünscht. Immerhin jede*r Dritte wünscht Informationen zu wirtschaftlichen Nutzungsaspekten und zur Freizeitnutzung. Abbildung 2: Gewünschte Informationen zum Darmstädter Stadtwald n = 1.091 Fast alle Befragten nennen Aspekte der Erholungs- und/oder Schutzfunktion des Waldes als wichtigste Aufgabe des Darmstädter Stadtwaldes. Diese Aufgabe kann nach Meinung der meisten Befragten (80 %) eine Kombination aus gepflegtem/bewirtschaftetem Wald und sich selbst überlassenem Wald am besten erfüllen. Nur 14 % sind der Meinung, dass diese Aufgabe durch einen sich selbst bzw. der Natur überlassenen Wald am besten erfüllt werden kann und lediglich 6 % denken, dass ein gepflegter und bewirtschafteter Wald hierzu am besten in der Lage ist. 44% 43% 43% 36% 14% 32% 31% 54% 5% Bäume Fauna/Tiere Ökologische Zusammenhänge Flora/Pflanzen Verhaltensregeln im Wald Wirtschaftliche Nutzungsaspekte Freizeitnutzung Aktuelle Maßnahmen Anderes BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ – 2020 ABSCHLUSSBERICHT ZUR BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ PROF. DR. YVONNE HAFFNER | HOCHSCHULE DARMSTADT 10 5.2 NUTZUNG DES DARMSTÄDTER STADTWALDES Jede*r fünfte Befragte*r ist in den Sommermonaten fast täglich im Wald, fast die Hälfte ein - bis zweimal pro Woche, ein Viertel ein- bis zweimal im Monat und 4 % sind seltener als einmal im Monat und lediglich 8 % der Befragten sind nie im Wald. In den Wintermonaten sind die Befragten etwas seltener im Wald: Nur 10 % sind täglich, jeweils 30 % ein- bis zweimal pro Woche bzw. pro Monat im Wald, 21 % sind seltener als einmal pro Monat und 9 % sind in den Wintermonaten nie im Wald. Über die Hälfte der Befragten kommt üblicherweise zu Fuß in den Darmstädter Stadtwald, ein Viertel mit dem Fahrrad bzw. Pedelec , 14 % mit dem Auto und 5 % mit dem ÖPNV. Die Aufenthaltsdauer im Wald (Abbildung 3) ist relativ hoch: Die meisten Befragten halten sich zwischen einer halben Stunde und zwei Stunden im Wald auf, nur 4 % kürzer als eine halbe Stunde und immerhin 12 % bleiben über zwei Stunden im Wald. Abbildung 3: Gewöhnliche Aufenthaltsdauer im Darmstädter Stadtwald n = 1.030 Zweck der Aufenthalte im Darmstädter Stadtwald (Abbildung 4) ist für die meisten Befragten das Spazierengehen (80 %). Erholung und Entspannung suchen zwei Drittel der Befragten und fast die Hälfte kommt zum Fahrradfahren. Jede*r Dritte kommt zum Walken oder Joggen und jede*r Vierte zum Wandern. Abbildung 4: Zweck des Waldbesuchs n = 1.091 4% 37% 47% 10% 1% kürzer als 1/2 Stunde 1/2 bis 1 Stunde 1 bis 2 Stunden 2 bis 3 Stunden länger als 3 Stunden 80% 25% 43% 9% 36% 1% 64% 2% 12% 10% 5% 5% Spazierengehen Wandern Fahrradfahren Mountainbiken Walken/Joggen Reiten Erholung/Entspannung Geocaching Hund ausführen Sammeln (Pilze, Holz etc.) Arbeits-/Besorgungsweg Anderes BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ – 2020 ABSCHLUSSBERICHT ZUR BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ PROF. DR. YVONNE HAFFNER | HOCHSCHULE DARMSTADT 11 Während ihres Aufenthaltes fühlt sich nur eine Minderheit (5 %) von anderen Nutzer*innen gestört. Die überwiegende Mehrheit (65 %) fühl t sich nicht gestört und teilweise gestört fühlen sich 30 % der Befragten. Am häufigsten fühlen sich die Befragten durch Fahrräder, Autos, Hunde oder Lärm gestört (Abbildung 5). Abbildung 5: Störung durch andere Nutzer*innen n = 1.091 Im Großen und Ganzen beurteilen die Befragten die Ausstattung des Darmstädter Stadtwaldes als gut. Am zufriedensten sind die Befragten mit den Wander - und Radwegen: 92 % beurteilen die Wanderwege und 81 % die Radwege als gut oder eher gut. Die Ausschilderung sowohl der Wander- als auch der Radwege wird etwas weniger gut beurteilt: Hier empfinden 71 % die Ausschilderung der Wanderwege und 69 % die Ausschilderung der Radwege als gut oder eher gut. Die Ausstattung des Darmstädter Stadtwaldes mit Bänken wird lediglich von der Hälfte der Befragten als gut oder eher gut beurteilt und die Ausstattung mit Schutzhütten beurteilen 60 % der Befragten sogar als schlecht oder eher schlecht. Den Befragten fehlen u.a. Mülleimer, Bänke, Wegweiser und spezielle Wege (Rundwege, Trimmdich- oder Lehrpfade etc.). Parkplätze scheinen ausreichend vorhanden: Hier empfinden drei Viertel der Befragten die Ausstattung als gut bzw. eher gut. 5.3 ZUSTAND DES DARMSTÄDTER STADTWALDES Der Darmstädter Stadtwald unterteilt sich in einen Ost- und einen Westwald. Drei Viertel der Befragten können diese beiden Gebiete voneinander unterscheiden. Von diesen besuchen 58 % eher den Ostwald, 28 % eher den Westwald und 15 % beide Gebiete gleichhäufig. Die Befragten, die Ost- und Westwald unterscheiden können, wurden nach ihrer Einschätzung des Gesundheitszustandes dieser beiden Gebiete befragt. Hier ist ein deutlicher Unterschied festzustellen: 56 % der Befragten schätzen den Gesundheitszustand des Ostwaldes als gut (6 %) oder eher gut (50 %) ein, 85 % der Befragten hingegen schätzen den Gesundheitszustand des Westwaldes als schlecht (48 %) oder eher schlecht (37 %) ein. Der Gesundheitszustand des gesamten Darmstädter Stadtwaldes wurde von den Befragten als tendenziell schlecht 18% 20% 3% 2% 18% 3% 5% 13% 10% Autos Fahrräder Sporttreibende Spaziergänger*innen Hunde Pferde Waldarbeiten Lärm Anderes BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ – 2020 ABSCHLUSSBERICHT ZUR BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ PROF. DR. YVONNE HAFFNER | HOCHSCHULE DARMSTADT 12 eingeschätzt (Abbildung 6): 14 % schätzen den Gesundheitszustand als schlecht, 60 % als eher schlecht, 24 % als eher gut und lediglich 3 % als gut ein. Abbildung 6: Einschätzung des Gesundheitszustandes des Darmstädter Stadtwaldes n = 756 Dementsprechend sehen 15 % der Befragten den Darmstädter Stadtwald in seiner Existenz gefährdet, 60 % sehen ihn eher gefährdet, 21 % sehen ihn eher nicht gefährdet und lediglich 5 % sehen den Darmstädter Stadtwald in seiner Existenz nicht gefährdet. Beeinträchtigt wird dieser relativ schlecht eingeschätzte Zustand des Waldes nach Meinung der Befragten in erster Linie durch Klimaveränderungen (81 %). Aber auch die Beeinträchti - gung durch Schädlinge (51 %), die Umweltverschmutzung (48 %) und die Grundwasserentnahme (48 %) beeinträchtigen den Zustand des Darmstädter Stadtwaldes. Eingriffe durch Baumaßnahmen (34 %) und Maßnahmen der Forstwirtschaft (16 %) spielen im Vergleich hierzu eine eher weniger wichtige Rolle und Freizeitaktivitäten (5 %) und die Jagd (2 %) verursachen nach Meinung der Befragten eher wenig den schlechten Zustand des Darmstädter Stadtwaldes. Der allgemeine Zustand des Darmstädter Stadtwaldes kann dementsprechend nach Meinung von drei Viertel der Befragten durch mehr Umweltschutz (Maßnahmen gegen Klimaveränderungen etc.) und nach Meinung von zwei Drittel der Befragten durch mehr Naturschutz (Nistmöglichkeiten etc.) verbessert werden. Fast die Hälfte der Befragten erwartet durch mehr forstliche Maßnahmen (Pflanzung, Pflege, Holzernte etc. ) einen positiven Effekt auf den allgemeinen Z ustand des Waldes; nur wenige Befragte erwarten durch weniger bzw. keine forstlichen Maßnahme n (15 %) oder eine Einschränkung der Freizeitnutzung (5 %) eine Verbesserung des allgemeinen Zustandes (Abbildung 7). 3% 24% 60% 14% gut eher gut eher schlecht schlecht BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ – 2020 ABSCHLUSSBERICHT ZUR BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ PROF. DR. YVONNE HAFFNER | HOCHSCHULE DARMSTADT 13 Abbildung 7: Maßnahmen zur Verbesserung des allgemeinen Zustandes des Darmstädter Stadtwaldes n = 1.094 Über drei Viertel der Befragten empfinden Pflegearbeiten als eine der wichtigsten Arbeiten von Förster*innen. Knapp über die Hälfte zählt hierzu auch Ordnung halten bzw. schaffen und für fast die Hälfte gehört informieren und aufklären dazu. Für immerhin jede*n fünfte Befragte*n zählt auch die Holzernte zu den wichtigen Aufgaben der Förster*innen (Abbildung 8). Abbildung 8: Wichtigste Aufgaben von Förster*innen n = 1.094 Fast die Hälfte der Befragten (41 %) kann nicht beurteilen, ob die geerntete Men ge Holz angemessen ist. Lediglich 2 % sind der Meinung, dass die Menge zu gering ist, 28 % empfinden sie als zu groß und 29 % halten die Menge für angemessen. 73% 5% 44% 15% 64% 11% mehr Umweltschutz Einschränkung der Freizeitnutzung mehr forstliche Maßnahmen weniger/keine forstlichen Maßnahmen mehr Naturschutz Anderes 52% 46% 82% 19% 12% 8% Ordnung halten/schaffen Informieren/aufklären Pflegearbeiten Holzernte Kontrolle der Besucher*innen Anderes BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ – 2020 ABSCHLUSSBERICHT ZUR BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ PROF. DR. YVONNE HAFFNER | HOCHSCHULE DARMSTADT 14 ANALYSE VON ZUSAMMENHÄNGEN 6.1 ALLGEMEINES ZUM DARMSTÄDTER STADTWALD Die Auswertungen im deskriptiven Teil zeigen, dass sich nur wenige Darmstädter Bür- ger*innen über alle Aspekte des Darmstädter Stadtwaldes informiert fühlen (8 %). Die Mehrheit fühlt sich nur teilweise (49 %) bzw. nicht ausreichend (43 %) informiert. Betrachtet man verschiedene Altersgruppen , fällt auf , dass es vor allem jüngere Personen sind, die sich nicht ausreichend über die wichtigsten Aspekte des Darmstädter Stadtwaldes informiert fühlen (Abbildung 9). Abbildung 9: Informiertheit über wichtige Aspekte des Darmstädter Stadtwaldes nach Altersgruppen n = 1.026 Es sind auch jüngere Personen, die etwas über die Freizeitnutzung des Waldes erfahren möchten: 15 % der unter 26-Jährigen aber nur 8 % der über 65-Jährigen sind an diesem Thema besonders interessiert. Das von den Befragten am häufigsten genannte Thema „Aktuelle Maßnahmen“ hat für alle Altersgruppen die gleiche Bedeutung. Obgleich sich beide Geschlechter im Prinzip gleich über die wichtigsten Aspekte des Darmstädter Stadtwaldes informiert fühlen, wünschen sich mehr Frauen (84 %) als Männer (78 %) mehr Informationen. Bei der Frage nach den gewünschten Themen unterscheiden sich 10% 6% 9% 9% 25% 41% 53% 65% 65% 53% 39% 27% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% unter 26 Jahren 26 - 45 Jahre 46 - 65 Jahre über 65 Jahre ja teilweise nein BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ – 2020 ABSCHLUSSBERICHT ZUR BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ PROF. DR. YVONNE HAFFNER | HOCHSCHULE DARMSTADT 15 Frauen und Männer dann aber im Prinzip nicht. Männer haben eine leichte Tendenz, eher Informationen über Nutzungsaspekte zu erhalten, Frauen hingegen über ökologische Zusam- menhänge. Personen, die nicht in Deutschland geboren sind , fühlen sich etwas schlechter über den Darmstädter Stadtwald informiert (47 %) als in Deutschland Geborene (43 %). Sie wünschen sich häufiger Informationen zu Verhaltensregeln im Wald und seltener Informationen über aktuelle Maßnahmen als dies in Deutschland Geborene tun. An Informationen über aktuelle Maßnahmen sind in Deutschland Geborene etwas häufiger interessiert als Personen, die nicht in Deutschland geboren sind (Abbildung 10). Abbildung 10: Gewünschte Informationen n = 3.129 Fast die Hälfte der Personen mit Kindern (49 %) fühlen sich schlechter über alle wesentlichen Aspekte des Stadt waldes informiert. 89 % von ihnen möchten mehr darüber erfahren, bei Personen ohne Kinder sind dies lediglich 80 %. Die Themen, über die beide Gruppen mehr erfahren möchten, unterscheiden sich indes nicht. Erwerbstätige (47 %) fühlen sich schlechter über den Stadtwald informiert als Nicht - Erwerbstätige (35 %) und möchten auch mehr über den Stadtwald erfahren (85 % vs. 76 %). Welche Informationen sie dabei wünschen unterscheidet sich jedoch nicht von den Nicht - Erwerbstätigen. 0% 2% 4% 6% 8% 10% 12% 14% 16% 18% 20% In Deutschland Geborene nicht in Deutschland Geborene BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ – 2020 ABSCHLUSSBERICHT ZUR BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ PROF. DR. YVONNE HAFFNER | HOCHSCHULE DARMSTADT 16 Auch die Wohndauer hat einen Einfluss darauf, ob sich die Befragten über den Darmstädter Stadtwald informiert fühlen: Personen, die erst kurz in Darmstadt leben fühlen sich mit 57 % (Wohndauer unter 1 Jahr) bzw. 63 % (Wohndauer 1-5 Jahre) besonders schlecht über den Darmstädter Stadtwald informiert, bei den Menschen, die über 20 Jahre in Darmstadt leben, sind es nur 34 %. 6.2 NUTZUNG DES DARMSTÄDTER STADTWALDES Im deskriptiven Teil des Berichts wurde bereits gezeigt, dass die Darmstädter*innen den Stadtwald relativ häufig nutzen, in den Somm ermonaten jedoch mehr als in den Wintermo - naten. Die meisten Befragten halten sich zwischen einer halben Stunde und zwei Stunden im Wald auf und über die Hälfte der Befragten kommt üblicherweise zu Fuß in den Wald. Die meisten Befragten kommen zum Spaziere ngehen, suchen Erholung und Entspannung oder kommen zum Fahrradfahren und immerhin noch jede*r Dritte kommt zum Joggen oder Walken. Zwar nutzen alle Altersgruppen den Darmstädter Stadtwald in den Sommermonaten häufiger als in den Wintermonaten, j e älter die Personen aber sind, desto häufiger halten sie sich im Wald auf. In der Gruppe ab 65 Jahren nimmt der Anteil derer, die nie in den Stadtwald gehen, im Vergleich zu den jüngeren Altersgruppen allerdings wieder zu. Auch nimmt die Dauer des Aufenthaltes mit dem Alter zu: Je älter die Personen werden, desto länger halten sie sich im Stadtwald auf. Länger als 3 Stunden halten sich dann aber alle Altersgruppen (außer der jüngsten) gleich häufig auf. In allen Altersgruppen kommen die meisten Personen zu Fuß in den Wald. Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil derer, die mit dem Auto kommen und der Anteil derer, die mit dem Fahrrad kommen nimmt ab. Je jünger die Personen sind, desto seltener fühlen sie sich durch andere Nutzer*innen gestört (Abbildung 11). Allerdings fühlen sie sich stärker durch Autos, Waldarbeiten und Lärm gestört als ältere Personen, dafür seltener durch Fahrräder und Hunde. Personen ab 65 Jahren kommen häufiger als die anderen Altersgruppen zum Spazierengehen, Wandern oder Erholen in den Darms tädter Stadtwald, jüngere Personen dagegen häufiger zum Mountainbiken, Walken, Joggen und Geocaching oder nutzen den Wald als Arbeits- bzw. Besorgungsweg. BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ – 2020 ABSCHLUSSBERICHT ZUR BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ PROF. DR. YVONNE HAFFNER | HOCHSCHULE DARMSTADT 17 Abbildung 11: Störung durch andere Nutzer*innen nach Alter n = 993 Frauen gehen tendenziell häufiger in den Wald als Männer. In den Wintermonaten unterschei- det sich der Anteil von Männern und Frauen, die nicht in den Wald gehen, jedoch nicht. Die Aufenthaltsdauer unterscheidet sich zwischen den Geschlechtern praktisch nicht, allerdings ist der Anteil an Männern, die lediglich zu kurzen Aufenthalten von unter einer halben Stunde in den Wald kommen (5 %), geringfügig höher als der Anteil an Frauen (3 %). Männer (33 %) kommen häufiger als Frauen (22 %) mit dem Fahrrad in den Wald; Frauen hingegen kommen häufiger als Männer zu Fuß (56 % vs. 51 %) oder mit dem Auto (16 % vs. 12 %) in den Wald und doppelt so häufig wie Männer mit dem ÖPNV (6 % vs. 3 %). Männer und Frauen fühlen sich gleich selten durch andere Nutzer*innen im Wald gestört. Unterschiede sind jedoch in den Gründen der Störung festzustellen: Frauen fühlen sich häufiger als Männer durch Fahrrä- der (26 % vs. 20 %) gestört, Männer hingegen häufiger als Frauen durch Hunde (23 % vs. 18 %). Auch beim Zweck des Besuches sind Unterschiede zwischen den Geschlechtern festzustellen: Männer gehen (etwas) häufiger als Frauen zur sportlichen Betätigung in den Wald, also Fahrradfahren (16 % vs. 14 %), Mountainbiken (5 % vs. 2 %) oder Walken bzw. Joggen (14 % vs. 11 %); Frauen hingege n etwas häufiger zum Erholen/Entspannen (23 % vs. 21 %) und Spazierengehen (28 vs. 26 %). Personen, die nicht in Deutschland geboren sind, halten sich in den Sommermonaten seltener im Wald auf und in den Wintermonaten deutlich seltener als in Deutsc hland Geborene. Insgesamt halten sie sich jedoch tendenziell länger im Darmstädter Stadtwald auf. Personen, die nicht in Deutschland geboren sind, kommen häufiger zu Fuß (57 % vs. 53 %) und 2% 4% 6% 5% 12% 28% 34% 37% 86% 69% 61% 59% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% unter 26 Jahren 26 - 45 Jahre 46 - 65 Jahre über 65 Jahre ja teilweise nein BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ – 2020 ABSCHLUSSBERICHT ZUR BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ PROF. DR. YVONNE HAFFNER | HOCHSCHULE DARMSTADT 18 deutlich häufiger mit dem ÖPNV (10 % vs. 4 %) in den Wald als in Deutschland Geborene. Sie fühlen sich seltener durch andere Nutzer*innen gestört (75 % vs. 64 %) und diejenigen, die sich durch andere Nutzer*innen gestört fühlen, tun dies häufiger als in Deutschland Geborene durch Autos (25 % vs. 20 %). Menschen, die nicht in De utschland geboren sind, kommen häufiger als in Deutschland Geborene zum Spazierengehen (31 % vs. 27 %) in den Wald, dafür seltener zum Walken oder Joggen (8 % vs. 13 %). Personen mit Kindern sind sowohl in den Sommer- als auch in den Wintermonaten häufiger und tendenziell länger im Wald (Abbildung 12). Abbildung 12: Häufigkeit der Aufenthalte in den Sommer- und Wintermonaten nach Vorhandensein von Kindern n = 1.037 Zwar wandern sie etwas seltener als Personen ohne Kinder, die anderen Aufenthalts zwecke unterscheiden sich aber praktisch nicht. Sie kommen häufiger als Personen ohne Kinder zu Fuß in den Wald (56 % vs. 53 %), diese kommen dafür häufiger als Personen mit Kindern mit dem Fahrrad in den Wald (28 % vs. 25 %). Personen mit Kindern fühlen sich etwas seltener als Personen ohne Kinder durch andere Nutzer*innen gestört (68 % vs. 64 %). Sie fühlen sich praktisch gar nicht durch Spaziergänger*innen und Sporttreibende gestört, dafür aber stärker von Hunden als Personen ohne Kinder (26 % vs. 19 %). Erwerbstätige sind in den Sommermonaten deutlich häufiger und in den Wintermonaten etwas häufiger im Stadtwald als Nicht-Erwerbstätige. Nicht-Erwerbstätig besuchen den Wald eher zum Spazierengehen (30 % vs. 26 %), Wandern (10 % vs. 8 %) und zur Erholung (24 % vs. 72% 63% 47% 38% 26% 33% 47% 52% 2% 5% 6% 10% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% mit Kinder (Sommer) ohne Kinder (Sommer) mit Kinder (Winter) ohne Kinder (Winter) häufig selten nie BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ – 2020 ABSCHLUSSBERICHT ZUR BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ PROF. DR. YVONNE HAFFNER | HOCHSCHULE DARMSTADT 19 21 %), Erwerbstätige hingegen eher zum Sporttreiben (Mountainbiken: 4 % vs. 1 %, Walken/Joggen: 13 % vs. 10 %). Bei der Dauer des Aufenthalts ist im Prinzip kein Unterschied festzustellen. Erwerbstätige kommen etwas häufiger als Nicht-Erwerbstätige mit dem Fahrrad in den Wald (29 % vs. 23 %); Nicht-Erwerbstätige etwas häufiger mit dem ÖPNV (7 % vs. 4 %) oder dem Auto (16 % vs. 13 %). Erwerbstätige fühlen sich minimal seltener durch andere Nutzer*innen gestört. Nicht -Erwerbstätige dabei eher von Fahrrädern (33 % vs. 17 %) und Sporttreibende (4 % vs. 2 %), Erwerbstätige eher durch Autos (22 % vs. 15 %) und Lärm (16 % vs. 10 %) Auch in diesem Feld hat die Wohndauer wenig Einfluss. Auch hier unterscheiden sich lediglich die Personen, die kürzer als 1 Jahr in Darmstadt leben von allen anderen Gruppen: Sie gehen seltener und wenn kürzer in den Wald, kommen seltener als andere zu Fuß (43 %), dafür häufiger als andere mit dem Auto (14 %) oder dem ÖPNV (7 %) und fühlen sich nicht von anderen Nutzer*innen gestört (94 %). 6.3 ZUSTAND DES DARMSTÄDTER STADTWALDES Den Darmstädter Ost - und Westwald können drei Viertel der Befragten voneinander unterscheiden. Dies gelingt den Befragten umso besser, je älter sie sind und je länger sie in Darmstadt leben. Personen, die nicht in Deutschl and geboren sind, haben ebenfalls größere Schwierigkeiten, diese beiden Gebiete zu unterscheiden: 75 % der in Deutschland Geborenen und nur 58 % der nicht in Deutschland Geborenen können Ost- und Westwald unterscheiden. Der Ostwald (58 %) wird häufiger als der Westwald (28 %) besucht. Lediglich 15 % der Befragten besuchen beide Gebiete gleichermaßen. Welches Gebiet von den Befragten besucht wird, hängt ganz wesentlich davon ab, in welchem Stadtteil sie leben: Lediglich Personen aus Eberstadt und Darmstadt West besuchen häufiger den Westwald als den Ostwald ; Personen aus allen anderen Stadtteilen besuchen eher den Ostwald als den Westwald (Abbildung 13). BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ – 2020 ABSCHLUSSBERICHT ZUR BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ PROF. DR. YVONNE HAFFNER | HOCHSCHULE DARMSTADT 20 Abbildung 13: Besuche der verschiedenen Waldgebiete nach Stadtteil n = 754 Das Vermeiden des Westwaldes hängt außerdem mit der Beurteilung des Gesundheitszustan- des der beiden Gebiete zusammen: 56 % der Befragten schätzen den Gesundheitszustand des Ostwaldes als gut oder eher gut ein, lediglich 15 % der Befragten schätzen den Gesundheitszustand des Westwaldes als gut oder eher gut ein. Umgekehrt wird die Einschätzung des Gesundheitszustandes des Darmstädter Stadtwaldes davon beeinflusst, welches Waldgebiet die Befrag ten überwiegend besuchen. 25 % der Personen, die eher den Ostwald besuchen, schätzen den Gesundheitszustand des Darmstädter Stadtwaldes als gut oder eher gut ein, unter den Personen, die eher den Westwald besuchen, sind es ledigli ch 17 %, die den Gesundhei tszustand des Darmstädter Stadtwaldes als gut oder eher gut einschätzen. Dies schlägt sich auch in der Auswertung nach Stadtteilen nieder: Mit Ausnahme der Befragten aus dem Stadtteil Kranichstein, schätzen ein Drittel der Befragten aus den Stadtteilen, die häufiger den Ost- als den Westwald besuchen, den Gesundheitszustand des Darmstädter Stadtwaldes als gut bzw . eher gut ein (Abbildung 14). 86% 86% 73% 72% 68% 66% 55% 32% 20% 3% 10% 18% 16% 5% 18% 30% 44% 64% 10% 4% 9% 12% 26% 16% 15% 25% 16% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% Ich besuche eher den Ostwald Ich besuche eher den Westwald Ich besuche beide Gebiete gleich häufig BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ – 2020 ABSCHLUSSBERICHT ZUR BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ PROF. DR. YVONNE HAFFNER | HOCHSCHULE DARMSTADT 21 Abbildung 14: Einschätzung des Gesundheitszustandes des Darmstädter Stadtwaldes nach Stadtteilen n = 745 Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass Personen mit steigendem Alter den Gesund- heitszustand des Darmstädter Stadtwaldes schlechter einschätzen und ihn auch eher in seiner Existenz gefährdet sehen als junge Personen. Für die Verbesserung des allgemeinen Zustandes des Waldes setzen jüngere Personen eher auf Maßnahmen des Umwelt - und Naturschutzes, ält ere Personen eher auf forstwirtschaftliche Maßnahmen. So sind auch jüngere Menschen eher der Meinung, dass ein sich selbst bzw. d er Natur überlassener Wald die an ihn gestellten Aufgaben am besten erfüllen kann: 22 % der unter 26-Jährigen und nur 8 % der über 65-Jährigen (Abbildung 15). 38% 35% 35% 32% 30% 23% 18% 17% 15% 63% 65% 65% 68% 70% 77% 82% 83% 85% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% gut/eher gut eher schlecht/schlecht BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ – 2020 ABSCHLUSSBERICHT ZUR BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ PROF. DR. YVONNE HAFFNER | HOCHSCHULE DARMSTADT 22 Abbildung 15: Pflegegrad des Waldes zur Erfüllung seiner Aufgaben nach Alter n = 1.025 Frauen schätzen den Gesundheitszustand des Ost- und Westwaldes (und des Gesamtwaldes) tendenziell schlechter ein und sehen ihn in seiner Existenz eher gefährdet. Bei den Gründen der gesundheitlichen Beeinträchtigung des Waldes untersc heiden sich Frauen und Männer hingegen fast nicht. Zur Verbesserung des allgemeinen Zustands des Waldes sind für beide Geschlechter Maßnahmen gegen Klimaveränderungen und mehr Naturschutz die Mittel der Wahl, wobei Frauen hierzu etwas stärker präferieren. Personen, die nicht in Deutschland geboren sind, schätzen den Gesundheitszustand des Ost- und Westwaldes weniger schlecht ein, als in Deutschland Geborene. Auch sind sie seltener der Meinung, dass der Darmstädter Stadtwald in seiner Existenz gefährdet ist. Ein deutlicher Unterschied ist bei der Einschätzung der Maßnahmen zur Verbesserung des allgemeinen Zu - standes des Waldes festzustellen: Deutlich mehr Menschen, die nicht in Deutschland geboren sind, sind der Meinung, dass mehr forst wirtschaftliche Maßnahm en zur Verbesserung beitragen können (29% vs. 20 %). Das Vorhandensein von Kindern, Erwerbstätigkeit und Wohndauer haben keinen nennenswerten Einfluss auf die Beurteilung des Gesundheitszustandes des Darmstädter Stadtwaldes. Auch unterscheiden sie sich in der Einschätzung der Maßnahmen zur Verbesserung des Gesundheitszustandes im Prinzip nicht. 2% 4% 6% 12% 76% 80% 82% 80% 22% 16% 13% 8% 0% 20% 40% 60% 80% 100% 120% unter 26 Jahren 26 - 45 Jahre 46 - 65 Jahre über 65 Jahre ein gepflegter und bewirtschafteter Walf eine Kombination aus beidem ein sich selbst bzw. der Natur überlassener Wald BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ – 2020 ABSCHLUSSBERICHT ZUR BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ PROF. DR. YVONNE HAFFNER | HOCHSCHULE DARMSTADT 23 TEIL 2: ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ – 2020 ABSCHLUSSBERICHT ZUR BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ PROF. DR. YVONNE HAFFNER | HOCHSCHULE DARMSTADT 24 AUSGEWÄHLTE THEMENBEZOGENE ERGEBNISSE 7.1 DARMSTÄDTER STADTWALD – EIN BELIEBTES FREIZEITZIEL Der Darmstädter Stadtwald ist ein beliebtes Freizeitziel für die Darmstädter Bürger*innen – und zwar rund um das Jahr. Im Sommer nutzen über 90 % der Befragten den Stadtwald für verschiedene Aktivitäten, in den Wintermonaten sind es nur etwas weniger. Fast 90 % der Befragten suchen den Stadtwald im Sommer regelmäßig auf, d.h. mindestens ein- bis zweimal pro Monat, und sogar in den Wintermonaten wird er von 70 % der Befragten regelmäßig auf- gesucht. Bei ihren Besuchen verbringen die Befragten dann auch relativ viel Zeit im Darmstäd- ter Stadtwald: Fast 60 % der Befragten halten sich länger als eine Stunde im Wald auf und lediglich 4 % der Befragten kommen nur zu einem kurzen Aufenthalt von unter einer halben Stunde. Die meisten Befragten haben eindeutige Präferenzen, welchen Teil des Darmstädter Stadtwaldes sie aufsuchen: Der Darmstädter Ostwald wird deutlich häufiger als der Westwald aufgesucht und nur ein kleiner Teil der Befragten besucht beide Gebiete gleichermaßen. Welches Gebiet von den Befragten auf gesucht wird, hängt ganz wesentlich davon ab, in welchem Stadtteil sie leben. Lediglich die Befragten aus Eberstadt und Darmstadt West besuchen häufiger den West - als den Ostwald, Personen aus allen anderen Stadtteilen besuchen eher den Ostwald. Die Nähe zum Wohnort scheint ein wichtiges Kriterium bei der Wahl des Waldgebietes zu sein: Etwa die Hälfte der Befragten kommt üblicherweise zu Fuß und ein Viertel mit dem Fahrrad bzw. Pedelec in den Darmstädter Stadtwald. Hieraus kann geschlossen werden, dass die Nähe zum Wald und die gute Erreichbarkeit gute Gründe für die häufigen Besuche sind. Dies drückt sich auch in den Assozi ationen der Befragten zum Wort Stadtwald aus – „Darmstadt, die Stadt im Grünen “, „von überall gut erreichbar“, „Stadt im Wald“ usw. Seine Bedeutung als Naherholungsgebiet wird von vielen Befragten betont und offensichtlich auch als solches wahrgenommen. Zwar wird der Darmstädter Stadtwald von allen Bevölkerungsgruppen regelmäßig und häufig aufgesucht, aber v or allem für Menschen mit Kindern ist der Darmstädter Stadtwald ein beliebtes Ausflugsziel: Sie kommen sowohl in den Sommer- als auch den Wintermonaten häufiger und tendenziell länger in den Wald als Personen ohne Kinder. Aber auch für ältere Menschen ist der Darmstädter Stadtwald ein Ort, der ihren Wünschen gerecht wird: Sie kommen häufiger als jüngere Menschen zum Spazierengehen, Wandern und Erholen und kommen dafür auch häufiger und länger in den Darmstädter Stadtwald. Der Darmstädter Stadtwald scheint mit der Attraktivität der vielfältigen anderen Freizeitangebote durchaus mithalten zu können. BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ – 2020 ABSCHLUSSBERICHT ZUR BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ PROF. DR. YVONNE HAFFNER | HOCHSCHULE DARMSTADT 25 7.2 VIELFÄLTIGE GRÜNDE, DEN DARMSTÄDTER STADTWALD AUFZUSUCHEN Die Gründe, den Darmstädter Stadtwald aufzusuchen, sind vielfältig: Die meisten Befragten kommen zum Spazierengehen und suchen Erholung und Entspannung. Aber auch sportliche Aktivitäten im Wald sind häufig genannte Aufenthaltsgründe – hauptsächlich bei jüngeren Befragten: Eine nennenswerte Anzahl von Befragten sucht den Da rmstädter Stadtwald zum Fahrradfahren, Walken, Joggen oder Wandern auf. Interessant ist, dass sich die verschiedenen Nutzer*innengruppen im Wald kaum in die Quere kommen. Nur eine Minderheit der Befragten fühlt sich durch andere Nutzer*innen gestört, die überwiegende Mehrheit fühlt sich während ihres Aufenthaltes nicht durch andere gestört. Wenn sich die Befragten gestört fühlen, dann am ehesten durch Fahrräder, Autos, Hunde oder Lärm. Hunde werden vor allem durch Personen mit Kindern als störend empfunden: Hier ist es immerhin ein Viertel der Befragten, die sich durch Hunde in ihren Aktivitäten gestört fühlen. Wenig überraschend ist der hierbei festzustellende Alterseffekt: Je jünger die Befragten sind, desto seltener fühlen sie sich durch andere Waldnutzer*innen gestört. Allerdings – und das überrascht dann doch – fühlen sie sich stärker als ältere Befragte durch Lärm, Waldarbeiten und Autos gestört. Ein Indiz dafür, dass es vor allem jüngere Menschen sind, die die Ruhe im Stadtwald und damit einen bewussten Gegenpol zum üblichen städtischen Leben suchen. Um den verschiedenen Aktivitäten nachgehen zu können, ist die Infrastruktur im Darmstädter Stadtwald aus Sicht der Befragten durchaus angemessen und im Großen und Ganzen sind sie damit auch zufrieden. Die vorhandenen Wander - und Radwege werden von fast allen Befragten als gut oder eher gut empfunden, lediglich die Ausschilderung könnte etwas besser sein. Unzufriedener sind die Befragten mit der Ausstattung an Bänken und Schutzhütten. Zwei von drei Befragten sind damit eher unzufrieden ; mehr Bänke, Mülleimer und Wegweiser stehen daher auch ganz oben auf der Wunschliste. 7.3 BEDEUTUNG DES DARMSTÄDTER STADTWALDES ALS NAHERHOLUNGSRAUM Die besondere Bedeutung des Darmstädter Stadtwaldes zur Erholung und Entspannung wird nicht nur durch die mehrheitliche Asso ziation der Befragten zum Wort Stadtwald deutlich, sondern auch durch die Art und Weise der Nutzung. Zwar kommen die Befragten aus unterschiedlichen Gründen in den Stadtwald , jedoch sucht ein Großte il der Besucher*innen Erholung und Entspannung oder sie gehen eher entspannenden Tätigkeiten, wie beispielsweise Spazierengehen, nach. Fast alle Befragten nennen außerdem Aspekte der Erholungsfunktion des Waldes als wichtigste Aufgabe des Darmstädter Stadt waldes. Diese Aufgabe kann nach Meinung der großen Mehrheit der Befragten eine Kombination aus gepflegtem bzw. bewirtschaftetem Wald und einem sich selbst überlassenem Wald am besten erfüllen. Obgleich die Befragten den Stadtwald mehrheitlich mit Natur assoziieren, ist nur ein BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ – 2020 ABSCHLUSSBERICHT ZUR BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ PROF. DR. YVONNE HAFFNER | HOCHSCHULE DARMSTADT 26 kleiner Teil (14 %) der Meinung, dass ein sich selbst bzw. der Natur überlassener Wald die an ihn gestellten Aufgaben am besten erfüllen kann. Beim Thema Wald haben die Befragten in erster Linie eine eher romantisch geprägte Vorstel- lung und schwärmerische Waldbegeisterung, die sich in den Begrifflichkeiten „Grün“, „Ruhe“, „Bäume“, „Tiere“, „frische Luft“ usw. ausdrücken und in erster Linie der Erholung und Ent - spannung dienen. Insgesamt kann festgestellt werden, dass die beiden Vorst ellungen Natur und Erholung gegenüber anderen Faktoren wie beispielsweise Schutz oder Nutzung deutlich dominieren. Wald ist für die meisten Befragten der Inbegriff von Natur, a n eher wirtschaftliche Nutzungsaspekte denken die wenigsten Befragten. 7.4 MEHR INFORMATIONEN ÜBER DEN DARMSTÄDTER STADTWALD SIND GEWÜNSCHT Ein Großteil der Befragten fühlt sich nicht ausreichend über alle Aspekte des Darmstädter Stadtwaldes informiert und über 80 % möchten daher mehr über den Darmstädter Stadtwald erfahren. Es sind vor allem die jüngeren Altersgruppen, die sich nicht ausreichend informiert fühlen: Zwei Drittel der unter 26-Jährigen aber nur ein Drittel der über 65-Jährigen haben das Gefühl, dass sie nicht über die wichtigsten Aspekte informiert sind. Es werden hauptsächlich Informationen zu aktuellen Maßnahmen gewünscht, aber auch Informationen zu Flora, Fauna und ökologischen Zusammenhängen. Mehr Informationen über die Freizeitnutzung des Waldes möchten hauptsächlich jüngere Personen erhalten, Ältere haben hieran wenig Interesse. Menschen, die nicht in Deutschland geboren sind, wünschen sich im Vergleich zu in Deutschland Geborenen seltener Informationen zu aktuellen Maßnahmen, dafür aber häufiger Informationen zu Verhaltensregeln im Wald. Zwar wurde nicht nach den Gründen gefragt, warum bestimmte Informationen gewünscht werden, aber der Wunsch nach Informationen zu Verhaltensregeln im Wald durch Menschen, die nicht in Deutschland geboren wurden, deutet darauf hin, dass diese eher Befürchtungen haben, sich im Darmstädter Stadtwald nicht angemessen zu verhalten. In Deutschland Geborene haben eher einen selbstverständlichen Zugang zum Wald und n utzen diesen offenbar auch selbstbewusster. Es zeigt sich, dass die Befragten die Zusammenhänge rund um den Darmstädter Sta dtwald verstehen möchten und vor allem über Maßnahmen, die auf ihn Einfluss nehmen könnten, informiert sein wollen. Das große Interesse daran lässt auf eine besondere Verbundenheit der Befragten mit „ihrem“ Wald schließen und drückt die Wertschätzung des Darmstädter Stadtwaldes durch die Befragten aus. 7.5 SORGEN UM DEN GESUNDHEITSZUSTAND DES DARMSTÄDTER STADTWALDES Der Gesundheitszustand des Darmstädter Stadtwaldes wird von den Befragten als tendenziell schlecht eingeschätzt, wobei dies ganz wesentlich davon abhängt, ob die Befragten eher den Ost- oder den Westwald besuchen. Da der Gesundheitszustand des Ostwaldes deutlich besser eingeschätzt wird, als der Zustand des Westwaldes, wirkt sich dies auch auf die Einschätzung BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ – 2020 ABSCHLUSSBERICHT ZUR BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ PROF. DR. YVONNE HAFFNER | HOCHSCHULE DARMSTADT 27 des Gesundheitszustandes des gesamten Da rmstädter Stadtwaldes aus. Personen, die eher den Ostwald besuchen schätzen den Gesundheitszustand des gesamten Darmstädter Stadt - waldes deutlich besser ein, als Personen, die eher den Westwald besuchen. Insgesamt schätzen drei Viertel der Befragten den Gesundheitszustand als (eher) schlecht ein. So ist es auch wenig überraschend, dass drei Viertel der Befragten den Darmstädter Stadtwald in seiner Existenz als (eher) gefährdet ansehen. Auch hier ist ein deutlicher Unterschied zwischen den Besucher*innen der verschiedenen Waldgebiete festzustellen: Es sind vor allem Befragte, die eher den Westwald aufsuchen, die den Darmstädter Stadtwald in seiner Existenz gefährdet sehen. Beeinträchtigt wird dieser relativ schlecht eingeschätzte Zustand des Waldes nach Meinu ng der Befragten in erster Linie durch Klimaveränderungen. Aber auch Schädlinge, Umweltverschmutzung und Grundwasserentnahme beeinträchtigen nach Meinung der Befragten den Zustand des Darmstädter Stadtwaldes. Eingriffe durch Baumaßnahmen und Forstwirtschaft spielen im Vergleich hierzu eine eher weniger wichtige Rolle und Freizeitaktivitäten oder die Jagd verursachen nach Meinung der Befragten so gut wie gar nicht den schlechten Zustand des Darmstädter Stadtwaldes. Dementsprechend sind die Befragten der Meinung, dass der allgemeine Zustand des Darmstädter Stadtwaldes am ehesten durch mehr Umwelt - und Naturschutzmaßnahmen verbessert werden kann. Aber auch mehr forstwirtschaftliche Maßnahmen werden als hilfreich ein geschätzt und nur e in kleiner Teil der Befragten erhofft sich durch weniger forstwirtschaftliche Maßnahmen eine Verbesserung des allgemeinen Zustands des Waldes. Es zeigt sich auch hier, dass die Befragten eine Unterstützung des Walds durch gezielte forstwirtschaftliche Maßn ahmen befürworten und wenig darauf vertrauen, dass der Wald sich durch eigene Kraft regeneriert. Trotz der großen Besorgnis um den Gesundheitszustand des Darmstädter Stadtwaldes, werden grundsätzlich positive Aspekte genannt: „ Lebensraum“, „Artenvielfalt“, „Ruhe“, „Luftreinhaltung“ usw., deren Gefährdung unmittelbar die Erholung der Waldnutzer*innen beeinträchtigen und die große Sorge um den Gesundheitszustand des Waldes plausibel werden lassen. 7.6 PFLEGE DES WALDES ALS WICHTIGE FORSTWIRTSCHAFTLICHE AUFGABE Pflegearbeiten werden von über drei Viertel der Befragten als eine der wichtigsten Aufgaben von Förster*innen angesehen. Vor dem Hintergrund der großen Sorge um den Gesundheitszustand des Darmstädter Stadtwaldes nehmen vor allem die forstwirtschaftlichen Pflegemaßnahmen eine wichtige Rolle zum Schutz des Waldes ein. Es ist nicht der sich selbst bzw. der Natur überlassene Wald, der seine Existenz sichert, sondern – neben allgemeinen Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen – vor allem die Pflegemaßnahmen durch Först er*innen, die zu seiner Gesunderhaltung beitragen. Zwar wurde nicht danach BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ – 2020 ABSCHLUSSBERICHT ZUR BÜRGER*INNENBEFRAGUNG „DARMSTÄDTER STADTWALD“ PROF. DR. YVONNE HAFFNER | HOCHSCHULE DARMSTADT 28 gefragt, was diese Pflegemaßnahmen beinhalten, aber Ordnung halten bzw. schaffen wird von der Hälfte der Befragten als weitere wichtige Aufgabe von Förster*innen angesehen. Es ist d aher davon auszugehen, dass ein aufgeräumter, ordentlicher Wald in den Augen der Befragten eher die an ihn gestellten Anforderungen erfüllen kann und dies dabei gleichzeitig zu seiner Gesunderhaltung beitragen kann. Aufklärungsarbeit und Information der Be völkerung gehört nach Meinung der Befragten ebenfalls zu den wichtigen Aufgaben der Förster*innen. Berücksichtigt man das relativ große Informationsbedürfnis zu aktuellen Maßnahmen, Flora, Fauna und ökologischen Zusammenhängen, kann daraus geschlossen werden, dass die Befragten die Förster*innen als hierfür zuständige und wahrscheinlich geeignete Personen ansehen. Wirtschaftliche Aspekte spielen auch hier eine eher untergeordnete Rolle. Nur ein Fünftel der Befragten sieht die Holzernte als eine wichtige Auf gabe der Förster*innen. Dass sich die wenigsten Befragten mit diesem wirtschaftlichen Aspekt der forstwirtschaftlichen Maßnahmen auseinandersetzen, zeigt sich auch darin, dass fast die Hälfte der Befragten nicht beurteilen kann, ob die geerntete Holzmenge angemessen ist. Auch hier wird wieder deutlich, dass die Nutzfunktion des Waldes den beiden anderen Funktionen klar untergeordnet ist. 7.7 AUF DEN PUNKT GEBRACHT Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Befragten den Darmstädter Stadtwald schätzen, ü ber ihn informiert sein wollen und ihn gerne und häufig für verschiedene Aktivitäten aufsuchen. Hierbei ist der Darmstädter Stadtwald ein Ort der Erholung und Entspannung, den es zu erhalten gilt. Neben Klima -, Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen vertrauen die Befragten hierbei auf forstwirtschaftliche Maßnahmen, die dabei helfen sollen, den schlechten Gesundheitszustand des Darmstädter Stadtwaldes zu überwinden. ANHANG FRAGEBOGEN MUSTER MUSTER F2265U0P1PL0V0 13.11.2019, Seite 1/4 EvaSys Bürger*innenbefragung "Darmstädter Stadtwald" Bitte so markieren: Bitte verwenden Sie einen Kugelschreiber oder nicht zu starken Filzstift. Dieser Fragebogen wird maschinell erfasst. Korrektur: Bitte beachten Sie im Interesse einer optimalen Datenerfassung die links gegebenen Hinweise beim Ausfüllen. 1. ALLGEMEINES ZUM DARMSTÄDTER STADTWALD Zu Beginn möchten wir gerne etwas über Ihre allgemeine Einstellung zum Darmstädter Stadtwald erfahren. 1.1 Wenn Sie das Wort „Darmstädter Stadtwald“ hören, was fällt Ihnen spontan dazu ein? 1.2 Fühlen Sie sich über alle wichtigen Aspekte des Darmstädter Stadtwaldes informiert? ja teilweise nein 1.3 Möchten Sie gerne mehr über den Darmstädter Stadtwald erfahren? ja nein Falls Sie keine weiteren Informationen wünschen, gehen Sie bitte weiter zu Frage 1.6 1.4 Über welche Themen möchten Sie mehr erfahren? (Mehrfachnennung möglich) Bäume Fauna/Tiere Ökologische Zusammenhänge Flora/Pflanzen Verhaltensregeln im Wald Wirtschaftliche Nutzungsaspekte Freizeitnutzung Aktuelle Maßnahmen Anderes: 1.5 Wenn Sie "Anderes" angekreuzt haben, hier bitte erläutern: 1.6 Was ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Aufgabe des Darmstädter Stadtwaldes? 1.7 Welcher Wald kann Ihrer Meinung nach die an ihn gestellten Aufgaben am besten erfüllen? Ein gepflegter und bewirtschafteter Wald Eine Kombination aus gepflegtem/bewirtschaftetem u. sich selbst überlassenem Wald Ein sich selbst bzw. der Natur überlassener Wald 2. NUTZUNG DES DARMSTÄDTER STADTWALDES In diesem Teil geht es um Ihre konkrete Nutzung des Darmstädter Stadtwaldes. Die Fragen beziehen sich auf Ihren Aufenthalt im Darmstädter Stadtwald. 2.1 Wenn Sie an Ihre Freizeit denken (keine Arbeits- und Besorgungswege), wie häufig nutzen Sie in den Sommermonaten den Darmstädter Stadtwald? fast täglich 1-/2-mal pro Woche 1-/2-mal pro Monat seltener als 1- mal pro Monat nie 2.2 Wenn Sie an Ihre Freizeit denken (keine Arbeits- und Besorgungswege), wie häufig nutzen Sie in den Wintermonaten den Darmstädter Stadtwald? fast täglich 1-/2-mal pro Woche 1-/2-mal pro Monat seltener als 1- mal pro Monat nie Bitte so markieren: Bitte verwenden Sie einen Kugelschreiber oder nicht zu starken Filzstift. Dieser Fragebogen wird maschinell erfasst. Korrektur: Bitte beachten Sie im Interesse einer optimalen Datenerfassung die links gegebenen Hinweise beim Ausfüllen. F2265U1748397234P1PL0V0 15.01.2020, Seite 1/4 MUSTER MUSTER F2265U0P2PL0V0 13.11.2019, Seite 2/4 EvaSys Bürger*innenbefragung "Darmstädter Stadtwald" 2. NUTZUNG DES DARMSTÄDTER STADTWALDES [Fortsetzung] 2.3 Wie lange halten Sie sich gewöhnlich im Darmstädter Stadtwald auf? kürzer als ½ Stunde ½ bis 1 Stunde 1 bis 2 Stunden 2 bis 3 Stunden länger als 3 Stunden 2.4 Wie kommen Sie üblicherweise in den Darmstädter Stadtwald? Zu Fuß Mit dem Fahrrad/Pedelec Mit dem ÖPNV Mit dem Auto Sonstiges Wie beurteilen Sie die Ausstattung des Darmstädter Stadtwaldes mit folgenden Einrichtungen? gut eher gut eher schlecht schlecht kann ich nicht beurteilen 2.5 Bänke 2.6 Parkplätze 2.7 Wanderwege 2.8 Ausschilderung Wanderwege 2.9 Radwege 2.10 Ausschilderung Radwege 2.11 Schutzhütten 2.12 Was fehlt Ihnen? 2.13 Zu welchem Zweck gehen Sie hauptsächlich in den Darmstädter Stadtwald? (Mehrfachnennung möglich) Spazierengehen Wandern Fahrradfahren Mountainbiken Walken/Joggen Reiten Erholung/Entspannung Geocaching Hund ausführen Sammeln (Pilze, Holz etc.) Arbeits-/Besorgungsweg Anderes: 2.14 Wenn Sie "Anderes" angekreuzt haben, hier bitte erläutern: 2.15 Fühlen Sie sich während Ihres Aufenthaltes im Darmstädter Stadtwald von anderen Nutzer*innen gestört? ja teilweise nein 2.16 Wodurch fühlen Sie sich besonders gestört? (Mehrfachnennung möglich) Autos Fahrräder Sporttreibende Spaziergänger*innen Hunde Pferde Waldarbeiten Lärm Anderes: 2.17 Wenn Sie "Anderes" angekreuzt haben, hier bitte erläutern: F2265U1748397234P2PL0V0 15.01.2020, Seite 2/4 MUSTER MUSTER F2265U0P3PL0V0 13.11.2019, Seite 3/4 EvaSys Bürger*innenbefragung "Darmstädter Stadtwald" 3. ZUSTAND DES DARMSTÄDTER STADTWALDES Nun möchten wir etwas über Ihre Meinung zum Zustand des Darmstädter Stadtwaldes erfahren. 3.1 Im Darmstädter Stadtwald gibt es einen Ost- und einen Westwald. Können Sie die beiden Gebiete unterscheiden? Ja, ich kann Ost- und Westwald unterscheiden Nein, ich kann Ost- und Westwald nicht unterscheiden Falls Sie die beiden Gebiete nicht unterscheiden können, gehen Sie bitte weiter zu Frage 3.5 3.2 Besuchen Sie eher den Ostwald oder den Westwald? Ich besuche eher den Ostwald Ich besuche eher den Westwald Ich besuche beide Gebiete gleich häufig gut eher gut eher schlecht schlecht kann ich nicht beurteilen 3.3 Wie schätzen Sie den Zustand/die Gesundheit des Darmstädter Ostwaldes ein? 3.4 Wie schätzen Sie den Zustand/die Gesundheit des Darmstädter Westwaldes ein? 3.5 Wie schätzen Sie den Zustand/die Gesundheit des Darmstädter Stadtwaldes insgesamt ein? sehr gefährdet gefährdet wenig gefährdetnicht gefährdet kann ich nicht beurteilen 3.6 Sehen Sie den Darmstädter Stadtwald in seiner Existenz gefährdet? 3.7 Was beeinträchtigt Ihrer Meinung nach den allgemeinen Zustand des Darmstädter Stadtwaldes besonders stark? (Mehrfachnennung möglich) Freizeitaktivitäten Schädlinge (Käfer, Pilze,Viren ect.) Eingriffe durch Baumaßnahmen (Straße, Schienen) Umweltverschmutzung Forstwirtschaft (Waldpflege, Holzernte etc.) Jagd Grundwasserentnahme Klimaveränderungen (Stürme, Trockenheit etc.) Anderes: 3.8 Wenn Sie "Anderes" angekreuzt haben, hier bitte erläutern: F2265U1748397234P3PL0V0 15.01.2020, Seite 3/4 MUSTER MUSTER F2265U0P4PL0V0 13.11.2019, Seite 4/4 EvaSys Bürger*innenbefragung "Darmstädter Stadtwald" 3. ZUSTAND DES DARMSTÄDTER STADTWALDES [Fortsetzung] 3.9 Welche Arbeiten von Förster*innen finden Sie persönlich am wichtigsten (Mehrfachnennung möglich) Ordnung halten/schaffen Informieren/aufklären Pflegearbeiten Holzernte Kontrolle d. Besucher*innen Anderes: 3.10 Wenn Sie "Anderes" angekreuzt haben, hier bitte erläutern: 3.11 Was sollte Ihrer Meinung nach für eine Verbesserung des allgemeinen Zustandes des Darmstädter Stadtwaldes getan werden? (Mehrfachnennung möglich) Mehr Umweltschutz (Maßnahmen gegen Klimaveränderung etc.) Einschränkung der Freizeitnutzung Mehr forstliche Maßnahmen (Pflanzung, Pflege, Holzernte etc.) Weniger/keine forstlichen Maßnahmen Mehr Naturschutz (Nistmöglichkeiten etc.) Anderes: 3.12 Wenn Sie "Anderes" angekreuzt haben, hier bitte erläutern: 3.13 Der Darmstädter Stadtwald liefert den nachwachsenden Rohstoff Holz z.B. zum Bau von Möbeln, Dachstühlen etc. Aktuell wird etwa die Hälfte der nachhaltig möglichen Nutzungsmenge geerntet. Ist das Ihrer Meinung nach In Ordnung zu viel zu wenig kann ich nicht beurteilen 3.14 Möchten Sie uns noch etwas über den Darmstädter Stadtwald mitteilen, das bisher noch nicht berücksichtigt wurde? 4. FRAGEN ZUR PERSON Zum Schluss stellen wir Ihnen noch einige allgemeine Fragen zu Ihrer Person, um differenzierte Auswertungen vornehmen zu können. Es ist daher wichtig, dass Sie auch diese Fragen beantworten. 4.1 Wie alt sind Sie? 25 und jünger 26 - 45 46 - 65 über 65 4.2 Welches Geschlecht haben Sie? männlich weiblich divers 4.3 Sind Sie in Deutschland geboren? ja nein 4.4 Sind Ihre beiden Elternteile in Deutschland geboren? ja nein 4.5 Leben in Ihrem Haushalt Kinder unter 18 Jahren? ja nein 4.6 Sind Sie derzeit erwerbstätig? ja nein 4.7 Seit wann wohnen Sie in Darmstadt? unter 1 Jahr 1-5 Jahre 6-10 Jahre 11-20 Jahre über 20 Jahre Wir danken Ihnen ganz herzlich für Ihre Teilnahme an dieser Befragung und wünschen Ihnen zukünftig eine angenehme Zeit im Darmstädter Stadtwald! F2265U1748397234P4PL0V0 15.01.2020, Seite 4/4
Beratungsverlauf (4)
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2021/0007
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 06.01.2021
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00