2020/0210
Einführung und Erprobung eines On-Demand Shuttle-Systems als Ergänzung des bestehenden ÖPNV-Angebots
KI-Zusammenfassung
Klicken Sie, um eine KI-Zusammenfassung dieses Vorgangs zu erstellen.
KI-Analyse läuft...
vergangen
Was passiert gerade?
- 📄 Dokumente werden analysiert...
- 🤔 KI denkt nach (Reasoning-Modell)...
- ✍️ Zusammenfassung wird geschrieben...
- ⏳ Das dauert etwas länger bei komplexen Dokumenten...
Dieser Vorgang kann 1-3 Minuten dauern. Bitte lassen Sie die Seite geöffnet.
anlage 2
18479 Zeichen
Anhang zur Magistratsvorlage
Datum: 28.7.2020
1
Inhalt
Ziele des Projekts ............................................................................................................................... 2
ÖDA ........................................................................................................................................................ 3
Finanzierung ........................................................................................................................................ 3
Wie funktioniert das Angebot? ....................................................................................................... 5
Bediengebiet und Tarif ...................................................................................................................... 6
Green City Plan Darmstadt .............................................................................................................. 8
Einbindung in ein städtisches Verkehrskonzept ....................................................................... 8
Projektkontext: Digitalisierung und autonomes Fahren .......................................................... 8
Umsetzungskonzept .......................................................................................................................... 9
OnDeMo FRM ..................................................................................................................................... 10
Anhang zur Magistratsvorlage
Datum: 28.7.2020
2
Ziele des Projekts
Das Projekt „On Demand Shuttle“ (ODS) Darmstadt bei nhaltet die Einführung eines neuen
und bedarfsabhängigen Mobilitätsservice als Ergänzu ng und Erweiterung des klassischen
Bus- und Straßenbahnverkehrs. Und das im gesamten S tadtgebiet von früh morgens bis
spät in die Nacht. Dabei soll das ODS Darmstadt als „digitales
Sammelbeförderungsangebot“ oder auch „digitaler Schwarm-ÖPNV“ eine neue, hochgradig
flexible Angebotskategorie neben dem klassischen ÖP NV etablieren. Ziel ist es, hierdurch
eine echte Alternative zum eigenen Auto zu bieten, um somit neue Fahrgastgruppen für den
Umweltverbund zu gewinnen und die Verkehrswende vor anzutreiben. In Bezug auf Umfang
und verkehrliche Wirkpotentiale des in Darmstadt ge planten ODS aber auch die zur
Verfügung stehenden Fördermittel hat das Projekt Referenzcharakter für ganz Deutschland.
Das von der HEAG mobilo geplante und bereit zu stel lende ODS ist ein wesentlicher
Baustein des auf dem Verkehrsgipfel im Dezember 201 9 von Stadt und Landkreis
verabschiedeten Handlungskonzepts. Mit diesem zusätzlichen ÖPNV-Verkehrsangebot kann
es der Wissenschaftsstadt Darmstadt gelingen, die d urch die Corona-Krise ins Stocken
geratene Verkehrswende neu zu beleben und ein stark es verkehrspolitisches Signal mit
bundesweiter Wirkung und hohem Innovationsgrad zu s enden. Auch im Landkreis ist durch
die DADINA die Einführung eines On Demand Angebots geplant.
Mit dem On Demand Shuttle-Service kann die Wissensc haftsstadt Darmstadt über ihr
betrautes Verkehrsunternehmen HEAG mobilo
…neue Kundengruppen für den Umstieg vom motorisier ten Individualverkehr auf den
(elektrisch betriebenen) Shuttle gewinnen.
…durch Pooling von bisher individuellen Fahrten da s Verkehrsaufkommen in der
Wissenschaftsstadt reduzieren.
…das Leistungsportfolio des ÖPNV erweitern, um lan gfristig wettbewerbsfähig und
attraktiv zu bleiben.
…bisher schlecht erschlossene Gebiete besser anbin den.
…Lösungsansätze für die letzte Meile entwickeln un d
…ggf. ganz neue P+R-Konzepte etablieren.
Damit wird der ÖPNV insgesamt auf ein neues Niveau gehoben mit vielfältigen
Wechselwirkungen zum klassischen ÖPNV mit Bus und Bahn.
Als eine der wirksamsten Maßnahmen des Green-City-P lans Darmstadt trägt das ODS
Darmstadt auch zu einer nachhaltigen Stadtentwicklu ng bei. Durch den elektrischen Antrieb
und den Rückgang des motorisierten Individualverkeh rs können die Emissionen von NO 2,
CO 2, Feinstäuben und Lärm gesenkt werden. Das erhöht d ie Attraktivität, die Luftqualität
sowie die Aufenthalts- und Lebensqualität in der Wissenschaftsstadt Darmstadt.
Anhang zur Magistratsvorlage
Datum: 28.7.2020
3
ÖDA
Der am 03.12.2019 in Kraft getretene öffentliche Di enstleistungsauftrag (ÖDA) zwischen der
Stadt Darmstadt und der HEAG mobilo als internem Be treiber beinhaltet als gesondert
benannte Einzelpflicht der HEAG mobilo GmbH die Ent wicklung integrierter
Mobilitätsangebote unter ausdrücklicher Nennung und damit Einbeziehung in den ÖDA das
Konzept zur Einführung eines appgesteuerten E-Shutt leverkehrs (§ 2 Abs. 1 Nr. 5 lit. c)
ÖDA). Die Überführung in den Regelbetrieb bedarf ei nes Fortschreibungsaktes seitens der
Wissenschaftsstadt Darmstadt gemäß § 4 Abs. 4 ÖDA. Die Betriebsaufnahme des ODS
bedarf einer Weisung gemäß § 4 Abs. 4 Nr. 2 ÖDA, welche aufgrund der Sonderstellung des
Projektes als Option im ÖDA alleine durch die Stadt aufgrund Stimmrechtsvollmacht in
Vertretung der Gesellschafterin HEAG Holding AG erf olgen kann. Die Weisung ist eine
Weisung im Rahmen des Vollzugs des ÖDA und bedarf k eines Beschlusses der
Gesellschafterversammlung der HEAG mobilo GmbH, da die Einführung des Regelbetriebs
dieses Verkehrsangebotes in dem ÖDA bereits als Option vorgesehen ist, § 4 Abs. 3.
Finanzierung
Nach aktuellsten Kalkulationen mit angepassten Fahrzeugauslaufprofilen und unter
Berücksichtigung der Angebotspreise werden die Gesamtkosten bei rund 23 Mio. € liegen
für die gesamte Projektlaufzeit (2021 bis 2024). Im wahrscheinlichsten Szenario wird die
Förderung für das Projekt (u.a. Betriebskosten, Fah rzeuge) bei rund 10 Mio. € liegen. Die
Erträge liegen bei rund 8,5 Mio. €.
Die größte Unsicherheit in dieser Kalkulation beste ht bei den Erträgen, die im Mittel knapp
30% der Finanzierung (siehe Darstellung) ausmachen. Da bisher kaum Erfahrungen zur
Nachfrage vorliegen sind die Erträge schwer abzusch ätzen. Schwankungen von plus/minus
25% sind daher durchaus möglich. Hinzu kommt, dass die Nachfrage erfahrungsgemäß erst
mit der Zeit wächst. Gerade am
Projektanfang ist daher mit höheren
Defiziten zu rechnen.
Anhang zur Magistratsvorlage
Datum: 28.7.2020
4
Damit verteilt sich der Zuschuss, unter Berücksicht igung der o.g. Schwankungsfaktoren, wie
folgt über die Projektlaufzeit:
Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur und das Land Hessen über den
RMV fördern das Projekt mit bis zu 10 Mio. Euro. Di e Förderkulisse ist in ihrer Höhe und
Struktur außergewöhnlich und schafft für die Wissenschaftsstadt eine einmalige Gelegenheit.
Die Förderquote liegt in der aktuellen Kalkulation bei rund 40% der Gesamtkosten. Damit ist
das Darmstädter ODS-Projekt das am besten durch Dri ttmittel finanzierte ODS-Projekt
in ganz Deutschland .
Anhang zur Magistratsvorlage
Datum: 28.7.2020
5
Wie funktioniert das Angebot?
Fahrten werden beim ODS „on demand“, also auf Wunsch und bei Bedarf gebucht und nach
Möglichkeit gebündelt („Ride-Pooling“, „Ride-Sharin g“). Unabhängig von Linienverkehren
oder Taktplänen kann somit ein attraktives Angebot entstehen, das das traditionelle
Beförderungsangebot der HEGA mobilo ergänzt.
Kunden können das ODS-Angebot vor allem per App anf ragen, buchen, bezahlen und
bewerten. Um auch diejenigen Menschen zu erreichen, die kein Smartphone besitzen, wird
auch eine analoge Buchungsmöglichkeit geschaffen. D ie nachfolgende Grafik zeigt einen
möglichen Fahrtverlauf:
Anhang zur Magistratsvorlage
Datum: 28.7.2020
6
Bediengebiet und Tarif
Das ODS Darmstadt wird als umfassender Service aufg ebaut, der das gesamte Stadtgebiet
abdeckt. 1 Er ergänzt das bestehende ÖPNV-Angebot in der Wiss enschaftsstadt. Für den
Service stehen in der Endphase maximal 50 Fahrzeuge zur Verfügung. Der Betrieb im
Stadtgebiet Darmstadt soll am 1. April 2021 aufgeno mmen werden, ein erster Nutzer-Test
findet bereits im März 2021 statt. Die Stadtteile E berstadt, Kranichstein, Arheilgen und
Wixhausen sollen in einer zweiten Phase im Juli 202 1in das Bediengebiet eingeschlossen
werden.
Der Shuttle-Service wird wochentags sowie an Sonn-und Feiertagen in den Zeiten von 4 Uhr
bis 1 Uhr angeboten. An Freitagen und Samstagen ver kehrt der Service ganztägig, d.h. ist
rund um die Uhr buchbar. Durch diese Ausweitung der Servicezeiten stellt das Angebot eine
relevante Ergänzung des Linienbetriebes der HEAG mo bilo vor allem in den Randzeiten
(Abend- und Nachtstunden) dar. Somit wird es möglic h ohne eigenes Auto auch Fahrten zu
Nachtstunden im erweiterten ÖPNV zu absolvieren, di e bisher nicht angeboten werden
konnten.
1 Die Anfahrt des Luisenplatzes ist hiervon ausgenommen. Aufgrund der hohen Verkehrsbelastung
dieses Verkehrsknotenpunktes ist eine entsprechende Genehmigung seitens des
Regierungspräsidiums nahezu ausgeschlossen.
Anhang zur Magistratsvorlage
Datum: 28.7.2020
7
Die HEAG mobilo wird dem Fahrgast mit dem ODS zunäc hst zwei Produktkategorien
anbieten, die durch einen neuartigen und mit dem RM V abgestimmten ODS-Tarif abgebildet
werden:
1. ODS-Shuttle als Zubringer zu Knotenpunkten des ÖPNV. Dieses Angebot wird in den
bestehenden ÖPNV-Tarif integriert, auf den ein Zuschlag erhoben wird.
2. A nach B-Beförderung als Premiumprodukt . In diesem Fall wird ein an den RMVsmart
Tarif angelehnter Tarif erhoben, der aus einer Grun dgebühr, einem Komfortzuschlag und
einem Betrag pro Entfernungskilometer besteht.
Der Tarif für den ODS-Service setzt sich wie folgt zusammen:
Grundpreis Grundpreis RMV -
Kunden
Zuschlag* Flexibler
Km-Preis
2,00 € 1,20 € 2,00 € 0,35 €
Derzeit ist ein pauschaler Rabatt für Mitfahrer von 50 Prozent angedacht. Dieser greift, wenn
mehrere Menschen gemeinsam ein Shuttle buchen. Kind er fahren generell mit einem
pauschalen Rabatt von 40 Prozent.
Hierzu ist die HEAG mobilo noch im Austausch mit de m RMV, es kann noch zu
Anpassungen im Tarif kommen. Die Grundsystematik steht wie oben dargestellt fest.
Die nachfolgende Grafik verdeutlicht beispielhaft w ie sich das On Demand Angebot
bezüglich Wegezeit und Preis in das vorhandene Mobi litätsangebot einreiht. Hier ist die
Relation Eberstadt-Wartehalle bis Böllenfalltor dargestellt:
*entfällt für RMV-Kunden bei Fahrten bis 1,0 km Luftlinie, da diese als reine ÖPNV-Zubringerverkehre betrachtet werden
können.
Anhang zur Magistratsvorlage
Datum: 28.7.2020
8
Das Angebot ist preislich zwischen dem Taxi-Angebot und öffentlichem Verkehr angesiedelt
und zielt aufgrund des Komforts auf eine Substituti on des MIV-Verkehrs und einer
Verlagerung dieser Verkehre auf den ÖPNV.
Green City Plan Darmstadt
Mit dem Beschluss des Green City Plans Darmstadt (G CP DA) am 30.08.2018 haben sich
alle Akteure in der Wissenschaftsstadt Darmstadt au f das Ziel verständigt, im Jahr 2030
einen Modal Split Anteil des Umweltverbundes von 75 Prozent zu erreichen (V-1 im GCP
DA). Der ÖPNV-Anteil am Modal Split soll dabei von derzeit etwa 17,2 Prozent (Erhebung
2015) auf 25 Prozent steigen. Dies entspricht einer Zunahme von nahezu 50 Prozent
gegenüber dem Status Quo in den nächsten Jahren (siehe GCP DA, S. 28).
Mit dem ODS Darmstadt will die HEAG mobilo einen Se rvice ins Leben rufen, der Komfort
und Geschwindigkeit des Individualverkehrs zu attra ktiven Preisen anbietet. So sollen neue
Fahrgastgruppen für den erweiterten ÖPNV gewonnen w erden. Über ein Pooling von
Fahrtwünschen wird zudem der Besetzungsgrad von Fah rzeugen erhöht, der beim MIV
aktuell bei nur rund 1,3 Personen pro Fahrzeug lieg t. Dies ermöglicht eine Reduktion des
Verkehrsaufkommens in Darmstadt. Das Projekt leiste t damit einen essenziellen Beitrag zur
Umsetzung der GCP-Maßnahmen aus dem Teilbereich „Ve rnetzung“. Konkret sind dies vor
allem die Maßnahmen V-2-1 und V-2-5. Es ist gleichz eitig der Einstieg in den
„Schwarmbetrieb“ der insbesondere mit der Verfügbar keit von autonomen Flotten zu
erwarten ist.
Einbindung in ein städtisches Verkehrskonzept
Um die o.g. Modal-Split-Anteile zu erreichen, sind neben der Schaffung alternativer
Verkehrsangebote wie Car-Sharing, Bike-Sharing und On-Demand-Shuttles, flankierende
regulative Maßnahmen zwingend nötig eingebettet in ein städtisches Verkehrskonzept. So
kann die nachhaltige Stärkung des Umweltverbundes g elingen. Maßnahmen wie eine
Citymaut oder eine restriktive Parkraumbewirtschaft ung sind geeignet, den Individualverkehr
zu verteuern und darüber die Attraktivität des ÖPNV weiter zu erhöhen. Dadurch kann es
gelingen, dass nicht nur Personen, die bislang den klassischen ÖPNV genutzt haben oder zu
Fuß gegangen sind, auf günstige Ride-Pooling-Dienst e umsteigen. Auch den Autofahrern,
die nicht aufs Fahrrad oder den klassischen ÖPNV um steigen wollen oder können, wird so
eine wirklich attraktive Alternative geboten. Dies wird die politische Durchsetzbarkeit von
Restriktionen erhöhen.
Projektkontext: Digitalisierung und autonomes Fahren
Die Digitalisierung revolutioniert in vielen Bereic hen des Mobilitätsmarktes tradierte Abläufe,
Funktionen und Rollenverständnisse fundamental. So wird durch digitale Technologien
autonomes Fahren, das Vernetzen von Fahrzeugen sowi e Sharing und Pooling von
Verkehrsmitteln und Fahrten möglich. Das erlaubt ra dikal auf den Kundennutzen
ausgerichtete Angebots- und Servicekonzepte und wir kt sich unmittelbar auf das Angebot
der Öffentlichen Verkehrsunternehmen aus.
Anhang zur Magistratsvorlage
Datum: 28.7.2020
9
Für die HEAG mobilo entstehen dadurch am Markt ganz neue Herausforderungen. Die reine
Fokussierung auf das traditionelle „Kerngeschäft“ B us und Bahn wird künftig nicht mehr
ausreichen, um im Markt zu bestehen. Neue Mobilität sservices sind dabei von hoher
Bedeutung. Die HEAG mobilo will die Digitalisierung nutzen, um mit einer eigenen Strategie
den ÖPNV und den Umweltverbund weiter zu stärken.
Die mit den digitalen Technologien verbundenen Gesc häftsmodelle und sinkende
Markteintrittsbarrieren locken jedoch private Anbie ter wie z.B. „uber“ in den Markt. Dabei
entwickeln sich insbesondere Pooling-Konzepte zu at traktiven und günstigen Alternativen zu
Bus und Bahn. Sie führen zunehmend dazu, dass die G renze zwischen privater und
öffentlicher Mobilität verschwimmt. Die neuen Anbie ter können zu einem Anstieg des
motorisierten Individualverkehrs führen, wenn priva te Angebote die des Umweltverbundes
„kannibalisieren“. Das passiert dann, wenn Personen, die bislang den ÖPNV genutzt haben
oder zu Fuß gegangen sind, nun auf günstige private Taxi- und Ride-Pooling-Dienste
umsteigen. Dies wirkt einer nachhaltigen Mobilität entgegen. Außerdem ist davon
auszugehen, dass private Mobilitätsanbieter vornehm lich lukrative Strecken mit vielen
Nachfragern bedienen. Die Bedeutung Öffentlicher Mo bilität als Daseinsvorsorge und deren
Wirtschaftlichkeit kann dadurch ausgehöhlt werden.
Die HEAG mobilo will mit dem On Demand Shuttle-Proj ekt diesen neuen Markt früh
besetzen, um die notwendige Steuerung solcher Verke hre durch die Aufgabenträger zu
gewährleisten. Das Projekt ist als volldigitales An gebot und eingebettet in das
Verbundprojekt OnDeMo FRM mit dem Ziel einer Mobili tätsplattform „RMVplus“ der
entscheidende Baustein für „Mobility-as-a-service“.
Umsetzungskonzept
Das Angebot wird von einem OD-erfahrenen Auftragneh mer vorgehalten, den die HEAG
mobilo in einem Vergabeverfahren auswählt. Als Subu nternehmer stellt er die Software und
Applikationen (Kunden-App, Fahrer-App, Dispositions software) für den Dienst bereit, passt
den Service auf die ortspezifischen Anforderungen d er HEAG mobilo an und verantwortet
den Betrieb.
Maßgeblich für den Betrieb ist die Bedienung der Na chfrage der Kunden bei gleichzeitiger
Gewährleistung einer hohen Auslastung der Fahrzeuge . Die Vorgaben der Bestellung
garantieren ein hochflexibles Konzept und Anpassung sfähigkeit auf zeitliche/räumliche
Schwankungen der Nachfrage bei einem gleichzeitig h öchstmöglichen effizienten und
optimierten Betrieb.
Diesen anspruchsvollen Spagat hat bisher keines der Pilotprojekte in der Bundesrepublik
geschafft. Ein derart integriertes Konzept wurde bi sher nur von MOIA in Hamburg und dem
BerlKönig in Berlin praktiziert, dort aber nur auf Ertragschancen ausgerichtet und ohne
direkte Einflussnahme der Aufgabenträger. Mit dem i nnovativen und einzigartigen
Darmstädter Konzept übernimmt die HEAG mobilo eine Vorreiterrolle für öffentlich
gesteuerte On Demand-Mobilität als gemeinwirtschaft licher Verkehr in Deutschland. Der
Erfolg des Projekts misst sich hier nicht an den Er tragschancen, sondern an der
Nachfrageentwicklung und der damit einhergehenden E ntlastung der städtischen
Infrastruktur vom MIV sowie den beschriebenen Umweltaspekten.
Mit der bauverein AG und der entega AG ist die HEAG mobilo in engem Kontakt. Die
Schwesterunternehmen planen, in einem gemeinschaftlichen Projekt den Betriebshof mit der
Anhang zur Magistratsvorlage
Datum: 28.7.2020
10
notwendigen Ladeinfrastruktur für das ODS-System im Parkhaus in der Bad Nauheimer
Straße einzurichten.
OnDeMo FRM
Das ODS Darmstadt ist Teil des Verbundvorhabens OnD eMo-FRM. In diesem
deutschlandweit einmaligen Projekt soll mit Hilfe v on On Demand-Verkehren in
unterschiedlichen Ausprägungen für wesentliche Teil e des Rhein-Main-Gebiets ein
gemeinschaftlicher Ansatz verfolgt werden. Auf diese Weise soll der Zugang zum ÖPNV und
das Angebot des ÖPNV in der Metropolregion Frankfur tRheinMain deutlich verbessert und
gleichzeitig ein entscheidender Beitrag zur NO 2-Reduktion geleistet werden.
Das Projekt ODS Darmstadt nimmt dabei – schon durch seine Größe – eine besondere Rolle
ein. Dadurch und durch einen zeitlichen Vorsprung d es Projekts (OnDeMo FRM wurde erst
2019 als Förderprojekt beim BMVI eingereicht) nimmt Darmstadt zudem in vielen Bereichen
eine Vorreiterfunktion ein.
Eine besonders intensive Verzahnung ist mit dem kün ftigen ODS-Service des Landkreises
Darmstadt-Dieburg geplant. Dabei sollen insbesondere Synergieeffekte in der Erstellung und
Konzeption eines solchen Services genutzt werden. A ußerdem ist die Entwicklung
gemeinsamer Angebotskonzepte bspw. für Pendlerinnen und Pendler denkbar und wird
angestrebt.
anlage 4
227 Zeichen
Punkt 3: Einführung und Erprobung eines On-Demand Shuttle-Systems als Ergänzung des bestehenden ÖPNV-Angebots (V-Nr. 2020/0210) Der Ausschuss empfiehlt der Stadtverordnetenversammlung einstimmig, der Vorlage zuzustimmen.
2020/0210
11921 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
06.08.2020
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat I an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Dezernat IV
Amt: Mobilitätsamt
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2020/0210
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.: 547010
Kostenstelle: 068-002-10000 Investitionsnummer:
Kostenträger: 5470-11 Sachkonto: 7125000
Betreff: Einführung und Erprobung eines On -Demand Shuttle -Systems als Ergänzung des
bestehenden ÖPNV -Angebots
Vorlage vom: 21.07.2020
Beschlussvorschlag :
1. Der Magistrat stimmt der Einführung eines auf den Zeitraum 2021 -2024 befristeten
Regelbetriebs des On -Demand-Shuttle-Service (ODS) in Darmstadt zu.
2. Die zusätzlichen Bestellkosten für die Wissenschaftsstadt Darmstadt in Höhe von ca. 1,9
Mio. Euro (inklusive gegengerechneter zu erwartender Fahrgeldeinnahmen und
Fördermittel) für das Jahr 2021, in Höhe von 1,4 Mio. Euro für das Jahr 2022, in Höhe
von 0,6 Mio. Euro für das Jahr 2023 sowie in Höhe 0,5 Mio. Euro für das Jahr 2024
werden in de n entsprechenden Haushaltsplänen der Wissenschaftsstadt Darmstadt
bereitgestellt.
3. Der Betrieb soll im April 2021 aufgenommen und ab Juli 2021 bis Dezember 2024 das
gesamte Stadtgebiet abdecken.
Anlagen: Projektbeschreibung von Seiten der HEAG mobilo (Stand 28.07.2020)
- 2 -
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
Beschluss des Magistrats vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 30. Juli 2020
Anlass und institutionelle Einbettung :
In dem am 30.08.2018 mit Magistratsvorlage 2018/0236 beschlossenen Green City Plan
Darmstadt (GCP DA) wurde als eine der wichtigsten und wirkungsvollsten Maßnahmen zur
Schadstoffreduzierung der Ausbau des ÖPNV als grundlegendes Ziel (Maßnahmen V -1 und V-
2) festgehalten . Dabei wurde nicht nur die Ausweitung des klassischen ÖPNV in Form v on
Bahn- und Omnibusverkehren, sondern auch dessen Weiterentwicklung durch die Einführung
von neuen, bedarfsorientierten Mobilitätsangeboten vorgesehen. Der On -Demand-Shuttle-
Service (ODS) stellt ein solches bedarfsorientiertes Mobilitätsangebot, welches w esentlicher
Bestandteil der Maßnahmen V -2-1 und V-2-5 ist. Nach einer im Rahmen des GCP DA
erfolgten positiven Bewertung der Potentiale dieser Angebotsform zur Emissionsminderung
einerseits und zur Stärkung der ÖPNV -Nachfragebasis andererseits hat die HEAG mobilo
einen Förderantrag im BMVI 1-Sonderprogramm „Digitalisierung kommunaler
Verkehrssysteme“ für die Etablierung eines ODS in Ergänzung des Bestehenden ÖPNV
gestellt und eine entsprechende Bewilligung erhalten. Der Fördermittelgeber BMVI gewährt
eine Zuwendung für die Konzeption und Umsetzung des ODS, einschließlich der
Fahrzeugbeschaffung sowie für den Z eitraum eines Jahres auch der Betriebskosten
(sogenannte Anschubfinanzierung). In den ersten zwölf Betriebsmonaten, von April 2021 bis
März 2022, wird das BMVI 25 Prozent der Betriebskosten finanzieren, für weitere 25 Prozent
gibt es Finanzierungszusagen v on Seiten des Land Hessen bzw. der RMV GmbH. Zwecks
einer längerfristigen Erprobung der neuen Angebotsform kann aufgrund der bestehenden
Förderlandschaft ein ausgedehnteres Zeitfenster von insgesamt 45 Monaten vorgesehen
werden, in denen der befristete Reg elbetrieb des Shuttleverkehrs zur Entfaltung kommen
kann.
Die über die ersten zwölf Monate hinausgehende Betriebsphase soll durch das Land Hessen
bzw. die RMV GmbH im Rahmen des Verbundantrags des RMV zum Sofortprogramm
„Saubere Luft 2017 -2020“ des BMVI gefördert werden, indem die Hälfte der Betriebskosten
finanziert werden. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt hat entsprechende Zuwendungen für
die Jahre 2022, 2023 und 2024 beantragt, für die Gewährung derer eine grundsätzliche
Zustimmung von Seiten des HMWEV W2 bzw. des RMV GmbH gegeben worden ist.
Die Einführung des Regelbetriebs eines app -gestützen Shuttleverkehrs ist als Option
Bestandteil des am 03.12.2019 in Kraft getretene n öffentlichen Dienstleistungsauftrags
(ÖDA) zwischen der Wissenschaftss tadt Darmstadt und der HEAG mobilo als internem
Betreiber (§ 4 Abs. 3 ÖDA). Diese Option soll jetzt ausgeübt werden. Der ÖDA hat bereits als
gesondert benannte Einzelpflicht der HEAG mobilo GmbH die Entwicklung integrierter
Mobilitätsangebote unter ausdrücklicher Ne nnung und damit Einbeziehung in den ÖDA des
Konzepts zur Einführung eines app -gesteuerten elektrischen Shuttleverkehrs (§ 2 Abs. 1 Nr.
5 lit. c) ÖDA) beinhaltet. Die Betriebsaufnahme des ODS bedarf einer Weisung gemäß § 4
Abs. 4 Nr. 2 ÖDA , welche aufgrund der Sonderstellung des Projektes als Option im ÖDA
alleine durch die Stadt aufgrund Stimmrechtsvollmacht in Vertretung der Gesellschafterin
HEAG Holding AG erfolgen kann.
1 BMVI: Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur
2 HMWEVW: Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen
- 4 -
Angebotskonzept :
Der On-Demand-Shuttle-Service stellt eine neue, flexible Form des öffentlichen
Personennahverkehrs , bei welcher Fahrten „on demand“, also auf Wunsch , kurzfristig und
unabhängig von starren Fahrplänen gebucht werden können. Fahrgäste werden die
Möglichkeit haben, den Shuttle -Service für eine Wunschstrecke zwisch en zwei aus einer
vorgegebenen großen Menge an virtuellen und physischen Haltepunkten, welche nach einem
Fußweg von maximal 300 Metern erreichbar sein werden, digital per App oder analog, z. B.
per Telefonanruf, zu bestellen. Der digitale Kommunikationskan al wird über die
Buchungsoption hinaus ebenfalls erlauben, den Service zu b ezahlen und zu bewerten, so
dass er als der hauptsächlich zu nutzende vorgesehen ist. Die digitale Verarbeitung von
individuellen Fahrtanfragen soll für die in Echtzeit erfolgende P rüfung von
Bündelungsmöglichkeiten gleichartiger Beförderungswünsche sorgen, so dass auf einer
gebuchten Fahrt mit einem der einzusetzenden elektrischen Kleinbusse gegebenenfalls
weitere Kunden mit ähnlichen Routen mitbedient werden können. Dieser angestre bte
Sammeleffekt, sogenanntes „Ride-Pooling“, würde zu einer besseren Fahrzeugauslastung im
Vergleich zum Taxi - oder MI-Verkehr und somit zu einem geringeren Pkw -Aufkommen in der
Stadt beitragen.
Der ODS soll integraler Bestandteil des Darmstädter ÖPNV -Systems werden, innerhalb
dessen er den klassischen Omnibus- und Straßenbahn linienverkehr räumlich und zeitlich
ergänzen und erweitern wird . Der Service soll das gesamte Stadtgebiet abdeck en und täglich
von 4 Uhr bis 1 Uhr, a n Freitagen und Samstagen sogar rund um die Uhr , verfügbar sein .
Das öffentliche Mobilitätsangebot wird so insbesondere in den Tagesrandzeiten ausgebaut.
Durch die Definition zahlreicher Standorte im Straßennetz, an welchen ein Zustieg in oder
Ausstieg aus den Shuttle -Kleinbussen möglich sein soll, wird zudem die ÖPNV -
Feinerschließung des Stadtgebiets verbessert und somit insgesamt der Umweltverbund als
Alternative zum eigenen Auto gestärkt.
Bei der Preisbestimmung für eine gebuchte Fahrt soll ein spezieller, mit dem RMV noch
endgültig abzustimmender ODS -Tarif Anwendung finden. Dieser sieht vor, dass für
Zubringerverkehre zu bestehenden Haltestellen des Linienverkehrs der Preis für einen
Einzelfahrschein zuzüglich eines Zuschlags zu entrichten i st. Für weitere Punkt -zu-Punkt-
Fahrten wird ein an den RMVsmart -Tarif angelehnter Preis erhoben, der aus einer
Grundgebühr, einem Komfortzuschlag u nd einem Betrag pro Entfernungskilo meter besteht .
Inhaber von RMV-Zeitkarten sollen Preisermäßigungen beim Nu tzen des ODS erhalten.
Kosten:
Die Gesamtkosten für die Einführung und Erprobung des ODS im Zeitraum von März 2021
bis Dezember 2024, für welchen eine Förderung beantragt worden ist, betragen laut der
HEAG mobilo rund 23 Mio. Euro. Die von der HEAG mobil o angegebene Fördersumme soll
bei knapp 10 Mio. Euro liegen, während die durch den knapp vierjährigen Betrieb generierten
Erträge von der HEAG mobilo auf ca. 8,5 Mio. Euro geschätzt werden. Somit würde für die
Wissenschaftsstadt Darmstadt ein Zuschussbedar f von ca. 4,4 Mio. Euro verbleiben, welcher
sich auf den oben genannten Betriebszeitraum wie folgt verteilt – 1,9 Mio. Euro für das Jahr
2021, 1,4 Mio. Euro für das Jahr 2022, 0,6 Mio. Euro für das Jahr 2023 sowie 0,5 Mio. Euro
für das Jahr 2024. Die HEAG mobilo geht von einer über die Zeit wachsenden Nachfrage
nach ODS-Fahrten aus, so dass sich die Wirtschaftlichkeit des Betriebs erhöhe und dadurch
der Zuschussbedarf geringer werde. Gleichzeitig weist das Unternehmen darauf hin, dass das
Nachfrageverhalten kaum zuverlässig zu prognostizieren sei und dementsprechend die
- 5 -
Erträge um 25 % von den angegebenen Größen schwanken könnten. Da es sich allerdings um
ein gemeinwirtschaftliche s Verkehrsangebot handelt, wird der Nachfrageentwicklung eine
größere Bedeutung als den Ertragschancen beigemessen. Durch die vertraglich definierte
Beteiligung des ODS -Betreibers am Ertragsrisiko und seine vertragliche Verpflichtung zur
Einhaltung strategisch gewählter Qualitätsstandards (Bedienquote und Fahrzeugauslastung)
soll das Risiko aktiv gemanagt werden. Die Bindung des ODS -Betreibers an die vorgegebenen
Qualitätsstandards stellt sicher, dass bei geringerer Nachfrage das Angebot reduziert wird
und damit auch die Gesamtkosten sinken. Die Nachfrage entwicklung und mit ihr potent iell
einhergehende verkehrliche Effekte sollen durch eine wissenschaftliche Begleitstudie
untersucht werden, die Kosten für welche in der Gesamtsumme von rund 23 Millionen
enthalten sind . Über das Ergebnis der Studie wird den zuständigen Gremien zwecks
Entscheidung über die Fortführung oder die Einstellung des auf den Zeitraum 2021 -2024
befristeten Regelbetriebs berichtet werden.
Umsetzung:
Der befristete, der Erprobung dienende Regelb etrieb im Kerngebiet Darmstadts soll am 1.
April 2021 aufgenommen werd en, ein erster Nutzer -Test soll bereits im März 2021
stattfinden. Die Stadtteile Eberstadt, Kranichstein, Arheilgen und Wixhausen sollen ab Juli
2021 ebenfalls bedient werden . Für den stadtweiten Betrieb sollen bis zu 50
batterieelektrische Fahrzeuge eingesetzt werden.
Das ODS-Angebot soll von einem erfahrenen Auftragnehmer vorgehalten werden, den die
HEAG mobilo in einem Vergabeverfahren vor dem Betriebsstart ausgewählt haben wird. Als
Subunternehmer stellt er die erforderliche Hintergrunds oftware sowie die Applikationen
(Kunden-App, Fahrer-App, Dispositionssoftware) für den Dienst bereit, passt den Service auf
die ortspezifischen Anforderungen der HEAG mobilo an und verantwortet den Betrieb. D ie
Vorgaben an den Auftragnehmer sollen die betriebliche Anpassungsfähigkeit auf zeitliche und
räumliche Schwankungen der Nachfrage bei eine r gleichzeitig höchstmöglichen
Wirtschaftlichkeit sicherstellen.
Parallel zum ODS -Aufbau in Darmstadt beteiligt sich die HEAG mobilo, neben der DADINA,
an einem Verbundprojekt unter der Konsortialleitung des RMV, im Rahmen dessen
einheitliche Standards für On-Demand Mobilitätsangebote im Rhein-Main-Gebiet erarbeitet
werden. Dadurch soll die Basis für eine Verzahnung mit dem künftigen ODS des Landkreises
Darmstadt-Dieburg ermöglicht werden, so dass perspektivisch Stadtgrenzen überschreitende
flexible Angebote entwickelt werden können.
Dezernat I Dezernat IV
i. V.
Jochen Partsch Jochen Partsch
Oberbürgermeister Oberbürgermeister
anlage 5
415 Zeichen
Punkt 17: Einführung und Erprobung eines On-Demand Shuttle-Systems als Ergänzung des bestehenden ÖPNV-Angebots (V-Nr. 2020/0210) Stadtv. Opitz (Bü90/Die Grünen) verlässt unter Hinweis auf § 25 HGO den Sitzungsraum und nimmt weder an der Beratung noch an der Beschlussfassung teil. Der Vorlage wird zugestimmt. Gegenstimmen: SPD und Die Linke. Stimmenthaltung: AfD und Stadtv. Sigmund (fraktionslos)
anlage 3
11954 Zeichen
- 2 -
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
06.08.2020
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat I an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Dezernat IV
Amt: Mobilitätsamt
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
I 68
IV
Stvv
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2020/0210
Magistratsbeschluss -Nr.
215
Internetfähig
Produkt-Nr.: 547010
Kostenstelle: 068-002-10000 Investitionsnummer:
Kostenträger: 5470-11 Sachkonto: 7125000
Betreff: Einführung und Erprobung eines On -Demand Shuttle-Systems als Ergänzung des
bestehenden ÖPNV-Angebots
Vorlage vom: 21.07.2020
Beschlussvorschlag :
1. Der Magistrat stimmt der Einführung eines auf den Zeitraum 2021 -2024 befristeten
Regelbetriebs des On -Demand-Shuttle-Service (ODS) in Darmstadt zu.
2. Die zusätzlichen Bestellkosten für die Wissenschaftsstadt Darmstadt in Höhe von ca. 1,9
Mio. Euro (inklusive gegengerechneter zu erwartender Fahrgeldeinnahmen und
Fördermittel) für das Jahr 2021, in Höhe von 1,4 Mio. Euro für das Jahr 2022, in Höhe
von 0,6 Mio. Euro für das Jahr 2023 sowie in Höhe 0,5 Mio. Euro für das Jahr 2024
werden in den entsprechenden Haushaltsplänen der Wissenschaftsstadt Darmstadt
bereitgestellt.
3. Der Betrieb soll im April 2021 aufgenommen und ab Juli 2021 bis Dezember 2024 das
gesamte Stadtgebiet abdecken.
- 3 -
Anlagen: Projektbeschreibung von Seiten der HEAG mobilo (Stand 28.07.2020)
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
Beschluss des Magistrats vom 12.08.2020
Der Vorlage wird zugestimmt.
- 4 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 30. Juli 2020
Anlass und institutionelle Einbettung :
In dem am 30.08.2018 mit Magistratsvorlage 2018/0236 beschlossenen Green City Plan
Darmstadt (GCP DA) wurde als eine der wichtigsten und wirkungsvollsten Maßnahmen zur
Schadstoffreduzierung der Ausbau des ÖPNV als grundlegendes Ziel (Maßnahmen V -1 und V-
2) festgehalten. Dabei wurde nicht nur die Ausweitung des klassischen ÖPNV in Form von
Bahn- und Omnibusverkehren, sondern auch dessen Weiterentwicklung durch die Einführ ung
von neuen, bedarfsorientierten Mobilitätsangeboten vorgesehen. Der On -Demand-Shuttle-
Service (ODS) stellt ein solches bedarfsorientiertes Mobilitätsangebot, welches wesentlicher
Bestandteil der Maßnahmen V -2-1 und V-2-5 ist. Nach einer im Rahmen des GC P DA
erfolgten positiven Bewertung der Potentiale dieser Angebotsform zur Emissionsminderung
einerseits und zur Stärkung der ÖPNV -Nachfragebasis andererseits hat die HEAG mobilo
einen Förderantrag im BMVI 1-Sonderprogramm „Digitalisierung kommunaler
Verkehrssysteme“ für die Etablierung eines ODS in Ergänzung des Bestehenden ÖPNV
gestellt und eine entsprechende Bewilligung erhalten. Der Fördermittelgeber BMVI gewährt
eine Zuwendung für die Konzeption und Umsetzung des ODS, einschließlich der
Fahrzeugbeschaffung sowie für den Zeitraum eines Jahres auch der Betriebskosten
(sogenannte Anschubfinanzierung). In den ersten zwölf Betriebsmonaten, von April 2021 bis
März 2022, wird das BMVI 25 Prozent der Betriebskosten finanzieren, für weitere 25 Prozent
gibt es Finanzierungszusagen von Seiten des Land Hessen bzw. der RMV GmbH. Zwecks
einer längerfristigen Erprobung der neuen Angebotsform kann aufgrund der bestehenden
Förderlandschaft ein ausgedehnteres Zeitfenster von insgesamt 45 Monaten vorgesehen
werden, in denen der befristete Regelbetrieb des Shuttleverkehrs zur Entfaltung kommen
kann.
Die über die ersten zwölf Monate hinausgehende Betriebsphase soll durch das Land Hessen
bzw. die RMV GmbH im Rahmen des Verbundantrags des RMV zum Sofortprogramm
„Saubere Luft 2017-2020“ des BMVI gefördert werden, indem die Hälfte der Betriebskosten
finanziert werden. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt hat entsprechende Zuwendungen für
die Jahre 2022, 2023 und 2024 beantragt, für die Gewährung derer eine grundsätzliche
Zustimmung von Seiten des HMWEVW 2 bzw. des RMV GmbH gegeben worden ist.
Die Einführung des Regelbetriebs eines app -gestützen Shuttleverkehrs ist als Option
Bestandteil des am 03.12.2019 in Kraft getretene n öffentlichen Dienstleistungsauftrags
(ÖDA) zwischen der Wissen schaftsstadt Darmstadt und der HEAG mobilo als internem
Betreiber (§ 4 Abs. 3 ÖDA). Diese Option soll jetzt ausgeübt werden. Der ÖDA hat bereits als
gesondert benannte Einzelpflicht der HEAG mobilo GmbH die Entwicklung integrierter
Mobilitätsangebote unter ausdrücklicher Nennung und damit Einbeziehung in den ÖDA des
Konzepts zur Einführung eines app -gesteuerten elektrischen Shuttleverkehrs (§ 2 Abs. 1 Nr.
5 lit. c) ÖDA) beinhaltet. Die Betriebsaufnahme des ODS bedarf einer Weisung gemäß § 4
Abs. 4 Nr. 2 ÖDA, welche aufgrund der Sonderstellung des Projektes als Option im ÖDA
alleine durch die Stadt aufgrund Stimmrechtsvollmacht in Vertretung der Gesellschafterin
HEAG Holding AG erfolgen kann.
1 BMVI: Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur
2 HMWEVW: Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen
- 5 -
Angebotskonzept:
Der On-Demand-Shuttle-Service stellt eine neue , flexible Form des öffentlichen
Personennahverkehrs , bei welcher Fahrten „on demand“, also auf Wunsch , kurzfristig und
unabhängig von starren Fahrplänen gebucht werden können. Fahrgäste werden die
Möglichkeit haben, den Shuttle -Service für eine Wunschstre cke zwischen zwei aus einer
vorgegebenen großen Menge an virtuellen und physischen Haltepunkten, welche nach einem
Fußweg von maximal 300 Metern erreichbar sein werden, digital per App oder analog, z. B.
per Telefonanruf, zu bestellen. Der digitale Kommuni kationskanal wird über die
Buchungsoption hinaus ebenfalls erlauben, den Service zu b ezahlen und zu bewerten, so
dass er als der hauptsächlich zu nutzende vorgesehen ist. Die digitale Verarbeitung von
individuellen Fahrtanfragen soll für die in Echtzeit er folgende Prüfung von
Bündelungsmöglichkeiten gleichartiger Beförderungswünsche sorgen, so dass auf einer
gebuchten Fahrt mit einem der einzusetzenden elektrischen Kleinbusse gegebenenfalls
weitere Kunden mit ähnlichen Routen mitbedient werden können. Diese r angestrebte
Sammeleffekt, sogenanntes „Ride-Pooling“, würde zu einer besseren Fahrzeugauslastung im
Vergleich zum Taxi - oder MI-Verkehr und somit zu einem geringeren Pkw -Aufkommen in der
Stadt beitragen.
Der ODS soll integraler Bestandteil des Darmstäd ter ÖPNV-Systems werden, innerhalb
dessen er den klassischen Omnibus- und Straßenbahnlinienverkehr räumlich und zeitlich
ergänzen und erweitern wird . Der Service soll das gesamte Stadtgebiet abdeck en und täglich
von 4 Uhr bis 1 Uhr, a n Freitagen und Samstagen sogar rund um die Uhr, verfügbar sein.
Das öffentliche Mobilitätsangebot wird so insbesondere in den Tagesrandzeiten ausgebaut.
Durch die Definition zahlreicher Standorte im Straßennetz, an welchen ein Zustieg in oder
Ausstieg aus den Shuttle-Kleinbussen möglich sein soll, wird zudem die ÖPNV -
Feinerschließung des Stadtgebiets verbessert und somit insgesamt der Umweltverbund als
Alternative zum eigenen Auto gestärkt.
Bei der Preisbestimmung für eine gebuchte Fahrt soll ein spezieller, mit dem RMV noch
endgültig abzustimmender ODS -Tarif Anwendung finden. Dieser sieht vor, dass für
Zubringerverkehre zu bestehenden Haltestellen des Linienverkehrs der Preis für einen
Einzelfahrschein zuzüglich eines Zuschlags zu entrichten ist. Für wei tere Punkt-zu-Punkt-
Fahrten wird ein an den RMVsmart -Tarif angelehnter Preis erhoben, der aus einer
Grundgebühr, einem Komfortzuschlag u nd einem Betrag pro Entfernungskilo meter besteht.
Inhaber von RMV-Zeitkarten sollen Preisermäßigungen beim Nutzen des ODS erhalten.
Kosten:
Die Gesamtkosten für die Einführung und Erprobung des ODS im Zeitraum von März 2021
bis Dezember 2024, für welchen eine Förderung beantragt worden ist, betragen laut der
HEAG mobilo rund 23 Mio. Euro. Die von der HEAG mobilo angegeben e Fördersumme soll
bei knapp 10 Mio. Euro liegen, während die durch den knapp vierjährigen Betrieb generierten
Erträge von der HEAG mobilo auf ca. 8,5 Mio. Euro geschätzt werden. Somit würde für die
Wissenschaftsstadt Darmstadt ein Zuschussbedarf von ca. 4,4 Mio. Euro verbleiben, welcher
sich auf den oben genannten Betriebszeitraum wie folgt verteilt – 1,9 Mio. Euro für das Jahr
2021, 1,4 Mio. Euro für das Jahr 2022, 0,6 Mio. Euro für das Jahr 2023 sowie 0,5 Mio. Euro
für das Jahr 2024. Die HEAG mobilo geht von einer über die Zeit wachsenden Nachfrage
nach ODS-Fahrten aus, so dass sich die Wirtschaftlichkeit des Betriebs erhöhe und dadurch
- 6 -
der Zuschussbedarf geringer werde. Gleichzeitig weist das Unternehmen darauf hin, dass das
Nachfrageverhalten kaum zuverlässig zu prognostizieren sei und dementsprechend die
Erträge um 25 % von den angegebenen Größen schwanken könnten. Da es sich allerdings um
ein gemeinwirtschaftliche s Verkehrsangebot handelt, wird der Nachfrageentwicklung eine
größere Bedeutung als den Ertragschancen beigemessen. Durch die vertraglich definierte
Beteiligung des ODS -Betreibers am Ertragsrisiko und seine vertragliche Verpflichtung zur
Einhaltung strategisch gewählter Qualitätsstandards (Bedienquote und Fahrzeugau slastung)
soll das Risiko aktiv gemanagt werden. Die Bindung des ODS -Betreibers an die vorgegebenen
Qualitätsstandards stellt sicher, dass bei geringerer Nachfrage das Angebot reduziert wird
und damit auch die Gesamtkosten sinken. Die Nachfrageentwicklung und mit ihr potentiell
einhergehende verkehrliche Effekte sollen durch eine wissenschaftliche Begleitstudie
untersucht werden, die Kosten für welche in der Gesamtsumme von rund 23 Millionen
enthalten sind. Über das Ergebnis der Studie wird den zuständigen Gremien zwecks
Entscheidung über die Fortführung oder die Einstellung des auf den Zeitraum 2021 -2024
befristeten Regelbetriebs berichtet werden.
Umsetzung:
Der befristete, der Erprobung dienende Regelb etrieb im Kerngebiet Darmstadts soll am 1.
April 2021 aufgenommen werden, ein erster Nutzer -Test soll bereits im März 2021
stattfinden. Die Stadtteile Eberstadt, Kranichstein, Arheilgen und Wixhausen sollen ab Juli
2021 ebenfalls bedient werden . Für den stadtweiten Betrieb sollen bis zu 50
batterieelektrische Fahrzeuge eingesetzt werden .
Das ODS-Angebot soll von einem erfahrenen Auftragnehmer vorgehalten werden, den die
HEAG mobilo in einem Vergabeverfahren vor dem Betriebsstart ausgewählt haben wird. Als
Subunternehmer stellt er die erforderliche Hintergrunds oftware sowie die Applikationen
(Kunden-App, Fahrer-App, Dispositionssoftware) für den Dienst bereit, passt den Service auf
die ortspezifischen Anforderungen der HEAG mobilo an und verantwortet den Betrieb. D ie
Vorgaben an den Auftragnehmer sollen die betriebliche Anpassungsfähigkeit auf zeitliche und
räumliche Schwankungen der Nachfrage bei eine r gleichzeitig höchstmöglichen
Wirtschaftlichkeit sicherstellen.
Parallel zum ODS-Aufbau in Darmstadt beteiligt sich die HEAG mobilo, ne ben der DADINA,
an einem Verbundprojekt unter der Konsortialleitung des RMV, im Rahmen dessen
einheitliche Standards für On-Demand Mobilitätsangebote im Rhein-Main-Gebiet erarbeitet
werden. Dadurch soll die Basis für eine Verzahnung mit dem künftigen ODS des Landkreises
Darmstadt-Dieburg ermöglicht werden, so dass perspektivisch Stadtgrenzen überschreitende
flexible Angebote entwickelt werden können.
Dezernat I Dezernat IV
i. V.
Jochen Partsch Jochen Partsch
Oberbürgermeister Oberbürgermeister
Beratungsverlauf (4)
Orte (1)
- Bad Nauheimer Straße
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2020/0210
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 21.07.2020
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00