2026/0100
Veröffentlichung des Masterplans mit Standortuntersuchung "Informationszentrum Welterbe Mathildenhöhe" der ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH; interimistische Einstellung der Planungs- und Umsetzungsarbeiten sowie Einrichtung eines befristeten Moratoriums
KI-Zusammenfassung
Klicken Sie, um eine KI-Zusammenfassung dieses Vorgangs zu erstellen.
KI-Analyse läuft...
vergangen
Was passiert gerade?
- 📄 Dokumente werden analysiert...
- 🤔 KI denkt nach (Reasoning-Modell)...
- ✍️ Zusammenfassung wird geschrieben...
- ⏳ Das dauert etwas länger bei komplexen Dokumenten...
Dieser Vorgang kann 1-3 Minuten dauern. Bitte lassen Sie die Seite geöffnet.
anlage 8
8973 Zeichen
MASTERPLAN KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT Standortuntersuchung Besucherzentrum Bisherige Ergebnisse und Erkenntnisse 29. März 2017 | Bürgerinformation 2 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT 1 Aufgabenverständnis 2 Standortuntersuchung Besucherzentrum 3 V orzugsstandorte: Rahmenbedingungen und historische Bebauung 4 Räumliche V erteilung der geplanten Nutzungen 5 Mögliche Bebauungsvarianten 6 W eiteres Vorgehen ABLAUF 3 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT AUFGABENVERSTÄNDNIS Masterplan Mathildenhöhe - Darstellung aller angestrebten Maßnahmen innerhalb des Nominierungsgebietes, der Pufferzone und der angrenzenden Bereiche - Entscheidungsgrundlage und Orientierungshilfe für die künftige städtebauliche Entwicklung der Künstlerkolonie - Definition von Zielvorgaben für nachfolgende formelle und informelle V erfahren - Schwerpunkt: Ermittlung eines Standorts und der sich ergebenden Rahmenbedingungen für das Besucherzentrum 4 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT STANDORTUNTERSUCHUNG orientiert an der Besucherführung 5 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT Shuttlebus H Wegeführung Fußgänger / Mögliche Standorte Osthang Ernst-Ludwig-Haus ehem. Haus Christiansen Ostbahnhof Neufert-Bau/Promenade Nordhang ANFORDERUNGEN BESUCHERZENTRUM 6 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT VORZUGSSTANDORTE Rahmenbedingungen Historische Bebauung 7 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT VORZUGSSTANDORTE 8 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT VORZUGSSTANDORTE Rahmenbedingungen Lucasweg Olbrichweg Bauhausweg Olbrichweg Olbrichweg Alexandraweg Ein- / Ausfahrt Osthang Nordhang Abstandsflächen h_da auf eigenem Grundstück Abstandsflächen h_da auf städtischem Grund Trafo Eingang/(Not)Ausgang 9 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT VORZUGSSTANDORTE Historische Betrachtung | Ausstellung 1908 Gebäude für angewandte Kunst Architekturgebäude Olbrichweg Bauhausweg Alexandraweg Haus Christiansen Friedhofskunst Garten Prof. Müller Lucasweg Olbrichweg 10 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT VORZUGSSTANDORTE Historische Betrachtung | Ausstellung 1914 Mietshausgruppe Haus Christiansen Garten vor Ateliergebäude Albin Müller Vorgärten Mietshausgruppe Lucasweg Olbrichweg Bauhausweg Olbrichweg Alexandraweg 11 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT Lucasweg Olbrichweg Bauhausweg Olbrichweg Olbrichweg Alexandraweg Ausstellung 1908 VORZUGSSTANDORTE 12 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT Lucasweg Olbrichweg Bauhausweg Olbrichweg Olbrichweg Alexandraweg Ausstellung 1914 VORZUGSSTANDORTE 13 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT Lucasweg Olbrichweg Bauhausweg Olbrichweg Olbrichweg Alexandraweg Ein- / Ausfahrt Osthang Nordhang Abstandsflächen/Restriktionen VORZUGSSTANDORTE 14 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT Lucasweg Olbrichweg Bauhausweg Olbrichweg Olbrichweg Alexandraweg Ein- / Ausfahrt FH Osthang Nordhang 15m Ermittlung Baufeld VORZUGSSTANDORTE 15 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT Lucasweg Olbrichweg Bauhausweg Olbrichweg Olbrichweg Alexandraweg 15m Ermittlung Baufeld VORZUGSSTANDORTE 16 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT Lucasweg Olbrichweg mögliche weitere Bebauung Bauhausweg Olbrichweg Olbrichweg Alexandraweg 15m Ermittlung Baufeld VORZUGSSTANDORTE 17 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT NUTZUNGSVERTEILUNG Besucherzentrum (Ausstellung/Service/Gastronomie) Kulturelle Nutzungen (insb. Ausstellungsflächen) Ergänzende (kulturelle) Nutzungen/Insitute/Wohnen (Arrondierungsfläche) ggf. weitere ergänzende Nutzungen (z.B. Hochschule, Gastronomie o.ä.) 18 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT Lucasweg Olbrichweg Bauhausweg Olbrichweg Olbrichweg Alexandraweg Besucherzentrum * Kreuzungspunkt aus ver- schiedenen wichtigen Wegeverbindungen * Ausstellung/Gastro/Service NUTZUNGSVERTEILUNG 19 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT Lucasweg Olbrichweg Bauhausweg Olbrichweg Olbrichweg Alexandraweg Kulturelle Nutzungen * Ausstellungsflächen/ Veranstaltungsraum/ Museale Nutzung * Ergänzend zum Besucher- zentrum NUTZUNGSVERTEILUNG Flexible Aufteilung 20 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT Lucasweg Olbrichweg Bauhausweg Olbrichweg Olbrichweg Alexandraweg Arrondierungsfläche * Ergänzende (kulturelle) Ein- richtungen/Wohnen * Ensemblebildung mit Haus Mathildenhöhe * Einbeziehung Fiedlerweg 20 * Tiefgarage NUTZUNGSVERTEILUNG Flexible Aufteilung 21 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT Lucasweg Olbrichweg Bauhausweg Olbrichweg Olbrichweg Alexandraweg Ergänzende Nutzung * Abschluss des Ensembles nach Norden durch Solitär * Nutzung durch Hochschule, Museumpäd. Zentrum o.ä. * Synergie aus den Nutzungen Hochzeitsturm/Ausstellung/ Hochschule * Tiefgarage NUTZUNGSVERTEILUNG 22 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT Lucasweg Olbrichweg Bauhausweg Olbrichweg Olbrichweg Alexandraweg Spielfläche Ergänzende Nutzung kulturelle Nutzung Arrondierungsfläche NUTZUNGSVERTEILUNG Besucherzentrum 23 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT VARIANTEN Unterschiedliche Größen von Besucherzentrum, kultureller Nutzung und Arrondierungsfläche Flexibel räumlich kombinierbar, je nach Flächenbedarf RÄUMLICHE VARIANTEN 24 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT VARIANTE 1: "BESUCHERZENTRUM XL" 25 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT VARIANTE 1 26 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT VARIANTE 1 Hoetgerplatz Albin-Müller-Hof Forum Mathildenhöhe 27 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT VARIANTE 1 Vernetzung Spielplatz 28 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT Besucherzentrum * Eingang von W esten- und Osten * Ausstellung/Gastro/Service * 2- bzw. 3-geschossig * ca. 1.950 qm BGF VARIANTE 1 29 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT Kulturelle Nutzung * Eingang von W esten * 2-geschossig * ca. 2.100 qm BGF + 1.000 qm UG VARIANTE 1 30 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT Arrondierungsfläche * Institute/Büro/Verwaltung/ Wohnen * ca. 3.100 qm Grundstücks- fläche * ca. 1.850 qm BGF + 270 qm Bestand * Tiefgarage mit ca. 35 Stp. VARIANTE 1 31 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT Ergänzende Nutzung * Eingang von Süden * ca. 980 qm BGF * Nutzung durch Hochschule, Museumpäd. Zentrum o.ä. * T iefgarage mit 23 Stellplät- zen ( +7 ) VARIANTE 1 32 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT VARIANTE 1 33 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT VARIANTE 1 34 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT Olbrichweg Olbrichweg Hochschule Darmstadt Ausstellungsgebäude Atelierhaus 169 m ü. NN 176 m ü. NN 177m ü. NN 167m ü. NN Schnitt Lucasweg VARIANTE 1 Schnitt Olbrichweg 35 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT VARIANTE 2: "BESUCHERZENTRUM MEDIUM" 36 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT VARIANTE 2 Hoetgerplatz Albin-Müller-Hof Forum Mathildenhöhe 37 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT Spielplatz Vernetzung VARIANTE 2 38 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT VARIANTE 2 Besucherzentrum * Eingang von W esten- und Osten * Ausstellung/Gastro/Service * 2-geschossig * ca. 1.200 qm BGF 39 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT Kulturelle Nutzung * Eingang von Westen * Übergang/Verbindung zum Besucherzentrum möglich * 2-geschossig * ca. 1.800 qm + 900 qm UG VARIANTE 2 40 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT Arrondierungsfläche * Institute/Büro/Verwaltung/ Wohnen * ca. 3.600 qm Grundstücks- fläche * ca. 2.600 qm BGF + 270 qm Bestand * Tiefgarage mit ca. 45 Stp. VARIANTE 2 41 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT Ergänzende Nutzung * Eingang von Süden * ca. 980 qm BGF * Nutzung durch Hochschule, Museumpäd. Zentrum o.ä. * T iefgarage mit 23 Stellplät- zen ( +7 ) VARIANTE 2 42 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT VARIANTE 2 43 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT VARIANTE 2 44 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT Schnitt Lucasweg VARIANTE 2 Olbrichweg Olbrichweg Hochschule Darmstadt Ausstellungsgebäude Atelierhaus 169 m ü. NN 176 m ü. NN 177m ü. NN 167m ü. NN Schnitt Olbrichweg 45 MASTERPLAN - KÜNSTLERKOLONIE MATHILDENHÖHE DARMSTADT WEITERES VORGEHEN * weitere Klärung aller Rahmenbedingungen und Nutzungsvorstellung en * Durchführung eines Ideenwettbewerbs für Nord- und Osthang * Durchführung von Realisierungswettbewerben auf Basis konkreter Nutzungs-, Raum- und Funktions - konzepte VIELEN DANK FÜR IHRE AUFMERKSAMKEIT! ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH Hessenallee 2 34130 Kassel E-mail: info@anp-ks.de Telefon: 0561/707 75-0 Fax: 0561/707 75-23
anlage 6
6898 Zeichen
Eigenbetrieb Kulturinstitute Darmstadt, den 27. Februar 2019
Betriebsleitung Frau Adier, ® 3339
An die
Mitglieder der Betriebskommission
des Eigenbetriebs Kulturinstitute der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Mit der Bitte um Beschlussfassung
Beschluss:
1. Die Betriebskommission nimmt das Wettbewerbsergebnis zur Kenntnis
2. Die Betriebskommission beschließt die weitere Planung für das Besucherzentrum bis
zur Entwurfsplanung einschl. Kostenermittlung auf Grundlage des
Wettbewerbsergebnisses.
3. Für die Entwurfsplanung werden Mittel in Höhe von bis zu 600.000 € bereitgestellt.
Begründung:
Wettbewerbs- und. Planungsaufgabe
Im Rahmen der konkretisierenden Vorbereitungen zum UNESCO-Weltkulturerbeantrag wurde
die Notwendigkeit erkannt, ein zentrales Besucherzentrum auf der Mathildenhöhe zu
entwickeln. Als zentrales Informationszentrum zur geschichtlichen Bedeutung und Entwicklung
der Künstlerkolonie Mathildenhöhe soll dieses neue Besucherzentrum erste Anlaufstelle für
Besucher sein und Nutzungen wie einen zentralen Kassen-, Service- und Shopbereich sowie
Seminar- und Veranstaltungsräume beherbergen. Darüber hinaus soll ein gastronomisches
Angebot vorgesehen werden.
Im Zuge der Erarbeitung des Masterplans zur zukünftigen Entwicklung des Gesamtensembles
Mathildenhöhe wurden hierzu Flächenbedarfe entwickelt und mögliche Standortvarianten
untersucht. Als Ergebnis dieser Planungskonzepte soll das Besucherzentrum auf dem
städtischen Grundstück Olbrichweg / Ecke Bauhausweg östlich des Ausstellungsgebäudes mit
einer Gesamtnutzfläche von ca. 1.500 m? entstehen.
Im Rahmen des Förderprogramms des Bundes „Nationale Projekte des Städtebaus“ bietet sich
die Chance, innerhalb des Förderzeitraums bis Ende 2021, eine Realisierung eines solch
wichtigen Bausteins für die touristische Entwicklung der Mathildenhöhe zu realisieren und
damit auch das Bewusstsein der Stadtgeselischaft um die Bedeutung dieses besonderen
Kulturortes im weiteren Prozedere zur Anerkennung als UNSECO-Weltkulturerbe und darüber
hinaus zu bekräftigen.
Wettbewerbsdurchführung und Ergebnis
_ Gemäß Beschluss (Nr. 0160/2017) der Stadtverordnetenversammlung vom 13.06.2017 wurde
für den Neubau eines Besucherzentrums Mathildenhöhe die Durchführung eines \
(Realisierungswettbewerbs mit städtebaulichem Ideenteil für die weitere Entwicklung der
Grundstücke „Ost- und Nordhang“ entlang des Olbrichweges im Rahmen des
Förderprogramms des Bundes „Nationale Projekte des Städtebaus“ als „Bauvorbereitende
Maßnahme“ initiiert.
Der Planungswettbewerb wurde als europaweites nicht offenes einstufiges Verfahren mit
vorgeschaltetem Qualifizierungsverfahren nach den Richtlinien für Planungswettbewerbe (RPW
2013) und gemäß Vergabeverordnung für öffentliche Aufträge (VgV) vorbereitet und im Laufe
des Jahres 2018 durchgeführt. Teilnahmeberechtigt waren Arbeitsgemeinschaften aus
Architekten und Landschaftsarchitekten. Aus 65 Bewerberteams wurden 25
Arbeitsgemeinschaften ausgewählt, von denen 22 ihre Wettbewerbsbeiträge eingereicht haben.
Das Verfahren wurde in Abstimmung mit der Architekten-und Stadtplanerkammer Hessen
durchgeführt. Um die größtmögliche Objektivität in der Beurteilung zu erreichen, wurde eine
Jury aus Sach- und fachkundigen Preisrichter*innen gebildet, die gemeinsam mit
sachverständigen Berater*innen ohne Stimmrecht die anonym eingereichten Arbeiten auf
Qualität im Hinblick auf die Aufgabenstellung beurteilte, Die Kriterien für die Beurteilung der
Wettbewerbsbeiträge durch das Preisgericht waren:
«e städtebauliches Konzept
e architektonische Qualität j
« Freiraumqualität (insbesondere Umgang mit Baumbestand und Grünvernetzung)
« innenräumliche Qualität
« Funktionalität
e Angemessenheit der Mittel und
« Materialien
« energetische Aspekte
« Wirtschaftlichkeit
Als Wettbewerbssumme wurde entsprechend den Regeln einen Gesamtbetrag in Höhe von
75.000-€ (zzgl. 19% MwSt.) zur Verfügung gestellt. Die Wettbewerbssumme wurde wie folgt in
Preise und Anerkennungen aufgeteilt:
* Preis 25.000 €
* Preis 20.000 €
« Anerkennung 15.000 €
«e Anerkennung 15.000 €
Das Preisgericht unter Vorsitz von Herrn Prof. Arno Lederer aus Stuttgart tagte am 22. + 23.
November 2018 im Designhaus auf der Mathildenhöhe. Es hat folgende Entscheidung getroffen
und die Realisierung des preisgekrönten Entwurfs empfohlen:
" Preis: Marte.Marte Architekten ZT GmbH, A-Feldkirch mit WES GmbH
Landschaftsarchitektur, Hamburg
» Preis: Architekt Max Dudler, Berlin mit Landschaftsarchitekt Planorama, Berlin
" Anerkennung: Kramm & Strigl, Architekten und Stadtplaner, Darmstadt mit Freiraum
Rabsilber + Heckmann, Wiesbaden
"* Anerkennung: Bruno Fioretti Marquez Architekten, Berlin mit Atelier Loidl
Landschaftsarchitekten, Berlin
Die Wettbewerbsbeiträge wurden im Designhaus für die Dauer von einer Woche öffentlich
ausgestellt.
In dem gemäß Vergabeverordnung (VgV) obligatorischen Verhandlungsgespräch mit dem
1. Preisträger am 04.02.2019 konnte die Arbeitsgemeinschaft Marte.Marte Architekten mit
WES Landschaftsarchitekten ihre Leistungsfähigkeit nachweisen und wurde zur Beauftragung
empfohlen.
Die Vergabe der Planungsleistungen Tragswerksplanung / Bauphysik sowie für die Technische
Gebäudeausrüstung wurde ebenfalls im Rahmen eines VgV-Verfahrens durchgeführt.
Zur Beauftragung wurden empfohlen:
Tragwerksplanung und Bauphysik: WETZEL & von SEHT Ingenieurbüro für Bauwesen, Hamburg
Technische Gebäudeausrüstung: IGB Katzschmann, Mannheim
Zuständigkeiten
Die Baumaßnahme wird durch den Eigenbetrieb Kulturinstitute realisiert.
Die Projektsteuerung erfolgt durch die Darmstädter Stadtentwicklungs GmbH.
Das erforderliche Nutzungs- und Betriebskonzept wird durch den Eigenbetrieb Kulturinstitute
in Zusammenarbeit mit dem Institut Mathildenhöhe und der Darmstadt Marketing GmbH
entwickelt.
Zeitplan
Der grobe Rahmenterminplan sieht für den weiteren Projektablauf folgende Meilensteine vor:
" Entwurfsplanung bis 08 / 2019
" Beschluss Betriebskommission bis 09 / 2019
zur weiteren Planung und Realisierung
(auf Grundlage der Entwurfsplanung mit verbindlicher Kostenberechnung)
« Beschluss Magistrat / Stadtverordnetenversammlung bis 10 / 2019
zur weiteren Planung und Realisierung
(auf Grundlage der Entwurfsplanung mit verbindlicher Kostenberechnung)
" Erteilung der Baugenehmigung bis 02 / 2020
"» Baubeginn 04 / 2020
« Baufertigstellung -Zieltermin- 31.12. 2021
(gemäß Förderprogramm NPS)
Wichtige Voraussetzung für die fristgerechte Realisierung der Baumaßnahme ist die Schaffung
von Planungsrecht durch den rechtskräftigen Abschluss des Bauleitplanverfahrens für das
Gebiet 032 „Mathildenhöhe Nordost“ unter Federführung des Stadtplanungsamtes bis zum
Frühjahr 2020. Hierzu ist der Satzungsbeschluss bis Ende 2019 herbeizuführen.
Anlage
Dokumentation Wettbewerbsergebnisse
;
{
Land
Na < u.
Prof. Dr. Ludger Hünnekens Baum
1. Betriebsleiter Kaufmännischer Betriebsleiter
2026/0100
51988 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
17.08.2026
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat I an die Stadtverordnete nversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Dezernat VI
Amt: Dezernat I
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2026/0100
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.:
Kostenstelle: Investitionsnummer:
Kostenträger: Sachkonto:
Betreff: Veröffentlichung des Masterplans mit Standortuntersuchung "Informationszentrum
Welterbe Mathildenhöhe" der ANP Architektur - und Planungsgesellschaft mbH;
interimistische Einstellung der Planungs - und Umsetzungsarbeiten sowie Einrichtung
eines befristeten Moratoriums
Vorlage vom: 17.08.2026
Kenntnisnahme:
1. Das Gutachten „Masterplan mit Standortuntersuchung Informationszentrum Welterbe
Mathildenhöhe“ der ANP Architektur - und Planungsgesellschaft mbH wird veröffentlicht
und als Grundlage für die weitere politische und fachliche Beratung zur Kenntnis
genommen.
2. Es wird zur Kenntnis genommen, dass die weitere Debatte über die Welterbevermittlung
und über einen möglichen Neubau eines Informationszentrums auf einer transparenten,
fachlich belastbaren und konzeptionell konsolidierten Grundlage neu zu führen ist. Aus
den UNESCO-Anforderungen folgt keine pauschale Verpflichtung zum Bau eines
bestimmten Besucher - oder Informationszentrums.
- 2 -
Maßgeblich sind die qualitätsgesicherte Vermittlung des außergewöhnlichen universellen
Werts, geeignete Bild ungs- und Informationsangebote, Schutzbewusstsein,
Besuchslenkung sowie ein tragfähiges Management der Welterbestätte.
3. Die laufenden Planungs - und Umsetzungsarbeiten für den Neubau eines
Informationszentrums werden mit sofortiger Wirkung interimistisch ein gestellt. Zugleich
wird ein zeitlich befristetes Moratorium eingerichtet. Es dient der Neubewertung des
Gesamtvorhabens vor dem Hintergrund erheblicher Kostensteigerungen, veränderter
strategischer Prioritäten, offener konzeptioneller Grundlagen und des Er fordernisses einer
risikominimierenden Gesamtsteuerung.
Anlagen: 1. Gutachten
2. Präsentation Bürgerveranstaltung
3. Beschluss Neubau EB Kulturinstitute
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
Zusätzlich für alle Vorlagen aus dem Bereich des Hochbaus anzugeben:
Klimarelevanz des Vorhabens:
Auswirkungen auf Stadtklima: ja nein
Auswirkungen auf THG -Emissionen: gering1) mittel/groß 2)
Beteiligung Amt f. Klimaschutz & Klimaanpassung: ja nein
Zusätzlich bei Beschlüssen zur Baufreigabe:
Wurden Optimierungspotentiale ausgeschöpft? ja nein
Falls nein, Kompensationsmaßnahmen festgelegt? ja nein
1) bis 10 Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente (CO2e) pro Jahr, 2) über 10 Tonnen CO2e pro Jahr.
Beschluss des Magistrats vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 17.08.2026
1. Anlass der Vorlage
Die vorliegende Magistratsvorlage dient dazu, die bisherige Entscheidungsgrundlage für den
Neubau eines Informationszentrums auf der Mathildenhöhe transparent zu machen und
fachlich neu zu bewerten.
Im Zuge verwaltungsinterner Recherchen wurde festgestellt, dass der innerhalb von wenigen
Monaten (Dezembe r 2016 bis Ende Januar 2017) erarbeitete Masterplan einschließlich
Standortuntersuchung bis 2025 nicht als abgeschlossene und nachvollziehbare
Gesamtdokumentation vorlag. Dies machte eine vertiefte Aufarbeitung der vorhandenen
Unterlagen, Präsentationen, B eschlüsse, fachlichen Hinweise und verwaltungsinternen
Erkenntnisse erforderlich.
Die Vorlage fasst den derzeit nachvollziehbaren Erkenntnisstand zusammen. Aufgrund
lückenhafter und teilweise nicht abschließend dokumentierter Akten kann sie keinen
Anspruch auf vollständige Rekonstruktion aller Einzelaspekte erheben. Ziel ist vielmehr, die
bisherige Projektentwicklung so weit aufzuarbeiten, dass die anstehende Debatte auf einer
belastbareren Grundlage geführt werden kann.
2. Ziel der Vorlage
Ziel der Vorlage ist es, die bisherige Entwicklung des Projekts nachvollziehbar darzustellen,
fachliche Anforderungen von politischen und planerischen Setzungen zu trennen, die
wesentlichen Risiken und offenen Fragen zu benennen, und die Grundlage für eine
Neubewertung des Vorhabens „Neubau eines Informationszentrums“ zu schaffen.
Die Vorlage zielt nicht darauf ab, ein Informationszentrum grundsätzlich auszuschließen. Sie
soll vielmehr klären, ob und unter welchen Voraussetzungen eine bauliche Lösung fachlich
erforderlich, organisatorisch tragfähig und wirtschaftlich vertretbar ist.
3. Zentrale Bewertung
Die zentrale Erkenntnis lautet: Die UNESCO verlangt nicht den Bau eines
Informationszentrums. Sie verlangt eine qualitätsvolle Vermittlung des außergewöhnliche n
universellen Werts der Welterbestätte, geeignete Bildungs - und Informationsangebote,
Schutzbewusstsein sowie ein tragfähiges Management.
Ein Informationszentrum kann dafür ein sinnvoller Baustein sein. Es ist jedoch kein
Selbstzweck und ersetzt weder ei n belastbares Vermittlungskonzept noch eine tragfähige
Organisations- und Betriebsstruktur.
Die vorliegenden Unterlagen deuten darauf hin, dass das Projekt in seiner bisherigen
Entwicklung zu früh baulich konkretisiert wurde, ohne dass die konzeptionellen ,
organisatorischen, wirtschaftlichen und gesamtstädtischen Voraussetzungen zuvor in ihrer
Gesamtheit belastbar geklärt waren.
Die weitere Entscheidung sollte deshalb nicht aus der Logik eines bereits weit
fortgeschrittenen Bauprojekts fortgeschrieben wer den. Sie sollte vielmehr vom fachlichen
Auftrag der Welterbevermittlung her neu entwickelt werden.
- 4 -
4. Fachlicher Rahmen
4.1 Anforderungen aus der Welterbekonvention
Nach der Welterbekonvention kommt der Vermittlung des Welterbes eine ebenso hohe
Bedeutung zu wie dessen Schutz und Erhalt. Welterbestätten sollen nicht nur bewahrt,
sondern auch erklärt, erschlossen und in die Gesellschaft hinein vermittelt werden. In Artikel
27 der Welterbekonvention 1 wird hervorgehoben, dass die Vertragsstaaten die Würdig ung
und Achtung des Kultur - und Naturerbes durch Erziehungs - und Informationsprogramme
stärken und die Öffentlichkeit über Gefährdungen und Schutzmaßnahmen umfassend
unterrichten sollen.
Daraus ergeben sich insbesondere folgende Anforderungen:
Vermittlung des außergewöhnlichen universellen Werts der Stätte, Bildungs- und
Informationsangebote für unterschiedliche Zielgruppen, Aufklärung über Gefährdungen und
Schutzbedarfe, Förderung von öffentlichem Bewusstsein und Identifikation, sowie ein
tragfähiges Management der Welterbestätte.
Instrumente können sein:
1. Welterbestätten als Lernorte : Welterbevermittlung soll die Stätte als Lernort
erfahrbar machen. Sie erschließt historische und gesellschaftliche Bedeutung,
Baugeschichte, Architektur, Nachhaltigkeitsbezüge sowie die Rolle von
interkulturellem Austausch und grenzüberschreitender Zusammenarbeit.
Entscheidend ist dabei eine Vielfalt formeller und informeller Bildungsangebote für
unterschiedliche Zielgruppen — von jungen Menschen über internationale Gäste bis
zur Stadtgesellschaft.
2. Der UNESCO-Welterbetag: Der seit 2005 jährlich am ersten Sonntag im Juni
begangene UNESCO -Welterbetag macht Welterbe öffentlich sichtbar, bezieht
insbesondere die lokale Bevölkerung ein und fördert Begegnung, Beteiligung und
interkulturellen Austausch. Er zeigt, dass Welterbevermittlung nicht nur dauerhaft in
Gebäuden, sondern auch durch wiederkehrende, stadtgesellschaftlich wirksame
Formate geleistet werden kann.
3. Informations- und Besucherzentren : Informations- und Besucherzentren können Orte
der Begegnung, Vermittlung und Erfahrung des Menschheitserbes sein. Sie
ermöglichen grund legende Informationen zur Welterbestätte, insbesondere zu ihrem
außergewöhnlichen universellen Wert, zur Welterbekonvention, zu UNESCO -Zielen und
zum Netzwerk der Welterbestätten. Zugleich können sie Raum für Austausch,
Workshops, Konferenzen, barrierefrei e Vermittlung und geschützten Zugang zu
sensiblen Stätten bieten.
1 Welterbevermittlung und Bildung - Deutsche UNESCO-Kommission
- 5 -
4.2 Schlussfolgerung für die Projektbewertung
Aus diesen Anforderungen folgt nicht automatisch die Notwendigkeit eines Neubaus. Ein
Informations- oder Besucherzentrum kann ein geeignetes Instrument der
Welterbevermittlung sein. Es ist aber nur dann fachlich sinnvoll, wenn es Teil eines
schlüssigen Ges amtsystems ist.
Welterbevermittlung darf nicht auf Beschilderung, Führungen oder ein einzelnes Gebäude
reduziert werden. Sie muss Menschen mit dem Ort verbinden, seinen Wert verständlich
machen, seine Verletzlichkeit erklären und seine Bedeutung für Stadt , Region und
Öffentlichkeit sichtbar machen.
Die fachliche Anforderung besteht daher nicht in der Errichtung eines bestimmten Gebäudes,
sondern in der Entwicklung eines integrierten Vermittlungssystems.
5. Wesentliche Defizite der bisherigen Projektentwi cklung
Die Aufarbeitung der Aktenlage zeigt, dass zentrale Entscheidungen über Standort, Bau,
Kommunikation und Kosten vorangetrieben wurden, bevor die inhaltlichen, organisatorischen
und wirtschaftlichen Grundlagen hinreichend geklärt waren.
5.1 Fehlendes Vermittlungskonzept
Bis heute liegt kein belastbares Vermittlungskonzept vor, aus dem sich nachvollziehbar
ableiten lässt, welche Zielgruppen erreicht werden sollen, welche Inhalte und Erzählweisen
vermittelt werden sollen, welche analogen, digitalen oder audiovisuellen Formate erforderlich
sind, welche Räume tatsächlich gebraucht werden, welcher Personalbedarf entsteht und
welche Betriebsstruktur dafür notwendig ist. Ohne ein solches Konzept bleibt unklar, welche
Funktionen ein Informationsz entrum überhaupt erfüllen soll und ob diese zwingend in einem
Neubau gebündelt werden müssen.
5.2 Kosten- und Folgekostenrisiken
Die bisher bekannte Kostenentwicklung zeigt eine erhebliche Ausweitung des Vorhabens. Aus
einer frühen Kostengröße von rund 6,1 beziehungsweise 6,2 Mio. Euro ist inzwischen eine
Baukostengröße von rund 21 Mio. Euro geworden. Diese Summe beinhalten Mittel aus einer
avisierten Spende der M erck Family Foundation , anlässlich des 350. Firmenjubiläums an die
Stadt Darmstadt in Höhe v on 3,5 Millionen sowie Fördermittel des Bundes für die
Mathildenhöhe im Rahmen des Programms „Nationale Projekte des Städtebaus“ in Höhe von
ca. 4,3 Millionen Euro.
Hinzu kommen weitere, bislang nicht abschließend belastbar hergeleitete Bedarfe,
insbesondere für Ausstellung und inhaltliche Vermittlung, Barrierefreiheit, technische
Ausstattung, Betrieb, Personal sowie Pflege und Unterhaltung.
Entscheidend ist dabei nicht nur die bereits sichtbare Kostensteigerung. Schwerer wiegt,
dass die Gesamtkosten des Vorhabens weiterhin nicht verlässlich abschätzbar sind, weil
wesentliche Grundlagen noch nicht geklärt sind.
- 6 -
Diese Unsicherheit fällt besonders ins Gewicht, da auf der Mathildenhöhe zugleich erhebliche
Sanierungsbedarfe bestehen, die ebenfalls mit hoher Priorität finanziert werden müssen.
Maßnahme Geschätzter Finanzbedarf
Oberhessisches Haus 3.000.000 €
Mauer Süd Platanenhain 900.000 €
Mauer Ost Platanenhain 350.000 €
Albin-Müller-Becken 420.000 €
Bacchusbrunnen 700.000 €
Gesamtsanierung Ernst -Ludwig-Haus ca. 9.000.000 € 2
Brandtechnische Ertüchtigung Hochzeitsturm 1.200.000 €
Endsumme 15.570.000 €
5.3 Vergleich der Informationszentren in Darmstadt, Mainz und Bamberg
Die Kostenentwicklung von ursprünglich rund 6 Mio. Euro auf inzwischen rund 21 Mio. Euro
überschreitet den Rahmen vergleichbarer Welterbe -Besucherzentren in erheblichem Maße.
Während Mainz bis Ende September 2026 ein Informationszentrum mit rund 5 Mio. E uro
realisiert und Bamberg ein solches Zentrum für rund 9 Mio Euro fertiggestellt hat (Ende
2019), ist Darmstadt mit 21 Mio. Euro in einer Größenordnung, die nur bei außergewöhnlich
gut belegten Mehranforderungen vertretbar wäre.
Solange diese nicht belas tbar nachgewiesen sind, ist aus Gründen der
Haushaltsverantwortung, der Verhältnismäßigkeit und des Vorrangs substanzerhaltender
Maßnahmen eine deutliche Reduktion des Vorhabens geboten .
5.4 Standortkorrektur und planerische Unsicherheit
Die frühe Standortfestlegung musste nach der Welterbeentscheidung im Jahr 2021 korrigiert
werden. Damit zeigte sich, dass eine wesentliche planerische Grundlage des Vorhabens nicht
dauerhaft tragfähig war.
Dies ist nicht nur eine Frage des Ortes, sondern ein Hinweis auf ein grundsätzliches
Strukturproblem: Die bauliche Konkretisierung erfolgte, bevor alle denkmalpflegerischen,
landschaftlichen, funktionalen und welterbebezogenen Voraussetzungen belastbar
zusammengeführt waren.
2 Die Grundlagenunterschuchung liegt noch nicht vor. Erste Schätzung anhand vergleichbarer
Gebäude.
- 7 -
5.5 Zersplitterte Steuerung
Die Entwicklung des Projekts war über lange Zeit von verschiedenen Einzelzuständigkeiten,
Teilprojekten und nebeneinanderlaufenden Fachlogiken geprägt. Eine zusammenhängende
Gesamtsteuerung nicht erkennbar.
Gerade bei einer urbanen Welterbestätte reicht e s jedoch nicht aus, Bau, Vermittlung,
Kommunikation, Mobilität, Tourismus, Freiraum, Denkmalschutz und Betrieb getrennt
voneinander zu betrachten. Erforderlich ist eine integrierte Gesamtlogik, die alle diese
Aspekte aufeinander bezieht.
6. Bisheriger Pro jektverlauf in Kurzform
6.1 Die Jahre 2016 bis zur Erlangung des Welterbetitels
6.1.1 Das Tourismuskonzept
Ausgangspunkt der frühen Planung für den Bau eines Informationszentrums waren
touristische und infrastrukturelle Defizite auf der Mathildenhöhe , wie sie das
Tourismuskonzept Mathildenhöhe Darmstadt (Siehe Anlage, Stand 25.11.2016)
identifizierte.
Dort heißt es: Mit Erreichen des Welterbestatus ist ein Besucherzentrum einzurichten. Dies
ist sowohl den Anforderungen des Welterbekomitees wie auch den zu erwartenden höheren
Frequenzen geschuldet (S. 47 f.).
Zusätzlich zu den klassischen Concierge - und Servicefunktionen ergänzen eine Infolounge als
Komfort- und Vermittlungszone, ein Shop mit eigenem Merchandising-Sortiment, eine
Gastronomie, eine orientierende Ausstellung mit einem Modell der Mathildenhöhe, ein
Veranstaltungsbereich für ca. 400 Personen , ein Sanitärbereich sowie das Back office mit
Sozialräumen das Angebot.
Um den Flächenbedarf des B esucherzentrums berechnen zu können bedarf es einer
Schätzung der Besucherzahlen. Da darüber keine gesicherten Erkenntnisse vorliegen, musste
von einer Schätzung ausgegangen werden, die auf Erfahrungswerten beruht. In einem
detaillierten Planungsprozess fü r ein Besucherzentrum ist dies zu spezifizieren. Die Anzahl
der Besucher wurde auf 120.000 geschätzt (S. 48.). Daraus ergibt sich überschlägig ein
Flächenbedarf von insgesamt rund 1.500 -1.600 m².
Das Besucherzentrum sollte östlich des Ausstellungsgebäudes auf einer der identifizierten
Entwicklungsflächen – „wilder“ Parkplatz, Osthang - errichtet werden (S. 49.). Die dafür
notwendigen Flächen reichen vorbehaltlich einer detaillierten Prüfung und Planung aus. Da
das Besucherzentrum in dieser Lage auch die rä umlich-funktionalen Schwächen in der
Zuwegung und Annäherung von Osten und Norden an das Kernareal der Mathildenhöhe
beheben. Dazu gehörten insbesondere fehlende barrierefreie Sanitäranlagen, fehlende oder
unzureichende Foyerflächen für größere Besuchergru ppen, eine unzureichende
Ankunftssituation, fehlender Wetterschutz, fehlende Gepäckaufbewahrung sowie nur
eingeschränkt barrierefrei erreichbare Angebote.
- 8 -
6.1.2 Masterplan mit Standort Untersuchung
Am 19.12.2016 beauftragte Oberbürgermeister Jochen Partsch das Büro ANP Architektur -
und Planungsgesellschaft mbH mit der Erstellung des Masterplans Künstlerkolonie
Mathildenhöhe Darmstadt im Rahmen des Nominierungsverfahrens zum Weltkulturerbe.
Die Beauftragung erfolgte auf Basis einer durch den damaligen Kulturreferenten Prof. Dr.
Hünnekens geleiteten freihändigen Vergabe, bei der mehrere Firmen angefragt wurden.
Der Auftrag umfasste folgende Leistungen:
Pos. Leistung Aufwand Betrag
netto
D.1 Bestandsaufnahme und städtebauliche Analyse Nominierungsgebiet und
Pufferzone; Pläne 1:1000 / Texterfassung,
2,5 TAW 10.000,00 €
D.2 Städtebauliche Vertiefung Entwicklungsbereich Ost- und Nordhang; (Potenziale,
Ziele, Konflikte etc. im Bestand)
2,5 TAW 10.000,00 €
D.3 Entwicklung von drei städtebaulichen Szenarien für den Entwicklungsbereich Ost-
und Nordhang; (Pläne 1:1000 / Texterfassung)
4,5 TAW 18.000,00 €
D.4 Zusammenführung der Ergebnisse in einer Dokumentation 1,5 TAW 6.000,00 €
Gesamtsumme netto 44.000,00 €
zuzüglich 6 % Nebenkosten 2.640,00 €
Zwischensumme 46.640,00 €
19 % Mehrwertsteuer 8.861,60 €
Gesamtsumme brutto 55.501,60
€
Darauf aufbauend begann die Erarbeitung eines Masterplans einschließlich einer
Standortuntersuchung, in deren Rahmen sowohl verschiedene Neubau -Standorte als auch die
Umnutzung bestehender Gebäude als Informationszentrum geprüft wurden. Untersucht
wurden mehrere Standort - und Nutzungsvarianten, darunter dezentrale Lösungen,
bestehende Gebäude, der Osthang, der Bereich Ernst -Ludwig-Brunnen sowie das Ernst -
Ludwig-Haus.
- 9 -
Welches Raum- und Funktionsprogramm der Untersuchung zugrunde lag findet sich auf
folgender Darstellung sowie der Dokumentation des Masterplan auf S. 9).
Die Studie wurde fachlich von der Unteren Denkmalschutzbehörde begleitet und vom
damaligen Eigenbetrieb Kulturinstitute finanziert.
Bereits in der Advisory -Board3-Sitzung am 01.02.2017 wurden die Ergebnisse vorgestellt.
Festgehalten wurde unter anderem, dass das Ausstellungsgebäude und das Ernst -Ludwig-
Haus bereits für Ausstellungen genutzt werden.
Der Ernst-Ludwig-Brunnen als eingetragenes Kulturdenkmal in seinem Zustand der
Nachkriegszeit zu erhalten ist.
Die Künstlerhäuser durch den Eigenbetrieb Kulturinstitute genutzt werden und eine
dezentrale Lösung voraussichtlich den Betrieb von zwei Informationspunkten mit
entsprechendem zusätzlichem Personalaufwand erfordern würde.
3 Bei dem Advisory-Board handelt es sich um ein Beratergremium, dass den Welterbeprozess proaktiv begleitet hat.
Den Empfehlungen der UNESCO folgend wurde seitens der Stadt Darmstadt für die Dauer des
Bewerbungsverfahrens um die Anerkennung der Mathildenhöhe als Welt erbe ein Advisory
Board ins Leben gerufen. Diesem Beraterkreis gehören seitdem international anerkannte
Experten/Innen (Architekten, Denkmalpfleger, Kunst - und Bauhistoriker) aus dem
deutschsprachigen Raum an. In neun Workshops und vielen Diskussionen v or Ort wurden aus
diesem Kreis Empfehlungen gegeben und konkrete Beiträge geleistet, die mit dazu
beigetragen haben, dass die Bewerbung in 2021 zum Erfolg geführt werden konnte.
Nach abermaliger Empfehlung der UNESCO wurden die Mitglieder des Advisory B oards
von Oberbürgermeister Jochen Partsch eingeladen, der neuerlichen
Welterbestätte Mathildenhöhe Darmstadt bei ihrer Entwicklung weiterhin beratend zur Seite
zu stehen (Vgl. MV-Nr. 2022/0091).
- 10 -
Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass keines der Künstlerhäuser hinsichtlich Größe,
Grundriss und Infrastruktur dem benötigten Raumprogramm für ein Informationszentrum
entsprach.
Das Advisory Board empfahl daher, die Variante C „Osthang“ weiterzuverfolgen , da diese
Standorte über das größte Entwicklungspotential verfügen würden.
Der Masterplan, der zum damaligen Zeitpunkt nicht für die Öffentlichkeit, sondern für die
Diskussion im Welterbebeirat angefertigt wurde, wurde zurückgestellt, da die Ergebnisse i n
die weiteren Planungen eingeflossen seien. Die vertraglich vorgesehene Zusammenführung
der Ergebnisse in eine vollständige Dokumentation wurde nicht durchgeführt, die hierfür
vereinbarten 6.000 Euro wurden nicht beglichen.
Der Öffentlichkeit wurden die Ergebnisse in einer Bürgerveranstaltung am 29.03.2017
vorgestellt (Präsentation siehe Anhang) .
6.1.3 Realisierungswettbewerb für den Neubau eines Informationszentrums
Gemäß Beschluss Nr. 0160/2017 der Stadtverordnetenversammlung vom 13.06.2017 wurde
anschließend die Durchführung eines Realisierungswettbewerbs für den Neubau des
Informationszentrums initiiert.
Für den Wettbewerb waren Haushaltsmittel in Höhe von 75.000 Euro vorgesehen. Im Juli
2018 folgte die Auslobung eines nicht offenen Architekturwettbewerbs für das
Besucherzentrum und die städtebauliche Entwicklung des Osthangs. Der
Architekturwettbewerb wurde im November 2018 erfolgreich durchgeführt und prämiert. Der
Entwurf des österreichischen Büros Marte.Marte Architekten ZT GmbH (in Zusammenarbeit
mit WES Landschaftsarchitektur) ging als Sieger hervor.
Am 27.02. 2019 wurde dem Eigenbetrieb Kulturinstitute durch die damalige Betriebsleitung
eine Beschlussfassun g zum Neubau des Besucherzentrums Mathildenhöhe vorgelegt (Siehe
Anhang).
Der Beschluss lautete:
1. Die Betriebskommission nimmt das Wettbewerbsergebnis zur Kenntnis.
2. Die Betriebskommission beschließt die weitere Planung für das Besucherzentrum bis
zur Entwurfsplanung einschließlich Kostenermittlungen auf Grundlage des
Wettbewerbsergebnisses.
Die Begründung lautete wie folgt:
„Im Rahmen der konkretisierenden Vorbereitungen zum UNESCO -Weltkulturerbeantrages
wurde die Notwendigkeit erkannt, ein zentrales Besucherzentrum auf der Mathildenhöhe zu
entwickeln. Als zentrales Informationszentrum zur geschichtlichen Bedeutung und
Entwicklung der Künstlerkolonie Mathildenhöhe soll dieses neue Besucherzentrum erste
Anlaufstelle für Besucher sein und Nutzungen wie einen zentralen Kassen -, Service- und
Shopbereich sowie Seminar - und Veranstaltungsräume beherbergen. Darüber hinaus soll es
mit einem gastronomischen Angebot versehen werden. Im Zuge der Erarbeitung des
Masterplans zur zukünftigen Entwicklung des Gesamtensembles Mathildenhöhe wurden
- 11 -
hierzu Flächenbedarfe entwickelt und mögliche Standortvarianten untersucht. Als Ergebnis
dieser Planungskonzepte soll das Besucherzentrum auf dem städtischen Grundstück
Olbrichweg/ Ecke Bauhausweg östlich des Ausstellungsgebäudes mit einer Gesamt
Nutzfläche von ca. 1.500 m² entstehen sowie einer Etatisierung von 6,2 Mio. Euro im
Wirtschaftsplan des Eigenbetriebs Kulturinstitute, einer zweckgebundenen Schenkung von
3,5 Mio. Euro sowi e zusätzlichen Planungsmitteln von 600.000 Euro . Im Rahmen des
Förderprogramms des Bundes „Nationale Projekte des Städtebaus“ soll das Projekt bis 2021
realisiert werden. “
Der Baubeginn war für 04/2020 geplant , die Baufertigstellung für den 31.12.2021.
Die Zuständigkeit wurde wie folgt festgelegt: Die Baumaßnahme wird durch den EB
Kulturinstitute realisiert. Die Projektsteuerung erfolgt durch die Darmstädter
Stadtentwicklungs GmbH (DSE). Das erforderliche Nutzungs - und Betriebskonzept wird
durch den EB K ulturinstitute in Zusammenarbeit mit dem Institut Mathildenhöhe und der
Darmstadt Marketing GmbH entwickelt.
6.1.4 Schaffung des Planungsrechtes
Wichtige Voraussetzung für die fristgerechte Realisierung der Baumaßnahme war die
Schaffung von Planungsrecht durch den rechtskräftigen Abschluss des Bauleitplanverfahrens
für das Gebiet O 32 „Mathildenhöhe Nordost“ unter Federführung des Stadtplanungsamtes
bis zum Frühjahr 2020. Hierzu sollte ein Satzungsbeschluss bis Ende 2019 herbeigeführt
werden.
Am 16.10.2020 beschloss die Stadtverordnetenversammlung die Magistratsvorlage
2020/0305 „Bebauungsplan 0 32 – Mathildenhöhe Ost – Satzungsbeschluss“. Dies wurde
erstellt und unterzeichnet von der damaligen Stadtplanungsdezernentin Dr. Barbara Boczek
und der Umweltdezernentin Babara Akdeniz.
In der Begründung dieser Magistratsvorlage wurde nun ausgeführt, ein „wichtiger Baustein“
für die Erlangung des Welterbetitels sei ein „von der UNESCO verlangtes Besucherzentrum“
für die Mathildenhöhe, für das der Be bauungsplan O 32 die rechtlichen Voraussetzungen
schaffe. Diese Formulierung ist fachlich problematisch, weil sie eine politische und
planerische Entscheidung als externen Sachzwang erscheinen ließ.
6.2 Entscheidung der UNESCO und Standortkorrektur
Am 24.07.2021 erfolgte die Aufnahme der Mathildenhöhe in die Liste der UNESCO -
Welterbestätten .
Dieser Titel war allerdings mit der Auflage verbunden , das geplante Informationszentrum an
einem alternativen Standort außerhalb der Kernzone des Welterbeensembles zu verorten.
Der im rechtskräftigen Bebauungsplan 0 32 – Mathildenhöhe Ost – festgelegte Standort des
Informationszentrums l ag größtenteils innerhalb der Kernzone der Welterbestätte
Mathildenhöhe.
In diesem Bereich sind keine Neubauten zulässig .
- 12 -
Die UNESCO verknüpfte der Erlangung des Welterbetitels an folgende Bedingungen:
• Das zukünftige Gebäude und damit das Baufenster müssen verschoben werden.
• Weiterhin forderte die UNESCO eine deutliche Reduktion der Bauflächen zugunsten
des Freiraums.
• Weiter verhängte Gestaltungsvorschriften und Höhenbeschränkungen sollten eine
denkmalgerechte Einbettung in die sensible Umgebung sicherstellen.
Man muss also festhalten, dass bei einer planmäßigen Fertigstellung am zunächst
vorgesehenen Standort die Integrität der Welterbestätte und damit der Welterbestatus hätte
gefährdet werden können.
6.3 Neukonzeption der Planungen 2021 bis 2023
Das Architekturbüro Mart e.Marte wurde mit der weiteren Bearbeitung von Konzeptstudien
und Vorentwurfsplanungen für den neuen Standort in der Pufferzone am „Osthang“
beauftragt.
Bis zu diesem Zeitpunkt hat te das Projekt ca. 460.000 Euro gekostet.
Nach der Neukonzeption fanden a m 31.03.2022 ein Welterbeworkshop mit Welterbebeirat
und ICOMOS Deutschland sowie am 09.05.2023 eine Bürgerinformationsveranstaltung statt.
Am 06.06.2023 unterzeichnete der damalige Oberbürgermeister Jochen Partsch einen Letter
of Intent mit der Wissensc haftsstadt Darmstadt Marketing GmbH in dem noch einmal betont
wurde, dass der wesentlichen Funktion des Bildungs - und Vermittlungskonzeptes der
Einrichtung eines neuen Besucherinformationszentrums zukommt .
In dieser Absichtserklärung ist weiter festgehalt en, dass das Informationszentrum durch den
Eigenbetrieb Kulturinstitute, im Operativen durch das Welterbebüro, das Institut
Mathildenhöhe und die Wissenschaftsstadt Darmstadt Marketing GmbH betrieben werden
sollte.
Die auf dieser Basis erstellten Unterlagen der überarbeiteten Konzeptplanung wurden zur
Abstimmung Ende 2023 schließlich an das UNESCO -World Heritage Center in Paris
versendet und von dort positiv geprüft und beschieden.
Ursprünglich geplant war ein Informationszentrum mit einer Gesamt Nutzfläche von ca.
1.500 m² mit einem Kostenrahmen von 6,2 Mio Euro.
Obwohl das Zentrum gegenüber der ersten Planung auf Wunsch von ICOMOS räumlich
reduziert wurde, beläuft sich die Größenordnung nach acht Jahren, Standortkorrektur und
nahezu vollständige r Umplanung heute auf rund 21 Mio. Euro . Damit liegen die aktuellen
Kosten bei ca. 350 Prozent des ursprünglichen Ansatzes.
- 13 -
6.4 Öffentliche Kritik an dem Bau eines Informationszentrums
Mit dem Beginn der vorbereitenden Arbeiten am Osthang und dem Ende der temporären
kulturellen Nutzung durch den OHA e.V. wurde in der Öffentlichkeit u.a. die Frage nach der
Veröffentlichung der Dokumentation des Masterplans aufgeworfen. U.a. lag eine
entsprechende Anfrage nach der Informationsfreiheitssatzung vor.
Das Dezernat I war mit einer Weitergabe der Studie einverstanden, wur de aber im August
2025 seitens Dezernat III darüber informiert, dass die Studie zwar 2017 weitestgehend
abgeschlossen war, aber nie finalisiert wurde.
Die Summe in Höhe von 6.000 Euro f ür die Leistung D.4 „Zusammenführung der Ergebnisse
in einer Dokumentation“ wurde durch die Stadt 2017 aus unbekannten Gründen nicht
beglichen.
Deshalb stimmte das Büro ANP einer Veröffentlichung im Jahr 2025 zunächst nicht zu.
Das Dezernat I beauftragt e daraufhin das Kulturamt, die Mittel bereitzustellen und die offene
Summe zu begleichen und beim zuständigen Denkmalschutzamt die finalisierte
Dokumentation anzufordern. Die Dokumentation liegt nunmehr vor und wird veröffentlicht.
6.5 Verschlechterte Ha ushaltslage und politischer Versuch einer weiteren baulichen
Reduktion
Aufgrund der Tatsache, dass sich die Haushaltslage der Stadt im Vergleich ab 2023 deutlich
verschlechtert hat, bat das Dezernat I die DSE in Zusammenarbeit mit dem Welterbebüro,
Einsparpotenziale zu prüfen, die Kernanforderungen des Informationszentrums erneut zu
betrachten und Möglichkeiten einer Reduktion von Umfang und Kosten darzustellen.
Im Rahmen des 15. Welterbeworkshops am 10. 09. 2025 wurde der Welterbebeirat 4 auf
Grundlage dieser Prüfung gebeten, erneut über das Informationszentrum zu beraten und
unter besonderer Berücksichtigung der aktuellen Haushaltslage weitere Einsparmöglichkeiten
zu prüfen, insbesondere durch eine Reduktion von Dimension und Kosten.
Der Welterbebeirat plädierte in dieser Sitzung für die Beibehaltung des übermittelten
Entwurfs, auch weil die Planungen bereits durch die Verlagerung aus der Kernzone
überarbeitet werden mussten.
6.6 Das fehlende Vermittlungskonzept
Mit der Haushaltsanmeld ung für das Jahr 2027 wurde das Dezernat I schließlich in Kenntnis
gesetzt, dass bisher kein Vermittlungskonzept erstellt worden sei. „Dafür fehle es – gerade
im Institut Mathildenhöhe – an der notwendigen pädagogischen Expertise.“ 5
Zugleich wurde im Zuge der Recherche mitgeteilt, dass der Teil „Bildung“ im Rahmen des
Welterbeantrags extern vergeben und extern erarbeitet worden war (E-Mail vom 23.0 7. 2026
von der Darmstadt Marketing GmbH ). Die darin enthaltenen wesentlichen und fachlich
richtigen Punkte sind zwar in den Welterbeantrag eingeflossen; sie wurden jedoch nicht in ein
4 Beim Welterbebeirat handelt es sich um den Nachfolger d es Advisory-Bord (vgl. Fußnote 3).
5 Begründung zur Haushaltsanmeldung 2027.
- 14 -
eigenständiges, dauerhaft umsetzbares Vermittlungskonzept überführt. Eine solche
Umsetzung konnte in der Verwaltung offenba r auch deshalb nicht realisiert werden, weil
hierfür qualifiziertes pädagogisches und vermittlungsfachliches Personal fehlte.
Für die Haushalte ab 2027 wurden folgende Mittelbedarfe angemeldet:
Jahr/Zeitraum Maßnahme/Zweck Betrag
2027 Vermittlungskonzept; Erstellung durch externe Firma 60.000,- €
2027 Informationszentrum: Gewährleistung der Barrierefreiheit der
Dauerausstellung; interaktive Stationen 300.000,- €
2027 gesamt Benötigte Mittel nach Schätzung 360.000,- €
2028 Vermittlungskonzept; Erstellung durch externe Firma und Umsetzung 75.000,- €
2028 Einbau der interaktiven Stationen 350.000,- €
2028 Einrichtung der Dauerausstellung 150.000,- €
2028 gesamt Vorgesehene Mittel 575.000,- €
ab 2029 ff. jährlicher Mittelbedarf 350.000,- €
jährlich
6.6 Fazit
Der gesamte Verlauf macht die Unplausibilität der bisherigen Projektentwicklung besonders
deutlich.
Der Baukörper wurde geplant lange bevor geklärt war, welche Funktionen für die
Welterbevermittlung tatsächlich erforderlich, finanzierbar und gesamtstädtisch sinnvoll sind .
Zentrale Grundlagen wie ein belastbares Vermittlungskonzept, ein gesichertes
Betriebsmodell und eine nachvollziehbare Herleitung von Raum - und Funktionsbedarf fehlen.
Zu den Baukosten von inzwischen rund 21 Mio. Euro treten weitere Mittelbedarfe hinzu: Für
2027 werden 360.000 Euro angesetzt, davon 60.000 Euro für die externe Erstellung des
Vermittlungskonzepts und 300.000 Euro für Barrierefreiheit der Dauerausstellung sowie
interaktive Stationen. Für 2028 sind weitere 575.000 Euro vorgesehen; ab 2029 werden
jährlich 350.000 Euro veranschlagt. Damit geht es um dauerhafte konzeptionelle, mediale,
personelle und betriebliche Verpflichtungen.
Wesentliche Grundlage für den Masterplan scheint das Tourismuskonzept gewesen zu sein,
dessen wesentliche Annahmen, aber nie in der notwendigen Tiefe hinterfragt wurden, wie
zum Beispiel:
• Warum es eines so großen Veranstaltungssaales bedarf, wenn das Darmstadtium als
moderne Veranstaltungslocation fußläufig erreichbar ist.
• Warum benötigt man eine eigene Gastronomie, wenn sich das Café Mathildenhöhe
und weitere gastronomische Angebote in unmittelbar er Nähe befindet.
- 15 -
• Warum benötigt man einen weitere Merchandising -Shop, wenn der Museums -Shop
bereits in unmittelbarer Nähe vorhanden ist.
Auf Basis des Masterplans, der - nach vorliegender Aktenlage - innerhalb weniger Wochen
beauftragt und erstellt wur de, ist im Anschluss ein Realisierungswettbewerb initiiert und
Haushaltsmittel in Höhe von 75.000 Euro bereitgestellt worden.
Damit wurde der architektonisch-räumlicher Klärungsprozess weiter vorangetrieben , obwohl
ein zentrales Vermittlungskonzept , das tatsächlich von UNESCO gefordert wird, immer noch
nicht vorlag.
Ein Architekturwettbewerb setzt voraus, dass die funktionalen, inhaltlichen und räumlichen
Anforderungen eines Vorhabens hinreichend geklärt sind. Im vorliegenden Fall betrifft dies
insbesondere die Fragen, welche Inhalte vermittelt und welche Zielgruppen erreicht werden
sollen, welche analogen, digitalen und audiovisuellen Formate erforderlich sind und welche
Raumtypen sich daraus ableiten. Wenn ein solcher Wettbewerb stattfindet, ohne dass ei n
belastbares Vermittlungskonzept vorliegt, wird die bauliche Lösung der inhaltlichen Klärung
zeitlich vorangestellt.
Dies belegt u.a. die im Jahr 2021 von der UNESCO geforderte Standortkorrektur. Auch die
Darstellung, die UNESCO schreibe den Bau eines Besucherzentrums vor, vermischte
fachliche Anforderungen mit einer politischen Standort - und Bauentscheidung. Dadurch
entstand der Eindruck einer Alternativlosigkeit .
Angesichts der schwierigen Haushaltslage ist es politisch nicht vertretbar ein auf inzwischen
rund 21 Mio. Euro angewachsenes Bauprojekt in dieser Form weiterzuführen , auch wenn die
nun bereits produzierten Kosten sich auf ca. 4 Millionen Euro belaufen.
7. Kommunikation, Gesamtstadtbezug und Organisation
7.1 Organisation und Zuständigkeiten
Bei der Organisation der Wiedereröffnung der Ausstellungshallen auf der Mathildenhöhe
wurde die HEAG Holding durch das Dezernat I Ende 2023 beauftragt, eine Funktionsanalyse
der Welterbestruktur durchzuführen. Dabei wurden allein 28 Einzelprojekte rund um die
Welterbestätte in verschiedenen Ämtern und Eigenbetrieben identifiziert .
- 16 -
Übersicht über die Welterbezone und die Zuständigkeiten auf der Mathildenhöhe
Das grundsätzliche Strukturproblem wird bereits daran deutlich, dass Kompetenzen und
Verantwortlichkeiten für die Welterbestätte auf mehrere Verwaltungseinheiten verteilt sind.
Dazu gehören neben dem Welterbebüro und dem Institut Mathildenhöhe etwa das Kulturamt,
das Grünflächenamt, das Mobilit äts- und Tiefbauamt , das Stadtplanungsamt sowie weitere
fachlich zuständige Stellen. Dazu kommen noch städtische Unternehmen wie Darmstadt
Marketing, IDA und die DSE.
Die aktuelle Aufteilung der Zuständigkeiten führt in der Praxis jedoch zu einer horizon talen
und vertikalen Fragmentierung, die eine wirtschaftliche und koordinierte Bewirtschaftung des
Areals massiv erschwert. Anstatt einen logischen Gesamtbereich zu definieren, wurden
Kompetenzen teilweise meterweise oder nach einzelnen Gewerken getrennt, was zu unklaren
Schnittstellen und einem erheblichen administrativen Abstimmungsaufwand führt.
Besonders deutlich wird diese prozessuale Ineffizienz bei der Aufteilung baulicher
Gesamtobjekte, wie das Beispiel der Heinrich -Jobst-Treppe zeigt. Hier unterli egt die
eigentliche Treppenkonstruktion dem Mobilitäts - und Tiefbauamt, während die unmittelbar
darauf errichteten Pergolen in den Aufgabenbereich des Kulturamts fallen. Eine solche
künstliche Trennung eines zusammenhängenden Ensembles verzögert notwendige
Instandhaltungsmaßnahmen. Ähnlich verhält es sich beim Albin -Müller-Becken, das dem
Kulturamt zugeordnet ist, von IDA technisch betreut werden (im Auftrag des Kulturamtes),
die DSE ist wiederum für die Grundsanierung des Beckens zuständig, das Grünflächenamt
betreut die direkt angrenzenden Grünflächen , was einen permanenten und zeitraubenden
Abstimmungsbedarf zwischen den Dienststellen erzwingt.
Auch bei den Brunnenanlagen wurde ein komplexes D reiecksverhältnis geschaffen, da die
Brunnen formal dem Kulturamt unterstehen, die operative Umsetzung der Pflege, des
Bauunterhalts und der Brunnenmeistertätigkeiten jedoch vertraglich an den Dienstleister IDA
ausgelagert ist. Das Kulturamt muss somit als rein administrative Stelle technische
Fachaufgaben steuern und finanzieren. Zusätzlich zu diesen Gewerke spezifischen
Überschneidungen führt die geografische Kleinteiligkeit zu regulatorischen Grauzonen. Beim
Ernst-Ludwig-Brunnen waren der Brunnen selbst, die Mauer und die Sandsteinplatten dem
Kulturamt zugeordnet, während die davorliegende Mosaikfläche in keiner Zuständigkeit lag.
- 17 -
Zusammenfassend zeigt die detaillierte Betrachtung, dass die aktuellen Zuständigkeiten zu
einer dysfunktionalen Aufsplitter ung des Welterbe -Geländes geführt hat. Die Nahtstellen
zwischen den Zuständigkeiten des Kulturamts und den vom Grünflächenamt in Eigenleistung
bewirtschafteten Wegen provozieren Reibungsverluste bei Reinigung und
Schadensbeseitigung. So beauftragt das Kult uramt den EAD für den Winterdienst, das
Grünflächenamt übernimmt diesen selbst. Dieses System der Kompetenz -Fragmente ist für
ein weltweit repräsentatives Kulturdenkmal prozessual nicht zielführend und bedarf einer
grundlegenden strukturellen Überarbeitung .
Gerade daran zeigt sich die besondere Herausforderung im Umgang mit einer
Welterbestätte: Schutz, Pflege, Erschließung, Wegeführung, Mobilität, Vermittlung,
Veranstaltungsorganisation, Kommunikation und städtische Einbettung greifen unmittelbar
ineinander. Wenn diese Aufgaben in unterschiedlichen Ämtern und Zuständigkeitsbereichen
verortet sind, braucht es umso mehr eine verbindliche und wirksame Gesamtsteuerung,
damit aus nebeneinanderstehenden Fachzuständigkeiten ein kohärentes Management
entsteht. Eine solche Steuerung ist auch deshalb erforderlich, weil Welterbevermittlung nur
dann dauerhaft trägt, wenn sie nicht in einzelnen Projekten, Zuständigkeiten oder
Anlassformaten aufgeht, sondern als gemeinsame Aufgabe der Stadt verstanden wird. Aus
fachlicher Aktivität muss eine erkennbare gemeinsame Beziehung zur Mathildenhöhe
entstehen.
Die Vielzahl der Einzelprojekte belegt eine späte Bündelung statt einer von Beginn an
tragfähigen Gesamtsteuerung .
Das Moratorium ist daher auch organisatorisch zu nutzen : Es soll klären, welche rechtlichen,
personellen und finanziellen Voraussetzungen eine integrierte Steuerung braucht, welche
Zuständigkeiten gebündelt werden müssen und wie Entscheidungen künftig nachvollziehbar,
effizient und gesamtstädtisch wirksam vorb ereitet werden.
7.2 Kommunikation
Dieselbe strukturelle Schieflage zeigte sich auch im Bereich Kommunikation und Marketing.
Für eine Welterbestätte genügt es nicht, einzelne sichtbare Produkte wie Logo, Marke,
Kampagne oder Werbemittel zu entwickeln. Kom munikation ist Teil der Vermittlung selbst:
Sie muss Orientierung schaffen, Besucherinnen und Besucher lenken, den Schutz der Stätte
unterstützen, Zielgruppen differenziert ansprechen und die Mathildenhöhe in ein
gesamtstädtisches Narrativ einbetten.
Die Mathildenhöhe darf dabei nicht als isolierter Solitär behandelt werden. Sie ist das
internationale Aushängeschild Darmstadts, kann ihre kulturelle, touristische und
wirtschaftliche Strahlkraft aber nur entfalten, wenn sie mit Innenstadt, Kulturinstitutione n,
Wissenschaft, Schulen, Tourismus, Handel, Hotellerie und Stadtmarketing
zusammengedacht wird.
Nach der vorliegenden Aktenlage wurde jedoch zunächst eine Agentur beauftragt, ein Logo
beziehungsweise eine visuelle Markenidentität zu entwickeln, ohne dass zuvor ein tragfähiges
Kommunikationskonzept vorlag. Einer visuellen Markenentwicklung hätte eine belastbare
Kommunikationsstrategie vorausgehen müssen. Zu klären gewesen wären insbesondere
Zielgruppen, Kernbotschaften, Tonalität, Leitsystem, Kommunikation skanäle,
Vermittlungstiefe, Zuständigkeiten, Monitoring und messbare Erfolgskriterien.
- 18 -
Primär zu bemängeln ist auch hier die fehlende erkennbare Gesamtarchitektur:
unzureichendes Monitoring, fehlende Evaluierung, unklare Rollen der beteiligten Akteure un d
eine nicht ausreichend verbindliche Steuerung der Abstimmungskreise. Hinzu kamen offene
konzeptionelle Grundlagen für Besucherinformation, Veranstaltungslogik,
Produktentwicklung und die systematische Nutzung von Synergien zwischen Stadt,
Welterbestätte, Kultur, Wissenschaft, Tourismus, Handel, Hotellerie und Stadtmarketing.
Damit fehlte vor allem die verbindende Klammer zwischen Welterbe und Alltag, zwischen
Denkmal und Stadtgesellschaft sowie zwischen kultureller Bedeutung und öffentlicher Nähe.
Gerade diese Klammer ist erforderlich, damit aus einem international ausgezeichneten Ort
ein gemeinsam getragener Ort wird.
Vor diesem Hintergrund erhält die im Jahr 2024 konzipierte und realisierte Kampagne „DA
staunst Du“ besonderes Gewicht. Sie war erk ennbar auch der Versuch, die zuvor fehlende
kommunikative Klammer nachträglich herzustellen und die Defizite der vorgelagerten
Marken- und Projektentwicklung kommunikativ zu heilen. Zugleich hat sie dazu beigetragen,
dem Welterbe eine gesamtstädtische Erzä hlung zu geben, relevante Akteure einzubinden und
die Mathildenhöhe stärker mit der der Stadt, dem Kulturangebot und dem touristischen
Standortprofil zu verbinden.
Die Kampagne kann jedoch nur dann dauerhaft tragen, wenn sie nicht als nachträgliche
Korrektur einzelner Defizite verstanden wird, sondern in eine verbindliche Vermittlungs -,
Kommunikations - und Steuerungsstruktur überführt wird. Genau hier setzt das Moratorium
an: Es soll die bisherige Trennung von Bauprojekt, Vermittlung, Kommunikation und
gesamtstädtischer Einbindung überwinden und die künftige Kommunikation aus einem
integrierten Welterbe - und Betriebskonzept ableiten.
8. Begründung des Moratoriums
Vor dem Hintergrund der vorliegenden Erkenntnisse ist ein Moratorium fachlich,
organisatorisch und wirtschaftlich begründet.
Es ist fachlich begründet, weil ein belastbares Vermittlungskonzept fehlt und wesentliche
Anforderungen an Inhalte, Zielgruppen, Formate und Funktionen bislang nicht systematisch
hergeleitet wurden.
Es ist organisatorisch begründet, weil die Steuerung der Welterbestätte fragmentiert ist und
die bisherigen Zuständigkeiten keine hinreichend klare Gesamtverantwortung erkennen
lassen.
Es ist wirtschaftlich begründet, weil die Investitions - und Folgekosten weiterh in nicht
belastbar abschätzbar sind und zugleich erhebliche Sanierungsbedarfe mit hoher Priorität
bestehen.
Das Moratorium ist daher nicht als Rückzug aus der Verantwortung zu verstehen, sondern als
bewusste Unterbrechung, um die Entscheidung wieder vom e igentlichen Auftrag des
Welterbes her zu entwickeln: Schutz und Vermittlung, Zugänglichkeit und Betrieb,
Stadtbezug und Finanzierbarkeit müssen in einem tragfähigen Gesamtsystem
zusammengeführt werden.
- 19 -
9. Weiteres Vorgehen
Die weitere Debatte soll bewuss t neu eröffnet werden. Zu klären ist nicht in erster Linie, wie
ein bereits geplantes Gebäude begründet werden kann, sondern welche Form der
Welterbevermittlung fachlich erforderlich, wirtschaftlich vertretbar und für Darmstadt
langfristig sinnvoll ist.
Vor einer abschließenden Entscheidung sollte ein integriertes Fachkonzept mindestens
folgende Fragen beantworten:
1. Welche Anforderungen ergeben sich tatsächlich aus Welterbekonvention,
Managementauftrag und außergewöhnlichem universellen Wert der Mathildenh öhe?
2. Welche Zielgruppen, Inhalte und Vermittlungsformate sind erforderlich, um die
bauliche, künstlerische, historische und ideelle Bedeutung der Mathildenhöhe
angemessen zu erschließen?
3. Welche Funktionen müssen zwingend vor Ort erfüllt werden, und welche können
digital, dezentral, temporär oder in Kooperation mit bestehenden Kultur -, Bildungs-
und Tourismuseinrichtungen organisiert werden?
4. Welche Raum-, Personal-, Sach-, Investitions- und Folgekosten ergeben sich daraus
insgesamt, und welche Lösung ist unter fachlichen, denkmalpflegerischen,
finanziellen und gesamtstädtischen Gesichtspunkten am tragfähigsten?
Erst auf dieser Grundlage kann belastbar entschieden werden, ob und in welcher Form ein
Neubau erforderlich ist oder ob ein mehrgliedriges Sy stem aus zentralen, dezentralen,
digitalen, mobilen und kooperativen Bausteinen die bessere Lösung darstellt.
Dies gilt ausdrücklich auch für den Osthang. Dessen weitere Entwicklung soll nicht
aufgegeben, sondern auf eine fachlich, denkmalpflegerisch, lan dschaftlich, wirtschaftlich und
organisatorisch tragfähige Grundlage gestellt werden.
- 20 -
10. Schlussfolgerung
Die Neubewertung richtet sich nicht grundsätzlich gegen ein Informationszentrum.
Sie zeigt jedoch, dass die bisherige Projektentwicklung wesent liche Fragen zu früh baulich
beantwortet hat, bevor die fachlichen, organisatorischen und wirtschaftlichen Grundlagen
ausreichend geklärt waren.
Die UNESCO verlangt eine qualitätsvolle Welterbevermittlung - nicht zwingend einen Neubau.
Deshalb muss die we itere Entscheidung wieder vom eigentlichen Auftrag der Welterbestätte
hergedacht werden.
Erst wenn Vermittlungskonzept, Organisationsstruktur, Funktionen, Kosten, Finanzierbarkeit
und gesamtstädtischer Nutzen nachvollziehbar zusammengeführt sind, liegt ei ne
Entscheidungsgrundlage vor, die der Bedeutung der Mathildenhöhe und der Verantwortung
der Stadt gerecht wird.
Dezernat I Dezernat VI
Hanno Benz Paul Georg Wandrey
Oberbürgermeister Stadtrat
- 21 -
Chronologie zur Entwicklung der Welterbebewerbung, der Planungen und
des Informationszentrums Mathildenhöhe
Die nachfolgende Chronologie dokumentiert die wesentlichen Stationen von Gremienarbeit,
Bürgerinformation, Workshops, Antragstellung, Planungs - und Bebauungsplanverfahren
sowie der späteren Standortkorrektur. Sie dient der transparenten Einordnung der
Entscheidungsgrundlagen und macht sichtbar, wann fachliche, politische, planerische und
kommunikative Schritte erfolgt sind .
Gremienarbeit / Arbeiten am
Antrag
Bürgerinformationsveranstaltungen
/ Foren / Öffentlichkeitsarbeit
Workshops
Chronologie bis zur Aufnahme in die Welterbeliste
September 2016 – 4. Welterbe-
Workshop; Erarbeitung eines
Tourismuskonzepts durch
projekt2508 im Auftrag von
Darmstadt Marketing.
4. Welterbe-Workshop
Mathildenhöhe.
19.12.2016 – Beauftragung des
Büros ANP Architektur- und
Planungsgesellschaft mbH mit der
Erstellung des Masterplans
Künstlerkolonie Mathildenhöhe
Darmstadt im Rahmen des
Nominierungsverfahrens.
01.02.2017 – Advisory Board-
Sitzung; Bewertung der
Standortvarianten und Empfehlung,
die Variante C „Osthang“
weiterzuverfolgen.
Februar/ März 2017 – Erarbeitung
und Vorstellung des Masterplans mit
Standortuntersuchung; geprüft
wurden dezentrale Lösungen,
bestehende Gebäude, Osthang,
Ernst-Ludwig-Brunnen und Ernst-
Ludwig-Haus.
29.03.2017 – Bürgerveranstaltung
zur Vorstellung der Ergebnisse.
Vorstellung bei lokalen Vertretern
des Advisory Boards.
13.06.2017 – Beschluss Nr.
0160/2017 der
Stadtverordnetenversammlung;
Initiierung eines
Realisierungswettbewerbs für den
Neubau des Besucherzentrums.
Vorgesehene Haushaltsmittel: 75.000
Euro.
Juli 2018 – Auslobung eines nicht
offenen Architekturwettbewerbs für
das Besucherzentrum und die
städtebauliche Entwicklung des
Osthangs.
- 22 -
Gremienarbeit / Arbeiten am
Antrag
Bürgerinformationsveranstaltungen
/ Foren / Öffentlichkeitsarbeit
Workshops
November 2018 – Durchführung und
Prämierung des
Architekturwettbewerbs;
Siegerentwurf von Marte.Marte
Architekten in Zusammenarbeit mit
WES Landschaftsarchitektur.
27.02.2019 – Beschlussfassung zum
Neubau des Besucherzentrums
Mathildenhöhe; Gesamt-Nutzfläche
ca. 1.500 m², Etatisierung mit 6,2
Mio. Euro, davon 3,5 Mio. Euro
zweckgebundene Schenkung,
zusätzlich 600.000 Euro
Planungsmittel.
2019/2020 – Planung der
Realisierung im Rahmen des
Bundesprogramms „Nationale
Projekte des Städtebaus“; Baubeginn
vorgesehen für April 2020,
Fertigstellung für den 31.12.2021.
16.10.2020 – Beschluss der
Stadtverordnetenversammlung zur
Magistratsvorlage 2020/0305
„Bebauungsplan O 32 –
Mathildenhöhe Ost –
Satzungsbeschluss“; in der
Begründung wurde das
Besucherzentrum als von der
UNESCO verlangter Baustein
dargestellt.
24.07.2021 – Aufnahme der
Mathildenhöhe Darmstadt in die
UNESCO-Welterbeliste; zugleich
Erwartung, das geplante
Besucherzentrum an einem
alternativen Standort außerhalb der
Kernzone zu verorten.
Chronologie nach der Aufnahme in die Welterbeliste / Neukonzeption und Bebauungsplanverfahren
31.03.2022 – Welterbeworkshop
mit dem Welterbebeirat und
ICOMOS Deutschland mit einer
finalen Entscheidung zur
Neukonzeption. (Hinweis: Bis
heute haben 15
„Welterbeworkshops
Mathildenhöhe“ stattgefunden)
09.05.2023 –
Bürgerinformationsveranstaltung zur
Vorstellung der Neukonzeption
- 23 -
Gremienarbeit / Arbeiten am
Antrag
Bürgerinformationsveranstaltungen
/ Foren / Öffentlichkeitsarbeit
Workshops
05.06.2023 – Magistratsvorlage
2023/0197 „Bebauungsplan O 32.1.
– Besucherzentrum Mathildenhöhe –
(Aufstellungsbeschluss)
12.07.2023 – Beschlussfassung
durch die
Stadtverordnetenversammlung für
den Aufstellungsbeschluss zum
Bebauungsplanverfahren 032.1
17.07.2023 – 25.08.2023 –
Beteiligung der Öffentlichkeit sowie
der Behörden und sonstiger Träger
öffentlicher Belange
Dezember 2023 – Unterlagen der
überarbeiteten Konzeptplanung
wurden zur Abstimmung an das
UNESCO-World Heritage Center in
Paris versendet.
26.06.2024 – Magistratsvorlage
2024/0180 „Bebauungsplan O 32.1
– Informationszentrum
Mathildenhöhe –
(Offenlagebeschluss)
19.09.2024 – Beschluss zur
Offenlage und der Änderung des
Aufstellungsbeschlusses durch die
Stadtverordnetenversammlung
30.09.2024 – 30.10.2024 – Offenlage
Bebauungsplan 0 32.1.
08.01.2025 – Magistratsvorlage
2024/0371 „Bebauungsplan 0 32.1
– Informationszentrum
Mathildenhöhe –
(Satzungsbeschluss)
20.02.2025 – Beschlussfassung
durch die
Stadtverordnetenversammlung
10. bis 11. September 2025 15.
Welterbeworkshop
„Mathildenhöhe Darmstadt“ des
Welterbebeirats u.a.
Informationszentrum
Planungsstand / Reaktion auf
Komitee-Entscheidung und
Neubetrachtung
Kernanforderungen des
- 24 -
Gremienarbeit / Arbeiten am
Antrag
Bürgerinformationsveranstaltungen
/ Foren / Öffentlichkeitsarbeit
Workshops
Informationszentrums /
Einsparungsmöglichkeiten
02.06.2025 – Magistratsvorlage
2025/0180 „Neubau
Informationszentrum UNESCO-
Welterbestätte Mathildenhöhe und
Durchführung eines
Planungswettbewerbes zur
Gestaltung der Freianlagen
anlage 7
45697 Zeichen
DARMSTADT - MATHILDENHÖHE
Standortuntersuchung und Wettbewerb Besucherzentrum
1. ANLASS UND ZIEL 7
2. ANALYSE 8
2.1 Lage im Stadtgebiet 8
2.2 Historischer Zugang zur Mathildenhöhe 9
2.3 Freiraumstruktur 10
2.4 Verkehrliche Erschließung der Mathildenhöhe 11
2.5 Planungsrecht 12
3. RAUM- UND FUNKTIONSPROGRAMM 15
3.1 Raum- und Funktionsprogramm 16
4. STANDORTUNTERSUCHUNG FÜR DAS BESUCHERZENTRUM 19
4.1 Grundsätzliche Standortüberlegungen 20
4.2 Standortwahl 22
4.3 Standortauswahl 36
5. VERTIEFENDE STANDORTUNTERSUCHUNG 37
6. STÄDTEBAULICHE MASSENSTUDIE 47
7. PROZESS 53
8. ANLAGEN 55
Projektkoordination
Auftragnehmer
Auftraggeber
Wissenschaftsstadt Darmstadt
vertreten durch den Magistrat
Luisenplatz 5 A, 64283 Darmstadt
www.darmstadt.de
ARCHITEKTUR- UND PLANUNGSGESELLSCHAFT mbH
Harald Pimper
Dipl.-Ing. Architekt BDA Städtebauarchitekt
Martin Schmittdiel
Dipl.-Ing. Architekt BDA
Ulrich Walberg
Dipl.-Ing. Architekt BDA Stadtplaner SRL-
Hessenallee 2
D-34130 Kassel
Tel. +49 (0)561 707 75-0
Fax +49 (0)561 707 75-23
eMail: info@anp-ks.de
www.anp-ks.de
Bearbeitung ANP
Marcel Lit in, M.Sc. Stadtplanung
Ulrike Maier, Dipl.-Ing. Stadtplanerin, Bauassessorin
Martin Schmittdiel, Dipl.-Ing. Architekt BDA
Wilm Quaß
Stand: 03. Januar 2019
Endredaktion: Mai 2025
Dipl.-Ing. Christoph Beck, Untere Denkmalschutzbehörde
Wissenschaftsstadt Darmstadt
INHALTSVERZEICHNIS
4
Besucherzentrum Mathildenhöhe4
5
Besucherzentrum Mathildenhöhe
Neufert-Bau (ehem. Ledigenwohnheim)
Erich-Ollenhauer-Promenade
Dieburger Straße
Pützerstraße
Hochzeitsturm
Nordhang
Osthang
Ausstellungshalle
Hochschule Darmstadt
Olbrichweg
Lucasweg
Platanenhain
Alexandraweg
Erbacher Straße
Ostbahnhof
Löwentor
Seitersweg
Fiedlerweg
Alice-Hospital
Erich-Ollenhauer-Promenade
Merckstraße
Haus Olbrich
Haus Deiters
Glückert Haus
Künstlerhäuser
Dreihäusergruppe
Bauhausweg
Russische Kapelle
Oberhessisches Haus
Ateliergebäude
Haus Mathildenhöhe
ehem. Haus Christiansen
Ernst-Ludwig-Haus
Künstlerkolonie der Mathildenhöhe (Quelle Stadt Darmstadt, ANP)
untersuchte Standorte
6
Besucherzentrum Mathildenhöhe6
7
Besucherzentrum Mathildenhöhe
zentrum erstellt, um den Flächenbedarf für die Bearbeitung
der Aufgabe überschlägig einschätzen zu können.
Im vierten Teil erfolgt die Darstellung denkbarer Standorte.
Zur Gewinnung eines Verständnisses über die Lage und die
fußläufigen Erschließungswege innerhalb der Künstlerkolo-
nie wurde das Mobilitätskonzept vom Büro Stete Planung
herangezogen. Die sich aus der künftigen Wegeführung ab-
leitenden Standortalternativen werden vergleichend gegen-
übergestellt und bewertet.
Ergebnis der Standortanalyse ist, dass sich aufgrund der
Lage, der Erschließung und der Anbindung an das geplante
Shuttlebussystem besonders der Ost- und Nordhang für ein
Besucherzentrum eignen. Diese beiden Standorte werden
im fünften Teil vertiefend untersucht, insbesondere in Be -
zug auf ihre aufgabenspezifische Leistungsfähigkeit und die
aus den jeweiligen Bebauungen der Ausstellungen 1908 und
1914 abgeleiteten Baufluchten und Höhenentwicklungen
(Bindungsplan)
Im sechsten Teil wurden die ausgewählten Vertiefungsräu -
me auf der Basis des o.g. Bindungsplans - abgeleitet aus
der Historie und dem gegenwärtigen Restriktionen des Ortes
- konzeptionell untersucht und mit den Anforderungen des
Raumprogramms gespiegelt. Die hieraus abgeleiteten Volu-
mina wurden in eine städtebauliche Massenstudie mit drei
Szenarien überführt. Im Sinne einer Machbarkeitsuntersu-
chung wurden in Absprache mit dem Auftraggeber aus die-
sen Szenarien zwei Varianten abgeleitet und vergleichend
gegenübergestellt. Diese wurden im März 2017 im Rahmen
einer Bürgerinformationsveranstaltung öffentlich vorgestellt
und mit insgesamt positiver Resonanz diskutiert.
Im Sommer 2018 wurde auf der Grundlage der Ergebnisse
dieser Untersuchung und des Bürgerdialogs ein Architek -
tenwettbewerb zur Realisierung des Besucherzentrums
ausgelobt, der im Novermber 2018 entschieden wurde. Das
Ergebnis des Wettbewerbs ist im siebten Teil der Studie
nachrichtlich erwähnt und ist separat dokumentiert.
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt beabsichtigt, für die
Künstlerkolonie Mathildenhöhe die Anerkennung als UN -
ESCO-Welterbestätte zu erreichen. Ein wichtiger Schritt da-
für vollzog sich im Jahr 2014, als die Künstlerkolonie in die
Tentativliste der Bundesrepublik Deutschland aufgenommen
wurde. Gegenwärtig ist geplant, die Bewerbung im Jahr
2019 bei der UNESCO einzureichen.
Im Rahmen der Nominierung ist von jeder Welterbestät -
te ein sogenannter Managementplan zu erstellen. Teil des
Managementplans ist u.a. auch der sogenannte Masterplan.
Dieser stellt im Wesentlichen die angestrebten Maßnahmen
innerhalb des Nominierungsgebietes, der Pufferzone und
den angrenzenden Bereichen dar. Ziel ist es, eine Entschei -
dungsgrundlage und Orientierungshilfe für die städtebauli -
che Zukunftsentwicklung der Künstlerkolonie Mathildenhö-
he aufzuzeigen. Darüber hinaus soll der Masterplan wichtige
Zielvorgaben für weitere informelle und formelle Planungen,
weitere einzuleitende Verfahren und den anschließenden
Beteiligungsprozess darstellen können. Deshalb ist es in
diesem Zusammenhang wichtig, nicht nur die städtebauli -
chen Konsequenzen, sondern auch die verkehrlichen, frei-
raumplanerischen und touristischen Wirkungen aufzuzeigen.
Wichtige Grundlagen stellen dabei die bereits vorliegenden
Fachbeiträge, u. a. das Mobilitäts-, Tourismus- und Nut -
zungskonzept sowie das Parkpflegewerk dar.
Das nachfolgende Dokument skizziert als mit den Gremien
abgestimmter Fachbeitrag „Standortuntersuchung Besu-
cherzentrum“ den Prozess der Standortfindung und liefert
erste konzeptionelle Ansätze für eine mögliche stadträum -
liche Ausprägung, ohne jedoch den Anspruch einer Archi -
tekturstudie zu erheben. Verstanden als Grundlagenwerk für
weitere vertiefende Untersuchungen, gliedert es sich in fünf
Teilbereiche auf. Aufbauend auf eine kurze historische Be -
trachtung der Mathildenhöhe, erfolgt im zweiten Schritt die
aufgabenspezifische Analyse des Plangebietes.
Im dritten Schritt wurde anhand vergleichbarer Projekte ein
erstes grobes Raumprogramm für das geplante Besucher -
1. ANLASS UND ZIEL
8
Besucherzentrum Mathildenhöhe8
9
Besucherzentrum Mathildenhöhe
2. ANALYSE
2.2 Historischer Zugang zur Mathildenhöhe
Die Künstlerkolonie Mathildenhöhe wurde im Jahr 1899 ge-
gründet, um die damals als rückständig geltende Industrie
mit kreativen Ideen zu stärken und neu zu positionieren. Bis
Mitte des ersten Weltkrieges erfuhr das dortige Kunstgewer-
be und die Möbelindustrie einen deutlichen Aufschwung,
der sich in baulichen Aktivitäten und diversen Ausstellungen
in den Jahren 1901 bis 1914 wiederspiegelte. Jedoch nahm
mit dem Ende des Krieges und der einsetzenden öffentlichen
Kritik aus Architektenkreisen an den sogenannten „undog-
matisch entworfenen Künstlerhäusern“, die Relevanz des
Ortes immer stärker ab. Erst mit der „Wiederentdeckung“
des Jugendstils in den 1950er Jahren wurden die Werke
der Künstlerkolonie bewusster wahrgenommen. Gleichzeitig
entstand seinerzeit unter Mitwirkung interessierter Bürger
eine neue Künstlerkolonie im nahgelegenen Umfeld. Ihnen
oblag das Ziel, einen „Beitrag zur Überwindung der Nöte der
geistig und künstlerisch Schaffenden“ zu leisten und damit
unmittelbar an die Tradition der Künstlerkolonie anzuknüp -
fen. Im Zuge dessen wurden eine Vielzahl an Häuser und
Bungalows errichtet. Diese konnten teilweise von Schrift -
stellern, Musikern, Bildhauern und andere Kulturschaffen-
den zu vergünstigter Miete bewohnt und zur Arbeit genutzt
werden. Ein weiteres wichtiges Momentum für die stadtge-
sellschaftliche Wende im Bewusstsein für den Ort stellte die
Ausstellung zu den Werken der Künstlerkolonie „Ein Doku -
ment Deutscher Kunst 1901 - 1976“ von Bernd Krimmel dar
(vgl. Wissenschaftsstadt Darmstadt o.J.). Ferner bildet die
Künstlerkolonie Mathildenhöhe mit hren vielen Häusern, der
Gartenanlage sowie den Kunstwerken ein kultur- und archi -
tekturhistorisch bedeutsames Ensemble. Es steht sinnbild-
lich für die Entwicklung der Künste und Architektur auf dem
Weg in die Moderne des 20. Jahrhunderts. Vor allem der
Jugendstil verkörpert die Besonderheit der Mathildenhöhe
(vgl. Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2012).
Ob die Mathildenhöhe einen weiteren historischen Entwick-
lungsschritt gehen wird, die Anerkennung als UNESCO-Wel-
terbe, entscheidet sich im Sommer 2020 bei der Tagung des
Welterbekommitees in Paris.
Blick auf die Künstlerkolonie (Quelle: Stadt Darmstadt)Verortung der Künstlekolonie in der Stadt Darmstadt (Quelle: Open Street map, ohne Maßstab)
B 26
B 3
B 449
A 5
A 67
A 5
Darmstadt
Griesheim
Weiterstadt
Arheiligen
Erzhausen
Wixhausen
Messel
Gräfen-
hausenSchäppen-
hausen
Worfelden
Braunshardt
Roßdorf
Ostbahnhof
Plangebiet
Hauptbahnhof
Darmstadt Süd
Schloss
Museum
2.1 Lage im Stadtgebiet
Das Plangebiet der Mathildenhöhe befindet sich in zentraler
Lage der Stadt Darmstadt und grenzt im Osten an das Are -
al des Ostbahnhofs sowie im Westen an die Stiftstraße an.
Aufgrund der Nähe zum Ostbahnhof (ca. 5min) ist die Künst-
lerkolonie an das überregionale Schienennetz gut angebun-
den. Ebenfalls ist das Plangebiet über die Bundesstraßen
(B26 / B 3 und B 449) gut erschlossen. Die B26 tangiert das
Plangebiet südlich.
11
Besucherzentrum Mathildenhöhe10
Besucherzentrum Mathildenhöhe
2.4 Verkehrliche Erschließung der Mathildenhöhe
Die Erschließung der Mathildenhöhe wird sowohl über die
Hauptverkehrswege als auch über die Fußwege organi-
siert. Aus nördlicher Richtung erfolgt die Erschließung über
den Lucasweg. Von Osten ist die Mathildenhöhe über den
Olbrichweg angebunden. Dieser wird durch erste zeitge -
schichtliche Gebäude begleitet, der unmittelbare „Zutritt“
erfolgt zwischen Ernst-Ludwig-Haus und Ausstellungsge -
bäude. Untergeordnet ist die Mathildenhöhe auch über den
Süden (Eugen-Bracht Weg) angebunden. Hier befindet sich
die Bushaltestelle „Woog“. Die wichtigste Erschließung
erfolgt von Westen her als fußläufige Verbindung über die
Erich-Ollenhauer-Promenade vom Darmstädter Schloss aus.
Am „Darmstadtium“ befindet sich eine zentrale Bushalte-
stelle „Kongresszentrum“. Der „Zutritt“ zur Mathildenhöhe
erfolgt über den Nikolaiweg durch die Grünanlage und wird
durch den „Neufert-Bau“ (ehem. Ledigenwohnheim) betont.
Pufferzone
Schuttlebus
Olbrichweg
Eugen Bracht Weg
Erich-Ollenhauer Promenade
Nikolaiweg
In Bezug zum Shuttlebus / ÖPNV ist der Standort sowohl
über die Bushaltestellen „Mathildenhöhe“ im Norden als
auch über die „Elisabethenstift/Woog“ Haltestelle im Sü -
den. angebunden. Ebenfalls befindet sich im Südosten der
Ostbahnhof, der in fünfminütiger Entfernung erreichbar ist.
Damit ist der Standort ebenfalls gut an das überregionale
Fernverkehrnetz angebunden.
Gemäß des Mobilitätskonzepts des Büros Stete ist vorgese-
hen, dass Reisebusse zukünftig ausschließlich am Ostbahn -
hof halten und hier der Umstieg in einen Shuttle-Bus möglich
ist bzw. die Gäste die Mathildenhöhe auch zu Fuß erreichen.
Die in der Abbildung hervorgehobenen gelben Punkte mar -
kieren die Haltestellen des Shuttlebusses.
Der ruhende Verkehr wird über die Tiefgaragen und Park -
häuser organisiert. Diese sind besonders in unmittelbarer
Nähe zum Kongresszentrum Darmstadtium zu finden. Zudem
befinden sich an der Shutellbushaltestelle (Jugendstilbad)
ebenfalls Parkplätze.
2.3 Freiraumstruktur
Zu einem großen Anteil besteht der Freiraum im Plangebiet
aus nicht versiegelten Flächen. Hierbei hebt sich besonders
der Platanenhain hervor, der zur Ausstellung 1914 angelegt
wurde und bis heute erhalten ist. Darüber hinaus finden sich in-
nerhalb des Plangebietes unterschiedliche Sitzmöglichkeiten
sowie wegebegleitende Grünraumstrukturen. Das Wasserbe-
cken an der Jüdisch Orthodoxen Kirche markiert ein weitere
Freiraumqualität, die sich im Zentrum des Gebietes befindet.
Darüber hinaus ist der Osthang von einer wild gewachsenen
Gehölzstruktur bestimmt, die teils von der Hochschule für
Projekte genutzt wird.
Plantanen-Hain
Wasserbecken
Begrünter Freiraum
Begrünter Freiraum
Osthang
Lucasweg
Olbrichweg
Olbrichweg
Nikolaiweg
Bauhausweg
Alexanderweg
Erbacherstraße
Freiraumstruktur ohne Maßstab (Quelle: Stadt Darmstadt, ANP) Erschließung der Mathildenhöhe, ohne Maßstab (Quelle: Stadt Darmstadt, ANP)
Plantanenhain (Quelle: Künstlerkolonie Mathildenhöhe.de)
13
Besucherzentrum Mathildenhöhe12
Besucherzentrum Mathildenhöhe
2.5 Planungsrecht
Flächennutzungsplan
Im rechtskräftigen Flächennutzungsplan (FNP) der Stadt
Darmstadt aus dem Jahr 2006 werden die Flächen des Plan-
gebietes in drei Nutzungsgebiete eingeteilt. Der östliche
Bereich wird als Gemeindebedarfsfläche (Rot) dargestellt.
Der Osthang wird in diesen Zusammenhang für kulturelle
Einrichtung bestimmt. Westlich der Gemeinbedarfsfläche
sind die Freiflächen der Mathildenhöhe mit dem Planta-
nenhain und den angrenzenden Parkflächen als Grünfläche
dargestellt. Sie sind auch als überörtliche Grünverbindung
markiert. Südlich der Grünflächen schließen sich die Wohn-
bauflächen mit der Villenbebauung des Südhangs an.
Auszug aus dem FNP der Stadt Darmstadt (Stand:2005, Quelle:Stadt Darmstadt)
Auszug aus der Legende des FNP der Stadt Darmstadt (Stand:2005, Quelle: Stadt
Darmstadt)
Lage der Bebaungspläne zum Plangebiet (Quelle: Stadt Darmstadt, ANP)
Bebauungspläne
Im rechtskräftigen Bebauungsplan O 13 - Mathildenhöhe Ost
- der Stadt Darmstadt aus dem Jahr 1974 wurde für den Teil-
bereich des Plangebiets nördlich des Olbrichweg (Osthang)
folgende Festsetzungen für die Art der baulichen Nutzung
getroffen.
• Baugrundstücke für den Gemeindebedarf (Fachhoch-
schule)
• Baugrundstücke für besondere baulichen Anlagen, die
privatwirtschaftlichen Zwecke dienen (Hotel)
Die dem Bebauungsplan zugrunde liegende Planung für ein
Hotel wurde nicht realisiert.
Im Weiteren liegt für den südlichen Bereich der rechtskräfti-
ge Bebauungsplan O 17 Mathildenhöhe Süd - aus dem Jahr
2015 vor (siehe untere Abbildung). Die bauliche Nutzung
wurde als „allgemeines Wohngebiet“ festgesetzt. Südlich
der Jüdisch Orthodoxen Kirche wurde der Freiraum als „öf -
fentliche Grünflächen“ festgesetzt, die über öffentliche Fuß-
wege erschlossen wird und in die Künstlerkolonie führt. Die
öffentliche Straßenverkehrsflächen gehen in Richtung der
Künstlerkolonie in verkehrsberuhigte Bereiche (gelb gestri -
chelte Linie) über.
Auszug aus dem Bebauungsplan O 27
Auszug aus dem Bebauungsplan O 13 - Mathildenhöhe Ost -
(Quelle.Stadt Darmstadt)
Für den weiteren Bereich im Plangebiet zwischen Platanen-
hain und Russisch-Orthodoxen Kirche liegt der rechtskräftige
Fluchtlinienplan Nr. 161 von 1954 vor.
B-Plan O 27
- Mathildenhöhe Süd -
B-Plan O13
- Mathildenhöhe Ost -
14
Besucherzentrum Mathildenhöhe14
15
Besucherzentrum Mathildenhöhe
3. RAUM- UND FUNKTIONSPROGRAMM
17
Besucherzentrum Mathildenhöhe16
Besucherzentrum Mathildenhöhe
3. Raum- und Funktionsprogramm
Anhand der zukünftigen Aufgaben des Besucherzentrums
lassen sich die spezifischen Standortanforderungen ablei-
ten.
Das Besucherzentrum soll folgende Aufgaben übernehmen
(siehe ebenfalls untere Abbildung):
• Information über das UNESCO-Weltkulturerbe (ergän-
zend zum Ausstellungkonzept des Museum Mathilden-
höhe)
• (Erste) Anlaufstelle für Besucher der Mathildenhöhe
• Gastronomisches Angebot
• Shop/Kasse (Souvenirs)
• Service (Toiletten/Garderobe/Schließfächer)
• Treffpunkt für Führungen
• Ergänzend: Veranstaltungsflächen/Kultur
Daraus ergeben sich folgende Standortanforderungen:
• Lage an den „Zugängen“ zur Mathildenhöhe oder an
zentraler Stelle
• Interessante Aus- und Einblicke / hohe Aufenthaltsqua-
lität, zentrale Lage
• Lage an den „Zugängen“ bzw. an zentraler Stelle
• Lage an den „Zugängen“ bzw. an „Startpunkten“ von
Führungen
• Synergien zu vorhandenen Kulturnutzungen/Angeboten
nutzen
Ausstellungs- und Informationsbereich 200 m²
unmittelbare Anbindung an Halle / Lounge
Verwaltung 60 m²
Büro
Sozialraum
Erste Hilfe
WC
Lage oberhalb/unterhalb
Eingangsebene möglich
Seminarraum
teilbar 100 m²
unmittelbare Anbindung
an Halle / Lounge
Synergien / Überlagerung möglich
--> Flächenreduktion
Synergien / Überlagerung möglich
--> Flächenreduktion
Halle / Lounge 100-200 m²
Technik 50 m²
konzeptabhängig
von außen nicht sichtbar
Lage oberhalb/unterhalb
Eingangsebene möglich
Bistro, 50 Sitzplätze
Gastraum, Nebenräume, Küche 200 m²
Anbindung an Halle / Lounge
Lage oberhalb/unterhalb Eingangsebene möglich
WC öffentlich 60 m²
nahe Eingang,
Anbindung an Halle / Lounge
Lage oberhalb/unterhalb
Eingangsebene möglich
BESUCHERINFRASTRUKTURggf. Auslagerung in andere Gebäude möglich | eigenständiger Betrieb?
ggf. Auslagerung in andere Gebäude möglich
Garderobe /
Schließfächer 50 m²
nahe Eingang,
Anbindung an Halle /
Lounge
Lage oberhalb/unterhalb
Eingangsebene möglich
BESUCHERZENTRUM
Windf.
10 m²
Eingang
Ausstellungs- und Informationsbereich 2.000-5.000 m²
Verbindung mit Besucherzentrum möglich
ERGÄNZENDE KULTURELLE EINRICHTUNGEN
Synergien / Überlagerung möglich
--> Flächenreduktion
| M 1 : 200
Schulung Martin
TB 500 I Stand : 17.02.2017
Funktionsschema Besucherzentrum (Quelle: ANP)
Raumprogramm Besucherzentrum (Quelle: ANP)
18
Besucherzentrum Mathildenhöhe18
19
Besucherzentrum Mathildenhöhe
4. STANDORTUNTERSUCHUNG FÜR DAS
BESUCHERZENTRUM
21
Besucherzentrum Mathildenhöhe20
Besucherzentrum Mathildenhöhe
zweipolige Lösung
einpolige Lösung
4.1 Grundsätzliche Standortüberlegung
Ausgehend von der Analyse des Standortes und den beiden
Hauptzugängen von Westen und Osten sind zwei grundsätz-
liche Standortlösungen denkbar:
Die Errichtung eines Besucherzentrums an zentraler Stelle
oder die Errichtung von zwei Besucherzentren an den jeweili-
gen Zugangsbereichen (zweipolige Lösung). Bei der Betrach-
tung von anderen Welterbestätten in Deutschland dominiert
vor allem das zentrale Besucherzentrum (z.B. Regensburg,
Hildesheim). Zweipolige Lösungen wurden hingegen in Kas-
sel (Bergpark) und Potsdam (Park Sanssouci) gewählt.
Aus der Diskussion dieser beiden grundsätzlichen Überle -
gungen lassen sich folgende Vor- und Nachteile ableiten:
Zentrales Besucherzentrum
• eine zentrale, eindeutig zugeordnete Anlaufstelle
• Bündelung von Personal und Kosten
Zwei Besucherzentren an den beiden Zugängen
• Empfang der Gäste an beiden Zugängen möglich
• dezentrale Lage von Service-Einrichtungen (Toiletten/
Gastronomie)
• „doppelter“ Personaleinsatz / höhere Erstellungs- und
Betriebskosten
Die Abwägung der Vor- und Nachteile führte zur Entschei -
dung für ein zentrales Besucherzentrum.
Quelle: Stadt Darmstadt, ANPQuelle: Stadt Darmstadt, ANP
23
Besucherzentrum Mathildenhöhe22
Besucherzentrum Mathildenhöhe
Nordhang
Osthang
Ernst-Ludwig-Haus
ehem. Haus Christiansen
Ostbahnhof
Neufert-Bau/Promenade
1
2
3
4
5
6
4.2 Standortwahl
Aufbauend auf den Überlegungen zu den Standortanforde -
rungen wurden sechs mögliche Standorte für das Besucher-
zentrum identifiziert. Die Analyse der Standorte erfolgt hin-
sichtlich folgender Aspekte:
• Historischer Bezug
• Standort/Erschließung
• Grundfläche/Geschossigkeit
• Eigentumssituation
• aktuelle Nutzung
Anschließend mündete dies in einer Bewertung des jeweili-
gen Standorts. Die Abbdilungen geben einen Überblick über
die untersuchten Standorte für das Besucherzentrum:
Künstelhäuser Ausschluss
Im Vorfeld wurden auch die historischen, in städtischem
Besitz befindlichen Künstlerhäuser (Großes Haus Glückert,
Haus Olbrich und Haus Deiters) auf ihre mögliche Eignung
für ein Besucherzentrum untersucht.
In Bezug auf das geforderte Raumprogramm, die notwendi -
ge Barrierefreiheit und die besonderen Anforderungen des
Denkmalschutzes im Hinblick auf die Welterbestätte wurden
die Künstlerhäuser wegen fehlender Eignung jedoch ausge -
schlossen.
Auch sollen die bestehenden kulturellen Nutzungen in den
Häusern erhalten werden (Dt. Akademie für Sprache und
Dichtung).
Die sechs Standorte im Überblick
Standort 1 / Ernst Ludwig Haus (Quelle:ANP)
Standort 3 / Nordhang / Parkierungsfläche (Quelle:ANP)
Standort 5 / Neufert Bau - Promenade / Wohnraum (Quelle:ANP)
Standort 6 / Osthang / Bushaltestelle & Parkflächen (Quelle:ANP)
Standort 4 / Osthang /Freifläche / Temporäre Nutzungen (Quelle:ANP)
Standort 2 / ehem. Haus Chrisiansen / Freifläche (Quelle:ANP)
Verortung potentieller Standorte (Quelle: Stadt Darmstadt, ANP)
25
Besucherzentrum Mathildenhöhe24
Besucherzentrum Mathildenhöhe
Standort 1 | Umnutzung Ernst-Ludwig-Haus
Das Museum Künstlerkolonie befindet sich am Kreuzungs-
punkt Bauhausweg, Olbrichweg sowie Mathildenhöhweg
und am zentralen Zugang zur Mathildenhöhe
Historischer Bezug:
Das Ernst-Ludwig-Haus wurde 1900-1901 als Ateliergebäu -
de von J. M. Olbrich konzipiert und umfasst ursprünglich
acht Atelierräume sowie einen Festsaal im Erdgeschoss
ergänzt durch Büro- und Nebenräume im Kellergeschoss.
1904 wurde ein Anbau mit Bildhauerateliers und Apsis an
der Nordfassade ergänzt.
Standort/Erschließung
Das Bestandsgebäude befindet sich am süd-östlichen Zu-
gang zur Mathildenhöhe. Das Gebäude ist barrierefrei er -
reichbar, jedoch im Inneren nur im Erdgeschoss barrierefrei
erschlossen.
Standort 1: Umnutzung Museum Mathildenhöhe (Quelle: Stadt Darmstadt, ANP)
Grundfläche/Geschossfläche:
Das Gebäude verfügt über eine Grundfläche von ca. 850 m²
und ca. 1.700 m² Geschossfläche, davon die Hälfe im Keller-
geschoss.
Eigentumssituation:
Das Gebäude befindet sich im Eigentum der Stadt Darmstadt.
Aktuelle Nutzung:
Das Gebäude wird durch das Museum Künstlerkolo-
nie genutzt. Neben einer Dauerausstellung zur Ge -
schichte der Mathildenhöhe im Erdgeschoss gibt es
in den Räumlichkeiten im Kellergeschoss (Bildhau -
erateliers) Flächen für wechselnde Aussstellungen.
Das Museum wird durch den Museumsshop im eingeschos-
sigen Anbau ergänzt.
Bewertungsübersicht
Umnutzung zum Besucherzentrum erfordert Umsied-
lung des Muesums Künstlerkolonie
Der Standort befindet sich am zentralen Zugang zur
Mathildenhöhe
Erweiterungsmöglichkeiten sind nicht gegeben
kleinzellige Raumstruktur ist für Besucherzentrum
wenig geeignet
+
-
Eingang Museum Künstlerkolonie (Quelle: ANP) Verortung (Quelle: Stadt Darmstadt, ANP)
Ernst-Ludwig-Haus, Nordfassade 1901 (aus Rahmenkonzeption)
Ernst-Ludwig-Haus, Südfassade (www.open-iba.de)
Ausschnitt aus dem Lageplan 1901 (aus Rahmenkonzeption)
-
-
27
Besucherzentrum Mathildenhöhe26
Besucherzentrum Mathildenhöhe
Standort 2 | Ehem. Haus Christiansen
Das ehem. Haus Christiansen befindet sich südlich des Mu-
seum „Künstlerkolonie“ und grenzt am Alexandraweg an.
Historischer Bezug:
Das Haus Christiansen war Teil der ersten Ausstellung 1901
und wurde als Pendant zum Haus Olbrich westlich der Trep-
penanlage zum Ernst-Ludwig-Haus errichtet. Es wurde im 2.
Weltkrieg zerstört und nicht wieder aufgebaut.
Standort/Erschließung:
Der Standort des ehem. Haus Christiansen befindet sich am
Alexandraweg.
Grundfläche/Geschossfläche:
Das Haus Christiansen umfasste eine Grundfläche von ca.
270 m² und ca. 670 m² Geschossfläche.
Standort 2: Ehem. Haus Christiansen (Quelle: Stadt Darmstadt, ANP)
Eigentumssituation:
Die heutige Grünfläche befindet sich im Eigentum der Stadt
Darmstadt.
Aktuelle Nutzung:
Der ehemalige Standort ist seit 1959 mit dem Ernst-Lud -
wig-Brunnen belegt. Den vom Bildhauer Karl Hartung gestal-
teten Brunnen erwarb die Stadt Darmstadt auf der Weltaus-
stellung 1958 in Büssel.
Sonstiges:
Eine Bebauung des Standorts wurde im Zusammenhang mit
dem geplanten Neubau des „Museum Sander“ diskutiert.
Hierfür wurde 2010 ein Realisierungswettbewerb ausgelobt.
Das Projekt wurde zwischenzeitlich aufgegeben.
Bewertungsübersicht
Topographie (ca. 4 m Höhenunterschied)
Lage nicht an einem der Hauptzugänge
Wiederherstellung der historischen Situation möglich
Ernst-Ludwig-Brunnen müsste versetzt werden
Wegfall von Grün- und Freiflächen
Flächenverfügbarkeit gegeben
Beschränktes Flächenangebot / nur unterirdische
Entwicklungsmöglichkeit
ggf. unterirdischer Anschluss an Ernst-Ludwig-Haus
möglich
-
Ehem. Baufeld „Haus Christiansen“ (Quelle: ANP) Verortung (Quelle: Stadt Darmstadt, ANP)
Wettbewerb Neubau Museum Sander Mathildenhöhe, 1. Preis, Schulz + Schulz
Architekten GmbH, Leipzig (Quelle: www.wettbewerbe-aktuell.de) Haus Christiansen (Quelle: www.mathildenhoehe.eu)
+
+
-
-
-
+
-
29
Besucherzentrum Mathildenhöhe28
Besucherzentrum Mathildenhöhe
Standort 3 | Nordhang
Beim sog. „Nordhang“ handelt es sich um die Platzfläche
zwischen Lucasweg und Hochschule Darmstadt.
Historischer Bezug:
Der Nordhang wurde für die Ausstellung 1908 als
Ausstellungsbereich für „Friedhofskunst“ genutzt .
Für die Ausstellung 1914 erfolgte eine Bebauung mit der
„Mietshausgruppe“.
Standort/Erschließung:
Die Platzfläche befindet sich am nördlichen Zugang zur Mat-
hildenhöhe (Lucasweg) in unmittelbarer Nähe zum Ausstel-
lungsgebäude und zum Hochzeitsturm.
Grundfläche/Geschossfläche:
Die zur Verfügung stehende Fläche umfasst 990 m².
Standort 3: Nordhang (Quelle: Stadt Darmstadt, ANP)
Eigentumssituation:
Die Platzfläche befindet sich im Eigentum der Stadt
Darmstadt.
Aktuelle Nutzung:
Die nicht befestigte Platzfläche wird aktuell als öffentlicher
Parkplatz genutzt. Hauptnutzer sind dabei Angehörige der FH
und Besucher der Mathildenhöhe. Die Platzfläche bietet heu-
te Platz für ca. 60 PKW.
Bewertungsübersicht
Topographie (ca. 2 m Höhenunterschied)
Lage am nördlichen Zugang zur Mathildenhöhe
Wegfall von Parkplätzen für die Hochschule und/
oder Besucher der Mathildenhöhe
Flächenverfügbarkeit ist gegeben
Begrenztes Flächenangebot
ungünstige Lage vom Ostbahnhof her kommend
(geplante Aufwertung der Ost-Anbindung)
+
-
-
Blick auf die als Parkplatz genutzte Freifläche von Osten (Quelle: ANP) Verortung (Quelle: Stadt Darmstadt, ANP)
Ausschnitt aus dem Ausstellungskonzept 1914 (Quelle: Stadt Darmstadt) Mietshausgruppe, Blick von Süden (www.bildindex.de)
+
-
-
Mietshausgruppe, Blick auf den Lucasweg (www.kulturfonds-frm.de)
31
Besucherzentrum Mathildenhöhe30
Besucherzentrum Mathildenhöhe
Standort 4 | Osthang
Beim sogenannten „Osthang“ handelt es sich um die Grün-
fläche zwischen Olbrichweg, Hochschule und Fiedlerweg.
Historischer Bezug:
Gegenüber dem Ausstellungsgebäude wurde für die Ausstel-
lung 1908 ein „Gebäude für angewandte Kunst“ gebaut, west-
lich davon wurde der „Garten Prof. Albin Müller“ errichtet.
Für die Ausstellung 1914 erfolgte eine Bebauung mit der
„Mietshausgruppe“ von Albin Müller. Die Gebäude wurden
im Krieg zerstört, lediglich das Atelierhaus blieb erhalten
und ist heute Teil der Hochschule Darmstadt, Fachbereich
Gestaltung.
Standort/Erschließung:
Die Grünfläche befindet sich am westlichen Zugang zur
Mathildenhöhe (Olbrichweg), teilweise in unmittelbarer
Nähe zum Ausstellungsgebäude sowie zum Museum Mat -
hildenhöhe.
Standort 4: Osthang (Quelle: Stadt Darmstadt, ANP)
Grundfläche/Geschossfläche:
Die zur Verfügung stehende Fläche umfasst etwa 6.900 m².
Eigentumssituation:
Die Grünfläche befindet sich im Eigentum der Stadt
Darmstadt.
Aktuelle Nutzung:
Die mit Bäume bestehende Grünfläche wird im westlichen
Bereich von der Hochschule Darmstadt genutzt (u.a. Zufahrt
Kellergeschoss, Trafo). Östlich anschließend findet sich die
temporäre Nutzung „Osthang Project“ (studentisches Pro-
jekt).
Sonstiges::
Im Süd-Osten (Olbrichweg/Fiedlerweg) befindet sich das
Haus Mathildenhöhe, ein 1936 von Marck Müller (Sohn von
Albin Müller) erbautes Mehrfamilienwohnhaus.
Rahmenbedingungen:
Topographie (ca. 6 m Höhenunterschied zwischen
Fiedlerstraße und Olbrichweg)
Lage am östlichen Zugang zur Mathildenhöhe,
Anbindung an die überregionale Erschließung am
Ostbahnhof
Teilweiser Verlust von Grün- und Freiflächen.
Flächengröße und -verfügbarkeit
Überschneidung mit Andienung der Hochschule
Einbindung des Ateliergartens in die städtebauliche
Entwicklung und die Besucherführung
+
-
-
Blick auf den Osthang / „Osthang Project“ (Quelle: ANP)
Verortung (Quelle: Stadt Darmstadt, ANP)
+
+
Ausschnitt aus dem Ausstellungsplan 1908 (Quelle: ???)
-
Blick auf den Olbrichweg mit der Kunstgewerbehalle (Quelle: Stadt Darmstadt)
Modell der Ausstellung 1908, Blick auf die Kunstgewerbehalle (Quelle: ANP)
Mietshausgruppe (Foto: www.kunstundfilm.de)
33
Besucherzentrum Mathildenhöhe32
Besucherzentrum Mathildenhöhe
Standort 5 | Neufert-Bau / Promenade
Von der Darmstädter Innenstadt aus erreicht man die Mathil-
denhöhe von Westen über die Erich-Ollenhauer-Promenade,
an der sich auch das „Ledigenwohnheim“ von Ernst Neufert
(erbaut 1952-55) befindet.
Historischer Bezug:
Die heutige Erich-Ollenhauer-Promenade wurde nach einem
Wettbewerb ab 1962 als neue Verbindung zur Mathildenhö-
he von der Stadt her ausgebaut. Bereits vorher wurden dafür
entsprechende Flächen freigehalten und Durchgänge ge-
schaffen, die ehemaligen Grundstücke nördlich des Nikolai-
wegs wurden nicht wieder als Baugrundstücke vorgesehen.
Mit dem Ledigenwohnheim, dass als eines von 11 „Meis -
terbauten“ 1951 im Rahmen der Ausstellung „Mensch und
Raum“, die sich auf die 1. Ausstellung 1901 berief, konzipiert
wurde, befindet sich ein wichtiges bauhistorisches Zeugnis
am der Fußgängerverbindung zur Mathildenhöhe.
Standort 5: Neufert-Bau / Erich-Ollenhauer-Promenade (Quelle: Stadt Darmstadt, ANP)
Standort/Erschließung:
Die Erich-Ollenhauer-Promenade ist fußläufige Verbindung
zwischen Innenstadt und Mathildenhöhe.
Eigentumssituation:
Die Verkehrs- und öffentlichen Freiflächen befinden sich im
Eigentum der Stadt Darmstadt. Das Ledigenwohnheim befin-
det sich überwiegend in Privateigentum.
Aktuelle Nutzung:
Das ehem. Ledigenwohnheim beinhaltet Wohnungen ver -
schiedener Größen sowie Gewerbeflächen, darunter ein
Restaurant.
Sonstiges:
Im Rahmen des Parkplegewerkes ist eine Neugestaltung der
Erich-Ollenauer-Promenade geplant.
Mathildenhöhe
Innenstadt
Bewertungsübersicht
Wichtige Fußwegeverbindung zur Mathildenhöhe und
Sichtachse, erlaubt keine großen baulichen Eingriffe
Kein mittelbarer Bezug zum „Herzstück“ der Mathil-
denhöhe
Begrenzte Flächenverfügbarkeit, kein unmittelbarer
Zugriff auf Neufert-Bau
-
-
Verortung (Quelle: ANP) Verortung (Quelle: Stadt Darmstadt, ANP)
Erich-Ollenhauer-Promenade westlich der Pfützerstraße (Quelle: ANP)
-
35
Besucherzentrum Mathildenhöhe34
Besucherzentrum Mathildenhöhe
Standort 6 | Ostbahnhof
Der Ostbahnhof wird zukünftig ein wichtiger „Ankunftsort“
für Besucher der Mathildenhöhe (ÖPNV, Busreisen) sein,
die von dort aus zu Fuß oder mittels Shuttle zum eigentli -
chen Gelände der Mathildenhöhe ihren Besuch starten.
Der Standort umfasst neben dem eigentlichen Verkehrsflä-
chen westlich des Bahnhofs auch die nördlich angrenzenden
Kleingartenflächen an den Bahngleisen .
Historischer Bezug:
Das Areal des Ostbahnhofs weist keine historischen Bezüge
zur Mathildenhöhe auf.
Standort/Erschließung:
Der Ostbahnhof als Umsteigepunkt zwischen regiona-
lem Schienenverkehr und örtlichen Buslinien ist wichti -
ger „Ankunftsort“ für Besucher. Gäste der Mathildenhö -
he können diese in ca. 10 Minuten fußläufig erreichen.
Die Flächen rund um den Ostbahnhof sind über die Erbacher
Straße und die Landgraf-Georg-Straße angebunden.
Standort 6: Ostbahnhof (Quelle: Stadt Darmstadt, ANP)
Grundfläche/Geschossfläche:
Das Areal des Ostbahnhofs umfasst ca. .7.500m².
Eigentumssituation:
Die Verkehrs- und Kleingartenflächen befinden sich im Ei-
gentum der Stadt Darmstadt.
Aktuelle Nutzung:
Das Areal westlich des Ostbahnhofs wird als Verkehrsfläche
genutzt, die Kleingärten befinden sich in privater Nutzung.
Im Bereich der Parkplatzflächen befindet sich eine Bunker -
anlage.
Sonstiges:
Eine Neuordnung der Verkehrsflächen ist geplant, aktuell
wird ein Wettbewerb vorbereitet.
Bewertungsübersicht
Keine unmittelbare Verbindung zum Areal der Mathil-
denhöhe / große Entfernung
Lage an einem wichtigen Ankunftsort (Regionalbahn /
Bus)
Flächenverfügbarkeit gegeben
Ausreichendes Flächenangebot mit Entwicklungsmög-
lichkeit
ggf. Aufgabe der Kleingartenflächen erforderlich
Verlust von Grün- und Freiflächen im Zuge der geplan-
ten Aufwertung der Ostanbindung
-
Verkehrsfläche Ostbahnhof, Blick von Norden (Quelle: ANP) Verortung (Quelle: Stadt Darmstadt, ANP)
+
+
+
-
-
36
Besucherzentrum Mathildenhöhe36
37
Besucherzentrum Mathildenhöhe
Gebäude durch das Museum Künsterkolonie belegt. Bei ei -
ner Verlagerung würden sich keine besonderen Vorteile er -
geben.
Die Standortalternative ehem. Haus Christiansen (2) wird
aufgrund funktionaler Mängel, einem nicht hinreichendem
Raumangebot und denkmalpflegerischer Gründe (Verlust der
denkmalgeschützten Brunnenanlage und Grünanlage) ver -
worfen.
Somit verbleiben die beiden Standorte Nord- und Osthang
(3), (4), die grundsätzlich als geeignet angesehen werden.
Nachfolgend werden die spezifischen Parameter der beiden
Flächen näher betrachtet.
4.3 Standortauswahl
Ausgehend von den untersuchten Standorten wurden in Ab-
stimmung mit der Stadt Darmstadt die beiden Standorte Ost-
bahnhof (6) und Neufert-Bau / Promenade (5) ausgeschieden,
da sie nur bei einer zweipoligen Lösung (vgl. Grundsätzliche
Standortüberlegungen) überzeugen könnten.
Der Standort Ernst-Ludwig-Haus (1) ist ebenfalls ausgeschie-
den, da das Gebäude aufgrund seiner Größe nur bedingt für
ein Besucherzentrum geeignet wäre. Darüber hinaus ist das
Thema Standort 1
Ernst-Ludwig-Haus
Standort 2
Ehem. Haus
Christiansen
Standort 3
Nordhang
Standort 4
Osthang
Standort 5
Neufert-Bau
Promenade
Standort 6
Ostbahnhof
Lage Ist das zentrale Gebäude
der ersten Ausstellung
1901 („Tempel der
Arbeit“)
Liegt an der
ehem. Gar-
tenachse im
Zentrum des
Ursprungsen-
sembles
Liegt am nördli-
chen Zugang zur
Mathildenhöhe
Liegt am östlichen
Zugang zur Mat-
hildenhöh
Kein unmittel-
barer Bezug zur
Mathildenhöhe
Keine unmittelbare
Verbindung zum
Areal der Mathil-
denhöhe
Nutzung Museum Künstlerkolonie Grün- und
Freifläche mit
Brunnenanlage
Ruhender Verkehr Temporäre
Bespielung des
Freiraumes durch
die Hochschule
Wohnraum
Gastronomie
Verkehrsfläche und
Kleingärten
Eigentümer Stadt Darmstadt Stadt Darmstadt Stadt Darmstadt Stadt Darmstadt Überwiegend
Privateigentum
Stadt Darmstadt
Bedenken Keine Erweiterungsmög-
lichkeiten
Wegfall der Grün
und Freiflächen
Begrenztes Flä-
chenangebot
Überschneidung
mit Andienung der
Hochschule
Begrenzte
Flächenverfüg-
barkeit, kein
unmittelbarer
Zugriff auf Neu-
fert Bau
Große Entfernung
sowie Entfall
von potentiellen
Freiflächen (jetzt
Kleingärten)
Verortung der Vertiefungsräume (Quelle: Stadt Darmstadt, ANP)
5. VERTIEFENDE STANDORTUNTERSUCHUNG
NORD- UND OSTHANG
39
Besucherzentrum Mathildenhöhe38
Besucherzentrum Mathildenhöhe
Luftbild mit Vorzugsstandorten (Quelle: Stadt Darmstadt, ANP)
Historische Betrachtung der identifizierten Standorte
Die beiden verbliebenen Standorte wurden im Hinblick auf
die Ausstellungen der Mathildenhöhe im Wesentlichen von
zwei Zeitschichten berührt.
Zum einen durch die Ausstellung von 1908, als Gegenüber
dem Ausstellungsgebäude u.a. das Ausstellungsgebäude
für angewandte Kunst errichtet wurde und zum anderen die
Ausstellung von 1914, als dieses durch die Mietshausgruppe
ersetzt worden ist.
Das am Nordhang errichtete Gebäude für Zwecke der Fried-
hofkunst wurde ebenfalls durch die Miethausgruppen er-
setzt.
41
Besucherzentrum Mathildenhöhe40
Besucherzentrum Mathildenhöhe
ZEITSCHICHT 1: AUSSTELLUNG 1908 ZEITSCHICHT 2: AUSSTELLUNG 1914
Gebäude für
angewandte Kunst
Architekturgebäude
Olbrichweg
Bauhausweg
Alexandraweg
Haus Christiansen
Friedhofskunst
Garten Prof. Müller
Lucasweg
Olbrichweg
Mietshausgruppe
Haus Christiansen
Garten vor Ateliergebäude Albin Müller
Vorgärten Mietshausgruppe
Lucasweg
Olbrichweg
Bauhausweg
Olbrichweg
Alexandraweg
Quelle: Stadt Darmstadt, ANP Quelle: Stadt Darmstadt, ANP
43
Besucherzentrum Mathildenhöhe42
Besucherzentrum Mathildenhöhe
Lucasweg
Olbrichweg
Bauhausweg
Olbrichweg
Olbrichweg
Alexandraweg
Ein- / Ausfahrt
Osthang
Nordhang
Abstandsflächen h_da
auf eigenem Grundstück
Abstandsflächen h_da
auf städtischem Grund Trafo Eingang/(Not)Ausgang
Abstandsflächen und sonstige Restriktionen (Quelle: Stadt Darmstadt, ANP)
Überlagerung Bebauung 1908, Bebauung 1914 sowie heutige Restriktionen mit Ableitung möglicher Baufluchten
Lucasweg
Olbrichweg
Bauhausweg
Olbrichweg
Olbrichweg
Alexandraweg
Ein- / Ausfahrt FH
Osthang
Nordhang
15m
Norhang: Schnitt Lucasweg (Nordhang) mit Ableitung der Gebäudehöhe
Osthang: Schnitt Olbrichweg (Osthang) mit Ableitung der Gebäudehöhe
BETRACHTUNG ABSTANDSFLÄCHEN BAUFLUCHTEN + HÖHEN
45
Besucherzentrum Mathildenhöhe44
Besucherzentrum Mathildenhöhe
Lucasweg
Olbrichweg
mögliche weitere Bebauung
Bauhausweg
Olbrichweg
Olbrichweg
Alexandraweg
15m
Ableitung von Baufeldern, Baufluchten und Wegeverbindungen (Quelle: Stadt Darmstadt, ANP)
In der Überlegung der Standortwahl für das Besucherzent -
rum sprachen sowohl das begrenzte Raumangebot als auch
die eingeschränkten Entwicklungsmöglichkeiten gegen die
Wahl des Nordhangs, so dass dieser als ungeeinget bewer-
tet wurde. Im Gegensatz dazu birgt der Osthang große Po -
tenziale. Er bietet ausreichend Platz für ein Besucherzentrum
sowie eine optimale Anbindung an den überregionalen Ver -
kehr und ÖPNV (Nähe Ostbahnhof). Zudem liegt er an zentra-
ler Stelle innerhalb der Mathildenhöhe. Neben der Nutzung
als Ausstellungsraum wird ebenfalls Gastronomie und eine
Informationshalle angestrebt. Darüber hinaus ist angedacht,
östlich des Besucherzentrums weitere kulturelle Nutzungen
anzusiedeln. Damit nimmt der Ansatz auf die gegenwärtige
Situation Bezug, denn Teilbereiche der Grünfläche am Ost-
hang werden von der Hochschule genutzt. Zu nennen sei das
„Osthang Project“ (studentisches Projekt). Die so genannte
Arrondierungsfläche kann je nach Anforderung flexibel mit
weiteren Einrichtungen kultureller Art oder zur Schaffung
von Wohnraum dienen.
Aufbauend auf der konzeptionellen Flächenaufteilung wurde
die Wegeverknüpfung zwischen Olbrichweg und Hoetger -
weg vorgenommen.
Abschließend fasst die untere Abbildung die Leitideen des
Konzeptes zusammen.
Lucasweg
Olbrichweg
Bauhausweg
Olbrichweg
Lucasweg
Olbrichweg
Bauhausweg
Olbrichweg
Flexible Aufteilung
Flexible Aufteilung
Besucherzentrum
Ergänzende Nutzung
Kulturelle Nutzung Arrondierungs/f_läche
Spiel/f_läche
Lucasweg
Olbrichweg
Bauhausweg
Olbrichweg
Besucherzentrum
_Kreuzungspunkt aus verschiedenen wichtigen
Wegeverbindungen
_ Ausstellung/Gastro/Service
Arrondierungsfläche
_ Ergänzende (kulturelle) Einrichtunen/Wohnen
_Ensemblebildung mit Haus Mathildenhöhe
_ Tiefgarage
Erweiterte Nutzung
_ Abschluss des Ensemlbes nach Norden
durch Solitär
_ Nutzung durch Hochschule, Museumpäd.
Zentrum o.ä.
_ Synergien aus den Nutzungen Hochzeit-
stum/Ausstellung/Hochschule
_Tiefgarage
Kulturelle Nutzung
_ Ausstellungsflächen / Veranstaltungsraum/
Museale Nutzung
Ergänzend zum Besucherzentrum
Flexible Aufteilung
Flexible Aufteilung
Besucherzentrum
Ergänzende Nutzung
Kulturelle Nutzung Arrondierungs/f_läche
Spiel/f_läche
Nutzungsverteilung Schritt 1 (Quelle: Stadt Darmstadt, ANP)
Nutzungsverteilung Schritt 2 (Quelle: Stadt Darmstadt, ANP)
Nutzungsverteilung Schritt 3 (Quelle: Stadt Darmstadt, ANP)
VORZUGSSTANDORT OSTHANG
47
Besucherzentrum Mathildenhöhe
Die neue städtebauliche Struktur führt zu einer engmaschi -
gen Vernetzung untereinander und mit den umgebenden
Straßen und Wegen (Lucasweg, Hoetgerweg, Fiedlerweg,
Olbrichweg). Ferner obliegt den Varianten die Grundhaltung,
das Plateau des Besucherzentrums als teppichartigen und
autofreien Stadtraum zu begreifen, dessen durchgehende
Oberflächengestaltung trotz teilweise enger Straßenflucht-
Großzügigkeit vermitteln kann. Die Gebäudehöhe variiert
zwischen zwei bis drei Geschossen. Im Weiteren werden
durch die zwei Tiefgaragen der ruhende Verkehr abgewi-
ckelt, die sich bei der Arrondierungsfläche (35 Stp.) und am
Nordhang (23 Stp.) befinden.
Leitideen der räumlichen Varianten
Die nachfolgenden räumlichen Varianten zeigen die aus den
Voruntersuchungen abgeleitete flächen- und höhenmäßig
städtebaulich vertretbare maximale Ausnutzung. Somit sind
die Varianten als Massenmodelle zu verstehen. Eine we -
sentliche Stärke in den Varianten liegt in der Herausbildung
kleiner Plätze, die in Abhängigkeit von ihrer Lage differen-
zierte Funktionen aufweisen. Die Arbeitstitel für die neu ent-
stehenden Orte sind.
• Bernhard-Hoetger-Platz im Norden aufgrund des An-
schlusses an den Hoetgerweg, universitäre Nutzungen,
Hochzeitsfeiern etc. möglich
• Forum Mathildenhöhe im Süden des Plateaus am Kreu-
zungspunkt; Zentraler Treffpunkt
• Albinmüller-Hof als ruhiger Rückzugsort, von dem aus
sowohl das neue Besucherzentrum, der wiederbelebte
Albinmüller-Garten als auch die kulturellen Einrichtun-
gen bzw. Museen erschlossen werden können.
6. STÄDTEBAULICHE MASSENSTUDIE
48
Besucherzentrum Mathildenhöhe48
49
Besucherzentrum Mathildenhöhe
VARIANTE 1: „BESUCHERZENTRUM XL“
Hoetgerplatz
Albin-Müller-Hof
Forum Mathildenhöhe
Lageplan Variante 1
Olbrichweg
Olbrichweg
Fiedlerweg
Hochschule Darmstadt
Ausstellungsgebäude
Hochzeitsturm
Russ. Kapelle
Atelierhaus
169 m ü. NN
176 m ü. NN
Schnitt Olbrichweg Variante 1
Perspektive Variante 1
Nutzungsverteilung Variante 1
Besucherzentrum
* Ausstellung/Gastro/Service
* 2- bzw . 3-geschossig
* ca. 1.950 qm BGF
Kulturelle Nutzung
* 2-geschossig
* ca. 2.100 qm BGF + 1.000 qm UG
Arrondierung
* Institute/Büro/Verwaltung/Wohnen
* ca. 3.100 qm Grundstücksfläche
* ca. 1.850 qm BGF + 270 qm Bestand
* T iefgarage mit ca. 35 Stp.
Ergänzende Nutzung
* ca. 980 qm BGF
* Nutzung durch Hochschule, Museumspäd. Zentrum o.ä.
* Tiefgarage mit 23 Stellplätzen ( +7 )
50
Besucherzentrum Mathildenhöhe50
51
Besucherzentrum Mathildenhöhe
VARIANTE 2: „BESUCHERZENTRUM MEDIUM“
Hoetgerplatz
Albin-Müller-Hof
Forum Mathildenhöhe
Lageplan Variante 2
Olbrichweg
Olbrichweg
Fiedlerweg
Hochschule Darmstadt
Ausstellungsgebäude
Hochzeitsturm
Russ. Kapelle
Atelierhaus
169 m ü. NN
176 m ü. NN
Schnitt Olbrichweg Variante 2
Perspektive Variante 2
Nutzungsverteilung Variante 2
Besucherzentrum
* Ausstellung/Gastro/Service
* 2-geschossig
* ca. 1.200 qm BGF
Kulturelle Nutzung
* 2-geschossig
* ca. 1.800 qm BGF + 900 qm UG
Arrondierung
* Institute/Büro/Verwaltung/Wohnen
* ca. 3.600 qm Grundstücksfläche
* ca. 2.600 qm BGF + 270 qm Bestand
* T iefgarage mit ca. 45 Stp.
Ergänzende Nutzung
* ca. 980 qm BGF
* Nutzung durch Hochschule, Museumspäd. Zentrum o.ä.
* Tiefgarage mit 23 Stellplätzen ( +7 )
52
Besucherzentrum Mathildenhöhe52
53
Besucherzentrum Mathildenhöhe
7. PROZESS
Die Errichtung eines Besucherzentrums wurde im Rahmen der Bewerbung im Managementplan (Management Plan) festge -
schrieben und ist mit Eintragung der „Mathildenhöhe Darmstadt“ in die Liste der Welterbestätten Teil der vertraglichen Bindung
gegenüber dem Welterbekomitee. Hinsichtlich der Umsetzung des Managementplans steht sie gegenüber dem UNESCO-Wel-
terbekomitee und seinem Beratergremium in der Berichtspflicht, die Welterbeverträglichkeit und Umsetzung der Vorhaben des
Managementplans sind entsprechend sicherzustellen und nachzuweisen.
Die hier dokumentierte Herleitung und Auswahl des Osthangs als Standort für das Besucherzentrum bildet als Teil des Master-
planprozesses die Grundlage für die politische Entscheidung der Standortauswahl. Der Architektenwettbewerb für das Besu -
cherzentrum baut ebenfalls auf den hier gewonnenen Erkenntnissen auf.
2017 wurden der Bürgerschaft die Inhalte der Standortstudie erläutert - der Prozess umfasst eine stetige Anpassung der Pla -
nung im Zuge der Klärung aller Rahmenbedingungen und Nutzungsvorstellungen, insbesondere der folgenden Aspekte:
• Lage des geplanten Besucherzentrums in Bezug auf die Welterbestätte wie auch zu anderen relevanten Rahmenbedingungen
(Erreichbarkeit des Standortes [ÖPNV], Lenkung Besuchendenverkehr, Touristinformation),
• Abwägung zentrales Informationszentrum versus mehrere Einheiten,
• Eigenständiges Informationszentrum versus Integration in bestehende Einrichtungen.
Im Vergleich der alternativen Standorte zeigte sich deutlich, dass eine nachhaltige und im vollen Umfang den Anforderungen
entsprechende Umsetzung nur auf dem Areal des Osthangs darstellbar ist.
Alle Ergebnisse der Studie sind in den Managementplan und in die Leistungsbeschreibung zum Wettbewerb übernommen
sowie der Öffentlichkeit präsentiert und zugänglich gemacht worden. Der Standort am Osthang wurde zudem per städtischem
Beschluss der Wissenschaftsstadt Darmstadt legitimiert.
54
Besucherzentrum Mathildenhöhe54
55
Besucherzentrum Mathildenhöhe
8. ANLAGEN
- Präsentation Bürgerbeteiligung
- Plakate Bürgerbeteiligung
- Dokumentation Bürgerbeteiligung
anlage 9
52099 Zeichen
- 2 -
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
17.08.2026
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat I an die Stadtverordnete nversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Dezernat VI
Amt: Dezernat I
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
I 41 45
VI 61
Stvv
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2026/0100
Magistratsbeschluss -Nr.
266
Internetfähig
Produkt-Nr.:
Kostenstelle: Investitionsnummer:
Kostenträger: Sachkonto:
Betreff: Veröffentlichung des Masterplans mit Standortuntersuchung "Informationszentrum
Welterbe Mathildenhöhe" der ANP Architektur - und Planungsgesellschaft mbH;
interimistische Einstellung der Planungs - und Umsetzungsarbeiten sowie Einrichtung
eines befristeten Moratoriums
Vorlage vom: 17.08.2026
Kenntnisnahme:
1. Das Gutachten „Masterplan mit Standortuntersuchung Informationszentrum Welterbe
Mathildenhöhe“ der ANP Architektur - und Planungsgesellschaft mbH wird veröffentlicht
und als Grundlage für die weitere politische und fachliche Beratung zur Ken ntnis
genommen.
2. Es wird zur Kenntnis genommen, dass die weitere Debatte über die Welterbevermittlung
und über einen möglichen Neubau eines Informationszentrums auf einer transparenten,
fachlich belastbaren und konzeptionell konsolidierten Grundlage neu zu führen ist. Aus
- 3 -
den UNESCO-Anforderungen folgt keine pauschale Verpflichtung zum Bau eines
bestimmten Besucher - oder Informationszentrums.
Maßgeblich sind die qualitätsgesicherte Vermittlung des außergewöhnlichen universellen
Werts, geeignete Bildungs - und Informationsangebote, Schutzbewusstsein,
Besuchslenkung sowie ein tragfähiges Management der Welterbestätte.
3. Die laufenden Planungs - und Umsetzungsarbeiten für den Neubau eines
Informationszentrums werden mit sofortiger Wirkung interimistisch eingestellt . Zugleich
wird ein zeitlich befristetes Moratorium eingerichtet. Es dient der Neubewertung des
Gesamtvorhabens vor dem Hintergrund erheblicher Kostensteigerungen, veränderter
strategischer Prioritäten, offener konzeptioneller Grundlagen und des Erforderni sses einer
risikominimierenden Gesamtsteuerung.
Anlagen: 1. Gutachten
2. Präsentation Bürgerveranstaltung
3. Beschluss Neubau EB Kulturinstitute
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
Zusätzlich für alle Vorlagen aus dem Bereich des Hochbaus anzugeben:
Klimarelevanz des Vorhabens:
Auswirkungen auf Stadtklima: ja nein
Auswirkungen auf THG -Emissionen: gering1) mittel/groß 2)
Beteiligung Amt f. Klimaschutz & Klimaanpassung: ja nein
Zusätzlich bei Beschlüssen zur Baufreigabe:
Wurden Optimierungspotentiale ausgeschöpft? ja nein
Falls nein, Kompensationsmaßnahmen festgelegt? ja nein
1) bis 10 Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente (CO2e) pro Jahr, 2) über 10 Tonnen CO2e pro Jahr.
Beschluss des Magistrats vom 19.08.2026
Der Magistrat nimmt von der Vorlage Kenntnis.
- 4 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 17.08.2026
1. Anlass der Vorlage
Die vorliegende Magistratsvorlage dient dazu, die bisherige Entscheidungsgrundlage für den
Neubau eines Informationszentrums auf der Mathildenhöhe transparent zu machen und
fachlich neu zu bewerten.
Im Zuge verwaltungsinterner Recherchen wurde festgestellt, dass der innerhalb von wenigen
Monaten (Dezember 2016 bis Ende Januar 2017) erarbeitete Masterplan einschließlich
Standortuntersuchung bis 2025 nicht als abgeschlossene und nachvollziehbare
Gesamtdokumentation vorlag. Dies machte eine vertiefte Aufarbeitung der vorhandenen
Unterlagen, Präsentationen, Beschlüsse, fachlichen Hinweise und verwaltungsinternen
Erkenntnisse erforderlich.
Die Vorlage fasst den derzeit nachvollziehbaren Erkenntnisstand zusammen. Aufgrund
lückenhafter und teilweise nicht abschließend dokumentierter Akten kann sie keinen
Anspruch auf vollständige Rekonstruktion aller Einzelaspekte erheben. Ziel ist vielmehr, die
bisherige Projektentwicklung so weit aufzuarbeiten, dass die anstehende Debatte auf einer
belastbareren Grundlage geführt werden kann.
2. Ziel der Vorlage
Ziel der Vorlage is t es, die bisherige Entwicklung des Projekts nachvollziehbar darzustellen,
fachliche Anforderungen von politischen und planerischen Setzungen zu trennen, die
wesentlichen Risiken und offenen Fragen zu benennen, und die Grundlage für eine
Neubewertung des V orhabens „Neubau eines Informationszentrums“ zu schaffen.
Die Vorlage zielt nicht darauf ab, ein Informationszentrum grundsätzlich auszuschließen. Sie
soll vielmehr klären, ob und unter welchen Voraussetzungen eine bauliche Lösung fachlich
erforderlich, o rganisatorisch tragfähig und wirtschaftlich vertretbar ist.
3. Zentrale Bewertung
Die zentrale Erkenntnis lautet: Die UNESCO verlangt nicht den Bau eines
Informationszentrums. Sie verlangt eine qualitätsvolle Vermittlung des außergewöhnlichen
universellen Werts der Welterbestätte, geeignete Bildungs - und Informationsangebote,
Schutzbewusstsein sowie ein tragfähiges Management.
Ein Informationszentrum kann dafür ein sinnvoller Baustein sein. Es ist jedoch kein
Selbstzweck und ersetzt weder ein belastbares Vermittlungskonzept noch eine tragfähige
Organisations- und Betriebsstruktur.
Die vorliegenden Unterlagen deuten darauf hin, dass das Projekt in seiner bisherigen
Entwicklung zu früh baulich konkretisiert wurde, ohne dass die konzeptionellen,
organisatorischen, wirtschaftlichen und gesamtstädtischen Voraussetzungen zuvor in ihrer
Gesamtheit belastbar geklärt waren.
- 5 -
Die weitere Entscheidung sollte deshalb nicht aus der Logik eines bereits weit
fortgeschrittenen Bauprojekts fortgeschrieben werden. Sie soll te vielmehr vom fachlichen
Auftrag der Welterbevermittlung her neu entwickelt werden.
4. Fachlicher Rahmen
4.1 Anforderungen aus der Welterbekonvention
Nach der Welterbekonvention kommt der Vermittlung des Welterbes eine ebenso hohe
Bedeutung zu wie des sen Schutz und Erhalt. Welterbestätten sollen nicht nur bewahrt,
sondern auch erklärt, erschlossen und in die Gesellschaft hinein vermittelt werden. In Artikel
27 der Welterbekonvention 1 wird hervorgehoben, dass die Vertragsstaaten die Würdigung
und Achtung des Kultur- und Naturerbes durch Erziehungs - und Informationsprogramme
stärken und die Öffentlichkeit über Gefährdungen und Schutzmaßnahmen umfassend
unterrichten sollen.
Daraus ergeben sich insbesondere folgende Anforderungen:
Vermittlung des außerge wöhnlichen universellen Werts der Stätte, Bildungs- und
Informationsangebote für unterschiedliche Zielgruppen, Aufklärung über Gefährdungen und
Schutzbedarfe, Förderung von öffentlichem Bewusstsein und Identifikation, sowie ein
tragfähiges Management der W elterbestätte.
Instrumente können sein:
1. Welterbestätten als Lernorte : Welterbevermittlung soll die Stätte als Lernort
erfahrbar machen. Sie erschließt historische und gesellschaftliche Bedeutung,
Baugeschichte, Architektur, Nachhaltigkeitsbezüge sowie die Rolle von
interkulturellem Austausch und grenzüberschreitender Zusamm enarbeit.
Entscheidend ist dabei eine Vielfalt formeller und informeller Bildungsangebote für
unterschiedliche Zielgruppen — von jungen Menschen über internationale Gäste bis
zur Stadtgesellschaft.
2. Der UNESCO-Welterbetag: Der seit 2005 jährlich am ersten Sonntag im Juni
begangene UNESCO -Welterbetag macht Welterbe öffentlich sichtbar, bezieht
insbesondere die lokale Bevölkerung ein und fördert Begegnung, Beteiligung und
interkulturellen Austausch. Er zeigt, dass Welterbevermittlung nicht nur dauerhaft in
Gebäuden, sondern auch durch wiederkehrende, stadtgesellschaftlich wirksame
Formate geleistet werden kann.
3. Informations- und Besucherzentren : Informations- und Besucherzentren können Orte
der Begegnung, Vermittlung und Erfahrung des Menschheitserbes sein. S ie
ermöglichen grundlegende Informationen zur Welterbestätte, insbesondere zu ihrem
außergewöhnlichen universellen Wert, zur Welterbekonvention, zu UNESCO -Zielen und
zum Netzwerk der Welterbestätten. Zugleich können sie Raum für Austausch,
Workshops, Konfe renzen, barrierefreie Vermittlung und geschützten Zugang zu
sensiblen Stätten bieten.
1 Welterbevermittlung und Bildung - Deutsche UNESCO-Kommission
- 6 -
4.2 Schlussfolgerung für die Projektbewertung
Aus diesen Anforderungen folgt nicht automatisch die Notwendigkeit eines Neubaus. Ein
Informations- oder Besucherzentrum kann ein geeignetes Instrument der
Welterbevermittlung sein. Es ist aber nur dann fachlich sinnvoll, wenn es Teil eines
schlüssigen Gesamtsystems ist.
Welterbevermittlung darf nicht auf Beschilderung, Führungen oder ein einzelnes Gebäude
reduziert werden. Sie muss Menschen mit dem Ort verbinden, seinen Wert verständlich
machen, seine Verletzlichkeit erklären und seine Bedeutung für Stadt, Region und
Öffentlichkeit sichtbar machen.
Die fachliche Anforderung besteht daher nicht in der Errich tung eines bestimmten Gebäudes,
sondern in der Entwicklung eines integrierten Vermittlungssystems.
5. Wesentliche Defizite der bisherigen Projektentwicklung
Die Aufarbeitung der Aktenlage zeigt, dass zentrale Entscheidungen über Standort, Bau,
Kommunikation und Kosten vorangetrieben wurden, bevor die inhaltlichen, organisatorischen
und wirtschaftlichen Grundlagen hinreichend geklärt waren.
5.1 Fehlendes Vermittlungskonzept
Bis heute liegt kein belastbares Vermittlungskonzept vor, aus dem sich nachvollziehbar
ableiten lässt, welche Zielgruppen erreicht werden sollen, welche Inhalte und Erzählweisen
vermittelt werden sollen, welche analogen, digitalen oder audiovisuellen Formate erforderlich
sind, welche Räume tatsächlich gebraucht werden, welcher Personalbedarf entsteht und
welche Betriebsstruktur dafür notwendig ist. Ohne ein solches Konzept bleibt unklar, welche
Funktionen ein Informationszentrum überhaupt erfüllen soll und ob diese zwingend in einem
Neubau gebündelt werden müssen.
5.2 Kosten- und Folgekostenrisiken
Die bisher bekannte Kostenentwicklung zeigt eine erhebliche Ausweitung des Vorhabens. Aus
einer frühen Kostengröße von rund 6,1 beziehungsweise 6,2 Mio. Euro ist inzwischen eine
Baukostengröße von rund 21 Mio. Euro geworden. Diese Summe beinhalten Mittel aus einer
avisierten Spende der M erck Family Foundation , anlässlich des 350. Firmenjubiläums an die
Stadt Darmstadt in Höhe von 3,5 Millionen sowie Fördermittel des Bundes für die
Mathildenhöhe im Rahmen des Programms „Nationale Pr ojekte des Städtebaus“ in Höhe von
ca. 4,3 Millionen Euro.
Hinzu kommen weitere, bislang nicht abschließend belastbar hergeleitete Bedarfe,
insbesondere für Ausstellung und inhaltliche Vermittlung, Barrierefreiheit, technische
Ausstattung, Betrieb, Perso nal sowie Pflege und Unterhaltung.
- 7 -
Entscheidend ist dabei nicht nur die bereits sichtbare Kostensteigerung. Schwerer wiegt,
dass die Gesamtkosten des Vorhabens weiterhin nicht verlässlich abschätzbar sind, weil
wesentliche Grundlagen noch nicht geklärt si nd.
Diese Unsicherheit fällt besonders ins Gewicht, da auf der Mathildenhöhe zugleich erhebliche
Sanierungsbedarfe bestehen, die ebenfalls mit hoher Priorität finanziert werden müssen.
Maßnahme Geschätzter Finanzbedarf
Oberhessisches Haus 3.000.000 €
Mauer Süd Platanenhain 900.000 €
Mauer Ost Platanenhain 350.000 €
Albin-Müller-Becken 420.000 €
Bacchusbrunnen 700.000 €
Gesamtsanierung Ernst -Ludwig-Haus ca. 9.000.000 € 2
Brandtechnische Ertüchtigung Hochzeitsturm 1.200.000 €
Endsumme 15.570.000 €
5.3 Vergleich der Informationszentren in Darmstadt, Mainz und Bamberg
Die Kostenentwicklung von ursprünglich rund 6 Mio. Euro auf inzwischen rund 21 Mio. Euro
überschreitet den Rahmen vergleichbarer Welterbe -Besucherzentren in erheblichem Maße.
Während Mainz bis Ende September 2026 ein Informationszentrum mit rund 5 Mio. E uro
realisiert und Bamberg ein solches Zentrum für rund 9 Mio Euro fertiggestellt hat (Ende
2019), ist Darmstadt mit 21 Mio. Euro in einer Größenordnung, die nur bei außergewöhnlich
gut belegten Mehranforderungen vertretbar wäre.
Solange diese nicht belas tbar nachgewiesen sind, ist aus Gründen der
Haushaltsverantwortung, der Verhältnismäßigkeit und des Vorrangs substanzerhaltender
Maßnahmen eine deutliche Reduktion des Vorhabens geboten .
5.4 Standortkorrektur und planerische Unsicherheit
Die frühe Standortfestlegung musste nach der Welterbeentscheidung im Jahr 2021 korrigiert
werden. Damit zeigte sich, dass eine wesentliche planerische Grundlage des Vorhabens nicht
dauerhaft tragfähig war.
Dies ist nicht nur eine Frage des Ortes, sondern ein Hinweis auf ein grundsätzliches
Strukturproblem: Die bauliche Konkretisierung erfolgte, bevor alle denkmalpflegerischen,
landschaftlichen, funktionalen und welterbebezogenen Voraussetzungen belastbar
zusammengeführt waren.
2 Die Grundlagenunterschuchung liegt noch nicht vor. Erste Schätzung anhand vergleichbarer
Gebäude.
- 8 -
- 9 -
5.5 Zersplitterte Steuerung
Die Entwicklung des Projekts war über lange Zeit von verschiedenen Einzelzuständigkeiten,
Teilprojekten und nebeneinanderlaufenden Fachlogiken geprägt. Eine zusammenhängende
Gesamtsteuerung nicht erkennbar.
Gerade bei einer urbanen Welterbestätte reicht e s jedoch nicht aus, Bau, Vermittlung,
Kommunikation, Mobilität, Tourismus, Freiraum, Denkmalschutz und Betrieb getrennt
voneinander zu betrachten. Erforderlich ist eine integrierte Gesamtlogik, die alle diese
Aspekte aufeinander bezieht.
6. Bisheriger Pro jektverlauf in Kurzform
6.1 Die Jahre 2016 bis zur Erlangung des Welterbetitels
6.1.1 Das Tourismuskonzept
Ausgangspunkt der frühen Planung für den Bau eines Informationszentrums waren
touristische und infrastrukturelle Defizite auf der Mathildenhöhe , wie sie das
Tourismuskonzept Mathildenhöhe Darmstadt (Siehe Anlage, Stand 25.11.2016)
identifizierte.
Dort heißt es: Mit Erreichen des Welterbestatus ist ein Besucherzentrum einzurichten. Dies
ist sowohl den Anforderungen des Welterbekomitees wie auch den zu erwartenden höheren
Frequenzen geschuldet (S. 47 f.).
Zusätzlich zu den klassischen Concierge - und Servicefunktionen ergänzen eine Infolounge als
Komfort- und Vermittlungszone, ein Shop mit eigenem Merchandising-Sortiment, eine
Gastronomie, eine orientierende Ausstellung mit einem Modell der Mathildenhöhe, ein
Veranstaltungsbereich für ca. 400 Personen , ein Sanitärbereich sowie das Back office mit
Sozialräumen das Angebot.
Um den Flächenbedarf des B esucherzentrums berechnen zu können bedarf es einer
Schätzung der Besucherzahlen. Da darüber keine gesicherten Erkenntnisse vorliegen, musste
von einer Schätzung ausgegangen werden, die auf Erfahrungswerten beruht. In einem
detaillierten Planungsprozess fü r ein Besucherzentrum ist dies zu spezifizieren. Die Anzahl
der Besucher wurde auf 120.000 geschätzt (S. 48.). Daraus ergibt sich überschlägig ein
Flächenbedarf von insgesamt rund 1.500 -1.600 m².
Das Besucherzentrum sollte östlich des Ausstellungsgebäudes auf einer der identifizierten
Entwicklungsflächen – „wilder“ Parkplatz, Osthang - errichtet werden (S. 49.). Die dafür
notwendigen Flächen reichen vorbehaltlich einer detaillierten Prüfung und Planung aus. Da
das Besucherzentrum in dieser Lage auch die rä umlich-funktionalen Schwächen in der
Zuwegung und Annäherung von Osten und Norden an das Kernareal der Mathildenhöhe
beheben. Dazu gehörten insbesondere fehlende barrierefreie Sanitäranlagen, fehlende oder
unzureichende Foyerflächen für größere Besuchergru ppen, eine unzureichende
Ankunftssituation, fehlender Wetterschutz, fehlende Gepäckaufbewahrung sowie nur
eingeschränkt barrierefrei erreichbare Angebote.
- 10 -
6.1.2 Masterplan mit Standort Untersuchung
Am 19.12.2016 beauftragte Oberbürgermeister Jochen Partsch das Büro ANP Architektur -
und Planungsgesellschaft mbH mit der Erstellung des Masterplans Künstlerkolonie
Mathildenhöhe Darmstadt im Rahmen des Nominierungsverfahrens zum Weltkulturerbe.
Die Beauftragung erfolgte auf Basis einer durch den damaligen Kulturreferenten Prof. Dr.
Hünnekens geleiteten freihändigen Vergabe, bei der mehrere Firmen angefragt wurden.
Der Auftrag umfasste folgende Leistungen:
Pos. Leistung Aufwand Betrag
netto
D.1 Bestandsaufnahme und städtebauliche Analyse Nominierungsgebiet und
Pufferzone; Pläne 1:1000 / Texterfassung,
2,5 TAW 10.000,00 €
D.2 Städtebauliche Vertiefung Entwicklungsbereich Ost- und Nordhang; (Potenziale,
Ziele, Konflikte etc. im Bestand)
2,5 TAW 10.000,00 €
D.3 Entwicklung von drei städtebaulichen Szenarien für den Entwicklungsbereich Ost-
und Nordhang; (Pläne 1:1000 / Texterfassung)
4,5 TAW 18.000,00 €
D.4 Zusammenführung der Ergebnisse in einer Dokumentation 1,5 TAW 6.000,00 €
Gesamtsumme netto 44.000,00 €
zuzüglich 6 % Nebenkosten 2.640,00 €
Zwischensumme 46.640,00 €
19 % Mehrwertsteuer 8.861,60 €
Gesamtsumme brutto 55.501,60
€
Darauf aufbauend begann die Erarbeitung eines Masterplans einschließlich einer
Standortuntersuchung, in deren Rahmen sowohl verschiedene Neubau -Standorte als auch die
Umnutzung bestehender Gebäude als Informationszentrum geprüft wurden. Untersucht
wurden mehrere Standort - und Nutzungsvarianten, darunter dezentrale Lösungen,
bestehende Gebäude, der Osthang, der Bereich Ernst -Ludwig-Brunnen sowie das Ernst -
Ludwig-Haus.
- 11 -
Welches Raum- und Funktionsprogramm der Untersuchung zugrunde lag findet sich auf
folgender Darstellung sowie der Dokumentation des Masterplan auf S. 9).
Die Studie wurde fachlich von der Unteren Denkmalschutzbehörde begleitet und vom
damaligen Eigenbetrieb Kulturinstitute finanziert.
Bereits in der Advisory -Board3-Sitzung am 01.02.2017 wurden die Ergebnisse vorgestellt.
Festgehalten wurde unter anderem, dass das Ausstellungsgebäude und das Ernst -Ludwig-
Haus bereits für Ausstellungen genutzt werden.
Der Ernst-Ludwig-Brunnen als eingetragenes Kulturdenkmal in seinem Zustand der
Nachkriegszeit zu erhalten ist.
Die Künstlerhäuser durch den Eigenbetrieb Kulturinstitute genutzt werden und eine
dezentrale Lösung voraussichtlich den Betrieb von zwei Informationspunkten mit
entsprechendem zusätzlichem Personalaufwand erfordern würde.
3 Bei dem Advisory-Board handelt es sich um ein Beratergremium, dass den Welterbeprozess proaktiv begleitet hat.
Den Empfehlungen der UNESCO folgend wurde seite ns der Stadt Darmstadt für die Dauer des
Bewerbungsverfahrens um die Anerkennung der Mathildenhöhe als Welterbe ein Advisory
Board ins Leben gerufen. Diesem Beraterkreis gehören seitdem international anerkannte
Experten/Innen (Architekten, Denkmalpfleger , Kunst- und Bauhistoriker) aus dem
deutschsprachigen Raum an. In neun Workshops und vielen Diskussionen vor Ort wurden aus
diesem Kreis Empfehlungen gegeben und konkrete Beiträge geleistet, die mit dazu
beigetragen haben, dass die Bewerbung in 2021 zum Erfolg geführt werden konnte.
Nach abermaliger Empfehlung der UNESCO wurden die Mitglieder des Advisory Boards
von Oberbürgermeister Jochen Partsch eingeladen, der neuerlichen
Welterbestätte Mathildenhöhe Darmstadt bei ihrer Entwicklung weiterhin berat end zur Seite
zu stehen (Vgl. MV-Nr. 2022/0091).
- 12 -
Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass keines der Künstlerhäuser hinsichtlich Größe,
Grundriss und Infrastruktur dem benötigten Raumprogramm für ein Informationszentrum
entsprach.
Das Advisory Board empfahl daher, die Variante C „Osthang“ weiterzuverfolgen , da diese
Standorte über das größte Entwicklungspotential verfügen würden.
Der Masterplan, der zum damaligen Zeitpunkt nicht für die Öffentlichkeit, sondern für die
Diskussion im Welterbebeirat angefertigt wurde, wurde zurückgestellt, da die Ergebnisse i n
die weiteren Planungen eingeflossen seien. Die vertraglich vorgesehene Zusammenführung
der Ergebnisse in eine vollständige Dokumentation wurde nicht durchgeführt, die hierfür
vereinbarten 6.000 Euro wurden nicht beglichen.
Der Öffentlichkeit wurden die Ergebnisse in einer Bürgerveranstaltung am 29.03.2017
vorgestellt (Präsentation siehe Anhang) .
6.1.3 Realisierungswettbewerb für den Neubau eines Informationszentrums
Gemäß Beschluss Nr. 0160/2017 der Stadtverordnetenversammlung vom 13.06.2017 wurde
anschließend die Durchführung eines Realisierungswettbewerbs für den Neubau des
Informationszentrums initiiert.
Für den Wettbewerb waren Haushaltsmittel in Höhe von 75.000 Euro vorgesehen. Im Juli
2018 folgte die Auslobung eines nicht offenen Architekturwettbewerbs für das
Besucherzentrum und die städtebauliche Entwicklung des Osthangs. Der
Architekturwettbewerb wurde im November 2018 erfolgreich durchgeführt und prämiert. Der
Entwurf des österreichischen Büros Marte.Marte Architekten ZT GmbH (in Zusammenarbeit
mit WES Landschaftsarchitektur) ging als Sieger hervor.
Am 27.02. 2019 wurde dem Eigenbetrieb Kulturinstitute durch die damalige Betriebsleitung
eine Beschlussfassun g zum Neubau des Besucherzentrums Mathildenhöhe vorgelegt (Siehe
Anhang).
Der Beschluss lautete:
1. Die Betriebskommission nimmt das Wettbewerbsergebnis zur Kenntnis.
2. Die Betriebskommission beschließt die weitere Planung für das Besucherzentrum bis
zur Entwurfsplanung einschließlich Kostenermittlungen auf Grundlage des
Wettbewerbsergebnisses.
Die Begründung lautete wie folgt:
„Im Rahmen der konkretisierenden Vorbereitungen zum UNESCO -Weltkulturerbeantrages
wurde die Notwendigkeit erkannt, ein zentrales Besucherzentrum auf der Mathildenhöhe zu
entwickeln. Als zentrales Informationszentrum zur geschichtlichen Bedeutung und
Entwicklung der Künstlerkolonie Mathildenhöhe soll dieses neue Besucherzentrum erste
Anlaufstelle für Besucher sein und Nutzu ngen wie einen zentralen Kassen -, Service- und
Shopbereich sowie Seminar - und Veranstaltungsräume beherbergen. Darüber hinaus soll es
mit einem gastronomischen Angebot versehen werden. Im Zuge der Erarbeitung des
- 13 -
Masterplans zur zukünftigen Entwicklung des Gesamtensembles Mathildenhöhe wurden
hierzu Flächenbedarfe entwickelt und mögliche Standortvarianten untersucht. Als Ergebnis
dieser Planungskonzepte soll das Besucherzentrum auf dem städtischen Grundstück
Olbrichweg/ Ecke Bauhausweg östlich des Ausstellu ngsgebäudes mit einer Gesamt
Nutzfläche von ca. 1.500 m² entstehen sowie einer Etatisierung von 6,2 Mio. Euro im
Wirtschaftsplan des Eigenbetriebs Kulturinstitute, einer zweckgebundenen Schenkung von
3,5 Mio. Euro sowie zusätzlichen Planungsmitteln von 600 .000 Euro. Im Rahmen des
Förderprogramms des Bundes „Nationale Projekte des Städtebaus“ soll das Projekt bis 2021
realisiert werden. “
Der Baubeginn war für 04/2020 geplant , die Baufertigstellung für den 31.12.2021.
Die Zuständigkeit wurde wie folgt fest gelegt: Die Baumaßnahme wird durch den EB
Kulturinstitute realisiert. Die Projektsteuerung erfolgt durch die Darmstädter
Stadtentwicklungs GmbH (DSE). Das erforderliche Nutzungs - und Betriebskonzept wird
durch den EB Kulturinstitute in Zusammenarbeit mit d em Institut Mathildenhöhe und der
Darmstadt Marketing GmbH entwickelt.
6.1.4 Schaffung des Planungsrechtes
Wichtige Voraussetzung für die fristgerechte Realisierung der Baumaßnahme war die
Schaffung von Planungsrecht durch den rechtskräftigen Abschluss des Bauleitplanverfahrens
für das Gebiet O 32 „Mathildenhöhe Nordost“ unter Federführung des Stadtplanungsamtes
bis zum Frühjahr 2020. Hierzu sollte ein Satzungsbeschluss bis Ende 2019 herbeigeführt
werden.
Am 16.10.2020 beschlos s die Stadtverordnetenversammlung die Magistratsvorlage
2020/0305 „Bebauungsplan 0 32 – Mathildenhöhe Ost – Satzungsbeschluss“. Dies wurde
erstellt und unterzeichnet von der damaligen Stadtplanungsdezernentin Dr. Barbara Boczek
und der Umweltdezernentin Ba bara Akdeniz.
In der Begründung dieser Magistratsvorlage wurde nun ausgeführt, ein „wichtiger Baustein“
für die Erlangung des Welterbetitels sei ein „von der UNESCO verlangtes Besucherzentrum“
für die Mathildenhöhe, für das der Bebauungsplan O 32 die rec htlichen Voraussetzungen
schaffe. Diese Formulierung ist fachlich problematisch, weil sie eine politische und
planerische Entscheidung als externen Sachzwang erscheinen ließ.
6.2 Entscheidung der UNESCO und Standortkorrektur
Am 24.07.2021 erfolgte die A ufnahme der Mathildenhöhe in die Liste der UNESCO -
Welterbestätten .
Dieser Titel war allerdings mit der Auflage verbunden , das geplante Informationszentrum an
einem alternativen Standort außerhalb der Kernzone des Welterbeensembles zu verorten.
Der im rechtskräftigen Bebauungsplan 0 32 – Mathildenhöhe Ost – festgelegte Standort des
Informationszentrums l ag größtenteils innerhalb der Kernzone der Welterbestätte
Mathildenhöhe.
- 14 -
In diesem Bereich sind keine Neubauten zulässig .
Die UNESCO verknüpfte der Erlangung des Welterbetitels an folgende Bedingungen:
• Das zukünftige Gebäude und damit das Baufenster müssen verschoben werden.
• Weiterhin forderte die UNESCO eine deutliche Reduktion der Bauflächen zugunsten
des Freiraums.
• Weiter verhängte Gestaltungsvorschriften und Höhenbeschränkungen sollten eine
denkmalgerechte Einbettung in die sensible Umgebung sicherstellen.
Man muss also festhalten, dass bei einer planmäßigen Fertigstellung am zunächst
vorgesehenen Standort die Integrität der Welterbestätte und damit der Welterbestatus hätte
gefährdet werden können.
6.3 Neukonzeption der Planungen 2021 bis 2023
Das Architekturbüro Mart e.Marte wurde mit der weiteren Bearbeitung von Konzeptstudien
und Vorentwurfsplanungen für den neuen Standort in der Pufferzone am „Osthang“
beauftragt.
Bis zu diesem Zeitpunkt hat te das Projekt ca. 460.000 Euro gekostet.
Nach der Neukonzeption fanden a m 31.03.2022 ein Welterbeworkshop mit Welterbebeirat
und ICOMOS Deutschland sowie am 09.05.2023 eine Bürgerinformationsveranstaltung statt.
Am 06.06.2023 unterzeichnete der damalige Oberbürgermeister Jochen Partsch einen Letter
of Intent mit der Wissensc haftsstadt Darmstadt Marketing GmbH in dem noch einmal betont
wurde, dass der wesentlichen Funktion des Bildungs - und Vermittlungskonzeptes der
Einrichtung eines neuen Besucherinformationszentrums zukommt .
In dieser Absichtserklärung ist weiter festgehalt en, dass das Informationszentrum durch den
Eigenbetrieb Kulturinstitute, im Operativen durch das Welterbebüro, das Institut
Mathildenhöhe und die Wissenschaftsstadt Darmstadt Marketing GmbH betrieben werden
sollte.
Die auf dieser Basis erstellten Unterlagen der überarbeiteten Konzeptplanung wurden zur
Abstimmung Ende 2023 schließlich an das UNESCO -World Heritage Center in Paris
versendet und von dort positiv geprüft und beschieden.
Ursprünglich geplant war ein Informationszentrum mit einer Gesamt Nutzfläche von ca.
1.500 m² mit einem Kostenrahmen von 6,2 Mio Euro.
Obwohl das Zentrum gegenüber der ersten Planung auf Wunsch von ICOMOS räumlich
reduziert wurde, beläuft sich die Größenordnung nach acht Jahren, Standortkorrektur und
nahezu vollständige r Umplanung heute auf rund 21 Mio. Euro . Damit liegen die aktuellen
Kosten bei ca. 350 Prozent des ursprünglichen Ansatzes.
- 15 -
6.4 Öffentliche Kritik an dem Bau eines Informationszentrums
Mit dem Beginn der vorbereitenden Arbeiten am Osthang und dem Ende der temporären
kulturellen Nutzung durch den OHA e.V. wurde in der Öffentlichkeit u.a. die Frage nach der
Veröffentlichung der Dokumentation des Masterplans aufgeworfen. U.a. lag eine
entsprechende Anfrage nach der Informationsfreiheitssatzung vor.
Das Dezernat I war mit einer Weitergabe der Studie einverstanden, wur de aber im August
2025 seitens Dezernat III darüber informiert, dass die Studie zwar 2017 weitestgehend
abgeschlossen war, aber nie finalisiert wurde.
Die Summe in Höhe von 6.000 Euro f ür die Leistung D.4 „Zusammenführung der Ergebnisse
in einer Dokumentation“ wurde durch die Stadt 2017 aus unbekannten Gründen nicht
beglichen.
Deshalb stimmte das Büro ANP einer Veröffentlichung im Jahr 2025 zunächst nicht zu.
Das Dezernat I beauftragt e daraufhin das Kulturamt, die Mittel bereitzustellen und die offene
Summe zu begleichen und beim zuständigen Denkmalschutzamt die finalisierte
Dokumentation anzufordern. Die Dokumentation liegt nunmehr vor und wird veröffentlicht.
6.5 Verschlechterte Ha ushaltslage und politischer Versuch einer weiteren baulichen
Reduktion
Aufgrund der Tatsache, dass sich die Haushaltslage der Stadt im Vergleich ab 2023 deutlich
verschlechtert hat, bat das Dezernat I die DSE in Zusammenarbeit mit dem Welterbebüro,
Einsparpotenziale zu prüfen, die Kernanforderungen des Informationszentrums erneut zu
betrachten und Möglichkeiten einer Reduktion von Umfang und Kosten darzustellen.
Im Rahmen des 15. Welterbeworkshops am 10. 09. 2025 wurde der Welterbebeirat 4 auf
Grundlage dieser Prüfung gebeten, erneut über das Informationszentrum zu beraten und
unter besonderer Berücksichtigung der aktuellen Haushaltslage weitere Einsparmöglichkeiten
zu prüfen, insbesondere durch eine Reduktion von Dimension und Kosten.
Der Welterbebeirat plädierte in dieser Sitzung für die Beibehaltung des übermittelten
Entwurfs, auch weil die Planungen bereits durch die Verlagerung aus der Kernzone
überarbeitet werden mussten.
6.6 Das fehlende Vermittlungskonze pt
Mit der Haushaltsanmeldung für das Jahr 2027 wurde das Dezernat I schließlich in Kenntnis
gesetzt, dass bisher kein Vermittlungskonzept erstellt worden sei. „Dafür fehle es – gerade
im Institut Mathildenhöhe – an der notwendigen pädagogischen Expertise .“ 5
Zugleich wurde im Zuge der Recherche mitgeteilt, dass der Teil „Bildung“ im Rahmen des
Welterbeantrags extern vergeben und extern erarbeitet worden war (E-Mail vom 23.0 7. 2026
4 Beim Welterbebeirat handelt es sich um den Nachfolger des Advisory -Bord (vgl. Fußnote 3).
5 Begründung zur Haushaltsanmeldung 2027.
- 16 -
von der Darmstadt Marketing GmbH ). Die darin enthaltenen wesentlichen und fachlich
richtigen Punkte sind zwar in den Welterbeantrag eingeflossen; sie wurden jedoch nicht in ein
eigenständiges, dauerhaft umsetzbares Vermittlungskonzept überführt. Eine solche
Umsetzung konnte in der Verwaltung offenba r auch deshalb nicht realisiert werden, weil
hierfür qualifiziertes pädagogisches und vermittlungsfachliches Personal fehlte.
Für die Haushalte ab 2027 wurden folgende Mittelbedarfe angemeldet:
Jahr/Zeitraum Maßnahme/Zweck Betrag
2027 Vermittlungskonzept; Erstellung durch externe Firma 60.000,- €
2027 Informationszentrum: Gewährleistung der Barrierefreiheit der
Dauerausstellung; interaktive Stationen 300.000,- €
2027 gesamt Benötigte Mittel nach Schätzung 360.000,- €
2028 Vermittlungskonzept; Erstellung durch externe Firma und Umsetzung 75.000,- €
2028 Einbau der interaktiven Stationen 350.000,- €
2028 Einrichtung der Dauerausstellung 150.000,- €
2028 gesamt Vorgesehene Mittel 575.000,- €
ab 2029 ff. jährlicher Mittelbedarf 350.000,- €
jährlich
6.6 Fazit
Der gesamte Verlauf macht die Unplausibilität der bisherigen Projektentwicklung besonders
deutlich.
Der Baukörper wurde geplant lange bevor geklärt war, welche Funktionen für die
Welterbevermittlung tatsächlich erforderlich, finanzierbar und gesamtstädtisch sinnvoll sind .
Zentrale Grundlagen wie ein belastbares Vermittlungskonzept, ein gesichertes
Betriebsmodell und eine nachvollziehbare Herleitung von Raum - und Funktionsbedarf fehlen.
Zu den Baukosten von inzwischen rund 21 Mio. Euro treten weitere Mittelbedarfe hinzu: Für
2027 werden 360.000 Euro angesetzt, davon 60.000 Euro für die externe Erstellung des
Vermittlungskonzepts und 300.000 Euro für Barrierefreiheit der Dauerausstellung sowie
interaktive Stationen. Für 2028 sind weitere 575.000 Euro vorgesehen; ab 2029 werden
jährlich 350.000 Euro veranschlagt. Damit geht es um dauerhafte konzeptionelle, mediale,
personelle und betriebliche Verpflichtungen.
Wesentliche Grundlage für den Masterplan scheint das Tourismuskonzept gewesen zu sein,
dessen wesentliche Annahmen, aber nie in der notwendigen Tiefe hinterfragt wurden, wie
zum Beispiel:
• Warum es eines so großen Veranstaltungssaales bedarf, wenn das Darmstadtium als
moderne Veranstaltungslocation fußläufig erreichbar ist.
- 17 -
• Warum benötigt man eine eigene Gastronomie, wenn sich das Café Mathildenhöhe
und weitere gastronomische Angebote in unmittelbar er Nähe befindet.
• Warum benötigt man einen weitere Merchandising -Shop, wenn der Museums -Shop
bereits in unmittelbarer Nähe vorhanden ist.
Auf Basis des Masterplans, der - nach vorliegender Aktenlage - innerhalb weniger Wochen
beauftragt und erstellt wur de, ist im Anschluss ein Realisierungswettbewerb initiiert und
Haushaltsmittel in Höhe von 75.000 Euro bereitgestellt worden.
Damit wurde der architektonisch-räumlicher Klärungsprozess weiter vorangetrieben , obwohl
ein zentrales Vermittlungskonzept , das tatsächlich von UNESCO gefordert wird, immer noch
nicht vorlag.
Ein Architekturwettbewerb setzt voraus, dass die funktionalen, inhaltlichen und räumlichen
Anforderungen eines Vorhabens hinreichend geklärt sind. Im vorliegenden Fall betrifft dies
insbesondere die Fragen, welche Inhalte vermittelt und welche Zielgruppen erreicht werden
sollen, welche analogen, digitalen und audiovisuellen Formate erforderlich sind und welche
Raumtypen sich daraus ableiten. Wenn ein solcher Wettbewerb stattfindet, ohne dass ei n
belastbares Vermittlungskonzept vorliegt, wird die bauliche Lösung der inhaltlichen Klärung
zeitlich vorangestellt.
Dies belegt u.a. die im Jahr 2021 von der UNESCO geforderte Standortkorrektur. Auch die
Darstellung, die UNESCO schreibe den Bau eines Besucherzentrums vor, vermischte
fachliche Anforderungen mit einer politischen Standort - und Bauentscheidung. Dadurch
entstand der Eindruck einer Alternativlosigkeit .
Angesichts der schwierigen Haushaltslage ist es politisch nicht vertretbar ein auf inzwischen
rund 21 Mio. Euro angewachsenes Bauprojekt in dieser Form weiterzuführen , auch wenn die
nun bereits produzierten Kosten sich auf ca. 4 Millionen Euro belaufen.
7. Kommunikation, Gesamtstadtbezug und Organisation
7.1 Organisation und Zuständigkeiten
Bei der Organisation der Wiedereröffnung der Ausstellungshallen auf der Mathildenhöhe
wurde die HEAG Holding durch das Dezernat I Ende 2023 beauftragt, eine Funktionsanalyse
der Welterbestruktur durchzuführen. Dabei wurden allein 28 Einzelprojekte rund um die
Welterbestätte in verschiedenen Ämtern und Eigenbetrieben identifiziert .
- 18 -
- 19 -
Übersicht über die Welterbezone und die Zuständigkeiten auf der Mathildenhöhe
Das grundsätzliche Strukturproblem wird bereits daran deutlich, dass Kompetenzen und
Verantwortlichkeiten für die Welterbestätte auf mehrere Verwaltungseinheiten verteilt sind.
Dazu gehören neben dem Welterbebüro und dem Institut Mathildenhöhe etwa das Kulturamt,
das Grünflächenamt, das Mobilit äts- und Tiefbauamt , das Stadtplanungsamt sowie weitere
fachlich zuständige Stellen. Dazu kommen noch städtische Unternehmen wie Darmstadt
Marketing, IDA und die DSE.
Die aktuelle Aufteilung der Zuständigkeiten führt in der Praxis jedoch zu einer horizon talen
und vertikalen Fragmentierung, die eine wirtschaftliche und koordinierte Bewirtschaftung des
Areals massiv erschwert. Anstatt einen logischen Gesamtbereich zu definieren, wurden
Kompetenzen teilweise meterweise oder nach einzelnen Gewerken getrennt, was zu unklaren
Schnittstellen und einem erheblichen administrativen Abstimmungsaufwand führt.
Besonders deutlich wird diese prozessuale Ineffizienz bei der Aufteilung baulicher
Gesamtobjekte, wie das Beispiel der Heinrich -Jobst-Treppe zeigt. Hier unterli egt die
eigentliche Treppenkonstruktion dem Mobilitäts - und Tiefbauamt, während die unmittelbar
darauf errichteten Pergolen in den Aufgabenbereich des Kulturamts fallen. Eine solche
künstliche Trennung eines zusammenhängenden Ensembles verzögert notwendige
Instandhaltungsmaßnahmen. Ähnlich verhält es sich beim Albin -Müller-Becken, das dem
Kulturamt zugeordnet ist, von IDA technisch betreut werden (im Auftrag des Kulturamtes),
die DSE ist wiederum für die Grundsanierung des Beckens zuständig, das Grünflächenamt
betreut die direkt angrenzenden Grünflächen , was einen permanenten und zeitraubenden
Abstimmungsbedarf zwischen den Dienststellen erzwingt.
Auch bei den Brunnenanlagen wurde ein komplexes D reiecksverhältnis geschaffen, da die
Brunnen formal dem Kulturamt unterstehen, die operative Umsetzung der Pflege, des
Bauunterhalts und der Brunnenmeistertätigkeiten jedoch vertraglich an den Dienstleister IDA
ausgelagert ist. Das Kulturamt muss somit als rein administrative Stelle technische
Fachaufgaben steuern und finanzieren. Zusätzlich zu diesen Gewerke spezifischen
Überschneidungen führt die geografische Kleinteiligkeit zu regulatorischen Grauzonen. Beim
- 20 -
Ernst-Ludwig-Brunnen waren der Brunnen selbst, die Mauer und die Sandsteinplatten dem
Kulturamt zugeordnet, während die davorliegende Mosaikfläche in keiner Zuständigkeit lag.
Zusammenfassend zeigt die detaillierte Betrachtung, dass die aktuellen Zuständigkeiten zu
einer dysfunktionalen Aufsplitter ung des Welterbe -Geländes geführt hat. Die Nahtstellen
zwischen den Zuständigkeiten des Kulturamts und den vom Grünflächenamt in Eigenleistung
bewirtschafteten Wegen provozieren Reibungsverluste bei Reinigung und
Schadensbeseitigung. So beauftragt das Kult uramt den EAD für den Winterdienst, das
Grünflächenamt übernimmt diesen selbst. Dieses System der Kompetenz -Fragmente ist für
ein weltweit repräsentatives Kulturdenkmal prozessual nicht zielführend und bedarf einer
grundlegenden strukturellen Überarbeitung .
Gerade daran zeigt sich die besondere Herausforderung im Umgang mit einer
Welterbestätte: Schutz, Pflege, Erschließung, Wegeführung, Mobilität, Vermittlung,
Veranstaltungsorganisation, Kommunikation und städtische Einbettung greifen unmittelbar
ineinander. Wenn diese Aufgaben in unterschiedlichen Ämtern und Zuständigkeitsbereichen
verortet sind, braucht es umso mehr eine verbindliche und wirksame Gesamtsteuerung,
damit aus nebeneinanderstehenden Fachzuständigkeiten ein kohärentes Management
entsteht. Eine solche Steuerung ist auch deshalb erforderlich, weil Welterbevermittlung nur
dann dauerhaft trägt, wenn sie nicht in einzelnen Projekten, Zuständigkeiten oder
Anlassformaten aufgeht, sondern als gemeinsame Aufgabe der Stadt verstanden wird. Aus
fachlicher Aktivität muss eine erkennbare gemeinsame Beziehung zur Mathildenhöhe
entstehen.
Die Vielzahl der Einzelprojekte belegt eine späte Bündelung statt einer von Beginn an
tragfähigen Gesamtsteuerung .
Das Moratorium ist daher auch organisatorisch zu nutzen : Es soll klären, welche rechtlichen,
personellen und finanziellen Voraussetzungen eine integrierte Steuerung braucht, welche
Zuständigkeiten gebündelt werden müssen und wie Entscheidungen künftig nachvollziehbar,
effizient und gesamtstädtisch wirksam vorb ereitet werden.
7.2 Kommunikation
Dieselbe strukturelle Schieflage zeigte sich auch im Bereich Kommunikation und Marketing.
Für eine Welterbestätte genügt es nicht, einzelne sichtbare Produkte wie Logo, Marke,
Kampagne oder Werbemittel zu entwickeln. Kom munikation ist Teil der Vermittlung selbst:
Sie muss Orientierung schaffen, Besucherinnen und Besucher lenken, den Schutz der Stätte
unterstützen, Zielgruppen differenziert ansprechen und die Mathildenhöhe in ein
gesamtstädtisches Narrativ einbetten.
Die Mathildenhöhe darf dabei nicht als isolierter Solitär behandelt werden. Sie ist das
internationale Aushängeschild Darmstadts, kann ihre kulturelle, touristische und
wirtschaftliche Strahlkraft aber nur entfalten, wenn sie mit Innenstadt, Kulturinstitutione n,
Wissenschaft, Schulen, Tourismus, Handel, Hotellerie und Stadtmarketing zusammengedacht
wird.
Nach der vorliegenden Aktenlage wurde jedoch zunächst eine Agentur beauftragt, ein Logo
beziehungsweise eine visuelle Markenidentität zu entwickeln, ohne dass zuvor ein tragfähiges
Kommunikationskonzept vorlag. Einer visuellen Markenentwicklung hätte eine belastbare
- 21 -
Kommunikationsstrategie vorausgehen müssen. Zu klären gewesen wären insbesondere
Zielgruppen, Kernbotschaften, Tonalität, Leitsystem, Kommunikation skanäle,
Vermittlungstiefe, Zuständigkeiten, Monitoring und messbare Erfolgskriterien.
Primär zu bemängeln ist auch hier die fehlende erkennbare Gesamtarchitektur:
unzureichendes Monitoring, fehlende Evaluierung, unklare Rollen der beteiligten Akteure un d
eine nicht ausreichend verbindliche Steuerung der Abstimmungskreise. Hinzu kamen offene
konzeptionelle Grundlagen für Besucherinformation, Veranstaltungslogik,
Produktentwicklung und die systematische Nutzung von Synergien zwischen Stadt,
Welterbestätte, Kultur, Wissenschaft, Tourismus, Handel, Hotellerie und Stadtmarketing.
Damit fehlte vor allem die verbindende Klammer zwischen Welterbe und Alltag, zwischen
Denkmal und Stadtgesellschaft sowie zwischen kultureller Bedeutung und öffentlicher Nähe.
Gerade diese Klammer ist erforderlich, damit aus einem international ausgezeichneten Ort
ein gemeinsam getragener Ort wird.
Vor diesem Hintergrund erhält die im Jahr 2024 konzipierte und realisierte Kampagne „DA
staunst Du“ besonderes Gewicht. Sie war erk ennbar auch der Versuch, die zuvor fehlende
kommunikative Klammer nachträglich herzustellen und die Defizite der vorgelagerten
Marken- und Projektentwicklung kommunikativ zu heilen. Zugleich hat sie dazu beigetragen,
dem Welterbe eine gesamtstädtische Erzä hlung zu geben, relevante Akteure einzubinden und
die Mathildenhöhe stärker mit der der Stadt, dem Kulturangebot und dem touristischen
Standortprofil zu verbinden.
Die Kampagne kann jedoch nur dann dauerhaft tragen, wenn sie nicht als nachträgliche
Korrektur einzelner Defizite verstanden wird, sondern in eine verbindliche Vermittlungs -,
Kommunikations - und Steuerungsstruktur überführt wird. Genau hier setzt das Moratorium
an: Es soll die bisherige Trennung von Bauprojekt, Vermittlung, Kommunikation und
gesamtstädtischer Einbindung überwinden und die künftige Kommunikation aus einem
integrierten Welterbe - und Betriebskonzept ableiten.
8. Begründung des Moratoriums
Vor dem Hintergrund der vorliegenden Erkenntnisse ist ein Moratorium fachlich,
organisatorisch und wirtschaftlich begründet.
Es ist fachlich begründet, weil ein belastbares Vermittlungskonzept fehlt und wesentliche
Anforderungen an Inhalte, Zielgruppen, Formate und Funktionen bislang nicht systematisch
hergeleitet wurden.
Es ist organisatorisch begründet, weil die Steuerung der Welterbestätte fragmentiert ist und
die bisherigen Zuständigkeiten keine hinreichend klare Gesamtverantwortung erkennen
lassen.
Es ist wirtschaftlich begründet, weil die Investitions - und Folgekosten weiterh in nicht
belastbar abschätzbar sind und zugleich erhebliche Sanierungsbedarfe mit hoher Priorität
bestehen.
Das Moratorium ist daher nicht als Rückzug aus der Verantwortung zu verstehen, sondern als
bewusste Unterbrechung, um die Entscheidung wieder vom e igentlichen Auftrag des
- 22 -
Welterbes her zu entwickeln: Schutz und Vermittlung, Zugänglichkeit und Betrieb,
Stadtbezug und Finanzierbarkeit müssen in einem tragfähigen Gesamtsystem
zusammengeführt werden.
9. Weiteres Vorgehen
Die weitere Debatte soll bewuss t neu eröffnet werden. Zu klären ist nicht in erster Linie, wie
ein bereits geplantes Gebäude begründet werden kann, sondern welche Form der
Welterbevermittlung fachlich erforderlich, wirtschaftlich vertretbar und für Darmstadt
langfristig sinnvoll ist.
Vor einer abschließenden Entscheidung sollte ein integriertes Fachkonzept mindestens
folgende Fragen beantworten:
1. Welche Anforderungen ergeben sich tatsächlich aus Welterbekonvention,
Managementauftrag und außergewöhnlichem universellen Wert der Mathildenh öhe?
2. Welche Zielgruppen, Inhalte und Vermittlungsformate sind erforderlich, um die
bauliche, künstlerische, historische und ideelle Bedeutung der Mathildenhöhe
angemessen zu erschließen?
3. Welche Funktionen müssen zwingend vor Ort erfüllt werden, und welche können
digital, dezentral, temporär oder in Kooperation mit bestehenden Kultur -, Bildungs-
und Tourismuseinrichtungen organisiert werden?
4. Welche Raum-, Personal-, Sach-, Investitions- und Folgekosten ergeben sich daraus
insgesamt, und welche Lösung ist unter fachlichen, denkmalpflegerischen,
finanziellen und gesamtstädtischen Gesichtspunkten am tragfähigsten?
Erst auf dieser Grundlage kann belastbar entschieden werden, ob und in welcher Form ein
Neubau erforderlich ist oder ob ein mehrgliedriges Sy stem aus zentralen, dezentralen,
digitalen, mobilen und kooperativen Bausteinen die bessere Lösung darstellt.
Dies gilt ausdrücklich auch für den Osthang. Dessen weitere Entwicklung soll nicht
aufgegeben, sondern auf eine fachlich, denkmalpflegerisch, lan dschaftlich, wirtschaftlich und
organisatorisch tragfähige Grundlage gestellt werden.
- 23 -
10. Schlussfolgerung
Die Neubewertung richtet sich nicht grundsätzlich gegen ein Informationszentrum.
Sie zeigt jedoch, dass die bisherige Projektentwicklung wesent liche Fragen zu früh baulich
beantwortet hat, bevor die fachlichen, organisatorischen und wirtschaftlichen Grundlagen
ausreichend geklärt waren.
Die UNESCO verlangt eine qualitätsvolle Welterbevermittlung - nicht zwingend einen Neubau.
Deshalb muss die we itere Entscheidung wieder vom eigentlichen Auftrag der Welterbestätte
hergedacht werden.
Erst wenn Vermittlungskonzept, Organisationsstruktur, Funktionen, Kosten, Finanzierbarkeit
und gesamtstädtischer Nutzen nachvollziehbar zusammengeführt sind, liegt ei ne
Entscheidungsgrundlage vor, die der Bedeutung der Mathildenhöhe und der Verantwortung
der Stadt gerecht wird.
Dezernat I Dezernat VI
Hanno Benz Paul Georg Wandrey
Oberbürgermeister Stadtrat
- 24 -
Chronologie zur Entwicklung der Welterbebewerbung, der Planungen und
des Informationszentrums Mathildenhöhe
Die nachfolgende Chronologie dokumentiert die wesentlichen Stationen von Gremienarbeit,
Bürgerinformation, Workshops, Antragstellung, Planungs - und Bebauungsplanverfahren
sowie der späteren Standortkorrektur. Sie dient der transparenten Einordnung der
Entscheidungsgrundlagen und macht sichtbar, wann fachliche, politische, planerische und
kommunikative Schritte erfolgt sind .
Gremienarbeit / Arbeiten am
Antrag
Bürgerinformationsveranstaltungen
/ Foren / Öffentlichkeitsarbeit
Workshops
Chronologie bis zur Aufnahme in die Welterbeliste
September 2016 – 4. Welterbe-
Workshop; Erarbeitung eines
Tourismuskonzepts durch
projekt2508 im Auftrag von
Darmstadt Marketing.
4. Welterbe-Workshop
Mathildenhöhe.
19.12.2016 – Beauftragung des
Büros ANP Architektur- und
Planungsgesellschaft mbH mit der
Erstellung des Masterplans
Künstlerkolonie Mathildenhöhe
Darmstadt im Rahmen des
Nominierungsverfahrens.
01.02.2017 – Advisory Board-
Sitzung; Bewertung der
Standortvarianten und Empfehlung,
die Variante C „Osthang“
weiterzuverfolgen.
Februar/ März 2017 – Erarbeitung
und Vorstellung des Masterplans mit
Standortuntersuchung; geprüft
wurden dezentrale Lösungen,
bestehende Gebäude, Osthang,
Ernst-Ludwig-Brunnen und Ernst-
Ludwig-Haus.
29.03.2017 – Bürgerveranstaltung
zur Vorstellung der Ergebnisse.
Vorstellung bei lokalen Vertretern
des Advisory Boards.
13.06.2017 – Beschluss Nr.
0160/2017 der
Stadtverordnetenversammlung;
Initiierung eines
Realisierungswettbewerbs für den
Neubau des Besucherzentrums.
Vorgesehene Haushaltsmittel: 75.000
Euro.
Juli 2018 – Auslobung eines nicht
offenen Architekturwettbewerbs für
das Besucherzentrum und die
- 25 -
Gremienarbeit / Arbeiten am
Antrag
Bürgerinformationsveranstaltungen
/ Foren / Öffentlichkeitsarbeit
Workshops
städtebauliche Entwicklung des
Osthangs.
November 2018 – Durchführung und
Prämierung des
Architekturwettbewerbs;
Siegerentwurf von Marte.Marte
Architekten in Zusammenarbeit mit
WES Landschaftsarchitektur.
27.02.2019 – Beschlussfassung zum
Neubau des Besucherzentrums
Mathildenhöhe; Gesamt-Nutzfläche
ca. 1.500 m², Etatisierung mit 6,2
Mio. Euro, davon 3,5 Mio. Euro
zweckgebundene Schenkung,
zusätzlich 600.000 Euro
Planungsmittel.
2019/2020 – Planung der
Realisierung im Rahmen des
Bundesprogramms „Nationale
Projekte des Städtebaus“; Baubeginn
vorgesehen für April 2020,
Fertigstellung für den 31.12.2021.
16.10.2020 – Beschluss der
Stadtverordnetenversammlung zur
Magistratsvorlage 2020/0305
„Bebauungsplan O 32 –
Mathildenhöhe Ost –
Satzungsbeschluss“; in der
Begründung wurde das
Besucherzentrum als von der
UNESCO verlangter Baustein
dargestellt.
24.07.2021 – Aufnahme der
Mathildenhöhe Darmstadt in die
UNESCO-Welterbeliste; zugleich
Erwartung, das geplante
Besucherzentrum an einem
alternativen Standort außerhalb der
Kernzone zu verorten.
Chronologie nach der Aufnahme in die Welterbeliste / Neukonzeption und Bebauungsplanverfahren
31.03.2022 – Welterbeworkshop
mit dem Welterbebeirat und
ICOMOS Deutschland mit einer
finalen Entscheidung zur
Neukonzeption. (Hinweis: Bis
heute haben 15
- 26 -
Gremienarbeit / Arbeiten am
Antrag
Bürgerinformationsveranstaltungen
/ Foren / Öffentlichkeitsarbeit
Workshops
„Welterbeworkshops
Mathildenhöhe“ stattgefunden)
09.05.2023 –
Bürgerinformationsveranstaltung zur
Vorstellung der Neukonzeption
05.06.2023 – Magistratsvorlage
2023/0197 „Bebauungsplan O 32.1.
– Besucherzentrum Mathildenhöhe –
(Aufstellungsbeschluss)
12.07.2023 – Beschlussfassung
durch die
Stadtverordnetenversammlung für
den Aufstellungsbeschluss zum
Bebauungsplanverfahren 032.1
17.07.2023 – 25.08.2023 –
Beteiligung der Öffentlichkeit sowie
der Behörden und sonstiger Träger
öffentlicher Belange
Dezember 2023 – Unterlagen der
überarbeiteten Konzeptplanung
wurden zur Abstimmung an das
UNESCO-World Heritage Center in
Paris versendet.
26.06.2024 – Magistratsvorlage
2024/0180 „Bebauungsplan O 32.1
– Informationszentrum
Mathildenhöhe –
(Offenlagebeschluss)
19.09.2024 – Beschluss zur
Offenlage und der Änderung des
Aufstellungsbeschlusses durch die
Stadtverordnetenversammlung
30.09.2024 – 30.10.2024 – Offenlage
Bebauungsplan 0 32.1.
08.01.2025 – Magistratsvorlage
2024/0371 „Bebauungsplan 0 32.1
– Informationszentrum
Mathildenhöhe –
(Satzungsbeschluss)
20.02.2025 – Beschlussfassung
durch die
Stadtverordnetenversammlung
10. bis 11. September 2025 15.
Welterbeworkshop
Gremienarbeit / Arbeiten am
Antrag
Bürgerinformationsveranstaltungen
/ Foren / Öffentlichkeitsarbeit
Workshops
„Mathildenhöhe Darmstadt“ des
Welterbebeirats u.a.
Informationszentrum
Planungsstand / Reaktion auf
Komitee-Entscheidung und
Neubetrachtung
Kernanforderungen des
Informationszentrums /
Einsparungsmöglichkeiten
02.06.2025 – Magistratsvorlage
2025/0180 „Neubau
Informationszentrum UNESCO-
Welterbestätte Mathildenhöhe und
Durchführung eines
Planungswettbewerbes zur
Gestaltung der Freianlagen
Beratungsverlauf (2)
Orte (19)
- Pützerstraße
- Stiftstraße
- Landgraf-Georg-Straße
- Olbrichweg 10
- Luisenplatz 5A
- Fiedlerweg 20
- Lucasweg
- Eugen-Bracht-Weg
- Nikolaiweg
- Bauhausweg
- Mathildenhöhweg
- Alexandraweg 11
- Hoetgerweg
- Heinrich-Jobst-Treppe
- Erich-Ollenhauer-Promenade
- Dieburger Straße
- Erbacher Straße
- Merckstraße
- Seitersweg
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2026/0100
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 17.08.2026
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00