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V/0491/2006

Antrag der SPD-Fraktion Nr. A-R/0016/2004: Münster - Kulturstadt von internationalem Renommé

Vorlage 09.06.2006

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Nächste Beratung: Hauptausschuss, Sitzung am 21.06.2006, TOP 3.5

Beschlussvorlage

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Anlage Antrag SPD-Fraktion

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Beschlussvorlage

10210 Zeichen

V/0491/2006 
DER OBERBÜRGERMEISTER 
Kulturamt 
 
 
 
 
 
 
 
 
Betrifft 
 
Antrag der SPD-Fraktion Nr. A-R/0016/2004: Münster - Kulturstadt von internationalem Renommé
 
 
 
Beratungsfolge 
 
 
21.06.2006 Hauptausschuss Entscheidung
 
 
Beschlussvorschlag: 
 
1. Der Hauptausschuss nimmt den in der Begründung dargestellten Stand der Umsetzung von 
Projekten sowie die Überlegungen und Planungen für die weitere Kulturentwicklung zur 
Kenntnis. 
 
2. Die darin nicht aufgegriffenen Projektideen aus dem SPD-Antrag werden zur abschließenden 
Beratung an den Kulturausschuss verwiesen. 
 
 
 
Begründung: 
 
1. Ausgangslage 
 
 Im Dezember 2002 hat der Rat mit der Vorlage 1112/2002 die Vorbereitung einer Bewer-
bung der Stadt Münster um den Titel „Europäische Kulturhauptstadt 2010“ beschlossen. 
 Das kulturelle Potenzial wurde wesentlich in folgenden Aspekten gesehen: 
 
- Münster als Stadt des Westfälischen Friedens, 
- als Stadt mit historischem Stadtkern und einer leicht lesbaren Stadtstruktur, 
- als touristisch bedeutsames Zentrum in der Region Westfalen, 
- als Universitätsstadt, Stadt der Bildung und Standort von Kunstakademie und Musikhoch-
schule 
- mit einer Vielfalt und anerkannten Qualität freier professioneller Kulturschaffender 
- mit anspruchsvollen Produktionen, Festivals und international bedeutsamen Kulturereig-
nissen wie zum Beispiel der Skulpturenausstellung 
- als Stadt, die Stadtentwicklungsplanung und Kulturentwicklung aufeinander bezieht, 
- als Stadt mit hoher diskursiver Qualität und Bereitschaft 
 
Vorlagen-Nr.: 
V/0491/2006 
Auskunft erteilt: 
Herr  Ehling 
Ruf: 
492 41 00 
E-Mail: 
EhlingK@stadt-muenster.de  
Datum: 
09.06.2006 
Öffentliche Beschlussvorlage

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V/0491/2006 
 Im Zuge des integrierten Stadtmarketing und Stadtentwicklungprozesses ist die Bewerbung 
zur Europäischen Kulturhauptstadt 2010 als eines  der beiden zentralen zukunftsweisenden 
Projekte definiert worden. Auch hier, in einem über den Kulturbereich hinaus gehenden ge-
sellschaftlichen Kontext, sollte vor allem der Wert des Profilierungsprozesses hervorgehoben 
werden. 
 
2. Der Prozess 
 
 Der Prozess um die Erstellung der Bewerbung hat zu intensiven Planungsüberlegungen für 
die Kulturentwicklung bis 2010 und darüber hinaus geführt. 
 
 Die Initiative „Kulturhauptstädte Europas“ zu küren, ist ein Instrument, ein zusammenwirken-
des Europa zu bauen. Um die unterschiedlichen Menschen, Geschichten und Kulturen ein-
ander näher zu bringen, hat die Europäische Union 1985 diese Initiative ins Leben gerufen. 
Dass dies allein allerdings nicht ausreicht, zeigten spätestens die Abstimmungsverhalten zur 
europäischen Verfassung. Das kulturell verbindende bei allen Individualinteressen ist nur un-
zureichend deutlich geworden. Auch das sprach und spricht für eine Anerkennung und plan-
volle Entwicklung der sich über Kultur oder Kulturen vermittelnden Identität in Europa.  
 
 In dem münsterischen Diskurs ging es insofern wesentlich darum, welche Talente Münster in 
diesen europäischen Diskurs einbringen kann. Dabei wurden insbesondere die dialogische 
Qualität der Stadt, die Modelle „Westfälischer Friede“, „Skulpturprojekte“ und „Bürgerstadt“ 
als Fundament der Bewerbung definiert (Zitat aus der Bewerbung: „… denn wir wollen Pro-
jekte entwickeln, die zweierlei zum Ziel haben: Programm der Kulturhauptstadt für Europa zu 
sein und gleichzeitig ein Projekt kultureller Stadtentwicklung zu starten, das weit über das 
Jahr 2010 hinausreicht. … es geht ums dabei-sein, im nationalen und internationalen Wett-
bewerb, und es geht ums bei-sich-sein, bei der Arbeit und der eigenen kulturellen Identität im 
Europa der Zukunft“). 
 
 Wesentliches Kennzeichen des gesamten Bewerbungsprozesses war ein enormes Maß an 
bürgerschaftlichem Engagement, was letztlich zu einer „Bewegung“ führte, die so eindrucks-
volle Momente und Bilder ermöglichte, wie auf dem Prinzipalmarkt oder in den Osmo-Hallen 
am 20. Mai 2004. 
 
 Der Tag danach 
 
 Ganz ohne Frage entstand am Tag danach „Katerstimmung“, wobei es Münster dabei ähn-
lich ging, wie Braunschweig, Kassel, Augsburg, Potsdam, Bremen und zahlreichen anderen 
Bewerberstädten. 
 Die Auslösung des Kulturhauptstadtbüros war eine logische Konsequenz dieser Entschei-
dung. Damit verbunden war auch, dass die großen Hoffnungen, die mit der Kulturhaupt-
stadtbewerbung verbunden waren auf ein realistisches Niveau zurückgeführt werden muss-
ten.  
 Bedauerlicherweise geriet das Thema dann zu Gunsten aktuellerer Themen in den Hinter-
grund. 
 
 Wie aber ergeht es Städten wie zum Beispiel Görlitz, die wesentlich länger im Prozess waren 
und weitergekommen sind als Münster, wie erst ergeht es Städten wie Genua oder Graz, die 
Kulturhauptstädte waren und es dann nach einem Tag X nicht mehr sind? 
 
 Kulturhauptstädte Europas zu küren, ist für das weitere Zusammenwachsen Europas ein 
richtiger und wichtiger Baustein. Für Bewerberstädte kann es aber nicht darum gehen, alle 
Kräfte dafür einzusetzen, ein Jahr Kulturhauptstadt zu sein. Der Titel bzw. die Bewerbung 
soll - und das war und ist auch erklärtes Ziel vieler Bewerberstädte - Prozesse kultureller 
Stadtentwicklung in Gang setzen, die weit über den eigentlichen Bewerbungsprozess hinaus 
wirken.

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V/0491/2006 
 Wenngleich dies auch in Münster in großen Teilen stattfand und auch funktioniert hat, war 
doch die gesamte öffentliche Aufmerksamtkeit und letztlich auch der Prozess auf den Tag 
der Entscheidung am 20. Mai 2004 ausgerichtet und nicht auf die mit der Bewerbung in 
Gang gesetzten kulturellen Entwicklungsprozes se. Dies führte dann auch zu der Wahrneh-
mung, dass es „nicht weiter geht“, der Prozess vorbei ist. In der Tat war das Bewerbungsver-
fahren entschieden und die „Bewegung“, die sich in ihren Partizipationsmöglichkeiten we-
sentlich durch den kulturellen Dialog auszeichnete, wurde nicht weitergeführt. Sehrwohl wei-
tergeführt wurden eine Reihe von begonnenen bzw. in Gang gesetzten Projektplanungen, 
die jedoch bei weitem nicht mehr die öffentliche Aufmerksamkeit hatten wie vorher. 
 
 Und jetzt? 
 
 Viele bürgerschaftliche Ideen legten den Grundstein für die Projekte, die auf dem Weg zur 
Kulturhauptstadt stattfinden sollten. Im Laufe des Bewerbungsprozesses haben sich aus der 
Vielzahl von Schwerpunkten, die für Münster wichtig sind, sechs Spitzenthemen herauskris-
tallisiert:  
 
- die Kunst - nicht nur im öffentlichen Raum - 
- die Bühnen der Stadt und die Stadt als Bühne, 
- die Bildung, 
- der Hafen und der Hawerkamp, 
- die Geschichte und 
- die Lebensart 
 
 Auf Projektebene sind zahlreiche Einzelmaßnahmen bereits umgesetzt worden bzw. noch in 
Planung: 
 
- der Speicher II am Hafen ist am 1. Juli 2004 eröffnet worden, hat sich in seiner Konzepti-
on sowohl hinsichtlich der Ausstellungshalle als auch hinsichtlich der Belegung der Ate-
liers bewährt und füllt eine wichtige Funktion als Produktionsort und Drehscheibe für die 
bildende Kunst in Münster aus. 
 
- Das anlässlich der Kulturhauptstadtbewerbung erstmalig ausgerichtete „Jazz Intebet-
ween“, das Festival zwischen den Festivals, wurde auch 2006 ausgerichtet und schlägt 
damit eine wichtige Verbindung zwischen den im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfindenden 
Internationalen Jazzfestivals. 
 
- Mit der 1. Internationalen StreetArt Konferenz haben Theater Titanick, das Theater im 
Pumpenhaus und das Kulturamt der Stadt Münster einen Diskussionsprozess begonnen 
und Münster aktiv als Ort für den Diskurs über Straßenkunst im öffentlichen Raum be-
setzt. Anlässlich dieser StreetArt Konferenz wurde der Bundesverband von Straßenthea-
tergruppen gegründet. Der begonnene Dialog wurde fortgesetzt mit einem Kongress über 
StreetArt anlässlich des Straßentheaterfestivals in Detmold Anfang Juni 2006. 
 
- Das Filmfestival konnte durch die Beteiligung von zahlreichen Partnern aus der Wirtschaft 
auf eine etwas solidere Basis gestellt werden. Der Umzug in das Kino Stadt New York hat 
sich als richtiger und konsequenter Schritt hin zu einer breiteren und präsenteren Platzie-
rung des Filmfestivals in Münster erwiesen. 
 
- Mit der Beschlussfassung über die Selbstverwaltung Am Hawerkamp ist ein wichtiges 
Zwischenergebnis für die weitere Selbstverwaltung Am Hawerkamp erreicht worden. 
Nach jahrelangen Vorgesprächen und Verhandlungen ist es auch der Szene selbst ge-
lungen, sich so zu organisieren, dass sie imstande ist, diese Verantwortung zu überneh-
men. Für die Akteure bedeutet dies nunmehr  Planungssicherheit für einen Zeitraum von 
10 Jahren.

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V/0491/2006 
- Gemeinsam mit der Universität, Münster Marketing, dem Stadtarchiv und dem Kulturamt 
wird ein qualitativ hochwertiges Programm für den Jahrestag zum Westfälischen Frieden 
konzeptioniert. 
 
 Auf strategischer Ebene geht es jetzt und in den nächsten Jahren darum, auch über den 
Konsolidierungsprozess hinaus eine stabile und arbeitsfähige Trägerstruktur im Kulturbereich 
zu erhalten, Entwicklungsmöglichkeiten für neue, innovative und kreative Ideen beizubehal-
ten. Auf jeden Fall wird es darum gehen, qualitatives Niveau zu erhalten, notfalls auf Kosten 
von Quantitäten. 
 
 Die Entwicklung einer solchen Strategie für die weitere Kulturentwicklung der Stadt sollte 
aber nicht als einmalige Aufgabe verstanden werden, wie dies die Kulturentwicklungspla-
nungen der 70er und 80er Jahre waren. Moderne Kulturstrategien zeichnen sich im Gegen-
satz zu diesen Planungen dadurch aus, dass sie 
 
- prozesshaft und partizipativ entstehen, 
- über den Kulturbereich hinaus die gesamte Stadtgesellschaft im Blick haben, 
- viel stärker die demografische Situation zu berücksichtigen haben, 
- Themen wie Interkultur, Migration und Europa verstärkt in den Blick nehmen müssen, 
- Kennzahlen und Messgrößen auf mittelfristige Zielsetzungen hin entwickelt werden müs-
sen. 
 
 Die Auseinandersetzung mit dem Bereich Bürgermedien sowie die anstehende Diskussion 
um die Förderinstrumente und den freien Kulturbereich sind erste Bausteine auf dem Weg zu 
dieser Strategie, die auch in den Folgejahren sowohl spartenbezogen als auch spartenüber-
greifend konsequent weiter verfolgt werden muss. 
 
I. V. 
 
 
gez. 
Dr. Hanke 
Stadträtin 
 
 
Anlagen: 
Antrag der SPD-Fraktion

Anlage Antrag SPD-Fraktion

2820 Zeichen

Ratsantrag

SPD-Fraktion
28.06.2004
im Rat der Stadt Münster

Münzstraße 15

48143 Münster
Telefon: 0251/ 45314
Telefax: 0251/ 511750
mail: spdfrak@muenster.de

Münster - Kulturstadt von internationalem Renommee

Für eine Profilierung im Kulturbereich auch
nach der gescheiterten Kulturhauptstadtbewerbung

Der Rat möge beschließen:

Die Verwaltung wird aufgefordert:

1. Die Anregungen der SPD, die im Kulturleitantrag "Münster auf dem Weg zur Europäi-
schen Kulturhauptstadt 2010" vom 30.04.2003 aufgeführt sind, aufzugreifen und Vor-
schläge zu erarbeiten, mit welchen Schwerpunkten Münster auch nach der gescheiter-
ten Kulturhauptstadt-Bewerbung als Kulturstadt mit internationaler Geltung weiter pro-
filiert werden kann, Dafür ist eine realistische Zeitschiene zu entwickeln und ein Fi-
nanzrahmen innerhalb der mittelfristigen Finanzplanung zu definieren.

2. Vorschläge zu erarbeiten, wie das außergewöhnliche Engagement der Münstera-
ner/innen, das sie für die Bewerbung gezeigt haben, aufrecht erhalten und für die
Stadt nutzbar gemacht werden kann.

Begründung:

Sowohl im Leitantrag der SPD als auch in den Äußerungen anderer Fraktionen und nicht
zuletzt in der Ratsvorlage 21/2004 ("Vorbereitung einer Ratsentscheidung zur Bewerbung
der Stadt Münster als Kulturhauptstadt Europas 2010") wird das Prinzip einer "..nachhaltigen,
strategischen Entwicklungsarbeit für die Kulturentwicklung in Münster.." betont. In diesem
Sinne sollte die Bewerbung auch unabhängig vom Status "Kulturhauptstadt Europas" ver-
standen werden.

Nachdem Münster nun nicht mehr im Rennen um die Kulturhauptstadt ist und auch der po-
tentielle Kooperationspartner Osnabrück keine Chance mehr besitzt, muss die bisher geleis-
tete Arbeit — die auch mit einigen Kosten verbunden war - mit einem neudefinierten Ziel fort-
geführt werden. Da der unmittelbare Zeitdruck weggefallen ist, besteht ansonsten die Gefahr,

dass die Arbeit versandet und kulturelle Projekte angesichts der angespannten Haushaltsla-
ge auf den St. Nimmerleinstag verschoben werden.

In ihrem Leitantrag vom 30.04.2003 hat die SPD-Ratsfraktion einen „Kulturpolitischen Ent-
wicklungsplan“ angemahnt. Dieser sollte jetzt erarbeitet werden. In diesem Zusammenhang
ist auch die Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas kritisch aufzuarbeiten, mit dem Ziel,
die von außen geäußerte Kritik (u. a. die Stellungnahme des Stadtsportbundes, mangelnde
Einbeziehung der Partnerstädte und fehlende Durchkonzeptionierung von Themen, z. B. In-
ternationalität) zu bewerten und in zukünftigen Planungen zu berücksichtigen.

Beate Vilhjalmsson Anne Hakenes Udo Reiter
Wolfgang Heuer Ralf Hubert Friedhelm Schade
Verena Marzinkewitz Fritz Krüger Jürgen Siekmann
Holger Wigger Gaby Kubig-Steltig Joachim Tonn
Hedwig Chudziak Hans Langela Winfried Welter

Beanka Ganser Marianne Mecke

Beratungsverlauf (1)

21.06.2006 Hauptausschuss
TOP 3.5 Entscheidung Entscheidung

Beschluss: einstimmig beschlossen

Zur Sitzung

Orte (3)

  • Münzstraße 15
  • Am Hawerkamp
  • Prinzipalmarkt

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Details

Vorlagen-Nr.
V/0491/2006
Typ
Vorlage
Datum
09.06.2006
Erstellt
06.10.2020 14:37