2026/0158
1. Systematische Erfassung der denkmalwerten Bausubstanz gemäß § 5 Abs. 2 Ziffer 3 und 4 Hessisches Denkmalschutzgesetz (HDSchG) 2. Benehmensherstellung mit den Gemeinden gemäß § 11 Abs. 1 HDSchG vor Eintragung in das Denkmalbuch
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Anlage 1 Stadt Darmstadt - Nacherfassung des Denkmalbestandes 202 6 Adresse Flur; Flurstück Software AG Uhlandstraße 12 2 983/1, 1075/6 , 960/2, 1080/3, 1075/7, 982/1 Posttechnisches Zentralamt (PTZ) Hilpertstraße 31 44, 43 1/4, 1/38 Hundertwasserhaus Waldspirale Waldspirale 1, 1a, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8 13 46/15
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Seite 1 von 5 Auszug aus dem Denkmalverzeichnis des Landes Hessen vom 16.01.2026 14:19 Legende: Kulturdenkmal nach § 2 Abs. 1 HDSchG Kulturdenkmal (Gesamtanlage) nach § 2 Abs. 3 HDSchG Kulturdenkmal (Grünfläche) nach § 2 Abs. 1 oder § 2 Abs. 3 HDSchG Kulturdenkmal (Wasserfläche) nach § 2 Abs. 1 oder § 2 Abs. 3 HDSchG Wege-, Flur- und Friedhofskreuz, Grabstein Jüdischer Friedhof Kleindenkmal, Bildstock Grenzstein Keller bzw. unterirdisches Objekt Baum In Bearbeitung. Kreis: Darmstadt, Stadt Ort: Darmstadt Ortsteil: Gewerbegebiet Nord Straße/HNr.: Waldspirale 1 Waldspirale 1A Waldspirale 2 Waldspirale 3 Waldspirale 4 Waldspirale 5 Waldspirale 6 Waldspirale 7 Waldspirale 8 Bezeichnung: Hundertwasserhaus Waldspirale Flur: 13 Flurstück: 46/15 Denkmalstatus: Kulturdenkmal gem. § 2 Abs. 1 HDSchG Denkmalwert: aus geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen Hundertwassers Werk Friedensreich Hundertwasser (1928–2000), mit bürgerlichem Namen Friedrich Stowasser („sto“ bedeutet in den slawischen Sprachen „hundert“), war ein österreichischer Künstler, vorwiegend Maler, aber auch in den Bereichen Architektur und Umweltschutz tätig. Sein malerisches Werk war geprägt vom Motiv der Spirale und bunter Farbigkeit. Darüber hinaus zeichnet sich sein künstlerisches Schaffen durch den Ausschluss gerader Linien und rechter Winkel sowie jeglicher Standardisierung aus. Stattdessen band er stehts die Natur sowie an der Natur orientierte Bauformen in seine Architektur ein, was den Bauten Lebendigkeit und Individualität verschaffte. Beispielsweise ließ er 1975 bei der Triennale in Mailand 15 Bäume durch Fenster in der Via Manzoni pflanzen, die er als „Baummieter“ („Inquilino Albero“) bezeichnete. Mit dieser Aktion wurde er zum Pionier der Fassadenbegrünung und prägte nicht zuletzt spätere ikonische Bauten wie den „Bosco Verticale“ (Stefano Boeri, 2008–2014), ebenfalls in Mailand. 1982 begann er mit dem Bau seines ersten Wohnbauprojekts in Wien, welches 1986 fertiggestellt wurde. Es folgten zahlreiche weitere Wohnbauprojekte. Die Grundlagen hierfür schuf er bereits 1958 mit der Veröffentlichung seines Waldspirale, Schrägluftbild mit Sicht auf Dachbegrünung (Foto: Hundertwasser Archiv, Wien) Seite 2 von 5 Auszug aus dem Denkmalverzeichnis des Landes Hessen vom 16.01.2026 14:19 „Verschimmelungsmanifests gegen den Rationalismus in der Architektur“. Darin bezog er klare Stellung gegen funktionalistische und für eine „natur- und menschengerechte Architektur“. Beispielsweise forderte er, dass jeder Mensch sich aus dem Fenster lehnen dürfe um die Hausfassade so weit zu bemalen, wie seine Arme reichten – das sogenannte „Fensterrecht“. Baugeschichte Auf einem ehemaligen Schlachthofareal nahe des Bürgerparks neben Gewerbe- und Bürogebäuden beauftragte der Bauverein Darmstadt Friedensreich Hundertwasser damit, ein Mehrfamilienhaus mit 105 Wohneinheiten zu planen. Die anschließende Ausführungsplanung stammt von einem engen Vertrauten Hundertwassers, dem Architekten Heinz M. Springmann, mit dem er bereits im Rahmen des Projekts „Wohnen unterm Regenturm“ in Plochingen zusammengearbeitet hatte. Die Grundsteinlegung für die später sogenannte „Waldspirale“ erfolgte am 12. November 1998 und bereits am 15. September 2000 wurde sie eröffnet. Die Fertigstellung erlebte Hundertwasser selbst nicht mehr; er verstarb sechs Monate zuvor. Baubeschreibung Die Grundidee der Waldspirale ist ein begrünter (bewaldeter) Baukörper, der sich in Spiral-Form von der Süd-West-Ecke des Grundstücks über eine ständig ansteigende Schräge bis auf neun Geschoße an der Süd-Ost-Ecke erstreckt. Dort erhält der Bau durch einen 41 Meter hohen Turm mit zwölf Geschossen, goldener Zwiebelhaube und einer Aussichtsterrasse einen besonderen städtebaulichen Akzent. Dem Motiv der Spirale bediente sich Hundertwasser in seinen Kunstwerken häufig; sie war für ihn ein Sinnbild für den Kreislauf des Lebens. Die Fassaden gestaltete Hundertwasser als Referenz zu den geologischen Bodenschichten des Geländes unter dem Bau, zu den Sedimenten, sie sich seit Jahrmillionen gebildet haben. Die horizontalen erdfarbenen Bänder wurden anschließend mit Bürsten bearbeitet, um den Charakter des Bodens noch stärker zu imitieren. Einige der Fenster sind mit farbigen Keramik-Schlusssteinen versehen. Im Erdgeschoss sowie in einigen Loggien und im Gebäudeinnern finden sich farbenfrohe Keramiksäulen. Die mehr als eintausend Fenster folgen keinem Raster – generell fehlen gerade Linien und rechte Winkel in der Fassadengestaltung, da Hundertwasser diese als „menschenfeindlich“ bezeichnete. Aus einigen Fenstern wachsen „Baummieter“, die mit den menschlichen Bewohnern eine Waldspirale, Fassadenansicht (Foto: Hundertwasser Archiv, Wien) Waldspirale, Turm (Foto: Joram Harel) Darmstadt, Stadt - Darmstadt - Gewerbegebiet Nord - Waldspirale 1 (und 8 weitere) In Bearbeitung. Seite 3 von 5 Auszug aus dem Denkmalverzeichnis des Landes Hessen vom 16.01.2026 14:19 „Hausgemeinschaft“ eingehen. Auch einige Wohnungen sind nach Hundertwassers Vorstellungen ausgeführt, mit abgerundeten Ecken an Decken und Wänden sowie mit unebenen Böden. In jeder Wohnung sind verschiedene Drücker an Türen und Fenstern angebracht. Die Waldspirale ist nicht nur ein Wohnkomplex, sondern beinhaltet außerdem eine Tiefgarage, eine Bar und ein Kiosk im Erdgeschoss sowie eine große Gewerbefläche über drei Etagen im Turm. Im Innenhof befinden sich ein Kinderspielplatz, ein Pavillon auf Keramikstützen und ein kleiner, künstlich angelegter Teich. Freiraumgestaltung Die Freiflächen zwischen den Baukörpern gehören zum gestalterischen Konzept Hundertwassers und folgen dessen Gestaltungsprinzipien. Das Gelände ist modelliert; es finden sich dort ein künstlich angelegter Teich, ein von Regenwasser gespeister Bach, Treppen, Terrassen sowie begrünte Hügel und unebene Wege aus einem vielfältigen Materialmix aus Klinkern, Beton- und Natursteinpflastersteinen, mit Intarsien aus Mosaikpflaster und mit Keramikfliesen durchsetzt. Diese Außenflächen sind elementar für den Entwurf und folgen der Idee Hundertwassers, Architektur und Natur in Einklang zu bringen. Teile der Fassaden sind mit Kletterpflanzen wie Wildem Wein bewachsen. Die ansteigende Rampe ist ebenfalls mit Grasflächen, Sträuchern und auch größeren Laub- und Nadelgehölzen bepflanzt. Daneben sind weitere Elemente einer Gartengestaltung zu finden, wie eine Wasserkaskade und ein Teich, begleitet von einem Weg, ebenso im beschriebenen Materialmix gestaltet. Die ursprüngliche Idee, das begrünte Dach als öffentlichen Park begehbar zu gestalten, wurde bereits während der Bauphase aus Sicherheitsgründen verworfen. Dabei sah Hundertwasser ursprünglich vor, dass „der Mensch vom Straßenstaub, vom Straßenniveau hinauf, unmerklich hinauf in die höhere Ebene der Natur [geht]. Er wandert auf einen sanft ansteigenden Hügel und wird sich erst allmählich bewusst, dass er sich nicht in einer Waldanhöhe, sondern auf einem Haus befindet, in dem unter seinen Füßen Menschen wohnen.“ Das oberste Plateau ist als begrünte Dachterrasse in selber Gestaltsprache und mit Geländern versehen und für die Bewohnerschaft von den Wohnungen aus erreichbar. Konstruktion Waldspirale, Blick in den Innenhof (Foto: Hundertwasser Archiv, Wien) Waldspirale, Fassade Innenhof mit Pavillon (Foto: Hundertwasser Archiv, Wien) Darmstadt, Stadt - Darmstadt - Gewerbegebiet Nord - Waldspirale 1 (und 8 weitere) In Bearbeitung. Seite 4 von 5 Auszug aus dem Denkmalverzeichnis des Landes Hessen vom 16.01.2026 14:19 Die Rohbaukonstruktion besteht aus Stahlbeton, als weitere Baustoffe für Wände und Decken wurden Porenbeton und Kalksandstein verwendet. Die Wandformen folgen zum Teil Freihandlinien und erzeugen so gebogene Außenwände mit bis zu 3 Grad Neigung gegen die Vertikale. Stärkere Krümmungen wurden mit einer Rundflex-Schalung hergestellt, schwächere Krümmungen wurden polygonal geschalt. Nach den Prinzipien der Nachhaltigkeit und des ökologischen Bauens wurden bei dem Bau 12.000 Kubikmeter Beton mit rezyklierten Zuschlägen verbaut. Betreut wurde das Unterfangen vom Institut für Massivbau der Technischen Hochschule Darmstadt unter der Leitung von Professor Peter Grübl. Die Verwendung von Beton aus Abbruch-Bauten war erstmalig im Wohnungsbau in Deutschland. Denkmalwert Das Hundertwasserhaus „Waldspirale“ samt Freiraumgestaltung stellt als künstlerische Sonderform ein wichtiges Dokument innerhalb des Wohnbaus in Darmstadt dar. In ihm zeigt sich die spätmoderne Wende weg vom Funktionalismus hin zu einem „menschen- und naturfreundlichen“ Bauen. Als solches ist es auch ein wichtiges bauliches Dokument der damaligen Ökologiebewegung, der Hundertwasser angehörte und die sich ab den 1980er Jahren auch in der Architektur niederschlug. Die Waldspirale ist eines der Hauptwerke des weltweit bekannten und bedeutenden Künstlers Friedensreich Hundertwasser und damit Zeugnis von dessen baukünstlerischer Verwirklichung. Außerdem ist sie als zeitgeschichtliches Phänomen der Partizipation im Bauen durch die Bewohner zu begreifen, welches sich durch die Erlaubnis, die Wände individuell zu bemalen, äußert. Die Darmstädter Waldspirale ist der einzige Bau, bei dem der Künstler sein immer wiederkehrendes Motiv der Spirale umsetzen konnte. Als konsequente monumentale, künstlerisch durchgestaltete Verwirklichung Hundertwassers architektonischer Vorstellungen ist die Waldspirale von internationaler künstlerischer Bedeutung. Das Gebäude samt Innenhofgestaltung ist ein Gesamtkunstwerk, das unverkennbar die Handschrift Friedensreich Hundertwassers trägt und dessen künstlerische Ideen erkennbar und überzeugend in architektonische Formen gießt. Es beinhaltet mit seiner Bepflanzung nicht nur den Aspekt der Ökologie, sondern auch die vom Künstler offen postulierte Kritik an der modernen Architektur, in diesem Fall dem funktionalen Bauen. Hundertwassers Architekturverständnis mit der Ablehnung der geraden Linien und dem konsequenten Einbezug der Natur in seine Entwürfe ist bemerkenswert. Die Waldspirale in Darmstadt ist ein wesentliches Zeugnis dieser Gestaltungsabsicht des Künstlerarchitekten und daher von großem künstlerischen sowie Waldspirale, Baummieter (Foto: Hundertwasser Archiv, Wien) Schnitt (Foto: unbekannt) Darmstadt, Stadt - Darmstadt - Gewerbegebiet Nord - Waldspirale 1 (und 8 weitere) In Bearbeitung. Seite 5 von 5 Auszug aus dem Denkmalverzeichnis des Landes Hessen vom 16.01.2026 14:19 geschichtlichen Wert. Das Gebäude prägt ein ganzes Mikroquartier im Darmstädter Norden, bildet Stadträume aus, bietet einen halb-öffentlichen urbanen Grünraum und fungiert nicht zuletzt mit seinen weithin sichtbaren goldenen Turmhauben als städtebaulicher Marker. Sie setzte die baukünstlerische Tradition Darmstadt fort. Damit besitzt die Waldspirale auch einen stadtgeschichtlichen und städtebaulichen Wert. Literatur (Auswahl) Bauverein AG: Die Waldspirale von Darmstadt ist ein ungewöhnliches und zukunftsweisendes Bauwerk (Darmstadt 2000). Die Hundertwasser gemeinnützige Privatstiftung: Die Wald-Spirale von Darmstadt, ARCH 120, (https://hundertwasser.com/architektur/arch120_die_wald-spirale_ von_darmstadt_1547). Hundertwassers bunte Häuserwelten. Kunstbauwerke von Wien bis Osaka (Wien 2019). Thilo Fischer: „Die Waldspirale“ – Das etwas andere Gebäude im Bürgerparkviertel von Darmstadt, in: zfv – Zeitschrift für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement, hg. von Deutscher Verein für Vermessungswesen e. V. – Gesellschaft für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement, Jg. 127, Bd. 4/2002 (Augsburg 2002). Robert Schediwy: Hundertwassers Häuser. Dokumente einer Kontroverse über zeitgemäße Architektur, hg. von Joram Harel nach einer Idee von Wieland Schmied (Wien 1999). Innenabwicklung_Fassadendesign, Architekturzeichnung, Aquarell, 1999. (Foto: F. Hundertwasser) Darmstadt, Stadt - Darmstadt - Gewerbegebiet Nord - Waldspirale 1 (und 8 weitere) In Bearbeitung.
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Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
18.05.2026
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat III an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Amt: Stadtplanungsamt
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2026/0158
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.:
Kostenstelle: Investitionsnummer:
Kostenträger: Sachkonto:
Betreff: 1. Systematische Erfassung der denkmalwerten Bausubstanz gemäß § 5 Abs. 2 Ziffer
3 und 4 Hessisches Denkmalschutzgesetz (HDSchG)
2. Benehmensherstellung mit den Gemeinden gemäß § 11 Abs. 1 HDSchG vor
Eintragung in das Denkmalbuch
Vorlage vom: 07.05.2026
Beschlussvorschlag :
Der Liste der nacherfassten Denkmäler in Darmstadt wird zugestimmt .
Das erforderliche Benehmen zwischen der Wissenschaftsstadt Darmstadt und dem Landesamt für
Denkmalpflege Hessen gemäß § 10 Abs. 3 Hessisches Denkmalschutzgesetz (HDSchG) ist für die
in der Liste benannten Objekte hergestellt.
Anlagen: Anlage 1 Nacherfassung des Denkmalbestandes 2026
Anlage 2 Darmstadt -Eberstadt Uhlandstraße 12
Anlage 3 Darmstadt -Gewerbegebiet West Hilpertstraße 31
Anlage 4 Darmstadt -Gewerbegebiet Nord Waldspirale 1, 1a, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8
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Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
Zusätzlich für alle Vorlagen aus dem Bereich des Hochbaus anzugeben:
Klimarelevanz des Vorhabens:
Auswirkungen auf Stadtklima: ja nein
Auswirkungen auf THG -Emissionen: gering1) mittel/groß 2)
Beteiligung Amt f. Klimaschutz & Klimaanpassung: ja nein
Zusätzlich bei Beschlüssen zur Baufreigabe:
Wurden Optimierungspotentiale ausgeschöpft? ja nein
Falls nein, Kompensationsmaßnahmen festgelegt? ja nein
1) bis 10 Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente (CO2e) pro Jahr, 2) über 10 Tonnen CO2e pro Jahr.
Beschluss des Magistrats vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage Nr. 2026/0158 vom 07.05.2026:
Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen hat gemäß § 4 Abs. 3 und 4 Hessisches
Denkmalschutzgesetz (HDSchG) die denkmalwerten Bausubstanzen systematisch zu
erfassen und ein Denkmalbuch zu führen. Das Denkmalbuch ist ein nachrichtliches
Denkmalverzeichnis, in dem Objekte, die die gesetzlichen Merkmale eines Kulturdenkmals
erfüllen, gelistet sind. Die Unteren Denkmalschutzbehörden und die Gemeinden führen für
ihr Gebiet Auszüge aus dem Denkmalbuch. Die Aufnahme in das Denkmalverzeichnis der
unterschutzgestellten Kulturdenkmäler kann von Amts wegen oder auf Antrag erfolgen.
Antragsberechtigt sind der Eigentümer des Kulturdenkmals, die Gemeinde, in der das
Denkmal gelegen ist sowie der Denkmalbeirat nach § 3 Abs. 3 HDSchG. Vor Aufnahme in das
Denkmalbuch ist gemäß § 10 Abs. 3 HDSchG das Benehmen mit der Gemeinde herzustellen.
Seit 1994 liegt mit der Denkmaltopographie der Stadt Darmstadt eine umfassende
Dokumentation des Denkmalbestandes in Darmstadt vor. Dabei handelt es sich einen
Bestand, der sich durch neue Erkenntnisse und die geänderte Bewertung abgeschlossener
Bauepochen dynamisch wandelt. Nach rund 25 Jahren wurde dieser Bestand daher einer
Revision unterzogen, sowie auf der Grundlage von Recherchen und Begehungen um
systematisch erfasste Baudenkmäler ergänzt.
Die auf der aktualisierten hier beigefügten Liste aufgeführte n Objekte wurden auf ihren
Denkmalwert hin überprüft. Die Überprüfung hat ergeben, dass sie die Kriterien eines
Kulturdenkmals gem. § 2 Abs. 1 bzw. 3 des Hessischen Denkmalschutzgesetzes (HDSchG)
erfüllen. Ihre Eintragung in das Denkmalverzeichnis des Land es Hessen ist daher
vorzunehmen.
Das erforderliche Benehmen zwischen der Wissenschaftsstadt Darmstadt und dem
Landesamt für Denkmalpflege Hessen gemäß § 10 Abs. 3 Hessisches Denkmalschutzgesetz
(HDSchG) ist für die in der Liste benannten Objekte hergestel lt. Die Beteiligung der Stadt
dient der Abstimmung der erfassten Kulturdenkmäler, um abschließend beurteilen zu
können, ob ggf. noch Korrekturen vorzunehmen sind.
Nachrichtlich sei hier angemerkt, dass die Eintragung der drei Objekte den jeweiligen
Eigentümerinnen bekannt ist und von diesen begrüßt wird.
Dezernat III:
Michael Kolmer
Stadtrat
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Seite 1 von 5 Auszug aus dem Denkmalverzeichnis des Landes Hessen vom 21.01.2026 09:56 Legende: Kulturdenkmal nach § 2 Abs. 1 HDSchG Kulturdenkmal (Gesamtanlage) nach § 2 Abs. 3 HDSchG Kulturdenkmal (Grünfläche) nach § 2 Abs. 1 oder § 2 Abs. 3 HDSchG Kulturdenkmal (Wasserfläche) nach § 2 Abs. 1 oder § 2 Abs. 3 HDSchG Wege-, Flur- und Friedhofskreuz, Grabstein Jüdischer Friedhof Kleindenkmal, Bildstock Grenzstein Keller bzw. unterirdisches Objekt Baum In Bearbeitung. Kreis: Darmstadt, Stadt Ort: Darmstadt Ortsteil: Gewerbegebiet West Straße/HNr.: Hilpertstraße 31 Bezeichnung: Posttechnisches Zentralamt (PTZ) Flur: 44,43 Flurstück: 1/4, 1/38 Denkmalstatus: Kulturdenkmal gem. § 2 Abs. 1 HDSchG Denkmalwert: aus geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen Baugeschichte Das Posttechnische Zentralamt (PTZ) war eine zentrale Mittelbehörde der Deutschen Bundespost, gegründet am 14. März 1949 mit Sitz in Darmstadt. Mit seiner Einrichtung gab es erstmals in der deutschen Postgeschichte ein zentrales Amt für das Postwesen. Das PTZ hatte die Aufgabe, den Postdienst durch die zentrale Auswertung von Erfahrungen, wissenschaftlicher Erkenntnisse und Statistiken auf bestmögliche Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit zu bringen. 1989 wurde es der Generaldirektion der Deutschen Bundespost POSTDIENST unterstellt und ging 1993 in ihr auf. Zu Beginn war das PTZ gemeinsam mit dem Fernmeldetechnischen Zentralamt (FTZ) in der Garde-Dragoner-Kaserne des ehemaligen Kavallerieregiments 6 der Wehrmacht untergebracht. 1962 erhielt es einen Neubau am Luisenplatz, der später vom Land Hessen erworben wurde. Das Raumangebot des Komplexes war allerdings zu klein für das gesamte Personal, sodass zusätzlich bis zu zwölf weitere Objekte im Darmstädter Stadtgebiet angemietet wurden. 1966 wurde für ein Neubauvorhaben ein Grundstück in Neu-Kranichstein erworben, auf dem das Architekturbüro Novotny und Mähner im Rahmen eines Architekturwettbewerbs 1970 ein 149 m hohes Hochhaus entwarf. Die dafür kalkulierten Kosten sprengten allerdings den vorgesehenen Kostenrahmen, weshalb die Planungen eingestellt wurden. Erst nach einer weiteren Bedarfsprognose 1977 entstand von 1986 bis 1990 ein Neubau an der Hilpertstraße im Gewerbegebiet West in unmittelbarer PTZ, Ansicht von Hilpertstraße, 2024 (Foto: R. Michel, LfDH) Seite 2 von 5 Auszug aus dem Denkmalverzeichnis des Landes Hessen vom 21.01.2026 09:56 Nachbarschaft zum FTZ mit 196.000 m³ Rauminhalt für die damals rund 1.600 Mitarbeiter. Das Ensemble aus FTZ und PTZ war Teil einer großflächigen Quartiersentwicklung im Darmstädter Westen. Die Baukosten für das PTZ beliefen sich auf etwa 154 Millionen DM, damit war es zu diesem Zeitpunkt nach den Baukosten das größte Einzelprojekt in der Darmstädter Baugeschichte. Der Entwurf geht auf Otto Vogel, Horst Dibelius und Wolfgang Last (Oberpostdirektion Frankfurt a. Main) in Zusammenarbeit mit dem Darmstädter Büro Schröder-Planung zurück. Die Gesamtleitung hatte die Oberpostdirektion in Person von Karl-Heinz Beckemeier inne. Nachdem die Deutsche Post das Grundstück in den 2000er Jahren verkaufte, wurden an drei Stellen zusätzliche Treppenhäuser in bestehende Gebäudenischen eingebaut, um eine Aufteilung in mehrere Nutzungsabschnitte zu ermöglichen. Baubeschreibung Der Baukomplex besteht aus drei U-förmigen fünf- bis sechsgeschossigen Bürotrakten, die sich um einen zentralen Erschließungskern gruppieren. Die Gebäudehöhen waren durch Festlegungen im Bebauungsplan begrenzt, weshalb das enorme Bauvolumen in die Breite ausgeweitet wurde. In den Innenhöfen befinden sich mehrere ein- bis zweigeschossige Nebengebäude, in denen die Kantine, ein großer Sitzungssaal, Werkstätten und Labors untergebracht sind, sowie ein Pförtnerhäuschen an der Einfahrt der Hilpertstraße. Im Nordosten des Areals befinden sich zudem eine dreigeschossige Parkhausanlage mit 560 PKW-Stellplätzen und überdachte Abstellflächen für Fahrräder. Die Fassaden der Gebäude sind mit hellgrauen Granitplatten behängt, welche mit den türkisblau abgesetzten Fensterrahmen, dem ebenso farbig verkleideten Staffelgeschoss sowie dem bläulich spiegelnden Erschließungsturm kontrastieren. Letzterer beinhaltet den Haupteingang mit blauer Stahl-Fenster-Fassade und auskragendem Vordach, das auf pinken Stützen ruht. Teil der Gestaltung sind die umliegenden Freiflächen hochstämmigen Bäumen (Ahorn, Kiefern, Robinien) sowie Rankgerüsten an verschiedenen Gebäudeteilen, primär dem Parkdeck. In der Zuwegung des Eingangs befinden sich eine geometrisch gerasterte, diagonale Pflasterung aus Granit- und Basalt, abgesetzt mit anthrazitfarbenem Betonpflaster, und eine Brunnenanlage mit Wasserfontänen. Rückwärtig zieht sich diese auf die Geometrie der Gebäude bezogene Freiraumgestaltung durch und mündet in einem quadratischen Plätzchen mit Pavillon am nördlichen Abschluss des Areals. Parallel zum Gebäude entlang der Hilpertstraße ebenfalls gerasterte Pflasterung mit zwei begleitenden Baumreihen. Auf dem Gelände befinden sich PTZ, Fassadenasicht, 2024 (Foto: R. Michel, LfDH) PTZ, Rückansicht, 2024 (Foto: R. Michel, LfDH) Darmstadt, Stadt - Darmstadt - Gewerbegebiet West - Hilpertstraße 31 In Bearbeitung. Seite 3 von 5 Auszug aus dem Denkmalverzeichnis des Landes Hessen vom 21.01.2026 09:56 weiße Mastleuchten mit dreieckigen Schirmen. Die Erschließung erfolgt über eine Eingangshalle mit Pförtnerloge, die Bodenfliesen nehmen das Streifenmuster der Zuwegung im Außenbereich auf. Die Fassade des Erschließungsturms setzt sich ebenfalls im Innern fort, auch hier sind die blauen Stahlfenster sichtbar und weitere blau lackierte Stahlkonstruktionen lockern das Foyer auf. Großteile des Komplexes sind Büroflächen mit schlichten weißen Wandanstrichen und Bodenbelägen. Vereinzelte Akzente bilden Säulen mit Schattenfugen entlang der Fensterfassaden und geometrische Pflanzbete auf den Fluren, aus denen Bäume durch die abgehängte Decke emporwachsen. Räume mit Sondernutzungen sind in erster Linie ein großer Versammlungsraum und eine Kantine mit Großküche, beide im Erdgeschoss. Beide heben sich durch höhere Decken und Stäbchenparkett ab. Kunst am Bau Zur künstlerischen Ausgestaltung wurde eine fachkundige Jury eingesetzt, bestehend aus Vertretern des PTZ, seines Personalrats, der Oberpostdirektion Frankfurt am Main, des Bundespostministeriums und des Instituts Mathildenhöhe. Das Ziel war es, den Dimensionen und der überdurchschnittlich hohen architektonischen Qualität des Gebäudekomplexes ein würdiges künstlerisches Pendant zur Seite zu stellen. Daher einigte sich die Jury darauf, das zur Verfügung stehende Budget nicht auf einen einzelnen Solitär zu verwenden, sondern insgesamt sechs Bereiche des Gebäudes mit jeweils einem Kunstwerk zu akzentuieren. Dabei sollten unterschiedliche Kunstgattungen zum Zuge kommen. Drei Wettbewerbe, bei denen in erster Linie Persönlichkeiten der deutschen Kunstszene beteiligt wurden, sollten verschiedene Strömungen der zeitgenössischen Kunst abdecken. Für das große Kunstwerk auf dem Vorplatz wurde aufgrund der Bedeutung und Schwierigkeit der Aufgabe eine internationale Wettbewerbsbesetzung zusammengestellt. Der größte und ausfälligste Beitrag zur Kunst am Bau ist eben jenes Kunstwerk vor dem Haupteingang an der Hilpertstraße: Die Monumentalplastik „Papyrus“ des italienischen Bildhauers Arnaldo Pomodoro (1926–2025), die als eines seiner Hauptwerke bezeichnet werden kann. „Papyrus“ ist ein großes, raumgreifendes Werk, geformt wie ein Band, das wellenförmig in Bewegung begriffen ist. Teile scheinen im Boden versunken zu sein, andere streben dynamisch in die Höhe. Die Grundform des bis zu neun Meter hohen Kunstwerks ist aus eingefärbtem Stahlbeton gegossen, der wiederum mit in Bronze gegossenen Strukturelementen bestückt ist, die eine Relief-artige Oberfläche ausbilden. Die Plastik versinnbildlicht die Schriftrolle als ursprüngliches Kommunikationsmedium – dadurch wird der thematische Bezug zum PTZ augenscheinlich. Die Qualität ergibt PTZ, Parkdeck, 2024 (Foto: R. Michel, LfDH) Darmstadt, Stadt - Darmstadt - Gewerbegebiet West - Hilpertstraße 31 In Bearbeitung. Seite 4 von 5 Auszug aus dem Denkmalverzeichnis des Landes Hessen vom 21.01.2026 09:56 sich zum einen aus dem künstlerischen Entwurf, zum anderen aus der ingenieurstechnischen Leistung. Weitere Kunstwerke stammen von den deutschen Künstlern Günther Uecker (1930–2025), Dieter Teusch (1940–2020) und Horst Gläsker (geb. 1949). Uecker, weltbekannt für seine Nagelbilder, setzte sein wiederkehrendes Motiv in ein Wandrelief um. Er versah eine dreieckige Fläche der Granitfassade neben dem Haupteingang mit einer dichten Ansammlung bleierner Rundstäbe, welche die Fassade zu durchdringen scheinen. Es entsteht der Eindruck, die Fassade würde an dieser Stelle aufreißen und ein komplexes Spiel aus Licht und Schatten entsteht. Teusch schuf die Edelstahlskulptur „Venus“ für den Innenhof des östlichen Gebäudetrakts. Auf einem gestuften Sockel steht ein gezacktes Objekt, auf dem ein gigantisches Auge ruht. Im Sinne der Postmoderne abstrahiert und verfremdet Teusch das vermeintliche weibliche Idealbild der Venus mit Witz und Ironie. Gläsker zeichnete gleich für mehrere Elemente der Kunst am Bau verantwortlich. Besonders prominent ist die 27 x 5 m große Wandgestaltung „Sphären“ im Veranstaltungssaal mit Acrylfarben in Spachtelputztechnik. Dabei wird Gläskers Vorliebe für die Fantasie- und Mythenwelt in Kombination mit Heiterkeit und astrologischer Symbolik deutlich, die sich in der Verwendung knallig bunter Farben ausdrückt. In unregelmäßigen Abständen sind venezianische Goldmosaikkacheln im Putz appliziert. In der Kantine gestaltete Gläsker außerdem vier dicke Pfeiler, die technische Einrichtung verbergen, indem er auch sie mit buntem Spachtelputz und zarter Ritztechnik bearbeitete. Das „Tor der vier Urelemente“ versinnbildlicht Feuer, Erde, Wasser und Luft. Denkmalwert Als erstes zentrales bundesweites Amt seiner Art ist das PTZ mit seinem Neubau in der Hilpertstraße in Darmstadt ein wichtiger Teil der Post- und damit der BRD-Geschichte. Mit seiner Dimension und seinem künstlerischen Anspruch bezeugt das Selbstverständnis der Bundespost auch noch im ausgehenden 20. Jahrhundert. Somit kommt ihm aus bundesdeutscher Sicht eine zeitgeschichtliche Bedeutung zu. Das aufwendige Wettbewerbsverfahren, die gezielte Verteilung der Kunstwerke auf mehrere Standorte in und um das Gebäude sowie die Beauftragung weltweit renommierter Künstler wie Arnaldo Pomodoro und Günther Uecker ergaben eine qualitativ hochwertige künstlerische Gestaltung des Areals und bezeugen den hohen Stellenwert, welcher der Kunst am Bau bei diesem Projekt zugesprochen wurde. Gepaart ist dies mit einer hohen Qualität sowohl des Entwurfs als auch der Bauausführung. Daraus ergibt sich ein gesteigerter baukünstlerischer Wert. Das PTZ verortet sich als Großfigur im Stadtraum, die eigene Innen- und Außenbereiche ausbildet. Dies stützt den Darmstadt, Stadt - Darmstadt - Gewerbegebiet West - Hilpertstraße 31 In Bearbeitung. Seite 5 von 5 Auszug aus dem Denkmalverzeichnis des Landes Hessen vom 21.01.2026 09:56 städtebaulichen Wert des Baus. Literatur 40 Jahre FTZ und PTZ in Darmstadt, in: Archiv für deutsche Postgeschichte, hg. von: Gesellschaft für deutsche Postgeschichte e. V., Heft 1/1989. Kunst für ein neues Haus, hg. vom Posttechnischen Zentralamt (1990). Postbauten, hg. vom Bundesministerium für das Post- und Fernmeldewesen (Stuttgart/Zürich 1989). Darmstadt, Stadt - Darmstadt - Gewerbegebiet West - Hilpertstraße 31 In Bearbeitung.
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Seite 1 von 3 Auszug aus dem Denkmalverzeichnis des Landes Hessen vom 16.01.2026 14:19 Legende: Kulturdenkmal nach § 2 Abs. 1 HDSchG Kulturdenkmal (Gesamtanlage) nach § 2 Abs. 3 HDSchG Kulturdenkmal (Grünfläche) nach § 2 Abs. 1 oder § 2 Abs. 3 HDSchG Kulturdenkmal (Wasserfläche) nach § 2 Abs. 1 oder § 2 Abs. 3 HDSchG Wege-, Flur- und Friedhofskreuz, Grabstein Jüdischer Friedhof Kleindenkmal, Bildstock Grenzstein Keller bzw. unterirdisches Objekt Baum In Bearbeitung. Kreis: Darmstadt, Stadt Ort: Darmstadt Ortsteil: Eberstadt Straße/HNr.: Uhlandstraße 12 Bezeichnung: Software AG Flur: 2 Flurstück: 983/1, 1075/6, 960/2, 1080/3, 1075/7, 982/1 Denkmalstatus: Kulturdenkmal gem. § 2 Abs. 1 HDSchG Denkmalwert: aus geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen Geschichte Die Software AG wurde 1969, federführend von Peter Kreis, gegründet. Zu den Gründern gehörte auch der Mathematiker Peter Schnell, der später langjähriger Vorstandsvorsitzender wurde. Insbesondere ab Anfang der 1980er Jahre verzeichnete das Unternehmen eine starke Wachstumsphase, was zu den Neubauplanungen eines großen Firmenareals führte. Dieses entstand 1982 bzw. 1986–88 in zwei Bauphasen nach Plänen des Architekten Klaus Bollmann am Rande der Darmstädter Vorortes Eberstadt für rund 500 Mitarbeiter. 1989 folgte der Bau eines Gewächshauses am südöstlichen Ende des Areals, ebenfalls nach Plänen Klaus Bollmanns, welches als unternehmenseigene Gärtnerei fungiert. Baubeschreibung Der Komplex setzt sich aus acht, ineinander verschränkten sechseckigen Baukörpern zusammen. Die fünf nördlichen (aus der zweiten Bauphase) und zwei südlichen Bauten (aus der ersten Bauphase) sind in ihrer Größe nahezu identisch. Hinzu kommt ein kleineres Hexagon, in dem ein Besprechungsraum untergebracht ist. Software AG, Außenbereich, 2025 (Foto: R. Michel, LfDH) Seite 2 von 3 Auszug aus dem Denkmalverzeichnis des Landes Hessen vom 16.01.2026 14:19 Beachtlich ist die Einbindung in die umgebende Landschaft. Zum einen besteht eine Ausrichtung des Areals zur südlich gelegenen Modau-Aue, zum anderen bilden sich zwischen den Baukörpern und in ihren Zentren bepflanzte und aufwendig gestaltete Grünoasen aus – zum Teil mit künstlich angelegten Teichen. Die Baukörper selbst sind Holzbauten; lediglich die Stirnseiten an den Öffnungen der Hexagone sind massiv und mit einer roten Sandsteinoberfläche ausgeführt. Hinzu kommen sechseckige Treppentürme. Die Dächer sind geneigt, mit Kupfer-Stehfalz gedeckt und besitzen Gauben und Loggien. Der Traufbereich des Gebäudes besteht aus rotem Betonpflaster mit Anlauf zum Gebäude hin. Dadurch entsteht der Eindruck, das Gebäude wüchse aus seiner Umgebung aus dem Boden hervor. Weitere Flächen sind in Natursteinmaterialien, teilweise in zeittypischer Weise mit Betonpflaster gemischt angelegt. Eine organisch geformte Teichanlage ist mit großformatigen Findlingen und kleineren Wasserkaskaden gestaltet. Die umgebende Bepflanzung mutet mit Kiefern und Gräsern, sowie weiteren, teilweise buntlaubigen Kleinsträuchern asiatisch an. Die Beleuchtung wird durch Vierer-Kugelleuchten sowie schlichtere Pollerleuchten gewährleistet. Im Innern befinden sich neben dem Foyer, mehreren Besprechungsräumen und einer Kantine in erster Linie Büro- und Lagerräume. Im Untergeschoss sind ein Rechenzentrum sowie zwei Tiefgaragen untergebracht. Das Gewächshaus verfügt über zwei versetzte gläserne Pultdächer, ergänzt durch einen als Grasdach ausgeführten Gebäudeteil. Anthroposophischer Gestaltungsansatz Peter Schnell war ein Anhänger der Lehren Rudolf Steiners zur sogenannten Anthroposophie, einer spirituellen und esoterischen Weltanschauung. Dies spiegelt sich in der organischen Gestaltung der Software AG wider: Es wurde auf eine enge Verzahnung von Architektur und Natur geachtet, was sich in den aufwendig gestalteten Außenbereichen niederschlägt, die durch große Glasflächen aus allen Gebäudeteilen sichtbar sind. Zudem wurden beim Bau verstärkt natürliche Materialien verwendet. Die wiederkehrende Verwendung des Hexagons begründet sich in Steiners Theorie der Vermeidung von rechten Winkeln, welche seiner Ansicht nach das konzentrierte Arbeiten störten. Steiner sah in rechten Winkeln die Verkörperung des Mechanischen und damit des Unlebendigen – eine starre Geisteshaltung, die dem Software AG, Außenbereich mit Teich, 2025 (Foto: R. Michel, LfDH) Software AG, Kantine, 2025 (Foto: R. Michel, LfDH) Darmstadt, Stadt - Darmstadt - Eberstadt - Uhlandstraße 12 In Bearbeitung. Seite 3 von 3 Auszug aus dem Denkmalverzeichnis des Landes Hessen vom 16.01.2026 14:19 Natürlichen wiederspricht. Denkmalwert Die Software AG ist ein herausragender Vertreter der modernen Unternehmensarchitektur der 1980er Jahre. Die Unternehmenszentrale distanziert sich von funktionalen Bürobauten der 1970er Jahre mit Großraumbüros und setzt seinen Fokus auf kleinteilige Arbeitswelten mit Blick ins Grüne – innovative Bauprinzipien, die sich bis heute hochmoderne Technikkonzerne zu eigen machen. Stilistisch vereint die Software AG Einflüsse aus verschiedenen prägenden Architekturströmungen des 20. Jahrhunderts wie die Bauten Frank Lloyd Wrights, des niederländischen Strukturalismus und nicht zuletzt der weit verbreiteten Ökologie-Bewegung der 1970er und 1980er Jahre. Bemerkenswert ist die konsequente Umsetzung der anthroposophischen Lebensweise in eine Unternehmensarchitektur. Die Lehren Rudolf Steiners sind noch heute an den Bauten ablesbar. Dabei bilden die wiederkehrende Verwendung des Hexagons und die Gestaltung der Grünflächen den Kern ihres künstlerischen Wertes. Der hohe Stellenwert der Freiraumgestaltung äußert sich in dem Gewächshaus, das bewusst mit auf dem Gelände errichtet wurde. Auffallend ist außerdem die Verwendung hochwertiger Materialien, die zur gesteigerten Qualität der Bauten beitragen. Darmstadt, Stadt - Darmstadt - Eberstadt - Uhlandstraße 12 In Bearbeitung.
anlage 6
4582 Zeichen
- 2 -
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
18.05.2026
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat III an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Amt: Stadtplanungsamt
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
III 61
Stvv
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2026/0158
Magistratsbeschluss -Nr.
187
Internetfähig
Produkt-Nr.:
Kostenstelle: Investitionsnummer:
Kostenträger: Sachkonto:
Betreff: 1. Systematische Erfassung der denkmalwerten Bausubstanz gemäß § 5 Abs. 2 Ziffer
3 und 4 Hessisches Denkmalschutzgesetz (HDSchG)
2. Benehmensherstellung mit den Gemeinden gemäß § 11 Abs. 1 HDSchG vor
Eintragung in das Denkmalbuch
Vorlage vom: 07.05.2026
Beschlussvorschlag :
Der Liste der nacherfassten Denkmäler in Darmstadt wird zugestimmt .
Das erforderliche Benehmen zwischen der Wissenschaftsstadt Darmstadt und dem Landesamt für
Denkmalpflege Hessen gemäß § 10 Abs. 3 Hessisches Denkmalschutzgesetz (HDSchG) ist für die
in der Liste benannten Objekte hergestellt.
- 3 -
Anlagen: Anlage 1 Nacherfassung des Denkmalbestandes 2026
Anlage 2 Darmstadt -Eberstadt Uhlandstraße 12
Anlage 3 Darmstadt -Gewerbegebiet West Hilpertstraße 31
Anlage 4 Darmstadt-Gewerbegebiet Nord Waldspirale 1, 1a, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
Zusätzlich für alle Vorlagen aus dem Bereich des Hochbaus anzugeben:
Klimarelevanz des Vorhabens:
Auswirkungen auf Stadtklima: ja nein
Auswirkungen auf THG -Emissionen: gering1) mittel/groß 2)
Beteiligung Amt f. Klimaschutz & Klimaanpassung: ja nein
Zusätzlich bei Beschlüssen zur Baufreigabe:
Wurden Optimierungspotentiale ausgeschöpft? ja nein
Falls nein, Kompensationsmaßnahmen festgelegt? ja nein
1) bis 10 Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente (CO2e) pro Jahr, 2) über 10 Tonnen CO2e pro Jahr.
Beschluss des Magistrats vom 27.05.2026
Der Vorlage wird zugestimmt.
Begründung zur Magistratsvorlage Nr. 2026/0158 vom 07.05.2026:
Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen hat gemäß § 4 Abs. 3 und 4 Hessisches
Denkmalschutzgesetz (HDSchG) die denkmalwerten Bausubstanzen systematisch zu
erfassen und ein Denkmalbuch zu führen. Das Denkmalbuch ist ein nachrichtliches
Denkmalverzeichnis, in dem Objekte, die die gesetzlichen Merkmale eines Kulturdenkmals
erfüllen, gelistet sind. Die Unteren Denkmalschutzbehörden und die Gemeinden führen für
ihr Gebiet Auszüge aus dem Denkmalbuch. Die Aufnahme in das Denkmalverzeichnis der
unterschutzgestellten Kulturdenkmäler kann von Amts wegen oder auf Antrag erfolgen.
Antragsberech tigt sind der Eigentümer des Kulturdenkmals, die Gemeinde, in der das
Denkmal gelegen ist sowie der Denkmalbeirat nach § 3 Abs. 3 HDSchG. Vor Aufnahme in das
Denkmalbuch ist gemäß § 10 Abs. 3 HDSchG das Benehmen mit der Gemeinde herzustellen.
Seit 1994 liegt mit der Denkmaltopographie der Stadt Darmstadt eine umfassende
Dokumentation des Denkmalbestandes in Darmstadt vor. Dabei handelt es sich einen
Bestand, der sich durch neue Erkenntnisse und die geänderte Bewertung abgeschlossener
Bauepochen dynamisch w andelt. Nach rund 25 Jahren wurde dieser Bestand daher einer
Revision unterzogen, sowie auf der Grundlage von Recherchen und Begehungen um
systematisch erfasste Baudenkmäler ergänzt.
Die auf der aktualisierten hier beigefügten Liste aufgeführten Objekte w urden auf ihren
Denkmalwert hin überprüft. Die Überprüfung hat ergeben, dass sie die Kriterien eines
Kulturdenkmals gem. § 2 Abs. 1 bzw. 3 des Hessischen Denkmalschutzgesetzes (HDSchG)
erfüllen. Ihre Eintragung in das Denkmalverzeichnis des Landes Hessen i st daher
vorzunehmen.
Das erforderliche Benehmen zwischen der Wissenschaftsstadt Darmstadt und dem
Landesamt für Denkmalpflege Hessen gemäß § 10 Abs. 3 Hessisches Denkmalschutzgesetz
(HDSchG) ist für die in der Liste benannten Objekte hergestellt. Die Beteiligung der Stadt
dient der Abstimmung der erfassten Kulturdenkmäler, um abschließend beurteilen zu
können, ob ggf. noch Korrekturen vorzunehmen sind.
Nachrichtlich sei hier angemerkt, dass die Eintragung der drei Objekte den jeweilig en
Eigentümerinnen bekannt ist und von diesen begrüßt wird.
Dezernat III:
Michael Kolmer
Stadtrat
Beratungsverlauf (4)
Orte (4)
- Uhlandstraße 12
- Hilpertstraße 31
- Luisenplatz
- Waldspirale 1
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2026/0158
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 07.05.2026
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00