2019/0327
Errichtung eines Zentrums für Stadtnatur in der Orangerie
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Punkt 20: Errichtung eines Zentrums für Stadtnatur in der Orangerie (V-Nr. 2019/0327) Die SPD-Fraktion beantragt getrennte Abstimmung der beiden Punkte des Beschlussvorschlags. Punkt 1 des Beschlussvorschlages wird zugestimmt. Gegenstimmen: UWIGA und Stadtv. Sigmund (fraktionslos) Stimmenthaltung: AfD Punkt 2 des Beschlussvorschlages wird zugestimmt. Gegenstimmen: SPD, AfD, UWIGA, 2 Stimmen aus FDP und Stadtv. Sigmund (fraktionslos) Stimmenthaltung: 1 Stimme aus Die Linke. und 1 Stimme aus FDP
2019/0327
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Magistratsvorlage
Eingang Magistrats-
geschäftsstelle:
04.11.2019
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat V an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss-
fassung Fachausschuss
Dezernat I
Dezernat IV
Amt: Umweltamt
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2019/0327
Magistratsbeschluss-Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.: 554010
Kostenstelle: 056-010-1000 Investitionsnummer: 0357010
Kostenträger: 5540-11 Sachkonto: 18056-8100
Betreff: Errichtung eines Zentrums für Stadtnatur in der Orangerie
Vorlage vom: 21.10.2019
1. Die Errichtung des Zentrums für Stadtnatur durch den Bund für Umwelt- und Naturschutz
(BUND), Landesverband Hessen e.V. Kreisverband Darmstadt, wird mit einem einmaligen
Investitionskostenzuschuss in Höhe von 70.000 Euro gefördert.
2. Für das zu bebauende Grundstück (600 m²) wird ein Erbbaurecht mit einer Laufzeit von 66
Jahren vergeben. Der jährliche Erbbauzins beträgt 2.100 Euro.
Anlagen: 201909_Zentrum-fuer-Stadtnatur_Darmstadt-Finanzierung
Datenschutzrelevante Anlage:
- 2 -
Folgekosten: Ja Nein
Beschluss des Magistrats vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 21.10.2019:
In der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 13. September 2012 wurde der
Beschluss gefasst (Vorlage-Nr. 2012/0219), die Stadtgärtnerei zum 1. Januar 2015 zu
schließen. Am 23. Juli 2014 fand eine Bürgerinformationsveranstaltung in der Bessunger
Knabenschule statt mit dem Ziel, das von der Stadtverwaltung erarbeitete „Strukturkonzept“
als Grundlage für die Diskussion mit der Bürgerschaft zu präsentieren. Über das Ergebnis der
Bürgerbeteiligungsveranstaltung wurde in der Magistratsvorlage Nr. 2014/0406 vom
31.10.2014 berichtet.
Mit Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 27.09.2018 wurde die weitere Nutzung
des Areals dargestellt. Darin wird ausgeführt:
„Der BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz, Kreisverband Darmstadt) bekundet nach wie
vor ein hohes Interesse an dem ehemaligen Stadtgärtnereigelände für die Errichtung eines
“Umweltbildungs-Zentrums für Stadtnatur“ in Trägerschaft einer gemeinnützigen GmbH. Ein
überarbeitetes detailliertes Konzept dazu liegt vor, das auch ein Engagement der Stadt (hier:
Umweltamt) vorsieht, um die Umsetzung von Aspekten des 25-Schritte-Programmes zur
Förderung der Biologischen Vielfalt zu gewährleisten.
Aufgrund einer avisierten Spende für den Bau dieses Zentrums sowie ggf. weiterer
Fördermöglichkeiten ist es erforderlich, noch in diesem Jahr das dafür erforderliche Baurecht
zu schaffen.“
Die Umsetzung des Beschlusses zur Errichtung eines Zentrums für Stadtnatur wurde von der
Vorlage eines Finanzierungskonzeptes des Trägers abhängig gemacht. Diese liegt nun vor und
ist als Anlage dieser Vorlage beigefügt.
Die Frage der Trägerschaft wurde geklärt (Gründung einer gGmbH). Über den geplanten Beirat
(vgl. Seite 37, Anlage 1) wird sichergestellt, dass sich die Wissenschaftsstadt Darmstadt in das
Projekt steuernd und inhaltlich einbringen kann. Dies wird u.a. in einer noch zu fertigenden
Satzung präzisiert.
Das Grundstück zur Errichtung des Stadtnaturzentrums (600 m²) wird dem BUND über ein
Erbbaurecht über 66 Jahre überlassen. Der jährliche Erbbauzins beträgt 2.100 Euro. Gemäß
der Bewertung des Vermessungsamtes vom 11.07.2018 wird hierbei von einem Richtwert vom
650 Euro je m² und daraus folgend einem Verkehrswert von 175 Euro je m² ausgegangen, der
mit 2% verzinst wird.
Das Zentrum für Stadtnatur bietet aber auch der Verwaltung die Möglichkeit, im Rahmen von
Öffentlichkeitsarbeit mehr Aspekte zum Umwelt- sowie Artenschutz sichtbar zu machen.
Hierunter fallen z.B. Projekte des Umweltamtes wie zum Beispiel das Projekt Citizen Science
und digitale Umweltbildung. Das Projekt „Stadtnatur entdecken“ trägt zur Stärkung der
Aufmerksamkeit für Natur in der Stadt bei und vermittelt Umweltbildung digital. Mit einem
ausgesuchten Angebot mit Schwerpunkt digitale Umweltbildung sollen Jugendliche und
Erwachsene angesprochen werden, die Darmstädter Natur zu erkunden.
Auch ehrenamtliches Engagement wird über das Zentrum für Stadtnatur gestärkt,
insbesondere soll dabei das Engagement zur Förderung der Biologischen Vielfalt und
Stadtnatur gestärkt und vermittelt werden.
Um den Bau zu unterstützen und die tatsächliche Entstehung des Zentrums abzusichern, ist
ein Investitionskostenzuschuss ein wichtiger Baustein. Von den insgesamt 543.170 Euro, die
zur Umsetzung des Vorhabens geplant sind, sollen durch die Wissenschaftsstadt Darmstadt
einmalig 70.000 Euro Co-finanziert werden.
- 4 -
Die erforderlichen Mittel stehen im Haushalt des Umweltamtes unter Produkt-Nr. 554010,
Kostenstelle: 056-010-1000, Investitionsnummer 18056-8100 zur Verfügung.
Darmstadt, den 21.10.2019
Dezernat I Dezernat IV
Jochen Partsch André Schellenberg
Oberbürgermeister Stadtkämmerer
Dezernat V
Barbara Akdeniz
Stadträtin
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- 2 -
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats-
geschäftsstelle:
04.11.2019
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat V an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss-
fassung Fachausschuss
Dezernat I
Dezernat IV
Amt: Umweltamt
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
I
IV 20
V 56 67
Stvv
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2019/0327
Magistratsbeschluss-Nr.
437
Internetfähig
Produkt-Nr.: 554010
Kostenstelle: 056-010-1000 Investitionsnummer: 0357010
Kostenträger: 5540-11 Sachkonto: 18056-8100
Betreff: Errichtung eines Zentrums für Stadtnatur in der Orangerie
Vorlage vom: 21.10.2019
1. Die Errichtung des Zentrums für Stadtnatur durch den Bund für Umwelt- und Naturschutz
(BUND), Landesverband Hessen e.V. Kreisverband Darmstadt, wird mit einem einmaligen
Investitionskostenzuschuss in Höhe von 70.000 Euro gefördert.
2. Für das zu bebauende Grundstück (600 m²) wird ein Erbbaurecht mit einer Laufzeit von 66
Jahren vergeben. Der jährliche Erbbauzins beträgt 2.100 Euro.
Anlagen: 201909_Zentrum-fuer-Stadtnatur_Darmstadt-Finanzierung
- 3 -
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
Beschluss des Magistrats vom 06.11.2019
Der Vorlage wird zugestimmt.
- 4 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 21.10.2019:
In der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 13. September 2012 wurde der
Beschluss gefasst (Vorlage-Nr. 2012/0219), die Stadtgärtnerei zum 1. Januar 2015 zu
schließen. Am 23. Juli 2014 fand eine Bürgerinformationsveranstaltung in der Bessunger
Knabenschule statt mit dem Ziel, das von der Stadtverwaltung erarbeitete „Strukturkonzept“
als Grundlage für die Diskussion mit der Bürgerschaft zu präsentieren. Über das Ergebnis der
Bürgerbeteiligungsveranstaltung wurde in der Magistratsvorlage Nr. 2014/0406 vom
31.10.2014 berichtet.
Mit Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 27.09.2018 wurde die weitere Nutzung
des Areals dargestellt. Darin wird ausgeführt:
„Der BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz, Kreisverband Darmstadt) bekundet nach wie
vor ein hohes Interesse an dem ehemaligen Stadtgärtnereigelände für die Errichtung eines
“Umweltbildungs-Zentrums für Stadtnatur“ in Trägerschaft einer gemeinnützigen GmbH. Ein
überarbeitetes detailliertes Konzept dazu liegt vor, das auch ein Engagement der Stadt (hier:
Umweltamt) vorsieht, um die Umsetzung von Aspekten des 25-Schritte-Programmes zur
Förderung der Biologischen Vielfalt zu gewährleisten.
Aufgrund einer avisierten Spende für den Bau dieses Zentrums sowie ggf. weiterer
Fördermöglichkeiten ist es erforderlich, noch in diesem Jahr das dafür erforderliche Baurecht
zu schaffen.“
Die Umsetzung des Beschlusses zur Errichtung eines Zentrums für Stadtnatur wurde von der
Vorlage eines Finanzierungskonzeptes des Trägers abhängig gemacht. Diese liegt nun vor und
ist als Anlage dieser Vorlage beigefügt.
Die Frage der Trägerschaft wurde geklärt (Gründung einer gGmbH). Über den geplanten Beirat
(vgl. Seite 37, Anlage 1) wird sichergestellt, dass sich die Wissenschaftsstadt Darmstadt in das
Projekt steuernd und inhaltlich einbringen kann. Dies wird u.a. in einer noch zu fertigenden
Satzung präzisiert.
Das Grundstück zur Errichtung des Stadtnaturzentrums (600 m²) wird dem BUND über ein
Erbbaurecht über 66 Jahre überlassen. Der jährliche Erbbauzins beträgt 2.100 Euro. Gemäß
der Bewertung des Vermessungsamtes vom 11.07.2018 wird hierbei von einem Richtwert vom
650 Euro je m² und daraus folgend einem Verkehrswert von 175 Euro je m² ausgegangen, der
mit 2% verzinst wird.
Das Zentrum für Stadtnatur bietet aber auch der Verwaltung die Möglichkeit, im Rahmen von
Öffentlichkeitsarbeit mehr Aspekte zum Umwelt- sowie Artenschutz sichtbar zu machen.
Hierunter fallen z.B. Projekte des Umweltamtes wie zum Beispiel das Projekt Citizen Science
und digitale Umweltbildung. Das Projekt „Stadtnatur entdecken“ trägt zur Stärkung der
Aufmerksamkeit für Natur in der Stadt bei und vermittelt Umweltbildung digital. Mit einem
ausgesuchten Angebot mit Schwerpunkt digitale Umweltbildung sollen Jugendliche und
Erwachsene angesprochen werden, die Darmstädter Natur zu erkunden.
Auch ehrenamtliches Engagement wird über das Zentrum für Stadtnatur gestärkt,
insbesondere soll dabei das Engagement zur Förderung der Biologischen Vielfalt und
Stadtnatur gestärkt und vermittelt werden.
Um den Bau zu unterstützen und die tatsächliche Entstehung des Zentrums abzusichern, ist
ein Investitionskostenzuschuss ein wichtiger Baustein. Von den insgesamt 543.170 Euro, die
zur Umsetzung des Vorhabens geplant sind, sollen durch die Wissenschaftsstadt Darmstadt
einmalig 70.000 Euro Co-finanziert werden.
Die erforderlichen Mittel stehen im Haushalt des Umweltamtes unter Produkt-Nr. 554010,
Kostenstelle: 056-010-1000, Investitionsnummer 18056-8100 zur Verfügung.
Darmstadt, den 21.10.2019
Dezernat I Dezernat IV
Jochen Partsch André Schellenberg
Oberbürgermeister Stadtkämmerer
Dezernat V
Barbara Akdeniz
Stadträtin
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Punkt 12: Errichtung eines Zentrums für Stadtnatur in der Orangerie (V-Nr. 2019/0327) Der Ausschuss empfiehlt der Stadtverordnetenversammlung, der Vorlage zuzustimmen. Gegenstimme: Fraktion UWIGA
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Zentrum für Stadtnatur Natur näherbringen – Biodiversität erhalten und Klima schützen BUND Kreisverband Darmstadt September 2019 KURZFASSUNG Das Gelände der ehemaligen Stadtgärtnerei in der Orangerie im Herzen des Darmstädter Stadtteils Bessungen soll nach der aktuellen Koalitionsvereinbarung, den Beschlüssen des Magistrats vom 27. August 2018 und der Stadtverordnetenversammlung vom 27. September 2018 zu einem Ort der Inklusion und Ökologie umgewandelt werden. Dies beinhaltet u.a. ein Café als Inklusionsbetrieb und das Zentrum für Stadtnatur für die Umweltbildung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen sowie einen Pflegestützpunkt für das Grünflächenamt. Die drei Flächen für das Zentrum für Stadtnatur – einem Passivhaus und umgebendem Freibereich, ein Garten der Vielfalt für Bürger*innen sowie Schulgärten sollen die bisherige stadteigene, intensive gärtnerische Nutzung teilweise ablösen und durch eine bürgerschaftliche, vom Nachhaltigkeitsgedanken geprägte Nutzung ersetzen. Insbesondere die Umweltbildung zur Steigerung der biologischen Vielfalt und Vitalität der natürlichen Lebensgrundlagen im Herzen der Stadt steht dabei im Vordergrund. Als sozialer und ökologischer Treffpunkt soll dort ein lebendiges Zentrum für Natur in der Stadt entstehen. Visionspitch Zentrum für Stadtnatur Seit gut 300 Jahren ist Darmstadts Orangerie ein Zentrum für Naturerlebnisse. Das moderne Leben in der Stadt schafft immer mehr Distanz zur Umwelt. Wir wollen den Bürger*innen die Natur wieder näherbringen, und zwar allen: von jung bis alt. Statt exotischer Orangen machen wir jene Biotope erlebbar, die entscheidend für den Erhalt der Biodiversität in unserer Region sind. Unsere Gäste erleben und gestalten Stadtnatur selbst. Dadurch fühlen sie sich verbundener mit ihr – denn Verbundenheit braucht Nähe. Sie können durchatmen und entspannen. Inmitten der beschleunigten, digitalisierten Welt ermuntern wir, mit praktischen Beispielen, zum Aufbau vieler kleiner, ökologischer Oasen für die Artenvielfalt und das Leben in Darmstadt. Gleichzeitig wurde die Orangerie von der exklusiven, herrschaftlichen zu einer für alle zugänglichen Parkanlage. So lässt sich die positive Wirkung von Stadtgrün in Zeiten des Klimawandels in den Sommermonaten erleben. Wir bringen Stadtgrün und Klimathemen vor allem im Bezug auf Lebensstile, Wohnen sowie Konsum näher und begleiten dies fachlich. Inhaltsverzeichnis 1. BUND in Darmstadt 4 2. Zentrum für Stadtnatur in Darmstadts Orangerie 4 2.1 Rahmenbedingungen 5 2.1.1 Das Gelände 5 2.1.2 Bedeutung von Stadtnatur für Biodiversität 9 2.1.3 Bedeutung des Klimaschutzes 13 2.2 Unsere Zielgruppen 14 2.3 Unsere Ziele 15 2.3.1 Umwelt- und Naturschutzziele verwirklichen 15 2.3.2 Engagement und Verbandsentwicklung fördern 16 2.3.3 Einen Ort der Vernetzung und Inklusion schaffen 17 2.3.4 Stadtnatur näherbringen, für nachhaltige Entwicklung bilden 17 2.4 Was ist das Innovative an diesem Vorhaben? 18 2 2.5 Erfolgskriterien und Messung der Erfolge 19 2.6 Die drei Teile des Zentrums für Stadtnatur 23 2.6.1 Das Gebäude im Nordteil der Orangerie 24 2.6.1.1 Nutzungen des Gebäudes 26 2.6.1.2 Raumprogramm Gebäude 28 2.6.1.3 Weitere Baubeschreibung 29 2.6.2 Freiflächen im Nordteil der Orangerie 30 2.6.2.1 Geschützter Freibereich ums Gebäude 30 2.6.2.2 Gärten der Vielfalt – Stadtnatur für alle 31 2.6.3 Freifläche im Südteil der Orangerie – Schulgärten 33 3. Organisationsstruktur 37 4. Finanzkonzept – Kosten- und Finanzierungsplan 38 4.1 Gemeinnützige GmbH gründen 39 4.2 Gebäude samt Freibereich bauen 40 4.3 Finanz- und haushaltswirtschaftliche Auswirkungen 42 5. Zeitplanung 42 Ansprechpartner*innen 44 3 1. BUND in Darmstadt Der BUND Kreisverband Darmstadt hat rund 2.500 Mitglieder und Fördernde. Besonders aktiv ist der BUND in Darmstadt im Bereich Stadtnatur. Er betreut Amphibienleitzäune und Tümpel. Er hilft, neue Lebensräume unter anderem für bedrohte Amphibien, Reptilien und Schmetterlinge zu schaffen und fördert dabei die Biodiversität auch durch die standortgerechte Wahl heimischer Pflanzen. In Kooperation mit anderen Vereinen pflegt der BUND Darmstadt Streuobstwiesen und Wildobstinseln. Der gemeinnützige Verein berät bei Problemen mit Wespen und Hornissen und siedelt deren Nester um, wenn es nicht anders geht. Es werden Tipps für den Umgang mit Igeln gegeben sowie Nisthilfen für Wildbienen und Vögel gebaut. Der BUND betreibt einen Geschirrverleih, um einen Beitrag zur Abfallvermeidung zu leisten. Durch das ganze Jahr begleitet das Umweltbildungsprogramm: Für Erwachsene und Familien gibt es Exkursionen und Vorträge. So bieten wir jährlich 30 bis 40 Veranstaltungen in Kooperation mit der Volkshochschule Darmstadt an. Kinder der vierten bis sechsten Klasse können beim Umweltdiplom aus zehn Angeboten mit insgesamt 40 Terminen wählen. Gruppentreffen und viele der Veranstaltungen finden in Räumen von Mitgliedern oder Kulturinitiativen statt. Für ein dauerhaftes Engagement braucht es eine bessere räumliche Basis und einen festen Anlaufpunkt. 2. Zentrum für Stadtnatur in Darmstadts Orangerie Mit dem aktuellen Koalitionsvertrag zwischen Bündnis 90/DIE GRÜNEN Darmstadt und der CDU Darmstadt für die Legislaturperiode 2016 bis 2021 wurde beschlossen, das Gelände der ehemaligen Stadtgärtnerei zu einem Ort der Inklusion und Ökologie umzuwandeln. Der BUND wird alleiniger Gesellschafter eines zu gründenden Trägers, der zur Kinder-, Jugend- und Erwachsenen-Umweltbildung ein Zentrum für Stadtnatur errichtet. Mit der Schaffung des Zentrums für Stadtnatur arbeitet der BUND Darmstadt an den wichtigsten Zielen des Umwelt- und Naturschutzverbandes direkt und vor Ort. Das 4 Zentrumfür Stadtnatur soll ein Ort zum Naturerleben,für Begegnung, zum Austausch, zum Lernen, zumMitgärtnern und zurFörderung der biologischen Vielfalt werden. Wir wollen die emotionale Bindung an die Naturstärken und Wissen vermitteln. Das zu erschaffende Zentrum für Stadtnatur besteht aus drei Teilen: 1. einem Gebäude als Basis und Treffpunkt mit umliegender Freifläche. 2. Gärten der VielfaltfürBürger*innen, die zum Mitmachen und Natur erleben einladen. So zeigen wir auch, dass auf dem heimischen Fensterbrett, dem Balkon, der Terrasse, demGründach und dem eigenen Gartenvielfältige Biotope geschaffen werden können. 3. Schulgärten, die wir in Kooperation mit den umliegenden Schulen entwickeln und betreiben wollen. 2.1 Rahmenbedingungen Der rasante Klimawandel und der Rückgang der Biodiversität sind zwei zentrale Menschheitsherausforderungen. Der Natur in unseren Städten kommen dabei verschiedene Funktionen zu. Mit einem Zentrum in innerstädtischer Lage – in einer historischen Parkanlage im urbanen Umfeld, die schon alleine Besucher*innen anzieht – können Menschen für die Themen Stadtnatur, Erhaltung der Biodiversität und Klimawandel angesprochen werden. 2.1.1 Das Gelände Der BUND kann Teile des Geländes der ehemaligen Stadtgärtnerei nutzen. Diese umfassen einen Grundstücksstreifen für die Errichtung eines Gebäudes mit Freiflächen sowie Gärten für Bürger*innen im Nordsegment und Schulgärten im Südsegment der Anlage. Das Gelände der ehemaligen Stadtgärtnerei liegt mitten im Darmstädter Stadtteil Bessungen, in der als Kulturdenkmal nach Hessischem Denkmalschutzgesetz eingetragenen historischen, barocken Parkanlage Orangerie. Die mit einer Machbarkeitsstudie und dem Beschluss des Magistrats der Wissenschaftsstadt Darmstadt vom 27. August 2018 sowie dem Stadtverordnetenversammlungs-Beschluss vom 27. September 2018 neu geordnete Fläche umfasst im Süden, historisch als Seitengärten vorgesehene Flächen, mit einer Größe von rund 3.000 m 2 , die zuletzt als Anzuchtflächen und zum Teil als Schulgarten genutzt wurden. 5 Der rund 9.600 m 2 große Nordteil des ehemaligen Betriebsgeländes wurde historisch in einer gärtnerischen Form genutzt : Ein Kupferstich von La Rouge zur Mitte des 18. 1 Jhd., der sich auf die ursprünglichen Pläne aus dem Jahre 1715 des Architekten Louis Remy de la Fosse bezieht, zeigt, neben einer Vorzone nördlich der ursprünglich geplanten zwei Orangeriegebäude, nur den Hauptgarten und seine Seitengärten, die im Stile des späten Barocks bzw. Rokoko nach französischem Vorbild gestaltet wurden. Die historische, gärtnerische Nutzung des Nordteils zeigt am ehesten die berühmte Stadtansicht „Prospect des Hochfürstlichen Residenz-Schlosses und Haupt Stadt Darmstadt nebst Bessungen und umliegender Situation“ aus dem Jahre 1776 des Architekten Johann Jakob Hill und seines Sohnes Friedrich Jakob Hill. Nach dem Strukturkonzept der Stadt Darmstadt (Arbeitskonzept vom 14.7.2014) soll zukünftig der Nordteil 1.) eine Zone für Gebäude, die a) den Neubau des Pflegestützpunktes des Grünflächenamtes zur Pflege des Orangeriegartens sowie der Grünflächen im Darmstädter Süden, b) das Gebäude des Umweltbildungszentrums und c) ein inklusives Café beinhalten soll, 2.) Platz für Bürger*innengärten und 3.) eine Multifunktionsfläche für u.a. Bauernmarkt und Kerb bieten. Abbildung: Luftbild Orangerie Darmstadt Mit der Machbarkeitsstudie, die im Sommer 2018 erstellt wurde, ist die zukünftige Nutzung und Flächenaufteilung untersucht worden. Mit den Beschlüssen der Stadtregierung im August und des Parlaments im September 2018 wurden die 1 Zu diesem Absatz vgl. Magistrat der Stadt Darmstadt, Mathildenhöhe (1980): Darmstadt in der Zeit des Barock und Rokoko. Bd 1, S. 314ff u. Bd 2, S. 24ff. Stadtansicht siehe auch: http://tukart.ulb.tu-darmstadt.de/1038/ 6 unterschiedlichen Nutzungsinteressen geregelt. Bei einer Bürger*inneninformations- veranstaltung im Dezember 2018 wurde die gefundene Lösung der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Der BUND legt dabei folgende Kriterien bei der Flächennutzung zugrunde: - öffentliche Zugänglichkeit des innerstädtischen Naturraums , 2 - Umweltbildungs-, Lern- und Begegnungsort, - Naturerlebnis- und Erholungsort für alle, - Maßnahmenprogramm „25 Schritte zur biologischen Vielfalt in Darmstadt“ , 3 - exemplarische Förderung der Biodiversität und des Mikroklimas in der Stadt. 2 Je nach „Sensibilität der Fläche“ kann das aber auch Öffnungszeiten beinhalten – ähnlich wie beim Lesegarten in der Orangerie oder dem Prinz-Georgs-Garten am Rande des Herrngartens. 3 Das Maßnahmenprogramm wurde vom Magistrat und in der Stadtverordnetenversammlung vom 15. März 2014 beschlossen. Es ist außerdem Bestandteil des aktuellen Koalitionsvertrages. Weiterhin ist die Stadt Darmstadt Mitglied im Bündnis der Kommunen für biologische Vielfalt. Mehr: https://www.darmstadt.de/leben-in-darmstadt/umwelt/naturschutz-und-biologische-vielfalt/biologische- vielfalt/ 7 Abbildung: Neuordnung Nordteil in der Machbarkeitsstudie vom 7.8.2018 (werk.um architekten) – Hier nicht dargestellt ist das Gelände der Schulgärten südlich des Lesegartens. Außerdem werden BUND-Gebäude und Café solitär stehen. 8 2.1.2 Bedeutung von Stadtnatur für Biodiversität Während sich der Naturschutz viele Jahrzehnte vorwiegend auf die Erhaltung und Pflege der Restbestände hochwertiger Biotope der Naturlandschaft und der historisch gewachsenen Kulturlandschaft fokussiert hat, ist nunmehr die Bedeutung der Natur in der Stadt in das Blickfeld gerückt. Dafür gibt es zwei Gründe: Die Stadtnatur kann einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität insgesamt leisten und sie hat eine unschätzbare Bedeutung für die Menschen, die (zunehmend) in Städten leben. a) Biodiversitätskrise und Stadtnatur Biodiversität (= biologische Vielfalt) bezeichnet die Mannigfaltigkeit des Lebens in allen seinen Dimensionen. Nach der UN-Konvention zur biologischen Vielfalt 4 umfasst sie drei Ebenen, die sich gegenseitig bedingen: 1. Vielfalt an biologischen Arten (taxonomische Diversität), 2. Vielfalt innerhalb von Arten (genetische Diversität, z. B. Ökotypen) und 3. Vielfalt an Ökosystemen (Lebensraum-Diversität). Der Verlust an Biodiversität auf allen drei Ebenen vollzieht sich global in immer größerem Ausmaß und hat mittlerweile den Charakter eines Massenaussterbens angenommen. In einer viel beachteten Publikation zu den Belastungsgrenzen unseres Planeten wurde der Verlust an Biodiversität als eines der drängendsten Probleme identifiziert. Durch den im Mai 2019 erschienenen Bericht des 5 Weltbiodiversitätsrates wird die fortbestehende Dringlichkeit unterstrichen: „Menschliche Aktivitäten sorgen dafür, dass heute mehr Arten vom Aussterben bedroht sind als jemals zuvor. Circa 25 % der Arten in den meisten Tier- und Pflanzengruppen, also bis zu 1 Million Arten, sind bereits vom Aussterben bedroht. Viele wird das innerhalb der nächsten Jahrzehnte betreffen – es sei denn, es werden Maßnahmen ergriffen, um die Intensität der Treiber zu verringern, die für den Verlust der biologischen Vielfalt verantwortlich sind. 6 Diese Bedrohung macht auch vor Deutschland nicht Halt – im Gegenteil. Im Dezember 2018 wurde eine neue Fassung der Roten Liste der Pflanzenarten 4 UN-Konferenz in Rio de Janeiro, Convention on Biological Diversity, 1993. https://www.un.org/en/events/biodiversityday/convention.shtml 5 Rockstrom, J. S., W, K. Noone et al. (2009): A safe operating space for humanity. Nature 461: 472-475. 6 Das „ globale Assessment“ des Weltbiodiversitätsrates (IPBES), S. 9. https://www.ufz.de/export/data/2/228053_IPBES-Factsheet_2-Auflage.pdf 9 Deutschlands veröffentlicht: Trotz aller bisherigen Anstrengungen des Naturschutzes ist der Anteil der hierzulande bestandsgefährdeten Arten seit 1998 nicht zurückgegangen. 7 Erhebliche Einbußen der Populationsgrößen heimischer Pflanzenarten, auch im Stadtgebiet von Darmstadt, wurden durch Kartierungen von Dr. K.-D. Jung nachgewiesen: 13 % der Arten sind in den vergangenen 25 Jahren eindeutig rückläufig. 8 Bei der Fauna zeigen die Untersuchungen zum „Insektensterben“ einen dramatischen Rückgang nicht nur vieler Arten, sondern auch der Individuenzahlen. Damit werden aber auch viele Vögel ihrer Nahrungsgrundlage beraubt. So stehen ganze Nahrungsketten und die Ökosystemfunktion in Frage. Diese Entwicklungen unterstreichen die Notwendigkeit, die Bemühungen zum Schutz der Biodiversität zu verstärken. 9 Immer deutlicher wird aber auch die Rolle, die Städte für den Schutz der Biodiversität spielen können. Für einige Artengruppen stellen Städte geradezu „Hotspots“ der Diversität dar. Zum einen liegt das an den oft vielfältigen naturräumlichen Gegebenheiten. So ist es auch in Darmstadt: „Eine Stadt mit besonders hoher biologischer Vielfalt. Dies ergibt sich unter anderem aus der Lage im Schnittbereich von fünf naturräumlichen Haupteinheiten mit großer geologisch-klimatisch-hydrologischer Diversität. Das Bundesamt für Naturschutz hat 30 Hotspots der Biodiversität ermittelt, das sind Regionen in Deutschland mit einer besonders hohen Dichte und Vielfalt charakteristischer Arten, Populationen und Lebensräume. Darmstadt ragt mit seinen westlichsten Teilen in einen dieser Hotspots hinein: nördliche Oberrheinebene mit Haardtplatten.“ 10 Zum anderen stellen Städte heute Zufluchts- und Rückzugsräume für viele Arten dar, die in der Feldflur mit ihrer intensiven, agroindustriellen Landwirtschaft kaum noch überleben können. 7 Metzing, D., N. Hofbauer, L. Gerhard & G. Matzke-Hajek (Red.) (2018): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands, Band 7: Pflanzen. Bundesamt für Naturschutz, Bonn-Bad Godesberg. 8 https://www.echo-online.de/lokales/darmstadt/zwanzig-pflanzenarten-verschwunden_15671940. 9 Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, Union der deutschen Akademien der Wissenschaften (2018): Artenrückgang in der Agrarlandschaft: Was wissen wir und was können wir tun? Halle (Saale). 10 https://www.kommbio.de/mitglieder/darmstadt. 10 Aus diesen reichen Naturschätzen erwächst eine besondere Verantwortung der Städte, diese zu bewahren, den kommenden Generationen weiterzugeben und damit einen Beitrag zur globalen Bekämpfung der Biodiversitätskrise zu leisten. b) Die Stadt als Lebensraum des Stadtmenschen Bedingt durch die rasch wachsende Urbanisierung leben Menschen zunehmend in Städten. Damit wird die Stadt zum Lebensraum des Menschen. Wie jedes Lebewesen braucht der Mensch bestimmte Umgebungsqualitäten für seine physische Gesundheit (z. B. saubere Luft, Wasser und Nahrung, Ruhe, angenehme Temperaturen). Da die urbane Umwelt gerade das oft nicht in ausreichendem Maße bietet, kommt der Stadtnatur hier eine entscheidende Rolle zu. Solche Vorteile, die Ökosysteme zum Nutzen des Menschen erbringen, werden unter dem Begriff „Ökosystemdienstleistungen“ zusammengefasst. Die reinigende Wirkung des Stadtgrüns für die Atemluft, die Oasen der Ruhe in städtischen Parkanlagen und die kühlende Wirkung besonders von großen Bäumen sind vielfach belegt und seien hier nur beispielhaft erwähnt. 11 Weniger bekannt sind die Auswirkungen der Stadtnatur für die psychische Gesundheit der Menschen. Eine Studie konnte beispielsweise belegen, dass mehr Stadtgrün in der Nachbarschaft mit signifikant niedrigeren Symptomen an Depression, Angst und Stress einhergeht. Dies zeigt sich sogar in Form von 12 hirnorganischen Veränderungen, die mit bildgebenden Verfahren nachgewiesen werden konnten. Ganz besonders wichtig ist die Stadtnatur (und hier besonders 13 Naturerlebnisräume) für die gesunde seelische Entwicklung von Kindern. 14 Aus all diesen Gründen wird die Stadtnatur von 92 % der Stadtmenschen als wichtig oder sehr wichtig für Erholung und Entspannung wertgeschätzt; daneben auch für Sport und Bewegung, als Ort der Naturerfahrung und als Begegnungsraum mit 11 Deutsche Umwelthilfe (Red.) (2014): Der Wert urbanen Grüns - Argumentationshilfen für mehr Natur in der Stadt. 12 Beyer, K. et al. (2014): Exposure to Neighborhood Green Space and Mental Health: Evidence from the Survey of the Health of Wisconsin. Int. J. Environ. Res. Public Health 11: 3453-3472. 13 Kühn, S. et al. (2017): In search of features that constitute an “enriched environment” in humans: Associations between geographical properties and brain structure. Sci Rep. 2017, 7: 11920. 14 Gebhard, U. (2001): Kind und Natur. Die Bedeutung der Natur für die psychische Entwicklung. 11 anderen Menschen. Sie hat damit auch eine nicht zu unterschätzende soziale Funktion. 15 Um dieser Ausgangslage Rechnung zu tragen, wurden bereits auf allen politischen Ebenen Maßnahmenpakete und Aktionspläne zur Erhaltung der Biodiversität beschlossen – auch auf der Ebene der Kommunen. An die Lebenswirklichkeit der meisten Menschen angepasst bedeutet dies, dass Biodiversität auch im städtischen Umfeld verortet werden muss. Der in der Verabschiedung befindliche „Masterplan Stadtnatur“ der Bundesregierung gibt vor: „Die Menschen sollen vor ihrer Haustür die Schönheit und Leistungsfähigkeit unserer heimischen Tier- und Pflanzenwelt erfahren und genießen können. Unsere Städte sollen lebendiger werden. ... Zentral für den neuen Förderschwerpunkt ist zudem, die Akteure vor Ort zu vernetzen und Stadtnatur zu vermitteln. Bei den Programmen der Gesundheits- und Präventionspolitik ist das Handlungsfeld Stadtgrün umfassend zu berücksichtigen. Der künftige Schwerpunkt der Gesundheitsförderung, der in Kindertagesstätten, Schulen, Kommunen, Betrieben und Pflegeeinrichtungen liegen wird, soll unter besonderer Berücksichtigung des grünen Freiraums ausgestaltet werden.“ 16 Das Zentrum für Stadtnatur ist eine direkte Umsetzung dieser Vorgaben. Neben der Steigerung der Biodiversität im stark genutzten Innenbereich ist die Verknüpfung von Bildung, Inklusion und Naturschutz im Sinne des Masterplans zu verstehen. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt hat bereits ihre besondere Verantwortung erkannt und das kommunale Maßnahmenprogramm „25 Schritte zur Biologischen Vielfalt in Darmstadt“ beschlossen. Das Zentrum für Stadtnatur schafft Möglichkeiten, einige der 25 Schritte konkret zu fördern. Dies sind unter anderem: 17 „4. Erhaltung von naturnahen Flächen im Siedlungsbereich und Nutzung bestehender Potenziale zur Schaffung von naturnahen Flächen und Naturerlebnisräumen innerhalb des Siedlungsraumes. 5. Erhaltung und Neuschaffung von wohnungsnahen Grünflächen.“ „21. Intensive Öffentlichkeitsarbeit zur besseren Wahrnehmung der Bedeutung der biologischen Vielfalt bei den Bürgerinnen und Bürgern. 15 Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (2015): Naturbewusstsein 2015 Bevölkerungsumfrage zu Natur und biologischer Vielfalt. 16 https://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Naturschutz/masterplan_stadtnatur_entwu rf_bf.pdf 17 https://www.darmstadt.de/fileadmin/PDF-Rubriken/Leben_in_Darmstadt/umwelt/ MassmahmenprogrammBiod.pdf 12 22. Verstärkte Kooperationen mit vielen Partnern, um zusätzliche Synergien zu schaffen.“ Insbesondere die letzten beiden Maßnahmen werden durch das Zentrum auf dem Gelände der Orangerie vollkommen neu entstehen und die ehemals nur gärtnerisch genutzte Fläche für diesen Zweck aufwerten. 2.1.3 Bedeutung des Klimaschutzes Die Klimakrise nimmt an Fahrt auf und ist in keinem thematischen Umfeld mehr zu ignorieren. Insbesondere im direkten Kontakt mit den natürlichen Ressourcen ist die Veränderung immer häufiger spürbar, wenn man aufmerksam hinschaut. Gleichzeitig ist der Klimawandel Ursache für bestehende und kommende Probleme für die Menschheit. Zum einen gilt es, den weiteren Klimawandel zu verhindern, zum anderen muss man sich an veränderte klimatische Bedingungen anpassen. Städte und Gebäude müssen auf Wetterextreme wie Hitze, Trockenheit, Stürme, Starkregen sowie Überflutungen vorbereitet sein. 18 Klimatisch befindet sich Darmstadt und die Orangerie im stark vom Anstieg der Tropennächte betroffenen Oberrheingraben und ist bereits jetzt klimatisches Belastungsgebiet. Das integrierte Klimaschutzkonzept der Stadt enthält folgende 19 geplante Maßnahmen der Stadt- und Quartiersentwicklung: „Gut durchgrünte Stadtgebiete, Freihaltung von Ventilations- und Frischluftbahnen schaffen in der sommerlichen Hitze Entlastungsräume, die bioklimatisch günstig sind und helfen, den Kühlungsbedarf zu reduzieren. Ein weiterer Effekt ist, dass durch einen erhöhten Grünanteil auch mehr CO 2 über die Vegetation gespeichert wird und das Freizeitverhalten dahingehend beeinflusst wird, dass die Menschen eher in der Stadt verbleiben.“ 20 Das Klimagutachten der Stadt mit der Klimafunktionskarte zeigt deutlich die Wichtigkeit der Orangerie in der Hitzeinsel Bessungen, aber auch ihr noch nicht ausgereiftes Potential. Der in der Nähe gelegene jüdische Friedhof, nebst Kleingartenanlage und Naturdenkmal Kraftsruhe dienen aktiv als 18 vgl. Interview mit Lamia Messari-Becker (Gebäudetechnologie und Bauphysik, Uni Siegen) in der FAZ vom 24.8.2018 19 Institut Wohnen und Umwelt GmbH, Darmstadt und memo-consulting, Seeheim-Jugenheim (Bearbeiter im Auftrag der Wissenschaftsstadt Darmstadt), 2013: Integriertes Klimaschutzkonzept für die Wissenschaftsstadt Darmstadt; online verfügbar: https://www.darmstadt.de/fileadmin/Bilder-Rubriken/Leben_in_Darmstadt/Klimaschutz/Integriertes_Klimaschutzkonzept_Darmst adt_Endversion_3b-neu.pdf 20 ebd., S. 101 13 Kaltluftentstehungsgebiete, während das Gelände der Orangerie immer noch ein Überwärmungspotential aufweist und lediglich im Bereich der Springbrunnen Misch- und Übergangsklimate erzeugt. Im umliegenden Bereich der moderaten und starken Überwärmung ist dies trotzdem ein wichtiger Beitrag zur Kontrolle der Hitzeinseln der Stadt. 21 Über die Sicherung von Grünflächen und eine weitere Erhöhung der Blattmasse steigt der positive Kühlungseffekt im lokalen Kleinklima, der Sauerstoffgehalt und es sinken die Schadstoffgehalte im angrenzenden Stadtgebiet. Damit einher geht eine deutliche Reduktion der tatsächlichen und der gefühlten Temperatur im Stadtteil. Der Zusammenhang von Klima und Gesellschaft soll im Zentrum für Stadtnatur ebenso thematisiert werden, wie der massive Verlust von biologischer Vielfalt. Im Klimagarten soll auf sichtbare klimatische Veränderungen aufmerksam gemacht werden, deren Ursache und Wirkung im Umweltbildungskonzept erfahr- und erlebbar sind, sowie sollen Lösungen und Anpassungsstrategien dargestellt und erprobt werden können. So wird das Gebäude ein extensiv begrüntes Dach haben, dass doppelt als Klimaanpassungsmaßnahme wirkt: Es kann bei Starkregen Wasser speichern und die Hitzeabgabe verzögern. Im gärtnerischen Bereich geschieht dies insbesondere im Bezug auf Lebensmittelerzeugung, Wasserhaushalte, Ernährung und Landwirtschaft – im Gebäude des Zentrums für Stadtnatur vor allem im Bezug auf Lebensstile, Wohnen, Konsum und fachpolitische Begleitung. Insbesondere in den Wintermonaten sollen diese Zusammenhänge gezielt thematisiert werden. 2.2 Unsere Zielgruppen Das Zentrum für Stadtnatur mit seinen unterschiedlichen Funktionsbereichen soll insbesondere die Zielgruppen aus den Bildungsbereichen des nationalen Aktionsplans zur Bildung für Nachhaltige Entwicklung ansprechen. Das Umweltbildungsprogramm zielt auf frühkindliche Bildung, Schulen, berufliche Bildung, Hochschulen und non-formale, informelle Bildung. In der Startphase werden vor allem folgende Zielgruppen angesprochen: ● Kita-Gruppen ● Schulklassen und Berufsschulklassen ● Studierende ● Multiplikator*innen ● Anwohner*innen und weitere Bürger*innen ● Senior*innen 21 vgl.: Institut für Klima- und Energiekonzept (INKEK); 2017: Klimagutachten und Klimafunktionskarte für die Wissenschaftsstadt Darmstadt; online verfügbar: https://darmstadt.more-rubin1.de/show_anlagen.php?_typ_432=vorl&_sid=ni_2017-Stavo-121&_topst=1&_vorl_nr=2927041001 33&_doc_n1=20170427082953.jpg 14 So werden von Schulklassen, aber auch einzelnen Jugendlichen im Rahmen des Umweltbildungsprogramms die Schulgärten und das Gebäude genutzt. Über die Umweltbildung hinaus erhalten Umweltengagierte eine zentrale, gebündelte Kontakt- und Netzwerkstruktur, um Stadtnatur-Themen an Bürger*innen, Grünflächenmitarbeiter*innen und andere Umweltengagierte weitergeben zu können. Gartenbauinteressierte erhalten Tipps und Experimentierflächen, um auch alternative Gartenkonzepte verwirklichen oder überhaupt gärtnerisch aktiv werden zu können. Das bedeutet auch auf neue Herausforderungen, wie zunehmende Trockenheit, Hitzewellen und Unwetterhäufigkeit gärtnerische Antworten anwenden zu können. Inklusive Angebote sollen Engagierte mit Beeinträchtigungen stärker in den Alltag integrieren und eigene naturschutzfachliche Beteiligung und Auseinandersetzung ermöglichen. Eine wichtige weitere Nutzer*innengruppe sind Anwohner*innen. Sie sollen das Gelände als zweites Wohnzimmer oder Vorgarten erleben, der jederzeit leicht erreichbar ist und in dem sie sich engagieren, aber auch entspannen können. Als weitere Zielgruppe gelten Multiplikator*innen im Umwelt-, Garten- und Bildungsbereich, sowie die gesamte Bevölkerung Darmstadts durch Berichterstattung und mündliche Weitergabe durch die Nutzer*innen. Daneben sind wir auch offen für eine Nutzung durch andere Umwelt- und Naturschutzgruppen und Umweltbildungsakteur*innen. 2.3 Unsere Ziele Mit dem Zentrum für Stadtnatur sollen vor allem Ziele in vier Dimensionen erreicht werden: Verwirklichung von Umwelt- und Naturschutzzielen, Engagement und Verbandsentwicklung fördern, die Schaffung eines Orts der Vernetzung und Inklusion sowie der besondere Schwerpunkt der Vermittlung von Stadtnatur – auch vor dem Hintergrund von zwei wesentlichen Menschheitsherausforderungen: des Verlusts von Biodiversität und des Klimawandels. 2.3.1 Umwelt- und Naturschutzziele verwirklichen Bei der Entwicklung der einzelnen Teile des Zentrums für Stadtnatur gelten die übergeordneten Ziele für Umwelt- und Naturschutz, die denen des BUND Landesverbands Hessen entsprechen: - der Schutz der Umwelt, der Natur, der Landschaft und des Bodens im besiedelten und unbesiedelten Bereich, jeweils einschließlich ihrer Bestandteile und sowohl um ihrer selbst Willen als auch zur Bewahrung und Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen - dem Tierschutz - dem Denkmalschutz - der Förderung gesunder Lebensweisen und Lebensbedingungen für Menschen Tiere und Pflanzen, einschließlich der Verminderung von 15 Schadstoff-, Erschütterungs- und Lärmbelastung und einträgen in Luft, Wasser, Boden und Organismen - der Herbeiführung solcher Konsumgewohnheiten, Produktions- und Wirtschaftsweisen, die die Begrenztheit der verfügbaren Bodenschätze und Naturgüter sowie die ökologischen Erfordernisse berücksichtigen. - dem Schutz und der Aufklärung der Verbraucher - dem Verständnis ökologischer Zusammenhänge Dies impliziert insbesondere den Schutz der Biodiversität und des Klimas. Dabei folgen wir – wie der BUND Hessen – dem Bundesnaturschutzgesetz und wollen insbesondere erreichen, dass die genannten Anliegen so beachtet, geschützt, gepflegt und entwickelt werden, dass - die Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts - die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter - die Vielfalt, Eigenart und Schönheit der natürlichen Umwelt als Lebensgrundlage der Menschen und aller anderen Lebewesen erhalten bleiben und nachhaltig gesichert werden. Die Ziele des Umweltschutzes sollen gefördert werden, um durch Verbesserungen der Umweltbedingungen zur Lebensqualität der Menschen beizutragen. Der BUND Hessen verfolgt diese Ziele durch Bildungsarbeit und weitere Aktivitäten. 2.3.2 Engagement und Verbandsentwicklung fördern Das Zentrum für Stadtnatur ist ein wichtiger Kristallisationspunkt zur Erfüllung innerverbandlicher Ziele. Das Leitbild zur Verbandsentwicklung des 22 BUND-Bundesverbandes stellt fest: „Ehrenamtliches Engagement ist kein ‚Selbstläufer‘ mehr. Daher wollen wir mit neuen Methoden in die Offensive gehen, um Menschen mit unterschiedlichsten Qualifikationen auf allen Ebenen des BUND zur Mitarbeit in unserem Verband zu gewinnen und zu halten. Menschen, die sich heute engagieren wollen, erwarten von uns zeitlich befristete Projekte, mit klar definierten Aufgaben, für die eine Betreuung gewährleistet ist sowie Lob und Anerkennung zurückgegeben wird. Die bewusste Ausrichtung des Verbandes auf die Förderung und Neugewinnung von Freiwilligen muss auch in den Landesverbänden mit gezielten Maßnahmen und Verantwortlichkeiten festgeschrieben werden. Dies bedeutet, dass nicht nur Einzelmaßnahmen beschlossen werden, wie z.B. einige Qualifizierungsangebote, sondern eine strategisch angelegte und systematische Planung, Organisation und Koordination von freiwilligem Engagement in den Landesverbänden angestrebt wird. Neben einer Leitlinie für die Förderung und den 22 Leitbild zur Verbandsentwicklung – BUND 2022; online verfügbar: https://www.bund.net/ueber-uns/transparenz/leitbild/ 16 Umgang mit Engagierten bedeutet dies, engagementfreundliche Strukturen zu schaffen (Erreichbarkeit, Vor-Ort-Angebote, Einführung, etc.).” Dieses Leitbild setzen wir in Darmstadt durch die Motivation und Koordination des freiwilligen Engagements vor Ort im Zentrum für Stadtnatur um. Durch die zentrale Sichtbarkeit des BUND in der Orangerie erhält der Verband eine öffentlichkeitswirksame, sichtbare Adresse und einen erreichbaren Anlaufpunkt für Aktive. Durch den niedrigschwelligen Einstieg in Umweltbildungs- und Gartenprojekte und dem in der Nachbarschaft geplanten inklusiven Café, kommen einerseits Menschen zum Zentrum, die sonst keinen direkten Weg zum BUND gefunden hätten, andererseits haben bereits Interessierte einen bekannten Bezugsort und eine häufig erreichbare Anlaufstelle. Durch die zeitlich befristeten Projekte können neue Mitglieder gewonnen oder reaktiviert werden, durch die Kontinuität des Zentrums und der allgemeinen BUND-Arbeit auch langfristig gebunden werden. Damit ist das Zentrum für Stadtnatur Basis für Engagement im BUND; aber auch mit dem BUND für die Umwelt- und Naturschutzziele. 2.3.3 Einen Ort der Vernetzung und Inklusion schaffen Wir verbinden ökologische und soziale Themen. Mit dem geplanten inklusiven Café soll eine Begegnungsstätte für alle Darmstädter*innen geschaffen werden. Der Kontakt und die Zusammenarbeit mit dessen Zielgruppe soll alltäglich sein und einen gegenseitigen positiven Einfluss ergeben. Naturschutz und Gartenarbeit können dabei sehr vielversprechend inklusiv eingesetzt werden. Der Naturschutz kann durch die direkte Nachbarschaft zum Café, vom Austausch mit Mitarbeiter*innen und Besucher*innen und durch Gewinnung weiterer Multiplikator*innen profitieren. Der Träger und die detaillierte Ausrichtung des inklusiven Cafés stehen noch nicht fest. Vor Ort arbeiten wir oft gemeinsam mit anderen Initiativen und Organisationen aus dem Natur- und Umweltbereich. Zum einen soll mit dem Zentrum für Stadtnatur ein Ort entstehen, der es ermöglicht die bestehenden Kooperationen zu stärken sowie neue zu ermöglichen und zum anderen können unsere Kooperationspartner*innen dort auch eigene Aktivitäten entfalten. 2.3.4 Stadtnatur näherbringen, für nachhaltige Entwicklung bilden Die Gäste des Zentrums für Stadtnatur können den städtischen Naturschutz praktisch und niedrigschwellig erleben und mitgestalten. Hier können die Besucher*innen vor Ort tätig werden und sich ausprobieren. Mithilfe der Unterstützung durch BUND-Expert*innen werden diese praktischen Umsetzungen fachlich betreut, in einen naturschutzfachlichen Zusammenhang gestellt und 17 gefördert. Langfristige Handlungsveränderungen bezüglich Arten- und Klimaschutz über kurz- und mittelfristige Projekte initiiert, sind dabei das Ziel der Umweltbildungsarbeit des Zentrums. Dazu aus dem nationalen Aktionsplan zum Unesco-Weltaktionsplan zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE): „Dies beinhaltet, Werte zu hinterfragen und eigenes Engagement zu entwickeln. Um eine solche Lernerfahrung zu ermöglichen, braucht BNE einen Ort – einen Lernort der Nachhaltigkeit. Lernorte entfalten ihre volle Innovationskraft dann, wenn sie ganzheitlich arbeiten, wenn also eine Schule, ein Verein, ein Unternehmen oder die kommunale Verwaltung Lernprozesse und Methoden sowie die Bewirtschaftung auch an Prinzipien der Nachhaltigkeit orientiert und dabei die Qualifizierung von Lehrenden und Multiplikatoren sowie von Mitarbeiter*innen berücksichtigt. Die Förderung von Lernorten mit solch einem ganzheitlichen Ansatz steht daher im Fokus des Weltaktionsprogramms BNE.“ 23 2.4 Was ist das Innovative an diesem Vorhaben? Neu ist bei diesem Konzept die zentrale städtische Lage, die Darmstädter*innen auch in Schulstunden, Pausen oder vor und nach der Arbeit einlädt und niedrigschwellig ermöglicht, aktiv zu werden. Die gezielte Fokussierung auf Arten- und Naturschutz im städtischen Umfeld unterscheidet sich fundamental von der klassischen Naturschutzarbeit im freien Feld oder Biotopverbund. Dabei ist der Standort in der barocken, seit ihrer Entstehung gärtnerisch genutzten Anlage, ideales Experimentierfeld für die eigenen Bemühungen der Nutzer*innen. Das vor Ort Gelernte kann gut in intensiv genutzten, bebauten Nischen, auf dem heimischen Balkon, der eigenen Terrasse oder im innerstädtischen Garten angewandt und fortgeführt werden. Denn das angeeignete Wissen kann zunächst auf dem Orangeriegelände mit ähnlichen Einflussfaktoren praxisnah getestet werden. In unserer Zeit gibt es keine Themen mehr, die nicht ohne Chancen für den Klimaschutz oder Anpassungen an Klimafolgen betrachtet werden können. Entsprechend flechten wir das Metathema konsequent in alle Bildungsangebote mit ein und schaffen Angebote bei denen Klimaschutz das Hauptthema ist. Neu ist außerdem der Anspruch, einen Ort und ein Programm zu bieten, die Menschen dazu veranlassen, über Vielfalt, sei es biologische Vielfalt oder gesellschaftliche und erlebbaren Vielfalt, neu und anders nachzudenken. In einer Zeit, in der die Vielfalt nicht nur in der uns umgebenden äußerlichen Umwelt, sondern 23 https://www.bne-portal.de/de/nationaler-aktionsplan/bildung-f%c3%bcr-nachhaltige-entwicklung-bis-20 30 18 in allen Lebensbereichen durch Prozessoptimierung und Standardisierung zerstört wird, brauchen wir Stationen, die 1. den Wert der biologischen Vielfalt ins Bewusstsein rücken, 2. Vielfalt nicht nur als biologisches Thema, sondern als Prinzip vermitteln, 3. eine inklusive Zusammenarbeit von Menschen mit sehr unterschiedlichen Fähigkeiten und Lebensweisen fördern, 4. die Muster von Standardisierung und Vereinheitlichung in allen gesellschaftlichen Bereichen erkennen und reflektieren helfen, 5. die Naturbeherrschung und damit übertriebene Ordnungsliebe und Sauberkeitsvorstellung zum Thema machen, 6. den stabilisierenden Wert von Vielfalt aufzeigen, 24 7. Beispiele zeigen, wie man Vielfalt dort fördern kann, wo Kinder aufwachsen, 8. das Thema Rückzugsorte gleichermaßen für Mensch und Tier thematisieren, 25 9. das eigenständige Denken und Handeln bei Kindern und Heranwachsenden fördern. Diese thematischen Stationen sollen im Zentrum für Stadtnatur durch Bildungsarbeit und sichtbare Umsetzung verwirklicht werden. 2.5 Erfolgskriterien und Messung der Erfolge Die Erfolgskriterien unserer Angebote differenzieren wir nach Zielgruppen, in denen wir unterschiedliche Wirkungsschwerpunkte erzielen wollen. Wirkungen sind für uns die Veränderungen, die bei den Schüler*innen, Teilnehmer*innen und Besucher*innen durch Bildungsprojekte erreicht werden. 24 „Fällt ein Teil des Ganzen aus einem bestimmten Grund aus, so ist nicht das Ganze bedroht. Aus diesem Grund hatten beispielsweise die Kelten darauf geachtet, dass sie eine Vielzahl von Feldfrüchten anbauten, und keine Monokulturen schufen. Die Vielfalt machte unabhängig von unvorhersehbaren Ereignissen, wie Krankheiten oder Naturkatastrophen.“ (Markus Strüver 2019: Pädagogisches Konzept Orangerie, Teil 2: Exkurs Vielfalt) 25 „Auch in Kindergärten und Schulhöfen, also dort, wo Kinder aufwachsen, sollten Orte der Vielfalt entstehen, um Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Bildung für Vielfalt gelingen kann. Bei der Gestaltung von Orten der Vielfalt und Rückzugsräumen für Tiere wird oft übersehen, dass auch Kinder (und ebenso Erwachsene) Rückzugsräume brauchen, in denen sie sich von Bewertungen befreien und zu sich finden können.“ (Markus Strüver 2019: Pädagogisches Konzept Orangerie, Teil 2: Exkurs Vielfalt) 19 Abbildung: Die Stufen der Wirkungstreppe aus PHINEO gAG, 2017: Kursbuch Wirkung, Seite 5 Methodisch gehen wir von der durch das Beratungshaus Phineo definierten Wirkungstreppe aus. Hierbei wird zwischen der Output-Ebene (Stufen 1-3) und der Wirkungsebene mit Outcome und Impact (Stufen 4-7) unterschieden. Die Indikatoren für die Erfolge auf der Output-Ebene können einfach gemessen werden und werden im Folgenden zielgruppenweise skizziert. Sie sind jedoch nur die Grundlage dafür, dass die entscheidende qualitative Wirkung entfaltet werden kann. Die Wirkungsindikatoren hingegen sind indirekte Indikatoren, da sie sich auf qualitative Sachverhalte, wie Veränderungen der Lebensumstände oder der Einstellungen, beziehen. Hier haben wir Wirkungsfelder definiert, die wir innerhalb der einzelnen Zielgruppen erreichen wollen. In folgenden Feldern wollen wir wirken: - Natur erleben - Stadtnatur verstehen - Biodiversität fördern - Klima schützen - Sozialkompetenzen verfeinern - Verantwortungsbewusstsein ausprägen - Bewusste Ernährung unterstützen Die Messung von Erfolgen innerhalb dieser Wirkungsfelder möchten wir in Zusammenarbeit mit Studierenden der beiden Darmstädter Hochschulen evaluieren. Hierfür sind vor allem die Studiengänge Angewandte Sozialwissenschaften, Biologie, 20 Lehramt, Pädagogik und Soziale Arbeit im Rahmen von Abschlussarbeiten prädestiniert. Für den Bereich Biodiversität könnte das wie folgt aussehen: Zielgruppen KiTa- und Schulklassen : Gerade zu Anfang unseres Projekts werden wir Schulen kontaktieren, um auf unsere Angebote aufmerksam zu machen. Hier werden wir die Reaktionen auf die Kontaktaufnahmen (per Brief oder Telefon) auswerten. Wir können im ersten Jahr bis zu vier Schulen in unser umweltpädagogisches Programm einbinden. Im zweiten Jahr können dann gemeinsam erste Gärten angelegt werden. Spätestens nach diesem zweiten Jahr rechnen wir mit Anfragen von weiteren Schulen sowie Kindergärten/KiTas. Die Lehrer*innen und später auch Erzieher*innen dienen hier als Multiplikator*innen, die die Inhalte des Projekts weitertragen. Wir werden den Aufbau und die Pflege der Beete in den Folgejahren flexibel an die Nachfrage anpassen und zusätzlich die Zielgruppe KiTa- und Kindergartengruppen ansprechen. Auf der Wirkungsebene liegt der Schwerpunkt auf den Wirkungsfeldern Natur erleben, bewusste Ernährung sowie Sozialkompetenzen und Verantwortungsbewusstsein ausprägen. Gemeinsam mit den Darmstädter Studierenden wollen wir insbesondere folgende Wirkungen evaluieren: - Schüler*innen fühlen sich mit der Stadtnatur verbundener und verstehen sie besser - Schüler*innen nutzen ihr angeeignetes Wissen über Lebensmittelanbau und ernähren sich gesünder - Schüler*innen agieren im Klassenverbund und zuhause sozialer - Schüler*innen handeln verantwortungsbewusster und selbstständiger Zielgruppe Multiplikator*innen: Pädagogische Kräfte wie Lehrer*innen und Erzieher*innen, aber auch Vertreter aus Unternehmen, Politik, Verwaltung und Umweltschutzorganisationen haben die Möglichkeit, die Themen der Stadtnatur zu verbreiten. Diese zählen wir zunächst quantitativ anhand von Teilnehmer*innen-Listen. Im ersten Jahr wollen wir mindestens 50 Lehrer*innen fortbilden. Lehrkräfte die mit ihren Klassen bei der Anlage der Schulgärten mitwirken, werden durch diese Erlebnisse ebenfalls zu Multiplikator*innen. Auf der Wirkungsebene soll der Schwerpunkt auf den Wirkungsfeldern Natur erleben und dem Verständnis von Stadtnatur und Klimaschutz liegen. Gemeinsam mit den Darmstädter Studierenden wollen wir zukünftig insbesondere folgende Wirkungen bei der Zielgruppe Berufsschulklassen evaluieren: - Multiplikator*innen lernen die Darmstädter Stadtnatur aktiv kennen und fühlen sich verbundener mit ihr 21 - Multiplikator*innen verstehen Stadtnatur und Klimaschutz besser und erhalten das nötige Handwerkszeug diese anschaulich zu vermitteln Zielgruppe Bürger*innen: Wir erreichen Bürger*innen im Rahmen unserer Angebote und zufällig durch Besuche der Orangerie. Darüber hinaus erwarten wir eine Medienresonanz. Wir zählen die Teilnehmenden unserer Programme. Besucher*innen die zufällig zum Zentrum für Stadtnatur finden, zählen wir stichprobenartig. Presseresonanz dokumentieren wir, soweit es ohne ein aufwändiges Presseclipping in Eigenleistung möglich ist. Im ersten Jahr rechnen wir mit durchschnittlich 20 Besucher*innen pro Tag und mit mindestens 360 Teilnehmenden unserer Workshops. In den Folgejahren planen wir mit einem kontinuierlichen Anstieg der täglichen Besucher*innen, einem Zuwachs des Workshopangebots und entsprechend mehr Teilnehmer*innen. Zur Zählung der Besucher*innen verwenden wir Handzähler an repräsentativen Tagen und werten Teilnehmer*innenlisten aus. Auf der Wirkungsebene liegt der Schwerpunkt auf den Wirkungsfeldern Natur erleben, Stadtnatur verstehen, Biodiversität fördern und Klima schützen. Gemeinsam mit den Darmstädter Studierenden wollen wir insbesondere folgende Wirkungen bei der Zielgruppe Bürger*innen evaluieren: - Bürger*innen erleben, wie sie mehr Natur in die Stadt bringen und Klima schützen können, und nutzen dieses Wissen in ihrem eigenen Umfeld - Bürger*innen lernen die Darmstädter Stadtnatur kennen und schätzen - Bürger*innen erlangen ein tieferes Bewusstsein natürlicher Zusammenhänge Zielgruppe Senior*innen: Viele Senior*innen besitzen einen reichen Schatz an Erfahrung und Wissen rund um die Gartenpflege. Diesen gilt es, für beide Seiten ideal zu nutzen und so sowohl sinnstiftende Beschäftigung für die Senior*innen als auch die Erweiterung und Vertiefung des Wissens im Zentrum zu schaffen. Die Evaluation wollen wir über Fragebögen, die im Zentrum ausliegen, schaffen. Damit unterstreichen wir die essentielle Bedeutung von Feedback für uns und ermuntern die Bürger*innen, uns Lob, Kritik und Anregungen offen und jederzeit mitzuteilen. Auf der Wirkungsebene liegt der Schwerpunkt auf den Wirkungsfeldern Naturerlebnis, Stadtnatur verstehen und Verantwortungsbewusstsein. Gemeinsam mit den Darmstädter Studierenden wollen wir insbesondere folgende Wirkungen evaluieren: - Senior*innen verbringen regelmäßig Zeit im Freien und erleben die Natur - Senior*innen lernen Darmstadt von seiner grünen Seite kennen - Senior*innen können Verantwortung übernehmen, ihr Wissen weitergeben und sich tatkräftig und sinnstiftend beteiligen 22 2.6 Die drei Teile des Zentrums für Stadtnatur Für das Zentrum für Stadtnatur sind im Wesentlichen drei Flächenbestandteile geplant: 1.) ein Gebäude mit Freibereich im Nordteil, 2.) Bürger*innengärten bzw. Gärten der Vielfalt im Nordteil und 3.) Schulgärten im Südteil Abbildung: Flächenaufteilung gemäß Beschlusslage. 23 2.6.1 Das Gebäude im Nordteil der Orangerie Im Nordteil des Geländes der ehemaligen Stadtgärtnerei befinden sich noch Gewächshäuser und ein Sozialgebäude. Hier ist, als erster Schritt zum Zentrum für Stadtnatur, ein eingeschossiges Passivhaus in Holzständerbauweise als Umweltbildungszentrum geplant. Zur geplanten Nutzung ist dieses Gebäude ebenfalls notwendig. Abbildung: Ausschnitt aus der Machbarkeitsstudie vom 7.8.2018 (werk.um architekten) zur ungefähren Lage des BUND-Gebäudes. Nach der Machbarkeitsstudie wird das Gebäude im bebaubaren Geländebereich platziert. Vorgegeben ist auch eine Riegelstruktur, die sich nach den Kanten der hier nicht dargestellten, südlich des Nordteils der Stadtgärtnerei, auf Höhe des Orangeriegebäudes, gelegenen Überwinterungshalle des Geländes richtet. Das Gebäude soll auf einem Teil der Fläche des nördlichsten Gewächshauses, das rückgebaut wird, errichtet werden. Es befindet sich damit in räumlicher Nähe zum geplanten inklusiven Café, das nördlich davon stehen soll. Von der ungefähr 20 x 25 m großen Fläche des nördlichen Gewächshauses, nimmt das Gebäude ungefähr 12 x 18 m ein. Das Passivhaus steht auf einem niedrigen Sockel und soll eine umlaufende Terrasse mit Übergang zum Freibereich erhalten. 24 Abbildung: Ausschnitt aus der Detailplanung: Dachaufsicht (Architekturbüro Zielke, 18.12.2018) Die Kanten der Riegelstruktur werden u.a. westlich durch eine überdachte Fahrradabstellmöglichkeit und östlich durch eine (Außen-)Lagermöglichkeit gezeigt. Das Gebäude bekommt gemäß Machbarkeitsstudie ein extensives Gründach, dass auch als Vorbild einer Klimaanpassungsmaßnahme dient. So können Gründächer Wasser speichern und so die Folgen von Starkregen abmildern oder Hitzeabgabe verzögern. Eine Photovoltaikanlage kann zumindest auf einer Pergola südlich des Gebäudes errichtet werden und eventuell innerhalb der Riegelstruktur. Diese Anlage ist ein Vorbild für dezentrale Energieversorgung. Der Streifen mit Gebäude, Fahrradabstellmöglichkeit, Außenlager und Terrasse misst ungefähr 16 x 31 m. Südlich dieses Streifens soll ein öffentlicher Weg verlaufen. Nördlich sollen eine drei Meter breite Grünfläche ebenso wie deren Verlängerung und die Verlängerung des Gebäudestreifens und der Wegachse bis zur östlichen, historischen Bruchsandsteinmauer durch den BUND gestaltet werden. Mit dem geschützten Freibereich, der sich bis zur östlichen Mauer erstrecken soll, umfasst die Fläche für diese Funktionseinheit also insgesamt ca. 19 x 40 m bzw. mit öffentlichem Weg und anschließender Freifläche ca. 22 x 40 m. Die verschiedenen Bestandteile dieser ersten Funktionseinheit werden im Folgenden von innen nach außen dargestellt. 25 2.6.1.1 Nutzungen des Gebäudes Basierend auf den bisherigen Aktivitäten des BUND sind folgende Nutzungen innerhalb des Gebäudes vorgesehen: Was? Wo? Wann? (Zeitfenster) Personen anzahl Häufigkeit Verkehr 26 Lärmbel astung 27 Organisation/ Verwaltung Büro 8-19 Uhr werktags 1-4 werktäglich F/F/Ö Z Umweltsprech stunde Büro und Foyer 8-19 Uhr werktags 1-7 1x wöchentlich F/F/Ö Z Ausstellungen Foyer, Seminar und Bastelraum 8-19 Uhr, werktags, ggf am Wochenende 2-30 50 Tage/Jahr F/F/Ö Z Schulgarten - theoretischer Input/Schlecht -Wetter-Aktivit äten/”Bastelar beiten” Seminar/Bastel raum 8-17 Uhr, werktags 8-30 wöchentlich F/F/Ö Z Lehrer*innenf ortbildung/Mul tiplikator*inne nschulung Seminarraum und Freiflächen 8-17 Uhr, werktags 8-16 30 Tage/Jahr F/F/Ö Z Vorbereitung Umweltdiplom , praktischer Naturschutz/N isthilfenbau Maschinenrau m 8-19 Uhr, werktags 1-4 wöchentlich F/F/Ö M Umweltdiplom / weitere Nachmittags veranstaltung en Seminarraum/ Bastelraum, ggf. Freifläche 14-18:30 Uhr 10-15 40 Tage/Jahr F/F/Ö Z Ferienspiele Seminar/Bastel raum ggf Freifläche/Bioto pe 9-16 Uhr, werktags 8-16 Schulferien F/F/Ö Z Kinderumwelt gruppe Seminar/Bastel raum ggf. 15-18 Uhr, mittwochs 4-10 wöchentlich F/F/Ö Z 26 F/F/Ö = Fuß/Fahrrad/ÖPNV 27 Z = Zimmerlautstärke; M = Maschinenraum ggf. Kreissäge; Ständerbohrmaschine etc. 26 Freifläche/Bioto pe Arbeitsgruppe ntreffen/Sitzun gen/ Vorstandssitz ungen Seminarraum 18-21 Uhr, werktags 4-10 2 x wöchent lich F/F/Ö Z Vortragsver anstaltungen Erwachsenen bildung Seminar/Bastel raum 18-21 Uhr, werktags 8 - 18 Uhr, Wochenende 10-30 wöchentlich F/F/Ö Z Familienveran staltungen/ge nerationenübe rgreifende Veranstaltung en Seminar/Bastel raum 8-18 Uhr, Wochenende 10-30 monatlich F/F/Ö Z Alle beschriebenen Nutzungen sollen dem Standort angemessen sein, mit besonderer Wahrung des Charakters des Orangeriegartens. Es ist geplant, Gebäude und Außenanlagen täglich zu nutzen. Hierzu wird ein Bildungsprogramm des Zentrums für Stadtnatur erstellt werden. In diesem Rahmen können andere Anbieter von Umweltbildungsveranstaltungen eigene Veranstaltungen in Abstimmung mit dem BUND durchführen. Seminare, Fort- und Weiterbildung, Vorträge, Diskussionen, auch in Verbindung mit anderen Bildungsträgern und Kooperationspartner*innen (beispielsweise Volkshochschule) sind im zu erstellenden Programm enthalten. Thematisch sind diese inhaltlich dem Umwelt- und Naturschutz verpflichtet. Der Schwerpunkt während der Vegetationsphase liegt dabei naturgemäß auf den Aktivitäten auf den Frei- und Gartenflächen. Bau-, Planungs- und thematische Einarbeitungsmodule werden eher in den Wintermonaten stattfinden. Hier ist eine erhöhte Nutzung der angeschlossenen Werkstatt und Seminarräume geplant. In den Wintermonaten sollen zusätzlich gezielt Veranstaltungen und Fortbildungen mit den Hochschulen stattfinden. Das Wintersemester ist vor allem wegen höherer Präsenz der Student*innen im Hochschuljahr geeigneter, um theoretische Grundlagen zu vermitteln und Planungen zu erarbeiten, die gegebenenfalls mit der beginnenden Vegetationsperiode umgesetzt werden können. Ferner gibt es einen Katalog für wählbare Bildungsangebote sowie Angebote des Gestaltens mit Naturmaterialien „auf Abruf“ für Menschen jeden Alters wie für 27 Kindergärten und Schulen sowie für Gruppen von Kindern und Jugendlichen und Erwachsenen. Dies geschieht jeweils im Rahmen der beschriebenen Belegzeiten. Es soll möglich sein, für Veranstaltungen zur Förderung des Umwelt- und Naturschutzes einen Raum zur Verfügung zu stellen. Ausstellungen zum verantwortungsbewußten und fördernden Umgang mit Natur und Umwelt sollen in den Räumlichkeiten möglich sein. 2.6.1.2 Raumprogramm Gebäude Zur Verwirklichung der Aktivitäten ist ein kompaktes Raumprogramm geplant, das zum Teil multifunktional genutzt werden kann und somit die Basis für eine effiziente Ressourcennutzung darstellt. Abbildung: Ausschnitt aus der Detailplanung: Erdgeschoss mit Raumprogramm und einem Teil der Freiflächen (Architekturbüro Zielke, 18.12.2018) Folgende Räume sind geplant: - Flur/Eingangsbereich/Foyer (21 m 2 ) mit Zugang von Westen und direkten Türen zu Seminarraum, Flurzone vom Lager (ggf. mit Garderobe), Sanitäreinrichungen und Büro - Büro (19 m 2 ); Zugang erfolgt vom Foyer; Tür in den westlichen Freibereich 28 - Bad/WC (14 m 2 ) (m/w/rollstuhlgerecht) - Seminarraum (34 m 2 ) (inkl. Teeküche) mit Zugang zum südlichen Freibereich: erweiterbar mit Bastelwerkstatt - Bastelwerkstatt (31 m 2 ), mit Zugang zum südlichen und östlichen Freibereich; erweiterbar mit Seminarraum - Maschinenraum (30 m 2 ) z.B. zum Zuschnitt von Material für Nisthilfen und mit Zugang zum östlichen Freibereich und Türen zu Bastelwerkstatt und Lager, ggf. zusätzlich nutzbar als Seminarraum - Lagerraum mit Flurzone (34 m 2 ) Die Haustechnik, insbesondere die notwendige Lüftungsanlage, wird im Deckenbereich des Lagers untergebracht und braucht daher keine zusätzliche Grundfläche. Die Räume haben zusammen rund 182 Quadratmeter. 2.6.1.3 Weitere Baubeschreibung Abbildung: Ausschnitt aus der Detailplanung: Außenansichten (Architekturbüro Zielke, 18.12.2018) Eine detaillierte Baubeschreibung des Architekten findet sich im Anhang. 29 2.6.2 Freiflächen im Nordteil der Orangerie Rund um das Gebäude des Zentrums für Stadtnatur bis zur Orangeriemauer soll es Aufenthalts-, Lern- und Erlebnisflächen für Workshopteilnehmer*innen geben, die auch das Thema biologische Vielfalt in der Stadt und im Garten aufgreifen. Enthalten sind auch entsprechend gestaltete Rückzugsräume, beispielsweise mit Rank- und Kletterpflanzen oder vertikalem Grün sowie Topfpflanzen zum Thema „Klimawandel im Topf“, Dauerbewuchs für Balkonkästen, Terrassenkübel und Töpfe im Garten. Es geht um die Bedeutung der Biodiversität und ihre Förderung am und ums Haus oder der Wohnung in der Stadt. Zudem sind auf einer ca. 45 x 68 m großen Fläche, westlich des in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Mittelwegs, Gärten der Vielfalt – „Bürger*innen-Gärten“ mit einem erweiterten Verständnis – geplant. Diese sollen als Demonstrations-, Mitmach- und Erlebnisflächen für naturnahes Gärtnern die Vielfalt an unterschiedlichen Standorten (trocken oder feucht, sonnig oder schattig) im Garten und ums Haus erlebbar machen. Gestalterisches Ziel ist es – gerade in Zeiten der naturfernen, toten „Steinwüsten-Vorgärten“ – die zahlreichen Möglichkeiten einer naturnahen Gartengestaltung darzustellen, die sowohl nachhaltig-ökologischen als auch ästhetischen Ansprüchen gerecht werden. Entsprechende Informationstafeln sollen dies verdeutlichen. Diese Bürger*innengärten werden unter fachlicher Anleitung als Mitmachprojekte gestaltet und gepflegt. 2.6.2.1 Geschützter Freibereich ums Gebäude Im direkt an das Gebäude angrenzenden Bereich sollen Hochbeete entstehen, an denen verschiedene Aspekte des biologischen Gärtnerns (z.B. Gemüse-Mischkulturen, Kompostverwendung, biologischer Pflanzenschutz, Stecklingsvermehrung etc.) erlernt werden können. In Blumenkästen und -kübeln, die rund ums Haus aufgestellt werden, wird gezeigt, wie bei Bepflanzung mit mehrjährigen, heimischen Stauden – als Alternative zum kurzlebigen Wechselflor – eine insektenfreundliche und lebendige Gestaltung von Balkon, Terrasse und Fensterbrett aussehen kann. An sinnvollen Stellen rund ums Haus werden zudem Nisthilfen für Vögel und Insekten angebracht, deren Bau zuvor in Workshops erlernt wurde. In diesem Flächenbereich ist außerdem ein „grünes Klassenzimmer“ angedacht, welches tagsüber, bei gutem Wetter Aktivitäten im Freien ermöglichen soll. – Neben einer mobilen Version, könnte es hier eine zweireihige, halboffene Sitzarena aus Naturstein geben. Insgesamt wird der Freibereich mit den Nutzer*innen partizipativ weiterentwickelt. 30 2.6.2.2 Gärten der Vielfalt – Stadtnatur für alle Bei den Gärten der Vielfalt, denen ein erweitertes Verständnis von Bürger*innengärten zugrunde liegt, geht es nicht nur um das urbane Gärtnern an sich, sondern auch darum, Gestaltungsbeispiele zu schaffen, die zeigen, wie Biodiversität im Hausgarten, auf Balkon und Terrasse gefördert werden kann. Die Gestaltung und die genauere Nutzung der Fläche wollen wir in einem öffentlichen Beteiligungsverfahren mit interessierten Bürger*innen ausarbeiten. Dafür ist ein erster Entwurf bereits entwickelt worden, der den Bürger*innen vorgelegt und durch diese weiterentwickelt wird. Dieser Prozess und die Nutzung sollen durch das Zentrum für Stadtnatur federführend begleitet und koordiniert werden. Folgende Gestaltungselemente sind vorstellbar: Magere und nährstoffreiche Beete mit heimischen Stauden für Sonne und Schatten als Vorbild für verschiedene Gartenbereiche; eine bunte, artenreiche Wildblumenwiese; ein bespielbarer Blumenkräuterrasen als Kompromiss zwischen Wiese und Scherrasen, eine „Miniatur-Sanddüne“ zur Demonstration regionaltypischer Wildblumenarten, die auch für hiesige sandige Gartenböden geeignet sind; eine Hecke aus heimischen Gehölzen, wie z.B. den vielen verschiedenen heimischen Wildrosenarten, die besonders der heimischen Vogelwelt Schutz, Nistplätze und Nahrung bietet; Wildblumensäume für Gartenrandbereiche und entlang von Hecken; Wildobst und Beerensträucher; ein flacher Naturteich; artenreiche Blumenschotterrasen statt Versiegelung und Pflaster zur Gestaltung von Einfahrten, Wegen und Sitzplätzen; Trockenmauern mit Mehrfachfunktion als Beeteinfassung, zur Höhengliederung und als wichtiger Lebensraum; eine Kräuterspirale (auch mit essbaren Wildkräutern); Modellierung von Hügeln und (Versickerungs-)Mulden zur weiteren Erhöhung der Standortvielfalt; Wildblumenbeete mit Arten für Schmetterlinge und Wildbienen; Totholzelemente 31 (Baumstämme, Wurzelstöcke) für Käfer, Holzbienen und andere Insekten; Sandhügel für erdlebende Wildbienen, Gehölzschnitt-, Lesesteinhaufen und selbstgebaute Nisthilfen für Insekten und Wirbeltiere. Die derart gestalteten Beete und Biotope werden entlang eines beschilderten Lehrpfades angelegt und sollen demonstrieren, wie auch im Privatgarten bzw. rund ums Haus durch eine standortgerechte Verwendung der Vielfalt an heimischen Pflanzen sowie natürlicher, regionaler Baumaterialien (z.B. für Wege, Sitzplätze, Trockenmauern, etc.) eine bunte, ansprechende, langlebige und naturnahe Gestaltung aussehen kann, die gleichzeitig einen Beitrag zur Förderung der biologischen Vielfalt leistet und spannende Naturerlebnisse garantiert. Angelegt und gepflegt werden die verschiedenen Teilflächen von interessierten Bürger*innen unter fachlicher Anleitung z.B. in Form von Workshops unter verschiedenen Überschriften („Planung eines Wildstaudenbeets für Wildbienen und Schmetterlinge“, „Anlage einer Wildblumenwiese mit gebietsheimischem Saatgut“, „Trockenmauer als Lebensraum“, „Wildkräuter für die Küche“, „Wie pflege ich einen Naturgarten?“, „Wie verwendet man Heilpflanzen?“…). Auch Patenschaften von Bürger*innen z.B. für einzelne Beete sind vorstellbar. Der zweite inhaltliche Schwerpunkt – Klimaschutz – soll ebenfalls in den Bürger*innengärten dargestellt werden. Klimawandelursachen und -wirkung sollen mit Hilfe von öffentlichkeitswirksamen Installationen dargestellt werden. Teilweise zum selbst bedienen oder ausprobieren. Denkbar sind hier beispielsweise Stationen mit Zeigerpflanzen, Messstationen oder künstlerische Auseinandersetzungen mit dem Thema. Weiterhin sollen Lösungen und Anpassungsstrategien bei der Auswahl der Pflanzen z.B. trocken-, unwetter- und hochwasserresistente Pflanzen in ihrer jeweiligen möglichen Anwendung gezeigt werden. Aber auch bauliche oder planerische Möglichkeiten, wie Regenwassersammelsysteme, Permakulturelemente, Methoden zu Humusaufbau und -sicherung, Kompostierung, Solarnutzung für Warmwasser zum Duschen, zum Kochen oder als Energielieferant, bieten sich hier an. Als für Gärtner*innen besonders wichtiger Aspekt könnten die Einflüsse des Klimawandels auf den Humusaufbau ausführlicher dargestellt werden. Den Zusammenhang zwischen Trockenheit und Nässe, Hitze und Kälte, Verdichtung und Erosion auf die Existenz von Bodenorganismen könnte mit Bodenfenstern mit Versuchsteilen sowie Erosionsmodellen zum Selbsttesten aufbereitet werden. Mit Lernstationen zum ökologischen Fußabdruck könnte darüber hinaus der umfassende Einfluss unseres Lebensstils auf den Klimawandel auch über die Thematisierung im Zentrum selbst einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Hierfür bieten sich die überdimensionalen Fußabdrücke des ehemaligen BUND-Klimagartens auf der Landesgartenschau in Landau/Pfalz an. Diese könnten beispielsweise als Weggestaltungselemente eingesetzt werden. Weiterhin sind Beispiele zum ressourcensparenden Bauen und Recycling geplant, wie Wegeführung und Einfassungen aus Recyclingmaterial, Gestaltungselemente als Lebensräume 32 und aus natürlichen Materialien, idealerweise direkt aus den Gärten. Pflanzgefäße, Werkzeuge und Schattenspender aus Upcyclingmaterial. Eine Feuerstelle oder Außenküche zur gemeinsamen Vor-Ort-Verwertung auch in Form von Workshops zur Konservierung und innovativen Verwendung der Ernte aus den Gärten. 2.6.3 Freifläche im Südteil der Orangerie – Schulgärten Auf dem Südteil der Freiflächen des Stadtgärtnereigeländes sollen Schulgärten u.a. für die umliegenden Schulen entstehen. In der Nähe, innerhalb von einem Kilometer Umkreis, befinden sich zehn Schulen mit rund 6.000 Schüler*innen. Das sind die Bessunger Grundschule, die Edith-Stein-Schule (staatlich anerkanntes, katholisches Gymnasium), die Mornewegschule (Integrierte Gesamtschule mit Grundstufe; Europaschule), die Herderschule (Schule mit dem Förderschwerpunkt Sprachheilförderung mit einer Abteilung für Hörgeschädigte mit Vorklassen, Grundstufe und Hauptstufe), die Heinrich-Heine-Schule (Grundschule), Viktoriaschule (Gymnasium) und die Georg-Büchner-Schule (Gymnasium). In einem leicht erweiterten Umkreis sind noch die Heinrich-Hoffmann-Schule (Grundschule), die Elly-Heuss-Knapp-Schule (Grundschule) und die Lichtenbergschule (Gymnasium) zu finden. Die Hälfte dieser Schulen können mit ihren Klassen das Zentrum für Stadtnatur innerhalb von etwa 10 Minuten fußläufig erreichen. Damit kommen für etwa 2.900 Schüler*innen Besuche in die Schulgärten für eine Doppelstunde in Frage. In einem Umkreis von einem Kilometer liegen 13 Kindertagesstätten, Kindergärten und Horte. Neun davon sind für Erwachsene in weniger als 10 Minuten fußläufig erreichbar. Mit Kindern lässt sich diese Entfernung innerhalb von max. 30 Minuten zurücklegen und eignet sich somit für Vormittagsbesuche. Für etwa 450 Kinder können Angebote geschaffen werden. Im Umkreis von einem Kilometer liegt außerdem noch die Fachschule für Sozialpädagogik der Alice-Eleonoren-Schule. Die Seniorenwohnanlage der Bürgerstiftung und das AGAPLESION HEIMATHAUS liegen auch in diesem Umkreis. Für über 200 Senior*innen können Möglichkeiten für Naturerlebnisse geschaffen werden. Die Gestaltung und die genauere Nutzung der Fläche sollen in einem engen Beteiligungsverfahren mit den umliegenden Schulen und sonstigen Einrichtungen (beispielsweise Senioreneinrichtungen) entwickelt werden. Dieser Prozess und die Nutzung sollen durch das Zentrum für Stadtnatur federführend begleitet und koordiniert werden. Bei der Nutzung sind besonders die Ferienzeiten der Schulen zu beachten, damit die Pflege der Gärten auch in unterterrichtsfreien Zeiten fortgeführt werden kann. 33 Es ist insgesamt wichtig, einige besonders Engagierte zu finden, die über die planmäßige Pflege der Gärten hinaus Aufgaben, wie das Gießen bei Trockenheit, übernehmen. Nur so lassen sich die Gärten dauerhaft betreiben. Dazu bietet sich zum Beispiel eine Kooperation mit den lokalen Senioren- und Pflegeeinrichtungen an, deren Bewohner*innen nicht nur häufig über ausreichend Zeit verfügen, sondern oftmals auch einige Erfahrung in der Gartenpflege haben. Spaß, Bewegung und sinnstiftende Aufgaben können so in praktischer Weise kombiniert werden. Auch Patenschaften für die Pflege einzelner Bereiche der Gärten, zum Beispiel durch Anwohner*innen oder Schul-AGs, bieten sich hier an. Tagsüber soll es vor allem an Schultagen Klassenbesuche geben. Etwa in einem „Grünen Klassenzimmer“. Hierfür steht ein Seminarraum zur Verfügung. Das „Grüne Klassenzimmer“ ist jedoch eher ein Konzept als ein fester Ort und soll bei schönem Wetter auch im Freien stattfinden. Im Rahmen des Unterrichts könnte, neben der Pflege der Gärten, zum Beispiel ein offener Pavillon aus Weidenstecklingen angelegt werden. Dieser natürliche Sonnenschutz ist eine hervorragende Bienenweide und illustriert ganz praktisch die Zusammenhänge zwischen Biotopen, den von ihnen abhängigen Lebewesen und dem Nutzen, den wir daraus ziehen. Die einzelnen Gärten und weitere Biotope, die entstehen sollen, sind zwar noch nicht festgelegt, müssen jedoch bestimmte Kriterien erfüllen. Sie sollen zum Beispiel die Stadtnatur und ihre Biodiversität fördern sowie anschaulich darstellen. Der Lerneffekt soll über die praktische Erfahrung bei Anlage und Pflege hinausgehen und allen Besucher*innen zugänglich sein. Zu diesem Zweck können auch Schautafeln und Infoblätter genutzt werden. Als Orientierung kann hierfür auch der Landschaftsplan Darmstadt dienen. Hier 28 finden sich zahlreiche lokale Biotope von hoher Wertigkeit, die die Stadtnatur positiv beeinflussen: „ Die wesentlichsten Ziele des Landschaftsplanes sind die Entwicklung eines Biotopverbundnetzes sowie die Erhaltung und Neuausweisung von Flächen für die Naherholung. Dabei geht es auch um die positive Beeinflussung des Stadtklimas, die Sicherung des natürlichen Wasserhaushaltes und die Bereitstellung von Erholungsflächen. Die Stadt Darmstadt hat damit eine Entwicklung eingeleitet, die die Chance eröffnet, die Lebensqualität in der Stadt auch für zukünftige Generationen zu erhalten und kontinuierlich zu verbessern.“ 29 Die einzelnen Projekte sollen begeistern und zum Mit- und Nachmachen motivieren. Deshalb sind auch Zugänglichkeit und leichte praktische Umsetzbarkeit wichtige 28 https://www.darmstadt.de/fileadmin/Bilder-Rubriken/Standort/Landschaftsplanung/Kurzfassung_Lands chaftplan_Web.pdf 29 Landschaftsplan Darmstadt, Vorwort 34 Punkte bei der Entwicklung der Gärten. Urban Gardening vereint diese Aspekte in vorbildlicher Weise, weshalb sich hier Kooperationen zum Beispiel mit Urban Gardening e.V. / Initiative Essbares Darmstadt anbieten. Es müssen nicht immer alle Kriterien erfüllt sein, damit ein Gartenprojekt umgesetzt werden kann, sie sollen jedoch sicherstellen, dass bei der Entwicklung immer auch ein weitergehender, ideeller Zweck mitgedacht wird. Die kooperativ entwickelten Projekte (Beete und Biotope) werden dann schrittweise umgesetzt. Zu Beginn sollen günstige und schnell umzusetzende Projekte, beispielsweise Blühstreifen mit Insektennisthilfen, priorisiert werden, um schnelle Erfolgserlebnisse zu produzieren und weitere Motivation zu schaffen. Beispiele Kompost mit Möglichkeit zur Wurmbeobachtung Humus ist für die Biodiversität der Bodenflora und -fauna von überragender Bedeutung. Er bietet Nahrung, „Kinderstube“ und Lebensraum für unzählige Lebewesen und sorgt für eine hohe Fruchtbarkeit, Erosionsbeständigkeit und ein gutes Wasseraufnahmevermögen des Bodens. Am Beispiel eines Komposthaufens mit Sichtfenster lassen sich diese vielfältigen Funktionen des Bodens und seiner Lebewesen sehr anschaulich darstellen. Begleitend dazu bietet sich das beim Bundesumweltamt kostenlos erhältliche Kinderbuch “Die abenteuerliche Reise von Fridolin dem Regenwurm” an. 30 Insektenfreundlicher (Gemüse-)Garten Manche heimische (Gemüse-)Gärten bieten Insekten nur wenig Lebensraum. Alles ist sauber geometrisch angeordnet und jedes vermeintliche Unkraut wird gezupft oder sogar weggespritzt. Pflanzen werden vornehmlich nach ästhetischen Kriterien ausgewählt und nicht nach ihrem Nutzen für heimische Insekten und andere Tiere. Dass es auch anders geht, kann mit einem insektenfreundlichen Garten Schülern und allen weiteren Interessierten nähergebracht werden. Darüber hinaus bietet ein solcher Garten Möglichkeiten, Stoffkreisläufe, Bio(-dynamische) Landwirtschaft, Sortenvielfalt (alte und samenfeste Arten) und deren Wertschätzung anschaulich zu vermitteln. Das Gelernte kann dann leicht für den eigenen Garten oder Balkon übernommen werden. Teich Teiche und Tümpel sind laut Landschaftsplan Darmstadt Biotope von hoher landschaftsökologischer Bedeutung. Ihre naturnahe Gestaltung und Neuanlage 30 https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/abenteuerliche-reise-von-fridolin-regenwurm 35 haben die höchste Prioritätsstufe . Sie lassen sich leicht mit Schülern anlegen und 31 bieten Lebensraum für einheimische Amphibien- und Reptilienarten, Libellen sowie viele weitere Tiere und Pflanzen. Ihre schrittweise Entwicklung bietet großes Beobachtungspotential und auch ihre Veränderung im Jahresverlauf kann im Unterricht ideal genutzt werden. Hecke Auch Hecken werden im Landschaftsplan Darmstadt als Biotope von hoher landschaftsökologischer Bedeutung aufgeführt. Mit ihrem Heckenpflanzprogramm 32 stellt die Stadt Darmstadt sogar Mittel für die Anlage neuer Hecken zur Verfügung. Hecken haben vielfältige Funktionen im Ökosystem, sie bieten Rückzugs- und Schutzräume für viele Tiere, sind Nistplätze und Nahrungsquelle und eignen sich hervorragend, um das Thema „Vernetzung von Lebensräumen“ zu illustrieren. Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie mit dem Natura-2000-Netzwerk aus Schutzgebieten bietet sich hier als vertiefendes Thema an. Die Orangerie grenzt außerdem an Bereiche an, in denen lineare Vernetzungsbiotope erhalten, neu geschaffen beziehungsweise verbessert werden sollen. 33 Trockenmauer Trockenmauern findet man heutzutage immer seltener. Früher dienten sie häufig als Abtrennung von Feldern und Grundstücken oder wurden für Terrassen im Weinbau verwendet. Durch neue Baumaterialien und Anbaumethoden sind sie in vielen Fällen überflüssig geworden oder stören sogar. Allerdings haben sie eine besondere ökologische Bedeutung. Hier finden sich viele seltene oder vom Aussterben bedrohte Arten – ganze Pflanzengesellschaften haben sich beispielsweise auf das Leben in den Fugen des Mauerwerks spezialisiert. Auch wärmeliebende Tierarten wie Erdkröten und Eidechsen oder auch bestimmte Bienen- und Käferarten finden hier ideale Bedingungen. Sie können mit lokalen Materialien (Steine, Kies, Sand) leicht angelegt werden und zeigen, dass Vielfalt auch in der kleinsten Mauerritze zu finden sein kann. Diese Beispiele sind keine festgeschriebene Projekte, sondern sollen einen ersten Einblick in Möglichkeiten und Potentiale der Schulgärten aufzeigen. Sie können als Denkanstoss in einem kreativen Prozess für die Entwicklung ganz anderer Projekte dienen. Es ist uns wichtig, die Schüler*innen und weiteren Nutzer*innen in den Entwicklungsprozess miteinzubeziehen: Auf diese Weise wird der Garten zu ihrem Projekt. Durch diese Identifikation steigt die Freude und Motivation an der 31 Landschaftsplan Darmstadt, S. 100 32 Landschaftsplan Darmstadt, S. 103 33 Landschaftsplan Darmstadt, S. 22 36 Gestaltung. Außerdem wird das Gelernte mit höherer Wahrscheinlichkeit auch außerhalb des Unterrichts angewandt. 3. Organisationsstruktur Die Bessunger Bürgerschaft und ihre Vereine und Einrichtungen sind sehr an der künftigen Entwicklung der Flächen der ehemaligen Stadtgärtnerei interessiert. Das haben bisherige Begehungen und Veranstaltungen deutlich gezeigt. Im Zuge unseres Beteiligungsprozesses und des Bürgerbeteiligungsprozesses der Stadt haben sich verschiedene Interessengruppen zusammengetan, deren Ansprüche unter anderem in die Koalitionsvereinbarungen im Jahre 2016 eingeflossen sind. Der BUND möchte nicht-kommerzielle Aktivitäten bürgerschaftlichen Engagements koordiniert und im Rahmen der Orangerie-Teilflächen ermöglichen. Das beinhaltet auch die Koordination der Nutzung der Schulgärten durch umliegende Institutionen. Außerdem sieht der BUND die Stadt Darmstadt, auch wegen der Lage der Fläche und der Verwirklichung der 25 Schritte zur Biodiversität, als wichtige Partnerin. Da der BUND Kreisverband Darmstadt nach dem Vereinsrecht eine nicht-selbständige Untergliederung des BUND Landesverbands Hessen e.V. ist und der Bau und Betrieb des Zentrums für Stadtnatur eine dauerhafte, rechtssichere, angemessene Struktur benötigt, wird der BUND einen Träger in Form einer gemeinnützigen GmbH gründen. Der BUND Landesverband Hessen e.V. ist hierbei alleiniger Gesellschafter. Der Gesellschaftervertrag hält die Ziele des BUND Hessen und des Zentrums für Stadtnatur fest. Die gGmbH würde die Flächen für das Zentrum für Stadtnatur von der Stadt Darmstadt pachten. Außerdem würde sie den Bau des Gebäudes, die Anlage der Freiflächen, der Bürger*innengärten und der Schulgärten abwickeln sowie den künftigen Betrieb koordinieren und zum Teil selbst durchführen. In einem Beirat der gGmbH könnten weitere Akteure vertreten sein. 37 4. Finanzkonzept – Kosten- und Finanzierungsplan Die Finanzierung der Gründung der gGmbH und die Errichtung des Gebäudes werden in den folgenden Abschnitten dargelegt. Außerdem geht es um einen dauerhaften Betrieb der Elemente des Zentrums für Stadtnatur . Im zeitlichen Ablauf liegt die Priorität auf der Errichtung des Gebäudes als Basis, nicht zuletzt wegen der Zusage einer Großspende, die von der schnellen Verwirklichung des Vorhabens abhängt. Wünschenswert ist, dass der gemeinnützige Träger schon zu Baubeginn als Vertragspartner zur Verfügung steht. Der Betrieb des Gebäudes in der Startphase wird im Umfang der bisherigen Aktivitäten des BUND Kreisverbandes Darmstadt mit nur geringen zusätzlichen Mitteln als realisierbar angesehen. Die weiteren Schritte werden in einem Beteiligungsverfahren ausgestaltet und sollen Stück für Stück nach der Errichtung des Gebäudes präzisiert und angegangen werden, hängen dabei zum Teil auch davon ab, wann welche Flächen verfügbar sind. Der zu Beginn noch ehrenamtliche Betrieb soll spätestens im zweiten Jahr in eine überwiegend hauptamtliche Struktur überführt werden. 38 4.1 Gemeinnützige GmbH gründen Die Gründungskosten (u.a. notarielle Beurkundung, Handelsregistereintragung) einer gemeinnützigen GmbH mit einem Stammkapital von 25.000 Euro belaufen sich auf circa 3.000 Euro. Der BUND Landesverband Hessen e.V. wird die Stammkapitaleinlage tätigen, die in seinem Eigentum bleibt und die Gründungskosten übernehmen. Kosten Finanzierung Was Betrag (EUR) Was Betrag (EUR) gGmbH Stammkapitaleinlage – Alleingesellschafter BUND Gründungskosten 25.000,00 3.000,00 BUND LV Hessen 28.000,00 Summe 28.000,00 Summe 28.000,00 39 4.2 Gebäude samt Freibereich bauen Zentrum für Stadtnatur – Gründung gGmbH und Bau / Stand: 28.8.2019 Nach einer Grobkostenschätzung nach DIN 276/277 fallen für das Gebäude samt Terrasse 447.000 Euro (brutto) inklusive der Baunebenkosten, der Terrasse, Schallschluckelementen und Regenwassernutzung sowie Dachbegrünung an. Damit stünde ein Gebäude mit Sanitäranlagen, Elektrik und Bodenbelägen zur Verfügung. Darin enthalten sind auch rund 15.000 Euro, die bis zur fortgeschrittenen Planung und notwendigen Bauantragstellung fällig wurden. Das eigentliche Vorhaben würde mit Baubeginn 432.000 Euro umfassen. Zusätzliche 30.000 Euro haben wir als Puffer für Steigerungen der Baukosten im Zuge der aktuellen Preis- und Marktentwicklung eingeplant. Hinzu kommen Kosten für die Inneneinrichtung, die sich ggf. als eigene Projekte darstellen lassen. Zur Inneneinrichtung zählen eine Küche (ca. 5.000 Euro), Schränke (ca. 3.000 Euro), Stühle und Tische (2.000 Euro). Weiteres wird mit 40 Gebrauchtmöbeln bestückt. Für die Beleuchtung wird mit 10.000 Euro gerechnet. Die Installation einer Photovoltaik-Anlage kostet etwa 8.000 Euro. Für die Grunderwerbsteuer, die auch bei Erbpacht fällig wird, werden 2.370 Euro angesetzt. Für die Gestaltung des Freibereichs um das Gebäude herum haben wir Materialkosten eingeplant. Fahrradabstellplätze, die Verkleidung des Müllabstellplatzes und das Außenlager kosten zusammen etwa 3.000 Euro. Ebenfalls dazu zählen Grünanlagen (ca. 1.000 Euro), der Wildpflanzentopfgarten (2.000 Euro), Spalierobst an der Mauer (300 Euro), ein grünes Klassenzimmer (500 Euro) und ein Miniatur-Muster-Garten und Kräutergarten, der als Anzuchtbeet für gärtnerische Lehrtätigkeiten genutzt werden soll (1.000 Euro). Ein Teil der Arbeit erfolgt in Eigenleistung. Unter Berücksichtigung dieser weiteren Ausgaben wird von 543.170 Euro Investitionskosten ausgegangen. Die Eigenmittel setzen sich bisher wie folgt zusammen: Der BUND Kreisverband Darmstadt bringt 50.000 Euro aus seiner Rücklage ein. 50.000 Euro bringt der BUND Kreisverband Darmstadt-Dieburg zunächst als Ausfallbürgschaft ein. Der BUND Landesverband Hessen unterstützt den Bau mit 28.000 Euro für die Gründung der gGmbH. 4.000 Euro bringt der BUND Ortsverband Seeheim-Jugenheim ein. 120.000 Euro sind als Spende durch eine Großspenderin zugesagt – davon sind 95.000 Euro bereits eingegangen. Weitere Eigenmittel wurden durch Spenden von Mitgliedern (25.000 Euro) eingeworben. Um Spenden von Mitgliedern einzuwerben, wurde ein Artikel im Mitgliedermagazin veröffentlicht. Rund 4.400 Mitgliedschaftsadressen in Darmstadt und Umgebung wurden im Dezember 2018 angeschrieben. Damit konnten die anvisierten Mitgliederspenden eingeworben werden. Über eine sogenannte Leih- und Schenkgemeinschaft sollen weitere 10.000 Euro eingeworben werden – Vorteil für die Spender*innen ist hierbei das Spenden in Ratenzahlung, was durch eine Zwischenfinanzierung der GLS-Bank möglich gemacht wird. Der weitere Fehlbetrag soll durch Drittmittel in Form von öffentlichen Mitteln (70.000 Euro) und einem Kredit in der Höhe von 184.170 Euro gedeckt werden. Der Kreditbetrag soll durch weitere Mitgliederspenden, private Spenden, Unternehmensspenden und Stiftungsgelder gemindert werden, um so mehr Mittel im laufenden Betrieb zur Verfügung zu haben. Die weitere Ansprache von Fördermittel- und Drittmittelgeber*innen soll mit diesem Konzept erfolgen. Die genauen Kosten einer Bauleistungsversicherung werden eruiert und aus dem laufenden Etat des BUND Kreisverbandes Darmstadt gedeckt. 41 4.3 Finanz- und haushaltswirtschaftliche Auswirkungen In vorhergegangenen Kapiteln wurde dargelegt, wie die Gründung des Trägers und der Bau des Gebäudes finanziert werden sollen. Aus dem laufenden Betrieb des Zentrums kann ein Kredit getilgt werden, mit dem eine Teilsumme der Baukosten finanziert werden soll. In den Planungen ist vorgesehen, dass sich das Projekt eigenständig trägt und damit für den Antragsteller kostenneutral sein soll. Davon unbenommen ist ein Zuschuss des Kreisverbandes Darmstadt zum laufenden Betrieb. Strukturell und als Rechtsperson ist dieser eine nicht-selbständige Untergliederung des BUND Landesverbandes Hessen. Der BUND Landesverband Hessen ist ein eingetragener, als gemeinnützig anerkannter Verein und hat rund 30.000 Mitglieder sowie rund 2.600 Fördermitglieder (Stand 31.12.2018). 5. Zeitplanung In der Machbarkeitsstudie aus dem Sommer 2018 wurde dargelegt, in welcher Abfolge die Flächen – unter Berücksichtigung der Errichtung des städtischen Grünflächen-Pflegestützpunkts – genutzt werden können. Für das Zentrum für Stadtnatur steht als erstes die Teilfläche für das Gebäude zur Verfügung. Dann kann die Planung und Umsetzung der Schulgärten beginnen und zum Schluss kann die Fläche für die Gärten der Vielfalt gestaltet werden. Das Gebäude mit Terrasse soll im Jahr 2019/2020 errichtet werden. Als frühester Baubeginn zeichnet sich derzeit Dezember 2019 ab. Vorher muss die Stadt Darmstadt Gewächshäuser abgerissen und eventuelle Kampfmittel geräumt haben. Die Bauzeit des Gebäudes beträgt von da an drei Monate. Innerhalb weiterer vier Monate erfolgen der Innenausbau und die Anlage der Außenanlage. Somit kann der Betrieb frühestens zum 1. Juni 2020 aufgenommen werden – spätestens zu Ferienbeginn ab 6.7.2020 wollen wir das Zentrum für Stadtnatur eröffnen, um dann schon Ferienangebote anbieten zu können. Mit der Detailplanung der Schulgärten soll im Jahr 2020 begonnen werden. Die Umsetzung soll im Herbst 2021 beginnen und sukzessive binnen vier Jahren fertig gestellt werden. Die Detailplanung für die Gärten der Vielfalt soll 2021 beginnen und frühestens 2022 kann mit der Umsetzung begonnen werden. Für die vollständige Umsetzung planen wir drei Jahre ein. 42 Die Zeitplanung hängt zum Teil von kritischen Pfaden und Meilensteinen ab: So hängt der Baubeginn für das Gebäude nicht nur von der Finanzierung, sondern auch davon ab, dass diese Teilfläche erst nach Abriss eines alten Gewächshauses zur Verfügung steht. Die Fläche für die Gärten der Vielfalt steht erst nach Abschluss des Abrisses alter Gewächshäuser und der Neuerrichtung des Pflegestützpunktes des Grünflächenamtes zur Verfügung, da die Fläche als Baustelleneinrichtungsfläche genutzt werden soll. Die Planung, Errichtung und Nutzung der Schulgärten kann erst vollumfänglich beginnen, wenn das Gebäude steht. 43 Ansprechpartner*innen Niko Martin (Vorstandsmitglied im BUND Darmstadt und BUND Hessen e.V.) Dreieichweg 11 64291 Darmstadt niko.martin@bund.net 06151 9506567 Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) Landesverband Hessen e.V., Kreisverband Darmstadt Vereinsregister 73 VR 7003 - Amtsgericht Frankfurt (BUND Hessen) www.bund-darmstadt.de www.facebook.com/BUND.Darmstadt A-Z Architekturbüro Zielke Georg Zielke Maria-Sevenich-Weg 5 64289 Darmstadt info@architekt-zielke.de 06151 9674301 Konzept: Niko Martin, Dr. Eva Distler, Brigitte Martin, Carolin Siegloch, Jenni Follmann und andere. Umweltpädagogische Beratung: Markus Strüver Wissenschaftliche Beratung: Dr. Christian Storm Konzeptionelle Beratung: Kilian Rüfer, SUSTAINMENT 44
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Punkt 30: Errichtung eines Zentrums für Stadtnatur in der Orangerie (V-Nr. 2019/0327) Der Ausschuss empfiehlt der Stadtverordnetenversammlung, der Vorlage zuzustimmen. Stimmenthaltung: UWIGA Stadtv. Franke (Die Linke.) fragt, wie sich aus dem Richtwert von 650 Euro pro qm ein Verkehrswert von 175 Euro pro qm errechnet.
Beratungsverlauf (4)
Orte (2)
- Dreieichweg 11
- Maria-Sevenich-Weg 5
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2019/0327
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 21.10.2019
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00