2023/0290
Ausweisung städtischer Ehrengräber
KI-Zusammenfassung
Klicken Sie, um eine KI-Zusammenfassung dieses Vorgangs zu erstellen.
KI-Analyse läuft...
vergangen
Was passiert gerade?
- 📄 Dokumente werden analysiert...
- 🤔 KI denkt nach (Reasoning-Modell)...
- ✍️ Zusammenfassung wird geschrieben...
- ⏳ Das dauert etwas länger bei komplexen Dokumenten...
Dieser Vorgang kann 1-3 Minuten dauern. Bitte lassen Sie die Seite geöffnet.
anlage 2
188 Zeichen
Punkt 4: Ausweisung städtischer Ehrengräber V-Nr. Vorlagen-Nr.: 2023/0290 -Kenntnisnahme- Der Ausschuss für Kultur und Städtepartnerschaften hat die Vorlage zur Kenntnis genommen.
2023/0290
10259 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
01.11.2023
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat I an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Dezernat III
Amt: Kulturamt
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2023/0290
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.: 553010
Kostenstelle: 067-110-9000 Investitionsnummer:
Kostenträger: 5530-80 Sachkonto: 6161820
Betreff: Ausweisung städtischer Ehrengräber
Vorlage vom: 12.10.2023
Beschlussvorschlag :
1. Als städtische Ehrengräber werden ausgewiesen die Grabstätten
Alter Friedhof 02/1 S 17 und 02/1 S 18
Ludwig Büchner
Alter Friedhof 02/1 F 31
Ludwig Schrauth
Wixhäuser Friedhof 05/M 2/5
Philipp Ludwig Pohl
2. Der Ehrengrabstatus wird mit Datum des Magistratsbeschlusses wirksam.
- 2 -
3. Die Kosten für die Pflege und Unterhaltung von rund 250,00 Euro je Grab werden aus dem
Budget des Grünflächenamtes getragen.
Anlagen:
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
Zusätzlich für alle Vorlagen aus dem Bereich des Hochbaus anzugeben:
Klimarelevanz des Vorhabens:
Auswirkungen auf Stadtklima: ja nein
Auswirkungen auf THG -Emissionen: gering1) mittel/groß 2)
Beteiligung Amt f. Klimaschutz & Klimaanpassung: ja nein
Zusätzlich bei Beschlüssen zur Baufreigabe:
Wurden Optimierungspotentiale ausgeschöpft? ja nein
Falls nein, Kompensationsmaßnahmen festgelegt? ja nein
1) bis 10 Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente (CO2e) pro Jahr, 2) über 10 Tonnen CO2e pro Jahr.
Beschluss des Magistrats vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 12.10.2023:
Der Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt kann nach den Maßgaben der städtischen
Friedhofssatzung Grabstätten von Verstorbenen, die zu Lebzeiten besondere Leistungen
erbracht oder sich um die Stadt besonders verdient gemacht haben, den Status eines
Ehrengrabs verleihen. Die Unterhaltung der Ehrengrabstätten obliegt der Friedhofsverwaltung.
Im Zeitraum 2012 bis 2015 war ein Fachbeirat zur Neubewertung der bestehenden städtischen
Ehrengräber eingesetzt. Die Ergebnisse und die Empfehlungen des Fachbeirats, die vom
Magistrat am 08.04.2015 (MV 2015/0109) beschlossen und der Stadtverordneten-
versammlung am 07.05.2015 zur Kenntnis gegeben wurden, sind bei künftigen
Entscheidungen über die Verleihung des Ehrengrabstatus zu berücksichtigen. So kann eine
Grabstätte erst dann zum Ehrengrab erhoben werden, wenn das Nutzungsrecht erlosch en und
an die Stadt zurückgefallen ist.
Für die Grabstätten Darmstädter Persönlichkeiten, die im Zeitraum seit 2021 an die Stadt
Darmstadt zurückgefallen sind, wurde seitens der Verwaltung geprüft, ob die Voraussetzungen
für eine Übernahme als Ehrengrab vorliegen. Beteiligt waren Kulturamt, Stadtarchiv und
Grünflächenamt.
Die Übernahme als städtisches Ehrengrab wird empfohlen für folgende Grabstätten:
Alter Friedhof, Grabstätten 02/1 S 17 und 02/1 S 18
Ludwig Büchner (geb. 29.03.1824 Darmstadt, gest. 01.05.1899 Darmstadt)
Ludwig Büchner war eine der bedeutendsten Persönlichkeiten Darmstadts in der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts. Er war Arzt und als Schriftsteller weithin bekannt, war einer der
Gründerväter der SPD, einer der Pioniere der Erwachsenenbildung, der mit dem Volksbildungs-
verein einen der Vorläufer der Volkshochschule gründete.
Außerdem war er langjähriger Vorsitzender der TSG 1846, des ältesten Darmstädter
Sportvereins und unterstützte die Bemühungen der Großherzogin Alice und seiner Schwester
Luise zur Verbesserung der sozialen Bedingungen für Frauen und arme Familien.
Neben vielen anderen Dingen setzte sich Ludwig Büchner als Freidenker auch für die
Zulassung der Feuerbestattung ein, die im späten 19. Jahrhundert gerade von kirchlicher Seite
vehement abgelehnt wurde.
Alter Friedhof, Grabstätte 02/1 F 31
Ludwig Schrauth (geb. 31.08.1885 Babenhausen, gest. 30.10.1980 Darmstadt)
Ludwig Schrauth war seit 1906 bei der Stadtverwaltung Darmstadt beschäftigt und übernahm
nach 1918 zunächst das Wohnungsamt und ab 1920 die gesamte Sozialverwaltung, zu der
damals auch noch die kommunale Arbeitslosenversorgung und –vermittlung gehörte. Er
arbeitete daneben in vielen Gremien der Wohlfahrtspflege mit und saß für die Demokratische
Partei im Kreistag des Kreises Darmstadt (das damals noch kreisangehörig war).
Nach seiner Entlassung aus dem städtischen Dienst 1933 arbeitete er als Versicherungs -
vertreter und als Angestellter bei der Firma Schenck. 1945 wurde er als Leiter der
Sozialverwaltung und Sozialdezernent reaktiviert und ging erst 1956 mit 71 Jahren in den
Ruhestand. 1953 erhielt er das Bundesverdienstkreuz und 1955 die Silberne Verdienstplakette
der Stadt.
- 4 -
Aufgrund seiner herausragenden langjährigen Leistungen für die Stadt Darmstadt wird die
Erhebung zum Ehrengrab befürwortet.
Wixhäuser Friedhof, Grabstätte 05/M 2/5
Philipp Ludwig Pohl (geb. 31.07.1918 Wixhausen, gest. 06.08.1983 Darmstadt)
Philipp Ludwig Pohl, gelernter Schlosser, arbeitete nach Reichsarbeits- und Kriegsdienst und
Entlassung aus der Gefangenschaft zunächst in seinem Beruf. Nachdem er seit 1956 als
ehrenamtlicher Beigeordneter für die SPD seiner Heimatgemeinde tätig war, wurde er am
29.01.1960 durch die Gemeindevertretung Wixhausen zum hauptamtlichen Bürgermeister
gewählt (Amtsantritt am 27.06.1960) und am 18.03.1966 für weitere zwölf Jahre im Amt
bestätigt. Im Zusammenhang mit der von der Landesregierung beabsichtigten Neuordnung von
Gebietskörperschaften trat er 1973 in letztlich erfolgreiche Verhandlungen mit der Stadt
Darmstadt mit dem Ziel einer freiwilligen Eingliederung, die zum 01.01.1977 realisiert wurde.
In seiner Amtszeit, in der er auch die Ämter eines Schiedsmannes und eines Ortsgerichts-
vorstehers wahrnahm, hat Pohl die Geschicke seiner Gemeinde wesentlich beeinflusst und
geprägt. Mit seiner Bereitschaft, die im Eingemeindungsvertrag vorgesehene Aufgabe eines
Bezirksverwalters (Bezirksverwaltungen) zu übernehmen, sicherte er die Kontinuität der
Verwaltung in Wixhausen in der Übergangszeit. Für seine Verdienste wurde er am 07.07.1982
mit der Bronzenen Verdienstplakette der Stadt Darmstadt ausgezeichnet. Das Bürgerhaus in
Wixhausen ist nach ihm benannt.
Für die nachstehend genannten Grabstätten wird nach Prüfung durch die Verwaltung die
Ausweisung eines Ehrengrabes nicht empfohlen:
Waldfriedhof, Grabstätte 01/L 1 c 35
Eduard Zintl (geb. 21.01.1898 Weiden, gest. 17.01.1941 Darmstadt)
Eduard Zintl war ein bedeutender Vertreter der Chemie an der TH Darmstadt, war hochgeehrt
und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Auch ist nach Zintl ein Institut an der heutigen TU
benannt. Zintl war in kriegswichtige Forschungen eingebunden und er forschte neben seiner
Professur in Darmstadt nebenamtlich noch für die IG Farben AG, das bedeutendste chemische
Firmenkonglomerat in der NS-Zeit, das nicht von ungefähr 1945 von den Amerikanern sofort
zerschlagen wurde. Allerdings endete Zintls Karriere abrupt nach seinem frühen Tod 1941, so
dass man die weitere Entwicklung während des Krieges bei ihm nicht weiterverfolgen kann.
Gegen Zintl spricht jedoch, dass er in seiner Zeit in Darmstadt von Reichsstatthalter Jakob
Sprenger erheblich unterstützt wurde und den teuersten Institutsneubau an der damaligen TH
während der ganzen NS-Zeit erhielt. Dies spricht für eine deutliche Nähe zum Regime.
Aufgrund dieser Geschehnisse kann die Ausweitung der Grabstätte, trotz seines frühen Todes,
als Ehrengrab nicht befürwortet werden.
(Quelle: Melanie Hanel „Normalität unter Ausnahmebedingungen. Die TH Darmstadt im
Nationalsozialismus, Darmstadt 2014“)
- 5 -
Bessunger Friedhof, Grabstätte 03/Mauer 263
Clemens Schöpf (geb. 12.08.1899 Gersfeld/Rhön, gest. 17.12.1970 Darmstadt)
Clemens Schöpf war von 1912 bis zu seiner Emeritierung 1964 Professor für Organische
Chemie an der TH Darmstadt. Als bedeutender Vertreter eines Faches wurde er zu zahlreichen
internationalen Kongressen eingeladen und erhielt viele akademische Auszeichnungen.
Außerdem gab er viele Jahre lang die renommierten „Chemischen Berichte“ heraus. Seit
2002/2003 gibt es an der TU Darmstadt ein Clemens-Schöpf-Institut.
Während des Dritten Reichs stellten sich die meisten Professoren der Darmstädter TH in den
Dienst der NS-Machthaber. Viele von ihnen forschten zu kriegswichtigen Themen. Zu ihnen
gehörte auch Clemens Schöpf. Zwar war Schöpf nicht Mitglied der NSDAP und auch
anscheinend kein aktiver Vertreter der NS-Ideologie, stand aber, so ein Bericht von 1936, dem
Regime positiv gegenüber und hat von der Förderung durch NS-Dienststellen profitiert. In
seiner Personalakte im TU-Archiv findet sich eine Bescheinigung des Rektors der TH, dass
Clemens Schöpf noch 1944 gleich an fünf parallellaufenden Forschungsvorhaben arbeitete, die
vom Reichsforschungsrat finanziert wurden und als kriegswichtige Forschungsvorhaben
höchster Dringlichkeit benannt wurden. Für seine Forschungen erhielt er zwischen 1940 und
1944 mehrere Auszeichnungen.
Nach 1945 war Schöpf als Dekan der Abteilung für Chemie in das Verfahren der TH-Leitung
involviert, möglichst alle belasteten Professoren reinzuwaschen, d. h. unbeschadet durch die
Entnazifizierung zu bekommen, indem er etwa Hinweise für die Beschaffung von sog.
„Persilscheinen“ gab und diese für aus Politischen Gründen entlassenen Kollegen auch selbst
verfasste.
Aus Gründen seiner NS-Tätigkeit, die im Übrigen in sämtlichen verfügbaren Biographien
komplett verschwiegen wird, kann eine Ausweitung der Grabstätte als Ehrengrab nicht
befürwortet werden.
(Quelle: Melanie Hanel „Normalität unter Ausnahmebedingungen. Die TH Darmstadt im
Nationalsozialismus, Darmstadt 2014“)
Dezernat I Dezernat III
Hanno Benz Michael Kolmer
Oberbürgermeister Stadtrat
anlage 1
10323 Zeichen
- 2 -
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
01.11.2023
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat I an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Dezernat III
Amt: Kulturamt
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
I 41
III 67
Stvv
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2023/0290
Magistratsbeschluss -Nr.
454
Internetfähig
Produkt-Nr.: 553010
Kostenstelle: 067-110-9000 Investitionsnummer:
Kostenträger: 5530-80 Sachkonto: 6161820
Betreff: Ausweisung städtischer Ehrengräber
Vorlage vom: 12.10.2023
Beschlussvorschlag :
1. Als städtische Ehrengräber werden ausgewiesen die Grabstätten
Alter Friedhof 02/1 S 17 und 02/1 S 18
Ludwig Büchner
Alter Friedhof 02/1 F 31
Ludwig Schrauth
Wixhäuser Friedhof 05/M 2/5
Philipp Ludwig Pohl
2. Der Ehrengrabstatus wird mit Datum des Magistratsbeschlusses wirksam.
- 3 -
3. Die Kosten für die Pflege und Unterhaltung von rund 250,00 Euro je Grab werden aus dem
Budget des Grünflächenamtes getragen.
Anlagen:
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
Zusätzlich für alle Vorlagen aus dem Bereich des Hochbaus anzugeben:
Klimarelevanz des Vorhabens:
Auswirkungen auf Stadtklima: ja nein
Auswirkungen auf THG -Emissionen: gering1) mittel/groß 2)
Beteiligung Amt f. Klimaschutz & Klimaanpassung: ja nein
Zusätzlich bei Beschlüssen zur Baufreigabe:
Wurden Optimierungspotentiale ausgeschöpft? ja nein
Falls nein, Kompensationsmaßnahmen festgelegt? ja nein
1) bis 10 Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente (CO2e) pro Jahr, 2) über 10 Tonnen CO2e pro Jahr.
Beschluss des Magistrats vom 08.11.2023
Der Vorlage wird zugestimmt.
- 4 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 12.10.2023:
Der Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt kann nach den Maßgaben der städtischen
Friedhofssatzung Grabstätten von Verstorbenen, die zu Lebzeiten besondere Leistungen
erbracht oder sich um die Stadt besonders verdient gemacht haben, den Status eines
Ehrengrabs verleihen. Die Unterhaltung der Ehrengrabstätten obliegt der Friedhofsverwaltung.
Im Zeitraum 2012 bis 2015 war ein Fachbeirat zur Neubewertung der bestehenden städtischen
Ehrengräber eingesetzt. Die Ergebnisse und die Empfehlungen des Fachbeirats, die vom
Magistrat am 08.04.2015 (MV 2015/0109) beschlossen und der Stadtverordneten-
versammlung am 07.05.2015 zur Kenntnis gegeben wurden, sind bei künftigen
Entscheidungen über die Verleihung des Ehrengrabstatus zu berücksichtigen. So kann eine
Grabstätte erst dann zum Ehrengrab erhoben werden, wenn das Nutzungsrecht erloschen und
an die Stadt zurückgefallen ist.
Für die Grabstätten Darmstädter Persönlichkeiten, die im Zeitraum seit 2021 an die Stadt
Darmstadt zurückgefallen sind, wurde seitens der Verwaltung geprüft, ob die Voraussetzungen
für eine Übernahme als Ehrengrab vorliegen. Beteiligt waren Kulturamt, Stadtarchiv und
Grünflächenamt.
Die Übernahme als städtisches Ehrengrab wird empfohlen für folgende Grabstätt en:
Alter Friedhof, Grabstätten 02/1 S 17 und 02/1 S 18
Ludwig Büchner (geb. 29.03.1824 Darmstadt, gest. 01.05.1899 Darmstadt)
Ludwig Büchner war eine der bedeutendsten Persönlichkeiten Darmstadts in der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts. Er war Arzt und als Schriftsteller weithin bekannt, war einer der
Gründerväter der SPD, einer der Pioniere der Erwachsenenbildung, der mit dem Volksbildungs-
verein einen der Vorläufer der Volkshochschule gründete.
Außerdem war er langjähriger Vorsitzender der TSG 1846, des ältesten Darmstädter
Sportvereins und unterstützte die Bemühungen der Großherzogin Alice und seiner Schwester
Luise zur Verbesserung der sozialen Bedingungen für Frauen und arme Familien.
Neben vielen anderen Dingen setzte sich Ludwig Büchner als Freidenker auch für die
Zulassung der Feuerbestattung ein, die im späten 19. Jahrhundert gerade von kirchlicher Seite
vehement abgelehnt wurde.
Alter Friedhof, Grabstätte 02/1 F 31
Ludwig Schrauth (geb. 31.08.1885 Babenhausen, gest. 30.10.1980 Darmstadt)
Ludwig Schrauth war seit 1906 bei der Stadtverwaltung Darmstadt beschäftigt und übernahm
nach 1918 zunächst das Wohnungsamt und ab 1920 die gesamte Sozialverwaltung, zu der
damals auch noch die kommunale Arbeitslosenversorgung und –vermittlung gehörte. Er
arbeitete daneben in vielen Gremien der Wohlfahrtspflege mit und saß für die Demokratische
Partei im Kreistag des Kreises Darmstadt (das damals noch kreisangehörig war).
Nach seiner Entlassung aus dem städtischen Dienst 1933 arbeitete er als Versicherungs-
vertreter und als Angestellter bei der Firma Schenck. 1945 wurde er als Leiter der
Sozialverwaltung und Sozialdezernent reaktiviert und ging erst 1956 mit 71 Jahren in den
Ruhestand. 1953 erhielt er das Bundesverdienstkreuz und 1955 die Silberne Verdienstplakette
der Stadt.
- 5 -
Aufgrund seiner herausragenden langjährigen Leistungen für die Stadt Darmstadt wird die
Erhebung zum Ehrengrab befürwortet.
Wixhäuser Friedhof, Grabstätte 05/M 2/5
Philipp Ludwig Pohl (geb. 31.07.1918 Wixhausen, gest. 06.08.1983 Darmstadt)
Philipp Ludwig Pohl, gelernter Schlosser, arbeitete nach Reichsarbeits- und Kriegsdienst und
Entlassung aus der Gefangenschaft zunächst in seinem Beruf. Nachdem er seit 1956 als
ehrenamtlicher Beigeordneter für die SPD seiner Heimatgemeinde tätig war, wurde er am
29.01.1960 durch die Gemeindevertretung Wixhausen zum hauptamtlichen Bürgermeister
gewählt (Amtsantritt am 27.06.1960) und am 18.03.1966 für weitere zwölf Jahre im Amt
bestätigt. Im Zusammenhang mit der von der Landesregierung beabsichtigten Neuordnung von
Gebietskörperschaften trat er 1973 in letztlich erfolgreiche Verhandlungen mit der Stadt
Darmstadt mit dem Ziel einer freiwilligen Eingliederung, die zum 01.01.1977 realisiert wurde.
In seiner Amtszeit, in der er auch die Ämter eines Schiedsmannes und eines Ortsgerichts-
vorstehers wahrnahm, hat Pohl die Geschicke seiner Gemeinde wesentlich beeinflusst und
geprägt. Mit seiner Bereitschaft, die im Eingemeindungsvertrag vorgesehene Aufgabe eines
Bezirksverwalters (Bezirksverwaltungen) zu übernehmen, sicherte er die Kontinuität der
Verwaltung in Wixhausen in der Übergangszeit. Für seine Verdienste wurde er am 07.07.1982
mit der Bronzenen Verdienstplakette der Stadt Darmstadt ausgezeichnet. Das Bürgerhaus in
Wixhausen ist nach ihm benannt.
Für die nachstehend genannten Grabstätten wird nach Prüfung durch die Verwaltung die
Ausweisung eines Ehrengrabes nicht empfohlen:
Waldfriedhof, Grabstätte 01/L 1 c 35
Eduard Zintl (geb. 21.01.1898 Weiden, gest. 17.01.1941 Darmstadt)
Eduard Zintl war ein bedeutender Vertreter der Chemie an der TH Darmstadt, war hochgeehrt
und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Auch ist nach Zintl ein Institut an der heutigen TU
benannt. Zintl war in kriegswichtige Forschungen eingebunden und er forschte neben seiner
Professur in Darmstadt nebenamtlich noch für die IG Farben AG, das bedeutendste chemische
Firmenkonglomerat in der NS-Zeit, das nicht von ungefähr 1945 von den Amerikanern sofort
zerschlagen wurde. Allerdings endete Zintls Karriere abrupt nach seinem frühen Tod 1941, so
dass man die weitere Entwicklung während des Krieges bei ihm nicht weiterverfolgen kann.
Gegen Zintl spricht jedoch, dass er in seiner Zeit in Darmstadt von Reichsstatthalter Jakob
Sprenger erheblich unterstützt wurde und den teuersten Institutsneubau an der damaligen TH
während der ganzen NS-Zeit erhielt. Dies spricht für eine deutliche Nähe zum Regime.
Aufgrund dieser Geschehnisse kann die Ausweitung der Grabstätte, trotz seines frühen Todes,
als Ehrengrab nicht befürwortet werden.
(Quelle: Melanie Hanel „Normalität unter Ausnahmebedingungen. Die TH Darmstadt im
Nationalsozialismus, Darmstadt 2014“)
Bessunger Friedhof, Grabstätte 03/Mauer 263
Clemens Schöpf (geb. 12.08.1899 Gersfeld/Rhön, gest. 17.12.1970 Darmstadt)
Clemens Schöpf war von 1912 bis zu seiner Emeritierung 1964 Professor für Organische
Chemie an der TH Darmstadt. Als bedeutender Vertreter eines Faches wurde er zu zahlreichen
internationalen Kongressen eingeladen und erhielt viele akademische Auszeichnungen.
Außerdem gab er viele Jahre lang die renommierten „Chemischen Berichte“ heraus. Seit
2002/2003 gibt es an der TU Darmstadt ein Clemens-Schöpf-Institut.
Während des Dritten Reichs stellten sich die meisten Professoren der Darmstädter TH in den
Dienst der NS-Machthaber. Viele von ihnen forschten zu kriegswichtigen Themen. Zu ihnen
gehörte auch Clemens Schöpf. Zwar war Schöpf nicht Mitglied der NSDAP und auch
anscheinend kein aktiver Vertreter der NS-Ideologie, stand aber, so ein Bericht von 1936, dem
Regime positiv gegenüber und hat von der Förderung durch NS-Dienststellen profitiert. In
seiner Personalakte im TU-Archiv findet sich eine Bescheinigung des Rektors der TH, dass
Clemens Schöpf noch 1944 gleich an fünf parallellaufenden Forschungsvorhaben arbeitete, die
vom Reichsforschungsrat finanziert wurden und als kriegswichtige Forschungsvorhaben
höchster Dringlichkeit benannt wurden. Für seine Forschungen erhielt er zwischen 1940 und
1944 mehrere Auszeichnungen.
Nach 1945 war Schöpf als Dekan der Abteilung für Chemie in das Verfahren der TH-Leitung
involviert, möglichst alle belasteten Professoren reinzuwaschen, d. h. unbeschadet durch die
Entnazifizierung zu bekommen, indem er etwa Hinweise für die Beschaffung von sog.
„Persilscheinen“ gab und diese für aus Politischen Gründen entlassenen Kollegen auch selbst
verfasste.
Aus Gründen seiner NS-Tätigkeit, die im Übrigen in sämtlichen verfügbaren Biographien
komplett verschwiegen wird, kann eine Ausweitung der Grabstätte als Ehrengrab nicht
befürwortet werden.
(Quelle: Melanie Hanel „Normalität unter Ausnahmebedingungen. Die TH Darmstadt im
Nationalsozialismus, Darmstadt 2014“)
Dezernat I Dezernat III
Hanno Benz Michael Kolmer
Oberbürgermeister Stadtrat
Beratungsverlauf (2)
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2023/0290
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 12.10.2023
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00