A-R/0016/2006
Chancengerechtigkeit schaffen - Einstieg in den kostenlosen Kindergarten prüfen
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Originalantrag
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SPD-Fraktion Antrag Nr. A-R/0016/2006 im Rat der Stadt Münster Antrag 28.03.2006 SPD-Fraktion im Rat der Stadt Münster Münzstr. 15 48143 Münster Telefon: 0251/ 45 314 Fax: 0251/ 511 750 mail: spdfrak@muenster.de Internet: www.spd-muenster.de Chancengerechtigkeit schaffen – Einstieg in den kostenlosen Kindergarten prüfen Die NRW-Landesregierung plant ab dem nächsten Kinde rgartenjahr (01.08.2006) eine Änderung des Gesetzes über Tageseinrichtungen für Kinder (GTK). Die Planungen sehen vor, den Landeszuschuss für den Elt ernbeitragsdefizitausgleich zu streichen und zukünftig die Höhe der Elternbeiträge durch Entscheidungen der Kommune festsetzen zu lassen. Darüber hinaus soll a uch die Sachkostenförderung des Landes für die Träger von Kindertageseinrichtungen abgesenkt werden. Gleichzeitig wird auf Bundes- wie auf Landesebene p arteiübergreifend die Einführung eines kostenlosen Kindergartenangebotes gefordert und diskutiert. Allgemein setzt sich in der Öffentlichkeit die Erke nntnis durch, dass auf Dauer die bisherige Struktur der Kindergartenfinanzierung in Deutschland nicht aufrecht zu erhalten ist und die Förderung der Familien auch au f diesem Feld neue mutige Wege beschreiten muss. Vor diesem Hintergrund möge der Rat der Stadt Münster beschließen: 1) Die Elternbeiträge für den Besuch von Kindertage seinrichtungen in Münsterwerden auch bei wegfallenden Landeszuschüssen nicht erhöht. 2) Die Verwaltung wird beauftragt, darzustellen, we lche finanziellen Folgen für die Stadt Münster mit der Einführung eines für alle Kin der im Jahr vor der Einschulung beitragsfreien Kindergartenplatzes entstehen. 3) Die Verwaltung wird beauftragt darzustellen, wel che finanziellen Folgen als jährliche Belastung für die Stadt Münster mit der E inführung eines vollständig beitragsfreien Kindergartenbesuchs verbunden sind. Begründung: Der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfale n hat 2006 zum "Jahr des Kindes" ausgerufen. In deutlichem Widerspruch zu di eser Proklamation steht die Absicht der Landesregierung, ihren Finanzierungsbei trag für die Kindertageseinrichtungen stark zu reduzieren. Sollt en die o.g. Änderungen des GTK beschlossen werden, ist nach Auskunft der Verwaltun g mit einem Ausfall von 2 Landesmitteln für die Stadt Münster in Höhe von ca. 1.261.000 Euro zu rechnen. Ausgehend von den nach der bisherigen Regelung erho benen Elternbeiträgen müsste das Elternbeitragsaufkommen um genau diese S umme erhöht werden, um die Stadt nicht höher zu belasten als bisher. Bei e iner gleichmäßigen Verteilung dieses Defizits auf die ca. 5.930 Beitragszahler mü ssten die Elternbeiträge um etwa 213 Euro im Jahr erhöht werden. Eine familien- und kinderfreundliche Politik sieht anders aus! Diese Mehrbelastung wäre eine nicht hinnehmbare Zum utung für die betroffenen Familien. Sie würde voraussichtlich dazu führen, da ss weniger statt mehr Kinder Tageseinrichtungen besuchen könnten. Es steht aber außer Frage, dass die Kindertageseinrichtungen einen sehr wichtigen Beit rag für die frühkindliche Bildung und Erziehung leisten. Hier werden wichtige Grundl agen für den gesamten nachfolgenden Bildungsweg der Kinder geschaffen: Ch ancengerechtigkeit zu schaffen, heißt dabei in erster Linie, Kosten für d ie Eltern zu reduzieren, um möglichst allen Kindern den Besuch des Kindergarten s zu ermöglichen. Aus diesen Gründen spricht sich der Rat der Stadt Münster dafü r aus, die Elternbeiträge in den Kindertageseinrichtungen auch bei den zu befürchtet en reduzierten Landeszuschüssen nicht anzuheben. Ein entscheidender Schritt zur Verbesserung der Cha ncengerechtigkeit wäre, auf eine Erhebung von Elternbeiträgen für den Kindergar ten komplett zu verzichten. Realistisch betrachtet, ist jedoch eine generelle K ostenfreiheit angesichts der Haushaltslage zur Zeit nicht finanzierbar. Dennoch sollte der kostenlose Kindergarten das Ziel für die Zukunft sein, dem die Stadt Münster in den nächsten Jahren Schritt für Schritt näher kommen soll. Als Einstieg in die Diskussion, wie dieses Ziel err eicht werden kann, soll die Verwaltung zunächst prüfen, welche Möglichkeiten be stehen, das letzte Kindergartenjahr freizustellen. Dabei sind insbeson dere folgende Aspekte zu berücksichtigen: 1. Welche Chancen und Vorteile ergeben sich im Bere ich der vorschulischen Bildung durch die Einführung eines kostenlosen letz ten Kindergartenjahres vor der Einschulung? 2. Welche Kosten entstehen durch die Einführung ein es kostenlosen letzten Kindergartenjahres vor der Einschulung? 3. Welche Kosten entstehen, wenn Kindergartenplätze grundsätzlich gebührenfrei angeboten werden? 4. Welche Fördermöglichkeiten von Seiten des Landes Nordrhein-Westfalen und des Bundes sind gegeben? Ungeachtet der bestehenden finanziellen Probleme mu ss zukünftig in Kindertageseinrichtungen mehr investiert werden. Bi ldungs-, Betreuungs- und Erziehungsangebote müssen sich in erster Linie an d en Bedürfnissen von Kindern und Eltern orientieren. Alle relevanten internation alen Vergleichsstudien haben festgestellt, dass in Deutschland deutliche Defizite im Bildungsbereich bestehen. Das 3 gilt gerade auch für Kindergartenkinder, wie die OE CD in ihrer Studie "Starting Strong II" im Jahr 2004 ermittelt hat. Dies ist auf Umfang und Qualität der Angebote, aber auch auf günstige Zugangsmöglichkeiten zurückz uführen: So zahlen Eltern in Schweden keine Kindergartengebühren; in Großbritann ien und Frankreich werden lediglich vier Prozent der Ausgaben in diesem Berei ch auf die Eltern umgelegt. In Nordrhein-Westfalen sind es dagegen etwa 20 Prozent. Doch auch in Deutschland gibt es heute positive Bei spiele: So übernimmt in Rheinland-Pfalz das Land seit dem 01.01.2006 die Ge bühren für das letzte Kindergartenjahr. Mehr statt weniger Verantwortung muss deshalb die Devise lauten. Bildung, Betreuung und Erziehung in Kindert ageseinrichtungen stellen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe dar. Familienfreundlichkeit ist aber auch unter finanzpo litischen Gesichtspunkten mittel- und langfristig ein Standortfaktor. Untersuchungen zeigen: Investitionen in Kinderbetreuung lohnen sich für die öffentliche Hand. Dort, wo Familien gerne leben, steigen auch die kommunalen Steuereinnahmen. Wolfgang Heuer Ralf Hubert Udo Reiter Alexander Bercht Dr. Michael Jung Moritz von Sch meling Anika Bergner Marianne Koch Anne Schulze Wintzle r Philipp Gabriel Gaby Kubig-Steltig Joachim Tonn Beanka Ganser Kurt Pölling Beate Vilhjalmsson Anne Hakenes Karsten Rahn Holger Wigger Marianne Hopmann
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Orte (1)
- Münzstraße 15
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Details
- Vorlagen-Nr.
- A-R/0016/2006
- Typ
- Antrag an den Rat
- Datum
- 29.03.2006
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37