V/0164/2025
Umfrage "Pflege und Unterstützung im Alter" - Methodik und zentrale Ergebnisse
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Anlage 1 - Umfrage "Pflege und Unterstützung im Alter" 2023 - Bericht
53527 Zeichen
Stadtplanungsamt
Umfrage „Pflege und Unterstützung im
Alter“ 2023 - Bericht
Die Umfrage Pflege und Unterstützung im Alter wurde durchgeführt, um Kenntnis darüber zu
gewinnen, wie sich die pflegerische Infrastruktur, insbesondere vor dem Hintergrund des zuneh -
menden Fachkräftemangels, im Sinne der Münsteranerinnen und Münsteraner weiterentwickeln
sollte. Die Ergebnisse sind richtungsweisend für die Bereiche der kommunalen Pflegeplanung,
Altenhilfeplanung sowie für die altengerechte Quartiersentwicklung. Es handelt sich um eine
repräsentative Bürgerumfrage. In einer Feldphase von fünf Wochen hatten die nach einem Zufallsprinzip ausge -
wählten Bürgerinnen und Bürger ab 60 Jahre die Möglichkeit mittels Papier-Fragebogen oder Online-Umfrage
an der Umfrage teilzunehmen. Die Ergebnisse zur soziodemografischen Struktur der Befragtengruppe und der
Schwerpunktthemen sowie erste Erkenntnisse zur Nutzung werden im Folgenden beschrieben.
1
Die Umfrage Pflege und Unterstützung im Alter wurde
vom 18.09.2023 bis 20.10.2023 durchgeführt; Eingänge
konnten noch bis zum 03.11.2023 berücksichtigt wer -
den. Von den 5.012 versendeten Fragebögen konnten
4.948 zugestellt werden (98,7 %). Insgesamt haben sich
1.908 Bürgerinnen und Bürger an der Umfrage beteiligt
(Rücklauf 38,6 %), darunter haben 1.542 den Papier-Fra-
gebogen und 366 den Online-Fragebogen ausgefüllt.
Struktur der Stichprobe und des Rücklaufs
Die Stichprobenziehung über das Melderegister erlaubt
einen Vergleich der Geschlechts- und Altersstruktur der
Grundgesamtheit (Hauptwohnsitzbevölkerung) sowie
eine Auswertung für einzelne Stadtbezirke.
In der Münsteraner Hauptwohnsitzbevölkerung (60
Jahre und älter, Stichtag 31.07 .2023) machen Frauen
(55,7 %) einen höheren Anteil aus als Männer (44,3 %).
In der Stichprobe – abzüglich nicht zustellbarer Briefe
– zeigen sich geringe Abweichungen von dieser Vertei -
lung ( < 1 %-Punkt; Frauen: 56,6 %; Männer: 43,4 %). Die
Geschlechterverteilung des Rücklaufs (Frauen: 57,9 %,
Männer 42,1 %) unterscheidet sich wiederum kaum von
der Geschlechterverteilung der Stichprobe. Der höhe -
re Anteil an Frauen im Rücklauf lässt sich somit zum
Großteil auf den höheren Anteil an Frauen in der Haupt-
wohnsitzbevölkerung zurückführen.
Abbildung 1 zeigt die altersspezifische Verteilung der
Münsteraner Hauptwohnsitzbevölkerung ab 60 Jahren,
der Stichprobe abzüglich nichtzustellbarer Briefe und
des Rücklaufs der Umfrage. Die Stichprobe der Umfra -
ge Pflege und Unterstützung im Alter bildet die Alters -
struktur der Hauptwohnsitzbevölkerung ab 60 Jahren
insgesamt relativ gut ab: Die meisten Abweichungen
bewegen sich zwischen -0,2 %-Punkte und +0,3 %-Punk -
te. Die Altersgruppe der 65-69-Jährigen ( +0,5 %-Punk -
te) ist leicht überrepräsentiert, die Altersgruppe der
60-64-Jährigen leicht unterrepräsentiert (-0,8 %-Punk -
te).
Bei einem Vergleich von Stichprobe und Rücklauf kön -
nen Rückschlüsse auf altersspezifisches Teilnahme -
verhalten gezogen werden. Es gibt Altersgruppen, die
proportional häufiger bzw. seltener an der Umfrage teil-
genommen haben (Abweichungen > +0,5 %-Punkte / <
-0,5 %-Punkte): Seltener teilgenommen haben die
0| Stichprobe
2
Soziodemografische Merkmale des Rücklaufs
Geschlecht: Der Rücklauf umfasst insgesamt 1.051
weibliche (55,1 %), 765 männliche (40,1 %) und 44 Per -
sonen, die ohne Angabe angekreuzt haben (2,3 %). 48
Befragte bzw. 2,5 % machten keine Angabe. Die Ant -
wortkategorie divers wurde nicht ausgewählt. In den
Auswertungen der Themenschwerpunkte werden auf -
grund der Fallzahlen nur die Geschlechtsangaben weib-
lich und männlich näher analysiert.
Stadtbezirk: Der Rücklauf umfasst 653 Personen (35,5
%) aus dem Stadtbezirk Mitte, 339 Personen (18,4 %) aus
dem Stadtbezirk West, 174 Personen (9,5 %) aus dem
Stadtbezirk Nord, 186 Personen (10,1 %) aus dem Stadt-
bezirk Ost, 216 Personen (11,7 %) aus dem Stadtbezirk
Südost und 271 Personen (14,7 %) aus dem Stadtbezirk
Hiltrup.
Haushaltsstruktur: Die Haushaltsstruktur setzt sich
zusammen aus der Anzahl der Haushaltsmitglieder,
der Altersstruktur der Haushaltsmitglieder und der
Haushaltskonstellation, also der Beziehung der Haus -
haltsmitglieder zueinander. Die Altersstruktur der
Haushaltsmitglieder dient der Berechnung des Net -
toäquivalenzeinkommens, auf das im Abschnitt zum
Haushaltseinkommen näher eingegangen wird. Am
häufigsten kommt der 2-Personen-Haushalt mit 59,3
% vor, gefolgt von Alleinlebenden mit 31,9 %. Größere
Haushalte kommen eher selten in der befragten Be -
völkerungsgruppe vor. 57,5 % der Befragten lebten nur
mit der (Ehe-)Partnerin bzw. dem (Ehe-)Partner zusam-
men, gefolgt von den Alleinlebenden. Die dritthäufigs -
te Haushaltskonstellation ist das Zusammenleben mit
(Ehe-)Partnerin bzw. dem (Ehe-)Partner und den Kin -
dern (3,5 %), gefolgt von 1,4 % der Befragten, die nur mit
ihren Kindern lebten.
Familienstand: 60,0 % der Befragten gaben an verheira-
tet zu sein und 2,3 %, dass sie in einer Partnerschaft le -
ben. 12,9 % der Befragten waren verwitwet, 10,2 % ledig
und 9,3 % geschieden.
Höchster Ausbildungsabschluss: Das Ausbildungsni -
veau der Befragten in der Umfrage ist relativ hoch. Über
eine Hochschulausbildung verfügen 45,1 % der Befrag -
ten. Ausbildung und Lehre ist bei 39,6 % der Befragten
der höchste Ausbildungsabschluss, Meister-/Techniker -
ausbildung oder Fachschulabschluss bei 7,4 %. 3,4 % sind
ohne abgeschlossene Berufsausbildung und 4,6 % der
Befragten machten keine Angabe.
Erwerbsstatus: 74,9 % der Befragten sind Rentnerinnen
und Rentner, Pensionärinnen und Pensionäre, gefolgt
von Erwerbstätigen (20,4 %). Ebenfalls vertreten sind
andere Formen wie z.B. Hausfrauen/ Hausmänner mit
Abb. 1: Verteilung der Altersgruppen in der Hauptwohnsitzbevölkerung Münsters (Quelle: Statistikdienst -
stelle), der Stichprobe und des Rücklaufs (Anteile in %).
Altersgruppen 60-64 Jahre (-0,6 %-Punkte), 80-84 Jahre
(-1,1 %-Punkte), 85-89 Jahre (-0,6 %-Punkte) und 90 Jahre
und älter (-1,7 %-Punkte); häufiger teilgenommen haben
die Altersgruppen 65-69 Jahre ( +2,1 %-Punkte), 70-74
Jahre ( + 1,1 %-Punkte) und 75-79 Jahre ( +0,6 %-Punkte).
Im Stadtbezirk Mitte wohnen 35,3 % der Münsteranerin-
nen und Münsteraner ab 60 Jahren (Stichtag 31.07 .2023),
im Stadtbezirk West 18,6 %, im Stadtbezirk Nord 10,8
%, im Stadtbezirk Ost 8,9 %, im Stadtbezirk Südost 11,3
% und im Stadtbezirk Hiltrup 15,1 %. In der Stichprobe
bewegen sich die Abweichungen dieser Verteilung zwi -
schen -0,6 % (Stadtbezirk Mitte) und +0,3 % (Stadtbezirk
West und Stadtbezirk Südost). Der Rücklauf bildet den
Anteil der Personen aus den jeweiligen Stadtbezirken
im Alter ab 60 Jahren relativ gut ab. Aus jedem Stadtbe -
zirk nahmen zwischen 2,1 % (Stadtbezirk Nord) und 2,7
% der Bevölkerung ab 60 Jahren (Stadtbezirk Ost) teil.
3
2,3 % und Arbeitslose/ Arbeitssuchende/ Personen in
Umschulung mit 0,8 %. Bei den Erwerbstätigen arbeiten
50,9 % in Vollzeit und jeweils circa ein Viertel in Teilzeit
mit 21-35 Stunden (25,8 %) und bis 20 Stunden (23,3
%). Von den Befragten der Altersgruppe 65 Jahre und äl-
ter sind noch 6,1 % erwerbstätig, im Alter von 70 Jahren
und älter noch 1,7 %.
Migrationsvorgeschichte: Auf Basis der Staatsange -
hörigkeit, des Geburtslands der Befragten und des Ge -
burtslands der Eltern wurde das Merkmal Migrations -
vorgeschichte abgeleitet. Bei 8,2 % der Befragten liegt
eine Migrationsvorgeschichte vor, 88,7 % haben keine
Migrationsvorgeschichte und bei 3,0 % fehlen Informa -
tionen, um die Migrationsvorgeschichte herzuleiten. In
den Auswertungen wird die Migrationsvorgeschichte
berücksichtigt, wenn dies aufgrund der Fallzahlen mög-
lich ist.
Haushaltseinkommen: Das Haushaltsnettoeinkom -
men wurde in 21 Einkommensklassen von bis unter 500
€ bis ab 10.000 € erhoben. Für 1.696 Befragte liegen
Angaben zum Einkommen vor. Das Haushaltsnettoein -
kommen ist begrenzt in seiner Aussagekraft, da es je
nach Haushaltsgröße und -altersstruktur anders zu be -
werten ist. Auf Basis des Haushaltsnettoeinkommens
und der Haushaltsstruktur wird daher das bedarfsge -
wichtete Nettoäquivalenzeinkommen errechnet, auch
bedarfsgewichtetes Pro-Kopf-Einkommen genannt.
Das durchschnittliche bedarfsgewichtete Pro-Kopf-Ein -
kommen der Befragten beträgt 2.587,10 € (Bürgerum -
frage 2023, 18 Jahre und älter: 2.666,93 €), der Median
2.266,67 € (Bürgerumfrage 2023: 2.375,00 €, 18 Jah -
re und älter) und ist damit nur leicht niedriger als das
Pro-Kopf-Einkommen der Münsteraner Bevölkerung im
Alter von 18 Jahren und älter. Auf Basis des bedarfsge -
wichteten Pro-Kopf-Einkommens lässt sich ermitteln,
wie viele Personen mit ihrem verfügbaren Einkommen
unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle leben. Die
Armutsgefährdungsschwelle liegt bei 60 % des Medians
des Nettoäquivalenzeinkommens. Diese Schwelle wird
für diese Berechnung dem Landesamt Information und
Technik Nordrhein-Westfalen entnommen1 , das für das
Jahr 2023 eine Armutsgefährdungsschwelle von 1.233 €
ausgegeben hat. Auf Basis dieses Grenzwertes verfügen
7,1 % der Befragten über ein Pro-Kopf-Einkommen un -
terhalb der Armutsgefährdungsschwelle.
1 IT.NRW: https://www.it.nrw/wer-nordrhein-westfalen-ist-armutsgefaehrdet#:~:text=Die%20Armutsgef%C3%A4hrdungsschwel-
le%20(60%20Prozent%20des,Medians)%20bei%204%20111%20Euro.
4
Zu Beginn der Umfrage wurden die Münsteranerin -
nen und Münsteraner ab 60 Jahren gefragt, ob sie
verschiedenen Ansichten darüber, wie Pflege und Un -
terstützung älterer Menschen in unserer Gesellschaft
organisiert werden sollen, zustimmen. Die Mehrheit
der Befragten stimmt zu, dass Pflege eine gesamtge -
sellschaftliche Aufgabe ist, die ein Zusammenwirken
von staatlichen Stellen, Dienstleistern, Familien und
Nachbarschaft erfordert (91,7 % stimmen voll und ganz
zu bzw. stimmen eher zu).
Abbildung 2 zeigt die Zustimmung zu den Ansichten
getrennt für Männer und Frauen. Frauen stimmen dabei
häufiger als Männer den Ansichten (eher) zu, die Pflege
und Unterstützung älterer Menschen vorrangig als eine
staatliche Aufgabe ausdrücken, wohingegen Männer
häufiger (eher) zustimmen, dass Pflege und Unterstüt -
zung von älteren Menschen vorrangig Aufgabe der Fa -
milien bzw. der Bezugspersonen ist.
Die Mehrheit der Befragten stimmt der Aussage, dass
vorbereitende Maßnahmen für eine mögliche Pflege -
bedürftigkeit nichts bringen/nicht planbar sind, (eher)
nicht zu (53,9 %). Bei der nach Geschlechtern getrenn -
ten Auswertung zeigt sich, dass Männer dieser Aussage
seltener (eher) nicht zustimmen als Frauen (Männer:
57,6 %; Frauen: 51,8 %).
1| Ansichten über die Organisation von Pflege und
Unterstützung älterer Menschen
5
Abb. 2: Ansichten zur Organisation von Pflege und Unterstützung älterer Menschen in unserer Gesellschaft in
Abhängigkeit vom Geschlecht der befragten Personen (n (Frauen) = 1051; n (Männer) = 765; Anteile in %). 2
2 Es werden in den Auswertungen die jeweils verfügbaren Fälle eingeschlossen (available case analysis). Sofern in einer Graphik meh-
rere Fragen dargestellt sind, werden die Stichprobengrößen der jeweiligen Subgruppen berichtet. Wenn in einer Graphik nur eine
Frage dargestellt ist, wird die Stichprobengröße derjenigen Personen berichtet, die die Frage beantwortet haben.
6
Abb. 3: Ansichten zur Organisation von Pflege und Unterstützung älterer Menschen in unserer Gesellschaft in
Abhängigkeit vom Familienstand der befragten Personen (n (Ledig) = 195; n (Verheiratet/in Partnerschaft) =
1188; n (Geschieden/Verwitwet) = 425; Anteile in %).
Abb. 4: Ansichten zur Organisation von Pflege und Unterstützung älterer Menschen in unserer Gesellschaft in
Abhängigkeit vom Alter der befragten Personen (n (60-69 Jahre) = 866; n (70-79 Jahre) = 546; n (80 Jahre+ ) =
408; Anteile in %).
7
Unterschiede in der Zustimmung zu den Ansichten da -
rüber, wie Pflege und Unterstützung älterer Menschen
in unserer Gesellschaft organisiert werden sollen, fin -
den sich auch zwischen Personen unterschiedlichen
Familienstands. Menschen, die verheiratet sind oder in
einer Partnerschaft leben, stimmen (eher) seltener zu,
dass Pflege und Unterstützung älterer Menschen vor -
rangig eine staatliche Aufgabe ist und häufiger, dass es
vorrangig die Aufgabe der Familie bzw. der Bezugsper -
sonen ist, als ledige oder geschiedene bzw. verwitwete
Personen (siehe Abbildung 3).
Betrachtet man die Zustimmung zu den Aussagen, wie
Pflege und Unterstützung älterer Menschen in unserer
Gesellschaft organisiert werden sollen, in Abhängigkeit
vom Alter der befragten Personen, fällt auf, dass ältere
Personen (ab 80 Jahren und älter) häufiger zustimmen,
dass dies vor allem eine Aufgabe der Familien bzw. der
Bezugspersonen ist als jüngere Personen. Während Be -
fragte im Alter von 80 Jahren und älter mit 42,7 % (eher)
zustimmen, dass Pflege vorrangig eine Aufgabe der Fa -
milie bzw. Bezugspersonen ist, sinkt diese Zustimmung
in der Altersgruppe der 60-69-Jährigen auf 21,9 % (siehe
Abbildung 4). 3
3 Aufgrund geringer Fallzahlen in einzelnen Altersgruppen werden jeweils zwei Altersgruppen zusammengefasst.
8
2| Bekanntheitsgrad und Nutzung von Angeboten
Beratungsangebote
Der überwiegenden Mehrheit der Münsteranerinnen
und Münsteraner sind die Beratungsangebote des Ge -
sundheitssystems in Form von (Haus)Ärzten/ (Haus)
Ärztinnen (91,8 %), Apotheken (79,1 %) und Kranken-
oder Pflegekassen (88,5 %) bekannt. Auch die Pflege -
dienste und stationären Einrichtungen haben mit 79,5
% einen recht hohen Bekanntheitsgrad, genauso wie die
Sozialdienste der Krankenhäuser mit 71,6 %. Spezielle
Beratungsstellen rund um das Thema Alter und Pfle -
ge sowie zu spezifischen Erkrankungen sind hingegen
vielen Bürgerinnen und Bürgern unbekannt. Dies be -
trifft auch die städtischen Angebote wie das Infobüro
Pflege mit einem Bekanntheitsgrad von 32,8 % und die
Wohnberatung mit 24,4 %. Abbildung 5 zeigt den Anteil
der Personen, die angaben, dass sie das jeweilige Bera -
tungsangebot kennen.
Personen mit und ohne Pflegeerfahrung sollen genau -
er untersucht werden: Als Personen mit Pflegeerfah -
rung gelten die Personen, die aktuell entweder selbst
regelmäßig Hilfe, Pflege oder andere Unterstützung im
Alltag brauchen und/ oder andere Personen aufgrund
ihres schlechten Gesundheitsstatus privat betreuen
bzw. pflegen oder denen sie regelmäßig Hilfe leisten (n
= 655). Als Personen ohne Pflegeerfahrung gelten die
Personen, die aktuell weder selbst regelmäßig Hilfe be -
nötigen noch regelmäßig andere Personen betreuen.
Bei einer Auswertung des Bekanntheitsgrades nach
dem Erfahrungshorizont der Befragten im Bereich Pfle -
ge zeigt sich bei allen Beratungsangeboten eine leicht
höhere Bekanntheit bei Personen, die bereits Erfah -
rung mit Pflege haben. So sind zum Beispiel die Bera -
tungsmöglichkeiten der (Haus)Ärzte/ (Haus)Ärztinnen
94,4 % der Personen mit Pflegeerfahrung bekannt, die
Kranken- oder Pflegekassen 92,6 % und die Apotheken
82,4 %. Auch wenn der Bekanntheitsgrad bei diesen
Personen leicht höher ist, sind das Infobüro Pflege der
Stadt Münster (38,4 %) und die Wohnberatung (28,0 %)
weiterhin deutlich weniger bekannt als Beratungsange-
bote des Gesundheitssystems. Abbildung 6 zeigt den
Bekanntheitsgrad der Beratungsmöglichkeiten zum
Thema Pflege für die Personen, die selbst Pflege erhal -
ten und/ oder An- und Zugehörige pflegen.
Von den Befragten mit Erfahrung im Bereich Pflege, so -
wohl als betroffene Person als auch als pflegende An-
und Zugehörige, wurden insbesondere die Beratungs -
möglichkeiten durch (Haus)Ärzte/ (Haus)Ärztinnen
(72,9 %), Kranken- oder Pflegekassen (66,5 %), Apothe -
ken (58,8 %), Pflegedienste und stationäre Einrichtun -
gen (49,2 %) und Sozialdienste der Krankenhäuser (47,7
%) bereits genutzt. Abbildung 7 zeigt den Anteil der
Personen, die selbst Pflege erhalten und/ oder An- und
Zugehörige pflegen, die die verschiedenen Beratungs -
möglichkeiten zum Thema Pflege bereits genutzt ha -
ben.
Angebote für pflegebedürftige Personen
Die Ambulante Pflege (85,0 %), die Kurzzeitpflege (82,8
%), die Tagespflege (81,7 %) und die Pflegeeinrichtungen
(80,8 %) als Angebote der Altenpflege sind in der Regel
bekannt. Diese Angebote sind im öffentlichen Raum er-
kennbar durch besondere Gebäude und/ oder gekenn -
zeichnete Fahrzeuge. Das Service Wohnen/ Betreutes
Wohnen ist 76,1 % und das Pflegegeld 70,5 % der Befrag-
ten bekannt. Pflege-Wohngemeinschaften schneiden
mit 53,7 % deutlich schlechter bei der Bekanntheit ab.
Angebote, die über den Entlastungsbetrag der Pflege -
kassen finanziert werden können, wie die Unterstüt -
zung durch Alltags-/ Nachbarschaftshelfer/-innen sowie
Betreuungsgruppen, liegen bei der Bekanntheit nur bei
33,9 % bzw. bei 30,5 %. Digitale Gesundheits- und Pfle -
geanwendungen (DiGa, DiPa) haben einen Bekannt -
heitsgrad von 10,0 % (siehe Abbildung 8).
Bei den Personen, die bereits Erfahrung mit Pflege ha -
ben, liegt der Bekanntheitsgrad bei den meisten Ange -
boten für pflegebedürftige Personen leicht höher als in
der Gesamtstichprobe. Auch hier liegt die Bekanntheit
von Angeboten, die über den Entlastungsbetrag der
Pflegekassen finanziert werden können, wie die Unter -
stützung durch Alltags-/ Nachbarschaftshelfer/-innen
sowie Betreuungsgruppen, nur bei 40,1 % bzw. bei 34,7
% (siehe Abbildung 9). Bislang genutzt wurde von der
Gruppe der Personen, die bereits Erfahrung mit Pfle -
ge haben, vor allem das Pflegegeld für häusliche Pflege
durch An- und Zugehörige (25,3 %) und die ambulante
Pflege durch Pflegedienste (25,2 %). Digitale Gesund -
heits-und Pflegeanwendungen (DiGa, DiPa) wurden nur
von 0,4 % der befragten Personen mit Pflegeerfahrung
bereits genutzt (siehe Abbildung 10).
Angebote zur Entlastung pflegender An- und Zuge-
höriger
Personen, die selbst andere Personen pflegen oder an -
deren regelmäßig Hilfe leisten (n = 414) wurden gefragt,
welche Angebote zur Entlastung pflegender An- und
Zugehöriger ihnen bekannt sind und welche davon sie
in Anspruch nehmen. Die höchste Bekanntheit hatten
dabei Beratungsangebote für pflegende An- und Zugehö -
rige (59,5 %), die bisher von 23,9 % der Zielgruppe ge -
nutzt wurden. Darauf folgen Informationsveranstaltun -
gen und Schulungen (46,5 %) und Pflegekurse (43,3 %).
9
Der Erfahrungsaustausch mit anderen Angehörigen in
Gesprächskreisen ist bei 38,4 % der pflegenden An- und
Zugehörigen bekannt, wurde jedoch vergleichsweise
häufig (von 10,7 %) in Anspruch genommen. Ebenfalls
bekannt waren Angebote zur Vereinbarkeit von Pflege
und Beruf (34,3 %) und die Kurberatung für pflegende
Angehörige (27,1 %). Abbildung 11 und 12 zeigen den
Anteil der pflegenden An- und Zugehörigen, die die
Angebote zur Entlastung kennen (Abbildung 11) und
bereits genutzt haben (Abbildung 12). Bei der Nutzung
der Angebote wird zum einen dargestellt, wie groß der
Anteil aller pflegenden An- und Zugehörigen ist, die das
Angebot nutzen. Zum anderen wird der Prozentsatz
der Nutzung bei den Personen, die das Angebot ken -
nen, dargestellt, da die Bekanntheit des Angebots Vo -
raussetzung für dessen Nutzung ist.
Angebote in der Nachbarschaft
In Bezug auf das Leben im Quartier wurde gefragt,
welche zusätzlichen Angebote im Quartier bekannt
sind bzw. genutzt werden. 81,9 % geben an, dass sie die
Möglichkeiten von Mahlzeitendiensten kennen, wäh -
rend Mittagstische in den einzelnen Quartieren nur bei
rund der Hälfte der Münsteranerinnen und Münstera -
ner (49,3 %) bekannt sind. Am ehesten sind Angebote
zur Begegnung und Freizeitgestaltung bekannt, wie die
Begegnungsstätten für Seniorinnen und Senioren (68,1
%), Bewegungsangebote (64,7 %), Bildungsangebote
(61,1 %) und regelmäßige Treffen in Gemeinschaft (58,2
%). Beratungsangebote für besondere Zielgruppen sind
mit 28,1 % und Angebote durch einen Quartiersmana -
ger mit 15,4 % deutlich seltener bekannt. Diese Ange -
bote sind jedoch auch nicht flächendeckend in jedem
Quartier zu finden. Bei der Nutzung der Angebote wird
deutlich, dass insbesondere regelmäßige Treffen in Ge -
meinschaft (25,1 %) und Bewegungsangebote (22,1 %)
von den Münsteranerinnen und Münsteranern ab 60
Jahren genutzt werden. Abbildung 13 und 14 zeigen
den Anteil der Personen, die angeben, dass sie Angebo -
te in Bezug auf das Leben im Quartier kennen (Abbil -
dung 13) und bereits genutzt haben (Abbildung 14).
Die Münsteranerinnen und Münsteraner ab 60 Jahren
wurden in einer offenen Frage gebeten mitzuteilen,
welche Angebote ihnen im Quartier bzw. in der Nach -
barschaft fehlen. Zu den häufigsten Angaben gehören
Einkaufsmöglichkeiten, Wohnungsangebote und offe -
ne Treffpunkte. Abbildung 15 zeigt die genannten An -
gebote, die von mindestens 10 Personen benannt wur -
den.
10
Abb. 5: Bekanntheit von Beratungsangeboten zum Thema Pflege (Anteil
kenne ich in %).
Abb. 6: Bekanntheit von Beratungsangeboten zum Thema Pflege bei Perso -
nen, die selbst Pflege erhalten und/oder An- und Zugehörige pflegen (n = 655;
Anteil kenne ich in %).
Abb. 8: Bekanntheit von Angeboten zur Organisation von Pflege und Unter -
stützung (Anteil kenne ich in %).
Abb. 7: Nutzung von Beratungsangeboten zum Thema Pflege bei Personen,
die selbst Pflege erhalten und/oder An- und Zugehörige pflegen (n = 655;
Anteil bereits genutz t in %).
11
Abb. 9: Bekanntheit von Angeboten zur Organisation von Pflege und Unter -
stützung bei Personen, die selbst Pflege erhalten und/ oder An- und Zugehö -
rige pflegen (n = 655; Anteil kenne ich in %).
Abb. 10: Nutzung von Angeboten zur Organisation von Pflege und Unterstüt -
zung bei Personen, die selbst Pflege erhalten und/ oder An- und Zugehörige
pflegen insgesamt und bei Personen, die das Angebot kennen (n = 655; Anteil
bereits genutzt in %).
Abb. 12: Nutzung v. Angeboten zur Entlastung pflegender An- und Zugehöri-
ger bei pflegenden An- und Zugehörigen insgesamt & bei pflegenden An- und
Zugehörigen, die die Angebote kennen (n = 414; Anteil bereits genutzt in %).
Abb. 11: Bekanntheit von Angeboten zur Entlastung pflegender An- und
Zugehöriger bei pflegenden An- und Zugehörigen (n = 414; Anteil kenne ich in
%).
12
Abb. 13: Bekanntheit von Angeboten im Quartier (Anteil kenne ich in %). Abb. 14: Nutzung von Angeboten im Quartier insgesamt und für Personen, die
das Angebot kennen (Anteil bereits genutzt in %).
Abb. 15: Fehlende Angebote im Quartier/ in der Nachbarschaft mit mindestens
10 Nennungen (Anzahl Nennungen).
Unterstützungsnetzwerke
Rund 17 Prozent der teilnehmenden Münsteranerinnen
und Münsteraner geben an, dass sie zum Zeitpunkt der
Befragung selbst regelmäßig Hilfe, Pflege oder eine an -
dere Form der Unterstützung im Alltag benötigen. Da -
bei sind 20,1 % der Frauen und 12,3 % der Männer betrof-
fen. Bei Personen mit Migrationsvorgeschichte sind es
17,5 %, die regelmäßige Hilfe, Pflege oder Unterstützung
im Alltag benötigen. Der Bedarf an Pflege und Hilfe ist
dabei eng verknüpft mit dem subjektiven Gesundheits -
zustand. So benötigen vor allem Personen, die ange -
ben, dass ihr Gesundheitszustand schlecht oder sehr
schlecht ist, regelmäßig Hilfe, Pflege oder andere Unter-
stützung (61,0 %), während dies bei den Personen mit
gutem bis sehr gutem Gesundheitszustand nur bei 1,4 %
der Fall ist (siehe Abbildung 16).
Bei der Frage, durch wen sie die Hilfe und Unterstützung
erhalten, konnten mehrere Personengruppen/ Instituti -
onen genannt werden. Rund 78 % der Gruppe mit Unter-
stützungsbedarf gibt an, dass sie innerhalb der Familie
durch Ehe- oder Lebenspartner/-in (42,1 %), Kind/ Kin -
der (55,3 %), Enkelkind/ Enkelkinder (15,4 %) und/ oder
andere Verwandte (7,9 %) Unterstützung erfahren. Die
Unterstützung durch Freund/-innen, Bekannte, Nach -
barschaft liegt bei 14,5 % und von ehrenamtlichen Hel -
fer/-innen bei 6,0 %. Bezahlte Helfer/-innen unterstützen
45,6 % der Personen mit Unterstützungsbedarf. 2,5 %
von ihnen haben eine so genannte „24-Stunden-Pfle -
ge“/ „Live-in-Care“ im eigenen Haushalt und 7,5 % leben
in einer Einrichtung mit umfassender Betreuung und
pflegerischer Versorgung.
Untergliedert man die Unterstützung in private Unter -
stützung (durch Familienangehörige, Freund/-innen,
Bekannte oder Nachbarschaft) und externe Unterstüt -
zung (durch ehrenamtliche und bezahlte Helfer/-innen,
24-Stunden-Pflege und Leben in einer Einrichtung),
wird deutlich, dass Männer häufiger nur private Unter -
stützung erhalten als Frauen (siehe Abbildung 17).
13
3| Personen mit Unterstützungsbedarf
Abb. 16: Personen, die regelmäßig Hilfe, Pflege oder
Unterstützung benötigen, in Abhängigkeit von ihrem
Gesundheitszustand (n ((sehr) gut) = 1179; n(mittel-
mäßig) = 540; n ((sehr) schlecht) = 136; Anteil in %).
Abb. 17: Private Unterstützung (durch Familienangehö-
rige, Freund/-innen, Bekannte, Nachbarschaft), externe
Unterstützung (durch ehrenamtliche und bezahlte
Helfer/-innen) oder private und externe Unterstützung
nach Geschlecht (n (Frauen) = 197; n (Männer) =90;
Anteile in %).
14
Neben Geschlechtsunterschieden zeigen sich auch Al -
tersunterschiede: Mit steigendem Alter nimmt der An -
teil der ausschließlich privat geleisteten Unterstützung
ab, während die private und externe und ausschließlich
externe Unterstützung deutlich zunimmt (siehe Abbil -
dung 18). Personen, die verheiratet sind oder in Part -
nerschaft leben, erhalten am häufigsten ausschließlich
private Unterstützung (57,1 %). Ledige Personen erhal -
ten mit 50,0 % besonders häufig ausschließlich externe
Hilfe, während geschiedene und verwitwete Personen
mit 53,0 % besonders häufig private und externe Hilfe
erhalten (siehe Abbildung 19).
Abb. 18: Private Unterstützung (durch Familienan-
gehörige, Freund/-innen, Bekannte, Nachbarschaft),
externe Unterstützung (durch ehrenamtliche und
bezahlte Helfer/-innen) oder private und externe Un -
terstützung nach Altersgruppen (n (60-69 Jahre) = 44;
n (70-79 Jahre) = 66; n (80 Jahre und älter) = 175; Anteil
in %).
Abb. 19: Private Unterstützung (durch Familienan-
gehörige, Freund/-innen, Bekannte, Nachbarschaft),
externe Unterstützung (durch ehrenamtliche und
bezahlte Helfer/-innen) oder private und externe
Unterstützung nach Familienstand (n (Ledig) = 24; n
(Verheiratet/in Partnerschaft) = 147; n (Geschieden/
Verwitwet) = 117; Anteil in %).
15
Betrachtet man die befragten Personen hinsichtlich
ihrer wirtschaftlichen Lage, fällt auf, dass Personen,
die ihre wirtschaftliche Lage als sehr gut oder eher gut
einschätzen, besonders häufig nur private Hilfe erhal -
ten (siehe Abbildung 20). Die befragten Personen mit
Migrationsvorgeschichte bekommen besonders häu -
fig nur private Hilfe (63,0 %). Private und externe Hilfe
bekommen 37,0 % der Personen mit Migrationsvorge -
schichte, wohingegen ausschließlich externe Hilfe in
dieser Gruppe nicht vertreten ist.
Bei der Frage, welche Form der Unterstützung sie regel -
mäßig benötigen, geben 71,4 % der befragten Personen
mit Unterstützungsbedarf an, regelmäßig hauswirt -
schaftliche Hilfen zu benötigen. Begleitung und Betreu -
ung (z.B. für Arztbesuche, Freizeitaktivitäten) benötigen
52,2 %, pflegebezogene Hilfe 41,8 % und organisatori -
sche Hilfe (Anträge, Terminkoordination) 38,4 %.
Insgesamt geben 43,4 % der Personen, davon mehr
Männer (59,1 %) als Frauen (37,2 %), an, dass die Person,
die die meiste private Hilfe/ Unterstützung leistet, im
gleichen Haus wohnt. Weitere 22,3 % haben private Un-
terstützung im Umkreis bis zu 5 Kilometer und 16,4 %
bis zu 30 Kilometer. 4,7 % der Personen mit Unterstüt -
zungsbedarf erhalten private Unterstützung auf größe -
rer Distanz mit über 30 Kilometern. Von der Gruppe der
Personen mit einem festgestellten Pflegebedarf durch
die Anerkennung eines Pflegegrades geben 3,1 % der
Befragten an, dass sie keine private Hilfe erhalten.
Bei der Frage, welches Geschlecht die Person hat, die
die meiste private Hilfe leistet, geben 64,0 % der Befrag-
ten an, dass die Person weiblich ist und 31,2 % der Be -
fragten, dass die Person männlich ist. Betrachtet man
die Distanz des Wohnorts der Person, die am meisten
Hilfe leistet, in Kombination mit dem Geschlecht der
hilfeleistenden Person, findet sich vor allem bei der Dis-
tanz von bis zu 5 km ein noch größerer Geschlechterun-
terschied – hier ist der Anteil der weiblichen Personen,
die Hilfe leisten, mehr als 3 Mal so groß wie der Anteil
der männlichen Personen (siehe Abbildung 21).
Abb. 20: Private Unterstützung (durch Familienan-
gehörige, Freund/-innen, Bekannte, Nachbarschaft),
externe Unterstützung (durch ehrenamtliche und
bezahlte Helfer/-innen) oder private und externe Un -
terstützung nach subjektiver wirtschaftlicher Lage (n
(sehr/eher gut) = 185; n (mal gut/mal schlecht) = 65; n
(eher/sehr schlecht) = 40; Anteil in %).
Abb. 21: Geschlecht der Person, die die größte private
Hilfe und Unterstützung leistet, in Abhängigkeit von
der Distanz des Wohnorts des Empfangenden von
Pflege und Unterstützung (n (wohnt im Haus) = 135; n
(bis 5km) = 69; n (5-30 km) =51; n (über 30 km) = 15;
Anteil in %).
16
4 Aufgrund geringer Fallzahlen bei der Hilfe durch diverse Personen oder bei fehlender Angabe des Geschlechts der helfenden Per-
son werden hier nur die Anteile der helfenden Frauen und Männer dargestellt.
Dass Frauen einen deutlich größeren Anteil der Perso -
nen ausmachen, die Unterstützung leisten, zeigt sich
auch, wenn man jeweils das Geschlecht der Person,
die Unterstützung erhält, dem Geschlecht der Person,
die Unterstützung leistet, gegenüberstellt. Während
Männer mit 82,4 % von Frauen unterstützt werden,
werden Frauen noch zu 59,9 % von Frauen unterstützt
(Abbildung 22). Dieser Unterschied der Geschlechter -
verteilung macht sich insbesondere bei den Personen
bemerkbar, die keine Unterstützung durch Ehe- oder
Lebenspartner/-in erhalten. Erhalten Personen statt -
dessen private Hilfe durch Kinder, Enkelkinder, andere
Verwandte oder Freund/-innen, ist die Person, die die
meiste private Hilfe leistet, in 69,4 % der Fälle weiblich.
Unterstützungsbedarf
Die Personen mit aktuellem Unterstützungsbedarf wur-
den gefragt, ob sie von der Pflegekasse bereits in einen
Pflegegrad (PG) eingestuft wurden. 63,1 % geben einen
Pflegegrad an, der sich wie folgt auf die Stufen verteilt:
PG 1: 13,8 %, PG 2: 26,6 %, PG 3: 14,8 %, PG 4: 5,2 % und
PG 5: 2,6 %. 3,9 % der Befragten mit Unterstützungsbe -
darf haben die Einstufung beantragt, aber zum Zeit -
punkt der Befragung noch keine Antwort erhalten, und
3,6 % geben an, dass der Antrag abgelehnt wurde. 29,5
% der Befragten mit Unterstützungsbedarf haben noch
keinen Antrag gestellt (siehe Abbildung 23). Bei der Be -
trachtung des Unterstützungsbedarfs der Personen, die
keinen Antrag gestellt haben, werden vorrangig Unter -
stützungsleitungen in Form von hauswirtschaftlichen
Hilfen (57,8 %), organisatorischen Hilfen (25,6 %) und/
oder Begleitung und Betreuung (z.B. für Arztbesuche,
Freizeitaktivitäten, 26,7 %) benötigt.
Abb. 22: Geschlecht der Person, die die größte private
Hilfe und Unterstützung leistet, in Abhängigkeit vom
Geschlecht der Person, die Hilfe und Unterstützung
erhält (n (Frauen) = 182; n (Männer) = 85; Anteil in %). 4
17
Abb. 23: Personen, die Pflege in Anspruch nehmen, nach Pflegegrad (n = 305; Anteil in %).
Auf die Frage, ob die betreffenden Personen mit aktuel -
lem Unterstützungs- und Hilfebedarf genügend Unter -
stützung und Hilfe erhalten, haben 81,6 % der Personen,
die die Frage beantwortet haben, mit Ja geantwortet.
Rund jede fünfte Person (18,4 %, n = 52) würde sich
mehr Unterstützung wünschen. Von diesen 52 Perso -
nen begründen 38,4 % ( n = 20 ) die fehlende Unterstüt-
zung mit fehlenden finanziellen Möglichkeiten und 46,2
% (n = 24) geben an, dass Angebote nicht zur Verfügung
stehen, insbesondere Hilfe im Haushalt ( 50,0 %, n = 1 2 )
und eine stundenweise Betreuung und Begleitung (58,3 %,
n = 14). Betrachtet man die Geschlechterverteilung bei
der Frage fällt auf, dass insbesondere Frauen angeben,
dass sie nicht genügend Unterstützung und Hilfe erhal -
ten. Von den 300 Männern und Frauen, die Hilfe benöti-
gen, sind 69,0 % Frauen und 31,0 % Männer. In der Grup-
pe, die angibt, dass sie nicht genügend Unterstützung
und Hilfe erhalten, sind hingegen 79,3 % Frauen (siehe
Abbildung 24).
Abb. 24: Genügend Unterstützung und Hilfe nach Ge -
schlecht (n = 184; Männer n = 84; Anteil in %).
18
pflegende An- und Zugehörige. Somit ist unter den 60
bis 64-Jährigen der Anteil der pflegenden An- und Zu -
gehörigen mit 32,5 % am größten, gefolgt von den 75
bis 79-Jährigen (24,1 %). Abbildung 25 zeigt den Anteil
der befragten Personen, die angeben, Personen privat
zu betreuen bzw. zu pflegen oder ihnen regelmäßig Hil-
fe zu leisten in Abhängigkeit vom Alter der befragten
Personen. Bei Personen mit Migrationsvorgeschichte
geben 20,9 % an, dass es Personen gibt, die von ihnen
privat betreut bzw. gepflegt werden.
Die Gruppe der pflegenden An- und Zugehörigen
Etwa jede fünfte befragte Person (n = 414, 22,6 %) gibt
an, dass es Personen gibt, die aufgrund ihres schlech -
ten Gesundheitszustands von ihr privat betreut bzw.
gepflegt werden oder denen sie regelmäßig Hilfe leis -
tet. Dabei gibt ein höherer Anteil der Frauen (25,3 %)
als Männer (18,9 %) an, dass sie aktuell regelmäßig je -
manden betreuen und/ oder pflegen. Auch wenn der
Anteil der pflegenden An- und Zugehörigen mit zuneh -
menden Alter abnimmt, gibt es selbst bis ins hohe Alter
4| Pflegende An- und Zugehörige
Abb. 25: Pflegeleistende Personen nach ihrem Alter (n (60-64 Jahre) = 434; n (65-69 Jahre) = 417; n (70-
74 Jahre) = 317; n (75-79 Jahre) = 220; n (80-84 Jahre) = 203; n (85 Jahre und älter) = 178; Anteil in %).
Bei den 60 bis 69-Jährigen sind es in der Regel die El -
tern (69,8 %), die unterstützt werden. In den nachfol -
genden Altersgruppen sind es vorrangig Partner/-innen.
Auch die Doppelbelastung durch die Pflege mehrerer
An-und Zugehöriger findet sich in allen Altersgruppen.
Während in der Altersgruppe der über 80-Jährigen ins -
gesamt weniger befragte Personen Pflege leisten, un -
terscheidet sich der Anteil derjenigen mit Doppelbelas -
tung in der Altersgruppe der 60 bis 69-Jährigen und der
über 80-Jährigen kaum voneinander – in beiden Fällen
pflegen etwa 11 % mindestens 2 Gruppen von An- und
Zugehörigen. Lediglich in der Gruppe der 70 bis 79-Jäh -
rigen ist der Anteil der Personen mit Doppelbelastung
mit 5,3 % der pflegenden Personen dieser Altersgruppe
geringer. Abbildung 26 zeigt den Anteil der verschiede -
nen An- und Zugehörigen, die von den befragten Perso -
nen betreut bzw. gepflegt werden in Abhängigkeit vom
Alter der befragten Personen (hier aufgrund geringerer
Fallzahlen größere Altersgruppen in der Betrachtung).
19
Abb. 26: Verwandtschaftsbeziehung der zu pflegenden Person zur befragten Person in Abhängigkeit vom Alter
der befragten Personen (n (60-69 Jahre) =225; n (70-79 Jahre) = 99; n (80 Jahre und älter) = 70; Anteil in %). 5
5 „Eltern“ umfasst auch Eltern des Partners/ der Partnerin. „Andere“ umfasst z.B. Mitbewohner/-innen im Haus, Nachbarn/ Nachbar-
innen etc.
Bei der Frage, seit wann Personen Unterstützung und
Betreuung leisten, gaben 11,4 % bis zu ein Jahr an, 15,5
% bis zu 2 Jahre, 20,2 % bis zu 4 Jahre, 19,9 % zwischen 5
und 7 Jahren, 14,1 % zwischen 8 und 10 Jahren und 18,8
% 10 Jahre und mehr an. Die Durchschnittsdauer einer
Unterstützung oder Pflege durch An- und Zugehörige
von Eltern liegt bei 7 Jahren, bei Partner/-innen bei 8
Jahren und bei Geschwistern und Kindern deutlich hö -
her mit 11 bzw. 26 Jahren.
Belastung durch familiäre Pflege
Die Frage Wie stark fühlen Sie sich durch Pflege und Hilfe
belastet? beantworteten insgesamt 9,1 % der Befragten
mit stark belastet , 32,3 % mit eher stark belastet , 45,1 %
mit eher gering belastet und 13,6 % mit nicht belastet. Bei
der Betrachtung der Altersstruktur wird deutlich, dass
sich der Anteil der Personen, die sich durch Pflege stark
belastet fühlen, mit zunehmendem Alter auf bis zu 20
% bei den 85-Jährigen und älter ansteigt. Abbildung 27
zeigt den Grad der Belastung in Abhängigkeit vom Alter
der pflegenden An- und Zugehörigen. Ebenso deutlich
wird, dass die starke Belastung zunimmt, je schlechter
der Gesundheitszustand der pflegenden An- und Zuge -
hörigen ist. So steigt die starke Belastung von 5,7 % bzw.
5,0 % der Personen mit sehr gutem bzw. gutem Gesund-
heitszustand auf bis zu 36 % bei Personen mit einem
(sehr) schlechten Gesundheitszustand (siehe Abbildung
28). Der Pflegegrad der zu unterstützenden Person ist
weniger ausschlaggebend. Bei Pflegegrad 2 (7,0 %) ist
die starke Belastung seltener als bei den Pflegegraden 3,
4 und 5. Hier ist der Belastungsgrad nahezu gleichblei -
bend mit 15,0 % (PG 3), 15,2 % (PG 4) und 15,8 % (PG 5).
20
Abb. 27: Grad der Belastung der pflegenden An- und Zugehörigen nach Alter der pflegenden An- und Zugehöri -
gen (n(60-64 Jahre) =132; n(65-69 Jahre) = 80; n(70-74 Jahre) = 40; n(75-79 Jahre) = 48; n(80-84 Jahre) = 37; n(85
Jahre und älter) = 25; Anteil in %).
Abb. 28: Grad der Belastung der pflegenden An- und Zugehörigen in Abhängigkeit vom Gesundheitszustand der
pflegenden An- und Zugehörigen (n (sehr gut) = 53; n (gut) = 181; n(mittelmäßig) = 112; n ((sehr) schlecht) = 25;
Anteil in %). 6
6 Aufgrund der geringen Fallzahl wurden Personen mit Gesundheitszustand „schlecht“ und „sehr schlecht“ zu einer Gruppe zusam-
mengefasst.
21
Die pflegenden An- und Zugehörigen geben an, dass
ihnen zu 41,4 % Erholung und Regeneration fehlt.
Nicht genügend Zeit für Hobbies, Freizeitaktivitäten
und Sport haben 32,4 % und 28,3 % geben an, nicht ge -
nug Zeit für die Pflege von Beziehungen zu Freunden/
Freundinnen und Bekannten zu haben. Bei 16,9 % fehle
es aufgrund der Unterstützungsleistungen an Zeit für
die Familie und 10,4 % geben an, dass sie gerne mehr
Zeit für die Erwerbstätigkeit hätten (Mehrfachnennun -
gen möglich). 39,2 % der pflegenden An- und Zugehöri-
gen, dies entspricht mehr als jede dritte Person, geben
an, dass ihnen nichts fehle (siehe Abbildung 29).
Bei der offenen Frage, was sich die An- und Zugehörigen
zur Entlastung wünschen, gaben 10,7 % mehr finanziel -
le Hilfen an. Unterstützung und Entlastung wurde z.B.
durch mehr (Frei-)Zeit/ Urlaub von 8,0 % gewünscht, Un-
terstützung bei Anträgen (6,7 %), Haushaltshilfe (5,3 %)
und (stundenweise) Unterstützung zuhause von 4,7 %.
Von der professionellen Pflege wünschen sich 7,3 % der
pflegenden An- und Zugehörigen eine bessere Verfüg -
barkeit von Pflegeplätzen und Betreuungsangeboten
und mehr Personal wird von 4,7 % gewünscht.
Abb. 29: Aktivitäten, für die pflegenden An- und Zugehörigen Zeit fehlt (n = 414; Anteil in %).
22
5| Vorstellung von der eigenen pflegerischen
Versorgung
Abb. 30: Beschäftigung mit dem Thema der eigenen Pflegebedürftigkeit nach Alter und Geschlecht (Anteil in %).
%. Bei der Betrachtung der Altersgruppen steigt die Be -
schäftigung mit dem Thema eigene Pflege mit dem Alter
von 52,4 % bei den 60 bis 64-Jährigen bis auf 70,8 % bei
den 85-Jährigen und älter an. Dabei ist in allen Alters -
gruppen der Anteil der Frauen, die sich bereits mit der
eigenen Pflegebedürftigkeit beschäftigt haben, höher
als der Anteil der Männer, die sich bereits damit ausei -
nandergesetzt haben (siehe Abbildung 30). Wie zu er -
warten, hat sich die Gruppe der bereits pflegebedürfti -
gen Personen mit rund 82,7 % bereits zu einem hohen
Anteil mit dem Thema beschäftigt. Von den Personen
ohne Erfahrung als betroffene Person oder als pflegen -
de/r An- und Zugehörige/r waren es nur rund die Hälfte
mit 51,1 %.
Beschäftigung mit der Möglichkeit einer eigenen Pfle-
gebedürftigkeit
Die Münsteranerinnen und Münsteraner ab 60 Jahren
wurden gefragt, ob sie sich mit der eigenen Pflegebe -
dürftigkeit bzw. einer Verschlechterung der aktuellen
Situation bereits beschäftigt haben. Bei der Beantwor -
tung gab es deutliche Unterschiede zwischen Frauen
und Männern, sowie zwischen verschiedenen Alters -
gruppen und zwischen Personen mit und ohne Erfah -
rungen im Bereich Pflege. Insgesamt haben sich 58,2 %
der Münsteranerinnen und Münsteraner ab 60 Jahren
mit der eigenen Pflegebedürftigkeit bereits beschäftigt.
Bei den Frauen sind es 61,7 % und bei den Männern 55,0
23
Wichtige Faktoren für betreute Wohnformen
Die Münsteranerinnen und Münsteraner wurden ge -
fragt, was ihnen bei einem Umzug in eine betreute
Wohnform wichtig wäre. Insbesondere Bereiche die
unter die Kategorie Selbstbestimmung und Mitbestim -
mung zusammengefasst werden können, wurden als
wichtig erachtet: Persönlicher Wohnbereich (59,8 %),
Mitbestimmung bei der Organisation der pflegerischen
Versorgung (55,8 %), Gestaltungsmöglichkeiten im All -
tag (54,8 %), sowie Mitbestimmung bei den Freizeit- und
Betreuungsangeboten (48,6 %). Welche Aspekte den
Münsteranerinnen und Münsteranern in einer betreu -
ten Wohnform wichtig wären, unterscheidet sich zwi -
schen den verschiedenen Altersgruppen. Bei einem Ver-
gleich der jüngsten Altersgruppe (60-64 Jahre) und der
ältesten Altersgruppe (85 Jahre und älter) findet sich bei
den jüngeren befragten Personen mehr Zustimmung
zu den Aspekten der Kategorie Selbstbestimmung und
Mitbestimmung, wohingegen den älteren befragten
Personen wichtiger ist, dass sie in derselben Nachbar -
schaft verbleiben, die Wege zu An- und Zugehörigen
kurz sind und dass sie bis zum Lebensende in der neuen
Wohnform verbleiben können (siehe Abbildung 31).
Wohnsituation
Bei der Abfrage, ob die Münsteranerinnen und Müns -
teraner ab 60 Jahren ihre Wohnung für geeignet halten,
um dort mit Bewegungseinschränkungen und Pflege -
bedarf leben zu können, beantworteten 43,3 % die Frage
mit Ja und 37,2 % mit Ja, nach Umbaumaßnahmen. 19,4
% gaben an, dass die Wohnung nicht geeignet sei. Per -
sonen mit Migrationsvorgeschichte gaben zu 29,7 % an,
dass ihre Wohnung nicht geeignet sei. Bei der Betrach -
tung der Antworten in den verschiedenen Altersstruk -
turen ist auffallend, dass mit zunehmendem Alter auch
die Wohnungen als geeigneter eingeschätzt werden,
um dort mit Bewegungseinschränkungen zu leben. So
sind es bei den 60 bis 64-Jährigen rund 72 %, die ihre
Wohnung (ggf. nach Umbauarbeiten) für geeignet hal -
ten, und bei den 85-Jährigen und älter sind es bereits
88,5 %.
24
und verwitwete Frauen deutlich seltener davon ausge -
hen, dass ihre eigene Versorgung (möglicherweise) ge -
sichert ist, als Männer (siehe Abbildung 32).
Einen deutlichen Zusammenhang mit der Einschätzung,
ob die eigene Versorgung gesichert ist, gibt es auch mit
der Einschätzung der eigenen wirtschaftlichen Situati -
on und dem aktuellen Bedarf an Pflege oder Unterstüt -
zung. Je schlechter die eigene wirtschaftliche Situation
eingeschätzt wird, umso geringer ist der Anteil der Per -
sonen, die ihre eigene Versorgung für gesichert halten.
Dies ist insbesondere bei den Personen der Fall, die ak -
tuell (noch) nicht auf Pflege und Unterstützung ange -
wiesen sind (siehe Abbildung 33).
Rund die Hälfte der Bevölkerung in Münster ab 60 Jahren
(51,0 %) gibt an, dass sie jemanden hat bzw. jemanden
möglicherweise hat, der die pflegerische Versorgung
für sie übernehmen würde. Bei Personen mit Migrati -
onsvorgeschichte sind es 49,3 %, bei den Frauen 41,0 %
und bei den Männern 64,8 %. Bei der Betrachtung der
Antworten nach dem Familienstand wird deutlich, dass
Bedarf der professionellen Unterstützung und Pflege
Die Münsteranerinnen und Münsteraner ab 60 Jahren
wurden gefragt, ob sie im Falle der eigenen Pflegebe -
dürftigkeit bzw. der Verschlechterung der aktuellen
Situation die erforderliche Versorgung für gesichert
halten. Dies konnten sie mit Ja, Möglicherweise, Nein,
oder Weiß nicht beantworten. Etwa 60 % der befragten
Personen geben an, dass sie im Falle der eigenen Pfle -
gebedürftigkeit bzw. der Verschlechterung der aktuel -
len Situation die erforderliche Versorgung für gesichert
bzw. möglicherweise gesichert halten. Bei Personen mit
Migrationsvorgeschichte sind es nur 50,3 %, die ange -
ben, dass sie die erforderliche Versorgung für gesichert
bzw. möglicherweise gesichert halten.
55,6 % der Frauen und 65,8 % der Männer gehen davon
aus, dass die Versorgung (möglicherweise) gesichert
ist. Betrachtet man die Annahme, dass die Versorgung
(möglicherweise) gesichert ist, in Abhängigkeit von Ge -
schlecht und Familienstand der befragten Personen,
fällt auf, dass insbesondere in Partnerschaft lebende
Abb. 31: Wichtigkeit der Aspekte bei einem notwendigen Umzug in eine betreute Wohnform für die jüngste (60-
64 Jahre, n = 439) und älteste Altersgruppe (85 Jahre und älter, n = 193; Anteil in %).
25
sich insbesondere verheiratete und in Partnerschaft le -
bende Personen auf ein bestehendes Netzwerk an Un -
terstützung verlassen, während ledige Personen nur zu
20,8 % angeben, dass sie jemanden haben, der die Pfle -
ge übernehmen könnte. Betrachtet man die Kombina -
tion aus Geschlecht und Familienstand, findet sich bei
den ledigen Personen sowohl bei Männern als auch bei
Frauen ein besonders geringer Anteil an Personen, die
(möglicherweise) jemanden haben, der sie im Falle ei -
ner Pflegebedürftigkeit pflegen könnte. Für alle anderen
Gruppen stimmen jedoch deutlich weniger Frauen als
Männer zu, dass sie (möglicherweise) jemanden haben,
der sie pflegen könnte, insbesondere bei den Gruppen
der verheirateten und der geschiedenen Personen (sie -
he Abbildung 34).
Vergleich:
Der Landesbetrieb Information und Technik Nord -
rhein-Westfalen, IT-NRW, erstellt alle zwei Jahre eine
Statistik der Leistungsempfängerinnen und Leistungs -
empfänger der Pflegeversicherungen. Im Dezember
2023 haben rund 60 % der pflegebedürftigen Personen in
Münster (8.166 Personen von 13.695 Pflegebedürftigen)
Pflegegeld erhalten, d.h. sie haben eine Pflegeperson, die
insgesamt oder mindestens anteilig die pflegerische Ver-
sorgung übernimmt.7
Auf die Frage ob es jemanden gibt, der im Falle der ei -
genen Pflegebedürftigkeit die Pflege organisieren könn-
te, haben deutlich mehr Personen (89,0 %) mit Ja und
Möglicherweise geantwortet. Bei Personen mit Migra -
tionsvorgeschichte sind es 79,9 %, die davon ausgehen,
dass es jemanden gibt, der die Pflege (möglicherweise)
organisieren könnte. Auch hier sind es insbesondere die
ledigen, geschiedenen und verwitweten Personen, die
sich weniger auf bestehende Netzwerke verlassen kön -
nen und den Bedarf einer anderweitigen Unterstützung
sehen. Betrachtet man hier die Unterschiede zwischen
Männern und Frauen anhand ihres Familienstands, fal -
len geringere Unterschiede auf. Lediglich bei den ge -
schiedenen Personen geben deutlich weniger Frauen
an, dass es Personen gibt, die für sie die Pflege organi -
sieren könnten. Bei den ledigen und verwitweten Perso-
nen sind es hingegen weniger Männer (Abbildung 35).
7 Information und Technik Nordrhein-Westfalen: Leistungsempfänger/-innen der Pflegestatistik in NRW in Dezember 2023.
26
Abb. 33: Versorgung im Falle der eigenen Pflegebedürftigkeit bzw. Ver-
schlechterung der Situation ist (möglicherweise) gesichert nach persönlicher
wirtschaftlicher Lage und aktuellem Bedarf an Pflege und Unterstützung
(Anteil in %).
Abb. 32: Versorgung im Falle der eigenen Pflegebedürftigkeit bzw. Ver-
schlechterung der Situation ist (möglicherweise) gesichert nach Ge -
schlecht und Familienstand (Anteil in %).
Abb. 34: Verfügbarkeit einer Person, die im Falle der eigenen Pflege -
bedürftigkeit bzw. Verschlechterung der Situation (möglicherweise)
pflegen kann, nach Familienstand und Geschlecht (Anteil in %).
Abb. 35: Verfügbarkeit einer Person, die im Falle der eigenen Pflegebedürftig -
keit bzw. Verschlechterung der Situation (möglicherweise) Pflege organisie-
ren kann, nach Familienstand und Geschlecht (Anteil in %).
27
Bei einem Blick auf die direkte Nachbarschaft geben
rund zwei Drittel (66,4 %) der Bevölkerung ab 60 Jahren
an, dass sie sich gegenseitig in der Nachbarschaft mit
kleinen Hilfen unterstützen (Antwortkategorien selten
bis oft). Betrachtet man die Unterstützung in der Nach -
barschaft in Abhängigkeit vom Stadtteil der befragten
Personen, fällt ein besonders hoher Anteil an Personen,
die sich in der Nachbarschaft helfen, in den Stadtteilen
Albachten, Kinderhaus-West, Sprakel und Hiltrup-West
auf. Ein besonders niedriger Anteil findet sich hingegen
in den Stadtteilen Gelmer-Dyckburg, Kinderhaus-Ost
und Berg Fidel (siehe Abbildung 36).
8 Dargestellt ist der Anteil der Personen pro Stadtteil, die selten, manchmal oder oft geantwortet haben. Die Stadtteile des Bezirks
Mitte wurden aufgrund geringer Stichprobengröße jeweils zu den Teilbereichen Altstadt, Innenstadtring, Mitte-Süd und Mit-
te-Nordost zusammengefasst. Die Kategorien sind anhand der Abweichung vom Mittelwert in 5 Kategorien unterteilt von mehr
als 2 Standardabweichungen unter dem Mittelwert, zwischen 1 und 2 Standardabweichungen unter dem Mittelwert, zwischen
Mittelwert und 1 Standardabweichung unter dem Mittelwert, zwischen Mittelwert und 1 Standardabweichung über dem Mittel-
wert und zwischen 1 und 2 Standardabweichungen über dem Mittelwert.
9 Diese Fragen wurden mit leichter Abwandlung aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) übernommen. Die Antwortkategorie
sehr oft wurde nicht verwendet.
6| Zusammenleben im Quartier
Abb. 36: Unterstützung in der Nachbarschaft
(Anteil in %). 8
Einsamkeit
Die Einsamkeit der Münsteranerinnen und Münstera -
ner ab 60 Jahren wurde mithilfe einer Skala erfasst, auf
der sie angeben sollten, wie oft sie das Gefühl haben,
dass ihnen Gesellschaft anderer fehlt, das Gefühl haben
außen vor zu sein und sozial isoliert zu sein. 9 Aus die -
sen drei Fragen wurde ein Mittelwert gebildet, der wie -
derum in vier Kategorien von nie bis manchmal bis oft
eingeteilt wurde. Dabei zeigt sich, dass insgesamt 5,6 %
der Bevölkerung ab 60 Jahren manchmal bis oft von Ein-
samkeit betroffen sind. Es gibt deutliche Unterschiede
innerhalb der verschiedenen Bevölkerungsgruppen. So
berichten deutlich mehr Frauen (7,0 %) als Männer (3,4
%) von dieser Häufigkeit an Einsamkeit. Personen, die al-
leine leben (8,6 %) sind ebenso häufiger betroffen.
Der Umstand, einen Pflege- und Unterstützungsbedarf
zu haben, zeigt deutliche Auswirkungen. 17,5 % der Per-
sonen mit einem Pflege- und Unterstützungsbedarf ge -
ben an, manchmal bis oft einsam zu sein. Um Personen
mit Pflege- und Unterstützungserfahrung näher zu un -
tersuchen, wurden die Münsteranerinnen und Müns -
teraner ab 60 Jahren in 4 Gruppen eingeteilt:
• Personen, die aktuell weder Pflege oder Unterstüt -
zung empfangen noch leisten;
• Personen, die Pflege oder Unterstützung empfan -
gen, aber nicht leisten;
• Personen, die Pflege oder Unterstützung leisten,
aber nicht empfangen;
• Personen, die sowohl Pflege oder Unterstützung
leisten als auch empfangen
Im Vergleich dieser vier Gruppen fällt auf, dass insbe -
sondere Personen, die Pflege erhalten, deutlich häufi -
ger von Einsamkeit berichten als Personen, die keine
Pflege erhalten. Dabei fällt weniger ins Gewicht, ob die
Personen zusätzlich noch Pflege leisten oder nicht (sie -
he Abbildung 37).
Mit Zunahme des Alters steigt die Häufigkeit an, Ein -
samkeit zu erleben. So machen die Personen, die ange -
ben, manchmal bis oft Einsamkeit zu erleben, 5,5 % der
60 bis 64-Jährigen aus, aber 8,7 % der Personen, die 85
Jahre und älter sind. Auf der anderen Seite geben 34,4
% der 60- bis 64-Jährigen an, nie Einsamkeit zu erleben,
was wiederum nur 19,7 % der Personen im Alter von 85
Jahren und älter angeben (siehe Abbildung 38).
28
Abb. 37: Grad der Einsamkeit in Abhängigkeit von der Erfahrung mit Pflege (n (keine Pflegeerfahrung) = 1146; n
(Pflege erhaltend) = 257; n (Pflege gebend) = 317; n (Pflege erhaltend und gebend) = 29; Anteil in %).
Abb. 38: Grad der Einsamkeit nach Alter (n (60-64 Jahre) = 433; n (65-69 Jahre) = 415; n (70-74 Jahre) = 314; n
(75-79 Jahre) = 217; n (80-84 Jahre) = 201; n (85 Jahre und älter) = 183; Anteil in %).
29
Bereitschaft zur Unterstützung
Die Bürgerinnen und Bürger wurden gefragt, ob sie sich
ehrenamtlich für Menschen mit Unterstützungsbedarf
engagieren. Dies wurde von 9,6 % der Befragten bestä -
tigt. Davon wären 16,9 % bereit das Engagement zu ver -
stärken und weitere 40,1 % würden es zumindest nicht
ausschließen.
Von den Personen, die sich bisher nicht ehrenamtlich
engagieren, können sich 15,6 % vorstellen, ein ehren -
amtliches Engagement oder einen Minijob zur Unter -
stützung der Zielgruppe aufzunehmen. Weitere 36,0 %
haben sich eine Entscheidung offengehalten.
Insgesamt geben 56,8 % der Münsteranerinnen und
Münsteraner ab 60 Jahren an, dass sie entweder bereit
wären, ihr Engagement zu verstärken und/ oder ein eh -
renamtliches Engagement oder einen Minijob zur Un -
terstützung der Zielgruppe aufzunehmen oder dies
jeweils noch offen zu halten. Somit gibt es ein hohes
Potenzial für Unterstützung für hilfsbedürftige Men -
schen in der Gruppe der Bürgerinnen und Bürger über
60 Jahren.
30
Impressum
Stadt Münster – Stadtplanungsamt und Sozialamt
Dr. Grit Müller, Leiterin der Abteilung Stadt- und Regionalentwicklung, Statistik
MuellerGrit@stadt-muenster.de
Dr. Judith Knausenberger, wissenschaftliche Mitarbeiterin, Fachstelle Statistik und Stadtforschung
Knausenberger@stadt-muenster.de
Karin Stritzke, Pflegeplanerin, Fachstelle Sozialplanung
StritzkeK@stadt-muenster.de
Titelfoto: pixabay
Anlage A
1817 Zeichen
Anlage A zur V/0164/2025 Kurzüberblick Die Vorlage enthält die Methodik und die wesentlichen Ergebnisse der Umfrage „Pflege und Un- terstützung im Alter“. Ziele/Teilziele/Zielerreichung Mit der Umfrage „Pflege und Unterstützung im Alter“ wird folgendes Ziel aus dem ISM-Prozess verfolgt: Wir werden Münster zu einer Stadt mit höchster Lebens- und Erlebnisqualität weiterentwi- ckeln: mit hoher Umwelt- und Naturqualität mit breitem Freizeit- und Sportangebot mit hohem Wohnwert, Familienfreundlichkeit und sozialer Balance in der Stadtgesellschaft Das Teilziel lautet: Sicherstellung einer dem örtlichen Bedarf entsprechenden pflegerischen Angebotsstruktur Finanzierung Produktgruppe: 0503 Sicherung besonderer sozialer Bedarfe Auswirkungen auf den Ergebnisplan Ja x Nein Auswirkungen auf den Finanzplan Ja x Nein Im beschlossenen (Nachtrags-)Haushaltsplan 2025 enthalten? Ja x Nein teilw. Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? Ja x Nein Bereits veranschlagt? Ja x Nein Die Höhe der Aufwendungen oder Auszahlungen sind unabhängig von der vorhandenen Mittelbe- reitstellung im Beschlussvorschlag zu nennen. Eine Angabe an dieser Stelle oder bei den Zielen reicht nicht aus. Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig überwiegend pflichtig x überwiegend freiwillig vollständig freiwillig Kommunale Daseinsvorsorge Art. 28 Abs. 2 GG Altenhilfeplanung nach § 71 SGB XII Pflegeplanung nach § 4 APG NRW Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) Angebote für pflegebedürftige Personen sowie Angebote zur Entlastung der pflegenden An- und Zugehörigen stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit der demographischen Entwicklung der Gesellschaft.
Berichtsvorlage
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V/0164/2025 V/0164/2025 Öffentliche Berichtsvorlage Betrifft Umfrage "Pflege und Unterstützung im Alter" - Methodik und zentrale Ergebnisse Beratungsfolge 03.06.2025 Ausschuss für Gleichstellung Bericht 11.06.2025 Ausschuss für Soziales, Gesundheit, Verbraucherschutz und Ar- beitsförderung Bericht 17.06.2025 Kommission zur Förderung der Inklusion von Menschen mit Be- hinderungen Bericht 25.06.2025 Integrationsrat Bericht 30.06.2025 Kommunale Seniorenvertretung Bericht Bericht: I. Umfrage: Pflege und Unterstützung im Alter Die Sicherstellung der pflegerischen Versorgung vor dem Hintergrund des demographischen Wan- dels und des zunehmenden Fachkräftemangels stellt auch in Münster eine große Herausforderung dar. Um eine bess ere Einschätzung der gegenwärtigen Situation zu gewinnen und die Vorstellungen der Münsteraner*innen besser kennenzulernen, wurde die Umfrage „Pflege und Unterstützung im Alter“ durchgeführt. Die Umfrage wurde vom Sozialamt und dem Stadtplanungsamt in Zusa mmenarbeit mit Vertre- ter*innen der kommunalen Konferenz Alter und Pflege konzipiert. Am 18.09.2023 wurden 5.012 Fra- gebögen an Münsteraner*innen ab 60 Jahre verschickt, am 09.10.2023 erfolgte die Erinnerung. Die Umfrage ist repräsentativ und basiert auf ein er Zufallsauswahl aus dem Melderegister der Stadt Münster. Als repräsentative Umfrage erlaubt die Befragung Aussagen über die Grundgesamtheit der wohnberechtigten Bevölkerung ab 60 Jahre auf gesamtstädtischer Ebene. Sozialamt Stadtplanungsamt Ihr/e Ansprechpartner/in im Sozialamt: Frau Stritzke Telefon: 492-5988 StritzkeK@stadt- muenster.de Ihr/e Ansprechpartner/in im Stadtplanungsamt: Frau Dr. Müller Frau Dr. Knausenberger Telefon: 492-6170 muellergrit@stadt- muenster.de - 2 - V/0164/2025 Die Umfrage wurde als Hybridbefragung umgesetzt, die den zu befragenden Bürger*innen zwei Opti- onen zur Teilnahme an der Befragung anbietet: 1) die Beantwortung der Befragung via Papierfrage- bogen oder 2) via Online-Befragung. Die Ergebnisse der Umfrage gehen in die laufenden Prozesse und Konzeptentwicklungen der Sozial- planung mit den Bereichen Pflegeplanung, Altenhilfeplanung sowie der altengerechten, inklusiven Quartiersentwicklung ein. Auch stehen sie selbstverständlich für weitere wissenschaftliche Auswer- tungen zur Verfügung. II. Themenschwerpunkte Folgende Themenschwerpunkte sind in die Umfrage „Pflege und Unterstützung im Alter“ integriert worden: a. Ansichten über die Organisation von Pflege und Unterstützung älterer Menschen Zuständigkeit für Pflege und Unterstützung älterer Personen Planbarkeit einer möglichen Pflegebedürftigkeit b. Bekanntheitsgrad und Nutzung von Angeboten Beratungsangebote Angebote für pflegebedürftige Personen Angebote zur Entlastung pflegender An - und Zugehöri- ger Angebote in der Nachbarschaft c. Personen mit Unterstützungsbedarf Unterstützungsnetzwerke Unterstützungsbedarf d. Pflegende An- und Zugehörige Die Gruppe der pflegenden An- und Zugehörigen Belastung durch familiäre Pflege e. Vorstellung von der eigenen pflegerischen Versorgung Beschäftigung mit der Mög lichkeit einer eigenen Pflegebedürftigkeit Wohnsituation Wichtige Faktoren für betreute Wohnformen Bedarf professioneller Unterstützung und Pflege f. Zusammenleben im Quartier Einsamkeit Bereitschaft zur Unterstützung III. Methodik der Umfrage Die Umfrage „Pflege und Unterstützung im Alter“ wurde vom 18.09.2023 bis zum 20.10.2023 durch- geführt. Die Personen, die zur Umfrage eingeladen wurden, wurden per Zufallsauswahl aus dem Melderegister ausgewählt. Teilnahmeberechtigt waren alle Bürgerinnen und Bürger, di e zum Zeit- punkt der Stichprobenziehung (21.08.2023) 60 Jahre und älter mit Hauptwohnsitz in Münster gemel- det waren. Nach Ausschluss von Personen, die in Institutionen wie Gefängnis oder Flüchtlingsunter- künften leben (eingeschlossen in die Umfrage sind Personen in Alten- und Pflegeheimen), wurden insgesamt 5.012 Bürgerinnen und Bürger zur Teilnahme an der Umfrage „Pflege und Unterstützung im Alter“ eingeladen. Da 64 Briefe unzustellbar waren, bestand die Stichprobe aus 4.948 Personen. Die Stichprobe entspricht damit 6,4 % der wohnberechtigten Bevölkerung ab 60 Jahren in der Stadt Münster. Die ausgewählten Bürger*innen haben zu Beginn der Umfrage „Pflege und Unterstützung im Alter“ einen Brief der Stadt mit einem persönlichen Anschreiben des Oberbürgermeisters, der Datenschut- zerklärung, einem Papierfragebogen, den Zugangsdaten zur Online -Teilnahme und einem freige- machten Rückantwortumschlag erhalten. Mit den Zugangsdaten konnte sichergestellt werden, dass - 3 - V/0164/2025 nur die ausgewählten Personen an der Umfrage teilnehmen konnten. Mit dem Ziel, den Rücklauf der Umfrage zu erhöhen, wurde nach 3 Wochen Laufzeit ein Erinnerungsschreiben, unterschrieben vom Oberbürgermeister, an alle ausgewählten Personen versendet. Um verspätete Eingänge von Frage- bögen zu berücksichtigen, gab es nach Beendigung der Feldphase eine vierwöchige Nachfrist, in der die Online-Befragung für die Befragten offengehalten wurde. Bis zum Ende der Umfrage „Pflege und Unterstützung im Alter“ haben 1.908 Personen den ausgefüll- ten Fragebogen zurückgeschickt bzw. online beantwortet. Das entspricht einer Rücklaufquote von 38,6 %. Von den 1.908 Teilnehmenden haben 1.542 bzw. 80,8 % den Papierfragebogen und 366 bzw. 19,2 % den Online-Fragebogen beantwortet. IV. Ergebnisse Die Ergebnisse der Umfrage „Pflege und Unt erstützung im Alter“ werden in einem gebündelten Er- gebnisbericht zu allen Themenbereichen der Umfrage zur Verfügung gestellt. Der Ergebnisbericht enthält die statistischen Auswertungen zu den einzelnen Themenschwerpunkten und weitere Informa- tionen zur Stichprobe (siehe Anlage 1). Detailergebnisse sind im Tabellensatz im Internet unter um- fragen.stadt-muenster bereitgestellt. Die zentralen Ergebnisse wurden gemeinsam mit Mitgliedern der Konferenz Alter und Pflege disku- tiert, die auch bereits in die Erarbeitung des Fragebogens eingebunden waren. Es folgt eine Zusam- menfassung der wesentlichen Erkenntnisse: a. Ansichten über die Organisation von Pflege und Unterstützung älterer Menschen Die überwiegende Mehrheit der Münsteraner*innen ab 60 Jahren stimmt der Aussage zu, dass Pflege eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, die ein Zusammenwirken von staatlichen Stellen, Dienst- leistern, Familien und Nachbarschaft erfordert (91,7 % stimmen voll und ganz zu bzw. stimmen eher zu). Dies macht deutlich, dass alle Akteure, die an Pflege und Unterstützung im Alter beteiligt sind, in den Fokus genommen werden sollten. b. Bekanntheitsgrad und Nutzung von Angeboten Die Befragung zeigt, dass einer Mehrheit der Münsteraner*innen insbesondere die Anlaufstellen des Gesundheitssystems bekannt sind, jedoch spezielle Beratungsstellen rund um das Thema Alter und Pflege sowie zu spezifischen Erkrankungen vielen Personen unbekannt sind. Dies betrifft auch die städtischen Angebote wie das Infobüro Pflege mit einem Bekanntheitsgrad von 32,8 % und die Wohnberatung mit 24,4 %. Die Gruppe der pflegebedürftigen Personen und deren An- und Zugehöri- gen sind insgesamt etwas besser über Beratungs- und Unterstützungsangebote informiert als Perso- nen, die aktuell keinen persönlichen Bezug zum Thema Pflege haben. Aber auch hier ist beispiels- weise der Bekanntheitsgrad der kommunalen Beratungsangebote mit 38,4 % (Infobüro Pflege) und 28 % (Wohnberatung) im Vergleich zu den Beratungsangeboten des Gesundheitssystems eher ge- ring. Im Gegensatz zu den klassischen Pflegeeinrichtungen und –diensten sind niedrigschwellige Unter- stützungsformen durch Alltags -/ und Nachbarschaftshelfer*innen noch wenig bekannt und werden auch selten genutzt. Bei den Gesprächskreisen der Pflegeselbsthilfe fällt auf, dass diese von einem besonders hohen Anteil an Personen genutzt werden, denen sie bekannt sind. Bei der Frage zur Bekanntheit und Nutzung von Angeboten in der Nachbarschaft wird deutlich, dass die Zielgruppe der Bevölkerung 60+ vorrangig Freizeitaktivitäten in Gemeinschaft wahrnimmt, die zum Großteil für alle Altersgruppen offen sind. Auch bei der Frage nach fehlenden Angeboten zeigt sich, dass Rahmenbedingungen gewünscht werden, die offe ne Treffen untereinander ermöglichen, unabhängig von konkreten Anmeldungen oder vorgegebenen Themen. - 4 - V/0164/2025 Aus den Befragungsergebnissen zum Bekanntheitsgrad und zur Nutzung von Angeboten ergibt sich der Bedarf, an vielen Stellen die Strategien der Öffentlichkeitsarbeit zu überprüfen und weiterzuentwi- ckeln sowie mögliche Zugangsbarrieren zu identifizieren. Ziel sollte es sein, dass insbesondere pfle- gende An- und Zugehörige umfassend über Beratungs- und/oder Unterstützungsangebote informiert sind und diese bedarf sgerecht gestaltet werden. Die bestehenden Angebote sind aktuell zu wenig präsent bzw. erreichen die Zielgruppe nicht. Wichtige Multiplikator*innen sind Akteure aus dem Gesundheitswesen, wie Arztpraxen, Apotheken und Pflege- und Krankenkassen. Die Erkenntnisse aus der Befragung werden bereits genutzt, um die städtische Öffentlichkeitsarbeit im Themenkomplex Pflege noch gezielter auszurichten. So wurde beispielsweise das Informationsmaterial zum „Marktplatz Ambulante Pflege Münster“ und auch zum Beratungsangebot des „Infobüros Pflege“ an die Münsteraner Hausarztpraxen und Apotheken ver- schickt. Außerdem werden aktuell mehrere Veranstaltungen geplant, u.a. in Kooperation mit dem Landesprogramm NRW „Vereinbarkeit Beruf & Pflege“, um die kommunalen Angebote weiter zu ver- breiten. Darüber hinaus können auch Personen als Mittler fungieren, die mit der Zielgruppe bereits vor einem beginnenden Unterstützungsbedarf in Kontakt stehen, z.B. über Angebote im Bereich Begegnung, Freizeit und Bildung. Schlussfolgernd ist es s innvoll, Treffpunkte und Begegnungsorte, die soziale Kontakte und Gemeinschaftsaktivitäten ermöglichen, zu stärken und bzgl. der Weitergabe von Infor- mationen gezielt zu adressieren. Zur Entlastung der professionellen Pflege ist es wichtig, Angebote der Alltags-/ und Nachbarschaftshelfer*innen in der Breite bekannt zu machen, den Zugang zu er- leichtern und diese Angebote weiter auszubauen. Im Rahmen der Strategieentwicklung zur „Altengerechten Stadt“ sollen perspektivisch - neben den bestehenden Angeboten der „Sozialarbeit im Stadtteil“, der „Altengerechten, inklusiven Quartiersent- wicklung“ und der „präventiven Hausbesuche“ - auch die Seniorenbegegnungsstätten und weitere Begegnungsangebote in Münster in den Blick genommen werden, die einen wesentlichen Beitrag zur Förderung der Teilhabe, des ehrenamtlichen Engagements und der informellen Unterstützung leisten. Diese Angebote gilt es noch stärker miteinander zu vernetzen und aufeinander zu beziehen. c. Personen mit Unterstützungsbedarf Ein Großteil der Personen mit Unterstützungsbedarf (78 %) erhalten die erforderlichen Hilfestellungen über familiäre Kontakte. 45,6 % geben an, dass sie Unterstützung durch bezahlte Helfer*innen erhal- ten und 14,5 % geben Freund*innen, Bekannte oder Nachbarschaft (14,5 %) an. Mehrfachnennungen waren möglich. Betrachtet man die befragten Personen hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Lage, fällt auf, dass Perso- nen, die ihre wirtschaftliche Lage als sehr gut oder eher gut einschätzen, besonders häufig aus- schließlich private Hilfe erhalten. Dieses Ergebnis überrascht zunächst und lässt vermuten, dass Per- sonen mit einer guten wirtschaftlichen Lage über bessere Ressourcen verfügen, um Unterstützung im privaten Umfeld zu mobilisieren. Mögliche Erklärungen könnten sein: belastbarere oder größe re in- formelle Netzwerke, bessere Zugänge zu Informationen oder aber auch die finanziellen Möglichkei- ten, um private Care -Arbeit zu leisten. Auf der anderen Seite könnten auch die Inanspruchnahme externer Hilfe und die damit verbundenen Kosten dazu führen, dass die wirtschaftliche Lage ange- spannter wird, sodass Personen, die externe Hilfe erhalten, seltener ihre wirtschaftliche Lage als gut oder sehr gut einschätzen. Aus der Gruppe der Personen, die einen aktuellen Unterstützungsbedarf angegeben haben, geben 63 % an, dass sie bereits einen Pflegegrad haben, 3,9 % haben einen Pflegegrad beantragt und 29,5 % haben noch keinen Antrag gestellt. Dadurch wird deutlich, dass erste Unterstützungs - und Hilfestellungen bereits vor der Feststellung eines Pflegegrades no twendig werden, insbesondere hauswirtschaftliche und organisatorische Hilfeleistungen. Es ist außerdem zu vermuten, dass viele Personen ihre Ansprüche nicht bekannt sind und darüber hinaus z.T. auch Hemmungen bestehen, einen Antrag bei der Pflegekasse zu stellen. - 5 - V/0164/2025 Rund jede vierte Person der Gruppe mit Unterstützungsbedarf gibt in der Befragung an, dass sie nicht genügend Unterstützung erhält. Dies gilt insbesondere im Bereich der niedrigschwelligen Angebote, wie hauswirtschaftliche Leistungen oder eine stun denweise Betreuung und Begleitung. Gleichzeitig wurde durch die Befragung deutlich, dass diese Angebote vielen Personen nicht bekannt sind (siehe Kapitel 2). Vor dem Hintergrund, dass die familiäre Unterstützung aufgrund demographischer Faktoren und hö- herer Mobilität perspektivisch rückläufig ist, muss sowohl die informelle Unterstützung durch Freund*innen, Bekannte oder Nachbarschaft und ehrenamtlich tätige Personen mehr an Bedeutung gewinnen als auch ein Ausbau der niedrigschwelligen Angebote erfolgen. E rforderlich ist auch eine Öffentlichkeitsarbeit, die Betroffenen den Zugang erleichtert. Hierzu werden bereits unterschiedliche Maßnahmen umgesetzt. So bringt zum Beispiel das Regio- nalbüro Alter, Pflege und Demenz aktuell die Themen „Entlastungs - und Unterstützungsangebote“ sowie „Nachbarschaftshilfen“ in die verschiedenen Arbeitskreise „Älter werden in…“ ein. Darüber hin- aus plant die Kommunale Seniorenvertretung in Kooperation mit dem Regionalbüro Alter, Pflege und Demenz sowie dem Sozialamt eine Veranstaltung für Bürger*innen zur häuslichen Versorgung. d. Pflegende An- und Zugehörige Rund jede fünfte befragte Person unterstützt regelmäßig eine andere Person im privaten Kontext. Die Unterstützung durch An- und Zugehörige umfasst in der Regel lange Zeiträu me. Die Durchschnitts- dauer einer Unterstützung oder Pflege der eigenen Eltern liegt bei 7 Jahren, bei Partner*innen bei 8 Jahren und bei Geschwistern und Kindern deutlich höher mit 11 bzw. 26 Jahren. In der Altersgruppe der 60 bis 69 -Jährigen und der über 80-Jährigen geben etwa 11 % an, dass sie mehrere Personen unterstützen, bei der Altersgruppe der 70 bis 79-Jährigen ist der Anteil mit 5,3 % geringer. Die Belastung durch die Pflege und Hilfe wird von 9,1 % als stark und von 32,3 % als eher stark ein- gestuft. 45,1 % geben eine eher geringe und 13,6 % keine Belastung an. Mit zunehmendem Alter und auch mit der Verschlechterung des eigenen Gesundheitszustands steigt die Belastung. Pflegende An- und Zugehörige wünschen sich insbesondere mehr finanzielle Hilfen, mehr Freizeit und Regenerati- onsmöglichkeiten sowie die Verfügbarkeit von pflegerischen und hauswirtschaftlichen Angeboten und eine stundenweise Unterstützung zuhause. Eine Stärkung der Gruppe der pflegenden An- und Zugehörigen ist wichtig, da diese einen wesentli- chen Beitrag zu Unterstützung und pflegerischen Versorgung von erkrankten Personen leisten. In Münster erhielten zum Stichtag 31.12.2023 rund 60 % der pflegebedürftigen Personen Unterstützung durch pflegende An- und Zugehörige (IT.NRW, Pflegestatistik, Stichtag 31.12.2023). Anbieter und Träger von Angeboten für pflegende An- und Zugehörige machen die Erfahrung, dass es aus den verschiedensten Gründen schwierig ist, diese Personengruppe zu erreichen. Der Arbeits- kreis Demenz, in dem auch das Sozialam t vertreten ist, plant auch in diesem Jahr zum Welt - Alzheimertag im September Angebote und Aktionen für Betroffene und ihre pflegenden An- und Zu- gehörigen. Ziel ist es, diese auf Beratungsstrukturen und Angebote im Stadtgebiet Münster aufmerk- sam zu machen. e. Vorstellung von der eigenen pflegerischen Versorgung Insgesamt haben sich 58,2 % der Münsteraner*innen ab 60 Jahre mit einer möglichen eigenen Pfle- gebedürftigkeit bereits beschäftigt. Es gibt Unterschiede zwischen Männern und Frauen, in den ver- schiedenen Altersgruppen sowie bei den Personen mit und ohne Erfahrungen im Bereich Pflege. Auf die Frage, ob der eigene Wohnraum geeignet ist, um dort auch mit Bewegungseinschränkungen und bei Pflegebedarf zu leben, antworteten rund 80 % mit „Ja“ bzw. „Ja, nach Umba umaßnahmen“. Auffällig ist, dass mit steigendem Alter auch der Anteil der Personen zunimmt, die ihre Wohnung für geeignet halten. - 6 - V/0164/2025 Gründe dafür könnten darin liegen, dass sich Menschen mit zunehmendem Alter bereits um eine ge- eignete Wohnung bemüht haben. Gleichzeitig ist es jedoch auch möglich, dass sich das subjektive Empfinden verändert. Bei einem Rückgang der eigenen Mobilität erhält die Wohnung und das ange- stammte Quartier ggf. einen höheren Stellenwert, so dass über Schwierigkeiten und Barrieren hin- weggesehen wird oder man sich damit arrangiert hat. Auf die Frage, was den befragten Personen b ei einer betreuten Wohnform besonders wichtig wäre, wurden insbesondere Bereiche als wichtig erachtet, die unter die Kategorie Selbstbestimmung und Mitbestimmung zusammengefasst werden können . Bei einem Vergleich der jüngsten Altersgruppe (60 bis 64 Jahre) mit der ältesten Altersgruppe (85 Jahre und älter) findet sich bei den jüngeren be- fragten Personen mehr Zustimmung zu den Aspekten der Kategorie Selbstbestimmung u nd Mitbe- stimmung, wohingegen den älteren befragten Personen wichtiger ist, dass sie in derselben Nachbar- schaft verbleiben, die Wege zu An- und Zugehörigen kurz sind und dass sie bis zum Lebensende in der neuen Wohnform verbleiben können. Offen bleibt, ob s ich die Einstellung zwischen den Generationen unterscheiden oder ob die Priorisie- rung der Kategorien sich im Verlauf des Lebens verändert. Schlussfolgend kann man jedoch davon ausgehen, dass sich A ngebote insgesamt auf eine größer werdende Bandbreite an Interessen, All- tagsroutinen und Lebensweisen der zukünftigen Bewohner*innen einstellen muss. Auf die Frage, ob die befragten Personen im Falle der eigenen Pflegebedürftigkeit jemanden hätten, der die pflegerische Versorgung für sie übernehmen könnte, bestätigten dies 41 % der Frauen und 64,8 % der Männer. Bei der Betrachtung der Antworten nach dem Familienstand wird deutlich, dass insbesondere verheiratete und in Partnerschaft lebende Personen sich auf ein bestehendes Netzwerk an Unterstützung verlassen, während ledige Personen nur zu 20,8 % angeben, dass sie jemanden haben, der die Pflege übernehmen könnte. Auf Basis dieser Ergebnisse ist zu erwarten, dass perspektivisch immer mehr Personen Alltagsunter- stützung, Betreuung und pflegerische Versorgung über professionelle Dienstleister in Anspruch neh- men müssen. Insbesondere die Gruppe der ledigen Personen ohne eigene Kinder stehen vor beson- deren Herausforderungen beim Aufbau von Unterstützungsnetzwerken und sind voraussichtlich häu- figer auf professionelle Pflege angewiesen. Dieses Ergebnis bestärkt die Sozialplanung darin, die Pflegeplanung, Altenhilfeplanung und die al- tengerecht, inklusive Quartiersentwicklung noch weiter zusammenzudenken und zu verzahnen. Ins- besondere Begegnungen, Freizeitaktivitäten und ehrenamtliches Engagement tragen dazu bei, dass Personen ein stabiles Netzwerk und Kontakt aufbauen können, um bei Bedarf Informationen zu erfra- gen und eine Unterstützung für sich und An- und Zugehörige individuell zu organisieren. f. Zusammenleben im Quartier Unter der Kategorie „Zusammenleben im Quartier“ wurden unter anderem drei Fragen gestellt, die eine Auswertung zum Thema Einsamkeit ermöglichen. Demnach sind 5,6 % der Bevölkerung ab 60 Jahre manchmal bis oft von Einsamkeit betroffen. Es gibt deutliche Unterschiede innerhalb der ver- schiedenen Bevölkerungsgruppen. Der Umstand, einen Pflege- und Unterstützungsbedarf zu haben, zeigt deutliche Auswirkungen. 17,5 % der Personen dieser Gruppe geben an, manchmal bis oft ein- sam zu sein. Innerhalb eines Quartiers oder eines Sozialraumes sind für viele Menschen Angebote wichtig, die Begegnung mit anderen ermöglichen und gemeinschaftliche Erlebnisse, sowie den Austausch unter- einander fördern. Durch die Ergebnisse wird deutlich bzw. bestätigt, dass insbesondere Personen mit Pflege- und Unterstützungsbedarf dieser Zugang jedoch fehlt. Menschen mit Pflegebedarf benötigen neben Akzeptanz und empathischen Kontakten auch Teilhabemöglichkeiten. Die Sichtbarkeit dieser Personengruppe innerhalb der Gesellschaft sollte ausgebaut und die Angebote bzw. die Zugänge zu bestehenden Angeboten verbessert werden. Denkbar sind auch mehr aufsuchende Angebote für die- se besondere Zielgruppe. - 7 - V/0164/2025 Auf die Frage nach der Bereitschaft zur Unterstützung der Zielgruppe mit Unterstützungsbedarf ga- ben insgesamt 56,8 % der Münsteraner*innen ab 60 Jahre an, dass sie entweder bereit wären, ihr Engagement zu verstärken und/oder ein ehrenamtliches Engagement oder einen Minijob zur Unter- stützung der Zielgruppe aufzunehmen oder dies jeweils noch offen zu halten. Es gibt schlussfolgernd eine enorme Bereitschaft, sich im Ehrenamt oder durch eine geringfügige Beschäftigung (z.B. Mi- nijob) für die Zielgruppe der Menschen mit Unterstützungsbedarf zu engagieren. Besonders vor dem Hintergrund der sich verändernden Alt ersstruktur in der Gesellschaft und des bereits bestehenden Arbeitskräftemangels, sollte dieses Potenzial genutzt werden. Mit der Freiwilligenagentur Münster ist ein Austausch zu den Ergebnissen der Umfrage „Pflege und Unterstützung im Alter“ geplant, um hier- zu bereits bestehende Handlungsansätze zu eruieren und ggf. auszubauen. V. Fazit Durch die Umfrage „Pflege und Unterstützung im Alter“ liegen nun erstmals detaillierte Erkenntnisse darüber vor, wie die Münsteranerinnen und Münsteraner ab 60 Jahren auf ihre aktuelle Situation und die weitere Perspektive schauen - ob als pflegende, als selbst pflegebedürftige oder bislang noch überhaupt nicht mit dem Thema befasste Person. Die Befragungsergebnisse bieten eine wertvolle Grundlage für die weitere Ausgestaltung der kommunalen Altenhilfe- und Pflegeplanung sowie die Strategieentwicklung im Kontext des Projektes „Altersfreundliche Stadt Münster“ und die altengerech- te, inklusive Quartiersentwicklung; sie sollen selbstverständlich aber auch für die Arbeit aller anderen Akteure im Feld der Altenhilfe und Pflege sowie die wissenschaftlichen Einrichtungen nutzbar sein. Angesichts der gewaltigen gesellschaftlichen Herausforderungen wird es darauf ankommen, insbe- sondere die pflegenden An- und Zugehörigen zu stärken, die informellen und niedrigschwelligen Un- terstützungsstrukturen auszubauen sowie die professionellen pflegerischen Hilfen passgenauer zu gestalten. Die Befragungsergebnisse geben hier wertvolle Hinweise, an welchen Stellen noch Ange- bote fehlen oder diese auch einfach nur nicht ausreichend bekannt sind. Hier gilt es neben den Hilfe- und Unterstützungsbedarfen auch die Ressourcen und Potentiale der Menschen ab 60 Jahren in den Blick zu nehmen, die eine hohe Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement mitbringen. Die Verwaltung wird insofern zu den verschiedenen Bedarfen, die sich aus der Umfrage ergeben ha- ben, im Rahmen ihrer täglichen Arbeit Lösungen erarbeiten und hierüber im Zuge der regelmäßigen Berichterstattung weiter informieren. In Vertretung gez. Cornelia Wilkens Stadträtin Anlagen: Anlage A Anlage 1: Umfrage „Pflege und Unterstützung im Alter“ 2023 - Bericht
Beratungsverlauf (5)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
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Details
- Aktenzeichen
- V/0164/2025
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 02.05.2025
- Erstellt
- 25.03.2025 11:15