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Kompetenzzentrum Frau und Beruf Region Köln (Competentia NRW) – Abschlussbericht zur dritten Förderphase und mögliche Anschlussperspektive

Mitteilung Ausschuss 0723/2023 vom 03.03.2023

Stand: Am 20.04.2023 im Wirtschaftsausschuss beraten. Ergebnis: Kenntnis genommen.

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    Dezernat, Dienststelle V/50/505 Vorlagen-Nummer 03.03.2023 0723/2023 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss für die Gleichstellung von Frauen und Männern 20.03.2023 Ausschuss für Soziales, Seniorinnen und Senioren 20.04.2023 Wirtschaftsausschuss 20.04.2023 Kompetenzzentrum Frau und Beruf Region Köln (Competentia NRW) – Abschlussbericht zur dritten Förderphase vom 01.09.2018 bis 31.10.2022 und mögliche Anschlussperspektive Als Anlage zu dieser Mitteilung legt die Verwaltung den Abschlussbericht zur dritten Förder- phase des Kompetenzzentrums Frau & Beruf Region Köln vor. Das Kompetenzzentrum Frau & Beruf Region Köln wurde zwischen dem 01.09.2018 und dem 31.10.2022 im Rahmen der Landesinitiative „Frau und Wirtschaft“ des Ministeriums für Hei- mat, Kommunales, Bau und Gleichstellung (MHKBG NRW) des Landes Nordrhein-Westfalen aus Mitteln des Landes NRW und der Europäischen Union (EFRE) mit einer Förderquote von 90 Prozent der förderfähigen Ausgaben gefördert. Der Eigenanteil der Stadt Köln lag somit bei 10 Prozent. Die Trägerschaft für das Kompetenzzentrum Frau und Beruf Region Köln liegt bei der kom- munalen Arbeitsmarktförderung der Stadt Köln, das Projekt wurde in der gesamten Region Köln durchgeführt. Die Region umfasst neben den kreisfreien Städten Köln und Leverkusen auch den Rhein-Erft-Kreis, den Rheinisch-Bergischen Kreis sowie den Oberbergischen Kreis. In der dritten Förderphase bestand zudem eine enge Kooperation mit finanzieller Beteiligung der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Köln und dem Oberbergischen Kreis. Wie sich aus dem beigefügten Bericht ergibt, wurden - gemeinsam mit den regionalen Partne- rinnen und Partnern aus Wirtschaft, Gleichstellung und des Arbeitsmarktes - insbesondere Informationen und Konzepte einer frauenfördernden Personalpolitik zur Gewinnung und Bin- dung von weiblichen Fach- und Führungskräften entwickelt und mit öffentlichkeitswirksamen Kommunikationsmaßnahmen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zur Verfügung ge- stellt. Die weiteren Einzelheiten sind dem Bericht zu entnehmen. Zum aktuellen Stand der Förderung des Kompetenzzentrums Frau und Beruf Region Köln ist zu ergänzen, dass in der neuen Legislaturperiode des Landtags die Zuständigkeit in das Mi- nisterium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration (MKJFGFI NRW) gewechselt ist. Das Land hat über eine Anschlussförderung für den Zeitraum 01.11.2022 bis zum 30.11.2023 ermöglicht, dass das Kompetenzzentrum Frau & Beruf Region Köln seine Arbeit mit den etablierten Projekten und bewährten Partner*innen friktionslos fortsetzen kann. Diese Anschlussfinanzierung wird dabei nicht mehr aus EFRE-Mitteln kofinanziert, sondern zu 2 90 Prozent aus Mitteln des Landes Nordrhein-Westfalen getragen. Der Eigenanteil der Stadt Köln beläuft sich unverändert auf 10 Prozent. Zu einer möglichen Anschlussperspektive ab 01.12.2023 liegen der Verwaltung noch keine verbindlichen Aussagen des Landesministeriums vor. Aufgrund der öffentlich einsehbaren parlamentarischen Information lassen sich zum gegenwärtigen Stand folgende Aussagen tref- fen: Zur 1. Sitzung des Ausschusses für Gleichstellung und Frauen des Landtags NRW vom 22.09.2022 hat das Ministerium in der Vorlage 18/123 ausgeführt, dass für eine neue, mehr- jährige Projektförderung ab dem 01.12.2023 ein neues förderrechtliches Verfahren notwendig wird. Entsprechende Vorbereitungen würden gerade vom Ministerium für Kinder, Jugend, Fa- milie, Gleichstellung, Flucht und Integration getroffen. Über die Weiterentwicklung werde fort- laufend berichtet. Zum Haushaltsgesetz 2023 hat das Ministerium zudem in der Vorlage 18/410 am 10.11.2022 mitgeteilt, dass nach der jetzt erreichten Anschlussförderung dieses Angebot gemeinsam mit den Akteurinnen und Akteuren weiterentwickelt und zukunftsfähig gemacht werden soll. Das Angebot soll dabei mit den notwendigen Fördermitteln ab dem Jahr 2023 ausgestattet werden - insbesondere in Form zusätzlicher Verpflichtungsermächtigungen mit Wirksamkeit in den Folgejahren. Schließlich hat das Ministerium zur Sitzung des Ausschusses für Gleichstellung und Frauen des Landtags NRW am 09.02.2023 mit der Vorlage 18/817 einen schriftlichen Bericht zum Thema „Arbeitsplanungen der Landesregierung für das Jahr 2023 für den Arbeitsbereich „Gleichstellung, Frauen und Queerpolitik“ vorgelegt. Die weitere Förderung der Kompetenz- zentren Frau und Beruf wird dabei als ein gleichstellungspolitischer Arbeitsschwerpunkt für das Jahr 2023 ausdrücklich erwähnt. Die Verwaltung wird fortlaufend berichten, sofern sich eine erneute Landesförderung in den nächsten Monaten konkretisieren sollte. Gez. Rau
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    1 Abschlussbericht Kompetenzzentrum Frau & Beruf Region Köln 3. Förderphase vom 01.09.2018 bis 31.10.2022 2 Impressum / Kontakt Stadt Köln Die Oberbürgermeisterin Dezernat Soziales, Gesundheit und Wohnen Amt für Soziales, Arbeit und Senioren Kompetenzzentrum Frau & Beruf Region Köln Hohe Str. 160 – 168 50667 Köln Telefon: 0221/355065-0 E-Mail: competentia@stadt-koeln.de www.fubrk.de Verfasserinnen: Agnes Wojtacki, Dorothee Mennicken, Ulrike Goldbach Redaktion und Layout: Dorothee Mennicken 3 Inhalt 1. Einführung ................................ ................................ ................................ .............................. 4 2. Zielsetzung ................................ ................................ ................................ ............................. 5 3. Betriebliche Rekrutierungsstrategien zur Gewinnung von Frauen................................ ........... 5 3.1. Veranstaltungen ................................ ................................ ................................ ............... 5 3.2 Einzelfallbezogene Unterstützung von KMU zur Rekrutierung von Frauen....................... 9 4. Gleichstellungs- und lebensphasenorientierte betriebliche Frauenförderung .........................10 4.1. Fachveranstaltungen ................................ ................................ ................................ ......10 4.2 WebApp zur gleichstellungs- und lebensphasenorientierten Frauenförderung .................16 4.3 Good Practice ................................ ................................ ................................ ..................17 5. Unternehmensnetzwerk mit KMU mit Migrationsgeschichte ................................ ..................18 5.1. Informationsveranstaltungen ................................ ................................ ...........................18 5.2. Netzwerktreffen ................................ ................................ ................................ ...............21 5.3. Informationsseiten für Unternehmen mit Migrationsgeschichte ................................ .......22 6. Mentegra - Mentoring zur beruflichen Integration qualifizierter geflüchteter Frauen ...............23 6.1. Das Mentoring ................................ ................................ ................................ ................23 6.2. Weitere Akteur*innen ................................ ................................ ................................ ......24 6.3. Begleitende Veranstaltungen ................................ ................................ ..........................25 6.4. Ausblick und Transfer ................................ ................................ ................................ .....28 7. Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit ................................ ................................ .......................29 8. Fazit ................................ ................................ ................................ ................................ ......30 4 1. Einführung Das Kompetenzzentrum Frau & Beruf Region Köln (Competentia Region Köln) ist seit 2012 für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in den Städten Köln und Leverkusen sowie im Oberber- gischen Kreis, Rheinisch-Bergischen Kreis und im Rhein -Erft Kreis tätig. Gemeinsam mit regio- nalen Partner*innen aus Wirtschaft, Bildung, Gleichstellung und Arbeitsmarkt lenkt das Kompe- tenzzentrum mit seiner Arbeit die Aufmerksamkeit von kleinen und mittleren Unternehmen über Möglichkeiten zur Gewinnung und langfristigen Bindung weiblicher Fachkräfte. Auf dieses noch zu hebende Fach- und Führungskräftereservoir und die Chancen, die darin liegen, das Erwerbs- potenzial von Frauen besser zu nutzen. Durchgeführt wurden die Angebote in Trägerschaft der Stadt Köln sowie in Kooperation mit der Industrie- und Handelskammer zu Köln (IHK Köln) und dem Oberbergischen Kreis. Für den Förderzeitraum vom 1. September 2018 bis 31.Oktober 2022 wurde wie bereits in den ersten beiden Förderphasen, das Kompetenzzentrum Frau & Beruf Region Köln im Rahmen der Landesinitiative „Frau und Wirtschaft“ des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleich- stellung des Landes Nordrhein -Westfalen mit Mitteln des Landes NRW und des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) zu 90 Prozent gefördert. Nach den Wahlen in NRW übernahm das Landesministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integra- tion die Zuständigkeit für die Kompetenzzentren Frau & Beruf. Der Eigenanteil von zehn Prozent wurde getragen von der Stadt Köln, der IHK Köln und dem Oberbergischen Kreis (Beschluss des Rates vom 27. September 2018). Begleitet wurde das Kompetenzzentrum Frau & Beruf Region Köln von einem Fachbeirat mit relevanten gleichstellungs-, arbeitsmarkt- und wirtschaftspolitischen Institutionen sowie Gebiets- körperschaften. Im Einzelnen setzt er sich wie folgt zusammen: ■ Die Gleichstellungsbeauftragten der fünf Gebietskörperschaften ■ Koordinatorinnen von Netzwerk W der Teilregionen Köln, Leverkusen, Rhein-Erft-Kreis, Ober- bergischer Kreis und Rheinisch-Bergischer Kreis ■ Wirtschaftsförderungsgesellschaften der fünf Gebietskörperschaften ■ ARBEITGEBER Köln e. V. ■ DGB Region Köln – Bonn ■ Industrie- und Handelskammer zu Köln ■ Handwerkskammer zu Köln ■ die Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt (BCA) der drei Agenturen für Arbeit und der fünf Jobcenter in der Region. Die Mitglieder des Beirats berieten mit ihrer jeweiligen Expertise und unterstützten die Arbeit des Kompetenzzentrums, indem sie in ihre Institutionen und Unternehmen als Multiplikator*innen hin- einwirkten. 5 2. Zielsetzung Mit der Initiative „Frau und Wirtschaft“ des Landes NRW wird das übergeordnete Ziel der berufli- chen Chancengleichheit von Frauen und Männern verfolgt. Dabei besteht die Verbesserung der Rahmenbedingungen durch familien- und frauenfördernde Maßnahmen in und durch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) im Mit telpunkt. Zugleich soll somit die Wettbewerbsfähigkeit von KMU gestärkt und dem Fachkräftemangel durch Erschließung des Fachkräftepotentials von Frauen entgegen gewirkt werden. Vor diesem Hintergrund wurde die Stadt Köln mit dem Zuwendungsbescheid vom 30. Oktober 2018 beauftragt, mit dem Kompetenzzentrum Frau & Beruf Region Köln KMU in der Region Köln zu folgenden Themenschwerpunkten aufzuschließen und zu sensibilisieren: ■ Betriebliche Rekrutierungsstrategien zur Gewinnung von Frauen ■ Gleichstellungs- und lebensphasenorientierte betriebliche Frauenförderung ■ Unternehmensnetzwerk mit KMU mit Migrationsgeschichte ■ Mentoring zur beruflichen Integration qualifizierter geflüchteter Frauen 3. Betriebliche Rekrutierungsstrategien zur Gewinnung von Frauen 3.1. Veranstaltungen Zur Unterstützung und Vernetzung der Unternehmen unter einander sowie für die Rekrutierung weiblicher Fachkräfte wurden drei Workshops mit verschiedenen Kooperationspartner*innen für die Branchen Handwerk und Gesundheitswesen durchgeführt. Aufgrund der Covid-19-Pandemie haben zwei der Workshops online und einer als Veranstaltung vor Ort im Oberbergischen Kreis stattgefunden: Workshop: Arbeitgeberattraktivität – Mit familienbewusster Personalpolitik Fach- kräfte finden und binden (Handwerk) Per Zoom schalteten sich am späten Nachmit- tag des 24. November 2020 insgesamt zwölf Teilnehmende zusammen, um sich digital im Onlineseminar des Kompetenzzentrums Frau & Beruf Region Köln und der Wirtschaftsförde- rung Oberbergischer Kreis für kleine und mitt- lere Betriebe aus dem Handwerk auszutau- schen. 6 Zwei Themen standen im Mittelpunkt des Inputs von Henning Stroers vom Forschungszentrum Familienfreundliche Personalpolitik:  Was macht mich als Arbeitgeber*in attraktiv, um weibliche Fachkräfte zu finden?  Welche Instrumente der familienfreundlichen Personalpolitik machen mich als Arbeitge- ber*in attraktiv, um weibliche Fachkräfte zu binden? Viele Aspekte zu beiden Themen wurden angesprochen, etwa die Notwendigkeit, sich digital dar- zustellen mit einer aussagekräftigen Website und auf den Social-Media-Kanälen, weil man sonst für die jüngeren Fachkräfte praktisch gar nicht vorhanden ist. Oder die zahlreichen Möglichkeiten familienfreundlicher Arbeitszeitorganisation und die hohe Bedeutung von Kommunikation und Di- alog zwischen Unternehmer*in und Belegschaft. Bestätigung aus der Praxis brachte das Beispiel der Metzgerei Kleinjung aus Engelskirchen - Wallefeld. Inhaber Holger Kleinjung erläuterte, wie sich sein Betrieb mit einem Mix aus gutem Arbeitsklima, interessanten und modernen Arbeitsplätzen und seinem Expertenstatus für regio- nale Produkte einen ausgezeichneten Ruf als Arbeitgeber erworben hat, was sowohl auf der In- ternetseite als auch in Social-Media Kanälen vermarket wird. „Bei uns gibt es flache Hierarchien, wir sind locker im Umgang und die Arbeit ist durch Maschinen leichter geworden. Außerdem ha- ben unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter täglich interessante Erlebnisse durch unseren Cate- ring-Service“, beschrieb der Metzgermeister die Attraktivität seines Betriebes. Sowohl am begleitenden Chat als auch an Umfragen und am Austausch nach dem Input beteilig- ten sich die Teilnehmer*innen lebhaft und teilten Ideen für die Mitarbeiter*innenbindung, wie etwa die Anschaffung von E-Bikes als Alternative zum Auto für kürzere Arbeitswege. Workshop: Fachkräfte finden und binden – Mit neuen Ideen durch die Krise (Handwerk) 34 Teilnehmende, darunter zahlreiche Hand- werksbetriebe, hatten sich am 27. Januar 2021 für zwei Stunden vor den Bildschirmen zusam- mengefunden, um sich zum Thema "Fachkräfte finden und halten - Mit neuen Ideen durch die Krise" zu informieren und auszutausch en. Ge- meinsam mit der Agentur für Arbeit Köln, dem Handwerkerinnenhaus Köln und dem Kompe- tenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) hatte Competentia Region Köln zu diesem Online-Seminar eingeladen. Im Mittelpunkt der Veran- staltung stand die zentrale Frage: Was macht ein kleines oder mittleres Handwerksunternehmen für Frauen attraktiv. Zunächst konnten die Teilnehmer*innen zwischen zwei Workshops in zwei 7 verschiedenen digitalen Räumen entscheiden. Im ersten Workshop wurde das Thema „Employer Branding – Aufbau, Pflege und Stärkung der Arbeitgebermarke“ durch zwei interessante Inputs beleuchtet. Zusana Blazek von KOFA erläuterte die Notwendigkeit des Perspektivwechsels bei den Arbeitgeber*innen. Es sei heute unabdingbar, mit attraktiven Arbeitsbedingungen potenzielle Fachkräfte und Auszubildende zu überzeugen. Stefanie Pörschke vom Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Köln erläuterte die Möglic hkeiten für die Arbeitgeber*innen, die Arbeitsplätze durch Angebote der betrieblichen Weiterbildung attraktiver zu gestalten. Sie plädierte dafür, das Augenmerk auf Assistenzkräfte zu lenken, weil diese oft weniger eigeninitiativ Weiterbildungs- maßnahmen nachfragten als Fachkräfte. Im zweiten Workshop zum Thema „Genderkompetenz – Gestaltung des Betrie bsklimas“ be- schrieb Hanna Kunas vom Handwerkerinnenhaus Köln den großen Einfluss, den Geschlechter- rollen immer noch auf Berufs- und Lebensplanung hätten. Mit einem vorurteilsfreien Blickwinkel, einer geschlechtsneutralen Kommunikation und der Stärkung von Frauen, in dem man Diskrimi- nierung entgegentritt, können Handwerksbetriebe Frauen als Fachkräfte gewinnen und halten. Aussagekräftige Good-Practice-Beispiele Danach zeigten drei Good-Practice-Beispiele anschau- lich, welche Möglichkeiten zu einer erfolgreichen Wahr- nehmung als attraktive Arbeitgebe r*innen führen kön- nen. Laura Günth er vom Elektrohaus Günther appel- lierte an die Handwerksbetriebe, selbst auszubilden und dabei auch in Nischen zu suchen, etwa bei älteren Men- schen mit ungewöhnlichen Arbeitsbiographien oder jun- gen Studienabbrecher*innen. Manfred Kals von der Tischlerei Manufact sieht in einer gemischten Belegschaft Vorteile für die Arbeit: „Jede und jeder hat seine spezifischen Qualitäten“. Ein „Gleichbügeln“ komme für ihn nicht in Frage. Er ist der Meinung, die Unterschiede zwischen Männern und Frauen sollten gelebt und geschätzt werden. Martin Soell von Sanitherm berichtete, dass sein Unternehmen seit drei Jahren auch Frauen aus- bildet und die Arbeitsatmosphäre dadurch angenehmer geworden sei. Für die wirklich körperlich schweren Arbeiten könnten sie im Betrieb sehr gut Unterstützung organisieren. In der anschließenden Diskussion berichteten Arbeitgeber*innen von ihren Erfahrungen. So plä- dierte beispielweise Hanno Kraus von der Wiehler Bäckerei Kraus vor allem für das „Umdenken in den Köpfen“. Das sei wichtiger als Plakate und andere Werbung. Torsten Klumpe, der ein Elektro- und Sanitärunternehmen leitet, findet es schwer, Frauen als Fachkräfte zu finden, sagte aber auch, dass es für jedes Problem in seinem Gewerk eine Lösung gäbe. Tanja Sonnenschein sprach sich dafür aus, Frauen darauf vorzubereiten, was sie im Job erwartet. So ist eine Arbeit im Malergewerbe mit körperlicher Belastung verbunden und mit einer häufig rauen Ansprache auf den Baustellen. Dem könne man aber „mit toughen Sprüchen kontern als Frau“, so Sonnenschein. 8 Workshop: Modernes Recruiting im Gesundheitswesen – Digitales Marketing und Social-Media-Kanäle nutzen In den Räumen der Akademie Gesundheitswirtschaft und Senioren (AGewiS) in Gummersbach kamen 29 Teilneh- mer*innen am 27. Oktober 2021 zusammen, um mo- derne Rekrutierungsstrategien im Gesundheitswesen zu erarbeiten und zu diskutieren. Das Kompetenzzentrum Frau & Beruf Region Köln und die Wirtschaftsförderung Oberbergischer Kreis hatten zu diesem Workshop einge- laden, der zur Freude aller in Präsenz stattfinden konnte. Ein lebendiger Input der Pflegewissenschaftlerin Anja Pa- lesch warf einen Blick auf die speziellen Bedürfnisse der verschiedenen Zielgruppen im Recruiting. Außerdem erläuterte sie, wie wichtig es gerade im Ge- sundheitswesen ist, dass man potenzielle Mitarbeiter*innen und auch vorhandene Mitarbeiter*in- nen nicht nur auf der Sachebene, sondern auch auf der Beziehungsebene erreicht. „Niemand arbeitet in der Pflege wegen des Geldes“, brachte sie es schließlich auf den Punkt. Christina Albinus, Expertin für Social Media schloss daran an und beleuchtete die wichtigsten Kanäle für das Recruiting. Sie betonte die Wichtigkeit von Authentizität bei den Postings, ermu- tigte zum Ausprobieren und wies auf hilfreiche Apps zur Planung, zum Erzeugen von Grafiken oder zum Schneiden von Videos hin. Input und Ideenparcours machten Mut zum Ausprobieren Im zweiten Teil der Veranstaltung ging es dann in den Ideenparcours mit drei Stationen zu den Themen „Was macht mein Unternehmen attraktiv“ mit Andrea Krause und Nicole Meyer von der AGewiS, „Wie präsentiere ich mein Unternehmen“ mit Christina Albinus und „Wie werden Be- schäftigte zu Botschafter*innen“ mit Anja Palesch. Alle Teilnehmer*innen hatten die Möglichkeit, die drei Stationen zu durchlaufen und gemeinsam mit den Referentinnen Ideen zu entwickeln. Eine rege Beteiligung kennzeichnete die Atmosphäre, in der konstruktiv und zugewandt miteinander gearbeitet, diskutiert und Ideen entwickelt wurden. Marketingexpertin Christina Albinus stellte die wich- tigsten Social-Me- dia-Kanäle zurzeit vor. Pflegewissen- schaftlerin Anja Palesch erläuterte mögliche Benefits für Mitarbeiter*in- nen. Nurcan Gottschalk von Competentia Region Köln er- öffnet den Workshop. Fotos: Phillip Ising 9 Manche stellten fest, dass sie schon viele der vorgestellten Ideen umgesetzt haben, dies aber nicht nach außen hin kommunizieren, also auch nicht von potenziellen Mitarbeiter*innen wahrge- nommen werden können. Andere fassten den Mut, mit kleinen Aktionen wie Kurz interviews, Vi- deostatements von Mitarbeiter*innen oder der Vorstellung von Auszubildenden auf Social-Media- Kanälen zu starten. Nach etwa eineinhalb Stunden gemeinsa- men Arbeitens ging es zurück ins Plenum. Hier wurden die Ergeb- nisse von den Mode- ratorinnen kurz zu- sammengefasst. Bei der Frage, wer denn nun bereit ist, mit Social Media zu starten, gingen viele Hände in die Höhe. Eine Teilnehmerin äußerte sich so: „Wir haben viele nützliche Anregungen bekommen. So fand ich den Hinweis auf die Möglichkeit, Social-Media-Posts zu planen, damit man sich nicht täglich kümmern muss, sehr hilfreich ebenso wie die Ideen zur Themenfindung“. 3.2 Einzelfallbezogene Unterstützung von KMU zur Rekrutierung von Frauen Sieben kleine und mittlere Unternehmen wurden indiv iduell un- terstützt mit Hinweisen zu ihrer Karriereseite im Internet, der For- mulierung von St ellenanzeigen und Social -Media-Aktivitäten o- der der Darstellung von Familienfreundlichkeit des Unterneh- mens als Rekrutierungsinstrument. Hierbei handelte es sich um Ambulante Pflegedienste, eine Optikerin, ein Unternehmen für Türsysteme, ein IT-Unternehmen und eine Möbelschreinerei. Sie wurden als kurze Interviews als Good-Practice-Beispiele auf der Competentia-Website und im Infobrief dargestellt. Außerdem wurden in der ersten Phase der Pandemie einige kleine und mittlere Unternehmen , darunter mehrere Gastrono- miebetriebe, ein Schreibwarengeschäft und eine Kreativagentur im Hinblick auf staatliche Unter- stützungsleistungen oder Informationsmöglichkeiten informiert. Ein Beispiel davon wurde eben- falls in einem Kurzinterview auf der Website und im Infobrief des Kompetenzzentrums veröffent- licht. Nicole Breidenbach (Wirtschaftsförderung OBK (l) und Ulrike Goldbach (Competentia Region Köln) fassen die Ergebnisse zusammen. Bei Nicole Meyer und Andrea Krause von der AGewiS drehte sich alles um die Ei- genschaften, die ein Unternehmen im Ge- sundheitswesen attraktiv machen. 10 4. Gleichstellungs- und lebensphasenorientierte betriebliche Frauen- förderung 4.1. Fachveranstaltungen Um die lebensphasenorientierte Personalpolitik für kleine und mittlere Unternehmen anhand von Good-Practice-Beispielen erfahrbar zu machen und durch Expert*innen -Input neue Anstöße zu geben, wurden im Projektzeitraum vier größere Informationsveranstaltungen durchgeführt, die je- weils das für die Kompetenzzentren Frau &Beruf in NRW herausgegebene Jahresmotto des Lan- desministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung berücksichtigten. Fachveranstaltung: Frauen fördern durch Fort- und Weiterbildung Auf großes Interesse stieß die Informationsveranstaltung „Frauen fördern durch Fort- und Weiterbil- dung“ für kleine und mittlere Unternehmen des Kompe- tenzzentrums Frau & Beruf Region Köln am 22. Januar 2019 im Forum Volkshochsc hule/Rautenstrauch-Joest- Museum in Kooperation mit der Qualitätsgemeinschaft Berufliche Bildung Köln e.V. „Ich rate Unternehme n, ihre Flexibilität zu erhöhen, so- wohl was die Arbeitszeiten angeht als auch die Weiter- bildungsangebote. Dann gewinnen sie leichter Frauen als motivierte Mitarbeiterinnen und qualifizierte Fach- kräfte“, erläuterte Johannes Klapper, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Köln, im Begrü- ßungstalk der Veranstaltung. Im Mittelpunkt stand die Frage: Wie können kleine und mittlere Unternehmen die berufliche Fort- und Weiterbildung insbesondere von Frauen fördern, um qualifiziertes Personal zu gewinnen und zu halten? Nach einem Einführungsvortrag der Expertin Sybille Stippler vom Institut der Deutschen Wirtschaft , stießen die informativen Gesprächsrunden mit Vertreter*innen aus Unternehmen, Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer und Re- gionalagentur auf großes Interesse. Lebensumstände der Mitarbeitenden im Blick haben Eindrücklich schilderte dann Ayse Tomris, Mitglied der Geschäftsleitung bei Steintex KG aus Wer- melskirchen, die Faktoren, mit denen ihr Unternehmen um Frauen wirbt. Wichtig seien vor allem Betriebsklima und gute Rahmenbedingungen. So gibt es bei Steintex zum Beispiel einen Gesprächs- v.l.n.r.: Johannes Klapper, Gabriele Unützer, Vorstand der Qualitätsgemeinschaft Berufliche Bildung Köln e.V., Sabine Brinkmann, Competentia Region Köln und Mo- deratorin Dr. Isabell Lisberg-Haag Fotos: Competentia Region Köln/M. Dierks 11 kreis, in dem sich nur die Frauen des Betriebs über anstehende Probleme, etwa der Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder Weiterbildun gsbedarfe, austauschen. Außerdem sei es häufig sinn- voll, dass die Unternehmensleitung Frauen ermutige, sich zu trauen, Weiterbildungen anzugehen und auch die Anzahl der Arbeitsstunden zu erhöhen. Stefan Peck, Geschäftsführer der M. Zilken GmbH aus Köln, plädierte an Unternehmerinnen und Unternehmer, Interesse am versteckten Po- tenzial vieler Frauen zu haben. So seien etwa die Ausbildung bisher nicht ausgebildeter Frauen oder die Wei terbildung und Qualifizierung von Frauen, die im Unternehmen arbeiten, Maßnah- men, die zu hoher Motivation der Mitarbeiter*innen führen würden. Marc Wannenmacher, Mitglied der Geschäftsführung bei Vierbaum Orthopädie GmbH & Co aus Wiehl wies daraufhin, dass im Sanitätsfachhandel zwar viele Frauen beschäftigt seien, sich aber nur wenige für die handwerkli- che Seite interessieren würden. Hier sei es notwendig, schon in den Schulen Interesse zu we- cken. Lebhaft diskutierten sämtliche Teilnehmenden zum Abschluss in den moderierten Klein- gruppen zu verschiedenen Themen der Frauenförderung. Fachveranstaltung: Personalpolitik für jede Lebensphase Die Informationsveranstaltung von Competentia Region Köln in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit Köln am 9. Oktober 2019 beeindruckte durch überzeugende Vorbildfrauen und Exper- tinnen und Experten. Wie kann eine lebensphasen- und gleichstellungsorientierte Personalpolitik Frauen bei ihrer beruflichen Entwicklung unterstüt- zen? Das war die zentrale Frage, die auf der Abend- veranstaltung des Kompetenzzentrums Frau & Beruf Region Köln in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit Köln in mehreren Talkrunden diskutiert wurde. v.l.n.r.: Marc Wannenmacher, Stefan Peck, Ayse Tomris, Dr. Isabell Lisberg-Haag Lebhafte Diskussion in Kleingruppen mit Vertreter*innen von IHK, Regionalagentur und HWK v.l.n.r.: Claudia Schall, Moderatorin, Agnes Wojtacki, Competentia Region Köln und Sebastian Lohr, Agentur für Arbeit Köln Fotos: Competentia Region Köln/S.Hoffmann Sibylle Stippler informiert über das Fachkräftepotenzial bei Frauen 12 Danach begrüßte Moderatorin Claudia Schall, Chefredakteurin von Radio Köln, drei Vorbildfrauen aus Unternehmen. Stephanie Terbrüggen, Geschäftsführerin der Eventagentur Terbrüggen Show - Produktion GmbH, gab gleich ein entschiedenes Statement ab: „Wenn ich Königin von Deutschland wäre, würden alle Menschen in Teilzeit arbeiten“. Sie ist der Meinung, dass es mit einer Vollzeitstelle nicht möglich ist, genügend Zeit für seine Kinder zu haben und sich ehrenamtlich zu engagieren. Stefanie Harig, Senior Product Manager bei der beeline GmbH, gab einen Einblick in die Faktoren, die ihr ihre Karriere möglich machen: „Man braucht Leidenschaft, man braucht Vorbilder und man braucht ein Netzwerk.“ Als sich eine Chance bot, hat Dagmar Stuwe, die dritte der Vorbildfrauen, sie ergriffen. Sie nahm das Angebot ihrer Chefin Natalie Kühn an, eine berufsbegleitende Qualifizierung zur Fachlageristin zu machen, nachdem sie lange als ungelernte Kraft bei der SK Elektronik GmbH gearbeitet hatte. „Mir war sofort klar, so eine Chanc e bekomme ich nie wieder“, beschrieb sie ihre schnelle Entscheidung für einen durchaus anstrengenden Weg. In drei engagiert en und aufschlu ssreichen Talkrunden wurden daraufhin mit den Vorbildfrauen und Expert*innen die drei Themen „Führen in Teilzeit“, „Karriere durch Weiterbildung und Qualifi- zierung“ sowie „Karriere 50 +“ beleuchtet und als mögliche Erfolgsfaktoren für eine lebenspha- senorientierte Personalpolitik und als Instrumente der Mitarbeiter*innenbindung diskutiert. Zahl- reiche Gespräche unter den T eilnehmer*innen markierten den Abschlu ss der lebhaften Veran- staltung in der Agentur für Arbeit Köln. Digitaler Info-Lunch: „Alles unter einem Hut: Arbeit, Familie, Freiräume?“ 58 Interessierte aus kleinen und mittleren Unter- nehmen und Institutionen trafen sich am 27.04.2021 online zum Thema „Alles unter einen Hut: Arbeit, Familie und Freiräume – Strategien und Instrumente zur Etablierung flexibler Arbeits- formen“. Die Veranstaltung war ein Kooperations- projekt von Competentia Region Köln, der Wirt- Dagmar Stuwe Stefanie Harig Stephanie Terbrüggen 13 schaftsförderung Rhein-Erft GmbH, dem innovaBest GbR Institut für Innovation & Bildung und dem uTe Unternehmerinnen Treff Erftstadt. Prof. Dr. Anja Seng (FOM Hochschule) analysierte anhand von kurzen Beispielen, dass die sich bereits schnell verändernde Arbeitswelt, durch die Corona -Pandemie, noch einmal eine Be- schleunigung erfahren habe. Deshalb glaube sie für die Zukunft an hybride Arbeitsformen, denn Präsenz sei nicht vollständig zu ersetzen. Dann warf die Fachanwältin für Arbeits recht, Tina Linnemann, einige Schlaglichter auf Grenzen und Möglichkeiten flexibler Arbeitsformen. Sie wies daraufhin, das in d er Corona -Pandemie Homeoffice plötzlich zum zentralen Thema geworden sei und deshalb vieles nicht beachtet wor- den sei, etwa Arbeitsschutzregeln und Regeln zur Ausstattung von Homeoffice-Arbeitsplätzen. Good Practice Anschließend berichteten drei Unternehmerinnen eindrucksvoll aus ihrer Praxis. Marion Müller von der Kurt Müller GmbH aus Pulheim, erläuterte die Fir- menphilosophie in Bezug auf flexible Arbeitsformen mit dem aussagekräftigen Satz: „Wir bezahlen den Kopf und nicht den Hintern.“ Wichtig sei es, die Un- ternehmensziele zu erreichen, dafür sei es eigentlich gleichgültig, wann, wo und wie gearbeitet würde. Bir- git Siepe, von der der Siepe GmbH in Kerpen, be- schrieb die Initiative des Unternehmens, das Büros für Mütter bzw. Väter und Kinder eingerichtet hat, so dass Homeschooling im Büro möglich wurde. „Das Angebot wurde super angenommen, die Mitarbeitenden empfinden das als große Entlastung und sind viel mehr bei de r Sache als zu Hause.“ Rebecca Wolf von Rebeccas Creativ -Studio „IhreStrickerei“ in Hürth schilderte das starke Vertrauensverhältnis zwischen ihr und ihren Mitar- beiterinnen. Es ermögliche, sehr flexibel auf die Bedürfnisse der einzelnen einzugehen. Starke Beteiligung des Publikums In den anschließenden Breakout-Sessions, die von den Kooperationspartnerinnen moderiert wurden, kam es zu einem aktiven Gedanken- austausch zwischen den Teilnehmenden, den Unternehmerinnen und den beiden Referentin- nen. Fragen wurden gestellt, eigene Erfahrun- gen geschildert und Kommentare zu dem Ge- hörten gegeben. v.l.n.r.: Moderatorin Annkathrin Buhl mit den Unter- nehmerinnen Marion Müller, Birgit Siepe und Rebecca Wolf Sibylle Stippler informiert über das Fachkräftepoten- zial bei Frauen 14 Fachveranstaltung: 1:1 statt 08/15 – Karrieren individuell und flexibel fördern 47 Interessierte aus kleinen und mittle- ren Unternehmen und Institutionen tra- fen sich unter Einhaltung der 2G -Be- stimmungen im Kölner Odysseum, um sich über die Möglichkeiten lebenspha- senorientierter Förderung weiblicher Fachkräfte zu informieren und auszu- tauschen. Das Kompetenzzentrum Frau & Beruf Region Köln hatte gemein- sam mit der Wirtschaftsförderung Ober- bergischer Kreis dazu eingeladen. Zum Auftakt e rläuterte Moderatorin Anika Knauer-Diebel das weitere Pro- gramm und interviewte Nurcan Gottschalk, Leiterin von Competentia Region Köln zu ihrer eige- nen Karriere. Diese berichtete dann von einer „Mutmacherin auf meinem Weg, ohne die ich wahr- scheinlich weiter Spezialistin geblieben wäre und mich vielleicht nicht an eine Führungsaufgabe herangewagt hätte.“ Lebendige Diskussion der drei Good-Prac- tice-Vertreter*innen Nadja Albrecht von For Family Reisen in Köln, Anna-Marie Alexas von Netempire Software GmbH in Rösrath und Raphael Kraus von der panpan Brotmanufaktur Kraus GmbH in Wiehl gaben in einer Gesprächsrunde Einblicke in ihre unternehmerische Praxis im Hinblick auf die Förderung von Vereinbarkeit und Flexibili- tät. Nadja Albrecht, selbst Mutter von zwei Kindern, hat ein reines Frauenteam und ist davon überzeugt, dass es Vorbilder braucht: „Ich muss vorleben, dass man Kinder haben und Inhaberin eines Unternehmens sein kann. Ich muss aber auch wissen und akzeptieren, wenn ich Karriere machen will, habe ich weniger Zeit für die Kinder.“ Anna-Maria Alexas berichtete von den flexiblen Möglichkeiten bei Netempire Kar- riere zu machen: „Mir wurde ermöglicht, eine branchenfremde Stelle anzunehmen, weil man ge- sehen hat, dass ich mich schnell in Sachverhalte reindenken und sie ausfüllen kann.“ Raphael Kraus betonte, dass er keinen Unterschied machen will zwischen Frauen und Männern: „Work- Moderatorin Anika Knauer-Diebel und die Leiterin von Compe- tentia Region Köln, Nurcan Gottschalk, im einführenden Ge- spräch über Karrierewege. Ina Scharrenbach, NRW-Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung eröffnete die Veranstaltung mit einem digitalen Grußwort. Fotos: Competentia Region Köln, S. Hoffmann 15 Life-Balance ist für alle ein Thema. Deshalb versuchen wir die Stärken und Schwächen der ein- zelnen Personen zu sehen und dann für sie eine passende Stelle zu finden.“ Darauf angesprochen, wie man gute Fachkräfte finden könnte, betonten die Unter- nehmensvertreter*innen auf dem Podium , d ass man neue Wege gehen müsse. So würden sie in jedem Bewerbungsgespräch ana- lysieren, was die Bewerber*innen individuell brauchen, um sich zu entwickeln und für das Unter- nehmen ein Gewinn zu sein. Potenziale der Frauen nutzen Nach dieser aufschlussreichen und lebendigen Gesprächsrunde, kam es zu einigen Nachfragen aus dem Publikum zu den Themen Kinderbetreu- ung, Beratungsmöglichkeiten und Rekrutierung. Eine digitale Bildbotschaft von Kölns Oberbürger- meisterin Henriette Reker verstärkte noch einmal die Aufforderung an die Unternehmen, Frauen und ihre Potenziale stärker in den Blick zu neh- men. Danach fanden sich einige Teilnehmer*innen zu einer Führung durch das Odysseum zusammen. Auf der in der Plaza des Abenteuermuseums aufgebauten Minimesse von Beratungsstellen erga- ben sich informative Gespräche, die anschließend bei einem kleinen Imbiss fortgesetzt wurden. Fachveranstaltung: Frauen fördern = Fachkräfte gewinnen! - auf www.fubrk.de in- formieren und durch Mentoring unterstützen Am 15. März 2022 interessierten sich 23 Teilnehmer*innen sich für die Vorstellung der beiden Projekte von Competentia Region Köln zur Fachkräftegewinnung. Der Workshop war eine von mehreren Online -Veranstaltungen innerhalb der Digitalen Fachkräftewoche vom 15. bis 17.03.2022, zu der sich aus sieben Regionen Kompetenzzentren Frau und Beruf in NRW zusam- mengeschlossen hatten. Nadja Albrecht , For Family Reisen Anna-Maria Alexas, Netempire Software GmbH Raphael Kraus, panpan Brotmanufaktur Kraus Bildbotschaft von Oberbürgermeisterin Henriette Reker 16 Nach einer kurzen Begrüßung wurde die Website www.familieundberuf-regionkoeln.de (www.fubrk.de) als Instrument der Fachkräftegewinnung vorgestellt. Vom Kompetenzzentrum Frau & Beruf Region Köln entwickelt, versammelt d ie Website gezielt Informatio- nen zu verschiedenen Ar- beitszeit- und Vereinbar- keitsmodellen sowie För- derprogrammen und Wei- terbildungsmöglichkeiten rund um das Thema Ver- einbarkeit von Fami- lie/Pflege und Beruf. Dabei wurde betont, dass jedes Unternehmen mithilfe der Informationen, Leitfäden, Checklisten und Tipps seine individuelle Stra- tegie und sein passendes Modell finden könne, um weibliche Fachkräfte zu binden und zu halten. Anhand eines Good-Practice-Beispiels, einem Familienunternehmen, das von Competenti a Re- gion Köln beraten wurde, wurden die Möglichkeiten, die die Website bietet, konkret veranschau- licht. Im zweiten Teil des Workshops wurden die Vorteile von Mentoring-Programmen für die Fachkräf- tegewinnung beschrieben. Als Beispiel wurde das Pilotprojekt „Mentegra“ erläutert– ein zwölf- monatiges Mentoring-Programm für qualifizierte, geflüchtete Frauen, das Competentia Re- gion Köln von 2020 bis 2021 mit sieben Tandems durchgeführt hat. Im abschließenden Aus- tausch wiesen Teilnehmer*innen auf organisatorische Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf hin, etwa bei der Kinderbetreuung oder bei manchen Arbeitsläufen, lobten aber auch die Beispiele als „Argumente gegen die Flexibilitätskritiker.“ 4.2 WebApp zur gleichstellungs- und lebensphasenorientierten Frauenförderung Die neue WebApp zur Frauenförderung für kleine und mittlere Unternehmen ist eine Weiterent- wicklung der in der 2. Förderphase veröffentlichten Arbeitshilfen für KMU mit den Themen Fort - und Weiterbildung, Führung in Teilzeit, bet riebliches Elternzeit - und Wiedereinstiegsmanage- ment, Vereinbarkeit von Beruf und Pflege , zu einem integrierten Ansatz gleichstellungs - und le- bensphasenorientierter betrieblicher Frauenförderung. Die WebApp fasst Informationen, Leitfä- den, Checklisten und weiterführende Links zu den Themen „Vereinbarkeit Familie, Pflege und Beruf“, „Personalentwicklung“ und „flexible Arbeitszeitmodelle“ schnell auffindbar zusammen. 17 Damit unterstützt Competentia Region Köln kleine und mittlere Unternehmen in der Region bei der lebensphasenorientierten betrieblichen Frauenförderung und der Fachkräftesicherung. Kurze Texte und zum jeweiligen Thema passende Links auf weiterführende Websites etwa von Ministe- rien, Kammern oder Institutionen führen unkompliziert zu den gesuchten Informationen. Von Hin- weisen und Tipps zur Rekrutierung von Frauen, der Darstellung der verschiedenen Möglichkeiten in Homeoffice, Teilzeit oder Jobsharing zu arbeiten , über Informationen zur Vereinbarkeit vo n Pflege und Beruf bis hin zu Fragen zu Kinderbetreuung oder Fort - und Wei- terbildungsangeboten für Mitarbei- tende finden sich alle wesentlichen Themen einer familienbewussten Per- sonalpolitik zur Gewinnung weiblicher Fachkräfte auf dieser Website wieder. Eine umfangreiche Infothek mit Hin- weisen zu Beratungsstellen, Förder- programmen und Checklisten ergänzt das Informationsangebot. 4.3 Good Practice Um Möglichkeiten für die Umsetzung lebensphasenori- entierter und frau enfördernder Personalpol itik in der Praxis zu zeigen, wurden in Kurzinterviews und Kur z- porträts verschiedene Good-Practice-Beispiele aus der Region auf der Website und im Infobrief des Kompe- tenzzentrums veröffentlicht. Dabei ging es um Themen wie Arbeitszeitmodelle, Homeschooling, Homeoffice, Bedürfnisse der Mitarbeiter*innen, Familienfreundlich- keit und Teambildung. Kleine und mittlere Unternehmen aus verschiedenen Branchen und Regionen wurden befragt, darunter eine Apotheke aus Köln, ein Ambulanter Pflegedienst aus Gummersbach, eine Event-Agentur aus Köln, ein Soft- ware-Unternehmen aus Rösrath, eine Raumaustatterin aus Refrath und ein Verpackungsunternehmen aus Kerpen. 18 5. Unternehmensnetzwerk mit KMU mit Migrationsgeschichte In dieser Förderphase wurde ein Netzwerk für kleine und mittlere Unternehmen mit Migrationsgeschichte aufgebaut mit dem Schwer- punkt auf Familienfreundlichkeit. Unternehmerinnen und Unterneh- mer mit Migrationsgeschichte sind ein wichtiger Innovationsmotor für die Wirtschaft. Tatsächlich werden mittlerweile etwa 44 Prozent der neuen Unternehmen in Deutschland von Migrantinnen und Mig- ranten gegründet. Auch für diese Unternehmen gilt: Familienfreundlichkeit ist ein wich- tiges Thema in Zeiten von Fachkräftemangel und des Wettbewerbs um weibliche potenzielle Fach- und Führungskräfte. Das Netzwerk für kleine und mittlere Unternehmen zur Familienfreund- lichkeit bot die Möglichkeit im Austausch miteinander und mit Expertinnen und Experten gemein- sam nach Lösungen für folgende Fragen zu suchen: Was kann ich als Unternehmen tun, um die Potenziale meiner Mitarbeitenden besser zu nutzen und neue weibliche Fachkräfte zu gewinnen? Wie funktioniert Familienfreundlichkeit und wie wird sie im Unternehmen umgesetzt und gelebt? Die Mitglieder des Netzwerks erhielten somit wertvolle Informationen und knüpften Kontakte für sich und Ihr Unternehmen. 5.1. Informationsveranstaltungen In der dritten Förderphase konnten zwei Informationsveranstaltungen für das Netzwerk für kleine und mittlere Unternehmen mit Migrationsgeschichte umgesetzt werden. Unternehmensfrühstück – Das Leben vor, mit und nach Corona Am 23. Oktober 2020 trafen sich im Restau- rant Consilium am Rathaus in Köln 20 Interes- sierte, um sich bei einer Veranstaltung des Kompetenzzentrums Frau & Beruf Region Köln und des Petek Business-Netzwerkes zum Thema „Das Leben vor, während und nach Corona“ zu Fragen der Vereinbarkeit von Fa- milie/Pflege und Beruf unter den veränderten Bedingungen auszutauschen. Die als Unternehmensfrühstück durchgeführte Veranstaltung war der Auftakt für das Projekt Auftaktveranstaltung für das Netzwerk Fotos: Competentia Region Köln/Yuri Brodsky 19 „Netzwerk für kleine und mittlere Unternehmen mit Migrationsgeschichte“. Es initiiert e eine Ver- netzung, die die beteiligten Unternehmen dabei unterstützt, eine familienfreundliche Personalpo- litik zu entwickeln und dadurch potenzielle Fach- und Führungskräfte zu gewinnen und zu binden. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen Fragen wie: Welche Bedeutung hat Familienfreundlich- keit für mich und mein Unternehmen? Was h at die Corona-Pandemie in meinem Unternehmen geändert? Wie haben wir reagiert und wie geht es weiter? Prof. Dr. Angelika Schmidt-Koddenberg (KatHO NRW) beleuchtete in einem lebendigen Impuls- vortrag die Erwerbstätigkeit der Frauen, ihre historische Entwicklung und die aktuelle Situation in der postmodernen Gesellschaft, die von Globalisierung, Digitalisierung sowie von Mobilität und Migration geprägt wird. Sie hält das Projekt für ausgesprochen wichtig und sagte: „Die Vernetzung von Frauen im beruflichen Alltag ist auch im 21. Jahrhundert von großer Relevanz“. Good Practice während Corona Im Anschluss an den Impulsvortrag berichteten zwei Unternehmerinnen mit Migrationsgeschichte von ihren Erfahrungen im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Familie/Pflege und Beruf. Alexandra Zaitseva, Inhaberin von Orange Touristik GmbH, erzählte, wie sie und ihre sieben Mitarbeitenden den Lockdown und die Pandemie-Situation erlebten. Wie viele andere Unternehmen musste das Unternehmen schnell und flexibel reagieren. Als Lösung für das Unternehmen und für die Mitar- beitenden wurden und werden das Arbeiten im Homeoffice und die Kurzarbeit genutzt. Filiz Genc-Kalavaoglu berichtete spontan von der Eröffnung ihres Friseursalons „Woke up like this“ im Agnesviertel im September 2020, mitten in der Corona -Pandemie. „Ich wollte raus aus der Abhängigkeit und habe mich selbstständig gemacht“ – erzählt die alleiner ziehende Mutter eines zwölfjährigen Sohnes. Sie schafft die Vereinbarkeit durch die Unterstützung von verschie- denen Familienmitgliedern bei der Kinderbetreuung. Die beiden mutigen und inspirierenden Unternehmensbeispiele lösten lebhafte Gespräche unter den Teilnehmerinnen aus. Sie tauschten ihre persönlichen Erfahrungen aus und kamen so in Kontakt miteinander – ein gelungener Start für das Netzwerk. Alexandra Zaitseva Filiz Genc-Kalavaoglu Prof. Dr. Angelika Schmidt-Koddenberg (links) im Gespräch 20 Online-Meetup „Female Entrepreneurship in Köln: Diversität als Erfolgsfaktor“ Eine informative Online-Veranstaltung zum Thema „Female Entrepreneurship in Köln – Diversi- tät als Erfolgsfaktor“ fand in Kooperation von Competentia Region Köln und KölnBusiness Wirt- schaftsförderung mit 66 Teilnehmenden zum Internationalen Frauentag am 8. März 2021 statt. Obiageli Njoku übernahm als Moderatorin die Einführung in das Thema. Sie wies daraufhin, dass immer noch viel weniger Frauen ein Unternehmen gründen als Männer und sagte dazu: „Wir wol- len Frauen Mut machen und Kraft geben, damit sie Lust darauf bekommen, selbst ein Unterneh- men zu gründen.“ Bei der folgenden Panel -Diskussion zum Thema „Female Entrepreneurship“ stellten sich drei Gründerinnen mit ihren Unternehmen vor. Nathalie Prokop von Noho Essentials, die aus dem Studium heraus das Start-up für öko- logische Haushaltreiniger gründete, erzählte, dass sie sich „mit der Gründung den Traum er- füllte einen Beitrag dazu zu leisten, Natur und Umwelt zu schützen“. Annie Dörfle von Scobees, einer digitalen Bildungsplattform, berichtete von der Herausforderung als Mutter zu gründen und von „der inspirierenden Kraft ihres Netzwerkes.“ Die aus Kolumbien st ammende Gründerin eines Lingerie -Start-ups, Natalia Quin- tero Ballesteros, beschrieb die Schwierigkeiten, die deutsche Bürokratie zu verstehen und hob die Bedeutung eines Netzwerkes hervor, um Menschen kennenzulernen, die hel- fen können, sich als Unternehmerin in ei- nem neuen Land zurecht zu finden. Im anschließenden Digitalen Markt der Möglichkeiten trafen sich die Teilneh- menden an vier virtuellen Round Tables zu den Themen „Gründen mit Migrations- geschichte“, „Gründen als Mutter“, „Gründen aus der Hochschule/Forschung“ und „Gründen aus der Arbeitslosigkeit“ zu angeregten Austauschgesprächen. Die Moderatorinnen der Round Tables, die aus verschiedenen Institutio- nen und Projekten von der Agentur für Arbeit Köln über die Universität zu Köln bis hin zum Female Innovation Hub kamen, konnten direkt manche der Fragen beantworten und Tipps und Hinweise zu Fördermöglichkeiten und Beratungsangeboten geben. Einige Teilnehmende nutz ten die Round Tables, um sich spontan miteinander zu vernetzen. Annie Dörfle, Natalia Quintero-Ballesteros, Obiageli Njoku und Nathalie Prokop v. l.n.r. während der Paneldiskussion 21 5.2. Netzwerktreffen Drei Austauschtreffen mit inhaltlichen Inputs hat es für das Netzwerk für Unternehmen mit Migra- tionshintergrund zwischen Dezember 2020 und September 2022 gegeben. 04.12.2020: Unterstützungs- und Beratungsmöglichkeiten für Unternehmen und ihre Beschäftigten Das erste Netzwerktreffen für Unternehmen mit Migrationsgeschichte fand online statt mit dem Themenschwerpunkt Unterstützung und Bera- tung. Zwei Impulsbeiträge prägten das einstün- dige Treffen. Jasna Rezo -Flanze, Leiterin der Fachkräftesicherung der Industrie- und Handelskammer Köln und Marketta Rosentreter von der KAUSA-Servicestelle informierten die Teilnehmenden über Beratungs-, Aus- und Weiterbildungs- möglichkeiten sowie über die Unterstützung der Ausbildungsb ereitschaft von Unternehmen mit Migrationsgeschichte. Danach gab es zahlreiche Fragen der teilnehmenden Unternehmerinnen und einen regen Austausch mit den Expertinnen. 13.12.2021: Workshop Mut und Resilienz Das Netzwerktreffen fand vor Ort in den Räumlichkeiten des Kompetenzzentrums statt. Als Referentin konnte Tanja Pe- ters gewonnen werden, die einen interaktiven Workshop zum Thema Mut und Resilienz in Krisenzeiten durchführte. Eine vorherige telefonische Bedarfsabfrage im Netzwerk zeigte deutlich, dass d ie Folgen der Corona -Pandemie gerade bei KMU mit Migrationsgeschichte sehr präsent waren. Aus dem Grund wurde das Thema Resilienz für den Workshop bedarfsorientiert ausgesucht. Im Anschluss wurden in einem interaktiven Aus- tausch zu den Themen der Beteiligten gearbeitet. 01.09.2022: Erfolgreich Netzwerken – Online und Offline Das dritte Netzwerktreffen stand unter dem Motto „Erfolg- reich Netzwerken – online und offline“ und fand im Kuppel- saal des Neptunbades in Köln statt. Mit den persönlichen Erfahrungsberichten der Referentinnen von smartworq aus ihrer Zeit als Mütter auf dem Spielplatz und der Möglichkeit auch dort zu netzwerken, startete der interaktive Workshop 22 für das Netzwerk für Unternehmen mit Migrationsgeschichte. Drei interaktive Übungen führten zu einem lebhaften Austausch der Teilnehmer*innen, der auch über das offizielle Ende des Treffens hinaus anhielt. 5.3. Informationsseiten für Unternehmen mit Migrationsgeschichte Competentia Region Köln hat auf der Website www.fubrk.de unter dem Ti tel „Informationen für Unternehmen mit Migrationsgeschichte “ informative Hinweise und Links für Unternehmen mit Migrationsgeschichte zusammengestellt. Hier können sich Unternehmen über das Netzwerk in- formieren, sich zum Netzwerk anmelden sowie sich über die nächsten Netzwerktreffen auf dem Laufenden halten. Good-Practice-Beispiele veranschaulichen zudem am besten, wie andere Un- ternehmerinnen und Unternehmer Hürden bei der Unternehmensgründung, bei der Gewinnung von Personal oder bei der Vereinbarkeit von Familie/Pflege und Beruf genommen haben. Unter- nehmen finden hier auch kurze Interviews von Mitgliedern des Netzwerks. Beratungsstellen vor Ort, Förderprogramme, passgenaue Unterstützungsangebote sowie weitere Vernetzungsmög- lichkeiten können bei der Orientierung zum Thema Vereinbarkeit Familie/Pflege und Beruf unter- stützen. Wichtige Links dazu finden sich zusammengestellt auf den Informationsseiten. 23 6. Mentegra - Mentoring zur beruflichen Integration qualifizierter ge- flüchteter Frauen Seit 2015 wurde in der Region Köln eine Vielzahl an Initiativen zur beruflichen Integration von Geflüchteten gestartet. Für geflüchtete Frauen, die über einen Univers itätsabschluss oder eine qualifizierte Ausbildung aus dem jeweiligen Herkunftsland verfügen, gab es jedoch wenig bzw. keine speziellen Angebote. Mit Mentegra wurde ein strukturelles Mentoring-Programm entwickelt und um- gesetzt, welches sich an eben diese Zielgruppe richtet. Ziel war es, ein Angebot in Köln zu etablieren, das kleine und mittelständische Unternehmen mit qualifizierten geflüchteten Frauen in Kontakt bringt und diese als Fachkräftepotenzial sichtbar macht. Gleichzeitig hatte Mentegra einen besonderen Pilot- und Vorbildcharakter, wie die Integration und Chancengleichheit von qualifizierten Frauen mit Fluchtgeschichte auf dem Kölner Arbeitsmarkt gefördert werden kann. 6.1. Das Mentoring Aufgrund der Corona -Pandemie kam es zu einem verspäteten Beginn von Mentegra. Das Projekt star- tete im September 2020 s tatt im Mai 2020 und en- dete am 01. Juni 2021 mit einer Laufzeit von neun Monaten. Insgesamt wurden sieben Mentoring-Tan- dems gebildet, die üb er die gesamte Programm- dauer miteinander arbeiteten. Die Mentor*innen aus kleinen und mittleren Unter- nehmen der Region Köln setzten sich aus Leitungs- bzw. Führungspersonen aus unterschiedlichen Branchen und Industriezweige zusammen , s ie standen den Mentees mit ihrem beruflichen Wissen und persönlicher Unterstützung zur Seite. Mentegra richtete sich an qualifizierte Frauen mit Fluchtgeschichte, die auf Grund verschiedener Hürden bisher keinen qu alifikationsadäquaten Zugang zum Arbeitsmarkt gefunden hatten. Die teilnehmenden Frauen kamen aus Herkunftsländern wie Syrien, Iran, Afghanistan und Irak und brachten zugleich diverse Kompetenzen aus Fachbereichen wie Biologie, Journalismus, Webde- sign und Lehramt mit in das Programm. Nachdem beide Gruppen gefunden waren, erfolgte das „Matching“ auf Grundlage der Vorgesprä- che und den daraus ermittelten Wünschen und Erwartungen der Mentees und Mentor*innen. Ziel des Matchings war, eine möglichst passgenaue u nd wirkungsvolle Mentoring -Beziehung zu Foto: Jalebrak Adobe iStock 24 schaffen. So kam es auch zu branchenübergreifenden Tandems, die ebenso erfolgreich und be- reichernd miteinander gearbeitet haben. Nach dem Matching haben die ehrenamtlichen Mentor*innen die Mentees über die gesamte Pro- grammlaufzeit hinweg begleitet. Im Tandem ging es neben individueller Beratung und Feedback auch um Orientierungshilfen im deutschen Ausbildungs- und Berufssystem, um Fragen rund um die Anerkennung von Schul- und Berufsabschlüssen, um die Weitergabe von Erfahrungswissen sowie konkrete Planung der beruflichen Laufbahn und um Unterstützung bei Bewerbungen und Netzwerkausbau. Im geschützten und vertraulichen Rahmen ermöglichte das persönliche Mento- ring-Setting auch die Weitergabe von informellem Wissen über den deutschen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt und gab Raum für einen Austausch, um die individuellen Erfahrungen in Zusam- menhang mit strukturellen Hürden zu reflektieren und über Potenziale und Kompetenzen der Frauen zu sprechen. 6.2. Weitere Akteur*innen: Für die konkrete Durchführung wurde Viola Kelb als ex- terne Prozessbegleiterin engagiert, die das Mentoring- Programm über den gesamten Zeitraum begleitet hat. Sie war insbesondere für die Beratung und Begleitung der Tandems und gemeinsam mit dem Team von Com- petentia Region Köln für die Planung und Moderation aller Veranstaltungen im Programm zuständig. So konnte eine konstante und engmaschige Unterstützung aller Beteiligten gut gewährleitet werden. Die Projektgruppe Als fachliche Unterstützung sowie als wichtiges Multi- plikationsinstrument wurde im ersten Schritt des Pro- gramms eine Projektgruppe etabliert, die sich aus rele- vanten Akteur*innen des Arbeitsmarktes zusammenge- setzt hat. Mit ihrer Fachexpertise hat die Projektgruppe den gesamten Verlauf des Mentorings begleitet und vor allem zur Qualitätss icherung und zur Sicherung der flankierenden Unterstützungsangebote beigetragen. Außerdem konnten ihre Mitglieder i n einer Art Lotsenfunktion dazu beitragen, dass die gewünschten Themenschwerpunkte der teilnehmen- den Frauen qualifiziert und zielführend umgesetzt wurden, beispielsweise in gemeinsamen Work- shops zu Anerkennungsverfahren, Qualifizierungen und Bewerbungstrainings. Darüber hinaus waren die Mitglieder wichtige Ansprechpartner*innen und Unterstützer*innen für das langfristige Ziel, Mentegra über die Projektlaufzeit hinaus zu etablieren. Die Mitglieder der Projektgruppe Wirtschaftsförderung Oberbergischer Kreis KölnBusiness Wirtschaftsförderungs- GmbH (KBW) IHK-Stiftung für Ausbildungsreife und Fachkräftesicherung Köln Industrie- und Handelskammer (IHK) Köln und Handwerkskammer (HWK) zu Köln Jobcenter Köln Kommunales Integrationszentrum Oberber- gischer Kreis Stadt Köln, Amt für Gleichstellung von Frauen und Männern Stadt Köln, Amt für Integration und Vielfalt (Querschnitt zu den Fachdienststellen) 25 6.3. Begleitende Veranstaltungen Das persönliche Mentoring im Tandem wurde von einer Reihe von Veranstaltungen flankiert, die dem Integrationsprozess einen fachlichen Rahmen gaben und zudem als regelmäßige Aus- tauschplattform für alle Beteiligten dienten. Bedingt durch die COVID19-Pandemie fand ein Groß- teil der Veranstaltungen digital statt. Vorbereitungs- und Netzwerktreffen Zunächst wurden für Mentees und Mentor*innen jeweils separate Vorbereitungstreffen in der Gruppe angeboten. Im November 2020 fand das Treffen für die Mentees statt, welches zunächst der allgemeinen Programminformation und dem gegenseitigen Kennenlernen diente. Nach einem Fachvortrag zum Thema „Arbeitsmarktintegration geflüchteter Frauen“, erarbeiteten die Frauen ihre individuellen Ziele, die sie im Rahmen des Pro- gramms erreichen wollten. Diese beruflichen Ziele wurden von allen Mentees bereits sehr konkret for- muliert. Bei dem Mentor*innen-Treffen, was ebenfalls im No- vember 2020 stattfand, lag der Fokus mehr auf den Unternehmer*innen in der Rolle als Mentor*in für die geflüchteten Frauen. Die Veranstaltung bot zudem Raum für allgemeinen Erfahrungsaustausch und Netzwerken unter den Unternehmer*innen. Im Laufe des Programms gab es durchweg Netz- werktreffen, in denen die Teilnehmer*innen Zeit und Raum hat- ten, um sich untereinander auszutauschen und fachlichen Input mitzunehmen. Durch die Vorbereitung inhaltlicher Schwerpunkte, wurden die Veranstaltungen, die aufgrund der Corona-Pandemie mehrheitlich online durchgeführt wurden, sehr gut angenommen. Insgesamt wurden fünf Netzwerktreffen für die Mentees zu ver- schiedenen Themen angeboten:  Dezember 2020: Offener Austausch zu den Themen „per - sönliche Ziele“, „Karriereplanung“ und „Kontaktgestaltung mit der Mentor*in“  Januar 2021: „Kommunikation/Selbstpräsentation“ Motivation der Mentees  berufliche Weiterbildung  Qualifizierung  Bewerbungsverfahren kennenlernen  Mögliche Berufsfelder erkunden  Anerkennung von Qualifikations- nachweisen  Netzwerken Viola Kelb beim ersten Netzwerk- treffen für die Mentees: 26  Februar 2021: „Ausbildungsmöglichkeiten bei der Stadt Köln“  März 2021: „Bewerbungstraining“  Mai 2021: Offener Austausch zur Frage, welche Beratungs- und Begleitungsmöglichkeiten nach dem Programm Mentegra zur Verfügung stehen. In den zwei Mentor*innen-Treffen gab es ebenfalls inhaltliche Schwerpunkte:  Januar 2021: Offener Austausch zur Gestaltung der Tandembeziehung mit den Mentees sowie zu weiteren Unterstützungsmöglichkeiten durch Beratungs- und Kontaktstellen („Verweisberatung“)  Mai 2021: Offener Austausch zwecks Bilanz und Reflexion der Rolle als Mentor*in Veranstaltungen Zum Start des Mentegra Programms fand der Tandem- Building-Tag am 8. Oktober 2020 im Kölner Rathaus statt. Dort erhielten die Tandems erstmalig die Gele- genheit, sich persönlich kennenzulernen . Fünf Mento- rinnen, zwei Mentoren und vier Mentees schilderten je- weils in einer kurzen Darstellung ihre berufliche Situa- tion und ihre Motivation, an Mentegra teilzunehmen. Dabei wurde sowohl bei den Unternehmerinnen und Unternehmern als auch bei den geflüch teten Frauen ein starkes Engagement deutlich. Danach stand das gegenseitige Kennenlernen auf dem Programm. Eingeführt von Viola Kelb interviewten sich die die Tandempartnerinnen und –partner gegenseitig. Sofort entwickelten sich lebhafte Gespräche zwischen den Mentorinnen, Mentoren und den Mentees. Am Ende des Tages wurden die Mento- ring-Vereinbarungen zwischen Mentor*innen und Mentees der jeweiligen Tandems geschlossen. Zum Digitalen Bergfest am 18. Februar 2021 fanden sich 25 Teilnehmende des Mentoring-Programms für eine gemeinsame Zwischenbilanz vor dem Bildschirm zusammen. In einem motivierenden Grußwort zu Beginn hob die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Köln, Bettina Möt- ting, Mentegra als „Vorzeigeprojekt“ hervor . Angeregt von verschiedenen Impulsen, konnten Mentor*innen, Start von Mentegra im Oktober 2020: Die Tandems bilden sich im Kölner Rathaus. Fotos: Rendel Freude Gleichstellungsbeauftragte Bettina Mötting be- zeichnete „Mentegra“ als Vorzeigeprojekt. 27 Mentees und Projektgruppenmitglieder sich in digitalen Räumen kennenlernen und austauschen. Dabei wurde sowohl über erste Erfolge berichtet als auch bestehende Schwierigkeiten und Lö- sungsmöglichkeiten erörtert. Auf der Digitalen Abschlussfeier am 1. Juni 2021 zogen 23 Teilnehmende Bilanz zum Mentegra Programm. Bettina Mötting, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Köln überbrachte als erstes ei- nen Gruß von Oberbürgermeisterin Henriette Reker. In ihrem von Wertschätzung geprägten Grußwort zeigte sie sich be- eindruckt von der Leistung der Mentees, die viele „ Heraus- forderungen gemeistert und unerwartete Hürden bewältigt haben.“ Mötting dankte den Mentorinnen und Mentoren für ihren Einsatz und ermutigte die Mentees „die Heldinnen der eigenen Geschichte“ zu bleiben, auch nach dem Mentoring- Programm Mentegra. Es folgte ein aufschlussreicher Impulsvortrag von Dr. Yuliya Kosyakova, vom Institut für Arbeitsmarkt - und Berufsfor- schung (IAB) zum Thema: „Geschlechterunterschiede in der Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten: Ausmaß und mögliche Erklärungsfaktoren“, der die Situation von geflüchteten Frauen auf dem deutschen Ar- beitsmarkt darstellte. Danach prägte eine lebhafte Fragerunde die Veranstaltung . Die virtuelle Zertifi- katsübergabe bil- dete den Höhepunkt der Veranstaltung und zuglei ch den Abschluss von Men- tegra. In imponie- renden Berichten erzählten die vertretenden Tandems von ihrer Zusammenarbeit, ihren persön- lichen Erfahrungen und erzielten Erfolge im Rahmen des Mentorings. So gelang es, einen ange- messenen Abschluss des Programms im digitalen Raum zu kreieren. Viola Kelb (rechts oben), Bettina Mötting (rechts oben), Dr. Afsa Sattari (Mentorin, links unten) und Shadi Taheri.Najafabadi (Mentee), bei der virtuellen Zertifikatsübergabe. Fröhlicher Abschluss des Mentoring-Programms Mentegra vor dem Bildschirm am 1. Juni 2022. 28 6.4. Ausblick und Transfer Das Mentegra-Programm wurde seither auf verschiedenen Wegen in die Öffentlichkeit und an interessierte Vertreter*innen aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft kommuniziert. Neben einem Workshop im Rahmen der Digitalen Fachkräftewoche März 2022 fand im Juni 2022 eine große Fach- und Transferveranstaltung zum Thema „Zusammen weiterkommen – Mento- ring als Chance“ für kleine und mittlere Unterneh- men statt: Hierzu hatte Competentia Region Köln in das Forum der Volks hochschule im Rauten - Strauch-Joest-Museum eingeladen. Knapp 50 in- teressierte Teilnehmer*innen waren gekommen, um sich zu informieren und auszutauschen. Zu Beginn ermutigte die ehem. Unternehmerin und Vorsitzende von sei STARK e.V., Emitis Pohl mit ihrem Impulsvortrag dazu, sich für das Thema Mentoring einzusetzen. Nachdem die externe Prozessbegleiterin von Mentegra, Viola Kelb, in ihrem zusammenfas- senden Beitrag die Bedeutung von Mentoring als effektivem Instrument der Arbeitsmarktintegra- tion und der Fachkräftequalifizierung erläutert hatte, kamen die beteiligten Mentor*innen und Mentees selbst zu Wort. Die von Moderatorin Najima El Moussaoui geführten Podiumsge- spräche erläuterten eindrucksvoll, wieviel so- wohl kleine und mittlere Unternehmen als auch die geflüchteten Frauen von dem Mento- ring-Pilotprojekt profitieren konnten. Abschließend stellte Chri stiane Karsch vom MA.i. e.V. (Migration und Arbeitswelt) die Pro- jekte ihres Vereins vor, die zum Ziel haben Migrantinnen als Fachkräfte zu erkennen und zu gewinnen. Weitere Informationen & Veröffentlichungen zum Mentoring Programm „Mentegra“  Abschlussbericht: „Mentoring zur beruflichen Integration von qualifizierten geflüchteten Frauen- Mentegra“  Leitfaden: „Externes Mentoring für kleine und mittlere Unternehmen erfolgreich gestalten. Ein Leitfaden zur beruflichen Integration von geflüchteten Frauen durch Mentoring.“ Moderatorin Najima El Moussaoui, Mentee Shadi Taheri und die Mentor*innen Dr. Afsar Sattari, Muila Swele und Stefan Peck Agnes Wojtacki, Leitung Competentia Region Köln und Moderatorin Najima El Moussaoui bei der Begrüßung Fotos: Competentia Region Köln/Carina Lange 29 7. Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit Zur Akquise und Ansprache von kleinen un d mittleren Unternehmen sowie zum Transfer der in den Projekten entwickelten Informationen und Arbeitshilfen für Unternehmen zu Maßnahmen der Gewinnung und Bindung von weiblichen Fach- und Führungskräften ist das Kompetenzzentrum Frau & Beruf auf diversen Feldern aktiv geworden: ■ Pflege der projekteigenen Homepage s und Einstellun g von Informationen (Förderpr o- gramme, Veranstaltungshinweise, Nachberichterstattung der Veranstaltungen) und Versand von acht Infobriefen, die über die Arbeit des Kompetenzzentrums berichteten. ■ Veranstaltungsankündigungen in Newslettern der Kammern und Wirtschaftsförderungen, Pressemitteilungen, Präsentatio- nen in Unternehmensnetzwerken, Berichterstattung in einschlä- gigen Wirtschaftspublikationen, etwa im Köln Mag azin und der Zeitschrift „Die Wirtschaft“. ■ Konzeption und Erstellung von mehreren Faltblättern und an- deren Instrumenten der Öffentlichkeitsarbeit, zum Beispiel ein Imagefaltblatt zur Arbeit des Kompetenzzentrums Frau & Beruf Region Köln, ein Logo und die Faltblätter für das Mentoring-Pro- gramm oder die Postkarte, die zur Bekanntmachung der WebApp fubrk.de an zahlreiche Unternehmen, Institutionen und Multiplikator*innen versandt wurde. Sie wies außerdem auf die neuen Informationsseiten für Unternehmen mit Migrationsgeschichte hin. ■ Teilnahme an Veranstaltungen von Unternehmensnetzwerken und wirtschaftsnahen Institutio- nen, beispielweise von Wirtschaftsförderungen und Fachkräfteinitiativen zur Schaffung von Zu- 30 gängen und zur Ansprache von KMU. Dadurch konnten Unternehmen als Good -Practice-Bei- spiele für eigene Veranstaltungen, für die Teilnahme an den Veranstaltungen und als Mentor*in- nen gewonnen werden ■ Kooperationen mit dem Kompetenzzentrum für Fachkräftesicherung (KOFA) des Instituts der deutschen Wirtschaft e. V. (IW), der FOM Hochschule und mit diversen Unternehmensnetzwer- ken ■ Mitglied des Expert*innenkreises der zentralen Arbeitsmarktakteure in Köln (initiiert von MA.i. e.V./IQ Landesnetzwerk NRW) sowie Mitglied des Arbeitskreises Diversity der IHK Köln ■ Durchführung von neun Beiratssitzungen mit den relevanten Akteur*innen der Wirtschaft, der Gleichstellung und des Arbeitsmarktes, um den Informationsfluss in die Region sicherzustellen, zur Multiplikation in die KMU, um Zugänge von KMU zu schaffen, Synergien zu bilden und sich fachlich zu beraten. 8. Fazit Die dritte Förderphase konnte das Kompetenzzentrum Frau & Beruf Region Köln erfolgreich ab- schließen. Durch seine Arbeit konnten alle gesetzten Ziele trotz der Einschränkungen durch die COVID 19-Pandemie erreicht werden. Für den Zeitraum vom 1.September 2018 bis zum 31. Oktober 2022 wurden 301 kleine und mitt- lere Unternehmen durch Informationsveranstaltungen, Workshops, Netzwerkveranstaltungen und einzelfallbezogene Beratung und das Mentoring-Programm Mentegra unmittelbar erreicht. Mehr Unternehmen (10.000 KMU) aus der Region konnten durch diverse Öffentlichkeitsmaßnahmen (eigene Infobriefe, Newsletter der Kammern und Wirtschaftsförderungen, Pressemittei lungen, Publikationen in Organen der Wirtschaftsförderungen etc.) zu möglichen betrieblichen Maßnah- men der Frauenförderung und Rekrutierung von Frauen zur Fachkräftesicherung informiert wer- den. Ferner wurden zahlreiche KMU mittelbar über die Beteiligung de r relevanten Multiplikator*innen wirtschafts- und arbeitsmarktnaher Institutionen an der Entwicklung und Umsetzung der Maßnah- men sowie durch die Teilnahme dieser an den Informationsveranstaltungen und Workshops er- reicht. Insgesamt nahmen etwa 500 Personen aus Unternehmen und Fachöffentlichkeit an den insgesamt 13 Veranstaltungen in der Region Köln teil. Durch die Entwicklung der WebApp (www.fubrk.de) und die dort zu findenden Informationen konnte für KMU, Beratungsstellen zur Fachkräftesicherung der Kammern, Arbeitgeberservices der Agenturen für Arbeit und Jobcenter sowie Wirtschaftsförderungsgesellschaften ebenfalls eine 31 Sensibilisierung für die Themen Vereinbarkeit von Beruf und Familie/Pflege, flexible Arbeitsmo- delle und Wiedereinstiegsmanagement, Frauenförderung durch Fort - und Weiterbildung sowie Rekrutierung erreicht werden. Durch den Aufbau des Netzwerks KMU mit Migrationsgeschichte konnte eine neue Gruppe von Unternehmen für die Themen Familienfreundlichkeit sensibilisiert werden. Auch diese Unterneh- men haben somit die Möglichkeit, sich als attraktive Arbeitgeber*innen in Zeiten des steigenden Fachkräftemangels zu positionieren. Das Pilotprojekt Mentegra hat gezeigt, wie erfolgreich ein Mentoring-Programm bei der Integration von qualifizierten geflüchteten Frauen in den Arbeitsmarkt sein kann. Die teilnehmenden Unter- nehmen konnten den Frauen durch ihr Engagement nicht nur Einblicke in den deutschen Arbeits- markt bieten, sondern auch selbst eine neue Gruppe von Fachkräften kennenlernen und teilweise sogar für ihr eigenes Unternehmen gewinnen. Abschließend ist festzuhalten, dass die Sensibilisierung und Aufschließung von KMU in der Re- gion mit den breit gefächerten Instrumenten, Themen und Kommunikationsmitteln zur Gewinnung und Bindung von weiblichen Fach- und Führungskräften zur Fachkräftesicherung nachhaltig um- gesetzt werden konnten. Es hat sich bewährt, bei den Veranstaltungen Unternehmensbeispiele im Sinne von Good-Practice einzubinden. Durch diesen praxisbezogenen Zugang konnte die Ak- zeptanz bei den kleinen und mittleren Unternehmen gesichert werden. Hilfreich war dabei die frühzeitige Einbindung und Beteiligung der relevanten wirtschafts - und arbeitsnahen Partner*in- nen aus der Region. Diese ermöglichten einen breit angelegten Zugang zu den Unternehmen und Betrieben und fungierten nachhaltig als Multiplikator*innen, da sie vom Kompetenzzentrum Frau & Beruf Region Köln erarbeiteten Informationen über die Projektlaufzeit hinaus in ihrer Beratungs- tätigkeit für KMU zur Fachkräftesicherung nutzen und verbreiten. Schließlich sicherte die Einbin- dung der Expertise dieser Partner*innen bei der Entwicklung und Umsetzung der Angebote eine passgenaue und hohe Qualität mit einer nachhaltigen Wirkung in die kleinen und mittleren Unter- nehmen hinein. Nach wie vor bedarf es weiterer Anstrengungen, trotz des hohen Fachkräftemangels in einigen Berufsfeldern, kleine und mittlere Unternehmen für eine strategische Personalplanung und -ent- wicklung mit den Möglichkeiten, die das nicht ausgeschöpfte Fach- und Führungskräftepotenzial von Frauen bietet, zu gewinnen. Die dritte Förderphase hat gezeigt, dass diese Herausforderung weiterhin gemeinsam mit den strategischen Partnerinnen und Partnern der Wirtschaft, des Ar- beitsmarktes und der Gleichstellung gelingen kann. 32 Gefördert vom Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen wird das Kompetenzzentrum Frau & Beruf Region Köln in Trägerschaft der Stadt Köln und in Kooperation mit dem Oberbergischen Kreis mit Genehmi- gung des Rates der Stadt Köln vom 10.11.2022 seine Arbeit bis zum 30. November 2023 mit der Fortführung der etablierten Projekte und bewährten Partnerinnen und Partnern fortsetzen.

Beratungsverlauf

  1. 20.03.2023

    Ausschuss für die Gleichstellung von Frauen und Männern

    TOP 4.5, Kenntnisnahme (Mitteilung). Ergebnis: Kenntnis genommen
  2. 20.04.2023

    Ausschuss für Soziales, Seniorinnen und Senioren

    TOP 12.6, Kenntnisnahme (Mitteilung). Ergebnis: Kenntnis genommen
  3. 20.04.2023 zuletzt

    Wirtschaftsausschuss

    TOP 2.1, Kenntnisnahme (Mitteilung). Ergebnis: Kenntnis genommen

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