V/0929/2008
Stiftung Magdalenenhospital: Evaluationsergebnisse des Projektes "Von Mensch zu Mensch"
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Berichtsvorlage
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V/0929/2008 DER OBERBÜRGERMEISTER V/Stift Betrifft Stiftung Magdalenenhospital: Evaluationsergebnisse des Projektes "Von Mensch zu Mensch" Beratungsfolge 27.11.2008 Stiftungskommission Bericht 02.12.2008 Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Arbeitsförderung Bericht 27.01.2009 Kommission zur Förderung der Integration von Menschen mit Behinderungen Bericht 11.02.2009 Hauptausschuss Bericht Bericht: Evaluation des Projektes „Von Mensch zu Mensch“ Ergebnisse und Handlungsempfehlungen 1. Ausgangslage Das Projekt „Von Mensch zu Mensch“ nahm im Oktober 2003 in gemeinsamer Träger- schaft der Stiftung Magdalenenhospital und des So zialamtes der Stadt Münster seine Ar- beit auf. Das Projekt basierte auf dem Grundgedanken des Konzeptes „Verantwortung übernehmen für die Menschen in unserer Stadt, ein stadtweites und stadtteilorientiertes Angebots- und Strukturkonzept für ältere, hilfe- und pflegebedürftige sowie demenzkranke Menschen“ (vgl. Vorlagen 20/2002 und 847/2002). In politischen Anträgen von CDU und Bündnis 90/Die Grünen/GAL sowie der Kommission zur Förderung der Integration von Menschen mit Behinderungen wurden die Weiterentwicklung und Verbesserung der häus- lichen Pflege in Münster, Hilfen für Demenzkranke und ihre Angehörigen sowie eine Stär- kung des ehrenamtlichen bürgerschaftlichen E ngagements gefordert. In jedem Stadtteil sollten durch gut erreichbare Hilfestrukturen für ältere und hilfebedürftige Menschen Be- dingungen geschaffen werden, die es erleichtern, in der eigenen Häuslichkeit bleiben zu können. Von Oktober 2003 bis Dezember 2005 haben die Stiftung Magdalenenhospital und das Sozialamt der Stadt Münster in gemeinsamer Verantwortung und finanzieller Trägerschaft das Projekt „Von Mensch zu Mensch“ durchgeführt. Im Zuge des Spar- und Konsolidie- rungsprogramms der Stadt Münster 2006 – 2009 konnte sich die Stadt nicht mehr an der Finanzierung und Durchführung des Projektes beteiligen. Die Aufgaben übernahm die städtisch verwaltete Stiftung Magdalenenhospital. Sie erhielt zeitgleich den Auftrag, das Projekt in seiner Wirkungsweise zu evaluieren und die Ergebnisse in der Stiftungskom- mission, im Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Arbeitsförderung und in der Kom- mission zur Förderung der Integration von Menschen mit Behinderungen rechtzeitig vor Projektende darzustellen (vgl. 110/2006). Vorlagen-Nr.: V/0929/2008 Auskunft erteilt: Herr Claahsen Ruf: 492 59 03 E-Mail: Claahsen@stadt-muenster.de Datum: 29.10.2008 Öffentliche Berichtsvorlage 2 V/0929/2008 2. Die Evaluation Die Stiftung entschied sich zu Beginn des Jahres 2007 aus Kostengründen für die Form der Selbstevaluation mit wissenschaftlicher Begleitung durch die Fachhochschule Müns- ter, Fachbereich Sozialwesen. Die Durchführung wurde Herrn Marco Tammen, Dipl. Sozi- alarbeiter, die wissenschaftliche Begleitung Frau Prof. Dr. Erika Bock-Rosenthal von der Fachhochschule Münster übertragen. Das methodische Vorgehen der Evaluation erstreckte sich zunächst auf die Erfassung und Analyse der auf der Ebene der Projektleitung vorliegenden Daten und Dokumente. Auf der Basis der vorhandenen Daten ließ sich der zusätzliche Informationsbedarf ermit- teln und in Fragestellungen fassen. Anhand offener Interviewleitfäden wurden die Fach- kräfte, aber auch einige der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den ein- zelnen Stadtteilinitiativen in qualitativen Interviews zu ihren Erfahrungen, Bedürfnissen und Anregungen befragt. Die Interviews sind einzeln transkribiert und die Aussagen der Interviewpartner thematisch zusammengefasst worden. Aus der Zusammenfassung wur- den die in Ziffer 4 genannten „Empfehlungen aus der Evaluation“ entwickelt. Ziele und Zielgruppen der Evaluation Die Evaluation zielte darauf ab, Erkenntnisse über verbesserte Rahmenbedingungen zum Verbleib älterer Menschen in der häuslichen Umgebung durch ehrenamtlich erbrachte Hil- fen zu erhalten. Dazu sollte der Auf- und Ausbau ehrenamtlich geführter Stadtteilinitiativen unterstützt werden. Zielgruppen sind sow ohl ältere und demenzkranke Menschen als auch deren Angehörige und Freunde. Weiteres Ziel der Evaluation war es, über die gewonnenen Erkenntnisse die Leistungen der Stiftung Magdalenenhospital passgenau an den individuellen Bedarfen der einzelnen Stadtteilinitiativen auszurichten. Die Initiativen sollen nach Abschluss der intensiven Mo- dellphase ihr Angebot weitestgehend selbstständig fortführen können. 3. Projektstruktur und Sachstand Die Steuerung des Projektes erfolgte bis Ende des Jahres 2005 durch einen Vertreter der Sozialplanung der Stadt Münster, einen Vertreter der Stiftung sowie die Projektleitung. Weitere Steuerungsinstrumente waren die regelmäßig stattfindenden Treffen der Fach- kräfte sowie der Ehrenamtlichen aus den Stadtteilinitiativen. Ab Beginn des Jahres 2006 lag die alleinige Steuerung des Projektes bei der Stiftung Magdalenenhospital, nachdem sich die Stadt Münster auf der Finanzierung zurückzog. Regelmäßige Besuche der Stadt- teilinitiativen vor Ort kamen als Steuerungselemente hinzu. 3.1 Förderliche Rahmenbedingungen für die Arbeit der Ehrenamtlichen - Begleitung durch professionell erfahrene Kr äfte von Trägern der sozialen Arbeit, Wohl- fahrtsverbänden und Kirchengemeinden - Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen eines Kompetenznetzwerkes innerhalb des Projektes - Bereitschaft zu regelmäßigem Austausch der Ehrenamtlichen untereinander und mit den Fachkräften - Versicherungsschutz für Ehrenamtliche Das Projekt „Von Mensch zu Mensch“ machte hierzu folgende Angebote: - Steuerung des Projektes / Einbringung von Fachkompetenz und Beratung - Fortbildungen über das Kompetenznetzwerk - Fördermittel der Stiftung - Austausch / Vernetzung in den einzelnen Stadtteilen und untereinander. 3.2 Stand der Umsetzung Im Rahmen des Projektes „Von Mensch zu Mensch“ haben sich 22 Stadtteilinitiativen in 19 Stadtteilen entwickelt. Neben den 32 Fachkräften und organisatorisch Verantwortli- 3 V/0929/2008 chen in den 22 Stadtteilinitiativen sind momentan rund 400 ehrenamtliche Mitarbeiterin- nen und Mitarbeiter für das Projekt tätig. Durch das Einbeziehen bereits bestehender An- gebote und unter Berücksichtigung der jeweiligen Gegebenheiten vor Ort haben die Stadtteilinitiativen ganz unterschiedliche Organisationsformen und -grade. 3.3 Angebote und Nachfragen Allen Angeboten in den Stadtteilinitiativen ist gemein, dass sie darauf abzielen, den Verbleib älterer Menschen in der häuslichen Umgebung zu verlängern, um Heimaufent- halte damit hinauszuzögern oder gänzlich zu verhindern. Die Initiativen lassen sich anhand ihrer Angebote in vier unterschiedliche Initiativenarten differenzieren: • Begegnungs- und Kulturangebote für ältere Menschen • Betreuungsgruppen für demenzkranke Menschen • hauptamtlich geführte Begleit- und Betreuungsinitiativen • ehrenamtlich geführte Begleit- und Betreuungsinitiativen Die haupt- und ehrenamtlich geführten Begleit- und Betreuungsinitiativen machen einen großen Anteil der Angebote aus. Alle Initiativen leisten „echte Pionierarbeit“, da die Form ihrer Angebote neu ist und die heutige Generation älterer Menschen sich teilweise noch schwer tut, diese Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen. Es ist erkennbar, dass der Be- darf an psychosozialen Hilfestellungen stark ausgeprägt ist. Das Angebotsspektrum der Initiativen ist somit längerfristig auch auf diese Bedarfe auszurichten. 4. Erkenntnisse und Empfehlungen zur nachhaltigen Sicherung des Projektes 4.1 Zielgruppen, die die Stadtteilinitiativen erreichen Die Initiativen sprechen mit ihrem Angebot neben älteren und an Demenz erkrankten Menschen auch weitere Zielgruppen, z. B. Angehörige und Alleinerziehende, an. Dass auch die Ehrenamtlichen selbst eine Zielgruppe des Projektes „Von Mensch zu Mensch“ darstellen, ist bislang noch zu wenig erkannt und zu wenig aufgegriffen worden. Bürgerschaftliches Engagement vermittelt Lebenssinn, Verantwortung und Unterstützung und vor allem soziale Kontakte. Das sind Faktoren, die zur Erhaltung der Gesundheit und Selbstständigkeit der älteren Freiwilligen beitragen. Außerdem wird Hilfe geben aber auch Hilfe annehmen „gelernt“ und Sozialkompetenz erworben oder erhalten. Empfehlungen aus der Evaluation: • Die Offenheit gegenüber weiteren Zielgruppen sollte ausgebaut werden. Die Initiati- ven erhöhen so ihre Akzeptanz im Stadtteil, nehmen Multiplikatoren und – auf mittlere Sicht – auch die zukünftig alten Menschen in den Blick. • Die freiwillig Tätigen müssen stärker als potentielle Zielgruppe wahrgenommen wer- den, denn die Initiativen bieten neben ihrem Hilfsangebot attraktive Ehrenamtsfelder, die einen erheblichen „Mehrwert“ für die freiwillig Tätigen darstellen. 4.2 Einbeziehung neuer Ehrenamtlicher / Erschließung weiterer Potentiale Die persönliche Ansprache zur Werbung neuer Ehrenamtlicher ist am effektivsten. Insbe- sondere die bereits aktiven Ehrenamtlichen erweisen sich oft als unerlässliche Multiplika- toren. Die persönliche Abgrenzung der Aktionen ist speziell für die Begleit- und Betreuungsinitia- tiven ein immer wiederkehrendes Problem, da sich meist sehr enge Beziehungen zwi- schen Betreuendem und zu Betreuenden entwickeln und das, trotz vorab klarer Vereinba- rungen über Art und Umfang der Hilfestellungen. So kommt es vor, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ein festes Betreuungsver- hältnis eingegangen sind, dieses „Distanz-Nähe-Problem“ unterschätzen und sich in Fol- ge ihrer Überforderung auf einmal nicht mehr melden oder zu den regelmäßigen Treffen in der jeweiligen Stadtteilinitiative nicht mehr erscheinen. 4 V/0929/2008 Empfehlungen aus der Evaluation: • Regelmäßige Treffen innerhalb der Initiativen müssen weiterhin angeregt und ge- pflegt werden. Sie bieten Raum für Erfahrungsaustausch und sollten stets zur The- matisierung des Abgrenzungsproblems genutzt werden. • Den Fachkräften kommt eine „Beschützerrolle“ zu, um einer Überforderung der eh- renamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorzubeugen. Entsprechende Schulun- gen der Fachkräfte sind unerlässlich. • Wichtig ist, dass Fachkräfte als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, sich um das Vertrauen ihrer ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bemühen und deren Auseinandersetzung mit den eigenen Bedürfnissen und Grenzen anregen. • Rückmeldungen zur Entwicklung der jeweiligen Betreuungsverhältnisse müssen stär- ker eingeholt werden. Das Fachkräftetreffen bietet den geeigneten Rahmen, um „Best-Practice-Beispiele“ zu diskutieren. 4.3 Fortbildungen für Ehrenamtliche Der Fortbildungsbedarf ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Projekt bezieht sich primär auf praktische Tipps für die eigene Arbeit und eine „reflektierte Praxis“. Zudem benötigen die Ehrenamtlichen Informationen über weiterführende Hilfeangebote in der Stadt. Dieser Informationsbedarf der Ehrenamtlichen wird zu einem großen Teil durch die soge- nannte „Infomappe“, die in regelmäßigen Abständen von der Projektleitung aktualisiert wird, abgedeckt. Das Angebot von Fortbildungen dient nicht nu r dem unmittelbaren Zweck der Wissens- vermittlung. Vielmehr ermöglichen Qualifizierungsangebote auch Kontakte und Austausch und drücken zudem Wertschätzung und Anerkennung der Arbeit aus. Empfehlungen aus der Evaluation: • Es sollten passgenauere Fortbildungsthemen erarbeitet werden, die dem Bedarf und dem Aufgabenprofil der jeweiligen Ehrenamtlichen entsprechen und an der Wirklich- keit der Freiwilligenarbeit ausgerichtete Inhalte vermitteln. • Ehrenamtliche sollten Gelegenheit haben, weiterführende Hilfsangebote im Stadtteil sowie stadtweit kennen zu lernen. • Fortbildungen sind Teil der Anerkennungskultur und bieten, über den individuellen Lerneffekt hinaus, einen großen Nutzen für das gemeinschaftliche Gruppengefühl in der Initiative. Von daher sollten auch hauptamtliche Fachkräfte gemeinsam mit den Ehrenamtlichen daran teilnehmen. 4.4 Einbeziehung von Fachkräften Im Projekt gibt es sowohl haupt- als auch ehrenamtliche Fachkräfte, die den Einsatz der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter koordinieren. Hauptamtliche Fachkräfte benötigen weniger Unterstützung durch die Projektleitung. Im Gegensatz dazu haben die ehrenamtlich geführten Initiativen einen höheren Beratungsbedarf (hauptamtliche Fach- kräfte haben durchschnittlich 2 - 5 Kontakte pro Jahr zur Projektleitung, ehrenamtliche dagegen durchschnittlich 10 - 15 Kontakte pro Jahr). Die bislang projektseitig erwarteten professionellen Kenntnisse und Erfahrungen im pfle- gerischen, medizinischen, sozialen oder seelsorgerischen Bereich erschweren es den Ini- tiativen, geeignete Fachkräfte für ihre Begleitung zu finden. Empfehlungen aus der Evaluation: • Insbesondere für die ehrenamtlich geführten Initiativen ist es für den Fortbestand der Initiative unerlässlich, die Aufgaben der Fachkraft auf mindestens zwei Personen mit unterschiedlichen Kompetenzen und Vorkenntnissen zu verteilen. Bei Initiativen mit nur einer Fachkraft ist die Gefahr sehr groß, dass mit Wegfall dieser Person die gan- ze Stadtteilinitiative zum Erliegen kommt. Die Verteilung der Arbeit auf mehrere 5 V/0929/2008 Schultern und die Einbindung unterschiedlicher „Talente“ kann das Angebot der Stadtteilinitiativen langfristig und nachhaltig sichern. • Die Nähe des Projektes zur Freiwilligenagentur muss stärker genutzt werden, um mit- tels konkret formulierter Aufgaben- und Kompetenzprofile Unterstützung bei der Su- che nach ergänzenden Fachkräften zu bieten. • Die Eignung einer Fachkraft sollte nicht auf die oben genannten formalen Kriterien begrenzt werden. Eine Fortbildung zum Freiwilligenkoordinator garantiert auch die Qualität einer „Fachkraft“ im Projektsinne. • Der Begriff „Fachkraft“ sollte durch den deutlicher die originäre Aufgabe beschreiben- den Begriff „Freiwilligenkoordinator“ ersetzt werden. 4.5 Dokumentation der geleisteten Arbeit Die Initiativen dokumentieren ihre Arbeit nur wenig, da es aus Sicht vieler hauptamtlicher und ehrenamtlicher Fachkräfte einen zu hohen zeitlichen Aufwand erfordert. Empfehlung aus der Evaluation: • Ein unaufwendiges und leicht handhabbares Dokumentationssystem sollte in allen I- nitiativen eingerichtet werden. Es dient der Reflektion der eigenen Arbeit und dem In- formationsfluss innerhalb der Initiative und kann zur Darstellung der Arbeit gegenüber der Öffentlichkeit genutzt werden. 4.6 Mittelverwendung Sowohl die Informations- und Begegnungsangebote als auch die ehrenamtlichen Begleit- und Betreuungsangebote haben vergleichsweise geringe Ausgaben. Hauptamtlich unter- stützte Initiativen machen zum Großteil ihre Personalkosten über die Projektförderung geltend. Sonstige Kosten werden primär vom Träger übernommen. Ehrenamtlich geführte Initiativen haben zwar keine Personalkosten, allerdings vermehrt andere Kostenarten (z. B. Bürobedarf, Miete), da sie zumeist nicht die Möglichkeit haben, auf bestehende Strukturen und einen Träger im Hintergrund zurückzugreifen. Die Betreu- ungsgruppen für demenzkranke Menschen schöpfen die maximale Förderung von 4.500 € aus, naturgemäß überwiegend für Personalkosten. Empfehlungen aus der Evaluation: • Aufgrund der mittelfristigen Zielsetzungen des Projektes und aus Kostengründen soll- ten zukünftig primär ehrenamtlich geführte Stadtteilinitiativen unterstützt werden. • Es empfiehlt sich, generell die Ausgaben für Personalkosten zu begrenzen und die Gelder stattdessen vornehmlich in die Betreuung, Anerkennung und Fortbildung der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu investieren. • In Bezug auf die Betreuungsgruppen für demenzkranke Menschen gilt es zu prüfen, inwieweit künftig lediglich eine Anschubfinanzierung, z. B. für ein Jahr ausreicht, um die Gründung solcher Gruppen zu unterstützten. Innerhalb dieses Jahres sollte eine Demenzbetreuungsgruppe als „niedrigschwelliges Angebot“ nach § 45c SGB XI an- erkannt sein und ihre Kosten weitestgehend aus den gesetzlichen Leistungen bestrit- ten werden. Das Projekt „Von Mensch zu Mensch“ sollte Sorge dafür tragen, dass die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer innerhalb dieses Jahres die vom Gesetzgeber geforderten Zertifizierungen (Schulungen) als Voraussetzung für den Erhalt der ge- setzlichen Leistungen erlangen. 4.7 Öffentlichkeitsarbeit Die Initiativen wünschen sich bei der Öff entlichkeitsarbeit im Stadtteil und für das Ge- samtprojekt mehr Unterstützung durch die Projektleitung; sowohl um ehrenamtliche Mit- arbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen als auch eine größere Nachfrage ihrer Angebo- te zu erzeugen. Ein einheitliches Erscheinungsbild ist dabei unerlässlich. Inzwischen existieren ein „Von Mensch zu Mensch“-Logo und ein Projektflyer für das Gesamtprojekt, dennoch wirbt jede Initiative weiterhin mit eigenem Flyer und eigenem Logo in sehr unterschiedlicher Qualität. 6 V/0929/2008 Ein einheitliches Auftreten im Sinne der Markenbildung „Von Mensch zu Mensch“ würde nicht nur den Wiedererkennungswert, sondern auch die Identifikation aller Beteiligten mit der „gemeinsamen Sache“ im Gesamtprojekt steigern. Empfehlungen aus der Evaluation: • Die Leistungen des Projektes müssen regelmäßig in sämtlichen Medien und unter dem gemeinsamen Logo dargestellt werden. • Dabei muss auch kommuniziert werden, dass weitere ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter willkommen sind, welche Betätigungsfelder möglich und welche Kom- petenzen erforderlich sind. 4.8 Vernetzung Die sogenannten Fachkräftetreffen bieten einen guten Rahmen, um Austausch und Ver- netzung untereinander auszubauen. Empfehlungen aus der Evaluation: • Als Ort der Vernetzung innerhalb des Projektes sollte das Fachkräftetreffen (unter neuem Namen) mindestens zweimal jährlich unter Einbezug der freiwilligen Mitarbei- terinnen und Mitarbeiter stattfinden. Hauptsächlich sollte das Treffen dem Austausch und der Weitergabe von Erfahrungen dienen, um so Zusammenarbeit zu ermögli- chen. • Auch muss zukünftig die Vernetzung mit den anderen Institutionen und Akteuren im Stadtteil intensiviert werden. Die Initiativen verfügen aufgrund der unmittelbaren Nähe zu den Menschen im jeweiligen Stadtteil über kleinräumige Kenntnisse, die gemäß dem Handlungskonzept „demografischer Wandel in Münster“, Teil des dort ange- strebten Frühwarnsystems sein können. • Das Projekt insgesamt bedarf einer deutlicheren Einbindung in die Altenhilfeland- schaft der Stadt Münster. Kooperationen (z. B. mit der Seniorenvertretung) müssen eingegangen und gepflegt werden. 5. Umsetzung der Handlungsempfehlungen Die Initiativen benötigen Zeit, um sich entsprechend ihrer Kapazitäten zu entwickeln, so- mit muss auch die Unterstützung und Begleitung der Initiativen durch eine Projektleitung längerfristig angelegt sein, um nachhaltig zu wirken. Um die Beteiligung der Stadtteilinitiativen und damit der ehrenamtlichen und professionel- len Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Einbindung von Kooperationspartnern wie zum Beispiel des Gerontopsychiatrischen Zentrums oder der Seniorenvertretung Münster zu sichern, sollte ein Beirat als begleitendes Gremium zum Projekt eingerichtet werden. In 2009, dem letzten Jahr der Modellphase, sollen die aus der Evaluation resultierenden Handlungsempfehlungen jeweils themenbezogen mit einigen ausgewählten Stadtteilinitia- tiven exemplarisch erprobt werden. Die entwickelten Best-Practice-Modelle könnten dann bei Bedarf von den übrigen Initiativen übernommen werden. Dieses Vorgehen ergäbe zu- dem einen zusätzlichen Impuls zur Vernetzung innerhalb des Projektes. Schon jetzt ist absehbar, dass für Aufbau und Fortbestand dezentraler, stadtteilorientierter ehrenamtlicher Hilfestrukturen eine übergeordnete Gesamtkoordination weiterhin erforder- lich sein wird, gerade wenn zukünftig der Fokus auf ehrenamtlich geführte Initiativen ge- legt wird. Bürgerschaftliches Engagement braucht nachhaltige Unterstützung durch eine förderliche Infrastruktur und professionelle Begleitung. Erkenntnisse darüber, in welchem Umfang und mit welchen Leistungen dies bei dem Projekt „Von Mensch zu Mensch“ zur Stärkung der Stadtteilinitiativen erforderlich sein wird, sollen in dem letzten Jahr der Mo- dellphase gewonnen werden. I. V. gez. Thomas Paal Stadtrat
Beratungsverlauf (4)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: von der Tagesordnung abgesetzt
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Vorlagen-Nr.
- V/0929/2008
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 05.11.2008
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37