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2013/0227

Verleihung der Silbernen Verdienstplakette der Stadt Darmstadt an Herrn Moritz Neumann

Magistratsvorlage 10.07.2013

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2013/0227

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2013/0227

7376 Zeichen

Magistratsvorlage 
 
Eingang Magistrats- 
geschäftsstelle: 
16.07.2013 
an den Magistrat 
   zur Kenntnis 
   zur Beschlussfassung 
 
Beteiligt vor 
Magistratsbeschlussfassung: 
Dezernat I  an die Stadtverordnetenversammlung 
   OBW zur Befassung 
   zur Kenntnis 
   zur Beschlussfassung 
   zur abschließenden Beschluss-        
fassung Fachausschuss 
 
Amt: Hauptamt 
Behandlung in  
öffentl. Sitzung 
Ja 
 
Nein 
 
 OBW bei abschl. 
Beschlussfassung Magistrat 
 
 
 
Ja 
 
Nein  
Internetfähig     
Verteiler: 
 
 
Vorlage-Nr. 2013/0227 
 
Magistratsbeschluss-Nr. 
  
 
Produkt-Nr.: 111070 
Kostenstelle: 781-010-1000 Investitionsnummer:       
Kostenträger: 1110-71 Sachkonto: 7290100 
 
Betreff: Verleihung der Silbernen Verdienstplakette der Stadt Darmstadt an Herrn Moritz 
Neumann 
 
Vorlage vom: 10.07.2013 
 
Beschlussvorschlag: 
 
Dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Darmstadt, Herrn Moritz Neumann, wird in Anerkennung 
seiner Verdienste um die Verständigung zwischen den Religionen und das kulturelle und 
gesellschaftliche Leben in unserer Stadt die Silberne Verdienstplakette der Stadt Darmstadt verliehen. 
 
 
Anlagen:

- 2 - 
 
Datenschutzrelevante Anlage:  
 
Folgekosten:    Ja    Nein 
 
Beschluss des Magistrats vom

- 3 - 
 
Begründung zur Magistratsvorlage vom 10.07.2013   
 
Moritz Isidor Neumann wurde am 07. April 1948 in Fulda geboren. Nach Abschluss der Schule 
absolvierte er eine Ausbildung zum Redakteur bei der „Fuldaer Volkszeitung“. Es folgten Redakteur- 
und Korrespondententätigkeiten bei verschiedenen Verlagshäusern in Hessen, u. a. dem 
„Darmstädter Tagblatt“ und dem „Darmstädter Echo“ sowie freie Mitarbeitertätigkeiten bei Hörfunk und 
Fernsehen. 
 
1980 wurde Herr Neumann zum Geschäftsführer des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in 
Hessen berufen, 1994 wurde der Vater dreier Kinder zum Vorsitzenden gewählt. Parallel dazu ist er 
ehrenamtlich in verschiedenen Kuratorien und als Mitglied in der Kommission für die Geschichte der 
Juden in Hessen engagiert. Darüber hinaus ist er seit 1994 Mitglied im Direktorium des Zentralrats der 
Juden in Deutschland und seit dem Jahr 2000 Mitglied des European Jewish Congress. Herr 
Neumann war Gründungsmitglied der Landesanstalt für privaten Rundfunk in Kassel und ist seit zwei 
Jahrzehnten Mitglied im Rundfunkrat des Hessischen Rundfunks. Hier gehört er dem 
Programmausschuss Hörfunk an und ist stellvertretender Vorsitzender des Finanzausschusses. 
Zudem ist Herr Neumann Bundesvorsitzender des deutschen Zweigs der weltweiten 
Berufsbildungsorganisation ORT.  
 
Seit mehr als drei Jahrzehnten ist Herr Neumann in der Jüdischen Gemeinde Darmstadt engagiert, 
deren Vorsitz er seit 1991 bis heute innehat. Sein Engagement gilt dabei vor allem der Vermittlung 
von Kenntnissen über die jüdische Religion und ihre Traditionen, die er in früheren Jahren durch 
zahlreiche Schulveranstaltungen und in der monatlichen Sendereihe des Hessischen Rundfunks „Aus 
der jüdischen Welt“ weiter gab. 
 
Der Wiederaufbau der Synagoge in Darmstadt war für die Jüdische Gemeinde und für die Stadt 
Darmstadt ein Projekt, das von allen Parteien und der Bürgerschaft gemeinsam getragen wurde. Hier 
hat sich Herr Neumann in herausragender Weise engagiert und durch seinen kompetenten Rat 
maßgeblich und richtungsweisend an der Realisierung des Projektes mitgewirkt. Mit der Einweihung 
der Synagoge am 9. November 1988 veränderte sich auch das Gemeindeleben: 
Synagogenführungen, Bildungsveranstaltungen über jüdisches Leben, kulturelle Angebote, Konzerte, 
Vorträge, Ausstellungen kamen wesentlich durch den Einsatz von Herrn Neumann zustande. In seiner 
Amtszeit hat sich die Gemeinde auf 800 Mitglieder vervierfacht, vor allem durch den Zuzug russischer 
Juden, für deren Zurechtfinden in der neuen Kultur er eine unentbehrliche Hilfe ist.  
 
Nachdem im Oktober 2003 die Überreste der einst prachtvollen Liberalen Synagoge Darmstadt bei 
Bauarbeiten auf dem heutigen Gelände des Klinikums Darmstadt gefunden wurden, jenes jüdischen 
Gotteshauses, das im November 1938 von den Nationalsozialisten zerstört wurde, konnten nach 
einem Baustopp und Planänderungen für das Klinikum die Überreste gesichert und eine Gedenkstätte 
als Erinnerungsort konzipiert werden. Dieses Zeitdokument symbolisiert für alle nachfolgenden 
Generationen  die Schrecken des NS-Regimes und zeigt auf, welch reichhaltiges jüdisches Leben 
durch die Zerstörung verloren ging.  
 
Im Rahmen seiner Mitarbeit in der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit setzte sich 
Herr Neumann stets für die Versöhnung zwischen Juden und Christen ein und auch als Co-Autor 
verschiedener Bücher zur Geschichte der Juden in Darmstadt und Autor des biografischen Romans 
„Im Zweifel nach Deutschland“ hat er sich mit großem Engagement für die Verständigung zwischen 
Juden und Nichtjuden eingesetzt. 
 
Zu Neumanns Vita gehört auch, dass er in einer Klezmer Band namens „Oif simches“ (dt. „viel 
Freude“) erfolgreich als Akkordeonspieler und -sänger auftrat, sich zudem auf der Bühne auch als 
glänzender Witze-Erzähler erwies.  Mit der Band, darunter Aviva Steinnitz, in den 1980er Jahren die 
einzige jüdische Combo, trat er in ganz (West-)Deutschland auf. Es erschien auch eine CD. 
 
Kommunalpolitisch war Moritz Neumann von 1997 bis 2006 als ehrenamtliches Mitglied des 
Magistrats der Stadt Darmstadt tätig.

- 4 - 
Für die von ihm betriebene Kontaktpflege zu den ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und 
Mitbürgern Darmstadts erhielt Moritz Neumann im Jahr 1982 die Freundschaftsplakette der Stadt 
Darmstadt. Seine Berichterstattung in der örtlichen Presse trug damals mit dazu bei, Vergangenes 
wach zu rufen, aber auch zu vermitteln und Wege zu ebnen für neue Freundschaften zwischen den 
jüdischen Gästen der Stadt Darmstadt und der Bevölkerung. Darüber hinaus wurden seine überaus 
engagierten Aktivitäten und seine Aufklärungsarbeit innerhalb der Jüdischen Gemeinde Darmstadt  im 
Jahr 2006 mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 
ausgezeichnet. Für sein Wirken um das kulturelle und gesellschaftliche Leben in Hessen und sein 
Beitrag zu einer Verständigung der Religionen erhielt er im Jahr 2011 die Wilhelm-Leuschner-
Medaille, die höchste Auszeichnung des Landes Hessen. 
 
Moritz Neumann hat sich in mehreren Jahrzehnten des erinnerungskulturell-politischen Engagements 
in hohem Maße um den christlich-jüdischen Dialog, die Verständigung zwischen den Religionen und 
gegen Antisemitismus und Fremdenhass verdient gemacht. Sein Wirken als engagierter, 
kenntnisreicher und wortgewandter Botschafter des Judentums kann nicht hoch genug eingeschätzt 
werden, ebenfalls sein Beitrag zur Integration der zahlreichen russischen Einwanderer und 
Einwanderinnen in der Jüdischen Gemeinde Darmstadt von Beginn der 1990er Jahre an. Seine 
jahrzehntelangen Verdienste um das Gemeinwohl und das kulturelle und gesellschaftliche Leben in 
unserer Stadt sollten durch die Silberne Verdienstplakette der Wissenschaftsstadt Darmstadt 
gewürdigt werden. Es wird vorgeschlagen, Herrn Neumann, der am 7. April 2013 seinen 65. 
Geburtstag gefeiert hat, die Auszeichnung im Rahmen der Gedenkfeierlichkeiten zum 25-jährigen 
Jubiläum der Neuen Synagoge Darmstadt zu überreichen. 
 
Darmstadt, 10.07.2013 
100 gö 
 
 
Dezernat I 
 
 
 
 
Jochen Partsch  
Oberbürgermeister

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Details

Vorlagen-Nr.
2013/0227
Typ
Magistratsvorlage
Datum
10.07.2013
Erstellt
29.09.2026 00:00