SV-2013/0027
Antrag der Fraktionen Bü 90/Grüne und CDU vom 15. April 2013 betr. Berücksichtigung der Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO International Labour Organization) und Umsetzung einer umweltfreundlichen Beschaffung bei Städtischen Auftragsvergaben
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SV-2013/0027
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Vorlage-Nr. SV-2013/0027 ___________________________________________________________________ _ Darmstadt 15. April 2013 A N T R A G Berücksichtigung der Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO International Labour Organization) und Umsetzung einer umweltfreundlichen Beschaffung bei Städtischen Auftragsvergaben Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen: 1. Die Stadtverwaltung wird aufgefordert Ihre Bemühungen zu einer nachhaltigen und sozial gerechten Beschaffungspolitik fortzusetzen. 2. Der Beschluss der Stadtverordnetenversammlung hinsichtlich des Ausschlusses von Produkten aus ausbeuterischer Kinderarbeit (30.09.2008) hat sich im Prinzip bewährt und soll daher nun einerseits hinsichtlich der anwendbaren Zertifikate / Kriterien und andererseits auf die weiteren ILO Kernarbeitsnormen sowie die Vorschläge des Umweltbundesamtes zur umweltfreundlichen Beschaffung ausgeweitet werden. 3. Die Richtlinien zur Vergabe öffentlicher Aufträge der Stadt Darmstadt werden so verändert und angepasst, dass soziale und ökologische Kriterien bei der Auftragsvergabe berücksichtigt werden. Die Vergaberichtlinien werden im Sinne einer sozial-ökologischen und fairen Beschaffung regelmäßig überprüft und weiterentwickelt. 4. Für die Produktgruppen Arbeitskleidung, Spielzeug, Blumen, Steine, Lebensmittel, Mobiliar, Bürogeräte, Büromaterial werden bei der nächsten anstehenden Ausschreibung Pilotprojekte durchgeführt und ausgewertet. Die betrifft vor allem die Anwendbarkeit bestimmter Siegel und Zertifikate (wie z.B. fair trade oder andere für die ILO Normen) und die Spezifikationen des UBA für die umweltfreundliche Beschaffung. 5. Den Beschaffungsverantwortlichen sind spezielle Schulungsangebote zu unterbreiten 6. Städtischen Gesellschaften, Eigenbetriebe und Werkstätten werden angeregt, entsprechend zu verfahren. 7. Die Stadt Darmstadt wird eine Lenkungsgruppe zur Umsetzung der sozial-ökologischen Beschaffung in den verschiedenen Dezernaten und Beschaffungsstellen einrichten. Soweit möglich und sinnvoll sollen die städtischen Gesellschaften, Eigenbetriebe und Werkstätten einbezogen werden. 8. Die Steuerungsgruppe „Fairtrade-Stadt“ soll an der Entwicklung und Umsetzung der veränderten Vergaberichtlinien beteiligt werden. B' 90/Die GRÜNEN Stadtverordnetenfraktion Darmstadt Lauteschlägerstr. 38—64289 Darmstadt Tel./Fax: 06151/6 14 90, 06151/6 14 01 Mail: fraktion@gruene-darmstadt.de Internet: www.gruene-darmstadt.de/fraktion CDU Darmstadt Stadtverordnetenfraktion Steubenplatz 12 4—64293 Darmstadt Tel./Fax: 06151/171211, 06151/171219 Email: fraktion@cdu-darmstadt.de Internet: www.cdu-darmstadt.de 2 9. Als Umstellungszeitraum werden zwei Jahre angesetzt. Innerhalb dieser Zeit wird festgelegt: a) für welche Produkte / Produktgruppen die Besorgnis besteht, dass die Kernarbeitsnormen nicht eingehalten werden b) mit welchen Anforderungen sichergestellt wird, dass die beschafften Produkte unter Einhaltung der ILO Kernarbeitsnormen produziert wurden c) für welche Produkte eine umweltfreundliche Beschaffung entsprechend den Empfehlungen und Kriterien des Umweltbundeamtes (z.B. Blauer Engel etc) erfolgen soll. 10. Die Stadt Darmstadt erstattet jährlich über die Erfahrungen und Ergebnisse der Umstellung Bericht. Begründung: Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Sie wurde im Jahr 1919 gegründet und hat ihren Hauptsitz in Genf. Die ILO verfügt über eine dreigliedrige Struktur, die im UN-System einzigartig ist: Die 185 Mitgliedsstaaten sind durch Repräsentanten sowohl von Regierungen, als auch von Arbeitnehmern und Arbeitgebern in den Organen der ILO vertreten. Schwerpunkte der Arbeit der ILO sind die Formulierung und Durchsetzung internationaler Arbeits- und Sozialnormen, insbesondere der Kernarbeitsnormen, die soziale und faire Gestaltung der Globalisierung sowie die Schaffung von menschenwürdiger Arbeit als einer zentralen Voraussetzung für die Armutsbekämpfung. Der Öffentlichen Hand kommt in besonderem Maße eine Verantwortung bei der Einhaltung internationaler Normen und Gesetze zu. So sind die ILO-Kernarbeitsnormen (Vereinigungsfreiheit und Recht auf Kollektivhandlungen, Beseitigung der Zwangsarbeit, Abschaffung ausbeuterischer Kinderarbeit, Verbot der Diskriminierung) für alle ILO-Mitgliedsstaaten – also auch für Deutschland – völkerrechtlich bindend. Mit einem Beschaffungsvolumen von mehr als 360 Mrd. Euro jährlich, von dem allein die Kommunen 60 Prozent verantworten, können die Kommunen – und somit auch die Stadt Darmstadt – wichtige Impulse für einen verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichen Mitteln geben und darüber hinaus eine Vorbildfunktion für das Konsumverhalten aller Bürger wahrnehmen. Durch die Umsetzung dieser Vergabekriterien setzt sich die Stadt aktiv für die Herstellung ihrer Verbrauchsgüter unter menschenwürdigen Bedingungen ein. Sie schließt sich damit einer Reihe von Kommunen an, die einen diesbezüglichen Beschluss schon gefasst haben – darunter Dinslaken, Bonn, Köln, Kamen, Düsseldorf, Neuss. Mit einer sozial-ökologischen Vergabepraxis orientiert sich die Stadt Darmstadt somit nicht nur an bestehenden Gesetzen, sondern trägt auch zu einer positiven eigenen Imagebildung bei, da insbesondere der Faire Handel bei immer mehr Bürgerinnen und Bürgern eine Zustimmung erhält. Die gesetzliche Grundlage für eine derartige Umstellung des Beschaffungswesens wurde mit dem „Gesetz zur Modernisierung des Vergaberechts“ vom April 2009 geschaffen; Hilfestellung bei der praktischen Umsetzung gibt der Deutsche Städtetag mit seinem Leitfaden „Die Berücksichtigung sozialer Belange im Vergaberecht“. Des Weiteren helfen eine Reihe von unabhängigen Siegel- und Überprüfungseinrichtungen bei der Auswahl sozial-ökologisch hergestellter Produkte, wie „Fair Trade“ (Kaffee, Lebensmittel aller Art, Kleidung u.v.m.), Flower Label Programm (Blumen), „Fair Wear Foundation (Arbeitskleidung), „Xertifix“ (Pflastersteine) oder „Aktion fair spielt“ (Spielzeug), um nur einige zu nennen. Die christliche Initiative Romero (CIR) mit Sitz in Münster berät ebenfalls Kommunen in der Vorbereitung und Umsetzung eines solchen Beschlusses. Parallel dazu soll überprüft werden welche der vom Umweltbundeamt vorgeschlagenen Maßnahmen zur umweltfreundlichen Beschaffung bei der Stadt Darmstadt umgesetzt werden können. Da die Prozesse und Regelungen hierfür systematisch ähnlich und zum großen Teil die gleichen Mitarbeiter hiermit befasst sind, ergibt sich durch die gleichzeitige Behandlung von sozialen und ökologischen 3 Gesichtspunkten ein direkter Synergie-Effekt. Die weitere Begründung erfolgt mündlich Hildegard Förster-Heldmann Hartwig Jourdan Yücel Akdeniz (Fraktionsvorsitzender) (Fraktionsvorsitzende) Ellen Schüßler Peter Franz Georg Mehlhart Andreas Heckmann (Stadtverordnete) (Stadtverordnete)
Beratungsverlauf (3)
Orte (2)
- Lauteschlägerstraße 38
- Steubenplatz 12
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Details
- Vorlagen-Nr.
- SV-2013/0027
- Typ
- Antrag
- Datum
- 16.04.2013
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00