A-R/0049/2018
Wohnraum für Wohnungslose schaffen – „Housing first“ in Münster umsetzen
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Antrag an den Rat Nr. : A-R/0049/2018 Bündnis 90/Die Grünen/GAL CDU Ratsfraktion Münster Ratsfraktion Münster 25.06.2018 Antrag an den Rat Wohnraum für Wohnungslose schaffen – „Housing first“ in Münster umsetzen Der Rat möge beschließen: 1. Zur Schaffung von dauerhaftem und nachhaltigem “ Normalwohnraum” für wohnungslose Menschen mit komplexen Problemlagen unterstützt die Stadt Münster die Erprobung des Housing-First-Ansatzes als eine neue Vorgehensweise in der Wohnungslosenhilfe. 2. Die Verwaltung wird beauftragt, hierzu Handlungs möglichkeiten aufzuzeigen und einen entsprechenden Bericht vorzulegen. Begründung: I. Seit einigen Jahren ist der „Housing-First“-Ansatz in der Wohnungslosenhilfe in der Diskussion. Housing First ist ein Programmansatz, m it dem Wohnungslose mit komplexen Problemlagen direkt in dauerhaften Wohnraum gebrach t werden, ohne die Bedingung, vorher „Wohnfähigkeit" erlangt zu haben. Wohnbeglei tende persönliche Hilfen werden nachdrücklich (assertive) angeboten, aber ihre Annahme ist freiwillig. Statt der gängigen Stufensysteme für Wohnungslose, die einen schrittweisen Aufstieg zwischen verschiedenen Sonderwohnformen - Notunterk ünfte, betreute Wohngruppen, Übergangswohnen / Trainingswohnen usw. - mit unters chiedlichen Graden von Autonomie und Kontrolle vorsehen, bevor eine Vermittlung in a bgeschlossenen Wohnraum mit vollen Mieterrechten („Finalwohnung“) möglich ist, werden Wohnungslose bereits von Anfang an in “sog.“ Normalwohnraum vermittelt und zusätzlich dazu werden ihnen persönliche soziale und gesundheitliche Hilfen angeboten. In anderen Ländern ist der Housing-First-Ansatz ber eits sehr erfolgreich. Finnland beispielsweise hat es mit seinem landesweiten Housi ng-First-Programm geschafft, die Zahl der Wohnungslosen Menschen deutlich zu senken. Auch in Portugal oder Österreich läuft dieses Programm mit Erfolg. Begrüßenswert ist es, dass die NRW-Landesregierung im Rahmen des Landesförderprogramms „ Wohnungslosigkeit vermeiden – dauerhaftes Wohnen si chern“ auch für Nordrhein-Westfalen ein Pilotprojekt „Housing-First-Fonds“ mit einer Personalstelle über drei Jahre fördern wird. Mit Hilfe von Geldern aus einem Fonds, der sich aus den Verkaufserlösen aus Werken des Malers Gerhard Richter speist, soll der Ankauf von bis zu 100 Wohneinheiten durch soziale Träger der Freien Wohlfahrtspflege mit finanziert werden. Ziel des Projektes ist zum einen die Schaffung von Wohnraum für chronifiziert, wohnu ngslose Menschen, die sich nicht bereits in einer Maßnahme befinden, und die Umsetzu ng des Housing- First- Ansatzes unter wissenschaftlicher Evaluation. Durchgeführt wird das Projekt vom Paritätischen Woh lfahrtsverband Nordrhein-Westfalen in Kooperation mit einem Paritätischen Träger in Düsse ldorf, der gleichzeitig die Fondsgelder 2 akquiriert hat und zweckgebunden einbringt. Der Fon ds gibt freien, gemeinnützigen Trägern die Möglichkeit, Wohneigentum für die Zielgruppe zu erwerben, um an unterschiedlichen Standorten in NRW den Wohnraum unbefristet an die Z ielgruppe der chronifiziert- wohnungslosen Menschen, als sog:“ Normalwohnraum (M ietwohnungen mit privatrechtlichem Mietvertrag) zu vermieten. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass sich s oziale Träger in der Kommune Belegungsrechte für diese Vermietungen sichern. In beiden Fällen bietet ein sozialer Träger, in Absprache mit dem zuständigen Kostenträger (Land schaftsverbände), soziale Wohnhilfen nach dem Housing-First-Konzept an. II. „Wohnen ist ein Menschenrecht“, doch bezahlbarer Wo hnraum ist knapp geworden. Menschen die auf der Straße leben haben so gut wie keine Chancen an sog. Normalwohnraum zu kommen. Laut der letzten Schätzun gen der BAG Wohnungslosenhilfe, wird sich die Zahl der Wohnungslosen Menschen bunde sweit bis 2020 von derzeit fast 900.000 auf 1,2, Mio. erhöhen. Daher braucht es dri ngend eine bundesweite politische Strategie, wie dieser steigenden Wohnungslosigkeit begegnet werden kann. Hier bietet der „Housing-First“ Ansatz einen neuen Denkansatz in der Wohnungslosenhilfe. Das Projekt wird den Notstand auf dem Wohnungsmarkt alleine nicht beseitigen können. Es kann aber dazu beitragen, wissenschaftlich zu beleg en, dass eine direkte Vermittlung von chronifizierten wohnungslosen Menschen in Privatwoh nraum, funktionieren kann, wenn diese Menschen, die aufgrund ihres oft jahrelangen Lebens auf der Straße, massive psychische und gesundheitliche Probleme haben, kont inuierlich soziale Hilfen bekommen. Viele Studien zeigen, dass gerade die sog. „Schwers tvermittelbaren“ Menschen, durch diesen Ansatz auf Jahre in diesen Wohnungen verblei ben und Verbesserungen in einzelnen Lebensbereichen erreichen können. (s. Europäische Kommission- „Housing First“ Peer Review zu Sozialschutz und sozialer Eingliederung) Beispiel Düsseldorf: Hier kauft die Obdachloseninit iative Fifty Fifty bereits seit zwei Jahren Wohnungen im Stadtgebiet an, um sie an Wohnungslose zu vermieten. Fifty fifty führt mittlerweile 48 Wohnungen unter dem Konzept: „Housing first“. III. Auch wenn es in Münster bereits viele Einrichtungen und Angebote der Wohnungslosenhilfe gibt, wäre es dennoch sehr sinnvoll, auch vor dem H intergrund der weiter ansteigenden Zahlen von Wohnungslosen, die bereits bestehenden A ngebote in der Wohnungslosenhilfe um dieses Projekt „Housing First“ zu ergänzen. Der Träger „Dach übern Kopf e.V.“ plant aktuell als ein Kooperationsträger des landesweiten Projektes diesen Ansatz in Münster umzusetzen. Die Stadt Münster sollte daher die Arbeit des Trägers so gut wie es geht unterstützen und all es ihr Mögliche dazu beitragen, dass dieses Vorhaben in Münster umgesetzt werden kann. Richard Halberstadt Harald Wölter Stefan Weber Otto Reiners Christel Loschelder Christoph Kattentidt Karin Reismann Jörn Möltgen und Fraktion und Fraktion
Beratungsverlauf (1)
Details
- Aktenzeichen
- A-R/0049/2018
- Typ
- Antrag an den Rat
- Datum
- 27.06.2018
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37