3555/2020
Studie zu lokalen Wohnungsmarkteffekten durch plattformbasierte Kurzzeitvermietung in Köln
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Studie zur Kurzzeitvermietung in Köln
65352 Zeichen
Kurzzeitvermietung in Köln
Lokale Wohnungsmarkteffekte durch plattformbasierte Kurzzeitvermietung.
Iwp Discussion Papers No. 1/2020 – Dezember 2020
Felix Mindl
Oliver Arentz
Autoren
Felix Mindl
Telefon: 0221 470 5680
mindl@wiso.uni-koeln.de
Dr. Oliver Arentz
Telefon: 0221 470 5357
arentz@wiso.uni-koeln.de
Kontaktadresse
Institut für Wirtschaftspolitik
an der Universität zu Köln
Pohligstr. 1
50969 Köln
Forschungsförderung & Kooperation
Wir danken der Stadt Köln für die Kooperation und
finanzielle Forschungsförderung, die diese Studie ermöglichte.
Köln, Dezember 2020
i Lokale Wohnungsmarkteffekte durch Kurzzeitvermietung in Köln
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis ..............................................................................................................................ii
Tabellenverzeichnis ..................................................................................................................................ii
In aller Kürze ............................................................................................................................................ 1
1. Zum Hintergrund ................................................................................................................................. 3
2. Struktur der Kurzzeitvermietung auf dem Kölner Wohnungsmarkt ................................................... 5
2.1 Marktsegmentierung – Airbnb dominiert weiterhin den Markt ................................................... 5
2.2 Entwicklung des Kurzzeitvermietungs-Angebots seit 2010 .......................................................... 6
2.3 Privates Homesharing oder professionelle Kurzzeitvermietung? ................................................. 7
2.4 Besonderheiten der professionellen Kurzzeitvermietungs-Angebote in Köln ............................ 12
3. Lokale Wohnungsmarkteffekte durch Kurzzeitvermietung in Köln .................................................. 16
3.1 Herangehensweise ...................................................................................................................... 16
3.2 Quantitative Effekte der Kurzzeitvermietung ............................................................................. 18
4. Fazit ….. . ............................................................................................................................................ 20
5. Literatur ......................................................................................................................................... 22
6. Anhang ............................................................................................................................................. 23
6.1 Daten ........................................................................................................................................... 23
6.2 Methodik ..................................................................................................................................... 23
6.3 Robustheitstests .......................................................................................................................... 26
ii Lokale Wohnungsmarkteffekte durch Kurzzeitvermietung in Köln
Abbildungsverzeichnis
ABBILDUNG 1: MARKTANTEILE DER VERSCHIEDENEN KURZZEITVERMIETUNGS-PLATTFORMEN 6
ABBILDUNG 2: KUMULIERTE ANZAHL DER KURZZEITVERMIETUNGS-UNTERKÜNFTE IN KÖLN 7
ABBILDUNG 3: WOHNUNGSGRÖßE DER KURZZEITVERMIETUNGS-UNTERKÜNFTE 10
ABBILDUNG 4: ANGEBOTSSTRUKTUR DER KURZZEITVERMIETUNGS-UNTERKÜNFTE IN KÖLN 13
ABBILDUNG 5: KURZZEITVERMIETUNGS-UNTERKÜNFTE IN KÖLN PRO STADTTEIL IN 2019 14
ABBILDUNG 6: VERGLEICH DER WOHNUNGSINSERATE ZU PROFESSIONELLEN
KURZZEITVERMIETUNGS-UNTERKÜNFTEN VON 2010 BIS 2019 PER QUARTAL 15
ABBILDUNG 7: SCHEMATISCHE DARSTELLUNG DES ÖKONOMETRISCHEN
REGRESSIONSMODELLS 18
ABBILDUNG 8: ENTWICKLUNG DES DURCHSCHNITTLICHEN M2-MIETPREIS DER
NETTOKALTMIETE IN KÖLN VON 2010 - 2018 UNTERTEILT NACH
BEOBACHTUNGSGRUPPE 19
ABBILDUNG 9: AUFTEILUNG DER STADTTEILE PRO TERZIL IN KÖLN IN 2018 24
Tabellenverzeichnis
TABELLE 1: GASTGEBER MIT MEHREREN UNTERKÜNFTEN 8
TABELLE 2: TOP TEN DER GASTGEBER MIT MEHREREN UNTERKÜNFTEN 9
TABELLE 3: BREAK-EVEN BERECHNUNG DER KURZZEITVERMIETUNG 11
TABELLE 4: REGRESSIONSTABELLE ZUR QUANTIFIZIERUNG DES EFFEKTS DER
KURZZEITVERMIETUNG 20
TABELLE 5: TERZILE DER KURZZEITVERMIETUNGS-DICHTE IN 2018 PRO STADTTEIL IN KÖLN 24
TABELLE 6: QUANTIFIZIERUNG DES EFFEKTS DER KURZZEITVERMIETUNG – VERGLEICH
ZWISCHEN DID UND TRIPLE DID 27
TABELLE 7: QUANTIFIZIERUNG DES EFFEKTS DER KURZZEITVERMIETUNG BEI
VARIIERENDEM TREATMENTZEITPUNKT 28
TABELLE 8: PLACEBOREGRESSIONEN 29
1 Lokale Wohnungsmarkteffekte durch Kurzzeitvermietung in Köln
In aller Kürze
Wie in vielen anderen Großstädten Deutsch-
lands erhöht sich auch in Köln der Druck auf
den Wohnungsmarkt seit den letzten 10 Jahren
kontinuierlich. Die Leer standsquote ist von –
bereits sehr niedrigen – 1,6 % in 2010 auf 1 %
im Jahr 2017 gesunken .1 Die Angebotsmieten
sind zwischen 2010 und 2018 durchschnittlich
um fast 50 % gestiegen .2 Vor diesem Hinter-
grund wird der Einfluss der rasant wachsenden
Sharing E conomy auf den Wohnungsmarkt
kontrovers diskutiert.
Dabei werden unter Sharing Economy, so ge-
nannte peer-to-peer Plattformmärkte im Inter-
net verstanden, auf denen Individuen die vo-
rübergehende Nutzung ihrer privaten Güter ge-
gen monetäre Vergütung anderen Verbrau -
chern anbieten. Für den Wohnungsmarkt ist
insbesondere die Entwicklung von Kurzzeitver-
mietungs-Plattformen relevant.3
Oftmals werden die gemeinschaftsbildende
Funktion sowie die effiziente Nutzung von Res-
sourcen durch die Kurzzeitvermietung als posi-
tiv betrachtet. Dahingegen gibt es auch kriti-
sche Stimmen. Die Hotelbranche bemängelt,
dass die Kurzzeitvermietungs -Unterkünfte in
einem unfairen Wettbewerb mit dem Gastge-
1 Hierbei handelt es sich um den marktaktiven Leer-
stand von Geschosswohnungen.
empirica. (n.d.). Leerstandsquote von Wohnungen
in Berlin von 2001 bis 2017. Statista , Zugriff am
31.05.2020
2 Berechnet auf Grundlage von Daten von F+ B
GmbH
3 Im Folgenden wird unter Kurzzeitvermietung die
Vermietung einer in der Regel eingerichteten und
wenigstens teilmöblierten Unterkunft für einen
werbe stünden. Überdies kritisieren Mieterver-
bände sowie Kommunalpolitiker zum einen das
respektlose Verhalten von Touristen in Wohn-
häusern und die damit verbundene Zerschla-
gung der Hausgemeinschaft und zum anderen
besteht die Befürchtung, dass die Kurzzeitver-
mietung in Nutzungskonkurrenz zur Langzeit-
vermietung stehe. Dadurch würde Wohnraum
weiter verknappt, was einen weiteren Anstieg
der Angebotsmieten verursache.
Die Stadt Köln hat auf die Entwicklungen der
ersten Hälfte des vergangenen Jahrzehnts mit
dem Erlass einer Wohnraumschutzverordnung
im Jahr 2014 reagiert, um Leerstand zu reduzie-
ren und die gewerbliche Nutzung von Wohn-
raum zu begrenzen . Die rechtlichen Möglich-
keiten der Satzung werden bisher durch den
Rahmen des Wohnungsaufsichtsgesetz (WAG)
NRW vorgegeben. Kürzlich wurde der Entwurf
eines Gesetzes zur Stärkung des Wohnungswe-
sens in Nordrhein -Westfalen (Wohnraumstär-
kungsgesetz – WohnStG) gebilligt. Ein wesent-
liches Ziel des WohnStG ist es, „die Handlungs-
möglichkeiten der Gemeinden gegen verstärkt
auftretende Formen d er Zweckentfremdung
von Wohnraum zu erweitern, indem ein Ver-
fahren zur Identifizierung der Anbieter von
Wohnraum, der zum Zwecke der Kurzzeitver-
mietung genutzt wird, eingeführt wird“.4
festgelegten Zeitraum verstanden. Bei der Unter-
kunft kann es sich um ein Haus, eine Wohnung, ein
Zimmer oder auch geteilten Wohnraum handeln.
Der Zeitraum ist auf eine Nacht bis hin zu regelmä-
ßig sechs Monate beschränkt. Eine einheitliche De-
finition existiert unseres Wissens nach nicht.
4 Vgl. Gesetzentwurf der Landesregierung zum
WohnStG vom 15.09.2020. Im Internet verfügbar
unter: https://www.landtag.nrw.de/por-
tal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMV17-
3852.pdf Zugriff 29.10.2020
2 Lokale Wohnungsmarkteffekte durch Kurzzeitvermietung in Köln
Die vorliegende Untersuchung soll der Frage
nachgehen, ob und in wie fern Kurzzeitvermie-
tungs-Angebote eine Auswirkung auf die Miet-
preise in Köln haben. Damit soll eine Grundlage
für eine sachorientierte Debatte um Regulie-
rungserfordernisse geschaffen werden.
Die mit Abstand führende Plattform für Kurz-
zeitvermietungen in Köln ist Airbnb mit einem
Marktanteil von 95 %. Zusätzlich nutzen wir in
dieser Studie Daten zu HomeAway, womit eine
Marktabdeckung von 98% des Kölner Kurzzeit-
vermietungs-Marktes erreicht wird.
Die Kurzzeitvermietung in Köln hat erstmals im
Jahr 2015 mit mehr als 500 Unterkünften eine
bedeutende Größe erlangt. Seit Mitte 2015 hat
das Angebot rasant zugenommen: Die Zahl der
Kurzzeitvermietungs-Unterkünfte ist in den fol-
genden 5 Jahren auf fast 6.200 Unterkünfte
und somit um mehr als das Zehnfache ange-
stiegen. Die Mehrheit der Gastgeber betreibt
Homesharing im eigentlichen Sinn , also das
zeitweise Teilen des eigenen Zuhauses. Gleich-
zeitig existiert aber ein großer Anteil an Gast-
gebern, die die Kurzzeitvermietung professio-
nalisiert und daraus ein Geschäftsmodell ent-
wickelt haben. Sie bieten Unterkünfte das
ganze Jahr über für Touristen und Geschäftsrei-
sende an und stehen in Nutzungskonkurrenz
mit Langzeitvermietungen.
In der Regel übersteigen die Einnahmen aus
der Kurzzeitvermietu ng die der Langzeitver-
mietung bereits nach ca. 90 gebuchten Über-
nachtungen (das entspricht einer Belegungs-
rate von 25%). Über 500 Gastgeber in Köln in-
serieren gleich mehrere Unterkünfte auf den
untersuchten Plattformen. Gemeinsam bieten
Gastgeber mit mehre ren Unterkünften 1.665
Unterkünfte an. Nach unseren Schätzungen
können insgesamt 41 % (2.540) aller Kurzzeit-
vermietungs-Unterkünfte in Köln als professio-
nell eingestuft werden.
Betrachtet man den gesamten Wohnungs-
markt erscheint der Anteil an professionell en
Kurzzeitvermietungs-Unterkünften mit 0,35 %
der Wohneinheiten verschwindet gering.
Wenn man allerdings zum einen die starken
Schwankungen der räumlichen Konzentration
berücksichtigt und zum anderen den Anteil der
Kurzzeitvermietung auf die Langzeitvermie-
tungsinserate bezieht, ergibt sich eine weitaus
größere Relevanz. So gab es in der Neustadt
Süd im vierten Quartal 2018 mehr als dreimal
so viele professionelle Kurzzeitvermietungs -
Unterkünfte als zur Langzeitvermietung ange-
botene Wohnungen.
Diese lokalen Konzentrationen geben Grund
für die Annahme , dass Kurzeitvermietungsan-
gebote zur Wohnungsverknappung und zu
Mietsteigerungen beitragen. In einer ökono-
metrischen Regressionsanalyse zeigt sich, dass
14,2 % der Mietpreissteigerungen bei Woh-
nungen bis 3 Zimmern in den betroffenen
Stadtteilen innerhalb der Zeit von Mitte 2015
bis Ende 2018 auf die Kurzzeitvermietung zu-
rückzuführen sind. Dies entspricht 4,6 Prozent-
punkten des Gesamtm ietanstiegs von 32,4 %.
2015 lag die durchschnittliche Angebotsmiete
für diese Wohnungen in den betroffenen Stadt-
teilen bei monatlich 580 €. Daraus ergibt sich
für Neumieter eine zusätzliche Mietbelastung
von rund 27 € im Monat bzw. 320 € im Jahr, die
ursächlich auf Kurzzeitvermietungs -Angebote
zurückzuführen ist.
3 Lokale Wohnungsmarkteffekte durch Kurzzeitvermietung in Köln
1. Zum Hintergrund
Das Kurzzeitvermietungs (KZVM)-Angebot von Homesharing-Plattformen wie „Airbnb“ biete t vielen
Reisenden eine oft günstigere Alternative zu Hotels und anderen professionell geführten Unterkünf-
ten. Die Wohnungsvermietungsportale werden insbesondere in den Großstädten sowie in touristisch
attraktiven Gebieten genutzt. Die große Beliebtheit dieser Internetplattformen und die daraus resul-
tierende temporäre Vermietung von privatem Wohnraum, hat nicht nur Auswirkungen auf die Touris-
musbranche, sondern auch auf den Wohnungsmarkt. Im Rahmen einer Studie über die Effekte von
Airbnb in Berlin sowie in Untersuchungen zu verschiedenen anderen Städten weltweit konnte die Kurz-
zeitvermietung in den Zusammenhang mit Wohnraumverknappung und daraus resultierenden Miet-
preiserhöhungen gebracht werden.5 Die vorliegende Studie untersucht, ob ähnliche Tendenzen in Köln
zu beobachten sind.
Mit mehr als 1 Million Einwohner ist Köln die größte Stadt in Nordrhein-Westfalen.6 Viele touristische
Attraktionen, Kulturangebote oder Kölner Kultveranstaltungen, wie zum Beispiel der Karneval, locken
jährlich mehrere Millionen Besucher an. Überdies ist die Anzahl der touristischen Übernachtungen in
den letzten 5 Jahren kontinuierlich angestiegen.7 Die Bedeutung von Kurzeitvermietungs-Plattformen
hat hier enorm zugenommen. Denn die privat vermietete Unterkunft ist eine vielgenutzte Alternative
zum tr aditionellen Hotelaufenthalt. Laut einer Gästebefragung von Airbnb in Hamburg, Berlin und
München, hätten weniger als 10 % der Befragten auf Ihre Reise verzichtet, wären sie über Airbnb nicht
fündig geworden.8 Entsprechend erfreut sich der KZVM-Markt eines rasanten Wachstums. In Köln hat
sich das KZVM-Angebot seit 2015 bis Ende 2019 von knapp über 500 auf rund 6.200 Unterkünfte ver-
zehnfacht. In Folge dessen werden zunehmend Wohnungen nicht mehr dauerhaft, sondern kurzzeitig
an Touristen oder Geschäftsreisende vermietet. Der daraus resultierende Gewinn ist für die Gastgeber
ein lukratives Geschäft.
5 Siehe z. B. Mindl (2020), Duso (2020), Barron et al. (2020), Horn and Merante (2017), Coles et al. (2017) und
Garcia-López (2020).
6 Im Internet verfügbar unter: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/322477/umfrage/entwicklung -der-
gesamtbevoelkerung-in-koeln/ Zugriff 26.05.2020.
7 Im Int ernet verfügbar unter: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/235358/umfrage/anzahl -der-tou-
ristischen-ankuenfte-und-uebernachtungen-in-koeln/ Zugriff 26.05.2020.
8 Vgl. Empirica (2019): „Airbnb im Kontext zentraler quantitativer Einflussfaktoren auf regionale Wohnungs-
märkte“, S.26.
4 Lokale Wohnungsmarkteffekte durch Kurzzeitvermietung in Köln
Wie in vielen deutschen Großstädten befindet sich auch der Kölner Wohnungsmarkt schon seit meh-
reren Jahren in einer angespannten Situation. Wohnungsangebote sind knapp, die Mieten steigen kon-
tinuierlich und die Wohnungssuchenden müssen viel Geduld aufbringen, um eine geeignete Wohnung
zu finden. Nicht wenige müssen auf die Wohnungsmärkte im Kölner Umland ausweichen. Die Stadt
Köln hat am 01.07.2014 mit einer ersten Wohnraumschutzsatzung auf den erhöhten Wohnungsbedarf
reagiert und die Zweckentfremdung von Wohnraum unter Genehmigungsvorbehalt gestellt .9 Zweck-
entfremdung liegt u. a. vor, „wenn der Wohnraum 1. mit mehr als der Hälfte der zur Verfügung ste-
henden Wohnfläche für gewerbliche oder berufliche Zwecke verwendet oder überlassen wird […]“.10
Hierunter fällt auch die Kurzzeitvermietung, wenn sie gewerblich betrieben wird.
Auch in der neuen Wohnraumschutzsatzung (WSS) vom 01.07.2019 bleibt die Genehmigungspflicht
für die Zweckentfremdung von Wohnraum für gewerbliche Nutzungen – also auch für die Kurzzeitver-
mietung – bestehen. Dabei sind die Vorgaben des Wohnungsaufsichtsgesetzes (WAG NRW) zu beach-
ten. Dieses erlaubt derzeit kein rechtssicheres Anmelde- und Registrierungsverfahren für KZVM-Ange-
bote und deckelt das Bußgeld bei einem Maximalbetrag von 50.000 €. Anonyme Profile und eine lü-
ckenhafte Datenlage erschweren die Durchsetzung der Satzung in der Praxis erheblich. Um diesen
Schwierigkeiten zu begegnen, hat die Stadt Köln, wie auch viele andere Großstädte11, zusätzliche Mit-
arbeiterstellen zur Ermittlung, Sachbearbeitung und Ahndung von Zweckentfremdung geschaffen.12
Auf landespolitischer Ebene wird derzeit über ein Gesetz zur Stärkung des Wohnungswesens diskutiert,
welches den Bußgeldrahmen bei Zweckentfremdung auf 500.000 € erweitern und den Kommunen die
Möglichkeit geben soll, eine Registrierungspflicht für KZVM-Angebote einzuführen.13
Mit dieser Studie quantifizieren wir erstmals die Mietpreiswirkungen von KZVM-Angeboten auf den
Kölner Wohnungsmarkt. Dies soll eine Informationsgrundlage für zukünftige Regulierungen schaffen
und zur Versachlichung der Debatte beitragen.
9 Im Internet verfügbar unter: https://www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/satzungen/wohnraumschutz-
satzung-20140704.pdf Zugriff 26.05.2020.
10 § 4 Zweckentfremdung, Satzung zum Schutz und Erhalt von Wohnraum in Köln (Wohnraumschutzsatzung) vom
4. Juli 2014.
11 Siehe z. B. General Anzeiger Bonn – „Stadt Bonn will illegale Vermietungen aufdecken“ vom 16.12.2019.
12 Kölner Stadtanzeiger – „Köln fahndet nach den illegalen Gastgebern“ vom 7./8.12.2019.
13Im Internet verfügbar unter: https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Doku-
ment/MMV17-3852.pdf Zugriff 07.10.2020.
5 Lokale Wohnungsmarkteffekte durch Kurzzeitvermietung in Köln
2. Struktur der Kurzzeitvermietung auf dem Kölner Wohnungsmarkt
In diesem Kapitel geben wir einen deskriptiven Überblick über den Markt für KZVM-Angebote in Köln.
In Abschnitt 2.1 beschreiben wir die Anbieterstruktur, die insbesondere durch die Aktivitäten von Air-
bnb geprägt wird. Darauffolgend zeigen wir , wie sich das KZVM-Angebot in Köln seit 2010 entwickelt
hat (2.2). Anschließend werden Kriterien entwickelt, um private Homesharing - von professionellen
KZVM-Angeboten abzugrenzen (2.3) und zeigen, w elche Besonderheiten professionelle KZVM-Ange-
bote in Köln aufweisen (2.4).
2.1 Marktsegmentierung – Airbnb dominiert weiterhin den Markt
Airbnb ist internationaler Marktführer bei der Kurzzeitvermietung 14. Daneben sind in diesem Markt-
segment Unternehmen wie FeWo -direkt, HomeAway, Trivago oder Booking.com aktiv. Für eine Dar-
stellung der Marktanteile müssen die Unternehmensverflechtungen und deren Tätigkeitsschwer-
punkte berücksichtigt werden: FeWo -direkt gehört genauso wie HomeAway zu der Expediagruppe.
Entsprechend finden sich auf beiden Plattformen dieselben Angebote. Booking.com ist vor allem aus
dem klassischen Hotelsegment bekannt. In letzter Zeit bewirbt dieser Anbieter jedoch verstärkt sein
KZVM-Segment und verzeichnet dort Zuwächse. Bei Trivago handelt es sich um eine reine Vermitt-
lungsplattform, die Angebote von den zuvor genannten Plattformen bewirbt. Um die Konzentration
im Markt für Kurzzeitvermietungen abzubilden, sind daher insbesondere die Marktanteile von Airbnb,
HomeAway und Booking.com relevant. Wie Abbildung 2 zeigt, sind die Marktanteile von HomeAway
und Booking.com auf dem Kölner KZVM-Markt trotz der teilweise aggressiven Expansionsbemühungen
marginal. Airbnb kommt in Köln auf einen Marktan teil von 95 %, während HomeAway mit 3 % und
Booking.com mit 2 % Marktanteil nur eine Nebenrolle spielen. In die folgenden Ausführungen fließen
Daten von Airbnb und HomeAway ein, wodurch eine Marktabdeckung von 98 % erreicht wird. Eine
stichprobenartige Sic htung der Angebote von Booking.com ergab keine Hinweise darauf, dass die
Nichtberücksichtigung dieses Anbieters zu systematischen Verzerrungen führt. Daher gehen wir davon
aus, dass die Datenbasis repräsentativ für den Kölner KZVM-Markt ist.15
14 Vgl. IW Köln – „Sharing Economy im Wirtschaftsraum Deutschland“ (2018).
15 Für eine genaue Beschreibung der Datengrundlage siehe Kapitel 6.1 im Anhang.
6 Lokale Wohnungsmarkteffekte durch Kurzzeitvermietung in Köln
2.2 Entwicklung des Kurzzeitvermietung s-Angebots seit 2010
In Köln gab es die ersten KZVM-Unterkünfte im Jahr 2011. Abbildung 2 zeigt die zeitliche Entwicklung
des KZVM-Angebots in Köln. Bei den Unterkünften wird zwischen ganzen Wohnungen, privaten Zim-
mern und gemeinsamen Zimmern unterschieden, wobei gemeinsame Zimmer für den Markt nahezu
irrelevant sind. In den ersten Jahren wuchs das Angebot nur langsam. Ab Mitte 2015 entwickelte sich
der Markt deutlich dynamischer und die Anzahl der KZVM-Unterkünfte stieg annähernd exponentiell
an. Waren es Anfang 2015 noch ca. 600, so gab es Ende 2019 fast 6.200 KZVM-Unterkünfte, was einer
Verzehnfachung des Angebots innerhalb von fünf Jahren entspricht. Die Relationen zwischen dem An-
gebot von ganzen Wohnungen und privaten Zimmern ist über den Beobachtungszeitraum weitgehend
konstant: von 100 Angeboten sind etwa 60 ganze Wohnungen und 40 private Zimmer.
Im Beobachtungszeitraum ist auch die Anzahl der touristischen Unterkünfte und Übernachtungen in
Hotels gestiegen. Allerdings waren die Zuwachsraten (bei höherem Ausgangsniveau) hier niedriger.16
16 Von 2010 bis 2018 ist die Anzahl der angebotenen Betten (Hotels, Hotels garni und Gasthöfe) von 28.817 um
13,6 % auf 32.726 gestiegen. Im gleichen Zeitraum stiegen die Übernachtungszahlen (Hotels, Hotels garni und
Gasthöfe) um 37,5 % auf knapp 6,3 Mio. Übernachtungen (Quelle: Statistik des Landesbetrieb Information und
Technik Nordrhein-Westfalen).
Abbildung 1: Marktanteile der verschiedenen Kurzzeitvermietungs-Plattformen
Quelle: Eigene Berechnungen basierend auf Daten von airdna.co und eigenen Daten über booking.com.
95%
3% 2%
Airbnb Homeaway Booking.com
7 Lokale Wohnungsmarkteffekte durch Kurzzeitvermietung in Köln
2.3 Privates Homesharing oder professionelle Kurzzeitvermietung ?
Die Mehrzahl der Gastgeber, die auf KZVM-Plattformen Unterkünfte anbieten, betreibt sogenanntes
Homesharing, also das zeitweise Teilen des eigenen Zuhauses. Daneben existiert aber auch eine Viel-
zahl an Angeboten, die den Eindruck erwecken, kommerziell organisiert zu sein. Professionelle Fotos,
die an Hotelannoncen erinnern, durchnummerierte Überschriften bei einzelnen Inseraten, die alle-
samt von derselben Person angeboten werden, und zusätzli che Service-Angebote deuten darauf hin,
dass hier keine Privatleute ihre Unterkunft zeitweise mit anderen teilen, sondern dass diese Anbieter
ein Geschäftsmodell verfolgen. Ermöglicht werden diese Geschäftsmodelle durch den digital unter-
stützten Findungsprozess zwischen Anbietern und Nachfragern auf Internetplattformen. Auch die Ho-
telbranche sieht diese Geschäftsmodelle als Konkurrenz.17
Doch wo liegt die Grenze zwischen privatem Homesharing und professioneller Kurzzeitvermietung?
Eine bundesweit gültige Legaldefinition für professionelle KZVM-Angebote existiert nicht. Die Kommu-
17 Siehe z. B. Welt – „Das ist unfairer Wettbewerb“ vom 18.04.2016.
Abbildung 2: Kumulierte Anzahl der Kurzzeitvermietungs-Unterkünfte in Köln
von 2010 bis 2019 per Quartal
Quelle: Eigene Berechnungen basierend auf Daten von airdna.co.
8 Lokale Wohnungsmarkteffekte durch Kurzzeitvermietung in Köln
nen können im Rahmen der jeweiligen Vorgaben durch das Land eine Wohnraumschutzsatzung erlas-
sen, die eine gewerbliche Nutzung von Wohnraum reguliert. Die Wohnraumschutzsatzung der Stadt
Köln geht von einer Zweckentfremdung aus, wenn der Wohnraum mit „[…] mehr als der Hälfte der zur
Verfügung stehenden Wohnfläche für gewerbliche oder berufliche Zwecke verwendet oder überlassen
wird […]“.18 Eine nähere Bestimmung gibt es nicht.19
Für die Untersuchung nutzen wir daher mehrere beobachtbare Merkmale, um professionelle KZVM-
Angebote von privaten Homesharing -Inseraten zu trennen. Das Ziel ist nicht eine rechtliche Einord-
nung der Tätigkeit des Gastgebers. Vielmehr nehmen wir eine auf Annahm en gestützte Abschätzung
vor, gemäß welcher die inserierten Unterkünfte dem regulären Langzeitvermietungsmarkt nicht mehr
zur Verfügung stehen.
Als erstes Kriterium ziehen wir die Anzahl der Unterkünfte h eran, die ein Anbieter über eine KZVM -
Plattform eingestellt hat. Weil eine Person in der Regel nur in einer Wohnung wohnt, betrachten wir
die Unterkünfte von Gastgebern mit mehreren Unterkünften als professionelle Angebote. Tabelle 1
verdeutlicht, welchen Anteil die Gastgeber mit mehreren Unterkünften am gesamten KZVM-Angebot
in Köln ausmachen. Demnach stellen 11 % aller Gastgeber fast 30 % aller KZVM-Angebote bereit. Be-
sonders auffällig ist hierbei, dass allein die Gastgeber mit vier oder mehr Unterkünften gemeinsam 652
Unterkünfte betreiben.
Tabelle 1: Gastgeber mit mehreren Unterkünften
# Unterkünfte # Gastgeber Gesamt
# Unterkünfte
1 4.527 4.527
2 415 830
3 61 183
4 oder mehr 84 652
Gesamt 5.087 6.192
Quelle: Eigene Berechnungen basierend auf Daten von airdna.co.
18 § 4 Zweckentfremdung, Satzung zum Schutz und Erhalt von Wohnraum in Köln (Wohnraumschutzsatzung)vom
4. Juli 2014.
19 Die Wohnraumschutzsatzung enthält aber insofern nur einen Beispielskatalog („in sbesondere“), so dass nach
Kölner Praxis auch private Homesharing-Angebote, bei denen mehr als die Hälfte des Wohnraums zur Verfügung
gestellt werden, der über einen erlaubten Zeitraum von sechs Wochen hinaus vermietet wird, unter zweckent-
fremdungsrechtlichen Genehmigungsvorbehalt stehen. Vgl. https://ratsinformation.stadt-koeln.de/get-
file.asp?id=712347&type=do& Zugriff: 25.11.2020.
30% aller
aktiven
Angebote
11% aller
Gastgeber
9 Lokale Wohnungsmarkteffekte durch Kurzzeitvermietung in Köln
Tabelle 2: Top Ten der Gastgeber mit mehreren Unterkünften
# Unterkünfte pro Gastgeber
1 117
2 91
3 24
4 11
5 11
6 10
7 10
8 10
9 8
10 8
Quelle: Eigene Berechnungen basierend auf Daten von airdna.co.
Ein Blick in die Top Ten der Gastgeber mit mehreren Unterkünften zeigt das Ausmaß der Professiona-
lität einzelner Anbieter (Tabelle 2). Der Top-Gastgeber bietet 117 Airbnb-Unterkünfte in Köln an, ge-
folgt von 91 Unterkünften des Anbieters mit den zweitmeisten Unterkünften. Danach sinkt die Anzahl
der Unterkünfte pro Gastgeber stark ab. Dennoch kommt selbst der Anbieter auf Platz 10 noch auf 8
Unterkünfte. Bei einer stichprobenartigen Sichtung der Angebote dieser Gastgeber zeigt sich, dass
nicht nur Eigentumswohnungen zur Kurzzeitvermietung angeboten werden, sondern auch angemie-
tete Wohnungen und fremde Wohnungen, für die lediglich die Verwaltung übernommen wird.
Längst nicht jeder Gastgeber, der e ine Unterkunft kommerziell anbietet, betreibt gleich mehrere Un-
terkünfte20. Deshalb dient die Belegungsrate als weiterer Indikator zur Einordnung eines KZVM-Ange-
bots. Dabei ist die Tagesanzahl wesentlich, ab der ein Angebot als professionell klassifiziert wird. In
Berlin hat sich die Politik darauf geeinigt, dass eine Nebenwohnung maximal 90 Tage pro Jahr vermie-
tet werden darf, ohne dass eine Zweckentfremdung vorliegt.21 In San Francisco, der Geburtsstätte von
20 Es kann vorkommen, dass ein Gastgeber mehrere KZVM-Angebote in verschiedenen Städten betreibt. Da hier
nur Daten zu Köln betrachtet werden, würden wir Gastgeber mi t nur einer Unterkunft in Köln und weiteren Un-
terkünften in anderen Städten nicht als Gastgeber mit mehreren Unterkünften identifizieren.
21 Vgl. „Fragen und Antworten“ zum Zweckentfremdungsverbot von Wohnraum der Stadt Berlin. Im Internet
verfügbar unter: http://www.stadtentwicklung.berlin.de/wohnen/zweckentfremdung_wohnraum/de/faq.shtml
Zugriff 26.05.2020.
10 Lokale Wohnungsmarkteffekte durch Kurzzeitvermietung in Köln
Airbnb, gilt das 90 Tagelimit auch für den Erstwohnsitz.22 Gemäß dem derzeit diskutierten Entwurf für
ein Gesetz zur Stärkung des Wohnungswesens liegt eine Zweckentfremdung des Wohnraums bei einer
Kurzzeitvermietung von mehr als zwölf Wochen (84 Tagen) innerhalb eines Kalenderjahres vor. In Köln
existiert bisher keine vergleichbare rechtsgültige Tagesgrenze23, da das geltende WAG NRW keine Re-
gistrierungspflicht vorsieht und dadurch die Kontrolle einer Tagesgrenze nicht möglich ist.
Daher ermitteln wir zunächst die Anzahl der Tage, an denen eine Wohnung über KZVM-Portale gebucht
werden muss, damit die Kurzzeitvermietung einen höheren Mittelrückfluss bringt als die Langzeitver-
mietung. Um eine differenzierte Betrachtung d ieser durchschnittlichen Break-Even-Tagesgrenze vor-
zunehmen, unterscheiden wir zunächst zwischen Angeboten von nur einem Zimmer und der gesamten
Wohnung. Wird die gesamte Wohnung angeboten, berücksichtigen wir zudem die Wohnungsgröße.
Abbildung 3: Wohnungsgröße der Kurzzeitvermietungs-Unterkünfte
Quelle: Eigene Berechnungen basierend auf Daten von airdna.co.
Gemäß Abbildung 3 handelt es sich bei 78 % der KZVM-Wohnungen in Köln um Studio - oder Einzim-
merapartments. 17 % der Wohnungen haben zwei bis drei Zimmer und nur 5 % vier Zimmer und mehr.
Entsprechend der unterschiedlichen Wohnungsgröße werden für die Berechnung des Break-Even an-
22 Vgl. „Conditions of eligibility“ des Office of Short-term Rentals. Im Internet verfügbar unter: https://shortter-
mrentals.sfgov.org/hosting/become-certified#7404 Zugriff 26.05.2020.
23 Die Stadt Köln verweist auf ihrer Webseite lediglich auf einen 6-Wochen-Zeitraum in dem die eigene Wohnung
zur Verfügung gestellt werden darf, ohne dass dies als Zweckentfremdung anzusehen ist. https://www.stadt-
koeln.de/leben-in-koeln/soziales/wohnen-wohnungshilfen/fragen-antworten-zum-wohnraumschutz Zugriff
25.11.2020.
Bei 95 % der KZVM-Angebote handelt es sich um Dreizimmerapartments oder kleiner.
78% 17% 5%
0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100%
Studio/ Einzimmerapartment Zwei- bis Dreizimmerapartment Vier Zimmer und mehr
11 Lokale Wohnungsmarkteffekte durch Kurzzeitvermietung in Köln
gepasste Mieteinnahmen, Betriebskosten und Übernachtungspreise zugrunde gelegt. In Tabelle 3 wer-
den die Einnahmen der Langzeitvermietung den Einnahmen der Kurzzeitvermietung gegenübergestellt
und der resultierende Break-Even berechnet.
Für die Vermietung eines einzelnen privaten Zimmers ist der Break-Even nahezu übereinstimmend mit
der 90 Tagegrenze. Auch für Studio- und Einzimmerapartments liegt der durchschnittliche Break-Even
mit 93 Tagen nahe an dem 90 Tagelimit. Diese beiden Angebotsarten decken 85 % des KZVM-Marktes
ab. Für Wohnungen mit zwei bis drei Zimmern liegt der ermittelte Break -Even mit 109 Tagen etwas
höher. Um eine Überschätzung des professionellen KZVM-Angebots in Köln zu vermeiden, wird daher
im Rahmen dieser Analyse die Grenze zwischen Homesharing und professioneller Kurzzeitvermietung
bei 110 Tagen gezogen.24
24 Bei einem Tageslimit von 90 Tagen werden 2.693 Unterkünfte al s professionell eingestuft. Bei dem 110 Tage-
limit gelten 2.540 Unterkünfte als professionell. Der Grund für den geringen Unterschied ist, dass Gastgeber die
tatsächliches Homesharing betreiben, an deutlich weniger als 90 Tagen Gäste empfangen. Andersherum haben
Gastgeber, welche eine Unterkunft professionell bewirtschaften eine wesentlich höhere Auslastung.
25 Der Break-Even berechnet sich durch das Aufwiegen der jährlichen Mieteinnahmen (Jahresmiete + jährliche
BNK) geteilt durch den Übernachtungspreis. Im Beispiel des privaten Zimmers ergäbe sich (3.396+1.030)/49,95
= 88,6 Tage.
26 Nettoangebotsmiete für die jeweilige Wohnungsgröße in Köln 2018 ermittelt anhand von Rohdaten von F+B.
27 Die jährlichen Betriebsnebenkosten betrugen durchschnittlich 2,96 € pro qm für Köln 2017 gemäß dem Deut-
schen Mieter Bund e.V. Im Internet verfügbar unter https://www.mieterbund.de/service/betriebskostenspie-
gel.html Zugriff: 29.10.2020.
Tabelle 3: Break-Even Berechnung der Kurzzeitvermietung
Langzeitvermietung Kurzzeitvermietung
Wohnungsart Ø Wohnfläche
jährliche
Ø Preis pro Nacht Break-Even25
Ø Miete26 Ø BNK27
Privatzimmer 29,7 qm 3.396 € 1.030 € 49,95 € 89 Tage
Studio-/
Einzimmerwhg. 35,7 qm 6.048 € 1.268 € 78,47 € 93 Tage
2-3 Zimmerwhg. 75,4 qm 10.320 € 2678 € 119,15 € 109 Tage
Quelle: Eigene Berechnungen basierend auf Daten von airdna.co und F+B.
12 Lokale Wohnungsmarkteffekte durch Kurzzeitvermietung in Köln
Für die Bestimmung der Anzahl der Tage, die eine Wohnung für Kurzzeitvermietungen genutzt wird,
nutzen wir keine Daten aus dem auf der jeweiligen Plattform gezeigten Kalender, um eine Überschät-
zung der tatsächlichen Belegung zu vermeiden. Denn der Belegungszeitraum kommt als Kriterium nur
bei Gastgebern zur Anwendung, die nur eine Unterkunft anbieten. Oftmals markieren diese Anbieter
ihre Unterkunft als belegt, wenn sie keine Gäste wünschen, um keine Anfragen für diesen Zeitraum zu
erhalten. Diese Zeiträume würden bei einer Kalenderauswertung fälschlicherweise als belegt erfasst.
Stattdessen nutzen wir die Anzahl der hinterlegten Referenzen als Schätzer für die Belegung. Gerade
bei Anbietern mit nur einer Unterkunft dürfte die Beziehung zu den Gästen recht eng sein, so dass hier
von einer hohen Quote an Gästen, die eine Bewertung hinterlassen, ausgegangen werden kann. Damit
eine Unterkunft aufgrund der Referenzen als professionell eingestuft wird, muss die Referenzenhisto-
rie durchschnittlich 2,3 oder mehr Referenzen pro Monat bzw. über 28 Referenzen im Jahr aufwei-
sen.28
Zusammenfassend klassifizieren wir also bei Gastgebern mit mehr als einer aktiven Unterkunft alle
Unterkünfte als professionell. Wenn ein Anbieter nur eine Unterkunft aktiv anbietet, wird diese als
professionell eingestuft, wenn sie mindestens 110 Tage für Kurzzeitvermietungen genutzt wird. Wie
dargelegt, handelt es sich um konservative Schätzverfahren, mit dem Ziel, Überschätzungen möglichst
zu vermeiden.
2.4 Besonderheiten der professionellen Kurzzeitvermietungs -Angebote in Köln
In Köln gibt es Stand November 2019 6.192 aktive KZVM-Unterkünfte (Abbildung 4). In 61 % der Fälle
wird eine gesamte Wohnung und zu 38 ,7 % ein privates Zimmer angeboten. Gemäß unserem Mess-
28 Um die Belegungsrate einer Unterkunft zu schätzen wird deren Referenzenhistorie genutzt. Hierbei gibt es
zwei Variablen. Erstens die durchschnittliche Übernachtungsdauer pro Referenz und zweitens die Referenzrate,
das heißt der Anteil der Gäste, die auch eine Referenz hinterlassen. Bei der durchschnittlichen Übernachtungs-
dauer wird auf Tourismusstatistiken des Kölner Statistikamts Bezug genommen und diese auf 2,3 Nächte fest-
gelegt. Bei der Referenzrate orientieren wir uns an verschiedenen Quellen. Nach einer richterlich beschlosse-
nen Herausgabe von Airbnb-Daten wurde eine Referenzrate von 30,5 % (San Franciscio Budget and Legislative
Analyst’s Office „Analysis of the impact of short-term rentals on housing“ S.19, verfügbar im Internet
unter https://sfbos.org/sites/default/files/FileCenter/Documents/52601-BLA.ShortTermRentals.051315.pdf
Zugriff 29.10.2020) festgestellt, der CEO Brian Chesky gibt in einem Kommentar eine Referenzrate von 72 %
(https://www.quora.com/What-percent-of-Airbnb-hosts-leave-reviews-for-their-guests Zugriff 29.10.2020) an
und die Datenanalysten von Insideairbnb empfehlen den Wert 50 %. Wir haben für unsere Hochrechnung einen
Wert von 60 % für die Referenzrate angenommen, was wir bei Gastgebern mit nur einem Objekt für eine kon-
servative Schätzung halten.
13 Lokale Wohnungsmarkteffekte durch Kurzzeitvermietung in Köln
konzept sind 41 % (2.540) der Angebote als professionell einzustufen. Diese Quote ist für private Zim-
mer marginal höher (44 %) als für gesamte Wohnungen (39 %). Der geteilte Wohnraum ist mit nur 57
Angeboten zu vernachlässigen.
Abbildung 4: Angebotsstruktur der Kurzzeitvermietungs-Unterkünfte in Köln
Quelle: Eigene Berechnungen basierend auf Daten von airdna.co.
In Relation zu dem gesamten Kölner Wohnungsmarkt mit rund 560.000 Wohnungen ist der Anteil der
KZVM-Angebote mit 1 ,1 % insgesamt und 0,35 % professioneller Angebote verschwindend gering. 29
Diese Betrachtung vernachlässigt jedoch zwei entscheidende Punkte: Erstens variiert die geographi-
sche Verteilung von KZVM -Angeboten zwischen den Kölner Stadtteilen erheblich. Und zweitens sind
für Wohnungssuchende insbesondere die aktuellen Mietangebote relevant.
Die Lage einer Immobilie ist ausschlaggebend für deren Prei s und die erzielbare Miete. So setzt sich
eine Wohnung im Szeneviertel rundum den Brüsseler Platz preislich deutlich von einer vergleichbaren
Wohnung in Zollstock ab. Die Besonderheiten der unmittelbaren Umgebung beeinflussen maßgeblich
den Preis bzw. die Miete. Dabei wirkt beispielsweise ein reiches soziokulturelles Angebot preiserhö-
hend, während etwa Verkehrslärm in unmittelbarer Wohnungsnähe sich preismindernd niederschlägt.
Globale Betrachtungen sind daher für Wohnungsmärkte nur von begrenzter Aussagekraft. Aus diesem
29 In den vorliegenden Daten hat die Medianwohnung in Köln zwei Zimmer. Entsprechend werden die Angebote
von privaten Zimmern gewichtet. Somit ergeben sich 1.957 professionelle Angebote.
6.192
3.803
2.328
57
2.540
1.481
1.027
30
0 1.000 2.000 3.000 4.000 5.000 6.000 7.000
Gesamt
Ganze Wohnung
Privates Zimmer
Geteiltes Zimmer
Aktiv Professionell
14 Lokale Wohnungsmarkteffekte durch Kurzzeitvermietung in Köln
Grund zeigt Abbildung 5 die geographische Verteilung von KZVM -Angeboten in Köln, um lokale Kon-
zentrationen aufzuzeigen. Die Abbildung verdeutlicht die starken Schwankungen des KZVM-Angebots
über die Stadtteile hinweg. Es zeigt sich eine deutliche Konzentration sowie Professionalisierung in den
zentralen Stadtteilen Kölns. Beispielsweise fallen fast 2.500 aktive KZVM -Unterkünfte in den Innen-
stadtbereich (Altstadt Nord und Süd sowie Neustadt Nord und Süd), von diesen können mehr als 1.000
als professionell bezeichnet werden. Auch Ehrenfeld sticht mit 600 Angeboten als KZVM-Hotspot her-
vor. Die flughafennahen Stadtteile Humboldt-Gremberg und Höhenberg weisen eine besonders hohe
Professionalisierungsquote auf: Von den insgesamt 183 KZVM -Unterkünften sind 65 % als professio-
nell zu werten. Es lässt sich also festhalten, dass die Verteilung von KZVM-Unterkünften sehr starken,
lokalen Schwankungen unterliegt, welche in einer Mietpreisanalyse unbedingt Beachtung finden müs-
sen.
Abbildung 5: Kurzzeitvermietungs-Unterkünfte in Köln pro Stadtteil in 2019
Quelle: Eigene Berechnungen basierend auf Daten von airdna.co.
Berücksichtigt man zusätzlich die zur Vermietung angebotenen Wohnungen, zeigt sich eine hohe Re-
levanz der Kurzzeitvermietung. Abbildung 6a vergleicht die Bestandsgröße der professionellen Kurz-
zeitvermietung mit der Flussgröße der zur Vermietung angebotenen Wohnungen pro Quartal in Köln.
15 Lokale Wohnungsmarkteffekte durch Kurzzeitvermietung in Köln
Zum einen zeigt sich ein Trend zu einem zunehmend knapperen Mietwohnungsangebot seit 2011. Zum
anderen kann man sehr deutlich sehen, dass die KZVM eine immer größere Rolle spielt. Im dritten
Quartal 2018 ist das gesamte professionelle KZVM -Angebot erstmalig genauso groß, wie die zur Ver-
mietung stehenden Wohneinheiten innerhalb eines Quartals in ganz Köln. Im vi erten Quartal 2018
übersteigt das Angebot der KZVM-Unterkünfte das der Mietwohnungen um fast 41 %.
Kombiniert man die Erkenntnisse aus Abbildung 5 (der geographischen Verteilung) sowie Abbildung
6a (dem Vergleich zu Wohnungsinseraten), um die Situation in einem KZVM-Hotspot wie z. B. der Neu-
stadt Süd gesondert zu betrachten, zeigt sich die große quantitative Bedeutung der KZVM -Angebote
(Abbildung 6b). In der Neustadt Süd überschreitet das KZVM-Angebot die Anzahl der pro Quartal inse-
rierten Wohnungen seit Ende 2016. Hier gab es 44 Wohnungsinserate und 73 professionelle KZVM -
Unterkünfte. Dieses Verhältnis hat sich bis Ende 2018 nochmals deutlich verstärkt. Im vierten Quartal
2019 gab es mehr als dreimal so viele professionelle KZVM -Unterkünfte wie Wohnungsinserate (185
zu 52). Ein sehr ähnliches Verhältnis zwischen dem Bestand an professionellen KZVM -Unterkünften
und der Anzahl an Wohnungsinseraten zeigt sich auch in den restlichen KZVM-Hotspots.
Abbildung 6: Vergleich der Wohnungsinserate zu professionellen Kurzzeitvermietungs-
Unterkünften von 2010 bis 2019 per Quartal
a) In Köln
b) In der Neustadt Süd
Quelle: Eigene Berechnungen basierend auf Daten von airdna.co und F+B.
16 Lokale Wohnungsmarkteffekte durch Kurzzeitvermietung in Köln
3. Lokale Wohnungsmarkteffekte durch K urzzeitvermietung in Köln
Die voranstehende deskriptive Analyse hat gezeigt, dass die KZVM-Angebote in Köln lokal konzentriert
sind. In Stadtteilen mit hohen Konzentrationen wird das Angebot des zur Verfügung stehenden Wohn-
raums durch die Kurzzeitvermietung verknappt. Gleichzeitig erhöhen Gastgeber, die Wohnungen für
die professionelle Kurzzeitvermietung anmieten, die Nachfrage nach Wohnraum. Im Folgenden wird
mit Hilfe ökonometrischer Methoden untersucht, ob diese Mengeneffekte Preiseffekte induzieren. 30
Zunächst beschreiben wir die Intuition, die dem ökonometrischen Schätzmodell zugrunde liegt (3.1).
Eine technischere Darstellung erfo lgt im Anhang ( 6.2). Daran anschließend berichten wir die Ergeb-
nisse (3.2).
3.1 Herangehensweise
Um die Mietpreisentwicklung von Wohnungen mit unterschiedlichen Ausstattungsmerkmalen verglei-
chen zu können, werden Ausstattungsmerkmale wie Balkon, Einbauküche, Garage/Keller, Art der Hei-
zung und Alter des Gebäudes mit Hilfe eines hedonischen Modells bepreist.31 Neben den individuellen
Ausstattungsmerkmalen einer Wohnung hat die Umgebung einen maßgeblichen Einfluss auf die Höhe
der Miete.32 Zur Erfassung der Umgebung werden Kenngrößen für die Stadtteile wie Einwohnerzahl,
Arbeitslosenquote, durchschnittliche Haushaltsgröße und Einko mmen sowie die Anzahl der Neu-
baufertigstellungen und weitere genutzt. Darüber hinaus bestimmen andere, statistisch nicht erfass-
bare Einflüsse wie etwa Cafés, kulturelle und soziale Angebote in der Umgebung die Mietpreise. Um
Verzerrungen der Ergebnisse dur ch diese nicht beobachtbaren Einflüsse auszuschließen, nutzen wir
räumliche Fixed-Effects. Damit werden systematische Unterschiede zwischen den Stadtteilen berück-
sichtigt, welche nicht durch die genannten räumlichen Variablen abgebildet werden können.
Verzerrungen durch nicht erfasste Veränderungen können auch über die Zeit auftreten . Die Mieten
auf dem Kölner Wohnungsmarkt sind in den letzten Jahren gestiegen. Diese Mietpreisentwicklung fan-
gen wir im Modell durch jährliche Fixed-Effects auf, um die Angebotskaltmieten über die Zeit vergleich-
bar zu machen.
Im weiteren Vorgehen werden die Entwicklungen der homogenisierten Kaltmieten pro Quadratmeter
auf der zeitlichen sowie räumlichen Ebene verglichen. In zeitlicher Hinsicht wird die Periode vor dem
30 Eine ähnliche Methodik wurde in Mindl (2020) für die Analyse von Airbnb in Berlin angewandt.
31 Vgl. Jones (1988) und Rosen (1974).
32 Vgl. Kuminoff et al. (2010).
17 Lokale Wohnungsmarkteffekte durch Kurzzeitvermietung in Köln
Beginn des rasanten Wachstums der KZVM-Angebote mit der Periode danach verglichen. Folglich dient
die Zeit vor dem zweiten Quartal 2015 als Vorperiode (vgl. Abbildung 1) und die Zeit danach als Nach-
periode. Der räumliche Vergleich ergibt sich aus den starken Schwankungen der KZVM-Konzentration
zwischen den Stadtteilen. Wie in Abbildung 5 zu erkennen ist, handelt es sich bei den Stadtteilen mit
hoher KZVM-Konzentration vor allem um den Innenstadtbereich, während Stadtteile mit sehr niedri-
ger KZVM-Konzentration tendenziell außerhalb liegen (siehe auch Abbildung 9 im Anhang).
Zusätzlich zu diesen räumlichen und zeitlichen Strukturen nutzen wir die Konzentration der KZVM-An-
gebote auf kleinere Wohnungen mit höchstens drei Zimmern (vgl. Abbildung 3) aus, um den kausalen
Effekt der KZVM-Unterkünfte zu identifizieren. Wir vergleichen also nicht nur die Mietpreisentwicklung
vor und nach dem Beginn des starken Wachstums des KZVM-Angebots und die Entwicklung der Mieten
in Stadteilen mit starker und geringer Konzentration professioneller KZVM-Angebote, sondern wir ver-
gleichen auch die Mietentwicklung von Wohnungen mit vier und mehr Zimmern zu kleineren Wohnun-
gen.
Abbildung 7 beschreibt schematisch das geschätzte ökonometrische Regressionsmodell. Dabei bildet
der Logarithmus des Quadratmetermietpreises (Angebotsmieten) die abhängige Variable. 33 Die inse-
rierten Wohnungen werden in zwei Gruppen aufgeteilt: Die erste Gruppe ist die sogenannte Treat-
mentgruppe, bei der ein Einfluss der KZVM -Unterkünfte auf die Quadratmetermiete vermutet wird.
Diese Gruppe umfasst alle Wohnungsinserate, die nach Mitte 2015 inseriert wurden, in einem der
Stadtteile mit hoher KZVM -Konzentration liegen und höchstens drei Zimmer umfassen. Alle anderen
Inserate werden der zweiten Gruppe, der sogenannten Kontrollgruppe zugeordnet. Die Kontrollgruppe
wurde so konstruiert, dass die Entwicklung der Quadratmetermietpreise innerhalb dieser Gruppe nicht
durch das KZVM-Angebot beeinflusst wird. Ein Vergleich der Treatment- und Kontrollgruppe gibt Auf-
schluss über den kausalen Effekt der KZVM-Unterkünfte auf die Quadratmetermietpreise.
33 Der Logarithmus erleichtert die Interpretation der Regressionsergebnisse.
18 Lokale Wohnungsmarkteffekte durch Kurzzeitvermietung in Köln
Abbildung 7: Schematische Darstellung des ökonometrischen Regressionsmodells
Quelle: Eigene Darstellung.
3.2 Quantitative Effekte der Kurzzeitvermietung
In Abbildung 8 nehmen wir einen ersten graphischen Vergleich der Entwicklung der durchschnittlichen
Quadratmetermietpreise (nettokalt) zwischen Treatment- und Kontrollgruppe vor. Auffällig ist hierbei
der deutliche Niveauunterschied zwischen beiden Gruppen. Von 2010 bis 2012 liegt der Quadratme-
termietpreis für die Kontrollgruppe zwischen 8 und 9 Euro, während die Quadratmetermiete in der
Treatmentgruppe fast 10 Euro beträgt. Der Grund für den Niveauunterschied ist, dass sich die Treat-
mentgruppe vor allem aus innerstädtischen und die Kontrollgruppe überwiegend aus peripheren
Stadtteilen zusammensetzt. Beide Gruppen verzeichnen nur einen sehr leichte n Aufwärtstrend bis
Mitte 2012. Ab dem dritten Quartal nimmt das Wachstum für beide Gruppen gleichermaßen stark zu.
Bis Mitte 2015 ist der Trend in beiden Gruppen vergleichbar. Die vertikale gestrichelte Linie in Abbil-
dung 8 markiert das zweite Quartal 2015, ab dem das beschleunigte Wachstum der KZVM in Köln ein-
setzt. In der Kontrollgruppe bleibt der Wachstumstrend von Ende 2012 bis zum Ende des Bobachtungs-
zeitraums in etwa auf demselben Niveau. In der Treatmentgruppe hingegen zeigt sich eine Verstärkung
des Aufwärtstrends ab Mitte 2015, so dass der Abstand zwischen den Mietniveaus der beiden Gruppen
zunimmt.
19 Lokale Wohnungsmarkteffekte durch Kurzzeitvermietung in Köln
Abbildung 8: Entwicklung des durchschnittlichen m2-Mietpreis der Nettokaltmiete in
Köln von 2010 - 2018 unterteilt nach Beobachtungsgruppe
Quelle: Eigene Berechnungen basierend auf Daten von F+B.
Durch das oben beschriebene Regressionsmodell kann di e durch KZVM induzierte Entwicklung der
Nettokaltmieten quantifiziert werden (Tabelle 4). Der geschätzte Koeffizient liegt bei 0,046 und ist sta-
tistisch hoch signifikant. Das Ergebnis ist wie folgt zu interpretieren: Wohnungen in der Treatment-
gruppe haben auf Grund der KZVM-Unterkünfte eine zusätzliche Mietsteigerung von 4,6 % in der Zeit
zwischen dem zweiten Quartal 2015 und dem vierten Quartal 2018 erfahren. Insgesamt ist die Miete
für die Treatmentgruppe im gleichen Zeitraum um 32,4 % gestiegen. Somit sind der Kurzzeitvermie-
tung 14,2 % der gesamten Mietpreissteigerungen zuzurechnen. Die durchschnittlich angebotene Net-
tokaltmiete lag in der Treatmentgruppe im Jahr 2015 bei monatlich 580 €. Daraus ergibt sich für Neu-
mieter eine zusätzliche Mietbelastung von rund 27 € monatlich bzw. 320 € jährlich, die durch die Akti-
vität von Kurzzeitvermietern erklärt wird.
20 Lokale Wohnungsmarkteffekte durch Kurzzeitvermietung in Köln
Tabelle 4: Regressionstabelle zur Quantifizierung des Effekts der Kurzzeitvermietung
Abhängige Variable:
Log (Quadratmetermietpreis)
KZVM-Effekt
(STT × Post × WG) 0,046***
(0,012)
Wohnungseigenschaften
Stadtteileigenschaften
Zeitliche Fixed-Effects
Stadtteil Fixed-Effects
Beobachtungen 68.278
Cluster 58
korrigiertes R2 0,506
Notiz: *p<0,1**p<0,05***p<0,01. Standardfehler in Klammern und
geclustert auf Stadtteilsebene. Der Term „KZVM -Effekt“ steht
hier für den Interaktionsterm 𝑆𝑇𝑇𝑠 ∗ 𝑃𝑜𝑠𝑡𝑡 ∗ 𝑊𝐺𝑖 (= 3. Terzil ×
Nachperiode × Kleine Wohnung). Für nähere Informationen siehe
6.2 Methodik.
4. Fazit
KZVM-Angebote haben in Köln ab Mitte 2015 deutlich zugenommen. Neben dem klassischen Home-
sharing ist insbesondere auch die Anzahl der professionellen Angebote gestiegen, die das ganze Jahr
über für Touristen und Geschäftsreisende zur Verfügung stehen. Aufgrund der von uns gewählten kon-
servativen Abgrenzung sind 41 % aller Unterkünfte als professionell zu bewerten, davon werden 73 %
von Gastgebern mit mehreren Unterkünften vermietet (ca. 30 % der Gesamtangebote).
Bei professionellen Kurzzeitvermietungen besteht eine direkte Nutzungskonkurrenz zur Langzeitver-
mietung. Diese sorgt für eine Verknappung des Wohnraumes. Mit Hinblick auf den gesamten Kölner
Wohnungsbestand scheint die professionelle Kurzzeitvermietung mit 0,35 % nur eine marginale Rolle
zu spielen. Berücksichtigt man aber die starke geographische Konzentration der KZVM-Angebote und
setzt diese ins Verhältnis zu den inserierten Langzeitvermietungsangeboten, zeigt sich, dass die Kurz-
zeitvermietung auf lokaler Ebene durchaus Einfluss auf den Wohnungsmarkt hat. Während es im vier-
ten Quartal 2018 1,4 -mal so viele professionelle KZVM -Unterkünfte wie Wohnungsinserate in Köln
21 Lokale Wohnungsmarkteffekte durch Kurzzeitvermietung in Köln
gibt, übersteigt die Anzahl der KZVM-Angebote beispielsweise in der Neustadt Süd die regulären Ver-
mietungsangebote um den Faktor drei . Diese Beobachtung en legen nahe, dass die KZVM-Angebote
auch lokale Mietpreiseffekte haben. Diese Vermutung wurde im Rahmen einer ökonometrischen Ana-
lyse untersucht. Die Analyse hat ergeben, dass 14,2 % der Mietpreissteigerungen für kleine Wohnun-
gen der betroffenen Stadtteile in der Zeit vom zweiten Quartal 2015 bis zum vierten Quartal 2018 der
Kurzzeitvermietung zuzurechnen sind. Dies entspricht 4, 6 Prozentpunkten des Ge samtmietanstiegs
von 32,4 % in diesem Zeitraum oder einem zusätzlichen Mietanstieg von 27 € monatlich (bzw. 320 €
jährlich) für Neuvermietungen.
Die Folgen von KZVM-Plattformen werden kontrovers diskutiert. Befürworter verweisen auf die posi-
tiven Effekte, die durch die zusätzlichen Übernachtungen entstünden. Neben den Gastgebern profi-
tierten zahlreiche lokale Unternehmen von der zusätzlichen Kaufkraft der Besucher. Kritiker hingegen
sehen u. a. einen Zusammenhang zwischen KZVM und der Verknappung von Wohnraum sowie ver-
mehrter Lärmemission. In dieser Untersuchung haben wir uns ausschließlich auf die kleinräumigen
Auswirkungen von KZVM-Angeboten auf die Miethöhe in Köln befasst. Wir konnten nachweisen, dass
KZVM-Angebote kleinräumig zum Mietenanstieg in Köln beitragen. Diese ist ein wichtiges Ergebnis für
die politische Bewertung von KZVM -Angeboten. Für die Fortentwicklung des Regulierungsrahmens
muss die Politik eine Abwägung aller Effekte von KZVM -Angeboten treffen. Eine solche Abwägung
braucht ein Mindestmaß an Transparenz. Daher erscheint die Einführung eines Registrierungsverfah-
rens, wie es momentan im Rahmen des Entwurfs für ein Gesetz zur Stärkung des Wohnungswesens
diskutiert wird, als sinnvoll. Dabei sollten auch die Voraussetzungen für eine angemessene Implemen-
tierung geschaffen werden. Ein solches Registrierungsverfahren würde die Durchsetzung, Evaluierung
und Fortentwicklung bestehender und im WohnStG angedachter Regulierungen erleichtern.
22 Lokale Wohnungsmarkteffekte durch Kurzzeitvermietung in Köln
5. Literatur
1. Barron, Kyle und Kung, Edward und Proserpio, Davide, (2020), The Effect of Home-Sharing on
House Prices and Rents: Evidence from Airbnb, Marketing Science
2. Coles, Peter A. und Egesdal, Michael und Ellen, Ingrid Gould and Li, Xiaodi and Sundararajan,
Arun, (2017), Airbnb Usage Across New York City Neighborhoods: Geographic Patterns and
Regulatory Implications.
3. Duso, Thomas und Michelsen, Claus und Schäfer, Maximilian und Ducbao Tran, Kevin, (2020),
Airbnb and Rents: Evidence from Berlin, DIW Discussion Papers 1890, 47 S.
4. Empirica, (2019), Airbnb im Kontext zentraler quantitativer Einflussfaktoren auf regionale
Wohnungsmärkte
5. Garcia-López, Miquel-Àngel und Jofre-Monseny, Jordi und Martínez-Mazza, Rodrigo und
Mariona Segú, (2020), Do short-term rental platforms affect housing markets? Evidence from
Airbnb in Barcelona, Journal of Urban Economics, Volume 119
6. Horn, Karen und Merante, Mark (2017), Is home sharing driving up rents? Evidence from
Airbnb in Boston, Journal of Housing Economics, 38, (C), 14-24
7. IW Köln und DICE Consult, (2018), Sharing Economy im Wirtschaftsraum Deutschland, Bun-
desministerium für Wirtschaft und Energie
8. Jones, Larry E., (1988), The characteristics model, hedonic prices, and the clientele effect.
Journal of political Economy, 96(3):551–567
9. Kuminoff, Nicolai V. und Parmeter Christopher F. und Pope Jaren C., (2010), Which hedonic
models can we trust to recover the marginal willingness to pay for environmental amenities?
Journal of Environmental Economics and Management, 60(3):145–160
10. Mindl, Felix, (2020), The effect of short-term rental platformns on rental prices: Evidence
from Airbnb in Berlin, VfS Annual Conference 2020 (Virtual Conference): Gender Economics
11. Rosen, Sherwin, (1974), Hedonic prices and implicit markets: Product differentiation in pure
competition. Journal of political Economy, 82(1):34–55
23 Lokale Wohnungsmarkteffekte durch Kurzzeitvermietung in Köln
6. Anhang
6.1 Daten
Für die empirische Untersuchung der potenziellen Wohnungsmarkteffekte von KZVM-Angeboten auf
den Kölner Wohnungsmarkt werden drei Datenquellen herangezogen. Für die Beschreibung der An-
bieterstruktur nutzen wir hauptsächlich Daten von airdna.co.34 Diese Daten wurden stichprobenartig
durch eigene Webscrapes verifiziert. Sie enthalten Informationen über die angebotenen Unterkünfte
auf den Plattformen Airbnb und HomeAway aus dem Zeitraum von Anfang 2010 bis zum November
2019. Insgesamt umfassen sie 13.344 Beobachtungen, von denen lediglich 6.192 als aktiv gewertet
werden können. Der Datensatz enthält zudem weitere Angaben wie z. B. Art der Unterkunft, deren
ungefähre Position, den durchschnittlichen Übernachtungspreis, die Anzahl der Referenzen oder die
Anzahl der Bade- und Schlafzimmer.
Die Wohnungsmarktdaten stammen von der F+B GmbH. Sie umfassen knapp 87.000 Mietwohnungs-
inserate in ganz Köln und beziehen sich auf den Zeitraum von Anfang 2010 bis Ende 2018. Dieser Zeit-
rahmen bestimmt auch den Untersuchungszeitraum der empirischen Analyse. Die Daten geben Auf-
schluss über die Adresse, die Zimmeranzahl, die Wohnfläche, den Mietpreis und viele Ausstattungs-
merkmale der angebotenen Wohnungen.
Zur Erfassung der sozioökonomischen und demographischen Kenngrößen der jeweiligen Stadtteile ha-
ben wir Daten des Kölner Statistikamts zu Einwohner-, Städtebau-, und Tourismuszahlen sowie Infor-
mation zur Verteilung der Haushaltsgrößen, Arbeitslosenquote und Einkommen erhalten.
6.2 Methodik
Zuordnung in betroffene und nicht betroffene Stadtteile
Zur Differenzierung zwischen Stadtteilen mit hohen und niedrigen KZVM-Konzentrationen erstel-
len wir einen KZVM -Dichte Index. Dieser gibt die Relation der Anzahl der professionellen KZVM -
Unterkünfte in Relation zur Anzahl der Wohnungsinserate im Jahr 2018 wieder. Der daraus resul-
tierende Index rangiert von 0 in beispielsweise Chorweiler bis 2,43 in Buchforst. Anschließend wird
dieser Index nach Terzilen aufgeteilt (Tabelle 4).
34 Bei diesen Daten handelt es sich um sogenannte Webscrapes. Dieses Verfahren beschreibt das automatisierte
Abspeichern von Daten, die im Internet frei zugänglich sind.
24 Lokale Wohnungsmarkteffekte durch Kurzzeitvermietung in Köln
Tabelle 5: Terzile der Kurzzeitvermietungs-Dichte in 2018 pro Stadtteil in Köln
1. Terzil 2. Terzil 3. Terzil
KZVM-Dichte Index 0,11 0,29 2,43
Anzahl der Stadtteile 29 28 29
Quelle: Eigene Berechnungen basierend auf Daten von airdna.co und F+B.
Stadtteile mit einer KZVM-Dichte von 0 0,11 werden entsprechend dem ersten Terzil zugeordnet.
Stadtteile mit einer KZVM-Dichte von 0,12 – 0,29 gehören der zweiten Terzilgruppe an. Das dritte
Terzil bilden die Stadtteile mit einem Wert von 0,3 bis 2,43. Die Verteilung der Stadtteile mit Hin-
blick auf ihre Terzilgruppe ist in Abbildung 9 dargestellt. Stadtteile der dritten Terzilgruppe werden
im Rahmen der Regressionsanalyse der Treatmentgruppe zugerechnet, während die Stadtteile der
ersten Terzilgruppe in die Kontrollgruppe eingehen. Die Stadtteile in der zweiten Terzilgruppe sind
nicht eindeutig zuzuordnen und werden daher von der Regressionsanalyse ausgeschlossen.
Abbildung 9: Aufteilung der Stadtteile pro Terzil in Köln in 2018
Quelle: Eigene Darstellung basierend auf Daten von airdna.co und F+B.
25 Lokale Wohnungsmarkteffekte durch Kurzzeitvermietung in Köln
Technische Darstellung des Regressionsmodells
Das in Abbildung 7 schematisch dargestellte Regressionsmodell lässt sich durch die folgende Regressi-
onsgleichung abbilden:
log( 𝑄𝑢𝑎𝑑𝑟𝑎𝑡𝑚𝑒𝑡𝑒𝑟𝑚𝑖𝑒𝑡𝑝𝑟𝑒𝑖𝑠𝑖𝑠𝑡)
= 𝛼 + 𝛿𝑇 + 𝛾𝑠 + 𝜌𝑋𝑖𝑠𝑡 + 𝛽1𝑆𝑇𝑇𝑠 + 𝛽2𝑃𝑜𝑠𝑡𝑡 + 𝛽3𝑊𝐺𝑖 + 𝛽4𝑆𝑇𝑇𝑠 ∗ 𝑃𝑜𝑠𝑡𝑡 + 𝛽5𝑊𝐺𝑖
∗ 𝑃𝑜𝑠𝑡𝑡 + 𝛽6𝑆𝑇𝑇𝑠 ∗ 𝑊𝐺𝑖 + 𝛽7𝑆𝑇𝑇𝑠 ∗ 𝑃𝑜𝑠𝑡𝑡 ∗ 𝑊𝐺𝑖 + 𝜖𝑖𝑠𝑡
Die abhängige Variable log( 𝑄𝑢𝑎𝑑𝑟𝑎𝑡𝑚𝑒𝑡𝑒𝑟𝑚𝑖𝑒𝑡𝑝𝑟𝑒𝑖𝑠𝑖𝑠𝑡) bildet den logarithmierten Quadratmeter-
preis (Nettokaltmiete) ab. Der Index i steht für ein bestimmtes Wohnungsinserat, s gibt Auskunft über
den Stadtteil, in welchem sich die Wohnung befindet und t zeigt das Quartal an, in welchem das Woh-
nungsinserat erschienen ist. 𝛾𝑠 steht für Stadtteil Fixed-Effects und 𝛿𝑇 für jährliche Fixed-Effects, wobei
T das Jahr indiziert. 𝑋𝑖𝑠𝑡 erfasst die individuellen und räumlichen Kontrollvariablen. 𝑆𝑇𝑇𝑠 repräsentiert
eine Dummyvariable, die den Wert 1 annimmt für Stadtteile, die der dritten Terzilgruppe angehören
und 0 für Stadtteile der ersten Terzilgruppe.35 𝑃𝑜𝑠𝑡𝑡 ist eine Dummyvariable zur Identifikation des Tre-
atments in der zeitlichen Ebene. Sie nimmt den Wert 1 an, wenn ein Wohnungsinserat nach dem zwei-
ten Quartal 2015 erschienen ist. Inserate, die vor diesem Zeitpunkt erschienen sind, erhalten den Wert
0. 𝑊𝐺𝑖 zeigt als dritte Dummyvariable den Wert 1 für Wohnungen mit einer Wohnungsgröße von
maximal drei Zimmern und den Wert 0 für größere Wohnungen in der Kontrollgruppe. Folglich ist der
Interaktionsterm 𝑆𝑇𝑇𝑠 ∗ 𝑃𝑜𝑠𝑡𝑡 ∗ 𝑊𝐺𝑖 der Indikator für die Treatmentgruppe. Entsprechend gehört ein
Wohnungsinserat der Treatmentgruppe an , sofern die Wohnung in einem Stadtteil der dritten Ter-
zilgruppe liegt, nach dem zweiten Quartal 2015 zur Vermietung angeboten wird und nicht mehr als
drei Zimmer hat. Der Koeffizient dieses Interaktionsterms misst den Effekt der KZVM auf die Miet-
preise.
35 Stadtteile der zweiten Terzilgruppe werden von dieser Analyse ausgeschlossen.
KZVM-Effekt
26 Lokale Wohnungsmarkteffekte durch Kurzzeitvermietung in Köln
Dieses Vorgehen entspricht einer Triple Diffrence-in-Difference Analyse. Diese Methode hat den Vor-
teil, dass die Common-trend Assumption weiter gefasst wird. Das heißt es müssen die folgenden zwei
Bedingungen erfüllt sein:
i. Der Unterschied der Angebotsmieten zwischen kleinen Wohnungen in Stadtteilen mit ho-
her KZVM-Konzentration und kleinen Wohnungen in nicht betroffenen Stadtteilen müsste
sich ohne den Markeintritt der KZVM ähnlich entwickelt haben wie der Unterschied zwi-
schen großen Wohnungen in den jeweiligen Stadtteilen.
ii. Der Unterschied der Angebotsmieten zwischen kleinen und großen Wohnungen in Stadt-
teilen der Treatmentgruppe müsste sich ohne die KZVM ähnlich zu dem Unterschied zwi-
schen kleinen und großen Wohnungen in Stadtteilen der Kontrollgruppe entwickelt haben.
Diese Herangehensweise gewährleistet, dass nicht nur Bestandsunterschiede, sondern auch Trendun-
terschiede zwischen Stadtteilen berücksichtigt werden können und nicht zur Verzerrung der gemesse-
nen Effektgröße führen.
6.3 Robustheit stests
Wie Tabelle 4 zeigt, ergibt sich gemäß der Triple Differernce-in-Difference Analyse ein Effekt der KZVM
auf die Mieten der Wohnungen in der Treatmentgruppe von 4,6 %. Um die Robustheit dieser Analyse
zu testen, präsentieren wir hier die Ergebnisse alternativer Herangehensweisen. Diese beinhalten eine
Difference-in-Difference Analyse mit limitiertem Datensample, verschiedene Regressionen mit variie-
rendem Treatmentzeitpunkt und sog. Placeboregressionen.
Difference-in-Difference Analyse mit limitiertem Datensample
Eine Möglichkeit die Konsistenz der Ergebnisse der Triple Difference-in-Difference Analyse (3) zu über-
prüfen, bietet die zweidimensionale Difference-in-Difference (DiD) Betrachtung mit einem über die
dritte Dimension beschränktem Datensample. Das bedeutet in unserem Fall, entweder (1) DiD mit den
zwei Dimensionen KZVM-Konzentration des Stadtteils und Treatmentzeitpunkt für nur kleine Wohnun-
gen, oder (2) mit den Dimensionen Wohnungsgröße und Treatmentzeitpunkt in nur betroffenen Stadt-
teilen. Tabelle 6 zeigt die Koeffizienten der drei Verfahren im Vergleich. Alle drei Verfahren zeigen sehr
ähnliche Effektgrößen, diese bewegen sich zwischen 12 % der Gesamtmietpreissteigerungen in Spalte
(1) und 14,2 %, dem Ergebnis der Hauptregression (3). Dieser Befund bestätigt unsere Ergebnisse.
27 Lokale Wohnungsmarkteffekte durch Kurzzeitvermietung in Köln
Tabelle 6: Quantifizierung des Effekts der Kurzzeitvermietung – Vergleich zwischen DiD und
Triple DiD
Abhängige Variable:
Log (Quadratmetermietpreis)
(1) (2) (3)
STT 0,254* 0,246
(0,137) (0,180)
WG 0,055*** 0,060***
(0,004) (0,006)
Post 0,018 0,019** 0,019**
(0,013) (0,009) (0,010)
STT × WG -0,006
(0,008)
STT × Post 0,039*** -0,003
(0,010) (0,011)
WG × Post 0,042*** -0,003
(0,008) (0,009)
STT × WG × Post 0,046***
(0,012)
Wohnungseigenschaften
Stadtteileigenschaften
Zeitliche Fixed-Effects
Stadtteil Fixed-Effects
Beobachtungen 37.515 46.088 68.278
Cluster 58 29 58
korrigiertes R2 0,522 0,447 0,506
Residual Std. Error 0,197 (df = 37.412) 0,209 (df = 46.015) 0,200 (df = 68.173)
F Statistik 401,909***
(df = 102; 37.412)
517,708***
(df = 72; 46.015)
672,767***
(df = 104; 68.173)
Notiz: *p<0,1**p<0,05***p<0,01. Standardfehler in Klammern und geclustert auf
Stadtteilsebene.
28 Lokale Wohnungsmarkteffekte durch Kurzzeitvermietung in Köln
Effektgröße bei variierendem Treatmentzeitpunkt
In einer weiteren Spezifikation zeigen wir, dass die Ergebnisse ebenfalls robust gegenüber der Wahl
des Treatmentzeitpunktes sind. Spalte (1) von Tabelle 7 zeigt die Effektgröße , wenn der Treatment-
zeitpunkt eine Periode früher festgelegt wird (erste Quartal 2015) und Spalte (3) für eine Periode spä-
ter (dritte Quartal 2015). Spalte (2) zeigt zur Vergleichbarkeit unsere Benchmark-Spezifikation mit dem
zweiten Quartal 2015 als Treatmentzeitpunkt. Auch hier sind die Effektgrößen fast identisch.
Tabelle 7: Quantifizierung des Effekts der Kurzzeitvermietung bei variierendem
Treatmentzeitpunkt
Abhängige Variable:
Log (Quadratmetermietpreis)
(1) (2) (3)
STT × WG × Post 0,041*** 0,046*** 0,046***
(0,012) (0,012) (0,011)
Wohnungseigenschaften
Stadtteileigenschaften
Zeitliche Fixed-Effects
Stadtteil Fixed-Effects
Beobachtungen 68.516 68.278 67.942
Cluster 58 58 58
korrigiertes R2 0,503 0,506 0,507
Residual Std. Error 0,201 (df = 68.411) 0,200 (df = 68.173) 0,199 (df = 67.837)
F Statistik 667,892***
(df = 104; 68.411)
672,767***
(df = 104; 68.173)
674,158***
(df = 104; 67.837)
Notiz:
*p<0,1**p<0,05***p<0,01. Standardfehler in Klammern und geclustert auf
Stadtteilsebene.
Placeboregressionen
Als letzten Sensitivitätscheck präsentieren wir hier die Ergebnisse sogenannter Placeboregressionen.
Hierbei wird dieselbe Analysemethode auf Wohnungsinserate angewandt , die nicht zur Treatment-
gruppe gehören. Man testet somit, ob die der Forschungsansatz auch Effekte misst, wenn kein Effekt
zu vermuten ist. Dies geschieht zum einen auf der geographischen Ebene, zum anderen auf der zeitli-
chen Ebene. Spalte 1 präsentiert die Ergebnisse für ein hypothetisches Treatment von zufällig ausge-
wählten Stadtteilen der ersten Terzilgruppe, also der Kontrollgruppe. Spalte 2 zeigt die Ergebnisse für
29 Lokale Wohnungsmarkteffekte durch Kurzzeitvermietung in Köln
ein hypothetisches Treatment in der Vorperiode (Hier vom zweiten Quartal 2011 bis zum vierten Quar-
tal 2013). In beiden Fällen sind die Effekte negativ und statistisch nicht signifikant. Auch die Placebo-
regression stützt somit unser Vorgehen.
Tabelle 8: Placeboregressionen
Abhängige Variable:
Log (Quadratmetermietpreis)
(1) (2)
Placebo STT × WG × Post -0.001
(0.014)
STT × WG × Placebo Post -0.004
(0.009)
Wohnungseigenschaften
Stadtteileigenschaften
Zeitliche Fixed-Effects
Stadtteil Fixed-Effects
Beobachtungen 45.284 55.652
Cluster 29 58
korrigiertes R2 0,512 0,435
Residual Std. Error 0,178 (df = 45.180) 0,200 (df = 55.525)
F Statistik 462,609*** (df = 103; 45.180) 340,653*** (df = 126; 55.525)
Notiz: *p<0,1**p<0,05***p<0,01. Standardfehler in Klammern und geclustert auf
Stadtteilsebene.
Mitteilung Ausschuss
1740 Zeichen
Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle V/56/561/3 Vorlagen-Nummer 15.12.2020 3555/2020 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss Soziales und Senioren 14.01.2021 Stadtentwicklungsausschuss 28.01.2021 Studie zu lokalen Wohnungsmarkteffekten durch plattformbasierte Kurzzeitvermietung in Köln Das Amt für Wohnungswesen hat 2019 eine Studie beim Institut für Wirtschaftspolitik an der Universi- tät zu Köln in Auftrag gegeben, um solide und belastbare Daten darüber zu erhalten, inwieweit On- lineportale in Köln zur Wohnraumverknappung und somit zu Mietpreissteigerungen beitragen (vgl. Mitteilung 0382/2020). Mit einer kleinen pandemiebedingten Verzögerung liegen die Ergebnisse nun vor. Die Studie untersucht lokale Wohnungsmarkteffekte durch plattformbasierte Kurzzeitvermietung von Wohnungen (z. B. an Touristen). Einige Kernaussagen aus dem Inhalt lassen sich wie folgt zusammenfassen: • Kurzzeitvermietungs-Angebote haben in Köln ab Mitte 2015 deutlich zugenommen. • Neben dem klassischen Homesharing ist auch die Anzahl der professionellen Angebote zur Kurzzeitvermietung gestiegen. • Bei professionellen Kurzzeitvermietungen besteht eine direkte Nutzungskonkurrenz zur Lang- zeitvermietung (Verknappung des Wohnraumes). • Es konnte nachgewiesen werden, dass Angebote zur Kurzzeitvermietung kleinräumig (stadt- teilbezogen) zum Mietenanstieg in Köln beitragen. • Die Einführung eines Registrierungsverfahrens, wie es momentan im Rahmen des Gesetz- entwurfs des Wohnraustärkungsgesetzes NRW diskutiert wird, wird im Sinne einer wün- schenswerten Transparenz für sinnvoll erachtet. Die vollständige Studie ist dieser Mitteilung als Anlage beigefügt. gez. Dr. Rau
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 3555/2020
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 15.12.2020
- Erstellt
- 07.12.2020 15:42