2016/0057
D115 Servicecenter
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Grobkonzept
D115-Servicecenter der Wissenschaftsstadt Darmstadt
In der Fassung vom
12.02.2016
Inhaltsverzeichnis:
1 Einleitung ..................................................................................................................................................... 3
1.1 Gegenstand, Anlass und Ziele ....................................................................................................................................... 3
1.2 Zentrale Ergebnisse ....................................................................................................................................................... 4
2 Ausgangssituation ........................................................................................................................................ 5
2.1 Organisationsform und –anbindung .............................................................................................................................. 5
2.2 Personalausstattung ...................................................................................................................................................... 5
2.3 Aufgabenwahrnehmung ................................................................................................................................................. 5
2.4 Qualifikationen .............................................................................................................................................................. 5
2.5 Kommunikationszugänge .............................................................................................................................................. 5
2.6 Räumlichkeiten .............................................................................................................................................................. 6
2.7 Technik .......................................................................................................................................................................... 6
3 Service-Strategie .......................................................................................................................................... 7
3.1 Ziele „Darmstadt 115“ .................................................................................................................................................. 7
3.2 Serviceversprechen „Darmstadt 115“ ........................................................................................................................... 8
3.3 Dienstleistungsarten „Darmstadt 115“ ......................................................................................................................... 9
3.4 Servicestruktur „Darmstadt 115“ ................................................................................................................................ 10
3.5 Umsetzung .................................................................................................................................................................. 11
3.6 Service-Design ............................................................................................................................................................. 12
4 Wissensmanagement .................................................................................................................................. 13
4.1 Handlungsbedarf und Anforderungen .......................................................................................................................... 13
4.2 Informationsarchitektur (DA) ....................................................................................................................................... 13
4.3 Pflege- und Redaktionsmodell ..................................................................................................................................... 14
5 IT- / TK-Konzept ........................................................................................................................................ 15
5.1 Technische Zielarchitektur .......................................................................................................................................... 15
5.2 Deltaanalyse ................................................................................................................................................................ 16
5.3 Zusammenfassung und Empfehlungen ....................................................................................................................... 17
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6 Kapazitätsplanung ...................................................................................................................................... 18
6.1 Einzusetzende Personalressourcen ............................................................................................................................. 18
6.2 Organisationskonzept .................................................................................................................................................. 19
6.3 Raumkonzept .............................................................................................................................................................. 19
7 Wirtschaftlichkeitsbetrachtung ................................................................................................................... 20
7.1 Investitionskosten ........................................................................................................................................................ 20
7.2 Laufende Betriebskosten pro Jahr ............................................................................................................................... 21
7.3 Einsparungspotentiale ................................................................................................................................................. 21
8 Kommunikations- und Schulungskonzept ................................................................................................... 23
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1 Einleitung
1.1 Gegenstand, Anlass und Ziele
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt plant im Sinne einer transparenten, erreichbaren und
serviceorientierten öffentlichen Verwaltung den Aufbau eines 115-Servicecenters. Bürgerin-
nen und Bürger sollen über die einheitliche Behördenrufnummer 115 möglichst schon im
Erstkontakt schnell, kompetent und ohne Weiterleitung beraten und bedient werden, unab-
hängig von der tatsächlich betroffenen Verwaltungsebene.
Das 115-Servicecenter der Wissenschaftsstadt Darmstadt soll in erster Linie dazu beitragen,
Bürgerfreundlichkeit und Serviceorientierung zu erhöhen sowie besser auf die Bedürfnisse
der Bürgerinnen und Bürgern sowie der örtlichen Wirtschaft eingehen zu können. Viele An-
fragen können telefonisch abgewickelt werden und ersparen einen Briefwechsel oder das
persönliche Erscheinen. Dies setzt qualifizierte Antworten voraus, die durch Prozessentwick-
lung hin zu einem funktionierenden Servicecenter im deutschlandweiten 115-Verbund garan-
tiert werden.
Darüber hinaus stehen die folgenden Ziele im Mittelpunkt eines 115-Auskunftsservice in der
Wissenschaftsstadt Darmstadt:
wirtschaftlichere und effektivere Aufgabenerledigung in den Fachämtern durch Verla-
gerung der eingehenden Anrufe auf das Servicecenter
Optimierung der zu erteilenden Auskünfte durch den Aufbau einer zentralen Wissens-
datenbank
Angebot bzw. Nutzung von interkommunaler Zusammenarbeit im Rahmen des Pro-
jekts
Für die Bürgerinnen und Bürger stellen die eingesparten Wegzeiten und der reduzierte Auf-
wand eine deutliche Serviceverbesserung dar. Im Sinne der EU-Dienstleistungsrichtlinie er-
leichtert D115 Wirtschaft, Bürgerinnen und Bürgern den Zugang zu einem kompetenten
(einheitlichen) Ansprechpartner.
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1.2 Zentrale Ergebnisse
1. Durch die Einführung eines Servicecenters werden Prozesse und Aufgaben der Wis-
senschaftsstadt Darmstadt konsequent und vor allem kundenorientiert weiterentwi-
ckelt.
2. Durch die Anbindung an die D115 wird ein erleichterter Zugang zur Stadtverwaltung
geschaffen. Die Servicequalität gegenüber Bürgerinnen und Bürger sowie der Wirt-
schaft wird erhöht.
3. Die vorherige Filterung und (teilweise) Beantwortung der eingehenden Anrufe wird zu
flächendeckenden Entlastungen führen, deren Potentiale zur Konzentration auf fach-
spezifische Aufgaben genutzt werden sollen.
4. Mit dem Anschluss an den D115 Verbund geht die Wissenschaftsstadt Darmstadt
Verpflichtungen hinsichtlich Umfang und Qualität der Dienstleistung des Servicecen-
ters ein.
5. Die Wissenspotentiale der Verwaltung müssen entsprechend vernetzt und aufbereitet
werden. Der Einsatz eines lokalen Wissensmanagementsystems übernimmt eine
wichtige Schlüsselrolle und prägt die Leistungsfähigkeit des Servicecenters in ent-
scheidendem Maße und wird einen permanenten Verbesserungsprozess zur Folge
haben.
6. Die einmaligen Investitionskosten (Ausstattung, Software, Schulung, etc.) belaufen
sich auf etwa 120.500 €.
7. Es sind 3,83 VZÄ (EG 6) im kommenden Stellenplan einzurichten, deren Bewirtschaf-
tung sich am Umsetzungsstand orientiert. Die jährlichen Personalmehrkosten bei vol-
ler Auslastung und Besetzung des Servicecenters belaufen sich auf etwa 188.000 €
im Jahr. Daneben entstehen jährliche Mehrkosten in Höhe von etwa 44.800 € (sächli-
che Betriebskosten, Wartungskosten, etc.).
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2 Ausgangssituation
2.1 Organisationsform und –anbindung
Die Telefonzentrale und das Bürgerinformationszentrum (BIZ) sind organisatorisch dem
Amt für Interne Dienste – IT-Abteilung zugeordnet und im Sachgebiet „Technische Informa-
tionssysteme, Netzwerktopologie, Kommunikation und BIZ“ verortet.
Daneben bestehen eine Reihe weiterer Service-Telefone in den einzelnen Verwaltungsberei-
chen (z. B. Bürger- und Ordnungsamt, Amt für Wohnungswesen, EAD), welche zentrale Aus-
künfte erteilen.
2.2 Personalausstattung
Die Telefonzentrale ist mit 5,41 VZÄ (6 Stellen) besetzt. Mit einer Ausnahme (Stelle Nr.
2937 – 1,00 VZÄ – EG 6 kw) sind die Stellen durchgängig nach EG 5 TVöD ausgewiesen. Es
entstehen etwa 250.000 € Personalkosten pro Jahr.
Im BIZ sind drei Personen (3,00 VZÄ) eingesetzt. Allerdings ist zu beachten, dass der Ein-
gangsbereich im Luisenplatz 5 a konstant zu besetzen ist (45,00 Std. / W.). Die Leitungs-
stelle des BIZ ist nach A 10, die anderen beiden Stellen nach A 9 bzw. EG 8 TVöD ausgewie-
sen. Hier entstehen Personalkosten in Höhe von etwa 182.000 € pro Jahr.
2.3 Aufgabenwahrnehmung
Durch die Telefonzentrale erfolgt hauptsächlich eine Weiterleitung in die einzelnen Verwal-
tungseinheiten. In den Stellenbeschreibungen sind folgende Aufgaben hinterlegt:
Vermittlung von ankommenden Gesprächen
Telefonauskunft
Annahme von Störungen an Telefonanlagen städtischer Ämter
Die Aufgaben in der Sachbearbeitung des Bürgerinformationszentrums hingegen sind brei-
ter angelegt. Die Stellen stehen nur zu einem geringen Teil für D115 zur Verfügung. Unter
anderem werden folgende Aufgaben wahrgenommen:
telefonische und persönliche Beratung von Bürgerinnen und Bürgern
Verkauf / Vorhaltung von Publikationen
Durchführung amtlicher Beglaubigungen
Webmastertätigkeiten im städtischen Intranet und Internet sowie verantwortliche
Pflege des Bürgerservices und des Veranstaltungskalender
Erstellen von Formularen / Pflege des Formularpools
bidirektionaler Abgleich des Hessen-Finders
2.4 Qualifikationen
Die Qualifikationen der einzelnen Beschäftigten variieren sehr stark. Möglicherweise können
die mit dem „Darmstadt 115“ Projekt einhergehenden erhöhten Anforderungen nicht von
allen Beschäftigten erfüllt werden.
2.5 Kommunikationszugänge
Das Bürgerinformationszentrum ist über Fax, Telefon, Homepage und E-Mail sowie durch
persönliche Vorsprache erreichbar.
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2.6 Räumlichkeiten
Die Telefonzentrale stößt an räumliche Grenzen. Eine Erweiterung der bestehenden Räume
ist am aktuellen Standort nicht möglich. Auch die Räumlichkeiten des BIZ eignen sich nicht
zur räumlichen Konzentration eines Servicecenters. Es ist ein Raumkonzept zu entwickeln
bzw. die Anmietung weiterer Räumlichkeiten zu prüfen.
2.7 Technik
Wesentliche technische und funktionale Elemente (Wissensdatenbank, Metasuche, Ticketing,
Arbeitsoberfläche SC Mitarbeiter, CTI-Software, Reporting) zum Betrieb eines Servicecenters
sind noch nicht vorhanden.
Auf die vorhandene Rathaus-online-Datenbank (derzeit Osiris) kann zum Aufbau der Wis-
sensdatenbank zurückgegriffen werden. Momentan gibt es noch keine standardisierten Ex-
portmöglichkeiten. Eine neue Schnittstelle zwischen Rathaus online und dem Hessen-Finder
wird einen indirekten Zugriff über den Hessen-Finder auf eine Auswahl an Daten ermögli-
chen.
Mit dem Intranet auf Basis von Novell Vibes verfügt die Wissenschaftsstadt Darmstadt über
ein leistungsfähiges System, um einen Teil der funktionalen Anforderungen ggf. selbst oder
zumindest mit vorhandenen technischen Lösungen abzubilden. Diese Variante sollte aber
nicht weiterverfolgt werden, da aufwändige Neuentwicklungen/Anpassungen nötig wären.
Eine zukünftige Anbindung zwecks Datenabgleich sollte fortlaufend geprüft werden.
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3 Service-Strategie
Die Servicestrategie identifiziert die Ziele, die sich die Wissenschaftsstadt Darmstadt mit
dem Vorhaben „Darmstadt 115“ setzt, und liefert eine grobe Gesamtsicht auf das Zusam-
menwirken der wesentlichen Akteure, Organisationseinheiten, Maßnahmen und technischen
Systeme, die notwendig sind, um die geplanten 115-Leistungen nachhaltig und in gleich-
bleibender Qualität zu erbringen.
Die Servicestrategie stellt damit einen Referenzpunkt für die in den weiteren Aktivitäten des
„Darmstadt 115“-Projektes zu verfeinernden Konzepte und Architekturen dar.
3.1 Ziele „Darmstadt 115“
Zentrales Ziel für die Einführung der einheitlichen Behördenrufnummer 115 ist die Erhöhung
des Bürgerservice, indem ein direkter telefonischer Zugang zu Auskünften und Leistungen
der öffentlichen Verwaltung eingeführt wird. Ziele und Nutzen können darüber hinaus aus
Sicht der Bürgerinnen und Bürger und Wirtschaftsunternehmen sowie aus Sicht der Verwal-
tung und der politischen Führung differenziert werden.
Bürgerinnen und Bürger /
Wirtschaft
erleichterter Zugang zur Verwaltung
keine Kenntnis des Behördenapparats notwendig
erhöhte Erreichbarkeit
Zeit- / Kostenersparnis durch
o Vermeidung unnötiger Behördengänge
o Klärung von Anliegen beim ersten Anruf
Verwaltung
Verbesserung des Bürgerservice
Entlastung der Fachebene
Optimierung von Verwaltungsprozessen
Stärkung der ämterübergreifenden Zusammenarbeit
Förderung der Ebenen übergreifenden Zusammenarbeit zwischen
Bund, Ländern und Kommunen
Politik
Bürgernähe
bessere politische Steuerung
Die Einbeziehung der Nachbarverwaltungen und städtischer Gesellschaften, die Verbesse-
rung des Wirtschaftsservice und die Nutzung der Behördenrufnummer als Sensor für die
Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger und damit als Beitrag zu einer verbesserten politi-
schen Steuerung werden als mittelfristige Ziele gesehen. Durch die mit der Umsetzung ver-
bundene Prozessoptimierung ergeben sich theoretisch Einsparpotentiale im Personalbe-
reich. Hierbei ist zu beachten, dass diese Werte nicht zwangsläufig zu einer Personalredu-
zierung führen, da die in vielen kleinen Stellenanteile anfallenden Nutzenpotentiale nur
schwer zusammengefasst und realisiert werden können. Vielmehr sollen die flächendecken-
den Entlastungen zur Konzentration auf fachspezifische Aufgaben genutzt und die Verwal-
tungsstellen entlastet werden. Auch kann hierdurch der zunehmende Arbeitsaufwand durch
den stetigen Anstieg der Einwohnerzahl etwas ausgeglichen werden.
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3.2 Serviceversprechen „Darmstadt 115“
Das Serviceversprechen definiert die wesentlichen Qualitätsmerkmale der Leistungsbereit-
stellung der Behördenrufnummer 115 für Kundinnen und Kunden und andere Verwaltungen.
Das Serviceversprechen gilt intern und extern, d.h. es ist sowohl den anrufenden Bürgern
gegenüber als auch den im deutschlandweiten 115-Verbund teilnehmenden Servicecentern
gegenüber einzuhalten. Das D115-Feinkonzept betrachtet folgende Komponenten als Teil
des Serviceversprechens:
Servicezeiten
Service Level
Dienstleistungstiefe
Gesprächsqualität / -standard
D115 startet zunächst mit einem Basisserviceversprechen, welches auf der Grundlage von
kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Servicezielen kontinuierlich angepasst wird.
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt setzt sich für ihr 115-Servicecenter zunächst das Ziel, die
im D115-Feinkonzept definierten Qualitätsmerkmale einzuhalten:
1. Erreichbarkeit des Servicecenters montags bis freitags von 08:00-18:00 Uhr.
2. Bei elektronischer Weiterleitung von Anliegen aus anderen Servicecentern im D115-
Verbund bzw. bei Weiterleitung eines Anliegens durch das eigene Servicecenter an
eine andere Bearbeitungsebene soll gegenüber den Anruferinnen und Anrufern inner-
halb von 24 Stunden während der Servicezeiten eine Reaktion erfolgen.
3. Es soll ein Service Level von 75/30 gelten, d.h. 75% der Anrufe werden innerhalb von
30 Sekunden angenommen.
4. Die in der „Charta für den 115 Regelbetrieb“ vorgesehene Fallabschlussquote von
65 % beim ersten Kontakt soll erreicht werden.
5. Die im D115-Verbund vereinbarten Vorgaben zu Gesprächsqualität und Gesprächs-
standard sollen berücksichtigt werden.
6. Die explizite Unterstützung von fremdsprachigen Anrufen ist für D115-Servicecenter
zunächst nicht verpflichtend. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt setzt sich jedoch
langfristig das Ziel, im Servicecenter Beschäftigte mit grundlegenden Englisch-
Kenntnissen einzusetzen.
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3.3 Dienstleistungsarten „Darmstadt 115“
Die Diensterbringung im Kontext von telefonbasierten Servicecentern der öffentlichen Ver-
waltung kann in sechs Dienstleistungsarten differenziert werden. Im Hinblick auf die D115
Pilotierungsphase in Darmstadt wurden nach Abstimmung folgende Schwerpunkte bzgl. der
Umsetzung der Dienstleistungsarten gesetzt:
Auskunftsdienste sollen mit hoher Priorität umgesetzt werden. Dies umfasst zum ei-
nen allg. Auskünfte auf Basis des Top-100-plus-Fragenkatalogs, der durch für die
Wissenschaftsstadt Darmstadt wichtige und häufig auftretende Fragen ergänzt wer-
den soll. Darüber hinaus sollen Auskünfte mit Akten- oder Personenbezug direkt an
die Eben der Sachbearbeitung weitergereicht werden.
Vermittlungs- und Weiterleitungsdienste sollen ebenfalls mit hoher Priorität umgesetzt
werden. Dabei sollen entsprechend dem D115-Feinkonzept qualifizierte Vermittlun-
gen angeboten werden, d.h. vor der Vermittlung wird durch die Beschäftigten des
Servicecenters die Verfügbarkeit der Sachbearbeiterin bzw. des Sachbearbeiters
überprüft und das Telefonat direkt übergeben. Kann eine Auskunft nicht direkt be-
antwortet oder entsprechend qualifiziert weiter vermittelt werden, wird das Anliegen
elektronisch aufgenommen und im Nachgang beantwortet.
Beschwerden über Leistungen der eigenen Verwaltung, anderer Verwaltungen oder
„verwaltungsnaher“ Leistungen sollen zunächst nicht priorisiert umgesetzt werden.
Die Umsetzung soll sich darauf beschränken diesbezügliche Beschwerden an die
entsprechenden Stellen der Wissenschaftsstadt weiterzuleiten. Bei unklaren Anlie-
gen, größerer Dimension, nicht zufriedenstellender Antwort oder Wunsch nach
Kenntnisnahme des Oberbürgermeisters soll die Beschwerde an die Bürgerbeauf-
tragte weitergeleitet werden. Hingegen sollen Beschwerden, die direkt das D115-
Servicecenter betreffen, im Rahmen des Qualitätsmanagements besonders betrach-
tet werden
Transaktionsdienste lassen sich unterscheiden in ad-hoc Antragsverfahren, die ohne
Unterschrift durchgeführt werden können, komplexe Antragsverfahren, die einer Un-
terschrift bedürfen oder komplexe Fachverfahren beinhalten oder schließlich telefo-
nische Unterstützungsdienstleistungen für Internet-basierte Antragsverfahren. Da
Transaktionsdienste durch ihre Anforderungen an Prozessintegration zu den kom-
plexeren Dienstleistungsarten gehören, wurden diese zunächst nicht im D115-
Feinkonzept berücksichtigt. Dementsprechend wird auch für die 115-
Pilotierungsphase in Darmstadt die Priorität für die Umsetzung von Transaktions-
diensten als niedrig eingestuft.
Die Entgegennahme und Weiterleitung von nicht-gesetzlich vorgeschriebenen Mel-
dungen mit relevanten Fallzahlen soll mittelfristig bei der Umsetzung der D115-
Pilotierung in Darmstadt berücksichtigt werden.
Notrufweiterleitungen sollen entsprechend den Vorgaben im D115-Kontext unmittel-
bar und direkt an die entsprechenden Notfalldienste (110, 112) weitergeleitet wer-
den. Die Konzeption und Umsetzung der Weiterleitung wird entsprechend den Vor-
gaben des D115-Feinkonzeptes mit hoher Priorität bewertet.
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3.4 Servicestruktur „Darmstadt 115“
Um die oben beschrieben Dienstleistungsarten zu erbringen bedarf es einer systematischen
Organisation des Servicecenters. Im Rahmen von Servicecentern für die öffentliche Verwal-
tung hat sich dabei die Ausrichtung der Servicestruktur anhand von Ebenen bewährt. Im
Rahmen von D115 werden drei Ebenen unterschieden:
Servicestruktur von D 115 1
Definition Service Ebenen
Das 1st Level des städtischen 115 Servicecenters (DA115 Servicecenters) ist aus-
gerichtet auf häufige kurz zu beantwortende Fragen, die im sog. Front-Office ent-
gegengenommen und bearbeitet werden.
Servicecenter anderer Verwaltungen sind 2nd-Level im 115-Verbund und durch
kommunale 1st-Level-Servicecenter erreichbar.
Das 3rd-Level stellt schließlich die Fachebene dar. Fall- und personenbezogene
Anfragen werden hier von fachverantwortlichen Spezialisten bearbeitet.
1 Quelle: BMI.
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3.5 Umsetzung
Die folgende Grafik stellt grob alle wesentlichen Elemente der Servicestruktur dar:
Servicestruktur 2
Eingehende Anrufe von Bürgerinnen und Bürgern, Wirtschaft, Institutionen und Verwaltun-
gen werden zunächst durch Beschäftigte im Front-Office des 1st-Level entgegengenommen.
Diese versuchen die Fragen anhand des Top-100-plus-Fragenkatalogs mit Hilfe des Wis-
sensmanagementsystems zu beantworten. Das Front-Office wird vom Back-Office unter-
stützt (Schulung, Wissensmanagement, Personaleinteilung, etc.). Hinsichtlich der Personal-
verteilung im 1st Level, lässt sich feststellen, dass von den insgesamt im Servicecenter täti-
gen Beschäftigten im Durchschnitt ca. 84 Prozent auf den Front-Office- und 16 Prozent auf
das Back-Office entfallen 3.
Das Wissensmanagementsystem basiert dabei auf einer städtischen Wissensbasis, die in
der IT-Abteilung betrieben wird und dem städtischen 115-Servicecenter über ein Intranet-
basiertes Portal zur Verfügung gestellt wird. Die städtische Wissensbasis liefert zudem die
Inhalte für den Onlineauftritt der Wissenschaftsstadt Darmstadt, der über einen Webserver
bereitgestellt wird. Das Wissensmanagementsystem ist mit der deutschlandweiten 115 Wis-
sensbasis abgestimmt, so dass den Beschäftigten des Servicecenters auch der Fragenkata-
log zu anderen kommunalen, Landes- oder Bundes-Servicecentern zur Verfügung steht. Der
eingehende Anruf im 1st Level wird dabei in einem Ticketing-System erfasst, welches eben-
falls von der IT-Abteilung über das Portal zur Verfügung gestellt wird.
Kann ein Anliegen nicht unmittelbar im Front-Office des 1st-Level geklärt werden, wird der
Anruf qualifiziert weitergeleitet.
2 City & Bits, in Orientierung an Fraunhofer Institut Fokus + City & Bits „Servicestruktur 115 Frankfurt am Main“.
3 Call-Center-Management und Mitarbeiter-Zufriedenheit, Yvonne Scupin, DUV Verlag, ISBN 978-3-8350-0174-9.
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Handelt es sich um Fragestellungen zu speziellen Themengebieten, zu denen eine Hotline in
Darmstadt geschaltet ist, kann der Anruf unter Zuhilfenahme der Weiterverbindungsliste
direkt an die entsprechende Hotline qualifiziert weitervermittelt werden. Dementsprechend
kann auch bei Anliegen, die Akten- oder Personenbezug haben, direkt an die verantwortliche
Sachbearbeitung weitervermittelt werden. Hotlines einzelner Ämter werden zunächst zu-
sammen mit der Sachbearbeitung organisatorisch auf dem 3rd-Level angesiedelt. Über die
Einbindung wird im Einzelfall sukzessive entschieden. Perspektivisch sind die Nummern,
deren Anfragen über D115 beantwortet werden, nicht mehr nach außen zu kommunizieren.
Die Möglichkeit, bestimmte Fachbereiche insbesondere bei laufenden Vorgängen / Verfah-
ren telefonisch kontaktieren zu können, ist weiterhin vorgesehen.
Kann ein Anruf im 1st Level nicht direkt weitervermittelt werden, da eine qualifizierte Über-
gabe des Telefonats nicht innerhalb einer gewissen Zeitspanne möglich ist, der Anruf außer-
halb der Servicezeiten eingeht oder die Zuständigkeit erst im Nachgang geklärt werden
kann, wird das Anliegen im 1st Level elektronisch im Ticketing-System gespeichert und an
die entsprechend zuständige Stelle weitergeleitet. Hierzu ist entsprechend den Zuständig-
keiten jeweils ein Funktions-Postfach bei den Ämtern und Verwaltungsbereichen im
3rd-Level einzurichten, soweit es nicht schon vorhanden ist. Innerhalb von 24 Stunden wäh-
rend der Servicezeiten wird entsprechend dem Serviceversprechen des 115 Servicecenters
mit einer Rückmeldung, zumindest mit einer Statusmeldung auf das elektronisch gespei-
cherte Anliegen reagiert. Die Rückmeldung soll dabei vom 3rd Level direkt erfolgen. Die Ver-
antwortung liegt bei den Amtsleitungen.
Bezieht sich eine Anfrage nicht auf Leistungen der Wissenschaftsstadt Darmstadt und kann
nicht direkt anhand der verfügbaren Wissensbasis geklärt werden, so kann sie entsprechend
dem D115-Feinkonzept an ein anderes kommunales, Landes- oder Bundes-Servicecenter
oder fachspezifisches Servicecenter weitergeleitet werden. Dabei ist die Aufnahme elektroni-
scher Daten der telefonischen Weiterverbindung vorzuziehen, um eine bessere Lastvertei-
lung zu erreichen.
Um das Serviceangebot von Beginn an kontinuierlich zu verbessern, ist ein umfassendes
Qualitätsmanagement vorgesehen. Neben den organisatorischen Maßnahmen wird dazu ein
entsprechendes Reporting-System aufgebaut, das die erforderlichen Kennzahlen aus ACD-
Anlage, Ticketing-System und Zugriffen auf die Wissensbasis ermittelt, entsprechend aufbe-
reitet und in Form von Statistiken wiedergibt.
3.6 Service-Design
Im Rahmen der Service-Strategie wurde eine grobe Gesamtsicht auf das Zusammenwirken
der wesentlichen Akteure, Organisationseinheiten, Maßnahmen und technischen Systeme
erarbeitet.
Die folgenden Dienstleistungsarten wurden in den obigen Kapiteln zur Service-Strategie de-
finiert: Auskunft, Vermittlung und Weiterleitung, Beschwerde, einfache Transaktion, Meldung
und Notrufdienste.
Aufbauend auf diesen Ergebnissen sind nach Beschluss des Magistrats zur Einrichtung eines
115 Servicecenters generische Soll-Prozesse zu definieren, auf dessen Basis die zuvor ge-
nannten Dienstleistungsarten abgedeckt werden können. Die Modellierung der Soll-Prozesse
ist ein wesentlicher Baustein für die Ableitung detaillierter Anforderungen an das städtische
Servicecenter.
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4 Wissensmanagement
4.1 Handlungsbedarf und Anforderungen
Die Klassifikation, Strukturierung und Pflege des notwendigen Wissens bildet die Grundlage
für die Umsetzung der D115. Um kompetente Auskünfte in kurzer Zeit gewährleisten zu
können, müssen die Wissenspotentiale der Verwaltung vernetzt und entsprechend aufberei-
tet werden.
Als Teilnehmer der D115 ist die Wissenschaftsstadt Darmstadt dafür verantwortlich, dass
Informationen sachlich richtig, qualitativ hochwertig und aktuell technisch bereitgestellt
werden. Neben den in einheitlicher Form zur Verfügung gestellten Informationen auf der
Plattform Hessen-Finder und dem städtischen Internetauftritt übernimmt ein lokales Wis-
sensmanagementsystem eine wichtige Schlüsselrolle und prägt die Leistungsfähigkeit des
Servicecenters in entscheidendem Maße.
Zurzeit werden die für ein Servicecenter notwendigen Informationen an unterschiedlichen
Stellen vorgehalten und teilweise auch in unterschiedlichen Formaten parallel gepflegt. Die
für das D115 Projekt erforderliche strukturierte Wissensablage ist nicht vorhanden. Die In-
formationen im städtischen Intranet sowie unter „Bürgerservice – Rathaus online“ auf der
Homepage werden durch das Bürgerinformationszentrum gepflegt. Daneben existieren in
den einzelnen Verwaltungsstellen noch weitere mit der Pflege der redaktionellen Seiten be-
traute Beschäftigte, die in geringem Umfang Inhalte einstellen. Die Verantwortlichkeit liegt
bei den jeweiligen Verwaltungsstellen. Es erfolgt ein jährlicher Hinweis auf Überprüfung der
Aktualität.
Ziel muss sein, Informationen aktuell, lückenlos und möglichst medienbruchfrei zu organi-
sieren und so unnötige Doppelarbeiten und redundante Datenhaltung zu vermeiden. Ein
hierfür notwendiges System ist derzeit noch nicht vorhanden. Die erforderlichen Funktionali-
täten der Software sind genau zu definieren und auf größtmögliche Kompatibilität zu ach-
ten.
4.2 Informationsarchitektur (DA)
Das Schaubild stellt die grobe
Struktur für die Organisation des
Wissensmanagements dar:
4 City & Bits.
Informationsarchitektur 4
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4.3 Pflege- und Redaktionsmodell
Die Verantwortung für die Pflege des lokalen Wissensmanagements liegt bei der Leitung des
Servicecenters. Da die erforderlichen Informationen in der Regel aus den Verwaltungsstellen
kommen müssen, ist ein ständiger Austausch mit den einzelnen Verwaltungsstellen notwen-
dig. In den betroffenen Verwaltungsstellen sind Ansprechpartner zu benennen.
Aufnahme in das Wissensmanagement 5
5 Eigene Darstellung in Anlehnung an „Service-Struktur und Wissensmanagement“, Stadt Köln, 2010.
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5 IT- / TK-Konzept
5.1 Technische Zielarchitektur
Nachfolgend soll die Zielarchitektur grob konzipiert werden. Das Gesamtsystem ist nach
einer für webbasierte Client-Serveranwendungen typischen 4-Schichtenarchitektur struktu-
riert. Durch die 4-Schichtenarchitektur wird die Komplexität der Abhängigkeiten innerhalb
des Systems reduziert. Allgemein gilt, dass höhere Schichten auf niedrigere Schichten zu-
greifen, aber nicht umgekehrt. Im Idealfall greift eine Schicht nur auf die direkt darunter
liegende Schicht zu.
Zielarchitektur 6
6 City & Bits.
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5.2 Deltaanalyse
Nach Auswertung der Bestanderhebung und Abgleich vorhandener und erforderlicher Sys-
teme kommt die Deltaanalyse zu folgenden Ergebnissen:
1. ACD-Software nicht vorhanden – erforderlich
2. Wissensdatenbank ist zwingend erforderlich
Eine Datenbank zur Beschreibung von Dienstleistungen, Zuständigkeiten, Organisati-
onseinheiten ist vorhanden, der Schwerpunkt liegt hierbei auf der Darstellung im In-
ternet. Diese ist jedoch nicht geeignet als Erweiterung zur Wissensdatenbank für Ser-
vicecenter. Es ist eine Wissensdatenbank inkl. Anbindung an Rathaus-online, Hessen-
Finder und der 115-Wissensdatenbank erforderlich.
3. Metasuche nicht vorhanden – erforderlich
4. Arbeitsoberfläche / grafische Oberfläche für die Beschäftigten des Servicecenters
(Wissensdatenbank, FAQ, aktuelle Meldungen) nicht vorhanden - erforderlich
5. Ticketing-System nicht vorhanden – erforderlich
6. CTI-Software nicht vorhanden
7. Software für Reporting nicht vorhanden – erforderlich
Deltaanalyse DA 115 Zielarchitektur 7
7 City & Bits.
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5.3 Zusammenfassung und Empfehlungen
Es wurden verschiedene interne Möglichkeiten geprüft, die sich im Gesamtsystem für D115
nicht eignen. Demnach muss eine am Markt erhältliche Software für die Wissensdatenbank,
die grafische Oberfläche und das Ticketsystem angeschafft werden. Bei fortlaufenden Ent-
wicklungen im D115 Projekt sollten dennoch mögliche Synergien mit vorhandenen Software-
lösungen beleuchtet und berücksichtigt werden.
Bei erster Betrachtung der notwendig technischen Maßnahmen zeichnen sich verschiedene
Produkte und Lösungswege ab. Diese werden in der nachfolgenden Tabelle miteinander ver-
glichen:
Hersteller/
Produkt
ACD-
Software
Wissens-
datenbank
Arbeitsober-
fläche Ticketing Reporting CTI-
Software
TSA-Teleport/
PS SC
Schnitt-
stellen
PS Service
Center
PS Service
Center
PS Service
Center
PS Service
Center
Schnitt-
stellen
Fa. Sitepark /
Citycall
Schnitt-
stellen City Gov CityCall115 InfoTicket InfoTicket Schnitt-
stellen
Ekom 21 /
Axcentro
Schnitt-
stellen
Schnittstel-
len PSS-Modul SC PSS-Modul SC PSS-Modul SC
Microsoft /
CRM 2013 Keine Angaben; könnte Konflikte mit Novell bedeuten
Siemens /
WBE Agent 32 ./. nur quantitativ ./.
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6 Kapazitätsplanung
6.1 Einzusetzende Personalressourcen
Für diesen Abschnitt wird in weiten Teilen auf die Ergebnisse des Leitfadens „Aufbau und
Einrichtung von D115-Servicecentern in Hessen“ 8 zurückgegriffen, welcher im Auftrag des
Hessischen Ministeriums des Innern und für Sport erstellt wurde.
Demnach kann die Zahl der erforderlichen Service-Kräfte in Vollzeitäquivalenten unter Ver-
wendung folgender Annahmen berechnet werden:
ein Gespräch pro Bürger und Unternehmen pro Jahr im Einzugsbereich eines kom-
munalen Servicecenters
durchschnittliche Gesprächsdauer von ca. 2,50 Minuten
durchschnittliche Nachbereitungs-, Pausen- und Rüstzeit pro Gespräch von ca. 1,50
Minuten
Pausenregelung mit durchschnittlich ca. 10 Minuten Pause nach erbrachten 50 Minu-
ten
Aus- und Weiterbildungszeiten betragen ca. 10 Prozent der Gesamtarbeitszeit
1.570 Arbeitsstunden / Jahr (Tarifbeschäftigte/r – 39,00 Std. / W.) 9
Kalkulation Nettoverfügbarkeit pro VZÄ
Gesamtarbeitszeit pro Jahr 1.570,00 Std.
abzügl. 10 % Aus- und Weiterbildungszeiten 157,00 Std.
Verfügbare Arbeitszeit 1.413,00 Std.
abzügl. vorgeschriebener Pausenzeiten 235,50 Std.
Nettoverfügbarkeit pro Jahr 1.177,50 Std.
Nettoverfügbarkeit pro Jahr in Minuten 70.650 Minuten
./. Gesamtzeit pro Anruf 4 Minuten
Durchschnittliche Anzahl möglicher Telefonate pro Jahr 17.662,50
Bei einer angenommenen Gesprächs-, Nachbereitungs- und Rüstzeit von insgesamt vier Mi-
nuten pro Gespräch kann man also von einem Volumen von ca. 17.500 Gesprächen pro Ser-
vicecenter-Kraft und Jahr ausgehen.
Bezogen auf die Einwohnerzahl Darmstadts (ca. 155.000 Einwohner + 6.700 Betriebe) kann
also ein Personalbedarf von 9,24 Stellen angenommen werden.
Grundsätzlich liegt die kritische Größe für ein Servicecenter bei ca. 10 Vollzeitstellen, da
unterhalb dieser Grenze Schichtplanungen und Berücksichtigung von Fehlzeiten, Urlaub,
Ausbildung und Schulung schwierig zu leisten sind.
8
8 http://www.walter-gora.de/media/4add3d80c3cf0538ffff899cac144221.pdf (23.09.2015).
9 KGSt Bericht 19/2014.
- 19 -
Folglich sollte geprüft werden, inwieweit Mischarbeitsplätze eingerichtet oder mit anderen
Behörden ein gemeinsames Servicecenter aufgebaut werden kann.
Die Möglichkeit, sich einem bestehenden Servicecent er anzuschließen und dieses für die
erbrachten Leistungen zu bezahlen, wurde als nicht sinnvoll bewertet. Die Leistungen wer-
den nicht in derselben Qualität erbracht und sind n icht flexibel auf die Stadtverwaltung an-
zupassen. Des Weiteren entfallen die verwaltungsint ernen Synergieeffekte, die u. a. durch
die Einführung eines Wissensmanagementssystems entstehen.
Wie unter 2.2 bereits festgehalten ist das BIZ rund 50,00 Std. / W. zu besetzen. Bei etwa
250 Arbeitstagen im Jahr sind somit ca. 2.500 Stunden abzudecken. Hierfür wären bei einer
einfachen Besetzung 1,59 VZÄ notwendig. Zu bestimmten Tageszeiten wird allerdings eine
Doppelbesetzung notwendig sein. Da den Beschäftigten des BIZ, wie bereits ausgeführt,
noch weitere Aufgaben übertragen sind, können diese nur bedingt zur Kompensation heran-
gezogen werden. Betrachtet man sich die wahrgenommenen Aufgaben sind gewisse Kongru-
enzen zu den Tätigkeiten des Back-Office eines Servicecenters zu erkennen, was für die Ein-
richtung von Mischarbeitsplätzen spricht.
Folglich bleiben für die Berechnung des Bedarfs nur die Stellen der Telefonzentrale
(5,41 VZÄ). Vorausgesetzt, ein Teil der Anrufe wird vom BIZ übernommen, sind für die Ein-
führung der D115 Stelleneuschaffungen von rund 3,83 VZÄ notwendig.
Personalkosten D 115 (Telefonzentrale)
Personalkosten D115 (9,00 VZÄ) EG 6 TVöD 10 rd. 438.000 € / Jahr
Bisherige Kosten Telefonzentrale EG 5 / EG 6 kw rd. 250.000 € / Jahr
Personalmehrkosten rd. 188.000 € / Jahr
Neben einer Neubewertung der vorhandenen Stellen nach EG 6 TVöD ist darüber hinaus eine
Weiterqualifizierung der eingesetzten Beschäftigten, in Einzelfällen eine Neubesetzung der
Stelle erforderlich.
6.2 Organisationskonzept
Das Servicecenter ist organisatorisch dem Amt für Interne Dienste zugeordnet. Die Leitung
wird durch die Stellen Nr. 3057 GVPl. wahrgenommen.
Es ist eine Prozessbeschreibung zu erstellen, aus der die Abläufe, einzelnen Aufgaben sowie
die zugeordneten Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten detailliert herausgelesen werden
können.
Zusätzliche Synergieeffekte können erzielt werden, wenn die für das Servicecenter notwen-
dige Datenaufbereitung auch für den städtischen Internetauftritt genutzt wird und die Bür-
ger dadurch umfassender informiert werden. Bei gut gepflegtem Internetauftritt können
auch dessen Daten für die D115 genutzt werden.
6.3 Raumkonzept
Es ist gemeinsam mit dem Eigenbetrieb IDA unter Einbeziehung der technischen Möglich-
keiten ein entsprechendes Raumkonzept zu erarbeiten.
10 Leitfaden Aufbau und Einrichtung von D115-Servicecentern in Hessen, S. 84.
- 20 -
7 Wirtschaftlichkeitsbetrachtung
7.1 Investitionskosten
Für die Berechnung der Investitionskosten wurden die Werte der Projektgruppe D115 des
BMI als Grundlage herangezogen.
Einrichtungskosten Kosten in € Anzahl der
Arbeitsplätze
Gesamtkosten
in €
Erläuterungen
Arbeitsplatzausstattung,
Raumsanierung, Trennwände,
Schallschutz, Sozial-
/Schulungsräume
6.000 € 10,00 60.000 €
Stellen gesamt: Stel-
len SC-Agenten, Stelle
Leitung und weitere
Softwarekosten Kosten in € Anzahl der
Arbeitsplätze
Gesamtkosten
in €
Erläuterungen
Wissensmanagement, Ticketing,
Infoweiterleitung, Anpassungs-
kosten, Informationsbereitstel-
lung
5.450 € 10,00 54.500
Stellen gesamt: Stel-
len SC-Agenten, Stelle
Leitung und weitere
Sonstige Kosten Ø Kosten in € Anzahl der
Beschäftigten
Gesamtkosten
in €
Erläuterungen
Schulung der Beschäftigten und
der Administratoren 500 € 12,00 6.000
Die Investitionskosten belaufen sich somit schätzungsweise auf 120.500 €.
- 21 -
7.2 Laufende Betriebskosten pro Jahr
Wie unter 6.1 erläutert, könnte der geplante Aufbau eines D115 Servicecenters etwa
188.000 € Personalmehrkosten nach sich ziehen. Unter der Annahme, dass auf bestehende
Räumlichkeiten zurückgegriffen werden kann, hätte man laufende Betriebskosten von etwa
744.032 € im Jahr.
Kostenart Gesamtkosten
in €
Bemerkungen
Raumkosten Miete, Strom, Wasser, Reinigung, Versicherun-
gen
Personalkosten D115
(inkl. BIZ)
620.027 €
9 x EG 6 438.000 €
1 x A 10 69.815 €
1 x A 9 m.D. 60.322 €
1 x EG 8 51.890 €
sächliche Betriebskosten 124.005 €
Erfahrungswert aus den Servicecentern: Ca.
20% der Gesamtpersonalkosten machen die
sächlichen Betriebskosten pro Jahr aus (darin
sind insbesondere auch die kalkulatorischen
Abschreibungen der Investitionen enthalten)
Gesamt 744.032 €
Personalkosten
(Vermittlung und BIZ) 432.000 €
sächliche Betriebskosten 86.400 €
Gesamtmehrkosten D115 225.632 €
Da ein Großteil der Personalkosten (etwa 432.000 €) derzeit bereits anfällt und auch hier
Arbeitsplatzkosten u. ä. entstehen, kann von tatsächlichen jährlichen Mehrkosten für den
Betrieb eines D 115 Servicecenters von etwa 226.000 € ausgegangen werden.
7.3 Einsparungspotentiale
Eine Erhebung des gesamten Anrufaufkommens und Klassifizierung der unterschiedlichen
Anrufe im Detail ist nicht erfolgt. Unabhängig von der jeweiligen Realisierungsmöglichkeit
(siehe 3.1) sind daher mögliche Einsparungspotentiale in den (wesentlichen) Fachverwaltun-
gen nicht konkret belegt und zuzuordnen.
Die durch das BMI ermittelten Kenngrößen sind in Frage zu stellen und konnten durch an-
dere Servicecenter nicht belegt werden. Im D115 Feinkonzept
11 des BMI ist festgehalten,
dass sich die Größen nur bedingt oder in vielen Fällen gar nicht valide ableiten lassen, da
auf Grundlage des vorhanden Zahlenmaterials
1. keine eindeutige Beziehung zwischen der Einrichtung eines Servicecenters und den
dadurch generierten Einsparungen nachgewiesen werden kann und
11 Projekt D 115 Feinkonzept (BMI), 2008.
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2. die Nutzwerte und Einsparungseffekte in der Vergangenheit nicht ausreichend analy-
tisch untersucht, sondern tendenziell eher im Rahmen genereller Haushaltseinspa-
rungen deklariert oder im Rahmen pauschaler Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen als
gegeben vorausgesetzt wurden.
Weshalb die Nutzenseite anhand der Erfahrungswerte vorrangig nur qualitativ bewertet wer-
den kann. Es kann aber festgehalten werden, dass die bereits bestehenden Belastungen der
Fachverwaltungen (unzureichende telefonische Erreichbarkeit) z. B. in der Ausländerbehörde
oder in der Abt. Einwohnerwesen und Wahlen abgebaut werden, da diese für allgemeine
Auskünfte weniger beansprucht und viele der Anfragen im Erstkontakt beantwortet werden.
Dies optimiert Verwaltungsabläufe und führt mittelbar zu Effizienzsteigerung u. a. durch:
Verkürzte Bearbeitungszeiten
Entlastung von Unterbrechungen
Reduktion der Besuche der Bürgerinnen und Bürger in der Verwaltung
Reduktion des Pflegeaufwandes der Daten
Einfache Nutzung fremder Daten
Prozessoptimierung
Betrachtet man die durch die Top-100-Liste abgedeckten Leistungen, kann davon ausge-
gangen werden, dass zurzeit an der Grenze der Belastbarkeit angekommen Bereiche (Bür-
ger- und Ordnungsamt - Sachgebiet KFZ-Zulassungsbehörde) oder telefonisch stark frequen-
Top -100 -Liste: Betroffene Verwaltungseinheiten
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tierte Bereiche (z. B. Standesamt) durch die Einführung von D 115 profitieren. Die flächen-
deckenden Entlastungen sind zur Konzentration auf fachspezifische Aufgaben zu nutzen.
An dieser Stelle nicht in die Betrachtung einbezogen sind die Einsparungseffekte aufseiten
der Bürger und der Wirtschaft, vor allem durch kürzere Kontaktzeiten mit der öffentlichen
Verwaltung sowie durch eingesparte Wegzeiten.
8 Kommunikations- und Schulungskonzept
Bei der Erarbeitung eines Schulungskonzeptes auf Grundlage D115 muss die Personalabtei-
lung mit einbezogen werden.
2016/0057
6217 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
17.02.2016
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat I an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Dezernat IV
Amt: Amt für Interne
Dienste OBW bei abschl .
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2016/0057
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.: 111140
Kostenstelle: 010-003-1014 Investitionsnummer:
Kostenträger: 1111-41 Sachkonto:
Betreff: D115 Servicecenter
Vorlage vom: 12.02.2016
Beschlussvorschlag :
1. Der Magistrat nimmt von dem beigefügtem Grobkonzept Kenntnis.
2. Der Magistrat beauftragt das Amt für Interne Dienste, ein Feinkonzept zum Aufbau eines
115-Servicecenters mit Start 2017 zu entwickeln und stellt die entsprechenden Mittel und
Stellen zur Einrichtung des Servicecenters für den Haushalt 2017 bereit:
- Einmalige Investitionskosten (Ausstattung, Software, Schulung, etc.) 120.500 €.
- Einrichtung von 3,83 VZÄ (EG 6) im kommenden Stellenplan, deren Bewirtschaftung
sich am Umsetzungsstand orientiert.
- Die jährlichen Personalmehrkosten bei voller Auslastung und Besetzung des Service -
Centers belaufen sich auf 188.000 € im Jahr, d aneben entstehen jährliche Kosten in
Höhe von 44.800 € (sächliche Betriebskosten, Wartungskosten, etc.).
- 2 -
Anlagen: Grobkonzept D115 Servicecenter der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
Beschluss des Magistrats vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 12.02.2016
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt plant im Sinne einer transparenten, erreichbaren und
serviceorientierten öffe ntlichen Verwaltung den Aufbau eines 115 -Servicecenters. Ein
Grobkonzept ist der Magistratsvorlage als Anlage beigefügt . Bürgerinnen und Bürger sollen
über die einheitliche Behördenrufnummer 115 möglichst schon im Erstkontakt schnell,
kompetent und ohne We iterleitung beraten und bedient werden, unabhängig von der
tatsächlich betroffenen Verwaltungsebene.
Das 115-Servicecenter der Wissenschaftsstadt Darmstadt soll in erster Linie dazu beitragen,
Bürgerfreundlichkeit und Serviceorientierung zu erhöhen sowie b esser auf die Bedürfnisse der
Bürgerinnen und Bürgern sowie der örtlichen Wirtschaft eingehen zu können. Viele Anfragen
können telefonisch abgewickelt werden und ersparen einen Briefwechsel oder das persönliche
Erscheinen. Dies setzt qualifizierte Antworte n voraus, die durch Prozessentwicklung hin zu
einem funktionierenden Servicecenter im deutschlandweiten 115-Verbund garantiert werden.
Darüber hinaus stehen die folgenden Ziele im Mittelpunkt eines 115 -Auskunftsservice in der
Wissenschaftsstadt Darmstadt:
wirtschaftlichere und effektivere Aufgabenerledigung in den Fachämtern durch
Verlagerung der eingehenden Anrufe auf das Servicecenter
Optimierung der zu erteilenden Auskünfte durch den Aufbau einer zentralen
Wissensdatenbank
Angebot bzw. Nutzung von interkommunaler Zusammenarbeit im Rahmen des Projekts
Für die Bürgerinnen und Bürger stellen die eingesparten Wegzeiten und der reduzierte
Aufwand eine deutliche Serviceverbesserung dar. Die Telefonzentrale prägt das Bild der
Verwaltung in der Öffentlichkeit. D erzeit sind die Beschäftigten oft nicht in der Lage, einen
Anruf direkt an die richtige Stelle weiterzuleiten, weil die entsprechenden
Hintergrundinformationen fehlen oder der richtige Ansprechpartner nicht erreichbar ist. Die
Beschäftigten des Servicecent ers werden in die Lage versetzt, die gängigen Fragen
abschließend zu beantworten und sofern dies nicht möglich ist, die Anfrage qualifiziert
telefonisch oder per Ticket weiterzuleiten. Dies gilt sowohl für Fragen innerhalb der
Stadtverwaltung als auch für andere Behörden des D115-Verbundes.
Mit dem Anschluss an den D115 -Verbund geht die Wissenschaftsstadt Darmstadt
Verpflichtungen zum Umfang und der Qualität der Dienstleistungen des Servicecenters ein:
Der 115-Service ist Montag bis Freitag von 8:00 bis 18:00 Uhr erreichbar
75 Prozent der 115 -Anrufe werden innerhalb von 30 Sekunden durch eine
Mitarbeiterin/einen Mitarbeiter angenommen
65 Prozent der 115-Anrufe werden beim ersten Kontakt beantwortet
Wenn eine Anfrage weitergeleitet wird, erhält die Anrufe rin/der Anrufer innerhalb von
24 Stunden innerhalb der Servicezeiten eine Rückmeldung per Mail, Fax oder Rückruf
Voraussetzung ist unter anderem der Aufbau einer zentralen Wissensdatenbank. Hieraus
ergeben sich Synergieeffekte für die gesamte Verwaltung, da diese allen zur Verfügung steht.
Bereits bestehende Datenquellen werden integ riert. Mit jeder Frage, die im Servicecenter
beantwortet wird, wächst auch der Informationsgehalt der allgemein zugänglichen
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Wissensdatenbank. Es entsteht ein permanenter Verbesserungsprozess. Die Verpflichtung zur
Rückmeldung bedeutet Verlässlichkeit gege nüber den Bürgerinnen und Bürgern. Gleichzeitig
ist sie verwaltungsintern ein Indikator für Verbesserungsbedarf der Verwaltungsprozesse
einzelner Bereiche. I m Sinne der EU -Dienstleistungsrichtlinie erleichtert D115 Wirtschaft,
Bürgerinnen und Bürgern den Zugang zu einem kompetenten (einheitlichen) Ansprechpartner.
Im Rahmen der Grobkonzeption wurde folgender Mittelbedarf berechnet:
1. Die einmaligen Investitionskosten (Ausstattung, Software, Schulung, etc.) belaufen sich
auf etwa 120.500 €.
2. Es sind 3,83 VZÄ (EG 6) im kommenden Stellenplan einzurichten, deren
Bewirtschaftung sich am Umsetzungsstand orientiert.
3. Die jährlichen Personalmehrkosten bei voller Auslastung und Besetzung des Service -
Centers belaufen sich auf etwa 188.000 € im Jahr, daneben entstehen jährliche
Mehrkosten in Höhe von etwa 44.800 € (sächliche Betriebskosten, Wartungskosten,
etc.).
Darmstadt, den 1 2.02.2016
10.0 gr
Dezernat I Dezernat IV
Jochen Partsch André Schellenberg
Oberbürgermeister Stadtkämmerer
Beratungsverlauf (3)
Orte (1)
- Luisenplatz 5a
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2016/0057
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 12.02.2016
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00