2908/2017
Beantwortung einer Anfrage AN/0090/2017 zur Anfrage "Befragung von Flüchtlingen" der Piraten-Gruppe
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Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle V/5001/1 Vorlagen-Nummer 2908/2017 Beantwortung einer Anfrage nach § 4 der Geschäftsordnung öffentlicher Teil Gremium Datum Integrationsrat 05.10.2017 Ausschuss Soziales und Senioren 09.11.2017 Beantwortung einer Anfrage AN/0090/2017 zur Anfrage "Befragung von Flüchtlingen" der Piraten-Gruppe Die Anfrage der Piraten-Gruppe im Ausschuss Soziales und Senioren der Stadt Köln vom 26.01.2017 (AN/0090/2017) wird wie folgt beantwortet: 1. Welche Erfahrungen haben die Kölner Freiwilligen Agentur, die Stadtverwaltung, die Be- treuungsverbände usw. mit ihren Projekten zur Gewinnung von Flüchtlingen als freiwillige Helferinnen und Helfer gemacht? Geflüchteten stehen bei der Kölner Freiwilligen Agentur grundsätzlich alle Angebote offen. Es beste- hen explizit zwei Projekte, die sich ausschließlich an Geflüchtete richten. „Teilhabe durch Engagement“ ist ein Projekt der Bundessarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagentu- ren e.V., welches durch das Bundesministerium des Innern gefördert wird. Ziel ist, das Engagement und damit auch die Teilhabe in der Stadtgesellschaft zu stärken und zu fördern. Seit Projektbeginn am 01.06.2016 gab es ca. 80 Anfragen und 32 konkrete Vermittlungen in das Ehrenamt in Köln. Das Projekt „Geflüchtete im Freiwilligendienst“ findet im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes statt und wird durch das Sonderprogramm Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug (BFD-F) geför- dert. Im Freiwilligendienst verpflichtet sich der/ die Freiwillige im Gegensatz zum Ehrenamt zu einem intensiven Engagement (zwischen 21 und 40 Wochenstunden) über einen festgelegten Zeitraum von 6-12 Monaten. Dafür erhalten sie eine Aufwandsentschädigung, sind sozialversichert und nehmen an einer regelmäßigen pädagogischen Begleitung teil. Den BFD-F haben bei der Kölner Freiwilligen Agentur seit Projektbeginn in Dezember 2015 ca. 120 Anfragen diesbezüglich erreicht. Insgesamt gab es 23 Vermittlungen in den BFD-F. Unterschiedliche Betreuungsverbände bieten gleiche oder ähnliche Projekte an. Im Erzbistum Köln können zum Beispiel Geflüchtete auch ein „Freiwilliges Soziales Jahr“ absolvieren. Eine Quantifizie- rung ist hier jedoch nicht möglich. Die Stadtverwaltung selber bietet keine konkreten Projekte in dieser Art an. Sie ist jedoch mit allen Akteurinnen und Akteuren in der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe in Kontakt, wo solche Angebote in den unterschiedlichsten Formen wahrgenommen werden. So ist zum Beispiel in vielen Ehrenamtsini- tiativen für Geflüchtete festzustellen, dass aus einem ehemaligen Empfänger von Unterstützungsleis- tungen durch das Ehrenamt selbst ein ehrenamtlich Engagierter wird. 2. Wäre eine Befragung wie in Nürnberg sinnvoll, um Kompetenzen der Kölner Geflüchteten festzustellen und sie gleichzeitig auf die Möglichkeiten eines ehrenamtlichen Engagements hinzuweisen oder gar dieses direkt zu vermitteln? Die Präsentation ist nicht mehr online und auf telefonische Nachfrage in Nürnberg möchte man diese 2 auch nicht mehr zur Verfügung stellen. Die Ergebnisse sind auf der Homepage des Instituts für Sozia- le und Kulturelle Arbeit online einsehbar: https://www.iska-nuernberg.de/nicht-mit-leeren- haenden/ehrenamt.html Eine repräsentative, umfassende und aussagekräftige Befragung scheint schwierig und der prakti- sche Nutzen ist fraglich. Kompetenzen der Geflüchteten werden spätestens bei der Aufnahme in die Regelsysteme der Arbeitsverwaltung wie Jobcenter und Arbeitsagentur erfasst. Die Befragung in Nürnberg zeigt, dass die einzelnen Kompetenzen wie (Aus-) Bildung und Berufserfahrung bei der ehrenamtlichen Tätigkeit keine Rolle spielen. 95% der Teilnehmenden der Studie sagten, dass sie „einfach arbeiten“ möchten. 71% seien bereit, auch unentgeltlich ehrenamtlich zu arbeiten. Eine sinn- volle Beschäftigung steht im Vordergrund. Ein größeres Engagement von Geflüchteten im ehrenamtlichen Bereich ist aus verschiedenen Aspek- ten wünschenswert und weiter förderbedürftig: Das Nichts-Tun und Warten führe zu persönlichen Krisen. Über ehrenamtliche Tätigkeiten können soziale Kontakte angebahnt werden, die der Integration starken Schub geben. Sprache, Kultur und Werte werden vermittelt. Aufgrund privater Netzwerke werde der Zugang zu Arbeits- und Wohnungs- markt erleichtert. Darüber hinaus baue die originär deutsche Gesellschaft Vorurteile und Ängste ab. Eine Befragung in Köln würde aus Sicht der Verwaltung lediglich einen theoretischen Überblick ge- ben, aus dem insbesondere für die Zielgruppe, aber auch die für die Stadtgesellschaft kein prakti- scher Mehrwert zu ziehen ist. Viel wichtiger ist, weiterhin die Informationsvermittlung über die verschiedenen Tätigkeitsmöglichkei- ten und Ansprechpartner zu stärken und entsprechende Projekte und Programme zum Ehrenamts- oder Freiwilligendienst (s. unter 1 Beispiel Kölner Freiwilligen Agentur) zu unterstützen und bedarfs- gerecht auszubauen. 3. Wäre es möglich, eine solche Befragung mit den derzeit zur Verfügung stehenden Mitteln (Personal, Zeit, Kosten usw.) durchzuführen, und wenn nicht, wie hoch schätzt die Verwaltung den Aufwand und die Kosten für eine solche Befragung? Mittel stehen hierfür nicht zur Verfügung. Aufwand und Kosten sind pauschal nicht absehbar. Im Übri- gen ist der Nutzen fraglich. Die Befragung in Nürnberg wurde mit 277 Geflüchteten in 80 Stunden von dem Institut für Soziale und Kulturelle Arbeit (ISKA) durchgeführt. Es wurden zudem Dolmetscher in mehreren Sprachen hinzugezogen. In Köln besteht ein guter Austausch mit und unter den Akteuren der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit z.B. über das Forum für Willkommenskultur, KABE-Organisationen und das Kommunale Integrations- zentrum. Auch über Interkulturelle Zentren, Migrantenselbstorganisationen und – initiativen fließen Informationen an Geflüchtete und von Geflüchteten zu den Strukturen, die Ressourcen und Bedarfe rund um das Ehrenamtliche Engagement aufnehmen, umsetzen und weiter entwickeln. Eine Befragung scheint nicht erforderlich. 4. Gibt es Köln ähnliche Stellen wie die Alltagsbegleiter für Flüchtlinge in Kamp-Lintfort, und wenn ja, welche Erfahrungen wurden gemacht? Alltagsbegleiter, wie sie in dem WDR-Bericht begleitet werden, sind in der Stadt Köln nicht bekannt. http://www1.wdr.de/nachrichten/wdrforyou/deutsch/dokuundnews/wdrforyou-alltagsbegleiter-de- 100.html. Unter folgendem Link ist die konkrete Stellenausschreibung des Alltagsbegleiters einsehbar: https://www.kamp-lintfort.de/de/pressemitteilungen/alltagsbegleiter-innen-in-der-fluechtlingsarbeit- 8033751/ Die Tätigkeiten werden aber in Teilen von den Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern der Träger oder des Wohnungsamtes in den Flüchtlingsunterkünften wahrgenommen. Darüber hinaus gibt es zum Beispiel ausgebildete Integrationslostinnen und - lotsen in Köln, die ehrenamtlich tätig sind. Dies ist ein Projekt, das seit Jahren von fünf Integrationsagenturen umgesetzt wird und das beim Kommunalen Integrationszentrum angebunden ist. Im Rahmen des Interkulturellen Maßnahmenprogramms wurde der Zuschuss von 23.000 € p.a. für die fachliche Qualifizierung und vor allem für Aufwandsentschädigungen für die ehrenamtlichen Lot- sinnen und Lotsen gesichert. Zusätzlich wurde im Rahmen des politischen Veränderungsnachweises ein Betrag in Höhe von 10.000 € p.a. für dieses Projekt zusätzlich ab 2016/2017 im Haushalt einge- stellt, so dass nunmehr laufend 33.000€ p.a. städtische Mittel zur Verfügung stehen. 3 Ca. 70 Lotsinnen und Lotsen werden über dieses Projekt mehr als 2.000 € Mal eingesetzt. Außerdem werden über das Programm KOMM-AN NRW im Jahr 2017 insgesamt 2974 Pauschalen zur Begleitung von Geflüchteten gezahlt, das sind kleine Aufwandsentschädigungen in Höhe von mo- natlich 44,- € für monatlich ca. 240 Ehrenamtliche, die Geflüchtete in Köln begleiten. 5. Wie viele hauptamtliche und ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuerinnen und -betreuer gibt es derzeit je Unterkunft in Köln und welche Qualifikationen besitzen sie? Betreut werden die in den städtischen Flüchtlingswohngebäuden untergebrachten Geflüchteten durch die Heimleiterinnen und Heimleiter sowie durch sozialpädagogische bzw. -arbeiterische Fachkräfte des Sozialen Dienstes des Amtes für Wohnungswesen oder dazu beauftragter Träger. Für ca. die Hälfte aller Unterkünfte wurden für den Aufgabenbereich der Betreuung und Versorgung Träger be- auftragt. Diese Betreuungsträger sind das DRK, der Caritasverband, die Diakonie, der IB, die Diako- nie Michaelshoven, der SKF und der SKM. Beim Amt für Wohnungswesen arbeiten im Flüchtlingsbereich 53 Fachkräfte der Sozialen Arbeit und 18 Heimleiter/innen in 7 Sachgruppen. Bei den beauftragten Betreuungsträgern arbeiten rund 120 weitere Fachkräfte der Sozialen Arbeit. Die Anzahl der ehrenamtlichen Flüchtlingsbetreuerinnen und –betreuer ist nicht quantifizierbar. Die selbstorganisierte Willkommenskultur Kölns listet allein über 40 Ehrenamtsinitiativen in der Flücht- lingshilfe auf(www.wiku-koeln.de). Über das Landesprogramm Komm An, welches für die Stadt Köln im Kommunalen Integrationszentrum abgewickelt wird, werden im Jahr 2017 über 60 entsprechende Initiativen mit ihren zahlreichen ehrenamtlich Tätigen gefördert. Die Fachhochschule für Öffentliche Verwaltung Köln hat in Kooperation mit dem Kommunalen Integ- rationszentrum (KI) eine Bestandsaufnahme zur ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit in Köln erarbeitet. Die Ergebnisse wurden den betroffenen Ausschüssen mit der Anlage zur Vorlage Nr- 1962/2017 zur Kenntnis gegeben.
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 2908/2017
- Typ
- Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
- Datum
- 20.10.2017
- Erstellt
- 18.09.2017 16:48