2013/0309
Klimaschutzkonzept der Wissenschaftsstadt Darmstadt
KI-Zusammenfassung
Klicken Sie, um eine KI-Zusammenfassung dieses Vorgangs zu erstellen.
KI-Analyse läuft...
vergangen
Was passiert gerade?
- 📄 Dokumente werden analysiert...
- 🤔 KI denkt nach (Reasoning-Modell)...
- ✍️ Zusammenfassung wird geschrieben...
- ⏳ Das dauert etwas länger bei komplexen Dokumenten...
Dieser Vorgang kann 1-3 Minuten dauern. Bitte lassen Sie die Seite geöffnet.
2013/0309
9236 Zeichen
Magistratsvorlage Eingang Magistrats- geschäftsstelle: 13.09.2013 an den Magistrat zur Kenntnis zur Beschlussfassung Beteiligt vor Magistratsbeschlussfassung: Dezernat III Amt für Soziales und Prävention Eigenbetrieb Immobilienmanagement Darmstadt Grünflächenamt Stadtplanungsamt Straßenverkehrs- und Tiefbauamt an die Stadtverordnetenversammlung OBW zur Befassung zur Kenntnis zur Beschlussfassung zur abschließenden Beschluss- fassung Fachausschuss Amt: Umweltamt Behandlung in öffentl. Sitzung Ja Nein OBW bei abschl. Beschlussfassung Magistrat Ja Nein Internetfähig Verteiler: 50, 56, 66, 67, IDA Vorlage-Nr. 2013/0309 Magistratsbeschluss-Nr. Produkt-Nr.: 561.040 Kostenstelle: 561-030-1000 Investitionsnummer: Kostenträger: 65.10-41 Sachkonto: Betreff: Klimaschutzkonzept der Wissenschaftsstadt Darmstadt Vorlage vom: 11.09.2013 Beschlussvorschlag: 1. Das Klimaschutzkonzept 2013 mit Maßnahmenempfehlungen wird als Leitfaden für die Umsetzung von Klimaschutzprojekten zur Kenntnis genommen. 2. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt beschließt als Richtschnur für die gegenwärtige und zukünftige Entwicklung der Wissenschaftsstadt Darmstadt als Leitbild die Klimaneutrale Stadt, die als strategisches und langfristiges Ziel bis 2050 angestrebt wird. 3. Folgende Maßnahmen werden ab 2014 umgesetzt bzw. begonnen: a) Zur Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes wird eine ämterübergreifende Steuerungs- und Lenkungsgruppe unter Leitung des Klimaschutzbeauftragten (Umweltamt) eingerichtet. - 2 - b) Zur Kontrolle und Evaluierung des Maßnahmenpakets trifft sich mindestens 1x jährlich der Klimaschutzbeirat. c) Im Bereich Stadtplanung/ Bauleitplanung ist Klimaschutz und Klimaanpassung Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung. Als Grundlage soll die Erstellung eines Klimagutachtens erfolgen, um genauere Kenntnisse über Wärmeinseln, Frischluftzufuhr, Ventilations- bzw. Zirkulationsbahnen und Bioklimatische Entlastungsräume zu erhalten. Zur Erstellung eines Klimagutachtens sind Daten des Deutschen Wetterdienstes erforderlich. Es sind Kosten bis 80.000 € einzuplanen, eine gesonderte Vorlage folgt, sobald Kostenvoranschläge vorliegen. d) Das Integrierte Quartierskonzept zur energetischen Stadtsanierung Mollerstadt- ein Pilotprojekt, gefördert von der KFW – wird weiter verfolgt. e) Die Verankerung des Ziels Klimaschutz beim Immobilienmanagement der Wissenschaftsstadt Darmstadt mit Weiterentwicklung des Kommunalen Energiemanangements, Festlegung von anspruchsvollen Energiestandards sowohl für Neubau als auch für den Bestand von öffentlichen Gebäuden sowie ein Monitoring der CO2-Emission bzw. der Reduktion von CO2- Emission. f) Die Umstellung der Busse des ÖPNV bis zum Jahr 2020 nach dem Stand der Technik. g) Die Umsetzung eines umfassenden kommunalen Mobilitätsmanagements zur Förderung einer effizienten, umwelt- und sozialverträglichen Mobilität, d.h. Veränderung der Verkehrsmittelwahl zugunsten des Umweltverbunds. Hierbei sind die Handlungsfelder des betrieblichen (z.B. Jobticket, Fuhrparkmanagement, u.a.) und schulischen Mobilitätsmanagements (z.B. Schulwegepläne, Projekttage, u.a.) sowie Mobilitätsmanagement für Neubaugebiete und Neubürger zu berücksichtigen. Zu den Maßnahmen gehören Ausbau und Förderung von ÖPNV, des Radverkehrs und Radwegenetzes, ein Fuhrparkmanagement, CarSharing und eine intensive Öffentlichkeitsarbeit mit Informations- und Beratungsangeboten. h) Die Einrichtung einer koordinierenden Arbeitsgruppe zur Unterstützung einkommensschwacher Haushalte bei der Umsetzung energiesparenden Verhaltens, Beginn ab 2014. i) Die Einrichtung einer CO2-Controlling-Stelle ist vorgesehen. Anlagen: KSK_DA_Kurzdarstellung Datenschutzrelevante Anlage: Folgekosten: Ja Nein Beschluss des Magistrats vom - 3 - Begründung zur Magistratsvorlage vom 11.09.2013 Mit Magistratsvorlage Nr. 2012/0286 vom 15.08.2012 hat der Magistrat der Erstellung eines integrierten Klimaschutzkonzeptes 2012/2013 durch das Institut Wohnen und Umwelt GmbH (IWU) zugestimmt. Die Erstellung des Klimaschutzkonzeptes wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, vertreten durch den Projektträger Jülich (PTJ) in Höhe von 80.196 € als nicht rückzahlbare Zuwendung gefördert. Der Förderzeitraum wurde aufgrund personeller Änderungen bei der Stadt und hierdurch bedingte Verzögerungen bei der Projektbetreuung um 3 Monate verlängert, d.h. das Klimaschutzkonzept wird am 30.11.2013 dem Projektträger vorgelegt werden. Inhalt des integrierten Klimaschutzkonzeptes ist einerseits die gutachterliche Konzepterarbeitung aufbauend auf den bestehenden Unterlagen und Aktivitäten sowie die Darlegung der Möglichkeiten, die aufgrund der regionalen, wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und planerischen Möglichkeiten für die Wissenschaftsstadt Darmstadt bestehen. Entsprechend dieser Aufgabenstellung erhalten Sie beigefügt das Klimaschutzkonzept in Kurzfassung, das auf einem umfangreichen Maßnahmenkatalog von 138 Einzelmaßnahmen beruht, die in den drei Arbeitsgruppen „Energieeffizienz“, „Mobilität“ und „Erneuerbare Energien“ sowie in den Werkstätten der Profis „Innovationen und neue Technologien“, „Energieeffiziente Wohngebäude und Quartiere“ und „Stadtplanung“ erarbeitet worden sind. Die Arbeitsgruppen setzten sich aus Bürgerinnen und Bürgern, entsprechenden Institutionen, Verbänden und Vereinigungen sowie Mitarbeitern der Stadtverwaltung zusammen. In den Werkstätten waren ausschließlich Firmen, drei Wohnungsbauunternehmen wie Bauverein, GWH und NH und Vertreter von HSE und IDA sowie Mitarbeiter/innen der mit Planung befassten Verwaltung beteiligt. - 4 - Entsprechend der Beauftragung wurden vom IWU Einschätzungen zum Reduktionspotenzial von CO2 für die Einzelmaßnahmen errechnet. Der Maßnahmenkatalog wurde der internen Steuerungsgruppe vorgestellt und sodann dem Klimaschutzbeirat in seiner abschließenden Sitzung zu diesem Projekt, die am 06.09.2013 stattfand. In der Diskussion wurde deutlich, dass sich die Vertreter/-innen des Klimaschutzbeirates nicht auf eine prioritäre Maßnahmenliste verständigen können, da einzelne Maßnahmen nicht zu Lasten anderer in den Vordergrund gestellt werden sollten. Nach Beratung kam der Klimaschutzbeirat zu dem Votum, sämtliche Maßnahmen als eine Empfehlung zum Erreichen des Klimaschutzziels der Wissenschaftsstadt Darmstadt zu verstehen, die Umsetzungsstrategien aufzeigt. Eine CO2-Reduktion in der Gesamthöhe von 80% bis zum Jahr 2050 unter das Niveau von 1990 wäre nur erreichbar, wenn alle Maßnahmen umgesetzt würden. Da die Maßnahmen sowohl Privatleute als auch Firmen teilweise finanziell sehr stark belasten, ist eine Realisierung dieses Ziels nur schrittweise möglich, d. h. bis zum Jahr 2030 um 40-50%. Daher wird die Gesamtheit der Darstellung der Möglichkeiten mitgetragen und soll auf Wunsch des Klimaschutzbeirates für die Wissenschaftsstadt Darmstadt als Anstoß verstanden werden, die Maßnahmeliste aufzugreifen und durch kommunale Unterstützung und Initiative abzuarbeiten. Zwecks Umsetzung dieser Anregungen bedarf es insbesondere für den vorbeugenden planenden Bereich eines detaillierten Klimagutachtens. Diese Arbeitsgrundlage wurde im Klimaschutzbeirat angesprochen und erhielt breite Zustimmung. Wichtig ist, dass die Ergebnisse des Klimaschutzkonzeptes von einer entsprechenden Koordinierungsstelle innerhalb der Stadt bearbeitet und ständig weiterverfolgt werden. Unabdingbar zur Erreichung des Einsparziels ist eine entsprechende, fachlich fundierte begleitende Öffentlichkeitsarbeit, eine Koordination innerhalb der Verwaltung sowie letztendlich auch ein Controlling der Einsparziele, da die intensive zeitliche Befassung mit den Vorschlägen sonst nicht zielführend ist. In diesem Sinne wird auch das Angebot zur Beratung einkommensschwacher Haushalte zu werten sein sowie die Umsetzung der Ziele zur energetischen Sanierung in der Mollerstadt, hierzu erfolgt in Kürze eine Magistratsvorlage. Die Verwaltung wird beauftragt, ein CO2-Controlling einzuführen. Die notwendigen personellen Voraussetzungen sind zu schaffen. Die Zuschussmodalitäten sind mit dem PTJ zu klären. Hinsichtlich des CO2-Controlling ist geplant die Maßnahmen auf ihre Umsetzung ständig zu prüfen, insbesondere auch die Einsparpotentiale bei den städtischen Immobilien. Weiterhin ist geplant, die Werkstätten fortzuführen und insbesondere mit den Wohnungsbauunternehmen anhand der Thermalbefliegung Sanierungen zu diskutieren und Prioritätenlisten festzuschreiben. - 5 - Für Beratungsaufgaben und CO2-Controlling wird bei Zustimmung zu dieser Vorgehensweise ein Antrag auf Förderung bei PTJ gestellt. Das gesamte Projekt ist unter http://www.darmstadt.de/leben-in-darmstadt/klimaschutz/index.htm einsehbar. Darmstadt, 11.09.2013 56 kr-hr Nst: 3283 Dezernat I Dezernat III Dezernat IV Jochen Partsch Brigitte Lindscheid André Schellenberg Oberbürgermeister Stadträtin Stadtkämmerer
anlage 1
52578 Zeichen
Integriertes Klimaschutzkonzept
für die Wissenschaftsstadt Darmstadt
Im Auftrag der Wissenschaftsstadt Darmstadt
bearbeitet von
Institut Wohnen und Umwelt GmbH, Darmstadt
und
memo-consulting,
Seeheim-Jugenheim
Kurzdarstellung
10.September 2013
Bearbeitung Institut Wohnen und Umwelt GmbH:
Peter Werner (verantwortliche Redaktion)
Dr. Andreas Enseling
Dr. Thilo Koch
Martin Vaché
Memo-consulting
Joachim Fahrwald
Gerhard Eppler
Gefördert im Rahmen der nationalen Klimaschutzinitiative der Bundesregierung mit Mitteln des
Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
3
Inhaltsverzeichnis
1 Vorbemerkung ................................................................................................................................. 4
2 Ablauf zur Erstellung des Klimaschutzkonzeptes ............................................................................ 4
3 Zieldiskussion ................................................................................................................................... 5
4 Trendprognose und Szenarien ........................................................................................................ 6
4.1 Trendprognose 2020 ............................................................................................................... 6
4.2 Szenario A – Maximale Energieeffizienz .................................................................................. 7
4.3 Szenario B – Maximale Nutzung Erneuerbarer Energien ........................................................ 9
4.4 Zusammenfassung ................................................................................................................. 10
5 Maßnahmenübersicht ................................................................................................................... 11
6 Handlungsfelder – Kurzbewertung Potenziale, Maßnahmen und Kosten .................................... 21
6.1 Strategische Maßnahmen ..................................................................................................... 21
6.2 Stadt- und Quartiersentwicklung .......................................................................................... 21
6.3 Kommunale Liegenschaften und Straßenbeleuchtung ......................................................... 22
6.4 Wohngebäude ....................................................................................................................... 22
6.5 Mobilität ................................................................................................................................ 23
6.6 Gewerbe/Industrie ................................................................................................................ 24
6.7 Private Haushalte .................................................................................................................. 24
6.8 Energieversorgung (fossil) ..................................................................................................... 25
6.9 Erneuerbare Energien ........................................................................................................... 25
6.10 Übergreifende Öffentlichkeitsarbeit ..................................................................................... 26
7 Controlling ..................................................................................................................................... 26
8 Zusammenfassung ......................................................................................................................... 27
4
1 Vorbemerkung
Das Institut Wohnen und Umwelt (IWU) wurde von der Wissenschaftsstadt Darmstadt mit 1. Sep-
tember 2012 beauftragt worden, auf Basis der Förderrichtlinien des Bundesministeriums für Um-
welt, Naturschutz und Reaktorsicherheit ein integriertes Klimaschutzkonzept für die Stadt Darmstadt
zu erstellen. Unterstützt wurde das Institut Wohnen und Umwelt dabei vom Ingenieurbüro memo-
consulting, Dipl.-Ing. Joachim Fahrwald.
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt kann nicht nur auf ein bereits bestehendes Klimaschutzgutachten
von 2002 zurückgreifen, sondern ist schon seit Jahren in vielfältige Aktivitäten zum Klimaschutz ein-
gebunden. Dazu gehören unter anderem die langjährige Mitgliedschaft im Klima-Bündnis, die Unter-
zeichnung der Charta „100 Kommunen für den Klimaschutz“ oder die Mitwirkung in Projekten wie
„Klimaschutz in Kommunen“. In diesem Zusammenhang sind verschiedenste Ziele, Maßnahmenvor-
schläge und Projekte formuliert und praktiziert worden.
2 Ablauf zur Erstellung des Klimaschutzkonzeptes
Die Erstellung des hier vorliegenden „Integrierten Klimaschutzkonzeptes für die Wissenschaftsstadt
Darmstadt“ ist durch ein umfangreiches Beteiligungsverfahren begleitet worden.
Folgende Strukturen und Aktivitäten haben den Erstellungsprozess unterstützt:
1. Steuerungsgruppe - die eigentliche Projektgruppe, bestehend aus dem Klimaschutzbeauft-
ragten der Stadt und den Projektleitern von Institut Wohnen und Umwelt und memo-
consulting.
2. Erweiterte Steuerungsgruppe - neben den oben genannten Personen setzte sich die erwei-
terte Steuerungsgruppe aus Vertreterinnen und Vertretern der für den Klimaschutz wichtigs-
ten Ämter der Wissenschaftsstadt Darmstadt zusammen.
3. Klimaschutzbeirat - zum Klimaschutzbeirat sind Vertreterinnen und Vertreter der Stadtge-
sellschaft, das heißt Personen aus zahlreichen Institutionen und Verbänden sowie aus bür-
gerschaftlichen Gruppen eingeladen worden. Der Verteiler umfasste mehr als 65 Personen
und Einrichtungen. Der Klimaschutzbeirat ist vier Mal zusammengekommen.
4. Arbeitsgruppen – drei Arbeitsgruppen zu den Themen Energieeffizienz, Mobilität und Er-
neuerbare Energien sind eingerichtet worden. Zu den Arbeitsgruppen wurde öffentlich ein-
geladen, diese tagten jeweils drei Mal.
5. Werkstätten – ebenfalls sind drei so genannte „Werkstätten der Profis“ eingerichtet worden
und zwar zu den Themen „Energieeffiziente Wohngebäude und Quartiere“, „Innovationen
und neue Technologien“ und „Stadtplanung“. Zu den Werkstätten sind gezielt ausgewählte
Fachpersonen und Institutionen eingeladen worden. Auch die Werkstätten tagten jeweils
drei Mal.
Ein wesentlicher Aspekt des Beteiligungsverfahrens war es, Maßnahmenvorschläge zu generieren
und zu beurteilen.
5
3 Zieldiskussion
Grundlage für die Erstellung des integrierten Klimaschutzkonzeptes ist die Anerkennung von Seiten
der Wissenschaftsstadt Darmstadt, dass die vom Intergovernmental Panel on Climate Change, dem
Weltklimarat der Vereinten Nationen (kurz: IPCC) festgestellten Zusammenhänge menschlichen Wir-
kens auf die nachteilige Klimaentwicklung und die sich daraus notwendigerweise ableitenden Ans-
trengungen zur Vermeidung und Verminderung klimaschädlicher Treibhausgase, insbesondere des
Gases Kohlendioxid (CO2) , zutreffend sind.
Aus diesem Grunde unterstützt die Wissenschaftsstadt Darmstadt im Rahmen der eigenen kommu-
nalen Möglichkeiten durch eigenes, aktives Handeln sowie Einwirken auf alle im Einflussbereich der
Wissenschaftsstadt Darmstadt liegenden Wirtschaftssektoren, Institutionen, Firmen und Privathaus-
halte die von der Bundesregierung veröffentlichten Ziele zur Senkung der Treibhausgasemissionen
(Stand Januar 2013).
Da die Wissenschaftsstadt Darmstadt in der wirtschaftlich dynamischen Region des Rhein-Main-
Gebietes liegt und in den letzten zwei Jahrzehnten keine massiven, strukturellen Umbrüche erfahren
hat, wie andere Regionen in Deutschland, strebt die Wissenschaftsstadt Darmstadt bezogen auf das
Jahr 1990 folgende auf die Bedingungen Darmstadt angepasste Minderung der Treibhausgasemis-
sionen an:
• bis zum Jahr 2030 um 40 % bis 50 % (besonders abhängig von der Effizienzentwicklung im Be-
reich Industrie und Gewerbe)
• bis zum Jahr 2050 um 80 %.
Das Ziel bis zum Jahre 2050 die Treibhausgasemissionen – bilanziert über das Leitgas CO
2 – um 80 %
zu reduzieren, ermöglicht die Perspektive, ab diesem Zeitpunkt Klimaneutralität zu erreichen.
Die folgende Abbildung zeigt die bisher diskutierten Zielerreichungspfade und die Entwicklung der
realen CO2-Bilanz. Die oben genannten Zielwerte sind entsprechend markiert.
Abb. : Bisher diskutierte Zielpfade, Entwicklung der realen CO2-Bilanz und neue, angepasste Zielwerte, als rote
Punkte gekennzeichnet.
Agenda-
Büro
- 40
- 80
6
4 Trendprognose und Szenarien
Neben einer Trendprognose, die wahrscheinliche Entwicklungen bis zum Jahre 2020 beschreibt und
davon ausgeht, dass in der Wissenschaftsstadt Darmstadt keine besonderen Anstrengungen für den
Klimaschutz unternommen werden, sondern ausschließlich bundesweite allgemeine Entwicklungen
zur Wirkung kommen, sind noch zwei Szenarien erstellt worden.
Das erste Szenario beschreibt besondere Anstrengungen im Bereich der Energieeffizienz und erhält
deswegen den Namen „Maximale Energieeffizienz“. Dieses Szenario setzt an der Trendprognose an,
aber berücksichtigt keine weiteren Anstrengungen im Bereich des Einsatzes erneuerbarer Energien.
Das zweite Szenario verfolgt quasi den umgekehrten Weg und stellt umfassende Anstrengungen auf
dem Gebiet des Einsatzes Erneuerbarer Energien dar und vernachlässigt Anstrengungen im Bereich
der Energieeffizienz. Auch dieses Szenario greift die Entwicklungen der Trendprognose mit auf und ist
mit dem Namen „Maximale Nutzung Erneuerbarer Energien“ v ersehen.
In der Trendprognose und in den beiden Szenarien werden folgende Bereiche abgehandelt:
• Kommunale Liegenschaften
• Straßenbeleuchtung
• Wohngebäude (Heizung, Warmwasser)
• Haushalte (Strom)
• Gewerbe
• Verkehr (ÖPNV, MIV, modal split)
• Energieversorgung (fossil)
• Energieversorgung (erneuerbare Energien)
4.1 Trendprognose 2020
Die Bevölkerung wird in Darmstadt bis 2020 auf 160.000 Einwohner anwachsen, ebenso wird es zu
einem Zuwachs an Arbeitsplätzen kommen.
Kommunale Liegenschaften und Straßenbeleuchtung
Für die kommunalen Liegenschaften wird es auf Grund der Fortsetzung der kontinuierlichen bauli-
chen Sanierungen zu einem weiteren jedoch nur mäßigen Rückgang, insbesondere des Heizenergie-
bedarfs kommen. Im Bereich des Stromes wird es ebenfalls, aber hier noch geringere Rückgänge
geben. Zweidrittel der kommunalen Gebäude in Darmstadt werden bis 2025 durchsaniert sein.
Im Bereich der Straßenbeleuchtung wird die bereits begonnene Umstellung der Leuchtmittel auf
hoch energieeffiziente Leuchtmittel und Lampen zügig fortgesetzt, wobei immer mehr LED-Leuchten
zum Einsatz kommen.
Wohngebäude und Privathaushalte
Die kontinuierlich fortschreitenden energetischen Gebäudesanierungen werden zu einer kontinuier-
liche Abnahme des Energiebedarfs pro m² Wohnfläche und pro Kopf für die Raumwärme führen, die
aber nur gering ausfällt, da Komfortbedürfnis und Wohnfläche pro Kopf weiter ansteigen. Im Neu-
baubereich wird sich der Passivhausstandard bis 2020 vollständig durchgesetzt haben. Dagegen ist
beim Stromverbrauch unter Umständen sogar ein leichter Zuwachs zu verzeichnen, da die techni-
sche Ausstattung der Haushalte trotz höherer Energieeffizienz der Einzelgeräte weiter ansteigt und
7
somit den Gesamtstrombedarf in die Höhe treibt. Wegen des hohen Primärenergiefaktors schlägt
sich gerade die Entwicklung des Stromverbrauchs stark in der CO
2-Bilanz nieder.
Die Einsparungen werden durch die Rahmenbedingungen von Seiten des Bundes, wie Weiterentwick-
lung und Umsetzung der EnEv auch im Bestand, fortlaufende KfW-Förderprogramme und Anstieg der
Energiepreise, gefördert. Die energetische Sanierungsrate steigt dennoch nur unwesentlich. Anzahl
und Nutzung von Einzelfeuerungsanlagen, die mit Holz befeuert werden, nehmen weiterhin zu und
senken die bilanzierten CO2-Emissionen noch leicht ab. Die Zielwerte des Erneuerbaren Energiegesetz
Wärme (14 % ) kommen zum Tragen.
Gewerbe
Auf Grund des Kostendrucks wird sich im gewerblichen Bereich die Entwicklung der Energieeffizienz
bei Prozessenergie und Wärme weiter fortsetzen. Auf Grund der schnelleren Anpassungszyklen set-
zen sich neuere Technologien schneller um und es kommt zu deutlichen Reduktionen im Energiebe-
darf.
Verkehr
Der CO2-Ausstoß für KFZ wird weiter, gerade auch von Seiten der EU, reglementiert werden. Der
Anteil an E-Autos wird sich ebenfalls erhöhen. Dagegen werden sich in Darmstadt weder Änderungen
im Modal Split noch eine Reduktion der Verkehrswege ergeben. Der Güterverkehr wird weiter ans-
teigen, im ÖPNV kommt es zu keinen größeren Veränderungen. Der Fahrzeugpark entwickelt sich
entsprechend der gesetzlichen Vorgaben.
Energieversorgung
Auf Grund der bundespolitischen Entwicklungen werden der Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung, die
Förderung von BHKWs und die Nutzung von Nahwärmenetzen weiter vorangetrieben. In den Gewer-
begebieten als auch in Gebieten mit der Kombination von öffentlichen Einrichtungen und größeren
Beständen an Wohngebäuden ergeben sich Möglichkeiten für den Ausbau von Nahwärmenetzen.
Der Anteil erneuerbarer Energien wird im bundesweiten Trend, insbesondere im Strombereich wei-
ter ansteigen. Dies wird sich auch in mehreren konkreten Aktivitäten in Darmstadt niederschlagen,
vor allem durch einen Zuwachs installierter thermischer Solaranlagen und Photovoltaikanlagen.
Energiegenossenschaften werden diese Entwicklungen vor Ort vorantreiben. Die Wärmenutzung
durch erneuerbare Energien bewegt sich im vorgeschriebenen rechtlichen Rahmen. Vereinzelt kom-
men Holzhackschnitzelfeuerungsanlagen zum Einsatz. Oberflächennahe Geothermie wird bei Neubau
grundsätzlich und bei Bestandssanierungen punktuell verwendet.
4.2 Szenario A – Maximale Energieeffizienz
Kommunale Liegenschaften und Straßenbeleuchtung
Die kommunalen Liegenschaften werden beschleunigt saniert, wobei der Passivhausstandard zum
allgemeinen Sanierungsstandard wird. Beim Neubau ist dieser Standard sogar überschritten, denn
die neuesten Verwaltungsgebäude sind Energie-Plus-Häuser. Darüber hinaus werden intelligente und
besonders energiesparende Gebäude- und Arbeitsgerätetechnologien eingesetzt.
Wohngebäude und Privathaushalte
8
Durch Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit, Aufbau eines Netzwerkes zur Energieberatung, Durch-
führung von Kampagnen und Modellsanierungen, spezielle ökonomische Anreize und Förderungen
wird die energetische Sanierungsquote deutlich um das Zwei- bis Dreifache erhöht und ebenso über-
trifft der energetische Modernisierungsstandard den bisherigen Durchschnitt, in der Regel wird der
Energiebedarf für Raumwärme nicht nur durchschnittlich bis zu 60 %, sondern sogar bis zu 70 % ge-
senkt. Dies gilt sowohl für die Privateigentümer als auch für die Wohnungsunternehmen. Die An-
wendung neuer Heizungstechnologien (oberflächennahe Geothermie, solarthermische Heizungsun-
terstützung) und der Einsatz von Klein- und Mikro-BHKWS verbessern die CO
2-Bilanz zusätzlich. Eben-
falls durch eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, z. B. durch Intensivierung der Verbraucherberatung
und Förderaktionen zum Kauf von besonders energiesparenden Haushalts-, Arbeitsgeräten und Be-
leuchtungssystemen wird der Anstieg des Stormverbrauchs nicht nur gestoppt, sondern es kommt
sogar zu Reduktionen um rund 5 % des Stromverbrauchs pro Haushalt. Da sich der Strom-Mix zudem
in Richtung erneuerbarer Energien weiter verändert, kommt es - gerade auch wegen der starken
Wirkung der Vorketten bei Strom - zu Minderungen der CO
2-Emissionen.
Gewerbe
Keine wesentlichen Steigerungen gegenüber dem derzeitigen Trend. Für Kleingewerbe, Einzelhandel
usw. werden jedoch in Umfang und Qualität besondere Beratungsaktivitäten in Zusammenarbeit mit
dem Energieversorger entfaltet (z. B. Tageslastgangberatungen). Dadurch werden überdurchschnitt-
liche Energieeinsparungen erreicht.
Mit größeren Verbrauchern werden Gespräche über Synergien (z. B. Nutzung von überschüssiger
Abwärme, gemeinsamer Betrieb von Anlagen zur Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung) geführt und organi-
siert. Zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit werden von den Großunternehmen zusätzliche
Aktivitäten zur Energieeffizienz ergriffen.
Verkehr
Car-Sharing, Nutzung von E-Autos (privat und öffentlich) werden gezielt gefördert. Ergänzt wird die-
ses durch Beratungen und Aktivitäten zur Unterstützung kraftstoffsparender Fahrweisen. Im ÖPNV
wird der Straßenbahnausbau vorangetrieben und zahlreiche Busse mit besonders hochwertiger Effi-
zienztechnologie werden im Fuhrpark eingesetzt bzw. als Bedingung ausgeschrieben.
Energieversorgung
Die Möglichkeiten der Kraft-Wärme-Kopplung ggfs. auch der Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung bzw. des
Einsatzes von BHKWs und Wärmenetzen werden für Darmstadt mit Hilfe von speziell beauftragten
Fachbüros den regionalen Energieversorgern umfassend analysiert und auch intensiv umgesetzt.
Zahlreiche Mikro-BHKWs prägen die Energieversorgung.
Bei den Erneuerbaren Energien kommt es gegenüber dem allgemeinen Trend zu keinen wesentlichen
Veränderungen.
9
4.3 Szenario B – Maximale Nutzung Erneuerbarer Energien
Kommunale Liegenschaften und Straßenbeleuchtung
Der Strombedarf wird nicht verringert, jedoch werden großflächig Photovoltaik-Anlagen und solar-
thermische Anlagen zur Heizungsunterstützung auf öffentlichen Liegenschaften installiert. Ergänzend
werden an exponierten Orten neueste Kleinwindanlagen installiert. Bei Neubauten dienen auch die
Fassaden mit Hilfe von PV-Anlagen der Stromgewinnung. Hier werden deutliche Überschüsse gege-
nüber dem Eigenbedarf erzielt.
Die Straßenbeleuchtung wird bilanzmäßig vollständig über Strom, der durch die örtlichen Windkraft-
anlagen erzeugt wird, abgedeckt. Eine Erneuerung der Leuchten erfolgt wie in der Trendprognose
bzw. verzögert sich leicht, da ja genügend Strom zur Verfügung steht.
Wohngebäude und Privathaushalte
Da keine zusätzlichen Anstrengungen zur Förderung der Energieeffizienz unternommen werden,
entwickelt sich der Wärmeenergiebedarf entsprechend des Trends, er liegt unter Umständen sogar
leicht unterhalb des Trends, da genügend erneuerbare Energien für den Einsatz von Stromheizungen
genutzt werden können. Aus diesem Grunde kommt es zu vermehrten Umstellungen der Heizungs-
anlagen auf Stromheizungen. Zusätzlich wird die Anzahl von solarthermischen Anlagen zur Heizungs-
unterstützung um den Faktor 10 erhöht.
Der Stromverbrauch in den Privathaushalten steigt weiterhin an, da in der Stadt und über Eigen-
stromnutzung genügend Strom zur Verfügung steht. Der Anteil von PV-Anlagen zur Eigenstromerzeu-
gung und -nutzung erhöht sich sprunghaft um das Zehnfache.
Gewerbe
Ein großer Teil des Stromverbrauchs des Gewerbes - ca. 50 % - wird bilanzmäßig über regionale und
überregionale Windkraftanlagen und durch größere PV-Anlagen auf den gewerblichen Liegenschaf-
ten abgedeckt.
Verkehr
Die Nutzung von E-Fahrzeugen steigt in Darmstadt auf Grund intensiver Kampagnen über den Bun-
desdurchschnitt an. Statt 850 werden 1700 Elektro-Autos und zahlreiche Pedelcs im Jahre 2020 in
Darmstadt unterwegs sein. Alle werden durch Strom versorgt, der rechnerisch aus der Stromerzeu-
gung mittels Erneuerbarer Energien in oder außerhalb der Stadt bzw. Region kommt.
Energieversorgung
Die Stromversorgung wird rechnerisch vollständig auf EE umgestellt. In der Wärmeversorgung wird
30 % auf EE umgestellt.
Die Windkraft wird auch in Darmstadt, mit dem Ziel Beiträge zur Deckung des Strombedarfs zu lie-
fern, als Quelle entdeckt und sowohl in Bezug auf einzelne Großanlagen, 5 an der Zahl, als auch über
zahlreiche Kleinwindkraftanlagen ausgebaut.
Der Ausbau von PV-Anlagen auf privaten, öffentlichen und gewerblichen Liegenschaften wird inten-
siv durch Informationskampagnen und Fördermittel unterstützt. Bürgersolaranlagen, z. B. auf Freiflä-
chen oder großen Dachflächen, sind weit verbreitet und erhalten eine breite Zustimmung. 25 % der
Dächer werden für Solaranlagen genutzt.
10
Zur Wärmeversorgung werden alle Biomassenströme zusammengeführt, um ein die Kapazitäten im
Bereich von Bioheizkraftwerken auszubauen. Eine Tiefen-Geothermieanlage befindet sich in Vorbe-
reitung, die noch einmal für die weitere Zukunft erhebliche Potenziale an Wärmebedarf abdecken
wird.
4.4 Zusammenfassung
Die folgende Grafik zeigt die Ergebnisse der verschiedenen Szenarien in Bezug auf die Entwicklung
der CO2-Emissionen. Beim Szenario A kommt es zunächst zu raschen Reduzierungen, die sich dann
verlangsamt fortsetzen. Beim Szenario B ist der Verlauf im Grunde umgekehrt. Erst wenn nach 2030
die Kosten für die Techniken für Erneuerbare Energien noch einmal spürbar sinken, wird es zu einem
starken Anstieg und somit zu einer Beschleunigung der Nutzung Erneuerbarer Energien kommen.
Als Ergebnis kann formuliert werden, dass mit einer Intensivierung von Effizienzstrategien angefan-
gen werden muss, dass dann nach und nach der Ausbau Erneuerbarer Energien immer stärker in den
Fokus der Aktivitäten rücken sollte. Weiterhin wird deutlich, dass die Trendentwicklung und damit
die allgemeinen Rahmenbedingungen ein großes Gewicht einnehmen, das kommunale Handeln ist
jedoch entscheidend um die Reduktionspotenziale zu mobilisieren, die zum Erreichen der Klima-
schutzziele benötigt werden. Hier geht es dann nicht um 30 % oder 40 %, sondern um die zusätzli-
chen 5, 10 oder 15 %, die durch kommunale Aktivitäten ergänzend zu erschließen sind.
Abb. : Vergleich von Trendverlauf und der Entwicklung auf Basis der Szenarien A und B dargestellt in t CO2 pro
Jahr und Einwohner.
0,00
2,00
4,00
6,00
8,00
10,00
12,00
14,00
1990 2000 2010 2020 2030 2040 2050
Trend
Szenario A Eneff
Szenario B EE
40 % Ziel
80 % Ziel
t CO2/a und pro EW
11
5 Maßnahmenübersicht
*In Klammern die laufenden Nummern des Maßnahmenkatalogs
Übergreifende Konzeptionelle Maßnahmen Klimaschutz
• Beschluss Leitbild „Klimaneutrale Stadt“ (1)
• Bildung einer Organisationseinheit Klimaschutz (2)
• Fortführung des Klimaschutzbeirates (3)
• Einrichtung Darmstädter „Klimaforum“ (4)
• Wissenschaftliche Kompetenz für Energieeffizienz erschließen (5)
• Einrichtung eines Förderfonds "Klimaschutz" (6)
• Umweltbericht Stadtwirtschaft (7)
• Mitwirkung im Projekt "Nachhaltiges Hessen" (8)
12
Stadtklima
• Stadtklimatische Grundsätze
zur Vermeidung städtischer
Überwärmungseffekte (10)
o Erstellung eines Klimagu-
tachtens (11)
Konzeptionelle Maßnahmen Stadtentwicklung
• Klimaschutz als Leitziel in Stadtplanung/Bauleitplanung (9)
Stadt der kurzen Wege
• Integration von Wohnen und
Arbeiten in der Stadtentwick-
lung (12)
Klimagerechte Quartiersentwick-
lung
• Leitlinien für energieeffiziente
Quartiere (13)
o Entwicklung der Konversi-
onsflächen zu klimaneut-
ralen Stadtentwicklungs-
gebieten (14)
o Energieeffizienz in Sanie-
rungsgebieten (15)
o „Stadtlabor“ Mollerstadt
(16)
Übergreifende Öffentlichkeitsarbeit Stadtentwicklung
• Stadtentwicklung: Bevölkerung einbinden (17)
13
Kommunale Liegenschaften
• Weiterentwicklung des kom-
munalen Energiemanagements
(19)
o Energiestandards für öf-
fentliche Gebäude (20)
o Systematische Prüfung
des Einsatzes Erneuerba-
rer Energien bei Bau und
Sanierung öffentlicher
Gebäude (21)
o Öffentliche Gebäude für
die Nutzung von Solaran-
lagen erschließen (22)
o Hausmeister- und Nutzer-
schulungen (23)
• Nachhaltiges Beschaffungswe-
sen (25)
Konzeptionelle Maßnahmen Kommunale Liegenschaften und Straßenbeleuchtung
• Verankerung des Ziels Klimaschutz in das Immobilienmanagement der Stadt (18)
Universitäten und Hochschulen
• Energieeffizienter Campus TU
Darmstadt und h_da (26)
Straßenbeleuchtung
• Energieeffizienz in der Stadt-
und Straßenbeleuchtung (27)
o Aufstellung eines gesamt-
städtischen Lichtplans für
die Stadt mit Zielsetzun-
gen des Klimaschutzes
(28)
o Austausch Leuchtmittel
(alle Quecksilberdampf-
Hochdruckleuchten,
Leuchtstoffröhren u.
Kompaktleuchtstofflam-
pen) (29)
o Einsatz neuer Lampen-
techniken (LED) (30)
Übergreifende Öffentlichkeitsarbeit Kommunale Liegenschaften und Straßenbeleuchtung
14
Miet-Wohngebäude
• Verstärkte energetische Sanie-
rung von Wohngebäuden der
großen Wohnungsunterneh-
men (31)
• Förderung von Instrumenten
zur Transparenz der Warmmie-
tenkosten (z. B. Heizspiegel,
Energieausweise) (32)
o Unterstützung von Mie-
tern in Energie-
ineffizienten Wohnungen
(33)
• Vermieter-Mieter-
Kooperationsmodelle für den
Einsatz von EE-Anlagen in
Mietwohngebäuden (34)
Konzeptionelle Maßnahmen Wohngebäude
Selbstgenutzte Wohngebäude
• Energetische Sanierung Wohn-
gebäude (Privateigentümer)
(35)
o Aufbau eines kommuna-
len Beratungsnetzwerks
energetische Gebäudesa-
nierung (36)
o Konzeptberatung zur
schrittweisen Sanierung
(37)
o Kampagne Energieberater
ins Haus (38)
o Handwerker als Energie-
berater nutzen (39)
o Nutzung der Thermalbef-
liegung für Energiebera-
tung (40)
o Energieberatung für "Neu-
Bauherren" (41)
• Unterstützung des Baus von
Plus-Energie-Häusern (42)
Übergreifende Öffentlichkeitsarbeit Wohngebäude
• Initiierung und Bekanntmachung von Muster-Sanierungen (43)
15
ÖPNV
• Ausbau ÖPNV (49)
o Ausbau des Straßenbahn-
netzes (50)
• Neue Finanzierungsmodelle für
den ÖPNV (51)
o Prüfung des Modells der
Stadt Hasselt (Belgien), kos-
tenlose Nutzung des ÖPNV,
auf Übertragbarkeit (52)
• Anreize für ÖPNV-Nutzung
durch Tarifgestaltung (53)
o Erweiterung des Konzeptes
Mobi-Tick auf zusätzliche
Nutzergruppen (54)
o Einführung eines Umwelt-
Abo (55)
o Günstiger ÖPNV für Gäste
(56)
• Umwelt- und energieeffiziente
Busflotte (57)
• Technische Verknüpfung von Ei-
senbahn- und Straßenbahnver-
kehr (z. B. Karlsruher-, Kasseler-
Modell) (58)
• Image-Kampagne zum ÖPNV
(59)
Konzeptionelle Maßnahmen Mobilität und Verkehr
• Erstellung eines regionalen Mobilitäts- und Verkehrskonzeptes (44)
• Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplanes (VEP) mit Schwerpunkt Klimaschutz (45)
• Keine zusätzlichen Anreize zur Steigerung des motorisierten Individualverkehrs durch Straßenneubau (46)
• Umfassendes kommunales Mobilitätsmanagement (47)
• Integriertes Ticketing für alle Verkehrsmittel (48)
Rad- und Fußgängerverkehr
• Aktion Gehwege frei (60)
• "Walking Bus" für Schulen und
Kindergärten (61)
• Radverkehrsförderung als Leit-
projekt (62)
o Budget für Radverkehr (63)
o Steigerung der Attraktivität
des Radfahrens (64)
o Radschnellwege (65)
o Radverkehrsanlagenetz im
Internet (66)
Nutzverkehr
• Gemeinschaftliche Bringdienste
(79)
• Aufbau eines City-Logistik-
Systems für die Versorgung der
Innenstadt (80)
Motorisierter Individualverkehr
• Neue Konzepte zur Parkraum-
bewirtschaftung (67)
o Veränderung der Stellplatz-
satzung zu Gunsten des
Umweltverbundes (68)
o Rückbau von Stellplätzen zur
Aufwertung des öffentlichen
Raumes (69)
o Verbindliche Begrünungs-
festsetzungen für Parkplätze
(70)
• Tempo 30 auf Hauptverkehrs-
straßen (71)
• Einführung einer City-Maut (72)
• Spritsparkurse (73)
• Förderung des Car-Sharing (74)
o Förderung von Car-Sharing-
Stellplätze auf öffentlichen
Flächen (75)
• Förderung von Fahrgemein-
schaften (76)
• Förderung von Gas- und Elekt-
romobilität (77)
o Ausbau des Netzes von
Stromtankstellen (78)
Übergreifende Öffentlichkeitsarbeit Mobilität und Verkehr
• Informationsplattform und Berechnungshilfen für Verkehrsmittelwahl (Effektivitäts - und Effizienzkalkulationen inkl. Vollkostenbetrachtung) (81)
• Schulmedien zum Thema Mobilität und ÖPNV-Nutzung erarbeiten und bereitstellen (82)
16
Konzeptionelle Maßnahmen Gewerbe/Industrie
• Unterstützung von Unternehmen in der Gründungsphase zum Klimaschutz (83)
Energiemanagement
• Ökoprofit für kleinere und mitt-
lere Unternehmen (84)
• Betriebliches Mobilitätsmana-
gement (85)
• Energetische Sanierung von
Nicht-Wohngebäuden (86)
• Energieeffiziente Arbeitsplätze
(87)
Übergreifende Öffentlichkeitsarbeit Gewerbe/Industrie
• Bekanntmachung guter Beispiele aus dem Bereich Gewerbe und Wirtschaft (89)
• Beratungen für Handwerksbetriebe (90)
• Erfahrungsaustausch betriebliches Energiemanagement (91)
Energiebereitstellung
• Abwärme von Industrie- und
Gewerbeunternehmen nutzen
(88)
17
Stromverbrauch
• Koordinierende Arbeitsgruppe
„Energiekosten einkommens-
schwacher Haushalte“ (92)
o Stromspar-Check für ein-
kommensschwache Haus-
halte (93)
o Zuschuss-Aktion für ein-
kommensschwache Haus-
halte zur Anschaffung
energieeffizienter Haus-
haltsgeräte (94)
• Förderung zur Anschaffung
energieeffizienter Haushaltsge-
räte (95)
Konzeptionelle Maßnahmen Private Haushalte (Ernährung, Konsum)
Ernährung/Konsum
• Förderung regionaler Produkte
(96)
Übergreifende Öffentlichkeitsarbeit Private Haushalte
• Siehe Öffentlichkeitsarbeit und Bildung
18
Heizungsanlagen
• Hydraulischer Abgleich (99)
• Heizungspumpen-Austausch
(100)
• Erdgasförderprogramm (101)
Konzeptionelle Maßnahmen Energieversorgung
• Leitlinien zur Erreichung des Ziels CO2-Neutralität bei der Energieversorgung (97)
• Erstellung eines „Wärmeatlas“ zur Vernetzung der Energieerzeugung (98)
KWK und Wärmenetze
• Ausbau Fernwärme (102)
• Umsetzung der Kraft-Wärme-
Kopplungspotenziale im Sektor
Gewerbe, Handel und Dienst-
leistungen (103)
• Einsatz von Blockheizkraftwer-
ken im Stadtgebiet deutlich er-
höhen (104)
o Erstellung Konzept für
Nahwärme-/Kälteinseln
(105)
o Förderung und Ausbau
Mini-/Mikro-BHKWs (106)
Übergreifende Öffentlichkeitsarbeit Energieversorgung
19
Wind
• Erschließung von Standorten
für (Groß-)Windkraftanlagen in
der Stadt und in der Region
(109)
• Beteiligung an Windparks (110)
• Ausbau des Einsatzes von Mini-
Wndkraftanlagen (111)
• Windkraft der Bevölkerung na-
he bringen (112)
• Bürger-Energiefond für Wind-
kraftanlagen (113)
Konzeptionelle Maßnahmen Erneuerbare Energien
• Beteiligung an Projekten für Erneuerbare Energien über Energiegenossenschaften (107)
• Angebote für Erneuerbare Energien mit Wärmenachfrage zusammenbringen (108)
Solar
• Ermittlung von stadtweiten
Flächenangeboten für Bürger-
solaranlagen (114)
• Systematische Erfassung von
Fassaden für die Nutzung von
Solaranlagen (115)
• Nutzung von versiegelten Flä-
chen für Photovoltaikanlagen
(116)
• Förderung von Solaranlagen
auf Dächern (Photovoltaik, So-
larthermie) (117)
• Gezielte Kampagnen und För-
derung von Solaranlagen in
speziellen Quartieren (118)
Geothermie/Umweltwärme
• Förderung von oberflächenna-
her Geothermie (124)
• Umsetzung von beispielhaften
Projekten mit Tiefengeother-
mie (125)
• Nutzung von Abwasserwärme
(127)
Biomasse
• Ausbau von Wärmenetzen für
Nutzung von KWK-Techniken
mit Biomasse/Biogas als Ener-
gieträger (119)
• Nutzung der vorhandenen Po-
tenziale von Holz als Energie-
träger (Restholz, Kurzumt-
riebsplantagen) (120)
• Prüfung der Machbarkeit einer
Holzhackschnitzelanlage auf
den Konversionsflächen (121)
• Angebote von Mini-Contracting
für Heizungsanlagen mit Bio-
masse (122)
• Weiterer Ausbau der systema-
tischen Sammlung und energe-
tischen Verwertung von Bio-
und Grünabfällen (123)
Übergreifende Öffentlichkeitsarbeit Erneuerbare Energien
20
Übergreifende Öffentlichkeitsarbeit
• Klimafibel für Darmstadt (128)
• Klimaschutz Thema des Stadtmarketings (129)
• Informationskampagne Klimaschutz (Internet) und Klimaschutz -Homepage (130)
• Presseberichte Klimaschutz (131)
• Klimaschutz-Info-Zeitschrift (132)
• Durchführung von Klimaschutzwettbewerben (Aktion "Spar-Watt") (133)
• Vorstellung von "Energiepionieren" (134)
• Leitfäden und Broschüren zum Thema Klimaschutz für Haushalte (135)
• Ausbau der bestehenden Energieberatung/Verbraucherberatung (136)
• Schaffung von Portalen ggf. APPs für "Bewusstseinsbildung über persönliche Energieverbräuche" (137)
• Stiftungsprofessur "Kommunale Energie" (138)
• Akademie zum Klimaschutz ("HEAG-Akademie") (139)
• Einrichtung eines Masterstudiengangs Klimaschutz an der TUD oder h_da (140)
21
6 Handlungsfelder – Kurzbewertung Potenziale, Maßnahmen und
Kosten
Generelle Erfolgsfaktoren für die Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes sind zum einen, dass die poli-
tisch Verantwortlichen der Wissenschaftsstadt Darmstadt und die kommunale Verwaltung die Ziele
des Klimaschutzkonzeptes nachhaltig unterstützen und ihnen einen hohen Stellenwert einräume n,
und zum anderen, dass eine Einbeziehung der Bürgerschaft und anderer wichtiger Akteure der Stadt-
gesellschaft (z. B. Wohnungsunternehmen, Gewerbebetriebe, Sportverbände usw.) auch in der U m-
setzung des Klimaschutzkonzeptes erfolgt.
Bei der Darstellung der Szenarien sind bereits verschiedene Maßnahmenbereiche und Reduktionspo-
tenziale thematisiert. Unter Bezugnahme zu dem im Beteiligungsverfahren entwickelten Maßna h-
men werden im Folgenden die wesentlichen Aspekte im Hinblick auf Potentiale, Maßnahmen und
Kosten dargestellt.
6.1 Strategische Maßnahmen
Die strategischen Maßnahmen beziehen sich vor allem auf die Rolle der städtischen Verwaltung und
der kommunalen Politik. Sie sind nicht unmittelbar wirksam bezüglich der Reduktion von CO2-
Emissionen, sie sind jedoch Voraussetzung zur erfolgreichen Erschließung von einer großen Bandbrei-
te an Reduktionspotenzialen.
Es sind vielfach Maßnahmen – Ausnahme Klimaschutzfond - mit geringen Kosten, allerdings sind per-
sonelle und organisatorische Voraussetzungen zu schaffen.
Da die strategischen Maßnahmen den Rahmen für viele Maßnahmen bestimmen, sind diese frühzei-
tig anzugehen. Das heißt, viele dieser Maßnahmen müssten spätestens 2014 auf den Weg gebracht
werden.
6.2 Stadt- und Quartiersentwicklung
Dieses Handlungsfeld betrifft vor allem die Erstellung von Konzepten und Planungsgrundlagen. Auch
hier sind zunächst vielfach keine direkten CO2-Reduktionen mit verbunden, erst wenn dadurch Maß-
nahmen umgesetzt werden. Allerdings bereiten diese Konzepte und Planungen Maßnahmen unmit-
telbar vor, insbesondere wenn es um die Maßstabseben der Quartiere geht.
Für diese Ebene lassen sich deshalb Reduktionspotenziale benennen, die mit den planerischen Vor-
gaben unmittelbar verknüpft sind. Insgesamt lassen sich hier zurzeit Potenziale von gut 20.000 t CO2
Minderung pro Jahr identifizieren. Auf Grund von Fördermitteln, Anreize für private Investitionen
und Refinanzierungen durch Übertragung von Lasten auf private Eigentümer sind bei mehreren
Maßnahmen Rückflüsse zu erwarten, die die öffentlichen Investitionen entlasten. Da die Planungen
und Konzepte infrastrukturelle und bauliche Maßnahmen betreffen, können diesen auch eine ent-
sprechende regionale Wertschöpfung zugeordnet werden, die 70 % der Investitionen umfassen kann.
22
6.3 Kommunale Liegenschaften und Straßenbeleuchtung
Der energetische Zustand der städtischen Liegenschaften und die Energieeffizienz der Straßenbe-
leuchtung unterliegen unmittelbar den städtischen Handlungsmöglichkeiten. Insoweit Städte den
Klimaschutz als eine vorrangige Aufgabe annehmen und zielgerichtet umsetzen, können öffentliche
Gebäude zu Aushängeschildern werden. Öffentliche Gebäude werden von vielen Bürgerinnen und
Bürgern besucht und übernehmen somit eine Vorbildfunktion, an der sich andere gesellschaftliche
Akteure orientieren.
Die Maßnahmen setzen bei der Implementierung des systematischen Energiemanagements in Ver-
waltungsabläufe an. Somit werden weitere Maßnahmen im Sinne des Klimaschutzes beeinflusst,
wobei die Festlegung der anzustrebenden Standards dann die Einsparpotenziale konkretisieren.
Den städtischen Liegenschaften u. a. Verwaltungsgebäude, Schulen, Kindertagestätten, Kulturgebäu-
de, Feuerwehrgebäude, Sporthallen und Friedhöfe können mehr als 17.000 t CO2 -Ausstoß pro Jahr
und der Straßenbeleuchtung, einschließlich Signalanlagen, noch einmal über 4.000 t pro Jahr zu-
geordnet werden.
Werden für die städtischen Liegenschaften als Sanierungsziel ein Standard nach Energieeinsparver-
ordnung09-Neubau und für alle Neubauten der Passivhausstandard bzw. mittelfristig sogar der Ener-
gie-Plus-Haus-Standard angestrebt, dann können 60 % des Heizwärmebedarfs und 50 % des Strom-
bedarfs eingespart werden. Bei der Straßenbeleuchtung sind unter Verwendung von neuen Lampen-
technologien Reduktionen des Stromverbrauchs von deutlich mehr als 50 % möglich.
Zum Erreichen der Einsparziele sind im Bereich Gebäudemanagement und Straßenbeleuchtung um-
fangreiche Investitionen zu tätigen. Allerdings werden die Energiekosten spürbar reduziert. Bei der
Straßenbeleuchtung erfolgt eine Amortisation der Investitionen relativ rasch (z. T. deutlich unter
zehn Jahren). Im Gebäudebereich sind bei Erneuerung der Energieerzeugungstechnik Amortisations-
zeiten zwischen 5-10 Jahren erzielbar, bei Sanierung der Gebäudehülle sind langfristigere Perspekti-
ven vorzusehen.
6.4 Wohngebäude
Die Reduktion der CO2-Emissionen bei Miet- und selbstgenutzten Wohngebäuden, insbesondere
bezogen auf die Raumwärme, stellt ein wesentliches Element zur Erreichung der vorne genannten
Klimaschutzziele dar. Grundsätzlich wird davon ausgegangen, dass eine deutliche Erhöhung der
energetischen Sanierungsquote notwendig ist. Die Maßnahmen in diesem Handlungsbereich zielen
fast durchweg darauf ab, bei Wohneigentümern und Vermietern Motivationen und Anreize zu schaf-
fen sowie Hilfestellungen anzubieten, dass sich die Sanierungsquote in Darmstadt erhöht. Die allge-
meinen Rahmenbedingungen in Deutschland beeinflussen diesen Handlungsbereich erheblich, den-
noch kann die kommunale Seite ergänzende Akzente setzen.
Die großen Wohnungsunternehmen liegen in ihrer energetischen Sanierungsquote über dem Durch-
schnitt. Unklar ist, inwieweit diese über die derzeitigen Aktivitäten hinaus noch stärker motivieret
werden können, noch mehr Anstrengungen zu leisten.
Weit über 200.000 t CO2 pro Jahr entfallen auf diesen Sektor, wobei der mehrgeschossige Woh-
nungsbau anteilsmäßig überwiegt. Vereinfacht kann formuliert werden, jede Wohnung in Darmstadt
produziert pro Jahr durchschnittlich 3 t CO
2 für Raumwärme und Warmwassererzeugung. Die Bau-
23
jahrgänge 1949 bis 1957 sind allein für ein Viertel der gesamten Emissionen in dem Wohngebäude-
bereich in Darmstadt verantwortlich.
Wenn bis 2030 und darüber hinaus die energetische Sanierungsquote von derzeit 0,75 % um das
Dreifache erhöht werden kann und im Neubaubereich spätestens ab 2020 Passivhausstandard vorge-
schrieben sein wird, dann kann das Ziel, allein in diesem Handlungsbereich 70.000 t CO
2 pro Jahr bis
2030 einzusparen, greifbar werden. Es setzt jedoch eine Vielzahl von Maßnahmen und Aktivitäten
voraus, die mit hoher Intensität von Seiten der Stadt unterstützt werden müssten.
Es handelt sich hierbei im Wesentlichen um private Investitionen, die pro Jahr mehr als 30 Millionen
Euro ausmachen müssten. Von öffentlicher Seite müssten entsprechende Kosten für Kampagnen
und intensive Unterstützungsarbeit zur Verfügung gestellt werden. Auch hier gilt es, die Weichen
sofort zu stellen, das heißt viele Maßnahmen bereits 2014 auf den Weg zu bringen.
Rund 65 % der investierten Kosten verbleiben in der Region, da vor allem Handwerkskosten anfallen
und in der Regel lokale und regionale Handwerksbetriebe für bauliche Maßnahmen beauftragt wer-
den. Das heißt, pro Jahr würden bei oben genannten Investitionen gut 20 Millionen Euro zur regiona-
len Wertschöpfung beitragen. Hinzu kommt, dass das eingesparte Geld für Energiekosten ebenfalls
Investitionen in der Region zu Gute kommen könnte. Schätzungen gehen von 5 Cent pro eingesparter
kWh aus, das wären dann im Prinzip über 12 Millionen Euro pro Jahr.
6.5 Mobilität
In fast allen Bereichen sind in Deutschland die CO2-Emissionen im Verhältnis zum Bezugsjahr 1990
erkennbar gesunken, allein im Bereich Verkehr ist dieser Trend nicht festzustellen. Der Straßenver-
kehr nicht nur im nationalen und europäischen Kontext, sondern auch im lokalen Kontext unter Kli-
maschutzgesichtspunkten ein äußerst problematischer Bereich. Das Grundproblem in Bezug auf die
CO2-Emissionen stellen der Güterverkehr, der zu großen Teilen über Lastkraftwagen abgewickelt
wird, und im Bereich Personenverkehr der motorisierte Individualverkehr (MIV) dar. Letzteres ist in
Darmstadt stark durch den Einpendlerverkehr geprägt.
Die Maßnahmen sind darauf ausgerichtet, Verkehrsvermeidung zu unterstützen, den Modal Split zu
Gunsten des so genannten Umweltverbundes zu verändern und effizientere Technologien einzuset-
zen. Verkehrsvermeidung lässt sich theoretisch darstellen, aber praktisch nicht nachzeichnen, so dass
hier reale Reduktionspotenziale kaum fassbar sind. Allerdings ist der Erhalt einer kompakten Sied-
lungsstruktur und einer Stadt der kurzen Wege Voraussetzung, dass nicht noch mehr Verkehr indu-
ziert wird.
Das quantitative und qualitative Schwergewicht der Maßnahmen liegt deshalb, im Bereich der Ver-
änderung des Modal Splits in Richtung Fuß-, Radverkehr und ÖPNV. Im Vergleich zu anderen typi-
schen Fahrrad- und Studentenstädten sind hier größere Potenziale erschließbar. Theoretisch könnte
der Anteil des MIV bei unter 30 % liegen und so könnten annähernd 6.000 t CO
2 eingespart werden
(Urlaubs-, Flug- und überregionaler Bahnverkehr mit ihren langen Stecken sind nicht berücksichtigt).
Es wäre bereits ein großer Erfolg, wenn Rad- und ÖPN-Verkehr den Anteil auf 20 % (Ausgangswert 15
%) und 19 % (Ausgangswerte 14 %) erhöhen könnten. Andere Maßnahmen im Bereich des Verkehrs
wie Stärkung des Car-Sharings oder auch Kurse mit Breitenwirkung für kraftstoffsparendes Fahren
leisten ebenfalls noch erhebliche Beiträge.
24
Es sind erhebliche öffentliche Investitionen für Radverkehrsinfrastruktur und Subventionierungen im
Bereich des ÖPNV notwendig, um diese Veränderungen herbeizuführen. Hier sollte auch über grund-
sätzliche neue Finanzierungsmöglichkeiten zumindest nachgedacht werden. Eine Refinanzierung oder
quantitativ bemerkenswerte, regionale Wertschöpfung ist in diesem Bereich nicht zu erwarten.
6.6 Gewerbe/Industrie
Der Bereich Gewerbe, Handel und Dienstleistungen ist durch Energiebedarfe für Raumwärme bzw.
Kühlung von Räumen sowie zunehmend durch Strombedarf geprägt. Die großen Industrieunterneh-
men wie Merck und Evonik haben zudem einen hohen Bedarf an Prozessenergie. Letztere verfügen
bereits über ein intensives Energiemanagement, wogegen bei den kleineren und mittleren Unter-
nehmen ein höherer Unterstützungsbedarf besteht. . In Darmstadt sind die wesentlichen Umstellun-
gen bei der Energieerzeugung erfolgt, so dass es bis 2020 verstärkt um Energieeffizienz bei den KMUs
geht.
Hieran setzen auch fast alle Maßnahmen in diesem Handlungsbereich an. Die öffentliche Seite ist bei
den Maßnahmen gefordert, Beratungsangebote, Aufbau von Kooperationen, Erfahrungsaustausch
und Bekanntmachung guter Beispiele zu unterstützen. Die Kosten auf kommunaler Seite sind gering.
Ein großer Teil der Maßnahmen kann zügig begonnen werden.
Bei den Maßnahmen energetische Sanierungen von Nicht-Wohngebäuden Nutzung von überschüssi-
ger Abwärme aus Gewerbe und Industrie werden direkte Emissionsminderungen hervorgerufen. Alle
anderen Maßnahmen haben nur indirekte Wirkungen. Da konkrete Untersuchungsgrundlagen bei
den beiden zuerst genannten Maßnahmen fehlen, sind die Reduktionspotenziale nicht konkret bezif-
ferbar. Auf Grund des wirtschaftlichen Drucks, die Energiekosten zu reduzieren, wird auf Bundesebe-
ne davon ausgegangen, dass im Wirtschaftssektor bis 2020 eine Minderung der CO
2-Emissionen um
die Hälfte, bezogen auf 1990, stattfinden wird. In Darmstadt kann diese Größenordnung wahrschein-
lich nicht ganz erreicht werden, unter Umständen bis 2030.
6.7 Private Haushalte
Die CO2-Emissionen der privaten Haushalte betreffen vor allem den Energiebedarf für Raumwärme.
Diese r Bereich ist auf Grund seiner Bedeutung bereits im Handlungsbereich Wohngebäude geson-
dert abgebildet. Die Maßnahmen dieses Handlungsbereiches betreffen einzelne Aspekte des Strom-
bedarfs und des Konsums. Besonders herausgestellt sind hier Aktivitäten, die auf die Gruppe der
einkommensschwachen Haushalte abzielen, da diese vor allem unter steigenden Energiekosten zu
leiden haben. Hintergrund ist, dass Klimaschutz auch sozial verträglich sein muss.
Es geht bei dem Handlungsbereich Private Haushalte vielfach um Änderungen von Nutzerverhalten,
die die verschiedensten Bereiche des Klimaschutzes betreffen. Öffentlichkeitsarbeit und aktives In-
formieren sind die dabei anstehenden Aufgaben. Aus diesem Grunde sind weitere Maßnahmen in
dem Handlungsbereich „Übergreifen Öffentlichkeitsarbeit“ untergebracht.
Da nur wenige Maßnahmen dem engeren Handlungsbereich „Private Haushalte“ zugeordnet sind,
sind hier die identifizierten Potenziale sehr gering. Von kommunaler Seite stehen Öffentlichkeitsar-
beit und Förderprogramme für die einkommensschwachen Haushalte im Vordergrund und bedürfen
einer entsprechenden Zuschussfinanzierung. Mit den Maßnahmen kann nach entsprechender Vorbe-
reitungszeit 2014 oder spätestens 2015 begonnen werden.
25
6.8 Energieversorgung (fossil)
Neben der Verringerung von Umwandlungsverlusten stellten Umstellungen der Energieträger von
Heizöl und Kohle auf Erdgas bei der Wärmeerzeugung und der Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung
bisher die wichtigsten Maßnahmen dar, um Energie effizienter zu nutzen und den Ausstoß an CO2 zu
verringern. Darüber hinaus spielt die Erneuerung von Heizungsanlagen sowie deren effizienterer
Betrieb eine wichtige Rolle zur Verbesserung der CO2-Bilanz in diesem Handlungsbereich. Hier stellt
gerade auch die große Zahl von privaten Einzelanlagen ein wichtiger Faktor dar.
Die Maßnahmen beziehen sich zum einen auf die Einzelheizungsanlagen von privaten Hauseigentü-
mern. Es stehen dabei kleine, jedoch in der Vielzahl effiziente Maßnahmen im Vordergrund (z. B.
Umwälzpumpenaustausch, Hydraulischer Abgleich). Zum anderen geht es um den intensiveren Aus-
bau der Kraft-Wärme-Kopplung und von Nah- und Fernwärmenetzen. Vermehrt stehen Gebäudeei-
gentümern bzw. Gebäudebetreibern Kleinanlagen der Kraft-Wärme-Kopplung zur Verfügung (Mini-
bzw. Mikro-BHKWs), die vielfältig eingesetzt werden können.
Die Potenziale sind in diesem Handlungsfeld beachtlich, weil insbesondere Wärmenetze im Bestand
zu starken Emissionsminderungen beitragen können.
Der Einbau von mehreren Hundert effizienten Umwälzpumpen, weitgehende Umstellung von Öl- auf
Gasheizungen, eine Verzehnfachung der Kraft-Wärme-Kopplung bzw. von Nahwärmenetzen sind in
der Lage, mehrere 10.000 t CO2 pro Jahr einzusparen.
Dieser Handlungsbereich bedarf außer Öffentlichkeitsarbeit keiner besonderen finanziellen Unters-
tützung von Seiten der öffentlichen Hand.
6.9 Erneuerbare Energien
Erneuerbare Energien stellen das herausragende Potenzial dar, um insbesondere im Strombereich
die CO
2-Emissionen zu reduzieren. Deswegen stehen Windenergie- und Solarenergienutzung deutlich
im Vordergrund. Im ländlichen Raum oder wenn große Holzpotenziale im Verhältnis zum Bedarf zur
Verfügung stehen, nimmt die Biomassenutzung gerade auch für den Wärmebereich einen hohen
Stellenwert ein.
In Darmstadt sind die Potenziale für Windenergie beschränkt, theoretisch wären jedoch 5 Windkraft-
anlagen denkbar, die eine Einsparung um die 15.000 t CO2 ermöglichen könnten. Allerdings ist frag-
lich, ob dieses Potenzial sowohl aus wirtschaftlichen Gründen als auch auf Grund möglicher Konflikt-
situationen in dieser Dimension überhaupt nutzbar ist.
Im Bereich der Solarenergie können auf Grund des Dach- und Solarkatasters Annahmen für sehr ho-
he nutzbare Potenziale gemacht werden. Würde ein Viertel aller Dachflächen mit Solaranlagen, vor
allem Photovoltaikanlagen bestückt werden, das wären mehr als 1 Millionen Quadratmeter, dann
würden sich ungefähr Reduktionen von annähernd 100.000 t CO
2 pro Jahr ergeben. Realistischere
Einschätzungen, die sich an der potenziellen Zahl von meist kleineren Photovoltaik- und thermischen
Solaranlagen orientieren, kommen zu niedrigeren Ergebnissen. Jedoch bis 2030 können um die
70.000 t CO2-Minderungen pro Jahr in dem gesamten Handlungsbereich möglich sein.
Die vorgeschlagenen Maßnahmen in dem Handlungsbereich „Erneuerbare Energien“ decken alle
potenziellen Gebiete der Nutzung von erneuerbaren Energien ab, auch die der Geothermie. Von öf-
fentlicher Seite sind vor allen Aktivitäten zu ergreifen, um die Nutzung von Solarenergie durch vielfäl-
26
tige Unterstützungsleistungen, informatorisch und bei konkreten Förderprogrammen auch finanziell,
in Darmstadt zu fördern.
Bei der Nutzung der verschiedensten Formen von Erneuerbaren Energien ist zu bedenken, dass diese
hohe Beiträge für die regionale Wertschöpfung leisten. Die einmaligen Wertschöpfungserträge pro
MWh liegen über alle Bereich hinweg um 1 Euro und die jährlichen Wertschöpfungseffekte liegen
sogar noch darüber.
6.10 Übergreifende Öffentlichkeitsarbeit
Die Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit sind kein Selbstzweck, sondern sollten neben allgemeiner
Information und Hilfestellung immer den Zusammenhang zu den Umsetzungsmaßnahmen in den
anderen Handlungsbereichen des Klimaschutzes herstellen.
Die vorgeschlagenen Maßnahmen decken die Handlungslogiken der verschiedenen Akteure mit ab,
also was bewegt die zu informierenden Menschen dazu Klimaschutz zu betreiben und ggf. an einer
gemeinschaftlichen Aktion mitzuwirken? Zentrale Handlungsmotivationen sind z.B.:
• Kosteneinsparungen oder Gewinne,
• Anerkennung bspw. durch Auszeichnungen im Rahmen von Wettbewerben oder auch
• Gemeinschaftserlebnis.
Darüber hinaus sind Maßnahmen vorgeschlagen, die quasi der Wissenschaftsstadt Darmstadt auf
den Leib geschrieben sind, wie Stiftungsprofessur, Akademie usw.
Aus diesen Maßnahmen ergeben sich keine direkten CO
2-Minderungen. Bei diesen Maßnahmen ist
vielfach die kommunale Seite gefordert, finanzielle und praktische Unterstützung zu leisten.
7 Controlling
Aufgabe des Monitoring- und Evaluationskonzeptes ist es, die umgesetzten Maßnahmen und insbe-
sondere ihre Reduktionswirkung überprüfbar zu machen. Nur so ist ein Management des Klimaschut-
zes im Sinne der gezielten Steuerung möglich. Zusätzlich erzeugen die Ergebnisse und Erkenntnisse
Transparenz für die Diskussion sowohl in den politischen Entscheidungsgremien als auch durch Bür-
gerinnen und Bürger der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Die Ergebnisse fließen in die Öffentlichkeits-
arbeit ein. So werben diese für den Gesamtprozess und seine Einzelerfolge und wirken motivierend
auf die Fortführung der Klimaschutzanstrengungen.
Zwei Elemente prägen das Controllingkonzept. Erstens, die Fortschreibung der CO2-Bilanz. Sie stellt
die Grundlage dar, um die Entwicklung insgesamt zu beobachten und zu bewerten. Zweitens, ein
konkretes Projektmonitoring. Für jede Maßnahme ist bei der Beschreibung im Maßnahmendaten-
blatt auch ein Vorschlag zur Evaluation formuliert worden. Es ist wichtig, dass handhabbare und zu-
gleich aussagekräftige Indikatoren Verwendung finden. Es ist gut, wenn in ergänzenden Schritten,
sofern nicht schon im Datenblatt angegeben, Umrechnungen in die Menge vermiedener CO2-
Emissionen erfolgen.
So können ebenfalls Gesamtaussagen über die erreichten Reduktionen getroffen werden.
27
8 Zusammenfassung
Werden alle vorgeschlagenen Maßnahmen erfolgreich umgesetzt, können über den Trend hinaus
und unter Einbeziehung der bereits seit 1990 erfolgten CO2-Reduktionen noch weiter Reduktionen in
Höhe von ungefähr 250.000 t erreicht werden.
Damit wäre der im Kapitel Zieldiskussion erwähnte Zielwert von über 40 % Minderung bis zum Jahr
2030 erreichbar und das Ziel bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen, bleibt im Bereich des Möglichen.
Wesentliche Beiträge hierfür kommen vor allem aus drei Handlungsbereichen: Wohngebäude, Ener-
gieversorgung und Erneuerbare Energien.
Der Handlungsbereich Wohngebäude stellt dabei eine ausgesprochen große Herausforderung dar.
Hier ist der größte Anteil an privaten Investitionen zu mobilisieren. Intensive Beratungen von Gebäu-
deeigentümern sind notwendig, bedürfen aber noch flankierender Maßnahmen und Aktivitäten.
Im Handlungsbereich Mobilität ist vor allem die kommunale Seite gefordert, finanzielle Unterstüt-
zungsleistungen zu tätigen. Dieser Bereich betrifft vielfach auch das Nutzerverhalten.
Zahlreiche der aufgeführten Maßnahmen sind wenig kostenaufwendig und könnten, systematische
Zeitpläne voraus gesetzt auch kurzfristig umgesetzt werden.
Beratungsverlauf (5)
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2013/0309
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 11.09.2013
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00