2015/0310
Darmstädter Bürgerhaushalt 2015 - Vorschlag # 140 'Pro-Kopf-Verschuldung'
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2015/0310
6908 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
02.09.2015
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat an die Stadtverordnete nversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Dezernat I
Amt: Dezernat IV
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2015/0310
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.:
Kostenstelle: Investitionsnummer:
Kostenträger: Sachkonto:
Betreff: Darmstädter Bürgerhaushalt 2015 - Vorschlag # 140 "Pro -Kopf-Verschuldung"
Vorlage vom: 22.07.2015
Beschlussvorschlag :
Der Bericht wird zur Kenntnis genommen .
Anlagen:
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
- 2 -
Beschluss des Magistrats vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 24.08.2015
Für den Darmstädter Bürgerhaushalt 2015 wurde folgender Vorschlag eingebracht:
Darmstadt ist bundesweiter Spitzenreiter in der Pro-Kopf-Verschuldung der 103 kreisfreien Städte der
Flächenländer mit € 12622 je Einwohner. (siehe Zahlen vom 31.12.2012, veröffentlicht von
‘Statistische Ämter des Bundes und der Länder‘, 2014 - http://www.haushaltssteuerung.de/weblog-
schulden-ranking-der-103-kreisfreien-staedte-in-deutschland.html). Rechnet man dies hoch mit der
Darmstädter Bevölkerung, kommt man auf eine Gesamtverschuldung von knapp unter € 2 Milliarden.
Da seit der Erhebung in 2012 die Schuldenzunahme nicht grundsätzlich abgebaut wurde, ist davon
auszugehen, dass die aktuelle Zahl noch wesentlich höher ist. Letztendlich bedeutet dies jedoch,
dass der Schuldenabbau in Darmstadt mit allen Mitteln vorangetrieben werden muss. Betrachtet
man das “Schlusslicht“ dieser Negativliste, so findet man dort Memmingen in Bayern mit gerade
einmal € 987 pro Kopf, d.h. rund 7,8% des Wertes von Darmstadt. Was kann Darmstadt von
Memmingen lernen und wann fängt es damit an?
Der Vorschlag erhielt:
In der Online-Abstimmung: 18 Ja-Stimmen und 14 Nein-Stimmen.
In der Vor-Ort-Abstimmung: 0 Ja-Stimmen und 0 Nein-Stimmen.
In der zitierten Statistik der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder wurde erstmals
versucht, den „öffentlichen Bereich“ als Ganzes für den interkommunalen Vergleich
darzustellen. Damit soll dem Sachverhalt, dass öffentliche Aufgaben bei den einzelnen
Kommunen in sehr unterschiedlichem Umfang in Eigenbetriebe und privatrechtliche
kommunale Tochterunternehmen ausgegliedert sind, Rechnung getragen werden.
In die Berechnung der „integrierten kommunalen Schulden“ wurden dafür neben den Schulden
der Kernhaushalte auch die Schulden der Extrahaushalte und sonstigen öffentlichen Fonds,
Einrichtungen und Unternehmen, an denen die Kommunen unmittelbar oder mittelbar beteiligt
sind, einbezogen und anteilig entsprechend den Beteiligungsverhältnissen zugerechn et (=
„Anteilige Modellrechnung“).
Allerdings kann auch mit der Anteiligen Modellrechnung keine uneingeschränkte
Vergleichbarkeit erreicht werden, da es Kommunen möglich ist, öffentliche Aufgaben, wie z.B.
die Energieversorgung, „auszulagern“ ohne an der Gesellschaft beteiligt zu sein (oder nur zu
einem kleinen Teil).
Als weiterer Kritikpunkt der Darstellung der reinen Geldschulden muss festgehalten werden,
dass den Schulden oftmals - insbesondere bei den Unternehmen - auch entsprechend hohe
Vermögenswerte gegenüber stehen, wie in Darmstadt z. B. der Wohnungsbestand des
Bauvereins oder der Windpark Global Tech 1 der HSE. In den Berechnungen zur genannten
Statistik wurden die jeweiligen Vermögenswerte nicht mit berücksichtigt.
Der Schuldenstand des Kernhaushaltes und der Eigenbetriebe der Wissenschaftsstadt
Darmstadt hat sich seit dem 31.12.2004 bis zum 31.12.2014 wie folgt entwickelt:
- 4 -
Dabei ist zu beachten, dass seit dem Jahr 2013 insgesamt 148,8 Mio. € Schulden an den
Kommunalen Entschuldungsfonds des Landes Hessen abgetreten wurden.
Bei den Kassenkrediten handelt es sich um Darlehen, die zur Finanzierung der Aufwendungen
der laufenden Verwaltung aufgenommen werden, wie z. B. Löhne, Energiekosten,
Betriebskostenzuschüsse, etc. Mit den Kassenkrediten werden also keine Vermögenswerte
geschaffen. Priorität ist es daher, die Aufnahme von Kassenkrediten zu reduzieren und diese in
Summe abzubauen. Dieses Ziel wird durch den Abbau des Defizites des Haushaltes der
Wissenschaftsstadt Darmstadt bis hin zum ausgeglichenen Haushalt erreicht.
Die Investitionskredite dienen der Schaffung von Vermögenswerten, wie z. B. dem Bau von
Kindertagesstätten, Schulen, etc. Insbesondere in einer stark wachsenden Stadt w ie der
Wissenschaftsstadt Darmstadt ist ein erheblicher Finanzierungsbedarf zum Ausbau der
städtischen Infrastruktur notwendig, Hierbei ist zusätzlich zu beachten, dass bei der
städtischen Infrastruktur teilweise immer noch ein erheblicher Sanierungsbedarf aufgrund
langjährig unterlassener Instandhaltung besteht. Der hierfür notwendige Finanzierungsbedarf
kann mittelfristig nicht aus dem Ergebnishaushalt als Überschuss erwirtschaftet werden.
Wesentlich ist hierbei, dass die Zins- und Tilgungsleistungen erwirtschaftet werden können.
359,6 Mio. €
374,4 Mio. €
390,2 Mio. €
403,1 Mio. €
380,2 Mio. €
412,6 Mio. €
426,1 Mio. €
437,9 Mio. €
444,2 Mio. €
428,2 Mio. €
401,4 Mio. €
136,5 Mio. €
155,0 Mio. €
217,0 Mio. €
240,0 Mio. €
245,0 Mio. €
200,0 Mio. €
245,0 Mio. €
353,0 Mio. €
355,0 Mio. €
355,0 Mio. €
270,0 Mio. €
3.583 €
3.806 €
4.334 €
4.559 € 4.434 € 4.307 €
4.684 €
5.346 € 5.323 €
5.154 €
4.359 €
0 €
1.000 €
2.000 €
3.000 €
4.000 €
5.000 €
6.000 €
0,0 Mio. €
100,0 Mio. €
200,0 Mio. €
300,0 Mio. €
400,0 Mio. €
500,0 Mio. €
600,0 Mio. €
700,0 Mio. €
800,0 Mio. €
900,0 Mio. €
31.12.04 31.12.05 31.12.06 31.12.07 31.12.08 31.12.09 31.12.10 31.12.11 31.12.12 31.12.13 31.12.14
Schuldenstand investiv Schuldenstand Kassenkredite pro-Kopf-Verschuldung
- 5 -
Insofern ist eine Kreditfinanzierung nicht per se negativ zu betrachten und immer im
Zusammenhang mit der Notwendigkeit des Finanzmittelbedarfes zu sehen. Vergleiche mit
anderen Kommunen, die, wie z. B. Memmingen, über eine erheblich von Darmstadt
abweichende Struktur verfügen, können zwar hilfreich sein, aber nicht uneingeschränkt
herangezogen werden und sind daher kritisch zu sehen. Dennoch muss es ein langfristiges Ziel
der Wissenschaftsstadt Darmstadt sein, den Schuldenstand nicht nur bei den Kassenkrediten,
sondern auch bei den Investitionsdarlehen zu verringern.
Darmstadt, 24.08.2015
Der Dezernent I Der Dezernent IV
Jochen Partsch André Schellenberg
Oberbürgermeister Stadtkämmerer
Beratungsverlauf (3)
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2015/0310
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 22.07.2015
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00