3889/2018
Streetworkangebot für volljährige Wohnungslose
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Mitteilung Ausschuss
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle V/502/7 Vorlagen-Nummer 04.12.2018 3889/2018 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss Soziales und Senioren 06.12.2018 Streetworkangebot für volljährige Wohnungslose Seit Juli 2017 besteht im Rahmen der Wohnungslosenhilfe das Angebot Streetwork. Die Verwaltung legt dem Ausschuss für Soziales und Senioren für den Zeitraum Juli 2017 bis einschließlich Januar 2018 einen zusammengefassten Erkenntnisbericht vor. Streetworkangebot für wohnungslose Erwachsene Streetwork ist ein Aufgabenfeld der sozialen Arbeit und stellt eine aufsuchende Arbeit mit problembe- lasteten Zielgruppen dar, die von bestehenden Unterstützungsangeboten nicht (mehr) erreicht wer- den. Im Rahmen des Konzepts „Einsatz von Streetwork im Rahmen der Hilfe nach § 67 SGB XII“ werden seit Mai 2017 durch dieses Hilfeangebot Menschen an ihren Szene- oder Schlafplätzen im öffentli- chen Raum aufgesucht. Träger des Angebotes sind der Benedikt Labre Hilfe e.V. und die Diakonie Michaelshoven mit jeweils einer Stelle Sozialarbeit. Die Streetworker/-innen sehen ihre Aufgabe langfristig darin, die Lebensperspektiven von Wohnungs- losen zu verbessern. Daher orientieren sie sich grundsätzlich an deren Bedürfnissen und Problemen. Über diese aufsuchende Arbeit erhält die Verwaltung weitergehende Erkenntnisse, die für die Weiter- entwicklung des Kölner Hilfesystems wesentlich sind. Auswertung Die statistischen Erhebungen umfassen eine siebenmonatige Auswertungsphase von Juli 2017 bis Ende Januar 2018. In der Auswertung wurden Daten von einzelnen Personen (Einzelkontakte), sowie Szeneplätze im öffentlichen Raum erfasst. Einzelkontakte Insgesamt konnten zu 431 Personen Kontakt aufgebaut werden. Auszüge aus den Ergebnissen der Einzelkontakte Die überwiegende Altersspanne der kontaktierten Menschen lag im Bereich zwischen 30 und 59 Jahre. Von den 431 kontaktierten Personen waren 267 Menschen (62 %) akut obdachlos und haben „Platte“ gemacht. Von den akut obdachlosen Menschen waren 210 Männer (79 %) und 57 Frauen (21 %) Rund 108 Menschen (25%) verfügen nach ihren Angaben über keine Anbindung an das Hilfe- system. Von den 431 Einzelkontakten waren 288 Deutsche, 112 Osteuropäer, 14 aus anderen EU- Ländern, 17 mit einem Aufenthaltstitel: 2 Szeneplätze Im öffentlichen Raum wurden 142 Szeneplätze erfasst. Hierbei handelt es sich um Plätze, wo sich regelmäßig Gruppen von mindestens drei Personen aus diesem Personenkreis öffentlich wahrnehm- bar aufhalten. Die Szeneplätze wurden hinsichtlich Problemgruppen (Alkohol, illegale Drogen) und Nationalität (deutsch, EU-Osterweiterung, usw.), sowie Gruppengröße und deren Verteilung im Kölner Stadtge- biet ausgewertet. Die Größenermittlung der Gruppen erfolgte in Durchschnittswerten, da die Grup- pengrößen nicht konstant sind. Auszüge aus den Ergebnissen Szeneplätze An den überwiegenden Orten treffen sich Kleingruppen von 3 – 5 Personen zu unterschiedli- chen Zeiten. Diese Orte werden oftmals in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. An 28 Plätzen treffen sich Gruppen mit bis zu 10 Personen. An sogenannten Hotspots treffen sich regelmäßig größere Gruppen von 15 – 30 Personen. Diese werden von vielen Bürgerinnen und Bürger als problematisch wahrgenommen. Die meisten Szeneplätze sind in der Innenstadt (z.B. Neumarkt, Friesenplatz und Wiener Platz) anzutreffen. Die anderen Stadtteile werden im Verhältnis weniger frequentiert. Menschen mit deutscher Staatsbürgerschaft stellten auf den Szeneplätzen den größten Anteil dar, gefolgt von Bürger*innen der EU-Osterweiterung. An den Szeneplätzen treffen sich sowohl akut wohnungslose Personen als auch Menschen mit Wohnsitz. Als ein wichtiges Fazit im Rahmen der Projektphase lässt sich festhalten, dass für eine gelingende soziale Integration, die niederschwelligen Angebote im Rahmen der Wohnungslosenhilfe unverzicht- bar sind. Insbesondere die aufsuchende Arbeit „Streetwork“ spielt dabei eine bedeutende Rolle, da hierdurch Wohnungslose erreicht werden, die andere Angebote des Hilfesystems nicht oder nicht mehr annehmen und aufsuchen. Datenerhebung ab 2018 Ab Mai 2018 wurde eine neue Zielrichtung der Datenerhebung des Streetworkangebotes für Woh- nungslose erarbeitet. Im Fokus dieser neuen Datenerhebung stehen die Ursachen und Beweggründe der Betroffenen für einen Verbleib bzw. den Aufenthalt auf der Platte oder die Nichtannahme von Angeboten des Hilfe- systems. Die Datenerfassung erfolgt durch Aufsuchen und Befragung durch die Streetworker/in. Die Interviews werden inhaltsanalytisch ausgewertet, um ein möglichst breites Spektrum von Aspek- ten zu explorieren. Ziel ist die weitergehende Klärung des konkreten Hilfebedarfs bei den Betroffenen und die Gewinnung von Erkenntnissen über die Barrieren, das bestehende Hilfeangebot anzuneh- men. Planungsziel ist nach der Erhebung der Daten die Analyse, wie daraus konkrete Arbeitsansätze zur Weiterentwicklung des Hilfesystems abgeleitet werden können. Die neue Datenerhebung wurde zum 01.05.2018 umgesetzt. Ausbau Am 01.03.2018 hat der Ausschuss für Soziales und Senioren den Maßnahmenplan „Humanitäre Hil- fen für Menschen aus den Staaten der EU-Osterweiterung“ beschlossen. Bestandteil dieses Maß- nahmenplans ist die Ausweitung des Angebotes Streetwork um zwei Stellen. Dieses Angebot sucht speziell Betroffene aus den Staaten der EU-Osterweiterung an den Schlaf- und Szeneplätzen im öf- fentlichen Raum auf. Zum 15.08.2018 konnte die Diakonie Michaelshoven die erste Stelle bereits besetzen. Der Träger Benedikt Labre Hilfe e.V. hat keine qualifizierte Bewerberauswahl treffen kön- nen. Die Bemühungen zur Personalakquise laufen weiter. Gez. Dr. Rau
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 3889/2018
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 04.12.2018
- Erstellt
- 23.11.2018 08:01