2019/0126
Gedenken an die Vernichtung der Jüdischen Gemeinden in den Partnerstädten Darmstadts
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Punkt 3: Gedenken an die Vernichtung der Jüdischen Gemeinden in den Partnerstädten Darmstadts (V-Nr. 2019/0126) Einstimmig empfiehlt der Ausschuss der Stadtverordnetenversammlung, der Vorlage zuzustimmen.
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Magistratsvorlage
Eingang Magistrats-
geschäftsstelle:
30.04.2019
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat I an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss-
fassung Fachausschuss
Amt: Kulturamt
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
I 41 531
IV 20
Stvv
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2019/0126
Magistratsbeschluss-Nr.
182
Internetfähig
Produkt-Nr.:
Kostenstelle: Investitionsnummer:
Kostenträger: Sachkonto:
Betreff: Gedenken an die Vernichtung der Jüdischen Gemeinden in den Partnerstädten
Darmstadts
Vorlage vom: 25.04.2019
Beschlussvorschlag:
1. Die Empfehlungen der Arbeitsgruppe werden zustimmend zur Kenntnis genommen.
2. Zur Erinnerung an die Vernichtung der Jüdischen Gemeinden in den von Nazideutschland
besetzten heutigen Partnerstädten Alkmaar, Brescia, Gyönk, Liepāja, Płock,
Szeged, Trondheim, Troyes und Uzhgorod wird eine Gedenktafel errichtet.
3. Die Gedenktafel soll im Zugangsbereich zum Erinnerungsort Liberale Synagoge Darmstadt
aufgestellt werden.
4. Die Partnerstädte sind in geeigneter Weise bei der Umsetzung einzubinden.
5. Die Vorlage ist der Stadtverordnetenversammlung zur Beschlussfassung weiterzuleiten.
- 3 -
Anlagen: Stellungnahme_Geschichtswerkstatt
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
Beschluss des Magistrats vom 08.05.2019
Der Vorlage wird zugestimmt.
- 4 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 25.04.2019.
Die Stadtverordnetenversammlung der Wissenschaftsstadt Darmstadt hat in ihrer Sitzung
vom 30.08.2018 beschlossen, in Darmstadt ein Mahnmal zur Erinnerung an die Vernichtung
der Jüdischen Gemeinde Liep ājas zu errichten (Vorlage SV -2018/0039). Sie stimmte damit
den vorausgegangenen Anträgen de r Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und CDU vom
13.08.2019 und dem Ergänzungsantrag der SPD -Fraktion vom 30.08.2018 einstimmig zu.
Oberbürgermeister Jochen Partsch hat daraufhin eine Arbeitsgruppe einberufen, um
Empfehlungen für die Umsetzung des Vorhabens auszuarbeiten.
Der Arbeitsgruppe, die am 31.01.2019 tagte, gehörten Vertreterinnen und Vertreter der
Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung, die an den Anträgen mitgewirkt haben, die
Jüdische Gemeinde Darmstadt, die Darmstädter Geschichtswerkstatt e.V., der Kulturreferent,
der Leiter des Stadtarchivs und Professor Werner Durth, TU Darmstadt/FG Geschichte und
Theorie der Architektur an.
Die Darmstädter Geschichtswerkstatt e.V., die seit mehr als zehn Jahren zu den Verbrechen
während der deutschen Besatzung in Litauen und Lettland recherchiert und publiziert, hat
vorgeschlagen, in das Gedenken neben Liepāja auch die Städte Płock (Polen), Uzhgorod
(heute Ukraine), Szeged (Ungarn), Brescia (Italien), Troyes (Frankreich), Alkmaar
(Niederlande), Trondheim (Norwegen) und Gyönk (Ungarn) einzubeziehen.
Nach den jüngsten Untersuchungen der Geschichtswerkstatt ist auch in diesen heutigen
Partnerstädten die Verfolgung und Vernichtung der jüdischen Gemeinden während der
Besatzung durch Nazideutschland nachweislich belegt (siehe Anlage). Der Vorschlag solle
nicht als Gegenentwurf zu dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung verstanden
werden, sondern als konsequente Fortsetzung der Intention, an die Opfer Liepājas zu erinnern.
Nach Auffassung der Darmstädter Geschichtswerkstatt sollte eine einfach gehaltene
Gedenktafel an einem öffentlichen Ort aufgestellt werden.
Die Arbeitsgruppe empfiehlt einvernehmlich, dem Vorschlag der Darmstädter Geschichts-
werkstatt e.V. zu folgen.
Die Städte Graz und Freiberg sollen nicht einbezogen werden. Auch dort waren die jüdischen
Gemeinden von Verfolgung und Holocaust betroffen; unter dem Gesichtspunkt der deutschen
Besatzungsverbrechen während des Zweiten Weltkriegs gehören die beiden Städte jedoch
nicht in die Reihe der anderen Partnerstädte, da sie zum damaligen Reichsgebiet gehörten,
also in formalem Sinn nicht besetzt waren. Dieser Hintergrund wird in einem begleitenden
Faltblatt erläutert.
Nach Abwägung der Gestaltungsoptionen und verschiedener Standortvarianten hat sich die
Arbeitsgruppe für die Errichtung einer Gedenktafel ausgesprochen. Die neutrale Gestaltung als
Gedenktafel stellt die adäquateste Form dar, der Opfer in den Partnerstädten zu gedenken,
ohne Disproportionen zu setzen. Der Ort, an dem die Tafel angebracht wird, sollte in einen
Bezug zur Jüdischen Gemeinde Darmstadts gebracht werden können. Ein geeigneter Standort
ist der Außenbereich/Zugangsbereich zum Erinnerungsort Liberale Synagoge.
Die Tafel soll folgenden Text tragen:
Zum Gedenken an die jüdischen Opfer der deutschen Besatzung während des Zweiten
Weltkrieges in den heutigen Partnerstädten Darmstadts
Alkmaar - Brescia - Gyönk - Liepāja - Płock - Szeged - Trondheim - Troyes - Uzhgorod
Auch in diesen Städten fielen tausende Jüdinnen und Juden dem Terror und den
Deportationen der deutschen Besatzung zum Opfer. Wir gedenken ihrer in Trauer.
Der Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Die Empfehlungen der Arbeitsgruppe sind dem Magistrat und der Stadtverordneten-
versammlung der Wissenschaftsstadt Darmstadt zur Beschlussfassung vorzulegen.
Das Vorhaben soll nach Beschlussfassung möglichst zügig umgesetzt werden. Dabei sind die
Partnerstädte in geeigneter Weise einzubinden.
Die konkrete Ausführung der Tafel und die Platzierung sind ortsbezogen zu entwickeln.
Die Einweihung der Tafel soll zu einem symbolischen Termin erfolgen, der noch zu bestimmen
ist.
Für die Herstellung der Gedenktafel können aus dem Budget des Kulturamtes 2019 bis zu
3.000 Euro bereitgestellt werden. Sofern dies nicht ausreicht, sind ggf. Mittel überplanmäßig
zur Verfügung zu stellen.
Darmstadt, den 25.04.2019
Der Dezernent I
Jochen Partsch
Oberbürgermeister
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Punkt 9: Gedenken an die Vernichtung der Jüdischen Gemeinden in den Partnerstädten Darmstadts (V-Nr. 2019/0126) Die Fraktion UFFBASSE stellt den Antrag, die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen: Auch die Partnerstädte Graz und Freiberg in das Gedenken einzubeziehen und auf der Gedenktafel und den Erläuterung etc. zu nennen. Der Antrag wird abgelehnt. Gegen die Ablehnung: AfD, UFFBASSE, FDP und 1 Stimme aus UWIGA Stimmenthaltung: 1 Stimme aus CDU, 1 Stimme aus AfD und 1 Stimme aus UWIGA Der Vorlage wird zugestimmt. Stimmenthaltung: 2 Stimmen aus AfD
2019/0126
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Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
30.04.2019
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat I an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Amt: Kulturamt
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2019/0126
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.:
Kostenstelle: Investitionsnummer:
Kostenträger: Sachkonto:
Betreff: Gedenken an die Vernichtung der Jüdischen Gemeinden in den Partnerstädten
Darmstadts
Vorlage vom: 25.04.2019
Beschlussvorschlag :
1. Die Empfehlungen der Arbeitsgruppe werden zustimmend zur Kenntnis genommen.
2. Zur Erinnerung an die Vernichtung der Jüdischen Gemeinden in den von Nazideutschland
besetzten heutigen Partnerstädten Alkmaar, Brescia, Gyönk, Liepāja, Płock,
Szeged, Trondheim, Troyes und Uzhgorod wird eine Gedenktafel errichtet.
3. Die Gedenktafel soll im Zugangsbereich zum Erinnerungsort Liberale Synagoge Darmstadt
aufgestellt werden.
4. Die Partnerstädte sind in geeigneter Weise bei der Umsetzung einzubinden.
5. Die Vorlage ist der Stadtverordnetenversammlung zur Beschlussfassung weiterzuleiten.
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Anlagen: Stellungnahme_Geschichtswerkstatt
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
Beschluss des Magistrats vom
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Begründung zur Magistratsvorlage vom 25.04.2019.
Die Stadtverordnetenversammlung der Wissenschaftsstadt Darmstadt hat in ihrer Sitzung
vom 30.08.2018 beschlossen, in Darmstadt ein Mahnmal zur Erinnerung an die Vernichtung
der Jüdischen Gemeinde Liepājas zu errichten (Vorlage SV -2018/0039). Sie stimmte damit
den vorausgegangenen Anträgen der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und CDU vom
13.08.2019 und dem Ergänzungsantr ag der SPD-Fraktion vom 30.08.2018 einstimmig zu.
Oberbürgermeister Jochen Partsch hat daraufhin eine Arbeitsgruppe einberufen, um
Empfehlungen für die Umsetzung des Vorhabens auszuarbeiten.
Der Arbeitsgruppe, die am 31.01.2019 tagte, gehörten Vertreterinnen und Vertreter der
Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung, die an den Anträgen mitgewirkt haben, die
Jüdische Gemeinde Darmstadt, die Darmstädter Geschichtswerkstatt e.V., der Kulturreferent,
der Leiter des Stadtarchivs und Professor Werner Durth, TU Darmstadt/FG Geschichte und
Theorie der Architektur an.
Die Darmstädter Geschichtswerkstatt e.V., die seit mehr als zehn Jahren zu den Verbrechen
während der deutschen Besatzung in Litauen und Lettland recherchiert und publiziert, hat
vorgeschlagen, in das Gedenken neben Liepāja auch die Städte Płock (Polen), Uzhgorod
(heute Ukraine), Szeged (Ungarn), Brescia (Italien), Troyes (Frankreich), Alkmaar
(Niederlande), Trondheim (Norwegen) und Gyönk (Ungarn) einzubeziehen.
Nach den jüngsten Untersuchungen der Geschichtswerkstatt ist auch in diesen heutigen
Partnerstädten die Verfolgung und Vernichtung der jüdischen Gemeinden während der
Besatzung durch Nazideutschland nachweislich belegt (siehe Anlage). Der Vorschlag solle
nicht als Gegenentwurf zu dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung verstanden
werden, sondern als konsequente Fortsetzung der Intention, an die Opfer Liepājas zu erinnern.
Nach Auffassung der Darmstädter Geschichtswerkstatt sollte eine einfach gehaltene
Gedenktafel an einem öffentlichen Ort aufgestellt werden.
Die Arbeitsgruppe empfiehlt einvernehmlich, dem Vorschlag der Darmstädter Geschichts-
werkstatt e.V. zu folgen.
Die Städte Graz und Freiberg sollen nicht einbezogen werden. Auch dort waren die jüdischen
Gemeinden von Verfolgung und Holocaust betroffen; unter dem Gesichtspunkt der deutschen
Besatzungsverbrechen während des Zweiten Weltkriegs gehören die beiden Städte jedoch
nicht in die Reihe der anderen Partnerstädte, da sie zum damaligen Reichsgebiet gehörten,
also in formalem Sinn nicht besetzt waren. Dieser Hintergrund wird in einem begleitenden
Faltblatt erläutert.
Nach Abwägung der Gestaltungsoptionen und verschiedener Standortvarianten hat sich die
Arbeitsgruppe für die Errichtung einer Gedenktafel ausgesprochen. Die neutrale Gestaltung als
Gedenktafel stellt die adäquateste Form dar, der Opfer in den Partnerstädten zu gedenken,
ohne Disproportionen zu setzen. Der Ort, an dem die Tafel angebracht wird, sollte in einen
Bezug zur Jüdischen Gemeinde Darmstadts gebracht werden können. Ein geeigneter Standort
ist der Außenbereich/Zugangsbereich zum Erinnerungsort Liberale Synagoge.
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Die Tafel soll folgenden Text tragen:
Zum Gedenken an die jüdischen Opfer der deutschen Besatzung während des Zweiten
Weltkrieges in den heutigen Partnerstädten Darmstadts
Alkmaar - Brescia - Gyönk - Liepāja - Płock - Szeged - Trondheim - Troyes - Uzhgorod
Auch in diesen Städten fielen tausende Jüdinnen und Juden dem Terror und den
Deportationen der deutschen Besatzung zum Opfer. Wir gedenken ihrer in Trauer.
Der Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Die Empfehlungen der Arbeitsgruppe sind dem Magistrat und der Stadtverordneten -
versammlung der Wissenschaftsstadt Darmstadt zur Beschlussfassung vorzulegen.
Das Vorhaben soll nach Beschlussfassung möglichst zügig umgesetzt werden. Dabei sind die
Partnerstädte in geeigneter Weise einzubinden.
Die konkrete Ausführung der Tafel und die Platzierung sind ortsbezogen zu entwickeln.
Die Einweihung der Tafel soll zu einem symbolischen Termin erfolgen, der noch zu bestimmen
ist.
Für die Herstellung der Gedenktafel können aus dem Budget des Kulturamtes 2019 bis zu
3.000 Euro bereitgestellt werden. Sofern dies nicht ausreicht, sind ggf. Mittel überplanmäßig
zur Verfügung zu stellen.
Darmstadt, den 25.04.2019
Der Dezernent I
Jochen Partsch
Oberbürgermeister
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Darmstädter Geschichtswerkstatt e.V. Oberbürgermeister Jochen Partsch zur Kenntnis Erinnerung an die Vernichtung der Jüdischen Gemeinde von Liepäja Sehr geehrte Damen und Hlerren, Sie sind - wie wir - mit Email vom 20.12.2018 im Auftrag des Oberbürgermeisters zum „Arbeitskreis Mahnmal zum Gedenken an die Vernichtung der Jüdischen Gemeinde Liepäjas“ eingeladen. Als Anlage leiten wir Ihnen ein Informationspapier zu, das wir Oberbürgermeister Partsch bereits am 22. August 2018 zugeschickt hatten, das wir jetzt - Januar 2019 - um Hinweise ergänzt haben zu den Partnerstädten Alkmaar und Trondheim. Den damals angefügten Vorschlag für eine Gedenktafel zur Erinnerung an die jüdischen Opfer aller von Deutschland 1939/45 besetzten Partnerstädte Darmstadts formulieren wir neu. Hintergrund: Wir hatten in der Veranstaltung der Geschichtswerkstatt „Die Vernichtung der Jüdischen Gemeinde von Liepäja“ (7 Juni 2018) dem Magistrat der Stadt vorgeschlagen, mit einer Gedenktafel an die von der deutschen Besatzung 1941/1945 vernichtete Jüdische Gemeinde Liepäjas zu erinnern. An diesem Vorschlag halten wir fest, möchten ihn jedoch erweitern, weil nicht nur in der Partnerstadt Liepäja, sondern auch in den anderen, im Zweiten Weltkrieg von Nazideutschland besetzten, heutigen Partnerstädten - neben Liepäja: Plock (Polen), Uzhorod (heute Ukraine), Szeged (Ungarn), Brescia (Italien), Troyes (Frankreich), Alkmaar (Niederlande), Trondheim (Norwegen) - Juden, ja, ganze jüdische Gemeinden vernichtet worden sind. So unerlässlich es aus unserer Sicht bleibt, gerade an die Auslöschung der jüdischen Gemeinde von Liepäja zu erinnern, so unvollständig bliebe dies, wenn die Stadt Darmstadt nicht auch an das schwere Unrecht erinnern würde, das von der deutschen Besatzung den genannten anderen jüdischen Gemeinden angetan worden ist. Das beigefügte Informationspapier nennt hierzu die wichtigsten Daten mit Quellen. Die Geschichtswerkstatt hatte im August 2018 keine Kenntnis davon, dass die Stadtversammlung wenige Tage später einen umfassenden Beschluss fassen würde, der - soweit wir wissen — die Errichtung eines Denkmals zur Erinnerung an die jüdische Gemeinde Liepäjas zum Ziel hat. Unabhängig von der Zielsetzung dieses Vorschlags der Stadtverordnetenversammlung, der sich auf die Partnerstadt Liepäja konzentriert, regen wir an, in der Beratung des Arbeitskreises dem Magistrat zunächst zu empfehlen, mit einer einfach gehaltenen Gedenktafel an die jüdischen Opfer der deutschen Besatzung in den betroffenen Partnerstädten zu erinnern. Darmstadt, den 22. Januar 2019 Für den Vorstand der Geschichtswerkstatt: Hanni Skroblies Christoph Jetter Bermhard Schütz Anlage: Informationspapier Darmstädter Geschichtswerkstatt e.V. Darmstadt, 22. August 2018 ergänzt am 22. Januar 2019 Informationspapier Übersicht zur Vernichtung der Jüdischen Gemeinden in den Partnerstädten Darmstadts, die 1939/1945 von Nazideutschland besetzt waren. (Auf der Grundlage einer Notiz für OB Jochen Partsch vom 22. August 2018, ergänzt im Januar 2019 um Informationen zu Alkmaar und Trondheim.) Opferzahlen zu den Partnerstädten Darmstadts während deutscher Besatzung 1939/45 1. Liepäja (Lettland): Liepäja hatte 1939 über 57.100 Einwohner, unter ihnen ca. 6.000 Juden. Fast die gesamte Jüdische Bevölkerung fiel zwischen 1941 und 1945 Mordaktionen zum Opfer, die von den in der eroberten Stadt verantwortlichen Wehrmachts- und SS-Befehlshabern angeordnet und - mit Unterstützung lettischer Hilfstruppen - ausgeführt worden sind. Darüber hinaus wurden ungefähr 3.000 sowjetische Kriegsgefangene, lettische Gegner der Nazi-Okkupation sowie Roma und behinderte Menschen ermordet. Nicht allein die große Gedenkstätte am Strand von Skäde, 15 Kilometer von Liepäja entfernt, wo über 5.000 Menschen den Massenmorden zum Opfer gefallen sind, auch zahlreiche Gedenksteine und -tafeln im Stadtgebiet Liepäjas erinnern an die Taten von damals. (Quelle: Manuskript Geschichtswerkstatt zur Veranstaltung am 7. Juni 2018 unter http://www.darmstaedter-geschichtswerkstatt.de/aktuelles/neue-artikelpage-3/) 2. Plock (Polen): Im Beitrag von Abraham Wein (hrsg. von Yad Vashem) werden die Verfolgungsereignisse in Ptock ausführlich geschildert. Ende 1939/Anfang 1940 waren insgesamt ca. 10.000 Juden aus Plock und Umgebung im Ghetto inhaftiert; sie wurden in mehreren Schritten Ende Februar/Anfang März 1940 in zahlreiche andere Städte Polens deportiert (u.a. Kielce). Fast alle starben im Vernichtungslager Treblinka. (Quelle: hup://www.zchor.org/plock/pl5.him) 3. UZhorod (Ukraine): In den 1930er Jahren wohnten ca. 7.300 Juden in U%horod, ein Drittel der Einwohnerschaft. U2horod wurde 1939 nach dem Münchner Abkommen ungarisch — 1939/40 wurden alle Juden mit polnischer und tschechoslowakischer Staatsangehörigkeit nach Polen ausgewiesen (Polen war bereits von Deutschland besetzt). Die jüngeren Juden wurden später zur Zwangsarbeit an der russischen Front eingesetzt (keine Rückkehr) - im April 1944 wurden die Juden der Stadt und der Region (25.000 Personen) zunächst in einem Ghetto am Stadtrand inhaftiert, dann nach Auschwitz deportiert. (Quelle: hups://www.jewishvirtuallibrary.org/uzhgorod) 4. Szeged (Ungarn): Von über 4.000 jüdischen Einwohnern (1941) wurden nach der deutschen Besetzung 1944 über 3.000 nach Auschwitz deportiert. Eine große Zahl wurde (irrtümlich) nicht nach Auschwitz, sondern zur Zwangsarbeit nach Österreich transportiert, weshalb viele von ihnen überlebten. (Quelle: Wolfgang Benz / Barbara Distel: Der Ort des Terrors, Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 9, Arbeitserzichungslager ... 7 wangsarbeitslager, München 2009, C.H. Beck Verlag, S. 221 ff.; https://www.geni.com/projects/Jewish-Communities-of-Szeged-Szentes-and-Mako- Hungary/8445) Troyes (Frankreich) Nach Besetzung Frankreichs (1940) Ausweisung von Ausländern und Juden aus einem 50 km-Streifen an der Kanalküste, u.a. Verbleib in einem Internierungszentrum in Troyes; 50 der Ausgewiesenen später in KZs deportiert. Verfolgung der Juden beginnt mit drei Razzien (09.06./09.10.1942 und 27./28.01.1944), über 50 jüdische Einwohner von Troyes werden über das Durchgangslager Drancy nach Auschwitz deportiert - Gedenktafeln an der Synagoge und auf dem jüdischen Friedhof. 1944 Erschießung von vier in Troyes inhaftierten Widerstandskämpfern (Februar) und von 49 Widerstandskämpfern im August, wenige Tage vor der Befreiung. Deutsches Kriegsgericht in Troyes: Dutzende Todesurteile. Deportationen in deutsche Lager (nichtjüdische und jüdische Opfer), Deportationen zur Zwangsarbeit nach Deutschland. (Quelle: Flermann Unterhinninghofen, Arbeitspapier 2018 zu Troyes unter deutscher Besatzung, Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 Frankfurt e.V.) 5. Brescia (Italien) Nach der Besetzung durch die deutsche Wehrmacht im September 1943: Erschießung von drei Antifaschisten auf dem Zentralplatz; fast allen Angehörigen der kleinen jüdischen Gemeinde gelang die Flucht; 23 Juden wurden verhaftet und über das Lager Fossoli in deutsche KZs deportiert, nur zwei von ihnen haben überlebt; März 1945 Erschießung eines Partisanenführers im Kastell; zahlreiche Erinnerungstafeln und Stolpersteine in Brescia. (Einzelheiten auf https://www.gedenkorte-europa.ew/de_de/brescia.html) 6. Alkmaar (Niederlande) Die ersten Deportationszüge mit Juden aus den Niederlanden überhaupt gingen von Alkmaar aus: am 27.02., 22.05. und 22.06.1941. Alle drei Deportationen mit dem Ziel Mauthausen mit insgesamt über 1.000 Deportierten, deren Mehrheit nicht mehr „zurückkam“. (Quelle: http://herdenkingsstenenjoodsalkmaar.nV/deportation-jews-from-alkmaar/) 7. Trondheim (Norwegen) Bei der Besetzung Norwegens im April 1940 hatte die jüdische Gemeinde ungefähr 275 Mitglieder. Im April 1941 wurde die Synagoge von deutschen Truppen besetzt, das Innere zerstört, die Davidsterne der Fenster wurden durch Hakenkreuze ersetzt. Im Juni 1941 wurden die jüdischen Männer im Norden verhaftet, in den Monaten danach wurden alle jüdischen Geschäfte, Läden und Fabriken in Trondheim und dem Norden beschlagnahmt, viele der Eigentümer verhaftet. Im Oktober 1942 wurden zunächst 50 Juden in Trondheim verhaftet und in ein Lager 80 km außerhalb gebracht. Im Februar 1943 schließlich folgte für die meisten Männer aus Trondheim, dem Norden und der Westküste die Deportation nach Auschwitz. Nur sechs von ihnen haben überlebt. (Quelle: https://dbs.bh.org.il/place/trondheim) (Darmstädter Geschichtswerkstatt e.V. 2019) Hier der Textvorschlag für eine Gedenktafel für die Opfer der deutschen Besatzung in den 1939/45 besetzten Partnerstädten Darmstadts Zum Gedenken an die jüdischen Opfer der deutschen Besatzung in den Partnerstädten Darmstadts während des Zweiten Weltkriegs Alkmaar — Brescia - Liepäja - Plock — Szeged - Troyes — Uihorod In den Partnerstädten der Stadt Darmstadt, die während des Zweiten Weltkriegs von Nazideutschland besetzt waren, fielen tausende Juden dem Terror und den Deportationen der deutschen Besatzung zum Opfer. Wir gedenken ihrer in Trauer. Der Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt Seite 1 von2 Cornelia Artinger - Re: Arbeitskreis Gedenktafel Pattnerstädte Von: Christoph Jetter <chjetter@t-online.de> An: Oberbuergermeister <Oberbuergermeister@darmstadt.de>, Cornelia Artinger ... Datum: 25.2.2019 16:51 Betreff: Re: Arbeitskreis Gedenktafel Pattnerstädte Anlagen: Gyönk - Text fürAG (Febr 19).doc Sehr geehrter Herr Oberbürgemeister, sehr geehrte Damen ujnd Herren, in der Sitzung des Arbeitskreises am 31. 01. ist offen geblieben, ob die Partnerstadt Gyönk in die Aufzählung der Partrnerstädte Darmstadts aufgenommen werden muss, die von von deutschen Besatzungsverbrechen während des Zweiten Weltkriegs betroffen war. Wir hatten den Auftrag übernommen, dies nach Möglichkeit zu klären. Das näher ausgeführte Ergebnis unserer Recherchen entnehmen Sie bitte der Anlage. Aus der Stadt Gyönk wurden zwischen Mai und Juli 1944 nahezu 500 Juden - wir vermuten: Frauen, Männer und Kinder - nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Der Name der Stadt Gyönk gehört damit in die Liste jener Städte, über die wir bereits gesprochen bzw. deren Betroffenheit von Besatzungs- und Deportationsverbrechen wir bereits dokumentiert haben. Hieraus ergibt sich nach unserer Aufzeichnung der Änderungsvorschläge aus der Sitzung am 31.01. folgender Textvorschlag für die vorgesehene Gedenktafel: Zum Gedenken an die jüdischen Opfer der deutschen Besatzung während des Zweiten Weltkrieges in den heutigen Partnerstädten Darmstadts Alkmaar - Brescia - Gyönk - Liepaja - Plock - Szeged - Trondheim - Troyes - Uzhorod Auch in diesen Städten fielen tausende Jüdinnen und Juden dem Terror und den Deportationen der deutschen Besetzung zum Opfer. Wir gedenken ihrer in Trauer. Der Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt Mit freundlichen Grüßen Darmstädter Geschichtswerkstatt Christoph Jetter Am 22.01.2019 um 17:46 schrieb Christoph Jetter: file://C:/Users/Artinger/AppData/Local/Temp/XPgrpwise/5SC741DOCZENTRAL _D... 28.02.2019 Gyönk (Ungarn) Die vom führenden Holocaust-Forscher für Ungarn, Randolph I. Braham, herausgegebene „Enzyklopädie des Holocaust in Ungarn“ *) berichtet, dass in Gyönk nach Beginn der deutschen Besatzung Ungams (März 1944) die Wohnungen und Geschäfte der jüdischen Einwohner, auch die Synagoge und der jüdische Friedhof zerstört worden sind. 495 jüdische Einwohner Gyönks wurden im Mai 1944 zunächst in das Ghetto im nahe gelegenen Högyesz und Anfang Juli 1944 nach Auschwitz deportiert. Zitat aus der genannten Enzyklopädie (Übersetzung aus dem Englischen): „Nach der deutschen Besatzung Ungurns**) erhielt der örtliche Volksbund***) die Mehrheit in der Stadtregierung. Sie konfiszierten das jüdische Eigentum, plünderten ihre Wohnungen, zerstörten jüdische Geschäfte, die Synagoge und den jüdischen Friedhof. Nach dem Bericht des Präfekten des Bezirks Tolna vom 5. Mai 1944 wurden 495 Einwohner Gyönks als Juden identifiziert. Sie wurden im Mai zusammengetrieben und am 4. Juni in das Ghetto von Högyesz gebracht. Von dort wurden sie zum zentralen Verladebahnhof von Kaposvar gebracht und Anfang Juli nach Auschwitz-Birkenau deportiert.“ (Braham, a.a.O. 5. 1054). Die 495 Holocaust-Opfer aus Gyönk gehörten zu den zwischen Mai und Juli 1944 überwiegend aus den ländlichen Gebieten nach Auschwitz deportierten und dort ermordeten ungarischen Juden, ihre Gesamtzahl betrug Mitte Julil944 über 435.000, hinzu kamen bis zum Ende des Weltkriegs weitere 125.00 Opfer: insgesamt somit weit über 500.000. (der Gyönk betreffende Abschnitt aus dem von Braham herausgegebenen Werk wurde der Geschichtswerkstatt auf Anfrage von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem übermittelt.) *) Randolph L. Braham, The Geographical Encyclopedia of the Holocaust in Hungary. Ed. Randolph L. Braham. 2 Vol. (2013) Anmerkungen Geschichtswerkstatt: **) Wehrmacht und SS marschierten am 19. März 1944 in Ungarn ein. Das Sonderkommando Eichmann teilte dass Land in 6 Zonen ein. Gyönk in Westungam gehörte zur Zone 5, in der Mitte Mai 1944 die Deportationen begannen. ***) Der Volksbund der Deutschen in Ungam war ein 1938 gegründeter, unter Einfluss der deutschen NS-Regierung stehender Verband der aus Deutschland stammenden „Donauschwaben“ - Einzelheiten der von Braham genannten Beteiligung von Mitgliedern des Volkbundes an der gewaltsamen Vertreibung der Juden aus Gyönk entziehen sich unseren Forschungsmöglichkeiten.
Beratungsverlauf (4)
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2019/0126
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 25.04.2019
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00