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2019/0126

Gedenken an die Vernichtung der Jüdischen Gemeinden in den Partnerstädten Darmstadts

Magistratsvorlage 25.04.2019

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211 Zeichen

Punkt 3: Gedenken an die Vernichtung der Jüdischen Gemeinden in den Partnerstädten 
Darmstadts 
 (V-Nr. 2019/0126) 
 
Einstimmig empfiehlt der Ausschuss der Stadtverordnetenversammlung, der Vorlage 
zuzustimmen.

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6070 Zeichen

- 2 - 
 
Magistratsvorlage 
 
Eingang Magistrats- 
geschäftsstelle: 
30.04.2019 
an den Magistrat 
   zur Kenntnis 
   zur Beschlussfassung 
 
Beteiligt vor 
Magistratsbeschlussfassung: 
Dezernat I an die Stadtverordnetenversammlung  
   OBW zur Befassung 
   zur Kenntnis 
   zur Beschlussfassung 
   zur abschließenden Beschluss- 
       fassung Fachausschuss 
 
 
Amt: Kulturamt 
 OBW bei abschl. 
Beschlussfassung Magistrat  
Behandlung in  
öffentl. Sitzung 
Ja 
 
Nein 
 
Verteiler: 
I 41 531 
IV 20 
 
Stvv 
 
 
 
Ja 
 
Nein  
 
Vorlage-Nr. 2019/0126 
 
Magistratsbeschluss-Nr. 
182 
 
Internetfähig     
 
Produkt-Nr.: 
Kostenstelle:       Investitionsnummer:       
Kostenträger:       Sachkonto:       
 
Betreff: Gedenken an die Vernichtung der Jüdischen Gemeinden in den Partnerstädten 
Darmstadts 
 
Vorlage vom: 25.04.2019 
 
Beschlussvorschlag: 
1. Die Empfehlungen der Arbeitsgruppe werden zustimmend zur Kenntnis genommen.  
 
2. Zur Erinnerung an die Vernichtung der Jüdischen Gemeinden in den von Nazideutschland  
besetzten heutigen Partnerstädten  Alkmaar, Brescia, Gyönk, Liepāja, Płock,  
Szeged, Trondheim, Troyes und Uzhgorod wird eine Gedenktafel errichtet.  
 
3. Die Gedenktafel soll im Zugangsbereich zum Erinnerungsort Liberale Synagoge Darmstadt 
aufgestellt werden. 
 
4. Die Partnerstädte sind in geeigneter Weise bei der Umsetzung einzubinden. 
 
5. Die Vorlage ist der Stadtverordnetenversammlung zur Beschlussfassung weiterzuleiten.

- 3 - 
 
Anlagen: Stellungnahme_Geschichtswerkstatt  
 
Datenschutzrelevante Anlage:   
 
Folgekosten:    Ja    Nein 
 
Beschluss des Magistrats vom 08.05.2019 
 
Der Vorlage wird zugestimmt.

- 4 - 
Begründung zur Magistratsvorlage vom 25.04.2019.  
 
Die Stadtverordnetenversammlung der Wissenschaftsstadt Darmstadt hat in ihrer Sitzung 
vom 30.08.2018 beschlossen, in Darmstadt ein Mahnmal zur Erinnerung an die Vernichtung 
der Jüdischen Gemeinde Liep ājas zu errichten (Vorlage SV -2018/0039). Sie stimmte damit 
den vorausgegangenen Anträgen de r Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und CDU vom 
13.08.2019 und dem Ergänzungsantrag der SPD -Fraktion vom 30.08.2018 einstimmig zu.  
 
Oberbürgermeister Jochen Partsch hat daraufhin eine Arbeitsgruppe einberufen, um 
Empfehlungen für die Umsetzung des Vorhabens auszuarbeiten.  
 
Der Arbeitsgruppe, die am 31.01.2019 tagte, gehörten Vertreterinnen und Vertreter der 
Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung, die an den Anträgen mitgewirkt haben, die 
Jüdische Gemeinde Darmstadt, die Darmstädter Geschichtswerkstatt e.V., der Kulturreferent, 
der Leiter des Stadtarchivs und Professor Werner Durth, TU Darmstadt/FG Geschichte und 
Theorie der Architektur an. 
 
Die Darmstädter Geschichtswerkstatt e.V., die seit mehr als zehn Jahren zu den Verbrechen 
während der deutschen Besatzung in Litauen und Lettland recherchiert und publiziert, hat 
vorgeschlagen, in das Gedenken neben Liepāja auch die Städte Płock (Polen), Uzhgorod 
(heute Ukraine), Szeged (Ungarn), Brescia (Italien), Troyes (Frankreich), Alkmaar 
(Niederlande), Trondheim (Norwegen) und Gyönk (Ungarn) einzubeziehen.  
 
Nach den jüngsten Untersuchungen der Geschichtswerkstatt ist auch in diesen heutigen 
Partnerstädten die Verfolgung und Vernichtung der jüdischen Gemeinden während der 
Besatzung durch Nazideutschland nachweislich belegt (siehe Anlage). Der Vorschlag solle 
nicht als Gegenentwurf zu dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung verstanden 
werden, sondern als konsequente Fortsetzung der Intention, an die Opfer Liepājas zu erinnern. 
Nach Auffassung der Darmstädter Geschichtswerkstatt sollte eine einfach gehaltene 
Gedenktafel an einem öffentlichen Ort aufgestellt werden.  
 
Die Arbeitsgruppe empfiehlt einvernehmlich, dem Vorschlag der Darmstädter Geschichts-
werkstatt e.V. zu folgen.  
 
Die Städte Graz und Freiberg sollen nicht einbezogen werden. Auch dort waren die jüdischen 
Gemeinden von Verfolgung und Holocaust betroffen; unter dem Gesichtspunkt der deutschen 
Besatzungsverbrechen während des Zweiten Weltkriegs gehören die beiden Städte jedoch 
nicht in die Reihe der anderen Partnerstädte, da sie zum damaligen Reichsgebiet gehörten, 
also in formalem Sinn nicht besetzt waren. Dieser Hintergrund wird in einem begleitenden 
Faltblatt erläutert. 
 
Nach Abwägung der Gestaltungsoptionen und verschiedener Standortvarianten hat sich die 
Arbeitsgruppe für die Errichtung einer Gedenktafel ausgesprochen. Die neutrale Gestaltung als 
Gedenktafel stellt die adäquateste Form dar, der Opfer in den Partnerstädten zu gedenken, 
ohne Disproportionen zu setzen. Der Ort, an dem die Tafel angebracht wird, sollte in einen 
Bezug zur Jüdischen Gemeinde Darmstadts gebracht werden können. Ein geeigneter Standort 
ist der Außenbereich/Zugangsbereich zum Erinnerungsort Liberale Synagoge.

Die Tafel soll folgenden Text tragen: 
Zum Gedenken an die jüdischen Opfer der deutschen Besatzung während des Zweiten 
Weltkrieges in den heutigen Partnerstädten Darmstadts 
Alkmaar - Brescia - Gyönk - Liepāja - Płock - Szeged - Trondheim - Troyes - Uzhgorod 
Auch in diesen Städten fielen tausende Jüdinnen und Juden dem Terror und den 
Deportationen der deutschen Besatzung zum Opfer. Wir gedenken ihrer in Trauer. 
Der Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt 
Die Empfehlungen der Arbeitsgruppe sind dem Magistrat und der Stadtverordneten-
versammlung der Wissenschaftsstadt Darmstadt zur Beschlussfassung vorzulegen.  
 
Das Vorhaben soll nach Beschlussfassung möglichst zügig umgesetzt werden. Dabei sind die  
Partnerstädte in geeigneter Weise einzubinden.  
 
Die konkrete Ausführung der Tafel und die Platzierung sind ortsbezogen zu entwickeln.  
 
Die Einweihung der Tafel soll zu einem symbolischen Termin erfolgen, der noch zu bestimmen 
ist.  
 
Für die Herstellung der Gedenktafel können aus dem Budget des Kulturamtes 2019 bis zu 
3.000 Euro bereitgestellt werden. Sofern dies nicht ausreicht, sind ggf. Mittel überplanmäßig 
zur Verfügung zu stellen. 
 
 
Darmstadt, den 25.04.2019 
 
Der Dezernent I 
 
 
 
Jochen Partsch 
Oberbürgermeister

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587 Zeichen

Punkt 9: Gedenken an die Vernichtung der Jüdischen Gemeinden in den Partnerstädten 
Darmstadts 
 (V-Nr. 2019/0126) 
 
Die Fraktion UFFBASSE stellt den Antrag, die Stadtverordnetenversammlung möge 
beschließen: 
Auch die Partnerstädte Graz und Freiberg in das Gedenken einzubeziehen und auf 
der Gedenktafel und den Erläuterung etc. zu nennen. 
 
Der Antrag wird abgelehnt. 
 
Gegen die Ablehnung: AfD, UFFBASSE, FDP und 1 Stimme aus UWIGA  
Stimmenthaltung: 1 Stimme aus CDU, 1 Stimme aus AfD und 1 Stimme aus UWIGA  
 
Der Vorlage wird zugestimmt.  
 
Stimmenthaltung: 2 Stimmen aus AfD

2019/0126

6016 Zeichen

Magistratsvorlage 
 
Eingang Magistrats - 
geschäftsstelle:  
30.04.2019 
an den Magistrat  
   zur Kenntnis 
   zur Beschlussfassung  
 
Beteiligt vor 
Magistratsbeschlussfassung:  
Dezernat I an die Stadtverordnetenversammlung  
   OBW zur Befassung  
   zur Kenntnis 
   zur Beschlussfassung  
   zur abschließenden Beschluss - 
       fassung Fachausschuss  
 
 
Amt: Kulturamt 
 OBW bei abschl. 
Beschlussfassung Magistrat  
Behandlung in  
öffentl. Sitzung  
Ja 
 
Nein 
 
Verteiler:  
 
 
Ja 
 
Nein  
 
Vorlage-Nr. 2019/0126 
 
Magistratsbeschluss -Nr. 
  
 
Internetfähig     
 
Produkt-Nr.: 
Kostenstelle:        Investitionsnummer:        
Kostenträger:        Sachkonto:       
 
Betreff: Gedenken an die Vernichtung der Jüdischen Gemeinden in den Partnerstädten 
Darmstadts 
 
Vorlage vom: 25.04.2019  
 
Beschlussvorschlag : 
1. Die Empfehlungen der Arbeitsgruppe werden zustimmend zur Kenntnis genommen.  
 
2. Zur Erinnerung an die Vernichtung der Jüdischen Gemeinden in den von Nazideutschland  
besetzten heutigen Partnerstädten  Alkmaar, Brescia, Gyönk, Liepāja, Płock,  
Szeged, Trondheim, Troyes und Uzhgorod wird eine Gedenktafel errichtet.  
 
3. Die Gedenktafel soll im Zugangsbereich zum Erinnerungsort Liberale Synagoge Darmstadt 
aufgestellt werden. 
 
4. Die Partnerstädte sind in geeigneter Weise bei der Umsetzung einzubinden.  
 
5. Die Vorlage ist der Stadtverordnetenversammlung zur Beschlussfassung weiterzuleiten.

- 2 - 
 
Anlagen: Stellungnahme_Geschichtswerkstatt  
 
Datenschutzrelevante Anlage:   
 
Folgekosten:    Ja    Nein 
 
Beschluss des Magistrats vom

- 3 - 
Begründung zur Magistratsvorlage vom 25.04.2019. 
 
Die Stadtverordnetenversammlung der Wissenschaftsstadt Darmstadt hat  in ihrer Sitzung 
vom 30.08.2018  beschlossen, in Darmstadt ein Mahnmal zur Erinnerung an die Vernichtung 
der Jüdischen Gemeinde Liepājas zu errichten (Vorlage SV -2018/0039). Sie stimmte damit 
den vorausgegangenen Anträgen der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und CDU vom 
13.08.2019 und dem Ergänzungsantr ag der SPD-Fraktion vom 30.08.2018 einstimmig zu.  
 
Oberbürgermeister Jochen Partsch hat daraufhin eine Arbeitsgruppe einberufen, um 
Empfehlungen für die Umsetzung des Vorhabens auszuarbeiten.  
 
Der Arbeitsgruppe, die am 31.01.2019 tagte, gehörten Vertreterinnen und Vertreter der 
Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung, die an den Anträgen mitgewirkt haben, die 
Jüdische Gemeinde Darmstadt, die Darmstädter Geschichtswerkstatt e.V., der Kulturreferent, 
der Leiter des Stadtarchivs und Professor Werner Durth, TU Darmstadt/FG Geschichte und 
Theorie der Architektur an. 
 
Die Darmstädter Geschichtswerkstatt e.V., die seit mehr als zehn Jahren zu den Verbrechen 
während der deutschen Besatzung in Litauen und Lettland recherchiert und publiziert, hat 
vorgeschlagen, in das Gedenken neben Liepāja auch die Städte Płock (Polen), Uzhgorod 
(heute Ukraine), Szeged (Ungarn), Brescia (Italien), Troyes (Frankreich), Alkmaar 
(Niederlande), Trondheim (Norwegen) und Gyönk (Ungarn) einzubeziehen.  
 
Nach den jüngsten Untersuchungen der Geschichtswerkstatt ist auch in diesen heutigen 
Partnerstädten die Verfolgung und Vernichtung der jüdischen Gemeinden während der 
Besatzung durch Nazideutschland nachweislich belegt (siehe Anlage). Der Vorschlag solle 
nicht als Gegenentwurf zu dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung verstanden 
werden, sondern als konsequente Fortsetzung der Intention, an die Opfer Liepājas zu erinnern. 
Nach Auffassung der Darmstädter Geschichtswerkstatt sollte eine einfach gehaltene 
Gedenktafel an einem öffentlichen Ort aufgestellt werden.  
 
Die Arbeitsgruppe empfiehlt einvernehmlich, dem Vorschlag der Darmstädter Geschichts-
werkstatt e.V. zu folgen.  
 
Die Städte Graz und Freiberg sollen nicht einbezogen werden. Auch dort waren die jüdischen 
Gemeinden von Verfolgung und Holocaust betroffen; unter dem Gesichtspunkt der deutschen 
Besatzungsverbrechen während des Zweiten Weltkriegs gehören die beiden Städte jedoch 
nicht in die Reihe der anderen Partnerstädte, da sie zum damaligen Reichsgebiet gehörten, 
also in formalem Sinn nicht besetzt waren. Dieser Hintergrund wird in einem begleitenden 
Faltblatt erläutert. 
 
Nach Abwägung der Gestaltungsoptionen und verschiedener Standortvarianten hat sich die 
Arbeitsgruppe für die Errichtung einer Gedenktafel ausgesprochen. Die neutrale Gestaltung als 
Gedenktafel stellt die adäquateste Form dar, der Opfer in den Partnerstädten zu gedenken, 
ohne Disproportionen zu setzen. Der Ort, an dem die Tafel angebracht wird, sollte in einen 
Bezug zur Jüdischen Gemeinde Darmstadts gebracht werden können. Ein geeigneter Standort 
ist der Außenbereich/Zugangsbereich zum Erinnerungsort Liberale Synagoge.

- 4 - 
 
Die Tafel soll folgenden Text tragen: 
Zum Gedenken an die jüdischen Opfer der deutschen Besatzung während des Zweiten 
Weltkrieges in den heutigen Partnerstädten Darmstadts 
Alkmaar - Brescia - Gyönk - Liepāja - Płock - Szeged - Trondheim - Troyes - Uzhgorod 
Auch in diesen Städten fielen tausende Jüdinnen und Juden dem Terror und den 
Deportationen der deutschen Besatzung zum Opfer. Wir gedenken ihrer in Trauer. 
Der Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt 
Die Empfehlungen der Arbeitsgruppe sind dem Magistrat und der Stadtverordneten -
versammlung der Wissenschaftsstadt Darmstadt zur Beschlussfassung vorzulegen.  
 
Das Vorhaben soll nach Beschlussfassung möglichst zügig umgesetzt werden. Dabei sind die  
Partnerstädte in geeigneter Weise einzubinden.  
 
Die konkrete Ausführung der Tafel und die Platzierung sind ortsbezogen zu entwickeln.  
 
Die Einweihung der Tafel soll zu einem symbolischen Termin erfolgen, der noch zu bestimmen 
ist.  
 
Für die Herstellung der Gedenktafel können aus dem Budget des Kulturamtes 2019 bis zu 
3.000 Euro bereitgestellt werden. Sofern dies nicht ausreicht, sind ggf. Mittel überplanmäßig 
zur Verfügung zu stellen. 
 
 
Darmstadt, den 25.04.2019 
 
Der Dezernent I 
 
 
 
Jochen Partsch 
Oberbürgermeister

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13466 Zeichen

Darmstädter Geschichtswerkstatt e.V.
Oberbürgermeister Jochen Partsch zur Kenntnis

Erinnerung an die Vernichtung der Jüdischen Gemeinde von Liepäja

Sehr geehrte Damen und Hlerren,

Sie sind - wie wir - mit Email vom 20.12.2018 im Auftrag des Oberbürgermeisters zum
„Arbeitskreis Mahnmal zum Gedenken an die Vernichtung der Jüdischen Gemeinde
Liepäjas“ eingeladen.

Als Anlage leiten wir Ihnen ein Informationspapier zu, das wir Oberbürgermeister Partsch
bereits am 22. August 2018 zugeschickt hatten, das wir jetzt - Januar 2019 - um Hinweise
ergänzt haben zu den Partnerstädten Alkmaar und Trondheim.

Den damals angefügten Vorschlag für eine Gedenktafel zur Erinnerung an die jüdischen
Opfer aller von Deutschland 1939/45 besetzten Partnerstädte Darmstadts formulieren wir neu.

Hintergrund:

Wir hatten in der Veranstaltung der Geschichtswerkstatt „Die Vernichtung der Jüdischen
Gemeinde von Liepäja“ (7 Juni 2018) dem Magistrat der Stadt vorgeschlagen, mit einer
Gedenktafel an die von der deutschen Besatzung 1941/1945 vernichtete Jüdische Gemeinde
Liepäjas zu erinnern.

An diesem Vorschlag halten wir fest, möchten ihn jedoch erweitern, weil nicht nur in der
Partnerstadt Liepäja, sondern auch in den anderen, im Zweiten Weltkrieg von
Nazideutschland besetzten, heutigen Partnerstädten - neben Liepäja: Plock (Polen),
Uzhorod (heute Ukraine), Szeged (Ungarn), Brescia (Italien), Troyes (Frankreich),
Alkmaar (Niederlande), Trondheim (Norwegen) - Juden, ja, ganze jüdische Gemeinden
vernichtet worden sind. So unerlässlich es aus unserer Sicht bleibt, gerade an die Auslöschung
der jüdischen Gemeinde von Liepäja zu erinnern, so unvollständig bliebe dies, wenn die Stadt
Darmstadt nicht auch an das schwere Unrecht erinnern würde, das von der deutschen
Besatzung den genannten anderen jüdischen Gemeinden angetan worden ist. Das beigefügte
Informationspapier nennt hierzu die wichtigsten Daten mit Quellen.

Die Geschichtswerkstatt hatte im August 2018 keine Kenntnis davon, dass die
Stadtversammlung wenige Tage später einen umfassenden Beschluss fassen würde, der -
soweit wir wissen — die Errichtung eines Denkmals zur Erinnerung an die jüdische Gemeinde
Liepäjas zum Ziel hat.

Unabhängig von der Zielsetzung dieses Vorschlags der Stadtverordnetenversammlung, der
sich auf die Partnerstadt Liepäja konzentriert, regen wir an, in der Beratung des Arbeitskreises
dem Magistrat zunächst zu empfehlen, mit einer einfach gehaltenen Gedenktafel an die
jüdischen Opfer der deutschen Besatzung in den betroffenen Partnerstädten zu erinnern.

Darmstadt, den 22. Januar 2019
Für den Vorstand der Geschichtswerkstatt:
Hanni Skroblies Christoph Jetter Bermhard Schütz

Anlage: Informationspapier

Darmstädter Geschichtswerkstatt e.V. Darmstadt, 22. August 2018
ergänzt am 22. Januar 2019

Informationspapier

Übersicht zur Vernichtung der Jüdischen Gemeinden in den Partnerstädten
Darmstadts, die 1939/1945 von Nazideutschland besetzt waren.

(Auf der Grundlage einer Notiz für OB Jochen Partsch vom 22. August 2018, ergänzt im
Januar 2019 um Informationen zu Alkmaar und Trondheim.)

Opferzahlen zu den Partnerstädten Darmstadts während deutscher Besatzung 1939/45

1. Liepäja (Lettland):

Liepäja hatte 1939 über 57.100 Einwohner, unter ihnen ca. 6.000 Juden. Fast die gesamte
Jüdische Bevölkerung fiel zwischen 1941 und 1945 Mordaktionen zum Opfer, die von den in
der eroberten Stadt verantwortlichen Wehrmachts- und SS-Befehlshabern angeordnet und -
mit Unterstützung lettischer Hilfstruppen - ausgeführt worden sind. Darüber hinaus wurden
ungefähr 3.000 sowjetische Kriegsgefangene, lettische Gegner der Nazi-Okkupation sowie
Roma und behinderte Menschen ermordet. Nicht allein die große Gedenkstätte am Strand von
Skäde, 15 Kilometer von Liepäja entfernt, wo über 5.000 Menschen den Massenmorden zum
Opfer gefallen sind, auch zahlreiche Gedenksteine und -tafeln im Stadtgebiet Liepäjas
erinnern an die Taten von damals.

(Quelle: Manuskript Geschichtswerkstatt zur Veranstaltung am 7. Juni 2018 unter
http://www.darmstaedter-geschichtswerkstatt.de/aktuelles/neue-artikelpage-3/)

2. Plock (Polen):

Im Beitrag von Abraham Wein (hrsg. von Yad Vashem) werden die Verfolgungsereignisse in
Ptock ausführlich geschildert. Ende 1939/Anfang 1940 waren insgesamt ca. 10.000 Juden aus
Plock und Umgebung im Ghetto inhaftiert; sie wurden in mehreren Schritten Ende
Februar/Anfang März 1940 in zahlreiche andere Städte Polens deportiert (u.a. Kielce). Fast
alle starben im Vernichtungslager Treblinka.

(Quelle: hup://www.zchor.org/plock/pl5.him)

3. UZhorod (Ukraine):

In den 1930er Jahren wohnten ca. 7.300 Juden in U%horod, ein Drittel der Einwohnerschaft.
U2horod wurde 1939 nach dem Münchner Abkommen ungarisch — 1939/40 wurden alle
Juden mit polnischer und tschechoslowakischer Staatsangehörigkeit nach Polen ausgewiesen
(Polen war bereits von Deutschland besetzt). Die jüngeren Juden wurden später zur
Zwangsarbeit an der russischen Front eingesetzt (keine Rückkehr) - im April 1944 wurden
die Juden der Stadt und der Region (25.000 Personen) zunächst in einem Ghetto am Stadtrand
inhaftiert, dann nach Auschwitz deportiert.

(Quelle: hups://www.jewishvirtuallibrary.org/uzhgorod)

4. Szeged (Ungarn):

Von über 4.000 jüdischen Einwohnern (1941) wurden nach der deutschen Besetzung 1944
über 3.000 nach Auschwitz deportiert. Eine große Zahl wurde (irrtümlich) nicht nach
Auschwitz, sondern zur Zwangsarbeit nach Österreich transportiert, weshalb viele von ihnen
überlebten.

(Quelle: Wolfgang Benz / Barbara Distel: Der Ort des Terrors, Geschichte der
nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 9, Arbeitserzichungslager ...

7 wangsarbeitslager, München 2009, C.H. Beck Verlag, S. 221 ff.;
https://www.geni.com/projects/Jewish-Communities-of-Szeged-Szentes-and-Mako-
Hungary/8445)

Troyes (Frankreich)

Nach Besetzung Frankreichs (1940) Ausweisung von Ausländern und Juden aus einem

50 km-Streifen an der Kanalküste, u.a. Verbleib in einem Internierungszentrum in Troyes;

50 der Ausgewiesenen später in KZs deportiert.

Verfolgung der Juden beginnt mit drei Razzien (09.06./09.10.1942 und 27./28.01.1944), über
50 jüdische Einwohner von Troyes werden über das Durchgangslager Drancy nach Auschwitz
deportiert - Gedenktafeln an der Synagoge und auf dem jüdischen Friedhof.

1944 Erschießung von vier in Troyes inhaftierten Widerstandskämpfern (Februar) und von

49 Widerstandskämpfern im August, wenige Tage vor der Befreiung.

Deutsches Kriegsgericht in Troyes: Dutzende Todesurteile.

Deportationen in deutsche Lager (nichtjüdische und jüdische Opfer), Deportationen zur
Zwangsarbeit nach Deutschland.

(Quelle: Flermann Unterhinninghofen, Arbeitspapier 2018 zu Troyes unter deutscher
Besatzung, Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 Frankfurt e.V.)

5. Brescia (Italien)

Nach der Besetzung durch die deutsche Wehrmacht im September 1943: Erschießung von
drei Antifaschisten auf dem Zentralplatz; fast allen Angehörigen der kleinen jüdischen
Gemeinde gelang die Flucht; 23 Juden wurden verhaftet und über das Lager Fossoli in
deutsche KZs deportiert, nur zwei von ihnen haben überlebt; März 1945 Erschießung eines
Partisanenführers im Kastell; zahlreiche Erinnerungstafeln und Stolpersteine in Brescia.
(Einzelheiten auf https://www.gedenkorte-europa.ew/de_de/brescia.html)

6. Alkmaar (Niederlande)

Die ersten Deportationszüge mit Juden aus den Niederlanden überhaupt gingen von Alkmaar
aus: am 27.02., 22.05. und 22.06.1941. Alle drei Deportationen mit dem Ziel Mauthausen mit
insgesamt über 1.000 Deportierten, deren Mehrheit nicht mehr „zurückkam“.

(Quelle: http://herdenkingsstenenjoodsalkmaar.nV/deportation-jews-from-alkmaar/)

7. Trondheim (Norwegen)

Bei der Besetzung Norwegens im April 1940 hatte die jüdische Gemeinde ungefähr 275
Mitglieder. Im April 1941 wurde die Synagoge von deutschen Truppen besetzt, das Innere
zerstört, die Davidsterne der Fenster wurden durch Hakenkreuze ersetzt. Im Juni 1941 wurden
die jüdischen Männer im Norden verhaftet, in den Monaten danach wurden alle jüdischen
Geschäfte, Läden und Fabriken in Trondheim und dem Norden beschlagnahmt, viele der
Eigentümer verhaftet. Im Oktober 1942 wurden zunächst 50 Juden in Trondheim verhaftet
und in ein Lager 80 km außerhalb gebracht. Im Februar 1943 schließlich folgte für die
meisten Männer aus Trondheim, dem Norden und der Westküste die Deportation nach
Auschwitz. Nur sechs von ihnen haben überlebt.

(Quelle: https://dbs.bh.org.il/place/trondheim)

(Darmstädter Geschichtswerkstatt e.V. 2019)

Hier der Textvorschlag für eine Gedenktafel für die Opfer der deutschen Besatzung in
den 1939/45 besetzten Partnerstädten Darmstadts

Zum Gedenken an die jüdischen Opfer der deutschen Besatzung in den
Partnerstädten Darmstadts während des Zweiten Weltkriegs

Alkmaar — Brescia - Liepäja - Plock — Szeged - Troyes — Uihorod
In den Partnerstädten der Stadt Darmstadt, die während des Zweiten Weltkriegs von
Nazideutschland besetzt waren, fielen tausende Juden dem Terror und den Deportationen der

deutschen Besatzung zum Opfer. Wir gedenken ihrer in Trauer.

Der Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt

Seite 1 von2

Cornelia Artinger - Re: Arbeitskreis Gedenktafel Pattnerstädte

Von: Christoph Jetter <chjetter@t-online.de>

An: Oberbuergermeister <Oberbuergermeister@darmstadt.de>, Cornelia Artinger ...
Datum: 25.2.2019 16:51

Betreff: Re: Arbeitskreis Gedenktafel Pattnerstädte

Anlagen: Gyönk - Text fürAG (Febr 19).doc

Sehr geehrter Herr Oberbürgemeister,
sehr geehrte Damen ujnd Herren,

in der Sitzung des Arbeitskreises am 31. 01. ist offen geblieben, ob die Partnerstadt Gyönk in
die Aufzählung der Partrnerstädte Darmstadts aufgenommen werden muss, die von von
deutschen Besatzungsverbrechen während des Zweiten Weltkriegs betroffen war. Wir hatten
den Auftrag übernommen, dies nach Möglichkeit zu klären. Das näher ausgeführte Ergebnis
unserer Recherchen entnehmen Sie bitte der Anlage. Aus der Stadt Gyönk wurden zwischen
Mai und Juli 1944 nahezu 500 Juden - wir vermuten: Frauen, Männer und Kinder - nach
Auschwitz deportiert und dort ermordet. Der Name der Stadt Gyönk gehört damit in die Liste
jener Städte, über die wir bereits gesprochen bzw. deren Betroffenheit von Besatzungs- und
Deportationsverbrechen wir bereits dokumentiert haben. Hieraus ergibt sich nach unserer
Aufzeichnung der Änderungsvorschläge aus der Sitzung am 31.01. folgender Textvorschlag
für die vorgesehene Gedenktafel:

Zum Gedenken an die jüdischen Opfer der deutschen Besatzung während des Zweiten
Weltkrieges in den heutigen Partnerstädten Darmstadts

Alkmaar - Brescia - Gyönk - Liepaja - Plock - Szeged - Trondheim - Troyes - Uzhorod

Auch in diesen Städten fielen tausende Jüdinnen und Juden dem Terror und den
Deportationen der deutschen Besetzung zum Opfer. Wir gedenken ihrer in Trauer.

Der Magistrat der
Wissenschaftsstadt Darmstadt

Mit freundlichen Grüßen
Darmstädter Geschichtswerkstatt
Christoph Jetter

Am 22.01.2019 um 17:46 schrieb Christoph Jetter:

file://C:/Users/Artinger/AppData/Local/Temp/XPgrpwise/5SC741DOCZENTRAL _D... 28.02.2019

Gyönk (Ungarn)

Die vom führenden Holocaust-Forscher für Ungarn, Randolph I. Braham, herausgegebene
„Enzyklopädie des Holocaust in Ungarn“ *) berichtet, dass in Gyönk nach Beginn der
deutschen Besatzung Ungams (März 1944) die Wohnungen und Geschäfte der jüdischen
Einwohner, auch die Synagoge und der jüdische Friedhof zerstört worden sind. 495 jüdische
Einwohner Gyönks wurden im Mai 1944 zunächst in das Ghetto im nahe gelegenen Högyesz
und Anfang Juli 1944 nach Auschwitz deportiert.

Zitat aus der genannten Enzyklopädie (Übersetzung aus dem Englischen):

„Nach der deutschen Besatzung Ungurns**) erhielt der örtliche Volksbund***) die Mehrheit
in der Stadtregierung. Sie konfiszierten das jüdische Eigentum, plünderten ihre Wohnungen,
zerstörten jüdische Geschäfte, die Synagoge und den jüdischen Friedhof. Nach dem Bericht
des Präfekten des Bezirks Tolna vom 5. Mai 1944 wurden 495 Einwohner Gyönks als Juden
identifiziert. Sie wurden im Mai zusammengetrieben und am 4. Juni in das Ghetto von
Högyesz gebracht. Von dort wurden sie zum zentralen Verladebahnhof von Kaposvar
gebracht und Anfang Juli nach Auschwitz-Birkenau deportiert.“ (Braham, a.a.O. 5. 1054).

Die 495 Holocaust-Opfer aus Gyönk gehörten zu den zwischen Mai und Juli 1944
überwiegend aus den ländlichen Gebieten nach Auschwitz deportierten und dort ermordeten
ungarischen Juden, ihre Gesamtzahl betrug Mitte Julil944 über 435.000, hinzu kamen bis
zum Ende des Weltkriegs weitere 125.00 Opfer: insgesamt somit weit über 500.000.

(der Gyönk betreffende Abschnitt aus dem von Braham herausgegebenen Werk wurde der
Geschichtswerkstatt auf Anfrage von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem übermittelt.)

*) Randolph L. Braham, The Geographical Encyclopedia of the Holocaust in Hungary. Ed.
Randolph L. Braham. 2 Vol. (2013)

Anmerkungen Geschichtswerkstatt:

**) Wehrmacht und SS marschierten am 19. März 1944 in Ungarn ein. Das Sonderkommando
Eichmann teilte dass Land in 6 Zonen ein. Gyönk in Westungam gehörte zur Zone 5, in der
Mitte Mai 1944 die Deportationen begannen.

***) Der Volksbund der Deutschen in Ungam war ein 1938 gegründeter, unter Einfluss der
deutschen NS-Regierung stehender Verband der aus Deutschland stammenden
„Donauschwaben“ - Einzelheiten der von Braham genannten Beteiligung von Mitgliedern des
Volkbundes an der gewaltsamen Vertreibung der Juden aus Gyönk entziehen sich unseren
Forschungsmöglichkeiten.

Beratungsverlauf (4)

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Details

Vorlagen-Nr.
2019/0126
Typ
Magistratsvorlage
Datum
25.04.2019
Erstellt
29.09.2026 00:00