A-R/0037/2010
Vorrang für den öffentlichen Verkehr - Perspektiven für den Personenverkehr auf der Westfälischen Landeseisenbahn
KI-Zusammenfassung
Klicken Sie, um eine KI-Zusammenfassung dieses Vorgangs zu erstellen.
KI-Analyse läuft...
vergangen
Was passiert gerade?
- 📄 Dokumente werden analysiert...
- 🤔 KI denkt nach (Reasoning-Modell)...
- ✍️ Zusammenfassung wird geschrieben...
- ⏳ Das dauert etwas länger bei komplexen Dokumenten...
Dieser Vorgang kann 1-3 Minuten dauern. Bitte lassen Sie die Seite geöffnet.
Originalantrag
15047 Zeichen
Antrag an den Rat Nr. A-R/0037/2010
09.03.2010
Antrag
Korrigierte Fassung 10.03.2010
Vorrang für den öffentlichen Verkehr -
Perspektiven für den Personenverkehr auf der
Westfälischen Landeseisenbahn
Der Rat möge beschließen
1. Stadt und Stadtwerke fördern den öffentlichen Ve rkehr
(ÖV) stärker als bisher. Ziel ist es, den ÖV-Anteil am
Verkehr in der Stadt bis zum Jahr 2020 auf 15 Prozent und
den Anteil am Verkehr zwischen Stadt und Region auf 25
Prozent anzuheben.
2. Maßnahmen zur Förderung des regionalen ÖV werden
von Stadt und Stadtwerken mit den Nachbargemeinden
und den Landkreisen des Münsterlandes gemeinsam
konzipiert und durchgeführt. Kooperationen in der
Leistungserbringung sind anzustreben.
3. Die Planungen für die Reaktivierung des
Personenverkehrs auf der Westfälischen
Landeseisenbahn (WLE) werden wieder aufgenommen.
Die Verwaltung wird beauftragt, möglichst schnell e ine
Bestandsaufnahme und ein aktualisiertes Konzept fü r die
Reaktivierung der Strecke vorzulegen. Dabei solle n auch
Szenarien für die abschnittsweise Reaktivierung des
Personenverkehrs aufgezeigt werden. Darzulegen ist
ebenfalls, welche Schritte unternommen werden müsse n,
um den Güterverkehr auf dieser Strecke zu stärken.
4. Bestandteil des Konzepts sollen auch Modelle zur
Finanzierung der Investitionen und des Betriebs und
Vorschläge sein, wie die Aufgaben bei der
Wiederinbetriebnahme zwischen Stadt, Stadtwerken, d en
Zweckverbänden, der WLE sowie den beteiligten
Gebietskörperschaften verteilt werden können.
5. Das Konzept wird in enger Abstimmung mit der WLE -
Gesellschaft, den Zweckverbänden
Schienenpersonennahverkehr Münsterland (ZVM) und
Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) sowie den Kommunen
entlang der Strecke und mit dem Kreis Warendorf
erarbeitet.
Begründung
:
1. Vorrang für den Öffentlichen Verkehr!
Auch nach neueren Berichten der Verwaltung (1. Zwis chenbericht
zum Verkehrsentwicklungsplan 2025) nimmt der ÖV in Münster
2
nicht mehr als eine Nischenfunktion ein. Nur knapp 11 Prozent aller Wege werden in
Münster täglich mit dem Bus oder mit der Eisenbahn zurückgelegt:
Abb. 1: Personenverkehr in Münster 1982 – 2008
Quelle: eigene Berechnungen
Im Umweltverbund der Verkehrsmittel nimmt der ÖV nu r den dritten Platz ein. Dass
Münster gleichwohl im Vergleich mit anderen Städten an der Spitze des
umweltfreundlichen Verkehrs steht, liegt am Radverk ehr, der in Münster inzwischen
sogar den PKW-Verkehr abgehängt hat. Der ÖV ist dag egen in Münster wesentlich
schwächer als in Hochburgen des ÖV wie Nürnberg oder Freiburg, in denen Bus&Bahn
mehr als 20 Prozent erreichen. Die Fahrgastzahlen s tagnieren und nehmen in letzter
Zeit sogar ab: Im Jahr 2009 verzeichneten die Stadt werke nach eigenen Angaben rd. 1
Mio. Fahrgäste weniger als im Jahr zuvor
Nachteilig für die Stadt ist vor allem der geringe und trotz nomineller
Fahrgastzuwächse beständig sinkende Anteil des ÖV i m Pendlerverkehr. Nur 19
Prozent der Pendler benutzen heute Bus & Bahn. Über 80 Prozent aller Wege
zwischen Stadt und Umland werden mit PKW zurückgelegt. 1982 lag der Anteil des ÖV
noch bei 23 Prozent. Das hat Folgen, vor allem für das Klima. Zwar umfasst der
regionale Verkehr nur rd. ein Viertel des Gesamtver kehrs, er produziert aber
gleichzeitig fast 40 Prozent des verkehrsbedingten C02:
CO2-Produktion durch Personenverkehr in Münster 1990-2005
134
91
138
95
151
101
159
104
0
50
100
150
200
250
300
1990 1995 2000 2005
Binnenverkehr
Regionalverkehr
157
435
151
440
151
431
147
409
0
100
200
300
400
500
600
1990 1995 2000 2005
Binnenverkehr
Regionalverkehr
Verkehrsmenge
Mio. Wege im Jahr
CO2 Emissionen
1000 t im Jahr
Abb. 2: Co2-Produktion durch Personenverkehr in Münster 1990 – 2005
Quelle: eigene Berechnungen
0
10
20
30
40
50
60
70
1982 1990 1994 2001 2008
PKW
Rad
ÖPNV
Fuß
UWV
3
Vor allem diesem Umstand ist es zu verdanken, dass der Verkehr in Münster für rd. 30
Prozent der Co2-Emissionen verantwortlich ist. Auch die Auswirkungen der täglichen
Blechlawinen des Pendlerverkehrs auf die Luftqualit ät (Feinstaub), auf die
Wohnqualität, insbesondere entlang der Radilastraße n (Lärm) und auf die
städtebauliche Situation (z. B. die Zerschneidungsw irkung der „Rollbahnen“) sind
gravierend.
Die Schwäche des ÖV liegt weniger am Busverkehr als am Schienenverkehr. Dank
beharrlicher Förderung durch die Stadt, die Stadtwe rke und die Region konnte der
Busverkehr in den 1990er Jahren seinen Anteil am Ve rkehr in der Stadt fast
verdoppeln. Viele neue Kunden brachten vor allem di e Schnellbuslinien, die Münster
mit den nicht an das Netz der Eisenbahn angeschloss enen Städten verbinden. Der
Schienenverkehr blieb demgegenüber deutlich zurück. Hier sind, wie das nächste
Schaubild zeigt, sowohl bei den Fahrgästen als auch bei den Angeboten nur moderate
Zuwächse zu verzeichnen:
Abb. 3: Zugleistung und Fahrgastzahlen im SV im Münsterland 1986 – 2008
Leistungen 1982 1990 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2007/8
Fahrgastzahlen 46 59 53 57 60 66 70 75 71
in 1.000 pro Tag
Zugleistungen 6,5 7,8 8,2 8,2 8,8 8,8 8,8 9,2
in Mio. Zug-km
Anteil ÖV in % 23 21 19
Quelle: Angaben NWL, ZVM sowie Stadt MS
Real, also unter Einschluss der allgemeinen Steiger ung der Mobilität, nimmt die
Nutzung der Eisenbahn im regionalen Verkehr jedoch deutlich ab. Dies ist umso
bedauerlicher, als die Schiene mit acht regionalen Strecken von und nach Münster
über jede Menge Potential verfügt. Potential, das aber nicht genutzt wird:
o Der Personenverkehr auf der Strecke der WLE von Mü nster nach
Wolbeck und Sendenhorst nach Neubeckum wurde Ende d er 1970er
Jahre komplett eingestellt;
o Haltepunkte entlang bestehender Strecken der DB in Roxel, in
Mecklenbeck, in Handorf, bei Berg Fidel und in Kind erhaus wurden
geschlossen;
o Der Hauptbahnhof wurde von der DB AG schlecht unte rhalten und
jahrzehntelang nicht mehr modernisiert. Sein Zustan d ist inzwischen
eine Zumutung für Fahrgäste;
o Die auch für den Fernverkehr wichtige eingleisige Strecke von Münster
über Lünen nach Dortmund leidet unter Kapazitätspro blemen. Abhilfe
durch den Bau eines zweiten Gleises ist noch nicht in Sicht;
Die im Jahr 2009 endlich begonnene Erneuerung der „ Verkehrsstation“ im
Hauptbahnhof ist ein wichtiger aber gleichzeitig nu r ein erster und noch zögerlicher
Schritt hin zu einer innerstädtischen Drehscheibe für den Verkehr.
4
Das städtische und regionale Verkehrssystem der Zuk unft besteht in der Kombination
aus Fußgängerverkehr, Radfahren und ÖV. Bei den inn erstädtischen Verbindungen
muss die Verkehrspolitik auf RadfahrerInnen und Fuß gängerInnen setzen, im
regionalen Verkehr gebührt dem ÖV der Vorrang.
Die Weichen für mehr ÖV müssen möglichst bald geste llt werden. Ziel sollte es sein,
den Anteil des ÖV am Stadtverkehr in Münster so sch nell als möglich von heute knapp
11 Prozent auf 15 Prozent zu heben und die Benutzun g von Bus und Bahn im
Pendlerverkehr von 19 Prozent auf 25 Prozent zu ste igern. Gelingt dies, dann könnten
die Verkehrsmittel des Umweltverbundes in Münster einen Anteil von 64 Prozent auf
75 Prozent gesteigert werden. Das wäre ein wichtige r Beitrag zum Klimaschutz, zur
Lebens- und Wohnqualität in unserer Stadt und zur E rreichbarkeit von Wirtschaft und
Arbeitsplätzen.
2. Ausbau des ÖV ist Gemeinschaftsaufgabe mit der R egion
Aufgabenträger für den ÖV im städtischen und region alen Rahmen sind in NRW die
Landkreise und die kreisfreien Städte. Regionaler V erkehr muss deshalb als regionale
Gemeinschaftsaufgabe organisiert werden. Der schien engebundene Regionalverkehr
wird durch die Zweckverbände betreut. Für Münster u nd das Münsterland sind dies der
Zweckverband Münsterland (ZVM) sowie der übergeordn ete Zweckverband
Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL).
Münster als Oberzentrum im westfälischen Raum und a ls Ziel täglicher
Pendlerverkehre kann den ÖV nur dann wirksam förder n, wenn die Kreise des
Münsterlandes und der ZVM sowie der NWL dabei mithe lfen. Die Initiative dazu sollte
allerdings von der Stadt Münster ausgehen.
Ein Beispiel für die notwendige Kooperation mit den Städten des Umlandes sind die
P+R-Plätze. Die am Rande der Innenstadt angelegten Plätze (Weseler Straße,
Albersloher Weg etc.) sind erfahrungsgemäß zu klein und falsch platziert, um Wirkung
zu erzielen. Erfolgreich sind P+R-Plätze vor allem dann, wenn sie am Beginn der
Pendlerstrecken liegen, also in den Gemeinden, in d enen der Verkehr morgens startet.
Daraus folgt, dass die Stadt Münster gut daran täte , den Bau von Pendlerparkplätzen
im Umland mit zu finanzieren und auf weitere Parkpl ätze am Rand und Parkhäuser in
der Innenstadt zu verzichten.
Ein Zeichen für die Bereitschaft, den regionalen ÖV auch finanziell zu unterstützen,
sind die 600.000,- € die Münster jährlich für den R egionalverkehr mit Bussen freiwillig
zur Verfügung stellt.
3. Perspektiven für die WLE-Reaktivierung - Modellm aßnahme für die
Stärkung des Verkehrs auf der Schiene
An der Verkehrsgunst der WLE-Strecke vom Hauptbahn hof nach Neubeckum besteht
kein Zweifel. Der südöstliche Korridor gehört zu de n wichtigen Pendlerverbindungen
Münsters mit der Region. Ein von der WLE und dem ZV M Ende der 1990er Jahre
erstelltes Gutachten prognostizierte für einen 20- bis 60-minütigen Taktfahrplan auf der
WLE folgende Fahrgastzahlen:
5
Strecke Werktägliche Zahl der Fahrgäste (Taktzeiten)
MS Hbf – Wolbeck 4.300 (20 min-Takt)
MS-Hbf – Sendenhorst/Neubeckum 1.800 (30/60 min-Takt)
Zusammen: 6.100
Quelle: Untersuchung zur Reaktivierung des Schiene npersonennahverkehrs auf der
Westfälischen Landeseisenbahn zwischen Münster und Neubeckum, ZVM/WLE (Hrsg.)
Trotz dieser guten Werte, der damit zu erwartenden Entlastung von Ortsdurchfahrten
vom Kfz-Verkehr und der Bereitschaft der damaligen Landesregierung, die
Wiederinbetriebnahme des Personenverkehrs finanziell zu unterstützen, ist das Projekt
nicht weiter vorangekommen. Die technischen Rahmenb edingungen für die
Wiederinbetriebnahme des Personenverkehrs haben sic h sogar verschlechtert. Die
WLE betreibt die Strecke von Münster nach Neubeckum bereits seit mehreren Jahren
nur noch im sog. Auslaufbetrieb. Das bedeutet, dass an Schienen und Anlagen keine
aktive Unterhaltung mehr stattfindet. Es droht soga r die Stilllegung der Strecke wegen
fortschreitendem Verfall. Höchste Zeit also, um den Erhalt und den Ausbau der Strecke
zu sichern.
Auf der anderen Seite hat sich die Siedlungsstruktu r entlang der Strecke durch die
Maßnahmen der Stadt unter dem Stichwort „Südschiene“ enorm verändert:
der Entwicklungsschwerpunkt Hafen/Halle Münsterlan d boomt,
die Zahl der Arbeitsplätze im Gewerbepark Loddenhe ide wächst,
neue große Wohngebiete in Gremmendorf (-Delstrup) und in
Wolbeck (-Nord) sind entstanden bzw. im Bau,
perspektivisch kann nach dem Abzug der britischen Soldaten
aus Gremmendorf ein weiterer Entwicklungsschwerpunkt entlang
der WLE entstehen.
Das Potential der Strecke für den Personenverkehr h at damit erheblich zugenommen.
Das gilt ebenso für die Weiterführung der Strecke, denn auch in Albersloh und in
Sendenhorst sind größere Baugebiete in Schienennähe entstanden.
4. Sachstandsbericht und Konzept
Um über die Reaktivierung der Strecke für den Personenverkehr baldmöglichst beraten
und um konkrete Planungen beginnen zu können, müsse n zunächst die heute zu
beachtenden Rahmenbedingungen deutlich gemacht werd en. Ein Bericht der
Verwaltung soll sich vor allem zu folgenden Fragen äußern:
o Gegenwärtige wirtschaftliche, technische und recht liche Situation der
Strecke;
o Einordnung der Stecke und des Projektes in Verkehr sentwicklungspläne
des Landes NRW, in Planungen der Aufgabenträger des öffentlichen
Verkehrs und in die des ZVM, des NWL sowie in die r äumliche und die
Bauleitplanung der Gebietskörperschaften entlang der Strecke;
o Einbindung der Strecke in den Hbf in Münster (Sich erung Gleis 21),
Abstimmung mit der begonnenen Erneuerung der Verkehrsstation.
6
Zudem müssen die bisherigen Planungen aktualisiert und an veränderte Bedingungen
angepasst werden. Ein Konzept soll zeitnah erarbeit et werden und auf folgende
Aspekte eingehen:
o Möglichkeiten für eine abschnittsweise Wiederaufna hme des
Verkehrs von MS-Hbf bis MS-Wolbeck (1. Stufe), bis Sendenhorst
(2. Stufe) und bis Neubeckum (3. Stufe);
o Bisherige Verkehrsentwicklung und Prognose des
Verkehrsaufkommens entlang der Strecke;
o Abschätzung des (jeweiligen) Fahrgastaufkommens in Abhängigkeit
von unterschiedlichen Betriebsmodellen, Auswirkunge n auf den
Modal-Split entlang der Strecke;
o Einmalige Kosten der Wiederinbetriebnahme der Stre cke,
städtebaulicher Begleitmaßnahmen (P+R, Lärmschutz e tc.),
laufende Kosten und Einnahmen des Betriebs, Kostene rsparnis
durch Wegfall von Parallelverkehren (Bus), Finanzie rungsquellen,
Einwerbung von Fördermitteln;
o Zeit- und Maßnahmeplan für die Vorbereitungen zur
Wiederinbetriebnahme der Strecke („Meilensteine“).
Nicht vergessen werden darf in dem Bericht die Bede utung der Strecke für den
Güterverkehr und für den sicheren Transport von Gef ahrgütern (z. B. Sauerstoffwerk in
Gremmendorf). Die Schritte, die möglich sind, um di e Nutzung der Strecke für den
Gütertransport zu steigern, sollen dargestellt werden.
Darzulegen ist von der Verwaltung auch, welche Mode lle der Aufgabenverteilung
zwischen Stadt, Stadtwerken, ZVM, NWL, der WLE sowi e den Gebietskörperschaften
für die Wiederinbetriebnahme der Strecke für den Pe rsonenverkehr in Frage kommen.
Dabei muss auch die gesellschaftsrechtliche Neustru kturierung der WLE berücksichtigt
werden, die durch den angekündigten Verkauf der Ant eile des Landschaftsverbandes
Westfalen-Lippe erforderlich wird.
Nahziel dieser Initiative ist es, im NWL einen Antr ag zur Aufnahme von Planungen zur
Reaktivierung der WLE erfolgreich zu stellen
Die regionale Bedeutung des Vorhabens macht es sinn voll, von Anfang an die
Aufgabenträger sowie Gemeinden im Einzugsbereich der Strecke zu beteiligen.
gez. H. Klas
GAL-Fraktion
gez. W. Heuer
SPD-Fraktion
gez. Köhn
Fraktion Die
Linke
gez. G. Kersting
Ratsgruppe
UWG/ÖDP
gez. M. Langenfeld
Piraten
Beratungsverlauf (1)
Orte (3)
- Weseler Straße
- Albersloher Weg
- Delstrup
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Vorlagen-Nr.
- A-R/0037/2010
- Typ
- Antrag an den Rat
- Datum
- 10.03.2010
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37