V/0407/2005
Modellprojekt "Wohnen für Hilfe"
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Beschlussvorlage
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DER OBERBÜRGERMEISTER Amt für Wohnungswesen Betrifft Modellprojekt "Wohnen für Hilfe - Wohnungspartnerschaften zwischen älteren und jungen Menschen" Beratungsfolge 02.06.2005 Ausländerbeirat Vorberatung 08.06.2005 Ausschuss für Personal, Recht und Ordnung Vorberatung 14.06.2005 Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Arbeitsförderung Vorberatung 16.06.2005 Ausschuss für Stadtplanung, Stadtentwicklung, Verkehr und Wirtschaft Vorberatung 23.06.2005 Kommission zur Förderung der Integration von Menschen mit Behinderungen Vorberatung 29.06.2005 Hauptausschuss Vorberatung 29.06.2005 Rat Entscheidung Beschlussvorschlag: Sachentscheidung: 1. Die bestehenden Angebote und Serviceleistungen zur Verbesserung der Wohn- und Le- benssituation sowohl älterer Menschen als auch der Studierenden werden um das Angebot „Wohnen für Hilfe“ ergänzt. 2. Es wird im Amt für Wohnungswesen ein/e Projektmitarbeiter/in zur Koordinierung einge- setzt. Für den Zeit vom 01.07.2005 bis 31.05.2008 wird 1,0 Stelle Vergütungsgruppe IVa Bundesangestelltentarifvertrag mit dem Vermerk „kw 31.05.2008“ eingerichtet und aus den Projektmitteln finanziert. 3. Die Konzeption für das Modellprojekt „Wohnen für Hilfe“ wird zur Kenntnis genommen. 4. Die Verwaltung legt dem Rat im IV. Quartal 2006 einen Zwischenbericht über den Verlauf des Projektes und die weiteren Perspektiven vor. Kosten/Folgekosten Es wird zur Kenntnis genommen, dass Kosten in Höhe von bis zu 232.421 € entstehen. Laut Zu- wendungsbescheid des Versorgungsamtes Düsseldorf vom 04.05.2005 fördert das Ministerium für Gesundheit und Soziales, Frauen und Familie des Landes NRW das Modellprojekt mit 185.621 € Vorlagen-Nr.: V/0407/2005 Auskunft erteilt: Frau Regenitter Ruf: 492 64 00 E-Mail: RegenitG@stadt-muenster.de Datum: 17.05.2005 Öffentliche Beschlussvorlage - 2 - (80 % der Gesamtkosten). Der städtische Eigenanteil in Höhe von bis zu 46.800 € (20 % der Ge- samtkosten) wird aus dem Budget des Amtes für Wohnungswesen ohne Mehrbelastung für den Etat finanziert. Finanzierung/Mittelbereitstellung Die oben genannte Sachentscheidung ist wie folgt zu finanzieren: Einnahmen Haush.- stelle Bezeichnung Haush.- jahr Betrag € Bemerkung 2005 35.775 2006 61.769 2007 62.150 6200.171.1000.3 Zuwendung des Landes Nordrhein-Westfalen 2008 25.927 Außerplanmäßige Mittelbereitstellung . Insgesamt: 185.621 Ausgaben Haush.- Betrag Haush.- stelle Bezeichnung jahr € Bemerkung 2005 35.775 2006 61.769 2007 62.150 6200.590.1000.0 Ausgaben Projekt "Wohnen für Hilfe" 2008 25.927 Außerplanmäßige Mittelbereitstellung Insgesamt: 185.621 Befristung Der Zeitraum für die Durchführung des Modellprojektes „Wohnen für Hilfe“ ist befristet bis zum 31.05.2008. Begründung: 1. Konzept des Projektes „Wohnen für Hilfe“ Die Idee Ältere Menschen, die über ausreichend Wohnraum verfügen und Unterstützung im Alltag brau- chen, bieten jüngeren Menschen, die über wenig Geld verfügen und bezahlbaren Wohnraum su- chen, eine Unterkunft. Das Besondere dabei ist, dass die Miete, ganz oder teilweise, nicht mit Geld, sondern in Form von Hilfsleistungen abgegolten wird. Als Faustregel gilt: eine Stunde Hilfe im Monat für einen Quadratmeter Wohnraum, zuzüglich einer finanziellen Pauschale für die anteiligen Nebenkosten (Heizung, Wasser, Strom, etc.). Hintergrund Ältere Menschen wollen so lange wie möglich selbständig leben. Viele von ihnen leben allein. Der Anteil der älteren Menschen, die in Wohnungen leben, die aufgrund des Auszugs der Kinder sowie des Tods des Partners über mehr Zimmer verfügen als sie tatsächlich noch nutzen, wird als relativ - 3 - groß eingeschätzt. Altersbedingte körperliche Einschränkungen oder Behinderungen erschweren den Alltag, Isolation und Einsamkeit sowie Ängste vor Kriminalitätsdelikten älterer Menschen kommen noch hinzu. In Ausbildung befindliche junge Menschen (Studierende, Auszubildende) sind vorrangig auf preiswerten Wohnraum angewiesen. In der Hochschulstadt Münster kommt es regelmäßig zu Be- ginn der Wintersemester zu Engpässen bei der Versorgung der Studierenden mit Wohnraum. Be- sonders betroffen sind in dieser Hinsicht junge Menschen ausländischer Herkunft oder mit Migra- tionshintergrund. Dabei bringen viele junge Menschen, die zu einer Ausbildung aus dem Ausland nach Deutschland kommen, eine Erfahrung mit, die zunehmend mehr Jugendlichen in Deutsch- land fehlt: das Aufwachsen in einer Großfamilie. Aufgrund dieser Sozialisation zeigen sich auslän- dische junge Menschen oft sehr aufgeschlossen Wohnformen gegenüber, die eine Art "Familien- anschluss" bieten. Andererseits suchen auch nicht wenig junge Deutsche - vor, neben oder nach ihrer eigentlichen Ausbildung - zunehmend nach Erfahrungen im sozialen Bereich (Freiwilliges Soziales Jahr; Zivildienst; ehrenamtliches soziales Engagement). Vorteile des Zusammenlebens von Alt und Jung Ein freiwilliges Zusammenleben zwischen älteren und jungen Menschen kann den älteren Men- schen das Sicherheitsgefühl zurückgeben, eine bestehende Isolation wird aufgebrochen. Auch aktiven älteren Menschen bringen die ganz konkreten Hilfeleistungen durch den Studierenden eine Erleichterung im Alltag. Als grundlegender Mehrwert für beide Seiten ist der Verständniszuwachs zwischen zwei Generati- onen zu sehen, optimalerweise durch die Weitergabe wichtiger Lebenserfahrungen an die jüngere Generation und das Aneignen bzw. Vertiefen sozialer Kompetenzen der jungen Generation. Die jungen Menschen profitieren darüber hinaus ganz konkret durch dieses generationenübergrei- fende Zusammenleben und den hieran angeschlossenen, vereinbarten Hilfeleistungen dem älteren Menschen gegenüber, wenn es z.B. um die Beantragung von Stipendien, die Suche nach Prakti- kumsplätzen oder später nach Arbeitsstellen geht. Das Engagement im sozialen Bereich wird mitt- lerweile in vielen Institutionen und Unternehmen anerkannt bzw. ist sogar bei manchen Stiftungen die Voraussetzung für eine Stipendiumszusage. Junge ausländische Menschen erfahren selber wiederum eine Hilfe in der (angewandten) Sprach- förderung seitens des älteren Menschen. Projektziele Das Projekt "Wohnen für Hilfe" versucht, diese o ben geschilderten, an sich ganz unterschiedlichen Bedürfnisse und Probleme zweier Generationen zu verknüpfen und einer gemeinsamen Lösung zuzuführen: indem man nach preiswerten Wohnraum suchenden jungen Menschen anbietet, gegen Hilfeleistungen für einen älteren Menschen bei diesem zu wohnen. Weitere Ziele: Das bewusste Zusammentreffen unterschiedlicher Erfahrungshorizonte und Lebensperspekti- ven kann zu einem Verständigungszuwachs zwischen zwei Generationen führen, die gerade in heutigen Gesellschaften zunehmend weniger Verbindungspunkte haben (Stichworte: "Gene- rationskonflikt"; "Krieg der Generationen"). Im Gegensatz zu einem normalen, auf finanzieller Basis beruhenden Untermietverhältnis soll sich in einer solchen Wohnpartnerschaft etwas von dem verwirklichen, was eigentlich Grundlage jeder Bürgergesellschaft ist: gelebte Solidarität, Gemeinsinn und gegenseitige Achtung - in diesem Fall zwischen zwei Generationen und ggf. sogar zwischen verschiedenen Kulturen. Es könnte eine finanzielle Entlastung im Budget der Sozialleistungen erreicht werden, da der Bedarf an Hilfe z.B. durch den Kommunalen Sozialdienst durch die Alltags-Hilfeleistungen so- wie das "Nicht-Mehr-Allein-Leben" zurückgeht. - 4 - Die älteren Menschen, insbesondere mit körperlichen Einschränkungen oder Behinderungen, erhalten konkrete Hilfestellungen im Alltag und können dadurch länger in ihrer vertrauten Umgebung leben. Junge Menschen erlernen durch das freiwillige Zusammenleben mit Menschen einer ganz an- deren Generation sehr direkt und konkret soziale Kernkompetenzen. Der Wohnungsmarkt erfährt eine Entlastung im Segment des preiswerten Wohnraums . Maßnahmen Die Stadt Münster ist in vielen Bereichen durch verschiedenartige Maßnahmen und Projekte be- reits engagiert, eine Verbesserung der Wohnraumversorgung und Lebenssituation sowohl älterer Menschen als auch der Studierenden herbeizuführen. Das Projekt "Wohnen für Hilfe" setzt hieran an, indem es in der Reihe der bereits bestehenden, ganz konkreten Beratungs- und Hilfsangeboten des Sozialamtes und des Amtes für Wohnungswe- sen für ältere Menschen, "Wohnberatung", "Wohnraumanpassung" sowie "Hilfen zum Umzug" als ein weiteres Modul etabliert werden soll. Auch die bestehende Zusammenarbeit innerhalb des vom Amt für Wohnungswesen geleiteten Runden Tisches zur Studentischen Wohnraumversorgung kann für das Projekt hilfreich genutzt werden. Das Modul sieht eine Koordinierungsstelle für die Vermittlung, Beratung und Begleitung der Wohnpartnerschaften zwischen älteren und jungen Menschen vor. In Deutschland haben bereits mehrere Städte ein derartiges Projekt realisiert (München, Freiburg, Frankfurt) oder sind derzeit in der Aufbauphase begriffen (Köln). Verfahren Es findet eine Vermittlung zwischen älteren M enschen, die Unterstützung im Alltag suchen und dafür Wohnraum zur Verfügung stellen können und wollen, und jungen, in einer Ausbildung befind- lichen Menschen, die ein soziales Interesse am Zusammenleben mit älteren Menschen haben und eine Unterkunft suchen (Bsp: 1 h Hilfe/m 2 Wohnfläche pro Monat). Folgende Aufgaben umfasst die Koordinierungsste lle, die beim Amt für Wohnungswesen ange- bunden werden soll: ♦ Sprechstunden ♦ Einwerbung von Sponsoring-Mitteln ♦ Beratung ♦ Netzwerkarbeit mit dem Studentenwerk ♦ Vermittlung ♦ Netzwerkarbeit mit den Senioreneinrichtungen ♦ Betreuung während der Mietzeit ♦ Dokumentation ♦ Interessententreffen ♦ administrative Arbeiten ♦ Öffentlichkeitsarbeit Kooperationspartner des Amtes für Wohnungswesen: Im Rahmen der Durchführung des Projektes wird die Kooperation und Vernetzung mit verschiede- nen Partnern angestrebt: Projektleitungen der "Wohnen für Hilfe" - Projekte der Städte München, Freiburg, Frankfurt sowie Köln Prof. Dr. Anne-Lotte Kreickemeier (Kontaktperson zu Homeshare International) Frau Dr. Renn, Vorsitzende der Landesseniorenvertretung NRW Runder Tisch der Senioren Lokale Seniorenvertretungen und -einrichtungen Geschäftsführung des Studentenwerks Leitung der Zentralen Studienberatung ReferentInnen der ASten von Uni und FH Runder Tisch zur Verbesserung der studentischen Wohnraumversorgung - 5 - Geschäftsführungen der Wohnungsunternehmen und des Haus- und Grundeigentümervereins Frau Prof. Bock – Rosenthal als Dozentin im Fachbereich „Pflege“ der Fachhochschule Müns- ter sowie als Ansprechpartnerin des Vereins „Generationengerechtigkeit e.V.“ 2. Finanzierung Die Verwaltung hat im Dezember 2004 mit dem Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie des Landes NRW (MGSFF) Kontakt aufgenommen und die Projektidee vorgestellt. In Ab- stimmung mit dem MGSFF stellte die Verwaltung im Februar diesen Jahres den Antrag auf Ge- währung einer Zuwendung für das Modellprojekt „Wohnen für Hilfe – Wohnpartnerschaften zwi- schen älteren und jungen Menschen“, der am 04.05.2005 positiv beschieden wurde. Laut Zuwendungsbescheid fördert das Land das Projekt mit einer Laufzeit von drei Jahren. Es stellt hierfür 185.621 € zur Verfügung (80 % der Gesamtkosten). Die Verwaltung wird als Eigenmit- tel den Arbeitsplatz, die technische Ausstattung für die Projektleitung, den Raum für die Beratungs- tätigkeit, die Post- und Fernmeldegebühren und personelle Ressourcen für die Unterstützung bei der Planung und Durchführung des Modellprojektes einbringen (20 % der Gesamtkosten). Finanziert werden die Eigenmittel aus dem Budget des Amtes für Wohnungswesen ohne Mehrbe- lastung für den Etat I.V. Dr. Klein
Beratungsverlauf (7)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: ohne Beschlussfassung geschoben
Zur SitzungDetails
- Vorlagen-Nr.
- V/0407/2005
- Typ
- Vorlage
- Datum
- 17.05.2005
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37