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A-R/0041/2012

Mediation zur Verbesserung der Bildungsteilhabe von Kindern und Jugendlichen aus neu zugewanderten Familien ¿ insbesondere aus Bulgarien und Rumänien

Antrag an den Rat 25.10.2012

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Nächste Beratung: Rat, Sitzung am 07.11.2012, TOP 37.2

Originalantrag

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Originalantrag

10105 Zeichen

Antrag an den Rat Nr. A-R/0041/2012  
 
 
25.09.2012 
 
Der Rat möge beschließen: 
Die Verwaltung der Stadt Münster möge prüfen, wie die Umsetzung der 
europaweit genutzten Maßnahme „Mediation“ für Neuzuwanderer/innen 
auch in Münster gelingen kann. Sinn dieser „Mediations-Maßnahme“ ist, 
ungleichen Bildungsbedingungen, denen neu zugewanderte Kinder und 
Jugendliche ausgesetzt sind, entgegenzuwirken. Zielgruppe sind Kinder 
im Grundschulalter aus osteuropäischen Staaten insbesondere solche aus den 
Balkanstaaten wie Bulgarien und Rumänien, aber speziell in Münster auch aus Polen. Ein 
besonderes Augenmerk soll dabei auf Angehörige von Minderheiten wie den Roma gelegt 
werden. 
Langfristiges Ziel ist die Entwicklung eines Mediationsprogramms für 
Neuzuwanderer/innen als Teil bereits bestehender Netzwerke und Hilfestrukturen in den 
Bereichen schulische und außerschulische Bildung, Kinder- und Jugendhilfe sowie 
Migration und Gleichstellung (siehe Migrationsleitbild).   
Kurzfristig soll mit folgenden Schritten begonnen werden: 
1. Mediatoren/Mediatorinnen mit z. B. bulgarischer,  rumänischer, ehemals 
jugoslawischer oder auch polnischer Vorgeschichte – darunter insbesondere 
Angehörige der nationalen Minderheiten wie der Roma, die die Sprache der 
betroffenen Kinder und Jugendlichen sprechen, werden von der Stadt (oder einem 
freien Träger) für das Projekt verpflichtet. 
2. Das Mediationsvorhaben wird für ein Jahr an ausg ewählten Grundschulen bzw. mit 
den dort arbeitenden Lehrern/Lehrerinnen, den Eltern und den Schüler/innen 
durchgeführt und getestet. Es ist damit eine Ergänzung zur bereits bestehenden 
Schulsozialarbeit. 
3. Es wird zunächst befristet auf zwei Jahre ein Pr ojekt aufgelegt, dass den 
Handlungsbedarf und ein entsprechendes auf Münster zugeschnittenes 
praxisgestütztes Handlungskonzept ermittelt. 
4. Die Stadt fördert aktiv die Qualifizierung von interkulturell arbeitenden 
Mediatoren/innen, damit sie die Kommunikation und die Zusammenarbeit zwischen 
der Grundschule und den Kindern und Eltern effektiv fördern können.  
Begründung : 
Seit 2007 migrieren vermehrt Menschen aus den EU-Staaten Bulgarien und Rumänien in 
westeuropäische Länder (EU Beitritt von Polen 2004), so auch nach Deutschland und nach 
Münster; diese Migration wird 2014 mit vollständiger Arbeitnehmerfreizügigkeit weiter 
zunehmen (offener Arbeitsmarkt für Polen ab Mai 2011). Auch die Visa-Liberalisierung für 
die Balkanstaaten Serbien, Mazedonien, Bosnien und Herzegowina u. a. wird Migration 
Bündnis 90/Die Grünen/GAL 
Ratsfraktion Münster 
 
Windthorststr. 7 
48143 Münster 
 
Fon: 0251 / 8 99 58 10 
Fax: 0251 / 8 99 58 15 
ratsfraktion@ gruene-muenster.de 
www.gruene-muenster.de 
Antrag  
„Mediation zur Verbesserung der 
Bildungsteilhabe von Kindern und 
Jugendlichen aus neu zugewanderten 
Familien – insbesondere aus Bulgarien 
und Rumänien“

2
 
 
verändern und möglicherweise verstärken. Unter den Neuzuwanderern sind Angehörige 
der nationalen Minderheit der Roma, die in ihren Heimatländern besonders auf dem Balkan 
weit mehr als in Deutschland restriktiven Bedingungen unterworfen und Diskriminierung 
und rassistischer Gewalt ausgesetzt sind. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 
gehörten viele Roma zu den ersten, die ihre Arbeit verloren und den Prozess des sozialen 
Abstiegs durchliefen. In Westeuropa haben sie zudem die Chance, ohne die Zuschreibung 
z. B. als „Roma“ als Rumänen oder Bulgarinnen wahrgenommen zu werden.  
Gleichzeitig hat die Europäische Kommission (2011) in dem EU-Rahmen für nationale 
Strategien zur Integration der Roma bis 2020 1 der spezifischen Situation als Minderheit 
Rechnung getragen. In allen EU-Ländern ist die Bildungsbeteiligung der Kinder und 
Jugendlichen aus Roma-Familien besonders niedrig. Auch in Münster ist die Verweisung 
von neu zugewanderten Kindern aus Rumänien und Bulgarien sowie weiteren 
Balkanstaaten in die Förderschule überdurchschnittlich hoch; Lehrer/innen sind über die 
Sprachen und Migrationsgeschichten ihrer Kinder nicht informiert und Vorurteile sind im 
schulischen Kontext weit verbreitet; Eltern stehen öffentlichen Institutionen oft skeptisch 
gegenüber, was voreilig ausschließlich als Bildungsdesinteresse interpretiert wird u. s. w. 
Ein immer wieder genanntes Beispiel ist die Klage der Lehrkräfte, dass die bulgarischen, 
rumänischen, serbischen … Kinder ihre Bildungschanc en durch hohe Fehlzeiten 
gefährden. Durch die Vermittlung von Mediatoren/innen (auch Vermittler, Kulturmittlerinnen 
o.ä. genannt) kann es gelingen, dass Lehrkräfte die Gründe für das Fehlen ihrer 
Schüler/innen verstehen und entsprechend darauf reagieren können. 2  
Solche und andere Probleme fordern qualifizierte pädagogische Aufmerksamkeit statt 
Ausgrenzung. Auch eine Übersensibilität in Hinblick auf kulturelle Differenzen, die 
alltägliche Streitigkeiten in der Schule von vornherein in einen kulturellen Zusammenhang 
stellt, ist hier eher hinderlich. Das Aufgabenprofil der Mediatoren/innen ist nach bisherigen 
Erfahrungen vielfältig und schließt oft auch Beratungstätigkeiten ein, die über die reine 
Mediation hinausgehen. Es muss für Münster spezifisch entwickelt werden. In jedem Fall 
stehen Mediatoren als Ansprechpartner/innen für alle Beteiligten (Lehrkräfte, 
Schulsozialarbeiter/innen, Kinder, Eltern) zur Verfügung, vermitteln bei Konflikten und 
schaffen Sensibilität bei der Lehrer- und Schülerschaft für diskriminierende Situationen. 
Das europäische Trainingsprogramm für Roma-Mediatoren (ROMED) 3 ist ein Baustein 
nationaler und kommunaler Anstrengungen, die Bildungsbeteiligung der Neuzuwanderer 
zu verbessern; ein ähnliches Trainingsprogramm wurde bereits erfolgreich in Kommunen 
wie Berlin 4 getestet. Für Münster wird empfohlen, die bislang gewonnenen Erkenntnisse 
von Kommunen (auch in NRW wie in Dortmund) mit solchen Mediatorenprogrammen zu 
nutzen und für die eigenen Bedarfe anzupassen. Auch sollte das Mediationsangebot für 
alle neu zugewanderten Schüler/innen, die sich angesprochen fühlen, offen sein und sich 
                                                 
1Europäische Kommission 2011 (April): Mitteilung der Kommission an das Europäische 
Parlament,den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der 
Regionen: EU-Rahmen für nationale Strategien zur Integration der Roma bis 2020, Brüssel (KOM 
2011, 173) 
2Vgl. u.a. RAA Regionale Arbeitsstellen zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus 
Zuwandererfamilien/ Bezirksregierung Arnsberg Hg. 2011: Begegnung und Verständigung – Sinti 
und Roma in NRW. Schulische und schulbegleitende Förderung und Initiativen für Kinder aus Sinti- 
und Roma-Familien, Arnsberg und Essen, S. 54 (pdf-Datei: www.sintiundroma-nrw.de ; 
www.ente.nu ; www.raa.de )
3ROMED Das Europäische Trainingsprogramm für Roma-Mediatoren. Eine gemeinsame Aktion des 
Europarats und der Europäischen Kommission. www.coe.int/rom 
4Roma-Mediatoren-Projekt der RAA Berlin: http://www.raa-berlin.de/RAASeiten/RAAWedding1.html

3
 
 
auf keinen Fall  nur an Roma richten, um Sonderstellungen zu vermeiden! Ein fundiertes 
Mediationsprogramm kann perspektivisch auch auf alle Schultypen, Kitas und sonstige 
Ausbildungsgänge ausgeweitet werden. 
Zu den kurzfristigen Schritten. 
1. Die bereits evaluierten Erfahrungen mit Mediatio nsprogrammen für eine gelungene 
Kommunikation zwischen öffentlicher Institution (hier Grundschule und ihren 
Lehrerinnen und Schulsozialarbeitern) und den neu zugewanderten Familien (den 
Eltern und Kindern der entsprechenden Communities) zeigen, dass zum einen 
Mediatoren/innen gewonnen werden sollten, die den gleichen oder einen ähnlichen 
sozial-kulturellen Hintergrund haben wie die Neuzuwanderer/innen. Sie sollten 
Bulgarisch, Rumänisch, Serbisch oder Polnisch und möglichst auch einen oder 
mehrere Romanes-Dialekte sprechen. Zum anderen sollten die Mediatoren/innen 
bei der Stadt (oder bei einem freien Träger) angestellt sein, um unparteiischer 
zwischen Schule und Familie vermitteln zu können.  
2. Um zügig zu beginnen wird vorgeschlagen, mit Med iation an der Grundschule zu 
beginnen 
5. Hier entscheidet sich für viele Kinder, ob ihre Bildungskarriere 
erfolgreich ist oder frühzeitig z.B. durch die Verweisung in die Förderschule mit 
Schwerpunkt Lernen ausgebremst wird. Ähnlich wie schon in anderen Städten 
könnten mit zwei oder drei interessierten Grundschulen mit Integrationsklassen für 
zugewanderte Kinder Kooperationen angebahnt werden. Sobald wie möglich 
können weitere Kooperationen (z. B. mit der Geistschule, die die einzigen 
Auffangklassen für ältere Schüler/innen bereit hält), aber auch mit Kitas oder 
Ausbildungsträgern (z. B. JAZ) angebahnt werden.  
3. Anzustreben sind feste und keine Projekt-Stellen . Doch um zugleich zu starten und 
Erfahrungen zu sammeln, sind für die ersten beiden Jahre auch Honorarverträge 
möglich.  
4. Bisherige Mediationsprogramme waren nur erfolgre ich, wenn die Mediatoren/innen 
begleitend qualifiziert wurden – z.B. ähnlich wie die Fortbildung durch das ca. 
sechsmonatige menschenrechtsbasierte interkulturelle Trainingsprogramm des 
Europarats ROMED, das flexibel den unterschiedlichen lokalen Bedarfen 
angepasst werden kann. Auch die Städte Berlin und Hamburg haben bereits 
Erfahrungen mit Qualifizierungsmaßnahmen gemacht. Diese Maßnahmen sollten 
von der Stadt Münster für ihre Mediatoren/innen je nach deren 
Bildungsvoraussetzungen genutzt werden. Eine solche Qualifikation hilft 
verhindern, dass der Mediator/die Mediatorin weder als Instrument der Institution 
Schule, noch als Vertreterin der Roma-Familien, die für die Rechte der Roma 
gegen die Institution kämpft, vereinnahmt werden. Vielmehr geht es darum, beide 
Seiten zu motivieren, Verantwortung zu übernehmen und sich aktiv am 
Veränderungsprozess zu beteiligen.  
Brigitte Hasenjürgen 
und Fraktion 
                                                 
5Hier kann hervorragend auch mit dem bestehenden Projekt zur Sprachförderung von 
Grundschulkindern mit Zuwanderungsgeschichte „Chancen der Vielfalt nutzen“ kooperiert werden 

Beratungsverlauf (1)

07.11.2012 Rat
TOP 37.2 Antrag Entscheidung

Beschluss: verwiesen

Zur Sitzung

Orte (1)

  • Windthorststraße 7

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Details

Vorlagen-Nr.
A-R/0041/2012
Typ
Antrag an den Rat
Datum
25.10.2012
Erstellt
06.10.2020 14:37