3177/2017
Bericht zur fachärztlichen und sozialen Beratung in den Gemeinschafts- und Notunterkünften der Stadt Köln 2017
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Mitteilung Ausschuss
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle V/53/530/1 Vorlagen-Nummer 25.10.2017 3177/2017 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Gesundheitsausschuss 07.11.2017 Jugendhilfeausschuss 07.11.2017 Ausschuss Soziales und Senioren 09.11.2017 Bericht zur fachärztlichen und sozialen Beratung in den Gemeinschafts- und Notunterkünften der Stadt Köln 2017 Die Verwaltung hat den Gesundheitsausschuss, den Jugendhilfeausschuss und den Ausschuss für Soziales und Senioren mit Mitteilung 3884/2016 darüber informiert, dass das eigentlich bis zum 30.09.2016 befristete Projekt zur „Fachärztlichen Beratung in Gemeinschaftsunterkünften für Geflüch- tete“ mit der dafür notwendigen Personalkapazität fortgeführt werden kann. Als Anlage ist nun der aktuelle „Bericht zur fachärztlichen und sozialen Beratung in den Gemein- schafts- und Notunterkünften der Stadt Köln 2017“ beigefügt. gez. Dr. Rau
Anlage: Bericht zur fachärztlichen und sozialen Beratung in den Gemeinschafts- und Notunterkünften der Stadt Köln 2017
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1 Bericht zur fachärztlichen und soziale Beratung in den Gemeinschafts-und Notunterkünften der Stadt Köln 2017 2 Im Sommer 2016 zeigte sich bei 53 eine stark steigende Anzahl von Beratungs- und Unterstützungsanfragen bei den Frühen Hilfen aus Flüchtlingsunterkünften. Zusätzlich fielen bei den Besuchen der Unterkünfte, die aus den unterschiedlichsten Gründen durchgeführt wurden, Bewohnerinnen und Bewohner mit komplexen medizinischen Problemen auf. Aus den im Vergleich zu 2015 um das 4fache gestiegenen Begutachtungsaufträgen von 56 (siehe Grafik 1) gingen diese Probleme nicht hervor. Anzahl der Begutachtungsaufträge durch das Wohnungsamt hinsichtlich der Notwendigkeit der Veränderung der Wohnsituation aus gesundheitlichen Gründen im Zeitraum 2012 – 2016 Grafik 1 Hinzu kamen viele Anfragen aus der Politik, von Ehrenamtlichen oder anderen städtischen Dienststellen zu den Themen Schutz und medizinische Versorgung in den Notfall- und Gemeinschaftsunterkünften für Flüchtlinge. Es wurde ersichtlich, dass nicht alle kranken, hilfe- und unterstützungsbedürftigen Personen sicher erkannt wurden. Aus diesem Grunde wurden die Unterkünfte verstärkt durch MitarbeiterInnen des Gesundheitsamtes aufgesucht und mit den vor Ort tätigen Fachkräften die individuellen Bedarfe der BewohnerInnen und der besonders Schutzbedürftigen zu ermitteln und eine entsprechende Anbindung und Versorgung zu veranlassen. In enger Absprache mit dem Wohnungsamt erfolgte am 07.07.2016 die Entscheidung zur Durchführung des Projektes über einen zunächst begrenzten Zeitraum (Juli – September 2016) ohne den Einsatz zusätzlicher Ressourcen bei 53. 18 49 91 283 1278 0 200 400 600 800 1000 1200 1400 2012 2013 2014 2015 2016 3 Ziel des Projektes sollte sein, den individuellen Versorgungsbedarf der Bewohnerinnen und Bewohner zu ermitteln, „besonders Schutzbedürftige“ rascher zu identifizieren, eine medizinische Beratung der Gesundheits- und Krankenpfleger und –pflegerinnen und der Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter vor Ort in den Unterkünften anzubieten und damit zur Optimierung der Unterstützung der BewohnerInnen und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort und zur Sicherheit aller Beteiligten durch multiprofessionelle Zusammenarbeit beizutragen. Im Rahmen der Besuche in den Unterkünften wurden die Fachärztinnen und Sozialarbeiterinnen bzw. das Gesundheitsfachpersonal von 53 mit den unterschiedlichsten Themen konfrontiert: • Akute und chronische Erkrankungen • Schwangerschaft und Geburt • Versorgung der Kinder / Überforderungssituationen der oft sehr jungen Mütter • Psychische Probleme / Traumata • Menschen mit Behinderungen • unterschiedlichste Formen der Gewalt in den Unterkünften • kulturelle Besonderheiten wie Mehrfrauen-Ehe, minderjährige (Ehe-) Frauen und Mütter etc. • besondere familiäre Konstellationen wie allein reisende Mütter, minderjährige Kinder in Begleitung ihrer volljährigen Geschwister Bereits in den ersten 4 Wochen des Projektes wurden 17 von damals insgesamt 34 Notunterkünften aufgesucht, 90 zielgerichtete Beratungen durchgeführt und über 80 Anträge auf Veränderung der Unterbringung bearbeitet, täglich wurden durchschnittlich mehr als 4-6 telefonische Beratungen durchgeführt.. Es zeigte sich bereits in den ersten Wochen ein hoher Bedarf an fachärztlicher, aber auch an sozialer Beratung. Die Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor Ort in den Unterkünften sowie dem Wohnungsamt gestaltete sich sehr positiv, ergebnisorientiert und produktiv. Im Rahmen der jeweiligen Beratungen bzw. der Feststellung der erforderlichen individuellen Versorgungsbedarfe erfolgte u.a. die Vermittlung zu niedergelassenen Ärzten / Ärztinnen die Weiterleitung in die Spezial-Ambulanzen der Kliniken die Organisation stationärer Aufnahmen ins Krankenhaus die interne Vermittlung und dann weitere Versorgung innerhalb des Gesundheitsamtes die Information und Abstimmung mit dem Wohnungsamt bzgl. eines medizinisch begründeten Wohnraumwechsels die Beratung der Sozialarbeiter bzgl. des Hinzuziehens weiterer Unterstützungssysteme (Jugendamt, Flüchtlingsberatung, Schwangerschaftsberatung etc.) 4 die Vermittlung und Begleitung zu den unterschiedlichsten Beratungsstellen / Institutionen Am 13.09.2017 wurde das Projektes und die ersten Ergebnisse im Gesundheitsausschuss der Stadt Köln vorgestellt. Über die Mitteilung (3884/2016) vom 09.12.2016 konnte die Fortführung der "Fachärztlichen Beratung in Gemeinschaftsunterkünften für Geflüchtete" gesichert werden: Der Gesundheitsausschuss hat in der Sitzung am 13.09.2017 ausdrücklich die Bestrebungen der Verwaltung unterstützt, das Projekt fortzusetzen und die notwendigen Personalkapazitäten zu schaffen. Die Verwaltung hat seit 1.11.2016 die für eine angemessene Aufgabenerfüllung notwendigen Personalkapazitäten in Form von 1,0 Stelle Facharzt/-ärztin VGr. Ib/Ia, Fg.1/1 BAT und 1,0 Stelle Sozialarbeiter/in/Sozialpädagog/e/in EG S 12 TVöDV im Bereich der „Frühen Hilfen“ im Gesundheitsamt geschaffen. Die Stellen sind bereits besetzt bzw. befinden sich aktuell in der Besetzung. Somit können alle Gemeinschaftsunterkünfte für Geflüchtete regelmäßig besucht werden, um vor Ort persönlich zu beraten – und zwar die Geflüchteten selbst und vor allem aber die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter und das medizinische Fachpersonal vor Ort. Durch die Präsenz in den Unterkünften werden auch Geflüchtete erreicht, die besondere Versorgungsbedarfe aufweisen, aber diese nicht artikulieren (können). Das Team arbeitet eng mit den erforderlichen Institutionen wie dem Wohnungsamt, dem Jugendamt, den Betreuungsträgern, der ambulanten und stationären medizinischen Versorgung, Beratungsstellen aber auch der Ombudsstelle für Flüchtlinge in Köln zusammen. 5 Die Arbeit wurde ab Oktober 2016 mit einer Stelle Facharzt / -ärztin zunächst durch interne Schwerpunktsetzung bis zur Umsetzung der Stellenzusetzung weiter geführt: Anzahl und Verteilung der Begutachtungsaufträge bei 53 hinsichtlich der Notwendigkeit der Veränderung der Wohnsituation aus gesundheitlichen Gründen Zeitraum: 01.09.2016 – 31.08.2017 Grafik 2 Im Arbeitsbereich der Frühen Hilfen (533-4) werden sämtliche Gutachtenaufträge bearbeitet, die die Versorgung von Schwangeren und Kindern von 0 – 18 Jahren betreffen (insgesamt 447 Gutachten). Die Bearbeitung dieser Aufträge umfasst sowohl die Formulierung des Gutachtens, aber als auch selbstverständlich auch die Versorgung entsprechend des individuellen Bedarfs (z.B. Anbindung an eine Spezialambulanz, Beschleunigung des Kostenübernahmeverfahrens bei dringlichen Eingriffen / Therapien etc.). Dabei sind die Fälle nicht berücksichtigt, die ohne Gutachtenauftrag in diesem Zeitraum bearbeitet worden sind, da sie aufgrund der Dringlichkeit i.d.R. telefonisch geklärt werden mussten (z.B. schwer mehrfach behindertes Kind, das regelmäßig katheterisiert werden musste und primär einer Turnhalle als Unterkunft zugewiesen worden war). Im Amtsärztlichen Dienst (531) werden entsprechend alle Atteste (insgesamt 521 Gutachten) bearbeitet, die erwachsene Personen betreffen. Die Sozialpsychiatrische 257 190 521 321 0 100 200 300 400 500 600 Kinder- und Jugendliche (533-4) Schwangere (533-4) Erwachsene (531) Erwachsene (534) 6 Abteilung (534) befasst sich mit allen Attesten (insgesamt 321 Gutachten) von Erwachsenen, bei denen eine psychiatrische Erkrankung bzw. Auffälligkeit vorliegt. Auch für diese beiden Abteilungen gilt, dass auch hier besonders dringliche Fälle, die binnen weniger Stunden einen Wechsel des Wohnraumes bedurften, durch die gute Zusammenarbeit mit dem Wohnungsamt z.T. telefonisch bearbeitet werden konnten. Der Hauptanteil der von 533/4 betreuten und versorgten Kinder (Gesamtzahl 257 Kinder, aber z.T. mehrere Gutachtenaufträge und Diagnosen pro Kind) lag mit knapp 60% bei den unter 6jährigen. 7 Altersverteilung der versorgten Kinder- und Jugendlichen (257 Kinder im Zeitraum vom 01.09.2016 bis zum 31.08.2017) Grafik 3 Spielmöglichkeiten in den Gemeinschaftsunterkünften 57 46 51 50 29 24 0 10 20 30 40 50 60 < 1 Jahr 1 - 3 Jahre 4 - 5 Jahre 6 - 9 Jahre 10 - 13 Jahre 14 - 18 Jahre 8 Die Erkrankungen, die der Grund für den Kontakt zum Gesundheitsamt und die Bitte um Unterstützung waren bzw. die bei den Besuchen in den Unterkünften „entdeckt“ wurden, stammen aus dem gesamten organischen und psychosomatischen Spektrum der pädiatrischen Medizin. Anhand der gestellten Diagnosen hier grafisch die Einteilung in die verschiedenen Fachrichtungen: Erkrankungen bei den 257 Kindern aus den verschiedenen pädiatrischen Fachrichtungen (Gutachtenaufträge / Beratung / Betreuung): Grafik 4 Der Großteil (25,3%) der Diagnosen umfasst Erkrankungen im Bereich der Lunge (Pneumologie), die in der Regel nicht schwerwiegend sind (Bronchitis, obere Luftwegsinfekte, Asthma, Pneumonie). Dagegen finden sich in der Gruppe, die mit 32 Kindern (12,5 %) in der Häufigkeit folgt, Kinder mit schwersten Beeinträchtigungen wie z.B. schweren Entwicklungsretardierungen, Muskelatrophien, Cerebralparesen, verschiedene Formen von Autismus, etc.. Aufgrund der guten Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Kinder- und Jugendärzten und den Kinderkliniken gelang es in der 65 33 30 25 20 20 19 15 10 10 10 9 9 7 5 5 5 0 10 20 30 40 50 60 70 9 Regel, diese Kinder rasch ärztlich anzubinden und sie zu notwendiger Diagnostik an Spezialambulanzen weiter zu leiten. Gleichzeitig unterstützt 533/4 im Rahmen der sozialen Beratung, wie z.B. Klärung von Pflegestufen, Unterstützung bei Antragsstellung etc.. Die nächste bzw. dritte Gruppe stellt die Kinder dar (11,7 %), die von verschiedenen Formen der Kindeswohlgefährdung betroffen sind (häusliche Gewalt, körperliche, psychische und sexuelle Misshandlung sowie Vernachlässigung). Diese hohe Anzahl liegt u.a. darin begründet, dass es neben den „üblichen“ Risikofaktoren für Gewalt gegen Kinder zusätzliche Risikofaktoren in den Flüchtlingsunterkünften gibt, wie z.B. strukturelle und räumliche Faktoren (wenig bis keine Privatsphäre, Unterbringung vieler fremder Menschen unterschiedlichster Kulturen in einer Unterkunft, fehlende Rückzugsmöglichkeiten etc.). Hinzu kommen kulturelle Risikofaktoren wie unterschiedlichste (Erziehungs)- kulturen, bei denen z.B. körperliche Gewalt gegenüber Kindern eine anerkannte Erziehungsmethode ist und gegenüber Frauen gebilligt wird, und /oder Unkenntnis der in Deutschland geltenden Gesetze und selbstverständlich die persönlichen Risikofaktoren wie z.B. die Belastung von Eltern durch (traumatisierende) Erlebnisse 10 im Heimatland und auf der Flucht, Zukunftsangst, psychische Anspannung und ggf. psychische oder körperliche Erkrankungen. Das Team unterstützt die SozialarbeiterInnen, Sozialarbeiter und Krankenpflegekräfte vor Ort und versucht die Familien bedarfsgerecht an die Kinderschutzambulanzen der Kinderkliniken bzw. an Fachberatungsstellen und / oder das Jugendamt zu vermitteln. Bei akuter Kindeswohlgefährdung werden entsprechende Mitteilungen gemacht. An den vom DRK als Betreuungsträger geplanten Schulungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Gemeinschaftsunterkünften zum Thema „Kinderschutz in Flüchtlingsunterkünften“ ist das Team beteiligt. Die Fälle, in denen Kinder psychische Auffälligkeiten zeigen, werden intern mit den Kinder- und JugendpsychiaterInnen und –psychiatern besprochen. Diese suchen die Kinder und deren Familien in der Regel vor Ort auf (selbstverständlich das Einverständnis der Eltern vorausgesetzt) und versorgen die Kinder nach einem ausführlichen Gespräch entsprechend ihrer Bedürfnisse (Anbindung an niedergelassene FachärztInnen zur weiterführenden Diagnostik und Therapie, medizinisch erforderliche Veränderung der Wohnraumsituation etc.). Die übrigen Kinder werden ebenfalls gemeinsam mit den Krankenpflegekräften und SozialarbeiterInnen vor Ort bedarfsgerecht versorgt. Die Betreuung und Versorgung der Familien und deren Kinder hat sich zu Beginn der Arbeit aufgrund kultureller und fluchtspezifischer Besonderheiten, wie z.B. Mütter ohne Familienverbund, junge (minderjährige) Mütter, allein reisende Mütter, Mehrfrauen-Ehen, Frauen und Männer mit traumatischen (Flucht-) Erfahrungen oftmals schwierig gestaltet und war geprägt von viel Misstrauen gegenüber jeglicher 11 Art von Behörde. Durch einen wertschätzenden Umgang und sensiblen Vertrauensaufbau gelang es in den meisten Fällen, die Familien / Frauen und Kinder zu erreichen und zu unterstützen. Zu erwähnen sind hier insbesondere auch die minderjährigen Mütter, die nochmals eine besondere Form der Unterstützung sowohl während der Schwangerschaft, aber auch nach der Entbindung ihrer Kinder benötigen. Das Team versucht die Frauen an die Schwangerschaftsberatungsstellen anzubinden und unterstützt sie gemeinsam mit den Hebammen vor Ort z.B. bei der Anmeldung zur Geburt in einer Klinik und bei der Suche nach einer Nachsorgehebamme. Falls über die Wochenbettbetreuung hinaus Unterstützungsbedarf gesehen wird, werden die Frauen z.B. bei einer der Familienhebammen der Frühen Hilfen angebunden. Die in diesem Team tätige Sozialarbeiterin hat vom 01.11.16 - 30.06.17 zusätzlich 69 Flüchtlingsfamilien mit gesundheitlichen und sozialen Unterstützungsbedarfen intensiver betreut. Mit ihren speziellen Kompetenzen und in enger Abstimmung mit den FachärztInnen beriet, betreute und begleitete sie Menschen unterschiedlichen Alters mit Behinderungen, bei Fällen von Kindeswohlgefährdungen, aber auch psychisch auffällige Kinder und Erwachsene sowie Menschen mit schweren Erkrankungen. Bei der Arbeit mit den Familien ist zudem aufgefallen, dass die Familien / Mütter häufig Probleme bei der Versorgung (Ernährung / Hygiene / Gesundheit) der Kinder haben. Mögliche Gründe: Unkenntnis und Unsicherheiten (kulturfremde Ernährung) logistische und strukturelle Probleme in den Gemeinschaftsunterkünften (fehlende Möglichkeiten der Nutzung von Wasserkochern und Vaporisatoren) fehlende Angebote altersgerechter Baby- und Kleinkindnahrung (verschiedene erforderliche Milch- / Brei- / Gläschensorten) mangelnde Kenntnis des medizinischen Angebotes (Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft, Hebammenversorgung, Vorsorgeuntersuchungen der Kinder etc.) aber auch Unkenntnis und Unsicherheiten zu diesen Themen bei den MitarbeiterInnen in den Unterkünften Gemeinsam hat das Team mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Unterkünfte und den Frühen Hilfen im Gesundheitsamt nach Lösungsmöglichkeiten gesucht: Zusammen mit der Ernährungsberaterin des Gesundheitsamtes wurde für die Sozialarbeiterinnen, Sozialarbeiter und Krankenpflegekräfte ein Fach- und Informationstag im Clarimedishaus zum Thema „Ernährung von Neugeborenen, 12 Säuglingen und Kindern bis zum 1. Lebensjahr in Gemeinschaftsunterkünften“ ausgerichtet. Die Veranstaltung war sehr gut besucht. Die überregionale Bedeutung dieser Veranstaltung zeigte sich u.a. durch die Teilnahme eines auswärtigen Frühe Hilfen-Teams (Mülheim a.d. Ruhr) und einer bundesweit aktiven Netzwerk- koordinatorin und Expertin für Gesundheitsorientierte Familienbegleitung. Zu Beginn gab es einen kurzen Erfahrungsbericht über die fachärztliche Beratung in den Flüchtlingsunterkünften, im Anschluss folgte ein Vortrag zum Thema „Besonderheiten bei der Ernährung von Neugeborenen, Säuglingen und Kleinkindern in Gemeinschaftsunterkünften für Geflüchtete“. In einem direkten Austausch an „Themen-Tischen“ mit den Familienhebammen und Kinderkrankenschwestern von 533/4, sowie der Ernährungsberaterin konnten sich die MitarbeiterInnen über die Versorgung und Ernährung von Kindern im ersten Lebensjahr informieren. Themen – Tische: Fläschchen, Schnuller & Co.(oben Mitte) Hygiene im ersten Lebensjahr (oben rechts) Ernährung im ersten Lebensjahr (rechtes Bild) 13 In Absprache mit den Mitarbeiterinnen, Mitarbeitern und den Trägern der Unterkünfte wurde altersgerechte Baby- und Kleinkindnahrung bestellt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Unterkünften entwickelten Konzepte, damit auch in Gemeinschaftsunterkünften Müttern Vaporisatoren etc. zur Verfügung gestellt werden können und es die Möglichkeit der Zubereitung von Babynahrung gibt. Hier ein gelungenes Beispiel, wobei die Fotos freundlicherweise von Frau Dr. J. Mollidor (576/2, Lebensmittelhygiene) zur Verfügung gestellt wurden: 24-stündige Nutzung des Vaporisators, Fläschchenwärmers und der Mikrowelle direkt in Sichtweite der Security, heißes Wasser wird ebenfalls hier ausgegeben. Einen 2. Standort gibt es im Raum der Speiseausgabe, Nutzung zu Zeiten der Speiseausgabe mit jeweils entsprechender Erklärung in verschiedenen Sprachen: Die Funktionsweise des Vaporisators ist durch Piktogramme erläutert. In einem abschließbaren Schrank befindet sich die Mikrowelle, auf Wunsch der Mütter wird dieser durch das Wachpersonal geöffnet. Der Verschluss ist erforderlich, da das Gerät sonst nicht nur durch die Mütter genutzt würde. Nach Angaben der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort werden die Geräte durch die Mütter gut genutzt. Gereinigt werden die Geräte einmal täglich gemäß Hygieneplan durch die Reinigungskräfte vor Ort. 14 Infektionsausbrüche / Infektionserkrankungen: Grundsätzlich kann festgestellt werden, dass sich auf der Basis der Erfahrungen des Gesundheitsamtes sowie der RKI-Analysen der Meldedaten von Infektionsgeschehen der letzten Jahre in Unterkünften von Asylsuchenden die Erkrankten in den meisten Fällen in Deutschland angesteckt haben. Die Ständige Impfkommission empfiehlt daher, Schutzimpfungen bei Asylsuchenden möglichst frühzeitig durchzuführen und innerhalb der ersten Tage nach Aufnahme in einer Gemeinschaftseinrichtung damit zu beginnen: ((https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Asylsuchende/Asylsuchende_und_Gesundheit .htmll ) Dieses Konzept wird hier in Köln seit 2015 umgesetzt. Gemeinsam mit niedergelassenen Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzten bietet der Kinder- und Jugendgesundheitsdienst regelmäßige Impfsprechstunden in den Gemeinschaftsunterkünften an. Im genannten Zeitraum (September 2016 bis Juni 2017) gab es insgesamt 15 individuelle Infektionserkrankungen oder -ausbrüche (Varizellen (3), Pertussis (2), EHEC (1), Influenza (2), Skabies (3), Noroviren (1), Rotaviren (2), Hepatitis A (1), Ringelröteln (2), Meningokokken (1)). Durch die sofortige Intervention des Gesundheitsamtes konnte jeweils die Zahl der Erkrankten sehr niedrig gehalten und ein größeres Ausbruchsgeschehen verhindert werden. Im notfallmäßigem Management wurde die Abteilung für Infektionshygiene unterstützt, indem besonders schutzbedürftige Personengruppen wie Schwangere, Wöchnerinnen mit ihren Neugeborenen, Säuglinge sowie (schwer) chronisch kranke BewohnerInnen zur (Schutz-) Isolierung identifiziert und bei Bedarf zur weiterführenden Diagnostik / Therapie umgehend an niedergelassene Ärztinnen und Ärzte bzw. Kliniken weitervermittelt wurden. In diesem Rahmen erfolgte durch das Team der Fachärztinnen die Aufklärung der Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und des Krankenpflegepersonals in den Unterkünften über die Infektionserkrankungen und ihre Symptome, entsprechende Verhaltensweisen und Vorkehrungen. Die in dem Team tätige Sozialarbeiterin hat über 80 Flüchtlingsfamilien intensiv betreut. Auch sie war mit den unterschiedlichsten Krankheitsbildern, Problemen und Fragestellungen konfrontiert. In ihrer Arbeit beriet, betreute und begleitete sie ebenfalls Menschen unterschiedlichen Alters mit Behinderungen, Fälle von Kindeswohlgefährdung, psychisch auffällige Kinder und Erwachsene sowie Menschen mit schweren Erkrankungen. Sie unterstütze die Familien in unterschiedlichen sozialpädagogischen Bereichen und stand auch stets den Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern mit ihrer besonderen Expertise unterstüzend zur Seite. 15 Zusammenfassung und Ausblick: Aufgrund der guten Zusammenarbeit und engen Vernetzung zwischen dem Team und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der verschiedenen Betreuungsträger (DRK, Diakonie Michaelshoven, Caritas und Malteser) in den Unterkünften, sowie des Wohnungsamtes, der Ombudsstelle und auch den ehrenamtlichen Organisationen, können die Menschen, die Unterstützungsbedarf haben, frühzeitig identifiziert und Hilfen und Unterstützungsmaßnahmen bedarfsgerecht eingeleitet werden. Die Anbindung an das Regelsystem erfolgt aus Erfahrung leider häufig nur sehr zögerlich bzw. unzureichend: Viele der unterstützungsbedürftigen Familien, die bereits im eigenen Wohnraum „angekommen“ sind, werden nicht mehr gesehen. Diese Familien sind noch nicht in der Lage, ihre Wege alleine und ohne fremde Unterstützung zu gehen. Bei vielen Familien wird davon ausgegangen, dass deren einziges „Problem“ die Unterbringungssituation sei. Kommen diese Familien „zur Ruhe“ werden die wirklichen Problematiken oft erst sichtbar und deutlich. Daher übernehmen die Frühen Hilfen des Gesundheitsamtes und der Freien Träger aufgrund der sich aktuell ändernden Wohn- und Betreuungssituation von Geflüchteten zunehmend auch die Begleitung von jungen Familien und Schwangeren, die in den eigenen Wohnraum ziehen und noch Unterstützungsbedarf z.B. bei der Anbindung an ärztliche Praxen / Beratungsstellen / Institutionen etc. benötigen. Auch hier gibt es einen engen Austausch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Gemeinschaftsunterkünften, aber auch mit Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtlern oder anderen Kontaktpersonen, um die Familien wiederum bedarfsgerecht und individuell unterstützen zu können. Die Probleme der Menschen in 2017 sind nicht mehr die gleichen wie 2015 / 2016. Damals ging es vor allem um die Erfüllung der Grundbedürfnisse, heute geht es unter anderem darum „anzukommen“, eine Perspektive für die Zukunft zu entwickeln und medizinisch angemessen im Regelsystem versorgt zu werden. Das deutsche Gesundheitswesen erscheint vielen der betreuten Menschen immer noch sehr komplex, schwer verständlich und ebenso schwer erreichbar. Insbesondere die Menschen mit chronischen Erkrankungen, Behinderungen und komplexen Fallkonstellationen aber auch junge Familien brauchen daher weiterhin dringend fachlich kompetente Unterstützung, um Anschluss an das Versorgungssystem und die notwendige Hilfe zu erhalten. Eine weitere große Herausforderung stellt die Sprache dar. Hier hat sich der Einsatz des Videodolmetschers sehr bewährt. 16 Anhang: Programm des Fachtags vom 06.06.2016 Informationsschreiben an die Gemeinschaftsunterkünfte 17 18 Information und Kontaktdaten Fachärztliche und sozialarbeiterische Beratung in Flüchtlingsunterkünften Aufgrund der sich aktuell ändernden Wohn- und Betreuungssituation von Geflüchteten hier in Köln, möchten wir Ihnen als MitarbeiterInnen in den Gemeinschaftsunterkünften unser Team und unseren Aufgabenbereich kurz vorstellen: Frau Jaqueline Demir (Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Kinderschutzmedizinerin) Mo bis Mi: Jaqueline.Demir@stadt-koeln.de Tel: 0221-221 35151 bzw. Mobil: 0152-545 88 634 Frau Alexandra Kupczyk (Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin) Mi bis Frei: Alexandra.Kupczyk@stadt-koeln.de Tel: 0221-221 35166 bzw. Mobil: 0152-545 88 634 Frau Julia Pechholz (Dipl. Sozialarbeiterin) Mo bis Frei: Julia.Pechholz@stadt-koeln.de Tel: 0221-221 25480 bzw. Mobil: Frau Dr. Andrea Eulgem (Leitung der „Frühen Hilfen“ im Gesundheitsamt, Fachärztin für Kinderchirurgie, Kinderschutzmedizinerin) Mo bis Frei: andrea.eulgem@stadt-koeln.de Tel: 0221 – 221 35180 oder Mobil: 0152 – 545 88 895 Unser Aufgabenbereich umfasst primär die Beratung und Unterstützung der Fachkräfte und auch der Bewohner (aller Altersgruppen!!) in den Gemeinschaftsunterkünften der Stadt Köln: Frau Demir und Frau Kupczyk stehen den MitarbeiterInnen in den Unterkünften bei allen Fragen und Problemen im Kontext medizinischer Themen und Problematiken zur Verfügung (Fragen zu akuten und chronischen Erkrankungen , Behinderungen, psychischen Problemen sowie Schwangerschaft und Geburt, Anbindung an Arztpraxen oder Ambulanzen, Kostenübernahmeverfahren besonderer Therapien etc.). 19 Hinsichtlich der Wohnsituation der Bewohner unter der Berücksichtigung der medizinischen Situation arbeiten wir in enger Absprache mit dem Wohnungsamt zusammen. Bei akuten Infektionserkrankungen (z.B. Windpocken) unterstützen wir im notfallmäßigen Management (z.B. Isolierung besonders schutzbedürftiger Personengruppen). Zudem stehen wir gerne gemeinsam mit den Kinder- und Jugendärzten des kinder- und jugendärztlichen Dienstes des Gesundheitsamtes bei der Planung und mit der Durchführung von Impfsprechstunden zur Verfügung. Mit Frau Pechholz als Sozialarbeiterin bieten wir Ihnen Unterstützung und Beratung bei besonderen familiären / sozialen Konstellationen (wie z.B. alleinreisende oder minderjährige Schwangere bzw. Mütter, minderjährige Kinder in Begleitung ihrer volljährigen Geschwister, von Behinderung betroffene Bewohner u.a.) an. Frau Pechholz möchte Sie in Ihrem komplexen Arbeitsfeld entlasten. Dabei kann sie für Menschen angefragt werden, die aufgrund der familiären, sozialen und gesundheitlichen Situation Unterstützung und / oder Beratung benötigen. Ebenso kann eine Begleitung von Familien angeboten werden, die in den eigenen Wohnraum ziehen und noch Unterstützungsbedarf z.B. bei der Anbindung an Ärzte / Beratungsstellen / Institutionen etc. benötigen. Bei Fragen können Sie sich gerne telefonisch oder per Mail an uns wenden, um die jeweilige Situation zu besprechen, sich beraten zu lassen und gemeinsam Lösungsmöglichkeiten zu finden.
Beratungsverlauf (3)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 3177/2017
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 25.10.2017
- Erstellt
- 13.10.2017 09:37