SV-2017/0034
Antrag der Fraktionen Bü 90/Die Grünen und CDU vom 20. März 2017 betr. Aufhebung des Denkmalschutzes für die den ehemaligen Exerzierplatz umschließenden Gebäude in der Cambrai-Fritsch-Kaserne
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SV-2017/0034
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Vorlage-Nr. SV-2017/0034 Antrag der Fraktionen Bü 90/Die Grünen und CDU vom 20. März 2017 betr. Aufhebung des Denkmalschutzes für die den ehemaligen Exerzierplatz umschließenden Gebäude in der Cambrai-Fritsch-Kaserne ___________________________________________________________________ Darmstadt 20.03.2017 A N T R A G Aufhebung des Denkmalschutzes für die den ehemaligen Exerzierplatz umschließenden Gebäude in der Cambrai-Fritsch-Kaserne Beschlussvorschlag: Die Stadtverordnetenversammlung bittet die zuständige Denkmalschutzbehörde, den Ensembleschutz für die den ehemaligen Exerzierplatz umschließenden Gebäude in der Cambrai-Fritsch-Kaserne zu überdenken und aufzuheben. Die Stadtverordnetenversammlung bittet den Denkmalschutzbeirat der Wissenschaftsstadt Darmstadt, das Thema des Denkmalschutzes für den ehemaligen Exerzierplatz in der Cambrai- Fritsch-Kaserne zu hinterfragen und sich der Auffassung der Stadtverordnetenversammlung und einer entsprechenden Empfehlung an die zuständige Denkmalschutzbehörde anzuschließen. Begründung: Die Cambrai-Kaserne und die Freiherr von Fritsch Kaserne wurden 1937/38 errichtet im Zuge der Aufrüstung Darmstadts durch die Nationalsozialisten zum „Hauptwaffenplatz des Westens“. „Bei der Einweihung im Oktober 1938 … wurde die eine Kaserne nach der verheerenden Weltkriegsschlacht von Cambrai, die andere nach dem im Frühjahr (1938) abgesetzten Oberbefehlshaber des Heeres General Werner Freiherr von Fritsch benannt“ (Darmstädter Stadtlexikon). Unter den nach Kriegsende hier stationierten US -Truppen wurden beide Kasernen 1950 zur Cambrai-Fritsch-Kaserne zusammengelegt. Die Panzerschlacht im Ersten Weltkrieg in der Nähe der nordfranzösischen Ortschaft Cambrai vom 20. November bis zum 8. Dezember 1917 führte auf britischer Seite zu „ losses of dead, wounded and missing of 44.207” und auf deutscher Seite zu „Verlusten”, die, je nach Quelle, zwischen 45.000 und 50.000 Personen schwanken. Mit der Namensgebung reklamierten die Nationalsozialisten den Sieg in dieser Schlacht für Deutschland. B' 90/Die GRÜNEN Stadtverordnetenfraktion Darmstadt La ute s c hl ä ge r s tr . 3 8—6 4 2 8 9 D a rm s ta dt Tel./Fax: 06151/6 14 90, 06 151/6 14 0 1 Mail: fraktion@gruene-darmstadt.de Internet: www.gruene -darmstadt.de/fraktion C D U D a r m s t a d t Stadtverordnetenfraktion S t e u b e n p l a tz 1 2 4— 6 4 2 9 3 D a r m s t a dt Tel./Fax: 06151/171211, 06151/171219 E m a i l : f r a k t i o n @ c d u - d a r m s t a d t . d e Internet: www.cdu -darm stadt.de 2 Thomas Ludwig Werner Freiherr von Fritsch (1880-1939) war von 1936-1938 Oberbefehlshaber des Heeres. Neben zahlreichen militärischen Auszeichnungen wurde Freiherr von Fritsch 1937 auch mit dem goldenen Parteiabzeichen der NSDAP ausgezeichnet. Es bestehen kaum Zweifel, dass Freiherr von Fritsch den Nationalsozialisten nicht nur aus Überzeugung militärisch diente, sondern dass er auch Sympathie für Hitlers Ideologie und seinen Kampf gegen die Juden hegte. Entstehung und Namensgebung beider Kasernen und des zentralen Exerzierplatzes stehen im Zusammenhang der Kriegsvorbereitung und der menschenverachtenden NS-Ideologie. Wir halten diesen Exerzierplatz als ungeeignet für einen zentralen, identitätsstiftenden Ort eines neuen Wohnquartiers. Es gibt in Deutschland noch hinreichend Gebäude dieser Typologie aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, so dass hier keine baugeschichtlich einzigartige Situation besteht. Die Erinnerung an die Bedeutung dieser Kaserne für die Darmstäd ter Stadtgeschichte – in der nationalsozialistischen Zeit, aber auch in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg als Standort amerikanischer Truppen, die nach dem Krieg Frieden und Freiheit garantierten – muss gleichwohl in geeigneter Form aufrecht erhalten werden. Genauso wie die Geschichte Darmstadts als Garnisonsstadt insgesamt, die eng mit der Geschichte der Residenz seit 450 Jahren zusammenhängt. Die in der Stadtgesellschaft der Wissenschaftsstadt Darmstadt verankerte Erinnerungskultur muss in der Lage sein - auch ohne diesen Exerzierplatz - die Lehren der Vergangenheit als Verpflichtung für eine friedvolle und weltoffene Stadtkultur lebendig zu halten. Die weitere Begründung erfolgt mündlich. Hildegard Förster-Heldmann Hartwig Jourdan Yücel Akdeniz (Fraktionsvorsitzender) (Fraktionsvorsitzende) Hans Fürst Ctirad Kotoucek Dr. Anna Zdiara Ludwig Achenbach (Stadtverordnete) (Stadtverordnete)
Beratungsverlauf (2)
Details
- Vorlagen-Nr.
- SV-2017/0034
- Typ
- Antrag
- Datum
- 20.03.2017
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00