AN/1769/2021
Errichtung einer historisch-kritischen Stele neben dem Kriegerdenkmal auf dem Kriegerplatz in Longerich
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Gem. Antrag nach § 3 (Grüne BV5)
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Grüne Linke FDP GUT Klima Freunde Frau Bezirksbürgermeisterin Dr. Diana Siebert Frau Oberbürgermeisterin Henriette Reker Eingang bei der Bezirksbürgermeisterin: 24.08.2021 AN/1769/2021 Antrag gem. §§ 3 und 38 der Geschäftsordnung des Rates und der Bezirksvertretungen Gremium Datum der Sitzung Bezirksvertretung 5 (Nippes) Errichtung einer historisch-kritischen Stele neben dem Kriegerdenkmal auf dem Kriegerplatz in Longerich - Gemeinsamer Antrag von Grünen, Linken, FDP, GUT und Klima Freunden - Sehr geehrte Frau Bezirksbürgermeisterin, sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Die Bezirksvertretung möge beschließen: 1. Die in der Sitzung der Bezirksvertretung Nippes am 3. Dezember 2020 beschlossene Er- richtung einer historisch-kritischen Stele (AN/1434/2020) wird aus bezirksorientierten Mitteln des Jahres 2021 in einem Umfang von bis zu 5000,00 Euro finanziert. Zur Verwendung kommt eine Stele, wie sie in Köln auch von den Stadtentwässerungsbetrei- ben und anderweitig Verwendung findet. 2. Die Stele enthält einen QR-Code mit einem Hyperlink-Sprungziel zu einer Internetseite der Stadt Köln, in der neben den unter „3.“ genannten noch weitere Informationen zum zum Kriegerplatz und dem Stadtteil Longerich präsentiert werden, wie sie z. B. in dem Faltblatt „Ein Rundgang mit Tiefgang“ des Gesundheitsamts über Longerich enthalten sind. Dieser Text wird später erstellt. 3. Der Text auf der Stele selbst lautet: - 2 - „Das Kriegerdenkmal auf dem Longericher Kriegerplatz Das Kriegerdenkmal wurde 1871 zur Erinnerung an die Gefallenen der Kriege 1864, 1866 und 1870/71 errichtet. Longerich gehörte während dieser Kriege zum Königreich Preußen, der treibenden Kraft zur Gründung des Deutschen Reichs. Diese Kriege führte das Preußen gegen Dänemark, Österreich bzw. Frankreich, mit denen Deutschland heute in der Europäischen Union „in Vielfalt geeint“ ist. Das Kriegerdenkmal wurde als Obelisk errichtet. Der Gedenkstein des Bildhauers Schmitz aus Kalk weist typische Bestandteile der Kriegerdenkmäler auf, so ein Porträt von Kaiser Wilhelm I., die Jahreszahlen der Kriege und den Adler auf der Spitze. Obelisk und Adler sollen Macht- und Hegemonieanspruch symbolisieren. Kriegerdenkmäler dieser Art entstanden in dieser Zeit in zahlreichen Städten und Gemeinden. Die Opfer der Kriege wurden als „siegreiche Helden“ bezeichnet. Mit Kriegerdenkmälern wie diesem wurde daher die Trauer um die Opfer zum Kult um den Krieg instrumentalisiert. Sie waren also Ausdruck eines heute wenig verständlichen Heldenkultes um die Gefallenen. Soldaten wurden für Interessen eines Obrigkeitsstaates in den Krieg und damit allzu oft in den Tod geschickt. Das hiesige Denkmal wurde nahe den Mauern des damaligen Friedhofs der alten St. Dionysius-Kirche platziert. Mitte der 1890er Jahre wurde der Platz neu gestaltet: Auf dem Gebiet des Pfarrgartens entstand der bis heute bestehende Kirchenbau, der im Mai 1900 eingeweiht wurde. Die Kirchengemeinde weihte die alte Kirche um und legte den Friedhof still. Der Longericher Gemeinderat beschloss, den ehemaligen Friedhofsplatz in Kriegerplatz umzubenennen. Mitte der 1980er Jahre wurde das Denkmal um Marmortafeln mit der Inschrift „den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft 1914-1918 1939-1945“ ergänzt. Damit erweiterte man das Andenken nicht nur um die im Ersten und im Zweiten Weltkrieg Gefallenen. Man wollte damit sämtliche Opfergruppen in das Gedenken aufnehmen – auch die Opfer von Antisemitismus und Rassismus. Diese Weiterwidmung war eine damals übliche Praxis im öffentlichen Gedenken. Dabei geht unter, dass es im Krieg und unter Gewaltherrschaft nicht nur Opfer, sondern auch Initiatoren, Täter und Mittäter gab. Errichtet 2021 von der Bezirksvertretung Nippes.“ Begründung: Quellen: Wikipedia Martin Erkelenz auf der Website des Longericher Bürgervereins , dieser wiederum: Paul Jordans, Longerich im Wandel der Zeiten, 1999 Hans-Egon Meyer, „Nippes gestern und heute“, 1974 (Hrsg. Franz Irsfeld) Stadt Köln, NS-Dokumentationszentrum, Frau Dr. Christians-Bernsee Es gibt derzeit eine Debatte über den Umgang mit Denkmälern und Straßennamen aus der Hohenzollern/Preußen, Weimarer und Nazizeit (1814 bis 1945), die weit über Fachkreise hinausgeht. Neben Vorschlägen, solche Denkmäler abzureißen, einzumotten oder in einem Park zusammen zu fassen, gibt es die denkmalpflegerische Auffassung, dass die entspre- chenden Denkmäler und Straßennamen (hier: „Krieger“-Platz) historisch-kritisch eingerahmt werden sollen. Letzteres Vorgehen ist für den Kriegerplatz in Longerich ratsam. Denn gerade durch das Kriegerdenkmal wird deutlich, warum – das ist vielleicht sogar ein wenig makaber! – ausgerechnet ein Friedhof an der Dionysius-Kirche zu einem „Kriegerplatz“ wurde. Das Kriegerdenkmal entstand nach 1871 zur Erinnerung an die Gefallenen der Kriege 1864, 1866 und 1870/71. Diese Kriege führte Preußen gegen Staaten, die heute in der Europäischen - 3 - Union „in Vielfalt geeint“ sind. Soldaten wurden für Interessen eines Obrigkeitsstaates in den Krieg und damit allzu oft in den Tod geschickt. Inzwischen ergänzte man eine Gedenktafel für die Gewaltopfer und Gefallenen der beiden Weltkriege. An einem öffentlich zugänglichen Platz sollte daran erinnert werden, dass es nicht nur Opfer, sondern auch Initiator*innen, Befehlshaber und überhaupt Täter der Kriege gab. Eine größere Stele ermöglicht, nicht nur abstrakt an Gewaltopfer und Gefallene der beiden Weltkriege zu erinnern, sondern auch die Akteure zu benennen, denen in den fünf Kriegen auf beiden Seiten Menschen zum Opfer gefallen sind. Eine größere Stele ermöglicht zudem, historisch-kritisch auf die Funktion von Kriegerdenkmälern als sogenannte Heldenverehrung seit dem 19. Jahrhundert mit ihrem Sieger- und Opfer-Kult allgemein und das Kriegerdenkmal in Longerich im Besonderen hin- zuweisen. gez. Beckhaus gez. Frank gez. Urmetzer gez. Schlieper gez. Feuser
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungOrte (1)
- Kriegerplatz
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Details
- Aktenzeichen
- AN/1769/2021
- Typ
- Gem. Antrag nach § 3 BV5 (Grüne)
- Datum
- 25.08.2021
- Erstellt
- 25.08.2021 17:31