V/0482/2019
Ausrufung des Klimanotstandes in Münster
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Beschlussvorlage
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V/0482/2019 V/0482/2019 Öffentliche Beschlussvorlage Betrifft Ausrufung des Klimanotstandes in Münster Beratungsfolge 22.05.2019 Rat Entscheidung Beschlussvorschlag: I. Sachentscheidung: 1. Der Rat der Stadt Münster stellt fest, dass der globale Klimanotstand auch die Stadt Münster erreicht hat und erklärt für unsere Stadt wie andere Städte auch den Klimanotstand. Die Stadt Münster setzt damit ein deutliches Zeichen, dass die bisherige erfolgreiche städtische Klimapolitik weiter entwickelt werden muss. 2. Der Rat erkennt damit an, dass die Eindämmung des anthropogenen Klimawandels in der städtischen Politik eine hohe Priorität besitzt und bei allen Entscheidungen grundsätzlich zu beachten ist. 3. Der Rat beauftragt die Verwaltung, regelmäßig (mindestens alle 12 Monate) über die Aus- wirkungen und Folgen der CO2 Emissionen sowie die Maßnahmen zur Verringerung der Treibhausgasemissionen zu berichten und beauftragt die Verwaltung, den Masterplan 100 % Klimaschutz unter Berücksichtigung der Erkenntnisse und Ergebnisse anzupassen. 4. Die Anregung gemäß § 24 GO NRW Nr. 000054/2019 (Anlage 2) sowie der Antrag A-R- 0025/2019 (Anlage 3) sind damit erledigt. II. Finanzielle Auswirkungen: keine Begründung: Münster hat mit dem Masterplan 100% Klimaschutz, den vielfachen Auszeichnungen als nachhaltig s- te Großstadt Deutschlands, als Vorrangkommune im European Energy Award (EEA) bereits viele Anstrengungen zur Reduktion der Treibhausgasemissionen unternommen. Mit dem ersten Klim a- schutzkonzept 1995 wurde die Aufgabe in der Verwaltung institutionalisiert und ein umfasse ndes Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit 15.05.2019 Ihr/e Ansprechpartner/in: Frau Wildt Telefon: 492-6703 WildtB@stadt-muenster.de - 2 - V/0482/2019 Handlungskonzept, das 2010 aktualisiert wurde, erarbeitet und sukzessive umgesetzt. Die vielfältigen Maßnahmen umfassen alle Handlungsbereiche, wie beispielsweise das Gesamtkonzept Altbausani e- rung mit einem Förderprogramm von knapp 9,5 Mio. Euro Förde rvolumen, Münsters Allianz für Kl i- maschutz - ein Netzwerk aus mehr als 100 Unternehmen in der Stadt, eine intensive und zielgru p- penspezifische Öffentlichkeitsarbeit, die die Bürgerinnen und Bürger unterstützt, einen klimaschone n- den Alltag zu leben, der int ensive Ausbau der erneuerbaren Energien sowie eine klimafreundliche Mobilität. Auch bei den eigenen Gebäuden geht die Stadt als Vorbild mit hohen energetischen Sta n- dards und einer wachsenden Flotte an Elektrofahrzeugen voran, um die ambitionierten Klimasch utz- ziele und Herausforderungen zu bewältigen. Dieses alles ist dennoch nicht ausreichend. Die Auswirkungen des anthropogenen Klimawandels werden immer deutlicher spürbar. Schäden von fast 1 Mrd. € in NRW im vergangenen Jahr sind das allein ökonomisch si chtbare Ergebnis der Folgen des vor allem von Menschen verursachten Klimawandels. Junge Menschen weltweit und auch in Münster machen seit Monaten darauf aufmerksam, dass Klimaschutz die wesentliche Grundlage für die Zukunft der Menschen auf d iesem Planten ist. Münster hat unter dem Motto „ Lebenswert in die Zukunft - Wir gestalten Münster enkeltauglich“ den deutschen Nachhaltigkeitspreis 2019 gewonnen und leitet daraus eine besondere Verpflichtung ab, sich besonders für den Klimaschutz einzusetzen. Entscheidungen müssen so getroffen werden, dass sie zukünftigen Generationen mindestens die gleichen Entscheidungsmöglichkeiten einräumen, wie wir sie heute haben, sie müssen enkeltauglich sein. Die Stadt Münster hat mit dem Masterplan 100% Klimaschutz, den vielfa chen Auszeichnungen als nachhaltigste Großstadt Deutschlands, als Vorrangkommune im European Energy Award (EEA) b e- reits große Anstrengungen zur Reduktion der Treibhausgasemissionen unternommen. Die ambiti o- nierten kommunalen Klimaschutzziele des Masterplans 100% Klimaschutz kann Münster aber alleine durch eine konsequente Umsetzung der strategischen Handlungspfade und der laufenden Maßna h- menplanung nicht erreichen. Die deutliche Unterstützung der Bundesländer, des Bundes und der E u- ropäischen Union sind zwing end erforderlich. Zusätzliche Anstrengungen müssen auf allen Ebenen erfolgen und Entscheidungen müssen stärker auch mit den Folgen für das Klima bedacht werden. i.V. gez. Matthias Peck Stadtrat Anlagen: Anlage 1: Erklärung der Friday for Future Münster zum Klimanotstand Anlage 2: Anregung 00054/2019 - Resolution zur Ausrufung des Klimanotstandes Anlage 3: Antrag A -R 0025/2019 - Resolution zur Ausrufung des Klimanotstandes unterstü t- zen
V_0482_2019_Anlage 3
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Münster, den 07.05.2019 Ratsantrag der Ratsgruppe Piraten/ÖDP zur sofortigen Beschlussfassung Resolution zur Ausrufung des Klimanotstands unterstützen Der Rat der Stadt Münster möge beschließen: Die Stadt Münster unterstützt die Resolution zur Ausrufung des Climate Emergency («Klimanotstand») [1] , wie sie in diesem Antrag niedergelegt ist. Begründung: Trotz weltweiter Bemühungen über Jahrzehnte, den Ausstoß von Klimagasen zu reduzieren, nimmt deren Konzentration Jahr um Jahr zu. Alle Maßnahmen, dem Klimawandel entgegen zu wirken, haben bisher keinen Erfolg gezeigt. Die Wissenschaft prognostiziert verheerende Folgen für die menschliche Zivilisation und die Natur auf dem Planeten Erde. Es ist dringend erforderlich, jetzt auf allen Ebenen von Gesellschaft und Politik zu effizienten und konsequenten Maßnahmen zu greifen, um die Katastrophe noch aufzuhalten. Weltweit haben Kommunen wie Los Angeles, Vancouver, London und Basel und zuletzt Konstanz den Klimanotstand ausgerufen und damit ein Signal gesetzt: Es ist Zeit zu handeln! Resolution zur Ausrufung des Climate Emergency («Klimanotstand») [1] Der Mensch hat bereits einen Klimawandel mit irreversiblen Folgen verursacht, welche weltweit zu spüren sind. Die globalen Temperaturen sind gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter um 1 Grad Celsius gestiegen, weil die CO2-Konzentration in der Atmosphäre von 280 ppm auf über 400 ppm angestiegen ist. Um eine unkontrollierbare globale Erwärmung mit nicht absehbaren Folgen zu verhindern, ist es unerlässlich,die Treibhausgasemissionen schnellstmöglich massiv zu reduzieren. Bereits 1,5 °C Erderwärmung führen unter anderem dazu, dass der steigende Anlage 3 zu V/0482/2019 Meeresspiegel riesige Küstengebiete unbewohnbar macht. Die Weltbank schätzt, dass in den kommenden 30 Jahren die Zahl der Klimaflüchtlinge auf über 140 Millionen Menschen ansteigen wird. Auch in Nordrhein-Westfalen wird der Klimawandel zu spüren sein, so werden zum Beispiel Landwirtschaft und Stadtklima von den Folgen direkt betroffen sein. Der Klimawandel ist also nicht bloß ein Klimaproblem: Er ist ein Wirtschafts-, Sicherheits-, Tierschutz- und Friedensproblem. Es kann und soll nicht erwartet werden, dass die Lösung dieses Problems alleine durch Eigenverantwortung und von Einzelpersonen erreicht wird. Es braucht jetzt auf kommunaler, regionaler, nationaler und internationaler Ebene griffige Maßnahmen, um dieser drohenden Katastrophe entgegenzuwirken. Die aktuellen Pläne und Maßnahmen reichen nicht aus, um die Erwärmung bis 2050 auf die angestrebten 1,5°C zu begrenzen. Deshalb ist es jetzt wichtiger denn je, schnell zu handeln! Münster erklärt den Climate Emergency und anerkennt damit die Eindämmung des Klimawandels und seiner schwerwiegenden Folgen als Aufgabe von höchster Priorität: • Münster wird die Auswirkungen auf das Klima sowie die ökologische, gesellschaftliche und ökonomische Nachhaltigkeit bei jeglichen davon betroffenen Entscheidungen berücksichtigen und wenn immer möglich jene Entscheidungen prioritär behandeln, welche den Klimawandel oder dessen Folgen abschwächen. • Münster orientiert sich für zukünftige Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels an den Berichten des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), insbesondere im Bezug auf Investitionen zur Reduktion von Treibhausgas- Emissionen. • Münster fordert von der Bundesregierung die Verabschiedung eines Klimaschutzgesetzes, dessen Maßnahmen an den Forderungen des Pariser Abkommens ausgerichtet sind. Das Gesetz hat sicherzustellen, dass die bereits vereinbarten Reduktionsziele eingehalten werden und dass das Ziel der Klimaneutralität in Deutschland spätestens bis 2050 vollständig erreicht wird. • Münster fordert, dass die Bundesregierung und die Landesregierung umfassend über den Klimawandel, seine Ursachen und Auswirkungen sowie über die Maßnahmen, welche gegen den Klimawandel ergriffen werden, informieren. Gez. Johannes Schmanck Franz Pohlmann [1] Die Begriffe «Climate Emergency» resp. «Klimanotstand» sind symbolisch zu verstehen und sollen keine juristische Grundlage für die Ableitung von Notstandsmaßnahmen sein.
Anlage A
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Anlage A zur V/0482/2019 Kurzüberblick Ausrufung des Klimanotstandes in der Stadt Münster Ziele/Teilziele/Zielerreichung Mit der Vorlage wird das Ziel „Wir werden Münster zu einer Stadt mit höchster Lebens- und Er- lebnisqualität und hoher Umwelt- und Naturqualität weiterentwickeln“ verfolgt. Das Teilziel lautet „Fortführung und Ausbau der Aktivitäten zur Umsetzung einer zielgerechten Klimaschutzpolitik“ gemäß Masterplan 100% Klimaschutz der Stadt Münster (V/00689/2017) Finanzierung Produktgruppe: 1401 Übergreifender Umweltschutz Auswirkungen auf den Ergebnisplan Ja x Nein Auswirkungen auf den Finanzplan Ja x Nein Im beschlossenen (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja Nein teilw. Im Entwurf des (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja Nein teilw. Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? Ja x Nein Bereits veranschlagt? Ja x Nein Keine finanziellen Auswirkungen Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig überwiegend pflichtig überwiegend freiwillig x vollständig frei- willig Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration)
V_0482_2019_Anlage 2
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Anlage 2 zu V/0482/2019
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Anlage 1 zu V/0482/2019 Erklärung der Fridays for Future Münster zur Ausrufung des Klima- notstandes in Münster Die Stadt Münster erklärt den Klimanotstand und erkennt damit die Eindämmung des Klimawandels und seiner schwerwiegenden Folgen als Aufgabe von höchster Priorität an: • Die Stadt Münster wird die Auswirkungen auf das Klima sowie die ökologische, ge- sellschaftliche und ökonomische Nachhaltigkeit bei jeglichen davon betroffenen Ent- scheidungen berücksichtigen und wenn immer möglich jene Entscheidungen prioritär behandeln, welche den Klimawandel oder dessen Folgen abschwächen. • Die Stadt Münster fordert von der Bundesregierung ihre Anstrengungen in allen Sek- toren deutlich stärker am Klimaschutz zu orientieren, um ihrer globalen Verantwor- tung gerecht zu werden. • Die Stadt Münster wird umfassend über den Klimawandel, seine Ursachen und Aus- wirkungen sowie über die Maßnahmen, welche gegen den Klimawandel ergriffen werden, informieren. Der Rat der Stadt Münster fordert den Oberbürgermeister auf, dem Rat und der Öffentlichkeit alle sechs Monate über Fortschritte und Schwierigkei- ten bei der Reduktion der Emissionen Bericht zu erstatten. [1] Die Begriffe “Klimanotstand” resp. “Climate Emergency” sind symbolisch zu verstehen und sollen keine juristische Grundlage für die Ableitung von Notstandsmaßnahmen sein. Begründung Trotz weltweiter Bemühungen über Jahrzehnte, den Ausstoß von Treibhausgasen zu redu- zieren, nimmt deren Konzentration Jahr um Jahr zu. Alle Maßnahmen, dem Klimawandel entgegen zu wirken, haben bisher keinen Erfolg gezeigt. Die Wissenschaft prognostiziert verheerende Folgen für die menschliche Zivilisation und die Natur auf dem Planeten Erde. Es ist dringend erforderlich, jetzt auf allen Ebenen von Gesellschaft und Politik zu effi- zienten und konsequenten Maßnahmen zu greifen, um die Katastrophe noch aufzuhal- ten. Weltweit haben Kommunen wie Los Angeles, Vancouver, London und Basel und in Deutschland zum Beispiel Konstanz den Klimanotstand ausgerufen und damit ein Signal gesetzt: Es ist Zeit zu handeln! Der Mensch hat bereits einen Klimawandel mit irreversiblen Folgen verursacht, welche welt- weit zu spüren sind. Die globalen Temperaturen sind gegenüber dem vorindustriellen Zeital- ter um 1 Grad Celsius gestiegen, weil die CO2-Konzentration in der Atmosphäre von 280 ppm auf über 400 ppm angestiegen ist. Um eine unkontrollierbare globale Erwärmung mit nicht absehbaren Folgen zu verhindern, ist es unerlässlich, die Treibhausgasemissionen schnellstmöglich massiv zu reduzieren. Bereits 1,5 °C Erderwärmung führen unter anderem dazu, dass der steigende Meeresspiegel riesige Küstengebiete unbewohnbar macht. Die Weltbank schätzt, dass in den kommenden 30 Jahren die Zahl der Klimaflüchtlinge auf über 140 Millionen Menschen ansteigen wird. Auch in Nordrhein-Westfalen wird der Klimawandel zu spüren sein, so werden zum Beispiel Landwirtschaft und Stadtklima von den Folgen direkt betroffen sein. Der Klimawandel ist also nicht bloß ein Klimaproblem: Er ist auch ein Wirtschafts-, Sicher- heits-, Tierschutz-, Friedens- und soziales Problem. Es kann und soll nicht erwartet werden, dass die Lösung dieses Problems alleine durch Eigenverantwortung und von Einzelpersonen erreicht wird. Es braucht jetzt auf kommunaler, regionaler, nationaler und internationaler Ebene zielführende Maßnahmen, um dieser drohenden Katastrophe entgegenzuwirken. Die aktuellen Pläne und Maßnahmen reichen nicht aus, um die Erwärmung dauerhaft auf die angestrebten 1,5°C zu begrenzen. Deshalb ist es jetzt wichtiger denn je, schnell zu handeln!
Beratungsverlauf (1)
Details
- Aktenzeichen
- V/0482/2019
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 14.05.2019
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37