V/0565/2008
Antrag der SPD-Fraktion an den Rat A-R/0033/2008: Münster für alle. In Würde alt werden - Schutz vor Altersarmut wirkungsvoll entfalten.
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Beschlussvorlage
6594 Zeichen
V/0565/2008
DER OBERBÜRGERMEISTER
Sozialamt
Betrifft
Antrag der SPD-Fraktion an den Rat A-R/0033/2008: Münster für alle. In Würde alt werden -
Schutz vor Altersarmut wirkungsvoll entfalten.
Beratungsfolge
27.08.2008 Hauptausschuss Entscheidung
Beschlussvorschlag:
I. Sachentscheidung:
1. Das inhaltliche Grundanliegen des Antrags wird, soweit es sich auf die Entwicklung kommu-
naler Instrumente und Ansätze richtet, Altersarmut entgegenzuwirken, aufgegriffen und als
thematischer Vertiefungsbereich im Kontext des Handlungskonzepts ‚demografischer Wan-
del’ aufbereitet.
2. Die Verwaltung wird beauftragt, im 2. Halbjahr 2009 ein Exposé vorzulegen, das
2.1 die Ausgangslage auf der Grundlage eines Datenüberblicks aufbereitet und
2.2 einen konkretisierten Verfahrensvorschlag zum weiteren Vorgehen einschließlich möglicher
Kooperationsformen mit wissenschaftlichen Institutionen unterbreitet.
II. Kosten/Folgekosten
Es wird zur Kenntnis genommen, dass im Zusammenhang mit der Vorbereitung des Exposés kei-
ne Kosten entstehen.
Begründung:
Mit ihrem Antrag regt die SPD-Fraktion an, im Rahmen eines Armutsberichts mit dem Schwerpunkt
Altersarmut Steuerungsinstrumente zu erschließen und Handlungsempfehlungen zu entwickeln,
Altersarmut entgegenzuwirken. Neben der Darstellung der gegenwärtigen Situation sollen insbe-
sondere Zukunftstrends der Entwicklung von Altersar mut in mittel- bis längerfristiger Perspektive
herausgearbeitet werden, um rechtzeitig tragfähige Ansätze und Maßnahmen zu schaffen.
Im Zusammenhang mit seiner Anregung, einen Armutsbericht zu erstellen, verweist der Antrag auf
den im Jahr 2002 vorgelegten Bericht ‚Münsteraner Armutsberichterstattung: Lebenslagen und –
Vorlagen-Nr.:
V/0565/2008
Auskunft erteilt:
Herr Treutler
Ruf:
492 50 26
E-Mail:
Treutler@stadt-muenster.de
Datum:
03.07.2008
Öffentliche Beschlussvorlage
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V/0565/2008
perspektiven unterversorgter Kinder und Jugendlicher in Münster’ (Vorlage Nr. 786/2002). Im
Rahmen der dem Bericht zugrundeliegenden Untersuchung wurden in vier statistischen Bezirken
Fallstudien exemplarisch durchgeführt. Mit der überwiegend qualitativen Untersuchungsrichtung
des damaligen Berichts sollte nicht vorwiegend die Verteilung von Armut im Stadtgebiet bzw. in
Stadtteilen, sondern die von Unterversorgung betroffenen Lebensbereiche (vertieft, nicht jedoch
repräsentativ) dargestellt werden. Der mit der Untersuchungsdurchführung verbundene Aufwand
war nicht zuletzt deshalb erheblich, weil im Rahmen des damaligen Kooperationsarrangements
zwischen Stadt, Fachhochschule und Wohlfahrtspflege trotz Entlastung durch arbeitsteilige Aufga-
benwahrnehmung auch unterschiedliche, teilweise kontroverse, Positionsdifferenzen zwischen den
Beteiligten auszutauschen und zu vermitteln waren. Der verwaltungsseitige Koordinations- und
Durchführungsaufwand im Zusammenhang mit der über einen Zeitraum von ca. 1,5 Jahren durch-
geführten Untersuchung war zudem nur dank befristeter Beschäftigung zusätzlichen Personals zu
bewältigen. Vor diesem Hintergrund hat sich der Rat im Rahmen seines Beschlusses vom
11.12.2002 zur Vorlage Nr. 786/2002 (Ergänzungsvorlage 1) nicht entschlossen, eine kommunale
Armutsberichterstattung nach diesem Muster fortzuführen, die Verwaltung gleichwohl beauftragt,
„soweit sachgerecht und im Rahmen der Verwalt ungskapazitäten möglich, auch künftig jeweils
bedarfsbezogen Gesichtspunkte der Lebenssituation von Personen und Personengruppen darzu-
stellen, die ihren Lebensunterhalt ohne Inanspruchnahme öffentlicher Sozialleistungen nicht si-
cherstellen können“.
Anders als eine Untersuchung über (gegenwärtige) Kinderarmut schließt die thematische Bearbei-
tung von Altersarmut in der Zukunft den Blick auf die Situation der heute Jüngeren mit ein, insofern
die wirtschaftliche Situation in der Lebensphase ihrer Erwerbsfähigkeit ihre wirtschaftliche Lage im
Alter weitestgehend festlegt. Ein Armutsbericht, der sich auf unterversorgte Lebensbereiche älterer
Menschen in der Gegenwart konzentriert, ohne mögliche künftige Veränderungen der Bedeutung
bzw. des Verständnisses von Unterversorgung zu erörtern, wäre daher nicht nur aufwendig, er
griffe überdies zu kurz.
Der Antrag spricht eine Entwicklung an, die sich in Ansätzen auch auf lokaler Ebene bereits heute
andeutet; die Zahl der Personen über 64 Jahren, die auf existenzsichernde Leistungen der Sozial-
hilfe
1 angewiesen sind, hat zwischen 2005 und 2007 zugenommen:
Stichtag Personen
31.12.2005 1.211
31.12.2006 1.725
31.12.2007 1.879
Wenngleich die Zahlen Trendaussagen nicht zulassen, stärken mehrere, im Antrag zum Teil ange-
sprochene, Entwicklungstendenzen die Vermutung, dass die Zahl der älteren Personen, die auf
ergänzende Leistungen zur Existenzsicherung angewiesen sind, mittel- bis längerfristig zunehmen
wird.
Das Thema des Antrags lässt sich in den weiteren Zusammenhang des, zurzeit im Beratungsgang
befindlichen, Handlungskonzepts ‚demografischer Wandel’ (Vorlage V/0371/2008) zunächst als
konkreter Fachbeitrag zum zielgruppen- bzw. lebenslagenbezogenen Handlungsfeld „Seniorinnen
und Senioren“ einordnen. Darüber hinaus soll Altersarmut in der Zukunft vermieden oder gemildert
werden; damit werden gegenwärtige Handlungsbedarfe angesprochen, die sich auf Menschen
aller Generationen beziehen. In dieser Perspektive bezieht sich Altersarmut einerseits auf die ü-
bergreifenden Handlungsfelder ‚Generationengerechte Stadt’ sowie ‚Soziale Balance und Solidari-
tät zwischen allen Teilen der Bürgerschaft’ ferner auf Handlungsfelder insbesondere in den Berei-
chen Stadtentwicklung, Wirtschaft/Arbeit und Infrastruktur.
1 Leistungen nach dem 3. und 4. Kapitel SGB XII, jeweils außerhalb von Einrichtungen
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Angesichts der Komplexität des Themas empfiehlt die Verwaltung, über die weitere Umsetzung
des Antrags erst auf der Grundlage eines konkretisierten Verfahrensvorschlags zu entscheiden,
der auf der Grundlage eines Datenüberblicks auch einen handlungsorientierten Problemaufriss
umfasst und auf mögliche Formen der Zusammenarbei t mit wissenschaftlichen Institutionen ein-
geht. In diesem Zusammenhang wird die Verwaltung auch Aussagen über ggf. erforderliche Res-
sourcen treffen. Angesichts des Vorbereitungs- und Abstimmungsaufwands mit potentiellen Ko-
operationspartnern/innen kann die Verwaltung die Vorlage erst im kommenden Jahr in Aussicht
stellen.
In Vertretung
Thomas Paal
Stadtrat
a-r-0033-2008
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Antrag an den Rat Nr. A-R/0033/2008
1
Antrag
01.06.2008
SPD-Fraktion
im Rat der Stadt Münster
Münzstr. 15
48143 Münster
Telefon: 0251/ 45 314
Fax: 0251/ 511 750
spdfrak@muenster.de
www.spd-muenster.de
Münster für alle
In Würde alt werden - Schutz vor Altersarmut wirkun gsvoll
entfalten
Der Rat der Stadt Münster möge beschließen:
1. Die Stadt Münster erstellt einen Armutsbericht u nter besonderer
Berücksichtigung der Altersarmut. Ziel des Berichts ist es, kommunale
Steuerungsinstrumente und Handlungsempfehlungen zu entwickeln, um der
Altersarmut entgegen zu wirken. Dabei soll der Armu tsbericht die Ist-Situation
in Münster darstellen und eine Prognose für das Jahr 2020 geben.
2. Als besondere Schwerpunkte des Berichts sollen d ie gesundheitliche Situation
sowie die Wohnraumversorgung von Menschen in Alters armut dokumentiert
und entsprechende Handlungsempfehlungen abgeleitet werden.
3. Der Bericht soll geschlechtsspezifisch erstellt und die
Handlungsempfehlungen geschlechtergerecht entwickelt werden.
4. Die Verwaltung prüft, ob eine Zusammenarbeit mit den örtlichen Hochschulen
zur Erstellung des Armutsberichts möglich ist.
Begründung:
Die aufschlussreiche Armutsberichterstattung, die v on SPD und Grünen in der
Legislaturperiode 1994–1999 auf den Weg gebracht wu rde, mündete im
münsterischen Armutsbericht, der 2002 veröffentlich t wurde. Schwerpunkt der
Berichterstattung war die Lebenssituation von in Ar mut lebenden Kindern und
Jugendlichen. Die SPD-Forderungen nach Fortsetzung der städtischen
Armutsberichterstattung fanden keine Mehrheit. Nunm ehr soll ein neuer
Armutsbericht erstellt werden, der die Altersarmut in den Vordergrund stellt. Die
Studien des Instituts für Soziologie zur Armutsfors chung in Münster sollen
einbezogen werden.
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In Münster leben derzeit ca. 25.000 Menschen in Arm ut; davon sind 7.600 Kinder
und Jugendliche. Alleine 21.000 Menschen beziehen L eistungen gem. ALG II. Wie
groß die verschämte Armut ist, lässt sich nur erahn en: nach wie vor nehmen
Menschen aus Scham und Unwissenheit zustehende Leis tungen nicht in Anspruch.
Ein weiterer Personenkreis, der in Armut lebt, sind Menschen ohne Papiere
(„Illegale“); über diesen Personenkreis liegen nur Dunkelzifferschätzungen vor.
Expertenschätzungen belaufen sich auf 1.000 Personen im Stadtgebiet Münsters.
„Arm trotz Arbeit“ ist auch in Münster ein Thema: Alleine 3.657 Personen nehmen in
Münster aufstockende Leistungen in Anspruch, weil d as Erwerbseinkommen keinen
ausreichenden Armutsschutz bietet. Mindestlöhne sin d eine Möglichkeit, die
Armutsrisiken zu minimieren: sie sorgen für angemes sene Entlohnung, höhere
Kaufkraft und Zuflüsse in die Sozialversicherungssysteme.
Auf Grund veränderter Erwerbsbiografien, die auf lä ngeren Ausbildungszeiten,
befristeten Beschäftigungsverhältnissen und unsiche ren Teilzeitarbeitsverhältnissen
basieren, wird Armut im Alter für größere Bevölkeru ngsgruppen immer
wahrscheinlicher. Unterbrechungen in der Erwerbsbiografie führen zu Ausfallzeiten in
der Rentenversicherung, die sich im Alter verheeren d auswirken können. Besonders
Frauen werden hiervon betroffen sein, weil
- immer noch ein Mangel an qualitativ hochwertigen
Kinderbetreuungsangeboten fehlt
- die bestehenden Kinderbetreuungsangebote oft nicht an den beruflichen
Erfordernissen der Familien orientiert sind
- Kindererziehungszeiten oftmals nicht adäquat bei R entenversicherungszeiten
berücksichtigt werden.
Der Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz auch bereits für unter 3 jährige
Kinder wäre ein wirksames Instrument, um Frauen mit ihren Fähigkeiten und
Fertigkeiten am Erwerbsleben abgemessen zu beteilig en und der drohenden
Altersarmut von Frauen entgegen zu wirken.
Statistisch belegt ist der Zusammenhang von Armut u nd Krankheit sowie Armut und
verkürzter Lebenserwartung. Unstreitig erhöht Armut das Risiko, an einer
chronischen Erkrankung zu erkranken. Risikofaktoren etwa für Gefäß- oder
Krebserkrankungen finden sich bei armen Menschen häufiger.
Viele ältere Menschen haben bereits jetzt Schwierig keiten sich mit preiswertem
Wohnraum am Wohnungsmarkt zu versorgen. Die steigen de Zahl älterer Menschen
mit Armutsrisiken macht eine aktive Steuerung des W ohnungsmarktes für diesen
Personenkreis erforderlich; hierbei sind auch innen stadtnahe Wohnlagen zu
berücksichtigen.
Beanka Ganser Ralf Hubert Udo Reiter
Wolfgang Heuer Dr. Michael Jung Anne Schulze Win tzler
Anika Bergner Marianne Koch Joachim Tonn
Hedwig Chudziak Gaby Kubig-Steltig Beate Vilhjal msson
Philipp Gabriel Kurt Pölling Holger Wigger
Anne Hakenes Karsten Rahn Karl-Heinz Winter
Marianne Hopmann
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungOrte (1)
- Münzstraße 15
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Details
- Vorlagen-Nr.
- V/0565/2008
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 03.07.2008
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37