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Medizinische Versorgung wohnungsloser Menschen in Köln - Jahresbericht 2024

Mitteilung Ausschuss 0989/2025 vom 07.05.2025

Stand: Am 05.06.2025 im Ausschuss für Soziales, Seniorinnen und Senioren beraten. Ergebnis: Kenntnis genommen.

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  • Anlage 1 - Jahresbericht MMD 2024

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    Mobiler Medizinischer Dienst Medizinische V ersorgung wohnungsloser Menschen in Köln Jahresbericht 2024 Stadt Köln - Gesundheitsamt - Mobiler Medizinischer Dienst …………. 2 2 Inhalt Einleitung S. 3 2024 – Zahlen und Fakten 1. Patient*innen S. 5 2. Altersstruktur S. 5 3. Herkunft und Nationalitäten S. 6 4. Wohnsituationen S. 8 5. Kostenträger / Versicherungsstatus S. 8 6. Sprechstundenangebot S. 9 7. Behandlungskontakte S. 11 8. Konsultationsgründe S. 11 9. Impfungen S. 12 10. Überweisung und Vermittlung S.13 11. Kommunikation, Vernetzung und Kooperation S. 15 12. Administrative Tätigkeiten S. 15 13. Logistik S. 15 3 3 Einleitung Menschen, die wohnungslos und insbesondere obdachlos leben, leiden unter einer erheblich erhöhten Krankheitslast. Sowohl körperliche als auch psychiatrische Er- krankungen (inkl. Suchtkrankheiten) treten um ein Vielfaches häufiger als in der sog. Wohnbevölkerung auf; die Lebenserwartung ist erheblich verkürzt. Darüber hinaus ist ihnen der Zugang zum sog. Regelsystem der medizinischen Versorgung oft verschlossen oder zumindest erschwert. Das Jahr 2024 war deutschlandweit geprägt durch eine weitere Zunahme der Zahl wohnungsloser Menschen. Wohnungslos erfasst in Köln waren zum Stichtag 31.01.2024 9970 Menschen .1 Nicht berücksichtigt sind hierbei die verdeckt woh- nungslos sowie die obdachlos lebenden Menschen. Deren Anzahl betrug bereits zum Stichtag 31.01.2023 in Köln 784, davon lebten 397 Men schen ohne Unterkunft auf der Straße und 387 Menschen in verdeckter Wohnungslosigkeit.2 Bereits seit 1993 bietet der Mobile Medizinische Dienst (MMD) des Gesundheitsam- tes in Köln eine medizinische Grundversorgung für diesen Personenkreis an. Die In- anspruchnahme ist unentgeltlich, d.h. nicht an eine Krankenversicherung gebunden, und erfolgt auf Wunsch auch anonym. Medizinische Behandlungen durch den MMD erfolgen grundsätzlich aus einer ak- zeptierenden Haltung und mit einem Konzept aufsuchender Arbeit, im direkten Le- bensumfeld, „vor Ort“. Die Sprechstunden finden daher in Behandlungsräumen, die verschiedenste Hilfeeinrichtungen im Stadtgebiet für den MMD vorhalten, statt. Dieses trägerübergreifende Konzept mit Nutzung gewachsener Strukturen und sich ergänzender Angebote und Kompetenzen hat sich seit Jahren gut bewährt. Behandlungsangebote für von Wohnungslosigkeit und insbesondere von Obdachlo- sigkeit betroffener Menschen müssen Kriterien sog. Niederschwelligkeit erfüllen. Wichtig sind dabei eine einfache und zuverlässige Erreichbarkeit der Versorgungs- angebote und die Anpassung an die besonderen Anforderungen der Patient*innen. Dies betrifft u.a. die erhöhten Zeitaufwände, etwa zur Sicherstellung der mitgeführ- ten Habe, zum Aus- und Anziehen verschiedener Bekleidungsschichten, die Anpas- sung an hygienische Besonderheiten, die Unabhängigkeit von Versicherungsschutz oder einem entsprechenden Nachweis. Das Vorhalten von Ruheplätzen, Duschmög- lichkeiten, Kleiderkammern und Essensangeboten ist auch für die medizinische Grundversorgung essentiell. Psychiatrische Komorbiditäten und mitlaufende Suchterkrankungen müssen mitbedacht und berücksichtigt werden. 1 Mitteilung des Statistischen Landesamtes vom 10.09.2024. 2 Die Befragung zur Lebenslage wohnungsloser Menschen in Köln im Auftrag des Dezernates für Sozi- ales, Gesundheit und Wohnen der Stadt Köln ist 2024 erschienen und beleuchtet auch die prekäre gesundheitliche Situation wohnungsloser Menschen in der Stadt, differenziert u.a. nach Herkunft, Art der Unterkunft und Dauer der Wohnungslosigkeit [www.giss-ev.de/filestorage/publikatio- nen/2024_giss_wohnungslose-in-koeln.pdf]. 4 4 Besonders wichtig in der Gestaltung der Behandlung ist eine verlässliche personale Kontinuität. Medizinische Hilfe durch den MMD beruht eben auch auf einem tragfä- higen und vertrauensvollen Kontakt, der oft erst nach einer langen Kontaktanbah- nung in der Lebenswirklichkeit der Betroffenen möglich ist. In den letzten 20 Jahren wurden auf diese Weise jährlich stets zwischen 1200 und 1500 verschiedene Men- schen erreicht. Ein großer Teil der Patient*innen kennt und nutzt den MMD dabei bereits über viele Jahre. Der MMD ist ärztlich geführt, die Kolleg*innen haben sich ergänzende Facharztqua- lifikationen und Weiterbildungen (in 2024: Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Psy- chiatrie, Sozialmedizin, Suchtmedizinische Grundversorgung). Die Krankenpfle- ger*innen im Team haben Qualifikationen in Intensivpflege, Wundberatung und in sozialer Psychiatrie. Sozialarbeiterische Leistungen werden durch die Träger, bei de- nen der MMD „zu gast“ ist, zur Verfügung gestellt. Der MMD war auch 2024 Projektpartner des unter der Federführung der Abteilung Gesundheitshilfen im Gesundheitsamt konzipierten sog. Anonymen Krankenscheins (AKS). Mit dem AKS konnten wir 2024 52 Patient*innen ohne Krankenversicherungs- schutz in ambulante fachärztliche sowie 13 Patient*innen in elektive stationäre Be- handlungen überweisen. Erstmals erfolgte ab der zweiten Jahreshälfte 2024 die Zusammenarbeit mit der Stif- tung Pace e Bene (zur Begleitung obdachloser Menschen am Ende ihres Lebens in Köln), hier insbesondere mit Sr. Christina Klein. Die Stiftung ermöglichte in drei Fällen nicht krankenversicherten Menschen mit finalen Tumorerkrankungen ein würdevol- les Sterben im Hospiz St. Hedwig in Köln-Rondorf. Für die Arbeit der Stiftung bedan- ken wir uns ausdrücklich. Zum 01. Juli 2024 ist der langjährige Leiter des MMD, Herr Dr. Müller, aus dem Dienst ausgeschieden. Auch Frau Anke Schneidt, die über viele Jahre die Kranken- pflege beim MMD geprägt hat, hat den Dienst verlassen. Der Weggang der Kol- leg*innen hat fachlich und persönlich Lücken hinterlassen. Das Team musste in der Folge erhebliche personelle Engpässe überbrücken und konnte im Sommer nur noch ein eingeschränktes Sprechstundenangebot vorhalten. In der zweiten Jahres- hälfte gelang es, nachfolgende Kolleg*innen zu finden und die Arbeit sukzessive in der für die Patient*innen und Träger gewohnten Weise fortzuführen. 5 5 2024– Zahlen und Fakten 1. Patient*innen Im Jahr 2024 wurden in Köln durch den Mobilen Medizinischen Dienst (MMD) 1406 verschiedene Menschen behandelt, davon 1167 (83%) Männer und 239 (17%) Frauen. Patient*innen diversen Geschlechtes waren – soweit eruiert - nicht bei uns vorstellig. Der Anteil der Frauen ist damit niedriger als zu erwarten, er entspricht der Vertei- lung unter auf der Straße lebenden Menschen, was aber nicht auf alle unsere Pati- ent*innen zutrifft3. Möglicherweise ist ein Teil der wohnungslosen Frauen noch e- her bereit, das Regelsystem medizinischer Hilfen zu nutzen oder wird von unseren Kolleginnen der Gesundheitshilfen (STI-Ambulanz) erreicht. Frauenspezifische Sprechstundenangebote (im Café Mäc Up des SKF und im Frauencafé der Drogen- hilfe) waren in den letzten Jahren mangels Nachfrage zugunsten anderer Sprech- stunden aufgegeben worden. Wir werden gemeinsam mit der Trägerlandschaft wieder vermehrt darauf achten müssen, auch den wohnungslosen Frauen in Köln ein ausreichendes und passgenaues Angebot zu unterbreiten. Die Zahl der Erstkontakte lag bei 525 (37,3%). Im Umkehrschluss bedeutet dies auch, dass uns 62,7% unserer Patient*innen mindestens seit dem Vorjahr bekannt waren. Viele von ihnen werden tatsächlich schon über Jahre vom MMD behandelt. 3 BAGW, Statistikbericht Zu Lebenslagen wohnungsloser und von Wohnungslosigkeit bedrohter Menschen in Deutschland – Lebenslagenbericht – Berichtsjahr 2022: Rund zwei Drittel der Klient:innen (71,2%) ist männlich, ein Drittel (28,8%) ist weiblich. Seit 2020 hat sich der Anteil von weiblichen Klient:innen im DzW bei rund 30% eingepegelt und schwankt seitdem (systembedingt) nur leicht um diese Marke. Im Vor jahr lag der Anteil weibli- cher Klientinnen bei 30,9%. Unter der Gruppe der akut wohnungslosen Klient:innen11 ist der Anteil männlicher Klienten etwas höher (76,0%) ( Anhang: Tabelle 21) und bei denen, die ohne Unterkunft auf der Straße leben am höchsten (8 3,5%). Männer sind weitaus stärker von akuter Wohnungslosigkeit betroffen als Frauen. 76,7% der männlichen Klienten im DzW sind akut wohnungslos, bei den weiblichen Klientinnen sind es 58,6%. Frauen sind hingegen häufiger als Männer unmittelbar von Wohnungslosigkeit bedroht (14,6% ggü.9,2%). Sie leben häu- figer in unzumutbaren Wohnverhältnissen, sind häufiger ehemals von Wohnungslosigkeit betroffen oder bedroht und häufiger der Kategorie sonstige Fälle (kein Wohnungsnotfall) zuzuordnen (Abbildung 3). Diese Verteilungen lassen vermuten, dass Frauen im drohenden Wohnungsnotfall früher Beratungsstellen aufsuchen bzw. häufiger andere Unterstützungsangebote und nachsorgende Hilfen in Anspruch nehmen. 641 542 586 565 541 493 473 448 450 550 508 572 520 536 580 488 552 521 495 503 566 624 515 552 525 145813541427136913861321128812471224133412981349129813331405132714001393136113891376 1527139814541406 0 500 1000 1500 2000 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 Patient*innen gesamt / Erstkontakte 2000-2024 6 6 2. Altersstruktur Bei der Altersstruktur ergab sich im Jahr 2024 eine Spannweite von 17 bis 89 Jahren, dabei waren die Frauen im Mittel 4 5,1 Jahre, die Männer 46,6 Jahre alt. Eine weibl. Person waren jünger als 18 Jahre alt, aber 208 Patient*innen waren älter als 60 Jahre, davon 37 über 70 Jahre (29 Männer, 8 Frauen) und 8 (6 Männer, 2 Frauen) sogar über 80 Jahre alt. Der Altersgipfel liegt bei den Frauen zwischen 28 und 40 Jahren, bei den Männern zwischen 41 und 50 Jahren. Die Altersverteilung entspricht im Wesentlichen der des Vorjahres. 3. Herkunft und Nationalitäten Von den 2024 durch den MMD Behandelten war ca. die Hälfte (694 / 49,4%) deut- scher Nationalität. 0 50 100 150 200 250 300 350 400 450 k.A <18 18-27 28-40 41-50 51-60 61-70 71-80 über 80 Altersgruppen 2024 (w/m/ges.) [n= 1406] w m ges. 49,40% 25,90% 5,90% 9,50% 1,10% 8,20% Herkunft Deutsch Osteuropa EU Europa, nicht EU Sonstige Länder keine Angabe 7 7 Wohnungslose EU-Bürgerinnen und -Bürger aus den östlichen Ländern Europas, von den baltischen Staaten über Polen bis zu den Staaten des Balkans und Südost- europas, machen mit Beginn der EU-Freizügigkeit ca. 20% der durch den MMD be- handelten Patient*innen aus, wobei ein sukzessiver Anstieg der Patientenzahl aus dieser Subgruppe festzustellen ist. Im Jahr 2024 handelte es sich um 364 (25,9%) verschiedene Menschen aus dieser Personengruppe. Menschen aus Osteuropa machen in Metropolregionen wie Köln bis zu 50% der Ob- dachlosen aus und sind in besonders prekärer gesundheitlicher Verfassung. In der Regel haben sie keinen Krankenversicherungsschutz und damit auch formal keinen Zugang zum Regelsystem der medizinischen Versorgung.4 Um dieser Entwicklung gerecht zu werden, hat der MMD die Präsenz bei den sog. Humanitären Hilfen in der Vorgebirgsstr. 2024 ausgebaut. Sprechstunden finden in- zwischen dreimal wöchentlich statt. Das Angebot dort ist barrierefrei und wird durch Sprachmittler unterstützt. In 2024 wurde es vor Ort durch die Clearingstelle Migration und Gesundheit ergänzt, so dass hier auch das Ausstellen Anonymer Krankenscheine deutlich erleichtert war. 4 Aus der Ukraine Geflüchtete haben nur ganz vereinzelt die H ilfe des MMD gesucht, da diesem Per- sonenkreis der Zugang zum sog. Regelsystem gewährt ist. 0,00% 10,00% 20,00% 30,00% 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 Anteil Osteuropäischer Pat. Anteil Osteuropäischer Pat. 8 8 4. Wohnsituationen 5. Kostenträger / Versicherungsstatus Etwa die Hälfte der Patient*innen des MMD hat keinen oder keinen gesicherten Krankenversicherungsschutz. Bei versicherten aber wohnungslosen Patient*innen besteht häufig das Problem, dass keine Versicherungskarte vorhanden ist, so dass auch bei Ihnen eine Barriere in das Regelsystem der medizinischen Versorgung be- steht. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die elektronische Patientenverwaltung, Rezeptausstellung und künftig auch die elektronische Patientenakten. Weiterhin ist die Zuzahlung zur Rezeptgebühr für die durchgängig von Armut betroffenen Pati- ent*innen eine erhebliche Barriere beim Zugang zur Arzneimittelversorgung. Von den Patient*innen, die im Jahr 2024 in den Sprechstunden medizinisch ver- sorgt wurden, hatten 727 (51,7%) Ansprüche gegenüber einer gesetzlichen Kran- kenversicherung, acht Patient*innen waren im Basistarif einer privaten Krankenver- sicherung versichert. zwölf Patient*innen gaben an, über das örtliche Sozialamt ver- sichert zu sein. 485 (34,5%) verfügten über keinen Krankenversicherungsschutz. Bei 174 Patient*innen erhielten wir keine Angabe oder war der Versicherungsstatus ungeklärt. Gerade in letzteren Fällen ist die Zusammenarbeit mit der Clearingstelle Migration und Gesundheit (Projektpartnerschaft des Gesundheitsamtes, des Diako- nischen Werkes Köln und Region sowie des Caritasverbandes für die Stadt Köln e.V.) essentiell. 6,60% 17,90% 8,20% 28,80% 14,10%3,10% 4,80% 0,90% 1,10% 3,80% 10,70% Wohnsituationen Bauwagen, Laube, Zelt Hotel, ordnungsrechtliche Unterbringung Krankenwohnung Notschlafstelle Platte (ohne Unterkunft) Familie, Partner*in Wohnheim Wohnung ohne eigenen Mietvertrag betreutes Wohnen eigene Wohnung unbekannt 9 9 6. Sprechstundenangebot Die medizinischen Sprechstunden werden ganz überwiegend in festen Räumlichkei- ten, d.h. in verschiedenen Kontakt- und Beratungsstellen, Anlaufstellen etc. für un- terschiedliche Zielgruppen angeboten, darunter zwei Drogenkonsumräume und eine Einrichtung im Bereich der mann-männlichen Sexarbeit. Drei Angebote, darun- ter eine Einrichtung für Jugendliche und junge Erwachsene, werden mit dem Be- handlungsbus aufgesucht. Die Sprechstunden finden mit großer Regelmäßigkeit zu festen Zeiten und an festen Orten statt.5 Nach gesonderter Vereinbarung oder auf Veranlassung werden Betroffene auch auf der Straße, auf ihrer „Platte“, besucht, oder im Rahmen von medical streetwork ge- meinsam mit Streetworkern unterschiedlicher Träger in der Szene aufgesucht. In 2024 erfolgte dies bei 23 Patient*innen. Nach vorheriger Absprache können Hausbesuche im betreuten Wohnen, in Not- schlafstellen bzw. Obdachlosenhotels, auf Bauwagenplätzen erfolgen. In Einzelfäl- len werden Betroffene ins Krankenhaus begleitet oder dort besucht. Im Gesundheitsamt selbst werden bei Bedarf ergänzende Untersuchungen durchge- führt (s.u.). 5 https://www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/pdf53/sprechstunde_mobiler_medizinischer_dienst.pdf 0,6 51,7 0,9 34,5 7,8 4,6 Versicherungsschutz bzw. Kostenträger 2024 (%) [n=1406] PKV GKV Sozialamt keine k.Angabe ungeklärt 10 10 Sprechstundenangebot und Träger 12/2024 Beratungsbus B.O.J.E. (Auf Achse e.V. / Behandlungsbus) 2x wöchentlich Krankenwohnung Salierring (Diakonie) 2x wöchentlich Café Victoria (Drogenhilfe Köln e.V.) 5x wöchentlich Wohnheim / Notschlafstelle in der Annostraße (Johannesbund) 2x wöchentlich Drogenkonsumraum Neumarkt (Gesundheitsamt) 4x wöchentlich Kontakt- und Beratungsstelle für männliche Sexarbeiter (Looks e.V.) 1x wöchentlich Humanitäre Hilfen (Sozialdienst kath. Männer, Vorgebirgsstr.) 3x wöchentlich Kontakt- und Beratungsstelle für Drogenabhängige (Sozialdienst kath. Männer, Hauptbahnhof) 3x wöchentlich Kontakt- und Beratungsstelle für Wohnungslose (Sozialdienst kath. Männer, Hauptbahnhof) 5x wöchentlich Krankenwohnung Kosmidion (Spiritaner-Stiftung) 5x wöchentlich Kontakt- und Beratungsstelle für Drogenabhängige (Vision e.V. / Behandlungsbus) 2x wöchentlich Straßensprechstunde am Appellhofplatz (mit Gesundheit für Wohnungslose e.V. / Behandlungsbus) 2x wöchentlich Im Sommer 2024 musste aufgrund enger personeller Ressourcen das Sprechstun- denangebot vorübergehend auf die Kontakt- und Beratungsstelle für Wohnungslose des SKM, das Café Victoria der Drogenhilfe sowie die Betreuung der beiden Kran- kenwohnungen konzentriert werden. In der zweiten Jahreshälfte konnte der Sprechstundenbetrieb wieder hochgefahren und weitgehend normalisiert werden. Im Hinblick auf die sich verändernden Be- darfe und die Erreichung der Zielgruppen wurden im Vergleich zum Vorjahr insbe- sondere die Sprechstunden bei den Humanitären Hilfen, im Drogenkonsumraum am Neumarkt sowie bei Vision e.V. in Kalk ausgebaut. 11 11 7. Behandlungskontakte Bei den 1406 Patient*innen kam es zu 8268 Behandlungskontakten. Entsprechend ergab sich eine durchschnittliche Zahl von 689 Kontakten pro Monat und 6 (5,88) Kontakten pro Patient*in. Die Intensität der Kontakte und der Zeitaufwand pro Behandlungskontakt ist hoch, da viele Patient*innen mit komplexen chronischen Erkrankungen die Sprechstunden in Anspruch nehmen. Oftmals bestehen mitlaufende psychische Störungen, die die Kommunikation und Behandlungsabläufe erschweren. Insbesondere ist die Versorgung von oft großflächigen und superinfizierten chroni- schen Wunden, z.B. nach injektionsbedingten Infektionen oder Abszessen, sehr lang- wierig und zeitaufwändig. 8. Konsultationsgründe Betrachtet man die Konsultationsgründe in den Sprechstunden des Mobilen Medizi- nischen Dienstes nach den Hauptgruppen der „Internationalen statistischen Klassifi- kation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ (ICD-10-GM), so do- minieren • Chirurgische Krankheitsbilder, darunter chronische Wunden und Ulceratio- nen, akute Verletzungen durch Unfälle und körperliche Auseinandersetzun- gen • internistische Erkrankungen, zB Infektionserkrankungen der Atemwege aber zunehmend auch chronische Krankheitsbilder (z.B. Herz-Kreislauf-Erkran- kungen, chron. Atemwegserkrankungen, onkologische Krankheitsbilder, Stoffwechselkrankheiten) • Erkrankungen der Haut, etwa bakterielle Infektionen der Haut, Ekzeme, Pa- rasitosen (bes. Befall mit Kopf- u./o. Kleiderläusen, Skabies) 0 2000 4000 6000 8000 10000 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 Behandlungskontakte 2000-2024 12 12 • Psychiatrische Erkrankungen; bei dem überwiegenden Anteil der psychiatri- schen Erkrankungen (ca. 2/3) handelt es sich um Abhängigkeitserkrankun- gen, weiterhin um (oftmals unbehandelte) chronisch-produktive Psychosen, die Kombination aus substanzbezogener Störung und Psychose sowie um Persönlichkeitsstörungen. In 16 Fällen war die Sofortbehandlung vital bedrohlicher akuter Notfälle (insbes. Drogennotfälle) notwendig. 2024 waren 5 unserer Patienten akut an Tuberkulose erkrankt. Alle Patienten wa- ren männlich und stammten aus Osteuropa. In 4 der 5 Fälle betraf dies Patienten, die sich in der Notschlafstelle der Humanitären Hilfe aufgehalten hatten. In der Nachschau hatten alle Patienten unterschiedliche Erregerstämme, die Erkrankung also individuell eingetragen. Dennoch war im Laufe des Jahres 2024, in Zusammen- arbeit mit der Einrichtung und der Tbc-Beratungsstelle des Gesundheitsamtes, im Sinne des Infektionsschutzes eine verpflichtende Röntgenuntersuchung für Besu- cher der Einrichtung eingeführt worden. 9. Impfungen Als wichtige präventivmedizinische Maßnahme werden Schutzimpfungen angebo- ten. Im Jahr 2024 wurden insgesamt 97 Personen geimpft. Wie in jedem Jahr, wurde im Herbst allen Patient*innen eine Grippeschutzimpfung angeboten. Diese Impfung, die für die vulnerable Gruppe der Wohnungslosen u./o. Drogenabhängigen durchweg indiziert ist wurde in allen Sprechstunden beworben und durchgeführt. Impfungen gegen SARS-CoV-2/COVID-19 wurden zwar weiter angeboten, jedoch wurden diese nach Wegfall des öffentlich-administrativen Drucks nur noch in sehr 112 2390 36 1112 198 2376 187 499 828 104 116 0 500 1000 1500 2000 2500 3000 Augen Chirurgie Gynäkologie Haut HNO Innere Medizin Neurologie Orthopädie Psychiatrie Urologie Zahnmedizin Behandlungen nach Fachgebiet 2024 [n=7958] 13 13 geringem Umfang nachgefragt und in Anspruch genommen. Bei ungenügendem oder unklarem Impfschutz nach Verletzungen erfolgen Tetanus (Tdap)-Schutzimpfungen. Auch weitere Impfungen (bspw. gegen. Hepatitis-A / -B, Pneumokokken) werden nach individueller Absprache vorgenommen. 6 2024 wurde insbesondere die Grippeschutzimpfung im Vergleich zu den Vorjahren deutlich seltener durchgeführt, da sich trotz intensiver Beratung weniger Menschen dazu entschlossen haben. Hier scheint sich im Nachgang der Corona-Pandemie in unserer Zielgruppe eine Impfskepsis entwickelt zu haben 10. Überweisung und Vermittlung In 98 Fällen wurde eine haus- oder fachärztliche Weiter- oder Mitbehandlung in Praxen niedergelassener Ärztinnen und Ärzte veranlasst. Unter den Überweisungen zu Fachärzten erfolgte dies in 43 Fällen mit Hilfe des Anonymen Krankenscheines (also außerhalb des med. Regelsystems). 98 Patient*innen wurden wegen somatischer Erkrankungen in Krankenhäuser ein- gewiesen. Vier Einweisungen erfolgten in die allgemeine Psychiatrie, 17 in die quali- fizierte Entzugsbehandlung. Zudem erfolgte zur Einleitung einer neuen Substitutionsbehandlung in elf Fällen eine Vermittlung zu einer der Substitutionsambulanzen bzw. zu niedergelassenen substituierenden Ärztinnen und Ärzten. Vier Patient*innen, bei denen der Verdacht auf eine sexuell übertragbare Krankheit bestand, wurden an die STI-Ambulanz des Gesundheitsamtes überwiesen. Bei 29 Patient*innen ergaben sich aus der medizinischen Behandlung heraus Probleme, 6 Die hohe Zahl an Impfungen im Jahr 2021 resultiert aus Covid-19 Impfungen. In 2022 wurden in der Sprechstunde bei Looks e.V. auch Schutzimpfungen gegen MPox durchgeführt. 0 100 200 300 400 500 600 Impfungen Impfungen pro Jahr 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 14 14 die eine Sofortvermittlung zur Sozialberatung erforderlich machten, um eine adä- quate Behandlung erst zu ermöglichen. In acht Fällen erfolgte eine Vermittlung zur zahnmedizinischen Regelversorgung. 26 Patient*innen wurden in die zahnärztliche Sprechstunde der Malteser Migranten Medizin verwiesen. Im Gesundheitsamt wurde immer dann eine weiterführende Diagnostik (Röntgen- untersuchung der Lunge, STI-Ambulanz und Gynäkologie, Ultraschall, EKG, Labor etc.) durchgeführt, wenn die entsprechende Untersuchung zwar erforderlich, aber vor Ort nicht ausführbar bzw. eine Vermittlung an niedergelassene Ärztinnen oder Ärzte nicht möglich war (bspw. weil Unklarheit über einen Kostenträger bestand), die Art der Erkrankung ein weiteres Abwarten aber nicht zuließ. Für die Vermittlung nicht krankenversicherter Patient*innen an Fachärzte oder in elektive Krankenhausbehandlungen stand uns in 2024 das Instrument des Anony- men Krankenscheins zur Verfügung. Vom Mobilen Medizinischen Dienst wurden 65 Anonyme Krankenscheine ausgestellt, davon 13 für stationäre Behandlungen und in neun Fällen für Substitution. Ein besonders wichtiges Angebot für wohnungslose oder obdachlose Menschen, die aktuell (insbes. bettlägerig) erkranken, aber keiner Krankenhausbehandlung bedür- fen, sind die Krankenwohnungen, die sich in Trägerschaft der Diakonie (Salierring) und der Spiritaner-Stiftung (Kosmidion, Victoriastraße) befinden. Dorthin können sie, wenn Krankheitsbilder vorliegen, die bei einem Leben auf der Straße, „auf der Platte“, nicht ausheilen würden, vermittelt werden. In den Krankenwohnungen fin- den die Patient*innen für den Zeitraum ihrer akuten Erkrankung Tisch und Bett, am Salierring auch sozialarbeiterische Betreuung. Der MMD besucht die Krankenwoh- nungen täglich von Montags bis Freitags (Kosmidion) bzw. zweimal wöchentlich (Di- akonie). Im Jahr 2024 ergaben sich bei der Betreuung der Patient*innen 333 Be- handlungskontakte am Salierring; in die Krankenwohnung in der Victoriastr. wurden 98 verschiedene Patient*innen aufgenommen und behandelt. 0 20 40 60 80 100 120 140 Entgiftung Alkohol EntgiftungDrogen Krankenhaus Psychiatrie Zahnarzt, Malter MM Gesundheitsamt (STI, Tbc, Labor Substitution Facharzt Hausarzt Vermittlungen 2024 [n=355] 15 15 Kommunikation, Vernetzung und Kooperation (in Stichworten) • Wöchentliche dienstinterne Teamsitzungen • Amtsinterne Regelkommunikation • Fallsupervisionen durch einen externen Supervisor • Regelkommunikation mit den Teams der Träger • Teilnahme an unterschiedlichen fachlichen Arbeitskreisen und Planungsgruppen (auf kommunaler und Landesebene) • Kooperation mit ehrenamtlich tätigen Initiativen und Vereinen • Kooperation mit anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens in ambulanter und stationärer Versorgung • Vernetzung mit vergleichbaren Projekten und Initiativen in anderen Kommunen • Mitgliedschaft und berufene Mitarbeit in der Bundesarbeitsgeme inschaft Woh- nungslosenhilfe (BAG W) • Vorträge bzw. Vorlesungen für Studierende der Sozialen Arbeit und der Medizin, und für andere interessierte Gruppen • Betreuung von Praktika u. Famulaturen für Studierende der Medizin • Teilnahme an regionalen und überregionalen Kongressen und Tagungen zu rele- vanten Themen (gesundheitliche Folgen von Wohnungslosigkeit, Abhängigkeit von legalen und illegalen Suchtmitteln, …) • Kommunikation mit Medien und interessierter Öffentlichkeit zur Konzeption der Arbeit im Hilfesystem und im städtischen Umfeld 11. Administrative Tätigkeiten • Digitale Behandlungsdokumentation • Ausstellung von Bescheinigungen u. Attesten für Behörden, Versicherungen u.ä. • Kurze medizinische Gutachten • 12. Logistik • Vorratshaltung von medizinischem Verbrauchsmaterial (Arzneimittel, Verbands- stoffe u. ä.) • Instrumentenpflege und -aufarbeitung • Fahrzeuglogistik und Fahrzeugunterhaltung
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    Dezernat, Dienststelle V/53 Vorlagen-Nummer 07.05.2025 0989/2025 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss für Soziales, Seniorinnen und Senioren 08.05.2025 Gesundheitsausschuss 13.05.2025 Medizinische Versorgung wohnungsloser Menschen in Köln - Jahresbericht 2024 Das Jahr 2024 war deutschlandweit geprägt durch eine weitere Zunahme der Zahl wohnungsloser Menschen. Wohnungslos erfasst in Köln waren zum Stichtag 31.01.2024 9970 Menschen. Nicht berücksichtigt sind hierbei die verdeckt wohnungs- los sowie die obdachlos lebenden Menschen. Deren Anzahl betrug bereits zum Stich- tag 31.01.2023 in Köln 784, davon lebten 397 Menschen ohne Unterkunft auf der Straße und 387 Menschen in verdeckter Wohnungslosigkeit. Menschen, die wohnungslos und insbesondere obdachlos leben, leiden unter einer er- heblich erhöhten Krankheitslast. Sowohl körperliche als auch psychiatrische Erkran- kungen (inkl. Suchtkrankheiten) treten um ein Vielfaches häufiger als in der sog. Wohnbevölkerung auf; die Lebenserwartung ist erheblich verkürzt. Darüber hinaus ist ihnen der Zugang zum sog. Regelsystem der medizinischen Versorgung oft verschlos- sen oder zumindest erschwert. Bereits seit 1993 bietet der Mobile Medizinische Dienst (MMD) des Gesundheitsamtes in Köln eine medizinische Grundversorgung für diesen Personenkreis an. Die Inan- spruchnahme ist unentgeltlich, d.h. nicht an eine Krankenversicherung gebunden, und erfolgt auf Wunsch auch anonym. Medizinische Behandlungen durch den MMD erfolgen grundsätzlich aus einer akzep- tierenden Haltung und mit einem Konzept aufsuchender Arbeit, im direkten Lebens- umfeld, „vor Ort“. Die Sprechstunden finden daher in Behandlungsräumen, die ver- schiedenste Hilfeeinrichtungen im Stadtgebiet für den MMD vorhalten, statt. Dieses trägerübergreifende Konzept mit Nutzung gewachsener Strukturen und sich ergänzen- der Angebote und Kompetenzen hat sich seit Jahren gut bewährt. Der MMD war auch 2024 Projektpartner des unter der Federführung der Abteilung Ge- sundheitshilfen im Gesundheitsamt konzipierten sog. Anonymen Krankenscheins (AKS). Mit dem AKS konnten 2024 52 Patient*innen ohne Krankenversicherungs- schutz in ambulante fachärztliche sowie 13 Patient*innen in elektive stationäre Be- handlungen überweisen werden. 2 Erstmals erfolgte ab der zweiten Jahreshälfte 2024 die Zusammenarbeit mit der Stif- tung Pace e Bene (zur Begleitung obdachloser Menschen am Ende ihres Lebens in Köln), hier insbesondere mit Sr. Christina Klein. Die Stiftung ermöglichte in drei Fällen nicht krankenversicherten Menschen mit finalen Tumorerkrankungen ein würdevolles Sterben im Hospiz St. Hedwig in Köln-Rondorf. Zum 01. Juli 2024 ist der langjährige Leiter des MMD, Herr Dr. Müller, aus dem Dienst ausgeschieden. Auch Frau Anke Schneidt, die über viele Jahre die Krankenpflege beim MMD geprägt hat, hat den Dienst verlassen. Der Weggang der Kolleg*innen hat fachlich und persönlich Lücken hinterlassen. Das Team musste in der Folge erhebli- che personelle Engpässe überbrücken und konnte im Sommer nur noch ein einge- schränktes Sprechstundenangebot vorhalten. In der zweiten Jahreshälfte gelang es, nachfolgende Kolleg*innen zu finden und die Arbeit sukzessive in der für die Pati- ent*innen und Träger gewohnten Weise fortzuführen. Der Jahresbericht 2024 des MMD zur „Medizinischen Versorgung wohnungsloser Menschen in Köln“ befindet sich in der Anlage. Gez. Dr. Rau

Beratungsverlauf

  1. 13.05.2025

    Gesundheitsausschuss

    TOP 6.7, Kenntnisnahme (Mitteilung). Ergebnis: Kenntnis genommen
  2. 05.06.2025 zuletzt

    Ausschuss für Soziales, Seniorinnen und Senioren

    TOP 12.1, Kenntnisnahme (Mitteilung). Ergebnis: Kenntnis genommen

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