0960/2025
Fortführung der finanziellen Unterstützung des Ernährungsrates für Köln und Umgebung e.V.
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Anlage 6 Ernährungsstrategie für Köln und Umgebung
139183 Zeichen
Eine Ernährungsstrategie für Köln und Umgebung –
Handlungsfelder, Bestandsaufnahme und Zielvorgaben
Impulse für die kommunale
Ernährungswende
Redaktion:
Dr. Heinrich Dürscheid, Dr. Alexander Follmann, Luzia Heinzelmann, Dr. Martin Herrndorf, Zoe Heuschkel, Dr. Darya Hirsch, Stefan
Kreutzberger, Dr. Stephan Lück, Mechthild Nagel-Dürscheid, Florian Sander, Fabian Schwaderer, Katharina Schwartz, Valentin Thurn,
Cathrin Wiedemann, Anna Wissmann
Köln, Mai 2019
Die Ernährungsstrategie für Köln und Umgebung gibt Antworten darauf, wie wir uns in Köln ernähren – und wie wir uns in
Zukunft ernähren wollen.
Diese Antworten suchen wir entlang der ganzen Produktionskette: Vom Feld bis zum Teller. Bei der Frage, wie wir land-
wirtschaftliche Flächen für die Vielfalt bäuerlicher Betriebe sichern können. Bei der Frage nach Sorten- und Artenvielfalt.
Bei der Verarbeitung in Molkereien und Bäckereien, beim Vertrieb von Lebensmitteln über den Einzelhandel, Wochenmärkte
oder neue Vertriebsmodelle, beim Konsum – privat oder in Kantinen und Schulen.
Gleichzeitig greift die Strategie Querschnittsthemen wie die Essbare Stadt Köln, die Vermeidung von Verpackungen, einen
umweltfreundlichen, klimaneutralen Transport von Lebensmitteln oder den Umgang mit Lebensmittelüberschüssen entlang
der Produktionskette auf.
Die Strategie gibt Ziele vor, für die Umsetzung sind Verwaltung und Politik, Konsumentinnen und Konsumenten, Zivilgesell-
schaft und Wirtschaft in Köln und Umgebung gemeinsam und partnerschaftlich verantwortlich . Die Strategie macht damit
deutlich, dass eine kommunale Ernährungspolitik in Zukunft mehr denn je auf Kooperation und ein konstruktives Miteinander
der Akteure angewiesen ist.
Manche der Maßnahmen hängen darüber hinaus von nationalen oder internationalen Rahmenbedingungen ab. Nicht alles
lässt sich jetzt schon vor Ort umsetzen. Trotzdem möchte die Strategie Rahmen und Orientierung für die gemeinsame Arbeit
in den nächsten Jahren und Jahrzehnten aufzeigen.
Mit der Strategie legen wir eine Blaupause vor – sie ist kein politisch bindender Beschluss. Wir wünschen uns aber, dass die
Strategie als Leitlinie für politische Entscheidungen einer kommunalen Ernährungspolitik in den kommenden Jahren dient.
Viele der Ziele werden heute schon gelebt, teils in Experimenten und Versuchen , zunehmend aber auch in größerem Umfang.
Eine Ernährungswende wird nicht von heute auf morgen kommen und nicht jedes Experiment ist in seiner heutigen Form
massentauglich. Trotzdem haben wir die Experimente, ob Unverpacktladen, Solidarische Landwirtschaft oder die klimaneutrale
Schokofahrt, mit einbezogen um aufzuzeigen, was in Zukunft denkbar ist.
Wohl bekomm’s - vom Feld bis zum Teller!
Eine Ernährungsstrategie für Köln
und Umgebung
02
Unsere Ernährung hat erheblichen Einfluss auf unsere Gesundheit, auf unser Klima, auf die globale und lokale Wirtschaft.
Die frühe Ernährung stellt bereits wichtige Weichen für die gesundheitliche Entwicklung unserer Kinder. Angesichts dieser
großen Bedeutung unserer Ernährung freue ich mich über den starken Impuls aus unserer Stadtgesellschaft, aus dem die
Ernährungsstrategie entstanden ist.
Ich wünsche uns, dass möglichst viele Anregungen konkret umgesetzt werden und bin überzeugt: eine gute Ernährung ist ein
wesentliches Merkmal des guten Lebens. In meiner Vorstellung von Köln als der Stadt des guten Lebens spielt eine gute
Ernährung eine sehr bedeutsame Rolle und sie soll für alle Menschen unserer Gesellschaft erreichbar sein.
In einem Prozess über mehrere Monate hat der Ernährungsrat Menschen aus ganz unterschiedlichen Hintergründen zusammen-
gebracht um zu beraten, welche Ernährung und welche Landwirtschaft wir in unserer Stadt wollen.
Im “Mailänder Pakt für eine städtische Ernährungspolitik” haben wir als Stadt uns verpflichtet, das Thema anzugehen. Mit der
Strategie haben wir jetzt das erste Mal Ziele und dazu passende Maßnahmen erarbeitet.
Kommunale Ernährungspolitik ist dabei eine Aufgabe für die gesamte Stadtverwaltung, die Stadtgesellschaft und für unsere
Mitspieler in Land und Bund. Von guter Ernährung profitieren wir alle, daher freue ich mich darauf, wenn sich möglichst viele
Akteure kraft- und lustvoll für die Umsetzung der hier vorliegenden Ernährungsstrategie einsetzen.
Prof. Dr. Harald Rau,
Dezernent für Soziales, Gesundheit, Umwelt-und Verbraucherschutz der Stadt Köln
Vorwort Dr. Harald Rau
03
INHALTSVERZEICHNIS
Zusammenfassung ............................................................................................................................. 02
Vorwort Dr. Harald Rau ..................................................................................................................... 03
Inhaltsverzeichnis .............................................................................................................................. 04
1. Einleitung ......................................................................................................................................... 05
1.1 Köln und Umgebung ................................................................................................................. 05
1.2 Die Akteure ................................................................................................................................ 05
1.3 Leitlinien & Werte ..................................................................................................................... 06
1.4 Die Strategie im Kontext ......................................................................................................... 06
1.5 Entwicklung der Strategie ....................................................................................................... 07
2. Vom Feld bis zum Teller ................................................................................................................. 08
2.1 Landwirtschaftliche Flächen sichern .................................................................................... 08
2.2 Vielfalt landwirtschaftlicher Betriebe erhalten ................................................................ 10
2.3 Regionale Sorten- und Artenvielfalt bewahren ................................................................ 12
2.4 Regionale Futter- und Düngemittelkreisläufe etablieren................................................. 14
2.5 Das regionale Lebensmittelhandwerk stärken................................................................... 16
2.6 Vielfalt in der regionalen Gastronomie bewahren............................................................. 18
2.7 Lokale Märkte & Handel stärken .......................................................................................... 20
2.8 Regionalmarken stärken ........................................................................................................ 22
2.9 Alternative Vertriebsmodelle und partizipative Landwirtschaft umsetzen ............. 24
2.10 Gesunde Ernährung für Alle ermöglichen ......................................................................... 26
2.11 Umfassende Ernährungsbildung erreichen ........................................................................ 28
2.12 Nachhaltige Konsumentscheidungen fördern .................................................................. 30
2.13 Kantinen und Catering neu ausrichten .............................................................................. 32
2.14 Verpflegung in Schule und Kita neu ausrichten ............................................................... 34
3. Querschnittsthemen ..................................................................................................................... 36
3.1 Lebensmittelüberschüsse vermeiden und umnutzen ....................................................... 36
3.2 Verpackung vermeiden und reduzieren ............................................................................... 38
3.3 Transport umweltfreundlich organisieren .......................................................................... 40
3.4 Die Essbare Stadt Köln realisieren ........................................................................................ 42
4. Quellenverzeichnis ........................................................................................................................ 44
5. Anhang .............................................................................................................................................. 46
04
EINLEITUNG
05
1.1 Köln und Umgebung
Lebensmittel werden heute rund um den Globus angebaut und transportiert, bevor sie auf dem Teller landen. Produkte
werden dabei oft in unterschiedlichen Ländern oder sogar Kontinenten angebaut, verarbeitet und verbraucht.
Diese Ernährungsstrategie soll für “Köln und Umgebung” gelten – und folgt dabei dem etablierten Motto: „Global denken –
lokal handeln“.
Beim Verbrauch geht es dabei um die Lebensmittel, die in Köln konsumiert werden, zum Beispiel in privaten Haushalten,
Restaurants oder öffentlichen Kantinen und Einrichtungen wie Krankenhäusern und Schulen. Wie sich Konsumentinnen und
Konsumenten in Köln entscheiden, hat Auswirkungen auf die Menschen, die Lebensmittel vor Ort und weltweit produzieren
und verarbeiten. Entscheiden wir uns für einen fairen Handel, bei dem die Vorteile gut und gerecht verteilt sind? Oder für
Produkte, bei deren Produktion Regenwald und andere Ökosysteme gefährdet werden und bei deren Transport nach Köln
viele Treibhausgase emittiert werden?
Beim Anbau und der Verarbeitung wird der Fokus auf die Region gesetzt, auf das Kölner Umland, da dort deutlich umfang-
reichere landwirtschaftlich genutzte Flächen bestehen als auf dem Gebiet der Stadt Köln selbst. Aber auch hier erweitern
wir den Blick: Wenn Landwirtinnen und Landwirte Dünger oder Futtermittel global beziehen, sollen auch hierfür die globalen
Auswirkungen in Betracht gezogen werden.
1.2 Die Akteure
Die Ernährungsstrategie soll von unterschiedlichen Akteuren gemeinschaftlich und partnerschaftlich umgesetzt werden. Die
meisten Ziele lassen sich nur im Zusammenspiel erreichen, zum Beispiel von Landwirtinnen und Landwirten, Händlerinnen und
Händlern sowie Gastronomiebetrieben, die Angebot und Nachfrage nach regionalen Lebensmitteln so zusammenbringen müssen,
dass es sich für alle Seiten rentiert.
Die Strategie ist nicht rechtlich bindend, sie ist kein Gesetz und keine Verordnung, sondern ein Orientierungsrahmen, in dem sich
die einzelnen Akteure wiederfinden sollen.
Im Kern geht es um das Zusammenspiel der folgenden Gruppen:
• Wirtschaft: Landwirtinnen und Landwirte, Lebensmittelproduzentinnen und – produzenten, Gastronomiebetriebe der Region,
aber auch der Groß- und Einzelhandel, Logistikunternehmen, Anbieter von Verpackungslösungen etc.
• Zivilgesellschaft: Umwelt-, Naturschutz und Verbraucherorganisationen, Initiativen zu Urbanem Gärtnern, nachhaltiger Ess
kultur oder gegen Lebensmittelverschwendung.
• Forschung: Expertinnen und Experten sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und deren Einrichtungen.
• Bildungseinrichtungen: Einrichtungen der Kindertagesbetreuung, Schulen und Kindergärten, Berufsschulen und Universitäten.
• Verwaltung und Politik: Die kommunale Ebene, aber auch die Bezirksregierung und andere öffentliche Einrichtungen.
• Konsumenten und Konsumentinnen: Bürgerinnen und Bürger Kölns.
Die Strategie soll als Orientierungsrahmen wirken, innerhalb dessen konkrete, greifbare Projekte in einer engen Kooperation mit
der Stadtverwaltung angestoßen werden sollen
06
1.3 Leitlinien & Werte
Ziel dieser Ernährungsstrategie ist es, ein nachhaltig gerechtes, widerstandsfähiges, effektives und ökologisches Ernährungssystems
in Köln und dem Umland zu etablieren – vom heutigen Standpunkt aus gesehen: Die Ernährungswende zu schaffen.
Allen Kölner Bürgerinnen und Bürgern soll es möglich sein, sich gesund und regional zu ernähren und gleichzeitig die bäuerliche Land -
wirtschaft im Umland zu erhalten. Leiten lassen wir uns dabei von den folgenden Prinzipien 1:
Gut für die Kölner
Alle Kölnerinnen und Kölner sollen über das Wissen und die Möglichkeiten verfügen, gesunde, bezahlbare Lebensmittel selbst anzu -
bauen oder zu kaufen, diese zuzubereiten und zu genießen. Sie leben und schätzen ihre vielfältigen Esskulturen und -traditionen
und wählen dabei bevorzugt regionale, gesunde, saisonale, frische, ressourcenschonend produzierte und verarbeitete Lebensmittel.
Gut für Köln und die Region
Gemeinsam unterstützen wir Landwirtinnen und Landwirte, Lebensmittelproduzentinnen und -produzenten, -händlerinnen und
-händler und die Gastronomie dabei, Verantwortung für gute Lebensmittel und unsere Umwelt zu übernehmen und dabei Arbeits-
plätze, Wohlstand und wirtschaftliche Vielfalt in der Region zu sichern. Politik und Verwaltung berücksichtigen die Anforderungen
einer guten und nachhaltigen Ernährung in allen Politikbereichen. Sie fördern dabei eine regionale und nachhaltige Landwirtschaft,
welche Kultur-Landschaften bewahrt oder aufwertet, Artenvielfalt sichert und die Lebensqualität in unserer Region für alle steigert.
Gut für die Welt
Die in Köln verbrauchten Lebensmittel werden so produziert, verarbeitet, gehandelt und entsorgt, dass die natürlichen Ressourcen
dieser Welt geschützt werden. Produktion und Handel sind so organisiert, dass sie allen Beteiligten faire Arbeits-bedingungen und
Entlohnung bieten.
1.4 Die Strategie im Kontext
Kommunale Ernährungssysteme sind abhängig von der Entwicklung in anderen kommunalen Handlungsfeldern und von den Rahmen -
bedingungen auf Landes-, Bundes oder EU-Ebene.
Köln soll hier Modellregion für eine lokale, auf Nachhaltigkeit und Regionalität fokussierte Ernährungspolitik werden, von deren Er -
fahrung andere Städte des Landes und Bundes profitieren können. Dies hat institutionell bereits funktioniert, wie die Gründung und
der intensive Austausch mit Ernährungsräten in anderen Städten zeigt.
Relevant für die Strategie sind insbesondere die Prinzipien des Mailänder Abkommens über städtische Ernährungspolitik (MUFPP,
Milan Urban Food Policy Pact, siehe Anhang), die Köln unterzeichnet hat. Die Strategie übersetzt die Ziele für Köln und skizziert Maß -
nahmen zur Umsetzung.
In Bezug auf andere Aktionspläne soll diese Strategie:
• einen Input für die Kölner Perspektiven 2030, der umfassenden Strategie für die Entwicklung der Stadt Köln, leisten
2.
• den Aktionsplan Essbare Stadt Köln in den größeren Rahmen von Ernährungsfragen über den innerstädtischen, gemein-
schaftlichen Anbau hinaus stellen 3.
• Impulse zu Strategien auf übergeordneter Ebenen leisten, in dem kommunale und regionale Handlungsspielräume
aufgezeigt werden.
07
• die Nachhaltigkeitsstrategie NRW umsetzen, insbesondere zu dem ernährungsspezifischen Themenfeld, Punkt III 3, Ver-
sorgung mit gesunden Nahrungsmitteln aus nachhaltiger Produktion. Dabei wird u.a. die hohe Flächenkonkurrenz genannt,
die gelöst werden muss, sowie der Zugang zu nachhaltig produzierten Lebensmitteln für Alle. Im folgenden Punkt III 4.
“Erhaltung der biologischen Vielfalt und nachhaltige Waldwirtschaft“ wird die Wichtigkeit eines funktionierenden Öko-
systems dargestellt und die schlechte Situation in NRW herausgestellt, hier sollen durch Maßnahmen der nachhaltigen
Bewirtschaftung im Sinne der Ernährungsstrategie in Zukunft Verbesserungen erzielt werden.
• die Nationale Nachhaltigkeitsstrategie umsetzen, insbesondere diejenigen Indikatoren, die einen direkten Bezug zur
Ernährungsstrategie (4. Flächeninanspruchnahme, 5. Artenvielfalt, 9. Bildung, 12. Landbewirtschaftung und 14. Gesundheit
und Ernährung).
• die Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen umsetzen, die von Staaten weltweit unterzeichnet wurde und
Zielvorgaben für eine nachhaltige Entwicklung machen. (siehe Anhang)
1.5 Entwicklung der Strategie
Eine Ernährungsstrategie für ihre jeweilige Stadt zu entwickeln ist integraler Bestandteil der Arbeit von Ernährungsräten weltweit.
In Köln wurde bereits in der vierten Sitzung des Ernährungsrates, am 7. März 2017, durch den Sozialdezernenten angeregt, eine solche
Ernährungsstrategie zu erarbeiten.
Auf dem im September 2017 veranstalteten Visions-Workshop mit über 100 Teilnehmenden wurden elf Perspektiven für die Vision
einer nachhaltigen Ernährung für die Kölner Bürgerinnen und Bürger erarbeitet. Der dort vielfach skizzierte Idealzustand eines
lokal-regionalen Ernährungssystems sollte als Ausgangspunkt für die weitere Strategieentwicklung dienen.
Dazu hat der Ernährungsrat eine Arbeitsgruppe aus Verwaltung und Zivilgesellschaft etabliert, die die Perspektiven des Visionswork -
shops in konkrete Themen und Kapitel überführt und mit Leben gefüllt haben. Der Auftrag an die Arbeitsgruppe, die Arbeitsschritte
sowie die grobe Struktur des Dokumentes wurden vom Ernährungsrat am 14. Juni 2018 bestätigt.
Vom 22. Dezember bis 15. März 2019 hat der Ernährungsrat ein Online-Bürgerbeteiligungs-Verfahren durchgeführt. Parallel wurde
eine Rohversion der Strategie in den Ausschüssen des Ernährungsrats vorgestellt und besprochen. Am 16. Februar 2019 wurde eine
Strategiewerkstatt mit 80 Teilnehmenden in insgesamt zwölf Workshops zu den verschiedenen Kapiteln durchgeführt und die oben
genannten Akteure aktiv in ein Online-Beteiligungsverfahren eingebunden.
Das gesammelte Feedback aus den Workshops wurde protokolliert, veröffentlicht und gemeinsam mit dem Online-Feedback in die
Strategie eingearbeitet. Alle Änderungsvorschläge wurden vom Redaktionsteam festgehalten und der Umgang mit ihnen dokumen -
tiert. Dabei wurden die in den Workshops erarbeiten und im Konsens von mehreren Teilnehmern beschlossen Anmerkungen gegenüber
den Eingaben Einzelner über das Online-Beteiligungsverfahren bevorzugt behandelt.
Die aktuelle Version der Strategie wurde im Mai 2019 veröffentlicht und an die Stadt Köln übergeben. Unter Leitung des Umweltamtes
soll diese im Sommer 2019 in die politischen Gremien eingebracht werden. Parallel wird der Ernährungsrat Leuchtturmprojekte zur
Umsetzung der Strategie erarbeiten.
08
2. VOM FELD BIS ZUM TELLER
2.1 Landwirtschaftliche Flächen sichern
Am Anfang aller Ernährung steht der Boden: Wem gehört er und wer darf ihn nutzen? Gerade im Kölner Stadtgebiet und im
Umland gibt es eine harte Konkurrenz um die bestehenden Flächen: Wohnen, Verkehr, Gewerbe, Kultur und Freizeitnutzung
stehen mit der Landwirtschaft in Konkurrenz.
Landwirtschaftliche Flächen existieren sowohl in Köln als auch im Kölner Umland. Von den knapp 200.000 Hektar Ackerfläche und
120.000 Hektar Grünland im Regierungsbezirk Köln befinden sich dabei nur 5.600 Hektar Ackerfläche und 1.000 Hektar Grünland
im Kreis Köln selbst4. Dies entspricht 17 Prozent der Kölner Stadtfläche, 16 Prozent des Stadtgebiets sind Wald, während 61 Prozent
Siedlungsflächen sind. Im (hügeligen) Osten des Regierungsbezirks dominieren Weideflächen, im Westen Ackerflächen.
Die landwirtschaftlich nutzbaren städtischen Flächen in Köln sind an 91 Betriebe verpachtet, die meist über Stadtbezirksgrenzen,
Stadtgrenzen und Kreisgrenzen hinweg arbeiten. Die Kölner Liegenschaftsverwaltung hat rund 2.230 Grundstücke mit einer
Gesamtfläche von rund 2.691 Hektar zur landwirtschaftlichen Nutzung verpachtet. Davon befinden sich circa 311 Hektar auße-
rhalb des Stadtgebietes. Der Anteil der ökologisch bewirtschafteten Flächen daran ist bislang äußerst gering, der Großteil der
Fläche wird konventionell bewirtschaftet.
Die Liegenschaftsverwaltung schließt mit den Betrieben jeweils einen Pachtvertrag mit einer Laufzeit von 12 Jahren über alle
überlassenen Flächen ab, mit einem Kündigungsvorbehalt von Stadtseite. Die derzeitigen Pachtverhältnisse der stadteigenen
Flächen bestehen noch bis 2028. Die Mehrzahl der Pachtverhältnisse besteht generationenübergreifend schon seit Jahrzehnten.
Die landwirtschaftlichen Flächen im Kölner Stadtgebiet und den Umlandgemeinden sind von 1994 bis 2013 um jeweils 15 bis 20
Prozent geschrumpft
5 und werden in den nächsten Jahren durch neue Siedlungsprojekte (Planungen für Rondorf Nord, Kreuzfeld)
kontinuierlich und absehbar weiter reduziert. Auch im Regierungsbezirk Köln schrumpfen die Flächen durch zunehmende Gewerbe-
und Wohnansiedlung.
09
Leitlinien und Ziele
1. Landwirtschaftliche Flächen im Stadtgebiet erhalten
Die Landwirtschaft auf dem Kölner Stadtgebiet ist neben der Versorgungsfunktion insbesondere wichtig und erhaltenswert
als Bildungsort und Kulturgut, als Grundwasserschutz, zum Erhalt der Biodiversität, für die Frischluftversorgung und die lang-
fristige Kohlenstoffbindung im Boden:
Die landwirtschaftlichen Flächen im Kölner Stadtgebiet werden entsprechend der Nutzungs-Satzungen erhalten
und (klein-)bäuerlich bewirtschaftet. Dabei werden biologische Anbaumethoden systematisch gefördert und
Modelle partizipativer Landwirtschaft mit einbezogen.
2. Flächen im Umland für regionale Produktion nutzen
Die Flächen in der Stadt Köln und dem Regierungsbezirk Köln haben eine hohe Bedeutung für die Frischeversorgung (Obst,
Gemüse, Fleisch, etc.) und dienen als Grundlage für lokale, handwerkliche Verarbeitung in Saftpressen, Mühlen etc.,
(siehe auch Kapitel 2.5):
Die landwirtschaftlichen Flächen im Regierungsbezirk Köln werden prioritär zur regionalen Frischeversorgung
(Gemüse, Obst, etc.) und als Grundlage für die lokale, handwerkliche Verarbeitung genutzt.
3. Bäuerlichen und genossenschaftlichen Landbesitz stärken
Neben der Art der Nutzung ist die Frage des Eigentums ein zentrales Instrument, um der Bodenspekulation Einhalt zu gebieten:
Der bäuerliche und genossenschaftliche Landbesitz wird gestärkt, um landwirtschaftlichen Betrieben auch bei
steigenden Bodenpreisen und Pachten im Umland die finanzielle Basis zu erhalten. Dies wird durch Vorkaufsrechte
für lokale Landwirte beim Verkauf von Boden bewerkstelligt.
3. Bäuerlichen und genossenschaftlichen Landbesitz stärken
Nach dem Auslaufen der Pachtverträge 2028 müssen die ökologische Bewirtschaftung und die Biodiversität stärker gefördert
werden.
Die Stadt legt einen Anteil der Fläche fest, welcher nach 2028 ökologisch bewirtschaftet werden soll und fördert
die Biodiversität auf kleinen Flächen.
Regionalwert AG Rheinland
Die Regionalwert AG arbeitet im Ernährungsrat für Köln und Umgebung bereits von Beginn an mit. Mit Bürgeraktien sorgt
die Aktiengesellschaft für Existenzgründungen und regionale Verarbeitungsstrukturen im Bio-Bereich im Rheinland. Mit
einem regionalen Partnernetzwerk, der Bio-Gastro-Messe und der Beteiligung am Demeter Hof StadtLandGemüse ist die
Regionalwert AG in Köln aktiv, um die kleinstrukturierte Bio-Landwirtschaft zu stärken.
Regelmäßig gibt die Regionalwert AG Bürgeraktien aus, damit weitere Projekte umgesetzt werden können. Anhand des
Regionalwert-Berichts weist die Regionalwert AG die nachhaltigen Leistungen in der Landwirtschaft ihrer Partnerbetriebe
nach.
www.regionalwert-rheinland.de
10
2.2 Vielfalt landwirtschaftlicher Betriebe erhalten
Landwirtschaftliche Betriebe gibt es in unterschiedlichen Formen - von der Nebenerwerbs-Landwirtschaft über (klein-)
bäuerliche (Bio-)Betriebe bis hin zu international tätigen Agrarkonzernen. Wir wünschen uns eine vielfältige, bäuerlich
geprägte und regional verwurzelte Landwirtschaft, die gute Arbeitsplätze in der Region sichert.
Auch an der Anzahl der Betriebe wird die landwirtschaftliche Bedeutung des Kölner Umlandes klar. 2016 gab es in der Stadt Köln
zusammen nur 84 Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe, dies entspricht einer Abnahme von 27 Prozent gegenüber 2010. Im
Regierungsbezirk Köln ist die Zahl der Betriebe von 2010 bis 2017 um 13 Prozent auf 4.680 Vollerwerb- und Nebenerwerbsbetriebe
zurückgegangen
6.
Dabei sind hier die landwirtschaftlichen Flächen pro Betrieb im deutschlandweiten Vergleich relativ klein, insbesondere in der
Eifel und im bergischen Land. Größere Betriebe finden sich vor allem in der von Ackerflächen dominierten rheinischen Börde
(im Schnitt > 80 Hektar).
Im Regierungsbezirk werden 60 Prozent der Ackerfläche für Getreide und weitere 15 Prozent für Zuckerrüben verwendet, auf den
relativ kleinteiligen Anbau und für die Nahversorgung wichtigen Anbau von Obst und Gemüse entfallen nur 2 Prozent. In Köln
selbst bauen 12 Prozent der Betriebe Obst und Gemüse an (2016 ca. 17 Prozent), was den Anteil in der Region (3 Prozent) deutlich
übersteigt, wobei die meisten Obst- und Gemüsekulturen in Sonderkulturen wie Erdbeeren und Spargel angebaut werden. Im Jahr
2016 waren 356 der 4.680 Betriebe im Regierungsbezirk Ökolandbaubetriebe
7.
Weit verbreitete ist die Tierhaltung. 2015 gab es insgesamt 2.316 Rinderhalter (Milch und Fleischvieh), 186 Schweinehalter,
402 Schafhalter, 171 Ziegenhalter, 547 Hühnerhalter, 156 Mastgeflügelhalter sowie 1.096 Halter anderer Tiere.
Die Nähe zu regionalen Absatzmärkten und die Möglichkeiten der Direktvermarktung (Hofläden, Märkte etc.) helfen dabei, eine
bäuerliche, vielfältige Landwirtschaft in der Region zu halten. Trotzdem sind die bäuerlichen Betriebe in der Region von Konzentra -
tionsprozessen und Nachfolgeproblemen betroffen.
Leitlinien und Ziele
1. Bestehende bäuerliche Betriebe sichern
Die Existenz bäuerlicher Betriebe ist neben der Flächenkonkurrenz auch gefährdet durch Preisdruck und sich verändernde
Absatzmärkte.
Die bestehenden bäuerlichen Betriebe in Köln und im Kölner Umland werden unterstützt, um sie zu erhalten
und zu sichern. Betriebe, bei denen ein Risiko der Existenzaufgabe besteht, werden identifiziert und gezielt
unterstützt (Vertriebspartnerschaften, Aufnahme in Regionallabel etc.).
2. Kreislaufwirtschaft und Vielfalt in bäuerlichen Betrieben erhalten
Landwirtschaftliche Betriebe haben in der Vergangenheit meist in einer Kreislaufwirtschaft gearbeitet und eine Vielzahl
von Produkten angebaut und vertrieben. Wir wollen diese Art der Bewirtschaftung sichern und wiederbeleben:
Den Landwirtinnen und Landwirten in der Region soll es möglich gemacht werden, ihren Betrieb vielfältig
(Sorten, Vertriebswege etc.) und erfolgreich zu führen. Dazu werden sie ermutigt, sich für Städter zu öffnen
und beispielsweise Elemente partizipativer Landwirtschaft einzuführen.
3. Hofnachfolgen aktiv begleiten und ermöglichen
Auch wenn landwirtschaftliche Betriebe traditionell familiär übergeben und geführt wurden, ist dieses Muster im Wandel
und die Nachfolge bäuerlicher Landwirtschaft nicht mehr der Normalfall.
Die Existenzgründung und Nachfolge auf Höfen in der Stadt Köln und im Regierungsbezirk Köln sollen aktiv
begleitet und ermöglicht werden. Dabei werden gezielt Nachfolgen und Existenzgründungen gefördert, die
die Leitsätze des Ernährungsrats (Artenvielfalt, Regionalität etc.) umfassend umsetzen.
Klefhof
Der Klefhof ist ein Bioland-Betrieb in der Nähe von Bergisch Gladbach, der seine Produkte ausschließlich am Hof zu
festen Abholterminen vermarktet. Das Fleisch stammt von den eigenen Rindern, Schweinen, Schafen und Ziegen, die
den größten Teil ihres Lebens auf den kräuterreichen bergischen Wiesen verbringen. Diese Flächen werden vom Klefhof
naturschutzgerecht bewirtschaftet.
Geschlachtet wird bei einem ortsnahen Metzger. Neben der artgerechten Tierhaltung ist es dem Betrieb ein großes
Anliegen, Menschen den Bezug zu ihren Nahrungsmitteln wiederzugeben. Dies geschieht u.a. in Form von Schnupper-
tagen am Hof sowie naturpädagogischen Angeboten für Schulklassen. Ziel ist es, Kinder und Erwachsene für eine
tier- und umweltfreundliche Nutztierhaltung zu sensibilisieren und so das eigene Konsumverhalten zu überdenken.
In Köln und Troisdorf legt der Klefhof unter dem Namen „Gartenglück“ Selbsternte-Gärten an: Städter können für einen
festen Saisonbeitrag einen Sommer lang auf einer bereits fertig bepflanzten Gartenparzelle ihr eigenes Bio-Gemüse
hegen, pflegen & ernten und sich somit ein Stück weit selbst versorgen. Zudem werden am Hof verschiedene Gemüse-
Jungpflanzen zum Verkauf vorgezogen: Tomaten (u.a. alte Sorten), Gurken, Kürbisse, Zucchini, Chili, Physalis, Paprika
und Auberginen. Das Saatgut stammt von bio-zertifizierten Betrieben.
www.klefhof.de
www.gartenglueck.info
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12
2.3 Regionale Sorten- und Artenvielfalt bewahren
Sorten- und Artenvielfalt in der Landwirtschaft gibt es sowohl auf als auch neben dem Acker – und sie spiegelt sich am
Ende sogar im Essen selbst wieder. Anbau und Vertrieb in der industriellen Landwirtschaft beschränken sich dabei oft
auf wenige Sorten und Arten, was diese anfällig für Probleme wie den Klimawandel macht. Wir wollen Arten- und
Sortenvielfalt bewahren, da sie vielfältige Ökosystemdienstleistungen erbringen und vorteilhaft für die Gesundheit sind.
Biodiversität und Artenvielfalt in der Landwirtschaft sind von enormer Wichtigkeit – unter anderem aus ökologischer und
gesundheitlicher Perspektive. So sind alte, regional angepasste Sorten oft widerstandsfähiger gegenüber Klimawandel und
anderen Einflüssen, vitamin- und nährstoffreich und oftmals auch für Allergiker besser geeignet. Zudem dienen alte Sorten als
Kulturerbe und Genpool für moderne Züchtungen.
Grundsätzlich hat das Rheinland eine sehr diverse Landschaft, vom waldreichen Bergischen Land und der Eifel hin zur Ackerbau-
landschaft in der Kölner Bucht. Die naturräumliche Vielfalt spiegelt sich jedoch nicht mehr in der Sorten- und Artenvielfalt auf
den Feldflächen wieder. Wie in anderen Regionen hat die Intensivierung der Landwirtschaft, der Verlust von Freifläche und der
Druck des Einzelhandels auf die Landwirte zu einer deutlichen Abnahme der Biodiversität und Insekten auf und neben den Äckern
geführt. Die Sortenvielfalt im Anbau ist um 90 Prozent
8 zurückgegangen, es dominieren Hochleistungssorten auf den meisten
Äckern. Diese sind ertragsoptimiert, lassen sich maschinell ernten und sind resistent gegen Krankheiten, lassen sich aber als
Hybridsaatgut nicht im Betrieb vermehren.
In der Praxis sind alte Obst- und Gemüsesorten oft ertragsärmer als Sorten aus modernem Hybridsaatgut. Daher können es sich
viele, vor allem kleinere Betriebe, aus finanziellen Gründen nicht leisten diese schützenswerten Sorten anzubauen. Viele Sorten
dürfen auch nicht mehr kommerziell angebaut werden, weil es einer Prüfung und Zulassung durch das Bundessortenamt bedarf
9.
Trotz eines erhöhten Personalaufwands im Anbau alter Sorten besteht bei vielen (Bio-)Gemüsebetriebe eine grundsätzliche
Motivation für den Erhalt von Sorten, auch solchen mit geringeren Erträgen, wenn für diese eine Marktnachfrage oder andere
Formen der Unterstützung existiert.
Bei neuen Bepflanzungen in der Stadt im Zuge von Urban Gardening, Essbaren Plätzen, etc. sollten natürlich ebenfalls Arten-
und Sortenvielfalt vorgelebt werden und alten/seltenen Kulturpflanzen bevorzugt Raum gegeben weden.
13
Leitlinien und Ziele
1. Arten- und Sortenvielfalt im Anbau fördern
Vielfalt beginnt auf dem Acker, bei der Auswahl der angebotenen Arten und Sorten:
Die Arten- und Sortenvielfalt im landwirtschaftlichen Anbau sowie in der Nutztierhaltung wird gefördert.
Dabei soll der Fokus auf alten Sorten und samenfestem, ökologischem Saatgut liegen.
2. Vielfältige Kulturräume erhalten und ausbauen
Artenvielfalt findet in ländlichen und städtischen Räumen auch jenseits des Ackers statt – in Grünanlagen, Feldhecken,
Blühstreifen und Gärten:
Durch eine vielfältige Bepflanzung von Acker- und Wegrändern und Grünanlagen, von Parks und in Kleingarten-
anlagen sowie in privaten Gärten wird eine Arten- und Sortenvielfalt auch neben dem Anbau gefördert. Auch
Lösungen für Dach- und Fassadenbegrünung, gegen Überhitzung in der Stadt, sowie zum Flächengewinn, sollen
erarbeitet und unterstützt werden.
3. Für Sorten- und Artenvielfalt vom Feld bis zum Teller sensibilisieren
Sorten- und Artenvielfalt auf dem Acker funktioniert nur, wenn diese von Einkäuferinnen und Einkäufern, Gastronomie-
betrieben und deren Kundinnen und Kunden erkannt und wertgeschätzt wird:
Eine Wertschätzung für Sorten- und Artenvielfalt über die gesamte Wertschöpfungskette wird geschaffen.
Dies gelingt durch Bildungsangebote, aber auch durch Kenntlichmachung im Einzelhandel und bei Gastronomen
sowie die explizite Förderung des Anbaus alter Sorten in der Landwirtschaft.
VEN und Saatgutfestival Köln
Der “Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e.V.” identifiziert alte, noch auffindbare samenfeste Pflanzen-
sorten und versucht, daraus Saatgut zu gewinnen. Dieses vermehrt ein Teil der Vereinsmitglieder selbst, es wird jedoch
nur für den privaten, nicht kommerziellen Anbau zur Verfügung gestellt. Der Verein ist bundesweit in ca. 20 Städten
durch Regionalgruppen vertreten, seit 2017 auch in Köln. Neben der Erhaltung des vielfältigen, nicht gentechnisch
manipulierten Saatgutes und der Bildungsarbeit ist ein weiterer Tätigkeitsbereich die Zusammenarbeit mit anderen
Organisationen, Universitäten und nationalen sowie internationalen Organisationen.
Jährlich wird eine Saatgutliste veröffentlicht und das Saatgut per Tausch, gegen Spende oder einen Kostenbeitrag
weitergegeben.
In Köln wird zum Beispiel das Saatgutfestival Köln zusammen mit dem Netzwerk Gemeinschaftsgärten Köln und der
Volkshochschule Köln organisiert. Hier treffen sich Gärtnerinnen und Gärtnern zum Tausch von Saatgut, zudem werden
Workshops und Vorträge organisiert.
VEN:
www.nutzpflanzenvielfalt.de/verein/aufgaben_und_ziele
Saatgutfestival: www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/freizeit-natur-sport/veranstaltungskalender/saatgut
festival-2019
Kontakt: ven-ortsgruppe-koeln@gmx.de.
14
2.4 Regionale Futter- und Düngemittelkreisläufe etablieren
Wann ist ein Produkt eigentlich ein regionales Produkt? Entscheidend ist nicht nur der Ort der Produktion oder (End-)Ver-
arbeitung, sondern auch die Herkunft der Rohstoffe, insbesondere von Futter- und Düngemitteln. Durch weite Transport-
wege, meist aus dem außereuropäischen Ausland, entstehen dabei hohe Treibhausgas-Emissionen. Um dies zu ändern ist
es wichtig, den innereuropäischen und verstärkt regionalen (im Regierungsbezirk) Anbau von Futtermitteln zu fördern.
Auch wenn es im Biobereich Betriebe gibt, die strikt regional arbeiten, ist die überwiegende Mehrheit der landwirtschaftlichen
Betriebe in globale Kreisläufe eingebunden. So beziehen viele konventionelle landwirtschaftliche Betriebe in NRW ihre Dünge-
mittel aus den Niederlanden. 2017 wurden dabei Wirtschaftsdünger in Form von Mist und Gülle in einem Umfang von 1,5 Mio.
Tonnen eingeführt, hauptsächlich in die Regierungsbezirke Düsseldorf und Köln
10 .
Futtermittel für die Fleischproduktion werden überwiegend aus dem außereuropäischen Ausland importiert. Jährlich werden
33 Millionen Tonnen Sojabohnen und -schrot aus Südamerika in die EU verschifft. Dies entspricht durchschnittlich 64 kg für
jeden EU-Bürger. Ohne diese Importe kann die EU die Produktion tierischer Nahrungsmittel zurzeit nicht durchführen, da sie
selbst zu wenig eiweißreiche Futterpflanzen anbaut. Um die Exporte aus dem außereuropäischen Ausland zu verringern, müsste
der Fleischkonsum reduziert und Dünge- und Futtermittel vermehrt regional produziert werden.
Die europäische Agrarpolitik hat sich diesbezüglich geändert und subventioniert den Anbau von Raps, Ackerbohnen, Erbsen und
Lupinen auf „ökologischen Vorrangflächen“. Diese Pflanzen sind nicht nur eiweißreich, sie binden auch Stickstoffe im Boden.
Zwischen 2014 und 2016 stieg der Anbau dieser von 0,3 Millionen Tonnen auf 0,5 Millionen Tonnen an. Seit 2004 verdoppelte sich
der Anbau von Rapsschrot als eiweißreiches Futtermittel.
Da die biologischen Landwirtschaftsbetriebe weder Futtermittel noch konventionelle Düngemittel importieren, benötigen sie
pro Hektar durchschnittlich 40 Prozent weniger Energie und produzieren entsprechend weniger Treibhausgas-Emissionen pro
Fläche. Daher sollte nicht nur der Anbau von Eiweißpflanzen verstärkt betrieben werden, sondern auch die Umstellung der
Betriebe auf ökologischen Landbau
11.
15
Leitlinien und Ziele
1. Regionale Stoffkreisläufe schließen und wiederherstellen
Der regionale Anbau und Handel von Futter- und Düngemitteln hat auf ökologischer und sozialer Ebene Chancen für die
Entwicklung eines nachhaltigen Ernährungssystems:
Produzentinnen und Produzenten (in Köln und Umgebung) verwenden gezielt und bevorzugt regional produzierte
Futter- und Düngemittel, um lokale Stoffkreisläufe und Wertschöpfungsketten zu schließen. Das Einbringen
externer Inputs wird durch landwirtschaftliche Strategien (Fruchtfolge, Gründüngung etc.) reduziert.
2. Stärkung regionaler, kreislauforientierter und nachhaltiger Landwirtschaft
In NRW sind ca. 60 bis 70 Regionalinitiativen tätig. Dies sind in der Regel Zusammenschlüsse von (kleinen) Erzeugerinnen und
Erzeugern, Verarbeiterinnen und Verarbeitern und Gastronomiebetrieben in einer Region, die ihre regionalen Lebensmittel
gemeinsam vermarkten.
Die regionale Vernetzung von Betrieben soll gefördert werden, auch über verschiedene Branchen, die für diesen
regionalen Kreislauf relevant sind, hinaus. Dies kann durch (online) Vernetzungsplattformen und Informations-
bzw. Anleitungsmaterial sowie finanzielle Subventionen für lokale Produkte geschehen.
Haus Bollheim
Haus Bollheim vertritt seit 1981 einen biologisch-dynamischen Landbau. Biologisch- dynamische Landwirtschaft ist für
Haus Bollheim die „intensive Arbeit mit den Kräften der Natur, mit dem Ziel, Lebensmittel zu produzieren, die nicht nur
satt machen, sondern Körper und Geist nähren und die auf eine Weise entstehen, die allen Beteiligten gerecht wird: Natur,
Tier und Mensch”.
Der Hof bietet eine biologische Vielfalt von Kühen und Hühnern, auf Acker-, Wald- und Grünland werden verschiedene
Getreidearten, Kartoffelsorten und Gemüsekulturen angebaut. In der hauseigenen Bäckerei wird mit handwerklichen
Methoden Brot produziert, teilweise mit alten Getreidesorten. Die Käserei produziert verschiedene Käsesorten aus der
eigenen Milch. Die Produkte werden unter anderem über den eigenen Hofladen sowie auf dem Kölner Ökomarkt vertrieben.
www.bollheim.de
Kontakt: mail@bollheim.de
16
2.5 Das regionale Lebensmittelhandwerk stärken
Lebensmittel können nicht nur regional angebaut, sondern auch regional veredelt und verarbeitet werden. Dies betrifft sowohl
die ersten Verarbeitungsstufen (Molkerei, Mühle, Schlachthöfe etc.) als auch die Verarbeitung in Bäckereien, Metzgereien etc.
In der Lebensmittelverarbeitung hat sich die Zahl der Betriebe in den letzten Jahren und Jahrzehnten deutlich reduziert. In vielen
Erzeugerbetrieben führte dies zu einer starken Abhängigkeit von großen weiterverarbeitenden Betrieben und in vielen Fällen zur
Aufgabe oder Zusammenlegung der kleinen Betriebe.
Auch die lokale Verarbeitung von Fleisch wird im Regierungsbezirk Köln durch den Wegfall von Schlachtbetrieben und Metzgereien
zunehmend schwieriger. Durch die Zentralisierung dieser Betriebe sind sogenannte “Flaschenhälse” in der Versorgung von Metzge -
reien entstanden. Besonders drastisch ist der Wegfall milchverarbeitender Betriebe. 2018 gab es im Regierungsbezirk Köln bei 1200
milcherzeugenden Betrieben lediglich 11 Molkereien. Im Regierungsbezirk befinden sich Saftpressen, Ölpressen und andere weitest -
gehend in privater Hand, Lohnabfüllung (z.B. für Säfte, Schorlen u.ä.) sind überwiegend angegliedert an Brauereibetriebe. Auch im
Bereich handwerklich arbeitender Bäckereien ist weiterhin ein Rückgang zu verbuchen.
Um die Wertschöpfung bei regionalen Erzeugnissen in der Region zu halten ist der Aufbau neuer Verarbeitungsbetriebe erforder -
lich. Durch regionale Verarbeitungsketten werden Transportwege kürzer und die Wertschöpfung der erzeugenden Betriebe gestärkt.
Zudem werden Lieferanten unabhängiger von Großabnehmern und können Preise erzielen, bei denen sie nachhaltig wirtschaften
können.
In allen Bereichen gibt es teilweise erfreuliche Gegenentwicklung. Junge Verarbeitungsbetriebe, ob Bäckereien, Metzgereien
oder Craft-Brauer, finden ihre Nische unter Kunden, die traditionelles Lebensmittelhandwerk (wieder) zu schätzen wissen
und sich mit der Region identifizieren.
17
Leitlinien und Ziele
1. Betriebe für die Erstverarbeitung in der Breite erhalten und wiederaufbauen
Damit regionale Landwirtschaft zu einer regionalen Ernährung auch mit verarbeiteten Lebensmitteln führt, muss eine
regionale Erstverarbeitung vor Ort sichergestellt sein:
In Köln und Umgebung sollen Einrichtungen für die Erstverarbeitung von Lebensmitteln (Mühlen, Molkereien,
Öl- und Saftpressen) erhalten oder neu eingerichtet werden. Nur so sind sie für regionale Landwirtinnen und
Landwirte und landwirtschaftliche Initiativen erreichbar und zugänglich und können regionale Produkte für
Gastronomie und Handel zur Verfügung stellen.
2. Handwerkliche, wohnortnahe Endverarbeitung stärken
Lebensmittel wurden traditionell wohnortnah verarbeitet – in Metzgereien, Bäckereien etc. Wir wollen diese Tradition
bewahren und wiederbeleben:
Betriebe der regionalen und handwerklichen, idealerweise wohnortnahen, Endverarbeitung werden gestärkt und
erhalten. Hierbei soll ein Augenmerk auf der Verarbeitung von qualitativ hochwertiger, lokaler Produktion liegen
(“Backstube vs. Bäckereikette”) sowie auf eine regionale Herkunft der Rohstoffe.
3. Dezentrale, genossenschaftliche Verarbeitung stärken
Auch in der handwerklichen Verarbeitung von Lebensmitteln gibt es Innovationen - wie mobile Schlachterinnen und
Schlachter, die direkt auf den jeweiligen Höfen arbeiten oder in gläsernen Backstuben und Metzgereien. Diese Inno-
vationen können helfen das Lebensmittelhandwerk für neue Marktbedingungen vorzubereiten:
Experimenten und Innovationen im Lebensmittelhandwerk, die die regionale, hochwertige Verarbeitung von
Lebensmitteln unter veränderten Marktbedingungen ermöglichen, wird durch die entsprechenden Rahmenbe-
dingungen zum Markteintritt verholfen.
Bergheim’s Meisterbäckerei
Die Konkurrenz der Billiganbieter und der Rückgang von Auszubildenden ist für traditionelle Bäckereibetriebe ein erheb-
liches Problem, so dass viele Bäckereien schließen müssen.
Ein gegenteiliges Beispiel ist die Meisterbäckerei Bergheim’s. Während der Vater seine Bäckerei in Lindenthal seit 1985
betreibt, eröffnete sein Sohn Tim Bergheim seine eigene Bäckerei in Sülz. Für die Backwaren verwendet er regionale
Zutaten, wie Mehl aus Köln, Bio-Eier und -Milch erhält er aus dem Bergischen. Er ist kein zertifizierter Biobäcker, kauft
aber regionale Produkte und so viel wie möglich in Bioqualität. Die traditionelle Verarbeitung der Teigwaren erlernte er
von seinem Vater.
Um den Kundinnen und Kunden die Produktion näher zu bringen hatte er eine offene Backstube an der Theke, die auf-
grund der steigenden Menge jedoch aufgegeben wurde. Die Nachfrage seiner Kundinnen und Kunden ist groß, weshalb
er mittlerweile zusätzliches Personal beschäftigt und im Herbst 2018 einen Verkaufsstand in der Kölner Markthalle im
Belgischen Viertel eröffnen konnte.
www.ksta.de/koeln/
aussterbendes-handwerk-wie-sich-ein-koelner-baecker-gegen-den-abwaertstrend-stemmt-31397440
18
2.6 Vielfalt in der regionalen Gastronomie bewahren
Restaurants, Cafés und Kneipen sind zentrale Orte der außerhäuslichen Verpflegung, der Begegnung und der Kultur.
Eine vielfältige Gastronomie-Szene ist Ausdruck einer lebendigen Stadt, ist ein wichtiger Arbeitgeber und kann Absatz-
markt für regionale Lebensmittelproduktion sein.
Die Stadt Köln ist weiterhin ein attraktiver und vielfältiger Standort für die Gastronomie, was sich in der Zahl der Betriebe
und deren Angestellten widerspiegelt.
So gab es laut Umsatzsteuerdaten im Jahr 2016 3.297 Betriebe, davon waren 364 Hotels (auch Gasthöfe, Pensionen), sowie
2.933 gastronomische Betriebe wie Restaurants (mit und ohne Bedienung), Eventcatering, Eissalons, Cafés, Bars und Clubs.
Die meisten dieser Betriebe verwenden bisher nur teilweise regionale Produkte. Es gibt eine Reihe von ausgewählten Cafés und
Restaurants, die hauptsächlich oder prioritär regionale Produkte oder Bio-Lebensmittel verwenden. In der gehobenen Gastro-
nomie werden regionale, saisonale und biologische Lebensmittel bereits stärker verwendet. Demgegenüber steht ein großer
Anteil von Betriebe in Köln, in denen Regionalität in der Beschaffung aus wirtschaftlichen Gründen keine Rolle spielt.
Insbesondere der Biermarkt ist stark regional geprägt, auch wenn die meisten Kölsch-Marken mittlerweile im Besitz von
Brauerei-konzernen sind.
Für die Kunden in der Gastronomie ist größtenteils nicht erkennbar, woher die Lebensmittel, Futtermittel, usw. kommen, welche
Lieferwege sie zurückgelegt haben und welche Zusatzstoffe verwendet wurden. Anders als für den Biomarkt gibt es keine ein-
heitliche Zertifizierung regionaler Produkte. Hier fehlt eine transparente Informationspolitik sowie die gesetzlichen Voraus-
setzungen, um Konsumenten eine bewusste, informierte Entscheidung für Regionalität in der Außerhausverpflegung zu ermöglichen.
19
Leitlinien und Ziele
1. Inhabergeführte, handwerkliche Gastronomie unterstützen
Die traditionelle, inhabergeführte, handwerkliche Gastronomie ist ein zentraler Bestandteil von Stadtkultur und lokaler
Wirtschaft:
Die inhabergeführte, handwerklich arbeitende Gastronomie wird gefördert. Hierbei geht es neben dem Bewahren
etablierter Betriebe auch um Neugründungen mit innovativen Betreiber-Konzepten (z.B. Genossenschaften).
2. Regionalität und Saisonalität im gastronomischen Angebot stärken
Gerade Gastronominnen und Gastronomen können durch die flexible Ausgestaltung ihres Angebots Regionalität und Saison-
alität in besonderer Weise berücksichtigen:
Regionale und saisonale Angebote finden Platz in der Gastronomie, sowohl in der handwerklichen Gastronomie
als auch in der Gemeinschaftsverpflegung (Mensen, Kantinen, Großrestaurants).
3. Vegetarische und vegane Außerhausverpflegung ermöglichen
Die Stadt Köln empfiehlt Gastronomiebetrieben bereits, vegetarische und vegane Gerichte anzubieten 12– da dies von Konsum-
entinnen und Konsumenten zunehmend nachgefragt wird. Wir wollen es Vegetarierinnen und Vegetariern sowie Veganer-
innen und Veganern möglich machen, sich durchgängig außer Haus zu verpflegen:
Gastronomie- und Cateringbetriebe bieten gleichwertige (d.h. regionale und gesunde, preislich vergleichbare)
vegetarische und vegane Gerichte an und kennzeichnen diese aktiv. Eine freiwillige Selbstverpflichtung von
Ernährungsrat und Gastronomie-Verbänden informiert hierzu.
4. Transparente Lebensmittelherkunft
Die Stadt Köln erfragt von den gastronomischen Betrieben eine Information zur Herkunft und Verarbeitung ihrer Rohstoffe:
Die Anbau-, Liefer- und Verarbeitungsinformationen sind transparent für die Kunden einsehbar. Auf regionale
und saisonale Gerichte wird aktiv als “Beste Regionaloption” oder ähnlich verwiesen.
Brauerei Heller GmbH
Die Brauerei Heller GmbH, die sich im Kölner Kwartier Latäng befindet, erzeugt seit vielen Jahren bio-zertifiziertes Bier.
Direkt daneben befindet sich das Brauhaus, in dem nicht nur die verschiedenen Biersorten angeboten werden, sondern auch
typisch Kölsches Essen, mit Produkten aus der Region. Dazu gehören fair gehandelter Kaffee aus einer Kölner Rösterei,
Wein aus der Pfalz, Bio-Eier aus dem Kölner Umland, Fleischprodukte aus einer Kölner Natur-Metzgerei und Brot von einer
Bäckerei, die sich seit Generationen im Zentrum der Stadt befindet. So wird nicht nur das Bier in hauseigener Produktion
hergestellt, sondern auch viele andere Zutaten aus Köln und Umgebung verwendet, vorzugsweise in Bio-Qualität.
www.hellers.koeln
20
2.7 Lokale Märkte & Handel stärken
Wochen-, Super- und Biomärkte sind der Ort, wo sich Konsumentinnen und Konsumenten im Regelfall mit den Lebensmitteln
für den privaten Verbrauch im Haushalt versorgen. Wo und in welcher Form diese Märkte vor Ort vorhanden sind und welches
Sortiment sie führen, ist ein zentraler Faktor für private Einkaufsentscheidungen. Der Lebensmitteleinzelhandel ist daher ein
wichtiger Baustein des Kölner Ernährungssystems sowie der Kölner Stadtteile.
Der Lebensmittelhandel ist im Umbruch, auch in Köln. Dabei gibt es widersprüchliche Trends: Trotz steigender Verkaufsfläche gibt
es in einzelnen Stadtvierteln ein abnehmendes Angebot, Anbieter konzentrieren sich zunehmend auf große, mit dem Autoverkehr
gut zu erreichende Märkte oder solche in Innenstadtlagen. So gibt es z.B. im Stadtteil Weiß keinen Nahversorger mehr im Zentrum.
Auch bei den Eigentümerstrukturen gibt es eine Verschiebung - von inhabergeführten Geschäften über Filialen hin zu einigen
wenigen Handelsketten. Mit einem Umsatz von geschätzten 2,1 Mrd. € jährlich kommt dem Lebensmitteleinzelhandel eine große
Bedeutung in der gesamten Wertschöpfungskette zu
13.
Mit dem Einzelhandels- und Zentrenkonzept14 verfolgt die Stadt Köln u.a. die Ziele die “großen Haupt- und Nebenzentren in ihrer
Versorgungsfunktion zu sichern und zu stärken” sowie „die wohnortnahe Versorgung mit Waren und Dienstleistungen des täglichen
Bedarfs zu sichern“. Es ist bereits Ziel der Stadt, die Entwicklungen im Lebensmitteleinzelhandel nicht allein Angebot und Nachfrage
bestimmen zu lassen, sondern diese ausgehend von den existierenden Einzelhandelsbetrieben sowie dem Nachfragepotenzial zu
steuern. Dennoch belasten behördliche Auflagen teilweise gerade kleine Betriebe und bedrohen damit die Vielfalt im Einzelhandel.
Auch wenn Märkte vermehrt regionalen Landwirten und Regionalmarken einen Kanal bieten, sind in Discountern regionale oder
saisonale Produkte nicht flächendeckend erhältlich. Auch der Boom von Bio-(Handels-)marken sowie speziellen Bio-Supermärkten
führt nur in Einzelfällen zu einer Stärkung des Bio-Anbaus in der Region. Denn die Lieferketten sind auch im Biohandel, der auf die
Masse ausgerichtet ist, mittlerweile stark standardisiert und internationalisiert. Dies wirkt einem Wunsch nach mehr Transparenz
im Lebensmittelhandel entgegen, den sich viele Konsumenten wünschen. Als Reaktion hierauf setzen Discounter und Supermärkte
teilweise verstärkt auf deutsche Bio-Verbandsware.
Neben den Supermärkten gibt es in Köln 66 Wochenmärkte an 39 Standorten
15, deren Angebot jedoch im Frischebereich durch kon -
ventionelle Wiederverkäufer dominiert wird. Hervorzuheben ist hier das Angebot der „Ökomärkte“, die an fünf Tagen pro Woche an
drei Standorten ausschließlich kontrolliert biologisch erzeugte Lebensmittel anbieten, die vorzugsweise aus der Region stammen 16.
Der Kölner Großmarkt bietet neben europäischer Ware und Exotischem aus Übersee auch eine Plattform für regionale Anbieter, er
ist an seinem derzeitigen Standort jedoch zeitlich limitiert und wird voraussichtlich bis 2022 einen neuen Standort gefunden haben
müssen.
21
Leitlinien und Ziele
1. Handelsstrukturen in den Stadtteilen bewahren
Wir möchten den Rückzug des Handels aus den Stadtteilen und den Trend zum mit dem Auto erreichbaren Einzelhandel auf
Großflächen außerhalb der Stadt stoppen oder umkehren.
In jedem Stadtteil gibt es, fußläufig bzw. mit dem Fahrrad für alle Anwohnerinnen und Anwohner erreichbar,
angemessene Angebote der Nahversorgung.
2. Regionale, saisonale und ökologische Vielfalt verfügbar machen
Während regionale und ökologische Produkte im Stadtzentrum durchgängig verfügbar sind, ist die Versorgung in Randge-
bieten teilweise schlechter. Saisonalität hat es im Handel schwer, da die Auswahl zwischen saisonal-regionalen Produkten
und vergleichbaren Produkten aus dem Ausland in Preiskonkurrenz stehen und hier oft die importierten Waren
im Vorteil sind.
Regionale, saisonale und ökologische Produkte sind durchgängig verfügbar und werden im Handel prominent
beworben. Auch die Verarbeitung spielt hier eine Rolle. Über in Erstverarbeitungsbetrieben hergestellte Produkte
werden gezielt Informationen zur Verfügung gestellt und eine Plattform geschaffen.
3. Wochenmärkte in neuer Vielfalt beleben
Wochenmärkte spielen eine wichtige Rolle im sozialen Austausch und der Versorgung mit Frischeprodukten. Besonders wenn
Landwirtinnen und Landwirte selbst präsent sind, können sie den Austausch zwischen Umland und Stadt fördern.
Wochenmärkte sind an neue Konsumgewohnheiten angepasste Orte des lebendigen Austauschs, des Handels
und der Gastronomie, auf denen Landwirtinnen und Landwirte mit regionalen, saisonalen und ökologischen
Produkten präsent sind.
4. Erhalt des Großmarkts / Aufbau von FoodHubs
Der Großmarkt ist erhaltenswert und ausbaufähig, da hier eine Vermarktung regionaler Frischwaren möglich ist. Zukünftig
könnte auf dem Biohandel ein größerer Fokus liegen, das zudem mit einem neuen Logistikkonzept inkl. E-Mobility unter-
füttert würde.
Der Großmarkt soll erhalten und modernisiert werden, zum Beispiel durch einen stärkeren Fokus auf regionale
oder nachhaltige Produkte oder klimaneutrale Logistik. Er sollte ergänzt werden durch neue, dezentrale Orte
(“FoodHubs”), die Logistik, Verarbeitung und Bildung im Ernährungsbereich bündeln.
REWE Richrath
REWE Richrath, eine lokale Filialkette unter dem Dach der REWE-Gruppe, kooperiert seit Jahrzehnten mit landwirt-
schaftlichen Familienbetrieben aus der Region und unterstützt lokale Lieferketten. Durch kurze Distanzen können
sowohl die Frische der Produkte, als auch geringere Treibhausgas-Emissionen gewährleistet werden.
Unter der hauseigenen Deklarierung „Wir aus der Region“ werden Schweine- und Rindfleisch, Eier, Bier, Honig, Fleisch-
konserven, Milcherzeugnisse sowie Obst und Gemüse verkauft, davon so viel in Bio-Qualität wie möglich, ansonsten
liegt der Schwerpunkt auf artgerechter Tierhaltung und ökologischer Landwirtschaft.
Durch die Regionalität dieser Produkte werden nicht nur lokale Produzentinnen und Produzenten unterstützt, sondern
auch lange Transportwege und internationale Lieferketten vermieden, was sich positiv auf die Ökobilanz der Produkte
auswirkt.
REWE Richrath gestaltet die Nachverfolgung der Lieferketten so, dass sie von allen Personen leicht nachvollzogen werden
kann und Kunden sich über alle Betriebe direkt informieren können.
www.rewe-richrath.de
22
2.8 Regionalmarken stärken
Regionalmarken und regionale Vermarktungsbündnisse machen regionale Produkte sichtbar und bekannt. Damit helfen
sie, diese im Einzelhandel und über andere Vertriebskanäle zu platzieren und sichern regional orientierten Landwirten
eine Vermarktungsgrundlage.
Regionalmarken werden von regionalen Erzeugerverbünden oder Vereinen getragen und helfen Landwirtinnen und Landwirten
sowie anderen Erzeugern, ihre Produkte über verschiedene Kanäle in der Region zu vermarkten. Nur wenige Regionalmarken
decken dabei die gesamte Lieferkette ab, meist können Futter- oder Düngemittel oder Zutaten für Endprodukte von außerhalb
der Region zugekauft werden. Auch die Qualität der Produktionsbedingungen (faire Löhne, Artenvielfalt etc.) sind nicht auto-
matisch berücksichtigt.
Im Kölner Umland gibt es neben den größeren Labeln „bergisch pur“ sowie der „Regionalmarke Eifel“ noch kleinere, manchmal
produktbezogene Label wie den „Verein Bornheimer Spargelanbauer e.V.“. Die bestehenden Regionalmarken decken ein breites
Produktangebot ab, darunter Brotaufstriche, Backwaren, Säfte, Fisch, Fleisch, Eier und Spirituosen. Sie sind im Lebensmittel-
Einzelhandel sowie in Hofläden, Restaurants etc. präsent, sowohl in den jeweiligen Regionen als auch in Köln.
Von Regionalmarken abzugrenzen sind regionale Schutzmarken, wie die “geschützte geografische Ursprungsbezeichnung” (g.g.U.)
bzw. die “geschützte geografische Angabe” (g.g.A.). Diese sind in Köln und im Kölner Umland kaum vertreten, zudem ist die über-
regionale Vermarktung als Spezialität hier oft wichtiger als die Förderung regionaler Kreisläufe
17.
Neben den von Erzeugern selbst getragenen Marken gibt es auch zahlreiche von Handelsunternehmen getragene regionale Aus-
zeichnungen unterschiedlicher Güte und Präsenz, teilweise werden Produkte auch nur mit dem Wort „regional“, „Aus der Region“,
„aus dem Rheinland“ ausgezeichnet. Gerade bei verarbeiteten Lebensmitteln ist hierbei nicht transparent, welche Schritte in der
Wertschöpfungskette abgedeckt werden.
23
Leitlinien und Ziele
1. Regionalmarken im Kölner Umland flächendeckend etablieren
Das Kölner Umland ist heute nur teilweise durch starke Regionalmarken abgedeckt und im Handel präsent:
Alle Regionen des Regierungsbezirks Köln sind durch eigene, starke, von Produzenten getragene Regionalmarken
in der Stadt und darüber hinaus vertreten.
2. Regionalmarken modernisieren und Reichweite ausbauen
Im Handel müssen sich Regionalmarken gegenüber konventionellen und mit größeren Budgets vermarkteten Produkten
behaupten:
Die bestehenden Regionalmarken sind professionell aufgestellt, an die geänderten Marktbedürfnisse angepasst
und erweitern damit ihre Reichweite.
3. Ökologische-faire Komponenten in Regionalmarken stärken
Auch wenn Regionalmarken keine ökologische Zertifizierung ersetzen, vertreten sie oft den Anspruch, eine bäuerliche,
naturnahe Landwirtschaft zu fördern:
In den Regionalmarken werden ökologisch-faire Kriterien systematisch angewendet und gestärkt. Dadurch werden
Synergien zwischen Regionalmarken und ökologischer Zertifizierung geschaffen.
Bergisch Pur
Bergisch Pur ist eine Regionalmarke, die den Fokus auf die Stärkung der Region Bergisches Land legt. Dabei ist eine natur-
nahe und an den Standort angepasste Landwirtschaft, eine ressourcen- sowie naturschutzbasierte Wirtschaftsweise und
artgerechte Tierhaltung Voraussetzung, um Mitglied werden zu können. Die Transparenz in Herkunft und Vertrieb der
Produkte ist ein zentraler Faktor, um den Verbraucherinnen und Verbrauchern die Möglichkeit zu geben, sich über ihre
Lebensmittel genau informieren zu können.
Der Verbund, welcher seit der Gründung 1998 bereits auf 55 Betriebe gewachsen ist, beinhaltet alle Formen landwirt-
schaftlicher Betriebe sowie Metzgereien, Käsereien und Bäckereien, die ihre Produkte direkt vermarkten. In den meisten
Fällen handelt es sich um kleine Familienbetriebe, denen durch die Mitgliedschaft eine sichere Zukunftsperspektive
ermöglicht wird. Gastronomische Betriebe, die Wert auf regionale und nachhaltige Nahrungsmittel in ihren Restaurants
legen, beziehen ihre Produkte von den Erzeugern von Bergisch Pur. Teilweise gibt es auch einen Hofverkauf.
www.bergischpur.de
24
2.9 Alternative Vertriebsmodelle und partizipative
Landwirtschaft umsetzen
Jenseits von Einzelhandel und Gastronomie ermöglichen es alternative Vertriebsmodelle Landwirtinnen und Landwirten sowie
anderen Erzeugern, neuen, direkteren Zugang zu Konsumentinnen und Konsumenten zu bekommen. Ob mit Hilfe von digitalen
Plattformen, analog in Form von Gemüsekisten oder in der solidarischen Landwirtschaft: Alternative Vertriebsmodelle können
die bäuerliche Landwirtschaft stützen.
Obwohl der Großteil des Lebensmittelhandels in Köln über die klassischen Strukturen wie den Lebensmittelgroß- und -einzelhandel
abgewickelt wird, haben sich zahlreiche alternative Vertriebsmodelle im Bereich des Online-Handels und der partizipativen Land -
wirtschaft etabliert. Diese Modelle knüpfen an die Vermarktungsform der Erzeugermärkte an, wie sie früher üblich waren. Dabei ist
ein direkter Kontakt zwischen Erzeugerin und Erzeuger und Konsumentin und Konsument zentral, womit Lebensmittelspekulationen,
konkurrierende Preise auf dem Weltmarkt und hoher Produktionsdruck umgangen werden können.
Bereits länger am Markt sind Hofläden, in den Kölner Randgebieten sowie im Kölner Umland, sowie “Gemüsekisten” und andere
Lieferdienste, die Haushalte direkt erreichen. Gemeinsam ist diesen Modellen, dass Landwirtinnen und Landwirte ihre Produkte
direkt und auf eigene Rechnung anbieten und vertreiben, eine direkte Beteiligung von Konsumentinnen und Konsumenten am Pro-
duktions- und Vertriebsprozess ist allerdings nicht vorgesehen.
Neu entstanden in den letzten Jahren sind zum einen mehrere Solidarische Landwirtschaften (SoLaWis), Selbsterntefelder sowie
internetgestützte Direktvertriebsmodelle (z.B. Marktschwärmer). Gerade die SoLaWis bieten mehr Transparenz und Beteiligung als
der klassische Einzelhandel oder Hofläden. Sie decken insbesondere die innenstadtnahen Stadtteile ab. Selbsterntefelder sind auf
landwirtschaftliche Fläche angewiesen und daher normalerweise im städtischen Umland zu finden, hier agieren Landwirtinnen und
Landwirte teils direkt unternehmerisch (Gartenglück), teils übernehmen Plattformanbieter die Organisation und Vermarktung
(Meine Ernte, Ackerhelden).
Es gibt keine gesicherten Daten über Umsätze und Kundenzahlen, insgesamt handelt es sich, gemessen am
gesamten Lebensmittelmarkt, um kleinere Volumina. Am Online-Handel hatte der Lebensmitteleinzel-
handel im Jahr 2017 einen Anteil von nur rund einem Prozent, das Wachstum in diesem Segment liegt
jedoch bei ca. 20 Prozent jährlich
18.
25
Leitlinien und Ziele
1. Reichweite alternativer Vertriebsmodelle ausbauen
Alternative Vertriebsmodelle fokussieren sich häufig auf den Innenstadtbereich und richten sich damit an bestimmte
Zielgruppen.
Der Zugang zu alternativen Vertriebsmodellen ist im gesamten Kölner Stadtgebiet und dem Umland einfach.
Dafür ist es wünschenswert, wenn – nach Möglichkeit – Flächen oder Mieträume als Verteilpunkte in sozial
schwachen Bezirken oder in teuren Innenstadtlagen von der Stadtverwaltung bereitgestellt oder bei der
Verpachtung bevorzugt werden.
2. Alternative Vertriebsmodelle ermöglichen, fördern und sichern
Neue, alternative Vertriebsmodelle sind oft mit Anlaufkosten, Investitionen und Unsicherheit verbunden - auch weil Liefer-
dienste und Kunden erst schrittweise gewonnen werden müssen. Daher fordern wir:
Die Gründung von neuen, alternativen Vertriebsmodellen soll durch unterschiedliche Akteure gefördert und
unterstützt werden, z.B. durch Finanzierung, Vernetzung, Bekanntmachung oder Beratung. Institutionelle Kunden
aus den Bereichen Catering, Gastronomie oder Gemeinschaftsverpflegung sollen angeregt werden, alternative
Vertriebsmodelle zu nutzen und diese durch eine gebündelte Nachfrage absichern.
3. Durch die Förderung neuer Vertriebsmodelle den Vertrieb von Bioprodukten erleichtern
Der Ernährungsrat will Gegenmodelle zur konventionellen Landwirtschaft fördern und zeigen, wie die angebauten Produkte
ihren Markt finden.
Neue Vertriebskanäle schaffen Anreize für regionale Erzeuger, ihre Produktion auf eine biologische Landwirtschaft
umzustellen (zum Beispiel durch spezielle Vermarktung von Waren aus Umstellungsbetrieben). Sie werden finanziell
ermöglicht durch Kredite oder andere Finanzierungen, die durch unterschiedliche Akteure der Stadtgesellschaft
getragen werden (ähnlich der Regionalwert AG s. Kapitel 2.1).
Marktschwärmer
Das Startup, das 2011 in Frankreich gegründet wurde, bietet eine Möglichkeit der Direktvermarktung zwischen Erzeugern
und Kunden. Diese bestellen einmal pro Woche die gewünschten Produkte aus der Region in einem eigenen kleinen Online -
shop und holen sie zu einem festen Zeitpunkt an einem dafür vorgesehenen Verteilungspunkt, der sogenannten Schwär -
merei, ab. Kunden haben in diesem festgelegten Abholzeitfenster von circa zwei Stunden regelmäßig die Möglichkeit, die
Erzeugerinnen und Erzeuger persönlich kennen zu lernen. Durch den persönlichen Kontakt, zwischen Konsumenten und
Produzenten wird ein direkter, transparenter Austausch ermöglicht.
Die Lebensmittel kommen ausschließlich aus der Region, das Konzept gibt es mittlerweile in Europa schon an 1042 Stand -
orten in Frankreich, Deutschland, Niederlande, Dänemark, Schweiz, Italien und Spanien. In Deutschland gibt es 40 aktive
Schwärmereien (fünf davon in Köln) und 60 weitere im Aufbau. Jeder und Jede kann teilnehmen und unterstützt dadurch
die regionale (und CO2- sparende) Landwirtschaft und eine faire, transparente Preisbildung, da die Erzeuger hier im direk-
ten Dialog mit dem Kunden und nicht in Abhängigkeit schwankender und niedriger Marktpreise stehen.
www.marktschwaermer.de
2.10 Gesunde Ernährung für Alle ermöglichen
Ob Menschen Zugang zu gesunden, frischen Lebensmitteln haben und wie sie diese zubereiten, hängt von Einkommen, Wohn-
ort und Bildungsstand ab. Frische Lebensmittel sind wichtig, um Fehl- und Mangelernährung zu vermeiden. Um den Zugang im
Großraum Köln zu erleichtern, müssen Kinder und Jugendliche, Elternhäuser, öffentliche Einrichtungen und die existierenden
Netzwerke von Wochenmärkten und ihren Lieferanten gezielt angesprochen werden.
Der Zugang zu und die Entscheidung für gesunde Lebensmittel hängt auch in Köln von einer Reihe von Faktoren ab.
Bei Kindern und Jugendlichen zum Beispiel sind Mangel- bzw. Fehlernährung stark vom jeweiligen sozio-ökonomischen Hinter-
grund abhängig. So haben Kinder aus Haushalten mit niedrigem Sozialstatus einen 3,5-fach erhöhtes Risiko für Übergewicht bei
Einschulung, als solche aus Haushalten mit hohem Sozialstatus. Die stadtteilbezogene Quote übergewichtiger Kinder variiert von
2,1 Prozent bis 23,8 Prozent
19.
Dabei geht es sowohl um die Gesamtmenge der Kalorien als auch um eine gesunde, vielseitige, frische Ernährung, die den Körper
mit allen notwendigen Vitaminen und Mineralstoffen versorgt. Das Ergebnis von Mangel- und Fehlernährung sind neben Über-
oder Untergewicht auch Konzentrationsstörungen, Immundefekte, Entwicklungsstörungen etc. Unter Umständen führt eine
mangelhafte Versorgung mit Mikronährstoffen auch zu physiologischen Auffälligkeiten im Erwachsenenalter.
Von ähnlichen Faktoren abhängig dürfte sein, ob Verbraucherinnen und Verbraucher Willen und Ressourcen haben, sozial-
ökologische Kriterien in ihren Kaufentscheidungen zu berücksichtigen. Hierbei müssen einerseits ein entsprechendes Angebot
an frischen regionalen und biologischen Produkten im Viertel präsent sein, andererseits müssen Kaufkraft und Bewusstsein für
eine umweltverträgliche und gesunde Ernährung vorhanden sein.
So vielfältig wie die Ursachen, sind auch die lokal umsetzbaren Lösungen für Mangel- und Fehlernährung. Dabei geht es um die
Sicherung einer vielfältigen, hochwertigen Versorgung im Lebensmitteleinzelhandel vor Ort in den Stadtvierteln und um eine
breitenwirksame Umwelt- und Ernährungsbildung. Spezifisch wirksam sind auch Interventionen im Kita- und Schulbereich, wie
Frühstück- oder Schulobstprogramme sowie Mittagessen im offenen Ganztag.
26
27
Leitlinien und Ziele
1. Unter-, Fehl- und Mangelernährung beobachten und vermeiden
Dass Menschen sich gesund ernähren, sollte als übergreifendes Ziel in die Programme von Stadt und Ernährungsrat integriert
werden:
Die Stadt soll Tendenzen zur Unter-, Fehl- oder Mangelernährung beobachten, gefährdete Gruppen identifizieren
und mit gezielten Ernährungs- und Bildungsangeboten intervenieren, zum Beispiel in Programmen zur Quartier-
sentwicklung wie dem Förderprogramm „Soziale Stadt“. Staatliche Maßnahmen (Hartz IV-Sanktionen u.ä.) werden
überprüft, um Fehlernährung zu vermeiden.
2. Lokalen Zugang für alle Zielgruppen erleichtern
Ob und wie Menschen sich gesund und regional ernähren, hängt auch vom lokalen Angebot ab:
Frische, gesunde, regionale Lebensmittel sind für alle zugänglich, unabhängig von Einkommens- oder Bildungs-
niveau oder dem Wohnort. An allen Orten, an denen Nahrungsmittel verkauft werden, sind lokale (Bio-) Produkte
zu angemessenen Preisen sowie entsprechende Informationsmaterialien für alle Menschen erhältlich
3. Zivilgesellschaftliche Angebote im Lebensmittelmarkt ergänzen
Neben dem privatwirtschaftlich betriebenen Lebensmittelmarkt gibt es ehrenamtlich oder sozialwirtschaftlich betriebene
Angebote (“Tafeln”), um Lebensmittel zugänglich zu machen:
20
Zivilgesellschaftliche Angebote im Lebensmittelmarkt werden nach Möglichkeit von der Stadt unterstützt. Eine
möglichst lückenlose Versorgung auch von Menschen in schwierigen Lebenslagen ist wünschenswert.
4. Lokale Landwirte und Erzeuger einbeziehen
Ob Interventionen für eine gesunde Ernährung erfolgreich sind hängt auch davon ab, wie diese in lokale Bildungskampagnen
einbezogen sind.
Lokale Landwirte und Erzeuger werden in Maßnahmen zur Bekämpfung von Mangel- und Fehlernährung durch-
gängig einbezogen, sowohl als Lieferantinnen und Lieferanten, aber als auch als Anschauungs- und Lernorte für
Landwirtschaft- und Ernährungsbildung.
5. Informationsveranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit ausbauen
Viele gute Initiativen und Ansätze sind vorhanden, jedoch nicht flächendeckend bekannt. Daher fordern wir:
Zur Sensibilisierung und Wertschätzung von regionalen, nachhaltigen, gesunden Lebensmitteln und allen existie-
renden Programmen auch entsprechende Informationsveranstaltungen und eine Öffentlichkeitsarbeit zu machen.
Schulobst- und Gemüseprogramm NRW
Das Land NRW nimmt seit 2009 an dem EU-Programm für Grund- und Förderschulen teil. Die Zahl der teilnehmenden
Schulen ist bereits von 355 auf 1093 im Schuljahr 2018/19 gestiegen. Die Schülerinnen und Schüler erhalten drei Mal pro
Woche in der Schule frisches Obst und Gemüse, welches beispielsweise vom sogenannten Obstdienst (Schülerinnen und
Schüler) als pädagogische Bildungsmaßnahme zubereitet und anschließend gemeinsam verspeist wird.
Die teilnehmenden Lieferbetriebe müssen regelmäßig regionales, saisonales und fair gehandeltes Obst und Gemüse an
die Schulen liefern. Die Finanzierung des Programms erfolgt durch das Ko-Finanzierungsmodell aus EU- und Landes-
mitteln, wobei die pädagogischen Maßnahmen durch das Land finanziert werden, die EU übernimmt 75 Prozent der
übrigen Kosten.
Insgesamt ist für den Zeitraum, seit Beginn des Projektes 2009, eine durchweg positive Entwicklung und der Anstieg des
Obst- und Gemüsekonsums der Kinder zu verzeichnen. Die Einbindung der Elternhäuser muss bezüglich des Ziels einer
nachhaltigen Ernährungsbildung weiterentwickelt werden.
www.schulobst-milch.nrw.de/obst-und-gemuese
28
2.11 Umfassende Ernährungsbildung erreichen
Konsumentscheidungen im Ernährungsbereich hängen zentral davon ab, wie Konsumentinnen und Konsumenten über
Lebensmittel, ihre Herkunft und ihre Auswirkungen informiert sind und welche Fähigkeiten sie haben, die Qualität von
Lebensmitteln zu begutachten oder mit diesen umzugehen. Eine umfassende Ernährungsbildung möchte Menschen dazu
befähigen, bewusst mit Lebensmitteln umzugehen.
Ernährungsbildung befähigt Konsumentinnen und Konsumenten dazu, sich eigenständig, gesund und verantwortungsbewusst zu
ernähren. Hierzu gehört das Wissen über Grundlagen der Ernährung (wie die Ernährungspyramide), die Lebensmittelkunde, Sinnes-
bildung oder praktische Fähigkeiten in der Verarbeitung von Lebensmitteln
21.
Auch wenn die Grundlagen für den Umgang mit Lebensmittel und eine umfassende Ernährungsbildung auch heute noch in der
Familie gelegt werden, findet diese lebenslang statt – in Kitas, allgemeinbildenden Schulen, spezifischen Aus- und Weiterbildungs-
gängen u.a. der Berufskollegs bis hin zu Universitäten und der Erwachsenenbildung. Hierbei existieren kaum standardisierte und
verbindliche Lerninhalte in den Rahmenlehrplänen, auch in der Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern, Kinderpflegerinnen
und Kinderpflegern und der Lehramtsausbildung ist diese nicht durchgängig vertreten. Die Tendenz zu einem steigenden Angebot
frühkindlicher Betreuung sowie von Ganztagsangeboten verstärkt diese Verantwortung.
Zur Entwicklung praktischer Fähigkeiten bieten sich in der Ernährungsbildung dabei insbesondere Formate wie Schulgärten, gemein -
same Klassenfrühstücke, Exkursionen zu landwirtschaftlichen Betrieben oder Verpflegungsprogramme an, bei denen Lebensmittel
gemeinsam zubereitet werden. Hier gibt es mit dem Kölner Schulobstprogramm oder dem Netzwerk Kölner Schulgärten bereits in
der Praxis gut etablierte Ansätze. Auch Gemeinschaftsgärten bieten sich als praxisorientierte Lernorte an, ebenso wie Landwirt-
innen und Landwirte, die Schulklassen oder anderen Gruppen Zugang zu ihren Betrieben bieten.
Umfassende und seriöse Informationen für Kölner Bürgerinnen und Bürger gibt es zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale NRW
22
oder auf anderen Portalen23. Neben vereinzelten Angeboten der Volkshochschule Köln gibt es auch eine Reihe von Koch- und Ernäh -
rungskursen von privaten Anbietern.
Leitlinien und Ziele
1. Ernährungsbildung als schulisches Lernziel
Ernährungsbildung beginnt bei den Kleinsten - bereits Kinder lernen, von ihren Eltern und in Bildungseinrichtungen, wie sie
mit Lebensmitteln bewusst und achtsam umgehen können:
Eine umfassende Ernährungsbildung ist ein schulisches Lernziel. Insbesondere das Wissen und der Ausbau von
Fähigkeiten im Umgang mit Lebensmitteln wird durch praktische Erfahrungen vermittelt. Hierbei beziehen
sich die Schulungsmaßnahmen vor allem auf Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in den jeweiligen Bereichen.
Ernährungsbildung soll auch digital abgebildet werden (YouTube, Facebook, Instagram).
2. Lebenslanges Lernen im Lebensmittelbereich
Das Lernen über Lebensmittel und Ernährung ist eine lebenslange Aufgabe - um versäumtes nachzuholen, sich intensiver mit
neuen Themen auseinanderzusetzen, Wissen und Fähigkeiten aufzufrischen:
Das lebenslange, praxisorientierte Lernen über Lebensmittel und Ernährung ist Standard - über Angebote in
Kochschulen, von Landwirtinnen und Landwirten und in Bildungseinrichtungen. Maßnahmen zur unabhängigen
Aufklärung über eine regionale, nachhaltige und gesundheitserhaltende Ernährung aller Bürgerinnen und Bürger
werden geschaffen.
29
Wertschätzung von Lebensmitteln. “Sternekochen an Kölner Schulen”
Das Umwelt- und Verbraucherschutzamt engagiert sich seit Jahren für einen nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln
aus der Region und wirkt in Gesprächen und Veranstaltungen immer wieder darauf hin, die Lebensmittelverschwendung
einzudämmen.
In dem Projekt “Sternekochen an Kölner Schulen” geht es darum, den Schülerinnen und Schülern einen aktiven Zugang
zur Zubereitung gesunder Lebensmittel zu verschaffen, um dem hohen Konsum von Fastfood und Fertiggerichten etwas
entgegenzusetzen. Genutzt hat man hierzu die Lehrküchen an Kölner Schulen. Neben dem nachhaltigen Umgang mit
Lebensmitteln sollten die Kochevents Mut machen und Neugier wecken, mit allen Sinnen noch unbekanntes Terrain zu
beschreiten. Ziel ist es, mit Kopf und Herz eine Empathie für gesunde Lebensmittel zu erreichen und im Team etwas zu
schaffen, woraus Jede und Jeder eine wertvolle Erfahrung schöpfen kann.
Es entstand ein Film, der diese Begeisterung vermittelt, welche Jugendliche beim Kochen erleben. Sinn soll es sein, dass
junge Menschen sich mit Ihren Freundinnen und Freunden gemeinsam zum Kochen verabreden, satt sich im Fastfood
Restaurant zu treffen.
www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/umwelt-tiere/umweltbildung/wertschaetzung-von-lebensmitteln
3. Regionale und ökologische Ernährung in der Berufsausbildung
Köln und die Region sind Ausbildungsort für Berufe im Lebensmittelsektor, von der Landwirtschaft bis hin zur Gastronomie:
Berufliches Wissen und Fähigkeiten für ein nachhaltiges Ernährungssystem werden in Berufsausbildungen
systematisch und praxisnah vermittelt. Die Rahmenlehrpläne und Lerninhalte sind so entwickelt, das auch
die regionalen Landwirtinnen und Landwirte mit einbezogen werden.
4. Gemeinschaftliche, familiäre Koch- und Esskultur
Insbesondere die Familie war und ist, in abnehmender Tendenz, ein Ort des gemeinsamen Essens. Dies wollen wir bewahren
und fördern:
Das gemeinschaftliche Kochen und Essen soll als zentraler Bestandteil der Alltagskultur bewahrt und befördert
werden. Insbesondere Kinder sollen gemeinsames Essen als festen Bestandteil ihres Alltags erleben.
5. Neue Orte und Formate des gemeinsamen Kochens und Essens
Das gemeinsame Kochen und Essen verändert sich, auch durch digitale Tools - ob Schnippelparty oder “Schnell Essen mit
Freunden” (SEMF):
Neue und überraschende Orte und Formate des gemeinsamen Kochens und Essens sollen gefördert werden, auch
in sozialen Brennpunkten – als Foren der Begegnung und des gemeinsamen Lernens und der Auseinandersetzung
mit Ernährungsfragen.
30
2.12 Nachhaltige Konsumentscheidungen fördern
Menschen entscheiden sich aufgrund komplexer Motivlagen für oder gegen eine regionale, nachhaltige Ernährung. Hierbei
spielen neben Wissen und persönlichen und moralischen Überzeugungen bzw. Einstellungen diesen Themen gegenüber auch
Fähigkeiten, finanzielle und zeitliche Ressourcen sowie die Verfügbarkeit von Produkten und Verkaufsstellen eine Rolle.
Beim „nachhaltigen Konsum“ berücksichtigen Verbraucherinnen und Verbraucher in ihren Konsumentscheidungen ökologische und
soziale Kriterien mit. Dabei geht es primär um die Wahl ökologisch oder sozial vorteilhafter oder zertifizierter Produkte, teilweise
auch um einen bewussten Konsumverzicht. Im Lebensmittelbereich betrifft dies die Wahl vegetarischer, veganer, regional produzier -
ter, ökologisch oder Fairtrade-zertifizierter sowie verpackungsfreier Lebensmittel.
Insgesamt geben rund vier Fünftel der Menschen in Deutschland an, beim Einkauf auf Regionalität (78 Prozent), umweltfreundliche
Erzeugung (82 Prozent) und faire Arbeitsbedingungen (84 Prozent) zu achten
24, wobei sich diese grundsätzliche Bereitschaft nur teil -
weise in Kaufentscheidungen widerspiegelt. Diese Entscheidungen sind gruppen- bzw. milieuspezifisch (vgl. SINUS-Milieu-Modell 25).
So tendieren Haushalte in Milieus, die durch einen höheren sozioökonomischen Status, wie ein höheres Einkommen und eine bessere
Bildung gekennzeichnet sind, eher dazu, bewusst nachhaltig zu konsumieren 26. Diese Milieus sind in Köln als Großstadt tendenziell
stark vertreten, allerdings innerhalb der Stadt unterschiedlich verteilt, was sich in der Konzentration der Bio-Supermärkte in der
Innenstadt bzw. in den innenstadtnahen Stadtteilen widerspiegelt.
In Milieus mit niedrigem sozioökonomischem Status sind nachhaltige Konsumentscheidungen bislang wenig bis gar nicht vertreten.
Gründe dafür sind eine Reihe von Barrieren wie der hohe Preis, fehlendes Wissen um Kennzeichnungen wie Siegel und Label, Einkaufs -
gewohnheiten bezüglich Marken und Einkaufsstätten und eine fehlende Motivation, sich mit dem Thema Umwelt, Landwirtschaft
und Ernährung (tiefer) auseinanderzusetzen
27.
Es gibt auch in Köln eine Reihe von Kampagnen und Bildungsmaßnahmen, die auf nachhaltigen Konsum Einfluss zu nehmen versu -
chen, zum Beispiel von Siegel-Anbietern (Fairtrade und ähnliches, #faireskoeln-Kampagne), von einzelnen Handelsmarken und von
zivilgesellschaftlichen Akteuren.
31
Leitlinien und Ziele
1. Sozial-ökologische Nachfrage stärken
Bewusste Konsumentscheidungen für sozial-ökologische Lebensmittel sind ein wichtiger Bestandteil der kommunalen
Ernährungswende:
Die Nachfrage nach sozial-ökologischen Produkten wird gestärkt über die verschiedenen Milieus und Alters-
gruppen hinweg und inhaltlich durch Informationskampagnen vertieft. Konsumentinnen und Konsumenten
reflektieren hierbei sowohl ihren Konsum als auch die Siegel und Zertifizierungen der Branche.
2. Zugang zu sozial-ökologischer Ernährung systematisch erleichtern
Sozial-ökologische Ernährungsentscheidungen sind nicht für alle Menschen zugänglich - wenn entsprechende Einzelhandels-
angebote in der Region fehlen oder die finanzielle Lage Kaufentscheidungen nicht zulässt:
Strukturelle Barrieren für sozial-ökologische Kaufentscheidungen werden analysiert und abgebaut – z.B. durch
die Förderung niedrigschwelliger, kostengünstiger Versorgung mit frischen, ökologisch angebauten Lebensmitteln
in Vierteln mit sozialem Förderbedarf oder durch Modelle der Gemeinschaftsverpflegung, zum Beispiel einer Art
Veedels-Mensa o.ä.
Das Gorilla-Ernährungstheater
Das Gorilla-Ernährungstheater wurde im Jahr 2015 in Köln gegründet. Es umfasst bis heute zwei theaterpädagogische
Programme für Kinder im Kindergarten und der Grundschule und eine Auftaktveranstaltung für Eltern und Lehrkräfte
in der Grundschule. Da die Prägung des Ernährungsverhaltens schon sehr früh stattfindet und Kinder in Kindergärten
und Schulen viel Zeit verbringen, können hier wichtige Grundsteine gelegt werden.
Das Gorilla-Ernährungstheater versteht sich als Ergänzung zum Unterricht und der Kita- bzw. Schulverpflegung. Das
Medium Theater weckt Begeisterung und Interesse für die Themen und kann bei der Ernährungsbildung ein wichtiger
kognitiver Baustein sein. Um auf die Kinder individuell eingehen und sie interaktiv einbeziehen zu können, finden die
Aufführungen in kleinen Gruppen statt.
Im Verlauf der Aufführung im Kindergarten wird auch eine Gemüsesuppe vorbereitet, die später von den Kindern ver-
zehrt wird. Die Zutaten dafür kommen aus biologischem Anbau oder naturnaher Landwirtschaft und, wenn möglich,
auch aus regionalem Anbau. In der Grundschule steht am Anfang erst einmal die Frage, warum wir uns überhaupt
ernähren und was unser Körper wirklich braucht. Dann stellt sich die Frage, wo die Lebensmittel herkommen und was
mit ihnen gemacht wird.
www.gorilla-ernaehrungstheater.de
32
2.13 Kantinen und Catering neu ausrichten
In Kantinen, im Catering, in Krankenhäusern und ähnlichen Einrichtungen werden Lebensmittel in größerem Umfang
und mit zentralem Einkauf umgesetzt. Dies ist ein zentraler Hebel, um eine verlässliche Nachfrage für regionale Lebens-
mittel sicherzustellen.
Die großen Kantinen in Köln haben ihr Angebot an regionalen und biologischen Lebensmitteln in den letzten Jahren deutlich ausge -
baut. In der Uniklinik Köln stammen zwar viele Zutaten aus anderen Regionen Deutschlands, frische Produkte wie Obst und Gemüse
jedoch von regionalen Erzeugern. Auch die Backwaren kommen aus einer Kölner Bäckerei, welche die Uniklinik regelmäßig beliefert.
Das Catering für die Patientenverpflegung der Uniklinik verarbeitet täglich circa fünf Tonnen Lebensmittel, die Cafeteria gibt täglich
1500 Portionen Essen aus, das entspricht weiteren 1,5 Tonnen an Lebensmitteln . Durch die Hinwendung zu regionalen Nahrungsmit -
teln, leistet die Uniklinik somit bereits einen großen Beitrag zu einer regionalen Ernährung.
Ähnlich verhält es sich in der Universitätsmensa. Obst und Gemüse werden von regionalen Erzeugern gekauft und die Qualitätsan-
forderungen regelmäßig geprüft. Bei neuen Lieferanten werden Betriebsbesichtigungen durchgeführt, um die Einhaltung der
Standards gewährleisten zu können. Es wird versucht, auf vorgefertigte Produkte zu verzichten und das angebotene Fleisch von
Höfen mit artgerechter Tierhaltung zu beziehen. Auch der Fisch ist durch das MSC-Siegel zertifiziert. Da dies nicht bei allen Fisch -
arten der Fall ist, werden mittlerweile weder Thunfisch noch Rotbarsch verarbeitet. Es gibt eine Pasta-Station, an der ausschließlich
Bio-Pasta Gerichte verkauft werden sowie täglich eine Auswahl an vegetarischen und veganen Gerichten.
Kaffee, Kakao und Schokoladenprodukte stammen seit 2012 ausschließlich aus fairem Handel. Auch bio-zertifizierte Frischsaft-
limonaden wie ChariTee oder Lemonaid werden angeboten
29.
33
Leitlinien und Ziele
1. Regionale, ökologische Angebote in Kantinen machen
Viele Menschen ernähren sich privat bevorzugt regional oder ökologisch, haben aber in Kantinen, der Krankenhausver-
pflegung etc. keine Möglichkeit dazu:
In Kantinen und anderen Orten der öffentlichen Verpflegung sind regionale, ökologische Angebote verfügbar
und für die Konsumentinnen und Konsumenten wählbar, ähnlich wie heute schon vegetarische Gerichte.
2. Regionale und ökologische Lebensmittel breit integrieren
Gerade im flächendeckenden Bezug von regionalen und/oder ökologisch produzierten Lebensmitteln liegt ein großer
potentieller Markt für lokale Produzentinnen und Produzenten:
Kantinen und andere Orte integrieren regionale und ökologisch produzierte Lebensmittel standardmäßig in
ihr Angebot und bauen dafür Liefer- und Handelsbeziehungen mit lokalen Landwirtinnen und Landwirten/
mit Produzentinnen und Produzenten auf.
3. Vernetzungsstelle für anfallende Überschüsse
Gerade in Kantinen fallen überschüssige Lebensmittel an, die an anderen Stellen durchaus noch verbraucht werden können:
Kantinen und andere Orte werden dabei unterstützt, anfallende Überschüsse im Rahmen der rechtlichen
Möglichkeiten weiterzugeben, dies kann zum Beispiel durch eine Vernetzungsstelle geschehen
HDI Kantine
In der Kantine des Versicherungsunternehmens HDI werden seit 1994 Bioprodukte angeboten, seit 1998 ist die Kantine
bio-zertifiziert und verwendet zu 85 Prozent Bioprodukte.
Mehrmals jährlich finden Aktionstage für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter statt, an denen gezielt über die Liefe-
rantinnen und Lieferanten, die Produkte und die angewendeten Rezepte informiert wird. Die Speisekarte richtet sich
nach saisonalen Produkten und Überproduktionen der Waren, die Lieferantinnen und Lieferanten anbieten. Auch
Lebensmittel, die kurz vor dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums stehen oder falsch deklariert wurden, werden
in den Speiseplan involviert. Zu dem Nachhaltigkeitskonzept der Kantine gehört ebenfalls, dass die Produkte als ge-
samtes verwendet werden.
So wird beispielsweise nicht nur das Fleisch eines Tieres verwendet, sondern auch die Innereien und Knochen. Täglich
können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bis zu einer bestimmten Uhrzeit auf Allergien etc. hinweisen, da die Ge-
richte frisch zubereitet werden und somit leicht variierbar sind. Die Kantine wird 3-5 Mal pro Woche von den 20-25
Lieferantinnen und Lieferanten beliefert, wodurch die frische der Produkte gewährleistet wird.
www.100-kantinen.nrw.de/fileadmin/user_upload/Talanx_Service_AG.pdf
34
2.14 Verpflegung in Schule und Kita neu ausrichten
Mit dem Ausbau von Ganztagsangeboten in Schulen und Kindertagesstätten wird auch zunehmend Verpflegung in der
Mittagszeit oder in den Randzeiten angeboten. Hier lässt sich nicht nur ein Markt für regional und ökologisch produzierte
Lebensmittel etablieren, sondern auch Ernährungsbildung umfassend direkt erleben.
In den Kindertagesstätten (Kitas) wird deutschlandweit laut den ernährungswissenschaftlichen Standards der DGE (Deutsche
Gesellschaft für Ernährung) zu wenig Obst und Gemüse angeboten. Lediglich 19 Prozent der von der DGE 2014 untersuchten Kitas 30
erfüllen zudem die Anforderungen, die für eine ausgewogene und gesunde Ernährung bei Kindern erforderlich sind. In mehr als der
Hälfte der Kitas wird das System der Warmkostverpflegung angewendet. Dies bedeutet, dass das Essen in externen Küchen vorbe -
reitet und anschließend an die jeweiligen Einrichtungen geliefert wird. Lediglich ein Drittel der Kitas bereitet die Mahlzeiten für die
Kinder selbst zu. Am wenigsten vertreten ist vorgefertigtes, tiefgekühltes Essen.
Der Großteil der befragten Kitas (86,8 Prozent) in Deutschland kauft die übrigen Lebensmittel im Einzelhandel, ein deutlich
geringerer Teil im Großhandel. Mehr als ein Drittel beziehen ihre Lebensmittel für das Mittagessen zwar aus der Region, jedoch
weniger als zwanzig Prozent durch Direktvermarktung.
Fast ein Drittel der Kitas verwendet keine Bio-Lebensmittel, die Hälfte nutzen maximal 30 Prozent des zur Verfügung stehenden
Geldes für biologische Nahrungsmittel. Nur 18 Prozent der Kitas verwenden mehr als 30 Prozent des Geldes für biologische Lebens -
mittel. Regionale Lebensmittel werden insgesamt von 30 Prozent in vollem Umfang verwendet.
Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt Kitas und Schulen, das Mittagessen so regional und saisonal wie möglich zu gestalten und
vor Ort selbst zuzubereiten, also weniger auf das System der Warmkostverpflegung zurückzugreifen. Empfehlungen und Anleitungen
für eine den Bedürfnissen von Schülerinnen und Schülern gerecht werdende Ernährung wird den Schulen zur Verfügung gestellt
31.
Dies gilt nicht nur für die Mittagsmahlzeit, sondern auch für die Zwischenmahlzeiten. Insgesamt ist die Situation der Schulen der in
den Kitas immer noch sehr ähnlich.
35
Leitlinien und Ziele
1. Regionale, ökologische Angebote integrieren
Die Verpflegung in Kitas und Schulen bietet die Möglichkeit, Kindern und Jugendlichen regionale und ökologische Produkte
näher zu bringen:
In Kitas und Schulen sind regionale, ökologische Angebote verfügbar und für die Kinder und Jugendlichen zugänglich,
ähnlich wie heute schon vegetarische Gerichte .
2. Schul- und Kitaverpflegung mit praktischer Bildung kombinieren
Schul- und Kitaverpflegung bietet die Möglichkeit, diese mit praktischer Ernährungsbildung zu verbinden:
Bei der Kita- und Schulverpflegung sind Kinder und Jugendliche aktiv in die Organisation, Beschaffung und
Zubereitung eingebunden um direkte, praktische Erfahrungen und Fähigkeiten in Ernährungsfragen zu sammeln.
Dies soll vor allem in eigenen Gärten und in Schulküchen stattfinden, die perspektivisch in allen Kölner Schulen
vorhanden sein sollen.
3. Ernährungsqualität im Kinder- und Jugendalter verbessern - Gesundheit fördern
Gerade im Kinder- und Jugendalter sind Mangel- und Fehlernährung besonders problematisch, da Kinder zum einen direkt von
ihrem Umfeld abhängen und von langfristigen Lern- und Entwicklungshemmnissen betroffen sein können:
Mitarbeitern von Lern- und Freizeitorten für Kinder und Jugendliche beobachten Ernährungsmuster. Bei Hinweisen
auf Mangel- und Fehlernährung wird durch gezielte Angebote (Frühstück für alle, Schulobst- und Gemüseprogramm)
Abhilfe geschaffen.
GemüseAckerdemie
Die GemüseAckerdemie ist ein ganzjähriges theorie- und praxisbasiertes Bildungsprogramm mit dem Ziel, die Wert-
schätzung von Lebensmitteln bei Kindern und Jugendlichen zu steigern. Das Konzept wirkt gegen den Wissens- und
Kompetenzverlust im Bereich Lebensmittelproduktion, die Entfremdung von der Natur, ungesunde Ernährungsge-
wohnheiten sowie Lebensmittelverschwendung.
Das AckerSchule Programm begleitet eine Klasse ein Jahr lang bei einem kompletten Anbauzyklus. Dabei ist das Jahr
in eine „VorAckerzeit”, “Ackerzeit” und “NachAckerzeit” aufgeteilt. Während in der „VorAckerzeit“ inhaltliche und
organisatorische Grundlagen gelegt werden ist die „Ackerzeit“ der Hauptteil in dem gepflanzt, gepflegt und schließ-
lich geerntet wird. In dieser Zeit verbringt die Klasse jede Woche eine Doppelstunde auf dem Acker.
In der “NachAckerzeit” wird anschließend an die eigenen Aktivitäten noch “ein Blick über den Ackerrand” geworfen
und über Themen wie gesunde Ernährung, Lebensmittel- verschwendung und Essgewohnheiten diskutiert. Die Acker-
demie hilft Lehrerinnen und Lehrern sowie Erzieherinnen und Erziehern mit Vorbereitungskursen, liefert Saat- und
Pflanzgut, hilft bei der Ackerbeschaffung, hat Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner vor Ort und liefert alle
notwendigen Materialien.
Neben der AckerSchule gibt es noch die AckerKita und die AckerKlasse, welchen ein ähnliches Konzept zugrunde liegt,
die jedoch an eine andere Zielgruppe angepasst sind, bzw. wobei der Anbau im Klassenzimmer direkt stattfindet.
www.gemueseackerdemie.de
36
3.1 Lebensmittelüberschüsse vermeiden und umnutzen
In Deutschland gehen über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg jährlich über 18 Mio. Tonnen Lebensmittel verloren,
fast ein Drittel des aktuellen Verbrauchs. Davon wären über die Hälfte vermeidbar. Die Vereinten Nationen haben sich mit
der Agenda 2030 das Ziel gesetzt, die weltweite Nahrungsmittelverschwendung pro Kopf zu halbieren. Auch die Deutsche
Nachhaltigkeitsstrategie arbeitet daran, einen einheitlichen Indikator zu Lebensmittelabfällen in Deutschland aufzunehmen.
Lebensmittelüberschüsse fallen in Köln täglich in der regionalen Landwirtschaft, dem produzierenden Gewerbe, in Haushalten,
Restaurants, Kantinen und Supermärkten an. Eine systematische Erfassung der Stoffmengen und Analyse der unterschiedlichen
Ursachen gibt es nicht. Neben städtischen Initiativen, wie dem Projekt „Schad dröm - Gemeinsam gegen Lebensmittelverschwen -
dung“ im Jahr 2013 mit über 600 Schülerinnen und Schülern an 20 Kölner Schulen gibt es mehrere aus der Bürgerschaft entstandene
Initiativen, die sich mit der Reduzierung und Verwertung von Lebensmittelüberschüssen beschäftigen und teils gemeinnützig, teils
privatwirtschaftlich organisiert sind. Hervorzuheben ist die in Köln gegründete ehrenamtliche Initiative Foodsharing e.V., die mit
tausenden Helferinnen und Helfern bereits seit sechs Jahren regelmäßig gutes Essen vor der Tonne rettet und im gesamten Stadtge -
biet kostenfrei verteilt.
Um lokale Lebensmittelüberschüsse deutlich zu reduzieren müssen Abfallströme lokal erfasst und beobachtet werden. Der Lebens -
mitteleinzelhandel ist durch entsprechende Verordnungen zu Größe und Aussehen dazu verpflichtet, nur einwandfreie Lebensmittel
anzubieten, hier jedoch stellt der Kölner Großmarkt ein Ventil dar, wodurch deformierte, aber ansonsten gute Lebensmittel z.B. an
die Gastronomie weiterverteilt werden können.
3. QUERSCHNITTSTHEMEN
Nicht alle Themen lassen sich klar einer Stufe der Wertschöpfungskette zuordnen - so fallen Lebensmittelüberschüsse von der
Landwirtschaft bis zum Endverbraucher an, Transport und Verpackung sind in der gesamten Lieferkette ein Thema und die
Essbare Stadt zeichnet sich gerade dadurch aus, dass sie Produktion und Konsum verbindet. Die vier genannten Themen werde
deswegen hier als Querschnittsthemen behandelt.
Leitlinien und Ziele
1. Lebensmittelüberschüsse in Anbau und Handel minimieren
Bereits in der Landwirtschaft, Verarbeitung und im Handel werden in großem Umfang Lebensmittel aussortiert und entsorgt:
Der Anteil der auf den jeweiligen Stufen aussortierten und entsorgten Lebensmittel soll schrittweise reduziert
werden. Der Lebensmittelhandel vermarktet gezielt Obst und Gemüse, die nicht den gängigen Vermarktungsnormen
entsprechen und sensibilisiert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
2. Projekte der Lebensmittel-Resteverwertung ausbauen
Die gemeinnützigen Initiativen wie die Tafel, Foodsharing und The Good Food sowie innovative Angebote von privatwirtschaft-
lichen Anbietern helfen, Lebensmittelüberschüsse zu reduzieren:
Angebote zur Lebensmittel-Resteverwendung in Köln werden unterstützt und ausgebaut (Anbieten / Vermitteln
von Räumlichkeiten z.B. in Bürgerzentren, Förderung). Dies betrifft sowohl bestehende als auch sich neu
gründende Initiativen.
3. Lebensmittelüberschüsse in Ernährungs- und Umweltbildung thematisieren
Gerade in der Ernährungs- und Umweltbildung lässt sich früh ein Bewusstsein für Lebensmittelverschwendung erreichen:
Lebensmittelüberschüsse werden in der Ernährungs- und Umweltbildung möglichst breit behandelt. Schulen
integrieren die Thematik in Lehrpläne und führen Aktionstage und Projektwochen gegen Lebensmittelver-
schwendung durch. Die Kölner Hochschulen erforschen die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Essverhalten,
Überproduktion und Verschwendung und erarbeiten Lösungen für den Alltag.
37
The Good Food
The Good Food ist ein Laden in Köln Ehrenfeld, in dem Lebensmittel angeboten werden, die aufgrund ihres Aussehens
aussortiert wurden oder bei denen das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten wurde. In Kooperation mit Landwirt-
innen und Landwirten und den Produzentinnen und Produzenten werden die entsprechenden Lebensmittel vom Müll
separiert.
Das Team des Ladens geht auch selbst auf die Felder der Landwirtinnen und Landwirte, um durch Nachernte frisches
Gemüse und Obst direkt vom Hof in den Laden in Ehrenfeld zu bringen und dort verkaufen zu können. Es wird nicht nur
krummes Obst und Gemüse angeboten sondern auch Brot vom Vortag.
Das Sortiment ist folglich nicht immer gleichbleibend, aufgrund der verschiedenen Partnerschaften ist jedoch immer
eine große Bandbreite an Produkten vorhanden. Das Prinzip „Zahl‘, was es dir Wert ist“, steht anstelle fester Preise,
sodass viele Menschen von dem Konzept profitieren können. Der Laden hat viele Partnerinnen und Partner, die nicht
nur durch ihre Produkte eine unterstützende Funktion haben, sondern auch durch technische oder kreative Hilfe ihren
Beitrag leisten.
www.the-good-food.de
38
3.2 Verpackung vermeiden und reduzieren
Durch die Verpackung von Lebensmitteln wurde die aktuelle, gute Versorgung mit Lebensmitteln erst ermöglicht und ist ein
zentraler Faktor für Hygiene und Lebensmittelsicherheit. Um ihre ökologischen Auswirkungen zu reduzieren wurde lange
Zeit auf Recycling gesetzt, in letzter Zeit haben auch Ansätze zur Verpackungsvermeidung wieder mehr Aufmerksamkeit
erlangt.
Verpackungen von Lebensmitteln sind ein zentraler Bestandteil unseres Ernährungssystems und ermöglichen in vielen Fällen erst
die Versorgung mit frischen und nährstoffreichen Produkten. Gute Verpackungen können dabei helfen, Lebensmittelabfälle zu ver -
meiden, sollten dafür jedoch auf ein Minimum beschränkt werden und nur zur Lebensmittelsicherheit dienen. Im Optimalfall sind es
Mehrwegbehälter (z.B. IFCO oder EPS), die nur zum Transport genutzt werden.
Demgegenüber stehen die ökologischen Auswirkungen der Produktion, Verarbeitung, und Entsorgung von insbesondere Plastikver -
packungen. Verpackungsmüll fällt dabei entlang der gesamten Wertschöpfungskette an, von der landwirtschaftlichen Produktion,
über den Großhandel, bis zur Entsorgung. Wichtig ist dabei nicht nur die Art der Verpackung, sondern auch andere Faktoren wie die
Recyclingquote oder die Ökobilanz des verwendeten Materials.
Grundsätzlich steigen die Verpackungsmengen, getrieben durch steigenden Konsum sowie die Trends zu Mehrfachverpackungen, Con -
venience-Produkte, der ToGo-Verpflegung und kleineren Verpackungseinheiten. Solange Konsumentinnen und Konsumenten diese
Einheiten im Lebensmitteleinzelhandel nachfragen, werden sie auch geliefert.
Aufgrund der gesetzgeberischen Aktivitäten im Bereich des Recyclings werden in Deutschland insgesamt, aber auch im europäischen
Vergleich, hohe Recyclingquoten erzielt. Dies gilt auch für Köln.
Weniger im Fokus war lange Zeit die Vermeidung von Verpackungsmüll. Hier haben die Zero-Waste-Bewegung und die daraus ent -
standenen Unverpackt-Läden auch in Köln wichtige Pionierarbeit geleistet (z.B. Tante Olga in Sülz und Nippes, Veedelskrämer in Eh -
renfeld und Belgischem-Viertel, migori – verpackungsfrei einkaufen in der Südstadt). Seit 2018 gibt es die “Zero Waste Köln”-Initiative,
die sich für eine müllfreie Stadt Köln einsetzt und dafür zahlreiche Bildungs- und Aktionsformate umsetzt.
Für die Müllentsorgung sind in Köln grundsätzlich die städtischen Abfallwirtschaftsbetriebe zuständig, die ebenfalls mit Bewusst -
seinskampagnen zur Mülltrennung und -vermeidung aktiv sind.
Leitlinien und Ziele
1. Verpackungen reduzieren und umweltfreundlich gestalten
Auch wenn die meisten Verpackungen prinzipiell recycelt werden können, streben wir folgende Ziele an:
Verpackungen werden sparsam eingesetzt und umweltfreundlich gestaltet, von der Landwirtschaft bis in den
Einzelhandel hinein. Dies beinhaltet den Verzicht auf Mehrfach- / Umverpackungen, den Einsatz klimafreundlicher,
recyclingfähiger Materialien, den Verzicht auf verklebte Komponenten und Plastik auf Erdölbasis etc.
2. Alternativen im Bereich Zero-Waste fördern
Unverpackt-Läden und Zero-Waste Initiativen zeigen auf, wie Verpackungen mit Umlaufsystemen systematisch reduziert
werden können.
Experimente und Innovationen im Bereich Zero-Waste werden gezielt gefördert und ihre Skalierung und Über-
führung in den Mainstream möglich gemacht.
39
Zero Waste Köln-Initiative
Um dem enormen Verbrauch von Plastik im Lebensmittelhandel entgegenzuwirken wurde die Zero-Waste Initiative ge-
gründet, die Köln müllfrei werden lassen will. Zero Waste Köln setzt sich dabei für Müllvermeidung und Ressourcenschutz
auf allen Ebenen ein. Sie ruft Politik, Bürger, Unternehmen und Bildungseinrichtungen auf, ihren Teil zu einer müllfreien
Stadt beizutragen. In verschiedenen Arbeitsgruppen, beim Planungstreffen oder ganz locker beim Stammtisch kommen
Menschen aus allen Bereichen zusammen und setzen Ideen gemeinsam um. Daraus sind im vergangenen Jahr Aktionen wie
die Zero Waste Picknicks oder Kleidertausch-Events entstanden. Für 2019 sollen die Projekte mit Bildungsträgern, Koopera -
tionen mit Unternehmen und die Zusammenarbeit mit der Politik intensiviert werden.
Ein Beispiel für eine praktische Umsetzung von Zero Waste-Prinzipien sind die Unverpacktläden in Köln. Die Kundinnen
und Kunden bringen eigene Behälter mit, in die sie ihre Produkte bedarfsgerecht abfüllen können. Es werden nicht nur
Lebensmittel wie Reis, Getreide, Müsli, Nüsse und Süßigkeiten verkauft, sondern auch Getränke und Feinkost, Drogerie-
und Geschenkartikel. Das Konzept erfreut sich besonders bei jungen Menschen und Familien großer Beliebtheit.
Zero Waste Köln:
www.zerowastekoeln.de
Unverpacktläden:
www.tante-olga.de,
www.migori.de
www.veedelskraemer.de
40
3.3 Transport umweltfreundlich organisieren
Lebensmittel werden heute teils weltweit, mindestens aber in der Region transportiert - vom Feld zu den verschiedenen
Orten der Verarbeitung, bis zu den Konsumentinnen und Konsumenten. Diese Aufwände möchten wir durch eine „Ernährung
der kurzen Wege“ und den Einsatz von umweltfreundlichen Transportmitteln reduzieren.
Lebensmittel werden heute teilweise tausende Kilometer weit transportiert, aufgrund sehr unterschiedlicher Motive. Dies betrifft
nicht nur Produkte wie Kaffee oder Tee, sondern auch Transporte aufgrund von Lohnkostenunterschieden, zur Vermeidung saisonaler
Einschränkungen oder aus unternehmensinternen Gründen (zum Beispiel der Zentralisierung von Verarbeitungsschritten).
Selbst an sich regionale Produkte werden zur Verarbeitung teilweise mehrfach über Landesgrenzen transportiert. Diese Transporte
belasten die Umwelt, aufgrund der damit verbundenen Abgase und Treibhausgas-Emissionen, aber auch unsere Straßen durch
Abnutzung und Stau.
Aufgrund der aktuellen Debatte um die Luftreinhaltung in Köln sind dabei auch die Transporte hin zum Lebensmitteleinzelhandel
in der Region sowie zu den stadtnahen gelegenen Verteilerzentren und zum Großmarkt relevant. So bündelt zum Beispiel der Kölner
Großmarkt in der Kühllagerlogistik große Warenmengen, die durch Kleinlaster und PKWs in die Stadt gelangen, künftig auch mit
alternativen Antrieben. Teilweise führen Lebensmitteltransporte bereits heute zu Konflikten mit Anwohnerinnen und Anwohnern
(Bsp.: Helios-Gelände und Philippstraße in Köln-Ehrenfeld).
Besonders bedeutsam für die Umweltbilanz sind in Köln auch die Transporte auf der “letzten Meile” hin zu den Konsumentinnen und
Konsumenten, da hierbei relativ viele Fahrten mit geringem Transportvolumen und geringer Auslastung anfallen. Während im Kölner
Stadtzentrum im Regelfall ein Einkauf zu Fuß oder mit dem Fahrrad organisiert werden kann, ist in den Randgebieten der Städte das
Auto für Einkäufe dominant.
Neben den Aktivitäten der großen Handels- und Logistikkonzerne gibt es auch neuartige Pionierprojekte die aufzeigen, was bereits
heute in Grenzbereichen machbar ist – wie beispielsweise die per Segelschiff und Lastenrädern quer durch Deutschland verteilte
klimaneutrale Schokolade der “Schokofahrt”
32.
Leitlinien und Ziele
1. Transport durch Regionalität reduzieren
Wir möchten Transportaufwände durch Regionalität vermeiden:
Lebensmittel werden, soweit möglich, in regionalen Wertschöpfungsketten im Sinne einer „Ernährung der kurzen
Wege“ produziert, verarbeitet und vertrieben. Zudem werden durch moderne, gut durchdachte Logistikkonzepte,
Bündelung und zentrale Lager einzelne oder halb volle Fahrten konsequent vermieden. Dies gilt sowohl für die
Logistik im Ernährungssektor als auch die „Letzte Meile“ der Konsumentinnen und Konsumenten.
2. Logistik effizient und intelligent gestalten
Transporte lassen sich auch durch eine effiziente, intelligente Planung reduzieren:
Transportwege werden durch gute Planung und eine hohe Auslastung der Transportmittel reduziert. Hierbei werden
moderne, datengetriebene Optimierungsansätze beim Routing und der Bestandsaufnahme (Internet of Things) sowie
dezentrale Lager- und Umschlagplätze eingesetzt.
3. Umweltfreundliche und klimaneutrale Transportmittel
Auch wenn Lebensmittel transportiert werden, kann dies durch neue Techniken umweltfreundlich oder klimaneutral gestaltet
werden:
Beim Transport von Lebensmitteln werden umweltfreundliche und klimaneutrale Alternativen wie dem
schienengebundenen Verkehr, Einsatz alternativer Antriebe (Elektromobilität) oder (Lasten-)Fahrrädern gefördert
und bevorzugt.
41
(Elektro-)Lastenräder auf der letzten Meile
Lastenräder, auch mit elektrischem Antrieb, haben in den letzten Jahren in Köln verstärkt Verbreitung gefunden. Dazu
beigetragen hat zum einen ein erweitertes Angebot an Modellen, aber auch kostenlose Sharing-Modelle wie KASIMIR -
Mein Lastenrad, das kommerzielle Sharingmodell Donk-EE sowie die Bezuschussung von Lastenrädern durch Stadt, Land
und Bund (mit jeweils unterschiedlichen Förderschwerpunkten und -bedingungen).
Diese Lastenräder werden zum einen von Konsumentinnen und Konsumenten auf der Fahrt zum Lebensmitteleinzelhandel
eingesetzt. Zum anderen finden sie bereits Anwendungen in alternativen Vertriebsmodellen – wie zur Beschaffung und
dem Catering bei The Good Food, beim Vertrieb der Marktschwärmer (in Planung) oder dem Waffel-Bike.
42
3.4 Die Essbare Stadt Köln realisieren
Im „Aktionsplan Essbare Stadt Köln“ wurde die Essbare Stadt als die „Erzeugung von Lebensmitteln für Mensch und Tier,
von und mit Menschen aus und in der Stadt und im städtischen Umfeld“ definiert. Dies umfasst unterschiedliche Arten
des Gärtnerns in Kleingartenanlagen und privaten Gärten bis hin zu Wildblumenwiesen für Bienen und urbanen Gemein -
schaftsgärten 33.
Bei der Essbaren Stadt geht es neben der Produktion von Lebensmitteln vor allem um Bildung, neue urbane Gemeinschaften und
die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern, sowohl an der Lebensmittelproduktion als auch an Fragen zur allgemeinen Stadtent -
wicklung.
Die “Essbare Stadt” geht zurück auf “urban gardening” Projekte in Städten weltweit und in Deutschland auf Aktivitäten der Stadt
Andernach, die in öffentlichen Grünanlagen Beete anlegt. Nach Beschlüssen zur Essbaren Stadt von verschiedenen Bezirksvertre -
tungen legte die Kölner Stadtverwaltung (Grünflächenamt) 2016 ein erstes Konzept für die “Essbare Stadt Köln” vor. Das vorgelegte
Konzept wurde im Juni 2016 vom Rat zur Kenntnis genommen und der Auftrag an die Verwaltung erteilt, dies weiter zu konkretisieren.
Die Verwaltung soll ein gesamtstädtisches Konzept erarbeiten.
Auf dieser Basis haben Agora Köln und der Ernährungsrat für Köln und Umgebung einen Aktionsplan entwickelt, der die aktuellen
Aktivitäten in den verschiedenen Feldern der Essbaren Stadt erfasst und Ziele und Maßnahmen präsentiert, um die Essbare Stadt
Köln
34 zu realisieren.
Die “Essbare Stadt” in der obigen, breiten Definition wird an zahlreichen Orten gelebt - von traditionellen, institutionell gut
verankerten und weit verbreiteten Ansätzen, wie den Kleingärten oder Schulgärten, bis zum Anbau von Obst und Gemüse in
öffentlichen Grünflächen (Pantaleonsgarten, Essbare Plätze im Veedel) oder in Firmengärten.
Vernetzungs- und Koordinierungsaufgaben im Bereich der Essbaren Stadt werden heute vom Amt für Landschaftspflege und Grün-
flächen
35, durch den Ernährungsrat für Köln und Umgebung aus Projektmitteln und aus Projekten oder Verbänden der jeweiligen
Modelle (Kölner Kleingartenverband, Netzwerk “Gemeinschaftsgärten Köln” etc.) geleistet.
Leitlinien und Ziele
1. Flächen der Essbaren Stadt sichern und ausbauen
In der „wachsenden Stadt“ sind Modelle der Essbaren Stadt einer hohen Flächenkonkurrenz und der daraus folgenden Über-
planung durch alternative Nutzungen, meist des Wohnungsbaus, ausgesetzt. Dies gefährdet sowohl etablierte, als auch
innovative Modelle.
Die für die Essbare Stadt nutzbaren Flächen sind langfristig gesichert und werden ausgebaut - so zum Beispiel die
Kleingartenflächen, Flächen für urbane Gemeinschaftsgärten oder Ackerflächen für Selbsterntegärten und Mietäcker.
2. Kleingärten und andere etablierte Modelle bewahren und öffnen
Insbesondere Kleingartenvereine haben eine lange und erfolgreiche Geschichte, stehen aber vor Herausforderungen, wie dem
wachsenden Flächendruck und anstehenden Generationswechseln.
Kleingärten und andere etablierte Modelle werden durch Anpassungen der Strukturen zukunftsfähig gemacht und
für Kooperation geöffnet.
3. Öffentliches Grün und andere neue Modelle ermöglichen
Neue Modelle wie der Anbau essbarer Pflanzen in öffentlichen Grünanlagen oder das Betreiben von Gemeinschaftsgärten
schaffen Orte mit niedrigen Zugangsschwellen und laden zum Netzwerken ein.
Neue Modelle der Essbaren Stadt wie Gemeinschaftsgärten oder Interkulturelle Gärten werden gezielt durch
Beratungsangebote oder Flächenbereitstellung (Kataster, Mustervertrag) gefördert. Zudem kann durch neue
Flächen wie Fassaden oder Dächer mehr Raum für neue Gärten geschaffen werden.
4. Vernetzungsstelle und Öffentlichkeitsarbeit
Für die dauerhafte Netzwerkarbeit ist eine zentrale Stelle für Logistik und Öffentlichkeitsarbeit (z.B. nach Pariser Modell)
notwendig.
Eine zentrale Anlaufstelle „Essbare Stadt Köln“ ist als Ansprechpartner für Genehmigungen und Förderungen
etabliert, gibt Auskunft zu Freiraum- und Gartenkatastern und macht Öffentlichkeitsarbeit.
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“Main Verte” in Paris
Ähnlich wie das Vorbild Green Thumb in New York begleitet und berät das Pariser Programm Main Verte Gruppen dabei,
ein Grundstück für einen Gemeinschaftsgarten zu finden und dort einen Garten anzulegen und zu betreiben.
Die Vereine müssen dabei die Auflagen der „charte main verte“ einhalten: Sie verpflichten sich, partizipativ zu handeln,
den sozialen Zusammenhalt zu stärken und ökologisch zu gärtnern. Dafür bietet Main Verte Kurse an, wie ein Garten
aufgebaut, umweltfreundliche Praktiken entwickelt und Gartenbau erfolgreich betrieben werden kann. Es stellt außerdem
Zäune und den Wasserzugang bereit, wobei die Gartenvereine Wasser- und Versicherungsgebühren zahlen. Einmal im
Monat gibt es das „Café Jardin“ sowie regelmäßige Treffen („trocs main verte“) zum Tausch von Samen, Pflanzen, Töpfen,
Werkzeug und Büchern.
44
4. QUELLENVERZEICHNIS
1 Die Prinzipien entsprechenden Leitsätzen des Ernährungsrats für Köln und Umgebung und sind entnommen von
http://ernaehrungsrat-koeln.de/die-arbeit-des-ernaehrungsrats/ (Zugang: 20. März 2019)
2 https://www.stadt-koeln.de/politik-und-verwaltung/stadtentwicklung/koelner-perspektiven-2030/ (Zugang 20. März 2019)
3 Siehe den Aktionsplan Essbare Stadt Köln, Vollständige Fassung 2.0, 14. April 2018, Ernährungsrat Köln und Umgebung /
Agora Köln.
4 Landwirtschaftskammer NRW (2016): Landwirtschaft im Regierungsbezirk Köln: Herausforderungen. Chancen. Perspektiven.
Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, 2. Auflage, Bonn, im Juni 2016
5 Landwirtschaftskammer NRW (2016): Landwirtschaft im Regierungsbezirk Köln: Herausforderungen. Chancen. Perspektiven.
Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, 2. Auflage, Bonn, im Juni 2016
6 Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (2018): Zahlen zur Landwirtschaft in Nordrhein-Westfalen2017 – Strukturen
und Produktionsmethoden der nordrhein-westfälischen Landwirtschaft nach der Agrarstrukturerhebung 2016, online
erhältlich unter http://www.landwirtschaftskammer.de/wir/pdf/zahlen-landwirtschaft.pdf
7 Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (2018): Zahlen zur Landwirtschaft in Nordrhein-Westfalen2017 – Strukturen
und Produktionsmethoden der nordrhein-westfälischen Landwirtschaft nach der Agrarstrukturerhebung 2016, online erhältlich
unter http://www.landwirtschaftskammer.de/wir/pdf/zahlen-landwirtschaft.pdf
8 Agrar Koordination (2012): Agrobiodiversität. Die Rolle der biologischen Vielfalt in der Landwirtschaft für die Ernährungs-
sicherheit. Abgerufen auf https://www.globaleslernen.de/sites/default/files/files/education-material/ak_biopoli_
agrobiodiversitaet.pdf (Zugang 20. März 2019)
9 https://www.bundessortenamt.de/internet30/index.php?id=28
10 Landwirtschaftskammer NRW 2017: NÄHRSTOFFBERICHT 2017 über Wirtschaftsdünger und andere organische Düngemittel
für Nordrhein-Westfalen, Münster
11 Oekoelandbau.de 2019: Klimaschutz und Landwirtschaft – Welche Vorteile bietet der Ökolandbau? Abgerufen am 20. März 2019,
online erhältlich unter https://www.oekolandbau.de/erzeuger/umweltleistungen/klimaschutz-und-landwirtschaft/
12 Nach NRW Handlungsfeld „Ausschöpfung der Suffizienz-Potenziale“
13 Stadt Köln 2010: 21. Anmerkung: Berechnung für Köln ohne Wochenmärkte.
14 Einzelhandels- und Zentrenkonzept der Stadt Köln, abrufbar unter:
https://www.stadt-koeln.de/politik-und-verwaltung/stadtentwicklung/versorgung/einzelhandels-und-zentrenkonzept/
kontrast=weiss
15 https://www.stadt-koeln.de/wirtschaft/maerkte/wochenmaerkte
16 http://www.oekomarkt.de/in-koeln.php
17 Eine Ausnahme ist “Kölsch” als geschützte geografische Angabe (g.g.A.). Hierbei muss allerdings nur der letzte Verarbeitungs
schritt in der Region stattfinden, die Herkunft der Rohstoffe wird nicht erfasst.
18 Handelsverband Deutschland HDE
19 Das Risiko für erhebliches oder normales Übergewicht beträgt 16,9 Prozent für niedrigen gegenüber 4,6 Prozent Risiko für
hohen Sozialstatus, siehe Kinder- und Jugendbericht der Stadt Köln für 2017/2018.
20 Allein der Verein Kölner Tafel e.V. beliefert nach eigenen Angaben 180 soziale Einrichtungen in Köln
http://koelner-tafel.de/empfaenger/
21 Siehe https://www.bzfe.de/inhalt/ernaehrungsbildung-in-der-schule-31506.html
45
22 Siehe https://www.verbraucherzentrale.nrw/wissen/lebensmittel, zum Beispiel zum Thema Regionalität,
https://www.verbraucherzentrale.nrw/wissen/lebensmittel/auswaehlen-zubereiten-aufbewahren/das-verwirrspiel-mit-der-
region-12755
23 Der Kölner Bildungs-Server verlinkt eine Reihe von Publikationen und Portalen, siehe https://www.bildung.koeln.de/gesundheit_
bildung/kinder_jugend/ernaehrung/index.html
24 Ernährungsreport des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, 2018)
25 Die Sinus-Milieus gruppieren Menschen, die sich in ihrer Lebensauffassung und Lebensweise ähneln (Bodo und Barth 2014)
26 Nach Spiller (2006) betrifft dies die folgenden SINUS-Milieus: postmaterielle, kulturbezogen-asketisch, arrivierte Anspruchsvolle,
alternative Hedonisten, Gesund und Natürlich und Etablierte.
27 Zielgruppen im Markt für Bio-Lebensmittel: Ein Forschungsüberblick (Spiller, 2006)
28 http://uk-catering.uk-koeln.de/das-unternehmen (Zugang 20. März 2019)
29 http://www.kstw.de/index.php?option=com_content&view=article&id=460&Itemid=295&lang=de
30 Alle Zahlen aus Arens-Azevêdo, Ulrike, Pfannes, Ulrike, Tecklenburg, Ernestine (2014): Is(s)t KiTa gut? KiTa-Verpflegung in
Deutschland: Status quo und Handlungsbedarfe. Bertelsmann Stiftung, Gütersloh https://www.bertelsmann-stiftung.de/
fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/GP_Isst_Kita_gut.pdf
31 Verbraucherzentrale NRW (2005): Mittagsverpflegung in der Ganztagsschule: Erste Schritte zu einem optimalen Angebot
http://www.schule-der-zukunft.nrw.de/fileadmin/user_upload/Schule-der-Zukunft/Materialsammlung/downloads/
6.6_Mittagsverpflegung_in_der_OGS.pdf
32 Siehe http://schokofahrt.de
33 Die Definition ist breiter als das Verständnis im Pionierprojekt “Essbare Stadt Andernach”, das vor allem den Anbau von ess-
baren Pflanzen in öffentlichen Grünflächen umfasst. In Köln wurde das Konzept sowohl durch die Beschlüsse des Stadtrats
als auch im Prozess der Erarbeitung des Aktionsplans “Essbare Stadt Köln” breiter aufgestellt und an die Erfordernisse einer
Großstadt angepasst.
34 http://www.essbare-stadt.koeln
35 Siehe zum Beispiel die Aufstellung auf https://www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/freizeit-natur-sport/wald/urban-gardening
46
5. ANHÄNGE
5.1 Milan Urban Food Policy Pact (MUFPP)
Die Ernährungsstrategie zeigt auf, wie Köln den Milan Urban Food Policy Pact (MUFPP) umsetzen kann. Mit der Unterzeichnung
des MUFPP verpflichten sich die Städte zu 7 Zielen, die kurz zusammengefasst auf die Bildung und Etablierung nachhaltiger,
regionaler Ernährungssysteme abzielen. Diese sollen interdisziplinär von allen Organen der Stadt umgesetzt werden und auf
kommunaler, landesweiter, nationaler und internationaler Ebene in die politischen Entscheidungen einfließen. Schließlich
sollen die Bemühungen der Städte nicht nur vor Ort angewendet werden, sondern Modellcharakter haben und auch auf andere
Regionen angewandt werden können, die sich zum Austausch verpflichten. Die folgende Tabelle zeigt beispielhaft, wie die Ziele
des MUFPP durch die Ernährungsstrategie abgedeckt werden:
Maßnahmenliste MUFPP Siehe Kapitel...
1. Erleichtern Sie die Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen und Departementen
der Stadtbehörde und streben Sie an, Politikinstrumente und Programme verschiedener
Bereiche und Verwaltungsebenen mit Auswirkungen auf das Ernährungssystem durch
die Verabschiedung und Etablierung eines auf Rechten basierenden Ansatzes aufeinander
abzustimmen; die Optionen können die Schaffung zuständiger, fester Stellen im städtischen
Personal, die Überarbeitung von Aufgaben und Verfahren und die Verschiebung von Res-
sourcen umfassen
nicht relevant für den
Ernährungsrat
2. Erhöhen Sie die Beteiligung von Interessenvertretern auf städtischer Ebene durch
politischen Dialog und, falls angebracht, durch die Ernennung eines Beraters für Er-
nährungspolitik und/oder die Etablierung eines Multi-Interessenvertreter-Forums oder
Ernährungsrates, wie auch durch Bildungs- und Sensibilisierungskampagnen.
Gründung des Ernährungs-
rates für Köln und Umgebung
März 2015
3. Identifizieren, lokalisieren und evaluieren Sie die lokalen Initiativen und Lebensmittel-
Bewegungen der Zivilgesellschaft, um vorbildliche Praktiken mit Unterstützung der
Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen vor Ort in zweckdienliche Programme und
Politikinstrumente umzusetzen.
Materialsammlung
und Best Practice
4. Entwickeln oder überarbeiten Sie die Instrumente und Pläne der städtischen Ernährungs -
politik und sorgen Sie hinsichtlich lebensmittelrelevanter Politikinstrumente und Programme
für eine adäquate Mittelallokation in der Stadtverwaltung; überprüfen, harmonisieren und
stärken Sie die Gesetzgebung in der Gemeinde; entwerfen Sie strategische Kapazitäten für
ein nachhaltigeres, gesünderes und gerechteres Ernährungssystem unter Abwägung urbaner
und ländlicher Interessen.
Die Strategie soll als Grund-
lage einer Überarbeitung der
Instrumente und Pläne der
Stadt Köln dienen
5. Entwickeln oder verbessern Sie multisektorale Informationssysteme für die Entwicklung
von Politikinstrumenten und Rechenschaftspflicht durch eine Steigerung der Verfügbarkeit,
Qualität, Quantität, Abdeckung und des Managements und Austauschs von Daten mit Bezug
zu städtischen Ernährungssystemen unter Einschluss sowohl öffentlicher Datenerhebung als
auch von Daten der Zivilgesellschaft und anderen Partnern.
Der Ernährungsrat setzt
sich in seinen Ausschüssen
dafür ein, die Datenbasis
rund um die Ernährung
in Köln zu verbessern.
6. Entwickeln Sie eine Strategie zur Verringerung des Katastrophenrisikos , um die Resilienz
städtische Ernährungssysteme zu erhöhen, auch in Städten, die am stärksten vom Klima -
wandel, ausgedehnten Krisen und chronischer Ernährungsunsicherheit in städtischen und
ländlichen Gebieten betroffen sind.
nicht relevant für den
Ernährungsrat für Köln
und Umgebung
Empfohlene Maßnahmen: Herstellung günstiger Rahmenbedingungen für wirksame Maßnahmen (Governance)
47
Maßnahmenliste MUFPP Siehe Kapitel...
7. Fördern Sie eine nachhaltige Ernährung (gesund, sicher, kulturell angepasst, umwelt-
freundlich und einem auf Rechten basierenden Ansatz) durch sachdienliche Bildung,
Gesundheitsförderung und Kommunikationsmassnahmen mit besonderem Augenmerk
auf Schulen, Kindertagesstätten, Kindergärten, Märkten und Medien.
2.10, 2.11 und 2.14, 2.7
8. Thematisieren Sie nichtübertragbare Krankheiten, die mit unausgewogener Ernährung
und Übergewichtigkeit in Verbindung stehen, wo angebracht unter besonderer Berück-
sichtigung der Reduktion der Aufnahme von Zucker, Salz, Transfettsäuren, Fleisch- und
Milchprodukten und der Steigerung des Konsums von Obst, Gemüse und nicht verarbeiteten
Lebensmitteln.
2.10, 2.11 und 2.14
9. Entwerfen Sie nachhaltige Ernähungsrichtlinien zur Information der Konsumenten,
Stadtplaner (insbesondere für die öffentliche Lebensmittelbeschaffung), Lebensmittel-
dienstleister, -einzelhändler, -produzenten und -verarbeiter und fördern Sie
Informations- und Fortbildungskampagnen.
2.5, 2.6, 2.7, 2.8, 2.9, 2.10, 2.11,
2.12 und 2.13
10. Überarbeiten Sie Standards und Gesetzgebungen, um den Zugang zu nachhaltigen
Lebensmitteln und sauberem Trinkwasser in Einrichtungen des öffentlichen Dienstes wie
Krankenhäusern, Gesundheits- und Kinderbetreuungs- einrichtungen, an Arbeitsplätzen,
in Universitäten, Schulen, Ernährungs- und Verpflegungsdiensten, städtischen Behörden
und Gefängnissen und soweit möglich im Groß- und Einzelhandel des Lebensmittelvertriebs
und -verkaufs im Privatsektor zu ermöglichen.
2.13 und 2.14
11. Erwägen Sie gesetzgeberische und freiwillige Instrumente zur Förderung nachhaltiger
Ernährung unter angemessenem Einbezug von öffentlichen und privaten Unternehmen, unter
Nutzung von Marketing-, Werbe- und Kennzeichnungs- massnahmen und ökonomischer An -
reize oder Negativanreize; optimieren Sie Regulierungen für die Vermarktung von Lebensmit-
teln und nicht-alkoholischen Getränken an Kinder gemäss den Empfehlungen der WHO.
2.10, 2.13 und 2.14
12. Fördern Sie gemeinsame Aktivitäten von Lebensmittel- und Gesundheitssektor zur
Implementierung von integralen, an die Bevölkerung angepassten Strategien für gesunde
Lebensweisen und soziale Inklusion.
2.10 und 2.11
13. Investieren Sie in die Gewährleistung eines universalen Zugangs zu sauberem
Trinkwasser und angemessener Abwasserentsorgung und verpflichten Sie sich zu
selbigem, unter angemessenem Einbezug der Zivilgesellschaft und verschiedener
Partnergesellschaften.
nicht relevant für den Ernäh-
rungsrat Köln und Umgebung,
da sauberes Trinkwasser und
angemessene Abwasserent-
sorgung in Köln hinreichend
sichergestellt sind.
14. Nutzen Sie Bargeld- und Lebensmittelabgaben sowie andere Formen von Sozialschutz -
systemen (Tafeln, Gemeinschaftsküchen, Lebensmittel-Nothilfen etc.), um benachteiligten
Bevölkerungsgruppen einen Zugang zu gesunder Ernährung zu gewährleisten, unter Berück -
sichtigung der spezifischen Weltanschauungen, Kulturen, Traditionen,Ernährungsgewohnhei -
ten und -vorlieben der unterschiedlichen Gemeinschaften gemäss dem Prinzip menschlicher
Würde und zur Vermeidung weiterer Ausgrenzung.
2.9 und 2.13
15. Richten Sie Schulverpflegungsprogramme und andere institutionelle Lebensmitteldienste
neu aus, um gesunde Lebensmittel lokaler und regionaler Herkunft aus saisonaler und nach -
haltiger Produktion bereitzustellen .
2.10, 2.11 und 2.13
Empfohlene Maßnahmen: nachhaltige Ernährung
Empfohlene Maßnahmen: soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit
Maßnahmenliste MUFPP Siehe Kapitel...
16. Fördern Sie menschenwürdige Beschäftigung für alle, einschließlich fairer Wirtschafts -
beziehungen und Löhne und verbesserter Arbeitsbedingungen im Lebensmittel- und
Agrarsektor, bei vollständiger Integration der Frauen.
Primär in Zulieferketten
relevant – 2.4 und 2.12
17. Fördern und unterstützen Sie Unternehmungen der Sozial- und Solidarwirtschaft mit
besonderer Aufmerksamkeit auf lebensmittelrelevante Massnahmen zur Unterstützung
nachhaltiger Lebensgrundlagen für marginalisierte Bevölkerungsgruppen auf unterschied -
lichen Ebenen der Lebensmittelkette und erleichtern Sie den Zugang zu sicherer und gesunder
Ernährung sowohl in städtischen als auch in ländlichen Gebieten.
2.2 und 2.10
18. Fördern Sie Netzwerke und unterstützen Sie Basisaktivitäten (wie Gemeinschaftsgärten
und -küchen, Tafeln etc.), die soziale Inklusion befördern und Ausgegrenzte mit Lebensmitteln
versorgen.
2.10 und 3.4
19. Fördern Sie partizipative Bildung, Fortbildung und Forschung als Schlüsselelemente zur
Stärkung lokaler Aktivitäten mit dem Ziel erhöhter sozialer und wirtschaftlicher Gerechtig -
keit; fördern Sie auf Rechte basierende Ansätze, lindern Sie Armut und erleichtern Sie den
Zugang zu adäquaten und nährstoffreichen Lebensmitteln.
2.13
20. Fördern und stärken Sie eine urbane und stadtnahe Lebensmittelproduktion und
-verarbeitung auf Grundlage nachhaltiger Ansätze und integrieren Sie urbane und
stadtnahe Landwirtschaft in Resilienzpläne der Stadt.
2.1., 2.2. und 3.4.
21. Streben Sie die Kohärenz zwischen der Stadt und nahe gelegener, ländlicher Lebens-
mittelproduktion, -verarbeitung und -vertrieb an, mit Fokus auf kleinbäuerliche und
bäuerliche Familienproduktion und besonderer Berücksichtigung der Befähigung von
Frauen und Jugendlichen.
2.2. und 2.5.
22. Verwenden Sie einen Ökosystemansatz zur Ausrichtung einer ganzheitlichen und
integrierten Raumplanung und -verwaltung in Zusammenarbeit mit städtischen und
ländlichen Behörden und anderen Verwaltern natürlicher Ressourcen durch eine Kombi-
nation der Landschaftscharakteristika mit beispielsweise Risikominimierungsstrategien
zur Steigerung der Möglichkeiten für ökologische Agrarproduktion, die Bewahrung der
biologischen Vielfalt und Agrarflächen, Anpassungen an den Klimawandel, Tourismus,
Freizeitgestaltung und andere Ökosystemleistungen.
2.1
23. Schützen und fördern Sie gesicherten Landzugang und -besitz für eine nachhaltige
Lebensmittelproduktion in urbanen und stadtnahen Gebieten, einschließlich Land für
Gemeinschaftsgärtner und Kleinbauern, beispielsweise durch Bodenfonds (land banks)
oder kollektives Eigentum (community land trusts); stellen Sie Gemeindeland für die
lokale Agrarproduktion zur Verfügung und fördern Sie die Integration in Nutzungs- und
Stadtentwicklungspläne und -programme.
2.1 (insb. Ziel 3)
24. Unterstützen Sie die Verfügbarkeit von Dienstleistungen für Lebensmittelprodu-
zenten in den Städten und der Umgebung, einschließlich Fachausbildung und Finanz-
hilfen (Kredite, Technologien, Lebensmittelsicherheit, Marktzugang etc.) zum Aufbau
eines generationenübergreifenden und wirtschaftlich tragfähigen Ernährungssystems
mit Anregungen wie Kompostierung von Küchenabfällen, Grauwasser (grey water) aus
Verbrauchernutzung, Energieerzeugung aus Abfällen etc., bei Gewährleistung, dass
diese nicht in Konkurrenz zum Konsum stehen.
2.2, 2.5, 2.8 und 3.1
Empfohlene Maßnahmen: Lebensmittelproduktion
48
49
Maßnahmenliste MUFPP Siehe Kapitel...
25. Unterstützen Sie kurze Lebensmittelversorgungsketten, Erzeugerorganisationen,
Netzwerke und Foren für den Direktverkauf vom Erzeuger an den Verbraucher und andere
marktwirtschaftliche Systeme, die Teil der sozialen und wirtschaftlichen Infrastruktur des
städtischen Ernährungssystems sind und urbane und ländliche Gebiete vernetzen. Dies
könnteInitiativen der Sozial- und Solidarwirtschaft aus der Zivilgesellschaft und alternative
marktwirtschaftliche Systeme einschließen.
2.2, 2.5, 2.8 und 3.1
26. Optimieren Sie die Abwasser- und Wasserwirtschaft und -wiederverwendung in der
Agrar- und Lebensmittelproduktion durch Maßnahmen und Programme mit partizipativen
Ansätzen
2.5, 2.8 und 2.9
27. Ermitteln Sie die Lebensmittelflüsse in die Stadt und innerhalb der Stadt, um den
Zugang zu frischen und erschwinglichen Lebensmitteln in einkommensschwachen oder
unterversorgten Wohnvierteln zu gewährleisten, unter Thematisierung einer nachhaltigen
verkehrslogistischen
2.8, 2.10 und 3.3
28. Unterstützen Sie die Optimierung von Lebensmittellagerungs-, -verarbeitungs-,
-transport-und -vertriebstechnologien und -infrastrukturen durch die Vernetzung von
stadtnahen und nahe gelegenen, ländlichen Gebieten, um einen saisonalen Lebensmittel-
verbrauch zu gewährleisten und Ernährungsunsicherheit sowie Lebensmittel- und Nähr-
stoffverlust und -verschwendung zu verringern, mit einem Schwerpunkt auf diversifizierte
kleine und mittlere Lebensmittel- unternehmen innerhalb der Wertschöpfungskette, die
u.U. dauerhafte und menschenwürdige Beschäftigung bereitstellen.
2.4, 2.5, 2.7, 2.8 und 3.3
29. Ermitteln, überprüfen und/oder stärken Sie Lebensmittelkontrollsysteme durch die
Implementierung kommunaler Lebensmittelsicherheitsgesetzgebungen und -regulierungen,
die (1) sicherstellen, dass Lebensmittelproduzenten und -lieferanten in der gesamten Lebens -
mittelkette verantwortungsbewusst handeln, (2) Marktzugangshindernisse für bäuerliche
Familienbetriebe und produzierende Kleinbauern beseitigt werden und (3) Lebensmittel-
sicherheits-, Gesundheits- und Umweltaspekte berücksichtigt werden
2.2, 2.5, 2.7, 2.8 und 2.9
30. Überprüfen Sie die öffentliche Beschaffungs- und Handelspolitik zur Förderung von
kurzen Lebensmittel- versorgungsketten, die Städte untereinander vernetzen, um eine
Versorgung mit gesunden Lebensmitteln zu gewährleisten und zugleich Beschäftigungs -
zugang, faire Produktionsbedingungen und eine nachhaltige Produktion für die am meisten
gefährdeten Produzenten und Konsumenten zu fördern und dadurch die Möglichkeiten des
öffentlichen Beschaffungswesens dafür zu nutzen, das Recht auf Lebensmittel für alle
umzusetzen.
2.2, 2.5, 2.7 und 2.8
31. Sorgen Sie für politische Unterstützungsprogramme für öffentliche Märkte in der
Gemeinde, einschliesslich Bauernmärkte, informelle Märkte, Einzel- und Grosshandels-
märkte, Gaststätten und anderen Lebensmittelverkäufer, unter Wahrung unterschiedlicher
Ansätze für Städte, die mit privaten und öffentlichen Komponenten marktwirtschaftlicher
Systeme zusammenarbeiten.
2.7 und 2.8
32. Verbessern Sie die Infrastruktur der Marktsysteme, die urbane Käufer mit urbanen,
stadtnahen und ländlichen Verkäufern verbinden und bauen Sie eine diesbezügliche
Unterstützung aus, indem Sie zugleich zum Aufbau von Kohäsion und Vertrauen bei-
tragen, kulturellen Austausch fördern und nachhaltige Existenzen sichern, insbesondere
für Frauen und Jungunternehmen.
2.7, 2.8 und 2.9
Empfohlene Massnahmen: Lebensmittelversorgung und -verteilung
Maßnahmenliste MUFPP Siehe Kapitel...
33. Bekennen Sie sich zum Beitrag des informellen Sektors zu den städtischen Ernährungs -
systemen (hinsichtlich Lebensmittelversorgung, Arbeitsplatzschaffung, Förderung
lokaler Ernährungsweisen und Umweltmanagement) und gewährleisten Sie eine angemes -
sene Unterstützung und Fortbildung in Bereichen wie Lebensmittelsicherheit, nachhaltige
Ernährung, Abfallvermeidung und -management.
Nicht relevant für den Ernäh-
rungsrat für Köln und Umgebung,
da in Deutschland kein nen-
nenswerter informeller Sektor
existiert.
34. Bringen Sie die Akteure des Ernährungssystem zusammen, um Lebensmittelverluste
und Abfallverringerung auf allen Stufen der Lebensmittelversorgungskette in der Stadt
und Region zu ermitteln und zu beobachten (einschließlich Produktion, Verarbeitung,
Verpackung, sichere Lebensmittel- zubereitung, Aufmachung und Handhabe, Weiter- und
Abfall- verwertung) und sorgen Sie für eine ganzheitliche Planung und Ausgestaltung,
Transparenz, Verantwortlichkeit und Politikvernetzung.
3.2 und 3.4
35. Fördern Sie das Bewusstsein für Lebensmittelverluste und -verschwendung durch
gezielte Veranstaltungen und Kampagnen; identifizieren Sie Brennpunkte wie Bildungs-
einrichtungen, Gemeinschaftsmärkte, Gemeinschaftsläden und andere solidarische oder
ringförmige Wirtschaftsinitiativen.
3.1
36. Arbeiten Sie gemeinsam mit dem Privatsektor und mit Forschungs-, Bildungs- und
Gemeinschaftsorganisationen an der Entwicklung und Überarbeitung, je nach Bedarf,
kommunaler Politikinstrumente und Gesetzgebungen (z. B. Verfahren, Erscheinungsbild-
und Abstufungsstandards, Verfallsdaten etc.) zur Abfallvermeidung oder sicheren Lebens-
mittel- und Verpackungsrückgewinnung unter Einsatz einer "Lebensmittel-statt-
Abfall"-Rangfolge.
3.2
37. Schützen Sie Lebensmittel durch die Förderung von Rückgewinnung und Umverteilung
für den Verzehr sicherer und nährstoffreicher Lebensmittel, die, falls zutreffend, bei
Produktion, Verarbeitung, Absatz, Catering, im Grosshandel und Hotel- und Gaststätten-
gewerbe Gefahr laufen, verloren zu gehen, weggeworfen oder verschwendet zu werden.
3.1 und 3.2
Empfohlene Massnahmen: Lebensmittelabfälle
50
51
5.2 Sustainable Developement Goal (SDG)
Die Ernährungsstrategie zeigt auf, wie Köln Teile der SDGs umsetzen kann.
Die folgende Tabelle zeigt beispielhaft, wie die Ziele des SDGs durch die Ernährungsstrategie abgedeckt werden:
Tabelle 2:
Die Ernährungsstrategie im Kontext aller Nachhaltigkeits-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (“SDGs”).
SDG 2: “Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine
bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirt -
schaft fördern”
Ernährungssicherheit stellt die Grundlage zur Erarbeitung
einer Ernährungsstrategie dar. Der Hunger-Aspekt wird in
Bezug auf regionale Mangel- und Fehlernährung (“hidden
hunger”) im Kapitel “Gute Ernährung für Alle” mitbehandelt.
SDG 3: “Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters
gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern”
Gesundheit hängt maßgeblich mit Ernährung zusammen,
sodass das Ziel hier durch eine umfassende Ernährungs-
bildung Einzug in die Ernährungsstrategie erhält.
SDG 12: “Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster
sicherstellen”
Hier zielt die Ernährungsstrategie sowohl auf den Konsumen-
ten, wie auch auf die Produzenten ab, durch Anreize und
Hilfestellung zu nachhaltiger Produktion, sowie durch
Schulung und Unterstützung der Konsumenten nachhaltige
Kaufentscheidungen.
SDG 13: “Umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klima -
wandels und seiner Auswirkungen ergreifen”
Die vorgeschlagenen Änderungen der landwirtschaftlichen
Produktionsweise, beim Transport, bei der Verpackung und
dem Angebot im Supermarkt zielen mindestens indirekt alle
auf eine Verminderung des Treibhausgasausstoßes ab und
sind damit Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels.
SDG 15: “Landökosysteme schützen, wiederherstellen und
ihre nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig be -
wirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen, Bodendegradation
beenden und umkehren und dem Verlust der biologischen
Vielfalt ein Ende setzen”
Die Forderung nach mehr biologischer Bewirtschaftung,
nach mehr Arten- und Sortenvielfalt, nach einer regionalen
Kreislaufwirtschaft, nach kleinbäuerlicher Bewirtschaftung
und einer möglichst diversen Bepflanzung innerhalb der
Stadt entsprechen diesem Ziel.
SDG Siehe Kapitel...
1. Armut in allen ihren Formen und überall beenden nicht im Aktionsbereich des
Ernährungsrates
2. Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung
erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern
2.1, 2.2, 2.3, 2.4, 2.13 und 2.14
3. Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr
Wohlergehen fördern
2.10, 2.11, 2.13 und 2.14
4. Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung gewährleisten und
Möglichkeiten lebenslangen Lernens für alle fördern
Ernährungsbildung 2.11
52
5. Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur
Selbstbestimmung befähigen
nicht im Aktionsbereich des
Ernährungsrates
6. Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärver -
sorgung für alle gewährleisten
nicht im Aktionsbereich des
Ernährungsrates, tangiert 2.4
7. Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und moderner Energie für
alle sichern
nicht im Aktionsbereich des
Ernährungsrates
8. Dauerhaftes, breitenwirksames und nachhaltiges Wirtschaftswachstum,
produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern
nicht im Aktionsbereich des
Ernährungsrates
9. Eine widerstandsfähige Infrastruktur aufbauen, breitenwirksame und nach-
haltige Industrialisierung fördern und Innovationen unterstützen
2.3, 2.4, 2.5, 2.7 und 2.8
10. Ungleichheit in und zwischen Ländern verringern nicht im Aktionsbereich des
Ernährungsrates
11. Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig
gestalten
2.1, 3.3 und 3.4
12. Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen 2.2, 2.3, 2.4, 2.5, 2.12, 2.13, 2.14, 3.1,
3.2, 3.3 und 3.4
13. Umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner
Auswirkungen ergreifen
2.1, 2.2, 2.3, 2.4, 2.7, 2.8, 2.12, 3.1, 3.3
und 3.4
14. Ozeane, Meere und Meeresressourcen im Sinne nachhaltiger Entwicklung
erhalten und nachhaltig nutzen
nicht im Aktionsbereich des
Ernährungsrates
15. Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung
fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen, Boden -
degradation beenden und umkehren und dem Verlust der biologischen Vielfalt
ein Ende setzen
2.1, 2.2, 2.3 und 2.4
16. Friedliche und inklusive Gesellschaften für eine nachhaltige Entwicklung
fördern, allen Menschen Zugang zur Justiz ermöglichen und leistungsfähige,
rechenschaftspflichtige und inklusive Institutionen auf allen Ebenen aufbauen
nicht im Aktionsbereich des
Ernährungsrates
17. Umsetzungsmittel stärken und die Globale Partnerschaft für nachhaltige
Entwicklung mit neuem Leben erfüllen
nicht im Aktionsbereich des
Ernährungsrates
53
54
55
Impressum
Herausgeber:
Ernährungsrat für Köln und Umgebung
Getragen von Taste of Heimat e.V.
Neven-DuMont-Str. 14, 50667 Köln, 0221 29 85 23 59
info@ernaehrungsrat.koeln, info@tasteofheimat.de
www.ernaehrungsrat-koeln.de
Umweltfreundlich und klimaneutral gedruckt bei grün-gedruckt.de, Schloemer, Düren.
Illustrationen: Christian Reinken, www.christian-reinken.de
Layout: Madlen Kleest, maddesign@gmx.de
Mit freundlicher Unterstützung der Stadt Köln
Eine Ernährungsstrategie für Köln und Umgebung –
Handlungsfelder, Bestandsaufnahme und Zielvorgaben
www.ernaehrungsrat-koeln.de
Anlage 3 Sachbericht Verwendungsnachweis 01.09.2021-31.08.2022
2859 Zeichen
............................................................................................. 2 ............................................................................................ 2 ....................................................................................................... 3 ..................................................................................................................... 3 ............................................................... 4 ...................................................................................... 5 .................................................................................. 7 .................................................................................................................................. 7 ................................................................................................................. 7 ............................................................................... 8 ............................................................................................................. 8 .................................................................................................................... 8 ............................................................................. 10 ......................................................................................................................................... 11 ....................................................................................................................... 12 ...................................................................... 13 .............................................................................................................................. 13 ......................................................................................................................... 13 ......................................................................................................................... 14 ........................................................................................................................ 14 ................................................................................................................... 14 .................................................................................................................. 15 2 3 • • ▪ o o o • • 4 • • o o • • • 5 • • • • • • • • • • • • 6 • • • • • • • • • • • • • 7 • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • 8 • ▪ • ▪ • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • 9 • • • • • • • • • • ³ 10 • • • • • • • 11 • • • • • o o o o • 12 • • • • 13 14 • • • 15
Anlage 2 Sachbericht Verwendungsnachweis 01.09.2020-31.08.2021
3265 Zeichen
Corona Pandemie .................................................................................................................................... 2 Vollversammlungen des Ernährungsrats................................................................................................. 2 Ausschüsse des Ernährungsrats .............................................................................................................. 3 Regionalvermarktung .......................................................................................................................... 3 Ernährungsbildung und Gemeinschaftsverpflegung ........................................................................... 4 Urbane Landwirtschaft/Essbare Stadt ................................................................................................ 5 Gastronomie und Lebensmittelhandwerk .......................................................................................... 7 Veranstaltungen ...................................................................................................................................... 7 Eigene Veranstaltungen ...................................................................................................................... 7 Teilnahme an Netzwerk Veranstaltungen ........................................................................................... 7 Laufende und neue Projekte ................................................................................................................... 8 Essbares Wohnumfeld ......................................................................................................................... 8 StErn Kita ............................................................................................................................................. 9 Setup Food Strip 1.0 ............................................................................................................................ 9 ERNetzwerk ....................................................................................................................................... 10 Umbenennung Verein ........................................................................................................................... 11 Projektmanagement .............................................................................................................................. 11 Übersicht Finanzen ............................................................................................................................ 11 Personalmanagement ....................................................................................................................... 12 Presseschau und Links ....................................................................................................................... 12 ▪ ▪ • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • Ort, Datum Unterschriften Taste of Heimat e.V. (Vorstandsvorsitzender und ein stellv. Vorstandsvorsitzender)
Anlage 1 Öffentlichkeitsbeteiligung
1320 Zeichen
Anlage Öffentlichkeitsbeteiligung Die Anlage Öffentlichkeitsbeteiligung ist allen Beschlussvorlagen der Verwaltung für Gremien, auf die die Leitlinien Öffentlichkeitsbeteiligung Anwendung finden, beizufügen. Kreuzen Sie bitte eine der folgenden drei Varianten an und machen Sie entsprechende Angaben dazu. Eine freiwillige Öffentlichkeitsbeteiligung wird nicht vorgeschlagen. Warum wird keine Öffentlichkeitsbeteiligung vorgeschlagen? - Der Gestaltungsspielraum ist nicht ausreichend. Bitte begründen Sie Ihre Entscheidung (Begründung zwingend erforderlich): Gemäß der Leitlinie Öffentlichkeitsbeteiligung 1.0 ist u.a. zu prüfen, ob inhaltliche Planungsgrundlagen einen Gestaltungsspielraum für das Vorhaben zulassen. Im Zusammenhang mit dem Gegenstand der Beschlussvorlage (Fortführung der finanziellen Unterstützung des Ernährungsrates für Köln und Umgebung e.V.) besteht aufgrund entsprechender Planungen bzw. Entscheidungen innerhalb der Stadt Köln (Haushaltsplan bzw. Haushaltssatzung 2025/2026) kein (ausreichender) Gestaltungsspielraum. Kontakt OB/1 Büro der Oberbürgermeisterin OB/12 Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung Brückenstraße 5-11 50667 Köln Telefon: 0221 – 221 25044 E-M ail: oeffentlichkeitsbeteiligung@stadt-koeln.de Intranetauftritt: Systematische Öffentlichkeitsbeteiligung
Anlage 0 Begründung der Dringlichkeit
697 Zeichen
Anlage 0 Begründung der Dringlichkeit: Der verwaltungsinterne Abstimmungsprozess hat sich leider verzögert, sodass die regulären Vorlagefristen nicht eingehalten werden konnten. Dennoch ist es wichtig, die nächsten Sitzungen des Ausschusses Klima, Umwelt und Grün am 12.06.2025, des Finanzausschusses am 30.06.2025 und des Rates der Stadt Köln am 03.07.2025 zu erreichen, um eine Entscheidung zu den finanziellen Zuschüssen für den Ernährungsrat für Köln und Umgebung e.V. schnellstmöglich herbeizuführen. Ansonsten ist nicht gewährleistet, dass die vorhandenen Strukturen fortgeführt werden können und somit Planungssicherheit bei dem Ernährungsrat für Köln und Umgebung e.V. besteht.
Anlage 4 Sachbericht Verwendungsnachweis 01.09.2022-31.08.2023
56848 Zeichen
Bericht der Förderungen für den „Ernährungsrat Köln und Umgebung e.V.“ Berichtszeitraum: 01.09.2022 – 31.08.2023 Inhalt Übersicht und Inhalt des Berichts ................................................................................................................. 2 Förderung vom 01. Januar 2022 „jährlicher Zuschuss i.H.v. 75.000€ p.a. ab dem ..................... 09/22 für 3 Jahre“ ....................................................................................................................................... 2 Vollversammlung des Ernährungsrats ......................................................................................................... 2 Ausschüsse des Ernährungsrats ..................................................................................................................... 3 Regionalvermarktung .................................................................................................................................... 3 Ernährungsbildung und Gemeinschaftsverpflegung ........................................................................ 3 Urbane Landwirtschaft / Essbare Stadt .................................................................................................. 4 Gastronomie und Lebensmittelhandwerk ............................................................................................. 4 Veranstaltungen ................................................................................................................................................... 5 Eigene Veranstaltungen ................................................................................................................................ 5 Teilnahme an (Netzwerk-) Veranstaltungen ......................................................................................... 5 Laufende und neue Projekte ............................................................................................................................ 6 Eingereichte Anträge .......................................................................................................................................... 9 Presseschau und Links ...................................................................................................................................... 12 Förderung vom 04. August 2022 „Zuschuss zur Erweiterung der finanziellen Unterstützung i.H.v. 55.000€ ab 09/2022 für 1 Jahr“..................................................................... 12 Die Landwirtschaft im Kölner Rheinland I - Status quo und Herausforderungen ................. 12 Die Landwirtschaft im Kölner Rheinland II – quo vadis Regionalvermarktung? ..................... 12 Vernetzung der Ernährungsräte ............................................................................................................... 13 Die Vielfalt der Kölner Ernährungswirtschaft .................................................................................... 14 Förderung vom 01. August 2022 „Zuschuss zur Projektkoordination Essbare Stadt i.H.v. 35.000€ ab 09/22 für ein Jahr ............................................................................................................... 14 Ausschusssitzungen ......................................................................................................................................... 14 EdiCitNet-Award ................................................................................................................................................ 14 Begleitete Initiativen/Tätigkeiten ............................................................................................................... 15 Veranstaltungen ................................................................................................................................................. 16 Öffentlichkeitsarbeit ........................................................................................................................................ 16 Presseschau und Links ...................................................................................................................................... 17 Projektadministration ............................................................................................................................. 18 Übersicht Finanzen............................................................................................................................................ 18 Personalmanagement ...................................................................................................................................... 19 2 Übersicht und Inhalt des Berichts Berichte zur Förderung der Stadt Köln von 01.09.2022 – 31.08.2023: Der Bericht setzt sich zusammen aus zwei voneinander getrennt dargestellten Teilen. Im ers- ten Teil werden wir die Förderung vom 01. Januar 2022 „jährlicher Zuschuss i.H.v. 75.000€ p.a. ab dem 09/22 für 3 Jahre (gemäß Ratsbeschluss vom 18.06.2020)“ Förderung vom 04. August 2022 „Zuschuss zur Erweiterung der finanziellen Unterstüt- zung i.H.v. 55.000€ ab 09/2022 für 1 Jahr“ sowie die darstellen. Mit den bewilligten Mitteln werden die beiden Geschäftsführenden des Ernäh- rungsrats finanziert, die sich in ihrer Arbeit ergänzen und den Ernährungsrat insgesamt mit Leben füllen. Eine getrennte Darstellung erfolgt aufgrund der beiden separaten Förderungen ausschließlich auf finanzieller Ebene. Zudem schließen wir den Bericht für die Förderung vom 01. August 2022 „Zuschuss zur Projektkoordination Essbare Stadt i.H.v. 35.000€ ab 09/22 für ein Jahr (gemäß Ratsbeschluss vom 18.06.2020)“ an. Auch für diesen Förderbescheid legen wir einen separaten Finanzbericht vor. Förderung vom 01. Januar 2022 „jährlicher Zuschuss i.H.v. 75.000€ p.a. ab dem 09/22 für 3 Jahre“ (gemäß Ratsbeschluss vom 18.06.2020) Vollversammlung des Ernährungsrats Die Vollversammlung fand dieses Jahr am 24.09.2022 in der „Jugend- und Kulturzentrumsiniti- ative im Stadtbezirk 3 (JUZI) e.V.“ statt. Damit stand sie ganz zu Beginn der Förderphase, wir haben jedoch auch bereits im letzten Sachbericht über die Veranstaltung berichtet. Es konnten zahlreiche interessante Gespräche geführt werden, es fand Austausch zu den Neu- igkeiten aus anderen Projekten statt, es waren bekannte aber auch neue Gesichter anwesend, denen die Arbeit des Ernährungsrats nahegebracht wurde. Begonnen haben wir mit einem Kennenlernen bei Kaffee, Kuchen von Bergheim’s und Waffeln von „Wir im Nordquartier“. Schon da haben wir uns intensiv ausgetauscht und diskutiert. Der geplante Impuls von Patrick Wodni und der „Kantine Zukunft“ aus Berlin sowie die anschlie- ßende Podiumsdiskussion musste leider krankheitsbedingt ausfallen. Anstelle dessen haben wir den eingeladenen Initiativen mehr Raum gegeben. So konnten in neun Pitches à maximal 5 Minuten alle ihre Arbeit vorstellen, sodass wir ein breites Spektrum von Inputs bekommen haben. Im Anschluss wurde zu den Themen landwirtschaftliche Pachtflächen, urbane Landwirtschaft sowie einem Update zur Ernährungsstrategie in kleineren Runden gesprochen und dabei Ge- müse von Linus Beste (Beste Veggies aus Köln Poll) geschnitten und anschließend gemeinsam verkocht. 3 Ausschüsse des Ernährungsrats Im Berichtszeitraum fanden insgesamt 10 Ausschusssitzungen statt Regionalvermarktung Im Förderzeitraum fand eine offizielle Ausschusssitzung am 6.12.22 und mehrere Akti- onen statt. Themenschwerpunkte waren: 2022 - Beteiligung an der Regionalbewegung und Mitarbeit an der Regionalitätsstrate- gie NRW, an der wir als ER Köln mitgewirkt und sie unterzeichnet haben: https://www.regionalbewegung.de/fileadmin/user_upload/pdf/pdf_nrw/Fi- nal_Regionalitaetsstrategie_NRW__.pdf - Wiederaufnahme des Themas Dikopshof: welche Akteur:innen gibt es noch, wie aktuell ist die damalige Vision zur Idee „Leuchtturmprojekt Dikopshof 2030 – Ökologisch.soziale Landwirtschaft im stadtnahen ländlichen Raum“, wie kann die Idee weiternetickelt werden - Zuarbeit zur Skizze Food Hub Rheinisches Revier - Die Zukunft des Kölner Großmarkts Darüber hinaus haben sich regelmäßig Ehrenamtliche aus dem Ausschuss in die poli- tisch-strategischen Treffen zum Thema Regionalvermarktung eingebracht, die außer- halb der Ausschusssitzungen stattfanden (mehr dazu z. B. unter: Die Landwirtschaft im Kölner Rheinland II – quo vadis Regionalvermarktung? Siehe Seite 12) Aufgrund der Tatsache, dass sich im Laufe des Jahres kein:e zweite:r Ausschussspre- cher:in finden konnte, fanden keine weiteren Sitzungen im Förderzeitraum statt. Die Arbeitsbelastung war beim Ausschusssprecher parallel zu seiner Rolle als Kassenwart und geschäftsführender Vorstand zu hoch. Folgende Aktionen fanden im Rahmen des Ausschusses statt: 2022: - Apfelernte-Aktion im September: Teilnehmende waren Vereine, Imker:innen, Li- ons Club und Mitarbeitende von ERGO-Gourmet, insg. wurden 30.000 Tonnen Äpfel geerntet und 25.000 Flaschen Apfelsaft hergestellt, Kombination mit Um- weltbildung und PR. https://www.ernaehrungsrat-koeln.de/2022/10/25/die- ernteaktion-war-ein-voller-erfolg/ 2023: - Launch des vom ER initiierten Open Source Brot am 11.02.23 beim Saatgutfesti- val mit Vortrag, Verköstigung und Diskussion https://www.ernaehrungsrat- koeln.de/2023/02/11/das-opensourceseed-brot/ Ernährungsbildung und Gemeinschaftsverpflegung Im Förderungszeitraum fanden drei Ausschusssitzungen statt (17.10.2022, 28.3.2023, 25.5.2023). Themenschwerpunkte: - Wahl der neuen Sprecher:innen des Ausschusses. Ulla Pauli und Anne Fuentes wurden als Sprecherinnen gewählt, Josef Schäfers bleibt als stellvertretender Sprecher dabei. - Offener Kochtopf als Projekt des Ausschusses findet weiterhin regelmäßig statt, pas- send zur Saison ca. viermal im Jahr 4 - Gründung der Aktionsgruppe „Gemeinschaftsverpflegung in Kölner Schulen“, bei der auf Missstände an Kölner Schulmensen hingewiesen werden soll, insbesondere an der Gesamtschule Holweide - (2023) Seit 2023 findet der Offene Kochtopf in Kooperation mit Bürgerzentren oder an- deren Kölner Initiativen statt unter stabiler Teilnehmendenzahl - Gründung der Bildungs AG, um vorhandenes Bildungsmaterial zum Thema nachhaltige Ernährung zu bündeln und dieses für die Stadt, Schulen, Kitas etc. zur Verfügung zu stellen. Akteur:innen und Hilfestellungen aus der Region werden derzeit zusammenge- tragen - Erste Überlegungen zur Untersuchung der Schulmensen an Kölner Schulen fanden statt, Ziel ist eine Bestandsaufnahme, bzw. ein Überblick über Grund- und weiterfüh- rende Schulen. Dafür wurden mögliche Kontakte und weiteres Vorgehen besprochen. - Mögliche zukünftige Zusammenarbeit mit den LIONS Köln Ursula Urbane Landwirtschaft / Essbare Stadt Detaillierte Darstellung der Arbeit dieses Ausschusses folgt unter dem Bericht zur Essba- ren Stadt, der unterhalb des Berichts zum Ernährungsrat folgt. Im Förderungszeitraum fanden sechs Ausschusssitzungen statt (5.10.2022, 23.11.2022, 23.1.2023, 26.4.2023, 1.6.2023, 9.8.2023). Themenschwerpunkte: - Überlegungen zur Kooperation mit dem Grünflächenamt und der Biologischen Station Leverkusen-Köln zur Akquise von EFRE-Mittel zum Aufbau eines Modellvorhabens ei- ner urbanen Landwirtschaft im „Bergheimer Dreieck“ - Verpachtungskriterien für städtische Flächen in landwirtschaftlicher Nutzung - Agri-urbane Siedlungsentwicklung, Beispielhaft an einem Quartier am Gottesweg in Zollstock - Unterstützung von Umzug betroffener Gärten (Neuland und Garten am Mer) - Reflexion der Ausschussarbeit und Überlegungen zu neuen Projekten, Brainstorming inhaltlicher Schwerpunkte und Aktionen im Jahr 2023, Themen zur Kommentierung des Sachstandsberichts 2023 - Diskussion zu alternativen Formen der urbanen Landwirtschaft (Aquaponic, Vertical Farming etc.) - Teilnahme am Tag des guten Lebens 2023 in Nippes Außerdem wurde Sönke Geske in der Sitzung vom 9.8.2023 als neuer stellvertretender Aus- schusssprecher gewählt. Er tritt die Nachfolge von Katrina McKee an, die auf eigenen Wunsch aus dem Amt ausgeschieden ist. Gastronomie und Lebensmittelhandwerk Keine Ausschusssitzungen im Berichtzeitraum Der Ausschuss leidet unter der zeitlich knappen Verfügbarkeit der Mitglieder, allen voran der Gastronomen selbst. Es gibt einen großen Bedarf und eine große Nachfrage an regional produ- zierten Lebensmitteln, jedoch ist bei den derzeit im Ausschuss vertretenen Personen nicht die Zeit gegeben, sich selbst dafür einzusetzen. Vor diesem Hintergrund, der durch die aktuelle Corona-Pandemie noch verstärkt wurde, haben keine Ausschusssitzungen stattgefunden. 5 Veranstaltungen Eigene Veranstaltungen 23 eigene Veranstaltungen im Berichtszeitraum September – Dezember 2022 09.09.22 Offener Kochtopf im Lino Club 16.09.22 Exkursion Gut Clarenhof 17.09.22 Ernteaktion mit ERGO-Gourmet 21.09.22 Aktionstag: Feldbesuch bei Linus Beste mit Kita St. Joseph 24.09.22 Vollversammlung 21.10.22 Offener Kochtopf auf dem Gertrudenhof 25.11.22 Demo zur Gemeinwohlverpachtung landwirtschaftlicher Flächen Januar – August 2023 11.02.23 Saatgutfestival mit VEN und Netzwerk der Gemeinschaftsgärten in der VHS Köln 23.02.23 Workshop zur essbaren Gestaltung innerhalb der JVA Köln 02.03.23 Workshop mit Mitarbeiter:innen von REWE West eG zur Optimierung des Fir- menackers 03.03.23 Workshop Wildkräuter 04.02.23 Klausurtagung des Ernährungsrats 10.03.23 Abschlussveranstaltung StErn Kita Projekt 11.03.23 Gründung Bundesnetzwerk der Ernährungsräte 18.03.23 Workshop zur Anlage eines Mitarbeiter:innengartens in der JVA Köln 22.03.23 5. Fachtagung StErn Kita 22.04.23 Workshop Regenwassergewinnung Finkenberg 05.05.23 Offener Kochtopf im Flüchtlingszentrum Fliehkraft mit arabischen Frauen 08.05.23 Treffen Landwirte im Büro des ER zur Vorstellung und Ideen zur Zusammen- arbeit 23.05.23 Workshop Follow Up REWE 10.06.23 Workshop Bodenaufbau 28.06.23 Treffen Landwirte auf dem Margaretenhof Köln-Libur zur Flächennutzung und Direktvermarktung 19.08.23 Workshop Insektenfreundlicher Garten Teilnahme an (Netzwerk-) Veranstaltungen Teilnahme an 34 Veranstaltungen aus unserem Netzwerk im Berichtszeitraum September – Dezember 2022 17.09.22 Gertrudenhof Schnippelparty 25.09.22 Stand bei Pflanzentauschbörse und Veedelsflohmarkt des Quartiersmanage- ment Kalk 05.10.22 Vortrag Uni Hannover (mit Grünflächenamt) Ziele der Ernährungssouveränität und Partizipation 08.10.22 Aktionstag „Lecker und schön“ des KGV Süd 13.10.22 Austausch Ernährungsrat Rio de Janeiro (Bruno Prado) und Misereor 14.10.22 & 15.10.22 Teilnahme Herbstakademie IWE „Deutschland auf dem Weg zur Er- nährungswende“ 15.10.22 Stand beim MINT-Aktionstag der Stadtbibliothek Köln 18.10.22 & 19.10.22 GeNAH Vernetzungstreffen 6 22.10.22 Stand bei Aktion „Holweide grünt“ vom Runden Tisch Holweide und Bürger- verein Holweide 12.11.22 Netzwerktreffen der NRW-Ernährungsräte 16.11.22 Einladung in den Landtag NRW durch Eileen Woestmann (MdL, Bünd- nis90/Grüne) 18.11.22 Teilnahme Konferenz Zukunft Klima 10.12.22 Beratung der Essbaren Städte im Ruhrgebiet Januar – August 2023 14.01.23 Treffen Institut für Welternährung 28.01.23 Teilnahme Podiumsdiskussion Umweltbildungszentrum Gut Leidenhausen 27.02.23 Mitmach-AG der OGS Langemaßstraße 01.03.23 Netzwerktreffen des Agora Köln e.V. 15.03.23 Award Ceremony Edible Cities Award (Auszeichnung als “Bester stadtweiter Ansatz”) 22.03.23 Gemeinschaftsgarten-Netzwerktreffen 28.03.23 Netzwerktreffen „Bürgerengagement“ der FABE 25.04.23 Gartenstammtisch Volkswagen OTLG GmbH & Co. KG 07.05.23 Stand bei Pflanzentauschbörse und Veedelsflohmarkt des Quartiersmanage- ment Kalk 08.05.23 Clubtreffen des Lions Club Köln Ursula 12.05.23 Pflanzaktion Mieter:innenfest Aachener Braunsfeld 21.05.23 Pflanzaktion und Stand beim Internationalen im Museumstag Museum Ludwig 24.05.23 Gemeinschaftsgarten-Netzwerktreffen 10.06.23 Rundgang „Expedition ins Essbare Kalk“ (im Rahmen des Festivals des Guten Lebens) 16.06.23 Pflanzaktion mit dem Runden Tisch Holweide auf dem Picco-Platz 16.06.23 Besuch einer Delegation aus Rio de Janeiro und Umweltamt 17.06.23 Vortrag und Vorstellung Ernährungsrat beim Stadtgarten-Markt 18.06.23 Gemeinschaftsgarten-Radtour von Stadtjemös (organisiert von Stadtjemös) 23.06.23 Vorstellung Ernährungsrat im Geographischen Institut der Uni Bonn 05.07.23 Teilnahme am Fachgespräch „Holweide grünt“ des Runden Tischs Holweide 26.07.23 Gemeinschaftsgarten-Netzwerktreffen Laufende und neue Projekte Im Berichtszeitraum hat der Ernährungsrat drei laufende Projekte aus Drittmitteln durch- geführt. Essbares Wohnumfeld Im Projekt „Essbares Wohnumfeld“ wird neben dem Umweltaspekt insbesondere die sozialen und partizipativen Anteile des gemeinschaftlichen Gärtnerns vertieft und damit die gesell- schaftliche Bedeutung von essbarem, urbanem Grün hervorgehoben. Im Fokus stehen zwei un- terschiedliche Formen der Gemeinschaftsgärten: Zum einen Nachbarschaftsgärten in Woh- numfeldern mit geringeren Teilhabechancen und zum anderen mit Firmengärten Unterneh- men bzw. Arbeitgeber:innen. Profitieren von der Projektarbeit sollen die Nachbar:innen und Beschäftigten. Um nachhaltige Strukturen aufzubauen und bestehende Initiativen zu verste- tigen, werden durch das Projekt jedoch in erster Linie Wohnungsgesellschaften, Sozialraum- Koordinator:innen, Bürger:innen-Vereine und Unternehmensleitungen bzw. Personalverant- wortliche adressiert. Insgesamt soll das Projekt zu einem stärkeren sozialen Zusammenhalt in den Nachbarschaften und Veedeln Kölns beitragen und als gutes Beispiel zur Nachahmung in 7 anderen Kommunen dienen. Das Projekt wird durchgeführt seit 8/2021 vom Ernährungsrat für Köln und Umgebung e.V. durchgeführt und gefördert von der Stiftung Umwelt und Entwick- lung Nordrhein-Westfalen. Das Projekt konnte ab 1.8.2023 bis 31.12.2023 mit verminderter per- soneller Intensität verlängert werden, um noch anstehende Projektstränge zu Ende zu führen Folgende Initiativen und Tätigkeiten standen im Berichtszeitraum im Fokus: Demogarten Finkenberg der Jobwerke gGmbH Beerenbeet Brüsseler Str. des Bürgervereins Porz-Finkenberg Holweide grünt auf dem Picco-Platz (Piccoloministraße) und vor dem Kinder- und Ju- gendtreff Picco (Runder Tisch Holweide, Kinder- und Jugendtreff Picco, Veedelsbüro Holweide, Anwohner:innen) Runder Tisch Buchforst: Obstbaumpflanzungen am Kalkberg, das Vorhaben verzögerte sich immens, da seitens des Grünflächenamts zunächst Besitz- bzw. Zugriffsverhält- nisse geprüft und folgend die Bodenbelastung analysiert werden musste. Ergebnisse dazu liegen noch nicht vor. Fallen die Ergebnisse der Bodenanalyse positiv aus, können an den Runden Tisch Patenschaften vergeben werden und im Herbst/Winter 2023 Obstbäume gepflanzt werden. Gartenaufbau von Hallo Nachbar! in Mülheim (Genovevahof) und Neubrück (Ludwig- Quidde-Platz) Dachgarten des Museum Ludwig: gemeinsame Aktion zur Erweiterung beim Internati- onalen Museumstag 2023 Beratung zum Bau von Hochbeeten und Anbau von Essbaren in der JVA Köln mit Inhaf- tierten und mit Beschäftigten zur Anlage eines Mitarbeiter:innengartens Kooperation des Ernährungsrats mit der Aachener SWG: Mieter:innenfest Aachener am 12. Mai 2023, Bepflanzung der neu angelegten Hochbeete gemeinsam mit Kindern und Mieter:innen Beratung der REWE West bei der Neuausrichtung des Firmenackers und Workshop mit Mitarbeiter:innen Ausbau und Pflege des informellen Firmengarten-Netzwerks Beteiligte städtische Unternehmen/Einrichtungen: RheinEnergie, Museum Ludwig, Museum für Angewandte Kunst Verfügungsfonds Im Berichtszeitraum wurde der Verfügungsfonds für Gartenprojekte eingerichtet und bewor- ben. Hier können Initiativen bis zu 500€ Unterstützung für ihr Gartenprojekt beantragen, diese kann in Form von Material/Transport aber auch in Form von Workshops o.ä. geschehen Folgende Initiativen haben einen Antrag gestellt und bewilligt bekommen: Runder Tisch Holweide (Beerenpflanzen für Marktplatz Holweide), Jobwerke Porz gGmbH (Sämaschine und Öffentlichkeitsarbeit), Bürgerverein Porz-Finkenberg (Pflan- zen und Gartengeräte für Beerenbeet), Anwohnerin des Picco-Platz Holweide (diverse Pflanzen), Kinder- und Jugendtreff Picco (diverse Pflanzen), Museum Ludwig (Garten- geräte und Pflanzen) Bestehendes Interesse an einem Antrag: Runder Tisch Buchforst (Obstbäume) und Mu- seum für Angewandte Kunst (Workshop zur Planung des Hofgartens) Handbuch Ergebnis des Projekts „Essbares Wohnumfeld“ war u.a. das Handbuch „Garten starten“, das die Ergebnisse aus den Tätigkeiten beim Start eines gärtnerischen/essbaren Projekts in Sozi- alräumen, mit Wohngesellschaften oder am Arbeitsort zusammengetragen hat und für eine 8 größere Zielgruppe zugänglich macht. Es geht auf die Besonderheiten zur Gruppenfindung und bei der Anlage des Gartens ein und gibt Tipps und Tricks zum Gärtnern. Über QR-Codes ist das Handbuch um eine Online-Version erweitert, die weiterführende Anleitungen und Be- richte sowie immer aktuelle Kontaktadressen enthält. Gedruckt in einer Auflage von 750 Stück zur Verteilung an Projektpartner:innen und Multiplikator:innen in den Sozialräumen. Online-Version: https://essbare-stadt.koeln/gartenstarten/ Die gedruckte Version ist für bestehende Garteninitiativen und Interessierte über den Ernäh- rungsrat zu beziehen. Ausstehende Tätigkeiten: Vorstellung Handbuch gemeinsam mit Volkswagen OTLG und der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen (2.9.2023) Firmengartenexkursionen (voraussichtlich 3 Termine zu REWE West, RheinEnergie und VW OTLG) Workshop zur Gestaltung des Dachgartens mit Mitarbeiter:innen des Museum Ludwigs Abrechnung Verfügungsfonds StErn Kita In den letzten Monaten des Projekts wurden, auf Wunsch der Modellkitas, weitere Aktionstage angeboten, so etwa der Feldbesuch bei einem Market Gardener. Von Oktober 2022 bis Ende März 2023 konnte eine kostenneutrale Verlängerung des Projektes erreicht werden. In dieser Endphase wurde das Modellkonzept zur flächendeckenden Skalierung erstellt, das die Erfah- rungen aus dem Projekt bündelt. Zudem fand die letzte Fachtagung mit den Hauswirtschafts- kräften statt. Dieses Mal ging es um das Thema Hülsenfrüchte und der Einsatz in den Kitakü- chen. Mit der Veranstaltung am 10. März 2023 feierte das StErn Kita Projekt seinen offiziellen Ab- schluss. An der Veranstaltung nahmen u.a. William Wolfgramm als Vertretung für die Oberbür- germeisterin und Ophelia Nick, Parlamentarische Staatssekretärin des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) teil. Auch beteiligte Projektakteur:innen wie Philipp Stierand von der Kantine Zukunft, Frau Neumann als Kitaleitung und Tobias Käufer vom Amt für Kinder, Jugend und Familie waren zugegen. Gemeinsam mit den beiden Stiftungen Deut- sche Bundesstiftung Umwelt (DBU) und Stiftung Umwelt und Entwicklung (SUE) überreichte der Ernährungsrat Köln das Modellkonzept an die Stadt Köln. Außerdem erschien das Kochbuch „Damit Köln besser isst“, das zusammen mit dem Modell- konzept als Abschlussdokument des Projekts dient. In diesem Kochbuch werden saisonale Re- zepte für die einzelnen Kalendermonate vorgestellt. Die Rezepte stammen von den am Projekt beteiligten Kitas sowie weiteren beteiligten Akteur:innen. Darüber hinaus vereint das Koch- buch wichtige Projektinhalte der Ernährungsbildung wie Regionalität, nachhaltige Ernährung, Essen mit Kindern sowie verschiedene Ansätze und Formen der Landwirtschaft. Das Kochbuch wird allen städtischen Kitas zur Verfügung gestellt, das Umweltamt kümmert sich um die ent- spr. Verteilung der Kochbücher. Das regionale Konzept bleibt nach Ablauf der Projektlaufzeit bestehen und wird momentan ausgeweitet. Eine flächendeckende Versorgung mit regionalen Produkten der städtischen Kitas ist in Planung. Die Erstellung des Kochbuchs wurde ermöglicht mit Mitteln des Umweltbildungsprogramms des Umweltsamts, über diese separate Förderung wurde bereits ein Bericht an das Umweltamt gesendet (Antrag ID 1000009097). 9 Bürger:innenrat Im September 2021, noch vor der Wahl zum 20. Deutschen Bundestag, haben wir begonnen, unsere Pläne für mehr Ernährungsdemokratie umzusetzen. Seitdem ist in verschiedenen Ar- beitstreffen, an denen viele lokale Ernährungsräte aktiv und weitere „mitlesend“ beteiligt wa- ren, eine solide durchdachte und breit diskutierte Startbasis für die Einberufung eines Bür- ger:innenrats zum nachhaltigen Wandel unseres Landwirtschafts- und Ernährungssystems entstanden. Das Thema lautet „Wahre Preise“. Ziel war es die Gründung eines Bürger:innenrats für die klimagerechte, sozial faire Transfor- mation unseres Ernährungssystems gründlich vorzubereiten und mit diesem Vorhaben haben wir (als Stellvertretung des Netzwerks der Ernährungsräte in Deutschland) die prinzipielle Machbarkeit dessen systematisch analysiert. Darüber hinaus haben wir ermittelt, welchen Bei- trag lokale Ernährungsräte leisten können und wie wir ihre mögliche Rolle im Prozess initial am besten vorbereiten können. Das Netzwerk der Ernährungsräte hat damit einen wesentlich Anteil geleistet für den ersten bundesweiten Bürger:innenrat, in dem Bürger:innen aus ganz Deutschland die Chance haben, ausgelost und zur Teilnahme eingeladen zu werden. Am 10. Mai 2023 wurde der Bürger:innerat „Ernährung im Wandel“ im Bundestag beschlossen und er hat am 29. September 2023 seine Arbeit aufgenommen: https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2023/kw19-de-bu- ergerrat-945440 https://www.buergerrat.de/aktuelles/buergerrat-zu-ernaehrung-hat-be- gonnen/ Eingereichte Anträge In den vergangenen Förderperioden wurden zwei Anträge eingereicht, die im jetzigen Förder- zeitraum weiterbearbeitet wurden. Zudem haben wir vier weitere Anträge bzw. Skizzen neu erarbeitet und eingereicht, von denen bereits zwei bewilligt wurden, wir haben eine Absage erhalten und das Verfahren zum vierten Projekt (Modellregionenwettbewerb) steht noch aus. Setup Food Strip 2.0 Ein Antrag zur Fortsetzung des Projektes Setup Food Strip in Form einer Gründung eines Akti- onsbündnisses ist im Mai 2021 über den Projektträger Jülich eingereicht und wir warten auf seine Bewilligung. Das Vorhaben ist angedockt an das vom MULNV NRW und der LWK NRW initiierten Gesamtvorhaben „Kompetenzzentrum Transfer der Land- und Ernährungswirt- schaft“ (CAMPUS Transfer). Leider ist die Bewilligung bis heute nicht erfolgt. Fragen rund um das EU-Beihilferecht, dem Eigenanteil für nicht-öffentliche Antragstellende und die sich seit Einreichung veränderten po- litischen Mehrheiten auf Bundes- und Landesebene lassen das Bewilligungsverfahren trotz ei- nes enormen Ressourcenaufwands aller Projektbeteiligten seit dem Einreichen stocken. Ob- wohl das Projekt politisch gewollt ist, ist nicht klar, wann (und ob) mit einem Start zu rechnen ist. Prototypisierung Food Hub Rheinisches Revier Die Projektskizze zu dem Vorhaben wurde am 30.11.21 beim Förderprogramm REVIER.GESTAL- TEN eingereicht und erhielt im Juli 2022 den ersten Stern. Daraufhin wurde die Skizze entspre- chend der Vorgaben der ZRR von uns ergänzt und ausgearbeitet. In der Zwischenzeit wurde das Förderverfahren im Rheinischen Revier umgebaut und das Sterneverfahren abgeschafft. Das neue Förderverfahren ist bis heute nicht gänzlich geklärt. Auf Rat einer vertrauten Person im 10 Landesministerium haben wir uns entschlossen, den Antrag zurückzuziehen und unser Enga- gement erst dann wieder aufzunehmen, wenn die Rahmenbedingungen geklärt sind. Darüber hinaus haben wir im Laufe des aktuellen Förderzeitraums vier weitere Projektanträge eingereicht, die wir kurz darstellen wollen. Professionalisierung regional ökologischer Ernährungsbildung Das Projekt „Professionalisierung regional-ökologischer Ernährungsbildung“ zielt auf die be- sonderen Herausforderungen im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit ab. Der Ansatz zeichnet sich dadurch aus, dass bereits während der Ausbildung der pädagogischen Fachkräfte ange- setzt wird. Die Themen Ernährungsbildung und Nachhaltigkeit werden frühzeitig platziert und die Auszubildenden werden begleitet und mit Materialien und Leitfäden für die praktische Um- setzung unserer Maßnahmen während des Praktikums bzw. praktischen Jahrs unterstützt. Dies hat einen deutlichen Mehrwert sowohl für die angehenden Erzieher:innen als auch die Kitas selbst, die von den durchgeführten, praktischen Projekten profitieren können. Dieser An- satz erlaubt es den Erzieher:innen, sich in dem Themenbereich einzufinden und auszuprobie- ren und somit ersten bereits gemachten Erfahrungen in ihren Berufsalltag zu starten. Um eine ganzheitliche Integration in den Kitaalltag zu ermöglichen, wird in dem Projekt auch der Bereich der hauswirtschaftlichen Tätigkeit gesondert aufgegriffen. Die Küchenkräfte der Hauptansatzpunkt, wenn es um eine Neustrukturierung der Küchen geht. Daher wollen wir dort ein ausgedehntes Fortbildungsangebot entwickeln, das sowohl Köch:innen in der Gemein- schaftsverpflegung als auch Lehrer:innen im Bereich Hauswirtschaftsunterricht zu Gute kommt. Abgerundet wird der Ansatz durch ein überregionales Beratungsangebot. Der Projektantrag wurde im September 2023 bewilligt und das Projekt wird zum 1. Januar 2024 mit einer Laufzeit von 2 Jahren beginnen. DEMETRA DEMETRA wird Wege aufzeigen, wie Spannungen zwischen demokratischer Regierungsfüh- rung und Klima- und Nachhaltigkeitsübergängen durch eine Analyse neuer deliberativer parti- zipativer Prozesse (DPP) wie Bürgerversammlungen und E-Governance. Diese Bottom-up-Pro- zesse können sehr integrativ sein und ermöglichen es, allen Teilen der Gesellschaft eine echte politische Stimme zu geben. Dementsprechend werden geschlechtsspezifische und intersek- tionelle Aspekte (z. B. sozioökonomischer Hintergrund, ethnische Zugehörigkeit) während des gesamten Projekts in den Mittelpunkt gestellt werden, insbesondere im Hinblick auf die Bür- gerbeteiligung. DEMETRA analysiert die Mikro-, meso- und makroökonomischen Möglichkei- ten für EPPs in ganz Europa, die den Übergang zu einer nachhaltigeren Zukunft unterstützen. Die Transformation hin zu einem nachhaltigeren Lebensmittelsystem als entscheidende Fall- studie; vergleicht systematisch den Aufbau, die Prozesse und die Ergebnisse von EPPs, um be- währte Praktiken zu identifizieren, die zum demokratischen Engagement der Bürgerinnen und Bürger und zur Ko-Konstruktion nachhaltiger Gesellschaften beitragen; identifiziert EPPs, die den Einbezug und das Empowerment von sozialen Gruppen maximieren, insbesondere von sol- chen am Rande der Gesellschaft; und identifiziert allgemein anwendbare Lösungen um den Wandel hin zu nachhaltigen Lebensmittelsystemen voranzutreiben. DEMETRA stützt sich auf einen mehrdimensionalen Ansatz, der makro (institutionelle), meso- (organisatorische) und mikroebene (individuelle) Erklärungsfaktoren kombiniert; ein länder- übergreifendes, vergleichendes Design, das europäische Länder mit unterschiedlichen EPP-Er- fahrungen und unterschiedlichen Lebensmittelsystemen (Estland, Frankreich, Deutschland, Italien, Schweden, Schweiz und Vereinigtes Königreich); und ein integrierter methodischer 11 Ansatz, der sich auf mehrere Quellen und Methoden stützt (einschließlich Bevölkerungserhe- bungen, halb-organisatorische Erhebungen, halb-strukturierte Interviews, teilnehmende Be- obachtung und Analyse der öffentlichen Politik). In Anbetracht des Klimaimperativs und der damit verbundenen ökologischen Herausforderungen will DEMETRA versucht, Instrumente für eine demokratische Steuerung der Nachhaltigkeitstransformation bereitzustellen. Das Projekt ist ein Verbundprojekt von 12 europäischen Partnern und wird ab Mai 2024 für vier Jahre mit EU Mitteln durchgeführt. Für den Ernährungsrat ist die Uni Witten-Herdecke der Hauptansprechpartner, wir wurden auf Initiative dieser privaten Hochschulen in den Koopera- tionsverbund aufgenommen und werden das Projekt mit einer halben Personalstelle begleiten können. Skizze Modellregionenwettbewerb "Ernährungswende in der Region"des BMEL Das Verbundprojekt „Konzeption und Initiierung eines nachhaltigen Regionalversorgungsnetz- werks für die AHV – KIRA“ erarbeitet partizipativ unter Beteiligung der Akteur*innen entlang der Wertschöpfungskette vom Acker bis zum Teller ein Logistikkonzept für eine nachhaltige Regionalversorgung für die AHV in der Modellregion südliches Rheinland. Damit setzt das Vor- haben an dem wichtigsten Hebel für die regionale Ernährungswende an. Mit Ende des Projekts liegt ein in der Praxis erprobtes, einsatzfähiges und skalierbares Regio- nalversorgungskonzept für unterschiedliche Typen der AHV vor. Dabei wird ein besonderer Fo- kus auf Logistiklösungen für die regionale Vermarktung nachhaltig erzeugter und ökologisch zertifizierter Produkte an die AHV gelegt. Die für die Modellregion südliches Rheinland entwickelten und in Piloten erprobten Logistiklö- sungen werden im Rahmen des Vorhabens in drei Transferorten (Frankfurt, München, Freiburg) geprüft und angepasst und somit deren Übertragbarkeit sichergestellt. Die auf Grundlage die- ser Pilote entwickelten Leitfäden machen die Ergebnisse aus der Modell- und den Transferre- gionen überregional verwertbar: Sie stehen anderen Regionen, Städten, Kommunen aber auch weiteren Akteur*innen der AHV auch nach Abschluss des Projekts zur Verfügung und vermit- teln nicht nur den Mehrwert, sondern auch eine Handlungskompetenz bei der Umstellung hin zu einer regional-nachhaltigen Versorgung. Damit trägt KIRA langfristig durch eine Schaffung zuverlässiger und langfristiger Absatzwege für landwirtschaftlichen Betriebe Anreize, auf Bio umzustellen und ihre Produktion auf die Be- darfe der Modellregion anzupassen. Die Projektskizze wurde Ende August 2023 eingereicht. Projektpartner hier sind BIONALES aus Frankfurt (Träger des ER Frankfurt), FH Südwestfalen, die Technische Hochschule Köln sowie die Hochschule Offenburg. Transform_D Ernährungsdemokratie – Alle an einen Tisch! Im Rahmen des Vorhabens „Ernährungsdemokratie – Alle an einen Tisch“ wollten wir nun an den vorbildlichen Prozess der Entwicklung der Ernährungsstrategie anknüpfen und unter Ein- beziehung aller relevanten gesellschaftlichen Gruppen die Umsetzung der Ernährungsstrate- gie besprechen und beschließen. Besonderes Augenmerk wollten wir bei diesem Prozess auf marginalisierte Gruppen legen, die zumeist auch stärker von Ernährungsarmut betroffen sind als die Mitte der Gesellschaft. Hier sollte eine externe Supervision herangezogen werden, die uns dabei unterstützen sollte Beteiligungshemmnisse abzubauen und allen eine Teilhabe am Diskurs zu ermöglichen. Der Projektantrag wurde leider abgelehnt. 12 Presseschau und Links https://www.ernaehrungsrat-koeln.de/medien_downloads/ Förderung vom 04. August 2022 „Zuschuss zur Erweiterung der finanziellen Unterstützung i.H.v. 55.000€ ab 09/2022 für 1 Jahr“ Mit dem Antrag auf eine „Verlängerung und Erweiterung der finanziellen Unterstützung des „Ernährungsrates Köln und Umgebung“ durch die Stadt Köln (September 2022 – Dezember 2025)“ haben wir vier größere Veranstaltungen geplant. Hierzu möchten wir im Folgenden be- richten und auf die jeweiligen, zum Teil stark angepassten Veranstaltungen eingehen. Die Landwirtschaft im Kölner Rheinland I - Status quo und Herausforderungen Ziel der beiden geplanten Veranstaltungen zur Landwirtschaft im Rheinland war es für den Er- nährungsrat einerseits die Bündelung der vielfältigen bereits eingeleiteten Maßnahmen in Be- zug auf die regionale Versorgung des Kölner Umlands sowie die Vernetzung von allen an regi- onalen Wertschöpfungsketten beteiligten Akteur:innen von Landwirtschaft über Weiterverar- beitung und Handel bis hin zur Gastronomie und deren Potenziale einer nachhaltigen Entwick- lung zu gewährleisten. Aufgrund der politischen Nachfrage zur Neugestaltung der Kriterien für die Pachtflächen- vergabe städtischer landwirtschaftlicher Flächen hat es unter der Federführung des Umwelta- mts eine Reihe von Terminen mit regionalen Landwirten gegeben. Ziel der Treffen war, den Kriterienkatalog für die Verpachtung neu zu gestalten und damit ökologischer auszurichten. Insgesamt hat es sechs Treffen zwischen Landwirten, der Stadtverwaltung, Landwirtschafts- kammer und dem Ernährungsrat gegeben, wobei der Ernährungsrat bei vier Treffen zugegen war. Daneben hat am 28. Juni 2023 ein separates Treffen auf dem Margaretenhof mit acht Landwir- ten und dem Ernährungsrat stattgefunden, bei dem in erster Linie das Thema Direktvermark- tung auf der Tagesordnung stand. Ein im Vorfeld mit dem Umweltamt besprochenes Anliegen des Ernährungsrats war, die Ergeb- nisse der Regionalwirtschaftlichen Studie mit Kölner Landwirten zu besprechen und gemein- same Maßnahmen daraus abzuleiten. Da die Studie im vorliegenden Berichtszeitraum noch nicht zur Veröffentlichung freigegeben wurde, konnte die Vorstellung nicht durch den Ernäh- rungsrat erfolgen, wesentliche Studienergebnisse wurde den Landwirten daher im Juli durch Konrad Peschen erläutert. Die Landwirtschaft im Kölner Rheinland II – quo vadis Regionalvermarktung? Fokus der zweiten Veranstaltung zur Landwirtschaft im Rheinland war die Regionalvermark- tung. Dazu hat es einerseits diverse Absprachen (s.o.) mit den regionalen Landwirten gegeben. Daneben haben wir seit Mitte 2022 eine Arbeitsgruppe gebildet mit zwei Professoren der TH Köln, die sich explizit mit innerstädtischer Logistik und Logistikzentren auseinandersetzen, Professor Ingo Dittrich der Hochschule Offenburg (Stichwort Hofladentram) sowie Mitgliedern der FH Fulda und dem Ernährungsrat Frankfurt. Ein Ergebnis der Arbeitsgruppe ist die gemein- sam eingereichte Projektskizze beim Modellregionenwettbewerb "Ernährungswende in der Region" des BMEL. Das Verbundprojekt „Konzeption und Initiierung eines nachhaltigen Regio- nalversorgungsnetzwerks für die AHV – KIRA“ erarbeitet partizipativ unter Beteiligung der Ak- teur*innen entlang der Wertschöpfungskette vom Acker bis zum Teller ein Logistikkonzept für eine nachhaltige Regionalversorgung für die AHV in der Modellregion südliches Rheinland. 13 Damit setzt das Vorhaben an dem wichtigsten Hebel für die regionale Ernährungswende an (s.o. für mehr Details). Neben den eigenen Projektideen für einen Food Hub in Köln ist die Thematik rund um die Ent- wicklungen des Kölner Großmarkts auch für den Ernährungsrat immer brisant geblieben. Ei- nerseits hat der Ernährungsrat für sich entschieden, sich nicht in die politische heikle Thematik der Standortsuche einzubringen, auf der anderen Seite jedoch erachten wir einen Großmarkt für eine Millionenstadt wie Köln als eine elementare Grunddaseinsfunktion. Daher beteiligen wir uns an entspr. Gesprächsrunden und sind im Austausch mit Händler:innen des Großmarkts. Daneben haben wir im Mai ein von der Fraktion die Linke initiiertem Gespräch mit dem Beige- ordnetem Wolfgramm teilgenommen. Ziel war die Position des Beigeordneten zum Großmarkt zu verstehen und der politischen Diskussion über den Ansatz „gesundes Essen für alle“ eine neue Richtung zu geben. Im Gespräch ist die Idee entwickelt worden, dass der Ernährungsrat eine Veranstaltung im Herbst durchführt und alle Fraktionen dazu einlädt. In diesem „Fachge- spräch“ sollen die Vorteile eines Großmarktes erläutert und politisch neutral eingeordnet wer- den. Die Planung für die Veranstaltung laufen derzeit, sie soll im Frühjahr 2024 stattfinden. Vernetzung der Ernährungsräte Neben der geplanten Vernetzung der Ernährungsräte in NRW ist vor allem die Vernetzung auf der Bundesebene in der laufenden Förderphase auf eine neue Eben gehoben worden: Gründung Bundesnetzwerk Der Ernährungsrat für Köln und Umgebung war der erste seiner Art in Deutschland. Damit ist uns von Beginn an eine Vorbildrolle in Deutschland zuteilgeworden, der wir nicht immer ge- recht werden konnten. Neben bereits geförderten, mittlerweile aber beendeten Projekten ha- ben wir immer weiter auch versucht, ein Netzwerk der Ernährungsräte aus der Taufe zu heben. Hierzu haben wir im Zuge des Projekt des Bürger:innenrats viel Vernetzungsarbeit zwischen den Ernährungsräten geleistet. Im Sommer 2022 wurde die Satzung für einen Verein der Er- nährungsräte auf Bundesebene fertig gestellt und im Rahmen unser Gründungsveranstlatugn am 11. März 2023 beschlossen und durch 30 Ernährungsräte aus Deutschland unterschrieben worden. Damit haben wir alle Schritte in die Wege geleitet, den bundesweit tätigen Verein gründen zu können. Nach einigen Klärungen mit dem Amtsgericht wurde der Verein Ende Sep- tember 2023 auch offiziell eingetragen. https://ernaehrungsraete.org/2023/03/16/das-netzwerk-der-ernaehrungsraete-ist-gegruen- det/ Verstetigung NRW-Netzwerk Daneben haben seit Beginn 2022 auf Landesebene einige Aktivitäten stattgefunden, denn auch hier wollen die Ernährungsräte mit einer Stimme sprechen können, um in Düsseldorf Gehör zu finden. Den Auftakt dazu bildete ein gemeinsames Forderungspapier zur Landtagswahl im Mai, https://ernaehrungsraete.org/2022/04/05/forderungen-nrw-landtagswahl-2022/ aus dem heraus Wahlprüfsteine erarbeitet worden sind. Im November 2022 gab es ein erstes größeres, persönliches Treffen der NRW Ernährungsräte in Düsseldorf, bei dem der Anstoß für ein Netz- werk Verein auf Landesebene gelegt wurde. Seitdem hat es ein weiteres persönliches Treffen im April 2023 in Neuss gegeben sowie diverse Abstimmungen Online innerhalb des Netzwerks. Zudem konnten bereits drei Gespräche mit Mitgliedern des Landtags geführt werden um die Arbeit der ER in NRW vorzustellen. https://ernaehrungsraete.org/2022/12/06/gruendung-des-ernaehrungsraetenetzwerk-nrw/ 14 Die Vielfalt der Kölner Ernährungswirtschaft In Absprache mit Annette Boms hat es hierzu keine eigene Veranstaltung gegeben, was wir hier kurz begründen wollen. Im Rahmen unserer Vollversammlung im September 2022 (siehe Seite 2) boten wir neun ver- schiedenen Initiativen, darunter auch Repräsentanten der Kölner Ernährungswirtschaft die Gelegenheit, sich und ihre Idee in kurzen Pitches vorzustellen. Dies sollte als Auftakt für die weitere Planung der Veranstaltung dienen. In der weiteren Vorbereitung haben wir uns mit Start-ups, jungen Unternehmen und verschiedenen „Dachorganisationen“, wie dem Food Hub NRW oder dem Forum Food und Nachhaltigkeit ausgetauscht und deren Bedarfe abgefragt. Dabei kristallisierte sich heraus, dass der Ernährungsrat dieser Szene aktuell kein attraktives Angebot machen kann. Wichtig in der Gründungsphase ist hier vorrangig finanzielle Unterstüt- zung, was wir nicht leisten können. Außerdem finden zu diesem Thema bereits vielfältige und in der Szene gut bekannte Veranstaltungen statt. Es ist nicht sinnvoll, hier eine weitere Veran- staltung durchzuführen. Stattdessen haben wir an einzelnen solcher Veranstaltungen teilge- nommen und die Arbeit des Ernährungsrats vorgestellt, wie z.B. bei der Ideenfutter Expo 2022 am 14.09.22 oder beim Markt im Stadtgarten am 17. Juni 23. Förderung vom 01. August 2022 „Zuschuss zur Projektkoordi- nation Essbare Stadt i.H.v. 35.000€ ab 09/22 für ein Jahr Im Folgenden werden wir über die Förderung vom 01. August 2022 „Zuschuss zur Projektkoordination Essbare Stadt i.H.v. 35.000€ ab 09/22 für ein Jahr (gemäß Ratsbeschluss vom 18.06.2020)“ an. berichten und dem Dokument auch entspr. den Verwendungsnachweis für die Mittel anfügen. Ausschusssitzungen Im Förderungszeitraum fanden sechs Ausschusssitzungen statt (siehe Seite 4 ) EdiCitNet-Award Die Essbare Stadt hat sich am Aufruf des internationalen Netzwerks Essbarer-Stadt-Initiati- ven EdiCitNet, das von der Humboldt-Universität in Berlin geleitet wird, zum EdiCitNet-A- ward beteiligt. Die Essbare Stadt erhielt hier die Auszeichnung als „Bester Gesamtansatz Ess- bare Stadt“. Für den EdiCitNet-Award haben sich verschiedenste Initiativen aus der ganzen Welt beworben. Die Wahl der Preisträger:innen erfolgte in einem anonymen peer-Verfahren unter allen Bewerber:innen und anschließend durch eine Fachjury des EdiCitNet-Projekts. Die Vorstellung aller diesjährigen Preisträger:innen mit weiterführendem Link ist auf der Website zum EdiCitNet-Award zu finden. Bei der Preisverleihung am 15. März in Barcelona konnten wir allerdings nicht persönlich teil- nehmen, sondern nur online. So verbanden wir die Teilnahme mit einer kleinen Feier im Büro des Ernährungsrats, zu der wir alle Wegbegleiter:innen der Essbaren Stadt eingeladen haben. Der Award ist für uns einerseits eine Würdigung des bisher Geleisteten und Erreichten für die Essbare Stadt Köln, beginnend bei den Anfängen des Kölner Ernährungsrats 2016. Anderer- seits hoffen wir durch die Auszeichnung auf mehr Aufmerksamkeit für das Thema – in Köln 15 wie auch regional, national und global. Das EdiCitNet-Projekt wird uns als Preisgewinn die Reise nach Rotterdam zum dortigen Projektpartner Essbares Rotterdam ermöglichen. Begleitete Initiativen/Tätigkeiten Lehrgarten des KGV Süd Für den neu entstandenen Lehrgarten des KGV Süd „Schön und lecker“ haben wir einen digita- len Pflanzenkalender erstellt und auf unserer Website eingebunden. So können Besucher:innen des Gartens über einen QR-Code direkt nähere Infos zu den einzelnen Pflanzen erhalten. Pflanzenlexikon online unter: https://essbare-stadt.koeln/pflanzenlexikon/ Selbstversorgergärten in Hürth-Efferen Dort gärtnern ca. 12 Parteien auf Grabeland und wollen sich mehr für nach außen öffnen und suchen Anschluss an Essbare Stadt und Gemeinschaftsgärten. Die vertragliche Situation ist noch nicht genau geklärt. Es gibt mündlich geschlossene Unter- pachtverhältnisse. Gepachtet ist das Grundstück von der Stadt Köln (nicht Hürth!). Da es sich bei dem Gelände auf einer alten Ziegelei um Bauerwartungsland handelt, sorgen sich die Gärtner:innen um ihre Zukunft. Kommunale landwirtschaftliche Flächen Ausgehend vom Stadtratsbeschluss zur Verpachtung landwirtschaftlicher Flächen der Stadt Köln nach ökologischen Kriterien sind wir in einen intensiven Prozess mit verschiedenen Akt- euren gegangen. Im November 2022 haben wir eine AG Landwirtschaftliche Flächen ins Leben gerufen, in der wir uns mit Landwirten, kleinen Gemüsebetrieben, Solawis, Naturschutzver- bänden, der Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft (AbL) u.a. ausgetauscht haben. Im gleichen Monat haben wir an der bundesweiten Aktion der AbL teilgenommen, die ihren überarbeiteten Kriterienkatalog zur Gemeinwohl Verpachtung an Kommunen überreichte. Von Januar bis Mai nahmen wir an drei Veranstaltungen teil, in der das Umweltamt zur Über- arbeitung des Kriterienkataloges einlud. Zu den Ergebnissen gaben wir detailliertes Feedback auf Grundlage unserer eigenen Recherchen und Gesprächen mit Teilnehmer:innen aus unserer AG. Aus diesen Treffen entstand zudem ein direkter Austausch zwischen Ernährungsrat und Pächter:innen der städtischen landwirtschaftlichen Flächen, mit dem Ziel einer engeren Zu- sammenarbeit und gemeinsamen Öffentlichkeitsarbeit. Schulgarten-Aktionsplan Nach Abschluss des Expertisen-Workshops und Übergabe der Ergebnisse an die Mitarbeiten- den des Umweltamts im Frühjahr 2022 wurde vereinbart, gemeinsam mit dem Umweltamt an der Ausarbeitung des Aktionsplans für die verwaltungsinterne Abstimmung und die Beschluss- vorlage für die Politik zu arbeiten. Der ursprüngliche Plan des Umweltamts sah die Abstimmun- gen in der Verwaltung ab Jahresanfang 2023 vor. Leider konnten das Umweltamt als federfüh- render Akteur im Prozess keinen Entwurf für den Aktionsplan erarbeiten. Unsere Arbeiten am Aktionsplan ruhten daher im Berichtszeitraum. Parallel erarbeiteten wir ein Konzept für die Stadt Köln sich um Mittel aus dem Europäischen Fonds für Regionalentwicklung (EFRE) zu bewerben, die für die Anlage von Schulgärten und der Begrünung von Schulgebäuden genutzt werden könnten. Das Konzept haben wir dem Umwelt- , Schul- und Grünflächenamt vorgestellt. 16 Veranstaltungen Saatgutfestival Intensive Arbeit wurde in die Entwicklung und Organisation des Rahmenprogramms zum Saat- gut-Festival 2023 im VHS-Gebäude gesteckt. Zum Schwerpunktthema Boden wurden regio- nale und überregionale Referent:innen für sieben Workshops und Vorträge gewonnen, sowie ein Kurzfilm-Programm entwickelt. Workshopreihe „Essbare Stadt“ In Kooperation mit dem Grünflächenamt der Stadt Köln veranstalteten wir in 2023 eine Work- shop-Reihe zur Essbaren Stadt. Die Themen rund ums urbane Gärtnern richteten sich an aktu- elle und künftige Gartenlabor-Pächter:innen, Gemeinschaftsgarten-Initiativen und weitere In- teressierte. Konkret ging es im März um die Erkennung und Verarbeitung von Wildkräutern, im April um die Möglichkeiten zur Wasserspeicherung und -sammlung, im Juni um Bodenaufbau -und pflege in Hochbeeten und im August um die Gestaltung von insektenfreundlichen Gärten und Balkonen. Öffentlichkeitsarbeit Überarbeitung der Website www.essbare-stadt.koeln Die Website der Essbaren Stadt Köln wurde überarbeitet, da sie aus dem ersten Essbare- Stadt-Projekt im Rahmen der Erstellung des Aktionsplans angelegt wurde und nun zuneh- mend als unübersichtlich und schwer verständlich eingeschätzt wurde. Sie verfügt nun über eine komplett neu aufgebaute Startseite, die kurz erläutert, was wir un- ter der Essbaren Stadt verstehen und die Websitebesucher:innen sodann zu den wichtigsten inhaltlichen Kapiteln weiterleitet. Darunter findet sich Links die Galerie mit drei neuen Vi- deos, um direkt visuell Eindrücke aus der Essbaren Stadt zu erhalten. Rechts davon sind die Möglichkeiten sich selber in die Essbare Stadt einzubringen vorgestellt und leiten auf die ent- sprechenden Unterseiten zur Darstellung der Essbare-Stadt-Initiativen und der Ausschussar- beit. Neu entstanden ist eine Seite mit einer schriftlichen Vision der Essbaren Stadt, um deren Re- alisierung in Köln nochmals plastischer zu gestalten und konkretere Zielhorizonte aufzu- zeichnen. Weiter informiert die Seite „Umsetzung“ mit Bezug auf den Aktionsplan und den Sachstandsbericht der Stadtverwaltung im Sinne eines Statusberichts über die tatsächliche Umsetzung der Essbaren Stadt. Komplett neu gestaltet bzw. erweitert wurden die Unterseiten der Rubrik „Wissenswertes“. Das Pflanzenlexikon bezieht sich auf das Projekt „lecker und schön“ des KGV Süd und soll in erster Linie über die QR-Codes direkt aus dem Garten aufgerufen werden. Da durch das Pro- jekt „Essbares Wohnumfeld“ ein neues, interaktives Handbuch zum urbanen Gärtnern ent- standen ist, können hier alles bisherigen Links und Auflistungen in Kapiteln übersichtlich und in einen Gesamtkontext eingebunden, völlig neu präsentiert werden. Videos zur Essbaren Stadt Zur Bekanntmachung der Essbaren Stadt im medialen Kontext haben wir im Spätsommer 2022 drei Kurzvideos zu verschiedenen Initiativen der Essbaren Stadt erstellt. Mit dem Grü- nen Leo, dem Waldgarten in Neubrück und dem Firmengarten der Volkswagen OTLG wurde die Bandbreite der Kölner Essbaren-Stadt-Initiativen abgedeckt. Die jeweils gut 2 Minuten langen Videos sind als sequenzhafte Interviews im Stile der gängigen Social-Media-Formate aufgebaut. Nach etwa einem Jahr im Internet liegen die Zugriffe auf die einzelnen Videos zwi- schen 130 und 180. 17 Mit den Mitteln aus dem Projekt Essbares Wohnumfeld konnten die Kosten für die Videopro- duktion übernommen werden. Stockfotos Für die einheitlichere Außendarstellung des Essbaren Stadt und vor dem Hintergrund des Ur- ban-Gardening-Handbuchs im Projekt Essbares Wohnumfeld ließen wir professionelle Stock- fotos aus der Essbaren Stadt erstellen. Ebenso wie bei den Videos war es hier das Ziel die Viel- falt der Initiativen im Rahmen von drei verschiedenen Standorten zu präsentieren und gleich- zeitig einen Schwerpunkt auf verschiedene Inhalte zu legen. Dargestellt sind der Demogarten in Porz-Finkenberg (Gärtnern in Großwohnsiedlung sowie Bau einer Regenwassersammlung), Beste Veggies von Linus Beste (Market Garden) und der Wachsenring (Bau von Hochbeeten). Die Fotografin wurde finanziert aus Einnahmen vergangener Saatgutfestivals, die uns der VEN im Rahmen unserer Kooperation überließ. Presseschau und Links “Aachener sorgen für Gartenvielfalt” Bericht über die Kooperation der Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft mit der Essbaren Stadt, erschienen im Ge- schäftsbericht der Aachener SWG 2022, https://geschaeftsbericht.aachener- swg.de/epaper/#64 Podcastfolge von Greenpeace Köln über das Saatgutfestival 2023, 17.04.2023 Spotify Webradio, https://open.spotify.com/episode/1fXHRO721Lpm9y7QYmuAiL Podcastfolge von PAN Germany mit Judith Mayer von der Essbaren Stadt Köln zu mehr Solidarität im Ernährungssystem, 27.02.2023 https://agraroekologie.podigee.io/4-agraroekologie-fur-mehr-solidaritaet-im- ernaehrungssystem Podcastfolge des Nestlé-Podcasts New Food Generation mit Jörn Hamacher von der Essbaren Stadt zur Idee von Essbaren Städten, 08.09.2022 Podcastfolge bei Youtube, https://www.y- outube.com/watch?v=WfMe3OGKGmY&list=PL4b5X6KCsr9aZVTGlANCj_Ec6jzKtJFbc 18 Projektadministration Übersicht Finanzen Wir haben im Förderzeitraum insgesamt drei unterschiedliche Förderungen seitens des Stadt Köln und des Amtes für Umwelt- und Verbraucherschutz erhalten. Die Kosten sind für jede Förderung separat nachgewiesen und liegen in einer Excel Datei vor. Es verbleibt am Ende dieser Förderperiode insgesamt ein Restsaldo in Höhe von 382,56 €. Wir bitten diesen mit in die kommende Förderperiode für den Ernährungsrat mit überführen zu können, um einen administrativen Mehraufwand zu vermeiden. Andernfalls bitten wir um eine Absprache bzgl. der weiteren Verrechnung der Mittel. Dem Bericht liegt ein Verwendungsnachweis aller Ausgaben bei (Excel als auch gedruckt). Verwendungsnachweise für die Förderungen des Ernährungsrats für Köln und Umgebung e.V. Förderperiode: 01.09.2022 bis 31.08.2023 Förderung vom 04. August 2022 „Zuschuss zur Erweiterung der finanziellen Unterstützung i.H.v. 55.000€ ab 09/2022 für 1 Jahr“ Bewilligt Personalkosten GF2 55.000,00 € Verausgabt 55.373,85 € Saldo -373,85 € Förderung vom 01. Januar 2022 „jährlicher Zuschuss i.H.v. 75.000€ p.a. ab dem 09/22 für 3 Jahre (ge- mäß Ratsbeschluss vom 18.06.2020)“ Bewilligt Personalkosten GF1 55.000,00 € Sachkosten 20.000,00 € Verausgabt Geschäftsführung 55.463,95 € Sachkosten 18.715,74 € Saldo 820,31 € Förderung vom 01. August 2022 „Zuschuss zur Projektkoordination Essbare Stadt i.H.v. 35.000€ ab 09/22 für ein Jahr (gemäß Ratsbeschluss vom 18.06.2020)“ Bewilligt Personalkosten 35.000,00 € Verausgabt 35.063,90 € Saldo -63,90 € Gesamtsaldo 382,56 € 19 Personalmanagement Die Elternzeitvertretung von Clara Dorn wurde bis einschließlich November 2022 von Natalie Blees übernommen. Clara Dorn ist November zunächst mit 40%, ab Dezember mit 60% und ab Januar 2023 wieder zu 80% in die Arbeit zurück gekehrt. Mit Ende des Stern Kita Projekts zum 31.03.2023 hat auch der Honorarvertrag mit Frau Jochens geendet. Frau Carduck hat in den Sommermonaten 2022 insbesondere Mehraufgaben der Ess- baren Stadt betreut, so dass wir sie von August bis November aus den entspr. Mitteln finanziert haben. Zu Ende Oktober ist Frau Carduck in Mutterschutz gegangen, ihr Ar- beitsvertrag endete in dieser Zeit (gekoppelt an das Stern Kita Projekt). Ab dem 1. Oktober 2022 hat Frau Pia Quadt die Elternzeitvertretung für Frau Carduck übernommen. Nach dem Ende des Stern-Kita Projektes konnten wir Frau Quadt aus Mitteln der städtischen Förderung zur Unterstützung des Ernährungsrats weiterhin im beschäftigen. Von Oktober bis Ende Dezember hat Frau Carlotta Tonveronachi ein Pflichtpraktikum von 250 Stunden im Ernährungsrat absolviert. Frau Mayer hat zu Ende Juli ihre Mitarbeit in der Essbaren Stadt auf eigenen Wunsch beendet und hat sich dem Team von Finkens Garten angeschlossen, wo sie selbst wie- der mehr aktiv Gärtnern wird. Zum Ende Juli 2022 endete der Arbeitsvertrag von Frau Schäfer, der an Projektmittel gebunden war und daher leider nicht weiter verlängert werden konnte. Damit waren im Berichtszeitraum acht Mitarbeitende sowie eine Praktikantin für den Ernährungsrat tätig. Ort, Datum Unterschriften Ernährungsrat für Köln und Umgebung e.V. (zwei Mitglieder des Vorstands)
Anlage 5 Sachbericht Verwendungsnachweis 01.09.2023-31.08.2024
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Bericht der Förderungen für den
„Ernährungsrat Köln und Umgebung e.V.“
Berichtszeitraum: 01.09.2023 – 31.08.2024
Inhalt
Übersicht und Inhalt des Berichts ....................................................................................................... 2
Förderung vom 06. Januar 2023 „jährlicher Zuschuss i.H.v. 75.000€ p.a. ab dem 09/22 für 3 Jahre“ 2
Vollversammlung des Ernährungsrats ................................................................................................. 2
Ausschüsse des Ernährungsrats .......................................................................................................... 3
Regionalvermarktung ...................................................................................................................... 3
Ernährungsbildung und Gemeinschaftsverpflegung ....................................................................... 4
Urbane Landwirtschaft / Essbare Stadt ........................................................................................... 5
Gastronomie und Lebensmittelhandwerk ...................................................................................... 6
Veranstaltungen .................................................................................................................................. 7
Laufende und neue Projekte ............................................................................................................... 8
Eingereichte Anträge ......................................................................................................................... 10
Presseschau und Links ....................................................................................................................... 12
Förderung vom 06. August 2023 „Zuschuss zur Erweiterung der finanziellen Unterstützung i.H.v.
55.000€ ab 09/2022 für zwei Jahre“ ............................................................................................ 12
Förderung vom 01. August 2023 „Zuschuss zur Projektkoordination Essbare Stadt i.H.v. 35.000€ ab
09/23 für zwei Jahre ................................................................................................................... 14
Reise nach Rotterdam ....................................................................................................................... 14
Fortschreibung Aktionsplan .............................................................................................................. 14
Begleitete Initiativen/Tätigkeiten ...................................................................................................... 15
Veranstaltungen ................................................................................................................................ 16
Öffentlichkeitsarbeit .......................................................................................................................... 16
Presseschau und Links ....................................................................................................................... 17
Projektadministration ................................................................................................................ 17
Übersicht Finanzen ............................................................................................................................ 17
Personalmanagement ....................................................................................................................... 18
Beleglisten und Verwendungsnachweise für die Förderungen des Ernährungsrats für Köln und
Umgebung e.V. .................................................................................................................................. 18
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Übersicht und Inhalt des Berichts
Berichte zur Förderung der Stadt Köln von 01.09.2023 – 31.08.2024:
Der Bericht setzt sich zusammen aus zwei voneinander getrennt dargestellten Teilen. Im ersten Teil
werden wir die
Förderung vom 06. Januar 2022 „jährlicher Zuschuss i.H.v. 75.000€ p.a. ab dem 09/22 für 3
Jahre (gemäß Ratsbeschluss vom 18.06.2020)“
Förderung vom 01. August 2023 „Zuschuss zur Erweiterung der finanziellen Unterstützung
i.H.v. 55.000€ ab 09/2022 für zwei Jahre“
darstellen. Mit den bewilligten Mitteln werden die beiden Geschäftsführenden des Ernährungsrats fi-
nanziert, die sich in ihrer Arbeit ergänzen und den Ernährungsrat insgesamt mit Leben füllen.
Eine getrennte Darstellung erfolgt aufgrund der beiden separaten Förderungen ausschließlich auf fi-
nanzieller Ebene.
Zudem schließen wir den Bericht für die
Förderung vom 01. August 2023 „Zuschuss zur Projektkoordination Essbare Stadt i.H.v.
35.000€ ab 09/22 für zwei Jahre (gemäß Ratsbeschluss vom 18.06.2020)“ an.
Auch für diesen Förderbescheid legen wir einen separaten Finanzbericht vor.
Förderung vom 06. Januar 2023 „jährlicher Zuschuss i.H.v. 75.000€
p.a. ab dem 09/22 für 3 Jahre“
(gemäß Ratsbeschluss vom 18.06.2020)
Vollversammlung des Ernährungsrats
Am Freitag (20.10.2023) fand unsere Vollversammlung statt, dieses Mal auf der Schäl Sick im Natur-
freundehaus Kalk. Am Nachmittag trudelten die ersten bekannten Gesichter zur Beiratssitzung und
zu Kaffee und Kuchen ein, ebenso einige Interessierte und eine Gruppe von Kölner Landwirt:innen.
Sogar die Kolleg:innen des Düsseldorfer Ernährungsrats waren mit dabei. Und genau so soll eine Voll-
versammlung des Ernährungsrats aussehen. Denn es braucht allerlei Expertise und Meinungen aus
unterschiedlichen Kontexten, um die Zukunft der lokalen Landwirtschaft zu besprechen. „Boden gut
machen“ war dieses Mal das übergeordnete Thema der Vollversammlung. Mit allen Teilnehmenden
konnten wir uns dem Thema aus ganzheitlicher Perspektive widmen – großartig!
Zunächst tagte der Beirat. Mit einem Impuls von Elisabeth Verhaag von der Landwirtschaftskammer
und Christopher Gudacker von BAU Data wurde die Beiratssitzung eingeläutet. Aus den Impulsen
wurde deutlich, dass in den letzten zehn Jahren die landwirtschaftlichen Nutzflächen in der Stadt
Köln tendenziell weniger geworden sind. Umso wichtiger ist es, diese Flächen möglichst nachhaltig zu
gestalten und zu nutzen, denn schließlich hängen Lebensgrundlagen daran. Ziemlich schnell wurde
deutlich, dass „Boden“ ein Spannungsfeld aus Wirtschaftlichkeit, Sozialem und Ökologie, bzw. Klima
ist. Wie wichtig Beteiligung und Dialog bei der Thematik sind, wurde während der Veranstaltung
deutlich.
Was es aus landwirtschaftlicher Perspektive braucht, um den Boden gut zu machen, eröffnete uns
Bernd Schmitz von der Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft. Er betonte die Wichtigkeit
einer nachhaltigen Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen Flächen. Dafür müssen insbesondere
3
beim Erwerb dieser Flächen, Gemeinwohlkriterien eine besondere Rolle spielen. Die Ziele einer Ge-
meinwohlverpachtung sind beispielsweise eine transparente Landvergabe, viele vielfältige Betriebe
statt Flächennkonzentration bei Wenigen, Gemeinwohl statt Höchstpreis und nicht zuletzt gutes Es-
sen für Alle.
Landwirt Michael Frenger vom Heinrichshof in Köln Fühlingen berichtete im Anschluss vom Zustand
der Böden aus der Praxis. Seine Flächen nutzt er zum konventionellen Anbau von Getreide, Zuckerrü-
ben und Mais. Laut ihm sind die Böden (noch) gut und auch die konventionelle Landwirtschaft ist ge-
willt, dass das so bleibt. Er verdeutlichte auch wie die Flächenvergabe in der Praxis aussieht. Die
größte Konkurrenz um Flächen, bzw. Böden besteht derzeit mit der Bebauung. Und auch sog. Aus-
gleichsflächen, wie etwa Flächen für regenerative Energien spielen zunehmend eine Rolle. Aus der
Praxis wurde also das zuvor genannte Spannungsfeld um Boden bestätigt.
In einem interaktiven Format konnten alle Teilnehmenden in den Dialog gehen und besprechen auf
welche Weise sie das Thema Boden betrifft und wie, ihren Vorstellungen nach, Boden gut gemacht
werden kann. Hier konnte diskutiert und sich ausgetauscht werden. Im anschließenden „Blitzlicht“
wurde zum Beispiel das Dilemma deutlich, eine Ausweitung von regenerativen Energien wie PV-Anla-
gen zu befürworten, aber gleichzeitig lokalen Landwirt:innen nicht die landwirtschaftliche Nutzfläche
wegnehmen zu wollen, weil eine regionale Ernährung ebenso wichtig ist. Wie mit solchen Interes-
senskonflikten umgegangen werden kann, wurde in drei verschiedenen Workshops weiter vertieft.
Aus stadtplanerischer Perspektive wurde die Bebauung noch einmal unter die Lupe genommen.
Wohnraum, Ausgleichsmaßnahmen und Bildung wurden hier näher besprochen. Eine Reduktion von
Wohnraum sowie ökologisches Bauen etwa durch Dach- und Fassadenbegrünung sind hier essenziell.
Auch die Vermittlung des gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Werts des Bodens muss
erfolgen, am besten schon früh in Schulen und Kitas. Aus politischer Sicht wurde der Frage nachge-
gangen, welche Akteur:innen und „Kompliz:innen“ es braucht, um den Boden gut zu machen und
auch, welche politischen Maßnahmen dafür notwendig sind. Hannah erklärte im dritten Workshop
ganz praktisch, wie mit alternativen Anbautechniken der Boden gut gemacht werden kann. Sie stellte
zum Beispiel die „No Dig“-Methode und „Champost“, ein Kompost aus Pilzzucht, vor.
Pünktlich um 19 Uhr war das Abendessen fertig. Aus der Ernte von Kölner Böden bereitete unser
Koch Olli ein köstliches Kichererbsen-Curry zu. Dazu gab es einen knackigen Kohlsalat und selbstge-
machtes Sauerteig-Naan, natürlich alles vegan!
Ausschüsse des Ernährungsrats
Im Berichtszeitraum fanden insgesamt 10 Ausschusssitzungen statt
Regionalvermarktung
Im Förderzeitraum fanden zwei offizielle Ausschusssitzungen statt, daneben wurden aber mehrere
Veranstaltungen aus diesem Kreis heraus umgesetzt.
Am 26. Oktober 2023 waren die Schwerpunkte des Ausschusses zum einen die Partizipativen Garan-
tiesysteme mit einem Impuls von Cornelia Kirchner. Eine Kernfrage dabei war, wie wir das System nut-
zen könnten, um die Landwirtschaft in eine nachhaltige Produktion zu lenken? Ohne, dass direkt die
Umstellung „droht“? Daneben wurde die Ökomodellregion Bergisches RheinLand vorgestellt.
Die zweite Sitzung des Ausschusses hat am 19. Januar 2024 stattgefunden und hatte schwerpunktmä-
ßig folgende Themen umfasst: Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften, Dikopfshof, die Ernährungs-
strategie im RBK sowie Regionale Produkte bei der Tourismusgesellschaft dasbergische.
4
Darüber hinaus haben sich regelmäßig Ehrenamtliche aus dem Ausschuss in die politisch-strategischen
Treffen zum Thema Regionalvermarktung eingebracht, die außerhalb der Ausschusssitzungen stattfan-
den. Hierbei sind insbesondere die Vorstandsmitglieder Zoe Heuschkel und Alexander Follmann zu
nennen sowie die Werkstudentin Carlotta Tonveronachi. Mehr zu dieser Arbeit haben wir unter dem
Bericht zur Förderung vom 06. August 2023 „Zuschuss zur Erweiterung der finanziellen Unterstützung
i.H.v. 55.000€ ab 09/2022 für zwei Jahre“ zusammengefasst.
Aktionen des Ausschusses waren zwei gemeinsam Ernteaktionen. Zum einen am 22. September das
Erntefest im Demo Garten in Finkenberg und zudem eine Obsternteaktion mit Mitarbeitenden der Ergo
Versicherungsgruppe im Oktober im Bergischen Land.
Weiterhin war deutlich, dass die Arbeit innerhalb des Ausschusses nur mit ehrenamtlicher Arbeit
schwierig zu gestalten ist bei den hochpolitischen Themen. Daher wurde im Frühling der Entschluss
gefasst, die Arbeit zu den Themen erst mit Beginn des Projektes KIRA wieder vollumfänglich aufzuneh-
men, da im Zuge dessen deutlich konkreter mit Personalkapazität gearbeitet werden kann.
Ernährungsbildung und Gemeinschaftsverpflegung
Im Förderungszeitraum fanden fünf Ausschusssitzungen statt:
Datum Themenschwerpunkt
21.09.2023 - Vorstellung des Projekts der FH Münster „GeNAH“ (gerechte und
nachhaltige Außer-Haus-Verpflegung)
- Aktuelles aus der Aktionsgruppe „Gemeinschaftsverpflegung in
Kölner Schulen“
- Aktuelles zur Mobilen Küche und LIONS Köln-Ursula
- Aktuelles aus dem Offenen Kochtopf: Tag des guten Lebens in Nip-
pes
- Aktuelles zur Bildungs-AG
- Informationen zur Vollversammlung am 20.10.2023 zum Thema
„Boden gut machen“
- Organisatorisches und Sonstiges
27.11.2023 - Projektvorstellung „Blue Marble Health“
- Aktuelles aus dem Offenen Kochtopf und zur Bildungs-AG
-Aktueller Stand zum neuen Projekt „Professionalisierung regional-
ökologischer Ernährungsbildung“ (PröBiErs)
- Organisatorisches und Sonstiges
15.01.2024 - Update PröBiErs
- Recap GeNAH der FH Münster: Kitas zum Mitmachen gesucht
- Aktuelles zum Offenen Kochtopf
- Aktuelles zur Bildungs-AG
- Organisatorisches und Sonstiges
14.03.2024 - Aktuelles von GeNAH
- Resonanz zu Blue Marble Health
-Aktuelles zu PröBiErs
- Bewerbung für Projektausstellung beim deutschen Ernährungstag
- Informationen zur Klausur des Ernährungsrats
- Offener Kochtopf
- Sonstiges
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13.05.2024 - Bericht über Teilnahme am Modul „Nachhaltige Rezeptuentwick-
lung“ im Projekt GeNAH
- Aktuelles zu PröBiErs
- Vorgehensweise zum anstehenden OGS-Rechtsanspruch und
Vergabeverfahren von städtischen Kitas
-Projektausstellung beim Deutschen Ernährungstag in Berlin
- Offener Kochtopf
-Sonstiges
Urbane Landwirtschaft / Essbare Stadt
Detaillierte Darstellung der Arbeit dieses Ausschusses folgt unter dem Bericht zur Essbaren Stadt,
der unterhalb des Berichts zum Ernährungsrat folgt.
Im Förderungszeitraum fanden sechs Ausschusssitzungen sowie ein Sommerfest statt.
Datum Themenschwerpunkt
20.09.2023 Auf dem Picco-Platz, Holweide
Reisebericht Rotterdam (EdiCitNet-Award)
Bericht Incredible Edible Todmorden
Rückblick Tag des guten Lebens
Kölner Klimawoche
Initiative Holweide grünt
Sonstiges
08.11.2023 Bericht Firmengartenexkursion Volkswagen OTLG
Bericht Vollversammlung Ernährungsrat
Bericht Klimadialog (organisiert u.a. von senf.app, Kölner Stadtanzei-
ger, Gaffel)
Bericht von der Erarbeitung der Pachtkriterien für landwirtschaftliche
Flächen
Garten am Mer im Interim
Aktionsplan und Sachstandsbericht
Dach- und Fassadenbegrünung/Vertikale Landwirtschaft
24.01.2024 Fördertopf Essbare Stadt
Planung Saatgutfestival
Bericht von Klausur des Ernährungsrats
Depot für GemüseKoop
Fortschreibung Aktionsplan Essbare Stadt
Diskussion und Meinungsbild zu Vertical Farming
Veranstaltungsplanung 2024
13.03.2024 Rückblick Saatgutfestival
Ansprache von Kleingärtenvereinen
Garten in Hürth-Efferen
Veranstaltungsplanung zu Vertical Farming (Kooperation mit VHS)
Sonstiges
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26.04.2024 Im Sülzer Triangel
Sommerausschusstreffen
Ansprache von Kleingärtenvereinen
Sülzer Triangel vom SchmitzundKunzt e.V.
Spiesewald der KISD
Sonstiges
20.06.2024 Planungen Sommerfest Essbare Stadt
Rück- und Ausblick Veranstaltungsteilnahme (Straßenland, Tag des
guten Lebens, PorzPlant! am Stadtgymnasium Porz)
Schulgarten
Veedelsfarmen (Nutzung nicht arrondierte landwirtschaftlicher Flä-
chen)
Urban Gardening im Johannes-Giesberts-Park
Pflanzentauschbörse im Liebig257
AG Aktionsplan
Sonstiges
23.08.2024 Sommerfest Essbare Stadt im Kartäusergarten
Knapp 50 Besucher:innen
Netzwerken und Wissensaustausch
Führung durch den Garten und die Kirchanlage
Infos über die Essbare Stadt
Rückmeldungen zum Aktionsplan Essbare Stadt
Gastronomie und Lebensmittelhandwerk
Der Ausschuss Gastronomie und Lebensmittelhandwerk hat seine Aktivität durch die Coronakrise be-
dingt komplett eingestellt, es war eine große Herausforderung für den ER Gastronom*innen für eine
weitere Arbeit in unserem Ausschuss zugewinnen. Die extrem knappen zeitlichen Ressourcen und
der hohe finanzielle Druck unter Gastronom*innen lassen wenig Spielraum für ein weiteres Engage-
ment.
Dennoch ist es dem Ernährungsrat gelungen 2024 eine Wiederbelebung des Ausschusses anzusto-
ßen. Dazu gab es bereits im Mai ein erstes Vorgespräch mit möglichen Akteur*innen, die Interesse an
einer Zusammenarbeit im Rahmen eines ER-Ausschusses signalisiert haben. Das erst Treffen des Aus-
schusses fand am 26. Juli 24 statt, die teilnehmenden Gastronom*innen kam vordergründig aus dem
Cateringbereich. Gemeinsam wurde diskutiert welche Themen und Formate in Zukunft relevant für
den Ausschuss und mögliche weitere Mitglieder sein könnten. Schnell wurde deutlich, Gastro-
nom*innen haben nur sehr wenig zeitliche Ressourcen, die Mitarbeit an einen Ausschuss muss des-
halb zielgerichtet und gewinnbringend gestaltet werden. Als Themenfeld wurde Nachhaltigkeit und
Gemeinwohlökonomie bzw. Zertifizierungen in diesen Bereichen bestimmt.
Diese Themen wurden bei einem 2. Treffen am 13. September im Brauhaus Heller von den Teilneh-
menden vertieft, verschieden Modelle vorgestellt. Vereinbart wurde das die Arbeit dieses Ausschus-
ses in Zukunft einer anderen Gestaltung als andere ER-Ausschüsse bedarf. Es gab die Idee einer Infor-
mationsplattform zu spezifischen Themen, die nicht durch die Gastronom*innen sondern durch die
hauptamtliche Struktur des ER getragen werden.
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Veranstaltungen
Eigene Veranstaltungen und aktive Teilnahme bei externen Veranstaltungen
September – Dezember 2023
16.-17.09. EdiCitNet-Exkursion (Rotterdam)
19.09. Aktion Porzer Klimawoche im Demogarten
23.09. Essbare Stadt Workshop (in Kooperation mit Melanchton-Akademie)
19.10. Firmengartenexkursion zu VW OTLG
25.10. Essbare Stadt beim Imkerverein
27.10. Ernährungsrat kocht bei der Hofkantine Kalk
10.11. Vortrag bei Neues Lernen e.V.
Januar – August 2024
08.01. Interview Ruth Smart
29.01. Interview Essbare Stadt StudioECK
05.02. Vorstellung ER Grüne Pulheim
15.02. Edible City Network Global Lunch Talk
24.02. Saatgutfestival Köln
29.02. „Food Hub“ Veranstaltung in HDI-Kantine
22.05.-24.05. Jörn und Florian beim Projektauftakt DEMETRA in London
28.05. Essbare Stadt Workshop bei PorzPlant
05.06. Workshop (in Kooperation mit INVIA)
17.06. Essbare Stadt in Stadtgymnasium Porz
19.06. PröBiErs bei Deutscher Ernährungstag (Berlin)
28.06. Kochen für Hofkantine Bürgerhaus Kalk
23.08. Sommerfest Essbare Stadt
Teilnahme an (Netzwerk-) Veranstaltungen
September – Dezember 2023
05.09. KickOff PorzPlant
14.-15.09. Biostädte Veranstaltung in Freiburg
19.09. Schöpfungsfreundliche Verpachtung von Kirchenland, NUA
26.09. Gemeinschaftsgarten-Netzwerktreffen
19.10. Workshop Kreislaufwald
10.11. Vision Logistik TH Köln
21.11. Gemeinschaftsgarten-Netzwerktreffen
22.11. Großer Runder Tisch Holweide "Was blüht uns in Holweide“
24.11. zukunft.stadt.garten, NUA
29.11. IHK-VA Biodiversität und Unternehmen
05.12. Vortrag ASG online
07.12. NUA Runder Tisch Stadtgarten
07.12. DGE Workshop
Januar – August 2024
08.01. Präsentation Zwischenergebnisse Fresenius Hochschule
16.01. Agrarkongress BMUV
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24.01. Autorenkonferenz BKN Impulse
25.01. Essbare Uniklinik 2.0
29.01. Anhörung Landtag Großmärkte
29.01. Präsentation Ergebnisse Fresenius
05.02. Anstiftung: Webinar - Das Demokratiecafé
06.02. TH Köln Input in Seminar von Prof. Schlüter
20.02. DGE Gemeinschaftsverpflegung Veranstaltung
22.02. Successful practices of UA governance
27.02. Transformation Jetzt. Das Rheinland nachhaltig entwickeln.
07.03. Pressekonferenz SWS, Ich kann kochen!
14.03. Online-Forum für Gestalter und Gestalterinnen von Gemeinschaftsflächen
14.03. Gemeinschaftsgarten-Netzwerktreffen
19.03. "Bio kann jeder -Nachhaltig essen in Kita und Schule“
10.04. 2. Innenstadtforum
11.04. Kick Off Fröbel Akademie
22.04. Webinar mit Edith Gätjen „Hat mein Kind genug gegessen?“
23.04. PorzPlant! Auftakt "Mensch und seine Umwelt“
02.05. Schulgartennetzwerktreffen
07.05. Webinar Klimabewusst in Schulen
06.06. NUA Veranstaltung in Recklinghausen
07.06. Netzwerktreffen Bürger Beteiligung
10.06. D: Task Force Local Coordination
20. 06. Besuch aus Lima von einer lokalen Garteninitiative
04.07. Gemeinschaftsgarten-Netzwerktreffen
26.08. Auftakt "Gärtnern in der Stadt"
Laufende und neue Projekte
Im Berichtszeitraum hat der Ernährungsrat drei laufende Projekte aus Drittmitteln durchgeführt.
Essbares Wohnumfeld
Das Projekt „Essbares Wohnumfeld“ ist im Laufe des Berichtzeitraums beendet worden. Ursprünglich
bis 31.7.2023 geplant, konnte es durch eine kostenneutrale Verlängerung noch bis zum 31.12. fortge-
führt werden. Fokus des von der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen geförderten
Projekts war es die sozialen und partizipativen Anteile des gemeinschaftlichen Gärtnerns zu vertiefen
und damit die gesellschaftliche Bedeutung von essbarem, urbanem Grün zu stärken. Ansatzpunkte
waren zwei unterschiedliche Formen der Gemeinschaftsgärten: Zum einen Nachbarschaftsgärten in
Wohnumfeldern mit geringeren Teilhabechancen und zum anderen mit Firmengärten Unternehmen
bzw. Arbeitgeber:innen. Um nachhaltige Strukturen aufzubauen und bestehende Initiativen zu verste-
tigen, haben wir in erster Linie Wohnungsgesellschaften, Sozialraum-Koordinator:innen, Bürger:innen-
Vereine und Unternehmensleitungen bzw. Personalverantwortliche adressiert. Um die um noch an-
stehende Projektstränge zu Ende zu führen, konnten wir das Projekt mit verminderter personeller In-
tensität verlängert bis zum Jahresende 2023 verlängern.
Im Projektzeitraum haben wir u.a. auch die Initiative Hallo Nachbar! beim Gartenaufbau in Mülheim
(Genovevahof) und Neubrück (Ludwig-Quidde-Platz) mit Beratung und Workshops unterstützt. Hallo
Nachbar wird in der Tätigkeit vom Umwelt- und Verbraucherschutzamt gefördert.
Das im Sommer 2023 entstandene Handbuch „Garten starten!“, in welches die Erfahrungen beim Start
eines gärtnerischen/essbaren Projekts in Sozialräumen, mit Wohngesellschaften oder am Arbeitsort
eingeflossen sind, haben wir in der zweiten Jahreshälfte öffentlich vorgestellt. Dazu nahmen wir den
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Familientag bei unserem Projektpartner Volkswagen OTLG am 2.9.2023 zum Anlass, um gemeinsam
mir der Stiftung Umwelt und Entwicklung zu einem Pressetermin einzuladen. Darüber hinaus haben
wir das Handbuch an verschiedenen Veranstaltungen des Ernährungsrats sowie an unsere Projekt-
partner:innen verteilt. Die Online-Version wird laufend aktualisiert (https://essbare-stadt.koeln/gar-
tenstarten/).
Im verlängerten Projektzeitraum konnten wir zudem noch einen Antrag für den Verfügungsfonds „Ess-
bares Wohnumfeld“ des Runden Tischs Buchforst zur Pflanzung von acht Obstgehölzen auf einer Wie-
sen am Kalkberg bewilligen. Die Pflanzung hat der Runde Tisch im November 2023 öffentlichkeitswirk-
sam vorgenommen. Zum weiteren Verlauf des Projekts siehe den Punkt zur Förderung der Essbaren
Stadt. Die Abrechnung mit allen begünstigten Initiativen des Verfügungsfonds fand ebenfalls bis Ende
2023 statt.
Am 19. Oktober haben wir mit dem Firmengartennetzwerk unsere erste Firmengartenexkursion zu
Volkswagen OTLG in Poll durchgeführt. Teilgenommen haben Vertreter:innen von REWE West, inter-
zero, dem Museum Ludwig und eine Privatperson. Der Workshop zur Gestaltung des Dachgartens mit
Mitarbeiter:innen des Museum Ludwigs hat nicht stattgefunden, da sich das Museum entschieden hat
einen Dachgarten im Rahmen einer Ausstellung vom Berliner atelier le balto gestalten zu lassen. Der
Workshop zur Einrichtung eines Mitarbeiter:innengartens beim Museum für Angewandte Kunst hat
mit einjähriger Verspätung erst am 4. November 2024 stattgefunden.
PröBiErs
Das Projekt Professionalisierung regional-ökologischer Ernährungsbildung, kurz „PröBiErs“ hat zum
01.01.2024 gestartet. In den ersten acht Monaten des Projekts wurde der Kontakt zu Trägervertre-
ter:innen von städtischen und nicht-städtischen Kitas hergestellt, ebenso wie der Kontakt zu Berufs-
kollegs, da sich das Projekt einerseits an Träger von Kitas und Familienzentren richtet und anderer-
seits an angehende Erzieher:innen in der Ausbildung.
Am 17. September fand das Kick-Off zum Projekt mit Ophelia Nick, Bundestagsabgeordnete und Par-
lamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft sowie Sven
Lehmann, Bundestagsabgeordneter und Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren,
Frauen und Jugend statt Kick-Off PröBiErs - stern-kita.koeln
Auf Trägerebene ist es so, dass die Träger SKM und AWO Nachhaltigkeit im Bereich Kita-Küche und im
generellen Kita-Betrieb verstärken und strukturell verankern möchten. Ebenso haben sich Kitas aus
dem Dachverband des Paritätischen NRW für eine Zusammenarbeit mit dem Ernährungsrat gemeldet.
Derzeit werden Konzepte zur trägerweiten Anwendung erarbeitet: Das „Küchenkonzept“ wird mit Köl-
ner Kitas erarbeitet, die selbst in der Einrichtung kochen. Im September fanden dafür erste Gespräche
mit den Trägervertreter:innen, Einrichtungsleitungen und Hauswirtschaftskräften statt, um den Status
Quo zu ermitteln, Wünsche herauszufinden und, um zu eruieren, inwiefern eine kostenneutrale Nach-
haltigkeitssteigerung im Bereich Küche möglich ist. Das „Nachhaltigkeitskonzept“ richtet sich an Kitas,
die becatert werden. Hier liegt der Fokus auf der regional-ökologischen Ernährungsbildung abseits der
Kita-Küche. Auch hier fanden Gespräche mit Einrichtungen und der Trägervertretung statt, um heraus-
zufinden in welchen Bereichen am einfachsten und am dringendsten Maßnahmen umgesetzt werden
können. Beide Konzepte sollen mithilfe konkreter Maßnahmen und Meilensteine in den Einrichtungen
erprobt werden. Derzeit werden die konkreten Maßnahmen erstellt.
Auf Ausbildungsebene konnten zwei Kooperationen mit dem Erzbischöflichen Berufskolleg (EBK) Köln
und dem Erzieher-Lehrgang ELEx etabliert werden. Derzeit wird ein Curriculares Modul für den Unter-
richt zur regional-ökologischen Ernährungsbildung am EBK getestet, indem vier Unterrichtseinheiten
vom Ernährungsrat am Berufskolleg zu verschiedenen Themen durchgeführt werden. Ab Mai geht es
mit weiteren Unterrichtseinheiten im ELEx weiter.
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DEMETRA
Im Mai 2024 startete das internationale Forschungsprojekt DEMETRA (Democratic Governance, Envi-
ronmental and Climate Challenges, and Societal Transformation: Deliberation, Inclusiveness, and Citi-
zen Empowerment for Sustainable Food Systems). Das Projekt ist ein Verbundprojekt von elf europäi-
schen Partnern und läuft für dreieinhalb Jahre mit Mitteln im Rahmen des EU-Horizon-2023-Pro-
gramms. Der Ernährungsrat ist einer von zwei Praxispartnern neben den wissenschaftlichen Institutio-
nen und einem Partner für Öffentlichkeitsarbeit. Die Gesamtprojektkoordination liegt bei der Scuola
Normale Superiore in Florenz und die wissenschaftliche Koordination obliegt der Queen Mary Univer-
sity in London. Für den Ernährungsrat ist die Uni Witten-Herdecke der Hauptansprechpartner. Auf Ini-
tiative dieser privaten Hochschule wurden wir in den Kooperationsverbund aufgenommen. Seit Mai
2024 vertritt Jörn Hamacher den Ernährungsrat zunächst mit einer Stelle im Umfang von 20%. Ab Au-
gust 2025 ist eine Aufstockung auf 60% vorgesehen.
Das Projekt DEMETRA zielt darauf ab, durch eine Analyse neuer, deliberativer, partizipativer Prozesse
(DPP) aufzuzeigen, wie Spannungen zwischen demokratischer Governance und Nachhaltigkeitstrans-
formationen reduziert werden können. Beispielhaft werden Situationen in sieben europäischen Städ-
ten und Ländern analysiert:
Deutschland (Köln)
Estland (Tartu)
Frankreich (Lille)
Italien (Bologna)
Schweden (Uppsala)
Schweiz (Genf)
Vereinigtes Königreich (Brighton)
DEMETRA analysiert die Makro- (Institutionen), Meso- (Organisationen) und Mikroebene (Individuen)
und kombiniert hierbei ein länderübergreifendes, vergleichendes Design und einen integrierten, ge-
mischten methodischen Ansatz, der auf mehreren Quellen und Methoden basiert. Der Projektfokus
liegt dabei auf dem Lebensmittelsystem als entscheidendem Studienfeld, um bewährte Verfahren für
das demokratische Engagement der Bürger und die Ko-Konstruktion nachhaltiger Gesellschaften zu
ermitteln. Auf der Policy-Ebene ist es Projektziel Instrumente für eine demokratische Steuerung der
Nachhaltigkeitstransformation bereitzustellen.
Im Berichtszeitraum fand ein Kick-off-Treffen des Konsortiums im Mai 2024 in London statt. Ebenfalls
bis September 2024 haben wir damit begonnen eine möglichst umfassende Kontaktliste des Kölner
Ernährungssystems anzulegen, die später in die Analyse auf der Meso-Ebene einfließen wird. Diese
Kontaktliste können wir zudem für andere Tätigkeiten des Ernährungsrats weiterverwenden. Die
DEMETRA-Projekt-Koordination hat die Website für das Projekt angelegt:
https://www.qmul.ac.uk/demetra/
Eingereichte Anträge
In der aktuellen Förderperiode wurden vier Anträge eingereicht, zwei davon wurde positiv beschieden,
der zweite leider abgelehnt. Daneben haben wir einen Antrag zurückgezogen, dessen Geschichte ein
wenig älter ist und die nun einfach beendet werden musste unsererseits. Zudem gab es einen intensi-
ven Austausch mit dem Umweltamt zur Finanzierung eines Ringbuchs mit den Inhalten des Stern-Kita
Projekt für die städtischen Kitas. Dieser Dialog ist noch nicht abgeschlossen
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Setup Food Strip 2.0
Der Antrag zu einer Fortführung des Projekts Food Strip wurde erstmalig 2020 als Skizze und 2021 als
Vollantrag eingereicht. Die Signale aus der Zukunftsagentur Rheinische Reviert waren immer sehr po-
sitiv und wir haben im Vergabeverfahren zwei von drei Sternen erhalten. Der Dritte Stern wäre die
Bewilligung gewesen. Nach der Landtagswahl 2023 ist der Prozess jedoch leider vollkommen intrans-
parent geworden, es gab eine Gründung einer Campus Transfer GmbH die auch für „unser“ Projekt
zuständig sein sollte. Schließlich hieß es im Sommer 2024, alle eingereichten Anträge müssten zurück
gezogen und neu eingereicht werden. Nach fast vier Jahren Arbeit und Begleitung dieser undurchsich-
tigen Verfahren haben wir entschieden, keine Kapazitäten mehr in dieses Projekt bzw. deren Antrag-
stellung zu stecken. Daher haben wir unseren Antrag vier Jahre nach erst Einreichung zurück gezogen.
KIRA
Im Herbst 2023 haben wir eine Projektskizze zusammen mit der TH Köln, FH Südwestfalen, der Hoch-
schule Offenburg und dem Bioland Landesverband Rheinland Pfalz/Saarland erarbeitet und im Modell-
regionenwettbewerb "Ernährungswende in der Region" des BMEL eingereicht. Im März 2024 wurden
wir darauf aufgefordert, einen Vollantrag dafür zu schreiben. Der Antrag wurde im September positiv
beschieden und mit insgesamt gut 1,7 Mio bedacht, das Projekt startet zum 1.1.0.2024. Inhalte und
Ziele des Projektes sind folgend kurz dargestellt:
Das Verbundprojekt „Konzeption und Initiierung eines nachhaltigen Regionalversorgungsnetzwerks für
die AHV – KIRA“ erarbeitet partizipativ unter Beteiligung der Akteur*innen entlang der Wertschöp-
fungskette vom Acker bis zum Teller ein Logistikkonzept für eine nachhaltige Regionalversorgung für
die AHV in der Modellregion südliches Rheinland. Damit setzt das Vorhaben an dem wichtigsten Hebel
für die regionale Ernährungswende an.
Mit Ende des Projekts liegt ein in der Praxis erprobtes, einsatzfähiges und skalierbares Regionalversor-
gungskonzept für unterschiedliche Typen der AHV vor. Dabei wird ein besonderer Fokus auf Logistiklö-
sungen für die regionale Vermarktung nachhaltig erzeugter und ökologisch zertifizierter Produkte an
die AHV gelegt.
Die für die Modellregion südliches Rheinland entwickelten und in Piloten erprobten Logistiklösungen
werden im Rahmen des Vorhabens in drei Transferorten (Frankfurt, München, Freiburg) geprüft und
angepasst und somit deren Übertragbarkeit sichergestellt. Die auf Grundlage dieser Pilote entwickel-
ten Leitfäden machen die Ergebnisse aus der Modell- und den Transferregionen überregional verwert-
bar: Sie stehen anderen Regionen, Städten, Kommunen aber auch weiteren Akteur*innen der AHV
auch nach Abschluss des Projekts zur Verfügung und vermitteln nicht nur den Mehrwert, sondern auch
eine Handlungskompetenz bei der Umstellung hin zu einer regional-nachhaltigen Versorgung.
Damit trägt KIRA langfristig durch eine Schaffung zuverlässiger und langfristiger Absatzwege für land-
wirtschaftlichen Betriebe Anreize, auf Bio umzustellen und ihre Produktion auf die Bedarfe der Mo-
dellregion anzupassen.
Kofinanzierung des Projekts: Professionalisierung regional-ökologischer Ernährungsbildung
Zur Kofinanzierung des Projekts haben wir Im März dieses Jahres einen Antrag an die Kölner Imhoff
Stiftung gestellt, der leider abgelehnt wurde. Daraufhin haben wir im Juli einen ähnlichen Antrag an
die GLS Zukunftsstiftung Landwirtschaft gestellt und eine kleine Kofinanzierung für das Projekt bewil-
ligt bekommen. Hier geht es in erster Linie um die Finanzierung des Drucks von Bildungsmaterial.
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Ernährungsdemokratie – Alle an den Tisch
Dieser Projektantrag an die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt wurde im April im För-
derprogramm TransformD, Themenschwerpunkt: Gesellschaftlicher Zusammenhalt eingereicht. Ziel
des Projektes sollte sein, an den Prozess der Erarbeitung der Ernährungsstrategie anzuknüpfen und
unter Einbeziehung aller relevanten gesellschaftlichen Gruppen die Umsetzung der Ernährungsstrate-
gie besprechen und beschließen. Besonderes Augenmerk wollten wir bei diesem Prozess auf margina-
lisierte Gruppen legen, die zumeist auch stärker von Ernährungsarmut betroffen sind als die Mitte der
Gesellschaft. Hier wollten wir eine externe Supervision heranziehen, die uns dabei unterstützen sollte,
Beteiligungshemmnisse abzubauen und allen eine Teilhabe am Diskurs zu ermöglichen.
Dieser Antrag wurde leider abgelehnt.
Presseschau und Links
https://www.ernaehrungsrat-koeln.de/medien_downloads/
Förderung vom 06. August 2023 „Zuschuss zur Erweiterung der finan-
ziellen Unterstützung i.H.v. 55.000€ ab 09/2022 für zwei Jahre“
Es wurde in unserer Arbeit in den vergangenen Jahren sehr deutlich, dass der Ernährungsrat sich durch
die zweite Stelle in Koordination und Geschäftsführung strategisch besser aufstellen, seine Arbeit pro-
fessionalisieren und neue Projekte initiieren kann.
Hier sei explizit genannt, wie sehr mit steigender Anzahl Drittmittelgeförderter Projekte zum einen der
Verwaltungsaufwand steigt. Hierzu gehört neben der finanziellen Abwicklung der Projekte das entspr.
Berichtswesen, die Budgetsteuerung der jeweiligen Projekte als auch des gesamten Ernährungsrats,
die Personalentwicklung und -Verwaltung, die Aufrechterhaltung der rein physischen Infrastruktur ei-
nes Büros mit 6 Mitarbeitenden sowie auch die IT-Infrastruktur mit allem, was dazu gehört und vieles
weitere mehr. Allein diese Aufgaben okkupieren fast eine ganze Stelle der Koordination/Geschäftsfüh-
rung, wobei diese hier genannten Aufgaben zwischen den beiden Geschäftsführenden geteilt werden.
Zudem übernimmt Pia Quadt mit dem wöchentlichen Umfang von zwei Arbeitsstunden die rein admi-
nistrative Aufgabe des Rechnungseingangs und der entspr. Kontierung und Vorbereitung für die Buch-
haltung. Zum anderen steigt mit einer weitergehenden Bekanntheit und Anerkennung der Arbeit des
Ernährungsrats auch die schiere Anzahl an Anfragen für Gespräche, die Bitte um Kooperationen für
Projekte o.ä., Vorträge, Beteiligungen bei Veranstaltungen, das Durchführen gemeinsamer Veranstal-
tungen und ähnliches mehr. Selbst mit einem Team von zwei Geschäftsführenden und während der
Projektlaufzeit im Wesentlichen drei Hauptamtlichen Mitarbeitenden (60%, 80% und 40% Arbeitszeit)
sind all diese Anfragen kaum zu bewältigen.
Durch den Ausfall von Frau Dorn ab dem 1.3.2024 wurden wir in der Erfüllung der selbst gesteckten
Ziele ein wenig eingebremst. Zwar hat Florian Sander seine Arbeitszeit von 80 auf 100% erhöht für
sechs Monate, damit konnte jedoch der Ausfall nicht vollends kompensiert werden. Frau Zoe Heusch-
kel hat im April und Mai im Rahmen eines Werkvertrags die Vollantragsstellung für das im September
bewilligte Projekt KIRA übernommen und damit einen sehr wesentlichen Grundstein für die Arbeit des
Ernährungsrats für die kommenden drei Jahre (10.2024 – 9.2027) gelegt.
Mit der Beantragung der erweiterten Finanzierung haben wir die Handlungsfelder Interkommunale
Vernetzung, Mittlerrolle für Stakeholdergruppen des Ernährungssystems der Stadt Köln, Distributions-
management, Vermarktungspotenziale, Abnahmesicherheiten und das Bio-Städte-Netzwerk heraus-
gestellt.
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Die wesentlichen Eckpunkte unsere Arbeit zu den Themen sind neben der Antragsstellung für KIRA
insbesondere die Beteiligung im Prozess für das „Nutzungskonzept für ein modernes Frischezentrum
bzw. Food Hub – Ernährungscampus Köln“ (Titel des Abschlussberichts vom 30.07.2024 – Willhausen
Consulting et al). Mit dem Ratsbeschluss vom 15.06.2023 wurde die Verwaltung beauftragt, eine de-
zernatsübergreifende Projektgruppe zu bilden, die unter Beteiligung relevanter Markt Akteur*innen
bis Ende 2023 ein Konzept für ein modernes Frischezentrum bzw. Food Hub entwickelt. Dementspre-
chend waren wir in mehreren Experten Hearings und Workshops zum Thema beteiligt und haben un-
sere Expertise in den Prozess eingebracht. Leider haben wir bis in den Herbst 2024 hinein keine weite-
ren Planungen seitens der Stadtverwaltung hierzu vernommen. Wir sehen hier unsere Aufgabe, die
weiteren Entwicklungen kritisch zu begleiten und den nötigen Druck aufrecht zu halten, damit über-
haupt weiterhin etwas geschieht bzgl. Eines Kölner Frischezentrums.
Die Frage jedoch, wer sich überhaupt darum kümmern muss, dass sich Köln nachhaltiger mit Lebens-
mitteln versorgen kann, haben wir in einer separaten Veranstaltung am 29. Februar aufgegriffen. Denn
trotz aller Konzepte für ein frischezentrum bleibt die Frage ja bestehen wie kommunale Daseinsvor-
sorge und der freie Markt ineinandergreifen und was ein „Food Hub“ für Köln bewirken kann?
Die Daseinsvorsorge einer Kommune beschreibt die grundlegenden Dienstleistungen und Infrastruk-
turen, die das tägliche Leben der Bürgerinnen und Bürger unterstützen und verbessern. Sie ist ein
maßgeblicher Faktor für die Lebensqualität und das Wohlbefinden ihrer Einwohnerinnen und Einwoh-
ner, indem sie eine solide Basis für ein aktives, gesundes und sozial verbundenes Leben schafft. Bislang
wurden die meisten Aspekte der Ernährung der Bevölkerung nicht als kommunale Aufgabe im Sinne
der Daseinsvorsorge betrachtet, aus Sicht der Ernährungsräte muss die nachhaltige Versorgung der
Stadt auf die Agenda der Kommunen. Ein wichtiger Baustein zu einer nachhaltigen Versorgung sehen
wir im Aufbau, regionaler Versorgungsstrukturen. Schlüsselelement hierfür können lokale Verteilzen-
tren für Lebensmittel, auch „Food Hubs“ genannt, sein. Das Konzept eines „Food Hubs“ stammt aus
den USA. Das US Department of Agriculture beschreibt sie als „zentrale Einrichtung mit einer struktu-
rierten Leitung, die die Sammlung, Lagerung, Verarbeitung, Verteilung und/oder Vermarktung von re-
gional produzierten Lebensmitteln erleichtert“.
Dabei war das Ziel der Veranstaltung nicht, die aktuellen Planungen in Köln zu beeinflussen. Vielmehr
sollten Möglichkeiten von regionaler Frischversorgung aufgezeigt werden, die von funktionierenden,
modernen Großmärkten hin zu digitalen Lösungen reichen. Denn wir auch immer die Entwicklungen
voranschreiten, sieht der Ernährungsrat als gemeinnütziger Verein sich derzeit nicht als zukünftiger
Betreiber eines Kölner Food Hubs, sondern lädt alle, die sich am Aufbau eines Verteilzentrums für re-
gionale Lebensmittel beteiligen wollen und können an einen Tisch.
https://www.ernaehrungsrat-koeln.de/2024/03/21/rueckblick-auf-die-veranstaltung-zum-thema-
food-hub-in-koeln/
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Förderung vom 01. August 2023 „Zuschuss zur Projektkoordination
Essbare Stadt i.H.v. 35.000€ ab 09/23 für zwei Jahre
Im Folgenden werden wir über die
Förderung vom 01. August 2023 „Zuschuss zur Projektkoordination Essbare Stadt i.H.v.
35.000€ ab 09/23 für ein Jahr (gemäß Ratsbeschluss vom 18.06.2020)“
berichten und dem Dokument auch entspr. den Verwendungsnachweis für die Mittel anfügen.
Im Förderungszeitraum fanden sechs Ausschusssitzungen sowie ein Sommerfest statt, die Auflistung
dazu s.o..
Reise nach Rotterdam
Dank unseres Edible City Awards des internationalen Projekts EdiCitNet, den wir im März 2023 gewon-
nen haben (s. Bericht 2022/23), erhielten wir die Möglichkeit uns anzuschauen wie in Rotterdam die
Essbare Stadt umgesetzt wird.
Unser Partner vor Ort war die zivilgesellschaftliche Initiative Groen 010. Diese sind Projektpartner im
EdiCitNet-Projekt und koordinieren dort das sogenannte LivingLab. In einem LivingLab sollen konkrete
Ansätze aus dem Projekt umgesetzt und erprobt werden. Für Rotterdam hieß das insbesondere die
Organisationsentwicklung, denn vielfach sind Ansätze für die Produktion von Lebensmitteln innovativ
und Menschen unterschiedlicher Organisationen und mit unterschiedlichen Interessen treffen in dem
Prozess aufeinander. Auf unserer knapp zweitägigen Reise konnten wir uns mit verschiedenen zivilge-
sellschaftlichen Initiativen aus dem Bereich Ernährung, Stadtentwicklung und Urban Gardening ver-
netzen und auch Kontakte zur lokalen Administration herstellen. Wir besichtigten unterschiedliche
Projekte wie die Stadtkwekerij DeKas, Gemeinschaftsgärten entlang eines „grünen Fahrradrundwegs“,
einen privat organisierten Regionalmarkt, einen essbaren Wald im Arboretum Trompenburg und den
Gemeinschaftsgarten Voedseltuin. Am Abend des ersten Tags wurden wir zu einem „Groen Café“ ein-
geladen, einem Vernetzungstreffen ähnlich unserer Ausschusstreffen, wo wir die Essbare Stadt Köln
vorstellen konnten. Die Reisekosten wurden vom Projekt EdiCitNet übernommen. Wir haben über die
Reise auf unserer Website berichtet: https://essbare-stadt.koeln/die-essbare-stadt-koeln-in-rotter-
dam/
Fortschreibung Aktionsplan
Den Ausschussmitgliedern ist es ein Anliegen den Aktionsplan Essbare Stadt zum Jahr 2025 zu aktuali-
sieren. Dazu soll auf Basis eines Resümees der bisherigen Zielerreichung neue Ziele für das Jahr 2030
erarbeitet werden und der Aktionsplan somit fortgeschrieben werden. Daher bildete sich Ende des
Jahres 2023 eine eigene Arbeitsgruppe im Ausschuss mit anfänglich acht Mitgliedern, um die Fort-
schreibung zu organisieren. Neben der inhaltlichen Arbeit war im wesentlichen die Möglichkeit zur
öffentlichen Beteiligung wichtig. Im Berichtszeitraum wurde daher ein Beteiligungskonzept erarbeitet
und es wurde mit der sogenannten „Wünschewand“ mit aufsuchender Beteiligung auf verschiedenen
Veranstaltungen begonnen. Auf dem Straßenland (2.6.24), beim Tag des guten Lebens (7.9.24), beim
PARK-Platz-Tag des Stadtgarten e.V. (22.9.24) sowie auf dem BNE-Tag der Stadt Köln (10.10.24) und
bei der Vollversammlung des Ernährungsrats (11.10.24) haben wir mit Zettel und Stift Wünschen,
Ideen und Meinungen gesammelt zu den Themenfeldern der Essbaren Stadt gesammelt. Bei der Voll-
versammlung haben wir bereits in einem kleinem Workshop die Inhalte unter dem Blickwinkel der
Ernährungsgerechtigkeit diskutiert. Außerhalb des Berichtszeitraums fand eine Online-Beteiligung so-
wie eine Werkstattveranstaltung statt. Die inzwischen erweiterte Arbeitsgruppe plant den Plan im
Winter 2024/25 fortzuschreiben, laufend mit der Stadtverwaltung abzustimmen und im Frühjahr 2025
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zum Beschluss in die Politik zu geben. Auch hier berichten wir auf unserer Website: https://essbare-
stadt.koeln/jetzt-mitmachen-fortschreibung-des-aktionsplan-essbare-stadt/
Begleitete Initiativen/Tätigkeiten
Holweide grünt: Die Initiative Runde Tisch Holweide setzt sich schon seit längerem für mehr Bürger:in-
nenengagement bei der Begrünung des Stadtteils ein. Über das Projekt Essbares Wohnumfeld kam der
Kontakt zustande. Der sogenannte Picco-Platz an der Piccoloministraße sollte eigentlich eine städte-
bauliche Erneuerung durch die Stadt Köln erhalten, dazu haben bereits erste Beteiligungsformate statt-
gefunden. Da der Umbau des Platzes von städtischer Seite abgesagt wurde, entschied sich der Runde
Tisch hier eigenständig aktiv zu werden, um sowohl auf dem Platz befindliche Hochbeete neu zu be-
pflanzen und in ein Patenschaftssystem einzubinden als auch die großen Pflanzbeete am Platzrand neu
mit essbaren Pflanzen zu gestalten. Wir berieten die Initiative hier und unterstützen sie bei der För-
dermittelakquise. Der Runde Tisch erhielt dazu Förderung durch den Fördertopf Essbare Stadt des
Grünflächenamts. Bei der öffentlichen Veranstaltung „Großer Runder Tisch – Was blüht uns in Hol-
weide?“ am 22.11.2023 wirkten wir mit einem Vortrag und Mitarbeit in einer Kleingruppe mit.
Runder Tisch Buchforst e.V.: der Kontakt zur Initiative entstand aus dem Projekt Essbares Wohnum-
feld. Die Pflanzung von kleinen Obstgehölzen mit Mitteln aus dem Projekt „Essbares Wohnumfeld“
fand im November 2023 statt. Leider sind wenige Monate später einige Bäume beschädigt worden.
Viel nervenaufreibender waren für die Initiative allerdings die rechtliche Einigung mit dem Grünflä-
chenamt zur Pflanzung und Pflege der Bäume. Neben der Vermittlung mit dem Grünflächenamt ver-
netzten wir den Runden Tisch mit Initiativen, die ebenfalls Baumpflanzungen vorgenommen bzw. Pa-
tenschaftssystem im öffentlichen Raum genutzt haben. Stand Oktober 2024 entschied sich der Runde
Tisch Buchforst den Vertrag mit dem Grünflächenamt nicht zu unterschreiben. Der Runde Tisch Buch-
forst kritisiert, warum es offensichtlich kein allgemein gültiges, im Vorfeld (schriftlich) kommunizier-
bares Vorgehen der Stadtverwaltung gibt, wenn es um die Pflanzung von Bäumen/Obstbaumwiesen
im öffentlichen Raum gibt. Da die Buchforster Initiative nicht die Einzige ist, die ähnliche Erfahrungen
machen musste, sind wir bestrebt dies in die Fortschreibung des Aktionsplans aufzunehmen (s.o.).
Hürth-Efferen: Ein Gärtner meldete sich bei uns, weil das außergewöhnliche Gartenprojekt mehr Öff-
nung nach Außen und Anschluss an andere Netzwerke im Kölner Raum sucht. Wir haben in der Folge
im August 2024 einen gemeinsamen Ausflug zum Projekt veranstaltet.
anstiftung: Anfang 2024 nahm Gudrun Walesch von der anstiftung Kontakt zu uns auf, um den Stand
der Gemeinschaftsgärten in Köln zu erfragen. Die anstiftung hat sich zum Anspruch gemacht alle Ge-
meinschaftsgärten, die auch essbares anbauen, in Deutschland zu vernetzen und mit finanziellen För-
derungen sowie kostenfreier Wissensvermittlung zu unterstützen. In der Folge wurde ein Workshop
für Gemeinschaftsgärten in Köln mit der anstiftung durchgeführt, bei dem es darum ging wie die Gar-
tengruppen auch mit Rückschlägen und Schwierigkeiten umgehen. Der Workshop fand außerhalb des
Berichtszeitraums statt.
Fördertopf Essbare Stadt und Sachstandsbericht der Verwaltung: Die Einbindung in das Auswahlver-
fahren für den Fördertopf fand im Jahr 2024 leider nur sehr eingeschränkt statt. Wir haben den För-
dertopf wie in den Jahren zuvor öffentlich beworben (Website, Auslage bei Veranstaltungen wie dem
Saatgutfestival, E-Mail-Verteiler). Die eigentlich vereinbarte Möglichkeit zur Kommentierung des Sach-
standsberichts zur Umsetzung des Aktionsplan wurde uns in diesem Förderzeitraum nicht gewährt.
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Veranstaltungen
Saatgutfestival
Intensive Arbeit wurde in die Entwicklung und Organisation des Rahmenprogramms zum Saatgut-Fes-
tival 2023 im VHS-Gebäude gesteckt. Zum Schwerpunktthema „Garten im Klimawandel“ wurden regi-
onale und überregionale Referent:innen für sieben Vorträge und Workshops gewonnen. Erstmals gab
es als Kulturprogramm eine Lesung von Literatur aus dem Gartenkosmos. Außerdem haben wir ein
Kinderprogramm organisiert und die Cafeteria veranstaltet.
Ausflug nach Hürth-Efferen
Wir haben den Besuch eines Gärtner aus Hürth-Efferen in unserer Ausschusssitzung zum Anlass ge-
nommen am 15. August einen eigenen Ausflug in den Garten zu organisieren, an dem ca. 10 Gäste
teilgenommen haben. Auf einem Gesamtgebiet von 5.500 m2 erstreckt sich in Hürth-Efferen ein be-
sonderes Gartenprojekt. Mehrere Gärtner:innen sind auf dem Grabeland der Stadt Köln (obwohl die
Fläche in Efferen liegt) auf unterschiedlich großen Parzellen tätig. Die organisch gewachsene Garten-
anlage ist weder vergleichbar mit einem klassischen Gemeinschaftsgarten noch mit Kleingärten. Es ist
ein zukunftsgewandtes Beispiel für zukünftige Gestaltung von Städten, anders als Versiegelung und
der Schluss von Baulücken zum Opfer von Grünflächen.
Sommerfest Essbare Stadt
Um sich in ungezwungener Atmosphäre – ohne Tagesordnung – auszutauschen haben wir mal wieder
zu einem Sommerfest eingeladen. Im Kartäusergarten sahen sich sich alte Bekannte und langjährige
Weggefährten der Essbaren Stadt wieder und trafen auf neue Interessierte und Aktive. Im Verlaufe
des Abends waren knapp 50 Persone zu Gast. Besonders gefreut haben wir uns, dass auch Vertreter:in-
nen der Stadtverwaltung unserer Einladung gefolgt sind. Es gab eine Führung durch den Gemein-
schaftsgarten und die Kirchanlage und wir informierten über die Essbare Stadt und den Aktionsplan
Essbare Stadt.
Veranstaltungen mit Einrichtungen der Erwachsenenbildung
Um unsere Themen einem breiten Publikum zugänglich zu machen, kooperieren wir seit längerem mit
verschiedenen Einrichtungen der Erwachsenenbildung.
Im ersten Halbjahr 2024 boten wir in Kooperation mit der Melanchthon-Akademie drei Veranstaltun-
gen zur Essbaren Stadt an:
- 13.4. Workshop zu Permakultur
- 8.6. Radtour durch große und kleine Gärten in Ehrenfeld und Vogelsang
- 19.6.: Eine radikal andere Stadt! Perspektiven auf Urbanität und Landwirtschaft
Im zweiten Halbjahr 2024 nahmen wir die Kooperation mit der VHS Köln wieder auf. Die Veranstaltun-
gen lagen allerdings außerhalb des Berichtzeitraums
Am 10. November waren wir bei neues lernen e.V. im Rahmen der Fortbildungsreihe „nachhaltige neu-
gierig 2.0“ zu Gast und haben über das Thema urbane Landwirtschaft referiert.
Öffentlichkeitsarbeit
zukunft.stadt.garten der NUA: Am 24.11.2023 waren wir auf dem Online-Fachforum zu-
kunft.stadt.garten der Natur- und Umweltschutzagentur NRW eingeladen. Unter dem Titel „Professi-
onalisierung und Perspektivwechsel als Erfolgsfaktor“ haben wir aus unseren Erfahrungen bei der Um-
setzung der Essbaren Stadt mit hauptamtlichen Mitarbeiter:innen, in Projektstrukturen und in Koope-
ration mit der Stadtverwaltung berichtet und uns mit anderen Initiativen aus NRW austauschen kön-
nen.
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Beteiligung auf öffentlichen Veranstaltungen im Rahmen der Fortschreibung des Aktionsplans s.o.
Presseschau und Links
„Gärten in NRW: Gemeinschaftsgärten“ WDR 3 – Mosaik Beitrag über Gemeinschafstgärten und die
Essbare Stadt in Köln, bei dem auch Jörn zu Wort kommt, 05.06.2024
„Ist das die Stadt der Zukunft?“ WDR 5 -Neugier genügt, ein Feature zum Klimawandel in Köln mit
Beiträgen von Jörn Hamacher, 28.05.2024
„Urban Gardening – 16 Gartenprojekte in Köln zum Mitmachen“, erschienen im Kölner Stadtanzeiger,
03.04.2024: KSta_UrbanGardening
„‚Essbare Stadt‘: nicht nur grün, sondern auch lecker“, mit Fotos aus Köln, erschienen im DAB Deut-
schen Architektenblatt am 27.03.2024
„Winners of the ‚Best Overall Edible City‘ award – Cologne!“, Interview mit Jörn Hamacher im Rahmen
des EdiCitNet-Podcasts zum Preisgewinn 2023 (auf Englisch)
Projektadministration
Übersicht Finanzen
Wir haben im Förderzeitraum insgesamt drei unterschiedliche Förderungen seitens des Stadt Köln und
des Amtes für Umwelt- und Verbraucherschutz erhalten. Die Kosten sind für jede Förderung separat
nachgewiesen und liegen in einer Excel Datei vor.
Es ist zum Ende dieser Förderperiode über alle drei Förderprojekte ein Defizit in Höhe von -5.446,79€
entstanden. Lediglich in der Förderung der Essbaren Stadt ist ein positiver Saldo von 186€ entstanden.
Wir bitten diesen mit in die kommende Förderperiode für den Ernährungsrat mit überführen zu kön-
nen, um einen administrativen Mehraufwand zu vermeiden. Andernfalls bitten wir um eine Absprache
bzgl. der weiteren Verrechnung der Mittel.
Das verbleibende Defizit decken wir aus Eigenmitteln des Ernährungsrats.
Wie bereits in der vorherigen Förderphase erwähnt, war es uns möglich Frau Quadt nach dem Ende
des Stern Kita Projekts aus Mitteln der städtischen Förderung weiter zu beschäftigen. Dies haben wir
bis Dezember 2023 fortgeführt, ab Januar 2024 hat Frau Quadt die Projektkoordination für das durch
die SUE geförderte Projekte „Professionalisierung regional-ökologischer Ernährungsbildung“ über-
nommen.
Aufgrund des Beschäftigungsverbots von Clara Dorn ab 1.3.2024 wurden einige Mittel frei. In Abspra-
che mit Fr. Dr. Boms konnten diese Mittel wie folgt verwendet werden:
- Unser Vorstandsmitglied Zoe Heuschkel hat sich bereit erklärt, federführend den Vollantrag
für das im September 2024 bewilligte Projekt KIRA zu schreiben. Dieser Antrag wurde Ende
Mai an das BMEL übermittelt. Der ursprüngliche Plan sah vor, das Clara Dorn diesen Antrag
geschrieben hätte. Ihr Ausfall wurde durch den Werkvertrag mit Fr. Heuschkel entspr. Kom-
pensiert. Die Rechnung über insg. 8.600€ hat Fr. Heuschkel erst nach Ende des Förderzeit-
raums (am 1.11.2024) eingereicht, die Leistungserbringung fällt jedoch vollständig in die För-
derphase. Das haben wir unter dem erweiterten Zuschuss verbucht.
- Florian Sander hat von März bis August 2024 einen 100% Arbeitsumfang geleistet, im Gegen-
satz zu ansonsten 80%. Um nicht für diese 6 Monate einen 20% Anteil der Arbeitszeit separat
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zu buchen, haben wir uns entschieden, ein Monatsgehalt ebenso in dem erweiterten Zuschuss
zu verbuchen.
Dem Bericht liegt ein Verwendungsnachweis aller Ausgaben bei (Excel als auch gedruckt).
Personalmanagement
Mit dem Beginn des Projekts PröBiErs am 1. Januar hat Frau Quadt die Projektkoordination
dafür übernommen.
Einen Monat später konnte Frau Tonveronachi als Werkstudierende für das Projekt ihre Arbeit
aufnehmen.
Frau Dorn ist leider ab dem 1. März ausgefallen aufgrund des Beschäftigungsverbots in der
zweiten Schwangerschaft.
Florian Sander hat daher von März bis August 100% gearbeitet, um ein wenig der Arbeit auf-
zufangen
Jörn Hamacher hat zum Mai die Projektkoordination für das Projekt DEMETRA übernommen.
Bis Ende August 2025 führt er diese mit 20% oder 8w/h aus, zusätzlich zu den 60%, die er für
die Essbare Stadt arbeitet.
Als Elternzeitvertretung für Clara Dorn wurde Mirja Buckbesch zum 1. Juli eingestellt.
Im August und September hatten wir Hanna Zimmer als Praktikantin bei uns im Ernährungsrat
zur Unterstützung.
Damit waren im Berichtszeitraum sechs Mitarbeitende sowie eine Praktikantin für den Ernäh-
rungsrat tätig.
Beleglisten und Verwendungsnachweise für die Förderungen des Ernährungsrats für
Köln und Umgebung e.V.
Förderperiode: 01.09.2024 bis 31.08.2023
Förderung vom 06. Januar 2022 „jährlicher Zuschuss i.H.v. 75.000€ p.a. ab dem 09/22 für 3 Jahre
(gemäß Ratsbeschluss vom 18.06.2020)“
Bewilligt 75.000,00 €
Personalkosten GF1 55.000,00 €
Sachkosten 20.000,00 €
Verausgabt
Geschäftsführung 59.365,01 €
Sachkosten 21.186,47 €
Saldo -5.551,48 €
Förderung vom 01. August 2023 „Zuschuss zur Erweiterung der finanziellen Unterstützung i.H.v.
110.000€ ab 09/2023 für 2 Jahre“
Bewilligt 55.000,00 €
Personalkosten GF2 55.000,00 €
Verausgabt 55.081,31 €
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Saldo -81,31 €
Förderung vom 01. August 2023 „Zuschuss zur Projektkoordination Essbare Stadt i.H.v. 70.000€ ab
09/2023 für 2 Jahre (gemäß Ratsbeschluss vom 18.06.2020)“
Bewilligt 35.000,00 €
Personalkosten 35.000,00 €
Verausgabt 34.814,00 €
Saldo 186,00 €
Gesamtausgaben 164.814,00 €
Gesamtsaldo -5.446,79 €
Gesamte weitere Einnahmen des Vereins im Förderzeitraum
Fördermittel 186.964,62 €
Freie Mittel 18.407,12 €
Gesamt 205.371,74 €
Beschlussvorlage Rat
15104 Zeichen
Dezernat, Dienststelle VIII/57/574 Vorlagen-Nummer 0960/2025 Freigabedatum 11.06.2025 Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung Betreff Fortführung der finanziellen Unterstützung des Ernährungsrates für Köln und Umgebung e.V. Beschlussorgan Rat Gremium Datum Beschluss: Der Rat beschließt, den Ernährungsrat für Köln und Umgebung e.V. (Neven-DuMont-Straße 14, 50667 Köln) im Rahmen der Ernährungsstrategie für Köln und Umgebung - über die bis- her festgelegte Laufzeit bis zum 31.08.2025 (siehe Beschlussvorlagen 0515/2017 und 2567/2019) hinaus - für ein weiteres Jahr (bis zum 31.08.2026) mit einem Zuschuss in Höhe von 165.000 € brutto finanziell zu unterstützen. Die erforderlichen Mittel für die Haushaltsjahre 2025 und 2026 sind in Höhe von insgesamt 165.000 € (brutto) im Teilergebnisplan des Umwelt- und Verbraucherschutzamtes, in der Pro- duktgruppe 1401, Umweltordnung, -vorsorge, bei der Teilplanzeile 15, Transferaufwendun- gen, veranschlagt. Ausschuss Klima, Umwelt und Grün 12.06.2025 Finanzausschuss 30.06.2025 Rat 03.07.2025 2 Haushaltsmäßige Auswirkungen Nein Ja, investiv Investitionsauszahlungen € Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja % Ja, ergebniswirksam Aufwendungen für die Maßnahme 2025: 68.750 € Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja % Jährliche Folgeaufwendungen (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr: 2026 a) Personalaufwendungen € b) Sachaufwendungen etc. 96.250 € c) bilanzielle Abschreibungen € Jährliche Folgeerträge (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr: a) Erträge € b) Erträge aus der Auflösung Sonderposten € Einsparungen: ab Haushaltsjahr: a) Personalaufwendungen € b) Sachaufwendungen etc. € Beginn, Dauer Auswirkungen auf den Klimaschutz Nein Ja, positiv (Erläuterung siehe Begründung) Ja, negativ (Erläuterung siehe Begründung) Begründung: Die Bedeutung kommunaler Ernährungspolitik als zentrales Gestaltungsfeld der Umwelt- und Ernährungsbildung, des Klimaschutzes, der Klimawandelanpassung sowie der Ressourcen- schonung wurde in Köln bereits vor rund 10 Jahren frühzeitig erkannt. Die Stadt Köln hat sich mit der Unterzeichnung des Mailänder Abkommens über städtische Ernährungspolitik („Milan Urban Food Policy Pact“) 2015 dazu verpflichtet, die umweltfreundli- che, gesunde, sozial leistbare und nachhaltige Ernährung ihrer Einwohner*innen zu fördern. Vor diesem Hintergrund wurde in Köln 2016 der erste Ernährungsrat im deutschsprachigen Raum gegründet. Die Stadt Köln ist Mitinitiatorin, Gründungsmitglied und Förderin dieses zivil- gesellschaftlichen Projektes, dessen Ziel in der Stärkung der Strukturen einer regionaleren und nachhaltigeren Nahrungsmittelversorgung besteht. In diesem Kontext befördert der Er- nährungsrat einen aktiven Dialog zwischen Verbraucher*innen, Erzeuger*innen, Vermark- ter*innen, Ratspolitik und Stadtverwaltung. 3 Der Ernährungsrat hat die Ernährungsstrategie für Köln und Umgebung (siehe Anlage 6) ent- wickelt, welche mit Beschluss des Rates vom 18.06.2020 (Beschlussvorlage 2567/2019) zur Leitlinie der kommunalen Ernährungspolitik deklariert wurde. Die Ernährungsstrategie, welche der kommunalen Ernährungspolitik als Leitbild dient, bildet einen Orientierungsrahmen, der das Themenfeld in seiner Breite erfasst und kommunale Gestaltungspotentiale aufzeigt. Im Kern geht es dabei um die Frage, wie die Zugriffsmöglichkeiten der Stadtgesellschaft auf regi- onal und/oder ökologisch erzeugte Nahrungsmittel ausgebaut werden können. Mit der Gründung des Ernährungsrates sowie dessen fortgesetzter und ab dem Haushaltsjahr 2020 auf 165.000 € p.a. erhöhten finanziellen Unterstützung durch die Stadt Köln (Beschluss- vorlage 2567/2019) ist es gelungen, Ernährungspolitik als zentrales kommunalpolitisches Handlungsfeld zu verankern sowie zur Sensibilisierung der Stadtgesellschaft für die umwelt- und klimarelevanten Implikationen des lokalen und regionalen Ernährungssystems beizutra- gen. In den letzten 4 Jahren hat der Ernährungsrat u.a. folgende Aufgaben wahrgenommen: Öffentlichkeitsarbeit Die Website des Ernährungsrates (www.ernaehrungsrat-koeln.de) wird als zentrale Informati- onsplattform - insbesondere zur Organisationsstruktur und Projektarbeit sowie zur Veröffentli- chung von Veranstaltungshinweisen - genutzt. Die Social Media-Konten für Facebook (www.facebook.com/ernaehrungsrat.koeln) sowie Instagram (www.instagram.com/ernaeh- rungsratkoeln) werden fortlaufend gepflegt und stellen gemeinsam mit dem Internetauftritt die Arbeit des Ernährungsrates gegenüber der Öffentlichkeit dar. Auf der Website des Ernäh- rungsrates sind unter dem Auswahlmenü „Medien & Downloads“ Presseberichte und -mittei- lungen, Radiobeiträge sowie Veröffentlichungen (z.B. „Damit Köln besser isst - Ein saisonales Kochbuch mit den leckersten Rezepten und Tipps aus dem StErn-Kita-Projekt“, „Ernährungs- strategie Köln“, „Aktionsplan Essbare Stadt“) abrufbar. Ergänzend dazu werden vierteljährlich Newsletter an interessierte Nutzer*innen versendet. Der Ernährungsrat ist im bundesweiten Netzwerk der Ernährungsräte mit gleichgesinnten zivil- gesellschaftlichen Bündnissen vernetzt und vertritt die Belange der kommunalen Ernährungs- politik auf zahlreichen themenbezogenen Veranstaltungen. Der Ernährungsrat ist dazu verpflichtet, im Rahmen öffentlichkeitswirksamer Maßnahmen auf die Förderung durch die Stadt Köln hinzuweisen. Ausschüsse Der Ernährungsrat führt mehrmals pro Jahr Sitzungen seiner Ausschüsse „Regionalvermark- tung“, „Ernährungsbildung und Gemeinschaftsverpflegung“, „Urbane Landwirtschaft/Essbare Stadt“ sowie „Gastronomie und Lebensmittelhandwerk“ durch. Die Ausschüsse dienen als Plattformen zum fortgesetzten und themenbezogenen fachlichen Austausch unter dem Eindruck aktueller Entwicklungen im Ernährungssektor. Oftmals werden im Vorfeld der jeweiligen Sitzungen Schwerpunktthemen festgelegt, zu denen bisweilen ex- terne wissenschaftliche Expertise in Form von Fachvorträgen unterstützend herangezogen wird. Zudem dienen die Ausschüsse der inhaltlichen Planung von Veranstaltungen, die der Er- nährungsrat entweder in Eigenregie durchführt oder fachlich begleitet. Auch über zurücklie- gende Veranstaltungen (z.B. Aktionstage, Exkursionen, Fachtagungen) wird in den Ausschüs- sen berichtet. Aus der Ausschussarbeit sind regelmäßige Aktionen hervorgegangen - z.B. zur Nahrungsmit- telernte oder zum gemeinschaftlichen Kochen. Mit dem monatlichen Veranstaltungsformat „Offener Kochtopf“ soll ein Nahrungsmittel - zu dem Interessierte ihre Rezepte, Zutaten und Utensilien beisteuern können - an ausgewählten, wechselnden Orten in Köln besonders her- vorgehoben werden. Im Vordergrund des offenen Kochtopfs stehen das gemeinschaftliche 4 Kochen und Essen sowie das Gespräch zu regionaler, nachhaltiger, gesunder und genussori- entierter Ernährung. Veranstaltungen In den vergangenen Jahren hat der Ernährungsrat eine Vielzahl von Veranstaltungen (z.B. ‚Offener Kochtopf‘; Ernteaktionen; Workshops ‚Wildkräuter‘, ‚Bodenaufbau‘ und ‚insekten- freundlicher Garten‘; Treffen mit Landwirt*innen; Fachtagungen und Abschlussveranstaltung StErn-Kita; Sommerfeste Essbare Stadt) in Eigenregie organisiert und durchgeführt. So belief sich die Zahl der eigenen Veranstaltungen des Ernährungsrates im Jahr 2023 auf 23, im Jahr 2022 auf 20 und im Jahr 2021 auf 13. Zudem hat der Ernährungsrat in den vergangenen Jah- ren an zahlreichen (Netzwerk-)Veranstaltungen teilgenommen. Eine detaillierte Auflistung aller Veranstaltungen kann den Sachberichten zu den Verwen- dungsnachweisen der Förderjahre 2020/2021, 2021/2022, 2022/2023 und 2023/2024 entnom- men werden (siehe Anlage). Essbare Stadt „Essbare Stadt“ bedeutet die Erzeugung von Nahrungsmitteln für Mensch und Tier, von und mit Menschen aus der Stadt und im städtischen Umfeld. Das Amt für Landschaftspflege und Grünflächen, der Ernährungsrat sowie Projekte oder Verbände (Kölner Kleingartenverband, Gemeinschaftsgärten Köln etc.) übernehmen vor diesem Hintergrund Koordinierungs- und Vernetzungsaufgaben. In den vergangenen Jahren hat der Ernährungsrat gemeinsam mit der Verwaltung daran gear- beitet, Inhalte des Aktionsplans Essbare Stadt (Beschlussvorlage 3117/2019) zu realisieren. Ziele bestehen in den folgenden Bereichen: essbares öffentliches Grün durch Bepflanzung urbane Gemeinschaftsgärten in allen Stadtvierteln Erweiterung der Kleingärten und Vernetzung der Kleingärtenvereine partizipative Landwirtschaft z.B. auf gepachteten Äckern Gärtnern in Bildungseinrichtungen zur Heranführung von Kindern und Jugendlichen ans Gärtnern sowie an Ernährungsthemen Firmengärtnern (Begegnung von Kolleg*innen über ein verbindendes Thema) privates Gärtnern (Hausgärten, Hinterhofgärten, Balkone, Fensterbretter) Im Rahmen der im Jahr 2025 vorgesehenen Fortschreibung des Aktionsplans Essbare Stadt wird ein Resümee zur bisherigen Zielerreichung in den o.g. Bereichen gezogen. Auf der Grundlage dieses (Zwischen-)Fazits ist es beabsichtigt, neue Ziele zu definieren, die bis zum Jahr 2030 erreicht werden sollen. Im Rahmen der Zielentwicklung für die Fortschreibung des Aktionsplans Essbare Stadt hat der Ernährungsrat eine Öffentlichkeitsbeteiligung durchge- führt, deren Ergebnisse im weiteren Prozess berücksichtigt werden sollen. Drittmittelprojekte Durch weitere Förderungen (Drittmittel) kann der Ernährungsrat aktuell bzw. konnte der Er- nährungsrat in den vergangenen Jahren verschiedene Projekte durchführen. Einen vollständigen Überblick über alle Aktivitäten des Ernährungsrates bieten u.a. die Sachberichte zu den jährlich erstellten Verwendungsnachweisen (siehe Anlage: Sach- berichte zu den Verwendungsnachweisen der Förderjahre 2020/2021, 2021/2022, 2022/2023 und 2023/2024. Da das aktuelle Förderjahr 2024/2025 am 30.09.2025 endet, liegt ein entsprechender Sachbericht zum Verwendungsnachweis hierzu noch nicht vor.). Begründung zur Fortführung des jährlichen Zuschusses 5 Der Ernährungsrat wird seit dem Förderjahr 2020/2021 mit einem jährlichen Zuschuss in Höhe von 165.000 € aus dem Etat des Umwelt- und Verbraucherschutzamtes unterstützt (Be- schlussvorlage 2567/2019). Der jährliche Gesamtzuschuss (165.000 €) untergliedert sich in folgende Förderbestandteile: 1. jährlicher Zuschuss in Höhe von 75.000 €: Diese Mittel der Finanzierung einer haupt- amtlichen Geschäftsführung und stellen Sachmittel für Koordinationsaufgaben und den allgemeinen Bürobetrieb zur Verfügung. 2. jährlicher Zuschuss zur Erweiterung der finanziellen Unterstützung in Höhe von 55.000 €: Diese Mittel dienen der Finanzierung einer zusätzlichen hauptamtlichen Geschäfts- führung. Im Laufe der Projektförderung hat sich herausgestellt, dass die Koordination der ehrenamtlichen Mitarbeit im Ernährungsrat sowie die Geschäftsführungstätigkeit insgesamt mit einem deutlich höheren Aufwand verbunden sind als ursprünglich kalku- liert. 3. jährlicher Zuschuss zur Projektkoordination Essbare Stadt Köln in Höhe von 35.000 €: Diese Mittel dienen der Finanzierung einer entsprechenden Projektleitungsstelle beim Ernährungsrat. Im Rahmen der Geschäftsführungstätigkeit wird die konzeptionelle und praktische Arbeit des Ernährungsrates, seiner Ausschüsse sowie der einzelnen Projektteams organisiert. Dazu zäh- len u.a. die Vor- und Nachbereitungen von Sitzungen, die Öffentlichkeitsarbeit, Projektent- wicklungen sowie Veranstaltungsplanungen. Aufgrund der aufgezeigten vielfältigen Aktivitäten soll der Ernährungsrat ab dem 01.09.2025 für ein weiteres Jahr (bis zum 31.08.2026) finanziell unterstützt werden. Der Zuschuss beläuft sich in diesem Zeitraum auf insgesamt 165.000 € brutto. Über eine Weiterförderung wird u.a. auf Basis des o.g. Resümees und den finanziellen Spielräumen im Haushalt zu entscheiden sein. Finanzierung Für die Fortführung der Maßnahme wurden die erforderlichen Mittel für das Haushaltsjahr 2025 in Höhe von 68.750 € und 2026 in Höhe von 96.250 € im Teilergebnisplan des Umwelt- und Verbraucherschutzamtes, in der Produktgruppe 1401, Umweltordnung, -vorsorge, bei der Teilpanzeile 15, Transferaufwendungen, veranschlagt. Haushaltsjahr 2025 2026 Teilplanzeile 15, Trans- feraufwendungen € 68.750 € 96.250 Auswirkungen auf den Klimaschutz: Da rund ein Drittel der Umweltbelastungen in Europa durch die Produktion und den Konsum von Nahrungsmitteln verursacht werden, stellt Ernährungspolitik ein zentrales Ansatzfeld (für einen kommunalen Beitrag) zum Klimaschutz, zur Klimawandelanpassung sowie zur Ressour- censchonung dar. Vermehrte Zugriffsmöglichkeiten der Kölner*innen auf nachhaltige und regi- onale Nahrungsmittel tragen durch kurze Transportwege der Anpassung an den Klimawandel Rechnung und mindern die Versorgungsabhängigkeit von globalen Lieferketten. Durch Maß- nahmen der Ernährungsbildung dürfte eine (weitere) Sensibilisierung der Kölner*innen für die Vorteile einer klimabewussteren Ernährung erreicht werden. Prüfung auf Einhaltung der Bewirtschaftungsauflagen für den Haushalt 2025/2026: Gemäß der Bewirtschaftungsverfügung der Stadt Köln vom 23.04.2025 hat die Bezirksregie- rung Köln mit Genehmigung der Haushaltssatzung 2025/2026 die Auflage erteilt, zu prüfen, 6 ob freiwillige Leistungen kurz- oder mittelfristig aufgegeben werden können. Eine kurzfristige Aufgabe der in Rede stehenden freiwilligen Leistung hätte zur Folge, dass die finanzielle Grundlage der Arbeitsfähigkeit des Ernährungsrates ab dem 01.09.2025 entfallen würde und somit ein weiterer Geschäftsbetrieb des Ernährungsrates in der bestehenden Form nicht möglich wäre. Die in der Annahme einer fortgesetzten finanziellen Unterstützung laufen- den Planungen des Ernährungsrates für 2026 wären unmittelbar einzustellen. Die in den zu- rückliegenden Jahren aufgebauten Strukturen (Stellenbesetzungen, Drittmittelakquise etc.) würden stark gefährdet. Mittelfristig hätte eine Aufgabe der in Rede stehenden freiwilligen Leistung zur Folge, dass die erfolgreiche und beispielgebende Arbeit des Ernährungsrates im Rahmen von Drittmittel-För- derprojekten - insbesondere zum Aufbau eines bio-regionalen Versorgungsnetzwerkes für die Gemeinschaftsgastronomie - nicht fortgeführt werden könnte. An die bereits gesetzten und die zu erwartenden Impulse des Ernährungsrates würde in Zukunft nicht weiter angeknüpft. Im Ergebnis der Prüfung ist die Maßnahme sachlich und zeitlich notwendig. Anlagen: Anlage 0 Begründung der Dringlichkeit Anlage 1 Öffentlichkeitsbeteiligung Anlage 2 Sachbericht Verwendungsnachweis 01.09.2020-31.08.2021 Anlage 3 Sachbericht Verwendungsnachweis 01.09.2021-31.08.2022 Anlage 4 Sachbericht Verwendungsnachweis 01.09.2022-31.08.2023 Anlage 5 Sachbericht Verwendungsnachweis 01.09.2023-31.08.2024 Anlage 6 Ernährungsstrategie für Köln und Umgebung (Die Anlagen 2 – 6 können im Ratsinformationssystem der Stadt Köln eingesehen werden.)
Beratungsverlauf (3)
Beschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungBeschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungOrte (14)
- Piccoloministraße
- Brückenstraße 5
- Gottesweg
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- Neven-DuMont-Straße 14
- Brüsseler Straße
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- Philippstraße
- Auf dem Acker
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- Markt
- Am Rande
- Am Hof
- Am Markt
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Details
- Aktenzeichen
- 0960/2025
- Typ
- Beschlussvorlage Rat bzw. Hauptausschuss
- Datum
- 11.06.2025
- Erstellt
- 28.03.2025 11:14