2026/0235
Verleihung der Johann-Heinrich-Merck-Ehrung an Herrn Claus K. Netuschil
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2026/0235
12012 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
26.08.2026
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat I an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Amt: Amt für
Gremiendienste,
Protokoll und
Internationales
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2026/0235
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.: 111070
Kostenstelle: 772-001-1001 Investitionsnummer:
Kostenträger: 1110-71 Sachkonto: 7290100
Betreff: Verleihung der Johann -Heinrich-Merck-Ehrung an Herrn Claus K. Netuschil
Vorlage vom: 17.08.2026
Beschlussvorschlag :
Herrn Claus K. Netuschil wird in Anerkennung seiner herausragenden künstlerischen Leistungen,
die in besonderem Maße dem Wohl der Stadt dienen und zu deren Ansehen beitragen, die
Johann-Heinrich-Merck-Ehrung verliehen.
Anlagen:
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
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Zusätzlich für alle Vorlagen aus dem Bereich des Hochbaus anzugeben:
Klimarelevanz des Vorhabens:
Auswirkungen auf Stadtklima: ja nein
Auswirkungen auf THG -Emissionen: gering1) mittel/groß 2)
Beteiligung Amt f. Klimaschutz & Klimaanpassung: ja nein
Zusätzlich bei Beschlüssen zur Baufreigabe:
Wurden Optimierungspotentiale ausgeschöpft? ja nein
Falls nein, Kompensationsmaßnahmen festgelegt? ja nein
1) bis 10 Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente (CO2e) pro Jahr, 2) über 10 Tonnen CO2e pro Jahr.
Beschluss des Magistrats vom
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Begründung zur Magistratsvorlage
Herr Claus K. Netuschil wurde am 30.03.1951 in Heppenheim geboren und lebt heute im
Darmstädter Johannesviertel. Nach dem Realschulabschluss absolvierte er zunächst eine
Ausbildung zum Textilkaufmann bei Roman Sobeck. Über das Abitur am Abendgymnasium
führte ihn sein Weg an die Freie Universität Berlin, wo er Kunstgeschichte, Bibliothekswesen
und Germanistik studierte.
Bereits im Alter von 25 Jahren gründete Claus K. Netuschil im Oktober 1976 seine Galerie
zunächst als Saalbau-Galerie in der Saalbaustraße. Gemeinsam mit seiner i m Jahr 2023
verstorbenen Ehefrau Edith Kriz entwickelte er die Galerie zu einer der bedeutendsten und
nachhaltigsten Einrichtungen der Darmstädter Kunstszene.
1983 erfolgte der Umzug in die Adelungstraße, im Jahr 1991 die Umbenennung in Galerie
Netuschil. Im Jahr 2007 fand die Galerie schließlich im Baumhaus in der
Schleiermacherstraße, unmittelbar neben dem Hessischen Landesmuseum, ihren heutigen
Standort.
In den vergangenen Jahrzehnten hat Claus K. Netuschil weit mehr als 600 Ausstellungen
realisiert und kuratiert. Die Galerie widmet sich insbesondere der Kunst des
20. Jahrhunderts und hat dabei immer wieder auch die Darmstädter Kunstgeschichte in den
Mittelpunkt gerückt. Einen besonderen Stellenwert besitzen Ausstellungen zur einheimischen
Kunstszene, sowohl zu deren historischer Entwicklung als auch zu aktuellen Positionen. Die
Galerie Netuschil ist zu einem festen Bestandteil des kulturellen Gedächtnisses und des
Kunstlebens der Stadt Darmstadt geworden.
Von besonderer Bedeutung ist die in den Räumen der Galerie untergebrachte
Dokumentationsstelle zum Darmstädter Expressionismus . Hierin zeigt sich das besondere
Anliegen von Claus K. Netuschil, Kunst nicht nur auszustellen, sondern sie zu
dokumentieren, historisch einzuordnen und zugänglich zu machen.
Claus K. Netuschil versteht es, Kunstgeschichte zu vermitteln. Seine Ausführungen sind von
einer Begeisterung getragen, die darauf zielt, auch andere Menschen für Kunst zu gewinnen.
Diese Fähigkeit zur Vermittlung macht ihn zu einer besonders prägenden Pe rsönlichkeit des
Darmstädter Kulturlebens.
Dabei gilt seine Leidenschaft nicht allein der bildenden Kunst. In den Räumen seiner Galerie
finden regelmäßig auch Lesungen und Konzerte statt. Literatur und Musik sind für ihn
selbstverständliche Bestandteile e ines umfassenden Kulturverständnisses. Die Galerie ist
dadurch zu einem Ort des Austauschs und der Begegnung geworden, an dem
unterschiedliche Kunstformen zusammengeführt werden.
Ein wesentlicher Bestandteil von Claus K. Netuschils Lebenswerk ist darüber hinaus seine
publizistische Tätigkeit. Bis zum Jahr 2012 erschienen in seinem Eigenverlag rund 80 Titel.
Dabei handelt es sich vor allem um Kunstbücher und Ausstellungskataloge, aber auch um
Lyrikbände.
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Diese Publikationen sichern Erkenntnisse, dokument ieren Ausstellungen und
Künstlerpersönlichkeiten und machen die Darmstädter Kunstgeschichte über den einzelnen
Ausstellungszeitraum hinaus dauerhaft zugänglich.
Darüber hinaus hat er zahlreiche Aufsätze und Artikel für unterschiedliche Medien verfasst.
Seine Veröffentlichungen reichen damit weit über die unmittelbare Galerietätigkeit hinaus
und machen ihn zu einem profunden Kenner der Darmstädter Kultur - und Kunstgeschichte.
Besonders nachhaltig ist Claus K. Netuschils Engagement für das Archiv Darmstädt er Künstler,
welches er 1984 gründete und dessen Vorsitz er über vier Jahrzehnte bis 2024 innehatte.
Das Archiv hatte von Beginn an das Ziel, die Darmstädter Kunstszene der Vergangenheit und
Gegenwart zu dokumentieren und durch eigene Ausstellungen und Pub likationen zu beleben.
Aus dem ursprünglichen Archiv Darmstädter Künstler ist das Kunst Archiv Darmstadt
hervorgegangen – eine zentrale Dokumentationsstelle für die bildende Kunst Darmstadts und
der Region.
Das Kunst Archiv verfügt über eine Präsenzbiblio thek und eine umfangreiche Kunstsammlung
im Literaturhaus. Gemeinsam mit zahlreichen ehrenamtlich Engagierten wurde unter
Claus K. Netuschils maßgeblicher Mitwirkung ein beeindruckendes kulturelles Angebot
aufgebaut. Zuletzt zählte das Archiv rund 500 Mitg lieder und etwa 20.000 Sammlungsstücke
aus dem 19., 20. und 21. Jahrhundert.
Diese Zahlen verdeutlichen die Dimension des Wirkens von Claus K. Netuschil. Das Kunst
Archiv ist heute ein unverzichtbarer Bestandteil der Darmstädter Kulturlandschaft und kann
als kulturelles Gedächtnis der Stadt bezeichnet werden. Dass eine solche Einrichtung über
Jahrzehnte aufgebaut, erhalten und kontinuierlich weiterentwickelt werden konnte, ist
untrennbar mit Claus K. Netuschils Engagement verbunden.
Das Programm des Kunst Archivs reicht weit über die reine Bewahrung von Kunstwerken und
Dokumenten hinaus. Kunstreisen, Atelier - und Werkstattbesuche, Ausstellungsbesuche,
Lesungen und Vorträge schaffen vielfältige Möglichkeiten der kulturellen Begegnung und
Teilhabe.
Eine weitere Facette seines Wirkens ist seine Tätigkeit als Chronist der Künstlervereinigung
Darmstädter Sezession. Damit trägt Claus K. Netuschil dazu bei, eine der bedeutenden
Künstlervereinigungen der Stadt in ihrem historischen und aktuellen Wirken zu
dokumentieren und im öffentlichen Bewusstsein präsent zu halten.
Claus K. Netuschils gesellschaftliches Engagement ist nicht nur auf den Kulturbereich
beschränkt. Im Jahr 2006 gehörte er zu den Initiatoren der Demenz -Wohngemeinschaft Villa
Mathildenhöhe und unte rstützt dieses Projekt bis heute.
Das Elisabethenstift stellte dafür ein ehemaliges Schwesternwohnheim mit Hinterhaus und
Garten zur Verfügung. Dort entstand eine Wohngemeinschaft mit zwölf Einzelzimmern, die
einem besonderen Konzept folgt: Im Mittelpunk t stehen die individuelle Betreuung, die
Sicherung der Alltagskompetenz und ein möglichst selbstbestimmtes Leben von Menschen
mit Demenz.
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Gesellschaftliche Verantwortung versteht Claus K. Netuschil nicht als abstrakten Begriff,
sondern als konkrete Aufgabe. Auch hier war und ist er bereit, gemeinsam mit anderen neue
Wege zu beschreiten und langfristig Verantwortung zu übernehmen.
Claus K. Netuschil hat das Kulturleben Darmstadts über Jahrzehnte maß geblich bereichert
und mitgestaltet. Er ist nicht lediglich Beobachter oder Begleiter der Darmstädter
Kunstszene, sondern einer ihrer Motoren und prägenden Akteure. Seine außerordentliche
Kenntnis der lokalen Kulturgeschichte, sein umfangreiches Archivwiss en und seine
jahrzehntelange Erfahrung machen ihn zu einem der profundesten Experten für die
Darmstädter Kunst - und Kulturgeschichte. Gleichzeitig besitzt er die seltene Fähigkeit, dieses
Wissen mit Leidenschaft zu vermitteln.
Er ist ein bekennender Lokal patriot und zugleich ein überzeugter Botschafter der Stadt.
Durch Ausstellungen, Publikationen, Vorträge, Veranstaltungen, seine Galerie und das Kunst
Archiv hat er dazu beigetragen, Darmstadt als Kunst - und Kulturstadt sichtbar zu machen
und ihr kulturelles Profil zu schärfen.
Claus Netuschil ist von Beruf Galerist, aber seine Tätigkeit erschöpft sich nicht nur im
Kunsthandel. Im Mittelpunkt stehen die Künst lerinnen und Künstler, ihre Werke, ihre
Geschichte und die Vermittlung ihrer Bedeutung an die Öffentlichkeit.
Sein Lebenswerk ist deshalb in besonderer Weise mit Darmstadt verbunden. Die Galerie
Netuschil, das Kunst Archiv Darmstadt , die Dokumentationsst elle zum Darmstädter
Expressionismus und seine Publikationen sind sichtbare Zeugnisse eines Wirkens, das die
Stadt kulturell geprägt und ihr Ansehen als Kunst - und Kulturstadt nachhaltig gefördert hat.
Im Jahr 2010 erhielt Claus K. Netuschil die Bronzene Verdienstplakette der
Wissenschaftsstadt Darmstadt, 2018 wurde er als Bekennender Heiner ausgezeichnet. Die
Verleihung der Johann -Heinrich-Merck-Ehrung wäre nun eine Würdigung seines gesamten
Lebenswerks.
Claus K. Netuschil steht beispielhaft für eine Per sönlichkeit, die über Jahrzehnte hinweg mit
außergewöhnlicher Energie, Sachkenntnis und persönlicher Leidenschaft zum kulturellen
Wohl ihrer Stadt beigetragen hat.
Er hat Darmstadts Kunstleben nicht nur begleitet, sondern aktiv gestaltet. Er hat
Künstlerinnen und Künstler gefördert, Ausstellungen ermöglicht, Kunstgeschichte
dokumentiert, Publikationen geschaffen, kulturelle Begegnungen initiiert und mit dem Kunst
Archiv Darmstadt eine Institution aufgebaut, die heute einen unschätzbaren Beitrag zur
Bewahrung des kulturellen Gedächtnisses der Stadt leistet.
Dabei verbindet sich bei Claus K. Netuschil fachliche Kompetenz mit persönlicher
Begeisterung und gesellschaftlicher Verantwortung. Sein Engagement ist kontinuierlich,
umfassend und nachhaltig. Es hat n icht nur das kulturelle Leben Darmstadts bereichert,
sondern auch dazu beigetragen, die besondere kulturelle Identität der Stadt nach innen zu
stärken und nach außen sichtbar zu machen.
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Nach § 8 der Satzung über die Ehrung verdienter Persönlichkeiten u nd von
Jubilaren/Jubilarinnen durch die Wissenschaftsstadt Darmstadt (Ehrungsordnung), zuletzt
geändert durch Satzung vom 11.12.2024 und in Kraft getreten am 15.12.2024, kann die
Johann-Heinrich-Merck-Ehrung Persönlichkeiten verliehen werden, die in ihrem Beruf
einmalige oder wiederkehrende hervorragende wissenschaftliche, künstlerische oder
wirtschaftliche Leistungen zur Förderung des Wohls der Stadt und der Mehrung ihres
Ansehens erbracht haben.
Herr Claus K. Netuschil erfüllt diese Voraussetzungen in he rausragender Weise. Seit fünf
Jahrzehnten prägt er das kulturelle Leben Darmstadts mit außergewöhnlichem persönlichem
Engagement, großer Sachkenntnis und Begeisterung. Als Galerist, Ausstellungskurator,
Autor, Herausgeber, Chronist und Kulturvermittler hat er sich um die Kunst - und
Kulturgeschichte der Stadt in einer Weise verdient gemacht, die weit über sein eigentliches
berufliches Tätigkeitsfeld hinausreicht. Er hat sich in herausragender Weise um die Kunst,
die Kultur und das kulturelle Gedächtnis der W issenschaftsstadt Darmstadt verdient
gemacht.
Darmstadt, 17.08.2026
772.1
Dezernat I
Hanno Benz
Oberbürgermeister
Beratungsverlauf (1)
Orte (3)
- Saalbaustraße
- Adelungstraße
- Schleiermacherstraße
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Details
- Vorlagen-Nr.
- 2026/0235
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 17.08.2026
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00