2019/0008
1. Bildungsbericht 2018
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Punkt 3: 1. Bildungsbericht 2018 (V-Nr. 2019/0008) Der Ausschuss nimmt von der Vorlage Kenntnis.
2019/0008
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Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
16.01.2019
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat II an die Stadtverordnet enversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Dezernat I
Dezernat V
Amt: Schulamt
OBW bei abschl. B e-
schlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2019/0008
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.: 211010
Kostenstelle: 040-016-1000 Investitionsnummer:
Kostenträger: 2110-11 Sachkonto:
Betreff: 1. Bildungsbericht 2018
Vorlage vom: 20.12.2018
Beschlussvorschlag :
Der Bericht wird zur Kenntnis genommen.
Anlagen: 1. Bildungsbericht 2018
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
- 2 -
Beschluss des Magistrats vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 20.12.2018
Der 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 – Bildung im Lebensverlauf:
Frühes Kindesalter bis zum Einstieg in den Beruf liefert einen ersten datenbasierten Überblick
über die Bildungslandschaft der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Er bringt dabei Daten aus
Schul- und Sozialdezernat, dem Staatlichen Schulamt für den Landkreis Darmstadt-Dieburg
und die Stadt Darmstadt, dem Gesundheitsamt für die Stadt Darmstadt und den Landkreis
Darmstadt-Dieburg sowie von einzelnen Bildungsakteurinnen und Bildungsakteuren erstmals
gemeinschaftlich unter dem Fokus Bildung zusammen.
An der Erstellung des Bildungsberichts waren verschiedene Ämter beteiligt. Neben der Redak-
tion und Textbeiträgen aus dem Schulamt wurden Beiträge aus dem Jugendamt, dem Umwel t-
amt, dem Amt für Interkulturelles und Internationales, dem Amt für Interne Dienste (IT-
Abteilung), dem Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung (Abteilung Statistik und Stadt-
forschung) und dem Sportamt im 1. Bildungsbericht aufgenommen sowie Daten aus dem Amt
für Soziales und Prävention verwertet. An der Konzeption waren im Rahmen der AG Bildung
darüber hinaus das Frauenbüro sowie die Volkshochschule beteiligt.
Dem Bericht liegt ein umfassendes Bildungsverständnis zugrunde, das zum einen Lernen in
allen Lebensphasen (also lebenslanges Lernen) umfasst und zum anderen sowohl formale,
abschlussorientierte Lernformen als auch non-formale und informelle Lernbereiche einschließt.
Dennoch liegt der Fokus im ersten Bildungsbericht auf dem Kinder- und Jugendalter von der
frühen Kindheit bis zum Einstieg in den Beruf. Die Erwachsenenbildung kommt in diesem B e-
richt nur punktuell in Form von Elternbildungs-/Familienbildungsangeboten vor. Dieser Ein-
schränkung liegen unterschiedliche Überlegungen zu Grunde. Zunächst einmal ist es ein Ziel
des Berichts, die unterschiedlichen Lebensbereiche möglichst breit, aber auch detailliert da r-
zustellen. Wollte man diesem Anspruch für das lebenslange Lernen gerecht werden, wäre das
vorliegende Werk noch umfangreicher, dadurch aber weniger lesefreundlich. Zum anderen ist
die Datenlage im Bereich der Erwachsenenbildung aufgrund der unvergleichlich größeren Zahl
an Bildungsanbietern schwer zugänglich. Eine wichtige zukünftige Aufgabe von Bildungs-
management und Bildungsmonitoring wird es also sein, Strategien für den Aufbau einer u m-
fassenden Datenlage für den Bereich Erwachsenenbildung zu entwickeln.
Der Bericht ist wie folgt gegliedert:
I Rahmenbedingungen
II Bildung im Lebensverlauf
o A – Frühes Kindesalter bis zum Eintritt in die Schule
o B – Mittleres Kindesalter bis zum Einstieg in die Sekundarstufe
o C – Jugendalter bis zum Einstieg in den Beruf
o D – Im Überblick: Bildung im Sozialraum
III Ausblick auf Handlungsbedarfe
Im Sinne der Chancengerechtigkeit werden so oft wie möglich die Daten hinsichtlich Ge -
schlecht und Migrationshintergrund überprüft und ausgewertet. Die Themen Integration und
Sprachbildung sowie Inklusion sind bewusst nicht in gesonderten Kapiteln dargestellt, sondern
werden als Querschnittsthemen entlang der Bildungsbiografie stets mitgedacht und mitbea r-
beitet.
Mit der Teilnahme am Programm „Bildung integriert“ hat sich die Wissenschaftsstadt Dar m-
stadt im Jahr 2016 auf den Weg gemacht, ein datenbasiertes kommunales Bildungs-
management aufzubauen und zu etablieren. Ziel ist es, die Bildungslandschaft vor Ort auf
Grundlage einer soliden Datenbasis unter Mitwirkung unterschiedlicher Akteur innen und Akteu-
re zu gestalten. Damit ist der 1. Bildungsbericht zum einen Beginn für ein übergreifendes Be-
richtswesen im Bereich kommunaler Bildung, zum anderen ist er Startpunkt für einen vertie f-
ten kommunalen Bildungsdiskurs, der sich an die Veröffentlichung anschließt. So gilt es einer
. . .
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seits, die im Bildungsbericht aufbereiteten Daten regelmäßig fortzuschreiben, um die Entwic k-
lung in den unterschiedlichen Bereichen nachzeichnen zu können. Anderseits gilt es, ausg e-
wählte Daten sozialräumlich auszuwerten, um unterschiedliche Bedarfe in unterschiedlichen
Teilen der Stadt aufzeigen und entsprechend reagieren zu können. Den ungleichen Ausgang s-
lagen muss durch ungleiche Maßnahmen Rechnung getragen werden, um allen Bürgerinnen
und Bürgern Chancen auf Bildung und Teilhabe zu gewährleisten.
Darmstadt, 20.12.2018
Dezernat I Dezernat II Dezernat V
Jochen Partsch Rafael Reißer Barbara Akdeniz
Oberbürgermeister Bürgermeister Stadträtin
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Punkt 10: 1. Bildungsbericht 2018 (V-Nr. 2019/0008) Die Stadtverordnetenversammlung nimmt die Vorlage zur Kenntnis.
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1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 Bildung im Lebensverlauf: Frühes Kindesalter bis zum Einstieg in den Beruf 3 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 Bildung im Lebensverlauf: Frühes Kindesalter bis zum Einstieg in den Beruf Autorinnen: Dr. Ulla Kainz Dr. Monika Krutsch Franziska Retzlaff Rena Tilsner Unterstützt durch: Günther Bachmann Bettina Kroh Katja Abzieher Eva-Maria Born Kerstin Briese Johanna Burkhardt Daniel Fischer Yvonne Gaye Beatriz Gonzalez Sylke Israel Ralf-Rainer-Klatt Marc Krämer Dr. Ulrike Landzettel Christiane Lesch Christiane Lobin Karin Lübbe Beatrice Lüttcher Susanne Müller Gülsün Özcan Eva Pelikan Sigrid Schädler Jona Schmid Sabine Schulz Beate Schwickhardt Regina Stadtmüller Karin Stange Isabel Stork Julia Wahnel Jutta Walter Nicole Wiegand sowie die Mitglieder der AG Bildung Herausgeberin: Wissenschaftsstadt Darmstadt Schulamt Frankfurter Straße 71 65283 Darmstadt Telefon: (06151) 13-3038 Telefax: (06151) 13-2918 E-Mail: schulamt@darmstadt.de Internet: www.darmstadt.de Unter www.darmstadt.de/leben-in-darmstadt/bildung/bildungsbericht stehen Zusatzinformationen (Tabellen, Grafiken, Informationstexte) zum 1. Bildungs - bericht bereit. Alle Grafiken im vorliegenden Bericht sind eigene Darstellungen der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Gestaltung/Layout: Hans O. Berninger Druck: Lasertype GmbH Das Vorhaben „Strukturelle institutionalisierte Implementierung eines professionellen Bildungsmanagements mit der Grundlage eines datenbasierten Bildungsmonitorings (BildungsNetzWerk Darmstadt – BMW_DA)“ wird im Rahmen des Programms „Bildung integriert“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union gefördert. Impressum 4 Inhaltsverzeichnis Impressum 3 Grußwort von Oberbürgermeister Jochen Partsch 7 Vorwort von Bürgermeister Rafael Reißer und Stadträtin Barbara Akdeniz 9 Zentrale Aussagen im Überblick 10 Einleitung 13 Bildungsverständnis 14 I Rahmenbedingungen 15 Bevölkerung, demografische Entwicklung, soziale Lage und die Bildungssituation in der Wissenschaftsstadt Darmstadt 15 Sozialberichterstattung und Kinderarmut 20 II Bildung im Lebensverlauf 25 A Frühes Kindesalter bis zum Eintritt in die Schule 25 1. Frühe Hilfen 25 1.1 Netzwerk Frühe Hilfen 25 1.2 Darmstädter Modell „Kinder schützen – Familien fördern“ 26 2. Tageseinrichtungen für Kinder 27 2.1 Übersicht Angebote 27 2.2 Versorgungsquote 28 2.3 Betreuungsumfang 29 2.4 Verweildauer in der Kindertagesbetreuung 30 2.5 Übergang Familie – U3 32 3. Elternbildung / Familienbildung 33 3.1 Familienbildung im Familienzentrum der Wissenschaftsstadt Darmstadt 33 3.2 Weitere Angebote im Bereich Familienbildung 34 4. Übergang Kita – Grundschule 35 4.1 Sprachfeststellung 35 4.2 Sprachförderung für Vorschulkinder: Vorlaufkurse 37 4.3 Übergangskonzepte Kita – Grundschule 38 4.4 Beratungs- und Förderzentren 39 B Mittleres Kindesalter bis zum Eintritt in die Sekundarstufe 41 5. Bildung in der Primarstufe 41 5.1 Schüler*innen und Pendler*innen in der Primarstufe 41 5.2 Vorklasse, flexibler Schulanfang und Eingangsstufe 43 5.3 Schuleintritt 44 5.4 Inklusive Beschulung 45 6. Ganztagsbetreuung an Schule und Hort 48 7. Unterstützungs-, Begleitungs- und Hilfeangebote außerhalb der Familie 51 7.1 Erziehungsberatung 51 5 7.2 Zentrum für schulische Erziehungshilfe 52 7.3 Qualifizierte Hausaufgabenhilfe 52 7.4 Bildung und Teilhabe 53 8. Schulsozialarbeit 55 9. Übergang Grundschule – weiterführende Schule 57 9.1 Übergangsformate – Schullaufbahnberatung 57 9.2 Übergang Grundschule – weiterführende Schule 58 9.3 Erfahrungsbericht Diesterweg-Stipendium 60 C Jugendalter bis zum Einstieg in den Beruf 61 10. Bildung an weiterführenden Schulen 61 10.1 Weiterführende Schulen in Darmstadt 61 10.2 Schüler*innen und Pendler*innen in den Sekundarstufen I + II 61 10.3 Inklusive Beschulung 65 10.4 Schulformwechsel 66 10.5 Klassenwiederholungen 67 10.6 Abschlüsse und Abbrüche an allgemeinbildenden Schulen 68 11. Übergang in den Beruf 71 11.1 OloV/Jugendberufshilfe 71 11.2 Jugendberufsagentur und Formate allgemeiner Berufsberatung 72 11.3 Übergangsmaßnahmen (Ausbildungs- und Qualifizierungsbudget) 73 11.4 JUSTiQ 75 12. Außerschulische Bildungs- und Förderangebote 76 12.1 Kinder- und Jugendarbeit 76 12.2 Jugendbildungswerk / jugendforum* 77 12.3 Kinder- und Jugendzentren 79 13. Bildung an beruflichen Schulen 80 13.1 Schüler*innen an beruflichen Schulen 81 13.2 Pendler*innen an beruflichen Schulen 82 13.3 Allgemeiner Schulabschluss vor Eintritt in berufliche Schulen 84 13.4 Abschlüsse und Abbrüche an beruflichen Schulen 85 D Im Überblick: Bildung im Sozialraum 89 III Ausblick auf Handlungsbedarfe 93 Glossar 95 Literaturverzeichnis 98 Abbildungsverzeichnis 100 Tabellenverzeichnis 102 Abkürzungsverzeichnis 103 6 7 Sehr geehrte Leserinnen und Leser, Bildung ist der Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe. Nur wenn wir allen Menschen – unabhängig von ihrer Herkunft – die gleichen Chancen auf Bildung einräumen, gewähren wir allen den gleichen Zugang auf Mitwirkung am gesellschaftlichen Leben. Mit der Teilnahme am Programm „Bildung integriert“ hat sich die Wissenschaftsstadt Darmstadt im Jahr 2016 auf den Weg gemacht, ein datenbasiertes kommunales Bildungsmanagement aufzubauen und zu etablieren. Ziel ist es, die Bildungslandschaft vor Ort auf Grundla - ge einer soliden Datenbasis und unter Mitwirkung der unterschiedlichen Akteure zu gestalten. Hierbei stehen stets Bürgerinnen und Bürger mit ihren individuellen Bildungsbiografien im Vordergrund. Unter Bildung verstehen wir dabei mehr als den Besuch der Schule. Wir betrachten Bildung als lebenslangen Pro- zess – von der frühkindlichen Bildung bis hin zur Bildung in der Nacherwerbsphase. Damit einher geht auch das Verständnis, dass Bildung nicht nur formale, auf einen Abschluss zielende Lernprozesse, wie sie beispielweise in Schule und Universität stattfinden, umfasst, sondern auch non-formale Prozesse, wie sie etwa beim Besuch eines Museums, im Verein oder bei anderen (Freizeit-) Aktivitäten ablaufen. Der vorliegende erste Bildungsbericht der Wissen - schaftsstadt Darmstadt gibt dabei einen ersten Über - blick über die Bildungslandschaft vor Ort. Er legt den Fokus auf Bildungsprozesse im Kinder- und Jugendalter, von der frühen Bildung bis hin zum Eintritt in den Beruf. Im Sinne der Chancengleichheit werden so oft wie mög - lich die Daten hinsichtlich Geschlecht und Migrations - hintergrund überprüft und ausgewertet. Ich hoffe, dass der vorliegende Bildungsbericht zur Aus - einandersetzung mit dem Thema Bildung und seinen verschiedenen Facetten anregt und eine gute Grundlage für die Diskussion mit Fachexpertinnen und -experten und Öffentlichkeit bietet. Jochen Partsch Oberbürgermeister Grußwort von Oberbürgermeister Jochen Partsch 8 9 Mit dem vorliegenden ersten Bil - dungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt werden Daten aus Schul- und Sozialdezernat, dem Staatlichen Schulamt, von einzelnen Bildungs - akteurinnen und -akteuren erstmals gemeinschaftlich unter dem Fokus Bildung aufbereitet und ausgewer - tet. Zum einen unterstreicht dies die enorme Bedeutung des Themas Bildung für die Wissenschaftsstadt Darmstadt. Zum anderen verdeutlicht es, dass jede und jeder Einzelne und seine Bildungsbiografie im Zen trum stehen und nicht die Perspektive einzelner Institutionen. Der 4. Natio - nale Bildungsbericht aus dem Jahr 2018 hat erneut offengelegt, dass Handlungsbedarf hinsichtlich der Bildungsgerechtigkeit in Deutsch - land besteht. Der Bildungserfolg hängt nach wie vor zu stark von der sozialen Herkunft ab. Um Chancen- und Bildungsgerechtigkeit zu ermöglichen, ist es notwen - dig, die Stellschrauben zu finden, an denen wir drehen können. Denn bei ungleichen Voraussetzungen müssen die Lösungsansätze auch ungleich sein, um strukturel - le Defizite auszugleichen. Denn gemeinsam mit dem Landkreis Darmstadt-Dieburg sind wir uns innerhalb der Bildungsregion einig darin, dass eine fundierte Bildung, Ausbildung und Weiterbildung im Sinne des lebenslan - gen Lernens der Menschen der wichtigste Faktor für die individuelle Entwicklung, aber auch für gesellschaftliche Teilhabe ist. Mit dem übergreifenden Bildungsverständnis, das die - sem Bericht zu Grunde liegt, rücken neben den einzel - nen Bildungseinrichtungen insbesondere die Schnittstel - len und Übergänge zwischen verschiedenen Lernorten in den Fokus. Bildung findet in der Wissenschaftsstadt Darmstadt an vielen Orten und in vielerlei Verantwortung statt – sei es im Rahmen von städtischen Angeboten, Angeboten freier Träger oder in Form von gemeinschaft - lichem Lernen in einer Peer-Group. An all diesen Stellen ist die Kooperation der beteiligten Einrichtungen gefragt, um bestmögliche und bedarfsgerechte Bildungswege zu ermöglichen. Eine Besonderheit des Darmstädter Bildungsberichts liegt darin, dass er neben der Darstellung quantitativer Daten auch beschreibende Kapitel enthält, um ein mög - lichst vollständiges Bild der Bildungslandschaft zeich - nen zu können. Die Themen Integration und Sprachbil - dung sowie Inklusion sind bewusst nicht in gesonderten Kapiteln dargestellt, sondern werden als Querschnitts - themen entlang der Bildungsbiografie stets mitgedacht und mitbearbeitet. Ziel des ersten Bildungsberichtes ist es, den Blick für das Thema Bildung zu schärfen und Handlungsfelder zu identifizieren, um allen Bürgerinnen und Bürgern ge - rechte Bildungschancen von Anfang an zu ermöglichen. Dieser Bildungsbericht soll die Grundlage dafür legen, miteinander ins Gespräch zu kommen, um die Wissen - schaftsstadt Darmstadt nach vorne zu bringen. Rafael Reißer Barbara Akdeniz Bürgermeister Stadträtin Schuldezernent Sozialdezernentin Vorwort von Bürgermeister Rafael Reißer und Stadträtin Barbara Akdeniz 10 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 Zentrale Aussagen im Überblick S T R Rahmenbedingungen Bevölkerungswachstum Für die Wissenschaftsstadt Darm - stadt mit aktuell über 160.000 Einwohner*innen wird bis zum Jahr 2030 mit einem starken Bevölke - rungswachstum von mindestens 11,1 % gerechnet (entspricht einer Einwohnerzahl von rund 180.000). Darmstadt ist nach Frankfurt am Main die Stadt mit dem stärksten Bevölkerungswachstum in Hes - sen. Dies erklärt sich vor allem mit dem Zuzug junger Erwachsener und einer daran anknüpfenden Steigerung der Geburtenzahl. Das Durchschnittsalter in Darmstadt liegt derzeit bei etwa 41 Jahren, somit deutlich niedriger als im hessischen Durchschnitt. Arbeitsmarkt Darmstadts Arbeitsmarkt ist derzeit durch eine quasi Vollbeschäfti - gung charakterisiert. Aufgrund der vielfältigen modernen Branchen im Dienstleistungsbereich mit ihren at - traktiven Jobs für Höherqualifizierte zieht es viele junge Menschen in die Stadt. Neben der Vielzahl der Berufsbilder in den modernen Branchen bietet der industrielle Kern auch weiterhin interessante Jobs für Jugendliche mit Bildungs - abschluss. Dennoch ist der Einstieg in eine berufliche Tätigkeit gerade für Jugendliche aus sozial-benach - teiligten Familien oft schwierig. Migrationshintergrund Im Vergleich zum Anteil der Menschen mit Migrationshinter- grund insgesamt in Darmstadt (38 %) ist der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die einen Migrations - hintergrund aufweisen, deutlich erhöht (56 %). Bei sozialräum- licher Betrachtung lässt sich eine sehr unter schiedliche Verteilung der Menschen mit Migrations - hintergrund auf das Stadtgebiet feststellen. Bildungsrelevante soziale Belastung Kinder und Jugendliche unter 15 Jahre im SGB II-Bezug (4.796, Stand: 31. 12. 2016) sind sehr unterschiedlich auf die einzel - nen statistischen Bezirke verteilt. Knapp die Hälfte dieser Kinder und Jugendlichen lebt in 6 der 37 statistischen Bezirke in Darmstadt. Oft ist der soziale Status der Eltern ausschlaggebend für die Bildungs - biographien ihrer Kinder. Teilhabe Inklusion Inklusive Schulbündnisse unter- stützen die Wahlfreiheit zwischen inklusiver Beschulung an Regel- schulen oder dem Besuch einer Förderschule. Etwa ein Drittel der Grundschüler*innen mit Förderbe - darf wurde im Schuljahr 2016/17 inklusiv beschult, bei den Schü - ler*innen an weiterführenden Schulen war es hingegen ungefähr ein Fünftel. Der Förderschwerpunkt „Emotionale und soziale Entwick - lung“ wird am häufigsten inklusiv beschult. Bildung und Teilhabe Zwischen 2012 und 2017 ist eine deutliche Zunahme der Inanspruch - nahme des Bildungs- und Teilhabe- pakets zu verzeichnen. Dabei stieg insbesondere auch die Quote der aktiv zu beantragenden Leistungen im Rechtskreis SGB II von 49,1 % auf 75,5 %. Innerhalb dieses Be - reichs liegen deutliche Unterschie - de vor, insbesondere im Bereich Lernförderung ist keine Steigerung der aktiven Inanspruchnahme zu beobachten. Schuleingangsuntersuchung Sprache Mehr Mädchen als Jungen mit Migrationshintergrund sprechen fehlerfrei oder flüssig mit leichten Fehlern deutsch. Es kann ein posi - tiver Zusammenhang zwischen den Deutschkenntnissen von Kindern mit Migrationshintergrund und der Verweildauer in der Kindertages - einrichtung sowie den Deutsch - kenntnissen der Mütter festgestellt werden. Sonderpädagogischer Förderbedarf Jungen sind häufiger als Mädchen von einer Empfehlung zur Über- prüfung des sonderpädagogischen Förderbedarfs oder einer Zurück - stellung betroffen. Kinder mit nicht-deutscher Familiensprache werden überproportional häufig zurückgestellt. 11 Ü B N Übergänge Fa m i l i e – K i t a Übergänge werden von Kindern und Eltern unterschiedlich gemeis - tert. Um den unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht zu werden, erfolgt eine individualisierte Ein - gewöhnung anhand des „Berliner Modells“. K i t a – G r u n d s c h u l e Vorlaufkurse sollen Kindern, die bei der Anmeldung zur Einschulung nicht über ausreichende Deutsch - kenntnisse verfügen, durch gezielte Sprachförderung den Übergang in die Grundschule erleichtern. Im Schuljahr 2017/18 nahmen 324 Kinder an einem der 40 Vorlaufkur- se in Darmstadt teil, 347 Kindern wurde eine Teilnahme empfohlen. Grundschule – weiterführende Schulen Fast zwei Drittel der Schüler*innen an Darmstädter Schulen wech - seln nach der vierten Klasse in einen gymnasialen Bildungsgang. Schüler*innen mit Migrations - hintergrund wählen häufiger eine integrierte Gesamtschule oder eine Realschule bzw. einen Real - schulzweig als Schüler*innen ohne Migrationshintergrund. S c h u l e – B e r u f Der Übergang von der Schule in den Beruf wird in Darmstadt von unterschiedlichen Projekten und Einrichtungen unterstützt. Hierzu zählen insbesondere die Jugend - berufsagentur, die mobile Jugend - berufshilfe sowie das Programm Jugend stärken im Quartier. 60 % der Schüler*innen im so - genannten Übergangssystem an beruflichen Schulen haben einen Migrationshintergrund. Bildung an Schulen Grundschule Die Zahl der Schüler*innen an Darmstädter Grundschulen nimmt seit dem Schuljahr 2010/11 stetig zu. An privaten Grundschulen machen Kinder mit Migrationshintergrund 10 % der Schüler*innenschaft aus, an den öffentlichen Schulen sind es hingegen 38 %. Ganztagsbetreuung Für knapp zwei Drittel der Darm - städter Grund schüler*innen stehen im Schuljahr 2018/19 Betreuungs- plätze durch Schulkindbetreuung und Hort zur Verfügung. Die Zahl der angebotenen Plätze nahm in den letzten Jahren zu und soll auch in Zukunft ausgebaut werden. Weiterführende Schulen Jungen und Mädchen sind unter- schiedlich auf die verschiedenen Bildungsgänge verteilt: Gymnasiale Bildungsgänge werden von Mäd - chen häufiger besucht als von Jun - gen. Der Anteil von Schüler*innen mit Migrationshintergrund in der gymnasialen Oberstufe ist von 16 % im Schuljahr 2011/12 auf 24 % im Schuljahr 2017/18 gestiegen. Abschlüsse an allgemeinbildenden Schulen In den Schuljahren 2010/11 bis 2015/16 verließen jeweils 58 – 65 % der Schüler*innen die Schule mit dem Abitur, 23 – 27 % erreichten einen mittleren Abschluss, ca. 10 % den Hauptschulabschluss. Etwa 2 % verließen die allgemeinbil- dende Schule ohne Abschluss und etwa 2 % machten einen Abschluss an einer Förderschule. Der Anteil von Gymnasiast*innen, die ihre Schullaufbahn mit dem Abi tur beenden, ist bei Schüler*in - nen mit deutscher Staatsangehö - rigkeit gegenüber Schüler*innen mit nicht deutscher Staatsangehö - rigkeit deutlich erhöht. Berufliche Schulen Die Zahl der Schüler*innen an beruflichen Schulen nimmt ab. Drei Viertel der Schüler*innen an den beruflichen Schulen in Darmstadt pendeln aus anderen Landkreisen und Städten ein, etwa die Hälfte der Schüler*innen in dualer Ausbil - dung hat einen Ausbildungsvertrag mit einem Betrieb in Darmstadt. Non-formale Bildung Außerschulische Lernangebote Offene Kinder- und Jugendarbeit mit non-formalen Bildungsange - boten wird in Darmstadt in 25 Einrichtungen in öffentlicher und freier Trägerschaft durchgeführt. Die Themen Inklusion, interkultu - relle Öffnung, Demokratie, Gender/ Transgender und Wertevermittlung spielen dabei eine übergeordnete Rolle. Kinderbetreuung Die Versorgungsquote im Bereich der Kindertagesbetreuung liegt für unter 3-Jährige in Darmstadt bei 43 %, im Bereich der Kinder über 3 Jahre liegt die Versorgungs - quote bei 99,3 % (Stand: 2016). Kinder mit Migrationshintergrund besuchen seltener und kürzer eine Kindertageseinrichtung als Kinder ohne Migrationshintergrund. 12 13 Einleitung Der vorliegende erste Bildungsbericht der Wissen - schaftsstadt Darmstadt bildet den Startpunkt für ein kontinuierlich durchzuführendes Bildungsmonitoring. Er gibt einen ersten Überblick über die Bildungslandschaft vor Ort und lenkt den Blick auf wichtige Knackpunkte in den Bildungsbiografien der Bürger*innen sowie beson - dere Entwicklungen in den verschiedenen Bildungsbe - reichen. Hierbei erfolgt in der Regel keine Interpretation der Daten, sondern vielmehr eine Darstellung des Ist- Standes. Für tiefergehende Interpretationen bedarf es in der Regel weiterer Daten und Analysen, die sich an diesen Bericht anschließen müssen. Dem Bericht liegt ein umfassendes Bildungsverständnis zugrunde, das zum einen Lernen in allen Lebensphasen (also lebenslanges Lernen (LLL)) umfasst und zum an - deren sowohl formale, abschlussorientierte Lernformen als auch non-formale und informelle Lernbereiche ein - schließt. Dennoch liegt der Fokus im ersten Bildungs - bericht auf dem Kinder- und Jugendalter von der frühen Kindheit bis zum Einstieg in den Beruf. Die Erwachse - nenbildung kommt in diesem Bericht nur punktuell in Form von Elternbildungs- / Familienbildungsangeboten vor. Dieser Einschränkung liegen unterschiedliche Über - legungen zu Grunde. Zunächst einmal ist es ein Ziel des Berichts, die unterschiedlichen Lebensbereiche mög - lichst breit, aber auch detailliert darzustellen. Wollte man diesem Anspruch für das lebenslange Lernen gerecht werden, wäre das vorliegende Werk noch umfangreicher, dadurch aber weniger leserfreundlich. Zum anderen ist die Datenlage im Bereich der Erwachsenenbildung auf - grund der unvergleichlich größeren Zahl an Bildungs - anbietern schwer zugänglich. Eine wichtige zukünftige Aufgabe von Bildungsmanagement und Bildungsmoni - toring wird es also sein, Strategien für den Aufbau einer umfassenden Datenlage für den Bereich Erwachsenen - bildung zu entwickeln. Nach der Darstellung des zugrundeliegenden Bildungs - verständnisses gibt das Kapitel I – Rahmenbedingungen einen Überblick über die soziale und wirtschaftliche Ausgangslage in der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Kapitel II – Bildung im Lebensverlauf ist gemäß der un - terschiedlichen Lern- und Lebensphasen von Kindern und Jugendlichen in drei Teile gegliedert. Im Unter - kapitel A – Frühes Kindesalter bis zum Eintritt in die Schu - le werden beginnend mit den Frühen Hilfen Angebote ab der Geburt des Kindes, über Angebote von Kinder - tageseinrichtungen und Familienbildung bis hin zum Übergang in die Grundschule beleuchtet. Das Unter - kapitel B – Mittleres Kindesalter bis zum Eintritt in die Sekundarstufe untersucht Bildungsangebote, die von Kindern im Grundschulalter wahrgenommen werden. Neben Entwicklungen im Grundschulbereich selbst, werden auch die unterschiedlichen Betreuungsangebo - te betrachtet. Darüber hinaus kommt unterschiedlichen Unterstützungsangeboten eine wichtige Rolle zu, seien es Angebote der Schulsozialarbeit oder andere Bera - tungsangebote. Ein wichtiges Augenmerk liegt auch in diesem Unterkapitel auf dem Übergang zwischen den Insti tutio nen – von der Primarstufe in die Sekundarstufe, der in der Regel mit einem Schulwechsel verbunden ist. In Unterkapitel C – Jugendalter bis zum Einstieg in den Beruf werden neben dem Durchlaufen der Sekundar - stufen und den unterschiedlichen Angeboten und Ent - wicklungen im Bereich der beruflichen Schulen auch au - ßerschulische Angebote in den Blick genommen. Hierzu zählen insbesondere Angebote, die den Übergang in den Beruf unterstützen, sowie Angebote im Bereich der offe - nen Kinder- und Jugendarbeit. In den Unterkapiteln A, B und C erfolgt die Auswertung vorhandener Daten nach den sozio-demographischen Merkmalen Geschlecht, Al - ter und Staatsangehörigkeit bzw. Migrationshintergrund. Diese und weitere Merkmale werden in der Sozialfor - schung üblicherweise als Hilfs indika toren verwendet, um Hinweise auf die mögliche soziale Lage von Perso - nen zu erhalten. Je nach Datenbasis waren für den vor - liegenden Bildungsbericht nicht immer alle genannten Merkmale verfügbar. Den Abschluss von Kapitel II bildet das Unterkapitel D – Im Überblick: Bildung im Sozial raum. Es bietet eine anschauliche Verortung der in den vor - angegangenen Kapiteln vorgestellten Bildungsangebote in der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Ergänzend finden sich in den verschiedenen Bereichen Infoblöcke, die ei - nen kurzen Einblick in mit Bildung verschränkte Themen geben. Der Bildungsbericht bildet eine wichtige Grundlage für die weitere Gestaltung der Darmstädter Bildungsland - schaft und schließt daher mit Kapitel III – Ausblick auf Handlungsbedarfe . Dieses Kapitel zeigt wichtige Hand - lungsfelder auf, in denen auf Grundlage der im Bericht dargestellten Daten weitere Anstrengungen der unter - schiedlichen Akteure notwendig sind. Es umfasst be - wusst noch keine konkreten Handlungsempfehlungen, da diese im Diskurs mit den Verantwortlichen (z. B. Fachämtern, Bildungsanbietern, Trägern, Bürgerinnen und Bürger) entstehen sollen. Der Bildungsbericht selbst wird online durch Zusatzin - formationen ergänzt, die weitere Tabellen und Grafiken sowie ausführliche Beschreibungen einzelner Angebote vorhalten. 14 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 Bildungsverständnis Bildung stellt die entscheidende Voraussetzung dar, um eigenverantwortlich und nach den eigenen Interessen und Stärken an unserer Gesellschaft teilhaben zu kön - nen. Unabhängig von Herkunft, Religion, Geschlecht, fa - miliärer, sozialer und wirtschaftlicher Lage gilt für Darm - städter Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene das Recht auf gesellschaftliche Teilhabe. Damit jede und jeder sich von klein auf entwickeln und seine Talente entfalten kann, tragen in erster Linie Eltern sowie ein anregungsreiches Umfeld zu einem gelingen - den Bildungsverlauf bei. Pädagogische Fach- und Lehr - kräfte sind in besonderer Weise damit beauftragt, Kinder und Jugendliche bei ihrer Suche nach einem Platz in der Gesellschaft zu begleiten. Formale Bildungsabschlüsse bilden dabei zwar eine we - sentliche, gleichwohl nicht die einzige Voraussetzung für eine erfolgreiche gesellschaftliche Teilhabe. Persönliche, soziale wie kulturelle Kompetenzen sind gleichermaßen entscheidend für eine gelingende Lebensgestaltung in unserer Gesellschaft. In einem solchen Verständnis ist die Frage nach einem gelungenen Bildungsverlauf nicht nur im Erreichen des höchsten Schul- bzw. Bildungsabschlusses zu sehen. Ziel kommunal verantworteter Bildungsanstrengungen muss sein, alle Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen entsprechend ihrer Talente in der Herausbildung zum selbstverantworteten Handeln zu unterstützen. Dabei umfasst Bildung alle spontanen wie planvollen Prozesse, in denen neue Erfahrungen gemacht werden können. Diese lassen sich in Kindertagesstätten und Schulen ebenso finden wie in der Familie, unter Freun - den und in der Freizeit. Nicht jede*r hat von Geburt an die gleichen Vorausset - zungen für einen erfolgreichen Bildungsverlauf. Perso - nelle, soziale, wirtschaftliche Kriterien sowie strukturelle Benachteiligungen innerhalb des Bildungssystems wir - ken sich negativ auf das Recht auf Chancengleichheit aus. Ein solch breit angelegtes Bildungsverständnis möchte deshalb innerhalb der Darmstädter Bildungslandschaft auf zwei Herausforderungen aufmerksam machen: An vielen Orten unserer Stadt lassen sich vielfältige Bildungsgelegenheiten vorfinden, die sich am Recht auf gleichberechtigte Bildungsteilhabe messen lassen müssen. Insbesondere an deren Schnittstellen und Übergängen müssen erfolgreiche Bildungsverläufe im Sinne dieses breiten Bildungsverständnisses in den Fokus genom - men werden. 15 I Rahmenbedingungen Bevölkerung, demografische Entwicklung, soziale Lage und die Bildungssituation in der Wissenschaftsstadt Darmstadt „Wenn eine Stadt vielfältig sein soll, muss sie für alle Platz haben…“ (Hartmut Häußermann) Die demografische Entwicklung Darmstadts Die demografische Entwicklung der Stadt ist in vielerlei Hinsicht von großer Bedeutung für die gesamte Bildungs- thematik. Das gute Abschneiden der Wissenschaftsstadt Darmstadt bei verschiedenen Rankings in den letzten Jahren geht u. a. zurück auf die positive demografische Entwicklungsperspektive, die Zahl der Unternehmen mit modernen Dienstleistungsangeboten und die Zukunfts - fähigkeit der Wirtschaft. Nach dem Bevölkerungszuwachs der Nachkriegsent - wicklung wurde 1971/72 mit knapp über 142.000 Ein - wohner*innen ein Höhepunkt bei der Einwohnerzahl er - reicht (Abb. 1). Jedoch begann anschließend eine lang währende Phase der Suburbanisierung mit Bevölke - rungsverlusten insbesondere ins unmittelbare Umland, die nur Anfang der 1990er Jahre eine Unterbrechung durch Sondereffekte der Wende hatte. Nahezu parallel zur Bevölkerungsentwicklung vollzog sich seit Mitte der 1970er Jahre der Niedergang der so - genannten „Weißen Industrie“, die sehr zur Bedeutung Darmstadts nach dem Zweiten Weltkrieg beigetragen hatte. Buchdruck, Buchproduktion, Verlagswesen und Literaturpreise wie die jährliche Büchner-Preisverleihung hatten Darmstadts Ruf als Stadt der Künste nach dem Zweiten Weltkrieg deutschlandweit begründet. Mit dem Niedergang des Verlagswesens und dem Rückzug gro - ßer Druckereien wie Springer oder Burda endete diese besondere kulturelle Hochphase der Stadt. Daneben jedoch geriet auch der klassische Maschinen - bau in die Krise: Weltweite Konkurrenz, der globale öko - nomische Anpassungsdruck und der Verlust der Märkte in der Sowjetunion nach dem Ende derselben führten auch diese wichtige Darmstädter Branche in einen Ab - wärtsstrudel mit Verlusten an Arbeitsplätzen und qua - lifizierten Mitarbeiter*innen. Vor allem zu Beginn der 1990er Jahre zeigte sich diese Entwicklung in einem Rückgang industrieller Arbeitsplätze und einem langsa - men, aber stetigen Anwachsen an Arbeitslosigkeit in der Stadt. Die eigentliche Trendwende in der Bevölkerungsent - wicklung vollzieht sich ab 1998, also früher als im Bun - desdurchschnitt. Seither steigt die Bevölkerungszahl in Darmstadt kontinuierlich an, bis 2017 mit über 160.000 Personen ein vorläufiger historischer Höchststand er - reicht wird. Die neue Phase der Stadtentwicklung Besonders auffällig für die Stadtentwicklung ist der star - ke Zustrom junger Menschen, die hier studieren oder ihren ersten Arbeitsplatz haben und damit durch ihre Wanderung in die Stadt das Bild Darmstadts verändern. Diese Trendwende ist jedoch kein alleiniges Darmstädter Phänomen, sondern vollzieht sich ähnlich auch in ande - ren Städten. Die kleinere bis mittelgroße Großstadt mit einem wis - sens- und technologieorientierten Profil ist in Deutsch - land mittlerweile ein wichtiger Träger des Trends zurück in die Stadt – die Wissenschaftsstadt Darmstadt ist durchaus als Prototyp der „Schwarmstadt“-Entwick - lung1 zu bezeichnen. Eine wichtige aktuelle Debatte ist um diesen Begriff entbrannt, der versucht zu erklären, warum die 20- bis 35-Jährigen sich heute weit stärker räumlich auf bestimmte Städte konzentrieren als in frü - heren Jahren.2 So lag der Anteil dieser Altersgruppe im Jahr 2000 nur in vier Städten bei mehr als 30 % über dem Bundesdurchschnitt (Münster, Würzburg, Heidel - berg und Freiburg). Im Jahr 2011 dagegen traf dies be - reits auf 18 Städte3 zu. 1 Siehe Simons & Weiden (2015). 2 Siehe dazu auch Wissenschaftsstadt Darmstadt (2017): Demografiebericht 3. 3 Karlsruhe, Erlangen, Bayreuth, Regensburg, Darmstadt, Leipzig, Flensburg, Rostock, München, Kiel, Dresden, Freiburg, Münster, Mainz, Trier, Jena, Heidelberg und Würzburg. Abb. 1: Bevölkerungsentwicklung in Darmstadt von 1960 bis heute 160.000 150.000 140.000 130.000 1960 1965 1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010 2015 Quelle: Statistik Darmstadt 16 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 Die positive demografische Entwicklung Darmstadts der beiden letzten Jahrzehnte hat ihre Grundlage in einer Kombination von Faktoren. Dazu zählen unter anderem die Veränderung der Wirtschaftsstruktur, das spezifi - sche Arbeitsplatzangebot sowie die Veränderung der Hochschullandschaft. Die Vielzahl der wissenschaftli - chen Institutionen, die drei Universitäten und die mo - dern und international aufgestellten Unternehmen mit ihren Forschungs- und Entwicklungsabteilungen sind die Grundlage dieser neuen Entwicklung. Dies hat Kon - sequenzen bezüglich der Qualifikation der in Darmstadt Beschäftigten: Heute hat jede*r Vierte mindestens einen Hochschulabschluss. Dieser Wert wird nur von wenigen Städten erreicht. Mittlerweile sind mehr als 700 Unternehmen der IT- Branche in und um Darmstadt ansässig. Darmstädter Unternehmen haben in vielen Bereichen der IT bedeu - tende Akzente in Forschung, Entwicklung und Anwen - dung gesetzt und sich zu einem Standort mit europäi - scher Bedeutung entwickelt. Dazu zählen insbesondere wichtige Firmen und Marktführer in den Bereichen Tele - kommunikation, Logistik, Bürokommunikation, Satelli - tentechnik u. a. Der in den 1990er Jahren in die Krise geratene Maschinenbau beispielsweise hat sich durch die Verbindung von hochwertigen Produktionsmöglich - keiten mit Elektronik und Software, Mechatronik ge - nannt, praktisch neu „erfunden“. Den nächsten Schritt geht Darmstadt nun, indem es als Gewinnerstadt des Wettbewerbs „Digitale Stadt“ des IT-Branchenverban - des bitkom in den kommenden Jahren zu einer Vorzei - gestadt der Digi talisierung in Deutschland und Europa ausgebaut werden soll. Einer der Bereiche, in denen durch konkrete Projekte gezielt Veränderungen ange - strebt werden, ist Bildung. Der Schritt in die moderne digitale Stadt wird somit auch die Bildungsdiskussion in den nächsten Jahren prägen. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt ist mit ihrer demogra- fischen und ökonomischen Situation in einer besonders günstigen Lage bezüglich der Perspektiven der weite - ren Stadtentwicklung. Insbesondere die Vielzahl von Be - schäftigten in modernen Dienstleistungsunternehmen und Forschungseinrichtungen ergibt ein bundesweit vorbildliches Modell der Wissenschaftsstadt. Dennoch gehen die ökonomischen und Segregationstrends der Bundesrepublik an Darmstadt nicht spurlos vorbei, wie der aktuelle Sozialatlas belegt. So ist auch in Darmstadt eine hohe Zahl von Kindern und Jugendlichen zu ver - zeichnen, die sich in sozial prekären Lebenssituationen befinden und in Stadtquartieren und Bezirken leben, die durch hohe Bezugsanteile von SGB II-Leistungen sowie hohe Anteile von Familien mit Migrationshintergrund auffallen. Hier bestehen hohe Risiken für Kinder und Jugendliche, durch nicht gelingende Bildungsverläufe Chancen auf einen Bildungsabschluss zu verpassen. Altersstruktur und Migrationshintergrund Für die Bildungsberichterstattung von großer Bedeu - tung ist die Altersstruktur: Die Zahl der Kinder und Ju - gendlichen, die Zahl der Studierenden oder auch die Zahl der Personen, die eine Weiterbildung suchen, spie - len für eine nachhaltig aufgestellte Bildungslandschaft eine wichtige Rolle. An diesen wichtigen Grunddaten zur Altersstruktur orientieren sich Kindergarten- und Schul - planung, städtisches und Staatliches Schulamt und viele andere Behörden und Einrichtungen. Die eine Grundlage des Bevölkerungsmonitorings ist die natürliche Bevölkerungsentwicklung, die andere die Wanderungsbewegung mit Zu- und Wegzügen, z. B. von Eltern mit ihren Kindern und Jugendlichen. Zusam - men ergibt sich, ob die Bevölkerungszahl in Darmstadt wächst oder abnimmt (vgl. Wissenschaftsstadt Darm - stadt (2017): Demografiebericht 3). Die natürliche Bevölkerungsentwicklung wird durch die Bilanz aus Geburten und Sterbefällen dargestellt. Die wesentliche Erkenntnis ist die, dass durch die steigen - de Geburtenzahl und die zurückgehende Zahl der Ster - befälle als langfristige Trends insgesamt die Bilanz der natürlichen Darmstädter Bevölkerungsentwicklung seit 2005 mit Ausnahme von 2015 positiv ist (Abb. 2). Des - halb spricht man von einer positiven Geburtenrate in Darmstadt seit 2005. Entscheidender für die Altersstruktur und die Stadtent - wicklung ist die Wanderungsbewegung. Einige Regionen mit hoher Bevölkerungsdichte – wie FrankfurtRheinMain, Abb. 2: Natürliche Bevölkerungsentwicklung in Darmstadt von 1960 bis heute 600 400 200 0 –200 –400 1960 1965 1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010 2015 Quelle: Statistik Darmstadt 17I Rahmenbedingungen München, Hamburg oder Stuttgart – erzielen derzeit Wanderungsgewinne, während Regionen mit bereits niedriger Bevölkerungsdichte wie z. B. Gemeinden und Landkreise in Mecklenburg-Vorpommern zusätzlich Wanderungsverluste verkraften müssen. Viele Regio - nen mit ohnehin hoher Beschäftigtenquote, niedriger Arbeitslosigkeit und relativ stabilen Einkommenslagen konnten zusätzlich einen Bevölkerungszuwachs durch Zuwanderung und Wirtschaftswachstum vermelden. Die Auswirkungen der Wanderungsbewegung sind des - halb quantitativ weit bedeutsamer als die „natürlichen“ Veränderungen der Bevölkerungszahl einer Stadt durch Geburten oder Sterbefälle. Da sich Zu- und Wegzüge oft nicht ausgleichen, beeinflusst die Wanderung die Bevöl - kerungsdichte in den einzelnen Regionen Deutschlands unterschiedlich. Entsprechend unterschiedlich steigt oder fällt die Ein - wohnerzahl durch die Wanderungsbewegung. Ferner stagniert oder fällt der Altersdurchschnitt einer Stadt, wenn – wie in Darmstadt – viele junge Erwachsene zu - ziehen. Darmstadts Bevölkerung ist in den letzten Jah - ren jünger geworden – dies ist eine große Besonderheit unter deutschen Städten. Mit ca. 41 Jahren liegt das Durchschnittsalter in Frankfurt, Offenbach und Darm - stadt um fünf Jahre niedriger als im Vogelsberg und Werra-Meißner-Kreis. 4 D u r c h d i e h o h e Z a h l j u n g e r E r- wachsener ist in den letzten Jahren die Geburtenrate in Darmstadt positiv (vgl. auch Abschnitt Zukünftige Bevölkerungsentwicklung). Auffällig ist der starke Zuwachs der Zahl der Studieren - den5 seit Begründung der Wissenschaftsstadt (Abb. 3). Auch die Schwerpunktverlagerung der Studienfächer, z. B. bei der TU Darmstadt, hat zur hohen Attraktivität Darmstadts als Studienort beigetragen. Insgesamt sind heute mehr als 45.000 Studierende an den drei Hoch - schulen der Stadt eingetragen. Wie sich unter anderem die hohe Zahl von Studierenden auf die Zusammenset - zung der Haushalte in Darmstadt auswirkt, wird online in den Zusatzinformationen zum Bildungsbericht gezeigt. Wissen und Bildung sind Voraussetzung für Zukunfts - fähigkeit, Kompetenz und Schlüsselqualifikationen: Darmstadt hat deshalb ein dicht geknüpftes Wissens - netzwerk aufgebaut, das Studierende und junge Arbeit - nehmer*innen, die in die „Schwarmstadt“ strömen, auf die Herausforderungen der sich drastisch verändernden Arbeitswelt vorbereitet. Neben der Technischen Uni - versität, der Hochschule Darmstadt und der Evangeli - schen Hochschule Darmstadt gibt es vielfältige weitere Bildungseinrichtungen wie die Volkshochschule und an - dere sowie Bibliotheken, Museen und Archive 6, die das „Bildungscluster“ erweitern. Aufgrund der Internationalität der Wirtschafts- und For - schungszweige in Darmstadt ist die Zahl der Personen mit Migrationshintergrund 7 nochmals deutlich gewach - sen. Der Begriff „Migrationshintergrund“ ist in den ver - gangenen Jahren in der politischen und gesellschaftli - chen Diskussion immer wichtiger geworden. Lange Zeit waren Statistiken zum Migrationshintergrund der Darm - städter Bevölkerung insgesamt nicht verfügbar. Durch die Kooperation von mehr als 50 Großstädten wurde nun ein Softwareprogramm entwickelt, das aus den Da - ten der Melderegister Statistiken zum Migrationshinter - grund ableiten kann.8 Ein belegtes Phänomen in vielen deutschen Großstädten ist, dass kulturelle und gleichsprachliche Gruppen von Menschen mit Migrationshintergrund sich in bestimm - ten Stadtvierteln konzentrieren. Dieses Phänomen der Segregation von Bevölkerungsgruppen wurde bereits in 4 Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, 3. Änderung des Landesentwicklungsplans Hessen 2000, Beschluss der Hessischen Landesregierung vom 27.03.2017, Wiesbaden 2017, S. 105. 5 Wissenschaftsstadt Darmstadt (2014): Statistische Berichte, 1. Halbjahr 2014. Sonderbeitrag: Studierende in der Wissenschaftsstadt Darmstadt und aktuellere Daten im Datenreport 2017. 6 Aktuelle Daten werden dazu fortlaufend im jährlich erscheinenden Datenreport der Wissenschaftsstadt Darmstadt veröffentlicht. 7 Aktuelle Daten werden dazu fortlaufend im Datenreport veröffentlicht. Eine Analyse zur Situation findet sich in: Wissenschaftsstadt Darmstadt (2016): Statistische Berichte 1. Halbjahr 2016. Sonderbeitrag: Die Bevölkerung mit Migrationshintergrund in der Wissenschaftsstadt Darmstadt. 8 Vgl. Hinweise zum Migrationshintergrund im Glossar. Abb. 3: Entwicklung der Studierendenzahlen in Darmstadt 40.000 35.000 30.000 25.000 20.000 15.000 10.000 5.000 Evangelische Hochschule Darmstadt Hochschule Darmstadt TU-Darmstadt Quelle: Statistik Darmstadt 2000/01 2002/3 2004/5 2006/7 2008/9 2010/11 2012/13 2015/16 18 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 früheren Studien zu Darmstadt im Vergleich kleinräu - miger Einheiten mit anderen Städten erforscht (Seidel- Schulze et al. 2012; Helbig & Jähnen 2018). Migrant*in - nen sind besonders häufig von den unterschiedlichen Formen der Segregation betroffen. Erstens, weil sie als sogenannte Gastarbeiter*innen vielfach als homoge - ne größere Gruppe in bestimmten Bezirken, nämlich nahe den ihnen zugedachten Arbeitsplätzen siedelten, zweitens wegen ihrer vielfach besonders schlechten Ein - kommenssituation sowie drittens aufgrund von Diskri - minierungen durch die Mehrheitsgesellschaft. Letzteres kann sich in aktiven Formen, etwa der Benachteiligung von Migrant*innen bei der Vergabe von Mietwohnungen durch Vermieter*innen, wie auch in passiven Formen, z. B. dem Wegzug von Bewohner*innen ohne Migra - tionshintergrund aus einem Stadtviertel, äußern. Neu hinzuziehende Migrant*innen orientieren sich in ihrem Siedlungsverhalten zudem häufig an bereits bestehen - den ethnischen Gemeinschaften. Obwohl Darmstadt im bundesweiten Vergleich einen Migrant*innenanteil eher im mittleren Bereich hat, ist der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund hoch. Insbesondere Migrant*innen aus europäischen Ländern profitieren hierbei von der Internationalität der Stadt und erzielen im modernen Dienstleistungsbereich durchaus hohe Einkommen. Dennoch gibt es eine große Gruppe von Migrant*innen, die eher am unteren Einkommens - rand der Stadtgesellschaft lebt. Demnach ist zu betonen, dass kein direkter Zusammenhang zwischen Migrations - hintergrund auf der einen Seite und Einkommensverhält- nissen und Bildungsstand auf der anderen Seite besteht. Sehr aktuell ist die Studie des Wissenschaftszentrums Berlin (Helbig & Jähnen 2018), die auch eine tiefgreifen - de Analyse zur Segregation in Darmstadt im bundes - deutschen Vergleich enthält. In Darmstadt sind Personen mit Migrationshintergrund sehr unterschiedlich über das Stadtgebiet verteilt: Nied - rige Anteile von 18 % gibt es im statistischen Bezirk 740 Am Frankenstein 9, die höchsten Anteile finden sich mit über 60 % in den Bezirken 250 Mornewegviertel und 750 Kirchtannensiedlung. Interessant ist, dass diese un - terschiedlichen Bereiche im Stadtteil Eberstadt liegen und sogar aneinander grenzen. 2016 hatten insgesamt 38,8 % der Darmstädter*innen einen Migrationshinter - grund, mehr als im bundesdeutschen Durchschnitt. In den Zusatzinformationen findet sich online eine Tabel- le, in der die Anteile von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren in den statistischen Bezirken dokumentiert sind: Hier wird deutlich, dass generell der Anteil der Kin - der mit Migrationshintergrund mit 56 % deutlich höher ist als die Quote der Migrant*innen an der Gesamtbevöl - kerung. Von 25.269 Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren haben 14.139 einen Migrationshintergrund. Fer - ner liegen die Quoten in den statistischen Bezirken zwi - schen den Extremwerten von 90,0 % bis 24,2 %, wobei die höchsten absoluten Zahlen in den einwohnerstar - ken Bezirken Kranichstein-Süd und in der Eberstädter Kirchtannensiedlung liegen (1.546 (76,7 %) bzw. 1.130 (76,5 %)). Sowohl in diesen beiden Bezirken wie in den Bezirken Mornewegviertel (83,3 %) und Pallaswiesen - viertel (78,5 %) liefen bzw. laufen verschiedene Projekte zur nachhaltigen Stadt erneuerung der „Sozialen Stadt“ mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds. Bei der Bevölkerung mit Migrationshintergrund sind die drei Nationen Türkei, Polen und Italien am stärksten ver - treten. Diese sind auch bei der ausländischen Bevölke - rung auf den vorderen Plätzen. Für Nationen aus der ehe- maligen Sowjetunion, wie die Russische Föderation und Kasachstan, können ebenfalls detaillierte Zahlen zum Migrationshintergrund ausgewiesen werden. Bei beiden genannten Nationen liegt der Anteil der Deutschen mit Migrationshintergrund sehr deutlich über dem Anteil der Personen mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit. Für den Bildungsbereich von der U3-Versorgung über die Kitas, die Grundschulen und die weiterführenden Schulen sind die kleinräumigen Daten zur Bevölkerung mit Migrationshintergrund eine große Hilfe, bedarfsge - rechte Angebote zu entwickeln, Kinder und Jugendliche sozial und sprachlich zu integrieren und entsprechende Angebote vor Ort vorzuhalten. Dies ist z. B. in Kranich - stein in der Erich Kästner-Schule mittels Fördergeldern aus dem Europäischen Sozialfonds für Kinder mit Migra- tionshintergrund (BIWAQ) bereits gelungen. 10 Generell gilt festzuhalten, dass weder ein Migrationshintergrund noch eine ausländische Staatsbürgerschaft einen Rück - schluss auf die Lebensverhältnisse einer Person zulässt. 9 Zur Abgrenzung der statistischen Bezirke siehe Datenreport der Wissenschaftsstadt Darmstadt. 1 0 Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier – BIWAQ ist ein vom Europäischen Sozialfonds gefördertes Programm zur Förderung der Integration in Arbeit. „Aussagen zu Motiven von Wanderungen, zum Selbst - verständnis als Migrant oder Nicht-Migrant, zu alltäg - lichen Aktivitäten oder zur Migrationsbiographie können mit den Daten zum Migrationshintergrund nicht gemacht werden“ (Verband Deutscher Städtestatistiker 2013, S. 8). 19I Rahmenbedingungen Zukünftige Bevölkerungsentwicklung in Darmstadt Schon heute ist absehbar, dass in einzelnen Bereichen die Folgen des demografischen Wandels und die künfti - ge Bevölkerungsentwicklung enorme Auswirkungen auf die Infrastruktur der Städte haben werden, wie z. B. die Zahl und Größe der Kindertageseinrichtungen, Schulen, Jugend- und Senioreneinrichtungen, Sport- und Frei - zeiteinrichtungen, aber auch die Ver- und Entsorgung. Ferner sind die Entwicklung des Immobilienmarktes und der Wohnraumversorgung, der Straßenbau und die Verkehrsplanung, der kommunale Haushalt und die öffentlichen Finanzen strukturell an die Bevölkerungs - entwicklung gekoppelt. Für die weitere Bildungsplanung, die Stadtentwicklung und Stadtplanung in Darmstadt ist aus diesem Grund die intensive Beobachtung der Be - völkerungsentwicklung insgesamt sowie nach einzelnen Altersgruppen für die nächsten Jahre dringend geboten. Die Bevölkerungsvorausberechnung des Hessischen Statistischen Landesamtes und die Bevölkerungsvoraus - schätzung der HessenAgentur (jeweils von 2016) sind, neben eigenen Berechnungen durch die Abteilung Sta - tistik und Stadtforschung der Wissenschaftsstadt Darm - stadt, für die Einschätzung der Bevölkerungsentwicklung in Darmstadt von Bedeutung. Laut HessenAgentur wird Darmstadts Bevölkerung bis 2030 um 11,1 % wachsen, laut Hessischem Statistischem Landesamt sogar um 15,5 % (Ausgangswert jeweils 31. 12. 2014). Damit liegt Darmstadt an zweiter Stelle der wachstumsstärksten Gebietskörperschaften in Hessen, übertroffen nur von Frankfurt am Main und gefolgt von Offenbach am Main und dem Kreis Groß-Gerau. Beide Prognosen gehen von einem leichten Wachstum der Bevölkerungszahl für Hessen insgesamt von 4,4 % aus. Im dritten Demografiebericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt (2017) wurden auf Basis der Einwohnerzahl vom 31. 12. 2016 drei verschiedene Szenarien für die Bevölkerungsentwicklung in Darmstadt bis 2035 entwi - ckelt und berechnet. Dabei ergibt sich für alle Szena - rien ein Anstieg der Bevölkerungszahl um mindestens 10.000 Einwohner*innen. Neben der weiteren Entwick - lung der Gesamtzahl der Darmstädter Bevölkerung bis 2035 ist für städtische und andere Planungen die Ent - wicklung spezifischer Altersgruppen von größter Bedeu - tung. Daher wurden die gewählten Szenarien auch für verschiedene Altersgruppen berechnet, die sich aus den jeweiligen Lern- und Lebensphasen der Menschen erge - ben und zum Teil eine sehr unterschiedliche Anzahl von Jahrgängen umfassen. Altersgruppe 0 bis unter 3 Jahre Die Zahl der Kinder bis 3 Jahre ist z. B. entscheidend für die Planung des städtischen Krippenangebots und anderer Familieneinrichtungen der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Bis 2025 ist hier ein Anstieg in der Alters - gruppe 0 bis unter 3 Jahre zu erwarten, danach ist mit einem leichten Rückgang der Kinderzahl zu rechnen. Vor allem für die nähere Zukunft ist für alle Planungsberei - che von entscheidender Bedeutung, dass die Kinderzahl dieser Altersgruppe von 4.705 Kindern im Jahr 2016 auf mehr als 5.000 Kinder bis 2020 steigen wird; sehr wahrscheinlich ist ein Wert zwischen 5.000 und 5.100 Kindern. Für den Zeitraum von 2020 bis 2025 müssen sich alle Planungsbereiche auf eine Kinderzahl von um die 5.200 Kindern einstellen. Dies entspricht einer Stei - gerung von 10 bis 15 % in 20 Jahren. Altersgruppe 3 bis unter 6 Jahre Bei der Bevölkerung in der Altersgruppe 3 bis unter 6 Jahre ist eine ähnliche Entwicklung wie bei der zuvor vorgestellten Altersgruppe zu erwarten. Von 2016 bis etwa 2025 wird sich die Zahl der 3- bis unter 6-Jähri - gen auf ca. 4.900 bis 5.100 erhöhen. Nach einer kurzen Stabilität tritt danach ein schwacher Rückgang ein. Bis voraussichtlich 2035 werden in dieser Altersgruppe 400 bis 1.000 Kinder mehr in Darmstadt leben als im Jahr 2016. Altersgruppe 6 bis unter 15 Jahre In der Altersgruppe 6 bis unter 15 Jahre ist mit einem sehr deutlichen Zuwachs zu rechnen. Die Schüler*in - nenzahlen in Darmstadt werden bis 2030 weiter deut - lich ansteigen; danach kommt es zu einem schwächeren Wachstum oder einer Stabilisierung bis 2035. Hervorzu - heben ist, dass die Anzahl der Kinder und Jugendlichen in dieser Altersgruppe von 2016 mit 12.187 bis 2022 um 700 bis 800 zunehmen wird. Insgesamt ist mit einem Anstieg der Schüler*innenzahlen bis 2035 um 3.000 bis 3.500 Kinder und Jugendliche zu rechnen, was einer Zu - nahme von knapp 20 bis 30 % entspricht. Auch wenn die Entwicklung generell stark von der Wanderungsbe - wegung geprägt ist (Zu- oder Fortzug von Eltern mit schulpflichtigen Kindern), muss bis 2030 mit teilweise stark steigenden Schüler*innenzahlen für Grundschulen und die Sekundarstufe I der weiterführenden Schulen gerechnet werden. Eine Entwicklung, die für die Schul - entwicklungsplanung, die Schulbausanierung und z. B. die Mittagessensversorgung der Schulkinder angesichts neuer Schulkonzepte von großer Bedeutung ist. Altersgruppe 15 bis unter 20 Jahre Bei der Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgrup - pe 15 bis unter 20 Jahre spielt die Wanderungsbewe - gung keine so bedeutsame Rolle mehr, da in dieser Al - tersgruppe (bzw. bei deren Eltern) die Zu- bzw. Fortzüge nicht so dominant sind. So fällt die Anzahl der Jugend - lichen von 7.792 im Jahr 2016 auf circa 7.000 im Jahr 20 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 2019 deutlich ab. Für die Schüler*innenzahlen an Schu - len mit einer Oberstufe muss dies in Zusammenhang mit den steigenden Zahlen der Altersgruppe der 6- bis unter 15-Jährigen betrachtet werden. Von 2020 an steigt die Zahl der 15- bis unter 20-Jährigen kontinuierlich an, jedoch wird voraussichtlich erst wieder im Jahr 2030 die Zahl der Jugendlichen von 2016 erreicht. Bis 2035 ist mit einem Anstieg auf über 8.000 Jugendliche und junge Erwachsene zu rechnen. Die Zahl der Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist u. a. für die Planung von Berufs- schul- und Ausbildungsangeboten notwendig. Eine hohe Zahl von jungen Erwachsenen erfordert zudem die Be - reitstellung von günstigem Wohnraum, Studien- und Ar - beitsplätzen, Weiterbildungs- und Freizeitmöglichkeiten, Sportstätten u. v. m. Sozialberichterstattung und Kinderarmut Der Zusammenhang von Bildung, Armut und Segrega - tion ist in Darmstadt eine bislang wenig erforschte wis - senschaftlich und politisch bedeutsame Fragestellung. 11 Dies lag hauptsächlich an der für viele Jahre unzurei - chend vorhandenen Datenbasis. Durch die in den letz - ten Jahrzehnten erfolgreiche Sozialberichterstattung der Wissenschaftsstadt sowie durch die Gewinnung vielfälti - ger, neuer und kleinräumiger Daten hat sich die Situa tion bezüglich des Erkennens der Bildungs- und Soziallage von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien in den So- zialräumen in den letzten Jahren deutlich verbessert. Eine Aufgabe der Bildungsberichterstattung ist es un - ter anderem, die Ergebnisse der Sozialberichterstattung und die teilweise neu gewonnenen Daten zur Bildung zu- sammenzuführen und damit Schlussfolgerungen für die Bildungsgerechtigkeit in Darmstadt zu ziehen. Die Kombination der Bildungs- und Sozialdaten ist aus Gründen des Datenschutzes der Betroffenen im Einzel - fall nicht möglich, selbst in einer abgeschotteten Sta - tistikstelle wie in Darmstadt. Deshalb können nur sta - tistische Methoden Aussagen über soziale Gruppen auf kleinräumiger Ebene ermöglichen. Die Methode der Korrelation z. B. beschreibt eine Wechselbeziehung zwi - schen mehreren Merkmalen und ist daher ein geeigne - tes Mittel, Zusammenhänge im Sozialraum aufzudecken, die sonst nicht offensichtlich sind. Durch diese Methode ergeben sich Hinweise auf eine „Zusammenballung“ von sozialen Situationen, die Bildungsgerechtigkeit ermögli - chen oder deutlich erschweren. Zentral für alle Aussagen sind die demografischen Da - ten zu Kindern und Jugendlichen: Kinder und Jugendli - che sind im Stadtgebiet nicht gleichmäßig verteilt, son - dern konzentrieren sich in den eher familienorientierten Stadtquartieren und Stadtteilen. Anhand der Karte zur Verteilung der Kinder und Jugendlichen im Stadtgebiet ist diese Konzentration auf bestimmte Bezirke deutlich erkennbar (Abb. 4). Bildungserfolg hängt von der Herkunft ab Die OECD verweist darauf, dass in Deutschland der Bildungserfolg eines jungen Menschen nach wie vor eng an seine soziale Herkunft gekoppelt ist, so stark wie in kaum einem anderen Industriestaat. „Gerade für Schüler aus sozial schwachen Familien bleibt das Versprechen Aufstieg durch Bildung häufig in weiter Ferne“, kritisierte der Leiter der deutschen OECD-Büros, Heino von Meyer. 1 1 Siehe dazu aktuelle Studien auf Bundesebene. Abb. 4: Verteilung von Kindern und Jugendlichen im Stadtgebiet Darmstadt: Anteile der 0- bis unter 18-Jährigen 19 – 22 % über 22 % Quelle: Statistik Darmstadt 21I Rahmenbedingungen Entscheidend für eine Analyse der sozialen Lage von Kin- dern und Jugendlichen sind z. B. Daten der Statistik der Bundesagentur für Arbeit, die für die statistischen Bezir - ke Darmstadts u. a. die Zahlen für Kinder und Jugend - liche bis 15 Jahre im SGB II-Bezug veröffentlicht (siehe auch online Zusatzinformationen zum Bildungsbericht). Genauere Definitionen und weitere Daten zu diesem Themenbereich finden sich im aktuellen Sozialatlas der Wissenschaftsstadt Darmstadt (2018, S. 47 ff.). Kinder, die in Familien aufwachsen, die auf staatliche existenzsichernde Leistungen angewiesen sind und so - mit als arm gelten, erfahren vielfältige Einschränkungen und Benachteiligungen in zahlreichen Lebensbereichen, vor allem im Vergleich zu nicht-armen Kindern. Sie erle - ben Einschränkungen im materiellen Bereich bezüglich Wohnen, Ernährung, Kleidung, Freizeitgestaltung, Urlaub etc. Ihre Chancen auf gelingende Bildungsverläufe sind deutlich geringer als die der nicht-armen Kinder. Zahlreiche internationale, nationale und auch kommu - nale Studien verweisen auf eine hohe Korrelation von sozialer Herkunft und Bildungschancen. Arme Kinder haben überdurchschnittlich häufig Eltern, die nur über einen niedrigen oder keinen Schulabschluss verfügen und somit die schulische Entwicklung und Förderung ihrer Kinder häufig nur eingeschränkt begleiten können. Auch bei gleichen (guten) Noten ist die Wahrscheinlich - keit, dass ein armes Kind nach der Grundschule auf ein Gymnasium wechselt, deutlich geringer als bei einem nicht-armen Kind. 12 Weiterhin bestehen deutliche Un - terschiede bezogen auf die außerschulische soziale und kulturelle Teilhabe. Junge Menschen ohne Schulabschluss oder mit niedri - gem Schulabschluss haben besondere Schwierigkeiten, sich erfolgreich in das Erwerbsleben einzugliedern; auch ein Hauptschulabschluss beinhaltet überdurchschnittli - che Risiken für eine erfolgreiche Einmündung in Berufs - bildung. Für diese Gruppen ergibt sich somit ein nicht selten lebenslanges Risiko auf prekäre Erwerbstätigkeit, ein hohes Armutsrisiko und ein hohes Risiko, den Le - bensunterhalt nicht ohne staatliche Unterstützung be - streiten zu können. Dies verweist auf die Notwendigkeit besonderer Förder- und bildungsunterstützender Maß - nahmen für Kinder und Jugendliche aus den bereits ge - nannten Stadtteilen, wie dies z. B. erfolgreich mittels des BIWAQ-Projektes gelungen ist. Migrationshintergrund, Kinderarmut und Herkunftsbe - nachteiligung – aus alledem ergibt sich, dass die „Her - kunft“ eines Kindes oder Jugendlichen wesentlichen Ein - fluss auf die individuellen Verwirklichungschancen und gesellschaftliche Teilhabechancen hat. Die Merkmale der Familienarmut, verbunden mit der sozialstaatlichen „Fürsorgeleistung“ des Zweiten Buchs Sozialgesetzbuch ( S G B II )13 und eine nicht deutsche Familiensprache beinhalten zwei starke Risikoindikatoren, die die Ver - wirklichungschancen der jungen Menschen nachhaltig beeinflussen können (Autorengruppe Bildungsbericht - erstattung 2018). Statistiken und Daten dazu stehen u. a. mit der Schul - eingangsuntersuchung zur Verfügung (s. Kap. 2.4 und 4.1). Die gute Kooperation mit dem Gesundheitsamt für die Stadt Darmstadt und dem Landkreis Darmstadt-Die - burg macht spezifische Auswertungen möglich. 14 Durch Verbesserungen bei den Schuleingangsuntersuchungen sind in Zukunft auch die Anteile der Kinder mit unzurei - chenden Sprachkompetenzen an allen einzuschulenden Kindern in der Schuleingangsuntersuchung feststellbar. Die Daten von Kindern und Jugendlichen unter 15 Jah - ren im SGB II-Bezug sind ein wichtiger Indikator für Kin - derarmut. Bei der Analyse der Daten zu Kindern und 1 2 Vgl. Autorengruppe Bildungsberichterstattung (2018), S. 5 ff. 1 3 Das Zweite Buch Sozialgesetzbuch regelt die Grundsicherung für Arbeitsuchende und Teile des deutschen Arbeitsförderungsrechts in der Bundesrepublik Deutschland. 1 4 Vgl. z. B. Wissenschaftsstadt Darmstadt (Hrsg.) (2016): Statistische Berichte 2. Halbjahr 2016. Sonderbeitrag: Darmstadts Vorschulkinder 2016 – eine Momentaufnahme zu Gesundheit und Deutschkenntnissen. „Nach wie vor ist in Deutschland ein im internatio - nalen Vergleich enger Zusammenhang zwischen fa - milialen Lebensverhältnissen, Bildungsbeteiligung und Kompetenzerwerb nachweisbar. Rahmenbe - dingungen für Bildungs- und Entwicklungsprozesse von Kindern lassen sich anhand einiger Struktur - merkmale der Familien, etwa des formalen Bildungs- stands der Eltern, des sozioökonomischen Status der Familie sowie der elterlichen Erwerbsbeteiligung, beschreiben. Hieraus können drei Arten von Risiko - lagen abgeleitet werden: die Risikolage formal gering qualifizierter Eltern, die soziale sowie die finanzielle Risikolage. In Deutschland ist 2016 mit gut 30 % fast jedes dritte Kind von mindestens einer dieser Risiko - lagen betroffen.“ Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2018, S. 35 22 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 Jugend lichen unter 15 Jahren im SGB II-Bezug lassen sich in Darmstadt deutliche Unterschiede bezüglich der Verteilung in den statistischen Bezirken feststellen. Im Sozialatlas sind in Tabelle 17 „Empfänger*innen von Leis- tungen nach dem SGB II in Darmstadt zum 31. 12. 2016 nach Erwerbsfähigkeit“ diese Daten veröffentlicht. Wich - tig ist in diesem Zusammenhang zu betonen, dass ne - ben den reinen Prozentzahlen der Kinderarmut auch die absolute Zahl der Kinder von großer Bedeutung ist. In nur sechs statistischen Bezirken – von immerhin 37 Bezirken – lebt rund die Hälfte aller von Kinderarmut Betroffenen (exakt 49 % aller Kinder und Jugendlichen im SGB II-Bezug lebten 2016 in diesen 6 Bezirken). 15 Dies sind die Bezirke 910 Kranichstein-Süd, 750 Kirch - tannensiedlung, 530 Verlegerviertel, 920 Kranichstein- Nord, 150 St. Ludwig mit Eichbergviertel und 220 Mar - tinsviertel-West. Tab. 1: Personen im SGB II-Bezug nach Darmstädter Grundschulbezirken zum 31. 3. 2017 Personen insgesamt Alleinerziehende Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren Anteil Kinder u. Jugendl. unter 15 Jahren in % Darmstadt, Wissenschaftsstadt 14.672 1.368 4.654 32 Erich Kästner-Schule 2.573 203 979 38 Wilhelm-Hauff-Schule 1.510 171 592 39 Schillerschule 1.448 137 428 30 Mornewegschule 1.237 110 349 28 Goetheschule 1.287 86 270 21 Astrid-Lindgren-Schule 888 87 266 30 Ludwig-Schwamb-Schule 823 94 242 29 Heinrich-Heine-Schule 633 57 218 34 Käthe-Kollwitz-Schule 653 56 202 31 Georg-August-Zinn-Schule 433 42 152 35 Heinrich-Hoffmann-Schule 483 53 147 30 Christian-Morgenstern-Schule 470 52 146 31 Elly-Heuss-Knapp-Schule 493 49 134 27 Bessunger Schule 530 41 134 25 Wilhelm-Busch-Schule 364 50 126 35 Andersenschule 329 38 121 37 Friedrich-Ebert-Schule 382 25 118 31 Frankensteinschule 93 19 20 keine Zuordnung möglich 23 keine Angabe 20 Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Sonderauswertung für Darmstadt. Stand: 31. 3. 2017 1 5 Vgl. Zusatzinformationen zum Bildungsbericht online. 1 6 Vgl. Zusatzinformationen zum Bildungsbericht online. 23I Rahmenbedingungen Insgesamt lebten 2016 in allen statistischen Bezirken 4.796 Kinder in Armut, in den sechs genannten Bezirken alleine schon 2.352 Kinder. Im ganzen Stadtgebiet leben 20.006 Kinder bis 15 Jahre, davon jedes vierte Kind im SGB II-Bezug. Dieser Anteil ist deutlich höher als bei den erwachsenen Personen. Dank einer Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit vom 1. Quartal 2017 stehen auch die Daten der Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren für die Darm - städter Schulbezirke zur Verfügung. 16 Sowohl die Analy - se der statistischen Bezirke wie auch der Schulbezirke verweisen auf eine sehr unterschiedliche Verteilung be - züglich der Kinderarmut und Segregation: In der Erich Kästner-Schule sowie in der Wilhelm-Hauff-Schule sind die absolut höchsten Zahlen von Kindern in Armut fest - stellbar. Beide Schulen liegen in den bereits dargestell - ten Stadtteilen Kranichstein und Eberstadt, in diesen Bezirken ist auch die größte Kinderarmut festzustellen. Kinder und Jugendliche haben das höchste Armutsrisi - ko, wenn sie in alleinerziehenden Familien aufwachsen, eine Betrachtung der alleinerziehenden Hilfebedürftigen ist zur Analyse von Kinderarmut demnach interessant. 17 Aus Tabelle 1 geht hervor, dass in den beiden genannten Schulbezirken die Zahl der Alleinerziehenden am höchs - ten und damit auch das Armutsrisiko für die Kinder sehr hoch ist. Weitere Daten und Analysen zu Alleinerziehen - den, zu Mehrpersonenhaushalten und zum Armutsrisiko in Stadtteilen finden sich im aktuellen Sozialatlas von 2018. 1 7 Tophoven et al. 2017. 24 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 25 II Bildung im Lebensverlauf Kapitel II bildet den Kern des 1. Bildungsberichts zur Bil- dungslandschaft in der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Um den Fokus auf die Teilhabegelegenheiten von Kin - dern und Jugendlichen zu richten, wird im Folgenden die Wahrnehmung von Bildungsgelegenheiten aus der Lebensverlaufsperspektive unterteilt in drei Abschnitten frühes Kindesalter, mittleres Kindesalter und Jugend - alter beschrieben. Im frühen Kindesalter (Teil A) werden Teilhabemöglich - keiten von Kindern bis zum Einstieg in die Schule in den Fokus genommen. Begonnen wird mit Maßnahmen, die die Entwicklung von Säuglingen und Kleinkindern för - dern und Eltern beim Hineinwachsen in die Elternrolle unterstützen. Das Kapitel schließt mit Maßnahmen, die den Übergang in die Grundschule begleiten. Teil B dokumentiert die Bildungsgelegenheiten im Grundschulalter und nimmt dabei auch die Betreuungs - Grundlegend stehen Frühe Hilfen allen Familien in Darmstadt offen, unabhängig von Status und Bildungs - hintergrund. Besonderes Augenmerk wird aber auf die Familien gerichtet, denen es schwerfällt, sich selbst eine Unterstützung zu organisieren. Deshalb sind die Zugänge zu den vorhandenen Angeboten im Fokus der Netzwerkarbeit in den Frühen Hilfen, um die Teilhabe an frühkindlicher Bildung gerade in den Übergängen zwi - schen den Hilfesystemen zu ermöglichen. Frühe Hilfen sind als präventive Antwort auf spezifi - sche Bedarfe und Bildungsansätze zu verstehen. Das Leistungsspektrum der Frühen Hilfen umfasst: Infor - mation und Beratung bzgl. Entwicklung, Verhalten und Bedürfnissen von Säuglingen / Kleinkindern sowie Hil - fe- und Fördermöglichkeiten, Angebote der Elternbil - dung zur Entwicklung und Stärkung von Versorgungs-, Erziehungs- und Beziehungskompetenzen, Austausch, Begegnung und neue Kontakte mit anderen Eltern – Stärkung von Selbsthilfe und peer-counseling (Peer-Be - ratung), Angebote zur Förderung des Bindungsaufbaus und der Entwicklung des Kindes, Beratung, Entlastung, Unterstützung in Belastungs- und Krisensituationen (vgl. Schmutz 2017). Frühe Hilfen können ihr Potenzial nur in der multipro - fessionellen Kooperation und Vernetzung vieler Akteure aus den unterschiedlichen Leistungssystemen entfalten, formate am Nachmittag als weitere Bildungsorte von Schulkindern in den Blick. Ähnlich wie in Teil A wird Un - terstützungs- und Begleitungsangeboten für Eltern ein Unterkapitel gewidmet. Der Übergang in die weiterfüh - rende Schule bildet den Abschluss zur Bildungsteilhabe im mittleren Kindesalter. Die deutlich größte Lebensspanne umfasst Teil C, in dem die Bildungsteilhabe von Jugendlichen bis zum Einstieg in den Beruf behandelt wird. Neben Bildungsgelegen - heiten in der Schule werden hier auch außerschulische Bildungsorte vorgestellt, um zu dokumentieren, dass Bildungsprozesse gleichermaßen in schulischen wie in außerschulischen Orten vollzogen werden. Zum Abschluss des Kapitels Bildung im Lebensverlauf werden in Teil D Bildungsorte unterteilt in die drei zuvor beschriebenen Lebensalter in der Bildungslandschaft Darmstadt visualisiert. A Frühes Kindesalter bis zum Eintritt in die Schule Das frühe Kindesalter ist das Lebensalter, in dem Ent - wicklung und Bildung in zügigen Schritten erfolgt und von außen besonders deutlich zu erkennen ist – ein Le - bensalter, das wichtige Grundlagen für die nachfolgen - den herausbildet. Im Folgenden werden Frühe Hilfen (Kap. 1), Tagesein - richtungen für Kinder (Kap. 2) und Angebote der Eltern- bzw. Familienbildung (Kap. 3) im frühen Kindesalter be - schrieben. Das Kapitel schließt mit dem Übergang in die Grundschule (Kap. 4). 1. Frühe Hilfen Die Geburt eines Kindes ist der Beginn zahlreicher neuer Erfahrungen für Eltern. Von Tag zu Tag begleiten Eltern die Entwicklungen ihres heranwachsenden Kindes, dies bedeutet zahlreiche Herausforderungen. Die Eltern ha - ben die Möglichkeit über „Frühe Hilfen“ Begleitung und Beratung zu erhalten. 1.1 Netzwerk Frühe Hilfen Das Netzwerk Frühe Hilfen in Darmstadt wurde 2009 gegründet und bildet von Beginn an das Fundament für Unterstützungsleistungen für (werdende) Familien mit Kindern bis zum 3. Lebensjahr. 26 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 insbesondere aus den Bereichen Kinder- und Jugend - hilfe und Gesundheitswesen, ferner aus der Schwan - gerschaftsberatung, der Frühförderung und vielen weiteren Leistungserbringern und Anbietern. In regel - mäßigen Abständen kommen die Fachkräfte aus den unterschiedlichsten Berufsgruppen zum gegenseitigen Informationsaustausch über das jeweilige Aufgaben- und Angebotsspektrum zusammen. Die verschiedenen kommunalen Angebote sowie die differenzierten Ar - beitsweisen sollen so bekannt werden, mit dem Ziel, die Familien besser beraten und innerhalb der Hilfesysteme überleiten zu können. Derzeit umfasst das Netzwerk 99 Netzwerkpartner*innen. Die Koordination des Netzwerks Frühe Hilfen ist beim Jugendamt, Abteilung Familienzen- trum der Wissenschaftsstadt Darmstadt angesiedelt. Das Netzwerk Frühe Hilfen in Darmstadt sieht seine Arbeit im Kontext der Förderung frühkindlicher Ent - wicklung, des Aufbaus einer tragfähigen Eltern-Kind- Beziehung sowie der Bereitstellung verschiedener Bil - dungs- und Beratungsangebote. Frühkindliche Bildung setzt einen feinfühligen Umgang der jeweiligen Bezugs - personen voraus. Die ersten Entwicklungs-, Lern- und Bildungsschritte der Säuglinge und Kleinkinder können am besten durch die Förderung des Beziehungsaufbaus vorangebracht werden (vgl. Thyen 2012). Eine stabile Bindung ist entscheidend für Bildungsprozesse. Die Er - kenntnisse der aktuellen Hirnforschung belegen die zen - trale Rolle der Bindung für gelingende Bildungsprozesse des Kindes (vgl. Strüber 2016). Ebenso entscheidend ist ein familienfreundliches Umfeld mit entsprechenden Angeboten für (werdende) Eltern (vgl. Thyen 2012). Früh einsetzende Unterstützungsan - gebote sowie ein koordiniertes Netzwerk für Schwan - gere und Familien mit Kindern von 0 – 3 Jahren sollen die Chancen auf ein gesundes Aufwachsen ermöglichen und verbessern. 1.2 Darmstädter Modell „Kinder schützen – Familien fördern“ Das Darmstädter Modell „Kinder schützen – Familien för- dern“, ein inzwischen fest etabliertes Präventionsmodell im Bereich der Frühen Hilfen (Kernelemente: Informa - tion, Beratung, Vermittlung, Vernetzung), wurde als Be - grüßungsdienst im Jahr 2009 in der Abteilung Städti - scher Sozialdienst des Jugendamts implementiert. Durch die Angebote von „Kinder schützen – Familien för- dern“ sollen alle Darmstädter Eltern unterstützt werden, den Start in das Leben mit ihrem Kind bestmöglich zu gestalten. Der Grundgedanke dabei ist, frühe und prä - ventive Angebote für alle Eltern bereitzustellen. Denn bei aller Heterogenität in der Begriffsbestimmung von Frühen Hilfen in ihrer Beziehung zum Kinderschutz be - steht in der Fachöffentlichkeit ein Konsens darüber, dass gelingender Kinderschutz auch immer präventiv ist (vgl. Ziegenhain et al. 2010). Jedes neugeborene Darmstädter Kind wird von einer Mitarbeiterin des Begrüßungsdienstes persönlich will - kommen geheißen. Jährlich werden zwischen 1.500 und 1.700 Säuglinge und ihre Familien besucht. Neben vielfäl- tigen Informationen für die Eltern können sie durch prä - ventive Angebote unterstützt und begleitet werden, um eventuelle familiäre Belastungen zu reduzieren. Informa - tionen und Beratung helfen Verunsicherung abzubauen, Stresssituationen entgegenzuwirken und damit zur Stär - kung der Eltern- und Erziehungskompetenz beizutragen. Die Eltern werden dabei unterstützt, mögliche Störun - gen in der Eltern-Kind-Beziehung frühzeitig zu erkennen und diesen von Anfang an wirksam zu begegnen, um ih - ren Kindern bestmögliche Entwicklungsbedingungen zu bieten. Bei Bedarf können zeitnah, unbürokratisch und für die Eltern kostenfrei multiprofessionell angelegte Un - terstützungs-, Entlastungs- und Hilfeleistungen aus den Bereichen Beratung, Betreuung, Gesundheit, Hauswirt - schaft und Migration installiert werden. Beispiele hierfür sind der Einsatz einer Gesundheits-, Familien- und Kin - derkrankenpflegerin, Erste Emotionelle Hilfe, Familien - lotsin, familienentlastende Kinderbetreuung, Sprach- und Integrationsmittlerin sowie hauswirtschaftliche Hilfe. Willkommensbesuche können als eine Schnittstelle zum Hilfesystem fungieren und innovative Zugänge zu Ange - boten schaffen, indem sie Eltern gezielt und passgenau vermitteln (vgl. Günther und Frese 2013). Durch die Vernetzung mit freien Trägern und zahlreichen Fachkräften aus den Bereichen Jugendhilfe und Ge - sundheit ist es gelungen, ein breitgefächertes Unterstüt - zungsangebot für Darmstädter Familien zu entwickeln, das sich durch niedrigschwellige Zugänge auszeichnet. Dabei werden grundlegend folgende Handlungsfelder unterschieden, denen die Unterstützungsangebote zu - geordnet werden: Beratung, Betreuung, Gesundheit und Hauswirtschaft. Rund 23 % (322) aller im Jahr 2016 besuchten Fami - lien (1.401) hatten über den Hausbesuch hinaus einen Bedarf an Unterstützungsleistungen. Die überwiegende Zahl dieser Familien nahmen Unterstützungspakete ein - malig in Anspruch (224). Rund ein Drittel der Familien hatte hingegen einen längeren Unterstützungsbedarf und nahm mehrere Maßnahmenintervalle in Anspruch. Der häufigste Bedarf ergab sich in den Bereichen Be - ratung und Betreuung von bspw. älteren Geschwister - 27II Bildung im Lebensverlauf kindern. Rund 68 % (218) aller Unterstützungsleistun - gen lassen sich einem dieser beiden Handlungsfelder zuordnen. 2. Tageseinrichtungen für Kinder Der Besuch einer Kindertageseinrichtung stellt für Kin - der die erste Station in der institutionellen Bildungsket - te in Deutschland dar. Somit findet hier auch der erste (Bildungs-)Übergang – aus der Familie in die betreuen - de Einrichtung – statt. Zu den Kindertageseinrichtungen zählen hierbei Einrichtungen mit ausschließlicher Be - treuung von Kindern unter 3 Jahren (U3, Kinderkrippen) oder über 3 Jahren (Ü3, Kindergarten) sowie Einrichtun - gen mit einem altersübergreifenden Betreuungsangebot (U3 + Ü3, Kindertagesstätten). Darüber hinaus besteht das Angebot der Kindertagespflege, welches sich über - wiegend an unter 3-jährige Kinder richtet. Die Kinderbe - treuung ist dabei nicht nur bedeutsam, um eine Verein - barkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen, sondern kommt ihrem Auftrag als Bildungsort nach. Hier werden Kindern wichtige Sozialisierungserfahrungen zuteil und 1 8 Dabei stellen laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW 2017) die Qualität der Kitas und die Zusammensetzung der jeweiligen Kita- Gruppen durchaus relevante Einflussfaktoren für die Entwicklung des Verhaltens und der Sprachkompetenzen der Kinder dar. 1 9 Aufgrund von altersübergreifenden Kindertageseinrichtungen werden einige Einrichtungen hier doppelt gezählt. unter anderem das Erlernen wesentlicher Sprachkompe - tenzen gefördert. Im Fokus steht hierbei eine qualitativ hochwertige Kindertagesbetreuung mit einer altersge - rechten und individuell zugeschnittenen Förderung. Dies ist insbesondere für den Bildungserfolg von Kindern aus sozio-ökonomisch benachteiligten bzw. bildungsfernen Haushalten besonders wertvoll. 2.1 Übersicht Angebote Darmstadt weist eine vielfältige Struktur- und Träger - landschaft in der Kinderbetreuung auf. Die im SGB VIII – Kinder- und Jugendhilfe verankerten Rechtsgrundsät - ze Wunsch- und Wahlrecht sowie Trägerpluralität und Subsidiarität finden sich auch in der Darmstädter Be - treuungslandschaft wieder: Neben den städtischen Ein - richtungen befinden sich Tageseinrichtungen für Kinder auch in der Hand von kleinen freien Trägern, den großen freien Trägern Arbeiterwohlfahrt (AWO) und Arbeiter- Samariter-Bund (ASB), den Kirchen oder werden pri - vat-gewerblich betrieben. Einzelne pädagogische Aus - richtungen bzw. Förderschwerpunkte wie u. a. Waldorf oder auch Sport, Sprachen etc. können hierbei gewählt werden. Viele kleine Träger sind insbesondere im U3- Bereich tätig und zeugen u. a. von großem Engagement der Eltern. Jedoch besteht aufgrund der Trägerautono - mie und den damit z. T. verbundenen trägerspezifischen Aufnahmekriterien bei nicht-städtischen Einrichtungen die Gefahr der Selektion und demnach der Segregation von Kindern.18 In Abbildung 5 ist die Struktur der Kindertageseinrich - tungen in Darmstadt im Jahr 2016 dargestellt. Hinzu kommen 98 Tagespflegepersonen bzw. -einrichtungen mit insgesamt 515 U3-Betreuungsplätzen, die hier auf - grund ihrer sehr heterogenen Struktur nicht vergleich - bar ausführlich behandelt werden können. Von den 123 Kindertageseinrichtungen sind 79 im Bereich der U3- Betreuung und 89 bei der Ü3-Betreuung tätig. 19 Die U3-Betreuung erfolgt v. a. von Seiten nicht-städtischer Abb. 5: Anzahl und Formen der Kindertageseinrichtungen 2016 Quelle: Jugendamt Darmstadt, Jugendhilfeplanung Krippe (U3) Kindergarten (Ü3) K i n d e r t a g e s- stätte ( U 3 + Ü 3 ) innen: darunter städtische Einrichtungen 45 44 34 2 Abb. 6: Träger der Plätze in der Kindertagesbetreuung 2016 Ü3-Plätze U3-Plätze 0 % 20 % 40 % 60 % 80 % 100 % Quelle: Jugendamt Darmstadt, Jugendhilfeplanung kleine freie Träger AWO + ASB kirchliche Einrichtungen Stadt Darmstadt privat-gewerbliche Einrichtungen Kindertagespflege 718 553 2.233 1.445 126 290 137 240 223 515602 14 9 28 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 In den Abbildungen 6 und 7 sind die zur Verfügung ge - stellten Plätze in den Einrichtungen der einzelnen Träger, differenziert nach den Altersgruppen U3 und Ü3, dar - gestellt. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt stellt 23,8 % aller Betreuungsplätze bereit – insbesondere im Kinder - gartenbereich (mit 1.445 von 5.075 Ü3-Plätzen und so - mit 28,5 % des Ü3-Kontingents), weniger im U3-Bereich (240 von 2.007 U3-Plätzen; 12 %). Bei den nicht-städti - schen Trägern sind allen voran kirchliche Einrichtungen (v. a. die evangelische Kirche) mit 33,5 % der Gesamt - plätze sowie freie Träger mit 18,6 % zu nennen. Kleine freie Träger bieten vor allem U3-Betreuungsplätze an (30 % der U3-Plätze) und sind mit durchschnittlich 24,4 Plätzen je Einrichtung verhältnismäßig klein. Ferner stel - len die Kindertagespflege mit 515, AWO und ASB mit 290 sowie privat-gewerbliche Einrichtungen mit 223 Plätzen ebenfalls große Teile der U3-Versorgung. 2.2 Versorgungsquote Die folgend aufgeführten Daten zur Versorgungsquote sind den jährlich durch die Jugendhilfeplanung erstell - ten Versorgungsberichten entnommen. 20 Bei der Versor- gungsquote21 wird die Anzahl der Betreuungsplätze in Relation zur Anzahl der Kinder im entsprechenden Alter auf dem Stadtgebiet gesetzt. Entsprechend wird von ei - nem Indikator für die Versorgungslage gesprochen. Wie Abbildung 8 zu entnehmen ist, hat die Anzahl der Be - treuungsplätze im U3-Bereich kontinuierlich zugenom - men. So kam es zwischen 2011 (1.430 U3-Plätze) und 2016 (2.007 U3-Plätze) zu einer Zunahme um 40,3 %. Allerdings ist im gleichen Zeitraum, v. a. ab 2013, die Anzahl der Kinder im entsprechenden Alter angestie - gen. So erhöhte sich die U3-Versorgungsquote zwar von anfänglich 33,6 % im Jahr 2011 auf zwischenzeitlich 45,1 % im Jahr 2015, mit dem starken Anstieg der Kin - derzahl im Jahr 2016 fiel die Quote jedoch wieder auf 42,7 % (Abb. 8). Dennoch liegt die Versorgungsquote in Darmstadt damit über der auf dem Krippengipfel 2007 vereinbarten Quote von 35 %. Neben der Betreuung in der Krippe spielt die Tages - pflege eine große Rolle bei der U3-Versorgung: Wenn auch mit zuletzt leicht abnehmender Tendenz stellt die Tagespflege stets ca. 26 bis 30 % der angebotenen U3- Betreuungsplätze. So fand auch in diesem Bereich über 2 0 Die Versorgungsberichte erscheinen jährlich und werden durch die im Jugendamt angesiedelte Jugendhilfeplanung erstellt. Sie befassen sich detaillierter mit der Versorgungsquote, stellen u. a. einen Raumbezug her, geben eine umfangreichere Einordnung in die maßgebliche Gesetzgebung und zeigen zudem die prognostizierte Entwicklung des Platzbedarfs auf. 2 1 Die Betreuungsquote hingegen geht auf die Inanspruchnahme der Kindertagesbetreuung ein. Diese wird in der vorliegenden Publikation aufgrund der diffizilen Datenlage jedoch nicht thematisiert. Träger (68 Einrichtungen). So befinden sich nur zwei rei - ne Krippen in städtischer Trägerschaft (von insgesamt 34), in altersübergreifenden städtischen Einrichtungen werden allerdings z. T. auch U3-Plätze angeboten. Ei - nen größeren Anteil haben städtische Einrichtungen hingegen an der Ü3-Betreuung (23) – in Kindergärten, aber auch altersübergreifenden Tageseinrichtungen. Eine Verräumlichung der Einrichtungen wird in Kapitel D – Bildung im Sozialraum vorgenommen. Abb. 7: Träger der Plätze in Tageseinrichtungen für Kinder 2016 2.000 1.500 1.000 500 kleine freie Träger AWO + ASB kirchliche Ein richtungen Stadt Darmstadt privatge werbliche Ein richtungen Kinder t a g e s pflege U3-Plätze Ü3-Plätze Quelle: Jugendamt Darmstadt, Jugendhilfeplanung 602 290 137 240 223 515 718 553 2.233 1.445 126 Abb. 8: Entwicklung der U3-Versorgung 2011 2012 2013 2014 2015 2016 0 1.000 2.000 3.000 4.000 5.000 Anzahl Plätze Anzahl Kinder Versorgungsquote Quelle: Berichte zum Versorgungsgrad in der Kinderbetreuung 2011 – 2016, Jugendamt Darmstadt 33,6 % 37,3 % 41,3 % 44,2 % 45,1 % 42,7 % 1.430 4.258 4.267 4.265 4.291 4.386 4.705 1.593 1.760 1.895 1.977 2.007 29II Bildung im Lebensverlauf die Jahre ein Ausbau statt: von 428 Plätzen im Jahr 2011 auf 539 im Jahr 2015 (Abb. 9). Da zeitgleich verstärkt Krippenplätze ausgebaut wurden, nahm allerdings der prozentuale Anteil der Tagespflege an der U3-Versor - gung in den letzten Jahren leicht ab. Die Ü3-Versorgungsquote lag in den letzten Jahren um die 100 %: 2014 bei 101,2 %, 2015 bei 99,5 % sowie 2016 bei 99,3 % (Abb. 10). Vorausgegangen war ein Aus- bau um gut 11,8 % (2012: 4.538 Ü3-Plätze, 2016: 5.075), der jedoch aufgrund des leichten, kontinuierlichen An - stiegs der Kinderzahlen im Kindergartenalter nahezu egalisiert wurde (Abb. 10). Eine Versorgungsquote von 105 % wird angestrebt, um Integrationskinder bedarfs - gerecht berücksichtigen zu können (Wissenschaftsstadt Darmstadt: Sozialatlas 2018, S. 41). Vor dem Hintergrund der dynamischen Bevölkerungs - entwicklung in Darmstadt besteht der Bedarf, die Be - treuungsplätze über das Jahr 2020 hinaus auszubauen. Aktuell sind weitere 198 U3-Plätze sowie 572 Ü3-Plätze fest eingeplant. Die Grundlage für die Ausbauplanung bilden die Daten der kommunalen Statistikstelle. Da auch mittelfristig mit steigenden Kinderzahlen zu rech - nen ist,22 wird der angestrebte Ausbau – wie zuvor – wohl von der Dynamik der Bevölkerungsentwicklung kompen - siert werden. 2.3 Betreuungsumfang Mit der Einführung der tolina Datenbank im Jahr 201423 liegt erstmals eine umfangreiche digitale Datenbank mit Informationen zu u. a. dem Betreuungsumfang in der Kindertagesbetreuung in Darmstadt vor. Verände - rungen im Betreuungsumfang sind im Laufe der Jahre v. a. im Bereich der Stundenkontingente von bis zu vier, 2 2 Siehe Demografiebericht 3 der Wissenschaftsstadt Darmstadt. 2 3 Mit der Einführung der tolina Datenbank in Darmstadt kamen einige neue Komponenten für die einpflegenden Einrichtungen hinzu, sodass die Datenqualität zurzeit noch ausbaufähig ist, zumal sich auch der Aufbau der Datenbank noch etablieren muss. Vor diesem Hintergrund sind die vorliegenden Ergebnisse zu betrachten – so liegen insbesondere im Hinblick auf das Geschlecht (2017: 3,1 % oder 189 von 6.038 ohne Angabe), die Staatsangehörigkeit (15,6 %; 939) oder die vorrangige Familiensprache (13,7 %; 825) einige Werte nicht vor. Abb. 9: Tagespflege und Krippenplätze 2.000 1.500 1.000 500 2011 2012 2013 2014 2015 2016 Krippenplätze Plätze in der Tagespflege Quelle: Berichte zum Versorgungsgrad in der Kinderbetreuung 2011– 2016, Jugendamt Darmstadt 1.002 1.103 1.236 1.360 1.438 1.492 428 490 524 535 539 515 Abb. 10: Entwicklung der Ü3-Versorgung 2012 2013 2014 2015 2016 4.000 4.400 4.800 5.200 Anzahl Plätze Anzahl Kinder Versorgungsquote Quelle: Berichte zum Versorgungsgrad in der Kinderbetreuung 2011 – 2016, Jugendamt Darmstadt 93,3 % 97,4 % 101,2 % 99,5 % 99,3 % 4.538 4.861 4.826 4.900 5.078 5.112 4.699 4.960 5.054 5.075 Abb. 11: Betreuungsumfang in der Kindertagesbetreuung 2015 ( n = 5 . 9 7 2 ) 2016 ( n = 6 . 0 4 2 ) 2017 ( n = 6 . 0 3 8 ) 0 % 20 % 40 % 60 % 80 % 100 % Quelle: Jugendamt Darmstadt, Online-Portal Kinderbetreuung (tolina) 4 Stunden 5 Stunden 6 Stunden 8 Stunden 1 0 Stunden individuell 19,0 2,9 18,4 33,7 24,3 1,8 3,5 19,6 37,6 23,2 2,214,0 3,5 20,3 36,8 22,6 4,412,4 30 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 renziert, fällt auf, dass es keine großen Unterschiede in Bezug auf das Geschlecht, hingegen aber bei der Staats - angehörigkeit und der vorrangigen Familiensprache gibt. Insbesondere bei den Betreuungszeiten von vier, acht und zehn Stunden zeichnen sich Disparitäten ab: So werden Kinder mit ausländischer Staatsangehörigkeit und nicht deutscher Familiensprache überproportional häufig nur bis zu vier Stunden betreut (Abb. 12 und 13). Während im Jahr 2017 die vierstündige Betreuung im Durchschnitt rund 12,4 % der Betreuungskontingente ausmacht, sind es 23,2 % bei den Kindern mit ausländi - scher Staatsangehörigkeit sowie 23,4 % bei Kindern mit nicht deutscher Familiensprache. Hingegen werden von diesen Kindern Betreuungszeiten von bis zu acht oder zehn Stunden verhältnismäßig seltener in Anspruch genommen. 2.4 Verweildauer in der Kindertagesbetreuung Die Kita-Besuchsdauer 25 wird bei der obligatorischen Schuleingangsuntersuchung vom zuständigen Gesund - heitsamt erfragt. 26 In Abbildung 14 ist die Verweildauer der im Jahr 2016 untersuchten Kinder nach Geschlecht und Herkunft differenziert dargestellt. Auffällig ist dabei, dass größere Anteile der Jungen (95,3 %) und Mädchen (96,4 %) ohne Migrationshintergrund länger als 18 Mo - nate die Kita besucht haben als Kinder mit Migrations - hintergrund (77,7 % bzw. 86,7 %). Mädchen haben nicht nur länger, sondern auch – in Bezug auf die Kinder mit Migrationshintergrund – häufiger die Kita besucht: So sind 3,2 % der Mädchen und 8,6 % der Jungen mit Mi - grationshintergrund nie in einer Kindertagesstätte be - treut worden. Wird die Kita-Besuchsdauer bzgl. der Herkunftsregion 27 aufgeschlüsselt, ist festzustellen, dass prozentual gese - hen Kinder aus Deutschland (95,9 %) eine längere Ver - weildauer (≥ 18 Monate) in der Kita aufweisen als aus anderen Herkunftsregionen, wobei hier auch recht gro - ße Unterschiede bestehen (Abb. 15). Während 88,2 % der Kinder aus der Herkunftsregion Türkei länger als 18 Monate eine Kita besuchten, liegt der Anteil bei Kindern aus dem arabischen Raum bei nur 70,3 %. Bei der Her - kunftsregion arabischer Raum fällt zudem der Anteil von Kindern ohne Kita-Besuch mit 17,6 % weitaus höher als in anderen Regionen aus. 28 2 4 Die Kategorie „individuell“ bezieht sich i. d. R. auf Betreuungssettings in der Tagespflege, welche als Regelangebot oder als ergänzendes Betreuungsangebot in Anspruch genommen werden können. 2 5 Nachfolgend als Synonym zur Verweildauer in der Kindertagesbetreuung. 2 6 Dabei können die Eltern Zeiträume von mehr als drei Jahren, 18 Monaten bis drei Jahren und weniger als 18 Monaten sowie keinen Kita-Besuch angeben. 2 7 Hier sind nur die Herkunftsregionen mit Fallzahlen um n = 100 aufgeführt. 2 8 In diesem Zusammenhang sind die Migrationsereignisse aus dem Sommer 2015 zu erwähnen, in deren Folge vermutlich auch viele Kinder (aus dem arabischen Raum) nach Deutschland kamen, die zuvor in ihren Heimatländern noch keine Kindertageseinrichtung besucht haben. Abb. 12: Betreuungszeit von Kindern nach Staatsangehörigkeit 2017 4 Stunden 8 Stunden 10 Stunden 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % deutsche Staatsangehörigkeit ausländische Staatsangehörigkeit 2017 insgesamt Quelle: Jugendamt Darmstadt, Online-Portal Kinderbetreuung (tolina) 12,4 36,8 23,2 10,1 29,2 38,4 22,6 19,6 24,1 Abb. 13: Betreuungszeit von Kindern nach vorrangiger Familiensprache 2017 4 Stunden 8 Stunden 10 Stunden 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % deutsche Familiensprache nicht-deutsche Familiensprache 2017 insgesamt Quelle: Jugendamt Darmstadt, Online-Portal Kinderbetreuung (tolina) 12,4 36,8 23,4 6,6 29,4 40,2 22,6 20,6 24,3 acht und zehn Stunden sowie im Bereich „individuell“ 24 auszumachen (Abb. 11). So ist der Anteil der Betreuung von bis zu vier Stunden pro Tag um 6,6 Prozentpunkte von 2015 (19 % aller Betreuungskontingente) zu 2017 (12,4 %) zurückgegangen, während der Anteil von bis zu acht Stunden im gleichen Zeitraum um 3,1 Prozent - punkte gestiegen ist. Wird der Betreuungsumfang nach Geschlecht, Staats - angehörigkeit und vorrangiger Familiensprache diffe - 31II Bildung im Lebensverlauf Abb. 14: Verweildauer in der Kindertageseinrichtung nach Geschlecht und Herkunft 2016 5 0 % 4 0 % 30 % 20 % 10 % Jungen ohne Migrations hintergrund ( n = 4 0 4 ) Mädchen ohne Migrationshintergrund ( n = 3 9 3 ) Jungen mit Migrationshintergrund ( n = 3 7 3 ) Mädchen mit Migrationshintergrund ( n = 3 3 9 ) Quelle: Gesundheitsamt der Stadt Darmstadt und des Landkreises Darmstadt-Dieburg (Schuleingangsuntersuchung) mehr als 3 Jahre 18 Monate – 3 Jahre weniger als 18 Monate kein Kita-Besuch 42,1 1,0 53,2 3,7 40,5 40,2 52,8 1,0 8,6 3,2 56,0 37,5 33,9 2,5 13,7 10,0 Abb. 15: Verweildauer in der Kindertageseinrichtung nach ausgewählten Herkunftsregionen 2016 arabischer Raum ( n = 1 6 5 ) europ. Mittelmeer inkl. Balkan (n = 94) Osteuropa/GUS ( n = 1 4 9 ) Türkei (n = 144) Deutschland ( n = 7 9 7 ) 0 % 20 % 40 % 60 % 80 % 100 % Quelle: Gesundheitsamt der Stadt Darmstadt und des Landkreises Darmstadt-Dieburg (Schuleingangsuntersuchung) mehr als 3 Jahre 18 Monate – 3 Jahre weniger als 18 Monate kein Kita-Besuch 26,7 43,6 12,1 17,6 50,0 16,0 1,133,0 49,7 12,1 3,434,9 45,8 41,3 11,1 3,1 0,7 1,0 42,4 54,6 Abb. 16: Verweildauer in der Kindertageseinrichtung im Zeitverlauf 0 % 20 % 40 % 60 % 80 % 100 % Quelle: Gesundheitsamt der Stadt Darmstadt und des Landkreises Darmstadt-Dieburg (Schuleingangsuntersuchung) 2009 (n = 1.379) 2010 (n = 1.363) 2011 (n = 1.398) 2012 (n = 1.340) 2013 (n = 1.507) 2014 (n = 1.466) 2015 (n = 1.477) 2016 (n = 1.511) mehr als 3 Jahre 18 Monate – 3 Jahre weniger als 18 Monate kein Kita-Besuch 55,3 41,5 0,7 54,8 2,5 1,341,4 50,3 3,3 0,945,6 56,3 43,1 47,3 45,7 43,6 3,1 4,3 5,0 9,3 7,3 1,2 1,1 1,8 3,6 3,4 39,3 51,4 45,9 41,4 45,7 2,5 32 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 Die prozentualen Anteile der einzelnen Kita-Besuchszeit - räume schwanken im Laufe der Jahre, insbesondere bei den Slots von größer / gleich 18 Monaten (Abb. 16). Fest- zustellen ist zudem eine kontinuierliche Erhöhung der Anteile von Kindern, die weniger als 18 Monate (2009: 2,5 % p 2016: 7,3 %) sowie nie (2009: 0,7 % p 2016: 3,4 %) in der Kita betreut wurden. 2.5 Übergang Familie – U3 Eine Herausforderung für jede Betreuungssituation sind die sogenannten Übergänge. Die Aufnahme in eine Kin - dertagesstätte oder in die Tagespflege ist eine gravie - rende Veränderung der Lebensumwelt und stellt hohe Anforderungen an die Kinder und deren Eltern. Hierbei wird von Anfang an die Bildung einer Erziehungspart - nerschaft angestrebt, die es den Eltern, den Einrichtun - gen und den Tagespflegestellen ermöglicht, sich über die Gestaltung des Übergangs auszutauschen. Die er - folgreiche Bewältigung von Übergängen ist als Prozess zu verstehen, der von Kindern, Eltern (abgebend) und Fachkräften (aufnehmend) gemeinsam und ko-kon - struk tiv begleitet werden sollte. Damit Eltern und Kinder diese bedeutsame Phase er - folgreich bewältigen können, erfolgt in den Kindertages - einrichtungen und in der Tagespflege die Eingewöhnung der Kinder in Anlehnung an das sogenannten „Berliner Modell“. Es sieht eine schrittweise Eingewöhnungszeit vor, die individuell zwischen Eltern und Erzieher*innen abgesprochen wird. Die Eingewöhnung ist ein Prozess, auf den sich die Kinder unterschiedlich einlassen. Auf ihre jeweiligen Möglichkeiten wird eingegangen und in Elternrücksprachen die nächsten Schritte besprochen. Hilfreich für Kinder sind auch Angebote, wie Schnupper - nachmittage, die es v. a. im Kindergartenbereich gibt. Hier können erste Kontaktaufnahmen z. B. der U3-Kin - der im Kindergarten erfolgen. Es sind die individuellen Bedürfnisse des Kindes und der Eltern, die den Umfang der Eingewöhnung mitbe - stimmen. Die Eingewöhnung kann als gelungen und abgeschlossen gelten, wenn sich das Kind in Stress - situa tionen von einer Fachkraft beruhigen lässt und die Lernangebote der neuen Umgebung exploriert, für sich nutzt und mit Freude in die Kindertagesstätte oder zur Tagespflegeperson kommt. Alltagsintegrierte sprachliche Bildung – Sprachkitas Sprache stellt eine Schlüsselqualifikation für den schulischen und beruflichen Erfolg dar. Um die Sprach - entwicklung aller Kinder in allen Altersstufen bestmöglich zu unterstützen und damit einen Beitrag für mehr Chancengleichheit zu leisten, beteiligt sich die Wissenschaftsstadt Darmstadt seit Januar 2016 mit 25 Kitas verschiedener Träger in zwei Förderwellen am vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Ju - gend geförderten Bundesprogramm „Sprach-Kitas – weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ . Mit dem Programm werden insbesondere Kitas unterstützt, die von einem überdurchschnittlich hohen Anteil von Kindern mit be - sonderem sprachlichem Förderbedarf besucht werden. Ausgehend von der Erkenntnis, dass Kinder Sprache am besten erlernen, wenn sie interessiert und involviert sind, orientiert sich alltagsintegrierte sprachliche Bildung an den Kompetenzen der Kinder und ist immer eingebettet in für sie bedeutsame Handlungen. Es handelt sich somit nicht um ein pädagogisches Zusatzangebot, sondern um eine systematische und umfassende Begleitung und Anregung der Sprachentwicklung aller Kinder während des gesamten Kitaalltags. Eine zusätzliche, qualifizierte Fachkraft unterstützt die jeweiligen Einrichtungsteams dabei, alltägliche Routinesituationen sowie freie und ge - plante Spiel- und Bildungssituationen möglichst sprachanregend und sprachfördernd zu gestalten und die alltags - inte grierte sprachliche Bildung nachhaltig in der Einrichtungskonzeption zu verankern. Neben der sprach lichen Bildung stellt das Programm auch die Zusammenarbeit mit den Familien sowie die inklusive Pädagogik in den Fokus. Durch den Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung mit den Familien unter Berücksichtigung individueller Bedarfe wird die Basis geschaffen, die Kinder ganzheitlich in ihrer Entwicklung zu begleiten. 33II Bildung im Lebensverlauf 3. Elternbildung / Familienbildung Aus der Perspektive des lebenslangen Lernens gilt die Familie als erster Bildungsort,29 an dem Kinder von klein auf in ihrer Entwicklung gefördert und begleitet werden. Ein unterstützendes Elternhaus wird als ein entscheiden - der Faktor für gelingende Bildungsbiographien gewertet (vgl. Betz et al. 2017; Walper 2012). Entsprechend ist die Frage von Relevanz, wie die Bildungslandschaft Darm - stadt zur Stärkung der Elternrolle aufgestellt ist. In der Regel setzen Angebote der Familienbildung bereits in der Zeit der Schwangerschaft an. Das Hineinwachsen in die Elternrolle, die Stärkung der Elternkompetenz und das Leben im Familienverbund wird mit Angeboten der Familienbildung begleitet. Das Kinder- und Jugendhilfe - gesetz (KJHG) § 16 bildet die gesetzliche Grundlage der Familienbildungsarbeit (im SGB VIII), wobei Prävention, Alltagsorientierung, Partizipation und Integration als entscheidende Strukturprinzipien der Jugendhilfe be - tont werden. In Darmstadt sorgt das Familienzentrum mit seinem Bereich Familienbildung für ein derartiges Angebot (Kap. 3.1). Freie Träger ergänzen mit vielfältigen Bildungsangeboten die städtische Familienbildungs - landschaft (Kap. 3.2). 3.1 Familienbildung im Familienzentrum der Wissenschaftsstadt Darmstadt Neben den Möglichkeiten für Begegnung, Orientierung, Austausch und Integration stärkt das Familienzentrum mit seinen beiden Angeboten der Familienbildung und Erziehungsberatung (vgl. Kap 7.1) die Erziehungskompe- tenz der Eltern und das Bild vom Kind. Alle Anstrengun - gen zielen darauf ab, Eltern in ihrer Rolle zu begleiten und damit die Entwicklungschancen von Darmstädter Kindern zu stärken. Voraussetzung für Bildungsprozesse sind gute Bin - dungserfahrungen, die insbesondere im frühen Kindes - alter grundgelegt werden – umso entscheidender ist die Begleitung familiärer Bindungsprozesse von Anfang an. Familienbildung leistet an dieser Stelle einen grundle - genden Beitrag durch Stärkung der Erziehungskraft und des Selbsthilfepotenzials der Eltern. Die Bildungsarbeit in der Familienbildung ist im Wesent - lichen gruppenpädagogisch ausgerichtet. Lernen von - ein ander und miteinander stellt den Dialog als Lernform in den Mittelpunkt. Generationsübergreifende Angebote sind ein besonderes Merkmal der Arbeit. Die Arbeit mit Gesundheit, sozialer Lage, Weltanschauung, Kultur und Nationalität. Einzelne Angebote werden im Kurspro - gramm der Familienbildung explizit als inklusive Ange - bote ausgeschrieben. Den Kursteilnehmenden entstehen Kosten in Form von Kursgebühren, die aber jederzeit aus verschiedenen Gründen ermäßigt werden können. Die Anzahl der Kursteilnehmenden ist in den letzten neun Jahren geringfügigen Schwankungen unterworfen und steigt seit 2014 stetig an (vgl. Tabelle 2). 2 9 Hessisches Ministerium für Soziales und Integration/Hessisches Kultusministerium (Hrsg.) (2014): Bildung von Anfang an. Bildungs- und Erziehungsplan (BEP) für Kinder von 0 bis 10 Jahren in Hessen. Wiesbaden. Tab. 2: Entwicklung der Teilnahmezahlen an Angeboten des Familienzentrums der Wissenschaftsstadt Darmstadt Jahr Teilnehmende im Bereich Familienbildung gesamt weiblich männlich Kinder 2007 13.116 7.235 776 5.105 2008 12.667 6.584 771 5.312 2009 12.257 6.655 751 4.851 2010 13.477 7.864 866 4.747 2011 13.215 7.430 875 4.910 2012 12.696 7.085 918 4.693 2013 14.799 7.382 949 6.468 2014 13.279 7.036 822 5.421 2015 13.506 6.974 957 5.575 2016 14.425 7.373 1.152 5.900 Quelle: Familienzentrum der Wissenschaftsstadt Darmstadt, Bereich Familienbildung, 2018 den Eltern ist beginnend mit der ersten Familienphase langfristig angelegt und betrifft unter anderem auch die Begleitung von Übergängen in allen Lebensphasen. Familienbildung ist in erster Linie Elternbildung, wenn - gleich alle Familienmitglieder angesprochen sind, und versteht sich als Begleiterin eines aktiven Prozesses ler - nender Erwachsener. Die Einrichtung begleitet Menschen aller Altersstufen, in allen familiären Lebensformen und Lebensphasen bei ihren alltäglichen und besonderen Themen in Form von Kursangeboten, Gesprächskreisen und Beratungen. Sie fördert damit die Möglichkeit le - benslangen Lernens. Der Bereich Familienbildung arbei - tet grundlegend mit einer inklusiven Haltung und richtet sein Angebot an alle Einwohner*innen unabhängig von Alter, Geschlecht, Religion, psychischer wie körperlicher Alltagsintegrierte sprachliche Bildung – Sprachkitas Sprache stellt eine Schlüsselqualifikation für den schulischen und beruflichen Erfolg dar. Um die Sprach - entwicklung aller Kinder in allen Altersstufen bestmöglich zu unterstützen und damit einen Beitrag für mehr Chancengleichheit zu leisten, beteiligt sich die Wissenschaftsstadt Darmstadt seit Januar 2016 mit 25 Kitas verschiedener Träger in zwei Förderwellen am vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Ju - gend geförderten Bundesprogramm „Sprach-Kitas – weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ . Mit dem Programm werden insbesondere Kitas unterstützt, die von einem überdurchschnittlich hohen Anteil von Kindern mit be - sonderem sprachlichem Förderbedarf besucht werden. Ausgehend von der Erkenntnis, dass Kinder Sprache am besten erlernen, wenn sie interessiert und involviert sind, orientiert sich alltagsintegrierte sprachliche Bildung an den Kompetenzen der Kinder und ist immer eingebettet in für sie bedeutsame Handlungen. Es handelt sich somit nicht um ein pädagogisches Zusatzangebot, sondern um eine systematische und umfassende Begleitung und Anregung der Sprachentwicklung aller Kinder während des gesamten Kitaalltags. Eine zusätzliche, qualifizierte Fachkraft unterstützt die jeweiligen Einrichtungsteams dabei, alltägliche Routinesituationen sowie freie und ge - plante Spiel- und Bildungssituationen möglichst sprachanregend und sprachfördernd zu gestalten und die alltags - inte grierte sprachliche Bildung nachhaltig in der Einrichtungskonzeption zu verankern. Neben der sprach lichen Bildung stellt das Programm auch die Zusammenarbeit mit den Familien sowie die inklusive Pädagogik in den Fokus. Durch den Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung mit den Familien unter Berücksichtigung individueller Bedarfe wird die Basis geschaffen, die Kinder ganzheitlich in ihrer Entwicklung zu begleiten. 34 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 Mit seinen vier Außenstellen und Kooperationen mit Ki - taFAZ (Bessungen) und der Kita Thomasstraße bietet die Familienbildung der Wissenschaftsstadt Darmstadt ein stadtweit erreichbares Angebot für möglichst viele Eltern. Im Fokus der Angebote der Familienbildung stehen vor allem Themen der frühkindlichen Bildung. Die Angebote basieren auf einer Komm-Struktur und richten sich mehr- heitlich an Eltern vor der Geburt bis zur Einschulung. 3.2 Weitere Angebote im Bereich Familienbildung In der Wissenschaftsstadt Darmstadt ist eine Vielzahl von freien Trägern im Bereich Bildung aktiv. Viele davon halten auch Angebote der Familienbildung vor. Im Fol - genden werden einige von ihnen knapp vorgestellt, wei - terführende Informationen sind auf den jeweiligen Pro - jektseiten 30 sowie in den Zusatzinformationen online zu finden. Hierbei handelt es sich nur um eine beispielhafte Aufführung und keinen abschließenden Überblick. Das interkulturelle Familienprogramm HIPPY (Home In - struction for Parents of Preschool Youngsters), durch - geführt vom DRK-Kreisverband Darmstadt-Stadt e. V., nimmt insbesondere die Bedarfe von neu zugewander - ten Familien mit Flucht- oder Migrationshintergrund in den Blick. Mit dem Ziel, gute Voraussetzungen für einen gelingenden Schulstart zu schaffen, wird über die Dauer von zwei Jahren mit Familien mit Kindern im Vorschul - alter niedrigschwellig und aufsuchend gearbeitet. Durch eine Kombination aus Hausbesuchen und Gruppentref - fen werden sowohl Übungen und Material, aber auch eigene Möglichkeiten zur Förderung der kognitiven und sprachlichen Fähigkeiten von Kindern an die Eltern ver - mittelt. Somit werden das Elternselbstbewusstsein und die Eltern-Kind-Beziehung gestärkt. Der Verein Menschenskinder – Werkstatt für Famili - enkultur e. V. bietet im Stadtteil Kranichstein niedrig - schwellig einen offenen Begegnungsraum für Menschen aus dem Quartier und darüber hinaus. Mit einer Kom - bination aus offenen Angeboten und Angeboten mit fester Teilnahme können unterschiedliche Bedürfnisse der Besucher*innen abgedeckt werden. Im Vordergrund des vom Land anerkannten Familienzentrums steht das Miteinander. Neben einer integrativen Kindertagesstätte kann hier gleichermaßen Beratung in Anspruch genom - men werden sowie die zwanglose Teilnahme am Fami - lien café. Seit 2011 unterstützt das Land Hessen die Eta - blierung von Familienzentren durch die Gewährung von Zuschussmitteln.31 Im Muckerhaus in Arheilgen wird mit Drop In(klusive) gemeinsam von Caritasverband Darmstadt e. V. und Dia- konischem Werk Darmstadt-Dieburg ein offener, nied - rigschwelliger Begegnungsort für Eltern von Kindern un - ter drei Jahren vorgehalten. In angenehmer Atmosphäre bei einem gemeinsamen Frühstück können sich Eltern untereinander austauschen und Anregungen zur Förde - rung ihrer Kinder sowie Informationen zu Bildungspro - zessen von Kindern erhalten. Auch eine Beratung durch Sozialpädagog*innen bzw. Familienbegleiter*innen ist bei besonderen familiären Angelegenheiten hier mög - lich. Ideengeber und Förderer von Drop In ist die Karl Kübel Stiftung. Das Mehrgenerationenhaus des Hausfrauenbunds Darmstadt e. V. ist wichtiger Anlaufpunkt für Familien im Martinsviertel. Hervorgegangen aus dem Mütterzentrum bietet es als Treffpunkt für Jung und Alt Raum für ge - meinsame Aktivitäten. Offene Angebote sowie Angebote im Bereich Beratung, Bildung und Betreuung unterstüt - zen ansässige Familien und werden unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht. Die Stärkung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht dabei Hand in Hand mit dem nachbarschaftlichen Miteinander. Mit dem Modellprojekt Elternempowerment setzen das Amt für Interkulturelles und Internationales der Wissenschaftsstadt Darmstadt und der Caritasver - band Darmstadt e. V. auf die Stärkung von Eltern mit Migrationshintergrund durch die Unterstützung von Mentor*innen. Migrantenselbstorganisationen nehmen hierbei eine wichtige Schnittstellenfunktion als Quelle für Mentor*innen der Peer-Group ein. Neben der Unterstüt - zung von Eltern durch Trainings und Gesprächskreise werden gemeinsam mit den kooperierenden Grundschu - len Workshops zum interkulturellen Training durchge - führt. Im Zusammenspiel der beiden Bausteine wird auf ein besseres Miteinander abgezielt durch Stärkung der Elternpartizipation und -selbstorganisation sowie durch Unterstützung der interkulturellen Öffnung der Schulen. 3 0 Links: http://www.drk-darmstadt.de/angebote/sozialarbeit/migration-und-integration/hippy.html; http://www.menschenskinder-darmstadt.de/; http://www.muckerhaus.de/news/1/423802/nachrichten/neu-drop-in(klusive)-in-arheilgen.html; https://www.mehrgenerationenhaus-darmstadt.de/ 3 1 Weitere geförderte Familienzentren in Darmstadt: Kita Arheilger Strolche, Kinder- und Familienzentrum Ernst-Ludwig-Park, MGH Bensheim/Caritas-Zentrum Franziskushaus, Gemeinwesenarbeit Arheilgen Muckerhaus. 35II Bildung im Lebensverlauf 4. Übergang Kita – Grundschule Übergänge sind für Menschen grundsätzlich mit Her - ausforderungen verbunden. Der Übergang von der Kin - dertagesstätte in die Grundschule stellt einen einschnei - denden Moment in der Bildungsbiografie von Kindern dar und wird von den beteiligten Institutionen wie auch von den Eltern begleitet. Bei diesem Übergang spielt das Thema Sprache eine zentrale Rolle. Nur wenn Kinder die Landessprache beherrschen, können sie dem Unterricht folgen und sich sozial in die Klasse integrieren. Hier wird ein wichtiger Grundstein für Teilhabe an Bildung, dem gesellschaftlichen Leben sowie später der Integration am Arbeitsmarkt gelegt. 4.1 Sprachfeststellung In der Schuleingangsuntersuchung werden u. a. die Deutschkenntnisse der Kinder mit Migrationshinter - grund32 evaluiert. 33 Die Ergebnisse der Schuleingangs - untersuchung aus dem Jahr 2016 zeigen, dass Mädchen tendenziell über bessere Deutschkenntnisse verfügen als Jungen (Abb. 17): Annähernd 70 % der Mädchen sprechen fehlerfrei bzw. flüssig mit leichten Fehlern deutsch, bei den Jungen sind es 58 %. Auch die Anteile der Jungen, die nur rudimentär deutsch sprechen (8 %) oder über keine Deutschkenntnisse (9,8 %) verfügen, lie- gen annähernd doppelt so hoch wie bei den Mädchen (jeweils 4,1 %). Wird nach der Herkunftsregion differenziert, fällt auf, dass die Kinder aus dem arabischen Raum einen hohen Anteil von Kindern mit keinen (16,4 %) oder rudimentä - ren Deutschkenntnissen (11,5 %) aufweisen 34 (Abb. 18). 3 2 Die Sprachkenntnisse der Kinder ohne Migrationshintergrund werden nicht erhoben. 3 3 Hierzu erfolgt eine Einstufung der untersuchenden Amtsärzt*innen in die fünf Kategorien „fehlerfreies Deutsch“, „flüssig mit leichten Fehlern“, „flüssig mit erheblichen Fehlern“, „rudimentär“ oder „keine Deutschkenntnisse“. Zum Erfassen der Deutschkenntnisse werden neben der Sprachkompetenz (Artikulation) auch die auditive Informationsverarbeitung, die Grammatik und der Wortschatz geprüft. 3 4 Wie zuvor in Fußnote 28 aufgegriffen, können diese hohen Werte vermutlich auch auf die Migrationsereignisse mit vielen Geflüchteten aus dem Nahen Osten im Jahr 2015 zurückgeführt werden. Abb. 17: Deutschkenntnisse von Kindern mit Migrationshintergrund nach Geschlecht 2016 Jungen Mädchen 0 % 20 % 40 % 60 % 80 % 100 % Quelle: Gesundheitsamt der Stadt Darmstadt und des Landkreises Darmstadt-Dieburg (Schuleingangsuntersuchung) fehlerfreies Deutsch flüssig mit leichten Fehlern flüssig mit erheblichen Fehlern rudimentär keine Deutschkenntnisse 22,1 36,2 24,2 9,68,0 41,6 22,7 4,1 4,127,4 Abb. 18: Deutschkenntnisse von Kindern mit Migrationshintergrund nach Herkunftsregion 2016 0 % 20 % 40 % 60 % 80 % 100 % fehlerfreies Deutsch flüssig mit leichten Fehlern flüssig mit erheblichen Fehlern rudimentär keine Deutschkenntnisse Quelle: Gesundheitsamt der Stadt Darmstadt und des Landkreises Darmstadt-Dieburg (Schuleingangsuntersuchung) Türkei Osteuropa/GUS europ. Mittelmeerländer inkl. Balkan arabischer Raum Afrika südlich der Sahara Asien Nordeuropa, sonstiges Westeuropa, Lateinamerika und sonstige Staaten 27,1 39,6 4,9 0,7 38,4 3,2 23,2 6,0 4,627,8 38,3 19,1 4,9 5,334,0 39,4 50,8 33,9 24,4 18,2 27,9 30,5 24,4 11,5 16,4 1,6 5,1 11,9 4,9 14,5 14,8 18,6 46,3 27,8 36 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 3 5 Im Jahr 2015 kamen neben zahlreichen Geflüchteten aus dem Nahen Osten auch verstärkt Afghan*innen nach Deutschland, die hier der Herkunftsregion Asien zugeordnet sind. 3 6 Hier wird zwischen rudimentärem, fehlerhaftem oder fehlerfreiem Deutsch unterschieden. Allerdings wird das Sprachniveau nicht immer erfasst, sodass die Fallzahl niedriger als die Zahl der untersuchten Kinder ist. Auch Kinder aus der Herkunftsregion Asien 35 haben hier recht hohe Zahlen vorzuweisen (11,9 % bzw. 6,1 %). Dennoch sprechen, unabhängig von der Herkunftsregi - on, mehr als die Hälfte aller Kinder mit Migrationshinter - grund flüssiges oder fehlerfreies Deutsch. Eine beson - ders hohe Deutschkompetenz zeigt sich bei den Kindern aus den Herkunftsregionen Nordeuropa, sonstiges West - europa, Lateinamerika und sonstige Staaten. Im Jahresvergleich zeigen sich leichte Schwankungen bzgl. der Deutschkompetenz: So wurde stetig 60 – 70 % der Kinder mit Migrationshintergrund ein fehler freies oder flüssiges Deutsch mit leichten Fehlern attestiert, wobei die Jahre 2011 und 2012 besonders hohe Werte aufweisen (Abb. 19). Seit dem Jahr 2014 ist allerdings ein Anstieg in den Kategorien rudimentär und keine Deutschkenntnisse zu verzeichnen. Neben den Deutschkenntnissen der Kinder wird auch das Sprachniveau 36 der Mütter, die ihre Kinder häufig zur Schuleingangsuntersuchung begleiten, erfasst. Wie aus Abbildung 20 hervorgeht, sprechen Kinder mit Mi - Abb. 19: Deutschkenntnisse der Kinder mit Migrationshintergrund im Jahresvergleich 0 % 20 % 40 % 60 % 80 % 100 % Quelle: Gesundheitsamt der Stadt Darmstadt und des Landkreises Darmstadt-Dieburg (Schuleingangsuntersuchung) 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 fehlerfreies Deutsch flüssig mit leichten Fehlern flüssig mit erheblichen Fehlern rudimentär keine Deutschkenntnisse 21,5 48,0 1,6 46,2 2,924,8 0,825,3 49,8 21,8 3,9 0,224,4 54,4 45,2 45,7 45,7 38,7 19,0 24,4 27,1 22,1 23,5 4,4 0,7 3,7 1,2 1,9 6,2 21,4 25,5 20,2 24,9 24,6 22,9 6,0 3,0 5,3 4,0 7,0 Abb. 20: Deutschkenntnisse von Kindern mit Migrationshintergrund in Abhängigkeit von den Deutschkenntnissen der Mütter 2016 5 0 % 4 0 % 30 % 20 % 10 % rudimentär (n = 113) mit Fehlern (n = 239) fehlerfrei (n = 225) Deutschkenntnisse der Mütter Quelle: Gesundheitsamt der Stadt Darmstadt und des Landkreises Darmstadt-Dieburg (Schuleingangsuntersuchung) 19,5 18,6 2,7 30,1 47,3 36,9 1,7 16,7 56,0 29,2 34,3 7,1 Deutschkenntnisse der Kinder fehlerfreies Deutsch flüssig mit leichten Fehlern flüssig mit erheblichen Fehlern rudimentär keine Deutschkenntnisse 37II Bildung im Lebensverlauf grationshintergrund besonders häufig fehlerfreies bzw. flüssiges Deutsch, wenn bereits die Mutter fehlerfrei Deutsch spricht. Sobald die Mütter schlechtere Deutsch - kenntnisse vorweisen, nimmt auch bei den Kindern der Anteil der fehlerfreien und z. T. der flüssigen Sprach - kompetenz ab, hingegen die der rudimentären oder feh - lenden Deutschkenntnis zu. Oftmals wird von einem positiven Zusammenhang zwi - schen der Verweildauer in einer Kindertageseinrichtung und der Deutschkompetenz der Kinder ausgegangen. Dieses Phänomen ist auch in Darmstadt zu erkennen, wie aus Abbildung 21 hervorgeht. Je länger die Kinder eine Kindertageseinrichtung besuchten, desto höher ist der Anteil derer, die flüssiges oder fehlerfreies Deutsch sprechen. Umso häufiger weisen Kinder keine oder nur rudimentäre Deutschkenntnisse auf, wenn sie für einen kürzeren Zeitraum oder gar nicht in einer Kindertages - einrichtung betreut wurden.37 4.2 Sprachförderung für Vorschulkinder: Vorlaufkurse Vorlaufkurse sind ein fester Bestandteil des landeswei - ten Hessischen Gesamtsprachförderkonzepts und stel - len ein freiwilliges Angebot für Kinder dar, die bei der Anmeldung zur Einschulung nicht über ausreichen - de Deutschkenntnisse verfügen. Die Kurse haben das Ziel, die sprachliche Ausdrucksfähigkeit der Kinder in Deutsch zu erweitern und ihnen einen guten Start in der Schule zu ermöglichen. In enger Zusammenarbeit mit der Kindertagesbetreuung finden die Vorlaufkurse über einen Zeitraum von zwölf Monaten in den Gebäuden der Grundschulen und/oder Kindertageseinrichtungen statt. In den Schuljahren 2016/17 und 2017/18 wurden jeweils 40 Vorlaufkurse im Stadtgebiet Darmstadts angeboten. Im Jahr zuvor waren es zwei Vorlaufkurse weniger. Das Gros (62,5 %) der Kurse fand im Jahr 2017/18 in Schul- gebäuden, 37,5 % hingegen in Räumen von Kinder tages- einrich tungen statt. Der Transfer zum Vorlaufkurs ist von den Eltern zu organisieren. Auch in den Schuljahren zu - vor ist eine ähnliche Verteilung auf Schulen und Kitas auszumachen. Zudem wurde ein Vorlaufkurs in sowohl einer Kita als auch einer Schule abgehalten. 3 7 Allerdings ist hier zu beachten, dass der Zuzug von manchen Kindern nach Deutschland erst relativ spät erfolgte, sodass hier eine längere Betreuungszeit gar nicht möglich ist. Abb. 21: Deutschkenntnisse von Kindern mit Migrationshintergrund in Abhängigkeit von der Verweildauer in einer Kindertageseinrichtung 2016 6 0 % 5 0 % 4 0 % 30 % 20 % 10 % länger als 3 Jahre (n = 255) 18 Monate bis 3 Jahre (n = 327) weniger als 18 Monate (n = 82) kein Kita-Besuch (n = 43) Verweildauer in einer Kindertageseinrichtung fehlerfreies Deutsch flüssig mit leichten Fehlern flüssig mit erheblichen Fehlern rudimentär keine Deutschkenntnisse Quelle: Gesundheitsamt der Stadt Darmstadt und des Landkreises Darmstadt-Dieburg (Schuleingangsuntersuchung) 38,4 2,7 42,7 15,7 48,6 19,53,718,0 8,50,4 27,8 40,2 1,8 14,6 65,1 17,1 23,3 2,32,3 7,0 Abb. 22: Empfehlung und tatsächlicher Besuch von Vorlaufkursen 2015/16 2016/17 2017/18 80 % 85 % 90 % 95 % 100 % tatsächlicher Besuch Empfehlung, aber kein Besuch Quelle: Staatliches Schulamt für den Landkreis Darmstadt-Dieburg und die Stadt Darmstadt 287 14 5330 23324 38 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 Wie bereits die leicht erhöhte Anzahl der Vorlaufkurse andeutet, nahm in den letzten beiden Schuljahren die Anzahl der Kinder zu, die an einem Vorlaufkurs teilge - nommen haben. Waren es im Jahr 2015/16 noch 287 Kinder, stieg die Zahl ein Jahr später auf 330 Kinder – ein Plus von 15 %. Im Jahr 2017/18 besuchten 324 Kinder einen Vorlaufkurs, wenngleich 347 Kindern die Teilnah - me empfohlen worden war (Abb. 22). Zurückzuführen ist diese vergleichbar niedrige Quote von 93,4 % – in den Vorjahren lag sie bei 95,3 % (2015/16) und 98,5 % (2016/17) – auf die Quote der hier erstmals aufgeführ - ten Seiteneinsteiger*innen von 76,5 %. Während bei den regulären Teilnehmer*innen 15 der Empfehlung nicht gefolgt sind, waren es bei den Seiteneinsteiger*innen acht von 34. Weiterhin werden auch die Nationalität und die Erstspra - che der Kinder, die an den Vorlaufkursen teilnehmen, er- fasst. Wie Abbildung 23 zu entnehmen ist, hat die An - zahl der Kinder mit deutscher Staatsangehörigkeit und ausländischer Erstsprache leicht, die mit ausländischer Polen (8) und Marokko (7), verstärkt aber auch die EU-2- Staaten Rumänien (10) und Bulgarien (10). Im Schuljahr 2017/18 treten erstmals Seiteneinsteiger*innen mit af - ghanischer (11) und syrischer (20) Staatsangehörigkeit auf. Weiterhin gehören auch Kinder aus der Türkei (9), Polen (8) und Spanien (7) zu den Teilnehmer*innen an Vorlaufkursen. 4.3 Übergangskonzepte Kita – Grundschule Um Kinder mit dem Übergang in eine neue Lebensphase wachsen zu lassen, ist es ein Ziel, eine engere Verzah - nung zwischen Elementar- und Primarbereich zu entwi - ckeln und zu festigen. Solche Verzahnungen beziehen sich auf die Ebenen der kindlichen Raum-, Zeit-, Erlebnis- und Personen - 3 erfahrungen, der Regelmäßigkeit gemeinsamen professio - 3 nellen Handelns von Erzieher*innen und Grundschullehrer*innen, der pädagogischen Leitvorstellungen von 3 Erzieher*innen und Lehrer*innen, der Regelmäßigkeit und Abgestimmtheit der Kom - 3 munikation von Kindergarten, Eltern und Schule. In Darmstadt gibt es regelhaft Kooperationsmodelle zwi - schen Kindertagesstätten und Grundschulen. Die Mo - delle unterscheiden sich voneinander, da das Einzugsge - biet der Schulen sehr unterschiedlich ist. Es gibt in allen Kitas eine Gestaltung dieser Übergänge – im Rahmen der Kooperation zwischen Kindertagesstätte und Schu - le wird z. B. gemeinsam ein „Kennenlerntag“ vorbereitet und durchgeführt. Die Kindertagesstätten bieten im letzten Kindergarten - jahr spezifische Angebote für die künftigen Schulkin - der an. Die Kitas haben Ansprechpartner*innen in den Schulen und sind z. T. in das Aufnahmeverfahren einge - bunden. Es finden Besuche der „Vorschulkinder“ an den jeweiligen Grundschulen statt, manchmal gibt es schon kleine „Lernveranstaltungen“. Mit Einverständnis der Eltern können den Schulen be - sondere Bedarfe von Kindern mitgeteilt werden. Nach der Einschulung erfolgt in der Regel mindestens ein wei - teres Arbeitstreffen zwischen Kita und Grundschule zum Austausch über den Schulstart. Staatsangehörigkeit stark zugenommen – ein Anstieg von 73 im Jahr 2015/16 auf 111 im Jahr 2016/17. Im Schuljahr 2017/18 hat sich die Zahl der Kinder mit deut- scher Staatsangehörigkeit und deutscher Erstsprache, die nur in Ausnahmefällen in die Vorlaufkurse aufge - nommen werden, zu den Vorjahren mehr als halbiert. Während 2015/16 die ausländischen Kinder zu größe - ren Teilen noch Wurzeln in den Zuwanderungsländern Polen (7 Kinder) und der Türkei (7) aufweisen, nehmen 2016/17 erstmals syrische Kinder (11) das Angebot wahr. Weitere Hauptherkunftsländer 2016/17 waren, wie zuvor, die bekannten Zuwanderungsnationen Türkei (10), Abb. 23: Nationalität der Kinder in den Vorlaufkursen 2015/16 2016/17 2017/18 0 % 20 % 40 % 60 % 80 % 100 % deutsche Staatsangehörigkeit / ausländische Erstsprache ausländische Staatsangehörigkeit deutsche Staatsangehörigkeit / deutsche Erstsprache Quelle: Staatliches Schulamt für den Landkreis Darmstadt-Dieburg und die Stadt Darmstadt 193 73 21 111 20199 108 9207 39II Bildung im Lebensverlauf 4.4 Beratungs- und Förderzentren Einen wichtigen Baustein in der Bildungslandschaft der Wissenschaftsstadt Darmstadt stellen die Beratungs- und Förderzentren dar – zum einen das BFZ Nord an der Ernst-Elias-Niebergall-Schule, zum anderen das BFZ Süd an der Herderschule. In ihrer regionalen Zu - ständigkeit sind beide Zentren für die präventive Ar - beit (vorbeugende Maßnahmen) an den Grundschulen und Sekundarstufen I der Stadt sowie für die inklusive Beschulung (s. Kap. 5.4 und 10.3) zuständig und ver - antwortlich. Hierbei stehen die Förderschwerpunkte emotional-sozia le Entwicklung, Lernen und Sprache im Vordergrund dieser Aufträge. Das überregionale sonderpädagogische Beratungs- und Förderzentrum (üBFZ) an der Christoph-Graupner- Schule ergänzt dieses Angebot um den Förderschwer - punkt körperlich-motorische Entwicklung. Außerdem steht dieses Zentrum in allen Fragen zum Förderschwer - punkt geistige Entwicklung als Ansprechpartner zur Verfügung. Eltern können sich entsprechend der Förderschwer - punkte und regionalen Zuständigkeiten und/oder im Rahmen einer Schullaufbahnberatung direkt an diese Zentren wenden. In der Regel greifen jedoch die Schulen als Fördermaßnahme auf diese Angebote zurück. Inklusive Schulbündnisse Die Wissenschaftsstadt Darmstadt wurde zum Schuljahr 2016/17 vom Hessischen Kultusministerium als eine von fünf Modellregionen zur Einführung regionaler „inklusi - ver Schulbündnisse (iSB)“ ausgewählt. Ein „inklusives Schulbündnis“ setzt sich aus den allgemeinen Schulen, der bzw. den Förderschulen sowie regionalen Beratungs- und Förderzentren (BFZ) in einer bestimmten Region zusammen. Analog zu den beiden BFZ Nord und Süd gibt es daher in Darmstadt auch zwei entsprechende „inklusive Schulbündnisse“ (Tab. 3). Ziel dieser inklusiven Schulbündnisse ist es, durch eine flexible Verteilung der sonderpädagogischen Leh rer*in- nen stellen auf die inklusive Beschulung an den allge - meinbildenden Schulen und auf die Förderschulen die Wahlfreiheit von Eltern effektiver zu gestalten. Tab. 3: Schulen in inklusiven Schulbündnissen in Darmstadt Schulbündnis Nord Grundschulen Astrid-Lindgren-Schule Christian Morgenstern-Schule Elly-Heuss-Knapp-Schule Erich Kästner-Schule Georg-August-Zinn-Schule Goetheschule Heinrich-Hoffmann-Schule Schillerschule Wilhelm-Busch-Schule Sekundarstufe I Bernhard-Adelung-Schule Erich Kästner-Schule Stadtteilschule Arheilgen Gymnasien Justus-Liebig-Schule Eleonorenschule Ludwig-Georgs-Gymnasium Förderschulen Beratungs- und Förderzentrum Nord Ernst-Elias-Niebergall-Schule Christoph-Graupner-Schule Schulbündnis Süd Grundschulen Andersenschule Bessunger Schule Frankensteinschule Friedrich-Ebert-Schule Heinrich-Heine-Schule Käthe-Kollwitz-Schule Ludwig-Schwamb-Schule Mornewegschule Wilhelm-Hauff-Schule Sekundarstufe I Gutenbergschule Mornewegschule Wilhelm-Leuschner-Schule Gymnasien Georg-Büchner-Schule Lichtenbergschule Viktoriaschule Förderschulen Beratungs- und Förderzentrum Süd Herderschule mit Mühltalschule Christoph-Graupner-Schule Quelle: Hessisches Kultusministerium 40 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 Sport und Bildung Bewegung und Spiel sind grundlegende Voraussetzungen von kindlichem Lernen und Begreifen. Einerseits dosierte, andererseits vielfältige Reiz - setzungen und altersspezifisches Training finden im sportlichen Kontext und in Sportorganisationen statt. Sportliches Engagement fördert Krea - tivität, Teamfähigkeit, aber auch Toleranz, Konfliktfähigkeit und Grenz - erfahrungen und leistet einen wichtigen Beitrag zum Erlernen sozialer Kompetenz und demokratischer Prinzipien. Altersgerechte Sport- und Bewegungsangebote bilden weiterhin die Basis einer stabilen Gesund - heit und einer gesunden Selbstverantwortung. Dies gilt für das Er - lernen unterschiedlicher Bewegungsformen und Sportarten genauso wie bei festgestellten Bedarfen spezieller (psycho-)motorischer För - derungen. Somit trägt Sport zur Persönlichkeitsentwicklung bei und ist daher eine wichtige Form von Bildung. 41II Bildung im Lebensverlauf Die Schule gilt nach wie vor als der zentrale Bildungs - ort. Mit dem Eintritt in die Schule treten Kinder in den Bereich der formalen Bildung ein. 38 Schule ist dabei je - doch nicht nur Lern-, sondern gleichermaßen Lebensort für Kinder, in dem sie wichtige Erfahrungen zum gesell - schaftlichen Miteinander sammeln. Auch in dieser Le - bensphase können Eltern und Kinder Unterstützung von verschiedenen Seiten erfahren, um unterschiedlichste Herausforderungen meistern zu können. In den folgenden Abschnitten werden Bildung an Grund - schulen (Kap. 5), Formen der Ganztagsbetreuung in Schule und Hort (Kap. 6), Unterstützungs-, Beglei - tungs- und Hilfeangebote außerhalb der Familie (Kap. 7), Schulsozialarbeit (Kap. 8) sowie der Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule (Kap. 9) beschrieben. 5. Bildung in der Primarstufe Die allgemeinbildende Schule stellt nach der Kinder - tageseinrichtung die zweite und – vor dem Hintergrund der Schulpflicht sowie der Dauer der schulischen Ausbil - dung – die zentrale institutionalisierte Bildungseinrich - tung für Kinder dar. Das Land Hessen ist für die „in - neren Schulangelegenheiten“ zuständig und entsendet Lehrer*innen, entscheidet über Unterrichtsinhalte oder die Zulassung von Schulformen etc. Für die „äußeren Schulangelegenheiten“ fungieren hingegen die Kommu - nen als Schulträger und sorgen für Neubau, Gebäude - instandhaltung und Ausstattung der Schulen oder auch die Besetzung der Schulsekretariate. Neben den von der Wissenschaftsstadt Darmstadt verwalteten öffentlichen Schulen befinden sich im Stadtgebiet diverse Schulen in privater Trägerschaft. Im Stadtgebiet Darmstadt wird an 28 allgemeinbilden - den Schulen Unterricht in der Primarstufe 39 angeboten. Neben den 17 reinen Grundschulen (davon ein privater Träger) findet an allen vier öffentlichen Förderschulen und vier integrierten Gesamtschulen (davon zwei private Träger) Unterricht in den Klassenstufen 1 – 4 sowie ggf. in Eingangsstufen und Vorklassen statt. 40 Zudem wei - sen private Träger Primarstufen in Kombination mit den Schulformen Gymnasium (ein Träger) sowie Realschule und Gymnasium (zwei Träger) auf. In der Grundschule bzw. der Primarstufe werden alle Kin- der des Schulbezirks gemeinsam unterrichtet, ehe sie in der Regel nach der vierten Klasse auf das mehrgliedrige Schulsystem aufgeteilt werden. Nach dem Prinzip „Kur - ze Beine, kurze Wege“ wird Kindern eine wohnortnahe Grundschule bzw. Grundstufe zugewiesen. Im Rahmen von Gestattungen 41 oder dem Besuch einer privaten Schule kann jedoch davon abgewichen werden. 5.1 Schüler*innen und Pendler*innen in der Primarstufe Im Schuljahr 2017/18 wurden 6.111 Schüler*innen 42 im Stadtgebiet Darmstadt in der Primarstufe be - schult, davon 552 Schüler*innen und somit 9 % der Schüler*innenschaft in der Primarstufe an Privatschu - len. Wie auch aus Abbildung 24 hervorgeht, hat die An - zahl der Schüler*innen in der Primarstufe sowohl in den öffentlichen als auch in den privaten Schulen im Laufe der Jahre zugenommen: ein Plus von 11,4 % bei öffent - lichen und 38,3 % bei privaten Schulen seit dem Schul - jahr 2010/11. B Mittleres Kindesalter bis zum Eintritt in die Sekundarstufe 3 8 Zur Abgrenzung der unterschiedlichen Lernformen vgl. Einleitung. 3 9 Die Primarstufe umfasst die Klassenstufen von 1 – 4 sowie ggf. Eingangsstufen oder Vorklassen und schließt sowohl reine Grundschulen (die einzig diese Klassenstufen anbieten) als auch Schultypen wie beispielsweise Förderschulen oder integrierte Gesamtschulen mit Grundstufe (Stufen 1 – 4 mit ggf. Eingangsstufe oder Vorklasse) ein. 4 0 Eine Auflistung der einzelnen Schulen liegt im Datenreport der Abteilung Statistik und Stadtforschung der Wissenschaftsstadt Darmstadt vor. 4 1 Unter Angabe von wichtigen Gründen kann das Staatliche Schulamt in Benehmen mit dem Schulträger Kindern den Besuch einer anderen Grundschule als der örtlich zuständigen gestatten. 4 2 Diese Zahlen umfassen auch Seiteneinsteiger*innen in den Intensivklassen, sofern diese eindeutig einer Grundschule oder Grundstufe zuzuordnen sind. Abb. 24: Entwicklung der Schüler*innenzahlen in der Primarstufe an allgemeinbildenden Schulen in Darmstadt 6.000 5.000 4.000 3.000 2.000 1.000 2010/11 2011/12 2012/13 2013/14 2014/15 2015/16 2016/17 2017/18 öffentlich privat Quelle: LUSD 4.989 5.073 5.059 5.179 5.305 5.303 5.503 5.559 399 404 461 487 513 506 521 552 42 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 Die Primarstufe umfasst nicht nur alle regulären Klas - sen von 1 bis 4 an Regelschulen 43, sondern bietet auch Raum für Konzepte wie Eingangsstufe, flexiblen Schulan- fang und Vorklasse 44 und beinhaltet zudem die Grund - stufe an Förderschulen sowie Intensivklassen (Abb. 25). So besuchen rund 85 % (5.215) der Schüler*innen eine reguläre Klasse an einer Regelschule, 5 % (302) den fle- xiblen Schulanfang und 4 % (209) die Grundstufe einer Förderschule. Wird die Schüler*innenschaft nach Schulträgern diffe - renziert, so fällt auf, dass im Schuljahr 2017/18 annä - hernd 90 % der Schüler*innen an privaten Schulen kei - nen Migrationshintergrund aufweisen, bei öffentlichen Einige Schüler*innen besuchen in der Primarstufe je - doch nicht die ihnen zugewiesene Grundschule oder Grundstufe und wählen teilweise sogar Schulen in ande - ren Städten und Landkreisen. Auch in Darmstadt lassen sich einige Bildungspendler*innen ausmachen – Darm - städter Schüler*innen, die in anderen Kommunen Schu - len besuchen (Auspendler*innen) und Schüler*innen aus anderen Städten und Landkreisen, die in Darmstadt zur Schule gehen (Einpendler*innen). Wenngleich im Bereich der Primarstufe weitaus weniger Bildungspendler*innen als in den Sekundarstufen I und II zu zählen sind, so sum- mierten sich die Einpendler*innen im Schuljahr 2017/18 auf 371 und die Auspendler*innen auf 111. In Abbildung 27 sind die Bildungspendler*innen in der Primarstufe in den Jahren 2011/12 und 2017/18 exemplarisch darge - stellt, bilden sie doch den generellen Trend der letzten Jahre gut ab. So nahm die Zahl der Einpendler*innen an öffentlichen Schulen tendenziell ab (von 88 auf 55 Schü- ler*innen und somit – 37,5 % zwischen 2011/12 und 2017/18), während die der Einpendler*innen an priva - Eingangsstufe flexibler Schulanfang Vorklasse Intensivklasse Förderschule reguläre Klasse 164 5.215 302 78 209 143 Quelle: LUSD Abb. 25: Schüler*innen in der Primarstufe 2017/18 Schulen hingegen nur 58 %45 (Abb. 26). Ein ebenfalls stark unterschiedliches Bild ergibt sich bei der Betrach - tung der Staatsangehörigkeiten: Während an öffentli - chen Schulen 12,7 % eine ausländische Staatsangehö - rigkeit haben, sind es bei privaten nur 1,6 %. Zudem ist an Privatschulen ein leicht erhöhter Jungenanteil auszumachen – 52,7 % zu 50,7 % im Durchschnitt der Primarstufe. Abb. 26: Schüler*innenschaft an öffentlichen und privaten Schulen in der Primarstufe 2017/18 nach Geschlecht und Migrationshintergrund öffentlicher Träger (n = 5.207) private Träger ( n = 5 5 2 ) 0 % 20 % 40 % 60 % 80 % 100 % Quelle: LUSD Jungen ohne Migrationshintergrund Jungen mit Migrationshintergrund Mädchen ohne Migrationshintergrund Mädchen mit Migrationshintergrund 29,2 28,7 21,3 20,8 42,4 5,4 4,947,3 4 3 Regelschulen umfassen alle allgemeinbildenden Schulen bis auf Förderschulen. 4 4 In Kap. 5.2 wird genauer auf Eingangsstufe, flexiblen Schulanfang und Vorklasse eingegangen. 4 5 Hier wurden beim öffentlichen Träger die Schüler*innen der Förderschulen und Intensivklassen nicht berücksichtigt, da es keine Pendants auf privater Seite gibt und die Verhältnisse entsprechend verzerrt würden. Sonach kommt es zu niedrigeren Fallzahlen. Abb. 27: Bildungspendler*innen in der Primarstufe – aus der Sicht Darmstadts 300 200 100 0 – 10 0 Einpendler*innen öffentlicher Träger Einpendler*innen private Träger Auspendler*innen öffentliche Träger Auspendler*innen private Träger 2011/12 2017/18 Quelle: LUSD 88 55 200 316 90 96 19 15 43II Bildung im Lebensverlauf ten Schulen stark gestiegen ist (von 200 auf 316 Schü - ler*innen und somit + 58 %). Hingegen werden bei den Auspendler*innen die privaten Schulen weiterhin selten gewählt und auch im Bereich der Auspendler*innen an öffentliche Schulen stagniert die Zahl. So weist Darm - stadt einen positiven Bildungspendler*innensaldo von 260 in der Primarstufe auf, wobei der Pendler*innensaldo im Bereich der öffentlichen Schulen negativ ist. Mehr als ein Viertel der auspendelnden Schüler*innen hat die Grundstufe einer Förderschule gewählt (2011/12: 35,8 %; 2017/18: 26,1 %). Bei den Einpendler*innen spielt dieser Schultyp wiederum eine weniger wichtige Rolle (2011/12: 12,8 %; 2017/18: 4,3 %)46. Der Landkreis Darmstadt-Dieburg stellt, wie aus den Abbildungen 28 und 29 hervorgeht, das Gros der Einpendler*innen und ist zugleich Hauptzielgebiet der Auspendler*innen im Schuljahr 2017/18. Rund 83 % (309) der Einpendler*innen kommen aus dem Land - kreis Darmstadt-Dieburg, weitere 9 % (33) aus dem Landkreis Groß-Gerau sowie 5 % (19) aus dem Land - kreis Bergstraße. Demgegenüber besuchen 76 % (84) der Auspendler*innen Schulen im Landkreis Darmstadt- Dieburg, wählen aber auch Schulen in Frankfurt (10) sowie den Landkreisen Groß-Gerau und Offenbach (je - weils 7). 5.2 Vorklasse, flexibler Schulanfang und Eingangsstufe Wie bereits erwähnt, werden in der Primarstufe neben den regulären Klassen auch die Schulformen Vorklasse, Eingangsstufe und flexibler Schulanfang 47 angeboten. Wie aus Abbildung 30 hervorgeht, hat die Anzahl der Schüler*innen, die die Eingangsstufe besuchen, im Lau - fe der Jahre abgenommen. 48 Waren es im Jahr 2010/11 4 6 So erklärt sich der Rückgang der Einpendler*innen an öffentlichen Schulen zu großen Teilen mit der Abnahme der Einpendler*innen an Darmstädter Förderschulen. 4 7 Zur Definition von Vorklasse, Eingangsstufe und flexiblem Schulanfang siehe Glossar. 4 8 Obgleich in dem Diagramm für das Schuljahr 2010/11 keine Schüler*innen für den flexiblen Schulanfang ausgewiesen sind, hat an der Erich Kästner-Grundschule Unterricht in den Klassenstufen 1 und 2 stattgefunden. In der LUSD ist dieser Unterricht jedoch nicht als flexibler Schulanfang vermerkt. Da das Konzept des flexiblen Schulanfangs an der Erich Kästner-Grundschule schon seit dem Jahr 2006/07 angeboten wird, liegt die Vermutung nahe, dass hier ein Datenfehler in der LUSD vorliegt. LK Darmstadt- Dieburg LK Groß-Gerau LK Bergstraße weitere Städte und Landkreise 33 10 19 309 9 % 5 % 3 % 83 % Quelle: LUSD Abb. 28: Herkunftsregion der Einpendler*innen in der Primarstufe 2017/18 LK Darmstadt- Dieburg Frankurt am Main LK Groß-Gerau LK Offenbach weitere Landkreise3 7 7 10 84 6 % 9 % 6 % 3 % 76 % Quelle: LUSD Abb. 29: Zielregion der Auspendler*innen in der Primarstufe 2017/18 Abb. 30: Schüler*innen in Eingangsstufe, flexiblem Schulanfang und Vorklasse 300 200 100 2010/11 2011/12 2012/13 2013/14 2014/15 2015/16 2016/17 2017/18 Eingangsstufe flexibler Schulanfang Vorklasse Quelle: LUSD 246 65 281 256238 226 82 74 329 202 302 202 67 77 65 66 78 293 285 302 193 174 164 44 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 noch 246 Schüler*innen, besuchten 2017/18 nur noch 164 die Eingangsstufe. Die Werte zum flexiblen Schulan - fang spiegeln die Anzahl der Schüler*innen in den Klas - senstufen 1 und 2 an der Erich Kästner-Gesamtschule wider, da einzig hier dieses Konzept und ohne Alternative angeboten wird. Die Anzahl der Schüler*innen in dieser Schulform fluktuiert über die Jahre, nimmt aber tenden - ziell zu. Auch die Werte der Schüler*innen in Vorklassen unterliegen leichten Schwankungen, weisen aber keine eindeutige Tendenz auf. In Abbildung 31 wird die Schüler*innenschaft in diesen drei Schulformen nach Geschlecht, Migrationshinter - grund und Staatsangehörigkeit differenziert. Die Kinder in der Eingangsstufe ähneln generell dem Durchschnitt in der Primarstufe, weisen hinsichtlich Migrationshinter - grund (34,1 %; durchschnittlich 39,1 %) und auslän - discher Staatsangehörigkeit (9,8 %; durchschnittlich 11,6 %) etwas niedrigere Werte auf. Hingegen werden überproportional viele Kinder mit Migrationshinter - grund und ausländischer Staatsangehörigkeit im flexib - len Schulanfang 49 sowie der Vorklasse beschult. Die Vor - klasse wird zudem von überproportional vielen Jungen besucht. 4 9 Diese Ergebnisse erklären sich mit der Zusammensetzung des multikulturellen Stadtteils DA-Kranichstein. 5 0 Explizite Daten hierzu liegen nicht vor. 5 1 Vier Kategorien des Einschulungsstatus liegen vor: Regelkinder werden zum nächsten Schuljahr schulpflichtig. Kannkinder sind bis zu sechs Monate nach dem Stichtag zur Schulpflichtigkeit geboren und können auf Wunsch der Eltern vorzeitig eingeschult werden. Eingangsstufenkinder sollen die Eingangsstufe besuchen, in der das erste Schuljahr auf zwei Jahre verteilt wird. Diese Kinder sind zumeist jünger. Zurückgestellte Kinder waren im Jahr zuvor schulpflichtig, sind aber zurückgestellt worden und wurden nun erneut untersucht. Sie können kein weiteres Mal zurückgestellt werden. 5 2 Aufgrund von fehlenden Werten bei der Schulempfehlung liegt die Fallzahl der Regelkinder in Abbildung 32 um zwei niedriger als ihre Gesamtzahl (1.251). Abb. 31: Schüler*innenschaft in Eingangsstufe, flexiblem Schulanfang und Vorklasse 2017/18 Eingangs- stufe ( n = 1 6 4 ) flexibler Schulanfang ( n = 3 0 2 ) Vorklasse (n = 78) Primarstufe insgesamt ( n = 5 . 7 5 9 ) 0 % 20 % 40 % 60 % 80 % Jungen mit Migrationshintergrund ausländische Staatsangehörigkeit Quelle: LUSD 9,8 21,9 34,1 49,4 68,5 51,0 37,2 70,5 69,2 11,6 39,1 50,7 Abb. 32: Ärztliche Schulempfehlung für die 2016 untersuchten Kinder nach Einschulungsstatus 8 0 % 6 0 % 4 0 % 20 % Kannkind ( n = 9 6 ) Eingangs- stufen kind ( n = 9 8 ) Regelkind ( n = 1 . 2 4 9 ) zurück ge- stell tes Kind ( n = 7 5 ) Schulempfehlung Zurückstellung Überprüfung sonderpädagogischer Förderbedarf Quelle: Gesundheitsamt der Stadt Darmstadt und des Landkreises Darmstadt- Dieburg (Schuleingangsuntersuchung) 2,1 1,0 82,3 59,2 15,6 39,8 21,3 78,7 7,3 85,5 7, 2 5.3 Schuleintritt Im Rahmen der obligatorischen Schuleingangsuntersu - chung erfolgt von Seiten der Amtsärzt*innen eine Schul - empfehlung für das untersuchte Kind, die zwar nicht bindend ist, häufig aber laut Einschätzung des Gesund - heitsamts befolgt wird. 50 So kann eine Empfehlung zur Einschulung, zur Überprüfung des sonderpädagogischen Förderbedarfs oder zur Zurückstellung erfolgen. Die Er - gebnisse werden anschließend den Eltern und auch der potenziellen Schule mitgeteilt. In Abbildung 32 sind die Empfehlungen nach Einschulungsstatus 51 der Kinder im Jahr 2016 aufgegliedert. Auffällig ist, dass sowohl Regel - kinder52, Kannkinder als auch zurückgestellte Kinder zu annähernd vier Fünfteln eine Empfehlung zur Einschu - lung erhalten. Bei zurückgestellten Kindern liegt zudem der Wert zur Überprüfung des sonderpädagogischen Förderbedarfs mit 21,3 % recht hoch. Eingangsstufen - kinder weisen mit nur 59,2 % einen recht niedrigen Wert bei der Schulempfehlung und mit 39,8 % einen recht hohen Wert bei der Zurückstellung auf. Auch 15,6 % der Kannkinder wird eine Zurückstellung empfohlen. So wird bei jüngeren Kindern – auch aufgrund des zeitli - chen Spielraums – eher die Zurückstellung empfohlen, sollten sie noch nicht schulfähig sein. Bei älteren, bereits zurückgestellten Kindern erfolgt dann eher die Überprü - fung des sonderpädagogischen Förderbedarfs. 45II Bildung im Lebensverlauf Im Verlauf der Jahre sind nur geringe Schwankungen der Empfehlungen auszumachen (Abb. 33): So liegen die Werte der Empfehlung zur Einschulung stets zwischen 86,5 % und 88,7 %. Entsprechend schwanken die Werte zur Überprüfung des sonderpädagogischen Förderbe - darfs und zur Zurückstellung um nur wenige Prozent - punkte und gleichen sich häufig aus, sodass beide Werte zusammen zwischen rund 11 % und 13 % fluktuieren. Einzig im Jahr 2016 liegen hier beide Werte mit 7,2 % bzw. 9,5 % recht hoch.53 Wird die Empfehlung nach sozio-demographischen Merkmalen der Kinder für das Jahr 2016 aufgeschlüs - selt, fällt auf, dass überproportional vielen Jungen eine Überprüfung des sonderpädagogischen Förderbedarfs (72,7 % aller Empfehlungen zu dieser Kategorie; Mäd - chen entsprechend nur 27,3 %) oder eine Zurückstel - lung (54,9 %) empfohlen wird (Abb. 34). Ferner sind Kinder mit nicht deutscher Familiensprache (8,2 % aller untersuchten Kinder) in Bezug auf die Empfehlung zur Einschulung (nur 6,1 % aller ausgesprochenen Emp - fehlungen zu dieser Kategorie) und die Empfehlung zur Überprüfung des sonderpädagogischen Förderbedarfs (6,4 %) unter-, bei der Zurückstellung (28,7 %) hingegen stark überrepräsentiert. Kinder mit einer ausländischen Herkunftsregion erhalten hingegen überproportional häufig eine Empfehlung zur Überprüfung des sonder - pädagogischen Förderbedarfs sowie zur Zurückstellung. 5.4 Inklusive Beschulung Im März 2009 ist die UN-Konvention über Rechte von Menschen mit Behinderungen in der Bundesrepublik Deutschland in Kraft getreten. In Artikel 24 der Konven - tion wird das Handlungsfeld „Bildung“ näher bestimmt: So soll u. a. sichergestellt werden, dass Menschen nicht „aufgrund von Behinderung vom allgemeinen Bildungs - system ausgeschlossen werden“ 54. Sonach rückte die gemeinsame Beschulung von Kindern und Jugendlichen Abb. 33: Entwicklung der Schulempfehlung 0 % 20 % 40 % 60 % 80 % 100 % Quelle: Gesundheitsamt der Stadt Darmstadt und des Landkreises Darmstadt-Dieburg (Schuleingangsuntersuchung) 2009 (n = 1.374) 2010 (n = 1.362) 2011 (n = 1.406) 2012 (n = 1.343) 2013 (n = 1.508) 2014 (n = 1.477) 2015 (n = 1.478) 2016 (n = 1.518) Schulempfehlung Ü b e r p r ü f u n g sonderpädagogischer Förderbedarf Zurückstellung 86,5 6,9 5,4 5,988,7 6,5 5,188,4 4,5 6,9 7,0 6,8 7,2 7,6 6,1 5,7 6,5 9,5 87,9 87,0 87,3 86,7 83,3 6,6 Abb. 34: Kinder nach Einschulungsempfehlung im Vergleich 2016 Jungen ( n = 7 8 2 ) nicht-deutsche Familien- sprache ( n = 1 2 5 ) ausländische Herkunfts- region (n = 719) 0 % 20 % 40 % 60 % 80 % Schulempfehlung Überprüfung sonderpädagogischer Förderbedarf Zurückstellung insgesamt 2016 Quelle: Gesundheitsamt der Stadt Darmstadt und des Landkreises Darmstadt- Dieburg (Schuleingangsuntersuchung) 54,9 28,7 72,7 49,3 6,4 6,1 68,1 60,9 43,9 51,5 8,2 47,4 5 3 Zurückzuführen sind diese Werte vermutlich auch auf die Migrationsereignisse im Sommer 2015. 5 4 Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen (2017), S. 21. 46 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 mit und ohne Förderbedarf in allgemeinen Schulen, die sogenannte inklusive Beschulung, in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus von Öffentlichkeit, Politik und Ver - waltung. Folgend werden Zahlen zur inklusiven Beschu - lung am Schulort Darmstadt präsentiert. Vorbeugende Maßnahmen55, die in einem weitaus größeren Umfang stattfinden, können aufgrund der fehlenden Datenlage nicht thematisiert werden. Im Schuljahr 2016/17 haben 17 von 24 Darmstädter Schulen mit Primarstufe auch inklusiv beschult. Während im Verlauf der Jahre stets rund 90 % der öffentlichen Schulen mit Primarstufe (15 oder 16 von insgesamt 18) inklusiv gearbeitet haben, waren es bei den sechs Schu - len in freier Trägerschaft mit Primarstufe nur die Freie Comenius Schule und z. T. die Freie Montessori-Schule. Die Anzahl der inklusiv beschulten Schüler*innen in der Primarstufe schwankte in den letzten Jahren zwischen 85 im Jahr 2011/12 und 131 im Jahr 2014/15. 56 Seit dem Schuljahr 2014/15 ist die Zahl der inklusiv beschul- ten Schüler*innen rückläufig: Bis zum Schuljahr 2016/17 sank sie auf 102. Annähernd ein Drittel (32,9 %) der Schüler*innen mit Förderbedarf in der Primarstufe wird inklusiv beschult. Die inklusiv beschulten Schüler*innen an Schulen in freier Trägerschaft liegen im Zeitverlauf konstant niedrig bei sechs bis acht Schüler*innen. Abbildung 35 ist zu entnehmen, dass es im Zeitverlauf verhältnismäßig große Schwankungen bei den einzelnen Förderschwerpunkten in der inklusiven Beschulung gibt. Die „emotionale und soziale Entwicklung“ ist über Jah - re57 hinweg der am häufigsten inklusiv beschulte Förder- schwerpunkt. Allerdings erweisen sich die Schüler*innen- zahlen in diesem Förderschwerpunkt ab dem Schuljahr 2014/15 als rückläufig – ein Rückgang von dann 75 auf 46 im Jahr 2016/17. Während die Förderschwerpunkte58 „Lernen“, „geistige Entwicklung“ und „körperliche und motorische Entwicklung“ ebenfalls verstärkt inklusiv be - schult werden, finden sich in allgemeinen Schulen selten Schüler*innen mit den Förderschwerpunkten „Sprach - heilförderung“59, „Sehbehinderung“ oder „Hören“. Die Förderschule bietet für Kinder mit Förderbedarf eine Alternative zur inklusiven Beschulung. Sozio-demogra - phische Merkmale der Schüler*innen, die in der Primar - stufe einer allgemeinen Schule inklusiv beschult werden oder eine Förderschule besuchen, sowie der Schüler*in - nen in der Primarstufe insgesamt sind in Abbildung 3660 dargestellt. So sind im Schuljahr 2016/17 über pro- 5 5 Im Rahmen von vorbeugenden Maßnahmen werden Schüler*innen und ggf. ihre Eltern beraten und gezielt gefördert und unterstützt, sofern Förderbedarf bei den Schüler*innen ersichtlich ist. Wurde ein Anspruch auf sonderpädagogische Förderung von Seiten eines Förderausschusses sowie der Schulaufsichtsbehörde festgestellt, wird von inklusiver Beschulung gesprochen. 5 6 Zwar zählt das Jahr 2012/13 noch mehr inklusiv beschulte Schüler*innen, allerdings wird vermutet, dass diesem Ausreißer ein Daten- bzw. Eingabefehler zugrunde liegt. 5 7 Mit Ausnahme des Schuljahrs 2012/13. Jedoch wird hier, wie aus Fußnote 56 hervorgeht, ein Daten- bzw. Eingabefehler als Ursache des Ausreißers im Bereich des Förderschwerpunkts „Sprachheilförderung“ vermutet. 5 8 Für eine detaillierte Beschreibung der Förderschwerpunkte siehe § 7 Förderschwerpunkte der „Verordnung über Unterricht, Erziehung und sonderpädagogische Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Beeinträchtigungen oder Behinderungen“ (VOSB) des Hessischen Kultusministeriums. 5 9 Mit Ausnahme vom Schuljahr 2013/13; siehe Fußnoten 56 und 57. 6 0 Zur Lesart: Beispielsweise ist in lila die Gesamtschüler*innenschaft an der Primarstufe in Darmstädter Schulen dargestellt. So sind 51,9 % der Schüler*innen Jungen und sonach 48,1 % Mädchen; 12,2 % der Schüler*innen haben eine ausländische und somit 87,8 % (u. a.) die deutsche Staatsangehörigkeit, usw. Abb. 36: Schüler*innen in der Primarstufe im Vergleich 2016/17 Jungen ausländi sche S t a a t s a n g e- hörigkeit Migrations- h i n t e r g r u n d 0 % 20 % 40 % 60 % 80 % inklusive Beschulung Förderschulen Primarstufe insgesamt Quelle: LUSD 51,9 12,2 70,4 80,2 18,4 11,9 40,1 52,9 49,5 Abb. 35: Schüler*innen in der inklusiven Beschulung nach Förderschwerpunkt in der Primarstufe 150 125 100 75 50 25 2011/12 2012/13 2013/14 2014/15 2015/16 2016/17 emotionale und soziale Entwicklung Lernen geistige Entwicklung körperliche und motorische Entwicklung Sprachheilförderung Sehbehinderung Hören Quelle: LUSD 35 48 55 75 65 46 25 17 38 26 28 10 12 13 6 12 9 30 85 7 47II Bildung im Lebensverlauf por tio nal viele Jungen sowohl an Förderschulen (70,4 % der Schüler*innen an Förderschu - len) als auch in der inklusiven Beschulung (80,2 % der inklu - siv beschulten Schüler*innen) vertreten. Gleiches gilt für die Schüler*innen mit Migrations - hintergrund. Während der Anteil der inklusiv beschulten Schüler*innen mit ausländi - scher Staatsangehörigkeit in etwa dem der Gesamt - schü ler*innen schaft an all - gemeinbildenden Schulen entspricht, werden Schü - ler*innen mit ausländi - scher Staatsangehörigkeit hingegen überproportio - nal häufig an Förderschu - len beschult. 6. Ganztagsbetreuung an Schule und Hort Im Gegensatz zu den vorschulischen Betreuungsberei - chen besteht ab dem Zeitpunkt der Einschulung kein individueller Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Zwar ist die Kommune zur Vorhaltung eines bedarfsge - rechten Betreuungsangebotes auch im Schulkindbereich und zu entsprechenden Planungsverfahren verpflichtet (vgl. § 24 (4) SGB VIII), es besteht jedoch ausdrücklich kein subjektives Recht zu Gunsten der Grundschulkinder. Somit handelt es sich bei der Schulkindbetreuung um eine freiwillige Leistung. Trotzdem ist diese Leistung für die Wissenschaftsstadt Darmstadt von hoher Priorität. Zur Bewältigung der kommunalen Aufgabe der Betreu - ung von Grundschulkindern stellt die Wissenschaftsstadt Darmstadt zwei Bausteine zur Verfügung: Zum einen die Hortbetreuung in der Verantwortlichkeit des Jugendam - tes61 und die Schulkindbetreuung bzw. den Pakt für den Nachmittag in der Verantwortlichkeit des Schulamtes 62. Die Begriffe „Hort“ und „Schulkindbetreuung“ werden im Allgemeinen – trotz der verschiedenen Rechtsgrund - lagen – häufig synonym verwendet. Am Stichtag 31. 12. 2016 standen in Darmstadt insge - samt 3.221 Betreuungsplätze für Schulkinder zur Ver - fügung. Von diesen wurden 1.218 Plätze in Horten und Vereine und ihre Rolle im Ganztag Im Zuge der Ganztagsentwicklung an Schulen kommt der Kooperation zwi- schen Schule und Verein eine immer größere Rolle zu. Zur Gestaltung eines interessanten AG-Programms für Schüler*innen am Nachmittag greifen Schulen auf die Unterstützung aus Vereinen u. a. aus den Bereichen Sport, Musik und Kunst zurück. Dies bietet Schüler*innen die Möglichkeit, Interes - sen nachzukommen und Dinge auszuprobieren, für die der normale Schul - alltag nur wenig Raum bietet. Das Angebot erreicht am Lernort Schule Kinder aus unterschiedlichen Familien und mit unterschiedlichen Voraussetzungen, auch solche, die sonst keinen Zugang zu Sport- und anderen Vereinen hätten. Für die Vereine bietet die Kooperation die Möglichkeit, ihr Angebot direkt zur Zielgruppe zu bringen, ihre Begeisterung weiterzugeben und perspektivisch gegebenenfalls auch neue Mitglieder zu gewinnen. Wie breit das Spektrum der Angebote sein kann, zeigt ein Blick in das Angebot der Heinrich-Hoffmann- Schule. Hier wurden beispielsweise im zweiten Halbjahr des Schuljahrs 2017/18 AGs aus den Bereichen Bewegung (Kinderzirkus, Basketball, Cheerleading, Aikido) und Musik (musikalische Grundausbildung, Samba-Trommeln) sowie Töpfern, Experimentieren und Theater angeboten. 2.003 Betreuungsplätze an Schulen bereitgestellt. Seit 2011 wurden die Betreuungsplätze an Schulen (Schul - kindbetreuung und Pakt für den Nachmittag) um über 1.000 Plätze ausgebaut. Derzeit steht für ca. 5.360 Schü- ler*innen an Darmstädter Grundschulen grundsätzlich ein Betreuungsangebot von rund 2.300 Plätzen im Be - reich Schulkindbetreuung / Pakt für den Nachmittag und von rund 1.200 Plätzen im Bereich Hort zur Verfügung. Betrachtet man die beiden Systeme Schulkindbetreu - ung / Pakt für den Nachmittag und Hort gemeinsam, sind im aktuellen Schuljahr 2018/2019 rechnerisch 65,3 % der Grundschulkinder mit einem Betreuungs - platz versorgt. Schulkindbetreuung (SKB) Alle Darmstädter Grundschulen haben eine Schulkindbe- treuung (die Ernst-Elias-Niebergall-Schule und die Mühl - talschule als Förderschulen mit Grundstufe sind im Pakt für den Nachmittag). Viele Grundschulen sind darüber hinaus ganztägig arbeitende Schulen (s. Abschnitt Ganz - tag) bzw. im Pakt für den Nachmittag (s. Abschnitt Pakt für den Nachmittag). Bezüglich der Zeitstruktur wurden auch für den Bereich der Schulkindbetreuung Module eingeführt, wie sie im Pakt für den Nachmittag üblich sind. Auch hier können die Eltern nun im Falle eines Ver- tragsabschlusses zwischen Modul 1 (bis 14:30 Uhr) und Modul 2 (bis 17:00 Uhr) wählen. 6 1 Rechtlicher Rahmen: Sozialgesetzbuch VIII, Kinderförderungsgesetz (KiföG), Hessisches Kinder- und Jugendhilfegesetzbuch (HKJGB). 6 2 Rechtlicher Rahmen: Hessisches Schulgesetz, Ganztagsrichtlinie des Landes Hessen. 48 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 Pakt für den Nachmittag (PfdN) Die Wissenschaftsstadt Darmstadt gehörte im Schul - jahr 2015/2016 zu den sechs Pilot-Schulträgern, die den Pakt für den Nachmittag auf Basis einer Kooperations - vereinbarung mit dem Land Hessen eingeführt haben. Neu hierbei war, dass das Land und die Schulträger ge - meinsam Verantwortung übernahmen, um letztlich ein integriertes und abgestimmtes Bildungs- und Betreu - ungsangebot mit den Zielen einer besseren individuellen Förderung für die Schüler*innen, einer besseren Verein - barkeit von Familie und Beruf und der Verbesserung der Bildungschancen auf den Weg zu bringen. Diese Verantwortung schlägt sich in der gemeinsamen Ressourcengabe nieder. Während das Land Hessen sich eines Schüler*innenfaktors bedient, um die so ermittelte Ressource in die Zeit bis 14:30 Uhr zu geben, schrieb die Wissenschaftsstadt Darmstadt ihr bewährtes Kon - zept der Schulkindbetreuung fort, passte es z. B. durch die Dynamisierung der Personalkosten den aktuellen Gegebenheiten an und wendet die für den Pakt für den Nachmittag modifizierte Ressourcenberechnung an. An fünf Tagen pro Woche soll im Zeitfenster 7:30 Uhr bis 17:00 Uhr im Rahmen des Paktes für den Nachmittag ein verlässliches und freiwilliges Bildungsangebot beste - hen, welches den Vormittag und den Nachmittag, den Unterricht, die Ganztagsangebote und die Betreuung rhythmisiert und stärker miteinander verzahnt. Grund - sätzlich ist der Pakt für den Nachmittag ein freiwilliges Angebot, welches aber nach Anmeldung des Kindes ver - bindlich ist. Bei den Grundschulen und Förderschulen mit Grundstufe in Trägerschaft der Wissenschaftsstadt Darmstadt kann man zwischen dem für die Eltern kos - tenlosen Modul bis 14:30 Uhr und dem beitragspflichti - gen Modul bis 17:00 Uhr wählen. Als grundsätzlicher Qualitätsrahmen gilt wie bei den Profilen 1, 2 und 3 des Ganztagsprogramms die Richt - linie für ganztägig arbeitende Schulen. Darmstädter Schulen im Pakt für den Nachmittag seit 2015/2016 Erich Kästner-Schule Grundschule, Ludwig-Schwamb-Schule, Mühltalschule seit 2016/2017 Ernst-Elias-Niebergall-Schule, Heinrich-Hoffmann-Schule seit 2017/2018 Wilhelm-Hauff-Schule voraussichtlich ab 2019/2020 Christian-Morgenstern-Schule, Goetheschule, Schillerschule Hinsichtlich der Anzahl der Plätze in der Schulkindbe - treuung und im Pakt für den Nachmittag stellte sich die Betreuungssituation im Schuljahr 2017/2018 wie in Ta - belle 4 dar. Im Schuljahr 2018/2019 wird sich die Gesamtkapazität auf über 2.300 Plätze steigern. Im Schuljahr 2019/2020 werden voraussichtlich weitere drei Grundschulen dem Pakt für den Nachmittag beitreten. Abhängig von den Vertragsabschlüssen im genannten Schuljahr wären dann ca. 40 % der Gesamtkapazitäten über den Pakt für den Nachmittag abgebildet. Für Kinder mit einem erhöhten Unterstützungsbedarf können im Rahmen der sogenannten intensiven Schul - kindbetreuung adäquate Lösungen entwickelt werden. Diese sind im Einzelfall jeweils zwischen Schulbetreu - ungsträger und dem Jugendamt abzustimmen. Ganztag Im Ganztag gibt es grundsätzlich zwei Organisationsfor - men, zum einen „ganztägig arbeitende Schulen“ (Profile 1 und 2) und zum anderen „Ganztagsschulen“ (Profil 3). Dazu kommt seit dem Schuljahr 2015/2016 der Pakt für den Nachmittag. Schulen mit Ganztagsangeboten in Profil 1 bieten an mindestens drei Tagen in der Woche Angebote zur frei - willigen Teilnahme (z. B. Hausaufgabenbetreuung, För - dermaßnahmen, Freizeitangebote) von 7:30 Uhr bis 14:30 Uhr an. Schulen mit Ganztagsangeboten in Profil 2 bieten an allen fünf Schultagen in der Woche Angebote zur frei - willigen Teilnahme (z. B. Hausaufgabenbetreuung, unter - richts ergänzende Arbeitsgemeinschaften und Projekte, offene Sport- und Spielgruppen) von 7:30 Uhr bis 16:00 oder 17:00 Uhr an. Ganztagsschulen (Profil 3) bieten an fünf Tagen in der Woche in der Zeit von 7:30 Uhr bis 16:00 oder 17:00 Uhr Betreuung, Unterricht sowie verpflichtende Angebote für alle Schüler*innen oder einen definierten Teil der Schüler*innenschaft an. In allen Profilen (und auch im Pakt für den Nachmit - tag) gibt es das Angebot eines warmen Mittagessens. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt als Schulträger un - terstützt das Schulessen in Form des Kommunalpro - gramms „Familienfreundliche Schule“ . 49II Bildung im Lebensverlauf Darmstädter Grundschulen im Ganztag (Profil 1): Andersenschule, Astrid-Lindgren-Schule, Christian-Morgenstern-Schule, Friedrich-Ebert-Schule, Georg-August-Zinn-Schule, Heinrich-Heine-Schule, Käthe-Kollwitz-Schule, Schillerschule. Im Bereich Sekundarstufe I sind alle Darmstädter Schu - len im Ganztag (Profil 1), außer: Bernhard-Adelung- Schule, Erich Kästner-Schule (IGS), Stadtteilschule Ar - heilgen, Lichtenbergschule und Mornewegschule. Diese Schulen sind im Profil 2. Die Christoph-Graupner-Schule bietet ganztägige Betreuung nach Profil 3 an. Tab. 4: Plätze in der Schulkindbetreuung und im Pakt für den Nachmittag 2017/18 Schule Jugendhilfeträger Plätze gesamt Pakt für den Nachmittag (PfdN) Erich Kästner-Schule Sozialkritischer Arbeitskreis (SKA) 136 Ernst-Elias-Niebergall-Schule SKA 48 Heinrich-Hoffmann-Schule SKA 118 Ludwig-Schwamb-Schule mit Mühltalschule Mobile Praxis GmbH 190 Wilhelm-Hauff-Schule Mobile Praxis GmbH 97 Gesamtplätze PfdN 589 Schulkindbetreuung (SKB) Christian-Morgenstern-Schule Förderverein – Maulis 77 Bessunger Schule Arbeiterwohlfahrt (AWO) 175 Georg-August-Zinn-Schule Bund Deutscher Katholischer Jugend (BDKJ) 90 Goetheschule Sozialkritischer Arbeitskreis Darmstadt (SKA) 112 Heinrich-Heine-Schule SKA 68 Käthe-Kollwitz-Schule SKA 65 Frankensteinschule Villa – Verein für innovative Jugendhilfe e. V. 187 Friedrich-Ebert-Schule Förderverein – Friedrich-Ebert-Schule 88 Schillerschule Pädagogische Initiative e. V. 101 Andersenschule Mobile Praxis GmbH 108 Astrid-Lindgren-Schule Förderverein – Astrid-Lindgren-Schule 159 Wilhelm-Busch-Schule Förderverein – Wilhelm-Busch-Schule 77 Elly-Heuss-Knapp-Schule Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) 145 Mornewegschule ASB 100 Gesamtplätze SKB 1.552 27,5 % der Plätze werden im Rahmen des PfdN zur Verfügung gestellt. 72,5 % der Plätze werden im Rahmen der SKB zur Verfügung gestellt. Quelle: Schulamt Darmstadt 50 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 Hort Horte sind ein nachschulisches Bildungs- und Betreu - ungsangebot, das sich vorrangig an Grundschüler*innen richtet. Die Horte in Darmstadt bieten eine regelmäßi - ge Betreuungszeit nach Schulende bis 17:00 Uhr sowie bei Bedarf eine Frühbetreuung vor Schulbeginn. In den Schulferien bieten die Horte den angemeldeten Kindern zudem eine ganztägige Betreuung. Über das Modell der Einrichtungspartnerschaft kann darüber hinaus – in be - grenzten Rahmen und in begründeten Fällen – auch bei Hortangebote, Angebote der Schulkindbetreuung, des Paktes für den Nachmittag oder des Ganztags – sind in erster Linie Lernorte. Kindern wird dort die Möglichkeit gegeben, in einem verlässlichen Rahmen Bildungsanre - gungen zu erfahren und thematisch vielfältige (Lern-) Angebote zu nutzen (vgl. Bildungs- und Erziehungsplan des Landes Hessen). So erhalten Kinder einerseits die Möglichkeit, Hausaufgaben in einem festen und ver - bindlichen Rahmen zu erledigen und haben anderseits die Chance, an Projekten, Ausflügen oder Gruppenan - geboten teilzunehmen, mit Freund*innen (Frei-)Spielzeit gemeinsam aktiv zu gestalten oder auch eigene Ruhebedürfnisse zu erkennen und diese indivi - duell zu gestalten. Der weitere Ausbau der Schul - kindbetreuung geschieht in Darmstadt vorrangig in Form der Betreuungsangebote an Schulen unter Federführung des städtischen Schulamtes, unterstützt durch Förderpro - gramme wie den Pakt für den Nachmittag. Die Weiterentwick - lung der Betreuungsangebote für Schulkinder geschieht grund - sätzlich in Abstimmung zwischen Jugendamt und Schulamt (vgl. Wissenschaftsstadt Darmstadt: Bericht zum Versorgungsgrad in der Kinderbetreuung 2016). Die Schulkindbetreuung und der Pakt für den Nachmittag orien - tieren sich in der Umsetzung der Wissenschaftsstadt Darmstadt an den genannten Qualitätsmerkmalen. Schrittweise erfolgt eine Angleichung an § 25 HKJGB. Vom Umfang der Be - treuungsstunden her, weisen beide Systeme Hort und SKB/PfdN bereits jetzt ähnliche Ergebnisse auf. Aktive Ferienspiele und Ferienbetreuung der Schulkindbetreuung Der Wissenschaftsstadt Darmstadt ist es ein Anliegen, die Betreuung Darmstädter Kinder in den Schulferien zu unterstützen. Aus diesem Grund fördert die Wissenschaftsstadt Ferien angebote der freien Träger, Vereine und Verbände und veranstaltet in Kooperation mit dem Träger des Albert- Schweitzer-Hauses in Lindenfels und lokalen Unternehmen weitere Frei - zeiten und Ferienangebote. Ziel ist es, ein möglichst flächendeckendes und breit gefächertes Angebot in allen hessischen Schulferien vorhalten zu können. Eine enge Abstimmung zwischen den oben genannten An - bietern von Ferienangeboten und Schulbetreuungsträgern, die ebenfalls Angebote in den Ferien vorhalten, wird dabei angestrebt. Eine weitere Serviceleistung in diesem Bereich ist das Zusammenfas - sen von Ferien- und Freizeitangeboten sowie einzelner Veranstaltungen der Kinder und Jugendförderung im Jugendamt in der jährlich erschei - nenden Broschüre „Da mach ich mit! – Aktive Ferien“ . Diese Broschüre umfasst mittlerweile mehr als 160 Angebote. Sie erscheint als Print- Version immer zum Jahresbeginn, digital bereits vor Weihnachten. So wird allen Erziehungsberechtigten eine frühzeitige Urlaubs- und Be - treuungsplanung ermöglicht. Zusätzlich veröffentlicht die Kinder- und Jugendförderung in den Sommerferien eine „Restplatzbörse“ mit noch freien Ferienspiel- und Freizeitplätzen für Spätentschlossene und kurzfristig Betreuungs - suchende auf der städtischen Internetseite. Schließzeiten eine Betreuungskontinuität gewährleistet werden. Die Ausgestaltung des organisatorischen Rah - mens und des pädagogischen Angebotes obliegt den Fachkräften in den Horten. Es gilt das Fachkräftegebot nach § 25 des Hessischen Kinder- und Jugendhilfege - setzbuches (HKJGB), das ein wesentliches Qualitäts - merkmal und Voraussetzung für gelingende Bildungs- und Erziehungsprozesse ist. 51II Bildung im Lebensverlauf 7. Unterstützungs-, Begleitungs- und Hilfeangebote außerhalb der Familie Aus unterschiedlichen Gründen ist Teilhabe an Bildung für Kinder und Jugendliche in besonderen Lebens lagen erschwert. Im Sinne einer Bildungs- und Chancen - gerechtigkeit gilt es, diesen Kindern und Jugendlichen eine besondere Unterstützung zuteilwerden zu lassen. Hierzu gibt es verschiedene Instrumente, die versuchen ungünstige Startbedingungen auszugleichen. Wichtige Einrichtungen und Maßnahmen in diesem Zusammen - hang sind beispielsweise die Erziehungsberatungsstel - le der Wissenschaftsstadt Darmstadt, das Zentrum für schulische Erziehungshilfe, die qualifizierte Hausaufga - benhilfe des Caritasverbandes Darmstadt sowie das Bil - dungs- und Teilhabepaket. 7.1 Erziehungsberatung Die Angebote der Erziehungsberatung dienen der Unter - stützung von Kindern, Jugendlichen und Eltern bei der Klärung und Bewältigung individueller und familienbe - zogener Probleme und der zugrundeliegenden Faktoren, der Lösung von Erziehungsfragen sowie in Fragen von Trennung und Scheidung. Das Familienzentrum, Bereich Erziehungsberatung, kann von allen in Darmstadt wohnenden Eltern, Kindern und Jugendlichen sowie jungen Volljährigen (bis zum vollen - deten 21. Lebensjahr) kostenlos in Anspruch genommen werden. Die Anliegen sind sehr unterschiedlich. So kön - nen Fragen zu Entwicklung und Verhalten des Kindes / Jugendlichen, Veränderungen, Konflikte und Krisen in der Familie Gründe sein, die Erziehungsberatungsstel - le aufzusuchen. Angeboten werden Beratungssitzungen mit den jungen Menschen, Eltern und Familien, Grup - penarbeit mit spezifischen Zielgruppen und betreute Umgänge mit flankierenden Elterngesprächen. Die Erziehungsberatung stellt Bürger*innen schnell, un - bürokratisch und niedrigschwellig eine Unterstützungs - leistung zur Verfügung. Dazu sind insbesondere die Te - lefonberatung und die wöchentlich stattfindende offene Sprechstunde eingerichtet, Familien mit Kindern unter einem Jahr erhalten ohne Wartezeit einen Termin. Im Rahmen der abteilungsübergreifenden Zusammen - arbeit bieten die Fachkräfte der Erziehungsberatungs - stelle in städtischen Einrichtungen sowohl regelhaft vor Ort, als auch bei Bedarf eine Fachberatung/Intervision an. Vorträge und Diskussionsveranstaltungen zu aktu - ellen Themen werden innerhalb des Familienzentrums, d. h. der Bereiche Erziehungsberatung, Familienbildung und Netzwerkkoordination Frühe Hilfen vorbereitet und durchgeführt. Die Fachkräfte der Erziehungsberatung haben psychologische, therapeutische, sozialpädago - gische Ausbildungen und haben sich in spezifischen Fachrichtungen (Systemische Beratung / Therapie, Ver - haltenstherapie, Marte Meo) weiterqualifiziert. 2016 suchten 1.167 Bürger*innen die Beratungsstelle auf. Davon waren 434 Kinder, 696 Personen in der Fami- lie und 37 Beteiligte außerhalb der Familie. Die Familien kommen aus dem gesamten Stadtgebiet und aus allen Milieus. Eine Konzentration eines Geschlechtes (des Kin - des / Jugendlichen) ist nicht gegeben. Beratung in Fragen der Partnerschaft, Trennung und Scheidung (§§ 17, 18 KJHG) Durch das am 1. Juli 1998 in Kraft getretene Kindschafts- recht wird ein Beratungsauftrag für den örtlichen Träger der Jugendhilfe geschaffen. Dieses Beratungsangebot wird auch von der Erziehungsberatung (in Verbindung mit § 28 KJHG) wahrgenommen. Die Erziehungsbera - tung wirkt grundsätzlich bei Einverständnis der Eltern mit. Die Erziehungsberatung erbringt in diesem Bereich fol - gende Leistungen: Beratung von Eltern und therapeutische Hilfe in der 3 Auseinandersetzung mit der neu zu definierenden Rolle und der Realität als Alleinerziehende*r Beratung und Unterstützung der nicht sorgeberech - 3 tigten Eltern Krisenintervention für alle Betroffenen 3 therapeutische Unterstützung für Kinder und 3 Jugendliche Beratung der Eltern zur Vereinbarung eines ein - 3 vernehmlichen Konzeptes in Bezug auf Sorge- und Umgangsregelung Unterstützung und Begleitung von Besuchskontakten 3 begleiteter Umgang (§§ 3 1684, 1685 BGB /neu) Die Leistungsangebote und das Leistungsprofil sind – auch im Zusammenhang mit der städtischen Jugend - hilfeplanung – der Situation und den Bedürfnissen der Bürger*innen der Stadt entsprechend zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Dies geschieht in Kooperation mit dem Familienzentrum, dem Jugendamt und dem Städtischen Sozialdienst. 52 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 7.2 Zentrum für schulische Erziehungshilfe Das Zentrum für schulische Erziehungshilfe (ZfsE) ist eine Präventions- und Beratungseinrichtung des Staat - lichen Schulamts für Darmstadt-Dieburg und die Stadt Darmstadt und des Jugendamts der Wissenschafts - stadt Darmstadt. Unter dem Dach der regionalen Be - ratungs- und Förderzentren (s. Kap. 4.4) leistet das ZfsE Prävention im Bereich der emotionalen und sozialen Entwicklung. Förderschullehrkräfte und sozialpädagogi - sche Fachkräfte arbeiten dabei in enger institutioneller Kooperation fallbezogen als Tandem. Durch die Koordi - nation schulischer und außerschulischer Hilfen werden Schüler*innen der Klassen eins bis sechs integrativ am Lernort Schule und in der familialen Lebenswelt geför - dert. Ziel ist es, Entlastung in Problemsituationen zu schaffen, Ausgrenzung zu verhindern und den Verbleib in den Regelschulen zu ermöglichen. Die Arbeit des ZfsE erfolgt nach folgenden Grund - sätzen: Förderung von Schüler*innen in ihrer sozial-emotio - 3 nalen Entwicklung Unterstützung der Lehrkräfte bei der Integration 3 von verhaltensauffälligen Kindern in die Klassen - gemeinschaft Unterstützung von Familien bei ihren erzieherischen 3 Aufgaben Erarbeitung von Möglichkeiten der Konfliktlösung 3 gemeinsam mit allen Beteiligten Alle Beteiligten tragen in ihren jeweiligen Verantwort - 3 lichkeiten Wichtiges zum Prozess und zur Lösung bei. Das ZfsE bietet folgende Beratungs- und Förder angebote an: Beratung von Lehrer*innen 3 Beratung von Eltern 3 Initiierung und Moderation von Gesprächen mit El - 3 tern, Lehrkräften und anderen für das Kind wichtigen Personen Problemanalyse gemeinsam mit Schule und Familie 3 ambulante schulische Förderung von Schüler*innen 3 der Klassen eins bis sechs Vermittlung und Koordination außerschulischer Hilfen 3 Das ZfsE unterstützt: Kinder im Einschulungsprozess mit hohem Bedarf in 3 der emotional-sozialen Entwicklung Schüler*innen der Klassen eins bis sechs in der Stadt 3 Darmstadt, die in und mit der Schule Probleme haben Lehrer*innen der allgemeinen Schulen, die Beratung 3 und Unterstützung bei der Förderung von Kindern mit Verhaltensproblemen wünschen Eltern, die Rat und Hilfe für die Erziehung ihres Kin - 3 des im Zusammenhang mit der Schule suchen Eltern können sich telefonisch beim ZfsE melden. Lehr - kräfte wenden sich bitte in Absprache mit den Eltern mit einem Antrag an das ZfsE. 7.3 Qualifizierte Hausaufgabenhilfe Die qualifizierte Hausaufgabenhilfe des sozialpädagogi- schen Dienstes für ausländische Familien des Caritasver - bandes Darmstadt kann auf ein 40 Jahre bestehendes Angebot zurückblicken. Es richtet sich vorwiegend an Kinder in der Grundschule mit nichtdeutscher und deut - scher Herkunft, die schulische Probleme haben und/ oder von zu Hause keine Unterstützung erfahren. Bei der qualifizierten Hausaufgabenhilfe handelt es sich um ein niedrigschwelliges, freiwilliges Angebot für Kinder unterschiedlicher Herkunft. Das Angebot ist grundsätz - lich offen für alle, ein unbürokratisches Anmeldeverfah - ren erleichtert den Zugang. Das Anmeldeformular liegt in verschiedenen Sprachen vor und ermöglicht so auch die Teilnahme von Kindern aus Elternhäusern mit gerin - gen Deutschkenntnissen. Es wird lediglich ein geringer Kostenbeitrag von den Eltern erhoben, um eine gewisse Verbindlichkeit der Teilnahme zu schaffen. Familien mit wenig Geld kann der Teilnahmebeitrag unbürokratisch erlassen werden. In einigen Fällen erfolgt eine geson - derte Empfehlung der Lehrkräfte, für welche Kinder eine Teilnahme an der qualifizierten Hausaufgabenhilfe be - sonders sinnvoll ist. An zwölf Grundschulen, einer Förderschule und weiteren vier Standorten wurden im Jahr 2017 regelmäßig 477 Kinder in einer Lerngruppe mit maximal acht Kindern gefördert. Jeweils zwei geschulte Ehrenamtliche unter - stützen die Kinder zwei- bis dreimal die Woche je zwei Stunden in ihren Lernvorhaben. Zwischen 2014 und 2017 konnte die Zahl der erreichten Kinder leicht gesteigert werden (Tab. 5). Die Anteile von Jungen und Mädchen schwanken jährlich und es kann kein Trend zu einer ver - stärkten Teilnahme eines der beiden Geschlechter be - obachtet werden. Das Angebot wird von Schüler*innen unterschiedlicher Herkunft wahrgenommen. Im Jahr 2017 bildeten Kinder 53II Bildung im Lebensverlauf türkischer Herkunft die größte Gruppe (25,4 %), gefolgt von Kindern aus Marokko (14,3 %) und Kindern mit deutschem Pass (10,3 %). Mehr als zehn Kinder mit fol - genden Nationalitäten wurden jeweils betreut: Somalia (35 Kinder, 7,3 %), Afghanistan (33 Kinder, 6,9 %), Syri- en (29 Kinder, 6,1 %), Pakistan (25 Kinder, 5,2 %), Iran (12 Kinder, 2,5 %), Italien (12 Kinder, 2,5 %). Im betrach- teten Zeitraum von 2014 bis 2017 stellen Kinder aus den Herkunftsländern Türkei, Marokko und Deutschland stets die teilnehmerstärksten Gruppen, gefolgt von Kin - dern aus Somalia. Seit 2016 ist ein deutlicher Anstieg von Kindern aus Syrien, Afghanistan und Pakistan zu beobachten. Es zeigt sich, dass Schüler*innen, die an der Hausauf - gabenhilfe teilnehmen, direkt profitieren: Schüler*innen erzielen z. T. bessere Noten, was mit einer höheren Zu - friedenheit von Schüler*innen, Eltern sowie Lehrkräften gleitet werden und die Kinder können an aufbauenden Lerninhalten weiter teilnehmen. Eltern wie Lehrkräfte sehen im Angebot eine wertvolle Ergänzung des Unterrichts, die Kindern bei ihren Pro - blemen aufgrund von Sprache und interkulturellen Dif - ferenzen eine zeitnahe Unterstützung bieten kann. Bei - spielsweise ist es manchen Eltern nicht möglich, ihren Kindern beim Erlernen der Sprache ausreichend unter die Arme zu greifen. In solchen Fällen bewerten viele Eltern den Besuch der qualifizierten Hausaufgabenhilfe als sinnvoll und notwendig. Die Zusammenarbeit mit den Eltern spielt jedoch auch darüber hinaus eine wichtige Rolle. Der Kontakt zu den Eltern ermöglicht es, Familien in weiteren Bildungsfra - gen zu begleiten, wie beispielsweise beim Übergang in die weiterführende Schule oder beim Verstehen des hes- sischen Schulsystems. Das Angebot wird mit Mitteln des Hessischen Kultusministeriums, der Wissenschaftsstadt Darmstadt, Eigenmitteln und Spenden finanziert. Aufgrund der schulischen Entwicklung zum Ganztag hat sich die Arbeit der Hausaufgabenhilfe verändert. Die qualifizierte Hausaufgabenhilfe kooperiert mit den Akteuren des Ganztags an Grundschulen. Es bestehen unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit: Teil - weise erfolgte eine regelmäßige Integration des Ange - bots in den Stundenplan (zeitweise mit Unterstützung einer Lehrkraft), in anderen Fällen gibt es Kooperatio - nen und Abstimmungen mit anderen Anbietern von Hausaufgabenhilfe. 7.4 Bildung und Teilhabe Das im Jahr 2011 in Kraft getretene Bildungs- und Teil - habepaket (BuT)63 soll Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den Rechtskreisen SGB II (Arbeitslosen - geld II bzw. Sozialgeld), SGB XII (Sozialhilfe), Bundes - kindergeldgesetz (BKGG; bei Erhalt von Kinderzuschlag und/oder Wohngeld) und Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) den Zugang zu schulischen und außerschuli - schen Bildungsangeboten sowie die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft erleichtern bzw. ermöglichen. Im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepakets wird ge - nerell zwischen sieben Leistungsarten differenziert, wo - bei im Folgenden die beiden Leistungen Ausflüge und Klassenfahrten zusammengefasst werden. Eine hohe prozentuale Inanspruchnahme des BuT von Anspruchs - berechtigten gilt als wünschenswert, schließlich können so einer Vielzahl von Kindern, Jugendlichen und jungen 6 3 Weitere Informationen zum Bildungs- und Teilhabepaket in Darmstadt sind unter www.darmstadt.de/bildungspaket abzurufen. Tab. 5: Entwicklung der Teilnahmen an der qualifizierten Hausaufgabenhilfe 2014 2015 2016 2017 Jungen 237 226 233 249 Mädchen 198 222 240 228 gesamt 435 448 473 477 Quelle: Caritasverband Darmstadt e. V. 2014 – 2017 einhergeht. Die Einsatzorte der Hausaufgabenhilfe haben sich über die Jahre entwickelt. An den Schulstandorten, an denen es keine Angebote des Caritasverbandes gibt, wird die individuelle Lernförderung in anderen Formen (Schulkindbetreuung, Hort etc.) oder an anderen Orten (z. B. Gemeinschaftshaus im Pallaswiesenviertel, Kir - schen allee 180) angeboten. Stärker als bei anderen Formaten der Hausaufgabenbe - treuung wie in der Schulkindbetreuung, in Horten oder Jugendzentren oder bei Jugendhilfeträgern, bietet sich aufgrund der kleinen Gruppengröße in der qualifizier - ten Hausaufgabenhilfe die Möglichkeit der individuellen Begleitung der Kinder bei ihren Lernschwierigkeiten. Es geht weniger darum, Raum und Zeit für die Erledigung von Hausaufgaben zu schaffen, sondern vielmehr darum, konkrete und nachhaltige Lernfortschritte zu erreichen. Neben der Gruppengröße liegt die Stärke des Angebots in der kontinuierlichen Begleitung über das gesamte Schuljahr. Der Lehrstoff kann wöchentlich fachlich be - 54 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 Erwachsenen zusätzlich Chancen zu Bildung und Teil - habe eröffnet werden.64 Aus Abbildung 37 65 geht eine Zunahme bei der Inan - spruchnahme der verschiedenen Leistungsarten im Zeit - verlauf hervor.66 Wurde 2012 die Leistungsart Schulbe - darf 67 noch von 2.712 Personen in Anspruch genommen, waren es im Jahr 2017 bereits 3.832. Im Bereich der Leistungsart Mittagsverpflegung stieg die Inanspruch - nahme im gleichen Zeitraum von 1.185 auf 2.143; bei den Ausflügen und Klassenfahrten von 836 auf 1.402. Als verhältnismäßig niedrig erweisen sich jedoch die Zahlen der Inanspruchnahme von Teilhabeleistungen 68 und Lernförderung, wobei insbesondere hier konkrete non-formale und informelle Bildungsgelegenheiten ver - mutet werden. Die Inanspruchnahme des BuT kann auch nach den ein - zelnen Rechtskreisen differenziert betrachtet werden. Sowohl die Leistungsarten Schulbedarf (2.890) als auch Mittagsverpflegung (1.706) sowie Ausflüge und Klassen - fahrten (1.055) wurden im Rechtskreis SGB II69 im Jahr 2017 häufig bewilligt (Abb. 38). Ein ähnliches Verhält - nis der Bewilligungen der Leistungsarten zeichnet sich 6 4 Die hier aufgeführte Anzahl der anspruchsberechtigten Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen wird je nach Rechtskreis unterschiedlich bestimmt und fluktuiert im Jahresverlauf. Die hiesige Zahl ist die eines festgelegten Stichtages eines jeden Jahres. Die 3- bis einschließlich 17-jährigen Kinder und Jugendlichen der vier zuvor aufgeführten Rechtskreise gelten als anspruchsberechtigt. In den Rechtskreisen SGB II und AsylbLG sind ferner für bestimmte BuT-Leistungen noch Schüler*innen von 18 bis einschließlich 24 Jahren, die mit einer sogenannten „Schülerquote“ berechnet und addiert werden, anspruchsberechtigt. Zu den Anspruchsberechtigten im Rechtskreis BKGG liegen keine Daten vor. Die hier aufgeführte Statistik zum BuT wird nach einem im Jahr 2012 im Sozialausschuss des Hessischen Landkreistages beschlossenem einheitlichem Muster erhoben. 6 5 Mehrfachnennungen sind bei dieser Form der Darstellung möglich, d. h. eine anspruchsberechtigte Person könnte die verschiedenen BuT-Leistungen (mehrmals) erhalten und würde jeweils einmal gezählt werden. 6 6 Für das Jahr 2014 liegen keine Zahlen vor. 6 7 Die Leistungsart Schulbedarf wird – sofern es sich um eine Schülerin oder einen Schüler handelt – in den Rechtskreisen SGB II, SGB XII und AsylbLG per se gewährt (passive Inanspruchnahme); für andere Leistungen muss hingegen ein entsprechender Antrag gestellt (aktive Inanspruchnahme) und ggf. eine weitere Voraussetzung erfüllt werden. 6 8 Unter Teilhabeleistungen fallen finanzielle Hilfen zur Teilnahme und Teilhabe an Vereins- und Gemeinschaftsstrukturen wie bspw. Mitgliedsbeiträge im Sportverein oder Unterricht im künstlerischen/musischen Bereich. 6 9 Dabei weist der Rechtskreis SGB II die meisten Anspruchsberechtigten auf (im Jahr 2017: 3.663). Abb. 37: Entwicklung der Inanspruchnahme der BuT- Leistungen in Darmstadt Ausflüge und Klassen - fahrten Schulbedarf Schüler- beförderung Lern- förderung Mittags - verpflegung Teilhabe- leistungen 0 1.000 2.000 3.000 4.000 2012 2013 2015 2016 2017 Quelle: Amt für Soziales und Prävention, Darmstadt 1.402 3.832 104 156 2.143 963 Ausflüge und Klassenfahrten Schulbedarf S c h ü l e r- beförderung Lernförderung M i t t a g s- verpflegung Teilhabe- leistungen Quelle: Amt für Soziales und Prävention, Darmstadt Abb. 38: Zahl der Bewilligungen der einzelnen Leistungsarten im Rechtskreis SGB II im Jahr 2017 666 1.706 2.890 1.055 116116 6565 1 % 45 % 10 % 26 % 16 % 2 % Ausflüge und Klassenfahrten Schulbedarf S c h ü l e r- beförderung Lernförderung M i t t a g s- verpflegung Teilhabe- leistungen Quelle: Amt für Soziales und Prävention, Darmstadt Abb. 39: Zahl der Bewilligungen der einzelnen Leistungsarten im Rechtskreis AsylbLG im Jahr 2017 6 % 60 % 7 % 22 % 5 % 0 % 87 29 25 244 18 11 55II Bildung im Lebensverlauf nahme71 des Rechtskreises SGB II in ausgewählten hes - sischen Kommunen im Verlauf der Jahre 2012 – 2017 abgebildet. In Darmstadt ist eine kontinuierliche Steige - rung der Quote auszumachen, zumal diese auch stetig über dem hessischen Durchschnitt liegt. So ist die Quo - te im Jahr 2017 um gut 25 Prozentpunkte höher als fünf Jahre zuvor. Liegt die Quote Darmstadts im Jahr 2017 erstmals über der Offenbacher, weisen die beiden hes - sischen Großstädte Kassel und Wiesbaden, wie auch in den Vorjahren, höhere Quoten aus. Im Jahr 2017 beliefen sich in Darmstadt die Ausgaben für das Bildungs- und Teilhabepaket für alle Rechts - kreise auf rund 1,33 Mio. € (Abb. 40). Über die Jahre hinweg kam es zu einer Ausgabensteigerung für das BuT – im Jahr 2012 beliefen sich die Kosten noch auf ca. 782.000 €, 2014 rd. 965.000 € und 2016 knapp 1,26 Mio. €. Die größten Kostenpunkte im Jahr 2017 stellten – aufgrund der jeweiligen Struktur der Leistungen nur be - dingt kongruent zu ihren Anteilen an den Bewilligungen – die Mittagsverpflegung (rd. 481.000 €), der Schulbedarf (rd. 391.000 €) sowie Ausflüge und Klassenfahrten (rd. 239.000 €) dar. 8. Schulsozialarbeit Die Schulsozialarbeit ist eine wichtige präventive Kin - der- und Jugendhilfeleistung gemäß § 13 SGB VIII, die kooperativ mit den beteiligten Akteuren zum Wohl der Kinder und deren Familien in Darmstadt erbracht wird. Verankert ist sie weiterhin in den §§ 1, 11 und 81 des SGB VIII. Die Steuerungsinstanz der Schulsozialarbeit in Darm - stadt ist die Fachstelle Schulsozialarbeit und Jugendbe - rufshilfe. Diese ist in der Abteilung Kinder- und Jugend - förderung des Jugendamtes angesiedelt und für die fachliche und administrative Bearbeitung des Themen - feldes zuständig. Der Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt hat 2009 beschlossen, von einer schulstandortbezogenen Schulsozialarbeit hin zu einer Ausrichtung nach Sozial - räumen überzugehen. Dazu wurden vier Planungsräume auf Grundlage der Grundschulbezirke gebildet: Darm - stadt Nord + Waldkolonie, Innenstadt Nord, Innenstadt Tab. 6: Aktive Inanspruchnahme des Bildungs- und Teilehabepakets in ausgewählten Gebietskörperschaften im Rechtskreis SGB II Jahr Darmstadt Kassel Offenbach Wiesbaden Hessen 2012 49,1 % 59,0 % 6 0 , 3 % – 48,2 % 2013 55 ,1 % 73,4 % 71,9 % – 49,7 % 2015 62,4 % 87,2 % 90,7 % – 54,3 % 2016 66,8 % 76 ,6 % 77, 5 % 76 ,1 % 62,1 % 2017 75,5 % 78 ,6 % 75,1 % 79,2 % 59,8 % Quelle: Hessischer Landkreistag 7 0 Mit einem weitaus niedrigeren Kreis Anspruchsberechtigter (425 im Jahr 2017). 7 1 Bei einer aktiven Inanspruchnahme werden die Personen, die einzig die Leistungsart Schulbedarf in Anspruch genommen haben, nicht berücksichtigt (da Schulbedarf per se anspruchsberechtigten Schulkindern in den Rechtskreisen SGB II, SGB XII und AsylbLG gewährt wird). Vielmehr zählen hier Personen, die eine BuT-Leistung bewilligt bekommen haben, für die zuvor ein entsprechender Antrag gestellt werden musste. auch über die Jahre hinweg und bei den Rechtskreisen SGB XII und BKGG ab. Im Rechtskreis AsylbLG 70 hinge- gen werden Leistungsarten neben dem Schulbedarf und der Mittagsverpflegung selten in Anspruch genommen (Abb. 39). Ein Vergleich der Inanspruchnahme von BuT-Leistungen mit anderen hessischen Kommunen ist ab dem Jahr 2012 möglich. Dazu wird eine Quote errechnet, bei der jede Person, die eine oder mehrere BuT-Leistung(en) in Anspruch genommen hat, nur einmalig gezählt und die Summe dieser ins Verhältnis zu der Gesamtzahl der an - spruchsberechtigten Kinder und Jugendlichen gesetzt wird. In Tabelle 6 ist die Quote zur aktiven Inanspruch - Quelle: Controlling Dezernat V, Darmstadt Abb. 40: Ausgaben für BuT-Leistungen 2017 Ausflüge und Klassenfahrten Schulbedarf Schüler beförderung Lernförderung Mittags verpflegung Teilhabe leistungen 24.843 € 390.507 € 88.810 € 480.658 € 239.375 € 103.913 € 7 % 36 % 8 % 29 % 18 % 2 % 56 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 Süd und Darmstadt Süd. In jedem Sozialraum wird die Schulsozialarbeit von einem Träger umgesetzt. Ausge - nommen davon sind die beruflichen Schulen. Diese wer - den sozialraumunabhängig von einem weiteren fünften Träger bedient. Mit dem Magistratsbeschluss von 2009 wurde ein stu - fenweiser Ausbau der Schulsozialarbeit beschlossen, der 2012/13 mit der dritten Ausbaustufe endete. Die Per - sonalausstattung orientiert sich an den Schüler*innen - zahlen der jeweiligen Schule, der Schulform und dem Standort einer Schule, um eine erforderliche Integra - tions leistung zu ermöglichen. Mit Abschluss des Ausbaus konnte an allen Schulen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt flächendeckend Schulsozialarbeit umgesetzt werden. Zurzeit wird Schul - sozialarbeit an 17 Grundschulen, fünf Gesamtschulen, einer Haupt- und Realschule, sieben Gymnasien, vier Förderschulen und zwei Berufsschulzentren umgesetzt. Das Angebot der Schulsozialarbeit richtet sich an alle Schüler*innen einer Schule. Des Weiteren werden bei Bedarf Eltern, das familiäre Umfeld, der Sozialraum mit seinen Angeboten, Lehrer*innen sowie die Schulleitung mit einbezogen. Die Schulsozialarbeit beinhaltet vielfältige Elemente der Jugendarbeit, der Jugendsozialarbeit, des Jugendschut - zes, der erzieherischen Hilfen und Ganztagsbetreuung. In der Wissenschaftsstadt Darmstadt ist Schulsozial - arbeit konzeptionell eine kommunale Aufgabe, die ein komplexes sozialpädagogisches, sozialräumlich veran - kertes Angebot der Jugendhilfe am Ort Schule ist. Das kommunalpolitische Ziel ist die Herstellung von Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit sowie die Verringerung von Armut und Ausgrenzung. Dabei stehen nicht die Bildungs- und Lehrpläne im Mittelpunkt, son - dern der individuelle Bildungsprozess von Kindern und Jugendlichen. Jeder Träger arbeitet nach einem am Sozialraum orien - tierten Konzept, das in das Rahmenkonzept Schul sozial- arbeit der Wissenschaftsstadt Darmstadt eingebettet ist. Ein wichtiger Baustein der sozialraumorientierten Schul - sozialarbeit sind die Beratungszentren der jeweiligen Träger im Sozialraum. Diese bieten Eltern, Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, außerhalb von Schule Hil - fe in Anspruch nehmen zu können. Wichtige Säulen der Schulsozialarbeit in der Wissen - schaftsstadt Darmstadt sind: Prävention: Um Kinder und Jugendliche in ihrer sozialen und indivi - duellen Entwicklung zu unterstützen, will die Schulsozial- arbeit persönlichen und sozialen Problemlagen vorbeu - gen bzw. diese vermeiden. Sie interveniert wenn möglich schon bevor ein Problem große Ausmaße annimmt. Sie bietet vorbeugend Hilfen in belastenden Situationen an. Dafür nimmt die Schulsozialarbeit besonders die Grund - schulen in den Blick, um von Beginn an auf gelingende Bildungsbiografien hinzuarbeiten. Sozialraumorientierung: Die Träger der Schulsozialarbeit sollen in räumlicher Nähe zu den Familien und den Schulstandorten präsent sein. Damit kommt die Schulsozialarbeit den Interessen der Familien, Kinder und Jugendlichen vor Ort entgegen und trägt zu einer besseren Abstimmung vorhandener Ressourcen im Sozialraum bei. Partizipation: Schulsozialarbeit kann dazu beitragen, die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen im Sozialraum und in der Lebenswelt Schule zu hören und gemeinsam umzuset - zen. Hierbei orientieren sie sich an den Regelungen des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (§ 8 SGB VIII – Betei - ligung von Kindern und Jugendlichen). Ziel ist es, die vorhandenen demokratischen Formen von Mitsprache und Beteiligung (weiter) zu entwickeln und zu praktizie - ren. Die Ziele der Schulsozialarbeit lassen sich wie folgt zusammenfassen: bezogen auf die Schüler*innen: individuelle Unterstützung von Schüler*innen 3 emotionale Stabilisierung 3 Förderung sozialer Kompetenz 3 Förderung von Konfliktfähigkeit und konstruktiver 3 Konfliktlösung Unterstützung bei Lebenskrisen in Schule, Familie, 3 Gemeinwesen bezogen auf die Institution Schule: Klimaverbesserung in der Schule 3 Vernetzung und Kooperation von Schule und anderen 3 Institutionen sozialpädagogische Unterstützung der Lehrkräfte 3 57II Bildung im Lebensverlauf bezogen auf die Eltern: Motivierung der Eltern zur Mitwirkung bei schuli - 3 schen Prozessen Abbau von Schwellenängsten gegenüber der Schule 3 Förderung der Erziehungskompetenz der Eltern 3 Vernetzung der Angebote im Bereich der Hilfen 3 zur Erziehung, des Jugendschutzes, der Berufs - vorbereitung, des Freizeitbereichs und der Gesundheitsförderung Die Methoden der Schulsozialarbeit orientieren sich an der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen und sind gleichermaßen vielfältig wie die Schüler*innen. Sie rei - chen von Einzelfallberatung der Schüler*innen und Eltern, über Sozialkompetenztraining, Vermittlung au - ßerschulischer Hilfen, bis hin zu Projektarbeit. Auf struk - tureller Ebene ist dafür eine Öffnung der Schule zum Stadtteil mit den dort agierenden Institutionen und Trä - gern unabdingbar, denn dadurch werden Bedingungen geschaffen, die formelles und informelles Lernen mit - einander verbinden. Die Qualität der Kooperation von Schule und Jugendhilfe / Schulsozialarbeit ist die Basis für die Schaffung neuer Bildungssysteme. Schulsozial - arbeit nimmt hier eine wichtige Brückenfunktion ein. Durch Schulsozialarbeit soll die institutionelle Trennung von Jugendhilfe und Schule verringert und sozialpäda - gogische Kompetenzen im Interesse der Schüler*innen, Eltern und Lehrkräfte eingebracht werden. Eine gelin - gende Kooperation im Rahmen der Schulsozialarbeit ermöglicht es, dass beide Instanzen bzw. Berufsgrup - pen sich im Hinblick auf das übergreifende gemeinsame Gesamtziel – nämlich die Verbesserung der Lebens- und Entwicklungsbedingungen von Kindern und Jugendli - chen – wechselseitig ergänzen. Schulsozialarbeit nimmt gemäß den Definitionen eine wichtige Vermittlungs- und Scharnierfunktion zwischen Schule und Gemeinwesen wahr. Im Interesse der Kinder und Jugendlichen trägt die Schulsozialarbeit zu einer Vernetzung bestehender Angebote und Dienste bei. Schulsozialarbeit trägt an allen Schulformen dazu bei, das Recht junger Menschen auf Förderung ihrer 3 Entwicklung zu eigenverantwortlichen und gemein - schaftsfähigen Persönlichkeiten gemäß § 11 SGB VIII (Jugendarbeit) zu verwirklichen und Benachteili - gungen gemäß § 13 SGB VIII (Jugendsozialarbeit) entgegenzuwirken und abzubauen; Schüler*innen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung 3 und bei der Entwicklung sozialer Kompetenzen zu fördern, sie emotional zu stabilisieren, sie in Lebens - krisen in und außerhalb der Schule zu unterstützen, ihre Konfliktfähigkeit zu fördern und konstruktive Konfliktlösungen zu finden; junge Menschen beim Übergang von der Schule in 3 den Beruf zu unterstützen; neue Bildungsräume zu eröffnen, Orte und Gelegen - 3 heiten für informelles Lernen und selbstbestimmte Selbstbildungsprozesse zu initiieren und junge Menschen zu befähigen, sich kritisch mit ihrer Lebenswelt und gesellschaftlichen Entwicklungen auseinanderzusetzen; Kooperationen an der Schnittstelle von Jugendhilfe 3 und Schule auszubauen, zu verankern und ein ge - meinsames, inklusives Bildungs- und Erziehungsver - ständnis von Jugendhilfe und Schule zu entwickeln. Die Schulsozialarbeit lebt von der Beziehungsarbeit und der Kontinuität, daher sind finanzielle Sicherung und kommunale Verankerung notwendig, um professionelle und qualitative Arbeit leisten zu können. Die Schulsozialarbeit in der Wissenschaftsstadt Darm - stadt wird, analog dem Prozess „AG 78 SGB VIII – Wei- terentwicklung der Kinder- und Jugendarbeit“, ebenfalls weiterentwickelt. 9. Übergang Grundschule – weiterführende Schule Der Übergang von der Grundschule an die weiterführende Schule stellt für Schüler*innen, Eltern und Lehrer*innen mitunter eine Herausforderung dar. Unterstützung bei der Wahl der weiterführenden Schule bieten die abge - benden Grundschulen und z. B. das Bildungsprojekt „Diesterweg-Stipendium“. 9.1 Übergangsformate – Schullaufbahnberatung Die Schullaufbahnberatung der Grundschule im Über - gang von Klasse vier nach fünf basiert auf den Erfahrun - gen und Beobachtungen der Grundschullehrkräfte wäh - rend der gesamten Grundschulzeit des Kindes. Dabei wird sowohl die kognitive als auch die sozial-emotionale Entwicklung betrachtet. Im Spätherbst des vierten Schuljahres tagen die Klas - senkonferenzen, um mit Blick auf die bisherige Lernent - wicklung für jedes Kind über den optimalen weiteren Bildungsgang zu beraten. Im Anschluss finden im Spät - herbst / Winter die Beratungsgespräche statt. Auf Grund - 58 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 lage der Ergebnisse der Klassenkonferenz werden die El - tern individuell hinsichtlich des weiteren Bildungsganges ihres Kindes von der Klassenlehrkraft beraten und eine Empfehlung von Seiten der Schule wird ausgesprochen. Die endgültige Entscheidung über den Bildungsgang ihres Kindes liegt jedoch bei den Eltern. Sie geben bis zum 5. März das Anmeldeformular für die weiterführen - de Schule ab. Wünschen die Eltern einen anderen Bil - dungsgang als den von der Grundschule empfohlenen, wird ihnen ein weiterer Beratungstermin angeboten. Die endgültige Mitteilung an die Grundschule über die Wahl des Bildungsgangs muss spätestens bis zum 5. Ap- ril erfolgen. Eltern können für ihr Kind eine bestimmte Schule auswählen, es besteht allerdings kein Anspruch darauf, dass das Kind in die Wunschschule aufgenom - men wird. Garantiert wird nur die Aufnahme des Kindes in den gewünschten Bildungsgang. Zusätzlich zu den individuellen Elternberatungen finden in den Grundschulen vor den Weihnachtsferien Infor - mationsveranstaltungen zum Übergang von Klasse vier nach Klasse fünf statt. Die Eltern erhalten hier einen umfassenden Überblick über die vielen verschiedenen Bildungswege, die im hessischen Schulsystem möglich sind. Für jeden Bildungsgang werden die unterschiedli - chen Anschlussmöglichkeiten dargestellt, insbesondere auch die vielfältigen Möglichkeiten zum Erwerb weiter - führender Schulabschlüsse in den beruflichen Schulen und durch die duale Ausbildung. Hierbei wird besonders Wert daraufgelegt, die Eltern darüber zu informieren, dass die Wahl des Bildungsganges nach der Grundschu - le noch längst nicht über den am Ende der Schullauf - bahn erreichten Schulabschluss entscheidet. Hierfür verwenden die Grundschulen Informationsmaterial des Hessischen Kultusministeriums (Informationsfilm „Bil- dungswege in Hessen“ , PowerPoint-Präsentation „Mein Kind kommt in die 5. Klasse – Informationen zum Über - gang in die weiterführende Schule“ ). 9.2 Übergang Grundschule – weiterführende Schule Hessenweit besuchten im Schuljahr 2016/17 knapp 50 % der Fünftklässler*innen, die zuvor eine Grundschule be - sucht hatten, ein Gymnasium (Autorengruppe Bildungs - berichterstattung 2018). Bei Betrachtung des Übergangs von der Grundschule an die weiterführenden Schulen in Darmstadt seit dem Schuljahr 2010/11 wird deutlich, dass sich jeweils mehr als 65 % der Fünftklässler*innen für einen gymnasialen Bildungsgang entschieden haben (Abb. 41). Dieser Anteil ist über die Jahre hinweg sehr konstant; seit dem Schuljahr 2015/16 gibt es einen Trend vom achtstufigen Gymnasium zurück zum neunstufigen Gymnasium. Auch die Anteile von Förderstufe 72, Haupt- schule / Hauptschulzweig, Realschule / Realschulzweig, Förderschule sowie integrierter Gesamtschule (IGS) blie - ben in den vergangenen acht Schuljahren weitgehend konstant. Die hohe Zahl an Gymnasiast*innen ist auch auf das große Angebot von Gymnasien und Gymnasial - zweigen zurückzuführen. In Darmstadt sind zehn Gym - nasien (darunter vier private Gymnasien) ansässig und zusätzlich ein Oberstufengymnasium. Außerdem bieten die fünf integrierten Gesamtschulen und die zwei koope - 7 2 Die Förderstufe wird auch als Orientierungsstufe bezeichnet und wird in den Stufen 5 und 6 an verbundenen Haupt- und Realschulen, an der schulformbezogenen (kooperativen) Gesamtschule oder als Bestandteil der Grundschule angeboten (Hessisches Schulgesetz 2005). Abb. 41: Entwicklung des Übergangs von der Grundschule an die weiterführenden Schulen in Darmstadt nach Schulform 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % 90 % 100 % Quelle: LUSD 2 0 1 0 / 1 1 ( n = 1 . 2 8 8 ) 2011/12 (n = 1.251) 2012/13 (n = 1.320) 2013/14 (n = 1.365) 2014/15 (n = 1.298) 2015/16 (n = 1.252) 2016/17 (n = 1.315) 2017/18 (n = 1.391) Gymnasium Gymnasialzweig (G 8) Gymnasium Gymnasialzweig (G 9) I G S Realschule Realschulzweig Förderstufe Hauptschule Hauptschulzweig 72 87223 99749 803 75 118 40236 96 238 103802 63 117 222 107838 55 116 227 90 93757 411 202 122 55445 561 188 83397 68 562 248 110349 95 59II Bildung im Lebensverlauf Fünftklässler*innen, die andere weiterführende Schul - formen besuchten, waren männlich. Im Schuljahr 2017/18 hatten 39 % der Fünftklässler*in - nen einen Migrationshintergrund. Eine detaillierte Be - trachtung nach Schulformen zeigt, dass sich Schü - ler*innen mit Migrationshintergrund nach der vierten Klasse häufiger für eine integrierte Gesamtschule oder eine Realschule entscheiden als Schüler*innen ohne Migrationshintergrund (Abb. 43 und 44): 26 % der Schüler*innen mit Migrationshintergrund besuchten im Schuljahr 2017/18 die fünfte Klasse einer IGS, bei den Schüler*innen ohne Migrationshintergrund waren es 11 %. Eine Realschule oder einen Realschulzweig wählten 12 % Schüler*innen mit Migrationshintergrund und 5 % der Schüler*innen ohne Migrationshintergrund. 47 % der Schüler*innen mit Migrationshintergrund ent - schieden sich für einen gymnasialen Bildungsgang; bei den Schüler*innen ohne Migrationshintergrund waren es 72 %. Abb. 42: Schüler*innen in der Stufe 5 nach Schulform und Geschlecht Gymnasium Gymnasialzweig (G 8) Gymnasium Gymnasialzweig (G 9) IGS Realschule Realschulzweig Förderstufe Hauptschule Hauptschulzweig Förderschule 0 % 50 % 100 % weiblich männlich Quelle: LUSD 185 43 21 177 79 38 282 65 287 41 125 19 129 12 Gymnasium (G 8) Gymnasialzweig Gymnasium (G 9) Gymnasialzweig I G S Realschule Realschulzweig Förderstufe Hauptschule Hauptschulzweig Förderschule Quelle: LUSD Abb. 43: Schüler*innen mit Migrationshintergrund in Stufe 5 nach Schulform 2017/18 6 % 6 % 12 % 26 % 22 % 25 % 3 % Gymnasium (G 8) Gymnasialzweig Gymnasium (G 9) Gymnasialzweig I G S Realschule Realschulzweig Förderstufe Hauptschule Hauptschulzweig Förderschule Quelle: LUSD Abb. 44: Schüler*innen ohne Migrationshintergrund in Stufe 5 nach Schulform 2017/18 8 % 1 % 5 % 11 % 48 % 24 % 3 %3 % 1 % Im Schuljahr 2017/18 besuchten 81 % der 64 Schü - ler*innen, die in Stufe 4 auf einer Förderschule unter - richtet worden waren, auch in Stufe 5 eine Förderschu - le. Einzelne Förderschüler*innen entschieden sich nach Stufe 4 für einen Wechsel auf eine IGS, eine Haupt- oder Realschule. Da an Förderschulen sowohl die Primar- als auch die Sekundarstufe angeboten wird, erfolgt ein Schulwechsel an eine allgemeinbildende Schule auf ak - tives Bestreben der Schüler*innen. rativen Gesamtschulen (KGS) jeweils einen Gymnasial - zweig. Zudem gibt es eine Haupt- und Realschule sowie je einen Realschulzweig und einen Hauptschulzweig an den KGS. Eine Förderstufe wird an einer Förderschule sowie an einer KGS angeboten. Zudem befinden sich vier Förderschulen in Darmstadt. Von den 1.503 Schüler*innen (inkl. Wiederholer*innen und Seiteneinsteiger*innen), die im Schuljahr 2017/18 eine fünfte Klasse in Darmstadt besuchten, waren 52 % männlich (Abb. 42). Auf Gymnasien / Gymnasialzwei- gen und an den IGS betrug der Anteil von Mädchen und Jungen jeweils um die 50 %. Mehr als 60 % der 60 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 9.3 Erfahrungsbericht Diesterweg- Stipendium Das „Diesterweg-Stipendium“ ist ein Bildungspro - jekt für Familien, in denen ein Kind den Wechsel von der Grundschule zu einer weiterführenden Schule voll - zieht. Ursprünglich wurde es von der Stiftung Poly - technische Gesellschaft in Frankfurt am Main entwi - ckelt, um Kinder mit gutem Leistungspotenzial beim Übergang zu unterstützen sowie Eltern in ihrer Kom - petenz als Erziehungsbegleiter*innen zu stärken und als Bildungsbegleiter*innen zu gewinnen. 2013 wurde es von der Software AG-Stiftung in Darmstadt initiiert, wo es seit Beginn des Schuljahres 2013/14 in der Trä - gerschaft des Diakonischen Werks Darmstadt-Dieburg durchgeführt wird. Neben der Software AG-Stiftung unterstützen die Dotter-Stiftung, die ENTEGA-Stiftung sowie der Stiftungsfonds DiaStart der Stiftung Diakonie Hessen den inzwischen dritten Durchgang (2017 – 19) des Projekts. Das „Diesterweg-Stipendium“ in Darmstadt versteht sich als non-formales Lernangebot für Familien mit dem Ziel, ihnen Möglichkeiten informellen Lernens zu eröffnen sowie eine Orientierung im Bereich des formalen Lernens zu ermöglichen und zu erleichtern. Für die Dauer von je - weils zwei Jahren erkunden die Familien in einem breit - gefächerten Bildungsprogramm verschiedene Lernorte in Darmstadt und Umgebung. Bildung wird zum Fami - lienthema. Neben dem Wechsel in die weiterführende Schule werden auch alle anderen in den Familien an - stehenden Übergänge vom Kindergarten in die Schule und von der Schule in den Beruf oder zum Studium sowie Weiterbildungsoptionen im Erwachsenenalter thematisiert. Ziel ist es, die Familien bei den jeweiligen Übergängen zu begleiten. Dabei geht es insbesondere darum, die Grundlage für eine Entscheidung zu schaffen, die sich an den Fähigkeiten des jeweiligen Kindes orientiert. Er - möglicht wird dies durch das Bereitstellen bzw. das ge - meinsame Erarbeiten entsprechender Informationen zu Schulsystem und Schullandschaft in Darmstadt sowie durch ein individuelles Beratungsangebot. Die Erfahrun - gen zeigen, dass die Familien, die sich für eine Teilnah - me am Projekt entschieden haben, die von den Schulen angebotenen Elternabende und Tage der offenen Türen in der Regel nicht von sich aus nutzen, dann aber, nach - dem die für die Familien relevanten Fragen mit Blick auf eine zukünftige Schule des Kindes thematisiert wurden, zu einer Teilnahme an den Informationsveranstaltungen motiviert werden konnten. Voraussetzung für eine Teilnahme am Projekt ist die Empfehlung einer kooperierenden Grundschule. In je - dem Durchgang werden 15 bis 16 Familien aufgenom - men. Da alle Familienmitglieder an den Familientagen teilnehmen, beläuft sich die Anzahl pro Durchgang auf 70 bis 80 Personen. Zielgruppe sind Familien mit und ohne Migrationshintergrund. Das Projekt richtet sich ge - zielt an Mehrkind-Familien, damit Eltern ihre Erfahrun - gen aus dem Projekt unmittelbar an ihre jüngeren Kin - der weitergeben können. Gezielt werden auch Familien mit alleinerziehenden Müttern unterstützt. Wohn- und Schulort aller Familien ist Darmstadt, wobei die Familien vor allem aus den Stadtteilen Arheilgen, Bessungen, Eberstadt-Süd und Kranichstein kommen. Nicht selten begründen Eltern ihren Wunsch, dass die weiterführende Schule des Kindes nicht in dem Stadtteil liegen solle, in dem das Kind schon die Grundschule be - sucht hat, mit den Erfahrungen im Sozialraum. Diesen Wunsch zum Beispiel bei einer Gymnasialempfehlung des Kindes umzusetzen wird jedoch durch die Tatsache erschwert, dass die Kosten für das Schülerticket nicht ersetzt werden, wenn auf eine nähergelegene koope - rative Gesamtschule verwiesen werden kann. Dass die Schulwahl von der Frage der Rückerstattung der Beför - derungskosten beeinflusst wird, wirft die Frage nach den Grenzen von Bildungsgerechtigkeit und Chancengleich - heit auf. Die Wirkungen des Projekts auf die Familien sind deut - lich zu spüren, aber nicht immer messbar. Als kurzfristi - ge Wirkung lässt sich beobachten, dass Eltern ihre Kin - der bewusst begleiten und der Blick auf das Kind die Schulwahl steuert. Eltern erweitern ihr Wissen über das Schulsystem, verschiedene Schulformen und die Durch - lässigkeit von Bildungsgängen sowie über Möglichkei - ten der Elternmitbestimmung. Sie gehen mit größerer Selbstverständlichkeit in Gespräche mit Lehrkräften. Die Familien nehmen sich Zeit für gemeinsame Unter - nehmungen und entdecken bisher unbekannte Lernorte wie Bibliotheken oder Museen. Über die Stadtteilgren - zen hinweg kommen Familien aus verschiedenen kul - turellen Zusammenhängen miteinander in Kontakt. Der wertschätzende Umgang miteinander und eine Fokus - sierung auf die Ressourcen der jeweiligen Familien (z. B. die Wahrnehmung von Mehrsprachigkeit als Kompetenz) zielen auf den langfristigen Effekt von Selbstwirksam - keit ab, sodass sich weitere Entwicklungsmöglichkeiten für vorhandene Potenziale eröffnen. Indem die gemein - schaftlichen Aktivitäten kulturelle Barrieren überwinden und neue soziale Räume eröffnen, dient das Projekt der Integration. 61II Bildung im Lebensverlauf An weiterführenden Schulen erreichte Abschlüsse sind eine wichtige Voraussetzung für einen gelingenden Be - rufseinstieg. Der Übergang von der Schule in den Be - ruf ist für Jugendliche und junge Erwachsene ein großer Schritt, der häufig mit Unsicherheiten einhergeht. Hier bieten unterschiedliche Beratungs- und Fördermaßnah - men eine wichtige Unterstützung. Neben den Heraus - forderungen in Schule und Berufswahl sehen sich Ju - gendliche mit ihrer veränderten Lebenswirklichkeit und dem Erwachsenwerden konfrontiert. Die offene Jugend - arbeitet bietet ihnen die Möglichkeit, gemeinsam mit der Peer-Group den eigenen Interessen nachzukommen und Neues zu entdecken und zu lernen. Im Folgenden werden die Bildung an weiterführenden Schulen (Kap. 10), der Übergang in den Beruf (Kap. 11) sowie außerschulische Bildungs- und Förderangebote (Kap. 12) genauer beleuchtet. Den Abschluss des Kapi - tels bildet die Betrachtung der Bildung an beruflichen Schulen (Kap. 13). 10. Bildung an weiterführenden Schulen Die weiterführenden Schulen sollen Schüler*innen eine allgemeine Bildung vermitteln und auf das Leben vor - bereiten. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf die Berufswahl und das spätere Berufsleben gelegt. Je nach Schulform überwiegen dabei praktischer, projekt - bezogener Unterricht und individuelle Förderung, eine Schwerpunktsetzung entsprechend der Neigungen der Schüler*innen oder eine vertiefte Allgemeinbildung und die Vorbereitung auf ein Studium. 10.1 Weiterführende Schulen in Darmstadt In den Bereichen der Sekundarstufen I (Stufen 5 – 10)73 und II (Stufen 11 – 13)74 ist die Schullandschaft auf dem Darmstädter Stadtgebiet breit aufgestellt. Das Gros der 24 weiterführenden Schulen bietet den gymnasialen Bil - dungsgang an. So gibt es sieben reine Gymnasien (da - von ein privates) mit Stufen 5 – 12 oder 5 – 13. Zudem bietet ein privater Träger ein Gymnasium mit Grundstu - fe sowie zwei private Träger Gymnasien mit Realschule und Grundstufe an. Hinzu kommt ein reines Oberstufen - gymnasium. Dieses ist insbesondere relevant für Schü - ler*innen der fünf integrierten Gesamtschulen und zwei kooperativen Gesamtschulen Darmstadts, da diese bis einschließlich Stufe 10 Unterricht anbieten. An den fünf integrierten Gesamtschulen in Darmstadt (davon zwei private) findet in der Sekundarstufe I – un- abhängig von den Bildungsgängen Hauptschul-, Real - schul- und Gymnasialzweig – weitestgehend gemeinsa - mer Unterricht statt. Die zwei öffentlichen kooperativen Gesamtschulen unterrichten hingegen konkret in den drei Bildungsgängen. Des Weiteren gibt es eine Haupt- und Realschule. Neben den genannten allgemeinbilden - den Schulen wird an den vier Förderschulen75 Unterricht in der Sekundarstufe I angeboten. 10.2 Schüler*innen und Pendler*innen in den Sekundarstufen I + II Die Zahl der Schüler*innen in der Sekundarstufe I ist seit dem Schuljahr 2010/11 weitgehend konstant und liegt bei etwa 8.700 Schüler*innen, die die Stufen 5 – 10 einer weiterführenden Schule in Darmstadt besuchen (Abb. 45). C Jugendalter bis zum Einstieg in den Beruf Abb. 45: Schüler*innen in der Sekundarstufe I 90 % 8 0 % 70 % 6 0 % 5 0 % 4 0 % 30 % 20 % 10 % 2010/11 (n=9.171) 2011/12 (n=8.792) 2012/13 (n=8.769) 2013/14 (n=8.855) 2014/15 (n=8.783) 2015/16 (n=8.808) 2016/17 (n=9.333) 2017/18 (n=9.237) Förderstufe Hauptschulen Hauptschulzweige I G S Realschulen | Realschulzweige Gymnasien Gymnasialzweige Förderschulen Intensivklassen Quelle: LUSD 5.541 1.589 256 1.293 388 1.558 5.187 275 418 1.211 1.549 5.232 271 401 1.161 1.545 5.318 308 422 1.133 1.574 5.277 302 432 1.055 5.251 1.529 242 388 180 1.086 5.386 1.516 250 387 550 1.125 1.551 5.342 265 370 443 1.115 7 3 Bzw. Stufen 5–9 bei G 8, also dem Gymnasium in acht Jahren. 7 4 Bzw. Stufen 10–12 bei G 8. 7 5 Die Förderschulen haben die Förderschwerpunkte geistige Entwicklung, Lernen und Sprachheilförderung. Zudem gibt es eine Abteilung für körperliche und motorische Entwicklung sowie eine Abteilung Hören. 62 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 Hinzu kommen seit dem Schuljahr 2015/16 Schüler*in - nen nichtdeutscher Herkunftssprache, die Sprachunter - richt in Intensivklassen erhalten. Auch die Verteilung der Schüler*innen auf die Schulformen ist äußerst konstant, sowohl im Hinblick auf die Anzahl der Schüler*innen je Schulform als auch auf die Anteile der Schüler*innen je Schulform. An der Sekundarstufe II war im Schuljahr 2013/14 ein starker Rückgang der Schüler*innenzahl zu verzeich - nen (Abb. 46). Dieser ist durch die Umstellung auf das achtjährige Gymnasium (G 8) zu erklären: Im Schuljahr 2012/13 gab es einen doppelten Abiturjahrgang, da erstmals Schüler*innen im achtjährigen Gymnasium das Abitur machten. Der anschließende Rückgang auf um die 3.300 Schüler*innen in der Sekundarstufe II ist darauf zurückzuführen, dass die Stufe 13 im G 8 wegfällt. An ei - ner Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwick- lung besuchen jährlich etwa 20 – 30 Schüler*innen die Sekundarstufe II in Form einer Berufsorientierungsstufe. Insgesamt besuchen etwas mehr Jungen als Mädchen die Sekundarstufe I in Darmstadt. Dabei besuchen mehr Mädchen als Jungen ein Gymnasium oder einen Gymna- sialzweig, während an integrierten Gesamtschulen, Real- und Hauptschulen und -zweigen sowie Förderschulen mehr Jungen unterrichtet werden (Abb. 47). In der gym- nasialen Oberstufe liegt der Frauenanteil konstant bei 54 % (Abb. 46). Abb. 46: Schüler*innen in der gymnasialen Oberstufe nach Geschlecht 4.000 3.000 2.000 1.000 2010/11 2011/12 2012/13 2013/14 2014/15 2015/16 2016/17 2017/18 w e i b l i c h männlich Quelle: LUSD 2.169 2.292 2.256 1.965 1.842 1.794 1.787 1.754 1.853 1.946 1.912 1.725 1.581 1.528 1.451 1.494 Abb. 47: Schüler*innen in der Sekundarstufe I nach Geschlecht 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % 90 % 100 % Quelle: LUSD 2010/11 weiblich männlich 2011/12 weiblich männlich 2012/13 weiblich männlich 2013/14 weiblich männlich 2014/15 weiblich männlich 2015/16 weiblich männlich 2016/17 weiblich männlich 2017/18 weiblich männlich Förderstufe Hauptschulen Hauptschulzweige I G S Realschulen Realschulzweige Gymnasien Gymnasialzweige Förderschulen Intensivklassen 2.682856 691 602 2.859733 721 562 2.702 837 649 2.485 762 519 2.708 787 642 2.524 754 532 2.751 791 601 2.567 770 484 2.706 804 571 2.571 748 510 2.666 781 576 2.585 712 538 2.703 804 587 2.683 747 505 2.690 804 610 2.652 63II Bildung im Lebensverlauf Der Anteil der Schüler*innen mit Migrationshinter - grund in der Sekundarstufe I nahm stetig von 27 % im Schuljahr 2010/11 auf 40 % im Schuljahr 2017/18 zu. Die Einrichtung von Intensivklassen für Schüler*innen nichtdeutscher Herkunftssprache im Schuljahr 2015/16 macht 3 % des Anstiegs aus. Wie bereits beim Übergang von der Primarstufe in Stufe 5 deutlich wurde (s. Kap. 9.2), besuchen Schü - ler*innen mit Migrationshintergrund häufiger eine IGS, Realschulen/-zweige oder Hauptschulen/ -zweige als Schüler*innen ohne Migrationshintergrund. 2017/18 be- suchten 38 % der Schüler*innen mit Migrationshinter - grund ein Gymnasium oder einen Gymnasialzweig; bei den Schüler*innen ohne Migrationshintergrund waren es 69 % (Abb. 48). Auf einer IGS wurden 21 % der Schü- ler*innen mit Migrationshintergrund unterrichtet und an Realschulen und -zweigen 14 %; bei den Schüler*innen ohne Migrationshintergrund waren es 13 % bzw. 10 %. Eine Hauptschule oder einen -zweig besuchten 5 % der Schüler*innen mit Migrationshintergrund und 1 % der Schüler*innen ohne Migrationshintergrund. In der gymnasialen Oberstufe nahm der Anteil der Schüler*innen mit Migrationshintergrund von 16 % im Schuljahr 2010/11 auf 24 % im Schuljahr 2017/18 zu (Abb. 49). Abb. 48: Schüler*innen in der Sekundarstufe I nach Migrationshintergrund 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % 90 % 100 % Quelle: LUSD 2010/11 mit Migrationshintergrund ohne Migrationshintergrund 2011/12 mit Migrationshintergrund ohne Migrationshintergrund 2012/13 mit Migrationshintergrund ohne Migrationshintergrund 2013/14 mit Migrationshintergrund ohne Migrationshintergrund 2014/15 mit Migrationshintergrund ohne Migrationshintergrund 2015/16 mit Migrationshintergrund ohne Migrationshintergrund 2016/17 mit Migrationshintergrund ohne Migrationshintergrund 2017/18 mit Migrationshintergrund ohne Migrationshintergrund Förderstufe Hauptschulen Hauptschulzweige I G S Realschulen Realschulzweige Gymnasien Gymnasialzweige Förderschulen Intensivklassen 4.552944 862 173431 989645 140 638 177428 1.028 920 783 4.159 141 639 451 1.092 172 910 710 4.140 194 649 483 1.170 194 896 650 4.148 191 737 463 1.311 219 837 592 3.966 154 706 472 1.361 187 180 823 614 3.890 732 506 1.424 195 550 784 619 3.962 181 809 529 1.422 191 443 742 586 3.920 Abb. 49: Schüler*innen in der gymnasialen Oberstufe nach Migrationshintergrund 8 0 % 6 0 % 4 0 % 20 % 2010/11 2011/12 2012/13 2013/14 2014/15 2015/16 2016/17 2017/18 mit Migrationshintergrund ohne Migrationshintergrund Quelle: LUSD 3.386 636 3.541 697 3.453 715 3.072 618 2.791 632 2.635 687 2.491 747 2.476 772 64 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 Im Bereich der Sekundarstufen I und II 76 g i b t es w e i t- aus mehr Pendler*innen als in der Primarstufe, ähnliche Entwicklungstrends sind aber auch hier auszumachen. Wie aus Abbildung 50 hervorgeht, nimmt die Anzahl der Einpendler*innen – wie hier exemplarisch an den Schuljahren 2011/12 und 2017/18 77 dargestellt – an den öffentlichen Schulen ab. Gab es im Jahr 2011/12 noch 3.065 Einpendler*innen, sind es sechs Jahre später 2.320 – eine Abnahme um 24,3 %. Derweil ist die Anzahl der Auspendler*innen an öffentlichen Schulen um 177 gestiegen, in Relation gesetzt entspricht dies (aufgrund der recht niedrigen Fallzahl) einem Plus von 25 %. Die Zahl der Einpendler*innen an privaten Schulen stagniert hingegen auf hohem Niveau (2011/12: 1.549, 2017/18: 1.558). Der positive Pendlersaldo in den Sekundarstufen I + II im Schuljahr 2017/18 (+2.893 Schüler*innen) generiert sich sowohl aus einem positiven Saldo im Bereich der öffent - lichen (+ 1.436) als auch der privaten Schulen (+ 1.457). An den Förderschulen zeichnet sich im gleichen Jahr hin- gegen ein negativer Saldo von – 34 (95 Einpendler*innen stehen 129 Auspendler*innen gegenüber) ab. In den Se - kundarstufen machen Einpendler*innen rund 55 % der Gesamtschüler*innenschaft an privaten und ca. 24,5 % an öffentlichen Schulen aus. Wie auch in der Primarstufe sind die Pendelverflech - tungen mit dem Landkreis Darmstadt-Dieburg am in - tensivsten. Rund 89 % der Einpendler*innen (3.446 Schüler*innen) im Schuljahr 2017/18 kommen aus dem 7 6 Inklusive Intensivklassen, sofern diese nicht eindeutig der Sekundarstufe zuzuordnen sind. 7 7 Die ausgewählten Schuljahre 2011/12 und 2017/18 sind repräsentativ für den Verlauf der letzten Jahre. Abb. 50: Bildungspendler*innen in den Sekundarstufen I + II 3.000 2.000 1.000 0 –1.000 Einpendler*innen öffentlicher Träger Einpendler*innen private Träger Auspendler*innen öffentliche Träger Auspendler*innen private Träger 2011/12 2017/18 Quelle: LUSD 3.065 2.320 1.5491.558 707 884 75 101 89 % 6 % 2 % 3 % 4 % 3 % 62 47 95 205 23 3.446 LK Darmstadt- Dieburg LK Groß-Gerau LK Offenbach Odenwaldkreis LK Bergstraße weitere Städte und Landkreise Abb. 51: Herkunftsregion der Einpendler*innen in den Sekundarstufen I + II 2017/18 Quelle: LUSD LK Darmstadt- Dieburg LK Groß-Gerau LK Offenbach Rheingau- Taunus-Kreis Wiesbaden F r a n k u r t weitere Städte und Landkreise Quelle: LUSD Abb. 52: Zielregion der Auspendler*innen in den Sekundarstufen I + II 2017/18 898 20 15 21 11 13 7 2,1 % 1,5 % 1,1 % 2 % 0,7 % 91 % 1,3 % Landkreis Darmstadt-Dieburg, sodass Schüler*innen aus dem Landkreis 28 % der Gesamtschüler*innenschaft an den Sekundarstufen in Darmstädter Schulen stellen (Abb. 51). Weitere Einzugsgebiete sind u. a. die Landkrei- se Groß-Gerau (205), Offenbach (95), Bergstraße (62) und der Odenwaldkreis (23). Wiederum besuchten im Schuljahr 2017/18 91 % der Auspendler*innen (898 Schüler*innen) im Sekundarbereich Schulen im Land - kreis Darmstadt-Dieburg (Abb. 52). Zudem wurden auch weiterführende Schulen in Wiesbaden (21) oder Frank - furt (15) sowie in einigen umliegenden Landkreisen angewählt. 65II Bildung im Lebensverlauf 10.3 Inklusive Beschulung Seit dem Schuljahr 2011/12 hat sich die Anzahl der in - klusiv arbeitenden weiterführenden Schulen 78 von sie - ben auf 12 (von insgesamt 20) 2016/17 erhöht. Von den insgesamt 14 öffentlichen weiterführenden Schulen waren 2011/12 zunächst knapp zwei Fünftel, 2016/17 Im Laufe der Jahre kam es zu einer kontinuierlichen Stei- gerung der Zahl der inklusiv beschulten Schüler*innen an weiterführenden Schulen: Waren es im Jahr 2011/12 noch 30 Schüler*innen, sind es im Jahr 2016/17 bereits 127. Annähernd ein Fünftel (21,1 %) der Schüler*innen mit Förderbedarf in den Sekundarstufen wird inklusiv beschult. Zwar nehmen in diesem Zeitraum auch die Zahlen der inklusiv beschulten Schüler*innen an Schu - len in freier Trägerschaft zu, im Vergleich zu den öffentli- chen Schulen jedoch in einem weitaus geringeren Maße. So fiel der Anteil der privaten weiterführenden Schulen an den inklusiv beschulten Schüler*innen von einem Drittel (2011/12) auf nur 15 % bzw. 17,3 % (2015/16 bzw. 2016/17). In einer Publikation der Bertelsmann Stiftung 79 zur in - klusiven Beschulung hieß es: „Nach der Grundschule ist Inklusion oft noch ein Fremdwort.“ Traf diese Aussage in den Schuljahren 2011/12 bzw. 2012/13, in denen rund 80 % der inklusiv beschulten Schüler*innen Grundschu - len bzw. Grundstufen besuchten, noch gut auf Darm - stadt zu, nahm der Anteil der weiterführenden Schulen an der inklusiven Beschulung im Laufe der Jahre ste - tig zu (Abb. 53). Im Schuljahr 2016/17 besuchten mit 55,5 % erstmals mehr als die Hälfte der inklusiv beschul- ten Schüler*innen weiterführende Schulen. Insbesonde - re an integrierten Gesamtschulen, nach und nach aber auch an kooperativen Gesamtschulen und Gymnasien, stieg die Zahl der inklusiv beschulten Schüler*innen. Inklusive Beschulung fand in den letzten Schuljahren v. a. im Bereich der Sekundarstufe I, hier insbesondere in den Stufen 5 bis 8, statt (Abb. 54). Im Betrachtungs - zeitraum besuchten zumeist weniger als 15 % der in - klusiv beschulten Schüler*innen an weiterführenden Schulen die Stufen 9 oder höher. Ferner ist Abbildung 55 7 8 Alle allgemeinbildenden Schulen ab Stufe 5 mit Ausnahme der Förderschulen. 7 9 Klemm, K. (2015), S. 6; mit Daten auf Länderebene im Schuljahr 2013/14. Abb. 53: Entwicklung der inklusiven Beschulung nach Schultyp 2011/12 2012/13 2013/14 2014/15 2015/16 2016/17 0 % 50 % 100 % Grundschule / Grundstufe Gymnasium kooperative Gesamtschule Haupt- und Realschule integrierte Gesamtschule Quelle: LUSD 85 6 20 131 7 47 171 9 26 118 33 72 3791 12 102 26 92 bereits mehr als zwei Drittel der Schulen bei der inklu - siven Beschulung tätig. Wie auch in der Primarstufe be - schulen die Freie Comenius Schule und z. T. die Freie Montessori-Schule – und damit nur eine bzw. zwei von sechs Schulen in freier Trägerschaft – inklusiv. 2014/15 2015/16 2016/17 Abb. 54: Schüler*innen in der inklusiven Beschulung nach Jahrgangsstufen 30 20 10 Stufe 5 Stufe 6 Stufe 7 Stufe 8 Stufe 9 Stufe 10 Oberstufe Quelle: LUSD 27 25 14 17 34 26 22 5 30 21 22 26 15 3 15 3 16 2 66 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 zu entnehmen, dass die Anzahl der inklusiv beschulten Schüler*innen in fast allen Jahrgangsstufen im Laufe der Jahre zunahm. Aus Abbildung 55 gehen die Förderschwerpunkte der in- klusiv beschulten Schüler*innen hervor. Auch im Bereich der weiterführenden Schulen ist ein deutlicher Anstieg der Förderarten emotionale und soziale Entwicklung (von 27 Schüler*innen 2013/14 auf 74 2016/17) sowie Lernen (von 10 Schüler*innen 2013/14 auf 37 2016/17) auszumachen. Die Förderarten geistige Entwicklung so - wie körperliche und motorische Entwicklung weisen im Verlauf der Jahre relativ konstante Werte auf. Abseits von den genannten vier Förderarten werden in den weiter - führenden allgemeinen Schulen kaum Schüler*innen mit anderem Förderbedarf beschult. Wie auch in der Primarstufe (vgl. Kap. 5.4) sind in den weiterführenden Regelschulen sowohl Jungen als auch Schüler*innen mit Migrationshintergrund in der inklusi - ven Beschulung und in Förderschulen überproportional häufig vertreten. Während Schüler*innen mit ausländi - scher Staatsangehörigkeit in der inklusiven Beschulung gar leicht unterrepräsentiert sind (mit 10,3 % bei 11,6 % im Durchschnitt), werden überproportional viele Schü - ler*innen mit ausländischer Staatsangehörigkeit in För - derschulen (26,4 %) beschult. 10.4 Schulformwechsel Von Interesse für die Schulplanung sind, neben den re - gulären Übergängen von der Primarstufe in die weiter - führenden Schulen, die Wechsel, die insbesondere in der Sekundarstufe I zwischen den Schulformen stattfinden. Dazu wird eine Übergangsquote berechnet, die die je - weilige Schüler*innenzahl eines Altersjahrgangs in zwei aufeinanderfolgenden Klassenstufen miteinander ins Verhältnis setzt. Diese wurde für alle Schulformen für die Schuljahre 2015/16 bis 2017/18 berechnet. Beim Über- gang von Stufe 5 auf Stufe 6 (die Tabelle hierzu ist online als Zusatzinformation einsehbar) zeigt sich, dass es an den Haupt- und Realschulen und -zweigen nur wenige Zu- oder Abgänge gibt. Während die Gymnasien und Gymnasialzweige mit Übergangsquoten von 97 – 98 % etwa eine Klasse (22 – 38 Schüler*innen) verlieren. An Tab. 7: Übergang von Stufe 6 auf 7 nach Schulformen Stufe 6 Stufe 7 Übergangsquote absolut Hauptschulen und -zweige 2014/15 41 70 2015/16 23 66 161 % + 25 2016/17 18 61 265 % + 38 2017/18 25 53 2 9 4 % + 35 Realschulen und -zweige 2014/15 157 166 2015/16 127 205 131 % + 48 2016/17 152 179 141 % + 52 2017/18 139 200 132 % + 48 Gymnasien und -zweige 2014/15 1.097 1.064 2015/16 1.000 1.087 99 % – 10 2016/17 1.004 982 9 8 % – 18 2017/18 1.105 993 99 % – 11 IGS 2014/15 263 286 2015/16 263 258 9 8 % – 5 2016/17 247 269 102 % + 6 2017/18 228 257 104 % + 1 0 Quelle: LUSD Abb. 55: Schüler*innen in der inklusiven Beschulung nach Förderschwerpunkt 120 100 80 60 40 20 2011/12 2012/13 2013/14 2014/15 2015/16 2016/17 emotionale und soziale Entwicklung Lernen geistige Entwicklung körperliche und motorische Entwicklung Sprachheilförderung Sehbehinderung Hören Quelle: LUSD 18 17 27 34 66 7410 9 24 37 8 8 11 10 7 5 8 7 10 5 6 67II Bildung im Lebensverlauf den integrierten Gesamtschulen ist die Übergangs - quote positiv, d. h. es werden in Stufe 6 Schüler*innen aufgenommen. Der Übergang von Stufe 6 auf 7 ist geprägt durch positi - ve Quoten an den Haupt- und Realschulen und -zweigen, da Schüler*innen von der Förderstufe aufgenommen werden (Tab. 7). Gymnasien geben weiterhin Schüler*in - nen ab, die Quote liegt nun bei 98 – 99 %. An den IGS werden vereinzelt Schüler*innen aufgenommen oder abgegeben. Dieses Bild setzt sich beim Übergang von Stufe 7 auf 8 sowie von Stufe 8 auf 9 fort (Daten sind on- line als Zusatzinformationen verfügbar): Schüler*innen verlassen die Gymnasien, während die anderen Schul - formen eher Schüler*innen gewinnen. Beim Übergang von Stufe 9 auf 10 verlieren die integ - rierten Gesamtschulen erstmals massiv Schüler*innen (die Übergangsquote liegt hier um die 90 %), die vermut- lich an ein Gymnasium wechseln (Tab. 8). Schüler*innen wechseln vermutlich auch von den Hauptschulen an Realschulen. Für die Gymnasien ist die Berechnung des Übergangs von Stufe 9 auf Stufe 10 bzw. 11 etwas komplexer, da die Stufe 10 im 8-jährigen Gymnasium in der LUSD weg - fällt. Um die Übergangsquote an Gymnasien zu berech - nen, wurden daher jeweils die Stufen 9 und 10 eines Schuljahres zusammengefasst und mit der Stufe 11 des Folgeschuljahres ins Verhältnis gesetzt. Die Übergangs - quote liegt in den drei betrachteten Schuljahren jeweils um die 120 % (Tab. 9). Bei Abzug der Schüler*innen, die das Oberstufengymnasium besuchen, das erst mit Stufe 11 beginnt, liegt die Quote allerdings bei 96 %. 10.5 Klassenwiederholungen Klassenwiederholungen sind umstritten, u. a. da die Wiederholung einer Stufe häufig nicht zum gewünschten Aufholen des Lernstoffs führt (Klemm 2009). Der Anteil der Schüler*innen, die eine Klassenstufe wiederholen, liegt an den weiterführenden Schulen in Darmstadt um 1 % in der Sekundarstufe I insgesamt und bei ca. 4 % an Gymnasien und Gymnasialzweigen der Sekundarstufe II. In der Sekundarstufe I wiederholten in den Schuljahren 2010/11 bis 2016/17 zwischen 32 und 120 Schüler*in - nen eine Klassenstufe. Dabei wiederholten zahlenmäßig die meisten Schüler*innen eine Klassenstufe an Real - schulen und -zweigen sowie Gymnasien und Gymnasial - zweigen (Abb. 56). In der Sekundarstufe II wiederholten im gleichen Zeitraum zwischen 123 und 213 Schüler*in- nen eine Stufe. Der Großteil der Wiederholungen in der Sekundarstufe II fand in den Stufen 11 und 12 statt. Tab. 9: Übergang von Stufe 9 (G 8) bzw. 10 (G 9) auf Stufe 11 an Gymnasien und Gymnasialzweigen Gymnasien und -zweige Übergangsquote Stufe 9 Stufe 10 Stufe 11 insgesamt ohne Oberstufen- gymnasiumG 8 G 9 G 9 G 8 + G 9 2014/15 841 131 138 1.232 2015/16 784 188 127 1.186 121 % 96 % 2016/17 815 198 183 1.117 123 % 96 % 2017/18 824 197 197 1.198 120 % 96 % Quelle: LUSD Tab. 8: Übergang von Stufe 9 auf Stufe 10 an Realschulen und integrierten Gesamtschulen Stufe 9 Stufe 10 Übergangsquote absolut Realschulen und -zweige 2014/15 184 210 2015/16 219 190 103 % + 6 2016/17 214 244 111 % + 25 2017/18 221 224 105 % + 10 IGS 2014/15 278 226 2015/16 274 239 86 % – 39 2016/17 282 252 92 % – 2 2 2017/18 289 244 87 % – 3 8 Quelle: LUSD 68 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 10.6 Abschlüsse und Abbrüche an allgemeinbildenden Schulen Die große Bedeutung von Gymnasien und Gymnasial - zweigen in der Darmstädter Schullandschaft spiegelt sich in den allgemeinen Schulabschlüssen wieder. Mehr als die Hälfte der Schüler*innen, die in den Schuljahren 2010/11 bis 2015/16 die allgemeinbildenden Schulen in Darmstadt verließen, hatten Abitur (Abb. 57). Etwa 20 % der Schulentlassenen hatten einen mittleren Ab - schluss erworben und etwa 10 % einen Hauptschulab - schluss. Etwa 2 % der Schüler*innen verließen die all - gemeinbildenden Schulen ohne Hauptschulabschluss. Die hohen Abiturient*innenzahlen in den Schuljahren 2012/13 und 2013/14 ergaben sich durch die dop - pelten Jahrgänge nach Einführung des achtjährigen Gymnasiums. Im Schuljahr 2016/17 lag der Anteil der Abiturient*innen erstmals unter 50 %. Während es einen Anstieg der mittleren Abschlüsse von 23 % (2015/16) auf 28 % (2016/17) und der Hauptschulabschlüsse von Abb. 56: Wiederholer*innen an den weiterführenden Schulen in Darmstadt nach Schulform 0 50 100 150 200 Quelle: LUSD 2010/11 Sekundarstufe I Sekundarstufe II 2011/12 Sekundarstufe I Sekundarstufe II 2012/13 Sekundarstufe I Sekundarstufe II 2013/14 Sekundarstufe I Sekundarstufe II 2014/15 Sekundarstufe I Sekundarstufe II 2015/16 Sekundarstufe I Sekundarstufe II 2016/17 Sekundarstufe I Sekundarstufe II Hauptschulen Hauptschulzweige I G S Realschulen Realschulzweige Gymnasien Gymnasialzweige 123 19 11 4515 37 190 9 46 3512 204 12 4217 35 164 7 246 44 213 10 17 39 132 10 416 47 128 Abb. 57: Abschlüsse und Abbrüche an allgemeinbildenden Schulen in Darmstadt 1.200 1.000 800 600 400 200 2010/11 2011/12 2012/13 2013/14 2014/15 2015/16 2016/17 Abschluss an einer Förderschule Hauptschulabschluss mittlerer Abschluss Abitur ohne Hauptschulabschluss Abbruch Quelle: LUSD 29 390 40185 185 182 169 163 166 281 943 980 953 1.0 60 1.344 1.213 1.001 3 9 49 5630 32 30 45 43 39 430 490 453 379 380 551 34 25 55 30 36 64 69II Bildung im Lebensverlauf 10 % auf 14 % gab. Ob es sich hier um eine Ausnahme oder eine neue Entwicklung handelt, wird erst mit den Zahlen aus den kommenden Schuljahren zu beantwor - ten sein. Der Anteil der Schulabbrüche lag in den Schul - jahren 2015/16 und 2016/17 bei 2 – 3 %. Dabei fanden etwa 70 % der Abbrüche in Stufe 11 statt und damit nach Ende der allgemeinen Schulpflicht. Etwa 10 % der Schüler*innen an Gymnasien und Gymnasialzweigen verlassen diese mit einem mittle - ren Abschluss (Abb. 58). Annähernd 90 % erwarben bis 2015/16 Abitur und etwa 1 % einen Hauptschul - abschluss. Im Schuljahr 2016/17 war im Vergleich zu den vorherigen Schuljahren ein leichter Rückgang des Abiturient*innenanteils zu verzeichnen. Hier besteht wahrscheinlich ein Zusammenhang mit dem höheren Anteil an mittleren Abschlüssen und Hauptschulab - schlüssen im genannten Schuljahr. In den meisten Schuljahren erreichen etwas mehr Schü - lerinnen als Schüler das Abitur, da insgesamt auch mehr Mädchen als Jungen ein Gymnasium besuchen (vgl. Kap. 10.2). Von den Schüler*innen mit deutscher Staatsangehörigkeit erlangten in den letzten Schuljah - ren 82 – 90 % das Abitur (Abb. 59). Bei den Schüler*in - nen mit ausländischer Staatsangehörigkeit lag der An - teil der Abiturient*innen dagegen bei 67 – 80 %. Auffällig ist dabei der Anteil an Ausländer*innen, die auf einem Gymnasium oder einem Gymnasialzweig einen mittleren Abschluss erzielen. Dieser lag in den meisten Schuljah - ren bei über 20 %. Die Zahl der Schulabschlüsse an integrierten Gesamt - schulen hat sich im Schuljahr 2016/17 erheblich vergrö- ßert (Abb. 60). Dabei erreichten 2016/17 zahlenmäßig deutlich mehr Schüler*innen den mittleren Abschluss 8 0 % 6 0 % 4 0 % 20 % 2010/11 (n=1.192) 2011/12 (n=1.105) 2012 /13 (n=1.539) 2013/14 (n=1.376) 2014/15 (n=1.129) 2015/16 (n=1.145) 2016/17 (n=1.178) Abbruch (vorzeitiges Verlassen des Bildungsganges) Hauptschulabschluss mittlerer Abschluss Abitur Abb. 58: Abschlüsse und Abbrüche an Gymnasien und Gymnasialzweigen in Darmstadt Quelle: LUSD 1.060 115 943 141 1.344 175 1.213 148 953 139 1.001 103 980 96 Abb. 59: Abschlüsse und Abbrüche an Gymnasien und Gymnasialzweigen nach Abschluss und Staatsangehörigkeit 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % 90 % 100 % Quelle: LUSD 2010/11 Deutsche Ausländer*innen 2011/12 Deutsche Ausländer*innen 2012/13 Deutsche Ausländer*innen 2013/14 Deutsche Ausländer*innen 2014/15 Deutsche Ausländer*innen 2015/16 Deutsche Ausländer*innen 2016/17 Deutsche Ausländer*innen Abbruch (vorzeitiges Verlassen des Bildungsganges) kein Abschluss (nach Beendi- gung des Bildungsganges) Hauptschul- abschluss mittlerer Abschluss Abitur 5114 101 1.009 119 887 22 56 144 1.274 31 70 127 1.150 21 63 93 954 10 47 8831 936 10 8 44 12638 908 138 45 70 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 und den Hauptschulabschluss an einer IGS als in den vorausgehenden Schuljahren. Der Anteil mittlerer Ab - schlüsse an allen Abschlüssen schwankte über die Schuljahre hinweg zwischen 53 % und 74 %. Der Anteil der Hauptschulabschlüsse variierte zwischen 22 % und 37 %. Schüler*innen mit deutscher Staatsangehörigkeit erwarben – meist mit Anteilen von mehr als 60 % – deut- lich häufiger einen mittleren Abschluss als ausländische Schüler*innen (Abb. 61). Die Anteile an mittleren Ab - 8 0 % 6 0 % 4 0 % 20 % 2010/11 (n=192) 2011/12 (n=239) 2012 /13 (n=213) 2013/14 (n=218) 2014/15 (n=201) 2015/16 (n=228) 2016/17 (n=364) Abbruch (vorzeitiges Verlassen des Bildungsganges) ohne Hauptschul abschluss Hauptschulabschluss mittlerer Abschluss Abb. 60: Abschlüsse und Abbrüche an integrierten Gesamtschulen in Darmstadt Quelle: LUSD 17 108 67 14 138 87 145 62 139 63 16 134 194 28 148 44 9 155 52 15 Abb. 61: Abschlüsse und Abbrüche an integrierten Gesamtschulen nach Abschluss und Staatsangehörigkeit 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % 90 % 100 % Quelle: LUSD 2010/11 Deutsche Ausländer*innen 2011/12 Deutsche Ausländer*innen 2012/13 Deutsche Ausländer*innen 2013/14 Deutsche Ausländer*innen 2014/15 Deutsche Ausländer*innen 2015/16 Deutsche Ausländer*innen 2016/17 Deutsche Ausländer*innen Abbruch (vorzeitiges Verlassen des Bildungsganges) ohne Hauptschul- abschluss Hauptschul- abschluss mittlerer Abschluss 7 28 18 10 39 90 8 60 110 276 28 5 19 113 43 32 9 45 121 18 18 6 24 119 20 293 12 40 1224 33 19 92 1555 9 393 3 7 12 42 8 0 % 6 0 % 4 0 % 20 % 2010/11 (n=53) 2011/12 (n=61) 2012 /13 (n=57) 2013/14 (n=57) 2014/15 (n=76) 2015/16 (n=66) 2016/17 (n=64) Abbruch (vorzeitiges Verlassen) ohne Abschluss (Schule für Lernhilfe) Abschluss (Schule für Lernhilfe) Abschluss (Schule für praktisch Bildbare) Abschluss (Förderschwerpunkt geistige Entwicklung) berufsorientierter Abschluss (Förderschwerpunkt Lernen) Hauptschulabschluss Abb. 62: Abschlüsse und Abbrüche an Förderschulen in Darmstadt Quelle: LUSD 8 26 16 3 8 22 23 8 6 24 19 8 22 12 15 8 7 10 29 1623 12 8 33 29 12 9 14 71II Bildung im Lebensverlauf schlüssen und Hauptschulab - schlüssen sind bei ausländischen Schüler*innen mit Ausnahme des Schuljahres 2015/16 annä - hernd gleich groß. Die Mehrheit der Schüler*in - nen an Förderschulen erreicht einen Abschluss (Abb. 62). Zwischen 18 % und 38 % der Schüler*innen machten seit dem Schuljahr 2010/11 einen Hauptschulabschluss und zwischen 49 % und 59 % erwarben einen Förder - schulabschluss. 10 – 20 % der Schüler*innen verlie - ßen die Schule für Lern - hilfe ohne Abschluss. die mobile Jugendberufshilfe der Wissenschaftsstadt 3 Darmstadt (Kap. 11.2), die Planung und Vergabe von Übergangsmaßnahmen 3 (Kap. 11.3), sowie das ESF-Programm Jugend stärken im Quartier 3 (JUSTiQ) (Kap. 11.4). Die Fachstelle Jugendberufshilfe ist für die Schaffung von Strukturen für alle Jugendlichen und jungen Er - wachsenen am Übergang Schule – Beruf zuständig. Dies schließt sowohl Jugendliche und junge Erwachsene ein, die noch die allgemeinbildende Schule besuchen, ihren Schulabschluss bereits hinter sich haben und / oder im Übergangssystem betreut werden. Es soll sichergestellt werden, dass im Übergang von der Schule in den Beruf niemand verloren geht und allen jungen Menschen eine Anschlussperspektive aufgezeigt wird. Die Verzahnung und Koordination der Projekte und Ini - tiativen ist Teil der hessenweiten Strategie OloV. Im Sin - ne des SGB VIII § 13 (4) nimmt die Fachstelle Jugend - berufshilfe koordinierende Aufgaben zwischen den Institutionen im Rechtskreis von SGB II (Jobcenter), SGB III (Agentur für Arbeit) und SGB VIII (Jugendsozial - arbeit) wahr und unterstützt die Schulen bei der Umset - Non-formale Lernorte Neben dem klassischen Lernort Schule gibt es viele Orte non-formalen Lernens. Im Gegensatz zu formalen Bildungsgängen geht es hierbei nicht darum, einen zertifizierten Abschluss – etwa einen Schulabschluss – zu erlangen, sondern um interessengeleitetes Lernen. Die Themen und Aus - prägungen können hier sehr unterschiedlich sein und reichen von Musik und Kunst über Sport und Themen aus dem MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) hin zu gesellschaftspolitischen The - men. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt weist eine Vielzahl solcher non-for - malen Lernorte auf, die sowohl Kinder- und Jugendliche als auch Erwachsene ansprechen. Der Zoo Vivarium bietet mit seiner Zooschule Kindern im Vor - schul- wie im Schulalter spannende Einblicke in die Tierwelt und die Arbeit des Zoos. Eine vielfältige Museumslandschaft bietet Familien und Gruppen aus Gleichaltrigen gleichermaßen die Möglichkeit, Neues zu erleben und zu erlernen. Das Hessische Landesmuseum ist mit seinen vielfältigen Sammlun - gen und altersspezifischen Angeboten für die unterschiedlichen Zielgruppen ein spannender Lernort. Eine lange Tradition hat auch das ehrenamtlich betrie - bene Eisenbahnmuseum Kranichstein. Neben den beeindruckenden Zügen gibt es hier in regelmäßigen Vorträgen viel Spannendes zu erfahren. Darüber hinaus finden sich in Darmstadt weitere Museen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Mit ca. 200.000 Medien ist die Stadtbibliothek Darmstadt gut ausgerüstet, um den verschiedenen Interessen ihrer Nutzer*innen gerecht zu werden. 11. Übergang in den Beruf Der Einstieg in den Beruf ist für viele junge Menschen eine große Herausforderung. Ein gelingender Berufsein - stieg ist eine wichtige Voraussetzung für wirtschaftliche Selbstbestimmung und Teilhabe an der Gesellschaft. Eine umfassende Berufsberatung ist eine Grundlage da - für, Schülerinnen und Schülern einen guten Übergang in den Beruf zu ermöglichen und Ausbildungsabbrüche zu vermeiden. Für benachteiligte Jugendliche steht eine Reihe von Unterstützungsleistungen zur Verfügung. 11.1 OloV/Jugendberufshilfe Die Jugendberufshilfe bündelt die Angebote für benach - teiligte Jugendliche und junge Erwachsene in der Wis - senschaftsstadt Darmstadt. Den gesetzlichen Rahmen bildet der § 13 des SGB VIII. In der Fachstelle Jugend - berufshilfe sind verschiedene Projekte und Initiativen zum Übergang Schule – Beruf angesiedelt. Dazu zählen insbesondere die hessenweite Strategie zur Optimierung der loka - 3 len Vermittlungsarbeit am Übergang Schule – Beruf (OloV), die Jugendberufsagentur (Kap. 11.2), 3 72 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 zung der OloV-Strategie. Ziel der OloV-Strategie ist es, Projekte und Maßnahmen am Übergang Schule – Beruf zu bündeln und aufeinander abzustimmen, sodass Pa - rallelstrukturen vermieden werden. Insbesondere die rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit in der Ju - gendberufsagentur der Wissenschaftsstadt Darmstadt, der Agentur für Arbeit und des Jobcenters Darmstadt ermöglicht eine enge Abstimmung der Projekte und Maßnahmen am Übergang Schule – Beruf. Neu hinzu - kommende Akteure und ihre Angebote im Übergang Schule – Beruf werden in die OloV-Strategie eingebun - den. Förderprogramme des Bundes, des Landes und der Agentur für Arbeit werden so eingesetzt, dass sie best - möglich für die arbeitsmarktpolitischen Ziele der Region genutzt werden können. Zur Umsetzung der Strategie besteht in der Wissenschaftsstadt Darmstadt der OloV- Steuerungskreis. Der OloV-Steuerungskreis der Wissenschaftsstadt Darm - stadt setzt sich aus den regionalen Arbeitsmarktakteu - ren sowie weiteren relevanten Akteuren zusammen, die in der Region den Übergang Schule – Beruf mitgestalten. Die Verzahnung regionaler Akteure am Übergang Schu - le – Beruf und die Vermeidung von Doppelstrukturen wird durch die im Jugendamt angesiedelte regionale OloV-Koordination sichergestellt. Der OloV-Steuerungskreis trifft sich viermal im Jahr in konstanter Besetzung. Feste Mitglieder sind, neben der regionalen OloV-Koordination und den Ansprech - personen für Berufs- und Studienorientierung des Staatlichen Schulamts, die Agentur für Arbeit Darm - stadt, das Jobcenter Darmstadt, die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, die Industrie- und Handelskam - mer Darmstadt-Rhein-Main-Neckar sowie kommunale Vertreter*innen der Projekte Qualifizierte Ausbildungs - begleitung in Betrieb und Berufsschule (QuABB) , Jugend Stärken im Quartier (JUSTiQ) und des Stadtelternbeirats. Der Vorsitz liegt bei der Koordinierungsstelle Jugend - berufshilfe und Schulsozialarbeit des Jugendamtes der Wissenschaftsstadt Darmstadt, Abteilung Kinder- und Jugendförderung. 11.2 Jugendberufsagentur und Formate allgemeiner Berufsberatung Die Jugendberufsagentur ist ein gemeinsames Angebot der Agentur für Arbeit, des Jobcenters und der Wissen - schaftsstadt Darmstadt (Jugendamt) und steht unter dem gemeinsamen Motto „Kein Jugendlicher geht ver - loren“. Im Jahr 2009 wurde die Jugendberufsagentur als gemeinsame Anlaufstelle für Jugendliche und junge Erwachsene aus den Rechtskreisen SGB II, SGB III und SGB VIII unter einem Dach gegründet. Die Jugendberufsagentur bietet allen Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus Darmstadt Leistungen im Übergang Schule – Beruf an: Beratung und Begleitung Jugendlicher und junger 3 Erwachsener bei allen Fragen rund um Ausbildung Unterstützung und Beratung bei der Berufswahl 3 Unterstützung bei der Erstellung von 3 Bewerbungsunterlagen Hilfe bei der Ausbildungs-, Arbeits- und 3 Praktikumssuche Die Zusammenarbeit der Rechtskreise bündelt das Un - terstützungs- und Beratungsangebot in Darmstadt und dient der Vermeidung von Doppelstrukturen. Die Netz - werkarbeit der Agentur für Arbeit, des Jobcenters, der Schulen, des Jugendamtes, der freien Träger der Ju - gendhilfe und der Kammern wird nachhaltig gestärkt und verbessert. Ziel ist es, die Geschäftsprozesse zu op - timieren, die Berufsberatung, Ausbildungs- und Arbeits - vermittlung sowie kommunale Eingliederungsleistungen zu verzahnen. Durch die Jugendberufsagentur soll die Integrationsquote der U25-Jährigen gesteigert werden. Die Rechtskreise haben sich dazu in der Zusammen - arbeit gemeinsame Schwerpunkte gesetzt mit spezifi - schen inhaltlichen Ausrichtungen, die sich wechselseitig ergänzen. Die Leistungen nach SGB II sind vornehmlich Einglie - derungsleistungen in Ausbildung und Arbeit. Hierbei gibt es spezielle Hilfe und Angebote für benachteiligte Jugendliche. Die Agentur für Arbeit bietet im Rahmen des SGB III und der Berufsberatung Unterstützung bei beruflicher Ori - entierung, beruflicher Beratung sowie der Vermittlung in Ausbildung und Arbeit. Das Primärziel der Jugendhilfe nach SGB VIII (Jugend - amt) ist die soziale Integration und die Erreichung der Ausbildungsreife sowie die Entwicklung von persönlichen und beruflichen Perspektiven. Im Vordergrund stehen die pädagogische Beziehungsarbeit und ein niedrigschwel - liges Angebot. Die Übernahme einer Lotsenfunktion für die Ratsuchenden wird als ein wichtiges Element des Angebots der Jugendhilfe angesehen. Das Angebot des Jugendamtes wird seit 2017 durch einen aufsuchenden, mobilen Ansatz erweitert. Die mobile Jugendberufshilfe des Jugendamtes ist eine Ergänzung des bestehenden Angebotes der Jugendberufsagentur. Das mobile Ange - bot erreicht Jugendliche und junge Erwachsene in ihrem sozialen Umfeld und Lebensraum. 73II Bildung im Lebensverlauf Die Zusammenarbeit der Jugendberufsagentur wurde im April 2009 in einer Kooperationsvereinbarung festge - schrieben. Die jährliche Zielvereinbarung zwischen der Agentur für Arbeit Darmstadt, dem Jobcenter Darmstadt und dem Jugendamt der Wissenschaftsstadt Darmstadt dient der Festschreibung, Nachhaltung und Erreichung der lokalen Ziele. Die Zielvereinbarungen für die Jahre 2017/18 sind die Senkung der Jugendarbeitslosigkeit, 3 die Beibehaltung der Einmündungsquote in die 3 weiterführende Schulausbildung und betriebliche Ausbildung, die Planung und Durchführung von Maßnahmen zur 3 Verbesserung der Ausbildungsreife und Verselbst - ständigung sowie gemeinsame Maßnahmen zur Herstellung der Vermittlungsfähigkeit, die Vorhaltung passgenauer Angebote und Maßnah - 3 men für besonders benachteiligte Jugendliche zur sozialen und beruflichen Integration. 11.3 Übergangsmaßnahmen (Ausbildungs- und Qualifizierungsbudget) Die Wissenschaftsstadt Darmstadt möchte benachteilig - te Jugendliche und junge Erwachsene so fördern, dass ein Leben in sozialer und wirtschaftlicher Selbststän - digkeit und eine nachhaltige Integration in den Arbeits - markt erfolgen kann. Als besonders wichtig wird dabei die Steigerung der Be - schäftigungsfähigkeit von Benachteiligten, die Sicher - stellung der Ausbildungsfähigkeit und das Erreichen von Ausbildungsabschlüssen erachtet. Durch länger - fristige, flexible und arbeitsmarktnahe Qualifizierung sollen benachteiligte Menschen zu einer eigenständi - gen Existenzsicherung befähigt werden. Schwerpunk - te im Ausbildungs- und Qualifizierungsbudget (AQB) sind Maßnahmen zur Ausbildungsvorbereitung, zu Ausbildung und Ausbildungscoaching in anerkannten Ausbildungsberufen. Zielgruppen sind: schulmüde oder schulverweigernde Schulpflichtige 3 im zehnten Pflichtschuljahr benachteiligte noch nicht ausbildungsreife junge 3 Menschen mit multiplen Problemlagen und beson - ders hohem und langfristigem Förderbedarf benachteiligte ausbildungsreife Ausbildungsstel - 3 lensuchende oder Ausbildungsabbrecher*innen mit multiplen Problemlagen und besonders hohem Förderbedarf Die Wissenschaftsstadt Darmstadt kooperiert bei der Planung von Maßnahmen zur Ausbildungsvorbereitung, zu Ausbildung und Ausbildungscoaching in anerkannten Ausbildungsberufen eng mit dem Jobcenter Darmstadt. Die Übergangsmaßnahmen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt werden aus Mitteln des Ausbildungs- und Qualifizierungsbudgets des Landes Hessen, der kommu - nalen Beschäftigungsförderung der Wissenschaftsstadt Darmstadt und zum Teil unter Ko-Finanzierung des Job - centers realisiert. Im Berichtszeitraum wurden folgende Übergangsmaß - nahmen umgesetzt: Aktivierungsmaßnahme mit Hauptschulabschluss in Eberstadt (Chance 2.0) Aktivierungsmaßnahme mit Hauptschulabschluss in Kranichstein (Chance 2.0) Die Aktivierungsmaßnahme mit Hauptschulabschluss wird jährlich mit einer Laufzeit von September bis Au - gust des Folgejahres in den Stadtteilen Eberstadt und Kranichstein durchgeführt. An beiden Standorten kön - nen je zehn Jugendliche und junge Erwachsene neben beruflicher Orientierung auch den externen Hauptschul - abschluss erreichen. Die Maßnahme wird durch die Wis - senschaftsstadt Darmstadt aus Landesmitteln mit einer Ko-Finanzierung des Jobcenters Darmstadt realisiert. Das Angebot richtet sich an Jugendliche und junge Er - wachsene aus den Rechtskreisen SGB II und SGB VIII, die in Darmstadt leben. In der Maßnahme wird gezielter Stützunterricht in klei - nen Lerngruppen durchgeführt, um die Teilnehmenden auf die externe Hauptschulprüfung vorzubereiten. Die Teilnehmenden sollen aktiviert und in die Lage versetzt werden, nach dem erfolgreichen Besuch der Maßnahme eine Ausbildung oder ein Arbeitsverhältnis einzugehen und zu erhalten. Insbesondere für junge Menschen im Stadtteil Eber - stadt bzw. Kranichstein wird die Maßnahme sozialraum - orientiert durchgeführt. Sozialpädagogische Fachkräfte gewährleisten eine intensive und individuelle Betreuung der Teilnehmenden. Das Handlungskonzept „Empower - ment“ ist die Grundlage der sozialpädagogischen Arbeit. Anhand vielfältiger pädagogischer Methoden und be - rufspraktischer Angebote werden die Teilnehmenden in ihrer Persönlichkeitsentwicklung unterstützt. 74 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 Angebot für sozialpädagogische (Teilzeit-)Begleitung mit modellhaftem Charakter an der Gutenbergschule An der kooperativen Gesamtschule Gutenbergschule in Eberstadt wird eine Maßnahme zur sozialpädagogischen Begleitung von zehn Schüler*innen angeboten, die die 8. Jahrgangsstufe des Hauptschulzweigs der Schule besuchen. Die Maßnahme wird seit September 2015 angeboten. Die Finanzierung erfolgt durch die Wissen - schaftsstadt Darmstadt aus Landesmitteln. Inhalte der Maßnahme sind Stabilisierung, Kompetenzanalyse und die Vermittlung von Softskills mit entsprechenden Un - terstützungs- und Qualifizierungsangeboten und nutzer - orientierten Sprachfördereinheiten. Die sozialpädagogische Begleitung und Unterstützung bei der Gestaltung des Übergangs von der Schule in den Beruf ist für benachteiligte Jugendliche sehr bedeut - sam. Im Ergebnis soll die Maßnahme zum Erreichen des Schulabschlusses und beruflicher Orientierung führen, sodass ein Leben in sozialer und wirtschaftlicher Selbst - ständigkeit und eine nachhaltige Integration in den Ar - beitsmarkt ermöglicht werden. Die sozialpädagogische Betreuung hat eine große Be - deutung in der Umsetzung der Maßnahme. Das Angebot verfolgt einen präventiven Ansatz und soll die Jugendli - chen in ihrer sozialen und schulischen Entwicklung un - terstützen. Anhand vielfältiger pädagogischer Methoden und berufspraktischer Angebote werden die Teilneh - menden in ihrer Persönlichkeitsentwicklung unterstützt. Ausbildung Industriemechaniker*in Junge Menschen erhalten die Möglichkeit ihre Lebens - planungen zu konkretisieren und durch die Beendigung einer anerkannten Ausbildung langfristig zu sichern. Dazu werden durch die Wissenschaftsstadt Darmstadt in Kooperation mit dem Jobcenter Darmstadt vier Aus - bildungsplätze in einer überbetrieblichen Ausbildung zum*r Industriemechaniker*in geschaffen. Angespro - chen sind sowohl junge Menschen, die Leistungen nach dem SGB II beziehen als auch aus dem Rechtskreis SGB VIII ab dem 16. Lebensjahr. Die 42-monatige Ausbil- dung wird entsprechend dem Ausbildungsrahmenplan durchgeführt und durch individuelle sozialpädagogische Unterstützung und Begleitung ergänzt. Inhalte der Maßnahme sind die Durchführung der Ausbildung entsprechend des 3 Ausbildungsrahmenplans für industrielle Metallberu - fe zum*r Industriemechaniker*in; die Durchführung aller notwendigen Unterstützungs - 3 leistungen, um den Erfolg der Ausbildung sicherzu - stellen. Angebote wie zum Beispiel die Schuldnerbe - ratung, die Beratungsstellen zum Gewaltschutz u. a. werden integrativ genutzt; die individuelle sozialpädagogische Unterstützung 3 und Begleitung, um die Teilnehmenden bei Konflikten und Belastungen dazu zu befähigen, selbstständige Lösungen zu finden, die ihnen nach Abschluss der Ausbildung Stabilität geben. Psychosoziale Beratung U25 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 25 Jahren mit Wohnsitz in Darmstadt, die durch psycho - soziale Problemlagen bei der beruflichen Orientierung beeinträchtigt sind, bekommen in der Maßnahme psy - chosoziale Beratung, pädagogische Unterstützung und Begleitung. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt finanziert aus Landesmitteln sechs Plätze. Das Ziel der Maßnahme ist die Herstellung der Vermitt - lungsfähigkeit der Teilnehmenden zur Aufnahme einer Ausbildung oder eines Arbeitsplatzes. Die psychische und soziale Stabilisierung, Neuorientierung, Entwicklung von Selbstverantwortung und der Erwerb von Schlüssel - kompetenzen stehen im Vordergrund. Zur Durchführung sind in der Regel maximal 15 Bera - tungstermine pro Teilnehmendem vorgesehen. Die Bera - tungen gliedern sich in fünf Termine in der Clearingpha - se und maximal zehn Termine in der Aktivierungsphase. Bürger- und Umweltwerkstatt Die Bürger- und Umweltwerkstatt in Eberstadt Süd ist eine niedrigschwellige Maßnahme für bis zu fünf Jugend- liche und junge Erwachsene. Das Ziel der Maßnahme ist die Entwicklung beruflicher Perspektiven, das Erlernen von fachlichen und arbeitsmarktrelevanten Fertigkeiten, den Abbau von individuellen Hemmnissen sowie der Aufbau von Schlüsselkompetenzen. Die Teilnehmenden sollen am Ende der Maßnahme in einer Ausbildung oder berufsvorbereitenden Maßnahme münden. Dabei wer - den die Teilnehmenden sozialpädagogisch begleitet. Die Annäherung an den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt erfolgt anhand von realen Arbeitsaufträgen in arbeits - marktnahen Übungsbereichen. Solche Arbeitsaufträge können zum Beispiel Reparaturen und Instandhaltungs - arbeiten, einfache Dienstleistungen, die Herstellung von Produkten, die Beseitigung von Vandalismus-Schäden und Graffitis oder ein kaufmännisches Training in einer Übungsfirma sein. 75II Bildung im Lebensverlauf 11.4 JUSTiQ Das Förderprogramm Förderprogramm Jugend Stär - ken im Quartier (JUSTiQ) fördert mit Mitteln des Euro - päischen Sozialfonds (ESF) und der Wissenschaftsstadt Darmstadt Projekte zur schulischen und beru fl ichen In- tegration von jungen Menschen im Alter von zwölf bis einschließlich 26 Jahren mit und ohne Migrationshinter - grund. Hierbei stehen speziell besonders benachteiligte junge Menschen im Vordergrund, die von den Angeboten der allgemeinen und beruflichen Bildung oder Grundsi - cherung für Arbeitssuchende und/oder Arbeitsförderung nicht mehr erreicht werden oder wegen sozialer Benach- teiligungen oder individueller Beeinträchtigung beson - dere sozialpädagogische Unterstützung im Rahmen der Jugendhilfe brauchen, um den Übergang Schule – Beruf zu meistern. Hierbei handelt es sich insbesondere um schulverweigernde junge Menschen, 3 Schulabbrecher*innen, 3 junge Menschen, die sich nach der Schule weder in 3 Ausbildung, berufsvorbereitenden Bildungsmaß - nahmen oder Arbeit befinden und von den Einglie - derungsangeboten der Rechtskreise SGB II/III nicht erfasst/erreicht werden, junge Ausbildungs- und Maßnahmeabbrecher*innen 3 ohne Anschlussperspektive. Strukturell ist das Förderprogramm beim Jugendamt, Abteilung Kinder- und Jugendförderung /Jugendberufs- hilfe, angesiedelt. Ziel des Darmstädter Projekts ist es, die oben genannten jungen Menschen auf die (Wieder-)Aufnahme von schu - lischer / beruflicher Bildung, berufsvorbereitenden Maß - nahmen und Arbeit vorzubereiten. Einen räumlichen Schwerpunkt legt das Programm auf Fördergebiete der „Sozialen Stadt“ in Eberstadt, Kranichstein und dem Pal - laswiesenviertel. Die Angebote in JUSTiQ stehen jedoch grundsätzlich allen jungen Menschen im Stadtgebiet zur Verfügung. Durch die sozialräumliche Einbettung der Hilfsangebote und Entwicklung von Teilhabemöglichkei - ten kann ein konkreter Mehrwert für die benachteiligten Gebiete geschaffen werden. Für die Zusammenarbeit zwischen Trägern der öffentlichen Jugendhilfe, freien Trägern im Bereich Jugendsozialarbeit, Jobcenter, Agen - tur für Arbeit, Schulen und Quartiersmanagement wer - den effektive und effiziente Strukturen etabliert. Die Angebote im Rahmen des ESF-Programms JUSTiQ sind Casemanagement, Beratung und Clearing, aufsu - chende Jugendsozialarbeit, Mikroprojekte sowie speziel - le Angebote für Schulverweigerer*innen. Casemanagement Intensive, langfristige sozialpädagogische Einzelfallar - beit und Begleitung junger Menschen über bestimmte Lebens- und Entwicklungsabschnitte sowie über einzel - ne Angebote hinweg. Beratung / Clearing Niedrigschwelliges Angebot, umfasst kurzfristig ange - legte individuelle sozialpädagogische Beratungs- und Unterstützungsmaßnahmen für die Zielgruppen. Aufsuchende Jugendsozialarbeit Streetwork, eine intensive Form der sozialpädagogischen Einzelfallarbeit für junge Menschen, die den Weg zu Un - terstützungsangeboten alleine nicht finden. Mikroprojekte Mikroprojekte ergänzen die o. g. Einzelfallhilfen und dienen dem Motivations- und Vertrauensaufbau, um die jun - 3 gen Menschen an eine intensivere Begleitung durch das Casemanagement heranzuführen, der Aktivierung, Kompetenz- und Persönlichkeitsstär - 3 kung der jungen Menschen mit dem Ziel, ihnen einen leichteren Einstieg in berufsvorbereitende Maßnah - men, Ausbildung und Arbeit zu ermöglichen. Angebot für Schulverweigerer*innen Ressourcenaktivierendes Sozialtraining, das von persön - licher Einzelfallarbeit begleitet wird. Ziel ist es, Persön - lichkeit und soziale Kompetenzen der Schüler*innen zu stärken und Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die sie an der aktiven Teilnahme am Unterricht hindern. 76 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 12. Außerschulische Bildungs- und Förderangebote Eine wichtige Rolle bei der Bildung junger Menschen spielen außerschulische Bildungs- und Förderangebote. Hier haben Jugendliche die Möglichkeit, interessengelei - tet zu lernen und sich in ihrer Peer-Group zu bewegen, fern ab von Noten und Bewertungen. Zudem bieten sich ihnen im Bereich der Beteiligung Möglichkeiten zum praktischen Demokratielernen. 12.1 Kinder- und Jugendarbeit Kinder und Jugendliche sind in ihren Lebenswelten be - sonders von den rasanten gesellschaftlichen Verände - rungen betroffen. Die Mehrheit der jungen Menschen ist bis zum 18. Lebensjahr, aber auch darüber hinaus, mit Fragen der Schule und Ausbildung beschäftigt. Eine wichtige Herausforderung in dieser Lebensphase sind die Themen der Kommerzialisierung und Digitalisierung der Lebens- und Freizeitwelten. Die Rahmenbedingungen des Aufwachsens haben sich verändert. Durch Ganztagsangebote an Schulen ist dort ein neuer Lebensraum für viele Kinder und Jugendliche entstanden. Neben formalen Bildungsangeboten, wie Schule und Ausbildung, ist Kinder- und Jugendarbeit als informeller Bildungsort weiterhin ein wichtiger Bestandteil des So - zialisationsprozesses. Die heterogene Trägerlandschaft der Kinder- und Jugendarbeit kann durch eine Vielzahl unterschiedlicher Angebotsformen zu selbstgestalteten vielfältigen Bildungsprozessen beitragen. Kinder- und Jugendarbeit ist gemeinsam mit anderen Bereichen des Bildungs- und Erziehungswesens – ins - besondere in Kooperation mit Schule – verantwortlich, Bildungsprozesse von Kindern und Jugendlichen zu för - dern. Bildung meint hier den umfassenden Prozess der Persönlichkeitsentwicklung, wodurch junge Menschen in die Lage kommen, Eigenverantwortung und Selbstor - ganisation wahrzunehmen, Leistungspotenziale zu ent - wickeln, kompetent zu handeln, Probleme zu lösen und Beziehungen zu gestalten. Ein großer Teil der Bildung in der Kinder- und Jugendarbeit findet außerhalb formeller unterrichtlicher Lernsituationen statt. Wenn Kinder- und Jugendarbeit bei sich schnell ver - ändernden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen geeignete Formen und Angebote zur Förderung und Unterstützung erreichen will, so bedarf es einer umfas - senden Planung und Umsetzung von Maßnahmen und Konzepten. Die ersten Schritte dieses Prozesses mündeten 2015 im Rahmenkonzept der Kinder- und Jugendarbeit (Magis - trats vorlage Nr. 2015/0107). Dieses bietet eine verbind - liche Orientierung für die Ausgestaltung der Kinder- und Jugendarbeit in Bezug auf die vorhandenen Angebote, ihrer Erweiterung, Abstimmung und Ergänzung und den bedarfsgerechten Um- und Ausbau bei veränderten ge - sellschaftlichen Lebenslagen und ständigem Wandel. Im weiteren Prozessschritt wird dieses operationalisiert mit dem Ziel, die darin beschriebenen Handlungsfelder und Ziele dahingehend zu überprüfen, ob die Angebote für Jugendliche in der Stadt noch bedarfsgerecht sind oder neue Bedarfe bestehen, welche durch die beste - henden Angebote nicht abgedeckt werden. Die Angebo - te für Kinder und Jugendliche in Darmstadt sollen diffe - renziert werden, sodass den vielfältigen Interessen und Nachfragen besser entsprochen werden kann. Ein wich - tiger neuer Baustein der Weiterentwicklung ist die Kon - zeptionierung eines Hauses der digitalen Medienbildung in Kooperation mit den entsprechenden Fachämtern der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Mit der Operationalisierung des Rahmenkonzeptes wur - de die Wissenschaftsstadt Darmstadt in zehn Sozialräu - me (analog der Sozialräume im Kita-Bereich) unterteilt, um individueller die Bedarfe zu erheben und zu defi - nieren. Die Angebote und Handlungsfelder beinhalten Querschnittsthemen, stadtweite Angebote, Basisange - bote und spezifische Angebote. Bei den vier Querschnittsthemen Inklusion, interkultu - relle Öffnung, Demokratie und Wertevermittlung sowie Gender /Transgender handelt es sind um Themenfelder, die unabhängig vom Standort und der Einrichtung zu sehen sind. Diese Felder werden überall im Rahmen der Angebots- und Handlungsfelder umgesetzt. Daneben gibt es stadtweite, regelmäßig wiederkehren - de (Mindest-)Angebote unabhängig vom Sozialraum. Die Träger der Angebote sind gesamtstädtische An - sprechpersonen für die Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit, bieten Fortbildungen an und entwickeln in Abstimmung mit der Verwaltung den Themenbereich weiter. Die Träger der stadtweiten Angebote kooperie - ren mit Jugendhilfe und Schule in den entsprechenden Netzwerken. Die relevanten Themengebiete sind in der Anlage Handlungs- und Angebotsfelder definiert. Auch sogenannte Basisangebote sind ständige und re - gelmäßig wiederkehrende (Mindest-)Angebote in Ein - richtungen der Kinder- und Jugendarbeit. Durch die För - derung wird die Teilhabe an den ständigen Angeboten (z. B. Nutzung vorhandener Sport- und Spielmöglich - 77II Bildung im Lebensverlauf keiten, Gespräche, Nutzung als Treff oder zum Musik hören) gewährleistet. Auch Begegnung und Kommunika - tion sowie der Aufbau und Erhalt von Beziehungen unter Mitwirkung der Fachkräfte der Jugendarbeit ge - mäß der Angebots- und Handlungs - felder werden ganzjährig gesichert. Regelmäßig wiederkehrende the - menspezifische Angebote werden partizipatorisch mit den jeweiligen Zielgruppen der Einrichtung von den Fachkräften der Jugendar - beit vorbereitet, umgesetzt und ausgewertet. Spezifische Angebote sind solche, die in besonderem Interesse der Stadt liegen bzw. die außerge - wöhnliche Bedarfe decken. Die - se Angebote orientieren sich an den besonderen Bedarfen im jeweiligen Planungsgebiet (So - zialraumbezug) oder stadtweit und sind projektbezogen auf höchstens drei Jahre Förder - zeitraum angelegt sowie the - men- und zielgruppenspezifisch ausgerichtet. In Ab - sprache mit der Wissenschaftsstadt Darmstadt kann der Förderzeitraum nach drei Jahren ausgedehnt werden. Durch eine regelmäßige Befragung werden die Bedar - fe der Kinder und Jugendlichen im Sozialraum ermit - telt. Sowohl die Befragung der Kinder und Jugendlichen als auch der regelhafte Austausch mit allen Akteuren sind zentrale Bestandteile der Bedarfserhebung und zielgruppengerechten Angebotsausrichtung. Für eine sozialraumgerechte Bestandserhebung werden sowohl Infrastrukturdaten als auch Ergebnisse von Abfragen al - ler Akteure der Kinder und Jugendarbeit erhoben, aus - gewertet und mit allen Akteuren diskutiert. Auch dieser Prozessschritt wird alle drei Jahre wiederholt, um dem stetigen gesellschaftlichen Wandel gerecht zu werden. Zur Verstetigung werden die bestehenden Leistungsver - träge überarbeitet und erstmals ein Controllingkonzept eingeführt, das einheitliche Leistungsvereinbarungen und Sachberichte vorsieht. 12.2 Jugendbildungswerk / jugendforum* Das kommunale Jugendbildungswerk (JBW) betreibt politische Bildung nach dem Hessischen Jugendbil - dungsförderungsgesetz und den im Hessischen Gesetz über Anspruch auf Bildungsurlaub formulierten Aufga - ben und Zielsetzungen. Das Jugendbildungswerk der Wissenschaftsstadt Darmstadt arbeitet unter kommu - naler Trägerschaft und ist beim Jugendamt, Abteilung Kinder- und Jugendförderung, angesiedelt. Es erweitert und ergänzt die Angebote der anderen Bildungs- und Erziehungseinrichtungen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Es hat die Aufgabe, jungen Menschen Mög - lichkeiten zur Emanzipation zu eröffnen und ihnen die Aneignung von Kenntnissen und Fähigkeiten für Arbeits - welt, Freizeit und gesellschaftliche Teilhabe zu ermögli - chen. Zentrale Aufgabe der politischen Bildungsarbeit ist es daher, Jugendliche zu interessieren und zu befähigen, Konflikte anzugehen und ihre Interessen zu vertreten. Das JBW steht allen Jugendlichen und jungen Erwachse - nen bis 27 Jahren offen und ist an keine Mitgliedschaft, Weltanschauung oder spezifische Kenntnisse gebunden. Die Angebote des Jugendbildungswerks sollen zu einer kritischen, kontroversen und reflexiven Auseinander - setzung der Jugendlichen mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit beitragen. Dem Grundgedanken der Par - tizipation folgend werden die Angebote gemeinsam mit den Jugendlichen entwickelt. Sie werden dabei als Expert*innen ihrer eigenen Lebenswelt verstanden, die ermutigt werden, eigenständig Veränderungsprozesse anzustoßen. Außerschulische Jugendbildung stellt einen wesentlichen Schwerpunkt der Jugendarbeit dar. Sie Umweltdiplom Das Darmstädter Umweltdiplom ist ein umwelt- und freizeitpädago - gisches Aktionsprogramm, das seit 2003 von der Wissenschaftsstadt Darmstadt, federführend vertreten durch das Umweltamt in Koope - ration mit über 30 verschiedenen Umweltverbänden, Vereinen, wis - senschaftlichen Einrichtungen, Wirtschaftsunternehmen und themen - orientierten Initiativen angeboten wird. Es richtet sich an alle Kinder Darmstädter Schulen der Klassen 4 bis 6 bzw. an ca. zehn- bis zwölf - jährige Kinder und findet jeweils zu Beginn des Frühjahrs bis zu den Sommerferien statt. Ziel ist, dass sich die jungen Menschen mit Natur-, Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen vertraut machen und Gelegenhei - ten zu schaffen, um mit Akteuren und Aktivitäten in diesen Bereichen in Kontakt zu kommen. Es werden Möglichkeiten zum Forschen, Auspro - bieren oder einfach zu aktiven Unternehmungen in der Natur angeboten. Diese sollen auch als Anreiz dienen, dass Schüler*innen ihr Engagement über das Umweltdiplom hinaus fortsetzen. Der Nachweis der Teilnahme an sechs Veranstaltungen berechtigt zum Erwerb des Darmstädter „Um - weltdiploms“, das als Urkunde feierlich im Rahmen der Umweltinforma - tionsbörse des Umweltdezernats verliehen wird. Das Angebot wird durch die Wissenschaftsstadt Darmstadt, aber auch von Sponsoren /Spenden finanziert, sodass jährlich fast 5.000 Schüler*innen an dem kostenlosen Bildungsangebot teilhaben können. 78 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 leistet einen Beitrag zur freien, persönlichen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen und regt zu kritischem und selbstreflexivem Denken, sozialem Engagement und zur Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung an. Die Anforderungen an die Jugendbildungsarbeit verän - dern sich oft durch die sich ständig ändernde Lebens - situa tion von Jugendlichen. Wichtige Grundsatzhaltun - gen der Arbeit sind: Partizipation, Inklusion / Diversität, Intersektionalität, Peer Education. Das Jugendbildungswerk initiiert, unterstützt und orga - nisiert non-formale außerschulische Bildungsangebote. Diese beinhalten praxisorientierte und jugendgemäße Ansätze. Die Formen und Methoden der Bildungsarbeit sollen sich den stetig veränderten Lebensbedingungen und Kompetenzen Jugendlicher anpassen, beispielswei - se durch audiovisuelle Medien, 3 Projektarbeit, 3 zielgruppenbezogene Angebote, 3 neue Technologien, 3 neue Kommunikationsformen (Social Media). 3 Danach hat politische Jugendbildungsarbeit Jugend liche darin zu befähigen, „ihre persönlichen und sozialen Lebensbedingungen 3 selbst zu erkennen, ihre gesellschaftlichen Interessen durchzusetzen, 3 die Demokratisierung in allen Bereichen voranzutrei - 3 ben und zu verwirklichen.“ (JBFG § 1, Abs. 1) Hierfür bietet das JBW unter anderem folgende Ange - bote an: Workshops 3 Seminare 3 Bildungsurlaube 3 Gruppenberatungsangebote 3 Gedenkstättenfahrten 3 internationalen 3 Jugendaustausch Ein weiterer wesentlicher Baustein der Arbeit ist die Ju - gendbeteiligung in Form des jugendforums*. Das jugendfo- rum* existiert seit dem ers - ten Darmstädter Jugendkon - gress im Jahr 2004. Durch die offene Form des jugend- forums* ist gewährleistet, dass Jugendliche sich weit - gehend niedrigschwellig beteiligen können und das Angebot allen Alters- und Bildungsstufen offen steht. Neben dem offenen Jugendtreff ist zurzeit eine Parkour- Gruppe aktiv, die sich für die Einrichtung von Parkour- Parks in Darmstadt einsetzt, sowie eine Graffiti-Gruppe, die unter anderem Sketch-Treffs anbietet, die legale Graffiti-Wand „Lincoln-Wall“ betreut und das jährlich stattfindende Lincoln-Wall-Festival organisiert. Das Jugendbildungswerk unterstützt und begleitet die Arbeit des jugendforums* nach Absprache mit dessen Mitgliedern. Es bietet Seminare und Fortbildungen für die Mitglieder des jugendforums* an, unterstützt die Mitglieder beim Kontakt und den Verhandlungen mit Kooperationspartner*innen, bei der Vorbereitung von Gesprächen und Treffen und bei der Aktualisierung der Homepage. Das jugendforum* organisiert Jugendkon - gresse und andere Veranstaltungen in Kooperation mit dem Jugendbildungswerk. Mediendiplom Das Mediendiplom ist ein Medienbildungs- und Präventionsprojekt der Wis - senschaftsstadt Darmstadt, das seit 2015 in Kooperation des Jugendamtes mit dem Institut für Medienpädagogik und Kommunikation Hessen (MuK Hes- sen) durchgeführt wird. Das Mediendiplom richtet sich mit seinen Angeboten vorrangig an Kinder und Jugendliche, mit dem Ziel, deren Medienkompetenz zu fördern und zu stärken. Darmstädter Kinder und Jugendliche sollen dazu befähigt werden, ihren eigenen Medienkonsum zu reflektieren, Medien kri - tisch, selbstbestimmt und kreativ zu nutzen sowie einen sozialen Umgang in der digitalen Kommunikation zu erlernen und zu erproben. Gleichzeitig gibt es ergänzende Angebote für Eltern und Multiplikator*innen. Die praktischen Ange - bote zum Umgang mit Medien werden mit oder bei lokalen Medienpat*innen – Firmen, Vereinen und Institutionen – bereitgestellt. So können sich Kinder und Jugendliche zusätzlich ihren Sozialraum auf eine neue Weise erschließen. Zurzeit werden jährlich fünf Medienkongresse durchgeführt. Hier erhalten u. a. Schulklassen ab der Grundschule die Möglichkeit, in verschiedenen Workshops ihr Wissen in Sachen Medien auszubauen, spielerisch Neues zu erlernen und sich fit zu machen für eine immer komplexer werdende Medienwelt. Mittlerweile werden über die Angebote des Mediendiploms im Jahr ca. 1.600 Teilnehmende erreicht. 79II Bildung im Lebensverlauf Die Jugendlichen arbeiten in Projektgruppen zu spezi - fischen selbstgewählten Themen. Das jugendforum* be- stimmt bei Bedarf Ansprechpartner*innen und nimmt Kontakt mit Entscheidungsträger*innen sowie der Pres - se auf. Es kann eigenständig Verbindungen zu Jugend - vertretungsorganisationen auf Landes-, Bundes-, EU- und internationaler Ebene aufnehmen. Bei Bedarf geht das jugendforum* Kooperationen mit Personen oder In - stitutionen ein. Aufgrund der aktuellen gesellschaftlichen Veränderun - gen wird sich das Jugendbildungswerk stärker in den folgenden Themenfeldern einbringen: Demokratie- und Toleranzförderung i n d e r J u g e n d b i l- dungsarbeit klärt über die kulturellen, sozialen, wirt - schaftlichen, politischen und religiösen Wurzeln von In - toleranz auf und damit auch über die tieferen Ursachen von Gewalt und Ausgrenzung. Sie hilft jungen Menschen, sich ihre Fähigkeit zur unabhängigen Wertung, zum kri - tischen Denken und zur moralischen Urteilsfähigkeit an - zueignen und weiterzuentwickeln. Dabei ist es wichtig, eine demokratische Kultur durch Vorbilder vorzuleben. Die damit verbundene Antidiskriminierungsarbeit setzt an der Bewusstmachung des komplexen Zusammenspiels von individuellen und gesellschaftlichen Bildern, Diskur - sen und Vorurteilen an. Diskriminierungen werden dabei in ihrer wechselseitigen Verwobenheit und an Machtver - hältnisse geknüpft sichtbar. Antidiskriminierungsarbeit trägt dazu bei, eigene verinnerlichte Vorurteile zu reflek - tieren, Empathie zu fördern und Strategien zur Bearbei - tung sozialer Ausschließung zu entwickeln. Erinnerungs- und Gedenkkultur zielt darauf ab, einen re - flektierten Umgang mit gesellschaftlicher Geschichte und Vergangenheit zu entwickeln, aus dieser Perspektive aktuelle gesellschaftliche Verhältnisse und Geschehnisse zu verstehen und somit Verbindungen zwischen Vergan - genheit, Gegenwart und Zukunft herzustellen. Sie fördert Jugendliche darin, sich aktiv gegen Unrechtsverhältnisse einzusetzen und Verantwortung zu übernehmen. Das Jugendbildungswerk als Bildungspartner aller Schul - formen und der Schulsozialarbeit kann durch neue For - men des Lernens und partizipatorische Prozesse die Bil - dungsangebote mit einem neuen Fokus ergänzen. Viele Konflikte in der Schule oder in ihrem Umfeld sind heu - te nicht mehr allein mit den traditionellen Mitteln von Schule zufriedenstellend zu lösen. Eine Kooperation der Bildungspartner*innen bietet das Potenzial einer umfas - senden Bildungsförderung für den jungen Menschen. 12.3 Kinder- und Jugendzentren Die Kinder- und Jugendzentren/-häuser arbeiten in der Wissenschaftsstadt Darmstadt nach dem Prinzip der of - fenen Kinder- und Jugendarbeit. „Die Kinder- und Jugendhilfe fördert junge Menschen in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung und trägt dazu bei, Benachteili - gungen zu vermeiden oder abzubauen sowie positive Lebensbedingungen für junge Men - schen zu erhalten oder zu schaffen“. Die offene Kinder- und Jugendarbeit bezeichnet ein An - gebot im Rahmen eines pädagogischen Konzeptes, das durch Offenheit, Zugänglichkeit, Geschlechterbewusst - sein und einen geringen Verpflichtungsgrad gekenn - zeichnet ist. Die offene Kinder- und Jugendarbeit wird von einer Viel - zahl freier Träger der Jugendhilfe und von öffentlichen Trägern der Jugendhilfe angeboten. Unter dem gemein - samen Dach „Offene Kinder- und Jugendarbeit“ haben sich in der Wissenschaftsstadt Darmstadt unterschied - liche Einrichtungstypen ausdifferenziert. Es gibt zurzeit 25 Einrichtungen mit hauptamtlichen Mitarbeiter*innen, wovon 17 in freier Trägerschaft und acht in kommunaler Trägerschaft sind. Darunter finden sich eine Einrichtung in Selbstverwaltung, ein Spielmobil in freier Trägerschaft und ein Aktivspielplatz in kommunaler Trägerschaft. Kinder- und Jugendarbeit richtet sich an alle Kinder, Ju - gendlichen und jungen Erwachsenen, die ihre Freizeit in selbstgewählten Gruppenstrukturen bzw. subkulturellen Verankerungen verbringen. Zielgruppe der Kinder- und Jugendarbeit sind alle Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen unter 27 Jahren sowie deren Familien. Die Hauptzielgruppe umfasst den Altersbereich der 10- bis 18-Jährigen. Zielgruppe im Rahmen der Netzwerkarbeit sind in der Jugendarbeit tätige regionale Initiativen, Ver - eine und Verbände, Schulen sowie Jugendliche, die an besonderen Angeboten von Einrichtungen teilnehmen. Die offene Kinder- und Jugendarbeit ist ein Ort non- formaler und informeller Bildungsprozesse, die zur Ent - wicklung junger Menschen beiträgt und gemeinsam mit ihnen gestaltet wird. Die offene Kinder- und Jugendar - beit als ein non-formaler Bildungsort unterscheidet sich maßgeblich von anderen Bildungsorten durch ihre spe - zifische Aneignungs- und Vermittlungsstruktur in Bezug auf soziale und personale Kompetenzvermittlung. Sie grenzt sich von verbandlichen oder schulischen Formen von Jugendarbeit dadurch ab, dass ihre unterschiedli - chen Angebote ohne Mitgliedschaft oder andere Vorbe - 80 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 dingungen von Kindern und Jugendlichen in der Freizeit genutzt werden können. Die offene Kinder- und Jugendarbeit bietet jungen Men - schen gestaltbare Lern- und Erprobungsräume. Dort werden keine Anforderungen im Sinne von Leistung oder Teilnahmeverpflichtung an sie gestellt. Ein differenzier - tes Repertoire an Nutzungsmöglichkeiten regt stattdes - sen zu verschiedensten Aktivitäten an. Offene Angebo - te, in denen Kinder und Jugendliche ihre Fähigkeiten und Ideen erproben können, sind dabei die Grundlage für das gemeinsame Arbeiten. Damit leisten die Träger einen wichtigen Beitrag zur außerschulischen Jugend - bildung und fördern neben praktisch erlerntem Wissen (z. B. Medienworkshops, Umweltschutz) im Besonderen auch die Weiterentwicklung von Sozialkompetenzen. Mit ihrem sozialräumlichen Bezug begleitet und fördert sie Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg zur Selbst - ständigkeit. Dabei setzt sie sich dafür ein, dass Kinder und Jugendliche im Sozialraum integriert sind, sich wohl fühlen und sich an den Prozessen unserer Gesellschaft beteiligen können. So verfügt sie über spezifische Zugänge und Lernfelder, die den Erwerb von Alltagsbildung in besonderer Weise begünstigen und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Aufrechterhaltung einer ausgewogenen sozialen Infra - struktur in der Stadt und einen wesentlichen Anteil an der Begünstigung von Teilhabe. 13. Bildung an beruflichen Schulen In Darmstadt bieten sechs öffentliche und vier private berufliche Schulen unter ihrem Dach jeweils eine Viel - zahl von Bildungsgängen zur Berufsvorbereitung und Berufsqualifizierung sowie zur beruflichen Weiterbildung in Voll- und Teilzeit an. Zusätzlich können alle allgemei - nen Schulabschlüsse vom Hauptschulabschluss bis hin zur Hochschulreife erreicht werden. Grundsätzlich wer - den in diesem sogenannten Berufsbildungssystem fünf Teilbereiche unterschieden, für die unterschiedliche Zu - gangsvoraussetzungen gelten (Hessisches Kultusminis - terium 2018, OloV Hessen 2014, Transferinitiative Kom - munales Bildungsmanagement 2017): 1. Übergangssystem: Berufsvorbereitung Im Übergangssystem werden Bildungsgänge zur Be - rufsvorbereitung angeboten, um es noch nicht volljähri - gen Jugendlichen zu ermöglichen, einen Schulabschluss nachzuholen und/oder Grundkenntnisse und Fertigkei - ten für eine künftige Berufsausbildung zu erlernen. Ein Zugang ist ohne allgemeinen Schulabschluss möglich. Eine Berufsausbildung wird je nach gewähltem Beruf entweder im dualen System oder im Schulberufssystem angeboten: 2. Duales System: berufliche Ausbildung in Betrieb und Berufsschule Eine duale Ausbildung wird an zwei Lernorten absolviert: Die praktische Ausbildung erfolgt in einem Betrieb, mit dem ein Ausbildungsvertrag geschlossen wurde. An ei - ner entsprechenden Berufsschule werden zusätzlich theoretische sowie allgemeinbildende Inhalte vermittelt. Ein Zugang ist ohne Hauptschulabschluss möglich. 3. Schulberufssystem: vollzeitschulische Berufsausbildung Eine vollzeitschulische Berufsausbildung kann an Be - rufsfachschulen, Schulen des Gesundheitswesens und Fachschulen für Sozialwesen absolviert werden. Zu - gangsvoraussetzung ist ein Hauptschulabschluss. 4. Berufliche Schulen zum Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung Berufliche Gymnasien und Fachoberschulen ermögli - chen den Erwerb der allgemeinen Hochschulreife und zusätzlich eine Vertiefung in ausgewählten berufsbezo - genen Fächern. Mit einem Realschulabschluss ist ein Besuch möglich. 5. Berufliche Weiterbildung Fachschulen dienen der beruflichen Weiterbildung und der Qualifizierung von Führungskräften. Voraussetzung ist eine bereits abgeschlossene Berufsausbildung. Der Vollständigkeit halber wird hier die berufliche Weiterbil - dung als Teil des Berufsbildungssystems aufgeführt. Die berufliche Weiterbildung findet jedoch im Erwachsenen - alter statt, einer Lebensphase, die im Rahmen dieses Bildungsberichts nicht betrachtet wird. Weiterführende Informationen zum Übergang an die beruflichen Schulen sind auf www.olov-hessen.de zu finden. Der 2018 erschienene „AusbildungsAtlas“ bie - tet u. a. ein Verzeichnis über ausbildende Unternehmen in Darmstadt und Berufsbildungsgänge an beruflichen Schulen und ist unter folgendem Link abrufbar: https:// www.ausbildungsatlas.de/darmstadt/ 81II Bildung im Lebensverlauf 13.1 Schüler*innen an beruflichen Schulen Die zehn beruflichen Schulen in Darmstadt bieten ver - schiedene Bildungsgänge aus allen Teilbereichen des Berufsbildungssystems an. In diesem Kapitel werden Schüler*innenzahlen und deren Entwicklung nach Teil - bereichen dargestellt. Mehr als 65 % der Schüler*innen im Darmstädter Be - rufsbildungssystem absolvieren eine duale Ausbildung. Dabei findet der Berufsschulunterricht zu mehr als 90 % in Teilzeit statt, d. h. die Schüler*innen besuchen an ein bis zwei Tagen pro Woche die Berufsschule und an drei bis vier Tagen pro Woche ihren Ausbildungsbetrieb. Etwa ein Fünftel der Schüler*innen im Berufsbildungssystem besucht ein berufliches Gymnasium oder eine Fach - oberschule, an welchen der Erwerb einer Hochschulzu - gangsberechtigung (HZB) möglich ist. Gut ein Zehntel befindet sich im Schulberufssystem und besucht eine Berufsfachschule in Darmstadt. Bildungsgänge zur Be - rufsvorbereitung und/oder zum Erwerb eines allgemei - nen Schulabschlusses werden von ca. 3 % der Schü - ler*innen besucht. Zudem bieten mittlerweile alle sechs öffentlichen beruflichen Schulen Intensivklassen für Seiteneinsteiger*innen im Rahmen des zum Schuljahr 2015/16 aufgelegten hessischen Landesprogramms „In - tegration durch Anschluss und Abschluss (InteA)“ an. Abbildung 63 zeigt insgesamt einen leichten Rückgang der Schüler*innenzahlen an den beruflichen Schulen in Darmstadt seit dem Schuljahr 2011/12 – ein Rückgang, der sich vermutlich auf die zunehmende Akademisie - rung zurückführen lässt. So spricht die Kultusminister - konferenz von einer Trendwende bei der Entwicklung der Schüler*innenzahlen bis 2030: Die aktuelle „Status- Quo-Prognose“ 80 sieht einen allgemeinen Rückgang der Schüler*innenzahlen in der Sekundarstufe II vor, wobei es an allgemeinbildenden Schulen zu einem Anstieg der Zahlen und an beruflichen Schulen zu einem Rück - gang kommt (KMK 2018; KMK 2013). Seit 2011/12 hat- te das duale System in Darmstadt einen Rückgang um knapp 8 % der Schüler*innen zu verzeichnen. Auch die Zahl der Jugendlichen im Übergangssystem reduzierte sich bis zum Schuljahr 2016/17 um mehr als ein Drit - tel. Im Schuljahr 2017/18 ergab sich durch den Beginn des Schulversuchs „Berufsfachschule zum Übergang in Ausbildung“ wieder ein Anstieg der Schüler*innenzah - len. Einen Anstieg der Schüler*innenzahlen gab es auch an beruflichen Schulen zum Erwerb einer Hochschul - zugangsberechtigung. Der Rückgang der Schüler*in - nenzahlen im Schulberufssystem seit dem Schuljahr 2016/17 ist neben dem allgemeinen Trend auch auf die Schließung der privaten Merkur-Akademie am Standort Darmstadt zurückzuführen. Im dualen sowie im Übergangssystem lag der Anteil der männlichen Schüler im Schuljahr 2017/18 jeweils über 60 % (Abb. 64). Im Schulberufssystem, das in Darmstadt überwiegend Bildungsgänge in den Bereichen Soziales, Gesundheit und Wirtschaft bietet, hatten Schülerinnen einen Anteil von mehr als 60 %. Auf beruflichen Schulen zum Erwerb einer Hochschulzugangsberechtigung hiel - ten sich Schülerinnen und Schüler in etwa die Waage. 8 0 Das aktuelle Wahl- und Übergangsverhalten der Schüler*innen wird festgeschrieben, womit die im Basisjahr erkennbaren Trendänderungen in die Prognose eingehen. Ab dem ersten Prognosejahr werden keine weiteren, den Trend ändernde Annahmen mehr eingeführt. Die Dynamik entfaltet sich durch den „Nachhall“ der Trendänderungen im Ist-Zeitraum auf den Prognosezeitraum und durch die demografischen Veränderungen (Kultusministerkonferenz 2018). 10.000 8.000 6.000 4.000 2.000 2010/11 2011/12 2012 /13 2013/14 2014/15 2015/16 2016/17 duales System Übergangssystem Erwerb einer HZB Intensivklassen Schulberufssystem Abb. 63: Entwicklung der Schüler*innenzahlen im Darmstädter Berufsbildungssystem Quelle: LUSD 6.9137.1 6 17. 3 1 6 1.781 1.455 486 7. 3 2 4 1.858 1.405 502 7. 2 5 3 1.968 1.518 1.562 1.957 6.800 2.029 1.366 321 2.039 1.519 6.724 1.480 451 2.061 345 278 328 302 423 Abb. 64: Schüler*innen im Darmstädter Berufsbildungs - system nach Geschlecht (Schuljahr 2017/18) duales System ( n = 6 . 8 0 0 ) Übergangssystem ( n = 4 2 3 ) Schulberufssystem (n = 1.366) Erwerb einer HZB ( n = 2 . 0 2 9 ) Intensivklassen ( n = 3 2 1 ) 0 % 50 % 100 % weiblich männlich Quelle: LUSD 2.552 953 4.248 1.076 272 246 151 75 507859 82 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 Die Intensivklassen wurden zu mehr als 75 % von männ- lichen Teilnehmern besucht. Abbildung 65 zeigt die Verteilung der Schüler*innen nach Migrationshintergrund. Im Schuljahr 2017/18 hat - ten 60 % der 423 Schüler*innen im Übergangssystem einen Migrationshintergrund. Die größten Gruppen stell - ten Schüler*innen aus Afghanistan (9 %), der Türkei (6 %) und Syrien (5 %). Insgesamt stammten die Schü - ler*innen im Übergangssystem aus mind. 28 Nationen. Darmstadt. 39 % pendeln aus dem Landkreis Darm - stadt-Dieburg an die Berufsschulen und 44 % aus an - deren, meist hessischen Landkreisen und Städten. Im Übergangssystem ist das Einzugsgebiet deutlich kleiner: 46 % der Schüler*innen in Bildungsgängen zur Berufs - vorbereitung wohnen in Darmstadt und 49 % im Land - kreis Darmstadt-Dieburg. Nur 5 % pendeln aus anderen Landkreisen oder Städten nach Darmstadt. Dies liegt vermutlich u. a. daran, dass die Schüler*innen hier noch keine explizite, berufliche Fachrichtung wählen, sondern in verschiedene Fachrichtungen schnuppern können. Im Schulberufssystem (43 %) sowie an den berufli - chen Schulen zum Erwerb einer HZB (50 %) kommen die meisten Schüler*innen jeweils aus dem Landkreis Darmstadt-Dieburg. Jeweils 33 % kommen aus Darm - stadt und 24 % bzw. 18 % aus anderen Landkreisen und Städten. Zudem pendelten 506 Schüler*innen mit Wohnort Darmstadt im Schuljahr 2017/18 an berufliche Schu - len in anderen Landkreisen und Städten. 89 % dieser Auspendler*innen absolvierten eine duale Ausbildung, jeweils 4 % machten eine vollzeitschulische Berufsaus - bildung oder besuchten eine berufliche Schule zum Erwerb einer HZB. Die übrigen 3 % befanden sich im Übergangssystem oder in einer Intensivklasse. Die Schüler*innen pendelten u. a. nach Frankfurt (46 %), Dieburg (11 %) und Wiesbaden (7 %). Schüler*innen pendeln insbesondere an berufliche Schulen außerhalb 8 1 Ohne Schüler*innen an der Darmstädter Altenpflegeschule der Akademie für Pflege- und Sozialberufe, da keine Informationen zum Migrationshintergrund vorlagen. 8 2 Ohne Schüler*innen der Darmstädter Altenpflegeschule der Akademie für Pflege- und Sozialberufe. Abb. 65: Schüler*innen im Darmstädter Berufsbildungs - system nach Migrationshintergrund (Schuljahr 2017/18) duales System ( n = 6 . 8 0 0 ) Übergangs system ( n = 4 2 3 ) S c h u l b e r u f s s y s t e m ( n = 1 . 0 9 8 ) Erwerb einer HZB ( n = 2 . 0 2 9 ) 0 % 50 % 100 % mit Migrationshintergrund ohne Migrationshintergrund Quelle: LUSD 1.833 765 4.967 1.264 170253 610488 Im Schulberufssystem 81 hatten 44 % der Schüler*innen einen Migrationshintergrund, auf beruflichen Schulen zum Erwerb einer Hochschulzugangsberechtigung wa - ren es knapp 38 % und im dualen System knapp 26 %. 13.2 Pendler*innen an beruflichen Schulen Berufliche Schulen haben aufgrund ihres breiten Ange - bots an Bildungsgängen, Fachrichtungen und Schwer - punkten ein größeres räumliches Einzugsgebiet als allge- meinbildende Schulen. Im Schuljahr 2017/18 pendelten mehr als 7.960 Schüler*innen zumeist aus dem Land - kreis Darmstadt-Dieburg sowie aus weiteren Landkrei - sen und Städten an die beruflichen Schulen 82 in Darm - stadt. Etwas mehr als 500 Schüler*innen mit Wohnort Darmstadt pendelten an berufliche Schulen außerhalb. Etwa 2.380 Schüler*innen wohnten in Darmstadt und besuchten dort eine berufliche Schule. Abbildung 66 zeigt Gebietskörperschaften, in denen die Schüler*innen wohnen, für die vier Teilbereiche des Berufsbildungssystems. 17 % der Auszubildenden, die eine Berufsschule in Darmstadt besuchen, wohnen in Abb. 66: Anteile der Schüler*innen in den Teilbereichen des Berufsbildungssystems nach Landkreis (Schuljahr 2017/18) duales System ( n = 6 . 8 0 0 ) Übergangs - system ( n = 4 2 3 ) Schul berufs- system ( n = 1 . 0 9 8 ) Erwerb einer HZB ( n = 2 . 0 2 9 ) 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % Darmstadt Landkreis Darmstadt-Dieburg weitere Städte und Landkreise Quelle: LUSD 44 % 5 % 39 % 17 % 49 % 46 % 24 % 43 % 33 % 18 % 50 % 33 % 83II Bildung im Lebensverlauf stellt werden, geht zudem hervor, dass es in Darmstadt zurzeit 606 unversorgte Bewerber*innen für Berufsaus - bildungsstellen und 745 unbesetzte Ausbildungsstellen gibt (Stand: März 2018). Im Vergleich zum Vorjahres - monat hat sich sowohl die Zahl der Bewerber*innen als auch die Zahl der offenen Ausbildungsstellen erhöht (Bundesagentur für Arbeit Statistik 2018). Darmstadts, u. a. um Fachrichtungen zu erlernen, die in Darmstadt nicht angeboten werden (z. B. Agrarwirt - schaft, Kaufmann/-frau im Außenhandel), oder weil die für den Ausbildungsbetrieb zuständige Berufsschule nicht in Darmstadt liegt. 17 % der Schüler*innen, die im Schuljahr 2017/18 eine duale Ausbildung absolvierten und eine Berufsschule in Darmstadt besuchten, hatten ihren Wohnort in Darm - stadt (Abb. 67). 39 % pendelten aus dem Landkreis Darmstadt-Dieburg an eine Berufsschule in Darmstadt und weitere 32 % kamen aus an Darmstadt und Darm - stadt-Dieburg angrenzenden hessischen Landkreisen. 12 % wohnten in anderen Landkreisen und Städten. Knapp die Hälfte der Berufsschüler*innen, die eine Be - rufsschule in Darmstadt besuchen, besaß einen Ausbil - dungsvertrag mit einem Betrieb in Darmstadt, bei 28 % lag der Ausbildungsbetrieb im Landkreis Darmstadt-Die - burg (Abb. 68). Knapp ein Viertel der Auszubildenden pendelte zum Betrieb in andere Landkreise und Städte. In Darmstädter Betrieben wurden im Schuljahr 2017/18 insgesamt 3.244 Jugendliche ausgebildet. 14 % dieser Auszubildenden besuchten eine Berufsschule außerhalb Darmstadts. Die Darmstädter Berufsschulen verfügen über ein gro - ßes Einzugsgebiet bezüglich der Wohnorte der Schü - ler*innen. Zugleich ist in Darmstadt eine Vielzahl von Betrieben angesiedelt (s. Kap. I), die den künftigen Fach- kräften eine Ausbildung bieten. Aus den Zahlen zum Ausbildungsstellenmarkt der Wissenschaftsstadt Darm - stadt, die von der Bundesagentur für Arbeit bereitge - Darmstadt LK Darmstadt- Dieburg LK Groß-Gerau LK Bergstraße Odenwaldkreis LK Offenbach andere Land- kreise und Städte an Darmstadt und Darmstadt-Dieburg angrenzende Landkreise Quelle: LUSD Abb. 67: Wohnorte der Schüler*innen in dualer Ausbildung, die eine Darmstädter Berufsschule besuchen (Schuljahr 2017/18, n=6.800) 12 % 4 % 8 % 8 % 39 %12 % 17 % Quelle: LUSD; Angaben zu Betriebsorten fehlen bei privaten Berufsschulen, daher ergibt sich eine Differenz zur Gesamtzahl der Berufsschüler*innen. Abb. 68: Verteilung der Betriebsorte der Darmstädter Berufsschüler*innen in Städte und Kreise (Schuljahr 2017/18, n=6.544) Darmstadt LK Darmstadt-Dieburg LK Groß-Gerau LK Bergstraße LK Offenbach Odenwaldkreis F r a n k u r t andere hessische Land - kreise und Städte andere Bundesländer 5 % 5 % 8 % 27 % 48 % 1 % 2 % 2 % 1 % 84 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 13.3 Allgemeiner Schulabschluss vor Eintritt in berufliche Schulen Der Großteil der 3.448 Neuzugänge im Schuljahr 2017/18 kam mit einem Real- oder Hauptschulab - schluss83 als höchstem allgemeinen Schulabschluss an die beruflichen Schulen in Darmstadt (Abb. 69). Neuzu- gänge mit (Fach-)Hochschulreife waren nur im dualen System zu finden. Der mittlere Abschluss (Realschul - abschluss) hatte sowohl im dualen System als auch an Schulen zum Erwerb einer Hochschulzugangsberech - tigung großes Gewicht, während ins Übergangs- und Schulberufssystem jeweils überwiegend Schüler*innen mit Hauptschulabschluss wechselten. Der Anteil der Schüler*innen, der ohne Hauptschulabschluss bzw. nach Abbruch eines Bildungsganges an die beruflichen Schulen kam, lag bei 3 % bzw. 1 %. Bei 15 % der Neu - zugänge ins Berufsbildungssystem fehlte der Eintrag des höchsten allgemeinen Schulabschlusses in der LUSD. Diese fehlenden Einträge können im Übergangs - system größtenteils durch 64 Seiteneinsteiger*innen erklärt werden. Einige Seiteneinsteiger*innen sind zum Schuljahr 2017/18 jeweils auch ins Schulberufssystem (9 Seiteneinsteiger*innen) sowie ins duale System (28 Seiteneinsteiger*innen) eingetreten. Abbildung 70 zeichnet die Entwicklung der Neueintrit - te ins duale System nach höchstem Schulabschluss 8 3 Die Zusammenfassung der Abschlüsse in der LUSD erfolgte in Anlehnung an Schedding-Kleis (2015) und ist online in den Zusatzinformationen zu diesem Kapitel zu finden. Abb. 69: Höchster allgemeiner Schulabschluss von neueingetretenen Schüler*innen nach Teilbereichen (Schuljahr 2017/18) Berufsbildungssystem insgesamt (n=3.512) duales System (n=2.288) Übergangssystem (n=392) Schulberufssystem (n=176) Erwerb einer HZB (n=656) 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % 90 % 100 % Quelle: LUSD Abbruch (vorzeitiges Verlassen des Bildungsganges) ohne Haupt schul- abschluss Hauptschulabschluss mittlerer Abschluss Fachhochschulreife Abitur sonstiger Abschluss kein Eintrag 356 772 520 408 191 21 109 138 35 27 28 51 1.531 211 297 920 210 297 17 590 Abb. 70: Entwicklung der Neueintritte in das duale System nach höchstem allgemeinem Schulabschluss 1.000 800 600 400 200 2010/11 (n=2.219) 2011/12 (n=2.310) 2012/13 (n=2.376) 2013/14 (n=2.206) 2014/15 (n=2.122) 2015/16 (n=2.184) 2016/17 (n=2.158) 2017/18 (n=2.288) mittlerer Abschluss Hauptschulabschluss Abitur Fachhochschulreife ohne Haupt schul abschluss sonstiger Abschluss kein Eintrag Quelle: LUSD 85II Bildung im Lebensverlauf nach. Insgesamt ist die Zahl der Neueintritte seit dem Schuljahr 2010/11 weitgehend konstant. Die meisten Schüler*innen beginnen eine duale Ausbildung nach wie vor mit einem mittleren Abschluss, wobei deren Anteil leicht abnimmt. Einen starken Rückgang gab es seit dem Schuljahr 2016/17 bei den Schüler*innen mit Hauptschulabschluss. Zugleich nimmt die Zahl der Neu - zugänge mit Abitur und Fachhochschulreife zu. Diese Entwicklung steht im Einklang mit dem deutschland - weiten Rückgang des Anteils der Hauptschulabschlüsse seit 2004 bei gleichzeitiger Zunahme des Anteils der all - gemeinen Hochschulreife an den allgemeinen Schulab - schlüssen (Statistisches Bundesamt 2016). Knapp 38 % der Schüler*innen, die zum Schuljahr 2017/18 ins duale System eintraten, waren weiblich. Ei - nen Migrationshintergrund hatten 31 %. 27 % der Schüler*innen ohne Migrationshintergrund, die zum Schuljahr 2017/18 eine duale Ausbildung be - gannen, verfügten über eine Fachhochschulreife oder Abitur; bei Schüler*innen mit Migrationshintergrund waren es knapp 12 % (Abb. 71). 24 % der Schüler*in - nen mit Migrationshintergrund hatten zu Beginn ihrer Ausbildung einen Hauptschulabschluss und 35 % einen mittleren Abschluss; bei Schüler*innen ohne Migrations - hintergrund waren es 15 % bzw. 42 %. Der Anteil der Frauen, die zum Schuljahr 2017/18 ei - nen Bildungsgang im Schulberufssystem begannen, lag bei 57 %. Einen Migrationshintergrund hatten 63 % aller Schüler*innen. Neuzugänge im Übergangssystem waren zu 34 % weiblich und 62 % hatten einen Migra - tionshintergrund. Schüler*innen, die in Schulen zum Erwerb einer Hochschulzugangsberechtigung eintraten, waren zu 50 % weiblich, 43 % hatten einen Migrations - hintergrund. Innerhalb dieser drei Teilbereiche des Be - rufsbildungssystems waren im Zusammenhang mit den sozio-demographischen Merkmalen Geschlecht und Mi - grationshintergrund keine Unterschiede beim höchsten allgemeinen Schulabschluss zu beobachten. 13.4 Abschlüsse und Abbrüche an beruflichen Schulen84 An beruflichen Schulen wird in der Schulstatistik grund - sätzlich zwischen Abgänger*innen und Absolvent*innen unterschieden: Abgänger*innen haben einen berufli - chen Bildungsgang vollständig durchlaufen, jedoch das Ziel des Bildungsganges, das in einem Abschluss oder der regelmäßigen Teilnahme besteht, nicht erreicht. Absolvent*innen haben einen Bildungsgang erfolgreich beendet. Das vorzeitige Verlassen eines Bildungsgangs wird als Abbruch erfasst. Darüber hinaus werden an den beruflichen Schulen allgemeinbildende Schulabschlüsse erworben. Duales System 2011/12 und 2012/13 lag der Anteil der Abbrüche bei 26 %. Seitdem gab es einen leichten Rückgang auf etwa 20 % im Schuljahr 2016/17. Demgegenüber steht 2016/17 ein Absolvent*innenanteil von 70 %. Der Anteil der Abgänger*innen ist mit ca. 2 % gering. Der Anteil von Frauen im dualen System beträgt ca. 40 %; bei den Anteilen der Abschlüsse und Abbrüche gibt es kaum Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Der Anteil der Abbrüche war 2017/18 bei Schüler*innen mit Migra- tionshintergrund rund 7 % höher als bei Schüler*innen ohne Migrationshintergrund (Abb. 72). 8 4 Im vorliegenden Kapitel werden ausschließlich die Abschlüsse an öffentlichen beruflichen Schulen dargestellt, da für die Privatschulen nur unvollständige Daten vorliegen. Abb. 71: Neueintritte in das duale System zum Schuljahr 2017/18 nach höchstem allgemeinen Schulabschluss und Migrationshintergrund 90 % 8 0 % 70 % 6 0 % 5 0 % 4 0 % 30 % 20 % 10 % mit Migrationshintergrund (n=715) ohne Migrationshintergrund (n=1.573) Abbruch (vorzeitiges Verlassen des Bildungsganges) ohne Haupt schul abschluss Hauptschulabschluss mittlerer Abschluss Fachhochschulreife Abitur sonstiger Abschluss kein Eintrag Quelle: LUSD 32 171 174 254 50 265 237 197 666 160 86 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 Abb. 72: Abschlüsse und Abbrüche im dualen System nach Migrationshintergrund 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % 90 % 100 % Quelle: LUSD; ohne Privatschulen 2010/11 mit Migrationshintergrund ohne Migrationshintergrund 2011/12 mit Migrationshintergrund ohne Migrationshintergrund 2012/13 mit Migrationshintergrund ohne Migrationshintergrund 2013/14 mit Migrationshintergrund ohne Migrationshintergrund 2014/15 mit Migrationshintergrund ohne Migrationshintergrund 2015/16 mit Migrationshintergrund ohne Migrationshintergrund 2016/17 mit Migrationshintergrund ohne Migrationshintergrund Abbruch (vorzeitiges Verlassen) Abschluss kein Abschluss (nach Beendigung) 1.907 137397 341 38110 176 287 17 532 1.670 179 330 26 530 1.616 161 343 32 424 1.536 52 216 355 15 434 1.577 167 406 27 317 1.527 159 425 24 365 1.482 Abb. 73: Abschlüsse und Abbrüche im Schulberufssystem nach Geschlecht 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % 90 % 100 % Quelle: LUSD; ohne Privatschulen 2010/11 weiblich männlich 2011/12 weiblich männlich 2012/13 weiblich männlich 2013/14 weiblich männlich 2014/15 weiblich männlich 2015/16 weiblich männlich 2016/17 weiblich männlich Abbruch (vorzeitiges Verlassen) kein Abschluss (nach Beendigung) Abschluss Gleichstellung mit mittlerem Abschluss schulischer Teil der Fachhochschul- reife 54 666 2886 47 1968 125 10 63 64 10118 79 65 1772 61 94 129 10 15 58 77 50 5 13 76 65 134 20 66 74 56 7 13 54 18 123 64 30 49 18 78 74 6 49 39 146 71 59 23 67 67 49 25 153 56 62 22 86 70 87II Bildung im Lebensverlauf Schulberufssystem Bei den vollzeitschulischen Bildungsgängen liegt die Abbrecher*innenquote ebenfalls bei ca. 20 %. Seit 2014/15 ist ein starker Rückgang der Abgänger*innen, die ihren Bildungsgang ohne Erfolg beenden, bei gleich - zeitigem Anstieg der Gleichstellungen mit einem mittle - ren Abschluss zu verzeichnen. Insgesamt gab es in den letzten Jahren einen leichten Anstieg des Anteils von Absolvent*innen. Dieser lag im Schuljahr 2016/17 bei 46 %. Insgesamt betrachtet, brechen im Schulberufssys - tem mehr Männer als Frauen ihren Bildungsgang vorzei - tig ab; der Anteil an Abbrüchen ist bei den Schülern fünf bis zehn Prozentpunkte höher als bei den Schülerinnen (Abb. 73). Der Anteil der Absolvent*innen lag seit dem Schuljahr 2013/14 bei Schüler*innen ohne Migrations - hintergrund mind. 10 % höher als bei den Schüler*innen mit Migrationshintergrund. Übergangssystem Hier sind über die Jahre hinweg große Schwankungen bei der Zahl der Abschlüsse und Abbrüche zu beob - achten (Abb. 74). Seit 2011/12 erhalten 20 – 30 % der Schüler*innen eine Gleichstellung mit einem (qualifizie - renden) Hauptschulabschluss. Die Zahl der Abbrüche im Übergangssystem hat sich seit dem Schuljahr 2015/16 um mehr als die Hälfte im Vergleich zu den Vorjahren re- duziert. Auch bei den sozio-demographischen Merkma - len Geschlecht und Migrationshintergrund gibt es von Schuljahr zu Schuljahr große Schwankungen. Erwerb einer Hochschulzugangsberechtigung Etwa 60 % der Schüler*innen an Fachoberschulen und beruflichen Gymnasien machen die Fachhochschulreife und ca. 12 % erreichen das Abitur, während ca. 16 % 8 0 % 6 0 % 4 0 % 20 % 2010/11 2011/12 2012 /13 2013/14 2014/15 2015/16 2016/17 Abbruch (vorzeitiges Verlassen) kein Abschluss (nach Beendigung) Abschluss Gleichstellung mit Hauptschulabschluss Gleichstellung mit qualifizierendem Hauptschulabschluss Abb. 74: Abschlüsse und Abbrüche im Übergangssystem Quelle: LUSD; ohne Privatschulen 55 75 165 38 34 95 48 45 20 142 75 89 30 22 73 128 21 12 108 28 42 91 57 39 84 19 18 50 78 43 61 Abb. 75: Abschlüsse und Abbrüche an Schulen zum Erwerb einer HZB nach Abschluss und Migrationshintergrund 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % 90 % 100 % Quelle: LUSD; ohne Privatschulen 2010/11 mit Migrationshintergrund ohne Migrationshintergrund 2011/12 mit Migrationshintergrund ohne Migrationshintergrund 2012/13 mit Migrationshintergrund ohne Migrationshintergrund 2013/14 mit Migrationshintergrund ohne Migrationshintergrund 2014/15 mit Migrationshintergrund ohne Migrationshintergrund 2015/16 mit Migrationshintergrund ohne Migrationshintergrund 2016/17 mit Migrationshintergrund ohne Migrationshintergrund Abbruch (vorzeitiges Verlassen) kein Abschluss (nach Beendigung) Gleichstellung mit mittlerem Abschluss Fachhochschul- reife schulischer Teil der Fachhochschul- reife Abitur 106 55 104429 43 1119 76 53 13 133 15 121 20 367 85 48 7 145 20 979 8406 81 32 8 155 21 80 380 75 35 25 7 177 23 1979 381 8948 56 25 159 14 84 44 363 78 37 16 935 107 92 30 8554 394 88 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 ihren Bildungsgang vorzeitig abbrechen. Dabei errei - chen bei den Schülerinnen durchschnittlich 8 % mehr die Fachhochschulreife als bei den Schülern, während Schüler etwas häufiger abbrechen und etwas häufiger Abitur machen als Schülerinnen. Insgesamt besuchen seit dem Schuljahr 2011/12 deutlich mehr Schüler*in - nen mit Migrationshintergrund eine Schule zum Erwerb einer Hochschulzugangsberechtigung. Der Anteil, der Schüler*innen, die die Fachhochschulreife erhalten, ist bei Schüler*innen mit und ohne Migrationshintergrund annähernd gleich (Abb. 75). Seit dem Schuljahr 2015/16 ist der Anteil der Schüler*innen, die die Fachhochschul - reife erwerben, bei den Schüler*innen mit Migrations - hintergrund etwas größer als bei den Schüler*innen ohne Migrationshintergrund. Der Anteil der Schüler*in - nen, die Abitur machen, liegt bei Schüler*innen ohne Migrationshintergrund um durchschnittlich 6 % höher als bei Schüler*innen mit Migrationshintergrund. 89II Bildung im Lebensverlauf Das Kapitel Bildung im Sozialraum soll als Versuch ver - standen werden, Bildung in jeglicher Form – formal, non-formal oder informell – in Darmstadt zu verorten. Es soll ein Überblick gewonnen und der Frage nachge - gangen werden, inwiefern Strukturen – wie sie z. T. in den Kapiteln zuvor beschrieben wurden – im Raum (wieder) zu erkennen sind. Die folgenden drei Karten wurden analog zu den vorangegangenen Kapiteln nach Lebensalter differenziert. Die Auflistung der Orte 85, an denen Bildung stattfindet bzw. stattfinden kann, ist je - doch nicht abschließend. Schließlich sind die Möglich - keiten in den Bereichen non-formaler und insbesondere informeller Bildung nahezu unerschöpflich. So konnte bspw. der Bereich Sport mit seinen Sportplätzen und Sportstätten aufgrund einer fehlenden Datenbasis nicht abgebildet werden. Zu nennen wären außerdem die mit dem schwarzen Dreieck dargestellten Bildungsor - te und Lernwelten, deren Auflistung nicht abschließend ist. Bildungsorte sind hier als abgrenzbare und stabile Angebotsstrukturen mit einem expliziten oder impli - ziten Bildungsauftrag zu verstehen (wie z. B. Übungs - leiterausbildungen). Lernwelten sind hingegen weniger standardisiert sowie zeitlich und räumlich weniger ein - gegrenzt – so z. B. der Freizeitsport. Zudem soll auch die Übersichtlichkeit gewährleistet sein. Interessant ist dieser Ansatz der Verräumlichung, da Raum oder vielmehr räumliche Nähe oder Ferne einen (starken) Einfluss auf das Verhalten bzw. die Entschei - dungen von Bildungsteilnehmer*innen haben kann. Müssen größere Distanzen überwunden werden, gestal - ten sich die An- und Abreise zeit- und evtl. ressourcen - intensiver. Zudem sind längere Distanzen der Sponta - nität nicht immer zuträglich. Der Zugang zu Orten der Bildung kann demnach erschwert sein, wenn weitere Di - stanzen zu überwinden sind; eine räumliche Nähe zum Ort, an dem Bildung stattfindet, könnte wiederum den Zugang erleichtern. Auffällig in Karte 1 für das Lebensalter 0 – 6 Jahre sind die zahlreichen Kindertageseinrichtungen in freier Trä - gerschaft, aber auch die vielen Kindergärten und Kin - dertagesstätten in städtischer oder kirchlicher Hand. Insbesondere im und um das Martinsviertel herum ist – wie auch in anderen städtebaulich verdichteten Räumen, der Nachfrage entsprechend – eine hohe Dichte von An - geboten der Kindertagesbetreuung (von freien Trägern) zu erkennen. Bildungsorte und Lernwelten sind zumeist zentral im Bereich der Stadtmitte gelegen. Spielplätze sind flächendeckend verteilt und sowohl im eher aufge - lockerten Stadtbild als auch in baulich verdichteten Ge - bieten vorzufinden. Wie Karte 2 für das Lebensalter 6 – 10 Jahre zu entneh - men ist, sind die Grundschulen entsprechend der Idee der Schulbezirke gleichmäßig auf die Wohngebiete ver - teilt. Grundschulen bieten zudem noch Betreuung im Rahmen der Schulkindbetreuung oder des Pakts für den Nachmittag an. Die Horte befinden sich v. a. im Zent - rum, Westen und Süden Darmstadts. Angebote der Kin - der- und Jugendarbeit sind – unabhängig von ihrer Trä - gerschaft – ebenfalls gleichmäßig über das Stadtgebiet verteilt. In dem nun höheren Lebensalter sind zudem Ballspielplätze und Freizeitsportanlagen für Kinder at - traktiv, die zumeist rund um die Wohngebiete angelegt sind. In Karte 3 für das Lebensalter 10 – 18 Jahre wird die Vielzahl der Gymnasien und beruflichen Schulen deutlich. D Im Überblick: Bildung im Sozialraum 8 5 Die Auswahl der hier aufgeführten Orte fand in Abstimmung mit dem Jugendamt und dem Städtischen Schulamt statt. Daten wurden aus dem Jugendamt, dem Städtischen Schulamt, dem Grünflächenamt und der Abteilung für Statistik und Stadtforschung zur Verfügung gestellt. Die IT-Abteilung erstellte wiederum mit GeoMedia Smart Client die Karten. 90 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 Karte 1: Orte der formalen, non-formalen und informellen Bildung in Darmstadt für das Lebensalter 0 – 6 Jahre 0 1000 2000 3000 m Legende Bildungsorte / Lernwelten Kindertagesbetreuung Kinderkrippe evangelische Kirche freier Träger katholische Kirche privat-gewerblich Stadt Darmstadt Kindergarten evangelische Kirche freier Träger katholische Kirche Stadt Darmstadt Spielplätze Kinder- und Ballspielplatz Kinderspielplatz Stand: Juni 2018 91II Bildung im Lebensverlauf Karte 2: Orte der formalen, non-formalen und informellen Bildung in Darmstadt für das Lebensalter 6 – 10 Jahre 0 1000 2000 3000 m Legende Bildungsorte / Lernwelten Horte evangelische Kirche freier Träger Stadt Darmstadt Kinder- und Jugendarbeit l freie Trägerschaft l kommunale Trägerschaft Öffentliche Schulen Grundschule mit Pakt Grundschule mit SKB Förderschule Förderschule mit Pakt Private Schulen Grundschule Spielplätze Ballspielplatz Freizeitsportanlage Kinder- und Ballspielplatz Kinderspielplatz Stand: Juni 2018 92 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 Karte 3: Orte der formalen, non-formalen und informellen Bildung in Darmstadt für das Lebensalter 10 – 18 Jahre 0 1000 2000 3000 m Stand: Juni 2018 Legende Bildungsorte / Lernwelten Kinder- und Jugendarbeit l freie Trägerschaft l kommunale Trägerschaft Öffentliche Schulen berufliche Schule Gesamtschule Gymnasium Haupt- und Realschule Private Schulen berufliche Schule Gesamtschule Gymnasium Realschule Spielplätze Ballspielplatz Freizeitsportanlage Kinder- und Ballspielplatz Kinderspielplatz 93 Der vorliegende 1. Bildungsbericht gibt entlang der Lern- und Lebensphasen von Kindern, Jugendlichen und jun - gen Erwachsenen einen ersten Überblick über die Bil - dungslandschaft der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Er gibt Hinweise, in welchen Bereichen es Handlungsbedarf für die Akteure vor Ort gibt. Er macht aber ebenso deut - lich, dass ein Bildungsmonitoring nach Vorlage eines solchen Berichts nicht abgeschlossen sein kann, son - dern einen kontinuierlichen Prozess darstellt. Dazu bedarf es weiterer Daten, um die jeweiligen Lern - bereiche genauer beleuchten zu können und Zusam - menhänge zu identifizieren. Hierbei gilt es, einerseits vorhandene Daten verstärkt amts- und institutionsüber - greifend zu bündeln und neu zu bewerten, andererseits die vorhandene Datenbasis entsprechend konkreter Fra - gestellungen und Bedarfe zu pflegen und auszubauen. Hierzu ist eine Priorisierung der Handlungsfelder von großer Bedeutung. Um den unterschiedlichen sozialen Voraussetzungen in den Teilen der Stadt gerecht werden zu können, braucht es stadtteilbezogene oder sozialräumliche Analysen, wie dies beispielsweise die Betrachtung der sozialen Belas - tung der Schulbezirke in Kapitel I Rahmenbedingungen andeutet. Eine solche sozialräumliche Betrachtung kann die Grundlage dafür sein, entsprechend der ungleichen Voraussetzungen, ungleiche und damit dem jeweiligen Unterstützungsbedarf entsprechende Maßnahmen und Investitionen anzusetzen. Im Folgenden werden entlang der Lebensphasen erste wichtige Handlungsfelder aufgezeigt, die sich aus den Daten und Erkenntnissen des vorliegenden Bildungsbe - richts ergeben. Frühe Kindheit bis Schuleintritt Der aufgezeigte positive Zusammenhang von Sprach - kompetenz und Verweildauer in der Kindertageseinrich - tung bei Kindern mit Migrationshintergrund macht deut - lich, dass es hier Ursachen und Wege zu finden gilt, eine längere Besuchszeit der Kinder zu erreichen. Aus der Schuleingangsuntersuchung geht hervor, dass Jungen im Bereich Sprache wie in anderen Bereichen gegenüber Mädchen einen erhöhten Förderbedarf auf - weisen. Nun gilt es zunächst diesen Befund zu analysie - ren, um anschließend Modelle zu entwickeln, die eine gezielte Förderung von Jungen in Kindertageseinrich - tungen und Grundschulen ermöglichen. Um Kindern einen guten Schulstart zu ermöglichen, ist deren Begleitung beim Übergang von der Kindertages - stätte in die Grundschule durch alle Beteiligten notwen - dig. Neben der Einbindung der Eltern ist hier insbeson - dere die Kooperation von Kindertageseinrichtungen und Schulen von großer Bedeutung. Im Sinne einer Quali - tätssicherung ist eine Erfassung der Zusammenarbeit vor Ort und die weitere Etablierung unterstützender Strukturen anzustreben. Nicht alle Kinder, denen der Besuch eines Vorlaufkur - ses zur Sprachförderung im letzten Vorschuljahr emp - fohlen wird, besuchen einen solchen. Teilweise finden Vorlaufkurse in den Kindertageseinrichtungen, teilweise in den Grundschulen statt. Damit Kinder diese Chance einer gezielten Sprachförderung zur Erleichterung des Schul einstiegs ergreifen können, sind die Gründe für eine Nicht-Teilnahme genauer zu beleuchten und ggf. die Strukturen der Vorlaufkurse zu optimieren. Grundschulalter Die vorliegenden Daten verdeutlichen den Trend, nach der Grundschule gymnasiale Bildungsgänge zu wählen. Bei Kindern mit Migrationshintergrund ist dieser Trend weniger stark ausgeprägt. Um Eltern und Kindern eine gute Entscheidungsgrundlage zu liefern, ist ein größt - mögliches Maß an Transparenz über die verschiedenen Möglichkeiten, Abschlüsse und Qualifikationen anzustre - ben. Ziel muss es sein, Kinder entsprechend ihrer Leis - tungen und Kompetenzen zu fördern und nicht zu über- oder unterfordern. Hierbei gilt es, deutlich zu machen, dass viele Wege zu Qualifikationen führen, die später gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt bieten. Jugendalter bis zum Einstieg in den Beruf Die Anerkennung der Diversität der Gesellschaft ist eine wichtige Voraussetzung des Zusammenlebens in einer Stadt. Im Bereich Bildung steht die inklusive Beschulung, also das gemeinsame Lernen an allgemeinbildenden Schulen, besonders im Fokus der Diskussionen und An - strengungen. Kinder mit Förderbedarf sollen nicht aus - geschlossen werden und die Wahl zwischen inklusiver Beschulung und dem Besuch einer Förderschule haben. Die aufgezeigte Diskrepanz zwischen inklusiver Beschu - lung an Grundschulen und weiterführenden Schulen ist weiter zu beobachten und zu analysieren. Dabei gilt es, insbesondere Hindernisse inklusiver Beschulung im Be - reich der Sekundarstufe I aufzuzeigen und zu bewerten. III Ausblick auf Handlungsbedarfe 94 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 Jugendliche mit Migrationshintergrund machen deutlich seltener das Abitur als Jugendliche ohne Migrationshin - tergrund. Die Gründe hierfür sind aufzudecken und ggf. eine Angleichung der Abiturquoten anzustreben. Zentral ist dabei, gute Bildungschancen für alle zu gewährleis - ten und niemanden zurückzulassen. Der Großteil der jungen Menschen im Übergangssys - tem der beruflichen Schulen hat einen Migrationshin - tergrund. Die Angebote im Übergangssystem bereiten die Jugendlichen auf eine Berufsausbildung vor und ermöglichen das Nachholen eines allgemeinbildenden Schulabschlusses. In diesem Zusammenhang ist zu be - leuchten, wieso insbesondere Jugendliche mit Migra - tionshintergrund diesen nicht an allgemeinbildenden Schulen erlangen und welche Förderung ggf. bereits dort ansetzen könnte. Ein Fünftel der Schüler*innen im dualen Berufsbildungs - system und in den vollzeitschulischen Bildungsgängen an Berufsfachschulen bricht eine Ausbildung vor dem Erlangen eines Abschlusses ab. Solche Abbrüche be - deuten für die Schüler*innen eine persönliche Heraus - forderung, im Falle der dualen Berufsausbildung auch eine Herausforderung für die ausbildenden Betriebe. Ziel muss es sein, die Zahl der Abbrüche an den berufli - chen Schulen zu senken und zu ergründen, welche Ur - sachen es für Abbrüche gibt, um diesen entgegenwirken zu können. Altersübergreifend Der dargestellte zu erwartende Anstieg der Ein woh- ner*innen zahl weist auf einen erhöhten infrastrukturel - len Bedarf auch im Bildungsbereich. Betreuungs- und Bildungsstrukturen für unterschiedliche Altersgruppen sind demnach auszubauen, um auch zukünftig gute Bil - dungsvoraussetzungen vorweisen zu können. Das Bildungs- und Teilhabepaket soll Kindern und Ju - gendlichen aus einkommensschwachen Familien einen besseren Zugang zu Bildung und damit auch die Teilha - be am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Nicht alle Leistungsarten werden in gleichem Maße in Anspruch genommen. Damit das Bildungs- und Teilhabepaket seiner Zielsetzung gerecht werden kann, ist bei den be - troffenen Kindern und Jugendlichen eine Erhöhung der Inanspruchnahme anzustreben. Damit Menschen Bildungsentscheidungen auf einer gu - ten Grundlage treffen können, ist das Wissen um die verschiedenen Möglichkeiten eine zwingende Vorausset - zung. In diesem Sinne ist ein höheres Maß an Transpa - renz und Information über Bildungswege allgemein und das Bildungsangebot vor Ort anzustreben. Bei allen Bestrebungen und Maßnahmen ist zu beach - ten, gerechte Bildungschancen für Jungen und Mädchen, für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund zu gewährleisten. Mit gezielter Förderung der verschie - denen Gruppen ist systembedingten Ungleichheiten entgegenzuwirken. Für die weiteren Schritte kann auf die gute Datenlage bei der Wissenschaftsstadt Darmstadt aufgebaut wer - den, um kleinräumige Handlungsstrategien für die unterschiedlichen Bildungsorte zu entwickeln und umzusetzen. 95 Allgemeinbildende Schulen Zu den allgemeinbildenden Schulen gehören Grund-, Haupt-, Förder-, Real-, Gesamtschulen und Gymnasien. Sie sind das Pendant der beruflichen Schulen. Allgemeine Schulen Zu den allgemeinen Schulen zählen die Grund- Haupt-, Real- und Gesamtschulen sowie Gymnasien. Sie sind das Pendant zu Förderschulen und werden auch als „Regelschulen“ bezeichnet. Ausländer*innen Als Ausländer*innen gelten alle Personen, die nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Personen mit mehreren Staatsangehörigkeiten, darunter die deut - sche, werden als Deutsche geführt. Berufliche Schulen Zu den beruflichen Schulen gehören Berufsschulen, Berufsfachschulen, Fachoberschulen, Fachschulen und das berufliche Gymnasium. Sie sind das Pendant der allgemeinbildenden Schulen. Berufliches Gymnasium Erwerb der allgemeinen Hochschulreife, Verbindung von allgemeinem Lernen mit beruflichem Lernen durch eine berufliche Fachrichtung. Berufsfachschule Bietet ein- und zweijährige, vollzeitschulische Berufs - ausbildungen an. Des Weiteren können allgemeinbil - dende Schulabschlüsse bis hin zur Fachhochschulreife erworben werden. Berufsschulen Die Berufsschulen sind Pflichtschulen mit folgenden Aufgaben: allgemeine Vermittlung berufsbezogener und allgemeinbildender Lerninhalte, Erarbeitung beruflicher Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse. Der schulische Teil einer dualen Ausbildung findet an der Berufsschule statt. Bildungsmanagement Die Einführung eines Bildungsmanagements umfasst alle Aktivitäten zur systematischen Gestaltung des Bil - dungssystems. Dazu gehört die strategische Steuerung über Zielvorgaben, die Einführung neuer Steuerungs - instrumente und die Entwicklung neuer Strukturen im Bildungswesen in Form von Netzwerken. Bildungsmonitoring Datengestützter, kontinuierlicher Beobachtungs- und Analyseprozess des gesamten Bildungswesens bzw. einzelner Teilbereiche mittels empirisch-wissenschaft - licher Methoden. Eingangsstufe In die Eingangsstufe können Kinder, die bis zum 30. Juni das fünfte Lebensjahr vollenden, aufgenom - men werden. Innerhalb von zwei Schuljahren werden sie dann kontinuierlich an die unterrichteten Lern- und Arbeitsformen der Grundschule herangeführt. Die Ein - gangsstufe ist Bestandteil der Grundschule und ersetzt die Jahrgangsstufe 1. Fachoberschule (FOS) In Fachoberschulen erfolgt die Verzahnung einer praktischen Ausbildung in Form eines gelenkten Prak - tikums oder einer Berufsausbildung mit einer theore - tisch orientierten Bildung. Sie führt zum Erwerb der Fachhochschulreife. Fachschulen Fachschulen dienen der vertiefenden beruflichen Bildung und werden nach einer Berufsausbildung oder einer ausreichenden Berufspraxis besucht. Flexibler Schulanfang Grundschulen können die Jahrgangsstufe 1 und 2 curricular und unterrichtsorganisatorisch in dem durch den Lehrplan und Stundenplan gesetzten Rahmen zu einer pädagogischen Einheit zusammenfassen. Der Unterricht erfolgt in jahrgangs- und entwicklungsge - mischten Lerngruppen. Die Schüler*innen können nach ihrem jeweiligen Leistungs- und Entwicklungsstand die zusammengefassten Jahrgangsstufen 1 und 2 auch in einem oder in drei Schuljahren durchlaufen. Förderschulen Schulpflichtige Kinder mit umfassenden und langan - haltenden Beeinträchtigungen (u. a. in den Bereichen Lernen, Emotionale Entwicklung, Sprache) oder Behin - derungen und Einschränkungen, die einen Anspruch auf sonderpädagogische Förderung haben, können auf Wunsch der Eltern eine entsprechende Förderschule besuchen. Förderstufe Die Förderstufe wird auch als Orientierungsstufe be - zeichnet und wird in den Stufen 5 und 6 an verbunde - nen Haupt- und Realschulen, an der schulformbezoge - Glossar 96 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 nen (kooperativen) Gesamtschule oder als Bestandteil der Grundschule angeboten. Formale Bildung Formales Lernen findet in Bildungs- und Ausbildungs - einrichtungen statt und führt zu anerkannten Abschlüs - sen und Qualifikationen. Grundschulen Grundschulen umfassen die Stufen 1 bis 4. Der Eintritt in die 1. Klasse ist für alle Kinder verpflichtend, die bis zum 30. Juni des Aufnahmejahres das 6. Lebensjahr vollenden. Gymnasien Das Gymnasium baut als weiterführende Schulform auf der Grundschule auf. Es umfasst die Mittelstufe (Sekundarstufe I) und die gymnasiale Oberstufe (Sekundarstufe II). Seit dem Schuljahr 2005/06 wurde beginnend mit der Jahrgangsstufe 5 die Schulzeit - verkürzung im gymnasialen Bildungsgang eingeführt. Beginnend ab dem Schuljahr 2013/14 besteht die Wahlmöglichkeit zwischen einer fünfjährigen (G 8) oder sechsjährigen (G 9) Organisation der Sekundarstufe I für die Gymna sien. Der erfolgreiche Abschluss vermittelt die allge meine Hochschulreife. Hauptschule Der Übergang an die Hauptschule erfolgt nach Stufe 4 der Grundschule oder Stufe 6 der Förderstufe. Sie umfasst in der Regel fünf Jahre. Hauptschulabschluss Am Ende der Stufe 9 erhalten die Schüler*innen nach erfolgreicher Teilnahme an den Abschlussprüfungen den Hauptschulabschluss. Bei zusätzlicher Prüfungs - teilnahme im Fach Englisch, sowie einer Gesamtnote von mindestens 3,0 wird der qualifizierende Haupt - schulabschluss erworben. Hochschulreife Mit der bestandenen Abiturprüfung wird die Berechti - gung erworben, ein Studium an einer Fachhochschule oder Universität in Deutschland zu beginnen. Informelle Bildung Informelles Lernen ist die natürliche Begleiterscheinung des Lebens. Hierunter werden nicht zielgerichtete Lern - prozesse durch (Lebens-)Erfahrung verstanden. Inklusive Bildung Grundlagen inklusiver Bildung sind das gemeinsame Lernen und die gemeinsame Erziehung von Kindern mit und ohne Behinderung. (KMK 2011) Integrierte Gesamtschule (IGS) An integrierten Gesamtschulen werden die getrennten Schulformen Hauptschule, Realschule und Mittelstufe des Gymnasiums zu Gunsten eines Kernkurssystems aufgegeben. Unterricht findet bis einschließlich Stufe 10 statt. Intensivklassen Schüler*innen mit nicht-deutscher Herkunftsspra - che, die bereits im Schulalter sind (sog. Seiten - einsteiger*innen), werden an den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in Intensivklassen mit gezielter Sprachförderung unterrichtet, bevor sie in den Regel - unterricht übergehen. Allgemeinbildende Schulen: Deutsch als Zweitsprache (DaZ), berufliche Schulen: Landesprogramm „Integration durch Anschluss und Abschluss“ (InteA). Kooperative Gesamtschule (KGS) Kooperative Gesamtschulen umfassen Hauptschul-, Real schul- und Gymnasialzweige bis Stufe 10, die an einer Schule nach Zweigen getrennt unterrichtet werden. Lernorte Die Umgebung, in der sich Lernen vollzieht. Lernorte umfassen alle potenziellen Orte und Räume, in denen sich das Lernen vollzieht. In dieser Lesart werden auch gesellschaftliche Institutionen wie z. B. Museen, Biblio- theken, Theater zu Lernorten. Migrationshintergrund Dem Begriff Migrationshintergrund liegt keine ein - heitliche Definition zu Grunde. Je nach vorhandenem Datenmaterial und/oder betrachteten Personen (Ein - wohner*innen oder Schüler*innen) wird dieser unter - schiedlich definiert: Kapitel Rahmenbedingungen 3 Als Einwohner*innen mit Migrationshintergrund zählen alle Ausländer*innen, Eingebürgerte, im Ausland geborene Deutsche sowie Aussiedler*innen (persönlicher Migrationshintergrund). Kinder unter 18 Jahren, von denen mindestens ein Elternteil einen Migrationshintergrund hat, zählen ebenfalls zu den Einwohner*innen mit Migrationshintergrund (famili - ärer Migrationshintergrund). Hessische Lehrer- und Schülerdatenbank (LUSD): 3 Ein Migrationshintergrund wird allen Schüler*innen zugeschrieben, die eine nicht-deutsche Staatsan - gehörigkeit haben und/oder nicht in Deutschland geboren sind und/oder deren Verkehrssprache in der Familie nicht Deutsch ist. 97Glossar Schuleingangsuntersuchung (SEU) 3 Die untersuchenden Ärzte schätzen unabhängig von der Staatsangehörigkeit ein, welche sprachlich- kulturelle Herkunftsregion am meisten prägt. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Mutterspra - che. Es wird zwischen zehn Herkunftsregionen unterschieden. Mittlerer Abschluss Der mittlere Abschluss (Realschulabschluss) wird nach der erfolgreichen Abschlussqualifikation der Stufe 10 einer Realschule oder eines Realschulzweiges erreicht. Der qualifizierende Realschulabschluss wird zuerkannt, wenn die Durchschnittsnote in den Fächern Deutsch, Mathematik, der ersten Fremdsprache sowie in den übrigen Fächern gleichfalls jeweils mindestens befrie - digend (3,0) ist. Der qualifizierende mittlere Abschluss berechtigt zum Übergang in die gymnasiale Oberstufe, das berufliche Gymnasium und die Fachoberschule. Non-formale Bildung Non-formales Lernen findet außerhalb des Haupt - systems der allgemeinen und beruflichen Bildung statt und führt nicht zwangsläufig zum Erwerb von Qualifikationsnachweisen. Primarstufe Die Primarstufe umfasst die Stufen 1 bis 4 der Grund - schulen sowie Grundstufen an integrierten Gesamt - schulen und Förderschulen, einschließlich Eingangs - stufen und Vorklassen. Realschule Der Übergang in die Realschule erfolgt nach Stufe 4 der Grundschule oder Stufe 6 der Förderstufe. Seiteneinsteiger*innen p Intensivklassen Sekundarstufe I Die Sekundarstufe I umfasst die Mittelstufe an allge - meinbildenden Schulen mit den Stufen 5 – 10, im Falle von G8 die Stufen 5 – 9. Sekundarstufe II Die Sekundarstufe II umfasst die Oberstufe (Stufen 11 – 13 für G 9 bzw. Stufen 10 – 12 für G 8) an Gymnasien und beruflichen Schulen. Übergangssystem Bildungsgänge zur Berufsvorbereitung. Diese werden an Berufsschulen und Berufsfachschulen angeboten, um es noch nicht volljährigen Jugendlichen zu ermög - lichen, einen Schulabschluss nachzuholen und/oder eine Berufsauswahlentscheidung zu treffen und/oder Grundkenntnisse und Fertigkeiten für eine künftige Berufsausbildung zu erlernen. Ein Zugang ist ohne allgemeinen Schulabschluss möglich. Vorklassen Vorklassen werden von ( zurückgestellten) Kindern besucht, die zwar schulpflichtig, aber noch nicht schul - fähig sind. 98 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 Veröffentlichungen der Wissenschaftsstadt Darmstadt Wissenschaftsstadt Darmstadt (Hrsg.) (2018): Sozial - atlas Darmstadt. Beiträge zur Sozialberichterstattung 2018. Darmstadt. Wissenschaftsstadt Darmstadt (Hrsg.) (2017): Daten - report 2017. Darmstadt. Wissenschaftsstadt Darmstadt (Hrsg.) (2017): Demo - grafiebericht 3. Perspektiven für Darmstadt. Statisti - sche Mitteilungen 1/2017. Darmstadt. Wissenschaftsstadt Darmstadt (Hrsg.) (2016): Statisti - sche Berichte 2. Halbjahr 2016. Sonderbeitrag: Darm - stadts Vorschulkinder 2016 – eine Momentaufnahme zu Gesundheit und Deutschkenntnissen Darmstadt. Wissenschaftsstadt Darmstadt (Hrsg.) (2016): Statis - tische Berichte 1. Halbjahr 2016. Sonderbeitrag: Die Bevölkerung mit Migrationshintergrund in der Wissen - schaftsstadt Darmstadt. Darmstadt. Wissenschaftsstadt Darmstadt (Hrsg.) (2016): Bürge - rumfrage 2015 in der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Statistische Mitteilungen 1/2016. Darmstadt. Wissenschaftsstadt Darmstadt (2016): Bericht der Ver - sorgungsquote (Kindertagesbetreuung). Darmstadt. Wissenschaftsstadt Darmstadt (Hrsg.) (2014): Statisti - sche Berichte 1. Halbjahr 2014. Sonderbeitrag: Studie - rende in der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Darmstadt. Weitere Veröffentlichungen Autorengruppe Bildungsberichterstattung (Hrsg.) (2018): Bildung in Deutschland 2018. Ein indikatoren- gestützter Bericht mit einer Analyse zu Wirkungen und Erträgen von Bildung. Bielefeld: wbv Media. Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen (2017): Die UN- Behindertenkonvention. Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Verfüg - bar unter https://www.behindertenbeauftragter.de/ SharedDocs/Publikationen/UN_Konvention_deutsch. pdf?__blob=publicationFile&v=2 Betz, T. et al. (2017): Partner auf Augenhöhe? For- schungsbefunde zur Zusammenarbeit von Familien, Kitas und Schulen mit Blick auf Bildungschancen. 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Chancen und Stolpersteine interdisziplinärer Kooperation und Ver - netzung im Bereich der Frühen Hilfen und im Kinder - schutz. Nationales Zentrum Frühe Hilfen (Hrsg.). Ulm: Süddeutsche Verlagsgesellschaft Ulm. 100 Abbildungsverzeichnis Abb. 1: Bevölkerungsentwicklung in Darmstadt von 1960 bis heute S . 15 Abb. 2: Natürliche Bevölkerungsentwicklung in Darmstadt von 1960 bis heute S . 16 Abb. 3: Entwicklung der Studierendenzahlen in Darmstadt S . 17 Abb. 4: Verteilung von Kindern und Jugendlichen im Stadtgebiet Darmstadt: Anteile der 0- bis unter 18-Jährigen S . 20 Abb. 5: Anzahl und Formen der Kindertageseinrichtungen 2016 S . 27 Abb. 6: Träger der Plätze in der Kindertages- betreuung 2016 S . 27 Abb. 7: Träger der Plätze in Tageseinrichtungen für Kinder 2016 S . 28 Abb. 8: Entwicklung der U3-Versorgung S . 28 Abb. 9: Tagespflege und Krippenplätze S . 29 Abb. 10: Entwicklung der Ü3-Versorgung S . 29 Abb. 11: Betreuungsumfang in der Kindertagesbetreuung S . 29 Abb. 12: Betreuungszeit von Kindern nach Staatsangehörigkeit 2017 S . 30 Abb. 13: Betreuungszeit von Kindern nach vorrangiger Familiensprache 2017 S . 30 Abb. 14: Verweildauer in der Kindertageseinrichtung nach Geschlecht und Herkunft 2016 S . 31 Abb. 15: Verweildauer in der Kindertageseinrichtung nach ausgewählten Herkunftsregionen 2016 S . 31 Abb. 16: Verweildauer in der Kindertageseinrichtung im Zeitverlauf S . 31 Abb. 17: Deutschkenntnisse von Kindern mit Migrationshintergrund nach Geschlecht 2016 S . 35 Abb. 18: Deutschkenntnisse von Kindern mit Migra - tionshintergrund nach Herkunftsregion 2016 S . 35 Abb. 19: Deutschkenntnisse der Kinder mit Migra - tionshintergrund im Jahresvergleich S . 36 Abb. 20: Deutschkenntnisse von Kindern mit Migrationshintergrund in Abhängigkeit von den Deutschkenntnissen der Mütter 2016 S . 36 Abb. 21: Deutschkenntnisse von Kindern mit Migra - tionshintergrund in Abhängigkeit von der Verweil dauer in einer Kindertageseinrichtung 2016 S . 37 Abb. 22: Empfehlung und tatsächlicher Besuch von Vorlaufkursen S . 37 Abb. 23: Nationalität der Kinder in den Vorlaufkursen S . 38 Abb. 24: Entwicklung der Schüler*innenzahlen in der Primarstufe an allgemeinbildenden Schulen in Darmstadt S . 41 Abb. 25: Schüler*innen in der Primarstufe 2017/18 S . 42 Abb. 26: Schüler*innenschaft an öffentlichen und privaten Schulen in der Primarstufe 2017/18 nach Geschlecht und Migrationshintergrund S . 42 Abb. 27: Bildungspendler*innen in der Primarstufe – aus der Sicht Darmstadts S . 42 Abb. 28: Herkunftsregion der Einpendler*innen in der Primarstufe 2017/18 S . 43 Abb. 29: Zielregion der Auspendler*innen in der Primarstufe 2017/18 S . 43 Abb. 30: Schüler*innen in Eingangsstufe, flexiblem Schulanfang und Vorklasse S . 43 Abb. 31: Schüler*innenschaft in Eingangsstufe, flexiblem Schulanfang und Vorklasse 2017/18 S . 44 Abb. 32: Ärztliche Schulempfehlung für die 2016 untersuchten Kinder nach Einschulungsstatus S . 44 Abb. 33: Entwicklung der Schulempfehlung S . 45 Abb. 34: Kinder nach Einschulungsempfehlung im Vergleich 2016 S . 45 Abb. 35: Schüler*innen in der inklusiven Beschulung nach Förderschwerpunkt in der Primarstufe S . 46 Abb. 36: Schüler*innen in der Primarstufe im Vergleich 2016/17 S . 46 Abb. 37: Entwicklung der Inanspruchnahme der BuT- Leistungen in Darmstadt S . 54 Abb. 38: Zahl der Bewilligungen der einzelnen Leistungs - arten im Rechtskreis SGB II im Jahr 2017 S . 54 Abb. 39: Zahl der Bewilligungen der einzelnen Leistungs - arten im Rechtskreis AsylbLG im Jahr 2017 S . 54 Abb. 40: Ausgaben für BuT-Leistungen 2017 S . 55 Abb. 41: Entwicklung des Übergangs von der Grundschule an die weiterführenden Schulen in Darmstadt nach Schulform S . 58 101 Abb. 42: Schüler*innen in der Stufe 5 nach Schulform und Geschlecht S . 59 Abb. 43: Schüler*innen mit Migrationshintergrund in Stufe 5 nach Schulform 2017/18 S . 59 Abb. 44: Schüler*innen ohne Migrationshintergrund in Stufe 5 nach Schulform 2017/18 S . 59 Abb. 45: Schüler*innen in der Sekundarstufe I S . 61 Abb. 46: Schüler*innen in der gymnasialen Oberstufe nach Geschlecht S . 62 Abb. 47: Schüler*innen in der Sekundarstufe I nach Geschlecht S . 62 Abb. 48: Schüler*innen in der Sekundarstufe I nach Migrationshintergrund S . 63 Abb. 49: Schüler*innen in der gymnasialen Oberstufe nach Migrationshintergrund S . 63 Abb. 50: Bildungspendler*innen in den Sekundarstufen I + II S . 64 Abb. 51: Herkunftsregion der Einpendler*innen in den Sekundarstufen I + II 2017/18 S . 64 Abb. 52: Zielregion der Auspendler*innen in den Sekundarstufen I + II 2017/18 S . 64 Abb. 53: Entwicklung der inklusiven Beschulung nach Schultyp S . 65 Abb. 54: Schüler*innen in der inklusiven Beschulung nach Jahrgangsstufen S . 65 Abb. 55: Schüler*innen in der inklusiven Beschulung nach Förderschwerpunkt S . 66 Abb. 56: Wiederholer*innen an den weiterführenden Schulen in Darmstadt nach Schulform S . 68 Abb. 57: Abschlüsse und Abbrüche an allgemeinbildenden Schulen in Darmstadt S . 68 Abb. 58: Abschlüsse und Abbrüche an Gymnasien und Gymnasialzweigen in Darmstadt S . 69 Abb. 59: Abschlüsse und Abbrüche an Gymnasien und Gymnasialzweigen nach Abschluss und Staatsangehörigkeit S . 69 Abb. 60: Abschlüsse und Abbrüche an integrierten Gesamtschulen in Darmstadt S . 70 Abb. 61: Abschlüsse und Abbrüche an integrierten Gesamtschulen nach Abschluss und Staatsangehörigkeit S . 70 Abb. 62: Abschlüsse und Abbrüche an Förderschulen in Darmstadt S . 70 Abb. 63: Entwicklung der Schüler*innenzahlen im Darmstädter Berufsbildungssystem S . 81 Abb. 64: Schüler*innen im Darmstädter Berufsbildungs - system nach Geschlecht (Schuljahr 2017/18) S . 81 Abb. 65: Schüler*innen im Darmstädter Berufsbildungs - system nach Migrationshintergrund (Schuljahr 2017/18) S . 82 Abb. 66: Anteile der Schüler*innen in den Teilbereichen des Berufsbildungssystems nach Landkreis (Schuljahr 2017/18) S . 82 Abb. 67: Wohnorte der Schüler*innen in dualer Ausbildung, die eine Darmstädter Berufsschule besuchen (Schuljahr 2017/18) S . 83 Abb. 68: Verteilung der Betriebsorte der Darmstädter Berufschüler*innen in Städte und Kreise (Schuljahr 2017/18) S . 83 Abb. 69: Höchster allgemeiner Schulabschluss von neueingetretenen Schüler*innen nach Teilbereichen (Schuljahr 2017/18) S . 84 Abb. 70: Entwicklung der Neueintritte in das duale System nach höchstem allgemeinem Schulabschluss S . 84 Abb. 71: Neueintritte in das duale System zum Schuljahr 2017/18 nach höchstem allgemeinen Schulabschluss und Migrationshintergrund S . 85 Abb. 72: Abschlüsse und Abbrüche im dualen System nach Migrationshintergrund S . 86 Abb. 73: Abschlüsse und Abbrüche im Schulberufs - system nach Geschlecht S . 86 Abb. 74: Abschlüsse und Abbrüche im Übergangssystem S . 87 Abb. 75: Abschlüsse und Abbrüche an Schulen zum Erwerb einer HZB nach Abschluss und Migrationshintergrund S . 87 Karte 1: Orte der formalen, non-formalen und informellen Bildung in Darmstadt für das Lebensalter 0 – 6 Jahre S . 90 Karte 2: Orte der formalen, non-formalen und informellen Bildung in Darmstadt für das Lebensalter 6 – 10 Jahre S . 91 Karte 3: Orte der formalen, non-formalen und informellen Bildung in Darmstadt für das Lebensalter 10 – 18 Jahre S . 92 Abbildungsverzeichnis 102 Tabellenverzeichnis Tab. 1: Personen im SGB II-Bezug nach Darmstädter Grundschulbezirken zum 31. 3. 2017 S . 22 Tab. 2: Entwicklung der Teilnahmezahlen an Angeboten des Familienzentrums der Wissenschaftsstadt Darmstadt S . 33 Tab. 3: Schulen in inklusiven Schulbündnissen in Darmstadt S . 39 Tab. 4: Plätze in der Schulkindbetreuung und im Pakt für den Nachmittag 2017/18 S . 49 Tab. 5: Entwicklung der Teilnahmen an der qualifizierten Hausaufgabenhilfe S . 53 Tab. 6: Aktive Inanspruchnahme des Bildungs- und Teilehabepakets in ausgewählten Gebietskörperschaften im Rechtskreis SGB II S . 55 Tab. 7: Übergang von Stufe 6 auf 7 nach Schulformen S . 66 Tab. 8: Übergang von Stufe 9 auf Stufe 10 an Realschulen und integrierten Gesamtschulen S . 67 Tab. 9: Übergang von Stufe 9 (G 8) bzw. 10 (G 9) auf Stufe 11 an Gymnasien und Gymnasialzweigen S . 67 103 Abkürzungsverzeichnis AG Arbeitsgruppe AQB Ausbildungs- und Qualifizierungsbudget ASB Arbeiter-Samariter-Bund AsylbLG Asylbewerberleistungsgesetz AWO Arbeiterwohlfahrt BDKJ Bund Deutscher Katholischer Jugend BEP Bildungs- und Erziehungsplan BFZ Beratungs- und Förderzentrum BGB Bürgerliches Gesetzbuch BIWAQ Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier BKGG Bundeskindergeldgesetz BuT Bildungs- und Teilhabepaket DA Darmstadt DRK Deutsches Rotes Kreuz ESF Europäischer Sozialfonds G8 achtjähriges Gymnasium G9 neunjähriges Gymnasium HIPPY Home Instruction for Parents of Preschool Youngsters HKJGB Hessisches Kinder- und Jugendhilfegesetzbuch HZB Hochschulzugangsberechtigung IGS integrierte Gesamtschule InteA Integration durch Anschluss und Abschluss iSB inklusives Schulbündnis JBFG Jugendbildungsförderungsgesetz JBW Jugendbildungswerk JUSTiQ Jugend stärken im Quartier KGS kooperative Gesamtschule KiföG Kinderförderungsgesetz Kita Kindertageseinrichtung KJHG Kinder- und Jugendhilfegesetz KMK Kultusministerkonferenz LK Landkreis LLL lebenslanges Lernen LUSD Lehrer- und Schüler-Datenbank (Landesschulstatistik Hessen) MINT Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik OECD Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OloV Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit am Übergang Schule – Beruf PfdN Pakt für den Nachmittag QuABB qualifizierte Ausbildungsbegleitung in Betrieb und Berufsschule SGB Sozialgesetzbuch SKA Sozialkritischer Arbeitskreis SKB Schulkindbetreuung TU Technische Universität U3 unter drei Jahre(n) Ü3 über drei Jahre(n) üBFZ überregionales sonderpädagogisches Beratungs- und Förderzentrum ZfsE Zentrum für schulische Erziehungshilfe 104
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Punkt 15: 1. Bildungsbericht 2018 (V-Nr. 2019/0008) Der Ausschuss nimmt von der Vorlage Kenntnis.
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Punkt 3: 1. Bildungsbericht 2018 (V-Nr. 2019/0008) - Kenntnisnahme - Der Ausschuss nimmt von der Vorlage Kenntnis.
anlage 2
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Magistratsvorlage
Eingang Magistrats-
geschäftsstelle:
16.01.2019
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat II an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss-
fassung Fachausschuss
Dezernat I
Dezernat V
Amt: Schulamt
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
I II 40
V 51 JHA
Stvv
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2019/0008
Magistratsbeschluss-Nr.
42
Internetfähig
Produkt-Nr.: 211010
Kostenstelle: 040-016-1000 Investitionsnummer:
Kostenträger: 2110-11 Sachkonto:
Betreff: 1. Bildungsbericht 2018
Vorlage vom: 20.12.2018
Beschlussvorschlag:
Der Bericht wird zur Kenntnis genommen.
Anlagen: 1. Bildungsbericht 2018
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
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Beschluss des Magistrats vom 23.01.2019
Der Magistrat nimmt die Vorlage zur Kenntnis.
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Begründung zur Magistratsvorlage vom 20.12.2018
Der 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt Darmstadt 2018 – Bildung im Lebensverlauf:
Frühes Kindesalter bis zum Einstieg in den Beruf liefert einen ersten datenbasierten Überblick
über die Bildungslandschaft der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Er bringt dabei Daten aus
Schul- und Sozialdezernat, dem Staatlichen Schulamt für den Landkreis Darmstadt-Dieburg
und die Stadt Darmstadt, dem Gesundheitsamt für die Stadt Darmstadt und den Landkreis
Darmstadt-Dieburg sowie von einzelnen Bildungsakteurinnen und Bildungsakteuren erstmals
gemeinschaftlich unter dem Fokus Bildung zusammen.
An der Erstellung des Bildungsberichts waren verschiedene Ämter beteiligt. Neben der
Redaktion und Textbeiträgen aus dem Schulamt wurden Beiträge aus dem Jugendamt, dem
Umweltamt, dem Amt für Interkulturelles und Internationales, dem Amt für Interne Dienste (IT-
Abteilung), dem Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung (Abteilung Statistik und Stadt-
forschung) und dem Sportamt im 1. Bildungsbericht aufgenommen sowie Daten aus dem Amt
für Soziales und Prävention verwertet. An der Konzeption waren im Rahmen der AG Bildung
darüber hinaus das Frauenbüro sowie die Volkshochschule beteiligt.
Dem Bericht liegt ein umfassendes Bildungsverständnis zugrunde, das zum einen Lernen in
allen Lebensphasen (also lebenslanges Lernen) umfasst und zum anderen sowohl formale,
abschlussorientierte Lernformen als auch non-formale und informelle Lernbereiche einschließt.
Dennoch liegt der Fokus im ersten Bildungsbericht auf dem Kinder- und Jugendalter von der
frühen Kindheit bis zum Einstieg in den Beruf. Die Erwachsenenbildung kommt in diesem
Bericht nur punktuell in Form von Elternbildungs-/Familienbildungsangeboten vor. Dieser Ein-
schränkung liegen unterschiedliche Überlegungen zu Grunde. Zunächst einmal ist es ein Ziel
des Berichts, die unterschiedlichen Lebensbereiche möglichst breit, aber auch detailliert
darzustellen. Wollte man diesem Anspruch für das lebenslange Lernen gerecht werden, wäre
das vorliegende Werk noch umfangreicher, dadurch aber weniger lesefreundlich. Zum anderen
ist die Datenlage im Bereich der Erwachsenenbildung aufgrund der unvergleichlich größeren
Zahl an Bildungsanbietern schwer zugänglich. Eine wichtige zukünftige Aufgabe von Bildungs-
management und Bildungsmonitoring wird es also sein, Strategien für den Aufbau einer
umfassenden Datenlage für den Bereich Erwachsenenbildung zu entwickeln.
Der Bericht ist wie folgt gegliedert:
I Rahmenbedingungen
II Bildung im Lebensverlauf
o A – Frühes Kindesalter bis zum Eintritt in die Schule
o B – Mittleres Kindesalter bis zum Einstieg in die Sekundarstufe
o C – Jugendalter bis zum Einstieg in den Beruf
o D – Im Überblick: Bildung im Sozialraum
III Ausblick auf Handlungsbedarfe
Im Sinne der Chancengerechtigkeit werden so oft wie möglich die Daten hinsichtlich Ge-
schlecht und Migrationshintergrund überprüft und ausgewertet. Die Themen Integration und
Sprachbildung sowie Inklusion sind bewusst nicht in gesonderten Kapiteln dargestellt, sondern
werden als Querschnittsthemen entlang der Bildungsbiografie stets mitgedacht und
mitbearbeitet.
Mit der Teilnahme am Programm „Bildung integriert“ hat sich die Wissenschaftsstadt
Darmstadt im Jahr 2016 auf den Weg gemacht, ein datenbasiertes kommunales Bildungs-
management aufzubauen und zu etablieren. Ziel ist es, die Bildungslandschaft vor Ort auf
Grundlage einer soliden Datenbasis unter Mitwirkung unterschiedlicher Akteurinnen und
Akteure zu gestalten. Damit ist der 1. Bildungsbericht zum einen Beginn für ein übergreifendes
Berichtswesen im Bereich kommunaler Bildung, zum anderen ist er Startpunkt für einen
vertieften kommunalen Bildungsdiskurs, der sich an die Veröffentlichung anschließt. So gilt es
einer
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seits, die im Bildungsbericht aufbereiteten Daten regelmäßig fortzuschreiben, um die
Entwicklung in den unterschiedlichen Bereichen nachzeichnen zu können. Anderseits gilt es,
ausgewählte Daten sozialräumlich auszuwerten, um unterschiedliche Bedarfe in
unterschiedlichen Teilen der Stadt aufzeigen und entsprechend reagieren zu können. Den
ungleichen Ausgangslagen muss durch ungleiche Maßnahmen Rechnung getragen werden, um
allen Bürgerinnen und Bürgern Chancen auf Bildung und Teilhabe zu gewährleisten.
Darmstadt, 20.12.2018
Dezernat I Dezernat II Dezernat V
Jochen Partsch Rafael Reißer Barbara Akdeniz
Oberbürgermeister Bürgermeister Stadträtin
Beratungsverlauf (5)
Orte (2)
- Frankfurter Straße 71
- Thomasstraße
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Details
- Vorlagen-Nr.
- 2019/0008
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 20.12.2018
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00