Mandari Insight

2900/2023

Projekt „Überprüfung der Kölner Straßennamen auf Zusammenhänge mit Kolonialismus oder Nationalsozialismus„

Mitteilung BV 12.10.2023

KI-Zusammenfassung

Klicken Sie, um eine KI-Zusammenfassung dieses Vorgangs zu erstellen.

KI-Analyse läuft...

vergangen

Was passiert gerade?

  • 📄 Dokumente werden analysiert...
  • 🤔 KI denkt nach (Reasoning-Modell)...
  • ✍️ Zusammenfassung wird geschrieben...
  • ⏳ Das dauert etwas länger bei komplexen Dokumenten...

Dieser Vorgang kann 1-3 Minuten dauern. Bitte lassen Sie die Seite geöffnet.

Nächste Beratung: Bezirksvertretung 2 (Rodenkirchen), Sitzung am 27.11.2023, TOP 10.2.2

Hermann Löns - Gutachten von Herrn Dr. Hoffmann

· application/pdf

Ansehen

Mitteilung BV

· application/pdf

Ansehen

Hermann Löns - Gutachten von Herrn Dr. Hoffmann

6808 Zeichen

Gutachten „Hermann-Löns-Straße“ Dr. Hoffmann, Philipp 1 
 
1 
 
Historischer Beirat der Stadt Köln zur Überprüfung der Kölner Straßennamen 
Hier: Hermann-Löns-Straße 
 
Im Stadtgebiet Kölns existieren insgesamt drei Straßen, die nach Hermann Löns benannt 
wurden. Diese befinden sich in den Ortsteilen 1. Esch/Auweiler, 2. Elsdorf, Grengel, 
Wahnheide sowie 3. Rodenkirchen. Die Benennungen erfolgten in drei Zeitabschnitten: Am 
27. Juni 1930 in Porz (Elsdorf, Grengel), sowie am 23. Mai 1967 in der Verlängerung nach 
Wahnheide sowie am 8. März 1982 in Esch/Auweiler und Rodenkirchen.1 
Porz wurde am 1. Januar 1975 im Rahmen der kommunalen Gebietsreform eingemeindet. 
Elsdorf gehörte seit 1929 zur Stadt Porz; Grengel wurde erst 1948 als Ortsteil von Porz 
gegründet. Esch/Auweiler sowie Rodenkirchen wurden ebenfalls zum 1.1.1975 
eingemeindet, sie gehörten zum Datum der Umbenennung somit zur Stadt Köln. 
Keine der Benennungen fällt damit in die Zeit des Nationalsozialismus. 
Hermann Löns (geb. 29. August 1866 in Culm, Westpreußen; gest. 26. September 1914 bei 
Loivre in der Nähe von Reims, Frankreich), war ein deutscher Journalist, Schriftsteller und 
sogenannter Heimatdichter. Hermann Löns arbeitete nach einem abgebrochenen Medizin- 
und Zoologie-Studium als Redakteur in Hannover; seit seiner Kindheit galt er als 
naturverbunden. Während seiner Zeit als Redakteur veröffentlichte er erste Gedichte. Ihn 
inspirierte die Landschaft der Lüneburger Heide; mit seinen Heimatromanen, 
Wanderbeschreibungen und Tiererzählungen (z.B. „Mümmelmann“, „Mein braunes Buch“) 
erlangte er als bekanntester deutscher „Heidedichter“ Berühmtheit. Hermann Löns wurde 
auch als Vordenker des Naturschutzgedankens bezeichnet. Er setzte sich 1911 für die 
Gründung des ersten deutschen Naturparks ein. 
Löns leistete in seiner Jugend keinen aktiven Militärdienst; er wurde nach der Musterung 
dem „Landsturm“ zugeordnet. 1914 meldet sich Löns als Kriegsfreiwilliger. Aufgrund seines 
Alters – er war bereits 48 Jahre alt – gelang es ihm nur über Beziehungen, Soldat zu 
werden. Den Dienst als Kriegsberichterstatter lehnte er ab. Er starb an der Front bei Reims 
am 26. September 1914. 
Die Vereinnahmung der Erinnerung an Löns begann unmittelbar nach seinem Tod an der 
Front von Reims. Ambivalent ist dabei vor allem die Interpretation: Galt er in der Weimarer 
Republik als Vorbild der Jugend- und Wandervogelbewegung, glorifizierten die 
Nationalsozialisten ihn als Vertreter der „Blut-und-Bodenideologie“. Die Umweltbewegung 
                                                           
1 Vgl. Schünemann-Steffen, Rüdiger: Kölner Straßennamen-Lexikon, S. 360f.

Gutachten „Hermann-Löns-Straße“ Dr. Hoffmann, Philipp 2 
 
2 
 
der 1980er Jahre erklärte Löns zu einem Vorkämpfer des Naturschutzgedankens. Die 
unterschiedlichen Vereinnahmungen erklären auch die verschiedenen Zeitabschnitte der 
Straßenbenennungen nach dem Schriftsteller. 
Eine Debatte über die ambivalenten Seiten des „Heidedichters“ setze in den 1980er Jahren 
ein. Insbesondere die völkisch-nationalistischen Textteile in den Werken Löns sorgen für 
Kritik. Löns schrieb, er sei „Teutone hoch vier.“ Und weiter „Wir haben genug mit Humanistik, 
National-Altruismus und Internationalismus uns kaputt gemacht, so sehr, daß ich eine ganz 
gehörige Portion Chauvinismus sogar für unbedingt nötig halte.“2. Seine Texte zeigen sich 
deutlich beeinflusst durch die Rassentheorien und Germanenlegenden des 19. Jahrhunderts. 
Löns begrüßte den Ausbruch des Ersten Weltkriegs und entschied sich begeistert für den 
Kriegsfreiwilligendienst. In sein Tagebuch aus dieser Zeit finden sich allerdings keine 
Passagen, die auf eine Kriegsverherrlichung schließen lassen. 
Über seine Motive hinter seinem Engagement für den Erhalt der unberührten Natur und die 
bedrohte Tierwelt streitet die Forschung. Auch hier verweisen Kritiker auf die völkischen 
Tendenzen in seinen Schriften: So formuliert Löns, dass Naturschutz gleichbedeutend sei 
mit Rassenschutz.“3 
Diese „Überbetonung des Nationalen“4 findet sich auch im Werk „Der Wehrwolf“ von 1910. 
Diese „Chronik aus dem Dreißigjährigen Krieg“ thematisiert in 146 Geschichten eine Gruppe 
von Bauern, die sich während des Dreißigjährigen Krieges gegen ihre Feinde zur Wehr setzt. 
Das Buch schildert den Verteidigungskampf des Bauern „Harm Wulf“ in brutalen, detaillierten 
Gewaltszenen. Für die Nationalsozialisten stellte das Buch ein willkommenes 
Propagandainstrument dar. Das Buch wurde vom „Amt Rosenberg“ als Schulungsbuch für 
junge Flakhelfer und Hitlerjungen empfohlen. Ebenso erfuhr das im Jahr 1911 verfasste 
„Matrosenlied“ große Popularität während der Angriffe auf England im Zweiten Weltkrieg. 
Antisemitische Stereotype, etwa in Löns Roman „Das zweite Gesicht“, führten weiter dazu, 
dass die Werke Löns zu Bestsellern im Nationalsozialismus wurden. 
Kritiker sind der Auffassung, dass eine solche Vereinnahmung – ob in der Kaiserzeit oder im 
Nationalsozialismus – nicht ohne eigenes Zutun zu Lebzeiten erfolgen konnte.5 Damit wird 
auf das häufige völkisch-rassistische, antisemitische und sozialdarwinistische Gedankengut 
im Werk Löns verwiesen. So wird auch sein Eintreten für den Naturschutz als 
                                                           
2 Zit. Nach: Duple, Thomas: Hermann Löns – Mythos und Wirklichkeit. Eine Biographie, Berlin 1994, S. 161. 
3 Löns, Hermann: NS I, 491, in: Deimann, Wilhelm (Hrsg.): Hermann Löns: Nachgelassene Schriften, 1.Band. 
Leipzig/Hannover 1928. 
4 Anger, Martin: Hermann Löns. Schicksal und Werk aus heutiger Sicht. Holtzmeyer, Braunschweig 1986 , S. 11. 
5 Dupke, Thomas: Mythos Löns. Heimat, Volk und Natur im Werk von Her mann Löns, Wiesbaden 1993, S. 129-
131.

Gutachten „Hermann-Löns-Straße“ Dr. Hoffmann, Philipp 3 
 
3 
 
Vaterlandsliebe gewertet. Volksgesundheit, Rassenschutz und Ressourcen für das deutsche 
Volk standen anstelle eines modernen Verständnisses von Ökologie.6 
Hermann Löns verstarb 19 Jahre vor der Machtübertragung an die Nationalsozialisten. Seine 
Werke wurden in der Kaiserzeit ebenso wie in der Weimarer Republik unter 
unterschiedlichen Lesarten vereinnahmt. Löns war somit nicht der nationalsozialistische 
Vordenker, zu dem er zwischen 1933 und 1945 instrumentalisiert wurde. 
Als Vertreter einer völkisch-nationalistischen-konservativen Literatur ist sein Werk kritisch vor 
dem Hintergrund ihrer Entstehungszeit zu bewerten. Dasselbe gilt für die Beweggründe der 
Straßenbenennungen in Köln. Für die Hermann-Löns-Straßen wird eine kritische 
Kontextualisierung empfohlen, die auch chauvinistische, antisemitische und rassistische 
Elemente seines Werkes berücksichtigt. 
 
Köln, Juli 2023 
 
Dr. Philipp Hoffmann 
                                                           
6 Vgl. ebd., S. 281.

Mitteilung BV

1689 Zeichen

Dezernat, Dienststelle  
VIII/23/235/1 
 
Vorlagen-Nummer 
 2900/2023 
Mitteilung 
öffentlicher Teil 
Gremium Datum 
Bezirksvertretung 6 (Chorweiler) 19.10.2023 
Bezirksvertretung 7 (Porz) 19.10.2023 
Bezirksvertretung 2 (Rodenkirchen) 27.11.2023 
 
Projekt „Überprüfung der Kölner Straßennamen auf Zusammenhänge mit 
Kolonialismus oder Nationalsozialismus" 
Hier:  
Handlungsempfehlung für die Hermann-Löns-Straße in Köln-Esch/Auweiler 
Handlungsempfehlung für die Hermann-Löns-Straße in Köln-Porz-Grengel 
Handlungsempfehlung für die Hermann-Löns-Straße in Köln-Rodenkirchen 
Wie in der Mitteilung mit der Vorlagennummer 0862/2023 berichtet wurde, hat der Verwal-
tungsvorstand 2021 das Projekt „Umgang mit dem (post)kolonialen Erbe Kölns“ im Amt für In-
tegration und Vielfalt initiiert. In einem Teilprojekt „Straßennamen“ wurde eine Untersuchung 
aller Kölner Straßennamen mit kolonialem und nationalsozialistischem Hintergrund veranlasst. 
Mögliche Ergebnisse der Prüfungen für eine Handlungsempfehlung an die jeweiligen Bezirks-
vertretungen können sein:  
- Keine Veranlassung notwendig 
- Straßenumbenennung  
- Mit Erläuterungstafeln oder QR-Codes über den/die Namensgeber*in informieren 
 
In seinem Gutachten zu Hermann Löns kommt Herr Dr. Hoffmann, Mitglied im Historischen 
Beirat, zu der Empfehlung einer kritischen Kontextualisierung des Straßennamens. Dem stim-
men auch alle anderen Gremiumsteilnehmer*innen zu. Das Gutachten von Herrn Dr. Hoff-
mann ist als Anlage beigefügt. 
 
Der Historische Beirat schlägt den betroffenen Bezirksvertretungen vor, die weitere Vorge-
hensweise abzuwägen.  
 
Anlage: 
Gutachten Hermann Löns von Herrn Dr. Hoffmann, Historischer Beirat

Beratungsverlauf (3)

19.10.2023 Bezirksvertretung 6 (Chorweiler)
TOP 9.1.1 Entscheidung Entscheidung

Beschluss: Kenntnis genommen

Zur Sitzung
19.10.2023 Bezirksvertretung 7 (Porz)
TOP 10.2.12 Entscheidung Entscheidung

Beschluss: Kenntnis genommen

Zur Sitzung
27.11.2023 Bezirksvertretung 2 (Rodenkirchen)
TOP 10.2.2 Entscheidung Entscheidung

Beschluss: Kenntnis genommen

Zur Sitzung

Details

Aktenzeichen
2900/2023
Typ
Mitteilung BV
Datum
12.10.2023
Erstellt
06.09.2023 12:10